Konzeption "Blaue Stunde" - Kommunale Jugendarbeit Neckarsulm

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Konzeption "Blaue Stunde" - Kommunale Jugendarbeit Neckarsulm

Konzeption für ein Projekt im Bereich

Schulverweigerung in Neckarsulm/Amorbach

1. Ausgangssituation

2. Voraussetzungen, Zielgruppen + Angebote

3. Evaluation

1. Ausgangssituation

- Die Schulleitung der Amorbachschule stellt einen erhöhten Bedarf fest,

Schuleschwänzen als Gesamtproblem in Angriff zu nehmen. Bei einigen Schülern

sind massive Fehlzeiten zu verbuchen, sowohl tageweise, aber auch

stundenweise oder durch verspätete Teilnahme am Unterricht und wendet sich

mit dem Wunsch nach einem Angebot für die Betroffenen an die Mobile

Jugendarbeit Amorbach.

- Die Schulsozialarbeit und Berufseinstiegsbegleiter teilen im Gesprächskreis mit

der Mobilen Jugendarbeit zu diesem Thema die Einschätzung der Schulleitung

und können sich eine personelle Beteiligung in beschränktem Rahmen vorstellen.

- Gleichzeitig ist es ein Anliegen aller Beteiligten, nicht nur in der momentanen

Situation zu intervenieren, sondern auch präventiv gegen Schulschwänzen

vorzugehen, sobald Schüler durch regelmäßiges Zuspätkommen auffallen.

- Die Mobile entwickelt im Austausch mit der Schulsozialarbeit, der

Berufseinstiegsbegleitung, dem Fachteam Mobile und der Referatsleitung die

Konzeption für das Projekt Blaue Stunde.

2. Voraussetzungen / Ziele / Zielgruppen

Alle Schüler der Amorbacher Schulen sollen von dem Konzept profitieren können,

entweder in Form der Intervention oder der Prävention. Als Resultat wird ein

dreigliedriges Angebot entwickelt, welches als Zielgruppen schwerpunktmäßig

jeweils die Klassen 5 + 6, 7 + 8 sowie 9 + 10 sieht.

a) Klasse 5/6: Angebot der Schulsozialarbeit

Oft ist der Ausgangspunkt des Schulschwänzens ein regelmäßiges Zuspätkommen,

das wir bereits in der 5./6. Klasse feststellen. Um bereits hier einzugreifen, bietet die

SSA nach Rückmeldung der Lehrer für alle Zuspätkommer ein Training an. Dabei

bleibt die Gruppe offen, so dass neue Teilnehmer jederzeit dazu stoßen können und

„Geheilte“ entlassen. Das bedeutet, die Länge des Trainings bestimmt jeder Schüler

durch sein Verhalten selbst.

Über ein gemeinsames Gespräch Lehrer – Eltern – Schüler – SSA sollten die Eltern

über das Zuspätkommen ihres Kindes und das Angebot in Kenntnis gesetzt und

deren Einverständnis eingeholt werden.


Die Schüler sollen frühzeitig merken, dass auch das Zuspätkommen an unserer

Schule nicht toleriert wird und die Schule daran interessiert ist, dass sie

Basiskompetenzen wie Pünktlichkeit erlernen und einüben.

Außerdem sollen die Schüler erkennen, dass es in ihrer eigenen Verantwortung liegt

und sie es selbst in der Hand haben, ob und wie lange sie am Training teilnehmen.

Inhalte des Trainings wurden innerhalb der SSA bereits besprochen und Ideen

festgehalten.

b) Klasse 7/8: Angebot der Mobilen JugendarbeitBlaue Stunde

Das Angebot basiert auf der Konzeption der Mobilen Jugendarbeit

Neckarsulm/Amorbach und wird den Bereichen Gruppen- und Gemeinwesenarbeit

zugerechnet.

- Den schulschwänzenden Jugendlichen soll an einem geschützten Ort ein

Angebot gemacht werden, an dem sie freiwillig teilnehmen können.

- Das Angebot soll den Jugendlichen Möglichkeiten bieten, ihre momentane

Situation zu erkennen, zu hinterfragen und positiv zu verändern. Die Stärkung der

Persönlichkeit soll eine Grundlage bilden, um im weiteren Verlauf in den

geregelten Schulbetrieb zurückzukehren und/oder eine berufliche

Zukunftsperspektive zu entwickeln.

- Qualitätskriterium für das Angebot ist auch eine begrenzte Teilnehmerzahl.

