Full book (pdf) - von Katharina Mommsen

katharinamommsen.org

Full book (pdf) - von Katharina Mommsen

GOETHE

WEST-ÖSTLICHER DIVAN

EIGENHÄNDIGE NIEDERSCHRIFTEN

Herausgegeben und erläutert von

KATHARINA MOMMSEN

Zweiter Band

Einführung, Transkription

und Kommentar

INSEL VERLAG


© Insel Verlag Frankfurt am Main

und Leipzig I996


INHALT

EINFÜHRUNG

IX

TRANSKRIPTION

3

KOMMENTAR

201

QUELLENVERZEICHNIS

26 7

VERZEICHNIS DER HANDSCHRIFTEN

273

HERKUNFT DER HANDSCHRIFTEN .

278

ALPHABETISCHES VERZEICHNIS

DER GEDICHTANFÄNGE UND -TITEL

279


MICHAEL ENG E LHARD

gewidmet in Dankbarkeit für erleuchtende Winke

beim Wandern durch Dichters Lande.


Einführung

IX

EINFÜHRUNG

»Manuscript für Freunde« nannte Goethe seinen >West-östlichen DivanWest-östlichen Divan<

auseinandersetzt, vollauf bewußt. Dort war ja die Schrift an die Stelle der vom Koran untersagten

figürlichen Darstellung getreten und als Kalligraphie zum typischen Ausdruck islamisch-orientalischer

Kultur geworden. 2 Jene dem Mitteleuropa des frühen 19. Jahrhunderts

recht ferne Kultur übte in den Jahren 1814 bis 1819 den denkbar größten Reiz auf den Weimarer

Dichter aus. Wie Goethe selber bekannte, war der Eindruck des spätmittelalterlichen persischen

Dichters Hafis und anderer morgenländischer Poeten auf ihn so stark, daß er sich

demgegenüber »produktiv verhalten« und »Ähnliches« hervorbringen mußte, um davor zu

»bestehen«.3 Goethe fühlte sich durch den östlichen Bruder aus dem 14. Jahrhundert zum

1 >Noten und Abhandlungen zum West-östlichen DivanKünftiger Divan< (WA I 7,132): »Man hat in

Deutschland zu einer gewissen Zeit manche Druckschriften verteilt, als Manuscript für Freunde. Wem

dieses befremdlich sein könnte, der bedenke, daß doch am Ende jedes Buch nur für Teilnehmer, für

Freunde, für Liebhaber des Verfassers geschrieben sei. Meinen Divan besonders möcht' ich also bezeichnen

... «

2 Vor allem die metaphorischen Wendungen der Dichter deuten auf die Allgegenwärtigkeit der Schrift im Bewußtsein

der Menschen. Schon in der altarabischen Poesie wurden die Spuren des verlassenen Lagerplatzes

in der Wüste mit Schriftzügen verglichen. Bei einem persischen Dichter »lesen« die Vögel auf dem »Blatt«

des Sees die »Schrift«, welche Wolken und Wind daruber schreiben; auch Himmel oder Morgen werden zu

»Blättern«, auf denen die Schönheit der Geliebten geschrieben steht. Um Wangen und Locken des Freundes

würdig zu loben, sollte der Poet sie auf Rosenblätter mit der Schrift der Hyazinthen schreiben. Die uranfängliche

Feder hat von Urewigkeit her den Namen des geliebten Menschen ins Herz des Liebenden geschrieben.

Antlitz, Wangen und Herz können zu beschriebenen »Tafeln«, werden. Tränen, Blut, Staub usw.

verwandeln sich in Schreibstoff oder löschen auch eine Schrift. Längliche Gegenstände, Finger, Wimpern,

Strahlen der Sonne usw. betätigen sich als »Federn«. Auch der Mensch kann als zwischen den Fingern Gottes

bewegte »Feder« betrachtet werden. Für den Muslim ist alles von Ewigkeit her auf die wohlverwahrte

»Tafel« geschrieben, weswegen »Geschick« einfach »geschrieben« oder »auf die Stirn geschrieben« heißt.

Sure 82, V. I I erwähnt das von den Schreiberengeln aufgezeichnete, am Gerichtstag vorgelegte »Buch der

Taten«. - Vgl. Annemarie Schimmel: >Stern und Blume: Die Bilderwelt der persischen PoesieCalligraphy and Islamic CultureTag- und Jahres-Heften 1815< mit Bezug auf die Gedichte des Hafis: » .. . ich

mußte mich dagegen productiv verhalten, weil ich sonst vor der mächtigen Erscheinung nicht hätte bestehen

können. Die Einwirkung war zu lebhaft, die deutsche Übersetzung lag vor, und ich mußte also hier Veranlassung

finden zu eigener Teilnahme. Alles was dem Stoff und dem Sinne nach bei mir Ähnliches verwahrt

und gehegt worden, tat sich hervor ... « (WA I 7,91).


x

Einführung

Wettstreit herausgefordert. Etwas von dieser Wettbewerbshaltung ist selbst noch an den hier

vorliegenden Gedichtreinschriften ablesbar. Man hat bisher viel zu wenig beachtet, welche

Bedeutung der Schrift als einem Ausdruck orientalischer Kultur innerhalb des >West-östlichen

Divan< zukommt. Auch wurde fast nie bemerkt, daß Goethes Interesse für die orientalische

Welt zunächst durch Handschriften geweckt worden war, noch ehe die Gestalt des

Hafis in der Übersetzung J oseph von Hammers im Mai I 8 I 4 in seinen Gesichtskreis trat und

seine ersten orientalisierenden Gedichte anregte. Im Herbst des Jahres I 8 I 3 nämlich hatten

ihm Weimarer Soldaten aus dem Krieg in Spanien ganz überraschend ein handschriftliches

Blatt aus einem arabischen Kodex mitgebracht. Der Dichter war fasziniert davon und wandte

sich an die Gelehrten der Universität Jena, damit sie ihm die Hieroglyphen enträtselten. Es

stellte sich heraus, daß das Blatt die letzte Sure des Koran in arabischer und persischer Sprache

enthielt. 4 Wenig später folgte ein anderes ominöses Erlebnis: Das Koran-Blatt, das dem Dichter

so unvermutet vor die Augen gekommen war, erwies sich als Vorbote künftiger Ereignisse,

denn im Januar I8I4 erhielt er völlig überraschend Gelegenheit, nun auch »die Suren des Korans«

in einem islamischen Gottesdienst »hergemurmelt« zu hören. 5 In diesem Falle, wie bei

dem handschriftlichen Blatt aus Spanien, waren es Kriegsbewegungen, die ihm den Orient nahebrachten:

Mit den russischen Verbündeten waren baschkirische Truppen nach Weimar gelangt,

deren muslimische Andacht im dortigen protestantischen Gymnasium abgehalten

wurde. Das veranlaßte übrigens auch andere Weimarer, sich für den Koran und den Islam zu

interessieren, wie Goethe seinem Sohn berichtete. 6 Dem nach Weimar gelangten einzelnen

handschriftlichen arabischen Blatt sollten jedoch noch weitere Manuskripte folgen: Wiederum

völlig überraschend trat im Februar I8 14 ein in Finanzschwierigkeiten geratener Leipziger

Kunsthändler, Johann Gottlob Stimmel, an Goethe mit der Bitte heran, mehrere wertvolle

arabische, perso-arabische und türkisch-arabische Handschriften für die Herzogliche

Bibliothek anzukaufen? Obwohl es der durch den Krieg besonders prekären ökonomischen

4 Am 20. Oktober 1813 schrieb Goethe an den Philologen und Universitäts lehrer H. K. A. Eichstädt:

» .. . Ferner liegt in einer Pappe ein Blättchen aus einem arabischen Codex bei, welches mir unsere Krieger

aus Spanien mitgebracht haben; Herr Doctor Lorsbach, dem ich mich ergebenst empfehle, hat ja wohl die

Gefälligkeit mir dieses Rätsel zu entziffern ... « (WA IV 24, 18). - Georg Wilhe1m Lorsbach schrieb am

29. Oktober 1813 an Goethe: »Die arabischen Worte in dem hiermit zurückkehrenden Fragment sind der

Anfang von dem 114ten oder letzten Capitel des Korans, und lauten deutsch also: >Im Namen Gottes des

barmherzigen Erbarmers! Sprich: Ich fliehe zum Herrn der Menschen - vor dem Übel der Einflüsterung

des Flüchtlings (d. i. des Teufels)< I Die kleine Schrift, die darunter stehet, enthält dasselbe in persischer Sprache.«

(AA 3, 284; Nr.257).

5 An Friedrich Wilhe1m von Trebra am 5. Januar 1814: »Da ich von Weissagungen rede, so muß ich bemerken,

daß zu unserer Zeit Dinge geschehen, welche man keinem Propheten auszusprechen erlaubt hätte. Wer

durfte wohl vor einigen Jahren verkünden, daß in dem Hörsaale unseres protestantischen Gymnasiums mahometanischer

Gottesdienst werde gehalten und die Suren des Korans würden hergemurmelt werden, und

doch ist es geschehen, wir haben der baschkirischen Andacht beigewohnt, ihren Mulla geschaut, und ihren

Prinzen im Theater bewillkommt.« (WA IV 24, 91).

6 An August von Goethe am 17. Januar 1814: ,.Mehrere unserer religiosen Damen haben sich die Übersetzung

des Coräns von der Bibliothek erbeten.« (WA IV 24,110).

7 Johann Gottlob Stimmel an Goethe am I I. Februar 1814 (AA 3, 192; Nr. 208). Vgl. dazu Hugo Wernekke:

>Goethe und die orientalischen Handschriften der Weimarer BibliothekZuwachs der GroßherzoglichenBibliothek

zu Weimar in den Jahren 19°8-1910Ankauf orientalischer

Handschriften für die Herzogliche Bibliothek< (AA 3,192-212).


Einführung

XI

Lage wegen äußerst zweifelhaft schien, ob die finanziellen Mittel für deren Akquisition aufzubringen

sein würden, wollte Goethe unbedingt die Möglichkeit nutzen, solche Originalmanuskripte

zu sehen, und so ließ er sie aus Leipzig kommen. 8 Am 7. März 1814 meldete er ihrem

Besitzer den Empfang der »orientalischen Schriften«.9 Sodann wandte er sich wiederum

an den sprachkundigen Dr. Georg Wilhelm Lorsbach in Jena, damit dieser ihm aufgrund eines

Verzeichnisses der Manuskripte eine Vorstellung von deren Inhalt und Wert geben möge.

Ohne des Dichters eigenes Zutun gelangte dann am 18. Mai 1814 der Diwan des Hafis in der

Hammerschen Übersetzung in seine Hände. Es war ein Geschenk des gemeinsamen Verlegers

Johann Friedrich von Cotta, der auf dem Rückweg von der Leipziger Buchmesse Goethe

während seines Badeaufenthalts in Berka an der Ilm besuchte. Schon am folgenden Tage entstanden

als erstes Echo auf Hafis die frühesten Goetheschen >DivanVersunken<

im >Buch der Liebe< des >West-östlichen Divan< veröffentlichte. 10 Da wir der Bedeutung

des Schreibens und der Schönschrift im Goetheschen >West-östlichen Divan< nachgehen, ist es

nicht ohne Pikanterie, zu bemerken, daß dies früheste >DivanWest-östlichen Divan< führen sollte.

Als der Dichter Ende Oktober 1814 mit seiner reichen Ausbeute orientalisierender Verse nach

Weimar zurückkehrte, intensivierte sich sein Interesse für die ihm anvertrauten Handschriftenschätze

aus Leipzig, welche während seiner Abwesenheit in der Bibliothek deponiert worden

waren. Lorsbach hatte sich nach dem Verzeichnis kein rechtes Bild von ihnen machen

können und wollte die Originale sehen. So übernahm Goethe persönlich deren Transport

nach Jena, da er »wegen Kostbarkeit gedachter Mspte, sie nicht wohl aus Händen geben

mochte«, und »communicirte sie genanntem Gelehrten nach und nach«.12 Damals hatte Goethe

reichlich Gelegenheit, sich mit den orientalischen Handschriften zu beschäftigen. Auf der

Basis von Lorsbachs mündlichen und schriftlichen Informationen verfaßte er im Dezember

8 Noch am 28. Dezember 1814 schrieb Goethe an seinen Ministerkollegen Christian von Voigt, mit dem er

gemeinsam die Oberaufsicht über die Bibliotheken wahrnahm, für den Fall, daß es nicht gelänge, die orientalischen

Handschriften zu erwerben: »Man hätte das Ansehn umsonst gehabt, und wäre doch dadurch

mit dem guten Lorsbach in ein näheres Verhältnis getreten.« (AA 3, 205).

9 AA 3, 194f.j Nr. 212.

10 Vgl. Hans-Joachim Weitz: >Das früheste Gedicht im ,West-östlichen Divan'Jahrbuch der Sammlung

KippenbergDie von Magister Stimmel angetragenen Orientalischen

Manuscripte sowie die von Hn. Const. R. Lorsbach gegebenen Gutachten betr. 1814


XII

Einführung

1814 seine Empfehlung, daß jene Handschriften »angeschafft und zum Grunde einer orientalischen

Manuscript-Sammlung gelegt würden«. 13 Die Manuskripte enthielten u.a. ein Prachtexemplar

von Maulanä Galälu'd-dln Rümls >Ma!nawlji ma'nawINoten und Abhandlungen zum West-östlichen

Divan< berichtet: er sei »selbst Zeuge gewesen, daß ein Orientale ein vorzüglich eingebundenes

und erhaltenes Manuscript des Mesnewi mit eben so viel Ehrfurcht, als wenn es der

Koran wäre, betrachtete und behandelte«.15 Seine eigene Freude und Bewunderung beim Anblick

der Manuskripte fanden in begeisterten brieflichen Äußerungen Ausdruck. Durch die

»orientalische Acquisition« hoffte Goethe, in Weimar »den Grund einer kleinen orientalischen

Bibliothek« zu legen 16 und »ein Feld für künftige Studien« zu eröffnenY

»In keiner Sprache ist vielleicht Geist, Wort und Schrift so uranfänglich zusammengekörpert«,

schrieb Goethe mit Bezug auf das Arabische zu Beginn des Jahres 1815.18 Dieser be- ·

rühmt gewordene Ausspruch läßt auch Goethes Überzeugung durchscheinen, daß in einer

mit Geist und Wort zusammengekörperten Schrift der lebendige Hauch des gesprochenen

Wortes aufgehoben, ja intensiviert bewahrt bleibt, da sich hier mit der akustischen noch die

optisch sinnliche Qualität vereint. Es war der Anblick jener der Herzoglichen Bibliothek angebotenen

arabischen, perso-arabischen und türkisch-arabischen Manuskripte, der diese

Überzeugung in ihm geweckt hatte. »Man muß dergleichen Handschriften wenigstens sehen,

wenn man sie auch nicht lesen kann, um sich einen Begriff von der orientalischen Poesie und

Literatur zu machen. Die unendliche Verehrung gegen ihre Dichter, Weltweisen und Gottesgelahrten,

so wie die größte Geduld und Sorgfalt drücken sich in diesen Handschriften aus«,19

schrieb Goethe an den mit ihm befreundeten Minister Christian von Voigt, mit dessen Unterstützung

in der Tat die erhoffte »orientalische Acquisition« für die Weimarer Bibliothek gelang.

Nachdem Goethe sich im Sommer r81 5 mit dem Heidelberger Orientalisten Eberhard Gottlob

Paulus im Nachbilden arabischer und persischer Schriftzeichen geübt hatte, entrang sich

ihm noch Monate später der Seufzer: »Warum kann ich nicht ein halb Jahr in Heidelberg

seyn! ich wollte im Neßkh und Talik hoffentlich meinen Dank zierlich schreiben lernen«, und

er beteuert, es werde »immer des Orients lesend, schreibend und dichtend gedacht«.2o Auch

13 Das Schriftstück ist datiert: »Jena den 16. Dec. 1814" (Wernekke, a.a.O., S. XIX; AA 3, 197f.).

14 Sie umfaßten außerdem ein Prachtexemplar von Gämls >Rosenkranz der FrommenVogel gesprächeNeuere, Neueste< (WA I 7, 82).

16 An Christian von Voigt am 10. Januar 1815 (AA 3,208; WA IV 25, 140).

17 Undatiertes Schreiben an Christian von Voigt, ca. am 12. Januar 1815 (AA 3, 209; WA IV 51, 365).

18 An Christian Heinrich Schlosser am 23. Januar 1815 (WA IV 25, 165).

19 An Christian von Voigt am 10. Januar 1815 (AA 3, 208).

20 An Sulpiz und Melchior Boissen~e am 29. Januar 1816 (WA IV 26, 23M.).


Einführung

XIII

die Papierqualität war dem Dichter wichtig, wie u. a. durch Sulpiz Boissen!es Bericht über eine

gemeinsame Wagenfahrt von Heidelberg nach Karlsruhe am 3. Oktober 1815 belegt ist; dort

ist die Rede von »einzelnen Gedichte[n] des >Divan< - die man nachher in ein Ganzes ordnet«.

Fortfahrend sagt Goethe: ».. . und so wollen wir von Heidelberg gleich 2 Buch Baseler Papier

mitnehmen, darauf schreib ich so gern, die lassen wir in einzelne Blätter schneiden.«21 Noch

in den >Tag- und Jahres-Heften< für 1817 spricht der >DivanWest-östlichen Divan< entstanden. Dem heutigen Betrachter der hier faksimilierten Blätter

von Goethes Hand kommt bei ihrem Anblick etwas Vergleichbares vor Augen, insofern diese

Blätter entweder unmittelbar im schöpferischen Rausch oder nicht lange danach unter dem

noch frischen Anhauch geistiger Empfängnis entstanden. Dadurch haftet ihnen noch etwas

von der Unmittelbarkeit des kreativen Prozesses an, bei dem Geist zu Wort wird und, in

Schrift verwandelt, bleibende Form gewinnt. So spiegeln diese Blätter auch etwas wider von

dem magischen Akt, auf den metaphorisch das Gedicht > Lied und Gebilde< weist: »Schöpft

des Dichters reine Hand I Wasser wird sich ballen.« - Daß das eigentliche Leben der Verse in

den handschriftlichen Zügen des Dichters stärker pulst als im gedruckten Schriftbild, haben

empfängliche Leser zu allen Zeiten empfunden.

21 Sulpiz Boisseree: >TagebücherDivanDivan< und

zwei Blätter mit Schreibübungen auf verschiedenen Sorten Basler Papiers mit Anker- oder Baselstab-Wasserzeichen

aus St. Albantal erhalten geblieben; vgl. Solms (1977), S. 3 I 8-320. Es handelt sich dabei zumeist

um Liebesgedichte: >Soll ich von Smaragden reden ... Die schoen geschriebenen .. . Lieb' um Liebe,

Stund' um Stunde .. . Volck und Knecht und Überwind er .. . Wie des Goldschmieds Bazarlädchen ... Locken! haltet mich gefangen ... Mag sie sich immer ergänzen ... Wie sollt ich heiter bleiben! Kaum

daß ich dich wieder habe ... Ist es möglich Stern der Sterne .. . An vollen Büschelzweigen ... Sie haben wegen der Trunckenheit .. . <

Goethe scheint also schon in den ersten Tagen seines Aufenthaltes in Heidelberg Basler Papier gekauft zu

haben (vgl. Günther Debon: >Auf Seidenblatt von SamarkandGoethes Begegnung mit Heidelberg Tag- und J ahres-Hefte 18 I 7< (WA I 36, 12 5 f.).


XIV

Einführung

Mit der Bedeutung des Schreibens und der Achtung vor der Schrift, ihrer quasi Heiligkeit und

Allgegenwärtigkeit, hängt es zusammen, daß die Vorstellung vom >Buch< im Orient eine viel

höhere ist als in der abendländischen Welt. Hier sei noch einmal daran erinnert, wie Goethe

seine abendländischen Leser an die Ehrfurcht gemahnte, mit der ein Orientale das Manuskript

einer kostbaren Dichtung betrachtete und behandelteP Mit seinem nachdrücklichen Hinweis

darauf, daß Orientalen sich mit gleicher Verehrung wie gegenüber dem Koran den Büchern

der hohen Dichtkunst nähern, gibt Goethe auch den Lesern des >West-östlichen Divan<

einen Wink, wie ein solches Werk zu betrachten und behandeln sei. In der Nachfolge orientalischer

Vorbilder teilte Goethe den gesamten >West-östlichen Divan< in »Bücher« ein, erst in

dreizehn, dann - Zahlenmystiker der er war, wie alle großen Dichter - in zwölf. Jedes dieser

Bücher ist eine Welt, ein Kosmos für sich, wobei jedoch nach orientalischem Vorbild die

Liebe zum »wunderlichsten Buch der Bücher« erklärt wird, zu einem aus »Blättern«, »Heften«,

»Abschnitten«, »Kapiteln« und »-Bänden« bestehenden »Lesebuch«, das es »aufmerksam«

zu lesen gilt. 24

Mit dem >West-östlichen Divan< betreten wir eine Welt, in der das Schreiben eine ganz ungewöhnlich

große Rolle spielt. Überall werden wir Schrift und ihre Magie gewahr. Der Dichter,

der die Rolle eines Handelsmanns angenommen hat, führt uns auf orientalische Bazare,

wo er wie einer jener Ausrufer, die ihre Waren rühmend zum Kauf feilbieten, »Segenspfänder«

preist, deren Wirkungskraft auf die eine oder andere Weise an Schrift gebunden ist. Da

gibt es Steine aller Art, in denen »das eingegrabne Wort I Allahs Nahmen rein verkündet« und

die dadurch zu »Talismanen« werden. 25 Von solchem Talisman wird behauptet: »Alles Übel

treibt er fort, I Schützet dich und schützt den Ort.« Doch noch mächtigere Kräfte liegen in ihm

verborgen: Der rechte Empfänger eines Talismans kann durch ihn »zu Lieb' und Tat entzündet«

werden! Solche allerhöchsten Wirkungen stehen in magischem Zusammenhang mit den

dem edlen Steine eingeprägten Schriftzügen. Besondere Affinität zu dieser Art von Segenspfändern,

deren Inschriften auf schönen Natursteinen wie Karneol oder Onyx stehen, wird

beim weiblichen Geschlecht vorausgesetzt: »Und besonders werden Frauen I Sich am Talisman

erbauen. «26 Männer hingegen bevorzugen, wie der >DivanAmulete< geschildert

werden: »>Amulete< sind dergleichen I Auf Papier geschriebne Zeichen I Doch man

ist nicht im Gedraenge I Wie auf edlen Steines Enge I Und vergönnt ist frommen Seelen I Längre

Verse hier zu wählen. I Männer hängen die Papiere I Gläubig um, als Scapulire.«27 Noch auf

weitere die magische Wirkung von Schrift bekundende Segenspfänder lenkt der hier als Handelsmann

auftretende Dichter unsere Aufmerksamkeit: Auch'im Siegel, dem Abdruck eines

Siegelrings bekundet sich die Macht des »eingegrabenen Worts«, wenn der Künstler und der

Empfänger des Siegels die erforderlichen Voraussetzungen erfüllen: »Ein Siegelring ist schwer

zu zeichnen, I Den höchsten Sinn, im engsten Raum; I Doch weißt du dir ein Aechtes anzu-

23 >Noten und Abhandlungen zum West-östlichen DivanNeuere, NeuesteWunderlichstes Buch der Bücher ... < (>Buch der LiebeTalisman in Carneol . .. < (>Buch des SängersTalisman in Carneol . .. < (>Buch des Sängers


Einführung

xv

eignen' Gegraben steht das Wort, du denckst es kaum.«28 Siegel sind darum »schwer zu zeichnen«,

weil die Worte spiegelschriftlich »eingegraben« werden müssen. Das setzt besondere

Kunst beim Siegelschneider voraus. Doch auch der Betrachtende muß bestimmte Fähigkeiten

mitbringen; nicht jeder ist imstande, den inneren Reichtum des Siegels zu erfassen und sich

»ein Aechtes anzueignen«. Wie der >DivanDivanDivanBuch Suleika


XVI

Einführung

und »an des lustgen Brunnens Rand« findet sie gleichfalls ihre »Lettern fein gezogen«.34 Ja,

sogar in der Dunkelheit steht ihrer beider Liebe am nächtlichen Himmel auf ewig »Glanzreich«

in Sternenschrift. 35 Mag auch der Wind die in den Wüstensand geschriebenen Verse des

von seiner Geliebten getrennten Poeten verjagen - »Seiner Klagen Reim, in Sand geschrieben,

I Sind vom Winde gleich verjagt«36 -, so bleibt deren Kraft doch auf magische Weise bestehen:

»Dem Staub, dem beweglichen, eingezeich[n]etl Überweht sie der Wind, Aber die

Kraft besteht, I Bis zum Mittelpunct der Erde I Dem Boden angebannt.1 Und der Wandrer

wird kommen, I Der Liebende. Betritt er I Diese Stelle, ihm zuckts I Durch alle Glieder. I >Hier!

Vor mir liebte der Liebende«West-östlichen Divan


Einführung

XVII

»stockt« allerdings auch »die Feder« des Poeten, wie schon in Gegenwart der Geliebten die

Zunge gelegentlich stockte. 46 Vornehmlich für Frauen bestimmt, scheint die »schöne Schrift«

von seiner Hand: »Schoengeschrieben, deine Hand, I Prachtgebunden, goldgerändet, I Bis auf

Punkt und Strich vollendet, I Zierlichlockend manchen Band. I Stets wo du sie hingewendet I

War's gewiß ein Liebespfand!«47 Wie durch Zauberkraft vergegenwärtigt ihm der Anblick

seiner eigenen, selbst geschriebenen Verse die ferne Geliebte: »blick' ich in meine Lieder I

Gleich ist sie wieder da«.48

Sämtliche hier angeführten Verse bekunden das uranfängliche Zusammengekörpertsein von

Geist, Wort und Schrift in den »schoengeschriebenen Blättern« und dadurch ihr Zeiten überdauerndes

Leben. Wie »des Evangeliums heilige Schrift« die göttliche Botschaft über Jahrtausende

hin lebendig bewahrte, so bleiben durch die magische Kraft des in der Schrift manifestierten

Dichterwortes auch der Diwan des Hafis und der >West-östliche Divan< für künftige

Zeiten lebendig. Keineswegs sind gesprochenes und geschriebenes Wort grundsätzlich als Gegensätze

aufzufassen, ein Fehlschluß, den >DivanHegireDivanHegire< - der Zersplitterung von Nord und West und Süd

entgegenwirken und der Erneuerung der Menschheit dienen wollen. Das ist die tiefste Absicht

des >West-östlichen DivanWest-östlichen Divan<

Unsrer Veröffentlichung von 210 faksimilierten Gedichten des >West-östlichen DivansDivanDivan< und dessen einzelnen Büchern hinzugefügt,

desgleichen das vom Dichter selber Ende Mai 1815 angefertigte 100 Nummern umfassende

Wiesbadener Register und schließlich mehrere arabische Schriftproben von seiner Hand.

Einzelne Bestandteile des Reinschriftcorpus gerieten bereits zu Goethes Lebzeiten und vor

allem nach seinem Tode in andere Hände. Einige dieser Blätter blieben verschollen, andere

gelangten im Laufe der Zeit ans Frankfurter Goethe-Museum, ans Goethe-Museum in Düs-

46 Vgl. V. 7f. von [136] >Wie sollt ich heiter bleiben?< aus dem >Buch Suleika


XVIII

Einführung

seldorf, an die Autografensammlung (ehern. Kestner-Museum) im Stadtarchiv Hannover, an

die Österreichische Nationalbibliothek in Wien, die Bibliotheca Bodmeriana in Geneve­

Cologny, die Royal Archives in Windsor Castle, an das Institut Russkoj Literatury in

St. Petersburg, an die Pierpont Morgan Library in New York, die Staats- und Universitätsbibliothek

Bremen, die Universitätsbibliothek Leipzig und private Sammlungen. Ihnkenswerterweise

erhielten wir von allen Institutionen und Besitzern, an die wir uns wandten,

die großzügige Erlaubnis zur Faksimilierung der Blätter. Und so haben wir nur das

Fehlen der verschollenen Reinschriften aus der Ernst August Fidei-Kommiß Bibliothek in

Gmunden und aus anderen nicht mehr bekannten Verwahrungs orten zu beklagen. Die Einbuße

wird gemildert durch Aufnahme mehrerer Faksimiles Goethescher >DivanWest-östlichen Divan<

anlegte, von allen seinen Sammelhandschriften nicht nur die letzte, sondern auch die umfangreichste?

Schon wenige Wochen nachdem der Verleger Cotta ihm im Mai 1814 den zur Ostermesse

erschienenen Diwan von Mohammed Schemseddin Hafis in der Übersetzung Hammers

geschenkt hatte, entschloß Goethe sich zur Anlage jenes Reinschriftenkonvoluts für

seine durch Hafis-Lektüre ausgelösten orientalisierenden Verse. Bereits Ende Juli 1814 waren

zahlreiche »Gedichte an Hafis«5o entstanden, die Keimzelle des späteren >West-östlichen DivanWest-östlichen Divan< erheben, doch ist das eine Praxis, mit der schon Eckermann und Riemer

in der Quartausgabe von 1836 begonnen haben. Auch haben wir es hier mit keiner kritischen Ausgabe zu

tun, und allen Benutzern bleibt die Freiheit, die von ihnen erworbenen Blätter in eine andere Reihenfolge

zu bringen.

50 Der Ausdruck »Gedichte an Hafis« ist erstmals im tagebuchartigen Brief an Christiane vom 28. Juli 1814

belegt: »Den 25ten schrieb ich viele Gedichte an Hafis ... « Vgl. auch das Tagebuch vom 30. Juli und den

Brief an Riemer vom 29. August 1814.

51 WA I 6, 339.

52 Erich Trunz: >Die Sammelhandschriften von Goethes GedichtenWeimarer Goethe­

Studien


Einführung

XIX

eigenen Handschrift ... erhalten sind« !53 Von vornherein hielt Goethe diese Blätter von anderen

>DivanWest-östlichen

DivanWest-östlichen Divan< läßt sich in einer Abfolge von vier Stufen

skizzieren, deren erste allerdings aus zwei zu unterscheidenden Schichten besteht: Goethe

beginnt Mitte Mai/ Anfang Juni 1814 mit einzelnen »Gedichten an Hafis«, doch dann kommt

es in der Folge eines über Hafis hinaus sich erweiternden Interesses am Orient im Dezember

1814 zur Konzeption eines »Deutschen Divan«. Diesen 53 Nummern umfassenden »Deutschen

Divan« (DD) betrachtet die >DivanAusgabe letzter Hand< (Cl) von 1827.

Bereits im Sommer, vermutlich am 30. Juli 1814, begann Goethe seine »Gedichte an Hafis« zu

ordnen, indem er die Reinschriftblätter in der rechten oberen Ecke des Folioblattes mit einer

Nummer versah. 55 Am 14. Dezember, nachdem sich sein Interesse über Hafis hinaus auf wei-

53 Günther Debon: >Auf Seiden blatt von SamarkandGoethes Begegnung mit Heidelberg


xx

Einführung

tere persische, arabische und türkische Dichter ausgedehnt hatte, taucht dann erstmals der Titel

»Deutscher Divan« in seinem Tagebuch auf. Vierzig Gedichte dieses frühesten, an der

Ende des Jahres 1814 durchgeführten Numerierung kenntlichen poetischen Zyklus sind in

unserer Sammlung enthalten, darunter drei, die lange Zeit als verschollen galten und für deren

Reproduktionserlaubnis der Bibliotheca Bodmeriana besonders zu danken ist: >Laßt mich nur

auf meinem Sattel gelten ... Er hat euch die Gestirne gesetzt ... < und >Hans Adam war ein

Erdenklos ... Gute Nacht !Divan West-östlichen Diam

31. Dezember 1814 und die zweite Nr.44 erst 1815.« (>Goethes ,Deutscher Divan' von 1814Literaturwissenschaftliches

JahrbuchDivanStudien


XXII

Einführung

Eigentümlichkeiten verloren gegangen. Die meisten Editionen bringen ein Mischmasch von

Goethescher Schreibung, überlieferten Formen aus Erstdruck, >Ausgabe letzter Hand< und

Modernisierung; doch ist es hier nicht unsere Aufgabe, derartiges zu behandeln, sondern nur

auf Besonderheiten der faksimilierten Blätter aufmerksam zu machen.

Schon Burdach bemerkte: »Das grosse U schreibt Goethe stets V. Das ß erscheint meist als {s,

doch auch sr, das s in drei verschiedenen Gestalten, von denen die eine (f) sowohl für Majuskel

als für Minuskel dient. Es findet also zwischen sein und Seine, sich und Sich kein graphischer

Unterschied statt, und man muß sich hüten, aus der Beschaffenheit des betreffenden Buchstaben

falsche Schlüsse zu ziehen.«63 Burdach erwähnt gleichfalls, daß der Umlaut »bald durch

ä, Ö, äu, bald durch ae, oe, aü bezeichnet« sei, ohne zu erwähnen, daß Goethe in der Eile des

Schreibens die Umlautzeichen vielfach wegläßt, was aber nicht bedeutet, daß im Druck ein e

hinzugefügt werden sollte, wie es neuerdings im Bemühen um authentischere Textformen gelegentlich

geschehen ist. Daß Goethe den Buchstaben y dem i oft vorzog, hat der Philologe

Göttling, der Goethe bei der >Ausgabe letzter Hand< half, in Fällen wie »May,juny,july (statt

Maji, Junii, Julii)« und in weiteren ihm einleuchtenden Fällen noch respektiert, in anderen

hingegen nicht. 64 Einige solcher Schreibungen sind zeitbedingt, andere nicht. Doch schwebte

Goethe gewiß bei dem optisch gewichtigeren Buchstaben y ein vollerer Klang des Lautes vor

als beim i, wenn er Leyer, seyn, sey, vorbey, frey, Freygebiger, Schmeicheleyen oder Lustgeschrey

schrieb. Die uns ungewohnte Verdoppelung von Vokalen in Wörtern wie verheelt,

Waar' um Waare, Schaafe, Cameele usw. vermag das Ohr besser zum Klangerlebnis zu führen

als die moderne Schreibweise, was sich auch bei der Nachvollziehung des Versgehaltes als hilfreich

erweisen kann. So bewirkt z.B. die Verdoppelung des Vokals e in »Ich singe mit schweerem

Herzen« eine suggestive Verstärkung des Ausdrucks von Liebestrauer. Ebenfalls gilt für

Goethes Konsonanten, daß sie immer ihren Sinn haben. Darum sollten die Editoren im Titel

>Allleben< kein I unterschlagen, auch wenn das den heutigen Duden-Regeln widerspricht. Der

Dichter empfand zweifellos den Hauch des h und dadurch eine Intensivierung des Klanges bei

Wörtern wie Athem, Gluthen, Rath, werth, Werth, Nahmen, thörig, Thaten, Gemüthsruhe,

Noth, Koth, Unmuth oder Übermuth. Die Goethesche Vorliebe für ck anstelle des uns gewohnten

bloßen k in Worten wie vermerckt, Schencke, Funcken, Fünckeln, bedünckeln,

Märckte usw. gehört gleichfalls zu seinen Mitteln, den Sprachleib zu verstärken. Gerade weil

wir in neueren Zeiten auf pedantische Einförmigkeit gedrillt und an einen dünneren Sprachleib

gewöhnt wurden, können die überraschend vollen Formen der Goetheschen Schreibung

unter Umständen zu einem Sprach erlebnis führen, das die modernisierten Ausgaben so nicht

vermitteln. Daß die Anwendung von Rechtschreibnormen einen Verlust an Verssubstanz mit

sich bringen kann, zeigt unter anderem der Fall des von Goethe verwendeten spätmittelalterlichen

Wortes Scapulire in der Amulete-Strophe von [5] >Segenspfänder


XXIV

Einführung

Gedichte erschienen, Kostproben, die bei Kennern und Liebhabern des >West-östlichen Divan<

stets den Wunsch erregten, möglichst viele derartige Faksimiles zu besitzen. Denn diese

Manuskripte spiegeln ja die Form wider, in der Goethe sich die Gedichte selber vor Augen

führte und aus der er sie seinen Freunden vorlas.

Dank gebührt allen, die dazu beitrugen, die Faksimile-Edition in möglichst vollständiger und

authentischer Form herauszubringen, und die der Unterzeichneten mit Rat und Tat halfen:

ANONYMUS

ANNA Lou ASHBY

KHALIL BARHOUM ]ÜRGEN BAY WALTER BECK ]ÜRGEN BEHRENS

LADY SHEILA DE BELLAIGUE HENDRIK BIRUS

GABRIELE BISCHOFF

GENNADIJ BORDJUGOV BERNHARD BÖSCHENSTEIN DANIEL BODMER

HANS E. BRAUN GALINA BRUNOT DE LA FORGE ROSTISLAW DANILEWSKI

CHRISTA DILL ]OHANN DILL LOTHAR EHRLICH HER MAJESTY QUEEN ELIZABETH 11.

KARIN ELLERMANN ELLEN ELSCHENBROICH MICHAEL ENGELHARD

]ÖRN GÖRES ANITA GOLZ ]OCHEN GoLZ RENATE GRUMACH

]ÜRGEN GRUSS KARL-HEINZ HAHN ARMIN HETZER RUDOLF HIRSCH

GOTTFRIED HONNEFELDER DORIS Hopp EVA IRBLIcH

STEPHANIE KIM DORoTHEA KUHN RENATE LAux

MARLIT LEBER Ross LEWIN ULRIKE LIEBICH HENRY LOWOOD

KLAUS MECKLENBURG PETER MLYNEK ALAIN MOIRANDAT

MOMME MOMMSEN ERNST NOLTE ROBERT E. PARKS

CHRISTOPH PERELS AGNES PETERSON DAvID PIKE CHRISTEL RUMMEL

MICHAEL RYAN EUGEN SATSCHEWSKI ANNEMARIE SCHIMMEL CLOTILDE SCHLAYER

CLAUDIA SCHMÖLDERS NIKOLAJ NIKOLAEVITCH SKATOV ROLF STAUDT

SIEGFRIED UNSELD VOLKER WAHL ERIKA WEBER

BURGEL ZEEH EDITH ZEHM HERBERT ZEMAN

Stanford, den 28. August 1994

Katharina Mommsen


TRANSKRIPTION


Transkription

3

[lJ

5

Versammlung

deutscher Gedichte

mit stetem Bezug

auf den

Divan

des persischen Saengers

Mahomed Schemseddin

Hafis.

