KÖNIGIN DER MEERE - K+S Aktiengesellschaft

k.plus.s.com

KÖNIGIN DER MEERE - K+S Aktiengesellschaft

Die Zeitung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der K+S Gruppe

ZKZ 24832

WWW.K-PLUS-S.COM

DEUTSCHE AUSGABE

ARBEITSLEBEN

KÖNIGIN DER

MEERE

Carolina Asenjo Riquelme ist auf

den Weltmeeren zu Hause. Die

Offizierin steuert das neue

Frachtschiff der Empremar

» Seite 6

SALZ

MEHR ERFOLG

DURCH BESSERE

ZUSAMMENARBEIT

Der Salzbereich setzt rund um den

Globus auf mehr Miteinander. So

macht sich der Weltmarktführer

fit für die Zukunft.

» Seite 3

KALI

MEHR ERTRAG

DURCH RICHTIGE

DÜNGUNG

Die Mandel erlebt als gesunde Kost

ein Comeback. Damit die Bäume

bestens gedeihen, liefert K+S die

mineralischen Düngemittel.

» Seite 12

KARRIEREN

MEHR KNOW-HOW

DURCH GEZIELTES

TRAINING

Der Sprung ins Ausland will

gelernt sein. Worauf es ankommt,

erfahren K+S-Mitarbeiter in

Theorie und Praxis.

» Seite 8


2

WELTWEIT WORLDWIDE / DANS LE MONDE / A ESCALA MUNDIAL / MUNDO

Nachrichten aus der Branche, dem Konzern

und von unseren Standorten weltweit.

Liebe

Mitarbeiterinnen,

liebe Mitarbeiter,

Lösungen liefern heißt das Motto

unseres Finanzberichts, den wir vor

wenigen Wochen veröffentlicht

haben. Denn das ist es, was wir mit

unseren Rohstoffen tun. Und zwar

für eine Vielzahl unterschiedlicher

Anwendungsbereiche. Dass dies

auch im vergangenen Jahr gelungen

ist, lässt sich nicht zuletzt an

unseren Zahlen für 2012 erkennen,

die sich durchaus sehen lassen

können: Wir haben einen Umsatz

von rund 3,9 Milliarden Euro und

ein operatives Ergebnis von 809

Millionen Euro erwirtschaftet.

Selbstverständlich darf uns dies

nicht davon abhalten, weiterhin

mit vollem Einsatz und viel Knowhow

Lösungen zu entwickeln und

zu liefern. Denn das ist es, was

Sie, liebe Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter, Tag für Tag tun.

Zum Beispiel, wenn K+S-Forscher

ein umweltschonendes Verfahren

entwickeln (S. 22), wenn ein inter -

nationales Team für ein neues

Produkt gemeinsam das Beste aus

unseren Rohstoffen herausholt

(S. 16) oder wenn ein ganzer Geschäftsbereich

alle Kräfte bündelt,

um künftigen Herausforderungen

gemeinsam zu begegnen (S. 3).

Und da heute unter dem Dach von

K+S Menschen unterschiedlichster

Länder und Kulturen miteinander

arbeiten, kommt es bei allem

Engagement auch darauf an,

immer wieder sprachliche und

regionale Grenzen zu überwinden.

Was dabei zu beachten ist und wie

es gelingt, gleich in mehrfacher

Hinsicht zusammenzuwachsen,

erfahren Sie ab Seite 8. Eine spannende

Lektüre wünscht Ihnen

Ihr

Vorsitzender des Vorstands

der K+S Aktiengesellschaft

WIRTSCHAFTSGESPRÄCHE

KANZLERIN LOBT K+S

SANTIAGO / In ihrer Rede auf

dem EU-CELAC-Wirtschaftsgipfel

in Santiago de Chile

hat Bundeskanzlerin Angela

Merkel das Engagement der

K+S Gruppe besonders gelobt:

„Wir haben in Chile einige

herausragende Unternehmen.

Ich möchte die K+S AG

erwähnen, die am größten

Salzhersteller Südamerikas

beteiligt ist.“ Gemeinsam mit

weiteren hochrangigen Vertretern

deutscher Unternehmen

hat K+S-Vorstandsvorsitzender

Norbert Steiner die

Kanzlerin nach Chile begleitet.

Die Delegation wurde

dort unter anderem vom

chilenischen Staatspräsidenten

Sebastián Piñera (r.)

empfangen.

MITARBEITERBEFRAGUNG

JETZT GEHT ES AN DIE UMSETZUNG

WELTWEIT / Im vergangenen

Jahr hat der Vorstand weltweit

über die Ergebnisse der

ersten Mitarbeiterumfrage

der K+S Gruppe informiert.

Diese konnten sich sehen lassen.

Aber es gibt auch einiges

zu tun. Die Umsetzung konkreter

Maßnahmen ist bereits

auf den Standorten und in

den Geschäftsbereichen angelaufen.

Die insgesamt mehr

als 100 Maßnahmen umfassen

ein breit gefächertes

ARBEITEN

03 Salzer ziehen an

einem Strang

06 Carolina Asenjo steuert

das neue Frachtschiff

der SPL

08 Sprechen Sie

International?

MESSE

K+S AUF WELTGRÖSSTER

LANDWIRTSCHAFTSMESSE

LEBEN

12 Mandelanbau im

kalifornischen

Central Valley

16 Baden im Bittersalz –

ein Mineral als Multitalent

BERLIN / Die K+S KALI GmbH

hat sich auf der Internationalen

Grünen Woche in Berlin

mit einem eigenen Informationsstand

präsentiert. Während

der zehntägigen Messe

konnten sich die gut 400.000

Besucher über die Bedeutung

einer ausgewogenen Düngung

und den Kalibergbau in

Deutschland informieren.

Auch die Produktionsstandorte

der K+S KALI GmbH wurden

vorgestellt. „Das Interesse

am Rohstoff Kali, unseren

Düngemitteln und dem Bergbau

in Deutschland war erfreulich

hoch“, so Friedhelm

Mester, Leiter Kommunikation

und Handelspolitik der K+S

KALI GmbH. Die Internationale

Grüne Woche ist die weltweit

größte Fachmesse für

Landwirtschaft, Ernährung

und Gartenbau. Über 1600

Aussteller aus 67 Ländern waren

in diesem Jahr beteiligt.

Ein Rekord für die Messe.

Themen spektrum: vom Ausbau

spezifischer Instrumente

zur Personalentwicklung über

Fragen der effizienten Zusammenarbeit

bis hin zur Weiterentwicklung

des Gesundheitsmanagements

und

der Sicherheit. Jetzt

können Führungskräfte

und Mitarbeiter

weltweit gemeinsam weitere

Maßnahmen diskutieren

und beschließen. Noch im

April werden hierzu an allen

Standorten weltweit Plakate

zur Verfügung stehen, auf

denen die Belegschaft die

Möglichkeit hat, den bereits

bestehenden Maßnahmen

eigene hinzuzufügen.

LERNEN

18 Wie das Salz von den

Antillen nach Europa kam

21 Unter der Lupe:

der Grubenhelm

22 Wie funktioniert das

ESTA-Verfahren?

24 Salz als Kulturgut

WELTERNÄHRUNG

GEMEINSAM GEGEN

DEN HUNGER

BERLIN / Starke Kooperation

für eine sichere Ernährung. So

lautet der Name einer Initiative

gegen globale Hungersnöte,

an der sich auch K+S beteiligt.

K+S-Vorstandsmitglied

Gerd Grimmig traf die Kooperationspartner

auf einer Konferenz

in Berlin. Dazu gehören

auch Bill Gates (r.) und Bundesentwicklungsminister

Dirk

Niebel (l.).

ARBEITSSICHERHEIT

AUSZEICHNUNG FÜR

KOLLEGEN IN BRASILIEN

RIO DE JANEIRO / Die brasilianische

SPL-Tochter Salina

Diamante Branco hat im Dezember

2012 einen Preis für

besonders gute Arbeitsbedingungen

gewonnen. Unter 50

ausgewählten Unternehmen

hat der Meersalzproduzent in

der Kategorie „Wealthy and

Secure Labor Environment at

Work“ den ersten Platz erzielt.

Vergeben wurde der

Preis vom Industrieverband

Rio Grande. Glückwunsch!

TEILEN

25 Daniel Marques reist für

Salz durch Portugal

28 Rekord beim

Kristallmarathon in

Merkers

30 Gigant auf der Halde

Titel: Octavio López Alvalos, thinkstock Fotos S. 2: K+S, Messe Berlin, Raum 11/Frank Zappner, thinkstock (2), photoshot, KircherBurkhardt


ARBEITEN WORKING

/ TRAVAILLER / TRABAJAR / TRABALHAR

3

WIR ZIEHEN WELTWEIT

AN EINEM STRANG

Drei große regionale Einheiten, ein gemeinsames

Produkt: Salz. Unter dem Dach von K+S und der

Leitung des neuen Vorstandes Mark Roberts wachsen

esco, Morton Salt und SPL noch enger zusammen. Das

ist gut für die Kunden – und für die MitarbeiterInnen.

VON CHRISTIN BERNHARDT

In einem Geschäftsbereich, der zwar

das Produkt teilt, aber in ganz unterschiedlichen

Ländern und Märkten vertreten

ist, sind es immer wieder kleine und

große Schritte, welche die Zusammenarbeit

weiter verbessern und das Zusammengehörigkeitsgefühl

stärken. In einem

Brief an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

aller Salz-Gesellschaften zeigte

Mark Roberts im November vergangenen

Jahres auf, wie er die Zukunft des

Geschäftsbereichs Salz bei K+S sieht: als

gemeinsame Anstrengung, bei der die einzelnen

Einheiten besser und enger zusammenarbeiten

und an einem Strang ziehen.

Derzeit wird in Arbeitsgruppen intensiv an

der langfristigen Strategie des Geschäftsbereiches

gearbeitet. Bis Mitte des Jahres

sollen die wesent lichen Ergebnisse vorgestellt

werden.

Ein stärker abgestimmter Ansatz ist aus

verschiedenen Gründen wichtig. Obwohl

das Salzgeschäft traditionell regional organisiert

ist, gibt es auch Kunden mit dem

Anspruch, weltweit mit einem global denkenden

und handelnden Unternehmen

zusammenzuarbeiten. Gemeinsam können

die Einheiten des Geschäftsbereichs

die weit gespannte Produktionsstruktur

nutzen, um sich starke Marktschwankungen

wie jene zunutze zu machen, die vor

Kurzem bei Auftausalz und Pharmasalz

zu beobachten waren. Außerdem können

in einer Region erzielte Fortschritte

von unmittelbarem Wert für eine andere

sein, beispielsweise bei Verpackungstechniken,

bei Forschungs- und Entwicklungsarbeiten

sowie bei der Lieferkette.

Doch diese grenzübergreifenden Potenziale

können nur ausge- WEITER AUF SEITE 4 »

CHRISTIAN

HERRMANN

Morton Salt

ALEXA

HERGENRÖTHER

SPL

MARK

ROBERTS

K+S AG

ERICH

KRUG

esco

MATTHIAS

MOHR

esco

Fotos: Enrique Siqués, Carsten Herwig


4 ARBEITEN WORKING / TRAVAILLER / TRABAJAR / TRABALHAR

SCOOP 1/2013

»

schöpft werden, wenn die einzelnen Einheiten

aktiv und eng zusammenarbeiten.

Vor diesem Hintergrund beleuchten

die Einheiten derzeit die Chancen, die

ihnen ihre Märkte bieten, und untersuchen

Möglichkeiten, wie sie ihre Budgets

noch effektiver einsetzen können.

So wurde beispielsweise in Chile eine Projektgruppe

gegründet, die nach alternativen

Transportmöglichkeiten von der Mine

zum Hafen sucht, um langfristig Kosten

einzusparen. Jede regionale Einheit bearbeitet

in ihren Projektgruppen Themenfelder,

die sie selbst ausgewählt hat und für

besonders wichtig erachtet. Querschnittteams

aus allen Einheiten widmen sich

zudem überregionalen Fragestellungen.

„Das bedeutet viel Grundlagenarbeit“,

sagt Matthias Mohr, der gemeinsam mit

seinem Kollegen Erich Krug die Geschäfts-

führung von esco innehat. Doch die lohne

sich. Denn auf Basis dieser Analysen

können zukünftig konkrete Ziele und entsprechende

Maßnahmen entwickelt werden.

„Für uns kommt es gar nicht so sehr

darauf an, ständig das Rad neu zu erfinden“,

erläutert Krug. Viel wichtiger sei es,

dafür zu sorgen, dass das im Salzbereich

insgesamt vorhandene Know-how allen

zugute komme und die Einheiten weltweit

voneinander profitierten.

Regionale Grenzen überwinden

Wenn Einheiten über regionale Grenzen

hinweg enger zusammenrücken und sich

zukünftig noch besser abstimmen wollen,

geht das nicht ohne Veränderungen.

Alexa Hergenröther, CEO von SPL in Chile,

weiß das aus langjähriger Erfahrung:

„Ohne klare Strukturen bleibt auch die

» Unser Know-how im

Geschäftsbereich Salz soll

allen Kollegen weltweit

zur Verfügung stehen. «

beste Zusammenarbeit hinter ihren Möglichkeiten

zurück. Also müssen wir diese

Strukturen ebenso wie die vorhandenen

Steuerungssysteme in den einzelnen Einheiten

überprüfen und an unsere gemeinsamen

Bedürfnisse anpassen. Das hat den

Vorteil, dass viele Abläufe deutlich vereinfacht

werden. Auf diese Weise sparen unsere

Mitarbeiter wertvolle Ressourcen.

Diese wiederum stehen dann für andere

Aufgaben zur Verfügung und können so

eingesetzt werden, dass sie unser Unternehmen

für die Zukunft stärken.“ Wichtig

hierfür sei ein gemeinsames System, mit

dem jede Einheit eigene, objektiv messbare

Ziele entwickeln, dokumentieren und

überprüfen kann: „Wenn wir ein einheitliches

System nutzen, können wir unsere

Ziele mit denen der anderen Einheiten

im Geschäftsbereich Salz abstimmen, Interessenkollisionen

vermeiden und einen

besseren Blick für ungenutzte Potenziale

bekommen.“

Zusammenrücken und an einem

Strang ziehen bedeutet, dass jede und

jeder Einzelne das Beste gibt. „Die kontinuierliche

Suche nach Effizienzsteigerungen

muss auf allen Ebenen im Unternehmen

gelebt werden“, sagt Christian

Herrmann, CEO von Morton Salt. „Wir

wollen dies bei Morton Salt beispielsweise

durch internes Benchmarking, vermehrte

Standardisierung oder Ideenmanagement

in Angriff nehmen.“

EUROPEAN SALT

COMPANY (esco)

Firmensitz: Hannover, GER

Mitarbeiter: 1.407

Die esco hat 19 Produktions- und

Vertriebsstandorte in ganz Europa.

Neben Standardprodukten wie

Auftau- und Pharmasalzen werden

auch Spezialitäten wie Teichsalz

und Fischereisalz hergestellt.

K+S

Firmensitz: Kassel, GER

Mitarbeiter Geschäftsbereich Salz: 5.116

Mit einer Kapazität von 30 Millionen

Tonnen Salz im Jahr ist K+S der größte

Salzhersteller der Welt. Unter dem Dach

der North American Salt Holdings

(NASH) gehören Morton Salt, esco und

SPL zum Geschäftsbereich Salz.

SOCIEDAD PUNTA

DE LOBOS (SPL)

Firmensitz: Santiago de Chile, CL

Mitarbeiter: 924

SPL baut im Tagebau in der Atacamawüste

Steinsalz ab. Mit zur SPL gehört auch

die International Salt Company (ISCO),

die Schiffsflotte Empremar sowie die

Tochterfirma Salina Diamante Branco, die

in Brasilien Meersalz produziert.

