Fälle 1.1. - 1.2, Intro

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Fälle 1.1. - 1.2, Intro

Materialien zum

Begleitkolloquium Privatrecht I

WS 2006/07

Akad. Rätin Andrea Fischer

Mi 10 – 11:30 Uhr (Raum 001 ITZ)

Wiss. Mit. Matthias Heilmeier

Mo 18 c.t . – 20 Uhr (Raum 030 IM)

Akad. Rat Dr. Stephan Schuster

Mo 18 s.t . – 19.30 Uhr (Raum 004 ITZ)

Di 8.30 – 10 Uhr (Raum 004 ITZ)


Begleitkolloquium Privatrecht I WS 2006/07 Fischer / Heilmeier / Dr. Schuster

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§ 1 Einführung

Allgemeine Literaturhinweise

BRAUN, Der Zivilrechtsfall, Klausurenlehre für Anfänger und Fortgeschrittene, 3. Aufl. 2006;

BROX/WALKER, Allgemeiner Teil des BGB, 30. Aufl. 2006; DIEDERICHSEN/WAGNER, Die

BGB-Klausur, 9. Aufl. 1998; ELTZSCHIG/WENZEL, Die Anfängerklausur im BGB, 2. Aufl.

2005; LINHART, Das System der Anspruchsgrundlagen, Einwendungen und Einreden in der

Zivilrechtsklausur, in: JA 2006, 266 ff.; MUSIELAK, Grundkurs BGB, 9. Aufl. 2005; KÖHLER,

Prüfe Dein Wissen – BGB AT, 24. Aufl. 2006; MEDICUS, Grundwissen zum Bürgerlichen

Recht, 7. Aufl. 2006; RÜTHERS/STADLER, Allgemeiner Teil des BGB, 14. Aufl. 2006;

SCHIMMEL, Juristische Klausuren und Hausarbeiten richtig formulieren, 6. Aufl. 2006; VALE-

RIUS, Einführung in den Gutachtenstil, 2005; WALTER, Über den juristischen Stil, in: Jura

2006, 344 ff.; WERNER, Fälle mit Lösungen für Anfänger, 11. Aufl. 2004.

I. Ziele der Veranstaltung

1. Wiederholung / Vertiefung des Vorlesungsstoffs aus der Veranstaltung Privatrecht I

2. Erlernen der Fallösungstechnik für juristische Prüfungen, insbesondere: Gliederung

und Gutachtenstil (Literatur: SCHMIDT, JuS 2003, 551 ff., 649 ff.)

3. Hilfestellung fachlicher Art beim Einstieg in das Jurastudium

4. „Schein“erwerb bei regelmäßiger Teilnahme (ggf. erforderlich beim Uni-Wechsel!)

II. Inhalt der Veranstaltung

1. Allgemeiner Teil (AT) des BGB, daraus vor allem die Rechtsgeschäftslehre im 1.

Buch, 3. Abschnitt (§§ 104–185 BGB), d.h. Geschäftsfähigkeit (§§ 104 ff.), sonstige

Wirksamkeitshindernisse (§§ 116 ff. BGB), Vertragsschluss (§§ 145 ff. BGB) und

Stellvertretung (§ 164 ff. BGB) sowie einzelne Vorschriften des Schuldrechts bzw. des

Sachenrechts

2. Besprechung von Beispielsfällen

3. Probeklausur(en)

III. Methodik der Fallbearbeitung – Aufbau und Gutachtenstil

1. Typische Fallfragen (nicht nur) für Anfangssemester:

Ansprüche der Beteiligten / Darstellung der Rechtslage / Eigentumsverhältnisse

2. Das Gutachten [vgl. dazu Fall 1.1]

Besteht aus einer Hypothese ( = Benennung von Schuldner, Gläubiger, Schuldinhalt

und einer möglichen Anspruchsgrundlage), deren Richtigkeit durch Syllogismen

( = Obersatz – Untersatz – Schlussfolgerung) überprüft wird.

3. Aufbauprinzip der Anspruchsprüfung [vgl. dazu Fall 1.1]

A. Anspruch entstanden

B. Anspruch erloschen (z.B. durch Erfüllung)

C. Anspruch durchsetzbar (z.B. wegen Verjährung)

4. Die Anspruchskonkurrenz ( = Reihenfolge der Prüfung / Gutachten) [vgl. dazu Fall

1.2]

A. Vertragliche Ansprüche (z.B. § 433 Abs. 1 S. 1 o. Abs. 2; § 535 Abs. 1 S. 1 o. Abs.

2, § 631 Abs. 1 BGB)


Begleitkolloquium Privatrecht I WS 2006/07 Fischer / Heilmeier / Dr. Schuster

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B. Quasi-vertragliche Ansprüche (GoA = §§ 677 ff. BGB)

C. Dingliche Ansprüche = Ansprüche, die sich aus der Beziehung einer Person zu

einer Sache ergeben (z.B. § 985, § 1007 Abs. 1 o. Abs. 2 S. 1, § 861 Abs. 1 BGB)

D. Bereicherungs- und deliktsrechtliche Ansprüche (= Sonstige gesetzliche Schuldverhältnisse),

(§§ 812 ff., §§ 823 ff. BGB)

5. Gewöhnliche Gliederung: Alphanumerisch, d.h.

A. [Anspruchsgrundlage 1]

I. [Tatbestandsmerkmal 1]

1. [Voraussetzung 1]

a) ...

aa) ...

bb) ...

b) ...

2. [Voraussetzung 2]

II. [Tatbestandsmerkmal 2]


B. [Anspruchsgrundlage 2]

I. ...

...

IV. Methodik der Gesetzesauslegung

1. Historisch (Gesetzesmaterialien)

2. Grammatikalisch (Wortlaut und Sinnzusammenhang)

3. Systematisch (Funktionszusammenhang mit anderen Normen)

4. Teleologisch (Zweck der Norm)

5. Rechtsfortbildung durch

a) Analoge Anwendung von Normen; Voraussetzung dafür:

aa) planwidrige Regelungslücke

bb) Vergleichbarkeit der Sachverhalte/Interessenlage

b) teleologische Reduktion: Einschränkung des Anwendungsbereichs einer Vorschrift

entsprechend ihrem Sinn und Zweck

Fall 1.1

F überlässt B vereinbarungsgemäß EUR 1 000,- als Kredit. Am vereinbarten Fälligkeitstermin

zahlt B dem F nur EUR 600,- Zehn Jahre später, F ist ein wenig vergesslich, verlangt F von B

die Zahlung von EUR 1 000,-. B weist ihn darauf hin, dass er bereits EUR 600,- gezahlt habe.

Außerdem sei das ganze nun zu lange her. Kann F Zahlung der EUR 1 000,- verlangen?

Fall 1.2

Assessor S ist fasziniert von einem bunten Paperback-Buch, das er auf dem verwaisten Tisch

des Studenten A in der Universitätsbibliothek sieht. Schließlich übermannt ihn die Neugier: S,

für einen Augenblick unbeobachtet, ergreift das Buch, steckt es ein und nimmt es mit nach

Hause, um es für immer zu behalten. Welche Ansprüche hat A?

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