10

Sey das Wort die Braut genannt

Braeutigam der Geist!

Diese Hochzeit hat gekannt

Wer Hafisen preist.

15

Juni Juli August December

Berka Weimar Wiesbaden Jena

r8r4

Januar Februar März April May Juni

Weimar Franckfurt Wiesbaden Heidelberg

r 8r 5.


4

Transkription

[2]

Verehrung sey!

5

10

15

20

dem

tiefsinnigen

Methnewi

des

Mohamed Dschelaleddinn

Rumi

dem

heldenhaften

Schah=N ameh

des

Firdusi

in tieferer Ferne

den uralten

Moallakat

der Wüste

und ihren gläubigen

Vorgängern

dann dem

staunenswürdigen

Koran

des Paradieses.

dem

sittlichen

Pend=nameh

des

Firadeddin

dem

edelsinnigen

Tohfat=ahra

des

Dschami

25

Die sittlichen Sternbilder

Kabus und Oguz

fest im Auge


Transkription

5

[3 a]

Moganniname

"--v----'

Buch des Saengers

"--v----'

Zwanzig Jahre lies ich gehn

Und genoß was mir beschieden;

Eine Reihe völlig schön

Wie die Zeit der Barmeciden.

"--v----'

[3 b]

I

Moganni N ameh.

'--v--'

Buch des Saengers

"--v----'


6

Transkription

[4] Vs.

Hegire

'---y---I

5

Nord und West und Süd zersplittern,

Throne bersten, Reiche zittern,

Flüchte du, im reinen Osten,

Patriarchenluft zu kosten,

Unter Lieben Trinken, Singen

Soll dich Chisers Quell verjüngen.

10

Dort, im Reinen und im Rechten,

Will ich menschlichen Geschlechten

In des Ursprungs Tiefe dringen,

Wo sie noch von Gott empfingen

Himmelslehr' , in Erdesprachen,

Und sich nicht den Kopf zerbrachen.

15

Wo sie Väter hoch verehrten,

Jeden fremden Dienst verwehrten,

Will mich freun der Jugendschranke,

Glaube weit, eng der Gedanke

Wie das Wort so wichtig dort war,

Weil es ein gesprochen Wort war.

20

Will mich unter Hirten mischen,

An Oasen mich erfrischen,

Wenn mit Caravanen wandle,

Schawl, Caffee und Moschus handle

J eden Pfad will ich betreten

Von der Wüste zu den Städten.

Böse


Transkription

7

[4] Rs.

30

Bösen Felsweg auf und nieder

Trösten Hafis deine Lieder,

Wenn der Führer mit Entzücken,

Von des Maulthiers hohem Rücken,

Singt, die Sterne zu erwecken,

Und die Räuber zu erschrecken.

35

Will in Bädern und in Schencken

Heilger Hafis dein gedencken,

Wenn den Schleyer Liebchen lüftet,

Schüttlend Ambralocken düftet.

Ja, des Dichters Liebeflüstern

Mache selbst die Houris lüstern.

40

Wolltet ihr ihm dies beneiden,

Oder etwa gar verleiden;

Wisset nur daß Dichterworte

Um des Paradieses Pforte,

Immer leise klopfend schweben,

Sich erbittend ewges Leben.

'--v--'

W. d. 24 Dec.

1814


8

Transkription

[5] Vs.

Segenspfänder

'--v--'

5

10

Talisman in Carneol

Gläubigen bringt er Glück und Wohl,

Steht er gar auf Onyx Grunde

Küss ihn mit geweihtem Munde!

Alles Übel treibt er fort,

Schützet dich und schützt den Ort,

Wenn das eingegrabne Wort

Allahs Nahmen rein verkündet,

Dich zu Lieb und That entzündet.

Und besonders werden Frauen

Sich am Talisman erbauen.

15

Amulete sind dergleichen

Auf Papier geschriebne Zeichen

Doch man ist nicht im Gedraenge

Wie auf edlen Steines Enge

Und vergönnt ist frommen Seelen

Längre Verse hier zu wählen.

Männer hängen die Papiere

Gläubig um, als Scapulire

20

Die Inschrift aber hat nichts hinter sich,

Sie ist sie selbst, und muß dir alles sagen

Was hinterdrein, mit redlichem Behagen

Du gerne sagst: Ich sag es! Ich!

DochA=


Transkription

9

[5] Rs.

25

Doch Abraxas bring ich selten!

Hier soll meist das Frazzenhafte,

Das ein düstrer Wahnsinn schaffte,

Für das allerhöchste gelten.

Sag ich euch absurde Dinge

Denckt daß ich Abraxas bringe.

30 ;

Ein Siegelring ist schwer zu zeichnen,

Den höchsten Sinn, im engsten Raum;

Doch weißt du dir ein Aechtes anzueignen

Gegraben steht das Wort, du denckst es kaum.

~

2


IO

Transkription

[6]

Talismane, Amulete, Abraxas

Inschriften und Siegel

'---y------J

Gottes ist der Orient,

Gottes ist der Occident;

N ord= und südliches Gelände

Ruht im Frieden seiner Hände.

5

Er, der einzige Gerechte,

Will für jedermann das Rechte.

Sey, von seinen hundert Namen,

Dieser hochgelobet ! Amen.

10

Mich verwirren will das Irren;

Doch du weißt mich zu entwirren.

Wenn ich handle, wenn ich dichte

Gieb du meinem Weg die Richte.

15

Ob ich Irdsches denck' und sinne

Das gereicht zu höherem Gewinne.

Mit dem Staube nicht der Geist zerstoben

Dringet, in sich selbst gedrängt, nach oben.

20

Im Athemholen sind zweyerley Gnaden:

Die Luft einziehn, sich ihrer entladen.

Jenes bedrängt, dieses erfrischt;

So wunderbar ist das Leben gemischt.

Du dancke Gott wenn er dich presst,

Und danck ihm wenn er dich wieder entlässt.

'---y------J


Transkription

11

[7]

Gottes ist der Orient

Gottes ist der Occident

Nord und Südliches Gelände

Ruht im Frieden Seiner Hände.

[8]

Ob ich Ird'sches denck' und sinne

Das gereicht zu höherem Gewinne.

Mit dem Staube nicht der Geist zerstoben

Dringet, in sich selbst gedrängt nach oben.

21. Apr 1825 JWvGoethe


12

Transkription

[9]

Laßt mich nur auf meinem Sattel gelten,

Bleibt in euren Hütten, euren Zelten!

Und ich reite froh in alle Ferne,

Über meiner Mütze nur die Sterne.

[10]

Er hat euch die Gestirne gesetzt

Als Leiter zu Land und See;

Damit ihr euch daran ergötzt,

Stets blickend in die Höh.

'--.r---'

[11]

Gott hat euch die Gestirne gesetzt

Als Leiter zu Land und See,

Damit ihr euch daran ergetzt

Stets blickend in die Höh

Weimar

d.28.Aug. 1829

JWvGoethe


Transkription

[12]

5

10

15

20

13

Vier Gnaden

~

Daß Araber an ihrem Theil

Die Weite froh durchziehen,

Hat Allah zu gemeinem Heil

Der Gnaden vier verliehen.

Den Turban erst, der besser schmückt

Als alle Kaiserkronen,

Ein Zelt, das man vom Orte rückt

Um überall zu wohnen.

Ein Schwerdt, das tüchtiger beschützt

Als Fels und hohe Mauern,

Ein Liedchen, das gefällt und nützt,

Worauf die Mädchen lauern.

Und Blumen sing ich ungestört

Von Ihrem Schawl herunter,

Sie weiß recht wohl was Ihr gehört

Und bleibt mir hold und munter.

Und Blum' und Früchte weiß ich euch

Gar zierlich aufzutischen,

Wollt ihr Moralien zugleich

So geb ich von den frischen.

d. 6 Febr.

18 14


Transkription

[13]

Bismi llahi r-ra1:tmani r-ra1:tlmi. = »Im Namen des gnädigen,

des barmherzigen Gottes«

[14]

[Koran, Sure 114, Die Menschen· Fragment:]

Bismi llahi r-rahmani r-rahlmi qul a'üdü bi-rabbi n-nasi

maliki n-nasi I Ilahi n-nasi min sarri l-waswasi l-bannasi.

.. = Im Namen des barmherzigen und gnädigen

Gottes. I Sag: Ich suche Zuflucht beim Herrn der M ensehen,

dem König der Menschen, I dem Gott (oder Richter)

der Menschen vor dem Unheil der Einflüsterung

(aller Arten von Übeln) ...

[15]

5

10

Was ist schwer zu verbergen? Das Feuer!

Denn bey Tage verräths der Rauch,

Bey Nacht die Flamme, das Ungeheuer.

Ferner ist schwer zu verbergen auch

Die Liebe, noch so stille gehegt

Sie doch gar leicht aus den Augen schlägt.

Am schwersten zu bergen ist ein Gedicht,

Man stellt es untern Scheffel nicht.

Hat es der Dichter frisch gesungen;

So ist er ganz davon durchdrungen,

Hat er es zierlich nett geschrieben;

Will er die ganze Welt solls lieben.

Er liest es jedem froh und laut,

üb es uns quaelt, ob es erbaut.

~

Frfurt

d. 27 May

181 5.


Transkription

[16]

Buchstabe Sin

Gasele XIII

'---y--J

Aus wievielen Elementen

Soll ein aechtes Lied sich nähren?

Dass es Layen gern empfinden,

Meister es mit Freuden hören.

5

Liebe sey, vor allen Dingen,

Unser Thema wenn wir singen,

Kann sie gar das Lied durchdringen,

Wirds um desto besser klingen.

10

Dann muss Klang der Gläser tönen,

Und Rubin des Weins erglänzen:

Denn für Liebende, für Trinker

Winckt man mit den schönsten Kränzen.

15

Waffenklang wird auch gefodert,

Dass auch die Trommete schmettre,

Dass, wenn Glück zu Flammen lodert,

Sich im Sieg der Held vergöttere.

20

Dann zuletzt ist unerlässlich

Dass der Dichter manches hasse;

Was unleidlich ist und hässlich

Nicht wie Schoenes leben lasse.

Weiss der Sänger dieser Viere

Urgewaltgen Stoff zu mischen,

Wird er wie Hafis die Völker

Ewig freuen und erfrischen.

W d. 22Jul

1814.


16

Transkription

[17]

Buchstabe Dal

18te Gasele

'--y---I

Hans Adam war ein Erdenklos

Den Gott zum Menschen machte,

Doch bracht er aus der Mutter Schoos

Noch vieles U ngeschlachte.

5

Die Elohim zur N as' hinein

Den besten Geist ihm bliesen,

Nun schien er schon was mehr zu seyn,

Denn er fing an zu niesen.

10

Doch mit Gebein und Glied und Kopf

Blieb er ein halber Klumpen,

Bis endlich N oah für den Tropf

Das Wahre fand, den Humpen.

15

Der Klumpe fühlt sogleich den Schwung,

Sobald er sich benetzet,

So wie der Teig durch Säuerung

Sich in Bewegung setzet.

20

So, Hafis, mag dein holder Sang,

Dein heiliges Exempel

Uns führen, bey der Gläser Klang,

Zu unsres Schöpfers Tempel.

~

Berka an der Ilm

d. 21. Juni 1814.


Transkription

17

[18]

Phaenomen

"--y---J

Wenn zu der Regenwand

Phoebus sich gattet,

Gleich steht ein Bogenrand

Farbig beschattet.

5

Im Nebel gleichen Kreis

Seh ich gezogen,

Zwar ist der Bogen weiß;

Doch Himmelsbogen.

10

So sollst du, muntrer Greis,

Dich nicht betrüben,

Sind gleich die Haare weiß

Doch wirst du lieben.

d. 25. Jul

1814.


18

Transkription

[19]

Was doch buntes dort verbindet

Mir den Himmel mit der Höhe?

Morgennebelung verblindet

Mir des Blickes scharfe Sehe.

5

Sind es Zelten des Vessires ?

Die er lieben Frauen baute

Sind es Teppiche des Festes?

Weil er sich der Liebsten traute.

10

Roth und weiß, gemischt, gesprenkelt

Wüßt ich schönres nicht zu schauen;

Doch wie Hafis kommt dein Schiras

Auf des Nordens trübe Gauen.

15

Ja es sind die bunten Mohne,

Die sich nachbarlich erstrecken,

Und, dem Kriegesgott zum Hohne,

Felder streifweis freundlich decken.

20

Moege stets so der Gescheute

Nuzzend Blumenzierde pflegen,

Und ein Sonnenschein wie heute,

Klären sie auf meinen Wegen!

~

d.25Ju1184


Transkription

[20J Wenn links an Baches Rand

Cupido flötet,

Im Felde rechter Hand

Mavors drommetet,

5 Da wird dorthin das Ohr

Lieblich gezogen,

Doch um des Liedes Flor

Durch Lärm betrogen.

Nun flötets immer voll

10 Im Kriegesthunder,

Ich werde rasend toll

Ist das ein Wunder.

Fort wächst der Flötenton

Schall der Posaunen,

15 Ich irre, rase schon.

Ist das zu staunen.

d. 26 Jul.

r814


20

Transkription

[21]

Worauf kommt es überall an,

Daß der Mensch gesundet?

Jeder höret gern den Schall an

Der zum Ton sich rundet.

5

Alles weg! was deinen Laut stört!

Nur kein düster Streben!

Eh er singt und eh er aufhört

Muß der Dichter leben.

10

Und so muss des Lebens Erzklang

Durch die Seele dröhnen

Fühlt der Dichter sich das Herz bang

Wird sich selbst versöhnen.

W. d. 23 Dec

1814


Transkription 21

[22] Dichten ist ein Übermuth

Niemand schelte mich!

Habt getrost ein warmes Blut

Froh und frey wie ich.

5 Sollte ieder Stunde Pein

Bitter schmecken mir;

Würd ich auch bescheiden seyn

Und noch mehr als ihr.

Denn Bescheidenheit ist fein

10 Wenn das Mädchen blüht,

Sie will zart geworben seyn

Die den Rohen flieht.

Auch ist gut Bescheidenheit

Spricht ein weiser Mann,

15 Der von Zeit und Ewigkeit

Mich belehren kann.

Dichten ist ein Übermuth,

Treib es gern allein,

Freund und Frauen, frisch von Blut,

20 Kommt nur auch herein.

Mönchlein ohne Kapp und Kutt

Schwazz' nicht auf mich ein,

Zwar du machest mich caput,

Nicht bescheiden! Nein.

25 Deiner Phrasen leeres Was

Treibet mich davon,

Abgeschliffen hab ich das

An den Solen schon.

Wenn des Dichters Mühle geht

30 Halte sie nicht ein:

Denn wer einmal uns versteht

Wird uns auch verzeihn.

26Ju11814·


22

Transkription

[23]

Allleben

~

Staub ist eins der Elemente

Das du gar geschickt bezwingest

Hafis wenn, zu Liebchens Ehren,

Du ein zierlich Liedchen singest.

5

Denn der Staub auf ihrer Schwelle

Ist dem Teppich vorzuziehen,

Dessen gold gewirkte Blumen

Mahmuds Günstlinge beknieen.

10

Treibt der Wind von ihrer Pforte

Wolken Staubs behend vorüber,

Mehr als Moschus sind die Düfte

Sind als Rosenoel dir lieber.

15

Staub den hab ich längst entbehret

In dem stets umhüllten Norden,

Aber in dem heißen Süden

Ist er mir genugsam worden.

20

Doch schon längst daß liebe Pforten

Mir auf ihren Angeln schwiegen!

Heile mich Gewitterregen

Laß mich daß es grunelt riechen.

Wenn jetzt alle Donner rollen

Und der ganze Himmel leuchtet,

Wird der wilde Staub des Windes

N ach dem Boden hingefeuchtet.

25

Und sogleich entspringt ein Leben,

Schwillt ein heilig, heimlich wirken,

Und es grunelt und es grünet

In den irdischen Bezircken.

d. 29 Jul

r8r4

Unterwegs in der Nacht.


Transkription

23

[24]

Buch Sad. Gasele I.

Sagt es niemand, nur den Weisen,

Weil die Menge gleich verhöhnet,

Das Lebendge will ich preisen

Das nach Flammenschein sich sehnet.

5

In der Liebesnächte Kühlung,

Die dich zeugte wo du zeugtest,

Überfällt dich fremde Fühlung

Wenn die stille Kerze leuchtet.

10

Nicht mehr bleibest du umfangen,

In der Finsterniß Beschattung

Und dich reißet neu Verlangen

Auf zu höherer Begattung.

15

Keine Ferne macht dich schwierig

Kommst geflogen und gebannt,

Und zulezt des Lichts begierig

Bist du Schmetterling verbrannt.

20

Und so lang' du das nicht hast,

Dieses: Stirb und werde!

Bist du nur ein trüber Gast

Auf der duncklen Erde.

WB.d·3I.Jul.

18 14


24

Transkription

[25]

Vision

Artges Häuschen hab ich klein

Und, darin versteket,

Bin ich vor der Sonne Schein

Gar bequem bedecket.

5

Denn da giebt es Schalterlein,

Federchen und Lädchen,

Finde mich so wohl allein

Als mit hübschen Mädchen.

10

Denn, 0 Wunder! mir zur Lust

Regen sich die Wälder,

Näher kommen meiner Brust

Die entfernten Felder.

15

Und so tanzen auch vorbey

Die bewachsnen Berge,

Fehlet nur das Lustgeschrey

Aufgeregter Zwerge.

20

Doch so gänzlich still und stumm

Rennt es mir vorüber

Meistens grad und oft auch krumm

Und so ist mir's lieber.

Wenn ichs recht betrachten will

Und es ernst gewahre,

Steht vielleicht das alles still

Und ich selber fahre.

d. 26 Jul

1814.


Transkription

[26a]

Hafisname

Das Buch Hafis.

~

Sey das Wort die Braut genannt,

Bräutigam der Geist;

Diese Hochzeit hat gekannt

Wer Hafisen preist.

~

[26b]

II.

Hafis Nameh

~

Buch Hafis

~


Transkription

[27]

Beynahme.

~

Dichter

Mohamed Schemseddin sage

Warum hat dein Volk, das hehre,

Hafis dich genannt ?

5

10

Hafis.

Ich erwiedre deine Frage.

Ich ehre,

Weil, in glücklichem Gedächtniss,

Des Corans geweiht Vermächtniss

Unverändert ich verwahre,

Und damit so fromm gebahre

Daß gemeinen Tages Schlechtniss

Weder mich noch die berühret

Die Prophetenwort und Saamen

Schätzen wie es sich gebüret,

Darum gab man mir den Namen.

15

20

25

Dichter

Hafis drum, so will mir scheinen,

Möcht ich dir nicht gerne weichen:

Denn wenn wir wie andre meynen,

Werden, wir den andern gleichen.

Und so gleich ich dir vollkommen

Der ich unsrer heilgen Bücher

Herrlich Bild an mich gesogen,

Wie auf ienes Tuch der Tücher

Sich des Herren Bildniss drückte,

Mich in stiller Brust erquickte,

Troz Verneinung, Hindrung, Raubens,

Mit dem heitren Bild des Glaubens.

~

26 Jun.

1814


Transkription

[28]

Anklage.

'---..r--'

5

Wißt ihr denn auf wen die Teufel lauern,

In der Wüste, zwischen Fels und Mauern ?

Und, wie sie den Augenblick erpassen,

N ach der Hölle sie entführend fassen?

Lügner sind es und der Bösewicht.

Der Poete warum scheut er nicht

Sich mit solchen Leuten einzulassen!

10

15

Weis denn der mit wem er geht und wandelt?

Er, der immer nur im Wahnsinn handelt.

Graenzenlos, von eigensinngern Lieben,

Wird er in die Oede fortgetrieben,

Seiner Klagen Reim, in Sand geschrieben,

Sind vom Winde gleich verjagt,

Er versteht nicht was er sagt,

Was er sagt wird er nicht halten.

20

Doch sein Lied man läßt es immer walten,

Da es doch dem Coran widerspricht.

Lehret nun, ihr des Gesetzes Kenner,

Weisheit fromme, hochgelahrte Männer,

Treuer Mosleminen feste Pflicht.

Hafis, in's besondre, schaffet Aergernisse,

Mirza sprengt den Geist ins Ungewisse,

Saget, was man thun und lassen müsse?

'---..r--'

d. 10 März

181 5.


Transkription

[29]

Fetwa.

5

10

Hafis Dichterzüge sie bezeichnen

Ausgemachte Wahrheit unauslöschlich;

Aber hie und da auch Kleinigkeiten

Auserhalb der Graenze des Gesetzes.

Willst du sicher gehn, so musst du wissen

Schlangengift und Theriak zu sondern;

Doch der reinen Wollust edler Handlung

Sich mit frohem Muth zu überlassen

Und vor solcher, der nur ewge Pein folgt,

Mit besonnenem Sinn sich zu verwahren,

Ist gewiß das beste um nicht zu fehlen.

Dieses schrieb der arme Ebusund euch,

Gott verzeih ihm seine Sünden alle.

[30]

Der Deutsche dankt.

5

10

15

Heiliger Ebusund, du hasts getroffen!

Solche Heilige wünschet sich der Dichter:

Denn gerade jene Kleinigkeiten

Auserhalb der Graenze des Gesetzes,

Sind das Erbtheil wo er, übermüthig,

Selbst im Kummer lustig, sich beweget.

Schlangengift und Theriac muß

Ihm das eine wie das andre scheinen,

Tödten wird nicht jenes, dies nicht heilen:

Denn das wahre Leben ist des Handelns

Ewge Unschuld, die sich so erweiset

Daß sie niemand schadet als sich selber.

Und so kann der alte Dichter hoffen

Daß die Houris ihn im Paradiese,

Als verklärten Jüngling wohl empfangen.

Heiliger Ebusund, du hasts getroffen.

~

BerkaJuli.

Jena Dec.

1814


Transkription

[31]

Fetwa

Der Mufti las des Misri Gedichte,

Eins nach dem andern, alle zusammen

Und wohlbedächtig warf sie in die Flammen

Das schoengeschriebne Buch es ging zu nichte.

5

10

Verbrannt sey jeder, sprach der hohe Richter,

Wer spricht und glaubt wie Misri! er allein

Sey ausgenommen von des Feuers Pein:

Denn Allah gab die Gabe jedem Dichter.

Misbraucht er sie, im Wandel seiner Sünden,

So seh er zu mit Gott sich -abzufinden.

'--v---'



Transkription

[32]

5

Daß du nicht enden kannst das macht dich gros,

Und daß du nie beginnst das ist dein Loos.

Dein Lied ist drehend wie das Sterngewölbe,

Anfang und Ende immer ist's dasselbe,

Und was die Mitte bringt ist offenbar

Das was zu Ende bleibt und Anfangs war.

10

Du bist der Freuden aechte Dichterquelle,

Und ungezählt entfliest dir WeIl auf Welle.

Zum Küssen stets bereiter Mund,

Ein Brustgesang der lieblich fließet,

Zum Trinken stets gereizter Schlund

Ein gutes Herz das sich ergießet.

15

Und mag die ganze Welt versincken,

Hafis mit dir, mit dir allein

Will ich wetteifern! Lust und Pein

Sey uns den Zwillingen gemein!

Wie du zu lieben und zu trincken

Das soll mein Stolz, mein Leben seyn.

20

Nun toene Lied mit eignern Feuer;

Denn du bist aelter, du bist neuer

~


Transkription

3 1

[33]

5

In deine Reimart hoff ich mich zu finden,

Das Wiederholen soll mir auch gefallen,

Erst werd ich Sinn, sodann auch Worte finden;

Zum zweytenmal soll mir kein Klang erschallen,

Er müsste denn besondern Sinn begründen,

Wie du's vermagst begünstigter vor allen.

10

Denn, wie ein Funcke, fähig zu entzünden

Die Kayserstadt, wenn Flammen grimmig wallen,

Sich, wind erzeugend, glühn von eignen Winden,

Er, schon erloschen, schwand zu Sternenhallen;

So schlang's von dir sich fort, mit ewgen Gluten

Ein deutsches Herz von frischem zu ermuthen.

[34]

5

Zugemessne Rhytmen reizen freylich,

Das Talent erfreut sich wohl darin;

Doch wie schnelle widern sie abscheulich,

Hole Masken, ohne Blut und Sinn.

Selbst der Geist erscheint sich nicht erfreulich,

Wenn er nicht, auf neue Form bedacht,

Jener todten Form ein Ende macht.

'---y--J


Transkription

[35]

Sie haben dich heiliger Hafis

Die mystische Zunge genannt,

Und haben, die Wortgelehrten,

Den Werth des Worts nicht erkannt.

5

Mystisch heißest du ihnen,

Weil sie närrisches bey dir dencken,

und ihren unlautern Wein

In deinem Nahmen verschencken.

10

Du aber bist mystisch rein

Weil sie dich nicht verstehn,

Der, ohne fromm zu seyn, selig bist!

Das wollen sie nicht zugestehn.

~

Jena

10 Dec. 1814.

[36]

5

10

Und doch haben die Recht die ich schelte:

Denn daß ein Wort nicht einfach gelte

Das müsste sich wohl von selbst verstehn.

Das Wort ist ein Fächer! Zwischen den Stäben

BlIcken ein paar schoene Augen hervor.

Der Fächer ist nur ein lieblicher Flor,

Er verdekt mir zwar das Gesicht;

Aber das Mädchen verbirgt er nicht,

Weil das Schönste was sie besitzt

Das Auge, mir in's Auge blitzt.

~


Transkription

33

[37] Vs.

An Hafis.

'--.r------J

Was alle wollen weist du schon

Und hast es wohl verstanden:

Denn Sehnsucht hält, von Staub zu Thron,

Uns all in strengen Banden.

5

Es thut so weh, so wohl hernach

Wer sträubte sich dagegen?

Und wenn den Hals der eine brach

Der andre bleibt verwegen.

10

Verzeihe Meister, wie du weist

Dass ich mich oft vermesse

Wenn sie das Auge nach sich reißt

Die wandelnde eypresse.

15

Wie Wurzelfasern schleicht ihr Fuß

Und buhlet mit dem Boden.

Wie leicht Gewölk verschmilzt ihr Gruß

Wie Ost=Gekos ihr Oden.

20

Das alles drängt uns ahndevoll

Wo Lock' an Locke, kräuselnd,

In brauner Fülle ringelnd schwoll,

So dann im Winde säuselnd.

Nun öffnet sich die Stirne klar

Dein Herz damit zu glätten,

Vernimmst ein Lied so froh und wahr

Den Geist darin zu betten.

Und wenn


34

Transkription

[37] Rs.

Und wenn die Lippen sich dabey

Aufs niedlichste bewegen;

Sie machen dich auf einmal frey

In Fesseln dich zu legen.

30

Doch wenn es allgewaltig brennt

Dann greiffst du nach der Schaale:

Der Schencke läuft der Schencke kömmt

Zum erst= und zweyten male

35

Sein Auge blitzt, sein Herz erbebt

Er hofft auf deine Lehren.

Dich, wenn der Wein den Geist erhebt,

Im höchsten Sinn zu hören.

40

Ihm öffnet sich der Welten Raum

Im Innern Heil und Orden,

Es schwillt die Brust, es bräunt der Flaum,

Er ist ein Jüngling worden.

Auch daß vom Throne Fürstenhort

Sich nicht für uns verliere

Giebst du dem Schach ein gutes Wort

Und giebst es dem Veziere.

45

Das alles kennst und singst du heut

Und singst es morgen eben.

So traegt uns freundlich dein Geleit

Durchs rauhe milde Leben

~

C.B. 11 Sep. 1818

G


Transkription

35

[38]

An Hafis

5

10

15

Hafis, dir sich gleich zu stellen,

Welch ein Wahn!

Rauscht doch wohl auf Meeres Wellen

Rasch ein Schiff hinan,

Fühlet seine See gel schwellen,

Wandelt kühn und stolz;

Wills der Ocean zerschellen,

Schwimmt's, ein morsches Holz.

Dir in Liedern, leichten, schnellen,

Wallet kühle Flut,

Siedet auf zu Feuerwellen;

Mich verschlingt die Glut!

Doch mir will ein Dünckel schwellen,

Der mir Kühnheit giebt;

Hab doch auch im Sonnenhellen

Land gelebt, geliebt.

~

d. 22 Dez

181 5.


Transkription

[39]

III

UschkNameh

Das Buch der Liebe

~

[40]

5

10

15

Hör und bewahre

Sechs Liebespaare.

Wortbild entzündet, Liebe schürt zu:

Rustan und Rodawu.

Unbekannte sind sich nah:

Jussuph und Zuleikhah.

Liebe nicht Liebesgewinn:

Khosru und Schirin.

N ur für einander da;

Medschnoun und Leilah.

Liebend im Alter sah

Gemil auf Schanbah.

Süsse Liebeslaune,

Salomo und die Braune!

Hast du sie wohl vermerckt

Bist im Lieben gestärkt.

~


Transkription

37

[41J

Lesebuch

5

10

Wunderlichstes Buch der Bücher

Ist das Buch der Liebe;

Aufmercksam hab ichs gelesen:

Wenig Blätter Freuden,

Ganze Hefte Leiden,

Macht die Trennung einen Abschnitt.

Wiedersehn Ein klein Kapitel

Fragmentarisch. Bände Kummers

Mit Erklärungen verlängert,

Endlos ohne Maas.

O! Nischami! - Doch am Ende

Hast den rechten Weg gefunden;

Unauflösliches wer löst es ?-

Liebende sich wieder findend.

'--.r----'

d. I2. Jan.

I8I6


Transkription

[42]

Auch in Locken hab ich mich

Garzugern verfangen,

Und so Hafis ! wärs wie dir

Deinem Freund ergangen.

5

Aber Zöpfe flechten sie

Nun aus langen Haaren,

Unterm Helme fechten sie

Wie wir wohl erfahren.

10

Wer sich aber wohl besann

Lässt sich so nicht zwingen,

Schwere Ketten fürchtet man

Rennt in leichte Schlingen.


Transkription

39

[43]

5

10

15

Voll Locken kraus ein Haupt so rund! -

Und dad ich dann in solchen reichen Haaren,

Mit vollen Händen, hin und wieder fahren

Da fühl ich mich von Herzensgrund gesund.

Und küss ich Stirne, Bogen, Auge, Mund,

Dann bin ich frisch und immer wieder wund.

Der fünfgezackte Kamm wo sollt er stocken?

Er kehrt schon wieder zu den Locken.

Das Ohr versagt sich nicht dem Spiel

Hier ist nicht Fleisch, hier ist nicht Haut,

So zart zum Scherz so liebeviel !

Doch wie man auf dem Köpfchen kraut,

Man wird in solchen reichen Haaren

Für ewig auf und nieder fahren.

So hast du Hafis auch gethan,

Wir fangen es von vornen an.


Transkription

[44a]

Soll ich von Smaragden reden,

Die dein Finger niedlich zeigt?

Manchmal ist ein Wort vonnöthen,

Oft ist's besser daß man schweigt.

5

Also sag' ich: daß die Farbe

Grün und augerquicklich sey!

Sage nicht daß Schmerz und Narbe

Zu befürchten nah dabey.

10

Immerhin! du magst es lesen!

Warum übst du solche Macht!

»So gefährlich ist dein Wesen

Als erquicklich der Smaragd.«

~


Transkription

~

[44 b]

Soll ich von Schmaragden reden

Die Dein Finger lieblich zeigt?

Manchmal ist ein Wort von nöthen

Oft ist's besser daß man schweigt.

5

Also sag ich: daß die Farbe

Grün und augerfreulich sey;

Sage nicht daß Schmerz u. Narbe

Zu befürchten nah dabey.

10

Immerhin! Du magst es lesen,

Warum übst Du solche Macht:

So gefährlich ist Dein Wesen

Als erquicklich der Schmaragd.

'-v---'

Mannheim. d. 30 Sept. 1815.

renovatum

Jena d. 17 May. 1817

Goethe


Transkription

[45]

5

10

15

Mitternachts weint' und schluchtzt ich,

Weil ich dein entbehrte.

Da kamen Nachtgespenster

Und ich schämte mich.

Nachtgespenster, sagt ich,

Schluchzend und weinend

Findet ihr mich, dem ihr sonst

Schlafendem vorüberzogt.

Grosse Güter vermiss ich.

Denckt nicht schlimmer von mir

Den ihr sonst weise nanntet,

Grosses Übel betrifft ihn! -

Und die Nachtgespenster

Mit langen Gesichtern

Zogen vorbey,

üb ich weise oder thörig

Völlig Unbekümmert.

d. 24 May

I8I 5.


Transkription

43

[46]

Wie irrig wähnest du

Aus Liebe gehöre das Mädchen dir zu.

Das könnte mich nun gar nicht freuen,

Sie versteht sich auf Schmeicheleyen.

5

Ich bin zufrieden daß ichs habe!

Mir diene zur Entschuldigung:

Liebe ist freywillige Gabe

Schmeicheley Huldigung.

'---y--J


44

Transkription

[47J

5

10

15

20

o wie selig ward mir!

Im Lande wandl' ich

Wo Hudhud über den Weg läuft.

Des alten Meeres Muscheln

Im Stein sucht ich die versteinten,

Hudhud lief einher

Die Krone entfaltend.

Stolzirte, neckischer Art,

Über das Todte scherzend

Der Lebendge.

Hudhud, sagt ich, fürwahr!

Ein schoener Vogel bist du.

Eile doch, Wiedehopf!

Eile der Geliebten

Zu verkünden daß ich ihr

Ewig angehöre.

Hast du doch auch

Zwischen Salomo

Und Saba's Königinn

Ehmals den Kuppler gemacht!

'--v----'

Frf.

d. 27 May

181 5.


Transkription

45

[48]

Du vergehst und bist so freundlich,

Verzehrst dich und singst so schoen.

5

Dichter.

Die Liebe behandelt mich feindlich!

Da will ich gern gestehn

Ich singe mit schweerem Herzen.

Sieh doch einmal die Kerzen,

Sie leuchten indem sie vergehn.

~

Ff. d. 27 May.

181 5.


Transkription

[49J

Buchstabe Sa

Gasele XXII

Wer kann gebieten den Vögeln

Still zu seyn auf der Flur?

Und wer verbieten zu zappeln

Den Schafen unter der Schur?

5

Stell ich wohl mich ungebärdig

Wenn mir die Wolle kraust?

Nein! Die U ngebärden entzwingt mir

Der Scherer der mich zerzaust.

10

Wer will mir wehren zu singen

Nach Lust zum Himmel hinan?

Den Wolken zu vertrauen

Wie lieb sie mirs angethan.

Wiesb. d. 31 Aug

181 4.


Transkription

47

[50]

Über meines Liebchens Äugeln

Stehn verwundert alle Leute,

Ich, der Wissende, dagegen

Weiß allein was das bedeute

5

Denn es heißt: Ich liebe diesen,

Und nicht etwa den und jenen,

Lasset nur ihr guten Leute

Euer Wundern, euer Sehnen.

10

Ja, mit ungeheuren Mächten

Blicket Sie wohl in die Runde;

Doch sie sucht nur zu verkünden

Ihm die nächste süsse Stunde

Wiesb.

d. 31 Aug

1814


Transkription

[51]

» Wir sind emsig nachzuspüren,

Wir, die Anecdotenjäger,

Wer dein Liebchen sey und ob du

Nicht auch habest viele Schwäger.

5

Denn daß du verliebt bist sehn wir,

Mögen dir es gerne goennen;

Doch daß Liebchen so dich liebe

Werden wir nicht glauben können.«

10

Ungehindert, liebe Herren,

Sucht sie auf, nur hört das Eine:

Ihr erschrecket wenn sie dasteht,

Ist sie fort, ihr koost dem Scheine.

15

Wüsstet ihr wie Schehab-eddin

Sich auf Arafat entmantelt

Hieltet niemand ihr für thörig

Der in seinem Sinne handelt.

20

Wenn vor deines Kaysers Throne,

Oder vor der vielgeliebten

Je dein Name wird gesprochen,

Sey es dir zu höchstem Lohne.

Darum war's der hoechste Jammer

Als einst Medschnun sterbend wollte

Daß vor Leila seinen Nahmen

Man forthin nicht nennen sollte

'--v---'


Transkription

49

[52]

IV

Tefkir N ameh

'--.r---'

Buch der Betrachtungen

'--v------J

[53]

5

Höre den Rath den die Leyer tönt;

Doch er nutzet nur wenn du fähig bist;

Das glücklichste Wort es wird verhöhnt

Wenn der Hörer ein Schiefohr ist.

»Was tönt denn die Leyer?« Sie tönet laut:

Die Schönste das ist nicht die beste Braut,

Doch wenn wir dich unter uns zählen sollen,

So musst du das Schönste das Beste wollen.

Jul. 1814


Transkription

[54]

5

Fünf Dinge

Pend-nameh. Cap. 46.

Fünf Dinge bringen fünfe nicht hervor,

Du! dieser Lehre öffne du dein Ohr:

In Königsherzen mag nicht Freundschaft sprossen;

Unhöflich sind der Niedrigkeit Genossen;

Ein Bösewicht gelangt zu keiner Grösse;

Der Neidische erbarmt sich nicht der Blösse;

Der Lügner hofft vergeblich Treu und Glauben;

Das halte fest und laß dirs niemals rauben.


Transkription

[55]

5

10

Fünf andre

Was verkürzt mir die Zeit?

Thätigkeit!

Was macht sie unerträglich lang?

Müssiggang!

Was bringt in Schulden?

Harren und Dulden!

Was macht Gewinnen?