MORTON SALT

Firmensitz: Chicago, USA

Mitarbeiter: 2.922

Die Marke Morton Salt ist in

den USA sehr bekannt. Erst vor

Kurzem wurde das „Umbrella

Girl“, das seit 1914 das Logo

ziert, zu einer der zehn beliebtesten

weiblichen Werbe-

Ikonen der USA gekürt.


SCOOP 1/2013

5

» WENN WIR WELTMARKTFÜHRER BLEIBEN

WOLLEN, GEHT DAS NUR GEMEINSAM. «

Mark Roberts wurde im Oktober vergangenen Jahres in den Vorstand von K+S berufen. Der Geschäftsbereich Salz liegt

nun in seiner Verantwortung. Im Interview erklärt er, worauf es jetzt besonders ankommt.

Fotos: KircherBurkhardt, Enrique Siqués

Mr. Roberts, was haben Sie sich für Ihre

neue Aufgabe im Vorstand von K+S

vorgenommen?

Wir sind der größte Salzproduzent der

Welt, und dem wollen wir auch gerecht

werden. Dafür dürfen wir nicht nur unsere

derzeitige Stellung halten. Wir müssen

noch stärker werden und auf Wachstum

hinarbeiten. Das geht nur gemeinsam,

also nur, wenn alle Einheiten in unserem

Unternehmen mit anpacken. Für mich

persönlich bedeutet es, dass ich in voller

Verantwortung für alle Aspekte des Geschäftsbereichs

Salz nicht nur eine Aufsichtsfunktion

ausübe, sondern aktiv an

der Weiterentwicklung dieses Geschäfts

mitwirke.

Gemeinsam an einem Strang zu ziehen

ist gar nicht so einfach. Der Geschäftsbereich

Salz besteht aus drei großen

Einheiten, die wiederum eigene Tochterunternehmen

haben, und der koordinierenden

NASH. Er ist auf mehreren

Kontinenten aktiv. Ist Salz nicht doch

eher eine regionale Angelegenheit?

Das ist richtig. Das Salzgeschäft ist naturgemäß

regional, und wir sind geografisch

sehr weit verteilt. Unabhängig vom

Standort gibt es aber unzählige Gemeinsamkeiten

zwischen den Unternehmen.

Wir müssen einen aktiven Informationsaustausch

betreiben, damit Antworten,

die wir in einer Region gefunden haben,

vom gesamten Geschäftsbereich genutzt

werden, sodass alle Regionen davon

profitieren. Doch das ist nur ein Aspekt.

Entscheidend ist nämlich nicht nur,

wie wir denken und handeln, sondern

vor allem, was unsere Kunden von uns

erwarten. Und unsere Kunden denken

heute immer mehr in globalen Dimensionen,

verfolgen globale Trends und wünschen

sich einen globalen Partner. Das

bedeutet natürlich nicht, dass wir die Regionen

in Zukunft vernachlässigen werden.

Ich bin sicher, dass beides möglich

ist: global denken und regional handeln.

Aber dazu ist es unumgänglich, dass wir

als Geschäftseinheit noch stärker zusammenwachsen,

die Kräfte bündeln

und unsere Möglichkeiten zum Wohle

der gesamten Geschäftseinheit nutzen.

Wie soll so ein gemeinsames Auftreten

in der Praxis aussehen? Können Sie uns

dazu ein konkretes Beispiel nennen?

esco hat Anfang des Jahres eine Ladung

von 50.000 Tonnen Auftausalz aus Chile

erhalten. Durch die Unterstützung von

SPL in Südamerika ist es uns gelungen,

die Lieferfähigkeit von esco zu sichern,

nachdem es im vergangenen Dezember

in weiten Teilen von Nordeuropa besonders

stark geschneit hatte, was das Produktionsnetz

von esco belastete. SPL hat

sich bereits vor zwei Jahren darauf eingestellt,

Salz gemäß der in Europa erforderlichen

Spezifikation zu produzieren

und zu liefern. Für unsere Kunden spielt

» Global denken und

regional handeln: Ich bin

überzeugt, dass beides

möglich ist. «

es keine Rolle, von welcher unserer Einheiten

das Salz ursprünglich kommt.

Kein anderer Salzhersteller hat vergleichbare

Beschaffungsmöglichkeiten. Das

macht uns zu einem besonders zuverlässigen

Partner, der auch in Extremwintern

liefern kann.

Es gibt natürlich noch andere Beispiele,

bei denen der einfache Informationsaustausch

zu langfristigen Vorteilen der

Geschäftseinheit führt. Beispielsweise

haben Morton und SPL Konzepte zum

Design von Produktverpackungen für

Verbraucher und zum Warengruppenmanagement

ausgetauscht, was zu neuen

Ideen bei unseren Vertriebspartnern

im Einzelhandel und bei der Kundenkommunikation

geführt hat. Diese Beispiele

zeigen, was echte Teamarbeit ist –

und davon wünsche ich mir noch mehr.

Was kann das Management im

Salzbereich beitragen, um die

Zusammenarbeit zu stärken?

Zunächst müssen wir den Entscheidungsträgern

die richtigen Mittel und

die nötige Unterstützung geben, damit

sie fundierte, auf Daten beruhende

Entscheidungen darüber treffen können,

wie sie ihre Geschäftstätigkeit

am effektivsten und unter Berücksichtigung

aller regionalen Optionen

gestalten. Zum Beispiel sollten wir die

Absatz- und Vertriebsplanung stärken

und Strukturen, Beschaffungsmodelle

und Mengenziele prüfen, wobei

wir die Produktionsstandorte des

gesamten Geschäftsbereichs berücksichtigen,

nicht nur die der einzelnen

regionalen Einheiten.

Nicht weniger wichtig ist es, Anstoß

für einen offenen und partnerschaftlichen

grenzüberschreitenden

Wissensaustausch zwischen den zu-

ständigen Funktionsleitern zu führen,

um Strategien gemeinsam zu entwickeln

und aufeinander abzustimmen, aber

auch, um die eher taktischen Gelegenheiten

zu nutzen, die sich bieten. Das gilt

für viele Bereiche wie zum Beispiel Vertrieb

und Marketing, Forschung und Entwicklung

sowie die Beschaffung. Wir

haben einige international besetzte

Arbeits gruppen gebildet, die an der Entwicklung

der strategischen Planung für

den Geschäftsbereich mitwirken und

bislang wirklich gute Arbeit leisten.

Außerdem kommt es entscheidend

darauf an, dass wir die finanziellen Kennzahlen

zusammenführen und der gesamte

Geschäftsbereichs als echte Einheit

auftritt. Es gilt, unsere eigene

Wahrnehmung unserer Tätigkeit ebenso

wie unsere Außendarstellung grundsätzlich

zu verändern.

Warum ist es eigentlich so wichtig,

künftig noch stärker innerhalb der

Geschäftseinheit zu denken und so

auch gemeinsam aufzutreten?

Den wichtigsten Grund habe ich schon

genannt: Etliche unserer Kunden denken

global, also sollten wir das auch tun.

Dazu gehört, dass wir nicht nur unsere

finanziellen Aktivitäten zusammenfassen

und abstimmen, sondern auch eine

einheitliche Strategie über alle Märkte

hinweg vorantreiben. Es ist nicht nur effizienter,

sondern auch effektiver und

persönlich befriedigender, wenn wir uns

nicht im Weg stehen, sondern uns stattdessen

gegenseitig Türen öffnen. Auf der

Suche nach Möglichkeiten, unser Geschäft

zu entwickeln und auszubauen,

wird uns mehr einfallen, wenn alle ihre

Erfahrungen einbringen. Jede Einheit in

unserem Geschäftsbereich verfügt über

ganz spezielles Know-how, das allen anderen

ebenso nützen kann. Aber dafür

müssen wir es für alle verfügbar machen

und deshalb so eng wie möglich zusammenarbeiten.

» Wir sind der weltgrößte

Salzproduzent, aber ich

bin sicher, die beste Zeit

liegt noch vor uns. «

Das bedeutet viel Entwicklungsarbeit

und auch große

Anstrengungen für alle Seiten.

Es gibt viel zu tun, das ist nicht

immer bequem. Aber es gibt

auch viel zu gewinnen! Und miteinander

ist es leichter. Ich sehe

unser Vorhaben, die Einheiten

des Geschäftsbereichs Salz

noch enger zusammenzubringen,

als gute Möglichkeit für

alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen,

engagiert Neues zu

schaffen und sich und ihre Fähigkeiten

auch persönlich weiterzuentwickeln

– aus einem Gefühl der

Stärke heraus und nicht, weil wir

dazu gezwungen werden. Wir sind

der weltgrößte Salzproduzent. Und

wenn wir uns die Märkte und unsere

Wettbewerber anschauen, dann sehen

wir, wie viel wir schon können. Wenn wir

uns jetzt noch mehr auf unsere Stärken

konzentrieren und es uns gelingt, diese

noch weiter auszubauen, dann liegt die

beste Zeit erst vor uns.


6

ARBEITEN WORKING / TRAVAILLER / TRABAJAR / TRABALHAR

SCOOP 1/2013

DAS GEFÜHL

VON FREIHEIT

Die Flotte der Empremar hat ein neues Frachtschiff:

die SPL Atacama. Vor wenigen Wochen ist sie zur

Jungfernfahrt in See gestochen und hat den Pazifik

überquert. Mit an Bord war auch Carolina Asenjo

Riquelme. Sie ist die dritte Offizierin.

Ein 180 Meter langes Frachtschiff

über den Ozean zu steuern ist kein

Kinderspiel. Für Carolina Asenjo

Riquelme ist es Alltag: „Klar ist es eine

Herausforderung, in allen Situationen die

Kontrolle über so ein großes Schiff zu haben.“

Dass dies – dank Erfahrung und Konzentration

– gelingt, sei trotz der Routine

immer wieder ein tolles Gefühl. Seit vier

Jahren überquert die 27-jährige Chilenin

auf den Frachtern der Empremar die Meere.

Seit Kurzem ist sie die dritte Offizierin

auf der SPL Atacama.

Das Schiff transportiert mit einer Länge

von 180 Metern und 30 Meter Breite bis

zu 200.000 Tonnen Salz pro Jahr. Für die

Reederei Empremar, eine Tochter der SPL,

hat die Neuanschaffung des Massengutfrachters

gleich zwei entscheidende Vorteile:

Zum einen verfügt das Schiff über

einen äußerst sparsamen und damit umweltfreundlichen

Motor, der insbesondere

die Kosten senkt. Zum anderen kann die

SPL Atacama – gemessen an ihrer Größe –

sehr viel Fracht transportieren. „Bei einem

Tiefgang von knapp zehn Metern lädt sie

über 35.000 Tonnen Schüttgut“, sagt Andrés

Fuentes, Manager bei der Empremar.

„Das ist ein Spitzenwert für Schiffe dieser

Größenordnung.“

Für die Jungfernfahrt ging es vom Hersteller

SPP Shipbuilding aus der Werft in

Südkorea zunächst nach Japan. Auf offenem

Meer hat das nagelneue Schiff

erstmals auf maximale Geschwindigkeit

beschleunigt: 14 Knoten macht

die SPL Atacama. Das entspricht etwa

26 Kilometern pro Stunde. Nach Beladung

des Frachtraums in Japan startete

die 18.000 Kilometer lange Seereise

über den Pazifik. Während der

25-tägigen Überfahrt feierte die Mannschaft

Weihnachten und Silvester an Bord.

Ende Januar tauchte Chile am Horizont

auf. „Ich hatte richtig Gänsehaut, als wir

in den Hafen von Lirquén, einliefen“, erinnert

sich Carolina Asenjo. „Als wir dann

vor Anker lagen, bekamen wir von der

Hafenbehörde die Erlaubnis, die chilenische

Flagge an Deck zu hissen. Das war

für uns alle ein unvergesslicher Moment.“

Wenn die Offizierin vom Schiff und dem

Leben auf See berichtet, ist ihre Begeisterung

nicht zu überhören. So wundert

es nicht, dass sie ihre Arbeit als Traumjob

bezeichnet. Dabei haben bis zu ihrem

Studium der Schiffstechnik weder Meere

noch Schiffe eine größere Rolle in ihrem

Leben gespielt.

Von der Farm auf den Frachter

„Ich bin auf dem Land aufgewachsen,

mein Vater war Bauer und ich bin ihm

gerne bei der Arbeit auf dem Feld und mit

den Tieren zur Hand gegangen.“ Dennoch

wollte sie einen technischen Beruf erlernen:

Der Plan war, im chilenischen Valdivia

Schiffsbau zu studieren. Doch ein

Carolina Asenjo Riquelme

kontrolliert das Verladen

der salzigen Fracht (oben).

An Bord ist sie meist die

einzige Frau (links).


SCOOP 1/2013 7

Die 27-Jährige ist nicht nur für die Steuerung des Massengutfrachters verantwortlich,

sie kontrolliert auch die Wartungsarbeiten für verschiedene Bereiche auf dem Schiff.

73 m

180 m

180 METER misst die SPL Atacama. Mehr

als doppelt so lang wie das weltgrößte

Passagierflugzeug, der Airbus A380.

18.000

KILOMETER liegen zwischen der Werft in

Südkorea und dem Ziel der Jungfernfahrt,

dem Hafen von Puerto Montt.

Vortrag über astronomische Navigation

faszinierte sie so sehr, dass sie beschloss,

selbst zur See zu fahren. Das Thema Navigation

hat für sie seitdem nicht an Reiz

verloren: „Für mich ist es faszinierend,

wie Menschen es seit jeher verstanden

haben, sich auf den Meeren zu orientieren.

Auf ihren Kenntnissen basieren auch

Angekommen: Carolina

Asenjo Riquelme vor der SPL

Atacama im Hafen von

Patillos in Chile

heute noch die ganz modernen Navigationssysteme.“

Dank dieser braucht Carolina

Asenjo weder Sterne noch klare Sicht,

um ihre Position bestimmen zu können.

Doch zu tun hat die Offizierin trotz neuester

Technik an Bord dennoch genug. Sie ist

nicht nur zuständig für die Steuerung des

Frachtschiffes, sondern erledigt auch die

Wartungsarbeiten für das Feuerschutzsystem,

die Notfalleinrichtungen und die

Krankenstation. „Es ist ganz normal, dass

die Besatzungsmitglieder gleich mehrere

Aufgaben an Bord haben. Jeder hat seinen

eigenen Verantwortungsbereich. Das

hindert uns aber nicht daran, Herausforderungen

gemeinsam zu meistern. Wenn

Probleme auftauchen, kann sich einer auf

den anderen verlassen.“

Einer für alle

Das schätzt Carolina Asenjo an ihrem Beruf

besonders: „Der Teamgeist und das

Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb

der Mannschaft sind mir sehr wichtig.“

Nicht nur, weil es auf hoher See beson-

ders wichtig ist, sich aufeinander verlassen

zu können, sondern auch deshalb, weil

die Mannschaft oft wochenlang auf begrenztem

Raum miteinander auskommen

muss. Carolina Asenjo ist als Frau meist in

der Unterzahl. Probleme gab es des wegen

aber noch keine: In dem meisten Fällen

läuft die Zusammenarbeit prima. „Mich

zu behaupten war nie ein großes Thema

für mich.“, so die Offizierin mit einem Augenzwinkern.

An Bord spielen Effizienz und Zeitmanagement

eine große Rolle. Trotzdem

genießt Carolina Asenjo das Gefühl von

Freiheit und Grenzenlosigkeit, das in so

manchem Seefahrerlied besungen wird.

Außerdem liebt sie es, ferne Ziele anzusteuern.

In Zukunft liegen diese vor allem

in Südamerika: Das Schiff transportiert die

salzige Fracht aus Chile an Häfen auf dem

ganzen Kontinent. An Bord sorgen Kräne

der neuesten Generation dafür, dass das

» Wenn an Bord Probleme

auftauchen, kann sich

einer auf den anderen

verlassen. «

Frachtgut schnell und effizient ein- und

ausgeladen wird. Die moderne Technik

beschränkt sich aber keineswegs auf die

Kräne. Sie umfasst unter anderem auch

das Überwachungssystem mit integrierten

Navigationsgeräten, die Systeme zur

Feuermeldung und -bekämp fung sowie

die Rettungsboote. „Sicherheit an Bord

hat höchste Priorität“, so Carolina Asenjo.