- Das Projekt ist nicht auf kurzfristige Ziele angelegt, sondern soll mittelfristig

wirken. Da die Ansprüche bei der Durchführung des Angebotes steigen wird

damit gerechnet, dass die Anzahl der Teilnehmer in dessen Verlauf sinkt.

- Grundlage für eine erfolgreiche Arbeit ist eine von Vertrauen geprägte Beziehung

zu den Schülern. Diese gilt es zunächst herzustellen.

- Um dieses zu gewährleisten ist es eine Voraussetzung, dass die Namen der

teilnehmenden Schüler nicht an die Schule oder die Eltern ohne das

Einverständnis der Betroffenen weitergegeben werden.

- Jeder Teilnehmer der Blauen Stunde bekommt für seine Anwesenheit eine

Bescheinigung in Form eines „Blauen Zettels“. Diesen kann er an die Schule

weitergeben, wenn er will. In diesem Zusammenhang soll dem Schüler klar sein,

welchen Vorteil er durch die Weitergabe hat und wie die Schule mit der

Information umgeht.

- Die Schule wird anonymisiert über den Betrieb der Blauen Stunde informiert.

- Bei der Auswahl der in Frage kommenden Schüler ist die Mobile Jugendarbeit auf

Informationen der Schule durch die jeweiligen Klassenlehrer und

Schulsozialarbeit angewiesen.

- Die Klassenlehrer, die Schulsozialarbeit, die Mobile Jugendarbeit und die Offene

Jugendarbeit (Treff 23) sprechen diese Schüler dann gezielt auf das Angebot

Blaue Stunde an.

- Das Angebot findet zweimal in der Woche, montags und dienstags zwischen 8:00

und 10:00 Uhr, statt.

- Als sinnvoll für die Laufzeit der Blauen Stunde (in einem Schuljahr) wird der

Zeitraum zwischen den Herbstferien (ab da wird sich herauskristallisiert haben,

wer für das Angebot in Frage kommt) und dem Ende der zu schreibenden

Klassenarbeiten (danach wir der Bedarf als gering eingeschätzt) angesehen.

- Inhalte der Blauen Stunde:


1. In der Einstiegsphase steht der Beziehungsaufbau in Form eines

gemeinsamen Frühstücks, welches sie selber gestalten und organisieren

werden, im Vordergrund. Angesprochen werden dabei auch Ursachen und

Gründe für das Schulschwänzen sowie Orte und Inhalte desselbigen.

2. Im nächsten Schritt werden die Teilnehmer Inhalte für ihre Blaue Stunde

entwickeln. Ziele für die Teilnehmer bis hierhin sind das (Wieder-) Einüben

bzw. Erlernen von Fähigkeiten wie frühem Aufstehen, Pünktlichkeit und

Teamarbeit.

3. Die dritte und abschließende Phase stellt die Einzelfallhilfe dar. Dabei wird

für jeden Teilnehmer ein individueller Planes für das weitere Vorgehen

entwickelt. Dieser kann schulische Unterstützung, Ausbildungs- oder

Praktikumsplatzsuche und Vermittlung an weiterführende Beratungsstellen

beinhalten.

- Um die Mobile Jugendarbeit bekannt zu machen und einen ersten Kontakt

herzustellen (falls er nicht schon besteht) ist es sinnvoll, zu Beginn des

Schuljahres eine gemeinsame Veranstaltung (förderlich wäre eine

erlebnispädagogische Aktion) mit der Schule und der Schulsozialarbeit

durchzuführen oder, wenn dies nicht möglich ist, die Mobile Jugendarbeit

vorzustellen.

c) Klasse 9/10: Angebot der Berufseinstiegsbegleitung

Für diese Schüler, die kurz vor ihren Prüfungen stehen bzw. die Schule in

absehbarer Zeit verlassen werden, ist es wenig sinnvoll, noch ein größeres Projekt

zu starten. Daher würde sich um diese Schüler Fr. Jörke, die

Berufseinstiegsbegleiterin der Amorbachschule, kümmern. Zentrale Methoden sind

Einzelgespräche und intensives „Kümmern“, vor allem auch im Hinblick auf die

schulische und berufliche Perspektive.

3. Evaluation

Am Ende des Schuljahres werden das Projekt und seine Ergebnisse im Netzwerk

ausgewertet. Nach dem Prozess der Qualitätskontrolle wird eine Fortführung im

nächsten Schuljahr angestrebt.

01.06.2011 Oetzmann/Rettenberger

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