Nicht lange besinnen!

Was bringt zu Ehren?

Sich wehren!

Jena d.1 5 Dec.

1814

Jena d.16 Dec

1814

[56]

5

10

Was verkürzt mir die Zeit?

Thätigkeit!

Was macht sie unerträglich lang?

Müßiggang!

Was bringt in Schulden?

Harren und Dulden!

Was macht Gewinnen?

Nicht lange besinnen!

Was bringt zu Ehren?

Sich wehren!


Transkription

[57]

26 Jul. 1814.

5

10

Lieblich ist des Mädchens Blick der winket,

Trinkers Blick ist lieblich eh er trincket,

Grus des Herren der befehlen konnte,

Sonnenschein im Herbst der dich besonnte.

Lieblicher als alles dieses habe

Stets vor Augen, wie sich kleiner Gabe

Dürft' ge Hand so hübsch entgegen dränget,

Zierlich danckbar was du reichst empfänget.

Welch ein Blick! ein Grus! ein sprechend Streben!

Schau es recht und du wirst immer geben.

[58]

5

Und was im Pend-Nameh a ) steht

Ist dir aus der Brust geschrieben:

Jeden dem du selber giebst

Wirst du wie dich selber lieben.

Reiche froh den Pfennig hin,

Häufe nicht ein Gold=Vermächtniß,

Eile freudig vorzuziehn

Gegenwart vor dem Gedächtniss.

a) Cap.69.


Transkription

53

[59]

5

10

Reitest du bey e'nem Schmied vorbey

Weißt nicht wann er dein Pferd beschlägt,

Siehst du eine Hütte im Felde frey,

Weißt nicht ob sie dir ein Liebchen hegt

Einem Jüngling begegnest du schön und kühn;

Er überwindet dich künftig oder du ihn.

Am sichersten kannst du vom Rebstock sagen

Er werde für dich was Gutes tragen.

So bist du denn der Welt empfohlen,

Das Übrige will ich nicht wiederhohlen.

Frfurt

d. 27. May

181 5.

[60]

5

10

Den Gruß des Unbekannten ehre ja!

Er sey dir werth als alten Freundes Gruß.

Nach wenig Worten sagt ihr Lebewohl!

Zum Osten du, er westwärts Pfad an Pfad -

Kreuzt euer Weg nach vielen Jahren drauf

Sich unerwartet, ruft ihr freudig aus:

Er ist es! ja! da wars! als haette nicht

So manche Tagefahrt zu Land und See,

So manche Sonnenkehr sich dreingelegt.

Nun tauschet Waar um Waare, theilt Gewinn!

Ein alt Vertrauen wircke neuen Bund-

Der erste Gruß ist viele tausend werth,

Drum grüße freundlich jeden der begrüßt.

Jena am 12. Juli

1819

Goethe


54

Transkription

[61]

5

10

15

Haben sie von deinen Fehlen

Immer viel erzaehlt,

Und für wahr sie zu erzählen

Vielfach sich gequaelt.

Hätten sie von deinem Guten

Freundlich dir erzählt,

Mit verständig treuen Wincken

Wie man bessres waehlt;

O! gewiss! das Allerbeste

Blieb ihm nicht verheelt,

Das fürwahr nur wenig Gäste

In der Clause zaelt.

Nun als Schüler mich, zu kommen,

Endlich auserwaehlt,

Und mich lehrt der Buße Frommen,

Wenn der Mensch gefehlt

~


Transkription

55

[62]

5

10

Märkte reizen dich zum Kauf;

Doch das Wissen blähet auf.

Wer im Stillen um sich schaut

Lernet wie die Lieb erbaut.

Bist du Tag und Nacht beflissen

Viel zu hoeren, viel zu wissen;

Horch an einer andern Thüre

Wie zu wissen sich gebühre,

Soll das Rechte zu dir ein

Fühl' in Gott was Rechts zu seyn.

Wer von reiner Lieb entbrannt

Wird vom Lieben Gott erkannt

~

[63]

Märckte reizen dich zum Kauf;

Doch das Wissen bläset auf.

Weimar

d. 28 Aug

1829

JWvGoethe

[64]

Soll das Rechte zu Dir ein

Fühl in Gott was Rechts zu seyn.

Weimar.

d. 28. Aug.

1829

JWvGoethe


Transkription

[65] Vs.

Frage nicht durch welche Pforte

Du in Gottes Stadt gekommen,

Sondern bleib' am stillen Orte,

Wo du einmal Platz genommen.

5

Schaue dann umher nach Weisen,

Und nach Mächtigen, die befehlen,

Jene werden unterweisen,

Diese That und Kräfte stählen.

10

Wenn du, nützlich und gelassen,

So dem Staate treu geblieben,

Wisse! Niemand wird dich hassen,

Und dich werden viele lieben.

15

Und der Fürst erkennt die Treue,

Sie erhält die That lebendig,

Dann bewährt sich auch das Neue,

Nächst dem Alten, erst beständig.

20

Und vollbringst du, kräftig milde,

Deiner Laufbahn reine Kreise,

Wirst du auch zum Musterbilde

Jüngeren, nach deiner Weise.

Siehst du andre schon vollendet,

Werde dieses Lied erneuert,

Das, aus fernem Land gesendet,

EUER Fest mit Liebe feyert.

'--.r---'

Zum 30 März

181 5.


Transkription

57

[65] Rs.

So Ihr Beyden heut gefeyert,

Vor viel tausenden erlesen,

Fühlet jene Pflicht erneuert

Die Euch heilig stets gewesen.

30

Sey dem fröhlichen Vereine

Dieses späte Lied entschuldigt,

Das, vom alten teutschen Rheine,

Eurem schoenen Tage huldigt.

~

dem 30May

Wiesb.

10 Juni

181 5.


Transkription

[66]

Meinem Sohne,

Zum dreysigsten May,

181 5.

~

Frage nicht durch welche Pforte

Du in Gottes Stadt gekommen,

Sondern bleib am stillen Orte

Wo du einmal Platz genommen.

5

Schaue dann umher nach Weisen

Und nach Maechtgen die Befehlen,

Jene werden unterweisen,

Diese That und Kraefte staehlen.

10

Wenn du, nützlich und gelassen,

So dem Staate treu geblieben,

Wisse! Niemand wird dich hassen

Und dich werden viele lieben.

15

Und der Fürst erkennt die Treue,

Sie erhaelt die That lebendig,

Dann bewaehrt sich auch das Neue

Mit dem Alten erst beständig.

20

Und vollbringst du, kräftig milde,

Deiner Laufbahn reine Kreise,

Wirst du auch zum Musterbilde

Jüngeren nach deiner Weise.

So IHR Beyden, heut gefeyert,

Vor viel tausenden erlesen,

Fühlet jene Pflicht erneuert,

Die EUCH heilig stets gewesen.


Transkription

59

25 Sey dem froehlichen Vereine

Dieses spaete Lied entschuldigt

Das, vom alten teutschen Rheine,

Eurem schoenen Tage huldigt.

Wiesbaden.

Goethe


60

Transkription

[67]

5

Es geht eins nach dem andern hin,

Und auch wohl vor dem andern,

Drum laßt uns rasch und brav und kühn

Die Lebenswege wandern.

Es hält dich auf, mit Seitenblick,

Der Blumen viel zu lesen;

Doch hält nichts grimmiger zurück

Als wenn du falsch gewesen.

~

[68]

5

Behandelt die Frauen mit Nachsicht!

Aus krummer Rippe ward sie erschaffen,

Gott konnte sie nicht ganz grade machen.

Willst du sie biegen, sie bricht.

Lässt du sie ruhig, sie wird noch krümmer,

Du guter Adam, was ist denn schlimmer?

Behandelt die Frauen mit Nachsicht:

Es ist nicht gut daß euch eine Rippe bricht.

'---v---'

[69]

5

Das Leben ist ein schlechter Spas,

Dem fehlts an Dies, dem fehlts am Das,

Der will nicht wenig, der zuviel

Und Kann und Glück kommt auch in's Spiel

Und hat sich's Unglück drein gelegt

Jeder wie er nicht wollte trägt

Bis endlich Erben mit Behagen

Herrn Kannnicht= Will nicht weiter tragen

~


Transkription

[70]

Das Leben ist ein Gänsespiel:

Je mehr man vorwärts gehet,

Je früher kommt man an das Ziel,

Wo niemand gerne stehet.

5

Man sagt die Gänse wären dumm,

O! glaubt mir nicht den Leuten:

Denn eine sieht einmal sich rum

Mich rückwärts zu bedeuten.

10

Ganz anders ist's in dieser Welt

Wo alles Vorwärts drücket,

Wenn einer stolpert oder fällt

Keine Seele rükwärts bliket.

Jena d 15 Dec.

1814

[71]

5

»Die Jahre nahmen dir, du sagst, so vieles:

Die eigentliche Lust des Sinnenspieles,

Erinnerung des allerliebsten Tandes

Von gestern, weit und breiten Landes

Durchschweifen frommt nicht mehr; selbst nicht von Oben

Der Ehren anerkannte Zier, das Loben

Erfreulich sonst. Aus eignern Thun Behagen

Quillt nicht mehr auf, dir fehlt ein dreistes Wagen!

Nun wüsst ich nicht was dir Besondres bliebe ?«

10

Mir bleibt genug!

Es bleibt Idee und Liebe!

Zinne

19 Febr. 1818.

erneuert

Carlsbad d 28 Aug.

1823. Goethe


Transkription

[72]

5

Freygebiger wird betrogen,

Geizhafter ausgesogen,

Verstaendiger irrgeleitet,

Vernünftiger leer geweitet,

Der Harte wird umgangen,

Der Gimpel wird gefangen.

Beherrsche diese Lüge,

Betrogener betrüge!

~


Transkription

[73]

Herrenrecht

und

Dienstpflicht

~

Wer befehlen kann wird loben

Und er wird auch wieder schelten,

Und das muß dir, treu er Diener,

Eines wie das andre gelten.

5

Denn er lobt wohl das Geringe,

Schilt auch, wo er sollte loben,

Aber bleibst du guter Dinge

Wird er dich zulezt erproben.

10

Und so haltets auch ihr Hohen

Gegen Gott, wie der Geringe,

Thut und leidet, wie sichs findet,

Bleibt nur immer guter Dinge.

~


Transkription

[74]

5

10

Ungezähmt SO wie ich war

Hab ich einen Herrn gefunden,

Und gezähmt nach manchem Jahr

Eine Herrin auch gefunden.

Da sie Prüfung nicht gespart

Haben sie mich treu gefunden

Und mit Sorgfalt mich bewahrt

Als den Schatz den sie gefunden.

Niemand diente zweyen Herrn

Der dabey sein Glück gefunden;

Herr und Herrin sehn es gern

Dass sie beyde mich gefunden,

Und mir leuchtet Glück und Stern

Da ich beyde sie gefunden.


Transkription

[75]

Ferdusi spricht.

o Welt! wie schamlos und boshaft du bist!

Du nährst und erziehest und tödtest zugleich.

Nur wer von Allah begünstiget ist,

Der nährt sich, erzieht sich, lebendig und reich.

5

Was heißt denn Reichthum? - Eine wärmende Sonne,

Geniest sie der Bettler, wie wir sie geniessen,

Es möge doch keinen der Reichen verdriessen

Des Bettlers, im Eigensinn, selige Wonne

'---v---'

[76]

Dschelaleddin Rumi

spricht

~

Verweilst du in der Welt sie flieht als Traum,

Du reisest, ein Geschick bestimmt den Raum,

Nicht Hitze, Kälte nicht vermags du fest zu halten.

Und was dir blüht, sogleich wird es veralten.

~


66

Transkription

[77]

Sollt einmal durch Erfurt fahren,

Das ich sonst so oft durchschritten,

Und ich schien, nach vielen Jahren,

Wohlempfangen, wohlgelitten.

5

Wenn, mich Alten, alte Frauen

Aus der Bude froh gegrüset,

Glaubt' ich Jugendzeit zu schauen,

Die einander wir versüßet.

10

Das war eine Bäckerstochter,

Eine Schusterinn daneben;

Eule keinesweges jene,

Diese wusste wohl zu leben.

15

Und so wollen wir beständig,

Wettzueifern mit Hafisen,

Uns der Gegenwart erfreuen,

Das Vergangne mitgenießen.

'---v--'


Transkription

[78]

Buch des Unmuths

~

[79] Vs.

5

»Wo hast du das genommen?

Wie konnt es zu dir kommen?

Wie? aus dem Lebensplunder

Erwarbst du diesen Zunder?

Der Funcken letzte Gluthen

Von frischem zu ermuthen.«

10

Euch mög' es nicht bedünckeln

Es sey gemeines Fünckeln;

Auf ungemessner Ferne,

Im Ocean der Sterne,

Mich hatt ich nicht verlohren,

Ich war wie neu gebohren.

15

Von weißer Schaafe Wogen

Die Hügel überzogen,

Umsorgt von ernsten Hirten,

Die gern und schmal bewirthen.

So ruhig, liebe Leute

Daß jeder mich erfreute.

20

In schauerlichen Nächten,

Bedrohet von Gefechten,

Das Stöhnen der Cameele

Durchdrang das Ohr, die Seele,

Und derer die sie führen

Einbildung und Stolziren.


68

Transkription

[79] Rs.

30

Und immer ging es weiter

Und immer ward es breiter

Und unser ganzes Ziehen

Es schien ein ewig Fliehen

Blau, hinter Wüst und Heere,

Der Streif erlogner Meere


Transkription

[80]

Keinen Reimer wird man finden

Der sich nicht den besten hielte,

Keinen Fiedler der nicht lieber

Eigne Melodieen spielte.

5

Und ich konnte sie nicht tadeln;

Wenn wir andern Ehre geben

Müssen wir uns selbst entadeln.

Lebt man denn wenn andre leben?

10

Und so fand ich es auch juste

In gewissen Antichambern,

Wo man nicht zu sondern wußte

Mäusedreck von Koriandern

15

Das Gewesne wollte hassen

Solche rüstige neue Besen,

Diese dann nicht gelten lassen

Was sonst Besen war gewesen.

20

Und wo sich die Völker trennen,

Gegenseitig im Verachten,

Keins von beyden wird bekennen

Daß sie nach demselben trachten.

Und das grobe Selbstempfinden

Haben Leute hart gescholten,

Die am wenigsten verwinden

Wen die andern was gegolten.

26 Jul. 23 Dec.

1814


Transkription

[81]

5

10

Befindet sich einer heiter und gut,

Gleich will ihn der Nachbar pein'gen,

So lang der Tüchtige lebt und thut

Möchten sie ihn gerne stein' gen.

Ist er hinterher aber tod

Gleich sammeln sie grosse Spenden

Zu Ehren seiner Lebensnoth

Ein Denckmal zu vollenden.

Doch ihren Vortheil sollte dann

Die Menge wohl ermessen,

Gescheiter wärs den guten Mann

Auf immerdar vergessen.

w. d. 7. Febr.

181 5.


Transkription

7 1

[82]

Übermacht, Ihr könnt es spüren,

Ist nicht aus der Welt zu bannen

Mir gefällt zu conversiren

Mit gescheiten, mit Tyrannen.

5

Da die dummen Eingeengten

Immerfort am stärksten pochten,

Und die Halben, die Beschränkten

Gar zu gern uns unterjochten;

10

Hab ich mich für frey erkläret,

Von den Narren von den Weisen,

Diese bleiben ungestöret,

Jene möchten sich zerreißen.

15

Dencken in Gewalt und Liebe

Müssten wir zuletzt uns gatten,

Machen mir die Sonne trübe

Und erhitzen mir den Schatten.

20

Hafis auch und Ulrich Hutten

Mußten ganz bestimmt sich rüsten

Gegen braun= und blaue Kutten;

Meine gehn wie andre Christen.

»Aber nenn uns doch die Feinde!«

Niemand soll sie unterscheiden:

Denn ich hab in der Gemeinde

Schon genug daran zu leiden.

Fulda 8 Uhr.


7 2

Transkription

[83]

5

Wenn du auf dem Guten ruhst

Nimmer werd ichs tadeln,

Wenn du gar das Gute thust

Sieh das soll dich adeln;

Hast du aber deinen Zaun

Um dein Gut gezogen,

Leb ich frey und lebe traun

Keineswegs betrogen.

10

15

Denn die Menschen sie sind gut,

Würden besser bleiben,

Sollte nicht wie's einer thut

Auch der Andre treiben.

Auf dem Weg da ists ein Wort,

Niemand wirds verdammen:

Wollen wir an Einen Ort

Nun! wir gehn zusammen.

20

Vieles wird sich da und hie

Uns entgegen stellen.

In der Liebe mag man nie

Helfer und Gesellen,

Geld und Ehre haette man

Gern allein zur Spende

Und der Wein, der treue Mann,

Der entzweyt am Ende.

25

30

Hat doch über solches Zeug

Hafis auch gesprochen,

Über manchen dummen Streich

Sich den Kopf zerbrochen,

Und ich seh nicht was es frommt

Aus der Welt zu laufen,

Magst du, wenn das Schlimmste kommt,

Auch einmal dich raufen.

Fulda.

8 Uhr


Transkription

73

[84]

Als wenn das auf Nahmen ruhte!

Was sich schweigend nur entfaltet.

Lieb ich doch das Schoene Gute

Wie es sich aus Gott gestaltet.

5

Jemand lieb ich, das ist nöthig,

Niemand hass ich; soll ich hassen

Auch dazu bin ich erbötig,

Hasse gleich in ganzen Massen

10

Willst sie aber näher kennen,

Sieh aufs Rechte, sieh aufs Schlechte,

Was sie ganz fürtrefflich nennen

Ist wahrscheinlich nicht das Rechte.

15

Denn das Rechte zu ergreifen

Muss man aus dem Grunde leben,

Und saalbadrisch auszuschweifen

Düncket mich ein seicht Bestreben.

20

Wohl! Herr Knitterer er kann sich

Mit Zersplitterer vereinen,

Und Verwitterer alsdann sich

Allenfalls der beste scheinen.

Dass nur immer in Erneuung

Jeder täglich neues höre,

Und zugleich auch die Zerstreuung

Jeden in sich selbst zerstöre.

25

Dies der Landsmann wünscht und liebet,

Mag er Deutsch mag Teutsch sich schreiben

Und das Lied nur heimlich piepet:

Also war es und wird bleiben.

d 27 Jul d. 22 Dec.

1814.


74

Transkription

[85]

Medschnun heißt - ich will nicht sagen

Daß es grad ein Toller heisse;

Doch ihr müßt mich nicht verklagen

Daß ich mich als Medschnun preise.

5

Wenn die Brust, die redlich volle

Sich entladet euch zu retten,

Ruft ihr nicht: das ist der Tolle!

Holet Stricke, schaffet Ketten.

10

Und wenn ihr zulezt in Fesseln

Seht die Klügeren verschmachten,

Sengt es euch wie Feuernesseln

Das vergebens zu betrachten.

'-.r---J


Transkription

75

[86]

Hab ich euch denn je gerathen

Wie ihr Kriege führen solltet?

Schalt ich euch nach euren Thaten

Wenn ihr Friede schließen wolltet?

5

Und so hab ich auch den Fischer

Ruhig sehen Netze werfen,

Brauchte dem gewandten Tischer

Winckelmaas nicht einzuschärfen.

10

Aber ihr wollt besser wissen

Was ich weiß, der ich bedachte

Was Natur, für mich beflissen,

Schon zu meinem Eigen machte.

15

Fühlt ihr euch dergleichen Stärke

Nun, so fördert eure Sachen;

Seht ihr aber meine Werke

Lernet erst: So wollt ers machen.


Transkription

[87]

Wandrers Gemüthsruhe

~

Über's Niederträchtige

Niemand sich beklage;

Denn es ist das Mächtige,

Was man dir auch sage.

5

In dem Schlechten waltet es

Sich zu Hochgewinne,

Und mit Rechtem schaltet es

Ganz nach seinem Sinne.

10

Wandrer! - Gegen solche Noth

Wolltest du dich sträuben?

Wirbelwind und trocknen Koth

Lass sie drehn und stäuben.

~

W. d. 19 Nov.

181 4.


Transkription

77

[88]

5

Wer wird von der Welt verlangen?

Was sie selbst vermißt und träumet,

Rückwärts oder seitwärts blickend

Stets den Tag des Tags versäumet.

Ihr Bemühn, ihr guter Wille

Hinckt nur nach dem raschen Leben

Und was du vor Jahren brauchtest

Möchte sie dir heute geben.

[89]

5

Glaubst du denn von Mund zu Ohr

Sey ein redlicher Gewinnst!

Überliefrung, o! du Thor!

Ist auch wohl ein Hirngespinst.

Nun geht erst das U rtheil an.

Dich vermag aus Glaubensketten

Der Verstand allein zu retten,

Dem du schon Verzicht gethan.

'-v---'


Transkription

[90]

Und wer franzet, oder brittet,

Italiaenert, oder teutschet,

Einer will nur wie der andre

Was die Eigenliebe heischet.

5

Denn es ist kein Anerkennen.

Weder vieler, noch des einen,

Wenn es nicht am Tage foerdert

Wo man selbst was moechte scheinen.

10

Morgen habe denn das Rechte

Seine Freunde wohlgesinnet,

Wenn nur heute noch das Schlechte

Vollen Platz und Gunst gewinnet.

15

Wer nicht von dreytausend Jahren

Sich weiß Rechenschaft zu geben,

Bleib im Dunckeln unerfahren,

Mag von Tag zu Tage leben.


Transkription

79

[91]

5

Sonst wenn man den heiligen Coran citirte

Nannte man die Sure den Vers dazu

Und jeder Moslim, wie sichs gebürte,

Fühlte sein Gewissen in Respect und Ruh.

Die neuen Derwische wissens nicht besser

Sie schwatzen das Alte, das Neue dazu

Die Verwirrung wird täglich grösser,

O! Heiliger Coran! O! ewige Ruh!

~

[92]

5

Aergerts jemand daß es Gott gefallen

Mahomed zu gönnen Schutz und Glück.

Um den stärksten Balcken seiner Hallen

Da befestig' er den derben Strick.

Knüpfe sich daran! das hält und trägt,

Er wird fühlen daß sein Zorn sich legt.

Sur.22.

W

23 Febr

181 5.


80

Transkription

[93] Timur

Was? Ihr misbilliget den kräftgen Sturm

Des Übermuths? Verfluchte Pfaffen!

Hätt Allah mich bestimmt zum Wurm,

So hätt er mich als Wurm geschaffen.

'---y---J

Timur spricht.

Was? Ihr misbilliget den kräftgen Sturm

Des Übermuths, Verlogne Pfaffen!

Haett Allah mich bestimmt zum Wurm;

So haett' er mich als Wurm geschaffen.


Transkription

[94] Vs.

Süßes Kind, die Perlenreihen,

Wie ich irgend nur vermochte,

Wollte traulich dir verleihen,

Als der Liebe Lampendochte.

5

Und nun kommst du, hast ein Zeichen

Dran gehängt, das unter allen

Den Abraxas seines gleichen,

Mir am Schlechtsten will gefallen.

10

Diese ganz moderne Narrheit

Magst du mir nach Schiras bringen!

Soll ich wohl, in seiner Starrheit,

Hölzchen quer auf Hölzchen singen?

15

Abraham, den Herrn der Sterne

Hat er sich zum Ahn erlesen;

Moses ist, in wüster Ferne,

Durch den Einen groß gewesen.

20

David auch, durch viel Gebrechen,

Ja, Verbrechen durch gewandelt,

Wußte doch sich los zu sprechen:

Einem hab ich recht gehandelt.

Jesus fühlte rein und dachte

Nur den Einen Gott im Stillen;

Wer ihn selbst zum Gotte machte

Kränckte seinen heil gen Willen.


Transkription

[94] Rs.

Und so muß das Rechte scheinen

Was auch Mahomet gelungen;

Nur durch den Begriff des Einen

Hat er alle Welt bezwungen.

30

Wenn du aber dennoch Huldgung

Diesem leid gen Ding verlangest;

Diene mir es zur Entschuldgung

Dass du nicht alleine prangest. -

35

Doch allein! - Da viele Frauen

Salomonis ihn verkehrten,

Götter betend anzuschauen

Wie die Närrinnen verehrten.

40

Isis Horn, Anubis Rachen

Boten sie dem Judenstolze,

Mir willst du zum Gotte machen

Solch ein Jammerbild am Holze!

Und ich will nicht besser scheinen

Als es sich mit mir eräugnet,

Salomo verschwur den Seinen, .

Meinen Gott hab ich verläugnet.

45

Laß die Renegatenbürde

Mich in diesem Kuß verschmerzen:

Denn ein Vitzliputzli würde

Talisman an Deinem Herzen.

Redigirt.

Wiesbaden. am längsten Tage

1818.


Transkription

[95J

5

10

15

Mit der Teutschen Freundschaft

Hat's keine Noth

Aergerlichster Feindschaft

Steht Höflichkeit zu Gebot

Je sanfter sie sich erwiesen

Hab ich immer frisch gedroht.

Lies mich nicht verdriesen

Trübes Morgen= und Abendroth,

Lies die Wasser fließen

Fliessen zu Freud und Noth.

Aber mit allen diesen

Blieb ich mir selbst zu gebot;

Sie alle wollten genießen

Was ihnen die Stunde bot

Ihnen hab ichs nicht verwiesen

Jeder hat seine N oth,

Sie lassen mich alle grüssen

Und hassen mich bis in Tod.

Zinne 19 März

1818


Transkription

[96]

5

Mich nach= und umzubilden miszubilden

Versuchen sie seit vollen fünfzig Jahren;

Ich dächte doch da konntest du erfahren

Was an dir sei in Vaterlands Gefilden.

Du hast getobt zu deiner Zeit mit wilden

Daemonisch genialen Jungen Schaaren,

Dann sachte schlossest du von Jahr zu Jahren

Dich naeher an die Weisen, göttlich milden.


Transkription

[97]

Buch der Spruche

~

[98]

5

Was machst du an der Welt, sie ist schon gemacht,

Der Herr der Schöpfung hat alles bedacht.

Dein Loos ist gefallen, verfolge die Weise,

Der Weg ist begonnen, vollende die Reise:

Denn Sorgen und Kummer verändern es nicht,

Sie schleudern dich ewig aus gleichem Gewicht.

[99]

Wenn der schweer gedruckte klagt:

Hülfe, Hoffnung sey versagt,

Bleibet heilsam fort und fort

Immer noch ein freundlich Wort.

22Jul

[100]

Enweri sagt's, ein herrlicher der Männer,

Des tiefsten Herzens, höchsten Hauptes Kenner:

Dir frommt, an jedem Ort, zu jeder Zeit,

Geradheit, Urtheil und Verträglichkeit.

Carlsbad am 12 Aug.

1818 Goethe


86

Transkription

[101]

Wie kommts daß man an jedem Orte

Soviel Gutes, soviel dummes hört.

Die Jüngsten wiederholen der Ältesten Worte,

Und glauben daß es ihnen angehört

[102]

Laß dich nur in keiner Zeit

Zum Widerspruch verleiten,

Weise fallen in Unwissenheit

Wenn sie mit Unwissenden streiten

[103]

Laß dich nur in keiner Zeit

Zum Widerspruch verleiten!

Weise fallen in Unwissenheit

Wenn sie mit Unwissenden streiten.

Johanni

183 0 JWvGoethe

[104]

Indisch

~

Als ich einmal eine Spinne erschlagen

Dacht ich: ob ich das wohl gesollt:

Hat Gott doch ihr wie mir gewollt

Einen Antheil an diesen Tagen

~


Transkription

[105]

Ferid-eddin. von 613

P·9·

Guten Ruf musst du dir machen

Unterscheiden wohl die Sachen

Wer was weiter will verdirbt.

5

Poetische Perlen ans Ufer geworfner

Gewinnst des Lebens.

Traue nicht dem Truncken Weisen

Denn er stielt dir dein Geheimniß.

10

Wenn du dieses hörst, so achte sie alt die Welt

Viele Jahre sind seitdem über Berge und Thäler

Verflossen, und so werden noch viele verfliesen.

Liber Nigaristan.

Luscinia captiva cui nomen est anima

Non inservit corpori, quod rices retis gerid.

'--v--'

5

10

Fundgr. 11. 360.

Nestorianer. Jacobiten

Hira. Sitz des Reiches der Lachmiten

gesunde Lage

Mecca Tempel. Yemen Damm daselbst Durchbruch

Farkardan zwey Sterne nah am Pol.

Vierzig Jahre Trunckgenossen wiederhohlen

nicht Eine Erzählung 364.

Dschadhaima, der erste König der sich die

Schue anziehen, Wachskerzen vortragen lässt

und ohne Tischgenossen speist.


Transkription

[108]

5

Schlimm ist es, wie doch wohl geschieht,

Wenn Wahrheit sich nach dem Irrthum zieht;

Das ist auch manchmal ihr Behagen,

Wer wird so schoene Frau befragen?

Herr Irrthum wollt er an Wahrheit sich schließen

Das sollte Frau Wahrheit baß verdrießen.

Tanne d. 6 Apr

1818. G

[109] Timurname

~

Buch des Timur

~


Transkription

[110]

Der Winter und Timur.

5

10

15

20

25

30

So umgab sie nun der Winter

Mit gewaltgern Grimme. Streuend

Seinen Eishauch zwischen alle

Hetzt er die verschiednen Winde

Widerwärtig auf sie ein.

Über sie gab er Gewaltkraft

Seinen frostgespitzten Stürmen

Stieg in Timurs Rath hernieder

Schrie ihn drohend an und sprach so:

Leise, langsam, U nglückselger !

Wandle du Tyrann des Unrechts;

Sollen länger noch die Herzen

Sengen, brennen deinen Flammen.

Bist du der verdammten Geister

Einer, wohl! ich bin der andre.

Du bist Greis, ich auch, erstarren

Machen wir so Land als Menschen

Mars! Du bists! ich bin Saturnus,

Übelthätige Gestirne

Im Verein die Schreklichsten.

Tödest du die Seele, kältest

Du den Luftkreis; meine Lüfte

Sind noch kälter als du seyn kannst.

Quaelen deine wilden Heere

Gläubige mit tausend Martern;

Wohl, in meinen Tagen soll sich,

Geb es Gott! was schlimmres finden

Und bey Gott! Dir schenck ich nichts

Ja, bey hin was ich dir biete!

Ja bey Gott! von Todeskälte

Nicht, 0 Greis, vertheidgen soll dich

Breite Kohlenglut vom Heerde

Keine Flamme des Decembers.

Jena d. II Dec. 1814.


Transkription

9 1

[111]

Dir mit Wohlgeruch zu kosen,

Deine Freuden zu erhöhn,

Knospend müssen tausend Rosen

Erst in Gluten untergehn.

5

Um ein Fläschchen zu besitzen

Das den Ruch auf ewig hält,

Schlanck, wie deine Fingerspitzen,

Da bedarf es einer Welt.

10

Einer Welt von Lebenstrieben,

Die, in ihrer Fülle Drang,

Ahndeten schon Bulbuls Lieben,

Seeleregenden Gesang.

15

Sollte jene Quaal uns quaelen ?

Da sie unsre Lust vermehrt.

Hat nicht Myriaden Seelen

Timurs Herrschaft aufgezehrt!

'--r----I

Wiesbaden.

d. 27 May

181 5


9 2

Transkription

[112] Suleikaname

~

Das Buch Suleika.

II.

Ich gedachte in der Nacht

Daß ich den Mond sähe im Schlaf;

Als ich aber erwachte

Ging unvermuthet die Sonne auf.

~


Transkription

93

[113]

Einladung

~

5

10

Mußt nicht vor dem Tage fliehen:

Denn der Tag den du ereilest

Ist nicht beßer als der heutge;

Aber wenn du froh verweilest

Wo ich mir die Welt beseit'ge,

Um die Welt an mich zu ziehen;

Bist du gleich mit mir geborgen

Heut ist heute, morgen morgen,

Und was folgt und was vergangen

Reißt nicht hin und bleibt nicht hangen.

Bleibe du, mein Allerlie[b ]stes,

Denn du bringst es und du giebst es.

~

Sylvester Abend

1814


94

Transkription

[114]

5

10

Daß Suleika in Jussuf vernarrt war

Ist keine Kunst,

Er war jung, Jugend hat Gunst

Er war schoen, sie sagen zum Entzücken,

Schoen war sie, konnten einander beglücken.

Aber dass du, die so lange mir erharrt war,

Feurige Jugendblicke mir schickst,

Jetzt mich liebst, mich später beglückst,

Das sollen meine Lieder preisen

Sollst mir ewig Suleika heißen.

'--v----'

Eisenach.

d.24 May

181 5.


Transkription

95

[115]

5

10

15

Da du nun Suleika heißest

Sollt ich auch benams[e]t seyn

Wenn du deinen Geliebten preisest

Hatem! das soll der N ahme seyn.

Nur daß man mich daran erkennet,

Keine Anmaßung soll es seyn.

Wer sich St Georgenritter nennet

Denkt nicht gleich Sanct Georg zu seyn.

Nicht Hatem Thai, nicht der Alles Gebende

Kann ich in meiner Armuth seyn,

Hatem Zograi nicht, der reichlichst Lebende

Von allen Dichtern, möcht ich seyn.

Aber beyde doch im Auge zu haben

Es wird nicht ganz verwerflich seyn:

Zu nehmen, zu geben des Glückes Gaben,

Wird immer ein gros Vergnügen seyn.

Sich liebend an einander zu laben

Wird Paradieses Wonne seyn.

~

Eisenach.

24 May.

181 5.


Transkription

[116]

Hatem

Nicht Gelegenheit macht Diebe

Sie ist selbst der größte Dieb,

Denn sie stahl den Rest der Liebe

Die mir noch im Herzen blieb.

5

Dir hat sie ihn übergeben

Meines Lebens Voll gewinn,

Daß ich nun, verarmt, mein Leben

Nur von dir gewärtig bin.

10

Doch ich fühle schon Erbarmen

Im Carfunckel deines Blicks

Und erfreu' in deinen Armen

Mich erneuerten Geschiks.

'--..r---J

d. I 5. S. 181 5.


Transkription

97

[117]

Suleika

Hochbeglückt in deiner Liebe

Schelt ich nicht Gelegenheit,

Ward sie auch an dir zum Diebe

Wie mich solch ein Raub erfreut!

5

Und wozu denn auch Berauben?

Gieb dich mir aus freyer Wahl,

Gar zu gerne möcht' ich glauben -

Ja! ich bin's die dich bestahl.

10

Was so willig du gegeben

Bringt dir herrlichen Gewinn,

Meine Ruh, mein reiches Leben

Geb ich freudig, nimm es hin.

15

Scherze nicht! Nichts von Verarmen!

Macht uns nicht die Liebe reich?

Halt ich dich in meinen Armen

Jedem Glück ist meines gleich.

'--v-----J

d. 16. S. 1815.


Transkription

[118]

Suleika

Als ich auf dem Euphrat schiffte

Streifte sich der goldne Ring

Fingerab, in Wasserklüfte,

Den ich jüngst von dir empfing.

5

Also träumt ich, Morgenröthe

Blitzt in's Auge durch den Baum,

Sag Poete sag Prophete!

Was bedeutet dieser Traum?

'--v---'

d. 17. S. 1815.


Transkription 99

[119] Hatem

Dies zu deuten bin erbötig!

Hab ich dir nicht oft erzählt

Wie der Doge von Venedig

Mit dem Meere sich vermählt.

5 So von deinen Fingergliedern,

Fiel der Ring dem Euphrat zu.

Ach zu tausend Himmelsliedern

Süsser Traum begeisterst du.

Mich, der von den Indostanen

10 Streifte bis Damascus hin,

Um mit neuen Caravanen

Bis an's rothe Meer zu ziehn

Mich vermählst du deinem Flusse,

Der Terasse, diesem Hayn,

15 Hier soll bis zum letzten Kusse,

Dir mein Geist gewiedmet seyn.

~

17. Sept. 18 I 5.


Transkription

101

[121]

Ginkgo biloba.

~

Dieses Baums Blatt, der von Osten

Meinem Garten anvertraut,

Giebt geheimen Sinn zu kosten

Wie's den Wissenden erbaut.

5

Ist es Ein lebendig Wesen,

Das sich in sich selbst getrennt,

Sind es zwey die sich erlesen,

Daß man sie als Eines kennt.

10

Solche Frage zu erwiedern

Fand ich wohl den rechten Sinn,

Fühlst du nicht an meinen Liedern

Daß ich Eins und doppelt bin.

~

d. 15. S. 1815

[122]

5

10

Dieses Baums Blat, der, von Osten,

Meinem Garten anvertraut,

Giebt geheimen Sinn zu kosten,

Wie's den Wissenden erbaut.

Ist es Ein lebendig Wesen?

Das sich in sich selbst getrennt;

Sind es Zwey? die sich erlesen,

Daß man sie als Eines kennt.

Solche Frage zu erwiedern

Fand ich wohl den rechten Sinn;

Fühlst du nicht an meinen Liedern,

Daß ich Eins und doppelt bin?

~


I02

Transkription

[123]

5

Suleika

Sag du hast wohl viel g~dichtet ?

Hin und her dein Lied gerichtet? -

Schoengeschrieben, deine Hand,

Prachtgebunden, goldgerändet;

Bis auf Punct und Strich vollendet,

Zierlichlockend manchen Band.

Stets wo du sie hingewendet

War's gewiß ein Liebespfand !

10

15

Hatem

Ja! Von mächtig holden Blicken,

Wie von lächlendem Entzücken,

Und von Zähnen blendend klar.

Moschusduftend Lockenschlangen,

Augenwimpern reizumhangen,

Tausendfältige Gefahr!

Dencke nun wie, von so langem

Prophezeyt Suleika war

"---y---J

22. S. 15.

"---y---J


Transkription

1°3

[124]

Suleika

Die Sonne kommt! Ein Prachterscheinen !

Der Sichelmond umklammert sie.

Wer konnte solch ein Paar vereinen?

Dies Räthsel wie erklärt sichs ? Wie?

Hatem.