Das Leben an Bord

An einem typischen Arbeitstag übernimmt

die Offizierin nach dem Frühstück im Mannschaftsraum

vom ersten Offizier das Steuer

und navigiert die SPL Atacama allein über

das Meer. Nachmittags kümmert Caro lina

Asenjo sich um die ihr zugewiesenen Wartungsaufgaben,

bis sie in den Abendstunden

zu ihrer zweiten Schicht antritt. Bei

Dunkelheit werden die Offiziere immer von

einem weiteren Steuermann unterstützt.

Diese Regelung ist ihr recht, denn: „Uns

geht es nicht um Konkurrenz, sondern um

Zusammenarbeit und zwei Paar Augen sehen

einfach mehr.“ Wenn sie nachts auf der

Kommandobrücke steht und das gewaltige

Frachtschiff sicher durch die Wellen des

Ozeans steuert, weiß die Offizierin – ganz

unabhängig davon, welche Position das Navigationssystem

anzeigt – dass sie genau

am richtigen Ort ist.

Fotos: Octavio López Avalos (4), thinkstock Grafik: KircherBurkhardt Infografik


8 ARBEITEN WORKING / TRAVAILLER / TRABAJAR / TRABALHAR

SCOOP 1/2013

Javier Fernández

Sonnen berg kam von

Chile nach Deutschland.

Er arbeitet als Controller

bei der esco in Hannover.

Ob Mettbrötchen, eine

frische Maß auf dem

Oktoberfest oder ein Kölsch

beim Kölner Karneval: Javier

genießt Deutschland auch

kulinarisch.

SPRECHEN SIE INTERNATIONAL?

Damit berufliche Entsendungen ins Ausland

gelingen, kommt es auf viel mehr als allein gute

Sprachkenntnisse an. Deshalb gibt es bei K+S ein

besonderes Training.

VON CHRISTIN BERNHARDT

Günther Müller und Gustavo Gonzáles

sind frustriert. Jahrelang lief

beruflich alles glatt, doch seit der

Deutsche und der Chilene miteinander

arbeiten, scheint nichts mehr richtig zu

klappen. Keiner der beiden kann begreifen,

weshalb sich der andere in seinen Augen

so danebenbenimmt und weshalb es

so schwer ist, sich auf scheinbar selbstverständliche

Dinge zu verständigen. Und tatsächlich:

Ohne es zu ahnen, lassen die beiden

keine Gelegenheit aus, ihr Gegenüber

vor den Kopf zu stoßen. Günther und Gustavo

gibt es nicht wirklich. Sie sind ebenso

fiktive wie klischeeüberladene Prototypen

ihrer jeweiligen Landeskultur (siehe auch

Infokasten S. 10). Im interkulturellen Training

für K+S-Mitarbeiter tragen ihre Abenteuer

zur Erheiterung der Teilnehmer erheblich

bei. Doch was hier lustig ist, kann

in der Realität enormen Schaden anrichten.

Im Seminar wird daher eine ebenso

simple wie auch unterschätzte Wahrheit

vermittelt: Missverständnisse und Konflikte

zwischen Angehörigen unterschiedlicher

Kulturen entstehen dann, wenn die

eigene Normalität als Maßstab gesetzt

wird. Genau das sei der Fehler, der laut

Experten meist automatisch im Umgang

mit anderen Kulturen gemacht werde.

Um jedoch produktiv miteinander arbeiten

zu können, müssten beide Seiten

ein Verständnis für die Eigenheiten

des jeweils anderen entwickeln und lernen,

angemessen auf sie zu reagieren.

Vorsicht, Fettnapf!

Davon ist Andrea Meergans überzeugt. Als

Personalverantwortliche für obere Führungskräfte

betreut sie weltweit jene K+S-

Mitarbeiter, die als sogenannte Expatriats

– kurz Expats – für einige Zeit ins Ausland

entsendet werden. Deren Anzahl hat sich

in den vergangenen Jahren mehr als verdreifacht:

Waren es 2007 gerade einmal

20 Mitarbeiter, sind es im ersten Quartal


SCOOP 1/2013

9

Die vielen Sonnentage

in der chilenischen

Millionenmetropole

findet Anne genial,

den vielen Verkehr

eher fatal.

Von Kassel nach

Santiago de Chile:

Anne Unterforsthuber

wechselte vor Kurzem

zur SPL.

Fotos: Michael Löwa (2), Christobal Olivares Illustration: KircherBurkhardt Infografik

2013 schon 73, und die Anzahl wird weiter

steigen. Zu den im Ausland arbeitenden

Mitarbeitern bei K+S gehören

auch Anne Unterforsthuber

und Javier Fernández

Sonnenberg. Sie unterscheiden

sich von Günther und

Gustavo nicht nur dadurch,

dass sie real sind, sondern auch,

weil sie über eine entscheidende Fähigkeit

verfügen: die sogenannte interkulturelle

Kompetenz. Doch was genau hat es

mit dieser auf sich? „Es ist die Fähigkeit,

kulturelle Unterschiede zu erkennen und

adäquat mit ihnen umzugehen“, so Andrea

Meergans. Dabei komme es vor allem

darauf an, die eigene kulturelle Brille abzunehmen,

durch die man gewohnt ist,

die Welt zu betrachten. Bei K+S in Europa,

Morton Salt in den USA, SPL in Südamerika

und Potash Canada WEITER AUF SEITE 10 »

DIE FETTNÄPFCHEN-FRAGE

Jedes Land hat seine eigenen Gepflogenheiten. Wer die nicht

kennt und beachtet, kann schnell anecken. Was ist erlaubt,

und was macht Probleme? Lesen Sie selbst!

CHILENEN

stehen bei

Gesprächen

nah beieinander.

Zurückweichen

wirkt dort

unhöflich.

JAPANER schenken

sich bei offiziellen

Essen niemals selbst

Getränke ein. Das ist

immer Aufgabe des

Sitznachbarn.

Besucher in einem

privaten US-Haushalt

ziehen die Schuhe aus.

Das gilt als

selbst -

ver ständliche

Rücksicht -

nahme.


10 ARBEITEN WORKING / TRAVAILLER / TRABAJAR / TRABALHAR

SCOOP 1/2013

Wahlheimat unter

blauem Himmel: Anne

Unterforsthuber vor

der Skyline von

Santiago de Chile

Ausländer sollten in GROSSBRITANNIEN

das Königshaus nicht kritisieren, das

dürfen nur Briten. Und wer Rückschlüsse

von der Krawatte auf die

Person vermeiden will, sollte

auf Muster verzichten.

FRANZOSEN

reden gern über

französisches

Essen und Weine.

Das ideale

Thema für den

Gesprächseinstieg

Besito heißt

Küsschen und

gehört in Chile

zur Begrüßung

einfach dazu.

In ITALIEN sind

geschäftliche

Anrufe zur

Mittagszeit

verpönt.

In CHINA wird der

Teller leer gegessen.

Das gilt als ein

Zeichen von

Hochachtung.

Wer hat recht?

Gustavo Gonzáles und Günther

Müller gibt es nicht wirklich.

Sie sind Prototypen ihrer

Kultur. Doch die Erfahrungen,

die sie machen, sind real.

Wer in den USA

nach dem Alter

fragt, macht sich

unbeliebt.

In DEUTSCHLAND ist es

verboten, bei Rot über die Ampel

zu gehen. Zu spät zu kommen

ist sogar noch schlimmer.

Zur Begrüßung werden

die Hände

geschüttelt.

»

gibt es deshalb Trainings, die genau diese

Fertigkeiten vermitteln und auf den Umgang

mit der bisher unbekannten Kultur

vorbereiten. Mitarbeiter, die ins Ausland

wechseln, nehmen an einem Pflichtseminar

teil. Neben der Vermittlung allgemeiner

Unterschiede – im Berufsleben wie

im privaten Umfeld – werden auch konkrete

Handlungsempfehlungen gemacht:

zum Beispiel, wie man sich Geschäftspartnern

vorstellt oder welche Unterschiede

im Führungsverhalten bestehen. Bevor die

Entscheidung zu einem Auslandsaufenthalt

fällt, kann sich der Mitarbeiter bei einem

sogenannten „Look and See Trip“ ein

Bild von Land und Leuten machen – sofern

Lebenspartner und Kinder dazugehören,

reisen diese mit. Ein gesundheitlicher

Check sowie weitere individuelle

Gustavo: Immer

soll alles nach

Plan gehen. Dabei

kommt es gerade

mit Kunden auf

Spontanität an!

Doch wenn ich

Müller auf Feste

mitnehme, sitzt er

in der Ecke und die

Gespräche muss

ich alleine führen.

Kommen die Kunden

dann in die

Firma, beschwert

er sich nur, dass sie

unangemeldet reinplatzen.

So kann

das nicht weitergehen.

Wir müssen

spontaner werden!

Günther: Ständig

platzt jemand in

mein Büro. Zu Sitzungen

kommen

aber fast alle zu

spät. Nach der Arbeit

kann ich mich

nicht ausruhen,

weil ich ständig

auf irgendwelche

Fiestas muss.

Stundenlang

sitzen die Chilenen

da herum.

Wozu? Die Zeit

könnte man viel

sinnvoller nutzen.

So kann das nicht

weitergehen.

Wir müssen effizienter

werden!


SCOOP 1/2013

11

GEWINNSPIEL

Testen Sie Ihre interkulturelle Kompetenz mit unseren

Quizfragen und gewinnen Sie!

1. Wer schenkt in Japan die Getränke ein?

a) Der Gastgeber

b) Der Sitznachbar

c) Man selbst

2. Was sollten Ausländer in England

tunlichst vermeiden?

a) Das Königshaus kritisieren

b) Das Wetter beklagen

c) Über das Essen lästern

3. Was gehört in Chile zum beruflichen

Alltag?

a) Krawattenpflicht für alle

b) Ein ausgedehnter Fünf-Uhr-Tee

c) Ein Begrüßungskuss auf die Wange

4. Was ist die übliche Praxis in

amerikanischen Restaurants?

a) Der Gast setzt sich direkt an die Bar

b) Der Gast setzt sich selbstständig an

einen freien Tisch

c) Der Gast wartet, bis der Kellner ihn zu

seinem Platz führt

Der erste Gewinner darf sich ein

internationales Delikatessenpaket

schmecken lassen, der zweite Gewinner

lässt sich von einem Bildband durch die

Länder dieser Erde führen und als dritten

Gewinn gibt es einen Leuchtglobus.

Viel Glück!

Bitte schicken Sie Ihre Antwort bis zum

01.06.2013 an:

Scoop Redaktion

K+S Aktien gesellschaft

Bertha-von-Suttner-Straße 7

34131 Kassel

Per E-Mail ist Ihnen lieber?

scoop@k-plus-s.com

„Ein wichtiger

Erfolgsfaktor“

Prof. Dr. Wolfgang Fritz ist

Experte für interkulturelle

Kompetenz. Er lehrt an der

Universität Braunschweig.

Wieso gilt interkulturelle

Kompetenz als Schlüsselqualifikation?

Die Wirtschaft wird

zuneh mend internationaler,

Firmen schließen

länder übergreifende

Verträ ge, und so begegnen

sich im Berufsleben immer mehr Menschen

unterschiedlicher Kulturen. Ohne

interkulturelle Kompetenz sind im Umgang

miteinander Missverständnisse

und Konflikte kaum zu vermeiden. Ich

selbst habe einmal bei einer Konferenz

in Asien den Vortrag eines japanischen

Kollegen vor anderen Kollegen kritisiert.

Diese Art direkte Kritik ist in der ostasiatischen

Kultur aber so verpönt, dass ich

sowohl das Ansehen meines Kollegen

als auch mein eigenes aufs Spiel setzte:

Der Kollege wollte danach nichts mehr

mit mir zu tun haben.

Fotos: Christobal Olivares, TU Braunschweig, K+S Illustration: KircherBurkhardt Infografik

Vorbereitungen gehören ebenfalls dazu.

In Kassel gibt es seit diesem Jahr auch

ein offenes Seminar, das sich an Mitarbeiter

richtet, die zwar keine Expats

sind, für die der Kontakt mit den Kollegen

im Ausland jedoch zum Alltag gehört.

Die Investition in Schulungen rechnet

sich, denn laut Institut für Interkulturelles

Management (IFM) scheitern 30 Prozent

aller Entsendungen ins Ausland

an mangelnder interkultureller Kompetenz.

Doch wie sehen die Fettnäpfchen

aus, in die ein Mitarbeiter stolpern kann?

Dr. Jorge Peña, der als Experte für interkulturelle

Zusammenarbeit auch K+S-Mitar-

» Im Umgang mit

fremden Kulturen ist

gegenseitiger Respekt

überaus wichtig.

Sensibilität,

Offenheit und

Akzeptanz

ergeben sich

dann wie von

selbst. «

Andrea Meergans,

Leiterin obere

Führungskräfte und

internationale HR-

Koordination

beiter schult, kennt zahlreiche. Dennoch

ist es ihm wichtig, nie aus den Augen zu

verlieren, dass wir es überall auf der Welt

zunächst mit Individuen zu tun haben. Er

warnt davor, in die Klischeefalle zu tappen

oder gar Vorurteile zu festigen.

Dennoch lässt es sich nicht von der

Hand weisen, dass international große

Unterschiede herrschen. Zum Beispiel

bei der Frage, welcher Umgangston angebracht

ist: „Während in einigen Ländern

die nüchterne Sachebene dominiert, spielt

in anderen die Beziehungsebene eine viel

wichtigere Rolle“, so Andrea Meergans.

Anne Unterforsthuber weiß, wovon die

Rede ist. Vor wenigen Monaten wechselte

sie aus Kassel nach Santiago de Chile.

Dort leitet sie die Einheit Business Development

bei der SPL. „Während sich

Deutsche gerade im beruflichen Umfeld

eher distanziert begegnen, sind Chilenen

viel herzlicher. Ein Kuss auf die Wange

ist selbst bei der ersten Begegnung

nichts Ungewöhnliches.“

Das kann Javier Fernández Sonnenberg

bestätigen. Der Chilene

kam vor vier Jahren nach

Deutschland. Er ist Controller

bei der esco in Hannover.

„Chilenen stehen im Gespräch

näher zusammen,

und es ist ganz normal

sich zu berühren.

Wer das in Deutsch-

land so handhabt, läuft Gefahr, dass

sein Verhalten aufdringlich wirkt oder

als Flirten aufgefasst wird“, sagt Javier.

Aber nicht überall lauern Fettnäpfchen

und Stolpersteine. Manche kulturellen Eigenheiten

erweisen sich trotz ihrer Fremdheit

als hilfreich und angenehm: „In Chile

verbringen die Kollegen nach Feierabend

viel Zeit miteinander“, erzählt Anne. „Das

kommt nicht nur dem Arbeitsklima zugute,

sondern auch Neuankömmlingen wie

mir. Ich bin von den Kollegen sofort herzlich

integriert worden.“

Pläne schmieden und Feste feiern

Javier – das chilenische Sozialleben gewohnt

– hatte es diesbezüglich nicht

ganz so leicht: „Das Alleinsein war anfangs

das Schwierigste für mich. Es hat

eine Weile gedauert, bis ich verstanden

habe, dass es in Deutschland darauf ankommt,

aktiv Kontakte zu knüpfen.“

Doch auch er weiß so manche als typisch

deutsch geltende Eigenheit zu schätzen.

„Chilenen sind meist spontan. Kaum einer

kommt auf die Idee, Wochen im voraus zu

planen. Doch das kann nicht nur sinnvoll

sein, sondern richtig Spaß machen“, sagt

Javier. Spontaneität und Feierfreude sind

ihm beim vielen Planen aber keineswegs

abhanden gekommen. Ob Münchner Oktoberfest

oder Kölner Karneval: „Wer

glaubt, die Deutschen könnten nicht feiern,

hat keine Ahnung.“

Was zeichnet einen interkulturell

kompetenten Mitarbeiter aus?