5

Der Sultan konnt es, er vermählte

Das allerhöchste Weltenpaar,

Um zu bezeichnen Auserwählte;

Die tapfersten der treuen Sc haar.

10

Auch sey's ein Bild von unsrer Wonne!

Schon seh·ich wieder mich und dich,

Du nennst mich, Liebchen, deine Sonne,

Komm, süsser Mond umklammre mich!

~

d. 22. S. 1815.


1°4

Transkription

[125]

Komm Liebchen, komm! umwinde mir die Mütze

Aus deiner Hand nur ist der Tulbend schoen.

Hat Abbas doch, auf Irans hoechstem Sitze,

Sein Haupt nicht zierlicher umwinden sehn.

5

Ein Tulbend war das Band, das Alexandern

In Schleifen schoen vom Haupte fiel

Und allen Folgeherrschern, jenen Andern, '­

Als Königszierde wohlgefiel.

10

Ein Tulbend ist's der unsern Kaiser schmücket,

Sie nennens Krone. Nahme geht wohl hin!

Juweel und Perle! Sey das Aug entzücket!

Der schoenste Schmuck ist stets der Musselin.

15

Und diesen hier, ganz rein und silberstreifig,

Umwinde Liebchen um die Stirn umher.

Was ist denn Hoheit? Mir ist sie geläufig!

Du schaust mich an, ich bin so gros als Er.

~

17 Febr. 1815.


Transkription

1°5

[126] Vs.

Nur wenig ist's was ich verlange,

Weil eben alles mir gefällt,

Und dieses Wenige, wie lange,

Giebt mir gefällig schon die Welt!

5

Oft sitz ich heiter in der Schencke

Und heiter im beschränckten Haus;

Allein sobald ich dein gedencke

Dehnt sich mein Geist erobernd aus.

10

Dir sollten Timurs Reiche dienen,

Gehorchen sein gebietend Heer,

Badaschan zollte dir Rubinen,

Türkiße das Hyrkanische Meer.

15

Getrocknet honigsüße Früchte

Von Bochara dem Sonnenland,

Und tausend liebliche Gedichte

Auf Seidenblatt von Samarkand.

20

Da solltest du mit Freude lesen,

Was ich von Ormus dir verschrieb,

Und wie das ganze Handelswesen

Sich nur bewegte dir zu lieb.


106

Transkription

[126] Rs.

Wie in dem Lande der Bramanen

Viel tausend Finger sich bemüht

Daß alle Pracht der Indostanen

Für dich auf Woll und Seide blüht.

25

Ja, zu Verherrlichung der Lieben

Giesbäche Soumelpours durchwühlt,

Aus Erde, Grus, Gerill, Geschieben

Dir Diamanten ausgespült.

30

Wie Taucherschaar verwegner Männer

Der Perle Schatz dem Golf entriß,

Darauf ein Divan scharfer Kenner

. Sie dir zu reihen sich befliß.

35

Wenn nun Bassora noch das Letzte

Das Fehlende hinzugethan

Bringt alles was die Welt ergötzte

Die Caravane dir heran.

40

Doch alle diese Kaysergüter

Verwirrten doch zuletzt den Blick

Und wahrhaft liebende Gemüther

Eins nur im andern fühlt sein Glück.

'--v----'

17 März 17 May

181 5.


Transkription

1°7

[127]

Haett ich jrgend wohl Bedencken

Bochara und Samarcand,

Süßes Liebchen dir zu schencken?

Dieser Staedte Rausch und Tand.

5

Aber frag einmal den Kayser

Ob er dir die Städte giebt?

Er ist herrlicher und weiser;

Doch er weiß nicht wie man liebt.

10

Herrscher zu dergleichen Gaben

Nimmermehr bestimmst du dich!

Solch ein Mädchen muß man haben

Und ein Bettler seyn wie ich.

17. Febr. 1815.


108

Transkription

[128] Vs.

5

Die schoen geschriebenen,

Herrlich umgüldeten,

Belächeltest du

Die anmaslichen Blätter,

Verziehst mein Prahlen

Von deiner Liebe und meinem

Durch dich glücklichen Gelingen,

Verziehst anmutigem Selbs[t]lob.

10

Selbstlob! Nur dem Neide stinckts,

Wohlgeruch Freunden

Und eignern Schmack!

15

20

Freude des Daseyns ist gros,

Grösser die Freud am Daseyn.

Wenn du Suleika

Mich überschwänglich beglückst,

Deine Leidenschaft mir zuwirfst

Als wärs ein Ball,

Dass ich ihn fange,

Dir zurükwerfe

Mein gewiedmetes Ich;

Das ist Ein Augenblick!

Und dann reist mich von dir

Bald der Francke, bald der Armenier.

25

Aber Tage währts,

Jahre dauerts, dass ich neu erschaffe

Tausendfältig deiner Verschwendungen Fülle,

Auftrösle die bunte Schnur meines Glücks

Geklöpplet tausendfadig

Von dir 0 Suleika.


Transkription

1°9

[128] Rs.

3S

40

Hier nun dagegen

Dichtrische Perlen

Die mir deiner Leidenschaft

Gewaltige Brandung

Warf an des Lebens

Verödeten Strand aus.

Mit spitzen Fingern

Zierlich gelesen,

Durchreiht mit iuwelenem

Goldschmuck.

Nimm sie an deinen Hals

An deinen Busen!

Die Regentropfen Allahs

Gereift in bescheider Muschel

'-.r---'

H. d. 2I S.

I 8 I 5.


110

Transkription

[129]

5

Lieb' um Liebe, Stund' um Stunde,

Wort um Wort und Blick um Blick;

Kuss um Kuss, vom treusten Munde

Hauch um Hauch und Glück um Glück. .

So am Abend, so am Morgen!

Doch du fühlst an meinen Liedern

Immer noch geheime Sorgen;

Jussufs Reitze möcht ich borgen

Deine Schönheit zu erwiedern


Transkription

111

[130]

Suleika.

Volck und Knecht und Überwinder

Sie gestehn, zu jeder Zeit,

Höchstes Glück der Erdenkinder

Sey nur die Persönlichkeit.

5

Jedes Leben sey zu führen

Wenn man sich nicht selbst vermißt,

Alles könne man verlieren

Wenn man bliebe was man ist.

10

Hatem

Kann wohl seyn! So wird gemeynet;

Doch ich bin auf andrer Spur,

Alles Erdenglück vereinet

Find ich in Suleika nur.

15

Wie sie sich an mich verschwendet,

Bin ich mir ein werthes Ich;

Hätte sie sich weggewendet

Augenblicks verlöhr ich mich.

20

Nun, mit Hatem wärs zu Ende;

Doch schon hab' ich umgelost,

Ich verkörpre mich behende

In den Holden den sie kost.

Wollte, wo nicht gar ein Rabbi,

Das will mir so recht nicht ein;

Doch Ferdusi, Motanabbi,

Allenfalls der Kayser seyn.

~

26. S. 15.


112

Transkription

[131] 1. Vs.

Hatem

Wie des Goldschmieds Bazarlädchen

Vielgefärbt, geschliffne Lichter,

So umgeben hübsche Mädchen

Den beynah ergrauten Dichter

5

Mädchen.

Singst du schon Suleika wieder!

Diese können wir nicht leiden,

Nicht um dich - um deine Lieder

Wollen, müssen wir sie neiden.

10

Denn, wenn sie auch garstig waere

Machst du sie zum schönsten Wesen,

Und so haben wir von Gemil

Und von Shanba viel gelesen.

15

Aber eben weil wir hübsch sind

Möchten wir auch gern gemahlt seyn,

Und wenn du es billig machest;

Sollst du auch recht hübsch bezahlt seyn.

Hatem


Transkription

113

[131] 2. Vs.

20

Hatem

Bräunchen komm! Es wird schon gehen.

Zöpfe, Kämme gros und kleine,

Zieren Köpfchens nette Reine

Wie die Kuppel ziert Moscheen.

Du Blondinchen bist so zierlich,

Aller Weis' und Weg so nette,

Man gedenckt nicht ungebürlich

Alsogleich der Minarette.

2S

Du dahinten hast der Augen

Z weyerley, du kannst die beyden,

Einzeln, nach Belieben brauchen.

Doch ich sollte dich vermeiden

30

Leichtgedrückt die Augenlieder

Eines, die den Stern bewhelmen

Deutet auf den Schelm der Schelmen

Doch das andre schaut so bieder.

3S

Dies, wenn jen's verwundend angelt,

Heilend, nährend wird sich's weisen,

Niemand kann ich glücklich preisen

Dem der Doppelblick ermangelt

40

Und so könnt ich alle loben

Und so könnt ich alle lieben

Denn so wie ich euch erhoben

War die Herrin mit beschrieben

Mädchen


114

Transkription

[131] 2. Rs.

Mädchen

Dichter will so gerne Knecht seyn,

Weil die Herrschaft draus entspringet;

Doch vor allem sollt ihm recht seyn

Wenn das Liebchen selber singet.

45

Ist sie denn des Liedes mächtig?

Wie's auf unserm Lippen waltet:

Denn es macht sie gar verdächtig

Daß sie im Verborgnen schaltet

50

Hatem

Nun wer weis was sie erfüllet.

Kennt ihr solcher Tiefe Grund?

Selbstgefühltes Lied entquillet,

Selbstgedichtetes dem Mund.

55

Von euch Dichterinnen allen

Ist ihr eben keine gleich,

Denn sie singt mir zu gefallen

Und ihr singt und liebt nur euch

60

Mädchen

Merken wohl, du hast uns eine

Jener Houris vorgeheuchelt,

Mag schon seyn wenn es nur keine

Sich auf dieser Erde schmeichelt

~

10. 0.1815.


Transkription

[132]

Locken! haltet mich gefangen!

In dem Kreise des Gesichts.

Euch geliebten braunen Schlangen

Zu erwiedern hab ich nichts.

5

Nur dies Herz es ist von Dauer,

Schwillt in jugendlichstem Flor;

Unter Schnee und Nebelschauer

Rast ein Aetna dir hervor.

10

Du beschaemst, wie Morgenröthe

Jener Gipfel ernste Wand

Und noch einmal fühlet Hatem

Frühlingshauch und Sommerbrand.

15

Schencke her! Noch eine Flasche

Dies~n Becher bring ich Ihr!

Findet sie ein Häufchen Asche,

Sagt sie: der verbrannte mir.

20

Suleika.

Nimmer will ich dich verlieren!

Liebe giebt der Liebe Kraft.

Magst du meine Jugend zieren,

Mit gewalt ger Leidenschaft.

Ach! wie schmeichelts meinem Triebe

Wenn man meinen Dichter preist:

Denn das Leben ist die Liebe,

Und des Lebens Leben Geist

~

30. S. 181 5.


II6

Transkription

[133]

5

Bist du von deiner Geliebten getrennt,

Wie Orient vom Occident;

Das Herz durch Wüsteneyen rennt.

Es giebt überall sich selbst das Geleit:

Für Liebende ist Bagdad nicht weit.

'--v---'

W. 31 Jan.

1816

[134]

O! daß der Sinnen doch so viele sind!

Verwirrung bringen sie ins Glück herein.

Wenn ich dich sehe wünsch ich taub zu seyn,

Wenn ich dich höre blind.

[135]

Auch in der Ferne dir so nah!

Und unerwartet kommt die Quaal.

Da hör ich wieder dich einmal,

Auf einmal bist du wieder da!

"--v---'


Transkription

I I7

[136]

Wie sollt ich heiter bleiben?

Entfernt von Tag und Licht;

Nun aber will ich schreiben,

Und trincken mag ich nicht.

5

Wenn sie mich an sich lockte

War Rede nicht im Brauch,

Und wie die Zunge stockte,

So stockt die Feder auch.

10

Nur zu! geliebter Schencke,

Den Becher fülle still:

Ich sage nur: Gedencke!

Schon weis man was ich will.

~


II8

Transkription

[137]

5

Wenn ich dein gedencke

Fragt mich gleich der Schencke:

Herr! Warum so still?

Da von deinen Lehren

Immer weiter hören

Saki gerne will

10

Wenn ich mich vergesse

Unter der eypresse

Hält er nichts davon,

Und im stillen Kreise

Bin ich doch so weise

Klug wie Salomon

~


Transkription

II9

[138]

An vollen Büschelzweigen,

Geliebte sieh' nur hin!

Laß dir die Früchte zeigen

Ums chalet stachligtgrün.

5

Sie haengen längst geballet,

Still unbekannt mit sich,

Ein Ast der schauckelnd wallet,

Wiegt sie gedultiglich.

10

Doch immer reift von Innen,

Und schwillt der braune Kern,

Er möchte Luft gewinnen

Und säh die Sonne gern.

15

Die Schale platzt und nieder

Macht er sich freudig los;

So fallen meine Lieder

Gehäuft in deinen Schoos.

~

24· S. 1815


120

Transkription

[139]

5

Suleika

An des lustgen Brunnens Rand

Der in Wassedäden spielt

Wusst ich nicht was fest mich hielt;

Doch da war von deiner Hand

Meine Chiffer leis' gezogen,

Nieder blickt ich dir gewogen.

10

Hier, am Ende des Canals,

Der gereihten Hauptallee

Blick ich wieder in die Höh',

Und da seh ich abermals

Meine Lettern fein gezogen.

Bleibe! bleibe mir gewogen!

15

Hatem.

Möge Wasser springend, wallend,

Die Cypressen dir gestehn:

Von Suleika zu Suleika

Ist mein Kommen und mein Gehn.

22. S. 1815.


Transkription

121

[140] Vs.

Suleika.

Kaum daß ich dich wieder habe,

Dich mit Kuß und Liedern labe,

Bist du still in dich gekehret;

Was beengt? und drückt, und störet?

5

Hatem.

Ach Suleika soll ich sagen?

Statt zu loben möcht ich klagen!

Sangest sonst nur meine Lieder,

Immer neu und immer wieder.

10

Sollte wohl auch diese loben;

Doch sie sind nur eingeschoben;

Nicht von Hafis, nicht Nizami,

Nicht Saadi, nicht von Dschami.

15

Kenn' ich doch der Väter Menge

Sylb um Sylbe, Klang um Klänge,

Im Gedächtniß unverloren;

Diese da sind neu geboren.

20

Gestern wurden sie gedichtet;

Sag hast du dich neu verpflichtet?

Hauchest du so froh=verwegen

Fremden Athem mir entgegen!

Der


122

Transkription

[140] Rs.

Der dich eben so belebet,

Eben so in Liebe schwebet,

Lokend, ladend zum Vereine

So harmonisch als der meine.

25

30

Suleika.

War Hatem lange doch entfernt,

Das Mädchen hatte was gelernt,

Von ihm war sie so schoen gelobt,

Da hat die Trennung sich erprobt.

Wohl daß sie dir nicht fremde scheinen;

Sie sind Suleikas, sind die deinen.

~

H. 7. Octb

181 5.


Transkription

123

[141]

Suleika.

Was bedeutet die Bewegung?

Bringt der Ost mir frohe Kunde?

Seiner Schwingen frische Regung

Kühlt des Herzens tiefe Wunde

5

Kosend spielt er mit dem Staube

Jagt ihn auf in leichten W ölckchen,

Treibt zur sichern Rebenlaube

Der Insecten frohes Völkchen.

10

Lindert sanft der Sonne Glühen,

Kühlt auch mir die heißen Wangen,

Küßt die Reben noch im Fliehen,

Die auf Feld und Hügel prangen.

15

Und mir bringt sein leises Flüstern

Von dem Freunde tausend Grüße

Eh noch diese Hügel düstern

Grüssen mich wohl tausend Küsse.

20

Und so kannst du weiter ziehen!

Diene Freunden und Betrübten

Dort wo hohe Mauern glühen

Find ich bald den Vielgeliebten

Ach! die wahre Herzenskunde,

Liebeshauch, erfrischtes Leben

Wird mir nur aus seinem Munde,

Kann mir nur sein Athem geben.

23· S. r8r 5·


124

Transkription

[142]

Die Sonne, Helios der Griechen,

Fährt prächtig auf der Himmelsbahn,

Gewiss das Weltall zu besiegen

Blickt er umher, hinab, hinan.

5

Er sieht die schönste Göttinn weinen,

Die Wolckentochter, Himmelskind.

Ihr scheint er nur allein zu scheinen.

Für alle heitre Räume blind

10

Versenckt er sich in Schmerz und Schauer

Und häuf' ger quillt ihr Trähnenguss.

Er sendet Lust in ihre Trauer

Und jeder Perle Kuß auf Kuss.

15

Nun fühlt sie tief des Blicks Gewalten,

Und unverwandt schaut sie hinauf,

Die Perlen wollen sich gestalten:

Denn jede nahm sein Bildniß auf.

20

Und so umkränzt von Farb' und Bogen,

Erheitert leuchtet ihr Gesicht,

Entgegen kommt er ihr gezogen,

Doch er! Doch ach! Erreicht sie nicht.

So, nach des Schiksals hartem Loose

Weichst du mir Lieblichste davon,

Und wär ich Helios der grosse

Was nützte mir der Wagentrohn?

~

W.d·7 Nov.

181 5.


Transkription

125

[143]

Es klingt so prächtig wenn der Dichter

Der Sonne bald, dem Kayser sich vergleicht;

Doch er verbirgt die traurigen Gesichter

Wenn er in düstren Nächten schleicht.

5

Von Wolcken streifenhaft befangen

Versanck zu Nacht des Himmels reinstes Blau,

Vermagert bleich sind meine Wangen

Und meine Herzensträhnen grau.

10

Lass mich nicht so der Nacht dem Schmerze,

Du allerliebstes, du mein Mondgesicht !

o du mein Phosphor, meine Kerze,

Du meine Sonne, du mein Licht.

'---y----J

W.d·7· Nov.

181 5.


126

Transkription

[144]

Suleika.

Ach! um deine feuchten Schwingen

West, wie sehr ich dich beneide:

Denn du kannst ihm Kunde bringen

Was ich in der Trennung leide.

5

Die Bewegung deiner Flügel

Weckt im Busen stilles Sehnen,

Blumen, Augen, Wald und Hügel

Stehn bey deinem Hauch in Thränen.

10

Doch dein mildes sanftes Wehen

Kühlt die wunden Augenlieder;

Ach für Leid müßt ich vergehen

Hofft ich nicht zu sehn ihn wieder.

15

Eile denn zu meinem Lieben,

Spreche sanft zu seinem Herzen;

Doch vermeid ihn zu betrüben,

Und verbirg ihm meine Schmerzen.

20

Sag ihm aber, sag's bescheiden:

Seine Liebe sey mein Leben

Freudiges Gefühl von beyden

Wird mir seine Nähe geben.

26. S. 1815.


Transkription

[145] Vs.

5

Ist es möglich Stern der Sterne,

Drück ich wieder dich ans Herz!

Ach! was ist die Nacht der Ferne

Für ein Abgrund für ein Schmerz.

Ja du bist es, meiner Freuden

Süsser, lieber Widerpart,

Eingedenck vergangner Leiden

Schaudr' ich vor der Gegenwart.

10

15

Als die Welt im tiefsten Grunde

Lag an Gottes ewger Brust,

Ordnet er die erste Stunde

Mit erhabner Schöpfungslust,

Und er sprach das Wort: Es werde!

Da erklang ein schmerzlich Ach!

Als das All, mit Machtgebärde,

In die Wirklichkeiten brach.

20

Aufthat sich das Licht! Sich trennte

Scheu, die Finsterniß von ihm,

Und sogleich die Elemente

Scheidend auseinander fliehn

Rasch in wilden wüsten Träumen

Jedes nach der Weite rang,

Starr, in ungemessnen Räumen,

Ohne Sehnsucht, ohne Klang.


128

Transkription

[145] Rs.

30

Stumm war alles still und oede,

Einsam Gott zum ersten mal

Da erschuf er Morgenröthe

Die erbarmte sich der Quaal;

Sie entwickelte dem Trüben

Ein erklingend Farbenspiel

Und nun konnte wieder lieben,

Was erst auseinander fiel

35

40

Und mit eiligem Bestreben

Sucht sich, was sich angehört,

Und zu ungemessnem Leben

Ist Gefühl und Blick gekehrt.

Seys Ergreifen, sey es Raffen

Wenn es nur sich fasst und hält!

Allah braucht nicht mehr zu schaffen,

Wir erschaffen Seine Welt.

45

So, mit Morgenrothen Flügeln

Riss es mich an deinen Mund

Und die Nacht mit tausend Siegeln

Kräftigt sternenhell den Bund.

Beyde sind wir auf der Erde

Musterhaft in Freud und Quaal

Und ein zweytes Wort: Es werde!

Trennt uns nicht zum zweytenmal.

24· S. 15.


Transkription

129

[146]

5

Herrinn! sag was heißt das Flüstern ?

Was bewegt dir leis' die Lippen?

Lispelst immer vor dich hin.

Lieblicher als Weines Nippen

Denck[s]t du deinen Mundgeschwistern

Noch ein Pärchen herzuziehn?

Ich will küssen! Küssen! sagt ich.

10

Schau! Im zweifelhaften Dunckel

Glühen blühend alle Zweige,

Niederspielet Stern auf Stern,

Und, smaragden, durchs Gesträuche

Tausendfältiger Karfunkel;

Doch dein Geist ist allem fern.

Ich will küssen! Küssen! sagt ich.

15

20

Dein Geliebter fern, erprobet

Gleicherweis im Sauersüssen,

Fühlt ein unglückselges Glück.

Euch im Vollmond zu begrüssen

Habt ihr heilig angelobet,

Dieses ist der Augenblick.

Ich will küssen! Küssen! sag ich.

~

d. 24. Octbr

1815.


13°

Transkription

[147] Vs.

S

Lasst euch, 0 Diplomaten!

Recht angelegen seyn,

Und eure Potentaten

Berathet rein und fein.

Geheimer Chiffern Sendung

Beschäftige die Welt,

Bis endlich jede Wendung

Sich selbst in's Gleiche stellt.

10

IS

Mir von der Herrinn süße

Die Chiffer ist zur Hand,

Woran ich schon genieße,

Weil sie die Kunst erfand.

Es ist die Liebesfülle,

Im lieblichsten Revier,

Der holde, treue Wille,

Wie zwischen mir und ihr.

20

Von abertausend Blüten

Ist es ein bunter Straus,

Von englischen Gemüthern

Ein vollbewohntes Haus;

Von buntesten Gefiedern

Der Himmel übersaet

Ein klingend Meer von Liedern

Geruchvoll überweht.

2S

Ist


Transkription

13 1

[147] Rs.

30

Ist unbedingten Strebens

Geheime Doppelschrift,

Die in das Mark des Lebens

Wie Pfeil um Pfeile trifft.

Was ich euch offenbaret

War läng[s]t ein frommer Brauch,

Und wenn ihr es gewahret,

So schweigt und nutzt es auch.

~

H. d. 21. S.

181 5.


13 2

Transkription

[148a] Vs.

5

Dir zu eröffnen

Mein Herz verlangt mich

Hört ich von deinem!

Darnach verlangt mich

Wie blickt so traurig

Die Welt mich an.

10

In meinem Sinne

Wohnet mein Freund nur

Und sonsten keiner

Und keine Feindsspur

Wie Sonnenaufgang

Ward mir ein Vorsatz

15

Mein Leben will ich

Nur zum Geschäfte

Von seiner Liebe

Von heut an machen

Ich denke seiner

Mir blutet's Herz

[148a] Rs.

20

Kraft hab ich keine

Als ihn zu lieben,

So recht im Stillen

Was soll das werden!

Will ihn umarmen

Und kann es nicht.

'-..r----'


Transkription 133

[148 b] Dir zu eröffnen

Mein Herz verlangt mich

Hört ich von deinem!

Darnach verlangt mich

5 Wie blickt so traurig

Die Welt mich an.

In meinem Sinne

Wohnet mein Freund nur

Und sonsten keiner

10 Und keine Feind Spur.

Wie Morgenkerzen

Ward mir ein Vorsaz:

Mein Leben will ich

Nur zum Geschäfte

15 Von seiner Liebe

Von heut' an machen

Ich dencke seiner

Mir blutet's Herz.

Kraft hab ich keine

20 Als ihn zu lieben

So recht im Stillen.

Was will das werden

Will ihn umarmen,

Und kann es nicht.

~


134

Transkription

[149]

5

Ein Spiegel er ist mir geworden,

Ich sehe so gerne hinein,

Als hinge des Kaysers Orden

An mir mit Doppelschein;

Nicht etwa selbstgefällig

Such ich mich überall;

Ich bin so gerne gesellig

Und das ist hier der Fall.

10

15

Wenn ich nun vorm Spiegel stehe,

Im stillen Wittwerhaus,

Gleich guckt, eh ich mich versehe,

Das Liebchen mit heraus.

Schnell kehr ich mich um, und wieder

Verschwand sie die ich sah,

Dann blick' ich in meine Lieder

Gleich ist sie wieder da.

20

Die schreib' ich immer schoener

Und mehr nach meinem Sinn

Troz Krittler und Verhöhner

Zu täglichem Gewinn,

Ihr Bild in reichen Schranken

Verherrlichet sich nur,

In goldnen Rosenrancken

und Rähmchen von Lasur

"'--y---I


Transkription

135

[150]

Wie! Mit innigstem Behagen,

Lied, empfind ich deinen Sinn!

Liebevoll, du scheinst zu sagen:

Daß ich Ihm zur Seite bin.

5

Daß Er ewig mein gedencket.

Seiner Liebe Seligkeit

Immerdar der Fernen schenket,

Die ein Leben Ihm geweiht.

10

Ja! mein Herz, es ist der Spiegel,

Freund! wo rinn du dich erblickt,

Diese Brust, wo deine Siegel

Kuss auf Kuss he rein gedrückt.

15

Süsses Dichten, lautre Wahrheit

Fesselt mich in Sympathie!

Rein verkörpert Liebesklarheit,

Im Gewand der Poesie

~

d. 23. Dec. 1815.


Transkription

[151]

Laß den Weltenspiegel Alexandern:

Denn was zeigt er? - Da und dort

Stille Völker, die er, mit den andern,

Zwingend TÜtteln möchte fort und fort.

5

Du! nicht weiter, nicht zu Fremdem strebe!

Singe mir, die du dir eigen sangst.

Dencke daß ich liebe daß ich lebe

Dencke daß du mich bezwangst.

[152]

5

Die Welt durchaus ist lieblich anzuschauen

Vorzüglich aber schoen die Welt der Dichter

Auf bunten, hellen, oder silbergrauen

Gefilden, Tag und Nacht erglaenzen Lichter.

Heut ist mir alles herrlich, wenns nur bliebe,

Ich sehe heut durchs Augenglas der Liebe.

W. d. 7. Febr.

181 5.


Transkription

137

[153]

Reicher Blumen goldne Rancken

Sind des Liedes würdge Schrancken,

Goldneres hab ich genossen

Als ich Euch in's Herz geschlossen.

5

Goldner glänzten stille Fluthen

Von der Abendsonne Gluthen,

Goldner blinckte Wein zum Schalle

Glockenähnlicher Crystalle.

10

Weisen Freundes gold ne Worte

Lispelten am Schatten Orte,

Edler Kinder treu Bekänntniss,

Elterliches Einverständniss.

15

Goldnes Netz das euch umwunden!

Wer will dessen Werth erkunden?

Wie dem heil gen Stein der Alten

Muß sich Golde Gold entfalten.

20

Und so bringt vom fernen Orte

Dieses Blat euch goldne Worte,

Wenn die Lettern schwarz gebildet

Liebevoll der Blick vergüldet.

~

d. 12. Febr.

18 15.


Transkription

[154]

5

Schreibt er in Nessky

So sagt er's treulich,

Schreibt er in Talik

'S ist gar erfreulich,

Eins wie das andre,

Genug er liebt.


Transkription

139

[155]

5

10

15

Nicht mehr auf Seidenblat

Schreib' ich symmetrische Reime,

Nicht mehr faß ich sie

In goldne Rancken;

Dem Staub, dem beweglichen, eingezeich[ n Jet

Überweht sie der Wind, Aber die Kraft besteht,

Bis zum Mittelpunct der Erde

Dem Boden angebannt.

Und der Wandrer wird kommen,

Der Liebende.

Betritt er

Diese Stelle, ihm zuckts

Durch alle Glieder.

»Hier! Vor mir liebte der Liebende.

War es Medschnun der zarte?

Ferhad der kräftige? Gemil der daurende ?

Oder von jenen tausend

G lücklich= Unglücklichen Einer?

Er liebte! Ich liebe wie er,

Ich ahnd' ihn!«

20

25

Suleika du aber ruhst

Auf dem zarten Polster,

Das ich dir bereitet und geschmückt.

Auch dir zuckts aufweckend durch die Glieder:

»Er ist der mich ruft, Hatem.

Auch ich rufe dir, 0 Hatem! Hatem!«

~


Transkription

[156]

5

10

15

Lasst mich weinen! umschraenkt von Nacht,

In unendlicher Wüste.

Camele ruhn, die Treiber desgleichen,

Rechnend still wacht der Armenier;

Ich aber, neben ihm, berechne die Meilen

Die mich von Suleika trennen, wiederhole

Die wegeverlängernden Aergerlichen Krümmungen.

Laßt mich weinen! das ist keine Schande:

Weinende Männer sind gut.

Weinte doch Achill um seine Brisels!

Xerxes beweinte das unerschlagene Heer,

Über den selbstgemordeten Liebling

Alexander weinte.

Laßt mich weinen!, Thraenen beleben den Staub,

Schon grunelts.

'-v---I

[157]

Hudhud auf dem Palmen=Steckchen,

Hier im Eckchen,

Nistet äuglend, wie charmant!

Und ist immer vigilant.

'-v---I

[158]

Hudhud auf dem Palmensteckchen,

Hier im Eckchen,

Nistet, äugelnd, wie charmant!

Und ist immer vigilant.

'-v---I


Transkription

[159J

Hudhud erklaert eine räthselhafte

Stelle.

5

Der Mahler wagts mit Götterbildern,

Sein höchstes hat er aufgestellt

Doch was er für unmöglich hält:

Dem Liebenden die Liebste schildern,

Er wag es auch! Ein Traum wird frommen,

Ein Schattenbild es ist willkommen

~

[160]

Hudhud, als einladender Bote.

5

Dich beglückte ja mein Gesang

Nun dräng er gern zu dir in's Ferne.

Ich singe Morgen und Abend entlang,

Sie sagen: Besser! Das hör ich gerne

Kommt auch ein Blat von Zeit zu Zeit,

Bringt einen Gruß, laß dich nicht stören!

Aber ist denn Bagdad so weit?

Willst du mich gar nicht wieder hören?

~

[161]

Hudhud erbittet ein Neujahrsgeschenck,

räthselweise.

5

Ein Werckzeug ist es alle Tage nöthig,

Den Männern weniger, den Frauen viel,

Zum treusten Dienste gar gelind erbötig,

Im Einen vielfach, spitz und scharf, sein Spiel

Gern wiederholt; wobey wir uns bescheiden:

Von aussen glatt, wenn wir von innen leiden.

Doch Spiel und Schmuck erquickt uns nur aufs neue,

Erhielt das Werkzeug erst gerechte Weihe.

~

Dec.


Transkription

[162 a]

Schoen und köstlich ist die Gabe

Wohlenträtselt das Verlangen,

Daß die Weihe sie empfangen

Bleibet aber ungewiss.

5

Waere das nicht nachzubringen?

Was Er sittsam nicht entraubte,

Wenn Sie sichs nun selbst erlaubte!!

Hudhud geh und melde dies.

[162 b]

Schoen und koestlich ist die Gabe

Wohlenträthselt das Verlangen;

Daß die Weihe sie empfangen

Bleibet aber ungewiß.

5

Waere das nicht nachzubringen?

Was er sittsam nicht entraubte

Wenn Sie sich's nun selbst erlaubte!

Hudhud, geh und melde dies.

"--.r---'

Oculi. 1820.


Transkription

143

[163]

Hatem und Suleika

"--.r---'

5

Hudhud sprach: mit Einem Blicke

Hat sie alles mir vertraut

Und ich bin von Eurem Glücke

Immer wie ichs war erbaut.

Liebt ihr doch! - In Trennungs=Nächten

Seht wie sichs in Sternen schreibt:

Dass, gesellt zu ew'gen Mächten,

Glanzreich Eure Liebe bleibt.

[164]

Ach ich kann sie nicht erwiedern

Wie ich auch daran mich freue;

Gnüg es dir an mei[ nen] Lied[ ern,]

Meinem Herzen, meiner Treue.

[165]

Myrth' und Lorbeer hatten sich verbunden;

Moegen sie vielleicht getrennt erscheinen,

Wollen sie, gedenckend seliger Stunden,

Hoffnungsvoll sich abermal vereinen.

d. r8 Octbr. r823

"--.r---'


144

Transkription

[166]

Sakiname

'---.r---J

Das Schenckenbuch

'---.r---J

[167]

5

Sitz ich allein

Wo kann ich besser seyn ?

Meinen Wein

Trinck ich allein,

Niemand setzt mir Schrancken,

Ich hab so meine eigne Gedancken

'---.r---J

[168]

Soweit bracht es Muley der Dieb,

Daß er truncken schoene Lettern schrieb.

'---.r---J


Transkription

[169]

5

10

Ob der Koran von Ewig[k]eit sey?

Darnach frag ich nicht!

Ob der Koran geschaffen sey?

Das weiß ich nicht!

Daß er das Buch der Bücher sey

Glaub ich aus Mosleminen Pflicht.

Daß aber der Wein von Ewigkeit sey

Daran zweifl' ich nicht.

Oder daß er vor den Engeln geschaffen sey

Ist vielleicht auch kein Gedicht.

Der Trinckende, wie es auch immer sey,

Blickt Gott frischer ins Angesicht

~

2o.May

181 5.

[170]

5

Trunken müssen wir alle seyn!

Jugend ist Trunkenheit ohne Wein;

Trinkt sich das Alter wieder zu Jugend;

So ist es wundervolle Tugend.

Für Sorgen sorgt das liebe Leben,

Und Sorgenbrecher sind die Reben.

[171]

5

Da wird nicht mehr nachgefragt!

Wein ist ernstlich untersagt.

Soll denn doch getrunken seyn,

Trinke nur vom besten Wein:

Doppelt wärest du ein Ketzer

In Verdammniß um den Krätzer


146

Transkription

[172]

Buchstabe Nun

XXV Gasele

5

So lang man nüchtern ist

Gefällt das Schlechte,

Wie man getrunken hat

Weis man das Rechte,

Nur ist das Übermaas

Auch gleich zuhanden

Hafis 0 lehre mich

Wie du's verstanden.

10

15

Denn meine Meinung ist

Nicht übertrieben:

Wenn man nicht trinken kann

Soll man nicht lieben;

Doch sollt ihr Trinker euch

Nicht besser dünken,

Wenn man nicht lieben kann

Soll man nicht trinken.


Transkription

147

[173]

Suleika

Warum du nur oft so unhold bist?

5

Hatem

Du weißt daß der Leib ein Kerker ist,

Die Seele hat man hinein betrogen

Da hat sie nicht freye Ellebogen.

Will sie sich da und dorthin retten;

Schnürt man den Kerker selbst in Ketten,

Da ist das Liebchen doppelt gefährdet,

Deshalb sie sich oft so seltsam gebärdet.

Eisenach

d. 24 May

181 5.

[174]

5

Wenn der Körper ein Kercker ist,

Warum nur der Kercker so durstig ist?

Seele befindet sich wohl darinnen

Und bliebe gern vergnügt bey Sinnen.

Nun aber soll eine Flasche Wein

Frisch eine nach der andern herein.

Seele will's nicht länger tragen

Sie an der Thüre in Stücke schlagen.

~

Ff.27· May

181 5.


Transkription

[175]

Dem Kellner

~

Setze mir nicht, du Grobian,

Mir den Krug so derb vor die Nase!

Wer mir Wein bringt sehe mich freundlich an,

Sonst trübt sich der Eilfer im Glase.

Dem Schenken

5

Du zierlicher Knabe, du komm herein,

Was stehst du denn du auf der Schwelle?

Du sollst mir künftig der Schenke seyn,

Jeder Wein ist schmackhaft und helle.

~


Transkription

149

[176]

Schenke spricht.

Du, mit deinen braunen Locken

Geh mir weg verschmitzte Dirne!

Schenck' ich meinem Herrn zu Dancke

Nun so küsst er mir die Stirne.

5

Aber du, ich wollte wetten,

Bist mir nicht damit zufrieden,

Deine Wangen, deine Brüste

Werden meinen Freund ermüden.

10

Glaubst du wohl mich zu betrügen

Daß du jetzt verschämt entweichest?

Auf der Schwelle will ich liegen

Und erwachen wenn du schleichest.

~

Octbr 1814


15°

Transkription

[177]

5

10

15

20

Sie haben wegen der Trunckenheit

Vielfältig uns verklagt,

Und haben von der Trunckenheit

Lange nicht genug gesagt.

Gewöhnlich die Betrunckenheit

Verschwindet so wie es tagt;

Doch hat mich meine Betrunckenheit

In der Nacht umher gejagt.

Es ist die Liebestrunckenheit

Die mich erbärmlich plagt,

Von Tag zu Nacht von Nacht zu Tag

In meinem Herzen zagt.

Dem Herzen das in Trunckenheit

Der Lieder schwillt und ragt

Daß keine nüchterne Trunckenheit

Sich gleichzuheben wagt.

Es ist Lieb' und Weines Trunckenheit,

Obs nachtet oder tagt,

Die göttlichste Betrunckenheit,

Die mich entzückt und plagt.

Mich. r8r 5.


Transkr:iption

151

[178]

5

Du kleiner Schelm du,

Daß ich mir bewußt sey

Darauf kommt es überall an.

Und so erfreu ich mich

Auch deiner Gegenwart

Du allerliebster

Obgleich betruncken.

~

[179]

5

Was, in der Schencke, waren heute

Am frühsten Morgen für Tumulte?

Der Wirth und Mädchen, Fackeln, Leute!

Was gab's für Händel für Insulte?