Er oder sie sollte in der Lage sein, sich in

einer fremden Kultur zu orientieren. Dabei

helfen Sprachkenntnisse sicherlich

enorm, aber nicht nur. Ebenso wichtig

sind Kenntnisse über kulturelle Unterschiede

sowie der angemessene Umgang

mit ihnen. Zugleich gilt es, die unternehmerischen

Ziele im Auge zu

behalten, wegen derer die Entsendung

des Mitarbeiters überhaupt stattfindet.

Schließlich lohnt sich die Entsendung für

das Unternehmen nur, wenn die gesetzten

Ziele auch erreicht werden.

Wie wirkt sich interkulturelle Kompetenz

auf den Unternehmenserfolg aus?

Studien haben gezeigt, dass der Erfolg

eines Unternehmens im Ausland mit

dem Auftreten der entsendeten Mitarbeiter

steht und fällt. Ein interkulturell

geschulter Mitarbeiter erhöht die Chancen

auf Erfolg immens. Umgekehrt kann

erheblicher Schaden entstehen, wenn es

an interkultureller Kompetenz fehlt. Ein

Beispiel: Ein großer US-Automobilkonzern

setzte einen Amerikaner an die

Spitze der japanischen Niederlassung.

Dieser bislang sehr erfolgreiche Manager

sprach weder die Sprache, noch

kannte er die japanischen Sitten und Gebräuche.

Geplante Verträge sind aufgrund

seiner Unkenntnis bezüglich bestimmter

Gepflogenheiten gescheitert.

Für das Unternehmen war das nicht nur

ein finanzielles Desaster, sondern schädigte

auch das Ansehen vor Ort.


12 LEBEN LIVING

/ VIVRE / VIVIR / VIVER

HARTE SCHALE,

KÖSTLICHER KERN

Obwohl sie eigentlich aus Asien stammen, fühlen Mandelbäume sich nirgends so wohl wie

in Kalifornien. Von hier geht das beliebte Steinobst in alle Welt. K+S North America liefert die

Mineralien für ertragreiches Wachstum. VON KARSTEN LEMM


SCOOP 1/2013 13

Süße

Begleiterin

Mandeln spielen seit

Tausenden Jahren eine

Rolle auf dem

Speiseplan und in

traditionellen Bräuchen.

PHARAONEN

In der Bibel werden Mandeln

als Zutat für das Brot ägyptischer

Pharaonen erwähnt.

Sie galten als Delikatesse

und lagen sogar als Beigabe

im Grab des ägyptischen

Königs Tutanchamun.

MARZIPAN

Marzipanrohmasse besteht

aus gebrühten, geschälten

und anschließend zerstoßenen

Mandeln sowie Zucker.

Die Qualität der Masse ist

umso höher, je niedriger der

Zuckergehalt ist.

Im Frühjhar

verwandelt sich das

Central Valley in

Kalifornien in ein

rosa Blütenmeer.

Bakersfield, zwei Autostunden nördlich

von Los Angeles. Schnurgerade

stehen die Neuen in der Landschaft

und recken ihre zarten Zweige in den blauen

Himmel. Mithilfe von GPS-Systemen ist

ihre Position präzise abgemessen. Bienen

schwirren um die Alten herum, die bereits

in Blüte stehen. Der Frühling kündigt

sich an im südlichen Central Valley

in Kalifornien. Doch von den Jünglingen

werden in diesem Jahr noch keine Großtaten

erwartet: „Mandelbäume brauchen

drei Jahre, bis sie Früchte tragen“, erklärt

Trey Few, Sales Manager für Düngemittel

bei K+S North America. Prunus Dulcis

lautet ihr botanischer Name, was so

viel heißt wie Süßpflaume. Die Pflanzen,

an denen Trey Few vorbeifährt, sind gerade

zwölf Monate alt und haben noch

Zeit zum Wachsen, ehe sie dazu beitragen

werden, den Appetit der Welt

auf Mandeln „Made in California“

zu stillen. Argarbetriebe wie

die Donald Valpredo Farms,

die Trey Few in Bakersfield besucht,

lassen immer neue Plantagen

in den Himmel wachsen:

Dank der steigenden Nachfrage

hat sich die Produktion in den

vergangenen zehn Jahren nahezu

verdoppelt und die Mandel, noch

vor Wein, zu Kaliforniens wichtigstem

Agrar-Exportprodukt gemacht. Mehr

als 80 Prozent aller Mandeln, die weltweit

gegessen werden, stammen von hier. Die

Deutschen sind die viertgrößten Abnehmer.

Nur China, Spanien und Indien kaufen

noch mehr Mandeln in Kalifornien ein.

Für K+S bedeutet der Boom eine noch

stärkere Marktpräsenz, denn viele Farmer

ersetzen Baumwoll-Felder, deren Bewässerung

ihnen zu teuer wird, durch Mandel-

Plantagen. „Denen können wir unsere Produkte

anbieten“, sagt Few. Zum Beispiel

den Spezialdünger KALISOP®. Denn: Mandelbäume

entziehen dem Boden hohe

Mengen an Kalium, das die Farmer fortwährend

ersetzen müssen, um nachhaltig

zu arbeiten und ihre Erträge zu steigern.

„Der Mandelboom ist für uns ein Segen“,

so der 46-jährige Vertriebsmanager. „Etwa

die Hälfte unseres Kaliumsulfat-Absatzes

in Kalifornien geht darauf zurück.“ Few

hat den Überblick. Von seinem Büro im

Bundesstaat Georgia aus betreut er Kunden

in den USA und Kanada.

Mandeln sind extrem gesund

Es sind Kunden wie Enrique Martinez,

Manager und Mitbesitzer der Valpredo

Farms, die das Geschäft vorantreiben. Seit

1978 lebt der gebürtige Mexikaner in Bakersfield.

Auf mehr als 2000 Hektar baut

sein Familienbetrieb fast zwei Dutzend

Gemüsesorten an – von Kohl, Kopfsalat

und Karotten bis hin zu Petersilie, Paprika

und Wassermelonen. Noch immer versteht

der 51-Jährige sich in erster Linie als

Gemüsebauer, auch wenn er immer stärker

auf Mandelbäume setzt: Zu 600 Hektar,

die schon bepflanzt sind, sollen weitere

160 Hektar hinzukommen.

„Hätten Sie vor 15 Jahren daran gedacht,

Salat mit Mandelsplittern zu essen oder

Mandelmilch zu trinken?“, fragt Martinez.

Er sitzt in seinem Büro, ein breiter Mann

hinter einem massiven Holzschreibtisch.

Er lehnt sich ein Stück vor und erzählt von

steigenden Umsätzen, vor allem in Asien,

von der wachsenden Mittelklasse in

Indien, die ihren Wohlstand mit Mandelsnacks

aus Kalifornien feiert, und vom

stärkeren Bewusstsein der Menschen

überall auf der Welt, dass Mandeln essen

gut ist für Herz, Kreislauf und Ernährung.

„Sie sind sehr gesund“, erklärt Martinez,

„viel besser als Erdnüsse.“

Etwa die Hälfte des

Kaliumsulfat-Absatzes

von K+S in Kalifornien

geht in den Mandelanbau

Das Central Valley, ein gut 700 Kilometer

großes Tal, eingerahmt von der Sierra Nevada

und Bergketten entlang der Küste,

bietet den Mandeln ideale Bedingungen

zum Wachsen und Gedeihen: sonnige, trockene

Sommer, kühle, aber nicht zu kalte

Winter und dazu ein Boden, der schon von

Natur aus reich an Nährstoffen ist, nicht

zuletzt deshalb, weil das Central Valley

zu Urzeiten die Bodenplatte eines gigantischen

Sees bildete. Jahrzehntelang genügten

diese Voraussetzungen vielen Farmern,

um mit ihren Mandelplantagen die

Nachfrage zu befriedigen. Doch der steigende

Bedarf erfordert ein Umdenken.

Die Fortschritte in der Agrarwissenschaft

helfen den Landwirten, ihre Ernte deutlich

zu verbessern. Hand in Hand mit ihren

Partnern in der Düngemittelindus trie

sind sie zum Beispiel dazu übergegangen,

die Bäume zu pflanzen, Äste sorgsamer

zu beschneiden und WEITER AUF SEITE 14

»

Fotos: Inga Spence/Alamy, Peter Barritt/Alamy, Robin

Chapman/Alamy, Karsten Lemm, thinkstock

Experten unter sich: Trey Few (r.) von K+S North

America mit Mandelfarmer Enrique Martinez.

Mandeln:

lecker für den

Gaumen und

gesund für’s Herz


14

LEBEN LIVING / VIVRE / VIVIR / VIVER

SCOOP 1/2013

FLÜSSIGE WOHLTAT

Mandelöl ist ein sehr verträgliches

und vielseitig einsetzbares Basisöl.

Es kann ebenso gut in der

Körperpflege verwendet

werden als auch in

der Feinschmecker-

Küche.

RELIGION

Die Mandel gilt im Christentum

als Symbol der Erlösung

und spielte schon unter Karl

dem Großen auch landwirtschaftlich

eine wichtige Rolle:

Er befahl 812 den Anbau in

den königlichen Gütern.

GLÜCKSBRINGER

Besonders im Mittelmeerraum

werden Mandeln mit

farbiger Glasur umhüllt. Oft

werden sie auf Hochzeiten

und Taufen verschenkt und

sollen Glück und Gesundheit

bringen.

»

moderne Bewässerungssysteme zu installieren,

die Feuchtigkeit sparsam, aber

punktgenau an der Wurzel anbringen –

oft gemeinsam mit Düngemitteln, die

je nach Jahreszeit auf den Nährstoffbedarf

der Pflanze abgestimmt werden. „Es

geht immer darum, dem Baum zu helfen“,

sagt Martinez, „und das Timing ist dabei

enorm wichtig.“ Unterstützung holt sich

der Farmer, der zwei Dutzend Pflanzenarten

im Blick behalten muss, von seinem

„Pest Control Advisor“, Jeff Rasmussen.

Der wiederum arbeitet eng mit Jon Collison,

dem zuständigen Regionalmanager

eines K+S-Vertriebspartners, zusammen.

Der Dünger bringt’s

„Kalifornien ist ein strategisch wichtiger

Wachstumsmarkt für uns“, sagt Trey Few,

„und der Schlüssel zum Erfolg liegt in den

engen Beziehungen zwischen Farmern

und ihren Zulieferern.“ Mit Collison verbindet

Few, der seit 1998 für K+S arbeitet,

eine lange Freundschaft, und gemeinsam

nutzen die Agrar-Experten ihre Netzwerke,

um Bauern von der Wichtigkeit der gezielten

Düngung zu überzeugen. „Wer verlässlich

hohe Erträge erwirtschaften will,

muss auf Kaliumsulfat zurückgreifen“, betont

Collison. „Gerade, weil die Produktion

so stark zunimmt.“ Gut 900.000 Tonnen

Mandeln haben kalifornische Bauern

im vorigen Jahr geerntet – ein neuer Rekord,

wieder einmal. Das liegt zum Teil an

neuen Anbauflächen, fast 330.000 Hektar

sind es in Kalifornien mittlerweile. Entscheidend

ist jedoch, dass es den Farmern

USA

Central Valley

Bakersfield

Mandel ist nicht

gleich Mandel

Nonpareil ist die am weitesten

verbreitete Mandelsorte. Sie reift

schneller als alle anderen Mandelsorten,

ist relativ hell und lässt sich

sehr gut blanchieren und hacken.

California hat eine dunklere Haut und

einen intensiveren Geschmack als die

Nonpareil.

Largueta ist die in Spanien am häufigsten

angebaute Sorte. Sie ist

bekannt für ihr besonders intensives

Aroma und den nussigen Geschmack.

6.500

KALIFORNISCHE MANDELBAUERN

produzieren rund 80 Prozent des

weltweiten Bedarfs an Mandeln. Im

vergangenen Jahr wurden etwa

900.000 Tonnen Mandeln auf rund

330.000 Hektar geerntet.


SCOOP 1/2013 15

Was Mandeln wirklich brauchen

Patrick Brown ist Professor an der University of California

Davis und als Experte für Pflanzenwachstum langjähriger

wissenschaftlicher Partner der K+S KALI GmbH.

Zur Reifezeit platzt

die lederartige

Fruchtschale der

Mandel auf und

gibt den länglichen

Samen frei.

gelingt, durch hoch entwickelte Anbaumethoden

immer mehr aus ihrem Boden

herauszuholen.

Kaliumsulfat steigert die Erträge

Auch Enrique Martinez ist zu einem überzeugten

Nutzer von Kaliumsulfat geworden.

„Früher habe ich Kalium-Chlorid verwendet,

aber wir probieren Neues aus,

wenn das Erfolg verspricht“, erzählt er.

Dieser Versuch ist gelungen: Junge Mandelbäume,

die er mit K+S Düngemittel

versorgt, tragen deutlich mehr Früchte.

„Unser Ertrag ist seit dem Umstieg um

30 Prozent gestiegen“, berichtet Martinez.

„Nun werden wir alle unsere Mandelplantagen

auf diese Weise düngen.“

Martinez hält es nicht länger in seinem

Bürostuhl. Er will hinaus zu seinen Pflanzen.

Vor der Tür wartet der große Chevy

Avalanche, mit dem Martinez täglich seine

Runden dreht. Über holprige Feldwege

geht die Fahrt vorbei an Tomaten und

Zwiebeln, bis das nächste Feld in Sicht

kommt. Dort wuchs früher einmal Baumwolle.

Nun reihen sich die jüngsten Mandelbaum-Setzlinge

einer neben dem anderen.

Dabei wechseln sich die Sorten ab: Hier

die beliebteste Sorte Nonpareil, weil sie verlässlich

große Früchte liefert. Gleich daneben

Monterey- und Sonora-Mandeln. „Nur

so tragen die Bäume reiche Ernte, denn sie

brauchen Fremdbestäubung und etwas

Abwechslung“, erklärt Martinez. Vor allem

aber Menschen, die sich mit Hingabe und

viel Wissen um das Wachstum kümmern.

„Sehen Sie das? Enrique Martinez zeigt

auf die Stämme, die leicht versetzt zueinanderstehen,

ganz bewusst nicht einfach

Seite an Seite. So haben die Bäume, wenn

sie ausgewachsen sind, ein wenig mehr

Platz und stören sich nicht gegenseitig

mit ihrem Astwerk. „Es kostet

etwas mehr Arbeit, sich um

solche Details zu kümmern“,

sagt der Farmer. Doch am Ende

zahlt es sich aus. Die Neuen

werden es ihm danken, indem

sie üppig Früchte spenden.

Trey Few, Sales Manager von

K+S North America, freut

sich über die üppige

Mandelblüte.

In der vergangenen Dekade

hat sich der Mandelkonsum

weltweit mehr als verdoppelt.

Wie kommt das?

Früher galten Mandeln vor

allem als fetthaltiger Snack.

Doch viele neue Studien haben

gezeigt, dass sie eine wichtige Rolle

in der Ernährung spielen. Denn: Die Kalorien,

die in Mandeln stecken, belasten

den Körper weniger als solche aus

tierischen Fetten. Es gibt sogar Anzeichen

dafür, dass durch den Genuss von

Mandeln das Herzinfarkt-Risiko sinkt.

In Wachstumsmärkten wie China und

Indien spielt auch der steigende Wohlstand

eine Rolle: Hier werden Gästen

Nüsse serviert – vor allem Mandeln –,

um zu zeigen, dass es einem finanziell

gut geht.

Warum ist Kalifornien das mit

A bstand größte Anbaugebiet für

Mandeln geworden?

Das liegt am Klima und den Randbedingungen.