Die Flöte klang, die Trommel scholl!

Es war ein wüstes Wesen.

Doch bin ich, Lust und Liebe voll

Auch selbst dabey gewesen.

10

Daß ich von Sitte nichts gelernt

Darüber tadelt mich ein jeder;

Doch bleib ich weislich weit entfernt

Vom Streit der Schulen und Catheder.

~

8 S. 1818


Transkription

[180]

Schencke.

Welch ein Zustand! Herr, so späte

Schleichst du heut aus deiner Kammer,

Perser nennen's Bidamag buden,

Deutsche sagen Katzenjammer.

5

Dichter

Laß mich jetzt geliebter Knabe

Mir will nicht die Welt gefallen,

Nicht der Schein, der Duft der Rose

Nicht der Sang der Nachtigallen.

10

Schenke

Eben das will ich behandlen

Und ich denck es soll mir klecken,

Hier genieß die frischen Mandeln

Und der Wein wird wieder schmecken.

15

Dann will ich auf der Terrasse

Dich rp.it frischen Lüften tränken,

Wie ich dich in's Auge fasse

Giebst du einen Kuss dem Schencken.

20

Schau! die Welt ist keine Höhle,

Immer reich an Brut und Nestern,

Rosenduft und Rosenoele!

Bulbul auch sie singt wie gestern.

~

Octbr 1814


Transkription

153

[181]

5

10

15

20

Jene garstige Vettel,

Die buhlerische,

Welt heißt man sie,

Mich hat sie betrogen

Wie die übrigen alle.

Glaube nahm sie mir weg,

Dann die Hoffnung,

Nun wollte sie

An die Liebe,

Da riß ich aus.

Den geretteten Schatz

Für ewig zu sichern

Theilt ich ihn weislich

Zwischen Suleika und Saki.

Jedes der beyden

Beeifert sich um die Wette

Höhere Zinsen zu entrichten.

Und ich bin reicher als je.

Den Glauben hab ich wieder!

An ihre Liebe den Glauben.

Er im Becher gewährt mir

Herrliches Gefühl der Gegenwart;

Was will da die Hoffnung!

~

25. 0 . 1 5.


Transkription

[182]

Schencke

Heute hast du gut gegessen

Doch du hast noch mehr getruncken,

Was du bey den Mahl vergessen

Ist in diesen Napf gesuncken.

5

Sieh, das nennen wir ein Schwänchen

Wie's dem satten Gast gelüstet,

Dieses bring ich meinem Schwane

Der sich auf den Wellen brüstet.

10

Doch vom Singschwan will man wissen

Daß er sich zu Grabe läutet;

Laß mich jedes Lied vermißen,

Wenn es auf dein Ende deutet

~

Octbr 1814


Transkription

155

[183]

Schenke

Nennen dich den großen Dichter

Wenn dich auf dem Marckte zeigest;

Gerne hör ich wenn du singest,

Und ich horche wenn du schweigest.

5

Doch ich liebe dich noch lieber

Wenn du küssest zum erinnern,

Denn die Worte gehn vorüber

Und der Kuß der bleibt im Innern.

10

Reim auf Reim will was bedeuten,

Besser ist es viel zu dencken.

Singe du den andern Leuten

Und verstumme mit dem Schencken

'---v---'

Octbr 1814


15 6

Transkription

[184]

5

10

Dichter.

Schencke komm! Noch einen Becher!

Schencke.

Herr, du hast genug getruncken,

Nennen dich den wilden Zecher!

Dichter.

Sahst du je daß ich gesuncken?

. Schencke

Mohamed verbietets.

Dichter

Liebchen!

Hört es niemand, will dir's sagen.

Schencke

Wenn du einmal gerne redest

Brauch ich gar nicht viel zu fragen.

Dichter

Horch! wir andre Musulmannen

Nüchtern sollen wir gebückt seyn,

Er in seinem heil gen Eifer

Möchte gern allein verrückt seyn.

~

W

23 Febr.

181 5.


Transkription

157

[185] Vs.

Saki

Denck, 0 Herr! wenn du getruncken

Sprüht um dich des Feuers Glast!

Prasselnd blitzen tausend Funcken

Und du weist nicht wo es fasst.

5

Mönche seh ich in den Ecken

Wenn du auf die Tafel schlägst

Die sich gleisnerisch verstecken

Wenn dein Herz du offen traegst.

10

Sag mir nur warum die Jugend

Noch von keinem Fehler frey,

So ermanglend jeder Tugend

Klüger als das Alter sey.

15

Alles weist du was der Himmel

Alles was die Erde traegt

Und verbirgst nicht das Gewimmel

Wie sich's dir im Busen regt.


Transkription

[185] Rs.

20

Hatem

Eben drum, geliebter Knabe

Bleibe jung und bleibe klug

Dichten zwar ist Himmelsgabe

Doch sich selbst und andern Trug.

Erst sich im Geheimniß wiegen

Dann verplaudern früh und spat!

Dichter ist umsonst verschwiegen,

Dichten selbst ist schon Verrath

'-.r---'


Transkription

I59

[186] 1. Vs.

Sommern acht

'--..r--'

Dichter

Niedergangen ist die Sonne

Doch in Westen glänzt es immer,

Wissen möcht ich wohl, wie lange

Dauert noch der goldne Schimmer?

Schenke

5

Willst du Herr so will ich bleiben,

Warten, ausser diesen Zelten,

Ist die Nacht des Schimmers Herrin,

Komm ich gleich es dir zu melden.

10

Denn ich weiß du liebst das Droben,

Das Unendliche zu schauen,

Wenn sie sich einander loben

Jene Feuer in dem Blauen.

15

Und das hellste will nur sagen

J etzo glänz ich meiner Stelle,

Wollte Gott euch mehr betagen

Glänztet ihr wie ich so helle.

20

Denn vor Gott ist alles herrlich,

Eben weil er ist der beste,

.Und so schläft nun aller Vogel

In dem gros und kleinen Neste.


160

Transkription

[186] 1. Rs.

Einer sitzt auch wohl gestängelt

Auf den Aesten der eypresse,

Wo der laue Wind ihn gaengelt

Bis zu Thaues luftger Nässe.

25

Solches hast du mich gelehret

Oder etwas auch dergleichen,

Was ich je dir abgehöret

Wird dem Herzen nicht entweichen.

30

Eule will ich, deinetwegen,

Kauzen hier auf der Terasse,

Bis ich erst des Nordgestirnes

Zwillings=Wendung wohl erpasse.

35

Und da wird es Mitternacht seyn,

Wo du oft zu früh ermunterst,

Und dann wird es eine Pracht seyn,

Wenn das All mit mir bewunderst.

Dichter

40

Zwar in diesem Duft und Garten

Tönet Bulbul ganze Nächte,

Doch du könntest lange warten

Bis die Nacht so viel vermöchte.

Denn in dieser Zeit der Flora,

Wie das Griechen=Volk sie nennet,

Die Strohwittwe, die Aurora

Ist in Hesperus entbrennet.


Transkription

161

[186] 2. Vs.

Sieh dich um! sie kommt! wie schnelle!

Ueber Blumenfelds Gelänge! -

Hüben hell und drüben helle,

Ja die Nacht kommt ins Gedränge.

50

Und auf rothen leichten Solen

Ihn, der mit der Sonn entlaufen,

Eilt sie irrig einzuhohlen

Fühlst du nicht ein Liebe=Schnaufen?

55

Geh nur, lieblichster der Söhne,

Tief in's Innre schlies die Thüren

Denn sie moechte deine Schoene

Als den Hesperus entführen.

~

Jena d. 16 Dec

1814.


Transkription

[187]

Der Schencke schläfrig.

So hab ich endlich von dir erharrt:

In allen Elementen Gottes Gegenwart.

Wie du mir das so lieblich gibst!

Am lieblichsten aber daß du liebst.

5

entschläft

~

[188a]

Hatem

5

Der schläft recht süß und hat ein Recht zu schlafen.

Du guter Knabe! hast mir eingeschenkt,

Vom Freund und Lehrer, ohne Zwang und Strafen,

So jung vernommen wie der Alte denckt.

Nun aber kommt Gesundheit holder Fülle

Dir in die Glieder daß du dich erneust.

Ich trincke noch, bin aber stille, stille,

Damit du mich erwachend nicht erfreust.

~


Transkription

[188 b]

5

Der schläft recht gut und hat ein Recht zu schlafen!

Du guter Knabe hast mir eingeschenckt;

Vom Freund und Lehrer, ohne Zwang und Strafen,

So jung vernommen wie der Alte denckt.

Nun aber kommt Gesundheit holder Fülle

Dir in die Glieder daß du dich erneust.

Ich trincke noch, bin aber stille, stille,

Damit du mich erwachend nicht erfreust.


Transkription

[189] 1. Vs.

5

10

15

20

25

Wo man mir guts erzeigt überall

'S ist eine Flasche Eilfer

Am Rhein, am Mayn und Necker

Man bringt lächle nd Eilfer

Hört man doch auch wohlthätige Nahmen

Wiederholt wie: Eilfer

Friedrich den zweyten zum Beyspiel

Als beherrschender Eilfer

Kannt wird noch immer genannt

Als anregender Eilfer

Mehrere Nahmen in der Stille

Nenn ich beym Eilfer

Von meinen Liedern sprechen sie auch

Rühmlich froh wie vom Eilfer

Trincken auf mein Wohl klingend mit mir

Alles im reinsten Eilfer.

Dies würde mich mehr freuen

Mehr als der Eilfer

Tränke nur Hafis auch der Würdig[e]

Trinck den Eilfer

Eilig steig ich zum Hades hinab

Wo vom Eilfer

Nüchterne Seelen nicht trincken

Sage den Eilfer

Eilig Hafis geh da droben stehet

Ein vollkommenes Glas Eilfer.


Transkription

[189] 1. Rs.

30

35

40

45

50

Das der Freund mir einschenkte

Der würdigste, der den Eilfer

Sich abspart damit ich reichlich genieße

Den vollkomenen Eilfer

Hafis jedoch eile denn zum Pfande

Bleib ich bis du geschlurft den Eilfer

An der Tagseite des Rheingaus

Wo verherrlicht der Eilfer

Ich an der Nach[t]seite hier schaudert

Den der gewohnt an Eilfer

Komme zurück Besonnener

Unbesonnen durch Eilfer

Daß ich Ahnherr dich grüße

Athmend noch Eilfer

Kehr ich zurück so Eifert die Freundin

Hat doch der Eilfer

Abermals dich niedergeworfe[n]

Truncken vom Eilfer

Lagst unempfindlich meinem Kose[ n]

Als wäre der Eilfer

Meinen Küssen vergleichbar

Meide den Eilfer

Und sie weis nicht daß du Hafis

An meiner Statt den Eilfer

Ausgeschlurft ich aus Liebe zu dir

Seelenlos dalag das soll nun der Eilfer

Alles haben gethan und verbro[chen]

Der unschuldige Eilfer


166

Transkription

[189] 2. Vs.

60

Liebchen aber sagt diesen Rival

Den Schenken den Eilfer

Neid ich wie des schwar[z]augigen Schenk[en]

Stets bereiten Eilfer

Hatem sieh mir ins Auge

Den Schencken den Eilfer

Laß sie fahren diese Küsse sie sind von heute

Was will der Eilfer

65

65

70

Denn ich mochte gar zu gern

Trincken den Eilfer

Wenn er alt ist denn gegenwärtig

Ist er allzu rasch und jung der Eilfer

Niemals möcht ich entbehren

Im Leben den Eilfer

Der soviel wuchs und gut

Anno eilf drum heißt er eilfer


Transkription

[189] 2. Rs. Sing es mir ein andrer nach

Dieses Lied vom Eilfer

Den[ n] ich sangs im Liebesrausch

Und berauscht vom Eilfer.

'---v---'


168 Transkription

[190] Wo man mir guts erzeigt überall

'S ist eine Flasche Eilfer

Am Rhein und Main, im N eckerthai,

Man bringt mir lächlend Eilfer.

5 Und nennt gar manchen braven Mann

Viel seltner als den Eilfer

Hat er der Menschheit wohlgethan

Ist immer noch kein Eilfer.

Die guten Fürsten nennt man so,

10 beynahe wie den Eilfer

Uns machen ihre Thaten froh

Sie leben hoch im Eilfer.

Und manchen Nahmen nenn ich leis

Still schöppelnd meinen Eilfer

15 Sie weiß es wenn es niemand weis

Da schmeckt mir erst der Eilfer

Von meinen Liedern sprechen sie

Fast rühmlich wie vom Eilfer

Und Blum und Zweige brechen sie

20 Mich kränzend und den Eilfer

Das alles wär ein grössres Heil

Ich theilte gern den Eilfer

Nähm Hafis auch nur seinen Theil

Und schlurfte mit den Eilfer

25 Drum eil ich in das Paradies

Wo leider nie vom Eilfer

Die G läubgen trinken. Sey er süs

Der Himmelswein ! Kein Eilfer

Geschwinde Hafis eile hin

30 Da steht ein Roemer Eilfer


Transkription

[191]

Buch der Parabeln

~

[192]

5

Vom Himmel sank, in wilder Meere Schauer,

Ein Tropfe bangend, graeslich schlug die Flut;

Doch lohnte Gott bescheidnen Glaubensmuth

Und gab dem Tropfen Kraft und Dauer.

Ihn schloss die stille Muschel ein

Und nun, zu ew' gern Ruhm und Lohne,

Die Perle glänzt an unsers Kaysers Krone,

Mit holdem Blick und mildem Schein.

~

[193]

5

Bulbuls Nachtlied, durch die Schauer,

Drang zu Allahs lichtem Throne,

Und dem Wohlgesang zu Lohne

Sperrt er sie in goldnen Bauer.

Dieser sind des Menschen Glieder.

Zwar sie fühlet sich beschränket;

Doch wenn sie es recht bedenket,

Singt das Seelchen immer wieder.

~


Transkription

[194]

5

Die Perle die der Muschel entrann

Die schoenste, hochgebohren,

Zum Juwelier dem guten Mann,

Sprach sie: ich bin verlohren!

Durchbohrst du mich; mein schoenes All

Es ist sogleich zerrüttet,

Mit Schwestern muß ich, Fall für Fall,

Zu Schlechten seyn geküttet.

10

»Ich dencke jetzt nur an Gewinn,

Du mußt es mir verzeihen:

Denn wenn ich hier nicht grausam bin,

Wie soll die Schnur sich reihen?«

~

[195]

5

10

Ich sah, mit Staunen und Vergnügen,

Eine Pfauenfeder im Coran liegen,

Willkommen an dem heil gen Platz!

Der Erdgebilde hoechster Schatz.

An dir wie an des Himmels Sternen

Ist Gottes Groesse im kleinen zu lernen.

Dass er, der Welten überblickt

Sein Auge hier hat aufgedrückt.

Und so den leichten Flaum geschmückt

Dass Könige kaum unternahmen

Die Pracht des Vogels nachzuahmen

Bescheiden freue dich des Ruhms,

So bist du werth des Heiligthums.

~

d 17 März

181 5.


Transkription

[196]

5

10

Ein Kayser hatte zwey Cassire,

Einen zum Nehmen, einen zum Spenden,

Diesem fiel's nur so aus den Händen,

Jener wußte nicht woher zu nehmen.

Der Spendende starb, der Herrscher wusste nicht gleich

Wem das Geber Amt sey anzuvertrauen,

Und wie man kaum thät um sich schauen,

So war der N ehmer unendlich reich,

Man wusste kaum vor Gold zu leben,

Weil man Einen Tag nichts ausgegeben.

Da ward nun erst dem Kayser klar

Was Schuld an allem Unheil war,

Den Zufall hat er wohl geschätzt

Die Stelle niemals wieder besetzt.

'--y---I

25 Febr 181 5.

[197]

5

Alle Menschen gros und klein

Spinnen sich ein Gewebe fein,

Wo sie mit ihrer Scheeren Spitzen

Gar zierlich in der Mitte sitzen.

Wenn nun darein ein Besen fährt,

Sagen sie es sey unerhört,

Man habe den groesten Pallast zerstört.

'--y---I

17. März

181 5.


Transkription

[198]

5

10

Vom Himmel steigend Jesus brachte

Des Evangeliums ewige Schrift,

Den Jüngern las er sie Tag und Nacht,

Ein göttlich Wort es wirkt und trifft.

Er stieg zurück, nahm's wieder mit.

Sie aber hatten's gut gefühlt

Und jeder schrieb, so Schritt vor Schritt,

Wie er's in seinem Sinn behielt

Verschieden.

Es hat nichts zu bedeuten:

Sie hatten nicht gleiche Fähigkeiten.

Doch damit können sich die Christen

Bis zu dem jüngsten Tage fristen.


'Transkription

173

[199]

5

10

15

Bey Mondenschein im Paradeis

Fand J ehovah im Schlafe tief

Adam versuncken, legte leis

Zur Seit' ein Evgen, das auch entschlief.

Da lagen nun, in Erde Schrancken,

Gottes zwey lieblichste Gedancken. -

Gut!!! Rief er sich zum MeisterLohn,

Er ging sogar nicht gern davon.

Kein Wunder daß es uns berückt

Wenn Auge frisch in Auge blickt,

Als hätten wir's so weit gebracht

Bey dem zu seyn der uns gedacht.

Und ruft er uns, wohlan! es sey!

Nur, das beding ich, alle zwey.

Dich halten dieser Arme Schrancken,

Liebster von allen Gottes Gedancken.

Eisenach.

d.24 May

181 5


174

Transkription

[200]

Wo kluge Leute zusammen kommen

Da wird erst Weisheit wahrgenommen.

So gab einst Sabas Königinn

Gelegenheit zum höchsten Sinn;

5

10

Vor Salomo, unter andern Schätzen,

Läßt sie eine goldene Vase setzen

Groß, reicher, unerhörter Zier,

Fischen und Vögeln und Waldgethier,

Worum sich krause Schnörkel häufen,

Als J akin und Boas an beyden Knäufen!

15

Sollt ein Knecht allzutäppisch seyn

Stöst eine wüste Beule hinein;

Wird augenblicks zwar reparirt,

Doch feines Auge den Makel spürt,

Genuß und Freude sind nun genirt.

20

Der König spricht: Ich dacht es eben!

Trifft doch das Höchste das uns gegeben,

Ein allzugarstiger Schmitz darneben.

Es können die Eblis die uns hassen

Vollkommnes nicht vollkommen lassen.

~


Transkription

175

[201]

Buch des Parsen

~

[202]

5

10

Wenn der Mensch die Erde schätzet

Weil die Sonne sie bescheinet,

An der Rebe sich ergötzet

Die dem scharfen Messer weinet,

Da sie fühlt daß ihre Säfte

Wohl gekocht, die Welt erquickend,

Werden regsam vielen Kräften,

Aber mehreren erstickend;

Weis er das der Glut zu dancken

Die das alles läßt gedeihen;

Wird Betrunckner stammlend wancken,

Mässiger wird sich singend freuen.

~

Eisenach

d 24. May

181 5.

[203]

Buch des Paradieses

~


Transkription

[204] Vs.

Berechtigte Männer.

Nach der Schlacht von Bedr,

Unterm Sternhimmel,

Mahomet spricht.

"--v----J

Seine Todten mag der Feind betrauren:

Denn sie liegen ohne Wiederkehren;

Unsre Brüder sollt ihr nicht bedauern:

Denn sie wandeln über jenen Sphaeren.

5

Die Planeten haben alle sieben

Die metallnen Thore weit gethan,

Und schon klopfen die verklaerten Lieben

Paradieses Pforten kühnlich an.

10

Finden, ungehofft und überglücklich,

Herrlichkeiten, die mein Flug berührt,

Als das Wunderpferd mich augenblicklich

Durch die Himmel alle durchgeführt.

15

Weisheitsbaum an Baum cypresseragend

Heben Aepfel goldner Zierd empor,

Lebensbäume breite Schatten schlagend

Decken Blumensitz und Kraeuter Flor.

20

Und nun bringt ein süsser Wind von Osten

Hergeführt die Himmels Mädchen Schaar,

Mit den Augen fängst du an zu kosten,

Schon der Anblick sättigt ganz und gar.

Forschend stehn sie was du unternahmest?

Große Plane? fährlich blutigen Straus ?

Daß du Held seyst sehn sie weil du kamest,

Welch ein Held du seyst? sie forschen's aus.

25

Und sie sehn es bald an deinen Wunden,

Die sich selbst ein Ehrendenkmal schreibt.

Glück und Hoheit alles ist verschwunden

Nur die Wunde für den Glauben bleibt.


Transkription

177

[204] Rs.

30

Führen zu Chiosken dich und Lauben,

Säulenreich von buntem Lichtgestein,

Und zum edlen Saft verklärter Trauben

Laden sie mit Nippen freundlich ein.

35

Jüngling! mehr als Jüngling bist willkommen!

Alle sind wie alle licht und klar;

Hast du Eine dir ans Herz genommen;

Herrin, Freundinn ist sie deiner Schaar.

40

Doch die allertrefflichste gefällt sich

Keineswegs in solchen Herrlichkeiten,

Heiter, neidlos, redlich unterhält dich

Von den manigfaltgen andrer Trefflichkeiten.

Eine führt dich zu der andern Schmause,

Den sich jede äußerst aus ersinnt.

Viele Frauen hast' und Ruh im Hause,

Werth daß man darob das Paradies gewinnt.

45

Und so schicke dich in diesen Frieden:

Denn du kannst ihn weiter nicht vertauschen;

Solche Mädchen werden nicht ermüden,

Solche Weine werden nicht berauschen.

50

Und so war das wenige zu melden

Wie der selge Musulman sich brüstet.

Paradies der Männer Glaubenshelden

Ist hiemit vollkommen ausgerüstet.

'--y-------I

C.B. rr 9. r8r8.


Transkription

[205]

Auserwaehlte Frauen

~

Frauen sollen nichts verlieren,

Reiner Treue ziemt zu hoffen;

Doch wir wissen nur von vieren

Die aldort schon eingetroffen.

5

E[ r ]st Suleika, Erdensonne,

Gegen Jussuf ganz Begierde,

Nun, des Paradieses Wonne,

Glänzt sie der Entsagung Zierde.

10

Dann die Allgebenedeyte,

Die den Heiden Heil gebohren,

Und, getäuscht, in bitterm Leide,

Sah den Sohn am Kreuz verlohren.

15

Mahoms Gattin auch! Sie baute

Wohlfahrt ihm und Herrlichkeiten,

Und empfahl bey Lebenszeiten

Einen Gott und Eine Traute.

20

Kommt Fatima dann die Holde

Tochter, Gattin sonder Fehle,

Englisch allerreinste Seele

In dem Leib von Honiggolde.

Diese finden wir alldorten;

Und wer Frauen Lob gepriesen

Der verdient an ewigen Orten

Lustzuwandeln wohl mit diesen.


Transkription

179

[206] Vs.

Ferner sind alhier zu finden

Vier, die allerschönsten Frauen,

Daß, gereizt Sie anzuschauen,

Houris fürchten zu erblinden;

5

Die zur Freude gläubiger Soehne

In dem Jugendquell sich laben,

Und an ihrer eignen Schoene

Selbst ein ewig Muster haben.

10

Ahla, Herrin von Mizraim,

Ihr muß Gabriel sich neigen,

Rahel gaebe die Dudaim,

Ihr von Ferne nur zu gleichen.

15

Jussuf wäre mit Zuleicka

Nicht in Ewigkeit verbunden,

Immer wachte noch Iamleika

Wenn sie dies Gebild gefunden.

20

Miriam dann, der Jungfraun Krone,

Die den Logos aus ge bohren

Und zu reinen Glaubens Lohne

Nichts an ihrem Werth verlohren.

Dann Aischa, des Propheten

Liebstes ehlicher Gespiele.

Treu und kühn in Schmerz und N öthen,

Freylich auch ein Schalck wie viele.


180

Transkription

[206] Rs.

Und Fatima dann, die holde

Gattin Alis, sonder Fehle,

Wie ein Leib aus Honigsgolde

Um des reinsten Engels Seele.

30

Diese werden nur bewundert

In dem höchsten Himmelskreise,

Doch sind aehnliche zu Hundert

Freundlich dir im Paradeise

'---.r----'

d. 10 März

181 5


Transkription

[207 aJ

Einlaß.

"--v---'

Houri.

Heute steh ich meine Wache

Vor des Paradieses Thor,

Weis nicht grade wie ichs mache,

Kommst mir so verdächtig vor!

5

Ob du unsern Mosleminen

Auch recht eigentlich verwandt?

Ob dein Kämpfen, dein Verdienen

Dich an's Paradies gesandt?

10

Zählst du dich zu jenen Helden?

Zeige deine Wunden an!

Die mir rühmliches vermelden

Und ich führe dich heran.

15

Dichter

Nicht so vieles Federlesen !

Laß mich immer nur herein:

Denn ich bin ein Mensch gewesen

Und das heißt ein Kämpfer seyn.

20

Schärfe deine kräftgen Blicke!

Hier! - durchschaue diese Brust,

Sieh der Lebens=Wunden Tücke,

Sieh der Liebes=Wunden Lust.

Und doch sang ich gläubigerweise:

Daß mir Geliebte treu,

Daß die Welt, wie sie auch kreise,

Liebevoll und danckbar sey.


Transkription

25

Nein! du wählst nicht den Geringem;

Gieb, die Hand! Daß, Tag für Tag,

Ich an deinen zarten Fingern

Ewigkeiten zählen mag.

'-..r---'

Hof. 24 Apr. 1820.

[207b]

Mit den Trefflichsten zusammen

Wirkt ich, bis ich mir erlangt

Daß mein N ahme in Liebesflammen

Von den schönsten Herzen prangt.


Transkription

[208] Vs.

Anklang

~

5

10

Houri

Draussen am Ürte,

Wo ich dich zuerst sprach,

Wacht ich oft an der Pforte

Dem Gebote nach.

Da hoert ich ein wunderlich Gesäusel,

Ein Ton= und Sylbengekräusel,

Das wollte herein;

Niemand aber lies sich sehen,

Da verklang es, klein zu klein;

Es klang aber fast wie deine Lieder,

Das erinnr' ich mich wieder.

15

20

Dichter.

Ewig Geliebte! wie zart

Erinnerst du dich deines Trauten!

Was auch in irdischer Luft und Art

Für Töne lauten

Die wollen alle herauf.

Viele verklingen daunten zu Hauf;

Andre, mit Geistes Flug und Lauf,

Wie das Flügel=Pferd des Propheten,

Steigen empor und flöten

Draussen an dem Thor.

Kommt deinen Gespielen so etwas vor

So sollen sie's freundlich vermerken,


Transkription

[208] Rs.

25

30

Das Echo lieblich verstärken,

Daß es wieder hinunter halle.

Und sollen acht haben,

Dass in jedem Falle

Wenn Er kommt seine Gaben

Jedem zu Gute kommen;

Das wird beyden Welten frommen.

Sie mögens ihm freundlich lohnen

Auf liebliche Weise fügsam;

Sie lassen ihn mit sich wohnen.

Alle Guten sind genügsam.

35

Du aber bist mir beschieden,

Dich laß ich nicht aus dem ewigen Frieden.

Auf die Wache sollst du nicht ziehn,

Schick eine ledige Schwester dahin.

~


186

Transkription

[209] 1. Rs.

30

Nun war uns himmlisch Hochgebohrnen

Ein solch Betragen ganz zuwider,

Wir aufgewiegelten Verschwornen

Besannen uns schon hin und wieder;

Als der Prophet durch alle Himmel fuhr

Da passten wir auf seine Spur;

Rückkehrend hatt' er sich's nicht versehn,

Das Flügelpferd es mußte stehn.

35

40

Da hatten wir ihn in der Mitte!

Freundlich ernst, nach Propheten Sitte,

Wurden wir kürzlich von ihm beschieden;

Wir aber waren sehr unzufrieden.

Denn seine Zwecke zu erreichen

Sollten wir eben alles lencken,

So wie ihr dächtet sollten wir dencken,

Wir sollten euren Liebchen gleichen.

45

Unsere Eigenliebe ging verlohren,

Die Mädchen krauten hinter den Ohren,

Doch, dachten wir, im ewigen Leben

Muß man sich eben in alles ergeben.

50

Nun sieht ein jeder was er sah,

Und ihm geschieht was ihm geschah.

Wir sind die Blonden, wir sind die Braunen,

Wir haben Grillen und haben Launen,

Ja, wohl auch manchmal eine Flause;

Ein jeder denckt er sey zu Hause,

Und wir darüber sind frisch und froh

Daß sie meynen es wäre so.


Transkription

[209] 2. Vs.

60

Du aber bist von freyem Humor

Ich komme dir paradiesisch vor,

Du giebst dem Blick, dem Kuß die Ehre

Und wenn ich auch nicht Suleika waere.

Doch da sie gar zu lieblich war,

So glich sie mir wohl auf ein Haar.

65

Dichter.

Du blendest mich mit Himmels Klarheit,

Es sey nun Täuschung oder Wahrheit,

Gnug ich bewundre dich vor allen.

Um ihre Pflicht nicht zu versäumen,

Um einem Deutschen zu gefallen,

Spricht eine Houri in Knittelreimen.

70

75

Houri.

Ja, reim' auch du nur unverdrossen,

Wie es dir aus der Seele steigt!

Wir paradiesische Genossen

Sind Wort und Thaten reinen Sinns geneigt.

Die Thiere weißt du sind nicht ausgeschlossen,

Die sich gehorsam, die sich treu erzeigt!

Ein derbes Wort kann Houri nicht verdriessen,

Wir fühlen was vom Herzen spricht,

Und was aus frischer Quelle bricht,

Das darf im Paradiese fließen.

'---y--I

C.B. 10. May. 1820.

[209 a] 2. Rs.

Sing mir die Lieder an Suleika vor

Denn weiter wirst du's doch im Paradies nicht bringen.


188

Transkription

[210]

Houri.

Wieder einen Finger schlägst du mir ein!

Weißt du denn wieviel Aeonen

Wir vertraut schon zusammen wohnen?

5

Dichter

Nein! - Wills auch nicht wissen. Nein!

Mannigfaltiger frischer Genuss,

Ewig bräutlich keuscher Kuß!

Wenn jeder Augenblick mich durchschauert,

Was soll ich fragen wie lang es gedauert!

10

15

Houri

Abwesend bist denn doch auch einmal,

Ich merck es wohl, ohne Maas und Zahl.

Hast in dem Weltall nicht verzagt,

An Gottes Tiefen dich gewagt;

Nun sey der Liebsten auch gewärtig!

Hast du nicht schon das Liedehen fertig?

Wie klang es draussen an dem Thor ?

Wie klingts - Ich will nicht stärker in dich dringen,

Sing mir die Lieder an Suleika vor:

Denn weiter wirst du's doch im Paradies nicht bringen.

"-v----I


Transkription

[211]

Vier Thieren auch verheisen war

In's Paradies zu kommen,

Dort leben sie das ewge Jahr

Mit Heiligen und Frommen.

5

Den Vortritt hier ein Esel hat

Er kommt mit muntern Schritten:

Denn Jesus zur Propheten Stadt

Auf ihm ist eingeritten.

10

Halb schüchtern kommt ein Wolf sodann

Dem Mahomet befohlen:

Laß dieses Schaf dem armen Mann,

Dem Reichen magst du's holen.

15

Nun immer wedelnd, munter, brav,

Mit seinen Herrn den braven,

Das Hündlein das den Siebenschlaf

So treulich mitgeschlafen.

20

Abuherrire's Katze hier

Knurrt um den Herrn und schmeichelt:

Denn immer ist's ein heilig Thier

Das der Prophet gestreichelt.

d. 22. Febr.

18 15.


Transkription

[212] 1. Vs.

Sieben Schlaefer.

"-.r---'

5

10

Sechs begünstigte des Hofes

Fliehen vor des Kaisers Grimme,

Der als Gott sich lässt verehren

Doch als Gott sich nicht bewähret:

Denn ihn hindert eine Fliege

Guter Bissen sich zu freuen.

Seine Diener scheuchen, wedlend,

Nicht verjagen sie die Fliege.

Sie umschwärmt ihn, sticht und irret,

Und verwirrt die ganze Tafel,

Kehret wieder wie des hämischen

Fliegengottes Abgesandter.

15

20

25

Nun! so sagen sich die Knaben,

Sollt ein Flieglein Gott verhindern ?

Sollt ein Gott auch trinken, speisen,

Wie wir andern. Nein! der Eine

Der die Sonn' erschuf, den Mond auch,

Und der Sterne Glut uns wölbte,

Dieser ist's, wir fliehn! - Die zarten

Leicht beschuht, beputzte Knaben

Nimmt ein Schaefer auf, verbirgt sie,

Und sich selbst in Felsenhöle.

Schaefershund er will nicht weichen,

Weggescheucht, den Fuß zerschmettert,

Draengt er sich an seinen Herren,

Und gesellt sich zum Verborgnen

Zu den Lieblingen des Schlafes.


Transkription

[212] 1. Rs.

30

Und der Fürst, dem sie entflohen,

Liebentrüstet, sinnt auf Strafen,

Weiset ab so Schwerdt als Feuer,

In die Höle sie mit Ziegeln

Und mit Kalk sie lässt vermauern.

35

40

45

Aber jene schlafen immer,

Und der Engel, ihr Beschützer,

Sagt, vor Gottes Thron, berichtend:

So zur Rechten, so zur Lincken

Hab ich immer sie gewendet,

Daß die Schoenen, jungen Glieder

Nicht des Moders Qualm verletze.

Spalten riß ich in die Felsen

Daß die Sonne, steigend, sinkend,

Junge Wangen frisch erneute.

Und so liegen sie beseligt. -

Auch, auf heilen Vorderpfoten,

Schläft das Hündlein süßen Schlummers.

50

Jahre fliehen, Jahre kommen

Wachen endlich auf die Knaben

Und die Mauer, die vermorschte

Altershalben ist gefallen.

Und Jamblika sagt, der Schoene,

Ausgebildete vor allen,

Als der Schaefer fürchtend zaudert:

Lauf ich hin! und hol euch Speise,

Leben wag ich und das Goldstück.


Transkription

I93

[212] 2. Rs.

85

Der Urenekel Sehaar umgiebt ihn,

Als ein Volck von tapfern Männern,

Ihn den jüngsten zu verehren.

Und ein Merkmal übers andre

Dringt sich auf, Beweiß vollendend;

Sich und den Gefärten hat er

Die Persönlichkeit bestätigt.

90

95

Nun, zur Höle kehrt er wieder,

Volck und König ihn geleiten. -

Nicht zum König nicht zum Volcke

Kehrt der Auserwählte wieder:

Denn die Sieben, die von lang' her,

Achte waren's mit dem Hunde,

Sich von aller Welt gesondert,

Gabriels geheim Vermögen

Hat, gemaes dem Willen Gottes,

Sie dem Paradies geeignet,

Und die Hoele schien vermauert.

Jena

Ende Dec. 1814

- May. 1815.

Wiesb.


Transkription

I93

[212] 2. Rs.

85

Der Urenckel Schaar umgiebt ihn,

Als ein Volck von tapfern Männern,

Ihn den jüngsten zu verehren.

Und ein Merkmal übers andre

Dringt sich auf, Beweiß vollendend;

Sich und den Gefärten hat er

Die Persönlichkeit bestätigt.

90

95

Nun, zur Höle kehrt er wieder,

Volck und König ihn geleiten. -

Nicht zum König nicht zum Volcke

Kehrt der Auserwählte wieder:

Denn die Sieben, die von lang' her,

Achte waren's mit dem Hunde,

Sich von aller Welt gesondert,

Gabriels geheim Vermögen

Hat, gemaes dem Willen Gottes,

Sie dem Paradies geeignet,

Und die Hoele schien vermauert.

Jena

Ende Dec. 1814

- May. 1815.

Wiesb.


Transkription

[212] 2. Vs.

Ephesus, gar manches Jahr schon,

Ehrt die Lehre des Propheten

Jesus. (Friede sey dem Guten)

60

65

Und er lief, da war der Thore

Wart und Thurn und alles anders.

Doch zum nächsten Beckerladen

Wandt er sich nach Brot in Eile. -

Schelm! So rief der Becker, hast du

Jüngling, einen Schatz gefunden!

Gieb mir, dich verräth das Goldstück,

Mir die Hälfte zum Versöhnen!

Und sie hadern - Vor den König

Kommt der Handel; auch der König

Will nur theilen wie der Becker.

70

75

80

Nun bethätigt sich das Wunder,

Nach und nach, aus hundert Zeichen.

An dem selbsterbauten Pallast

Weiß er sich sein Recht zu sichern.

Denn ein Pfeiler durchgegraben

Führt zu scharfbenamsten Schätzen.

Gleich versammlen sich Geschlechter

Ihre Sippschaft zu beweisen.

Und als U rurvater prangend

Steht Jamlikas Jugendfülle.

Wie von Anherrn hört er sprechen

Hier von seinem Sohn und Enckeln.


194 Transkription

[213] Gute Nacht!

'--.r--'

Nun so legt euch liebe Lieder

An den Busen meinem Volcke

Und in einer Moschus Wolcke

Hüte Gabriel die Glieder

5 Des Ermüdeten gefällig,

Daß er frisch und wohlerhalten,

F roh wie immer, gern gesellig,

Möge Felsenklüffte spalten,

Um des Paradieses Weiten,

10 Mit Heroen aller Zeiten,

Im Genusse zu durchschreiten;

Wo das Schoene, stets das Neue,

Immer wächst nach allen Seiten,

Dass die Unzahl sich erfreue.

15 Ja, das Hündlein gar, das treue,

Darf die Herren hinbegleiten

~


Transkription 195

[214] Des deutschen

Divans

manigfaltige Glieder

'--v---'

I. Titel, Motto.

2. Verehrung.

3· Hegire.

4· Segenspfänder.

5· Talismane, Amulete

Abraxas und Siegel.

6. Vier Gnaden.

7. Talismane pp

8. Anklage.

9· Fetwa.

10. Anerkennung

11. Fetwa.

12. Goenner, Foerderer

Dolmetscher.

13· Hafis Dichtercha[ ra ]cter.

14· Beynahme.

15· Kunstreime

16. Elemente

17· Urvater

18.

19· Liebe und Krieg

20. Seltnes Meteor.

21. Bunte Felder

22. Erinnerung

23· Schencke.

24· Schoen Bittende.

25· Blumensprache.

26. Locken und Zöpfe.

27· Locken

28. Liebende.

29· Caravane.

3°· Adam und Eva.

31. Tulbend

32. Gläubige Perle

33· Perle Widerspänstig.


Transkription

34. Koran und Becher

35. Pfauenfeder.

36. Ungewisses.

37. Unverborgnes.

38. Cassiere.

39. Selbstbehagen.

40. Rath

4 I. Übermacht und Gegner

42. Weltlauf.

43. Trunckenheit.

44. Geschärftes U rtheil.

45. Dichten.

46. Selbstgefühl.

47. Landsleute.

48. Rumi.

49· Ferdusi.

5°· Medschnun.

51· Handwerck.

52· Selbstopfer

53· Liebchen benamst.

54. Dichter benamst

55. Hudhud.

56. Kaysergaben.

57. Überboten.

58. Rosenoel.

59. Evangelium.

60. Gottesgedancken.

61. Nachtgespenster.

62. Abraxas.

63. Unhold.

64. Bulbul.

65. Vermächtniß.

66. Rebe.

67. Staub.

68. Unverwehrtes.

69. Liebchen.

70. Offenbar Geheimniß.

7 I. Prophetentruz.

72. Herrenrecht u. Dienstpflicht.

73. Herr und Herrin.


Transkription

197

74. Kellner und Schencke.

75. Des Schencken Eifersucht.

76. Schencke liebt.

77. Katzenjammer.

78. Schwänchen und Schwan.

79. Weinverbot.

80. Ergebung.

8 I. Wandrers Gemüthsruh.

82. Mystische Zunge

83. Widerruf.

84. Winter und Timur.

85. Dichtungsarten

86. Fünf Dinge unfruchtbar.

87. Fünf Dinge fruchtbar.

88. Gaensespiel.

89. Sommernacht.

90. Dichterglück

91. Einladung

92. Leidiger Trost.

93. Guter Tag.

94. Allgegenwärtige.

95. Alles Golden.

96.

97. Vier Frauen.

98. Vier Thiere

99. Siebenschläfer.

100. Gute Nacht.

Wiesbaden

d. 30 May

181 5. G.


KOMMENTAR


Abkürzungs- und Literaturverzeichnis 201

Abkürzungs- und Literaturverzeichnis

t\..t\..) = ~eI~e Goethes ) hg. von der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. -

West-östlicher Divan. Bd. 3: Paralipomena / bearb. von Ernst Grumach. Berlin 1952.

Abb. = Abbildung.

BB = Fondation Martin Bodmer, Bibliotheca Bodmeriana, Geneve-Cologny.

Bd. = Band.

BI. = Blatt.

Bosse (1994) = Anke Bosse, Drei verschollene Reinschriften zum >Wiesbadener RegisterFaksimile< = Goethes eigenhändige Reinschrift des west=östlichen Divan: Eine

Auswahl von 28 Blättern in Faksimile-Nachbildung / hg. und erl. von Konrad Burdach.

Weimar 191 I. (Schriften der Goethe-Gesellschaft, Bd. 26).

Burdach (1904) = Konrad Burdach: Die älteste Gestalt des West-östlichen Divans: (Vortrag

vom 19. Mai 1904). In: Ders.: Zur Entstehungsgeschichte des West-östlichen Divans: Drei

Akademievorträge / hg. von Ernst Grumach. 2., durchges. Aufl. Berlin 1959. S.7-50.

Burdach (19II) = Konrad Burdach: Die älteste Gestalt des West-östlichen Divans - Zweite

Untersuchung: (Vortrag vom 18. Mai 191 I) / hg. von David Lee. In: Goethe-Jahrbuch. Bd.

104. Weimar 1987. S.270-300.

Burdach (1916) = Konrad Burdach: Der hundertgliedrige Divan des Wiesbader Registers:

(Vortrag vom 23. November 1916). In: Ders.: Zur Entstehungsgeschichte des West-östlichen

Divans: Drei Akademievorträge / hg. von Ernst Grumach. 2., durchges. Aufl. Berlin

1959. S. 51-72.

Burdach (1930) = Konrad Burdach: Die Anordnung des Wiesbader West-östlichen Divans:

(Vortrag vom 8. Mai 1930). In: Ders.: Zur Entstehungsgeschichte des West-östlichen Divans:

Drei Akademievorträge / hg. von Ernst Grumach. 2., durchges. Aufl. Berlin 1959.

S·73- 103·

Cl = Goethe's Werke: Vollständige Ausgabe letzter Hand. Fünfter Band: Unter des durchlauchtigsten

deutschen Bundes schützenden Privilegien. Stuttgart und Tübingen, in der

J. G. Cotta'schen Buchhandlung, 1827. (Kleinoktav = »Taschenausgabe«).

C 3 = Wie cl, aber 1828. (Großoktav = »Octavausgabe«).

Chron WGV = Chronik des Wiener Goethe-Vereins.

DD = Der 53 Nummern enthaltende »Deutsche Divan« vom Jahresende 1814.

Ders. = Derselbe

E = West=oestlicher Divan von Goethe. Stuttgard, in der Cottaischen Buchhandlung 1819.


202

Abkürzungs- und Literaturverzeichnis

ebd. = ebenda.

erg. = ergänzt.

FA = Johann Wolfgang Goethe, West-östlicher Divan. Hg. von Hendrik Birus. Frankfurt am

Main, Deutscher Klassiker Verlag, 1994.

FDH = Freies Deutsches Hochstift, Frankfurter Goethe-Museum, Frankfurt am Main.

Fundgruben = Fundgruben des Orients / bearb. durch eine Gesellschaft von Liebhabern. Auf

Veranstaltung des Herrn Grafen Wenceslaus Rzewusky. [Hg. von Joseph von Hammer.]

Bd. 1-6. Wien 18°9-1818.

G. = Goethe.

gestr. = gestrichen.

GJb = Goethe-Jahrbuch der Goethe-Gesellschaft in Weimar.

GMD = Goethe-Museum, Anton-und-Katharina-Kippenberg-Stiftung, Düsseldorf.

Grumach (1967) = Ernst Grumach: Goethes Reinschrift der Hegire. In: Festschrift für Wilhelm

Eilers. Ein Dokument zur internationalen Forschung zum 27. September 1966, hg. v. Gernot

Wiessner, Wiesbaden 1967, S. 536-545.

GSA = Stiftung Weimarer Klassik, Goethe- und Schiller-Archiv.

Hg. = Herausgeber

hg. = herausgegeben

Hs. = Handschrift.

Hammer-Hafis = Der Diwan von Mohammed Schemsed=din Hafis. Aus dem Persischen zum

erstenmal gani übersetzt von J oseph v. Hammer, K. K. Rath und Hof-Dollmetsch ... 2 Tle.

Stuttgart und Tübingen (Cotta) 18I2h813 (= 1814).

JFDH = Jahrbuch des Freien Deutschen Hochstifts.

Kap. = Kapitel.

Lee = David Lee, Zum Stand der Wasserzeichenforschung in der Goethe-Philologie - mit besonderer

Berücksichtigung des >West-östlichen DivansArab. Welt< = Katharina Mommsen: Goethe und die arabische Welt. Frankfurt

am Main 1988.

Mommsen, >Diez< = Katharina Mommsen: Goethe und Diez: Quellenuntersuchungen zu Gedichten

der Divan-Epoche. Berlin 1961. 2. erg. Aufl. (Germanic Studies in America Vol. 67)

Bern 1995.


Abkürzungs- und Literaturverzeichnis 203

Mommsen, >Studien< = Momme Mommsen: Studien zum West-östlichen Divan. Berlin 1962.

Mommsen, >1001 Nacht< = Katharina Mommsen: Goethe und 1001 Nacht. Berlin 1960.

2. Aufl. Frankfurt am Main, 1981. (suhrkamp taschenbuch 674).

Morgenblatt = Morgenblatt für gebildete Stände. (1807 von Joh. Frdr. Cotta gegründete kulturelle

Tageszeitung).

NA = Noten und Abhandlungen zu besserem Verständniß des West-östlichen Divans.

Gerhard Neumann: »Lasst mich weinen ...«: Die Schrift der Tränen in Goethes West-östlichem

Divan. In: Oxford German Studies. Vol. 15. Oxford 1984. S.48-76.

Nr. = Nummer.

ÖNB = Österreichische Nationalbibliothek, Wien.

PML = The Pierpont Morgan Library, Heinemann Collection, New York.

Q = Goethe's poetische und prosaische Werke, 4 Teile in 2 Bdn., hg. v. Friedrich Wilhe1m Riemer

u. Johann Peter Eckermann, Stuttgart u. Tübingen 1836/37 (Bd. I: West-östlicher Divan,

1836). (>QuartausgabeInterpretation< = Wilhe1m Solms: Interpretation als Textkritik: Zur Edition des Westöstlichen

Divan. Heidelberg 1974.

Solms (1974) = Wilhe1m Solms: Goethes »Deutscher Divan« von 1814. In: Literaturwissenschaftliches

Jahrbuch / hg. im Auftrag der GÖrres-Gesellschaft. N. F. Bd. 15. Berlin 1974.

S·39-79·

Solms (1977) = Wilhe1m Solms: Goethes Vorarbeiten zum Divan. München, 1977. (Münchner

Germanistische Beiträge, Bd. 12).

Stadtarchiv Hannover = Stadtarchiv Hannover, Autografensammlung (ehern. Kestner-Museum).

Str. = Strophe.

Tgb. = Goethes Tagebuch zitiert nach: Goethes Werke / hg. im Auftrage der Großherzogin

Sophie von Sachsen. Abth. III: Tagebücher. 15 Bde. (in 16). Weimar 1887-1919.

Trunz (1980) = Erich Trunz: Die Sammelhandschriften von Goethes Gedichten. In: Ders.:

Weimarer Goethe-Studien. Weimar 1980. S. 77-84.

Universitätsbibliothek Leipzig = Universitätsbibliothek Leipzig, Sammlung Hirzel.

V. = Vers.

V s. = Vorderseite.


204 Abkürzungs- und Literaturverzeichnis

WA I = Goethes Werke / hg. im Auftrage der Großherzogin Sophie von Sachsen. Abth. I:

Werke. 55 Bde. (in 63). Weimar 1887-1918. (Auch zitiert WA)

WA IV = siehe Briefe Goethes zitiert nach ...

WD = Goethe, West-östlicher Divan.

Weitz, >Boisseree< = Sulpiz Boisseree : Tagebücher 1808-1854/ hg. im Auftrag der Stadt Köln

von Hans-J. Weitz. Bd. I: 1808-1823. Darmstadt 1978.

Weitz, >Willemer< = Marianne und JohannJakob Willemer, Briefwechsel mit Goethe: Dokumente,

Lebens-Chronik, Erläuterungen / hg. von Hans-J. Weitz. Frankfurt am Main 1986.

(insel taschenbuch 900).

WR = Das 100 Nummern enthaltende Wiesbadener Register von Ende Mai 1815 [214].

Z. = Zeile.

Orientalische Namen und Werktitel

in Goethes Schreibung und in moderner orientalistischer Umschrift

Chiser = al-J5.i


Kommentar 205

Kommentar

[1] Versammlung I deutscher Gedichte ... (GSA; Mitte links Hinweis auf Cl: Bd. 5. S. 29.)

Zählung oben links in roter Tinte: I. = Nr. des WR; dort als >Titel, Motto.< verzeichnet. Frühester

Titel mit G.s Angaben über Orte und Daten der heranwachsenden >DivanBuch Hafis< (vgl. [26]); zunächst noch

als Vorspruch des gesamten >Divan< konzipiert mit bedeutungsvoller Anspielung auf die mystische

Hochzeit von Hafis' Wort und dem schöpferischen Geist des >Divan Hafizen. -Z. 13-15 setzt Konrad Burdach, >FaksimileSuleikaDivan<

in Bücher. Am nächsten Tag fluchtartiges Verlassen Heidelbergs über Neckarelz, Würzburg,

Gotha; Ankunft in Weimar am II. Oktober. - G. »stilisierte« also Ende 1815 den Entstehungsvorgang

der >DivanVerehrung<

verzeichnet. Korrektur oben Mitte: Verehrung über durchstr. »Achtung«. - Das von

Burdach (WA I 6, 482) als »Widmung« bezeichnete Blatt, für das Wolfgang Lentz (S. 18) die

treffendere Bezeichnung» Huldigung« einführte, wurde vermutlich im Mai I 8 I 5 geschrieben.

G. fühlte das Bedürfnis, denjenigen Autoren und Werken aus pers., arab., hebr. und türk. Bereich

die gebührende Achtung zu erweisen, die ihn bis dahin - über Hafis hinaus - am meisten

inspiriert und für seine >Divan


206 Kommentar

Huldigung voranzustellen. In der Anordnung, die er seinen oriental. Vorbildern gibt, stehen

zuoberst in zwei Kolumnen zur Linken und Rechten vier jeweils mit einem Werk aufgeführte

pers. Dichter, wobei G. sich nicht an eine vorgegebene chronologische oder rangmäßige Abfolge

hielt, sondern zwei Mystikern den Vorrang ließ: an erster Stelle Mohamed Dschelal eddin

Rumi mit seiner »geistigen Doppelversdichtung« Methnewi, die hier über Firdusis Schah=

Nameh (>KönigsbuchBuch des

RatesGeschenk an die FreienHebräerBuch Kabus< zusammen das aus tatar.-türk. Bereich stammende >Buch

Oguz< als sittliche Sternbilder rühmt, die es fest im Auge zu haben gelte. - Mit allen hier erwähnten

Werken war G. im Mai 1815 ziemlich vertraut. Unter den im Tgb. vom 7. Dezember

1814 erwähnten »Persische[n] Manuskripte[n}< war ein sehr kostbares Exemplar des Methnewi.

Gegenüber Herzog earl August von Sachsen-Weimar bezeichnet G. es am 25. Januar

1815 als »ein wohl erhaltenes unvergleichliches Prachtstück persischer, handschriftlicher Art

und Kunst [...] das >Methnewi< des Mohammed Dschelal-eddin Rumi, ein Gedicht, welches

von den Sofis für das fürtrefflichste Buch nach dem Koran gehalten wird«. (Zum Gedicht

>Dschelaleddin Rumi I spricht< s. [76].) - Das Pend=nameh des Firadeddin ist eine Sammlung

moralischer Lehren, mit der G. sich eingehend beschäftigte, als er im Dezember 18 I 4 die

>Fundgruben< studierte, in deren 2. Bd. er eine franz. Prosaübersetzung von Silvestre de Sacy

fand. (Dadurch angeregt entstanden im Dezember 1814 >Fünf Dinge bringen fünfe nicht hervor

... Und was im Pend-Nameh steht ... Dscheläl-eddln Rumi< der NA über Ferid-eddin Attar Gesagte.) - Das große pers. Nationalepos

Schah=Nameh des Firdusi hat G. gleichfalls seit Dezember 1814 beschäftigt (s. [75] >Ferdusi

spricht< und das in den NA, Kap. >Ferdusi< über den ersten Klassiker der pers. Literatur

Gesagte). - Das epische Gedicht Tohfat = ahra des letzten der sieben Klassiker pers. Literatur,

Dschami, befand sich ebenfalls unter den im Tgb. vom 7. Dezember 1814 erwähnten »Persische[n]

Manuskripte[n]«. (G. W. Lorsbach übersetzte in seinem Gutachten vom 16. Dezember

1814 den Titel mit >Geschenk der Edlen< [!] und rühmte es als ein »im Orient sehr geschätztes

Werk«.) - Die Moallakat, die älteste im 8.Jh. zusammengestellte Anthologie von

sieben zumeist aus dem 6.Jh. stammenden arab. Kassiden, hatte G. bereits 1783 in der engl.

Übersetzung von William Jones kennengelernt und ins Deutsche zu übertragen begonnen.

Am Anfang der >DivanHegireAraber< der NA über die Moallakat Gesagte.) Von

Anfang an nahmen zahlreiche >DivanHans Adam war

ein ErdenklosHör und bewahre< [40]. - Mit dem Koran war G. seit 1772 vertraut;

zahlreiche Gedichte des WD wurden durch ihn inspiriert. - Die Kenntnis der zuletzt gerühmten

lehrhaften Bücher Kabus und Oguz verdankte G. den Übersetzungen des Berliner

Privatgelehrten Heinrich Friedrich von Diez aus dem Türkischen (zum >Buch Kabus< vgl. das


Kommentar 2°7

im Kap. >Von Diez< der NA ausführlich Gesagte); das Buch Oguz (>OgusenbuchDivanHammer-Hafis< 2, 484 aus: »Moganniname das Buch des Sängers«. Zur Erläuterung

seines eigenen Moganniname schrieb G. in der Anzeige des wo im >Morgenblatt< vom 24. Februar

18 I 6: » ... Der Dichter betrachtet sich als einen Reisenden. Schon ist er im Orient angelangt.

Er freut sich an Sitten, Gebräuchen, an Gegenständen, religiösen Gesinnungen und

Meinungen, ja er lehnt den Verdacht nicht ab, daß er selbst ein Muselmann sey. In solchen allgemeinen

Verhältnissen ist sein eignes Poetisches verwebt, und Gedichte dieser Art bilden das

erste Buch unter der Rubrik Moganniname, Buch des Dichters.«

Zwanzig Jahre lies ich gehn ... Datierung unbestimmt; vermutlich J an. 1815. - Das im WO

sehr seltene Wort ich deutet auf ein wichtiges autobiographisches Bekenntnis. Die Verse sind

geprägt vom islam. Geist des pers. Sängers Hafis, der voller Gelassenheit (lies ich gehn) und

aus tiefem Einverständnis mit dem, was ihm beschieden war - Begabung, Dichterweihe, Liebe,

Weisheit, innerer Friede, aber auch alles ihm bestimmte Leid -, als völlig schön gepriesen hatte,

obwohl sein Leben in eins der katastrophenreichsten Jahrhunderte fiel. Auch in G.s Leben

gab es keine Reihe von 20 Jahren, die völlig schön gewesen wäre. Im Gegenteil hatten die der

>Divan1001 Nacht< an, in der ein

Glückszustand mit genau »zwanzig Jahren« angegeben wird; nimmt man diese Quelle an, so

läge darin eine versteckte Anspielung auf G.s Verhältnis zu Carl August (vgl. Mommsen,

>1001 NachtKalifen< der

NA über die Barmekiden als Beschützer von Bildungsanstalten und Bewahrer der Dichtkunst

Gesagte. Mit der dortigen Formulierung »Zeit lokalen, lebendigen Wesens und Wirkens«

wäre u.a. auch G.s in der >Divan


208 Kommentar

der pers. Umschrift von »Moganniname« s. [3 a] in Moganni Nameh hatte der von G. vor der

Drucklegung von E. konsultierte Orientalist Johann Gotdr. Ludw. Kosegarten am 6. Januar

1818 veranlaßt; vgl. G.s Tgb. und Mommsen, >Diez< S. 325-333 (Kap. >Die persischen Bezeichnungen

der Divan-Bücher.Hegire< verzeichnet. Überschrift Hegire

und Titelklammer erst Ende Mai 1815 ergänzt, in jenem inhaltlichen Zusammenhang auch erst

die Korrektur V. 3 Flüchte> Eile. Die Änderungen V. 4 Patriarchenluft > Paradieses Luft und

V.6 Chisers > Kevsers im Zusammenhang mit der die Paradies-Thematik in gesteigerter Weise

aufnehmenden Schlußstrophe. Kevser bezieht sich auf den Paradiesquell pers. Mythologie

(»Kewßer«), von dem die Vorrede zu >Hammer-Hafis Himmelslehre, Erdensprachen ; V. 19 mischen> mengen;

V. 20 An Oasen mich erfrischen> Mich durch Blütenbüsche drängen, ; V. 21 Wenn mit

Caravanen wandle> Will mit Caravanen wandlen ; V. 22 handle> handlen. - Die Schriftzüge

von Str. 4 sind enger und steiler als die in breiterem Duktus geschriebenen der vorangehenden

Strophen, doch besteht kein zwingender Grund, mit Ernst Grumach (1967) anzunehmen,

Str. 4 sei erst nachträglich auf das Blatt geschrieben. Der Kustode Böse spricht eher dagegen,

da hier die Änderung von V. 25 auf der Rs. noch nicht durchgeführt ist: V. 25 Bösen Felsweg >

Böse Straßen - Burdach (1911) und Grumach (1967) nehmen an, die Schlußstrophe mit ihrer

engeren und kleineren Schrift sei eine gleichzeitig mit der horizontalen Klammer und Datierung

durchgeführte »spätere Zudichtung« (ob Stunden oder Tage später, sei ungewiß). -

Datierung: W[eimarj. d. 24 Dec.1 1814 . Demnach dichtete G. die Verse am Tag der Geburt

Christi, dem Beginn der abendländischen Zeitrechnung, und setzte später darüber den Titel

Hegire, der das Einsetzen der islamischen Zeitrechnung bezeichnet. Das ist symbolisch für

den gesamten WD. - Vorabdruck von V. 1-6 im >Morgenblatt< vom 24. Februar 1816, des ganzen

Gedichts im >Taschenbuch für Damen auf das Jahr 1817Segenspfänder< verzeichnet, ein

Titel, den G. von der Niederschrift dieser R an bis zum Druck der Ausgabe letzter Hand den

fünf Strophen geben wollte. Burdachs Behauptung von 1888 (WA I 6, 363), die Überschrift sei

»fehlerhaft«, ist unhaltbar, da Segenspfänder die denkbar beste Übersetzung von »Talismane«

ist und umgekehrt. Es gibt keine zwingenden Gründe, mit Burdach (1916), S. 57ff., den Titel

als »sonderbares Versehen« zu betrachten, von dem auch die folgende R betroffen sei; vgl. zu

Nr. [6]. Statt einen »Irrtum« G.s anzunehmen, sollte man die künstlerischen Gründe erwägen,

die für G.s Titelentscheidungen sprechen. Burdachs Hauptargument, die »Abraxas« könnten

unmöglich Segenspfänder heißen, wurde durch Mommsen, >Studien


Kommentar 2°9

genspfänder haben. - Unzutreffend ist auch die in WD-Kommentaren oft übernommene Datierung

der ersten Strophen durch Burdach (WA I 6,363), der G.s Tagebuchnotiz vom I. Jan.

181 5" »Amulete pp.« auf diese bezog. Doch können die Talisman- und Amulete-Str. nicht vor

dem 23. Febr. 1815 entstanden sein, weil ihnen eine Lektüre-Notiz zugrunde lag, der Exzerpte

vorausgingen, die aus einem erst an diesem Tage aus der Herzogl. Bibliothek entliehenen Buch

von Rehbinder stammten. G.s Notiz (aus >Fundgruben< IV, 155) lautet: »Talismane Steine'

Frauen am Gürtel' Busen' Amulete' Papiere' Als Sckapulir. umgeh. 'Männer.« - In Str. 1,2,

4 u. 5 charakterisiert G. vier Segenspfänder-Kategorien, zwischen denen genau in der Mitte die

Inschrift-Str. steht, nicht als weitere Kategorie, sondern als Verbindungs glied, da Talismane,

Amulete, Abraxas und Siegel bei aller sonstigen Verschiedenheit doch gemeinsam haben, Inschrift-Träger

zu sein. - Aus dem Umstand, daß Sulpiz Boissen!e in seinen Tagebuchnotizen

vom 3. Aug. 1815 zwar G.s Vorlesung von »Talismane, Amulete Abraxas Siegel-Ring der Araber«,

aber nicht »Inschrift« erwähnt, ergibt sich noch nicht zwangsläufig der daraus gezogene

Schluß, die Inschrift-Strophe sei erst nach dem 3. 8. 1815 entstanden, und so gibt es auch keinen

überzeugenden Grund für die Annahme, »die uns heute vorliegenden Reinschriftblätter«

- unsere Nr. [5] u. [6] - seien bei Herstellung des WR (Ende Mai I 81 5) »in ihrem jetzigen

Zustand noch nicht vorhanden gewesen«. (Burdachs Hypothese von 1888: WA 16, S. 363 und

Burdach (1916), S. 57ff.) Unsere Vermutung, daß die hier vorliegende R tatsächlich die ursprüngliche,

aus der Zeit des WR stammende ist, wird gestützt durch die auf den Nachmittag

des 28. Mai 1815 bezügliche Wiesbadener Tagebucheintragung G.s: »Talismane Amulete«. -

Korrektur: V. 19 Scapulire (Sofortkorrektur). - V. 30: die Unterstreichung unter Siegelring bezog

sich zunächst nur auf Siegel, erst später wurde sie bis -ring verlängert. Das spricht für die

Deutung, daß im Verhältnis zu allen unterstrichenen bzw. im Sperrdruck erscheinenden Worten

der Segenspfänder nicht »Siegelring«, sondern »Siegel« das Korrespondenzwort ist. - Zu

G.s nachträglicher Bleistiftnotiz unterhalb der Schlußakkolade: »Das sechste?« vermutet

Mommsen, >StudienTalismane werd' ich in dem

Buch zerstreuen .. < beziehen, der »als sechstes Teilstück« der Segenspfänder dort im Hinblick

auf die Gesamtexposition des WD »einen sehr sinnvollen Platz gefunden« hätte.

[6] Talismane, Amulete, Abraxas I Inschriften und Siegel I Gottes ist der Orient ...

(GSA) Zählung oben links in roter Tinte: 5. = Nr. des WR; dort verzeichnet als >Talismane,

Amulete' Abraxas und Siegel.< Überschrift und Gedichttext von R einheitlich in Tintenfarbe

und gleichmäßigem Fluß des Schriftcharakters. Diese ursprüngliche Überschrift mit ihrer

Wiederholung aller fünf in Segenspfänder gesperrt gedruckten Worte demonstriert das Ineinanderströmen

des ganzen reichen Inhalts bei der Gedichtgruppen und damit deren west-östlichen

Charakter. Der Titel war also keineswegs »sinnlos«, wie Burdach behauptete. Nichts

zwingt uns, mit Burdach (19 I 6), S. 57ff., anzunehmen, G. hätte in blinder Schusseligkeit beide

Gedichte - unsere Nr. [5] u. [6] - mit »verkehrten Titeln« versehen. - Bei der Erstveröffentlichung

im Morgenblatt vom 22. März 18 16 verkürzte G. den Titel zu Talismane, weil die dortigen

Leser das Gedicht Segenspfänder nicht kennen konnten, das die Voraussetzung zum

Verständnis des fünfteiligen Titels bildet. Beim Druck von E ließ G. zunächst die fünfteilige

Titelform von R setzen, doch veranlaßte ihn am 20. Juli 1819, unmittelbar nach Empfang des

ersten Exemplars von E, die verständnislose Reaktion des Jenaer Buchdruckers Johann Karl


210 Kommentar

Wesselhöft den Titel wiederum in Talismane zu verkürzen, was sogar den Neudruck eines

Viertelbogens mit S. 7110 nötig machte, der den schon ausgedruckten Exemplaren von E als

»Carton« beigelegt wurde. Damals erkannte G., daß er seine Leser geistig überfordert hatte.­

Die Anregung zu Gottes ist der Orient ... ging von Koran, Sure 2, V. 142 in der Hammerschen

Übersetzung aus: »Sag: Gottes ist der Orient, und Gottes ist der Okzident; I Er leitet wen er

will den wahren Pfad«, die als Motto allen >FundgrubenUeber die Talismane der MoslimenFundgruben< 4, 160ff. - Korrektur: V. 6 Will für> Will von. Mit Amen wählte der Dichter für

diesen west-östlichen» Talisman« ein Segenswort, das bis heute im jüdischen, christlichen und

islamischen Gottesdienst gebraucht wird.

Mich verwirren will das Irren ... enthält einen Anklang an den Koran, Sure 1. V. 5 f. (übersetzt

von Hammer in >Fundgruben< 4,1 58f.): »Wollst uns leiten auf geraden Pfad I Derer, denen du

nicht zürnend gnädig warst, und die nicht irren.« In der dritten Zeile wird die Fiktion durchbrochen,

als berichte G. nur von einem fremden Glauben und vorgefundenen Talismanen. In

Wahrheit spricht er von sich, von seinem Handeln und Dichten, vom >Divan


Kommentar

2II

das Höchste, das Göttliche, mit dem elementarsten aller vitalen Akte, dem Ein- und Ausatmen,

dem wechselnden Pulsschlag, der das vegetative Leben regelt, in Verbindung. Das kam

G.s Naturfrömmigkeit sehr nahe, deren verstandesmäßigen Unterbau Spinozas Deus-sivenatura-Lehre

bildete. Den Dank für das Gnadengeschenk der divina natura richten die Verse

an »die Gottheit selbst, die ... von früh bis spät in jedem Atemzug zugegen ist, christlich oder

pantheistisch, das macht wenig aus, und gut musulmanisch dazu«. (Werner Ross, >Atemtechnik

hochpoetischFrankfurter AnthologieTalismane, Amulete ... < [6]; s. dort. Diese als »Segenspfänder« gedachten

Schönschriften stammen vermutlich vom I. Januar 181 5. Die j eden Vers umgebenden U mrißlinien

erinnern an Koran-Kalligraphien (vgl. [14]), wo sie oft golden ausgemalt sind. Die blütenartigen

Schmuck elemente der 2. Kalligraphie erinnern gleichfalls an Koranhss., ebenso die

palmettenartige Skizze oben rechts, die auch als in die Höhe strebender Schmetterling gedeutet

werden kann und dadurch Assoziationen weckt mit >Selige Sehnsucht< [24] wie mit dem

»nach oben«-Dringen im 4. der >Talismane< [6]. In der für G. so bezeichnenden Symbolverbindung

von Wolken und aufwärtssteigendem Geist leiten die wolkenhaften Versumrahmungen

zu höheren Sphären über. So unterstreichen die bildhaften Mittel das Überirdische der aus

Propheten- und Poetenworten gebildeten »frommen Betrachtung« (G.s Bezeichnung des

Spruches im Brief an S. Boisseree vom 2. J an. 1815). Korrekturen in der 2. Skizze: V. 3 Südliches

> südliches; V. 4 Seiner> seiner.

[8] Ob ich Ird'sches denck' und sinne ... (FDH) Separates, in dt. Lettern geschriebenes

Blatt mit der 4. Strophe von [6]; s. dort. Datierung: 21. Apr[ilj 1825. Signiert:JWvGoethe. An

diesem Tage war G. so krank, daß ihn sein Arzt »verschiedene Mal« (Tgb) aufsuchte. Das »Segenspfand«

wurde vermutlich für die gleichfalls kranke Ulrike v. Levetzow geschrieben. Vgl.

den am 20. diktierten, am 22. abgesandten Brief an Amaliev. Levetzow. (WA IV 39,185 ff.)

[9] Laßt mich nur auf meinem Sattel gelten ... (BB; auf frühere Besitzer der R weisen I.

die Rs. mit folgendem Wortlaut auf angeklebter Pappe: »This poem was given to me by Goethe's

god-daughter Miss Melos who lived several months with me as governess. Her sister Ida

Melos married Freiligrath the poet. M. A. G.«; 2. der unter dem Gedicht zur Echtheitsbezeugung

von fremder Hand geschriebene Name »Goethe«; 3. ein Archivvermerk: »Laube, Juni

1938«) - Die Zählung oben links 5~' weist auf nachträgliche Einordnung ins WR, anschließend

an Nr. 5 >Talismane, Amulete, Abraxas und SiegelTalismane

pp.< durchaus, wie auch Burdach (19 I 6), S. 68, vermutet, Kurzgedichte wie diese mit

umschließen konnte. Das Argument, die Verse seien erst nach dem 3 o. Mai 181 5 entstanden,

weil das 100 Nummern umfassende WR sie nicht mit eigener Überschrift oder bezeichnendem

Merkwort nennt, ist nicht zwingend, da dort nur in Ausnahmefällen Gedichte von weniger als

zehn Zeilen unter besonderem Kennwort erscheinen. Die meisten derartigen Kurzgedichte

bezeichnete G. zum damaligen Zeitpunkt in scherzhaftem Understatement als »Beygänger

und kleine Dienerschaft« (an Christiane, 7. Juni 1815). Die Zählung 5~ ' bezeugt den ursprüng-


212 Kommentar

lichen Zusammenhang dieser und der folgenden Strophe mit >TalismaneMorgen blatt< bestätigt wird, wo die Verse als 6. Str. von

>Talismane< ohne eigene Überschrift erschienen. Erst nach diesem Datum taucht der Titel

>Freysinn< in E auf, wo die Verse ihren endgültigen Platz nach >$egenspfänder< fanden. - Undatiert.

-Angeregt durch eine G. seit Dezember 1814/Januar 1815 bekannte Quelle in >Fundgruben<

4,36: >Engelhudt's Besuch bei den Gilga-Inguschenüber seiner Mütze sehe er nur den HimmelMorgenblattTalismane< erscheinen (nach einer anderen Vorlage als der hier

faksimilierten R, denn die ersten Worte lauten: »Er hat uns ...«). In E unter der gemeinsamen

Überschrift >Freysinn< an 2. Stelle nach >Laßt mich nur auf meinem Sattel gelten ... Segenspfänder< und >Talismane


Kommentar 21 3

lage als R - : »Ich geb' sie von den frischen.«). - Angeregt wurde G. zu dem Gedicht durch

Lektüre von Chardin, >Voyage en PerseAbri Painting< in: >Studies in Memory of Gaston WietGottes ist der Orient< (s. dort).

[15] Was ist schwer zu verbergen? Das Feuer! (GMD) Zählung oben links in roter

Tinte: 37. = Nr. des WR; dort als >Unverborgnes< verzeichnet (im >Taschenbuch für Damen auf

das Jahr 1817< unter der Überschrift >Drey FragenGeständniß


21 4 Kommentar

[16] Buchstabe Sin I Gasele XIII lAus wievielen Elementen ... (GSA; oben links Hinweis

auf WA: VI, 14) Zählung oben rechts in dunkelbrauner Tinte: 7. [zunächst: 6.] (DD); oben

links keine Zahl in roter Tinte; doch verzeichnet das WR das Gedicht unter dem endgültigen

Titel >Elemente vergöttert. - Das W[eimarJ d. 22 Juli 1814.

datierte Original wurde vermutlich earl Friedrich Zelter im August während des gemeinsamen

Aufenthalts in Wiesbaden zur Vertonung überlassen. (Eine im GSA befindliche Zeltersehe

Abschrift mit Korrektur von G. enthält oben rechts nur die endgültige 7 ohne die durchgestrichene

frühere 6.) Anstelle eines Titels verweist die Überschrift auf eine Gasele in Hafis'

Diwan: >Buchstabe Sin I Gasele XIIIBuchstabe Sin< nur sechs Gaselen enthält. Unmittelbar auf diese

Gedichtgruppe folgt jedoch in >Hammer-Hafis< die Rubrik >Buchstabe SchinDer Geselligkeit

gewidmete Lieder< geschaffen in der Hoffnung, deren Tradition zu beleben und eine höhere

Form fröhlicher Geselligkeit herbeizuführen. Um solche durch gemeinsames Singen musisch

beschwingte Geselligkeit ging es auch Zelter bei seiner Berliner >LiedertafelDie LiedertafelLiederstoff<

und schrieb zur Begründung an G.: »Ich habe dem Liede den Namen: Liederstoff gegeben.

Ich würde es: Die vier Elemente genannt haben, wenn nicht Schiller eines unter diesem

Namen gemacht hätte.«)

[17] Buchstabe Dall I8te Gasele I Hans Adam war ein Erdenklos ... (BB) Zählung oben

links in Blei über Rasur: 17 [?], nicht von G.s Hand. Das im WR an 17. Stelle als >Urvater<

verzeichnete Gedichtblatt müßte oben links in roter Tinte die Zahl 17 getragen haben. Da

hier sowohl die rote als auch die schwarze Numerierung des DD oben rechts fehlt und das

Blatt nur 315 mm anstelle der für diese Art Folioblätter normalen 330 mm mißt, vermutet

David Lee (S. 140), daß ein 15 mm breiter Nummernstreifen aus Schönheitsgründen oben

vom Blatt abgetrennt wurde, ehe es veräußert oder verschenkt wurde. - Die Überschrift

Buchstabe Dall 18te Gasele weist auf Anregung durch >Hammer-Hafis< I, 233f. und verknüpft

das Gedicht deutlicher mit Hafis als der endgültige Titel in E: >Erschaffen und BelebenDie LiedertafelDer erste Mensch< gegeben. - Die Datierung unten links: Berka an der Ilm I d. 21.JII";

1814, führte dazu, daß Hans Adam war ein Erdenklos ... lange Zeit als älteste,s der durch Hafis

inspirierten Gedichte galt, weil die wenigen früher entstandenen >Divan


Kommentar

G. in der Frühzeit seiner Beschäftigung mit Hafis dessen Namen nicht auf der ersten, sondern

auf der zweiten Silbe betonte, bis er erfuhr, »dass im Namen Hafis ... die erste Sylbe lang, die

zweite kurz ist«. (Auskunft des Orientalisten Georg Wilhelm Lorsbach übermittelt durch

Heinrich Karl Abraham Eichstädt in Jena auf G.s Anfrage vom 2. November 1814; vgl. WA IV,

25,68; 357 zu Nr.6924 und G.s Tgb. vom 10. November 1814: »Hifis«.) Demnach dürfte die

hier faksimilierte R eine zwischen dem 10. November und Ende des Jahres 1814 geschriebene

Kopie sein.