Für eine gute Ernte sind

kalte Winter mit Temperaturen um die

null Grad eine Grundbedingung. Wichtig

sind aber auch heiße, trockene Sommer

– da haben Schädlinge keine

Chance. Hinzu kommen weite Agrarflächen,

die überwiegend mit wenig

Handarbeit bestellt werden können.

Zudem eignen sich Mandelbäume sehr

gut für moderne Anbaumethoden. In

anderen Ländern sind die Bedingungen

oft nicht so günstig. In Spanien etwa

sind die Kosten für Land und Wasser

ein Problem. Die Türkei hat Land, aber

nicht die besten Voraussetzungen hinsichtlich

Klima und Wasser, und auch

in China gedeihen sie nicht gut.

Wie haben die kalifornischen Farmer

die Nachfrage befriedigen können?

Viele Produzenten haben viel in die

Mechanisierung investiert: Sie haben

automatische Bewässerungsanlagen

und Management-Systeme für die

Düngemittelzufuhr angeschafft und

bei der Ernte von Handarbeit auf

Maschinen umgestellt. Das hat in den

vergangenen 20 Jahren zu einer Verdoppelung

der Erträge geführt. Früher

fuhren Mandelfarmer gern mit dem

Auto-Aufkleber durchs Land: „Gib mir

800 Kilo, und ich bin ein glücklicher

Mann!“ Heute kommen gute Anbauer

auf 1600 Kilo pro Hektar.

Woher kommt diese deutliche

E rtragssteigerung?

Die beiden entscheidenden Faktoren

sind Bewässerung und Düngung. Die

» Mandelbäume haben

einen sehr hohen

Kaliumbedarf. Das

haben viele Anbauer

lange nicht gewusst. «

Ertragssteigerungen sind fast

ausschließlich auf modernere

Arten der Wasser- und

Düngemittelzufuhr zurückzuführen.

Eine große Rolle

dabei spielt ein besseres Verständnis

davon, wie wichtig

unter anderem Kalium und bestimmte

Spurenelemente, vor allem

Bor und Zink, für die Pflanzen sind.

Mandelbäume haben einen sehr hohen

Kalium-Bedarf: Ein Ertrag von 2000

Kilo Mandeln kann dem Boden rund

145 Kilo Kalium entziehen. Das war vielen

Anbauern lange Zeit nicht bewusst,

weil wir in Kalifornien sehr nährstoffreiche

Böden haben. Doch wer nachhaltig

Landwirtschaft betreiben will,

muss ersetzen, was die Pflanzen dem

Boden entziehen.

Wie kann die Produktion weiter

erhöht werden?

Ich sehe noch reichlich Möglichkeiten,

auf gleicher Fläche die Erträge zu steigern.

Etwa die Hälfte der Mandelfarmer

produziert bisher nur 800 Kilo pro

Hektar, also weit unter dem, was

möglich ist. Besonders kleine Betriebe

nutzen noch veraltete Technik, und

manche geben sich schlicht mit dem

zufrieden, was sie jetzt schon erreichen.

Denkbar sind aus wissenschaftlicher

Sicht bis zu 2500 Kilo. Voraussetzung

ist allerdings immer, dass

Düngung und Bewässerung so effizient

wie möglich sind: Von 100 Kilo Düngemittel,

die schlecht angewendet werden,

nehmen die Bäume nur 50 Kilo

auf. Richtig angewendet, können es

dagegen bis zu 80 Kilo sein.

Essen Sie selbst gern Mandeln?

O ja, reichlich! Das bringt schon die Arbeit

mit sich. Für unsere Experimente

besorgen wir uns Mandeln direkt von

den Erzeugern. Im Labor werden die

Mandeln getrocknet, geschält und gewogen.

Wenn wir fertig sind, werden

sie gegessen. Ich röste sie dann oder

hebe sie vakuumverpackt für später

auf. Es ist unglaublich, wie gut eine

frisch geröstete Mandel schmecken

kann: wunderbar knackig und voller

Aroma. Aber am besten sind sie frisch.

Fotos: thinkstock, Agentur Bridgeman, Alamy (4), Karsten Lemm, Jill Carmel


16

LEBEN LIVING / VIVRE / VIVIR / VIVER

SCOOP 1/2013

VOM SALZ, DAS AUCH HEILEN KANN

Muskeln entspannen, Pflanzen ernähren oder

Flecken entfernen – und das ist längst noch nicht

alles, was Bittersalz kann. Es gilt als universales

Allzweckmittel: Porträt eines Multitalents.

Da staunte der Bauer: Blessuren,

Muskelzerrungen und entzündete

Gelenke seiner Kühe heilten in

letzter Zeit schneller. Dabei hatte er doch

nichts anders gemacht als sonst. Lediglich

umgezogen war er mit seinen Tieren.

Die neue Weide lag direkt an einer

Quelle und oft standen die Tiere auch darin.

Ob vielleicht das Wasser…? Obwohl

es so bitter war? Tatsächlich: Das Wasser

war ausschlaggebend. Der Bauer war

auf eine Heilquelle mit hohem Magnesiumsulfat-Anteil

gestoßen. Das war 1618

in Epsom, Grafschaft Surrey, Südengland.

Die Kunde vom Wunderwasser verbreitete

sich schnell und Epsom wurde zum

Wallfahrtsort der englischen High Society.

1695 konnte der Arzt und Botaniker

Nehemiah Grew dann durch eine chemische

Analyse auch den wissenschaftlichen

Beweis für die Wirkung von im Wasser gelöstem

Magnesiumssulfat liefern: Magnesium

aktiviert heilende Enzyme im Körper,

während die Sulfate helfen, Giftstoffe und

Eiweiß aus den Gelenken zu transportieren.

So beginnt die weltweite Erfolgsgeschichte

des Epsom Salt oder Bittersalzes,

wie es in Deutschland heißt, und das

mit gutem Grund, denn Bittersalz ist ein

Multitalent. In entsprechender Dosierung

ist es für äußere wie auch innere Anwendungen,

für Menschen, Tiere und Pflanzen

geeignet. Es verhindert Krampfanfälle,

lässt Wunden schneller heilen und

unterstützt die Muskelentspannung. Außerdem

macht es Leder weich und verhilft

insbesondere Pflanzen zu kräftigerem

Wuchs.

Die K+S KALI GmbH ist der weltweit

größte Produzent von Bittersalz, das als

Düngemittel oder in verschiedenen Industrien

benötigt wird: in der Landwirt-

» Unsere deutschen

Kalilagerstätten

enthalten als einzige

weltweit Magnesium

und Schwefel. «

schaft, der chemischen Industrie und der

Pharmaindustrie, der Lebensmittelwirtschaft

und nicht zuletzt in der Gesundheitsbranche.

Magnesiumsulfat lässt sich auch synthetisch

im Labor herstellen, doch das von

K+S produzierte Mineral ist natürlichen

Ursprungs. „Wir gewinnen – und das ist

weltweit einzigartig – den Rohstoff bergmännisch

an unseren deutschen Standorten“,

sagt Enrique Jorge Tonagel, Leiter

der Einheit Industrie der K+S KALI GmbH.

„Unser entscheidender Vorteil ist, dass

das Rohsalz in den deutschen Lagerstätten

Kieserit enthält. Das ist eine Form des

Magnesiumsulfats, aus dem das Bittersalz

hergestellt werden kann“, erklärt Dr. Marcus

Roß, Leiter der Einheit Kieserit, Epso,

CMS Agro. Das Kieserit muss dabei in einem

elektrostatischen Trennverfahrenvon

den anderen Mineralien im Rohsalz

getrennt werden. Das so isolierte Mineral

steht dann bereit für die Herstellung verschiedener

Bittersalz-Produkte.

Der Erfolg von Bittersalz oder Epsom

Salt im medizinischen Bereich liegt, wie

der englische Bauer so treffend beobachtet

hatte, in der muskelentspannenden,

entgiftenden und enzymanregenden

Wirkung, die nicht zuletzt auch der

Haut zugute kommt. Sie wird gepflegt,

der Stoffwechsel sowie die körpereigene

Feuchtigkeitsregulation werden angekurbelt.

Kein Wunder also, dass das Baden

in Bittersalz nach der Entdeckung

des Wunderwassers höchst populär wurde.

Très chic! Als jedoch Ärzte begannen,

den Gebrauch der Bäder als Heilmittel zu

verordnen, war Schluss mit der Modeerscheinung,

denn eine medizinische Anwendung

war noch nie besonders schick.

Riesiger Sympathiebonus

Die Popularität von dem zu Unrecht verschmähten

Bittersalz feierte jedoch ein

furioses Comeback, seit die Wellnessbranche

es für sich entdeckt hat und in Form

diverser Entspannungs- und Wohlfühlprodukte

wieder an den Kunden bringt.

Dem erprobten und seit Jahrhunderten

bewährten Mittel samt der mit ihm verbundenen

Verfahren wurde in den letzten

Jahren ein modernes Image verpasst,

was dem guten, alten Bittersalz zu einem


SCOOP 1/2013 17

Vielseitig für

Industrie und Alltag

K+S liefert zahlreiche Produkte und

fertige Erzeugnisse, die aus Bittersalz

bestehen oder deren mineralische

Grundlage bilden. Eine Auswahl:

Bittersalz, Ph. Eur., USP: Hoher

Reinheitsgrad mit entsprechenden

Zertifizierungen für Anwendungen

in der pharmazeutischen Industrie

Bittersalz rein, technisch: Hoher

Reinheitsgrad, Anwendung unter

anderem in der Lederproduktion als

Binder von Gerbstoffen

Bittersalz chemisch rein, FCC:

hoher Reinheitsgrad, Anwendung

unter anderem als Zusatzstoff für

die Lebensmittelindustrie

EPSO Top®, Düngemittel:

Magnesium- und Schwefeldüngemittel

zum Einsatz in der

Landwirtschaft als Blattdünger oder

Flüssigdünger

KaSa Mag49®, Futtermittel: Für

die Mischfutterindustrie oder als

Einzelfutter, enthält 49 Prozent

Magnesiumsulfat

mehr als verdienten Revival verhilft: Besonders

in der britischen und amerikanischen

Öffentlichkeit hat das Epsom

Salt – wie das Bittersalz dort heißt

– inzwischen wieder einen riesigen

Sympathiebonus. Als traditionelles

Hausmittel aus der Natur erobert

es sowohl die heimischen

Badezimmer als auch die Wellness-Tempel.

Die K+S-Tochter

Morton Salt nutzt die Popularität

des Minerals und hat in den

USA eine eigene Produkt-Linie auf

den Markt gebracht. „Morton Salt

steht seit Generationen für hochwertige

Produkte. Das war ein entschiedender

Vorteil bei der Markteinführung unserer

Epsom Salt-Badezusätze und der

Lotion“, sagt Laurie DeCook, Director of

Consumer Brand Marketing in Chicago.

So hat auch einer der größten Einzelhändler,

die Drogeriekette Walgreen, Mortons

Epsom Salt-Produkte ins Sortiment genommen.

„Seit Januar stehen die Badezusätze

und auch die Lotionen dort in den

Regalen“, freut sich Charlie Post, National

Director of Grocery Sales bei Morton Salt.

Besonders stolz ist er auf die Kooperation

mit Walmart. Die erste Lieferung an den

Einzelhandelsgiganten wird im ersten

Quartal dieses Jahres die Produktionshallen

verlassen.

Stolz auf die Epsom Salt-Produkte: Sara

Shenoha, Tammy Kosarek, Laurie DeCook,

Sandra Cantlin (hinten v.l.), Cara O‘Hare,

Dave Harvey, Glen Nishimura (vorn v.l.)

von Morton Salt.

Der Absatzmarkt sind zwar die USA, aber

das Bittersalz kommt aus dem Werk Werra

in Deutschland. Dort sorgen die ständigen

Qualitätskontrollen durch die

zuständigen Aufsichtsbehörden (z.B. Regierungspräsidium

Darmstadt) und die

Food and Drug Administration (FDA) aus

den USA für höchsten Produktstandard.

„Das ist ausschlaggebend für den Erfolg

der Produkte, denn nur dadurch können

wir den natürlichen Ursprung des Bittersalzes

garantieren“, so DeCook.

Bittersalz mit Lavendelduft

Morton Salt bietet den Badezusatz

in den Sorten Natur, Lavendel

und Eukalyptus sowie eine

Körperlotion an. „Das ist einzigartig

auf dem Markt“, sagt die Managerin

stolz. Die Lotion ist geruchlos

und zieht schnell ein. Wer also keine

Zeit für ein Bad hat oder unterwegs ist,

nimmt eben die Lotion, so DeCook. Die

Zielgruppe ist ebenso vielfältig, wie das

Angebot: Jung und Alt, Frauen und Männer,

Heilfaster – die trinken das Bittersalz

zur Entschlackung, Sportler und Rennstallbesitzer.

Auch Rennpferde, lockern ihre

strapazierten Muskeln nach anstrengenden

Wettkämpfen gern beim sogenannten

Floating. Dabei stehen sie bis zur Brust

in einem Wassertank und schweben fast.

Das liegt an der hohen Konzentration des

Epsom Salt im Wasser. Es ist so ähnlich

wie beim Baden im Toten Meer. Bittersalz

ist eben ein Multitalent.

ESTA® Kieserit, Düngemittel:

Für Landwirtschaft, Gartenbau,

Forst- und Sonderkulturen

Morton Salt bietet das

Espom Salt als Badeszusatz in

den Sorten Natur, Lavendel

und Eucalypthus an. Die

geruchlose Lotion enthält

konzentriertes Bittersalz.

Mittel der Wahl:

Bittersalz hilft

als Badezusatz

für Mensch und

Tier, Düngemittel,

Fleckenlöser,

Bleichmittel von

Papier und sogar beim

Brauen von Bier.

Fotos: thinkstock (9), Alamy, K+S, PR


18 LERNEN LEARNING / APPRENDRE / APRENDER / APRENDER

In winzigen Hütten

schliefen die Sklaven,

die tagsüber in den

Salinen arbeiteten, zu

fünft auf dem Boden.

Bonaire beheimatet

17.000 wilde Esel

und zahllose

Leguane, die als

einheimische

Delikatesse gelten.

BONAIRE ist die zweitgrößte

der ABC-Inseln

(Aruba, Bonaire, Curaçao).

Geografisch gehört sie

zu Südamerika, politisch

ist sie eine Gemeinde

der Niederlande. 14.000

Menschen leben hier,

fast alle sind Nachfahren

afrikanischer Sklaven.

Amtssprache ist – neben

Niederländisch – die

Kreol sprache Papiamentu.

Hauptstadt ist Kralendijk.

Curaçao

Bonaire

Fotos: Philip Reeds/Alamy, Agentur Bridgeman, SZ Photo (2), Fototeca/Leemage, thinkstock (5), Collection Fraters van Tilburg/Stadsmuseum Tilburg (NL)

SERIE

SALZ IN DER

GESCHICHTE

DER PREIS DES

WEISSEN GOLDES

Wer auf dem Flamingo-Flughafen der Insel Bonaire

ankommt, wird von einem warmen Wind begrüßt,

der nach Meer riecht und nach Salz schmeckt –

dem Stoff, der wie kein anderer das Schicksal dieses

kleinen Eilandes geprägt hat.

VON CHRISTIN BERNHARDT

D

er spanische Eroberer Alonso de

Ojeda war enttäuscht: Sieben Jahre,

nachdem Christopher Kolumbus

die westindischen Inseln entdeckt

hatte, war er 1499 mit seiner Flotte auf

eine Inselgruppe nördlich der venezola nischen

Küste gestoßen. Worauf er gehofft

hatte, waren Schätze wie die der Inka und

Salz hat wie kaum ein anderer Rohstoff die Geschichte der

Menschheit beeinflusst. Eine Spurensuche durch Raum und Zeit.

Nieder l ändische

Antillen

Maya, wertvolle Rohstoffe wie das Silber

in Peru oder zumindest fruchtbare Böden.