[18] Phaenomen I Wenn zu der Regenwand ... (GSA; oben links Hinweis auf WA: VI, 17)

Zählung oben rechts: 11. (DD), rot durchstrichen; oben links: 20. = Nr. des WR: dort als >Seltnes

Meteor< verzeichnet. Die Überschrift Phaenomen und die ornamentale Abschlußklammer

- auch in der Tintenfarbe vom übrigen Text unterschieden - wurden wohl erst nach Anlage

des WR vom 3 o. Mai 181 5 geschrieben. Doch stand die Überschrift im Juni 18 I 6 fest, als

das Gedicht zum Vorabdruck im >Taschenbuch für Damen auf das Jahr 1817< an den Verleger

gesandt wurde. - Korrektur: V. I zu > an . - Die Datierung unten links: d. 25. Juli 1814. weist

auf den Abreisetag von Weimar. »Hafis. Herrlicher Tag«, lautet der erste Tgb.-Eintrag. Frühmorgens

fuhr G. - mit dem Diwan des Hafis als Reisebegleiter - zum Erfurter Tor hinaus in

Richtung Thüringer Wald, als das seltene meteorologische Phänomen des Nebelregenbogens

ihn als verheißungsvolles Omen überraschte. Die Verse gehören zu den auf der Fahrt entstandenen,

von denen G. noch am 11. März 1828 zu Johann Peter Eckermann sagte, damals »in der

glücklichen Zeit nach dem Befreiungskriege«, als die Gedichte des >Divan< ihn »in ihrer Gewalt

hatten, war ich produktiv genug, um oft an einem Tage zwei bis drei zu machen; und auf

freiem Feld, im Wagen oder im Gasthof, es war mir alles gleich«. An Christiane berichtete er

am 28.Juli 1814: »Den 25ten schrieb ich viele Gedichte an Hafis, die meisten gut.« Phaenomen

wurde vermutlich abends im Stadtschloß zu Eisenach, wo G. um 6 Uhr zur Übernachtung

eintraf, ins reine geschrieben.

[19] Was doch buntes dort verbindet ... (GSA; oben links Hinweis aufWA: VI, 18) Zählung

oben rechts: 12. (DD), rot durchstrichen; oben links: 21. = Nr. des WR; dort unter dem

Stichwort >Bunte Felder< verzeichnet. In E erhielt das Gedicht den endgültigen Titel >Liebliches den Höhen; V. 14 Die sich nachbarlich erstrecken, > Die

sich felderweis erstrecken, > Die um Erfurt sich erstrecken, ; V. 20 auf meinen Wegen> auf

meinem Wege; die Korrektur in V. I I Doch wie Hafis kommt> Doch wie kommt Hafis , mit

der G. den Akzent von der zweiten auf die erste Silbe verlegte, wurde erst nach dem 21. November

1814 durchgeführt (vgl. den Kommentar zu [17] >Buchstabe Dall 18te Gasele


216 Kommentar

gesgott drückt sich nicht nur in der farbenfrohen Schilderung der schönen Blumenwelt und

dem Wunsch der letzten Strophe aus, daß die Menschen stets so gescheit sein möchten, nuzzend

Blumenzierde zupflegen, sondern auch in der Fata-Morgana-haften Gegenwelt, die er in

der 2. Str. orientalisierend beschwört.

[20] Wenn links an Baches Rand ... (GSA; oben links Hinweis auf WA: VI, 19) Zählung

oben rechts: 10. (DD), rot durchstrichen; oben links: 19. = N r. des WR; dort unter dem provisorischen

Titel> Liebe u. Krieg< verzeichnet (in E: >ZwiespaltVision< steht.

(Über die Fahrtgedichte s. das zu [18] >Phaenomen< und [25] >Vision< Gesagte.) - Inspirierend

durch den als Hauptmotiv behandelten Wettstreit zwischen Kriegsgott und Liebesgöttin

wirkte die gleiche Gasele von Hafis, die am 22. Juli >Aus wievielen Elementen ... < angeregt

hatte (s. [16] >Buchstabe Sin I Gasele XIII I Aus wievielen Elementen ...


Kommentar 21 7

V. 20 Laß mich daß es grunelt riechen. > Kann ich daß es grunelt riechen. ; V. 24 Nach dem Boden>

Nach der Erde; V. 26 Komma erg. - Die Datierung unten links: d. 29 Juli 18141 Unterwegs

in der Nacht. weist die Verse als Reisegedicht aus. Informationen über die Entstehungsumstände

enthält das Tgb.: »[in Frankfurt a. M.] ... ein Gewitter thürmt sich auf. Um sechse

[abends] von Fr[ank]furt [abgefahren]. wenig Regen. Um eilf [Uhr nachts] in Wi[e]sbaden.

Zelter.1 Heiß.«

[24] Buch Sad. Gasele 1.1 Sagt es niemand, nur den Weisen ... (GSA) Anstelle eines Titels

verweist die Überschrift auf G.s Quelle (in >Hammer-Hafis< 2, 90f.), wodurch die Verknüpfung

mit der pers. Vorlage deutlicher hervortritt als nach der endgültigen Titelgebung. (Das

Motiv des in der Kerze verbrennenden Falters geht auf den pers. Märtyrer-Mystiker I;Iallädsch,

hingerichtet 922, zurück.) - Zählung oben rechts: 29. (DD). - Auf einer zweiten, kurz

nach diesem Blatt angefertigten R steht oben links in roter Tinte: 52. = Nr. des WR; dort als

>Selbstopfer< verzeichnet, während G. im >Taschenbuch für Damen auf das Jahr 1817< den Titel

>Vollendung< wählte, sich in E jedoch für >Selige Sehnsucht< entschied. - Korrektur: V. 7

fremde> neue. - Der Vermerk unten rechts: »w. B. heißt Wiesbaden I das Gedicht ist von Göthe's

Hand.« stammt von Zelter, dem G. das Blatt in Wiesbaden überließ. (Dessen Vertonung

in: >Die LiedertafelSelige Sehnsucht von Goethe und ZelterPhaenomenWenn

links an Baches Rand ... < (s. [20]) steht. Das bei der endgültigen Gestaltung des WD ausgeschlossene

Gedicht Vision wurde erst 1827 unter dem Titel >Der neue Copernicus< innerhalb

der Rubrik >Lyrisches< der >Ausgabe letzter Hand< (Cl 3,61 f.) veröffentlicht.

[26 a] Hafisname (GSA; oben links Hinweis auf WA: VI, 3 I) Titel und Vorspruch auf der V s.

des Foliobogens, der seit der Einteilung des WD in Bücher am 6. Oktober 1815 als Umschlag

für die zum >Buch Hafis< gehörenden Gedichte diente. Zählung oben rechts in Blei II bezieht

sich auf Buch lIdes WD. Den pers. Titel Ha/isname bildete G. analog zu dem bei >Hammer-


218 Kommentar

Hafis< vorgefundenen des ersten Buches >MoganninameMorgenblatt< vom 24. Februar 1816: »... Hierauf

folgt Hafisname, das Buch Hafis, der Characterisirung, Schätzung, Verehrung dieses

außerordentlichen Mannes gewidmet. Auch wird das Verhältniß ausgesprochen, in welchem

sich der Deutsche zu dem Perser fühlt, zu welchem er sich leidenschaftlich hingezogen äußert

und ihn der Nacheiferung unerreichbar darstellt.« - Der Vorspruch Sey das Wort die Braut genannt

... existierte mindestens seit Mai 1815, da G. ihn bereits in einem Briefkonzept an J 0-

hann Friedrich von Cotta vom 16. Mai 1815 zitiert. Ursprünglich sollte der nun als Motto

zum >Buch Hafis< bestimmte Vierzeiler dem gesamten Werk vorangestellt werden (s. [1], Z.

9-12). - Inspiriert wurde G. zu den Versen durch Hafis, Gasele Dal, CIX (>Hammer-Hafis< I,

367f.): »Keiner hat noch Gedanken I Wie Hafis entschleiert, I Seit die Locken der Wortbrautl

Sind gekräuselt worden.« (Dieselben Hafis-Verse hatte schon Hammer auf den Titelblättern

beider Übersetzungsbände als Motto verwendet.)

[26 b] Hafis N ameh I Buch Hafis (GSA) Revidierter Titel auf der V s. eines zweiten als

Umschlag für die Gedichte zum 11. Buch des WD dienenden Foliobogens mit dem endgültigen

Doppeltitel. Zählung oben Mitte in Tinte: II. Die pers. Umschrift von >HafisnameBeynahrne< verzeichnet. - Dichter über V. 1

und V. 14 und Hafis über V. 4 sind Sprechernamen. - Korrekturen: Titel Beynahme. > Zwiegeschpräch;

V. 3 Hafis Dich> Dich Hafis; V. 9 Komma gestr.; V. 14 Hafis drum> Drum Hafis

(diese Änderungen nach dem 21. November 1814; s. [17] >Buchstabe Dall 18te GaseleHammer-Hafis Musulmänner. - Datierung unten links: d. 10 März I 1815. - Inspiriert

wurde G. zu den Versen durch Koran, Sure 36 in Hammers Übersetzung (>Fundgruben<

3,23Iff.).

[29] Fetwa.1 Hafis Dichterzüge sie bezeichnen ... (GSA; oben links Hinweis auf WA: VI, 36)

Zählung oben rechts: 2. (DD), rot durchstrichen; oben links: 9. = Nr. des WR; dort als >Fetwa<

verzeichnet. - Korrekturen: Titel Fetwa. > Persisches Fetwa. (»Persisches« nachträglich zugesetzt

und - vermutlich Ende Mai - wieder getilgt, nachdem G. erkannt hatte, daß auch diese

Fetwa türkisch war wie [31].) - Datierung unten links: Berka juli.ljena Dec.1 1814. - Berka

juli beruht auf einem Irrtum, denn G. hielt sich im Juli nicht mehr in Berka, sondern - bis zu

seiner Abreise in die Rhein- und Maingegenden am 25.Juli - in Weimar auf. Zutreffend ist die

Erinnerung an Berka insofern, als die Anregung zu dem Gedicht von einem Werk, das G. zu-


Kommentar 21 9

erst in Berka las, ausging: >Hammer-Hafis< (I, XXXXIV). Die R des ganzen in einem Zuge geschriebenen

Blattes stammt indessen erst von Jena Dec.1 1814.

[30] Der Deutsche dankt. I Heiliger Ebusund, du hasts getroffen! (GSA) Ohne Unterstreichung

der Überschrift auf demselben Blatt wie die vorangehenden 13 Verse von >Fetwa.< einheitlich

im Dezember 1814 niedergeschrieben. Ursprünglich hat G. also beide im gleichen

Metrum verfaßten Teile als Teile ein und desselben Gedichts betrachtet. Doch fügte er am

29. Mai 1815 am Rande links die Zahl 10. = Nr. des WR hinzu; dort als >Anerkennung< verzeichnet.

[31] Fetwa I Der Mufti las des Misri Gedichte ... (GSA; oben links Hinweis auf WA: VI,

38) Zählung oben links: I I. = Nr. des WR; dort als >Fetwa< verzeichnet. - Ursprünglich

>Türkisches Fetwa< in einem Zuge als Titel geschrieben, später - vor dem 30. Mai 1815 -

»Türkisches« gestr. Weitere, wieder rückgängig gemachte Korrektur: V. 4 schoengeschriebne

> schoengeschmückte > schoengeschriebne . - Das undatierte Gedicht entstand zwischen

dem 25. Januar 1815, als earl Ludwig von Knebel ein Exzerpt aus Toderini, >Über die Litteratur

der TürkenHafis Dichtercha[ra]cter< verzeichnet

(in E: >UnbegrenztTaschenbuch für Damen auf das Jahr 1817< nur >Hafis< betitelt.

- Einziger Anhalt für die Entstehungszeit - vor 30. Mai 1815 - des auf >Hammer-Hafis Kunstreime< verzeichnet. - Korrektur: V. 5

begründen> ergründen. - Entstehungszeitlicher Anhalt - außer durch WR - in G.s am 7. Dezember

1814 in Jena geschriebenem T gb. die Notiz: »Hafis und Nachahmung.« (Unter dem

Titel >Nachbildung< veröffentlichte G. die Verse in E.)

[34] Zugemessne Rhytmen reizen freylich ... (GSA) Auf demselben Blatt wie das

vorausgehende >In deine Reimart hoff ich mich zu finden ... < Jene beiden ersten jambischen

Strophen werden durch einen Doppelstrich von der dritten, in trochäischem Rhythmus geschriebenen

getrennt. Die trochäische Str. erscheint als eine Einheit für sich; ihre »besondere

Überlieferung« ist auch durch eine weitere Hs. bezeugt (vgl. WA I 6, 377).

[35] Sie haben dich heiliger Hafis ... (GSA; oben links Hinweis auf WA: VI, 41) Zählung

oben rechts in Blei: 44., darüber in roter Tinte: 43. (DD), in anderer roter Tinte durchstrichen;

oben links: 82. = Nr. des WR; dort als >Mystische Zunge< verzeichnet (in E: >Offenbar Geheimnis


220 Kommentar

[36] Und doch haben die Recht die ich schelte ... (GSA; oben links Hinweis auf WA: VI,

42) Zählung oben rechts in roter Tinte: 44 (DD), in anderer roter Tinte durchstrichen; oben

links: 83 = Nr. des WR; dort als >Widerruf< verzeichnet; in E endgültig >Wink< betitelt. - Korrektur:

V. 1 Recht> recht; V. 4 Ausrufezeichen erg. und Zwischen> zwischen. - Undatiert,

nach [35] >Sie haben dich heiliger Hafis ... < im Dezember 1814 entstanden.

[37] An Hafis.1 Was alle wollen weist du schon ... (GSA; oben links Hinweis aufWA: VI, 43)

Korrekturen: über V. 1 Titel An Hafis. in Blei hinzugefügt; V 15 Gewölk> gewölkt ; V. 18 Wo

Lock' an Locke, kräuselnd> Wo Lock' die Locke kräuselnd> Wo sich die Locke kräuselt, .

- Datierung unten links: C[arls].B[ad}. I I Sep. 1818; unten rechts: G (im Tgb. notiert G. am

1 I. September 1818: »Hafisens Charackter«). - Das ganze Gedicht - ausgenommen Str. 7, 8

und 9 - ist mit Blei diagonal durchgestrichen. Nach Str. 7 ein Zeichen, das eine Ergänzung ankündigt,

doch fehlt diese auf dem Blatt, dem früher ein - nicht mehr auffindbarer - Zettel aufgeklebt

gewesen zu sein scheint. Das beidseitig beschriebene Blatt ist dreifach gefaltet, was

darauf deutet, daß es irgendwann einem Brief beigelegt war. Es fehlen dieser R Str. 8 (V. 29-32)

und Str. II (V. 45-48) der endgültigen Fassung. Diese wurde erstmals in E 1819 veröffentlicht,

und zwar innerhalb der NA, Kap. >Künftiger Divan. Das Buch HafisBuch HafisAus dem NachlaßBuch Hafis Rauschet

gleich (G.s Korrektur); V. 5 Komma von Eckermann erg.; V. 6 Komma in Semikolon von

Eckermann verändert; V. 8 Schwimmt's, ein morsches Holz. > Schwimmt es, morsches Holz.

(Eckermanns Korrektur); V. 12 Punkt in Ausrufezeichen von Eckermann verändert; V. 14

Punkt in Semikolon von Eckermann verändert. - Datierung unten links: d. 22 Dez I 1815.

Dennoch erst 1836 durch Eckermann und Friedrich Wilhelm Riemer in der Quartausgabe

veröffentlicht. Auf Hafis, dir sich gleich zu stellen ... trifft speziell zu, was G. in der Voranzeige

des WD im >Morgenblatt< vom 24. Februar 1816 zum >Buch Hafis< ankündigte: Hafis

werde dort »der Nacheiferung unerreichbar« dargestellt (vgl. zu [26 a]). Zum damaligen Zeitpunkt

scheint G. also noch an eine Veröffentlichung des Gedichts in E gedacht zu haben.

[39] Uschk Nameh I Das Buch der Liebe (GSA) Foliobogen als Umschlag für die zum

III. Buch des WD gehörenden Gedichte mit dem nach dem 6. Januar 1818 entstandenen endgültigen

Doppeltitel. Zählung oben Mitte in Tinte: III. Die Übersetzung von Buch der Liebe

ins Persische Uschk Nameh verdankte G. dem Orientalisten Kosegarten; vgl. Mommsen,

>Diez< S.325ff.: Die pers. Bezeichnung der Divan-Bücher. Ursprünglich hatte G., als er am

6. Oktober 1815 den >Divan< in Bücher einteilte, als Titel >Das Buch Suleika I 1.< vorgesehen.

Das zeigt der frühere, als Umschlag für diese Gedichtgruppe dienende, hier nicht reprodu-


Kommentar 221

zierte Foliobogen. Doch nahm G. die Änderung in Buch der Liebe schon vor, ehe die Anzeige

des WD im >Morgenblatt< vom 24. Februar 1816 das Buch folgendermaßen charakterisierte:

»Das Buch der Liebe, heiße Leidenschaft zu einem verborgenen unbekannten Gegenstand

ausdrückend. Manche dieser Gedichte verläugnen die Sinnlichkeit nicht, manche aber können

nach orientalischer Weise auch geistig gedeutet werden.«

[40] Hör und bewahre ... (GSA; oben links Hinweis auf WA: VI, 49) Zählung oben links

in roter Tinte: 28. = Nr. des WR; dort als >Liebende< verzeichnet (im >Taschenbuch für Damen

auf das Jahr 1817< unter dem Titel >LiebesmusterMusterbilder bringt (Blei); V. 9 Nur> Sind (Tinte auf Rasur); da; > da: (Tinte); V. 10 Medschnoun

> Megnoun (rote Tinte); V. 12 auf Schanbah. > und Schanbah, (Tinte); V. 15 f. später hinzugefügt,

da V. 16 über die frühere Schluß-Akkolade geschrieben wurde. - Das undatierte Blatt ist

aufgrund des Hinweises aufWR vor dem 30. Mai 1815 zu datieren. In der Schreibung der Namen

folgt G. hier Antoine Leonard de Chezys Übersetzung von Dschamis >Megnoun und

Leilah< und Herbelots >Bibliotheque orientaleNoch ein PaarBuch der Liebe< nicht mehr rechtzeitig fertig wurde, darum zunächst (ISI9) nur in NA, Kap.

>Künftiger Divan, Buch der Liebe< - ohne Überschrift - veröffentlicht.

[41] Lesebuch I Wunderlichstes Buch der Bücher ... (Bremen; aus dem Nachlaß des Bibliotheksschreibers

Johann Michael Färber) Ursprünglich als Reinschriftblatt angelegt, dann seiner

Änderungen wegen - nach Schreiberabschrift für die Druckvorlage - vertikal eingerissen

und ausgeschieden. Im Reinschriftcorpus existiert kein Blatt des Gedichts. - Die Überschrift

Lesebuch (= Titel in E) nachträglich in Blei. - Korrekturen: Zwischen Titel und Gedichtanfang

die endgültige Fassung von V. 7-S Wiedersehn Ein klein Kapitell Fragmentarisch. Bände

[> Baende] Kummers; V. 6- I I ursprünglich: »Und die Trennung macht den Abschnitt. I Ein

Kapitelchen Wiedervereinigung I War sehr kurz. Des Kummers Bücher I Mit Erklärungen verlängert,

lOhne End und Maas.1 O! Nischani! - Doch am Ende«. - Datierung unten links:

[Weimar 1 d. 12. fan. I 1816 . -

Angeregt wurde G. zu dem Gedicht durch die Lektüre von Heinrich

Friedrich v. Diez' >Denkwürdigkeiten von AsienLocken und

Zöpfe< verzeichnet (in E: >GewarntBuchstabe Dall ISte

Gasele Aber wer sich wohl besann>

Schwere Ketten fürchtet man. - Das undatierte, durch > Hammer-Hafis< inspirierte Gedicht

gehört noch zur ältesten Sammlung von 1814.

[43] Voll Locken kraus ein Haupt so rund! - (GSA; oben links Hinweis auf WA:

VI, 54) Zählung oben rechts: Isa., was auf nachträgliche Einordnung in den DD deutet;


222 Kommentar

rot durchstrichen; oben links: 27 = Nr. des WR; dort als >Locken< verzeichnet (in E:

>Versunken Lippen; V. 15 So

hast du Hafis auch gethan, > So hast du es Hafis gethan, (diese Änderung nach dem 21 .

November 1814; s. [17] >Buchstabe Dall 18te GaseleDas früheste

Gedicht im ,West-östlichen Divan'< (>Jahrbuch der Sammlung KippenbergBedenklich ... < (Vgl. Hans Wahl, >Der Smaragd der

schönen HolländerinNachtgespenster< verzeich- .

net; in E endgültiger Titel >Schlechter Trost Schlafend . -

Datierung unten links: d. 24 May 11815. - Angeregt durch Hafis-Lektüre.

[46] Wie irrig wähnest du ... (GSA; oben links Hinweis auf WA: VI, 58) Die Zählung oben

links in roter Tinte: 6 I.~ deutet auf nachträgliche Einordnung des undatierten Gedichts ins

WR. Titel in E: >GenügsamHudhud< verzeichnet; endgültiger Titel in E:


Kommentar 223

>GrußErgebungEine Stelle suchte der Liebe Schmerz< teilt. - Korrektur:

über V. 3 Dichter. > Hatern. (Sprechername). - Datierung unten links: F{rankjf[urt]. d.27

May.1 181 j . - Angeregt durch Hafis-Lektüre.

[49] Buchstabe Sa I Gasele XXII I Wer kann gebieten den Vögeln ... (GSA; oben links Hinweis

auf WA: VI, 61) Zählung oben rechts: 3 I. (00); oben links in roter Tinte: 68. = Nr. des

WR; dort als >Unverwehrtes< verzeichnet. Die (von Friedrich Theodor David Kräuter gestrichene)

Überschrift Buchstabe Sa I Gasele XXII beruht auf einem Versehen, da Buchstabe Sa

nur zwölf Gaselen hat; gemeint war >Buchstabe Sc hin, Gasele XXIIUngeduld<

über V. 1 schrieb G.s Sekretär Kräuter später. In E erhielt das Gedicht den endgültigen

Titel >UnvermeidlichLiebchen<

verzeichnet. Den Titel >Glücklich Geheimniß< schrieb G.s Sekretär Kräuter später. Im >Taschenbuch

für Damen auf das Jahr 1817< mit >Glückliches Geheimniß< betitelt. In E erhielt das

Gedicht den endgültigen Titel >Geheimes etwan .-Datierung: Wiesb{aden].

Id.31 Aug1 1814'

[51] »Wir sind emsig nachzuspüren ...« (GSA; oben links Hinweis aufWA: VI, 63) Zählung

oben links in roter Tinte: 70. = Nr. des WR; dort als >Offenbar Geheimniß< verzeichnet.

In E erhielt das Gedicht den endgültigen Titel >Geheimstes Und Scheik Fared sich entmantelt (zunächst in Blei, dann mit roter Tinte

korrigiert); V. 16 seinem> ihrem (gleichfalls mit roter Tinte korrigiert - möglicherweise am

29. Mai 1815, als G. auf dem Blatt die Zahl 70. mit roter Tinte anbrachte; vgl. MA 16o). - U n­

datiert, entstanden zwischen der Jahreswende 181 4/I 815 und Ende Mai 1815.

[52] Tefkir Nameh I Buch der Betrachtungen (GSA) Die Vs. des als Umschlag für die

Gedichte des vierten Buches dienenden Foliobogens zeigt oben in der Mitte die endgültige

Zählung IV oberhalb des Titels, dessen definitive Form am 6. Januar 1818 beschlossen worden

war, als der Orientalist Kosegarten Buch der Betrachtungen mit Tefkir Nameh ins Persische

übersetzt hatte (vgl. Mommsen, >DiezDivan< in Bücher vom 6. Oktober 1815

in Heidelberg den Titel >Buch der Betrachtung< gewählt, den auch noch die Anzeige des wo

im >Morgenblatt< vom 24. Februar 1816 anführt: »Das Buch der Betrachtung ist prakti-


224 Kommentar

scher Moral und Lebensklugheit gewidmet, orientalischer Sitte und Wendung gemäß.« Der

frühere, hier nicht reproduzierte, als Umschlag für diese Gedichtgruppe dienende Foliobogen

zeigt außer der provisorischen Titelform auch eine andere Zählung oben rechts in Blei: v:

(statt IV.). Das erklärt sich aus G.s ursprünglichem Plan, als IV. >DivanRath< verzeichnet. - Korrektur: V. 3 »ed« gestr. - Datierung unten links:Jul. 1814.­

Angeregt wurden die Verse durch Hafis-Lektüre.

[54] Fünf Dinge 1 Pend-nameh. Cap. 46.1 Fünf Dinge bringen fünfe nicht hervor ... (GSA)

Zählung oben rechts: 47. (DD); oben links in roter Tinte: 86. = Nr. des WR; dort als >Fünf

Dinge unfruchtbar< verzeichnet. Der Titel Fünf Dinge später als der übrige Text mit breiterer

Feder geschrieben. Die Überschrift Pend-nameh. Cap. 46. weist auf die Quelle, die G. in

>Fundgruben< 2, 229 fand: Ferid-eddin Attars >Pend-nameh< in franz. Übersetzung von Antoine

J. B. Silvestre de Sacy. - Korrektur: V. 2 Umlautstriche in öffne erg. - Datierung des Gedichts

auf der unteren anderen Hälfte des von Eckermann 1853 zum Verkauf durchschnittenen

Folioblattes: »Jena d 15 Dec 1814.« Vgl. [55]

[55] Fünf andre 1 Was verkürzt mir die Zeit? (GMD) Ursprünglich auf demselben, den vorausgehenden

Spruch >Fünf Dinge< enthaltenden Foliobogen, der oben rechts die schwarze

Zahl 47. (DD) trägt. Die rote Zahl oben links 87. erhielt Fünf andre Ende Mai 181 S, als G. die

beiden Sprüche mit gesonderten Nummern versah. - Die doppelte Datierung unten links:

Jena d. 15 Dec.1 18141Jena d 16 Decl 1814 gilt der Entstehung beider Spruchgedichte; Fünf

andre entstand als selbständige Gegenschöpfung G.s: Jena d. 16 Dec.1 1814. (Zum Schicksal

der R vgl. Jörn Göres, >Zwei verloren geglaubte Autographen aus Goethes West-östlichem

DivanGoethe-Jahrbuch< 90, 1973, S. 265 ff.)

[56] Was verkürzt mir die Zeit? ... (Reproduktion nach einem Faksimile im FDH) Separates,

in dt. Lettern geschriebenes Blatt von [55]. Datierung: Weimar I den 16. Juli 1827. Signiert:JWvGoethe.

Unten rechts von fremder Hand: »N.B. For translation of the above, turn

over.« Der Wortlaut der englischen Notiz läßt mit Gewißheit annehmen, daß eine engl. Übersetzung

auf der Rückseite stand. Empfänger und Übersetzer waren vermutlich identisch, da

G. das Blatt einem Engländer namens Swift, welcher sich 1826 und 1827 in Weimar aufgehalten

hatte, beim Abschied als eine Art »Talisman« schenkte. G.s Tagebuch vom 16. Juli 1827

vermerkt: »Herr Swift Abschied zu nehmen.«

[57] Lieblich ist des Mädchens Blick der winket ... (FDH) Nicht zum Bestand des

Reinschriftcorpus gehörend; die ursprüngliche R blieb nicht erhalten; sie wird oben rechts

eine rote 24 als Nr. des WR getragen haben; dort unter dem provisorischen Titel >Schoen Bittende<

verzeichnet. - Die Datierung oben rechts: 26 Jul. 1814. weist Lieblich ist des Mädchens

Blick der winket ... als eins der Fahrtgedichte des Sommers 1814 aus; vgl. das über [18] >Phae-


Kommentar 225

nomenWas doch buntes dort verbindet ... Wenn links an Baches Rand ... < [25]

>Vision< Gesagte. G. überließ die Verse Friedrich Wilhelm Gubitz zum Vorabdruck in >Gaben

der Milde. Für die Bücher-Verloosung zum Vortheil hülfloser KriegerUnd was im Pend-Nameh steht ... < unter der gemeinsamen

Überschrift >Wonne des Gebens< erschienen.

[58] Und was im Pend-Nameh a ) steht ... (Stadtarchiv Hannover; Signatur unten links:

695; unten rechts: »ged. 1814« und die Zahl 45) Fragment des ursprünglichen, vermutlich

durch die rote Nr. 24 gekennzeichneten Reinschriftblattes, dessen obere Hälfte >Lieblich ist

des Mädchens Blick der winket ... < (s. [57]) enthielt. - Zusätze und Korrekturen: V. I Zu

Pend-NamelfZ) unten die erklärende Anmerkung: a) Cap. 69. = Hinweis auf die Quelle: Silvestre

de Sacys franz. Übersetzung von Ferid-eddin Attars >Pend-namehFundgruben< 2, 459; V. 5 Reiche froh den Pfennig hin, > Froh reiche den Pfennig hin, >

Froh gieb einen Pfennig hin. (Die beabsichtigte Wortumstellung ist durch die darüber geschriebenen

Zahlen 2 13 vermerkt.) - Vorabdruck 1817 zusammen mit [57] >Lieblich ist des

Mädchens Blick der winket .. . < mit veränderter Anfangszeile: »Was in vielen Büchern

steht«.

[59] Reitest du bey e'nem Schmied vorbey ... (GSA; oben links Hinweis aufWA: VI, 72)

Zählung oben links in roter Tinte: 36. = Nr. des WR; dort als >Ungewisses< verzeichnet. - Datierung

unten links: Fr! ank lfurt I d. 27. May I 1815. - Das dem Reinschriftcorpus zugehörige

Blatt wurde von Eckermann an den Großherzog Carl Alexander verschenkt und gelangte aus

dessen Nachlaß ins GSA.

[60] Den Gruß des Unbekannten ehre ja! (GSA; H l1 5, Quartbogen weißen Papiers mit

Goldrand, nicht dem Reinschriftcorpus zugehörig; Beilage zu G.s Brief an Ottilie v. Goethe

vom 12. Juli 1819) Geschenkexemplar mit Widmung auf S. I (nitht mit faksimiliert): »Des

Herren Generals I Grafen von Gneisenau I Excell.« und Akkolade. Auf S.3 Gedichtabschrift

eigenhändig mit Datierung:]ena am 12. Juli I 1819 und Unterschrift: Goethe . (G.s Tgb. vom

I I.Juli 1819 meldet: »Gedichte an Gneisenau und Briefe entworfen und mundirt.«) - Erstveröffentlichung

1827 in Cl 5, 7I. Zur Quelle vgl. Mommsen, >DiezAusgabe letzter

Hand< mitwirkenden Philologen Karl Wilhelm Göttling. Max Morris hat (>Goethe-Jahrbuch<

27, 1906, S. 28rf.: >Ein philologisch verunstaltetes Divangedicht


226 Kommentar

Graf Harrach und sonst.« (Nachweis MA 175). - Korrektur: V. 10 Fühl' in Gott> Dencke

selbst. - Welchen besonderen Wert G. auf dieses Gedicht legte, geht aus seinen Abschriften

einzelner Verspaare zu Geschenkzwecken hervor; s. [63] und [64].

[63] Märckte reizen dich zum Kauf ... (GSA; H 15 ) Als separates Blatt schrieb G. die ersten

beiden Verse von [62] in dt. Lettern an seinem 80. Geburtstag nieder; im Unterschied zu

dort in V. 1 Märckte statt Märkte, in V. 2 bläset statt blähet. Diesen» Talisman« versah G. mit

Datum: Weimar/d. 28. Aug/ 1829 und Unterschrift: JWvGoethe . Die Hs.liegt heute noch in

Weimar, während die anderen an diesem Tage geschriebenen Denkverse aus Märkte reizen

dich zum Kauf ... in alle Welt verstreut sind. Adele Schopenhauer erhielt damals ein anderes

Blatt mit V. 1.2 (H 31 ) zum Geschenk, zusammen mit zwei weiteren Blättern (H 32 und H 33 ),

die die Verse 5-8 und 9-10 enthielten. Nach ihrem Tode tauchten alle diese Blätter auf dem

Autographenmarkt auf.

[64] Soll das Rechte zu Dir ein ... Separates Blatt mit V. 9-10 von> Märkte reizen dich zum

Kauf ... < [62]; im Unterschied zu dort in V. 9 Dir statt dir. Das in dt. Lettern geschriebene,

Weimar./ d. 28. Aug./ 1829 datierte und JWvGoethe unterzeichnete Blatt entstand wie [63]

aus Anlaß von G.s 80. Geburtstag und wurde zum Andenken als »Talisman« verschenkt. Die

Erlaubnis zur Faksimilierung ist einem privaten Sammler zu verdanken.

[65] Frage nicht durch welche Pforte ... (Die verschollene Hs. aus dem Reinschriftcorpus

auf einem doppelseitig beschriebenen Folioblatt, hier faksimiliert nach ChronWGv, Bd.

XVI, Nr. 7-8, Mai 1902, S.34). Die Hs. gelangte 1857 aus Eckermanns Besitz durch dessen

Sohn, den Maler Karl Eckermann in Karlsruhe, über einen Onkel, den Kommissar Wilhelm

Bertram aus Glocksee/Hannover, in die Bibliothek des welfischen Hauses, wobei der Übermittler

behauptete, es handle sich um ein Festgedicht G.s »auf die hohe Vermählung Ihrer Majestäten

des höchstseligen Königs Ernst August und der höchstseligen Königin Friederike«,

die am 29. Mai 1815 stattgefunden hatte. (Über G.s Verehrung der Herzogin Friederike von

Cumberland vgl. das im Kommentar zu [198] >Vom Himmel steigend Jesus brachte ... < Gesagte.)

Erst nachdem das Gedicht ohne nähere Prüfung des Sachverhalts in das Familienmuseum

des Welfenhauses aufgenommen worden war, wurden bei Gelegenheit des Erstdrucks

aller sieben Strophen in der >National-Zeitung< vom 26. März 1858 Veranlassung und Bestimmung

richtig dargestellt. (Vgl. Heinrich Buck, >Handschriftliches aus dem West-östlichen

DivanChronik des Wiener Goethe-Vereins. = Nr. des WR; dort nachträglich

zwischen Ende Mai und Anfang Oktober 1815 eingeschaltet (vor >Setze mir nicht, du

Grobian ... < und nach >Ungezähmt so wie ich war ... viele;

V.25 So Ihr Beyden > Nun Ihr Beyde; V. 29 dem> im. - Die Datierung auf der Vs. unten

links: Zum 30 März / 1815. enthält ein Schreibversehen; statt März sollte es »May« heißen,

denn das 50jährige Dienstjubiläum von Geh. Legationsrat Carl Kirms und Geheimrat Ernst

Carl C. v. Schardt; für welche G. das Gedicht bestimmte, fiel auf den 30. Mai 1815. Am 19. Mai


Kommentar 227

meldet das Tgb.: »Buch Kabus ... Das Jubiläumsfest vom 30. May betr.« An diesem Tage entstanden

vermutlich die ersten vier Strophen, die G. allein in den WD aufnahm. Sie basieren auf

dem pers. >Buch KabusDiezAusgabe letzter Hand< gedient hatte, wo das Gedicht 1827 in Cl 5,77 erstmals

veröffentlicht wurde. G. scheint Eckermann das Blatt überlassen zu haben, nachdem die

Druckvorlage mit den neu eingeschalteten Gedichten korrigiert war, denn die Rs. trägt folgende

Echtheitsbestätigung von Eckermanns Hand: »Manuscript von Goethe 1 von 1823.1 bis jetzt

noch ungedruckt.l- Wird erscheinen im Divan.« VgI. die Veröffentlichung und erste Einordnung

der Hs. durch Jürgen Behrens in: JFDH 1989, Jahresbericht 1988, S. 371 f. und die detaillierte

Analyse durch Christoph Perels, >Goethes ,Divan'-Gedicht,Es geht eins nach dem andern

hin'. Zur Entstehung und ÜberlieferungGleichgewinn< (»Geht einer nach dem andern hin«) verwiesen, da beide den

Vers» Man trägt eins nach dem andern hin« aus J ohannes Leons Choral> Ich hab mein' Sach Gott

heimgestellt< variieren. Doch machte erst Perels es evident, daß Es geht eins nach dem andern

hin ... zwar von der 1821 entstandenen Vorform» Man trägt eins nach dem andern hin« ausgeht,

aber die »neue Version des Gedichts« verharrt nicht bei der Todesthematik, sondern »spricht

von der Liebe, die den Wanderer auf dem Lebensweg aufhält und ihn zu Abweichungen und

Umwegen treibt ... Mit dem Motiv der Aufrichtigkeit kommt eine ethische Komponente ins

Spiel ...« Perels deutete als erster auf die Möglichkeit hin, daß es sich um den spätesten von G.


228 Kommentar

für den WD gedichteten Text handelt und daß der Dichter auf diese Weise die Marienbader Epoche

noch mit dem WD verknüpfte. V gl. auch zu [71].

[68] Behandelt die Frauen mit Nachsicht! (GSA; oben links Hinweis auf WA: VI, 80)

Zählung oben links in roter Tinte: 30. = Nr. des WR; dort als >Adam und Eva< verzeichnet. Die

Anregung zu dem vor Ende Mai 1815 entstandenen Gedicht ging zurück auf >Fundgruben<

I, 278f.: >Auszüge aus der Sunna [dort Sura = Druckfehler] oder der mündlichen Überlieferung

MohammedsArab.

Welt


Kommentar 2 9

das Blatt verschenkte. Christoph Perels hat wahrscheinlich gemacht, daß das lange vor der Bekanntschaft

mit Ulrike geschriebene Gedicht von G. »im Nachhinein in seinen werbenden

Dialog mit Ulrike und ihrer Familie einbezogen« wurde und daß das bis 1823 im Reinschriftcorpus

verbliebene Autograph von G. am 28. August 1823 oder nachträglich als Andenken an

die Familie Levetzow verschenkt wurde. (V gl. JFDH 1990, S. 109ff.) Über Gustav v. Loeper

gelangte das kostbare Blatt 1888 zurück nach Weimar ins GSA. Erstmals veröffentlicht wurde

das für E zu spät entstandene Gedicht 1827 in Cl 5,81.