Doch nichts von alledem hatten die drei

kargen Inseln zu bieten und somit auch

nichts, womit Alonso de Ojeda vor der

spanischen Königin Isabella hätte punkten

können. Also sah er den vermeintlichen

Tatsachen ins Auge, hisste die spanische

Flagge und nannte die Inseln „Islas

Inútiles“, nutzlose Inseln. Doch Ojeda hatte

nicht richtig hingeschaut und das Potenzial

der Inseln gewaltig unterschätzt.

Anders als die holländischen Seefahrer:

Diese nahmen die drei Inseln, die heute

als Aruba, Bonaire und Curaçao bekannt

sind, oder auch als ABC-Inseln, dem spanischen

Erzfeind 1636 ab. Während sich die

größte der drei Inseln, Curaçao, aufgrund

ihres natürlichen Hafens und der strategisch

günstigen Lage zum größten Warensowie

Sklavenumschlagplatz der Neuen

Welt entwickelte, kam der Insel Bonaire

eine nicht minder tragende Rolle für die

niederländische Wirtschaft zu. Sie wurde

zum Produktionsort eines der für die niederländische

Seemacht wichtigsten Güter:

Salz. Denn die Insel verfügt über natürliche

Salinen. Die Niederländer – von

Haus aus versiert im Anlegen von Kanälen,

Pumpen und Windmühlen – bauten

diese fachkundig aus, um den Rohstoff

Im 17. Jahrhundert waren

die Niederländer die

größte Seemacht und Salz

der Wind in ihren Segeln

aus dem Meer in großem Stil zu gewinnen.

Wozu aber brauchten sie so viel Salz?

Um 1670 hatte sich das gerade einmal

zwei Millionen Einwohner zählende Volk

zur größten Seemacht der Welt entwi-


19

SKLAVENHANDEL Zwischen 1674 bis

1740 waren für die Westindien-Kompanie

383 Sklavenschiffe auf Fahrt. Die

sogenannte „Dreiecksfahrt“ begann in

einem niederländischen Hafen. Das erste

Ziel war die afrika nische Westküste, wo

Sklaven gekauft und nach Amerika

verschifft wurden. Die größten

Sklavenschiffe transportierten rund 600

Sklaven. Die Reise dauerte über 500 Tage.

ATLA NTISCHER

OZEA N

Niederlande

HERINGE Salz war nicht nur

unabdingbar für die Konservierung der

für die Schifffahrt benötigten Lebens -

mit tel – eingesalzener Fisch war ein

Hauptnahrungsmittel der wachsenden

euro päischen Bevölkerung und die

Herings industrie blühte. Hinzu kam,

dass für die Glasproduktion in Leerdam

und die Herstellung von Keramik in

Delft tonnenweise Salz benötigt wurde.

DREIECKSFAHRTEN Auf der Rückreise nahmen die WIC-Schiffe

Kolonialwaren wie Zucker, Tabak und Salz mit nach Europa, um dann

erneut nach Westafrika und Amerika zu segeln. Die Sklaven wurden

liegend und gefesselt unter Deck transportiert. Damit sie bei Kräften

blieben, zwang man sie alle paar Tage auf Deck zu tanzen.

SALZABBAU Wie die Salzernte

in den Salinen zur Sklavenzeit

aussah, lässt sich anhand dieser

Fotografie vom Beginn des 20.

Jahrhunderts ableiten: Mit

Spitzhacken zerkleinerten die

Sklaven die Salzschicht, füllten die

Brocken in Schubkarren und

verluden sie auf Schiffe.

ckelt. Mit über 15.000 Schiffen, dem Fünffachen

dessen, was die englische Flotte

besaß, hatten die Niederländer ein Transportmonopol

auf den Weltmeeren inne.

Während für den Handel mit Asien und

Indien die 1602 gegründete Ostindien-

Kompanie (OIC) zuständig war, wickelte

die 1621 gegründete Westindien-Kompanie

(WIC) den Handel mit Afrika und Amerika

ab. Und zwar unter Generaldirektor

Pieter Stuyvesant. Der war zugleich auch

Gouverneur von Curaçao und später

Gouverneur des heutigen New York.

Wirtschaft, Wissenschaft und

Kultur im Holland des 17. Jahrhunderts

erfuhren eine ungeahnte

Blüte. Das sogenannte

Goldene Zeitalter hatte be-

gonnen. Doch Voraussetzung dafür war

Salz, denn für das monatelange Segeln

auf hoher See – Dreh- und Angelpunkt

der niederländischen Wirtschaft – waren

gesalzene Produkte wie Hering und

Pökelfleisch unabdingbar. Aber auch für

die wachsende europäische Bevölkerung

war eingesalzener Fisch neben Brot das

wichtigste Nahrungsmittel. Hinzu kam,

dass im 17. Jahrhundert auch die niederländische

Industrie Unmengen Salz verschlang:

nicht nur die Käseproduktion,

sondern auch die Glasproduktion in Leerdam

und die Keramikindustrie in Delft.

Glücklicherweise gab es auf Bonaire mehr

als genug davon. Im Süden der Insel, der

natürlichen Salina di Suit, begannen die

Niederländer mit der systematischen

Ge winnung des begehrten Rohstoffes.

Nach und nach legten sie in den Lagunen

im Norden der Insel weitere Salinen

an, die bis heute etwa zehn Prozent

der Gesamtfläche der Insel umfassen.

Bislang hatte sich die WIC neben den lukrativen

Kaperfahrten auf spanische Goldund

Silberflotten vor allem auf den Handel

mit Zucker aus Brasilien und Sklaven

von der westafrikanischen Küste konzentriert,

doch bereits Ende des 17. Jahrhunderts

war Salz zum wichtigsten

Exportgut der nie- WEITER AUF SEITE 20

Pieter Stuyvesant: Gouverneur der

Niederländischen Antillen und

Generaldirektor der Westindien-

Kompanie (WIC). »


SCOOP 1/2013

DIE KRAFT DER SONNE

Über Kanäle gelangt das Meerwasser in die flachen Becken der Lagunen.

Durch stetige Verdunstung erhöht sich die Salzkonzentration, das Salz

kristallisiert, es bilden sich Schichten. Die Sole ist wiederum die perfekte

Lebensgrundlage einer bestimmten Algenart, die nicht nur dem Wasser die

rosa Farbe verleiht, sondern auch den Flamingos, die sich von ihr ernähren.

HISTORISCHE

KULISSE

Heute wird auf

Bonaire wieder

Salz gewonnen.

An die Zeit der

Sklaverei erinnert

neben den

Gebäuden auch

eine Gedenktafel.

ABSCHAFFUNG DER SKLAVEREI

Als eine der letzten Kolonialmächte

haben die Niederländer im Jahr 1863 die

Sklaverei abgeschafft. Danach lag die

Salzgewinnung auf Bonaire mangels

Arbeitskräften 100 Jahre lang brach.

30.000

FLAMINGOS

leben in den

Salinen. Sie sind

das Wahrzeichen

von Bonaire.

Fotos: thinkstock (2), Uwe Moser / Alamy, Prisma Bildagentur AG / Alamy, K+S

»

derländischen Antillen avanciert.

Aller dings war die Gewinnung des Meersalzes

Knochenarbeit. Doch auch dafür

hatten die findigen Niederländer eine

Lösung: Wozu gab es schließlich Sklaven?

Auf den Zuckerrohr-, Baumwoll- und

Tabak plantagen der Kolonien war nichts

so wichtig wie die afrikanischen Zwangsarbeiter,

die zu Hunderttausenden wie

Vieh in die Kolonien verschleppt wurden.

Auch auf den niederländischen Antillen

waren es Sklaven, die nahezu alle

an fallenden Arbeiten erledigten. Auf den

Feldern, in den Herrenhäusern und in den

Salinen. Hier schufteten die sogenannten

Kettensklaven. Ihre Bezeichnung erhielten

sie, weil sie durch Fußfesseln an der

Flucht gehindert werden mussten. Denn

obwohl die Flucht mit dem Abhacken von

Gliedmaßen geahndet wurde, waren die

Arbeitsbedingungen beim Salzabbau im

sogenannten Pekelmeer (Solemeer) so

unmenschlich, dass die Sklaven die Risiken

der Bestrafung immer wieder auf

sich nahmen. Martinus Niewindt, seinerzeit

der höchste katholische Geistliche auf

den Antillen, hat die Verhältnisse in einem

Brief von 1835 beschrieben: „Von Sonnenauf-

bis -untergang an sechs Tagen die

Woche müssen die Kettensklaven diese

schreckliche Arbeit unter der sengenden

Sonne verrichten.

Unmenschliche Bedingungen

Mit den Füßen stehen sie in der beißenden

Sole, die selbst die kleinste Wunde

zur Qual werden lässt. Nachts schlafen

sie in ihren nassen Kleidern auf dem

blanken Steinboden der Sklavenhütten.“

Geblendet von der karibischen Sonne,

die – reflektiert durch die weiße Umgebung

– vielfach zur Erblindung führte,

mussten die Sklaven die sich im

Sole becken bildende Salzschicht mit

Spitzhacken zerkleinern, in Säcke füllen

und mit Schubkarren auf die Schiffe verladen.

Heute sind es Bulldozer, die das

zu einer Dicke von zwölf bis 15 Zentimetern

kristallisierte Salz abbauen und mit

Lastwagen auf die Schiffe transportieren.

Allerdings erst wieder seit 1963, denn

nach Abschaffung der Sklaverei im Jahr

1863 fehlte es an Arbeitskräften und die

Produktion versank in einem 100-jährigen

Schlaf. Heute wird hier wieder Salz

pro duziert, doch an die Zeit der Kettensklaven

erinnern zum Glück nur noch die

Hütten sowie

eine Gedenk tafel.

Was jahrhunderte lang

ein Ort der Qual war, gilt

heute als Naturidylle und

Taucherparadies. Wer von der

Hauptstadt Kralendijk auf der

Küstenstraße Richtung Süden zu

den Salinen fährt, kommt vorbei

an mannshohen Kakteen, dichten

Mangrovenwäldern, wilden Eseln,

Leguanen und Flamingos. Das

Meer leuchtet wie der berühmte

Likör „Blue Curaçao“ mit dem fluoreszierenden

Pink der Solebecken

um die Wette. Eine farbenprächtige

Kulisse für die gleißend hellen

Salzberge – das weiße Gold der

Antillen.


SCOOP 1/2013 21

SICHERHEIT IM BERGBAU:

DER

SCHUTZHELM

Das Tragen eines Helms im Bergbau ist Pflicht

und gehört zu den Standardmaßnahmen

der Arbeitssicherheit. Seit Anfang der

1950er-Jahre besteht der Kopfschutz aus

Kunststoff. In vielen Ländern zeigt die

Farbe die Funktion seines Trägers an.

KOPFUMFANG

Den Helm gibt es in drei

Größen. Zusätzlich sorgt

der Plastikring im

Innenraum für optimale

Anpassung an jede

Kopfform.

SERIE

AUS DER

K+S WELT

6-PUNKT-

GURTBAND

Zur Innenausstattung

gehört ein schwer

entflammbarer Spezial-

Polsterstreifen.

Zusätzlich verteilen

Bänder die auf den Kopf

einwirkenden Kräfte.

SCHUTZ

Der Helm bietet eine sehr

gute Stoßdämpfung,

hohe Seitensteifigkeit

und Schutz vor

elektrischem Schlag.

Fotos: KircherBurkhardt (2), thinkstock, Nancy Greifenhagen /Alamy

MATERIAL

Duroplast

(Glasfaser-Polyester)

ist ein besonders

alterungsbeständiger

Kunststoff.

LOCH

Wer den Helm nach

Feierabend an den

Nagel hängen will,

kann das hiermit tun.

Helm aufs

Haupt

Seit jeher trugen

Menschen Helme, um

den Kopf zu schützen.

Das war nicht nur für

Krieger lebenswichtig.

SCHUTZ IM KAMPF

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts

trugen Ritter in den

Schlachten geschlossene

Helme. Sie wurden schnell

zum wichtigsten Kopfschutz

der schweren Reiterei. Dadurch

war die Sicht allerdings

sehr eingeschränkt.

REGENRINNE

Für trockene Schultern:

So tropft kein Wasser

an der Seite herunter.

FARBEN

In Deutschland

tragen Steiger und

Aufsichten weiße

Helme, Schlosser

blaue und Elektriker

grüne. Kumpels

erkennt man an der

gelben Farbe,

Sicherheitsleute

tragen orange und

die Grubenwehr rot.

SCHUTZ FÜR RETTER

Feuerwehrhelme waren früher

noch aus Leder oder Metall.

Heute besitzen sie eine

Außenschale aus glasfaserverstärktem

Composite

Thermoglas gegen extreme

mechanische und thermische

Belastungen.


22

LERNEN LEARNING / APPRENDRE / APRENDER / APRENDER

SCOOP 1/2013

Rohsalz

1. AUFMAHLEN

Im ersten Schritt wird das

Rohsalz auf eine Größe

von 0,1 mm bis 1 mm

zerkleinert.

Kieserit

Kali

Steinsalz

2. FLIESSBETT

Hier werden die verschiedenen Rohsalzkom -

ponenten elektrisch aufgeladen, wobei die

je weiligen Mineralien unterschiedliche La -

dun gen erhalten. Dazu braucht es ein Konditionie

rungsmittel, stetige Luftzufuhr sowie

Wärme und definierte Luftfeuchte im Inneren

des Fließbetts. Das Steinsalz wird positiv, und

die Kali- und Kieseritkomponenten werden

negativ aufgeladen.

Konditionierungsmittel

In Hattorf findet das

ESTA-Verfahren in der

großen Produktionshalle

statt.

Luftzufuhr, Wärme und

definierte Luftfeuchte

EINFACH ANZIEHEND

Wenn das Kali-Rohsalz aus der Grube kommt, beginnt die Veredelung der

Mineralien. Dank der Erfindung des ESTA-Verfahrens durch K+S-Forscher

geht dies zum Teil auch ganz ohne den Einsatz von Wasser.

Schon der Ex-Beatle Paul McCartney

hat’s gewusst: „Mutig ist, wer nicht

aufgibt.“ In diesem Sinne war das

K+S-Forscherteam nicht nur äußerst mutig,

sondern auch findig: Jahrelang wurde

getüftelt, um ein Verfahren zur Trennung

von Mineralien zu entwickeln, das

ohne den Einsatz von Wasser arbeitet. Mit

Erfolg: „Dank der Entwicklung des ESTA-

Verfahrens ist K+S der einzige Kali-Produzent

weltweit, der die verschiedenen

Komponenten aus dem Rohsalz aussortieren

kann, ohne dass dabei Abwässer

entstehen“, sagt Mario Hofmann, stellvertretender

Betriebsleiter im Werk Hattorf

für den Bereich Magnesiumprodukte.

Der Begriff ESTA leitet sich vom Wort Elektrostatik

ab. Jenem Prinzip, das dem Verfahren

zugrunde liegt. Hierbei wird das

millimeterfein gemahlene Rohsalz elektrisch

aufgeladen. Der Trick dabei:

Das Steinsalz erhält eine andere

Ladung als beispielsweise Kali

oder Kieserit. In einer Art Röhre,

dem sogenannten Freifallscheider,

befinden sich ein Plusund

ein Minuspol. Und da sich

Gegensätze bekanntlich anziehen,

landen die negativ geladenen Salzkomponenten

beim Pluspol und die

positiv geladenen beim Minus pol.

Während andere Trennverfahren wie

das Flotations- oder das Heißlöseverfahren

salziges Abwasser produzieren,

läuft das ESTA-Verfahren auf

trockener Basis ab. Hinzu kommt ein

weiterer Vorteil: Das ESTA-Verfahren

verbraucht deutlich weniger

Energie. „Das spart nicht

nur Kosten, sondern schont

die Umwelt auch auf diese

Weise“, sagt Roland Keidel,

Leiter Produktion über Tage

am Standort Hattorf. Kein

Wunder, dass nicht nur Mineralien,

sondern auch die Konkurrenz

das Verfahren anziehend finden

und viel dafür geben würden, die genaue

Funktionsweise zu erfahren. „Die bleibt

aber Betriebsgeheimnis bei K+S, schließlich

sichert sie uns einen enormen Wettbewerbsvorteil“,

so Keidel. Aufgrund der

vielen Vorteile wird das ESTA-Verfahren

so häufig wie möglich angewendet. Die

Werke Neuhof, Sigmundshall, Wintershall

und Hattorf nutzen die elektrostatische

» Allen anderen Wettbewerbern ist es

bislang nicht gelungen, die ESTA auf Basis

eigener Entwicklung einzusetzen. «

Mario Hofmann, stellvertretender Betriebsleiter, Bereich

Magnesiumprodukte


SCOOP 1/2013 23

FEINSTAUBANTEIL

Staub wird herausgefiltert

und wei terverarbeitet.

3. FREIFALLSCHEIDER

Die unterschiedlich aufgeladenen

Salzkörner fallen durch ein Hoch -

spannungsfeld. Auf zwei Meter

Länge ist rechts und links ein positiver

und ein negativer Pol angebracht.

Die Pole sorgen dafür, dass die Körner

je nach Ladung auf die eine oder

die andere Seite gezogen werden.

Dadurch trennen sich die negativ

aufgeladenen Komponenten von

den positiv aufgeladenen.

In Stufe A wird

positiv geladenes

Steinsalz vom Minuspol

angezogen.

Der Pluspol zieht

negativ geladene

Kali- und Kieseritkomponenten

an.

1. FRAKTION

Das Wertstoffgemisch

(Kali

und Kieserit)

wird weiterverarbeitet.

ZUNGEN Die zwei Trennelemente

am unteren Ende des Freifallscheiders

sorgen dafür, dass Steinsalz sowie

Kieserit und Kali unterschiedliche

Wege gehen. In die Mitte fällt das

sogenannte Mittelgut, das sich für

keinen Pol entschieden hat und

das Verfahren ein weiteres Mal

durchläuft.

2. FRAKTION

Mittelgut

3. FRAKTION

Rückstand (NaCl)

Fotos: Bernd Schoelzchen (3), K+S Infografik: KircherBurkhardt Infografik

Technik bereits seit den

1970er-Jahren, und Hattorf

setzt ab 2014 durch

eine Erweiterung der

Anlage sogar noch stärker

auf die Trennung

mit dem ESTA-Verfahren.

Nach dem ersten

Einsatz der Technik hat

sich das Forscherteam allerdings

nicht auf dem

Erfolg ausgeruht: „Wir

haben kontinuierlich wei -

tergeforscht, um das Verfahren

noch kostengünstiger

und umweltschonender

zu machen“, sagt

Roland Keidel.

» Das ESTA-Verfahren

schont die Umwelt und

spart erheb -

li che Kosten ge -

gen über dem

Flotations- und

Heißlöseverfahren. «

Roland Keidel, Leiter Produktion über

Tage, Standort Hattorf

Die Freifallscheider in Hattorf. Auf einer Länge von

zwei Metern werden die verschiedenen Salzmineralien

voneinander getrennt.


24

LERNEN LEARNING / APPRENDRE / APRENDER / APRENDER

SCOOP 1/2013

SALZ ALS SINNBILD DER SEELE

Ob als Vehikel in

die Ewigkeit oder

als Symbol für die

Vergänglichkeit – die

Einsatzmöglichkeiten

von Salz sind schier

unerschöpflich: fünf

Beispiele, in denen der

Rohstoff konserviert,

temperiert und

fasziniert.

SERIE

SALZ ALS

KULTURGUT

SALZ IN DER

GESCHICHTE

ÜBER DEN TOD

HINAUS

Die Ägypter glaubten,

dass ein Mensch nur

dann wiedergeboren

wird, wenn der Körper

nach dem Tod unversehrt

bleibt. Zu diesem

Zweck wurde der Leichnam

für vier Wochen

mit einer Schicht aus

Salz bedeckt. Das sorgt

durch die entwässernde

Wirkung für ein

Austrocknen des Kör -

pers. Skelett und Haut

bleiben auf diese Wei -

se für Jahrtausende

erhalten. Bei der

Mumi fizierung der

Pharaonen im alten

Ägypten spielte Salz

eine wichtige Rolle.

SALZ IN DER KUNST

INSPIRIERENDER

ROHSTOFF

SALZ IM ALLTAG

WOHLIGE WÄRME

DANK SALZ

So manch ein Freund der Winterzeit

weiß nach Aktivitäten in frostiger Kälte

die wohlige Temperatur einer Wärmflasche

auf ausgekühlten Füßen zu schätzen. Damit diese

nicht allzu schnell verfliegt, kann Salz helfen, das Wasser

länger warmzuhalten: Vor dem Aufkochen einfach ein paar

Löffel dazugeben und schon wird das Wasser acht Grad

wärmer als ungesalzenes, und es dauert deutlich länger, bis

die Flasche die ganze Wärme abgegeben hat. So reicht es

vielleicht sogar bis zum nächsten Morgen.

Der Künstler Ugo Dossi

ist fasziniert von

Salz, einem „archaischen

Material voller

Widersprüche: Es ist

fest und zugleich jederzeit

bereit, sich aufzulösen“. In den Siebzigerjahren

schuf Dossi sein Kunstwerk „Salz-Objekte“,

denn Salz betone das Vorläufige und Vorübergehende

und „eignet sich hervorragend für die Darstellung der

Flüchtigkeit aller Werkzeuge, mit denen das Mängelwesen

Mensch seine fehlenden Krallen ersetzt.“ Auch

bei K+S wurde das Kunstwerk bereits ausgestellt.

SALZ IN DER KÜCHE

SALZIGE SÜSSIGKEIT

Gesalzene Butter gilt in

Frankreich als Spezialität.

Umso erstaunlicher, dass

sie in der Bretagne für

eine süße Delikatesse

verwendet wird: Karamellbonbons.

Erst durch

das Salz in der Butter entsteht

eine aromatische

Verbindung gegensätzlicher

Geschmacksreize.

Die Bonbons werden

traditionell in großen

Kupferkesseln hergestellt.

Es gibt sie pur,

aber auch mit Nüssen,

Schoko lade oder Vanille

verfeinert.

SALZ IN DER RELIGION

DAS GLEICHNIS VON DER SEELE

In den heiligen Schriften des Hinduismus

veranschaulicht ein Gleichnis, dass nicht alles

sichtbar ist, was existiert. Darin weist ein

Vater seinen Sohn an, einen Brocken Salz in

eine Schüssel Wasser zu legen und diesen

nach einiger Zeit wieder herausfischen. Das

Salz ist jedoch nicht auffindbar, obwohl das

Wasser salzig schmeckt. Salz steht hier für

die Seele des Menschen, die – wenngleich

unsichtbar – dem hinduistischen Glauben

nach dennoch in jedem Menschen wohnt.

Fotos: Mike Nelson/dpa Picture-Alliance, thinkstock, KircherBurkhardt Illustration: KircherBurkhardt Infografik


TEILEN SHARING

/ PARTAGER / COMPARTIR / COMPARTILHAR

25

SERIE

MEINE

HEIMAT

Daniel Marques vor einem Berg Meersalz, das aus den nahe gelegenen Salinen zum Abpackstandort nach Olhão in Portugal geliefert wird.

RHYTHMUS UND TAKT

FÜR SALZ UND MEER

Foto: Joao Pina

Daniel Marques liebt nicht nur das Meer, sondern

auch das Salz darin. Dafür fährt er viele Kilometer

an der Küste der iberischen Halbinsel von einem

esco-Standort zum nächsten.

VON STINA BEBENROTH

Aus dem Takt bringen lässt sich Daniel

Marques nicht so leicht. Dass

er sich diese Fähigkeit als Turniertänzer

angeeignet hat – ein Hobby, dem

er viele Jahre gemeinsam mit seiner Frau

Pascale nachging – streitet er nicht ab:

„In meinem Beruf geht es zwar nicht um

die passende Schrittfolge zur Musik, aber

Rhythmus- und Taktgefühl haben noch

keinem geschadet.“ Daniel Marques ist

Produktionsleiter an den portugiesischen

esco-Standorten Alverca und Olhão und

zugleich Technikverantwortlicher am spanischen

Standort Torrelavega. Die großen

Entfernungen zwischen seinen verschiedenen

Wirkungsstätten legt er häufig

zurück und kümmert sich sowohl nahe

der Hauptstadt Lissabon als auch an der

Algarve um alle organisatorischen Aufgaben.

Dazu gehören die Produktionsplanung,

Produktkontrollen, Verhandlungen

mit Lieferanten und natürlich die Leitung

seiner Mitarbeiter. „Mit Menschen zu arbeiten

macht mir Spaß, auch wenn es viel

schwieriger ist, als mit Zahlen und Daten

zu hantieren“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Dass es ihm dennoch gelingt,

wird ihm seitens seiner 50 Mitarbeiter allerorts

bescheinigt. „Auch wenn Daniel

oft unterwegs ist, hat er immer ein offenes

Ohr für unsere Anliegen“, sagt Victor

Teixera, der sich in Olhão um die tägliche

Produktion kümmert.

Zwischen verschiedenen Orten zu pendeln

ist der 47-Jährige von klein auf gewohnt.

Als Sohn portugiesischer Einwanderer

in Frankreich aufgewachsen, lebte

er schon immer zwischen zwei Kulturen.

Bald spricht er französisch besser als seine

Muttersprache, heiratet eine Französin

und hält dennoch eine enge Verbindung

zu Portugal. WEITER AUF SEITE 26

»


26

TEILEN SHARING / PARTAGER / COMPARTIR / COMPARTILHAR

SCOOP 1/2013

TOURISTENMAGNET

Portugal ist reich an Kultur und Geschichte. Das kleine Land am

südwestlichen Zipfel Europas hat einiges zu bieten und lockt seit

jeher viele Touristen an. Diese genießen die Strände, das Essen

und die vielen historischen Sehenswürdigkeiten.

PORTUGAL

»

Wohin es ihn – unabhängig von Ländern

und Kulturen – außerdem schon

immer zog, ist das Meer. Als der studierte

Chemiker 1999 von seiner ursprünglichen

Tätigkeit bei Solvay in Ostfrankreich

nach Ba yonne an die französische Atlantikküste

zog, war er in seinem Element.

In Ba yonne, nahe der spanischen Grenze,

arbeitete Marques elf Jahre als Pro-

Erst wird das Meersalz gereinigt,

dann in Handelsgrößen verpackt.

Ausschnitt

» An die rasante

Fahrweise der

Portugiesen musste ich

mich erst gewöhnen. «

duktmanager. Die Arbeit in der Produktion

zieht er dem Labor eindeutig vor: „Sie

ist sehr abwechslungsreich. Langweilige

Routine kommt hier nicht vor.“ Obwohl er

sich in Bayonne rundum wohlfühlte, hieß

es für Daniel 2010 dennoch weiterziehen:

Nach der Schließung des Standorts folgte

das Angebot für seine heutigen Aufgaben

in Portugal. „Es hat mich gereizt, endlich

mal in Portugal zu leben und zu arbeiten,

statt nur Ferien hier zu machen.“ Seine

Sprachkenntnisse musste er zwar nach

all den Jahren in Frankreich etwas auffrischen,

und auch die rasante Fahrweise

der Portugiesen war gewöhnungsbedürf-

LISSABON

DURCH STEILE

STRASSEN UND

ENGE KURVEN

Nostalgischen

Charme verbreitet

sie, die Straßenbahn in Lissabon.

Bereits seit 1901 fahren die

Eléctricos de Lisboa. Ein Großteil

der historischen Fahrzeuge

ist immer noch im Einsatz. Fünf

Linien befördern Fahrgäste auf

unterschiedlichen Routen durch

die enge und hügelige Altstadt.

Daniel mit seinen Kindern Guillaume, Benoit,

Anne-Lise und Adrien sowie Frau Pascale (v. l.).

Rechts beim Mountainbiken in den Bergen

tig, doch heute fährt er die Strecke zwischen

Olhão und Alverca fast im Schlaf.

Trotz der vielen Bewegung im Berufsalltag

ist Daniel Marques auch in seiner

Freizeit immer auf Achse. Auf Turnieren

tanzt er zwar nicht mehr, dafür radelt er

aber beinahe jedes Wochenende mit seinem

Mountainbike die Berge rauf und

runter, fast immer gemeinsam mit seiner

Frau Pascale. „Beim Radeln entspannen

wir und vergessen den Stress.“ Alle

paar Wochen setzt er sich außerdem mit

ihr und Nesthäkchen Anne-Lise (14) ins

Auto, um nach Frankreich zu fahren. Dort

leben nicht nur die inzwischen erwachsenen

Kinder Guillaume, Benoit und Adrien,

sondern auch viele Freunde und Verwandte.

Die Verbindung zu Frankreich ist also

stark geblieben. Ob er seine Zukunft in

Frankreich oder Portugal sieht, kann Daniel

Marques jedoch noch nicht sagen. Eines

ist aber sicher: „Am Meer möchte ich immer

leben. Es ist die Luft, die anders riecht

und schmeckt.“ Ein echter Salzer eben.


SCOOP 1/2013

SPEZIALITÄT

27

SÜSSWEIN AUS

DEM NORDEN

Die nordportugiesische

Stadt Porto dient als

Namensgeberin für einen

der bekanntesten

Digestive der Welt, den

Portwein oder kurz

Port. Der weiße oder

rote Süßwein stammt

aus dem Douro-Tal und

wird meist nach dem

Essen als Verdauungswein

gereicht. Roter

Portwein schmeckt sehr

süß und kräftig, weißen

Port gibt es auch in

der trockenen Variante.

Portugal

Mit seinen gut zehn Millionen Einwohnern gehört das Land zu den kleineren

europäischen Staaten. Nichtsdestotrotz blickt die Seefahrernation

auf eine ruhmreiche Vergangenheit zurück. Nachdem der portugiesische

Seefahrer Vasco da Gama 1498 den Seeweg nach Indien entdeckt hatte,

stieg Portugal zur Weltmacht auf und war lange Zeit die führende Seeund

Handelsmacht. Portugiesen eroberten Kolonien in Asien, Südamerika

und Afrika. Im 17. Jahrhundert musste sich das Land in mehreren Kriegen

den Niederlanden und England geschlagen geben und verlor den Großteil

seiner Kolonien. Brasilien – größte und reichste der portugiesischen Kolonien

– erklärte 1822 seine Unabhängigkeit. Die Übergabe des südostasiatischen

Macao an China im Jahr 1999 beendete die Ära der portugiesischen

Kolonialzeit endgültig.

KÖSTLICHKEITEN

Unwiderstehlich:

die berühmten

Blätterteigtörtchen

GÄNSEHAUTFAKTOR

KNOCHENKAPELLE

In der Stadt Evora befindet sich

eine der bekanntesten

Sehenswürdigkeiten des

Landes: die Capela dos Ossos.

Sie besteht aus den Gebeinen

von über 5000 Menschen und

wurde im 16. Jahrhundert von

einem Franziskanermönch

errichtet. Die gut erkennbaren

Knochen sollten zur Meditation

inspirieren.

Süß und salzig – die portugiesische

Küche hat viele Fans

Die kulinarischen Spezialitäten sind nicht nur im Land

selbst beliebt, sondern haben weltweit viele Anhänger.

Unter dem Einfluss der iberischen

Küche vom Norden und der afrikanischen

Küche aus dem Süden

spielen auf portugiesischen Tellern

zwei Zutaten die Hauptrolle: Fisch

und Zucker. Das Nationalgericht ist

Bacalhau, ein Kabeljau, der 150 Tage

lang von Wind und Sonne getrocknet

und mit Meersalz eingerieben

wird. Es gibt eine so große Anzahl

an Rezepten für die Zubereitung,

dass es heißt, es fände sich für jeden

Tag des Jahres eines. Eine weitere

portugiesische Leidenschaft

ist die Süßspeise. Egal ob beim Dessert

oder bei Gebäck: Viel Zucker ist

dabei ein Muss. Die Pastéis de Belém,

Blätterteigtörtchen, sind seit

der Kolonialzeit sogar in Südostasien

eine beliebte Spezialität.

Fotos: Joao Pina (2), Ullstein Bild (2), privat, Biosphoto, JB-2078/

Alamy, Ian Dagnall/Alamy, Oleg Boldyrev/Alamy, Martin Thomas

Photography/Alamy Infografik: KircherBurkhardt Infografik

TOURISMUS

SURFEN, SAND UND SONNENSCHEIN

An der Algarve, der südlichsten Region Portugals, gibt es

europaweit die meisten Sonnentage. Das sowie die vielen

feinsandigen Strände und die angeblich besten Wellen

Europas führen dazu, dass in den Sommermonaten die Zahl

der Touristen dreimal so hoch ist wie die der Einwohner.

Salzblumen aus

traditioneller Herstellung

Am Standort Olhão wird neben

dem traditionellen Meersalz

auch das bekannte Flor de Sal

verarbeitet. Die von Hand geschöpften

Salzblumen gelten

weltweit als Spezialität und haben

das Salz aus Portugal berühmt

gemacht. Insgesamt produzieren

25 Mitarbeiter rund

25 Kilotonnen Salz pro Jahr. In Alverca

sind es sieben Kilotonnen,

die größte Anzahl der 25 Mitarbeiter

ist in der Verwaltung der

portugiesischen esco-Standorte

tätig. Dort wird neben Meersalz

auch Siedesalz aus Povoa verarbeitet,

das der Joint Venture-

Partner Solvay herstellt.


28

TEILEN SHARING / PARTAGER / COMPARTIR / COMPARTILHAR

SCOOP 1/2013

LAUFREKORD

Null

UNTER TAGE

Prozent Luftfeuchtigkeit bei 21 Grad Celsius. Die Läufer

rücken die Stirnlampen auf den Helmen zurecht.

Dann ertönt das Startsignal zum Kristallmarathon im

Erlebnis Bergwerk in Merkers. Bereits zum siebten Mal fand die

außergewöhnliche Sportveranstaltung statt. Um sich dieser einzigartigen

untertägigen Herausforderung zu stellen, reisen Jahr

für Jahr zahlreiche Läufer an – viele von ihnen aus dem Ausland.


SCOOP 1/2013 29

500

LÄUFER waren insgesamt am

Start. Neben der Marathondistanz

von 42,2 Kilometern konnte auch

eine Halbmarathonstrecke oder

ein 10-Kilometer-Lauf zurückgelegt werden. Für alle drei

Läufe musste die abgesteckte Strecke von drei Kilometern

mehrmals umrundet werden.

2:46

STUNDEN

brauchte der

Gewinner des

Marathons,

Markus Baldauf, für die Strecke. Damit hat der

deutsche Läufer den Untertagerekord in

Merkers aufgestellt.

75

JAHRE war die

älteste Starterin,

der jüngste Teilnehmer

16. Die

Läufer kamen aus Deutschland,

Österreich, Italien, Slowenien und

Tschechien.

Foto: Marc Tirl/dpa Picture-Alliance


30 LERNEN LEARNING / APPRENDRE / APRENDER / APRENDER SCOOP 1/2013

EIN HERZ FÜR KOLOSSE

Zum modernen Bergbau gehören riesige Baumaschinen. Für die einen ist der Umgang mit dem

schweren Gerät Arbeitsalltag, für andere Faszination und Adrenalin pur. Wie für Michael Rimkus.

Der Sohn eines K+S-Mitarbeiters hat als Kind sein Herz verloren: an Giganten wie Caterpillar & Co.

Für Michael

Rimkus hat sich

ein Traum erfüllt.

Er darf auf eine

Caterpillar D10

steigen.

D Heringen

USA New Iberia/Louisiana

CL Kainita und Loberas

CAT D10

PS 588

Gewicht 80 t (mit Zubehör)

Länge 9,26 m

Geschwindigkeit 15,8 km/h

Nutzlast 27 l

Sandvik LH621 Load Haul Dump

PS 469

Gewicht 56,8 t

Länge 12,3 m

Geschwindigkeit 25 km/h

Nutzlast 22 t

CAT 775F Off-Highway Truck

PS 797

Gewicht 109,7 t

Länge 10,3 m

Geschwindigkeit 67,5 km/h

Nutzlast 77 t

Fotos: Xxxxxxxxx, Xxxx Xxxxxxxxxx, Xxxxx xxxxxxxxxx xxxxx

Volv

PS

Gewicht

Länge

Geschwin

Schaufelinh


SCOOP 1/2013 31

Fotos: Xxxxxxxxx, Xxxx Xxxxxxxxxx, Xxxxx xxxxxxxxxx xxxxx

Nach 45 Jahren ist sein größter

Wunsch in Erfüllung gegangen.

Michael Rimkus sitzt in der Fahrerkabine

einer Caterpillar und strahlt.

„Wie oft habe ich in der Vergangenheit davon

geträumt“, erinnert sich der 56-Jährige

und kann es kaum glauben. Aber jetzt

ist es so weit. Hoch oben, auf dem Monte

Kali in Heringen – der 220 Meter hohen

Halde am Werk Werra – kann er endlich

mit seinem Favoriten auf Tuchfühlung

gehen.

Wirklich fahren darf Rimkus mit dem

Bulldozer allerdings nicht. „Dafür ist ein

spezieller Lehrgang und entsprechender

Führerschein nötig“, erklärt Volker Schade.

Er koordiniert die Abläufe samt Technik

und Kollegen auf dem Monte Kali. Drei

Mann sind es pro Schicht plus zwei Raupenfahrer.

Manchmal begleitet Volker

Schade Besucher auf die Halde, wie heute

Michael Rimkus. Wobei der sich sogar

hinter die Lenkhebel der CAT setzen darf.

„Zum Glück hat die Werksleitung mir das

möglich gemacht“, sagt er dankbar.

Am Anfang war ein gelber Gigant

Begonnen hatte alles 1967. In diesem

Jahr schaffte das Kaliwerk Hattorf in Philippsthal

zum Verteilen des Abraumes auf

der Halde eine Caterpillar D9 an. Das war

damals die weltgrößte Planierraupe und

eine Sensation im Werratal. Die spektakuläre

Nachricht brachte Rimkus’ Vater mit

nach Hause, denn er arbeitete im Werk.

„Ich war zu dem Zeitpunkt elf Jahre alt und

sofort Feuer und Flamme“, erzählt Rimkus.

So ein gigantisches Fahrzeug wollte er unbedingt

sehen. Also ließ der Junge seinem

Vater keine Ruhe und bettelte so lange,

bis der bereit war, mit ihm auf die Halde

zu gehen. Und da stand die D9: ein

gelbes Ungetüm von 40 Tonnen mit

der Kraft von 286 Pferdestärken. Alles

an der Planierraupe war riesig –

die Ketten, die Schaufel, und das

Führerhaus unerreichbar. „Ich

war überwältigt“, erinnert

sich Rimkus.

BR Galinhos

o Excavator EC210BLC

145

22,3 t

9,6 m

digkeit 5,5 km/h

alt bis 1.550 l

Michael Rimkus (o. l.) fachsimpelt mit Raupenfahrer Hans Wagner. Einmal auf dem

Bulldozer sitzen: Für den Baumaschinen-Fan ist das Ereignis spektakulär. Zu Hause hat

Michael Rimkus viele Modelle. Natürlich ist die Caterpillar D10 auch darunter (u.).

Seitdem sind die wuchtigen Maschinen

seine Leidenschaft. Umso erstaunlicher,

dass er nicht auch in den Bergbau gegangen

ist wie sein Vater. Aber Rimkus hat

sich sozusagen für das genaue Gegenteil

entschieden: Er lernte Zahntechniker, wo

es um Millimeterarbeit geht, und ist jetzt

Vertriebsinspektor für die Hersfelder Zeitung.

„Der Kontrast ist der Kick“, erzählt

er. „Im Beruf beschäftige ich mich mit organisatorischen

Fragen, in der Freizeit mit

Stahlelefanten.“ Dafür kauft er sich Fachbücher

und Bildbände und reist gemeinsam

mit seinem Sohn nach München auf

die Internationale Fachmesse für Baumaschinen.

Sein Sohn ist inzwischen auch infiziert.

Dort haben sie die CAT D10 – das

Nachfolgemodell der legendären D9 und

fast 30 Tonnen schwerer – bereits in voller

Größe bewundert. Nun leibhaftig auf einer

zu sitzen, ist großartig, findet Rimkus.

Zuverlässige Arbeitstiere

Die D10 auf dem Monte Kali hat inzwischen

acht Jahre auf dem Buckel. „Sie ist

ein Arbeitstier“, erklärt Halden-Aufsicht

Volker Schade. Mit ihrer Schaufel kann sie

auf einmal 22 Kubikmeter Abraum nach

einem genauen Plan auf dem Plateau der

Halde verteilen. Nachschub kommt über

das 1,2 Kilometer lange Förderband aus

dem Werk Wintershall in Heringen. „Für

diese Arbeiten brauchen wir große, zuverlässige

und moderne Maschinen“, erklärt

Schade den Besitz der Caterpillar. Diese

Gewissheit habe man bei dem Hersteller

aus dem amerikanischen Illinois. Das Traditionsunternehmen

stellt seit 1925 Großgeräte

und Fahrzeuge her, die vor allem in

Bergwerken und im übertägigen Tagebau

eingesetzt werden.

An anderen K+S-Standorten wird ebenfalls

mit schwerem Gerät gearbeitet. Bei

Salina Diamante Branco in Brasilien zum

Beispiel wird das Salz in Salinen aus Meerwasser

gewonnen und in verschiedenen

Arbeitsschritten zu unterschiedlichen

Produkten verarbeitet. Dabei helfen große

Volvo-Hydraulikbagger. Sie schaufeln

das getrocknete Salz auf Förderbänder.

Bei Morton Salt in den USA ist der Radlader

LH 621 im Einsatz: Das massige 56 Tonnen

schwere Fahrzeug des schwedischen Herstellers

Sandvik fährt in der Weeks Island

Salt Mine in Louisiana mit einer einzigen

Ladung 22 Tonnen Salz zur Sammelstelle.

Diese eindrucksvollen Fahrzeuge lassen

jedoch Michael Rimkus’ Herz trotz ihrer

Größe und Kraft nicht höherschlagen.

„Ich liebe nur schweres Gerät, das auf Ketten

fährt“, stellt er klar. Da rückt K+S-Mitarbeiter

Volker Schade mit der Nachricht

des Tages heraus. „Im Laufe des Jahres bekommen

wir auf dem Monte Kali eine neue

D10“, sagt er. Dieser Satz hat seine Wirkung

nicht verfehlt: Rimkus wird hibbelig.

Die Ankunft will er auf keinen Fall verpassen.

Er hinterlässt seine E-Mail-Adresse und

Schade verspricht, Bescheid zu geben. Der

nächste Haldenbesuch mit Gänsehautfaktor

ist also gesetzt.

Fotos: Heiko Meyer (6), K+S (3)


32

BUNTE SEITE FUN PAGE / PAGE DE FIN / PÁGINA EN COLOR / ÚLTIMA PÁGINA

SCOOP 1/2013

Am 29. Juni heißt es

wieder: Das Runde

muss ins Eckige.

Zum 17. Mal treffen sich

Mannschaften von Standorten

aus aller Welt am Kasseler

Auestadion zum K+S-Fußballturnier.

Gespielt wird auf fünf Großfeldern.

Es können Frauen- und Männerteams

teilnehmen. Auch gemischte

Mannschaften sind möglich. Egal woher

WENN’S OHNE ENDE GRÜNT

Von Wald träumen

Wenn der Weihnachtsbaum direkt

nach dem Fällen in mit Kali

angereichertem Wasser steht

und dazu die Zimmertemperatur

kräftig gesenkt wird, sind

Ob Wohnung oder Wald: Kalidüngemittel

hält Bäume länger grün.

FUSSBALLTURNIER

ZEIT, DASS

SICH WAS

DREHT

In unserer Weihnachtsausgabe fragte sich Nuria Solier Villantoy aus Kassel,

ob Kalidünger Tannenbäumen dabei hilft, länger frisch zu bleiben und

weniger zu nadeln. Lesen Sie hier einige der zahlreichen Antworten.

das optimale Bedingungen und

der Baum „denkt“ quasi, er steht

noch im Wald. Der Stamm

nimmt das Kali auf und leitet es

durch Kapillargefäße an die Nadeln

weiter. Diese haften dann

auch lange nach der Bescherung

am Zweig und bleiben schön

grün.

Hans Paulßen,

Schönhausen (GER)

Grün und stark durch Kali

Durch die Verwendung von Kalidünger

während der Vegetationszeit

des Weihnachtsbaums,

steigt die Kaliumkonzentration

in den Wurzeln und der Baum

kann mehr Wasser aus dem Boden

aufnehmen. Das Düngemittel

führt außerdem dazu, dass

weniger Wasser über die Nadeln

verdunstet. So sieht der Christbaum

auch noch Wochen nach

dem Aufstellen frisch und vital

aus und verliert kaum Nadeln.

Reinhard Elfrich,

Everswinkel (GER)

Aspirin im Wasser

Eine Aspirin im Wasser sorgt dafür,

dass Mineralien schneller

aufgenommen werden. Der

Baum bleibt so viel länger frisch.

Dustin Hayward,

Bethune (CAN)

und welches Geschlecht –

Hauptsache die Spieler sind

über 16 Jahre. Ein Spiel wird

entweder 2 x 10 oder 2 x 15 Minuten

dauern. Das richtet sich

nach der Mannschaftsgröße.

Am Ende des Turniers bekommt

jedes Team einen Pokal. Bis jetzt

haben sich 20 Gruppen angemeldet.

Alle, die gern mitmachen oder zuschauen

wollen, sind herzlich eingeladen!

Gewinner des

Salzautos

Über jeweils ein

POWERplus Car Kit

Marlin können sich die

folgenden Mitarbeiter

freuen:

Gayle Gibbs,

Belle Plaine (CAN)

Kristel Heyndrickx,

Diegem (BEL)

Uwe Laudermann,

Bebra (GER)

IMPRESSUM Herausgeber: K+S Aktiengesellschaft Redaktionsleitung: Christin Bernhardt Telefon: +49 561 9301-1424 Telefax: +49 561 9301-1666

E-Mail: scoop@k-plus-s.com Internet: www.k-plus-s.com Anschrift: K+S Aktien gesellschaft, Corporate Communications,

Bertha-von-Suttner-Straße 7, 34131 Kassel Bildredaktion, Layout und Realisation: KircherBurkhardt GmbH

Druck: Werbedruck GmbH Horst Schreck hase, Spangenberg Auflage: 23.800 Erscheinung: April 2013

Wussten Sie

eigentlich

schon, dass …

395

Jahre vergangen sind, seit die

heilende Wirkung von Bittersalz

entdeckt wurde? K+S

produziert es noch heute.

5.116

Mitarbeiter auf drei Kontinenten

durch ihren Einsatz K+S

zum weltgrößten Salzproduzenten

machen?

35.000

Tonnen Fracht auf das neue

Schiff der Empremar passen?

Damit transportiert die SPL

Atacama bis zu 200.000 Tonnen

Salz pro Jahr.

797

PS der Motorleistung eines CAT

775F entsprechen? Der Koloss

fährt im Tagebau in Chile.

DIE RUNDUMFRAGE

Was ich schon

immer wissen

wollte …

Wo befindet sich die weltweit

tiefste, noch aktive Salz- oder

Kalimine? Diese Frage stellt

sich Isabel Aliaga aus Levallois-Perret

(FR).

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Dazu können Sie eine

Postkarte an die Redaktion

Scoop (Adresse

siehe Impressum)

oder eine E-Mail an

scoop@k-plus-s.com

schreiben.

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Seite 11 teil!

Fotos: K+S (6), KircherBurkhardt, Sonja Calovin/Fotolia, thinkstock

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