[72J Freygebiger wird betrogen ... (GSA; oben links Hinweis auf WA: VI 85) Niedergeschrieben

auf Papier, das G. von Dezember 1814 bis Oktober 1815 benutzte (v gl. MA 189).

Die Anregung ging von der arab. Elegie des Staatsmanns und Dichters Abu Ismael Tograi >Lamijat

al Agam< aus dem Jahr' 111 I aus, auf die G. im April 1815 durch Knebel aufmerksam gemacht

worden war und die er auf die zweite Rhein-Main-Reise mitnahm. - Undatiert. Entstehung

zwischen Ende Mai und Oktober 1815 (vgl. Mommsen, >Arab. WeltHerrenrecht und Dienstpflicht< verzeichnet.

- Korrekturen: über V. 1 Titel Herrenrecht I und I Dienstpflicht und die horizontale

Klammer erst nachträglich - wohl am 29. Mai 1815 - über das Gedicht gesetzt; V. 2 schelten>

scheten . - Undatiert. - In C l und allen folgenden Ausgaben ohne Überschrift veröffentlicht

als >Wer befehlen kann wird lobenKünftiger Divan< bekennt er selber, man könne »dem Dichter vorwerfen,

daß der enkomiastische Theil seines Divans nicht reich genug sei«.

[74 JUngezähmt so wie ich war ... (FDH) Bei diesem querformatig beschriebenen Quartblatt

H l1 9 handelt es sich nicht um die dem Reinschriftcorpus zugehörige verschollene R, die

oben links die rote Nummer 73 getragen haben muß, denn das Gedicht wurde im WR unter

Nr.73 als >Herr und Herrin< verzeichnet. In E erhielt es den endgültigen Titel >Höchste

GunstFerdusi.< verzeichnet.

- Korrekturen: V. 2 tädtest zugleich. > tödtest! ; V. 4 lebendig und reich. > lebendig

und rein. (unter lebendig stand zuerst ein anderes Wort); V. 5 Was heißt denn Reichthum? >

Mußt Reichthum verstehn! . - Die Datierung unten links: 1.7. 15. deutet darauf hin, daß

das - mit Ausnahme der roten Zahl 49 - einheitlich geschriebene Blatt erst nach Abschluß des


23° Kommentar

Verzeichnisses vom 30. Mai 1815 entstand. Angeregt wurde G. zu dem Gedicht durch das

Ferdusi-Zitat in >Fundgruben< 2, 64, das wortwörtlich mit V. I f. übereinstimmt: 0 Welt! wie

schamlos und boshaft du bistJl Du nährst und erziehest und tädtest zugleich. Die Absicht seiner

dichterischen Verwendung bestand also bereits bei Anlage des WR, doch die Ausführung

der ergänzenden Verse gelang erst während des längeren Aufenthalts in Wiesbaden, wo G.

sich auch am I. Juli aufhielt (vgl. MA 194).

[76] Dschelaleddin Rumi I spricht I Verweilst du in der Welt sie flieht als Traum ... (GSA;

oben links Hinweis auf WA: VI, 90) Zählung oben links in roter Tinte: 48 = Nr. des WR; dort

als >Rumi.< verzeichnet. - Das undatierte Gedicht entstand vermutlich im März oder Anfang

April 1815, als G. an C. G. v. Voigt schrieb: »Bald kann man den Traum vom Leben nicht unterscheiden

...« Hans Albert Maier wies als Quelle Barthelemy d'Herbelots >Bibliotheque

orientale< nach, die G. vom 22. Dezember 1814 bis 22. Mai 1815 zur Verfügung stand (vgL MA

195 f. und FA I082ff. zum Zusammenhang mit Dschelaleddin Rumi).

[77] Sollt einmal durch Erfurt fahren ... (GSA; oben links Hinweis auf WA: VI 278 =

WD, >Aus dem Nachlaß Sollte nun durch; V. 5 Kommas erg.;

V. 7 Glaubt' > Dacht ; Eckermanns Bleistiftkorrekturen: V. 5 Komma am Versende gestr.; V.9

Bäckerstochter > Beckerstochter ; V. 10 Semikolon aus Komma; V. I I Komma erg. - Datierung .

unten links: 25 Jul 1814. (Über die Fahrtgedichte dieses Tages s. [18] >Phaenomen< und [19]

>Was doch buntes dort verbindet ... Buch der BetrachtungenDie Jahre nahmen dir, du sagst, so vieles ... DivanBuch der Betrachtung< zum Buch V. geworden war. Im >Morgenblatt<

vom 24. Februar 1816 kündigt G. an: »Das Buch des U nmuths enthält Gedichte, deren Art

und Ton dem Osten nicht fremd ist. Denn gerade ihre Dichter, welche Gönnern und Beschützern

die herrlichsten Lobpreisungen ertheilen, verlieren alles Maß, wenn sie sich zurückgesetzt

sehen oder nicht hinreichend belohnt glauben. Ferner liegen sie immer mit Mönchen,

Heuchlern und dergleichen im Streit; auch mit der Welt, wie sie den verworrenen Gang der

Dinge, der beinahe von Gott unabhängig erscheint, nennen, sind sie immerfort im Kampfe begriffen.

Auf gleiche Weise verfährt der deutsche Dichter, indem er das, was ihn widerwärtig

berührt, heftig und gewaltsam abweist. Mehrere dieser Gedichte werden sich erst in späten

Zeiten für den Druck eignen.« (Die pers. Übersetzung >Rendsch Nameh< für >Buch des Unmuths<

verdankte G. 1818 dem Orientalisten Kosegarten.)


Kommentar 23 1

[79] »Wo hast du das genommen? ...« (GSA; oben links Hinweis auf WA: VI, 95) Zählung

oben links in roter Tinte: 29. = Nr. des WR; dort als >Caravane< verzeichnet. - Korrekturen:

V. 7 Euch> Dich; V. 9 Auf> In ; V. I 5 Umsorgt> »Um« auf Rasur; V. 24 Stolz iren > Stolzire

; V. 29 Wüst> Wüsst . - Undatiert. Entstehung zwischen Ende Dezember 1814 und Ende

Mai 1815, vermutlich am 23. Februar 1815 (Tgb.-Eintrag: »Moallakats Beduinen Zustand«). ­

Anregung zu dem Gedicht vor allem durch die >Moallakat< (vgl. Mommsen, >Arab. WeltSelbstgefühl<

verzeichnet. - Korrekturen: V. 10 Komma aus Doppelpunkt; V. 22 Haben Leute hart gescholten,

> Pflegen Leute harf'zu schelten, ; V. 24 Wen[nJ die andern was gegolten. > Wen[n] die andem

auch was gelten. - Datierung unten links: 26 Jul. 23 Dec.1 [8[4. - Die R entstand am

23. Dezember 1814 in Weimar, doch stammten Str. 1-2 und 4-6 von der Reise im Juli, ein

Entwurf zu Str. 3 aus dem Spätherbst nach der Rückkehr. - Anregung u.a. durch Hafis-Lektüre.

[81] Befindet sich einer heiter und gut ... (GSA; oben links Hinweis aufWA: VI, 98) Zählung

oben links in roter Tinte: 92. = Nr. des WR; dort als >Leidiger Trost< verzeichnet. - Korrektur:

V. 4 Umlautstriehe in Möchten nachträglich in anderer Tinte. - Datierung unten links:

W[eimarj. d. 7. Febr.1 [8[5.

[82] Übermacht, Ihr könnt es spüren ... (FDH; Archivhinweis unten rechts: »Autograph

von Goethe«.) Zählung oben Mitte: 2 I. (DD); oben links in roter Tinte: 41. = N r. des WR; dort

als >Übermacht und Gegner< verzeichnet. - Korrekturen: V. 6 pochten> pochte; V. 7 Beschränkten>

Bescränkten; V. 13 Dencken in Gewalt und Liebe> Und sie glauben doch, in

Liebe> Und sie glauben daß die Liebe; V. 17 Hafis auch> Auch Hafis (die Zahlen 2 und I

über »Auch« und »Hafis« verweisen auf die Veränderung der Wortfolge). Diese Änderung

nach dem 21. November 1814. - Datierung oben rechts: D. 26. Jul. [8[4.; unten links: Fulda

8 Uhr. - Bei Hafis gibt es viele Verse, die von des Dichters Widersachern, den Männern in den

blaue[nJ Kutten (seines eigenen Derwischordens), handeln. Fulda, wo G. nach einem langen

Reisetag abends um 8 Uhr anlangte, war die Heimat des streitbaren Renaissancedichters UIrich

von Hutten. Als G. sich im Reisewagen der Stadt näherte, konnte er die Ruinen des

Stammschlosses derer von Hutten liegen sehen. In Fulda war Ulrich von Hutten als 17jähriger

aus dem Dominikanerkloster entwichen. Lebenslänglich lag er mit jenem Orden, der an

schwarzen Kutten kenntlich ist, in Fehde. Doch zu G.s Zeit beherrschten die Franziskaner

mit ihren braune[nJ Kutten (V. 19) das Fuldaer Straßenbild. So schlossen sich wiederum eigene

visuelle Eindrücke mit Hafis-Anregungen zu einem Gedicht zusammen.

[83] Wenn du auf dem Guten ruhst ... (GSA; oben links Hinweis aufWA: VI, 100) Zählung

oben rechts zuerst 20., schwarz durchstrichen, dann 22., rot durchstrichen, (DD); oben

links in roter Tinte: 42. = Nr. des WR; dort als >Weltlauf< verzeichnet. - Korrekturen: V. 16

Nun! wir gehn zusammen. > Gehen wir zusammen. ; V. 25f. ursprünglich: »Über alles dieses


232 Kommentar

Zeug I Hat Hafis gesprochen,« (diese Änderung nach dem 2 I. November 18 14) ; V. 32 das A in

Auch über ursprünglichem »D«. War zunächst an »Dich auch einmal raufen« gedacht? Maier

vermutet: »Dich einmal auch raufen«. - Datierung oben rechts: 26 Jul. 1814. ; unten links:

Fulda. 8 Uhr. - Zu den Reisegedichten, die wie dieses auf der Fahrt von Eisenach nach Fulda

entstanden, vgl. das vorige Gedicht und [22]. Auch dies Gedicht ist eine Frucht aus Hafis­

Lektüre und eigenem Erleben.

[84] Als wenn das auf Nahmen ruhte! (GSA; oben links Hinweis auf WA: VI, 102) Zählung

oben rechts: 27. (DD); oben links in roter Tinte: 47. = Nr. des WR; dort als >Landsleute<

verzeichnet. - Korrekturen: V. 4 aus Gott> umher; V. 10 Sieh aufs Rechte, > Sie aufs Rechte, ;

V. I I Umlautstriche in fürtrefflich erg.; V. 12 Ist> Ist ich (war zunächst an »Ist ich glaube« gedacht,

wie Burdach vermutet ?); V. 15 Und> Denn; V. 16 seicht> mattch'; V. 17-20 ursprünglich:

»Und das Morgenblatt es kann sich I Mit Freymüthigem vereinen, I Und die Elegante

dann sich I Allenfalls die beste scheinen.« ; V. 21 Erneuung> Erneurung; V. 23 Zerstreuung>

Erneuung. - Datierung unten links: d 27 Jul d. 22 Dec.1 1814. - Angeregt zu diesem Unmutsgedicht

wurde G. am Tage, als er um 6 Uhr morgens von Fulda über Neuhof, Schlüchtern,

Steinau, Saalmünster, Gelnhausen mit Besuch der Barbarossaburg nach Hanau fuhr, wo er um

7 Uhr im Fränkischen Hof einkehrte. Zu V. 6ff. mit seinem Haß-Motiv - soll ich hassen lAuch

dazu bin ich erbötig, I Hasse gleich in ganzen Massen - vgl. [16] >Buchstabe Sin I Gasele XIIIAus wievielen Elementen ... < Nun gibt

G. ein konkretes Beispiel von Haß, der sich zunächst ganz direkt gegen die populäre Presse

richtet: I. das von dem eigenen Verleger Cotta 1807 in Stuttgart gegründete >MorgenblattDer Freymüthige oder Ernst und ScherzZeitung für die elegante WeltFreymüthigen< in Gegnerschaft trat und sich einigermaßen goethefreundlich gab. Bereits am

14. Dezember 1808 hatte G. zum Kanzler Friedrich von Müller gesagt: »Ein Volk, das ein

Morgenblatt, eine Elegante Zeitung, einen Freimütigen p. habe, und Leser dazu, sei schon rein

verloren.« Die Namen dieser literarischen Blätter durchstrich der Dichter - vermutlich am

22. Dezember 1814 -, um sie durch die Ausdrücke Knitterer, Zersplitterer, Verwitterer zu ersetzen.

In jedem Fall gilt der Unmut symptomatischen Verfallserscheinungen seiner von Zersplitterung

bedrohten Umwelt: »Nord und West und Süd zersplittern«, heißt es in dem zwei

Tage später entstandenen großen >HegireAls wenn das auf Nahmen

ruhte!< Boissen!e vorlas, notierte dieser im Tagebuch: »Unwillen über die Deutschen - ihre

Neuerungs-Sucht und auflösende Zerstreuung ... Er [G.] muß sich über alles was ihn bedrängt

in Freud und im Leid, Luft machen indem er es a~sspricht.«

[85] Medschnun heißt - ich will nicht sagen ... (GSA; oben links Hinweis auf WA: VI,

104) Oben rechts in Blei von G.s Hand über Rasur: »ein Verrückter«. - Zählung oben links in

roter Tinte: 50. = Nr. des WR; dort als >Medschnun< verzeichnet, also vor Ende Mai I 8 15 ent-


Kommentar

standen. (»Ich bin Medschnun«, hatte schon Hafis behauptet. Zur Bedeutung des Medschnun-Motivs

vgl. Mommsen, >Arab. WeltMedschnun aus der Sicht islamischer

Dichter und in Goethes DivanHandwerck< verzeichnet. - Korrektur:

V. 9 wollt> woll. - Undatiert; vor Ende Mai 1815 entstanden, vermutlich durch Saadi­

Lektüre angeregt.

[87] Wandrers Gemüthsruhe I Über's Niederträchtige ... (GSA; oben links Hinweis auf

WA: VI, 106) Zählung oben rechts in Blei: 43 (DD), rot durchstrichen; oben links in roter

Tinte: 81 = Nr. des WR; dort ~ls >Wandrers Gemüthsruh< verzeichnet. - Datierung unten links:

W[eimarj. d. 19 Nov. 11814. -Zu diesem Gedicht wurde G. durch den Orientalistenstreit zwischen

Hammer und Diez angeregt (v gl. Mommsen, >DiezErgebung< verzeichnet. Zu diesem 1814 entstandenen Gedicht gibt es zahlreiche

Entsprechungen im Diwan des Hafis, schmerzliche Klagen über »die Welt«; sie erweisen, daß

auch des pers. Dichters Weltfreudigkeit auf dunklem Grund ruhte.

[89] Glaubst du denn von Mund zu Ohr ... (GSA; oben links Hinweis aufWA: VI, 109)

Zählung oben links in roter Tinte: 70~ = nachträgliche Nr. des WR. - Angeregt wurde G. zu

diesem Gedicht im Frühjahr 1815 durch den dogmatisch-religiösen Antirationalismus des

Orientalisten Diez in dessen Einleitung zum >Buch Kabus< (vgl. Mommsen, >DiezDivanAusgabe letzter Hand< von 1827

vorbereitet wurde, wo das Gedicht erstmals erschien (Cl 5, 111). Keine Korrekturen. Undatiert.

Entstehung des zur Veröffentlichung in E zu spät entstandenen Gedichts vermutlich am

22. oder 23. Juli 1819. Kurz vorher hatte G. sich bereits mit der Thematik befaßt, als er im Kap.

>Hafis< der >Noten und Abhandlungen< schrieb: »Nun ward, gar bald nach seinem Ursprunge,


234 Kommentar

der Koran ein Gegenstand der unendlichsten Auslegungen, gab Gelegenheit zu den spitzfindigsten

Subtilitäten, und, indem er die Sinnesweise eines jeden aufregte, entstanden grenzenlos

abweichende Meinungen, verrückte Kombinationen, ja die unvernünftigsten Beziehungen

aller Art wurden versucht, so daß der eigentlich geistreiche, verständige Mann eifrig bemüht

sein mußte, um nur wieder auf den Grund des reinen guten Textes zurück zu gelangen.« - Mit

seinen versteckten Anspielungen auf die Entwicklung der neueren christlichen Theologie ist

das Gedicht ein orientalisierendes Gegenstück zu dem durch Christian August Kestners

>Agape< (1819) angeregten, am 22. Juli 1819 entstandenen Gedicht >Kestners Agape 1819


Kommentar 235

zur Entwurfsfassung gehörende Schlußakkolade trennt diese von der späteren Version. Deren

Korrekturen: Überschrift Timur spricht. > Timur; V. 2 Fragezeichen in Komma verändert;

Verlogne> Verfluchte; V. 3 Haett > Hätt; V. 4 haett' > hätt. (Unten auf dem Blatte »Der Eifer

reißt Berge nieder.« durchgestrichen; das Motiv im WD nicht verwendet.) Der Vierzeiler vermutlich

in dieser Form als Vorlage von G.s Schreiber John für dessen R zum »neuen Divan«

von 1827 benutzt. Dort nur wenige Änderungen: Überschrift zweizeilig; V. 2 verlogne > Verlogne;

V. 3 Hätt' > Haett; Semikolon in Komma verändert (Cl 5, 112).

[94] Süßes Kind, die Perlenreihen ... (Stadtarchiv Hannover; oben am Rande Archivhinweis

auf Erstveröffentlichung 1836 in der Quartausgabe I I, 357: »An Suleika im Westöstlichen

Divan. Goethes Werke groß Lexicon 8° F Band Abth. p. 357«; oben rechts in Blei: »56.

S. 112« auf Nachlaßband 56 der >Ausgabe letzter Hand< von 1842 bezüglich, wo das von G. sekretierte

Gedicht auf S. 116 unter der Überschrift >An Suleika< erschien.) Zählung oben links:

62. = Nr. des WR; dort als >Abraxas< verzeichnet. - Korrekturen: V. 18 Ja, Verbrechen> Ja,

durch Laster; V. 40 Solch ein Jammerbild> Missethäterbild ; V. 43 Salomo verschwur> Er verläugnete

; V. 46 diesem> einem. - Datierung unten links: Redigirt.1 Wiesbaden. am längsten

Tage [21. Juni]l I8I5. - Schema und Entwürfe vom Frühjahr 1815 sind erhalten geblieben.

Riemer und Eckermann ordneten das Gedicht in der Quartausgabe 1836 und dem Nachlaßband

56 der >Ausgabe letzter Hand< von 1842 dem >Buch Suleika< zu, Gustav von Loeper und

H. Düntzer in ihren Ausgaben gleichfalls; Burdach in der Jubiläumsausgabe Bd. 5, S.425 ordnete

es dem >Buch des Parsen< zu. (Über die Gründe, die für Zuordnung zum >Buch des Unmuts<

sprechen, und die Anregung durch Ferdusis Überlieferung von Chosru und Schirin vgl.

Mommsen, >StudienAus dem Nachlaß alle; diesen

nach Meinung Burdachs von Riemer um der Reimreinheit willen eingesetzt (WA I 6, 453).­

Datierung unten links: Zinne I9 März I I8I8 . (Zu Zinne s. G.s Brief an ZeIter, Jena den

19. März 1818: »Ich stehe wieder auf meiner Zinne über dem rauschenden Brückenbogen, die

tüchtigen Holzflöße, Stamm an Stamm, in zwey Gelenken, fahren mit Besonnenheit durch

und glücklich hinab. Ein Mann versieht das Amt hinreichend, der zweyte ist nur wie zur Gesellschaft.

I Die Scheite Brennholz dilettantisiren hinterdrein, einige kommen auch hinab wo

Gott will, andere werden in Wirbel umgetrieben, andere interimistisch auf Kies und Sandbank

aufgeschoben. Morgen wächst vielleicht das Wasser, hebt sie alle und führt sie Meilen weit zu ihrer

Bestimmung, zum Feuerheerd. Du siehst daß ich nicht nöthig habe mich mit den Tagesblättern

abzugeben, da die vollkommensten Symbole vor meinen eigenen Augen sich eräugnen.«)

Für dies Gedicht gilt, was G. zum >Buch des Unmuths< (s. [78]) ankündigte, es werde sich »erst

in späten Zeiten für den Druck eignen«. So blieb es bei Lebzeiten ungedruckt. Erstveröffentlichung

1836 durch Eckermann und Riemer in der Quartausgabe I 1,349, >Buch des U nmuths


Kommentar

Reinschriftcorpus zugehöriger eigenhändiger Entwurf aus dem Nachlaß. Korrekturen: V. 5

Zeit erg.; V. 7 Dich na eher an die Weisen göttlich milden> Dich an die Weisen an die göttlich

milden> Gar selten ausgetobt mit herb[en] Wort[en] - Erstveröffentlichung 1836 durch Riemer

und Eckermann in Q I I, 350, >Buch des Unmuths< nach einer Reinschrift von Riemer

(H 78 ); dort in V. 2 statt versuchen »versuchten«, in V. 5 statt getobt »getollt«. Undatiert. Solms

(1977), S. 360, vermutet Entstehung Dezember 1819.

[97] Buch der Sprüche (GSA) Titelblatt auf der Vs. des Foliobogens, der als Umschlag für

die Gedichte zum Buch der Sprüche diente, vermutlich vom 6. Oktober 1815 in Heidelberg,

als laut Tgb. der »Divan in Bücher eingetheilt« wurde. - Zählung in Blei oben rechts: VIII, da

G. zunächst plante, dieses Buch an die achte Stelle zu setzen, nicht an die sechste, an der es im

endgültigen WD erscheint. Auch in der Voranzeige des WD im >Morgenblatt< vom 24. Februar

1816, in der 13 Bücher angekündigt werden, erscheint das Buch der Sprüche noch an achter

Stelle, anschließend an das >Buch des TimurStudienZur Entstehungsgeschichte

des Buchs der SprücheGeschichte der schönen Redekünste PersiensAusgabe letzter Hand< von 1827 in Cl 5, II8 abschrieb.) Datierung

22 Jul. zu ergänzen» I 8 I 8.« - Anregung durch >Buch KabusRegeln und Vorschriften

für ÄrzteDiez


Kommentar 237

[100] Enweri sagt's, ein herrlicher der Männer ... (Faksimiliert nach ChronWGV XIX,

Nr. 3. Als Aufbewahrungsort des Originals wird dort das Gräflich Buquoische Schloß-Archiv

zu Gratzen genannt.) Einzig bekannte G.sche Niederschrift des Spruches in einer Vorformauf

dem Titelblatt eines Sonderdrucks >Zur Kenntniß der böhmischen GebirgeWas machst du an der

Welt ... < (s. [98]) weist an zweiter Stelle auf Enweri sagt's pp. mit Seitenangabe »p. 92« in Hammers

>Geschichte der schönen Redekünste Persiens< hin, wo sich V. 4 von G.s Spruch in einem

Gedicht von Enweri findet.

[101] Wie kommts daß man an jedem Orte ... (BB; H 126 , Echtheitsbestätigung am unteren

Rande: »Ces vers ecrits de la main de Göthe m' ont ete I donnes par le cte Maurice de dietrichsten

I Vienne 15 avril 1834.1 d'Estournel«) Das Quartblatt von grünlichem Bütten trägt

noch Spuren ehemaliger Heftung. Vielleicht war es Teil der Einzelhandschriften zum >Buch

der Sprüche< gewesen, die G.s Schreiber Kräuter zur Vorlage dienten, als er die im Reinschriftcorpus

befindliche Abschrift machte, welche auch relativ spät entstandene Sprüche umfaßt

wie diesen nicht vor Januar 1816 entstandenen Vierzeiler. Auf dem im Reinschriftcorpus befindlichen

BI. 103 von Kräuters Hand stehen, wie hier, die Spruchgedichte Wie kommts daß

man an jedem Orte ... und Laß dich nur in keiner Zeit ... hintereinander, gefolgt von zwei

weiteren Sprüchen (entsprechend der S. 105 des E von 1819). -Die Quelle beider hierfaksimilierten

Spruchgedichte war des türk. Admirals Kjatibi Rumi >Spiegel der Länder< in der Übersetzung

von Diez, die G. erst im Januar 1816 kennenlernte (s. Mommsen, >DiezDivanSpiegel der LänderMit Goethe

durchs Jahr


Kommentar

[104] Indisch lAis ich einmal eine Spinne erschlagen ... (GSA; H 127 , nicht dem Reinschriftcorpus

zugehöriger Entwurf) Korrekturen: V. 3 Hat Gott doch ihr wie mir gewollt> Gott hat

ihr doch [> so] wie mir gewollt> Gott hat so dir wie mir gewollt. - Die im Druck weggefallene

Überschrift Indisch weist auf Anregung aus indischem Bereich (vgI. K. Mommsen, >,Indisches'

im West-östlichen Divan?< In: >Goethe-Jahrbuch< 1960, S. 294ff.).

[105] Guten Ruf musst du dir machen ... (GSA; H 55 , nicht zttm Reinschriftcorpus gehöriger

Entwurf) Korrekturen: V. 1-5 gestr.; V. 1 Guten Ruf> Einen guten Ruf; V. 6 Weisen>

Klugen; V. 7 dein Geheimniß. > deine Worte. - Die Notiz oberhalb der Verse: Ferid-eddin.

von 613 weist auf die Quelle hin, den 2. Bd. der >FundgrubenDie Fluth der Leidenschaft sie stürmt vergebens ... < im Buch der Sprüche

gaben. Das gesamte einseitig beschriebene Folioblatt enthält die Notizen, die G. sich zwischen

dem 15. und 18. Dezember 1814 bei der Lektüre von Bd. 2 der >Fundgruben< machte; sie

beziehen sich auf die dortigen Seiten 9, 10, 52,63,108 und 360ff. Die Reproduktion dieses aus

Exzerpten und Lektürennotizen bestehenden Blattes ist hier nur als Kostprobe gedacht, um

dem Leser einen Blick in G.s poetische Werkstatt zu ermöglichen und auf seine damalige,

durch orientalische Quellenwerke geweckte, dichterische Produktionsweise hinzuweisen.

Detaillierte Erläuterungen zu H 55 in Mommsen, >StudienDivanMorgenblatt< vorveröffentlichte,

verwendete er diesen vermutlich schon vom Dezember 1814 stammenden

Spruch als Motto. Beim Erstdruck des WD 1819 schloß das >Buch der Sprüche< mit diesem

Vierzeiler ab. (Zur Anregung der Verse durch Ferid-eddin Attars >Pend Nameh< s. Mommsen,

>Studien


Kommentar 239

gervaters I Ottilie von Goethe«.) Untere Hälfte des ursprünglich mit [I07a] Du hast so manche

Bitte gewährt ... zusammengehörigen Blattes mit V. 5-7. Vezir. über V. 5 ist Sprechername.

Datierung unten links: d. 12. Jan. I 1816. - Am Abend dieses in Weimar verbrachten Tages verzeichnete

G. im Tgb.: »Für mich Orientalia.« - Zur Anregung des Gedichts durch das 30.

Kap. im >Buch Kabus< vgl. Mommsen, >Diez ihr eigenstes . - Datierung

unten links: Tanne d. 6 Apr I 1818. und unten rechts: G . Tanne ist die Kurzform für den Jenaer

Gasthof zur grünen Tanne an der Camsdorfer Brücke, wo G. in jenen Jahren oft lange logierte.

- Erstveröffentlichung 1827 (Cl 5, 132).

[109] Timurname (GSA) Titel auf der Vs. des Foliobogens, der seit der Einteilung des wo

in Bücher am 6. Oktober 1815 in Heidelberg als Umschlag für die zum Buch des Timur gehörenden

Gedichte diente. Die Beschriftung stammt vermutlich von diesem Tage. Die römische

VII oben rechts von G.s Hand in Blei weist auf die Plazierung des Buches, an der sich in diesem

Fall nichts mehr änderte. An siebenter Stelle kündigte er auch das Buch im >Morgenblatt<

vom 24. Februar 1816 an: »Tirnurname, Buch des Timur, faßt ungeheure Weltbegebenheiten

wie in einem Spiegel auf, worin wir, zu Trost und Untrost, den Widerschein eigner

Schicksale erblicken.« Zunächst prägte G. den pers. Titel Timurname in Analogie zu >Moganniname<

und >Sakiname< bei> Hammer-Hafis Timur

Nameh< (s. [3 b] und [39]).

[110] Der Winter und Timur.1 So umgab sie nun der Winter ... (GSA; oben links Hinweis

aufWA: VI, 137) Zählung oben rechts: 45. (00); oben links in roter Tinte: 84. = Nr. des WR;

dort als >Winter und Timur< verzeichnet. - Datierung unten links: Jena d. 11 Dec. 1814. - Angeregt

wurde G. zu dem Gedicht durch des Arabers Ibn Arabschah satirische Geschichte Timurs,

die ihm am I I. Dezember 1814 in der latein. Übersetzung von W. J on es entgegentrat

und ihn durch die merkwürdige Parallele zu Napoleons Winterfeldzug besonders ergriff. (vgl.

Mommsen, >Arab. WeltRosenoel< verzeichnet (in E: >An Suleika


Kommentar

deutschen Titel vgl. den Kommentar zu [39] >Buch der LiebeSuleikanamelDas Buch Suleikall.< lautete. Im >Morgen blatt< vom 24. Februar 1816 wurde

das Buch an zehnter Stelle folgendermaßen angekündigt: »Das Buch Suleika, leidenschaftliche

Gedichte enthaltend, unterscheidet sich vom Buch der Liebe dadurch, daß die Geliebte

genannt ist, daß sie mit einem entschiedenen Charakter erscheint, ja persönlich als Dichterin

auftritt und in froher Jugend mit dem Dichter, der sein Alter nicht verläugnet, an glühender

Leidenschaft zu wetteifern scheint. Die Gegend, worin dieses Duodrama spielt, ist ganz persisch.

Auch hier dringt sich manchmal eine geistige Bedeutung auf und der Schleier irdischer

Liebe scheint höhere Verhältnisse zu verhüllen.« - Zu dem Vorspruch Ich gedachte in der

Nacht ... wurde G. durch eine türk. Quelle angeregt, den wörtlich übernommenen Spruch Selims

I. in der Übersetzung von Diez (>Denkwürdigkeiten von AsienBuch der Sprüche< zu geben.

[113] Einladung. I Mußt nicht vor dem Tage fliehen ... (GSA; oben links Hinweis auf WA:

VI, 143) Zählung oben rechts: 51 (DD), oben links in roter Tinte: 91. = Nr. des WR; dort

gleichfalls unter dem Titel >Einladung< verzeichnet. - Korrekturen: V. 6 Semikolon am Versende

mit Blei erg.; V. 7 Bist du gleich> Bist du dan. - Datierung unten links: Sylvester Abend 1

1814 . (Einladung ist das drittle tz te Gedicht des am Jahresende 1814 abgeschlossenen DD.)

Angeregt wurde das Gedicht durch Hafis.

[114] Daß Suleika in Jussuf vernarrt war ... (GSA; oben links Hinweis auf WA: VI, 144)

Zählung oben links in roter Tinte: 53. = N r. des WR; dort unter dem Stichwort> Liebchen benamst<

verzeichnet. - Datierung unten links: Eisenach.1 d. 24 May 11815. (Tag der Abreise von

Weimar in die Rhein- und Maingegenden, an dem G. bereits das »Duodrama« mit Marianne­

»Suleika« antizipierte).

[115] Da du nun Suleika heißest ... (GSA; oben links Hinweis auf WA: VI, 145) Zählung

oben links in roter Tinte: 54. = Nr. des WR; dort unter dem Stichwort >Dichter benamst< verzeichnet.

- Korrektur: V. 9 Thai, nicht der> Thai der. - Datierung unten links: Eisenach.124

May.11815. - (Als Auftakt zum »Duodrama« zwischen Hatem und Suleika wie das vorhergehende

Gedicht am ersten Tag der Reise in die Rhein- und Maingegenden gedichtet.)

[116] Hatem I Nicht Gelegenheit macht Diebe ... (GSA; oben links Hinweis auf WA:

VI, 146) - Korrektur: über V. I Hatem als Sprechername nachträglich von G. in Blei hinzugefügt.

Datierung unten links: d. 15. S. 1815. (Den Morgen und Vormittag verbrachte G. in der

Frankfurter Stadtwohnung der Willemers Zum Roten Männchen; nachmittags fuhr er mit

Boisseree zur Gerbermühle, der Willemerschen Sommerwohnung außerhalb Frankfurts.

Boisseree notiert in seinem Tagebuch: »Heiterer Abend ... Wir saßen in der schönen warmen

Abendluft auf dem Balkon.«)

[117] Suleika I Hochbeglückt in deiner Liebe ... (GSA; oben links Hinweis auf WA: VI,

147) G.s R lag ein Gedicht Marianne Willemers zugrunde. Ihre ursprüngliche Niederschrift


Kommentar

ist nicht erhalten geblieben. In ihrem Brief vom 5. April 1856 an Herman Grimm (>Preußische

Jahrbücher< 1869, Bd.24, S. 13) schreibt sie: »Im Divan hast du nichts auszuscheiden, ausser

dem Ost- und Westwinde habe ich nichts auf meinem Gewissen, als allenfalls noch >Hochbeglückt

in deiner Liebe< und >Sag du hast wohl viel gedichtet« denn das Berauben?

; V. 16 Jedem Glück ist meines gleich. > Welch ein Glück ist meinem gleich. - Datierung

unten links: d. I6. S. I8I5. (G. verbrachte den Tag als Gast der Willemers auf der Gerbermühle).

[118] Suleikal Als ich auf dem Euphrat schiffte ... (GSA; oben links Hinweis auf WA:

VI, 149) Möglicherweise gab es auch für dies Gedicht eine frühere Form von Marianne Willemer,

doch sind weder von ihrer noch von G.s Hand irgendwelche Entwürfe erhalten geblieben.

Herman Grimm, der Marianne für die Verfasserin hielt, vermutete, daß in V. 7 ursprünglich

»sage Goethe« statt sag Prophete gestanden habe. - Korrekturen: über V. 1 Suleika als

Sprechername nachträglich von G. in Blei hinzugefügt; V. 4 jüngst> einst. - Datierung unten

links: d. IJ. S. I8I5. (G.s vorletzter Tag als Gast der Willemers auf der Gerbermühle).

[119] Hatem I Dies zu deuten bin erbötig! (GSA; oben links Hinweis auf WA: VI, 150)­

Korrekturen: über V. 1 Hatem als Sprechername nachträglich von G. in Blei hinzugefügt; V. 5

So > Als ( oder) Also; V. 15 Hier> Dir. - Datierung unten links: IJ. Sept. I 8 I 5. (G.s vorletzter

Tag auf der Gerbermühle).

[120] Kenne wohl der Männer Blicke ... (ÖNB; Wiener Signaturen unten links: Autogr.

13/46-1; oben rechts: N° I) Zählung oben rechts in Blei von G.s Hand: 73. - Datierung unten

links: I2. Dec. I8IJ (G. war an diesem Tage in Jena). - Das Blatt diente 1819 als Druckvorlage

für den Paralleldruck des WD bei Armbruster in Wien. Als eigenhändiges Blatt des Dichters

wird es »von Armbruster gerettet worden sein. Da es zu den spätestgeschriebenen Gedichten

von E gehörte, legte Goethe sein eigenes Blatt in die längst bestehende Schreiberabschrift«

(MA 287). Auch die Lücke im Reinschriftcorpus dürfte sich so erklären.

[121] Ginkgo biloba.IDieses Baums Blatt, der von Osten ... (GMD) Nicht dem Reinschriftcorpus

zugehörig, sondern - wie Günther Debon nachwies - Beigabe zum Brief an den

Großherzog earl August vom 10. März 1820, in dem G. schrieb: »Ew. Königliche Hoheitl

erhalten hiebey die angekündigte Wiener Sendung: [...] 2) Über den Ginkgo, von Freyherrn

von Jacquin. [...] Die Blätter des Baums haben das Eigene, daß sie sich in jüngeren Jahren in

der Gestalt zeigen wie sie Jacquin hat abbilden lassen, wo ein Einschnitt in dem Fächer kaum

angedeutet ist. Dieser Einschnitt aber nimmt an späteren Zweigen zu, wie an beiden Blättern

unter dem dadurch veranlaßten Gedicht [!] zu sehen, und zwar endlich dergestalt, daß es zwey

Blätter zu seyn scheinen.«

G. übernimmt hier die Schreibung »Ginkgo« aus der Schrift >Ueber den Ginkgo< des Wiener


Kommentar

Botanikers Joseph Franz Freiherr v. Jacquin (1766-1839), die sich noch auf der Großherzogl.

(jetzt Anna-Amalia-)Bibliothek in Weimar befindet. »Ginkgo« (fern.) ist die botanisch korrekte

Schreibung, zu der es durch Übersetzung des japan. »gin-kyo« (für das chin. »yinhsing«

= Silber-Aprikose) kam, in Engelbertus Kaempferus, D., >Amoenitatum exoticarum

politico-physici -medicarum fasciculi V ... Lemgoviae: Henrici MeyeriNeues zur Schreibung des Namens GinkgoVerhandlgn. d. naturforschenden Gesellschaft zu Basel,Das Blatt von Osten'. Gedanken zum

Gingo-biloba-GedichtEuphorion< 73, 1979, S.227-236; wiederabgedruckt in: G.D.,

>Goethes Begegnung mit Heidelberg


Kommentar 243

V 5 Bis auf Punct und Strich vollendet, > Seh ich, bis aufs Punct vollendet, . - Datierung unten

links: 22. S. 15. (G. verbrachte den Tag in Heidelberg).

[124] Suleika I Die Sonne kommt! Ein Prachterscheinen ! (GSA; oben links Hinweis

auf WA: VI, 154) Suleika über V. 1 und Hatem. über V. 5 als Sprechernamen aufzufassen. -

Korrekturen: V. 5 er> der; V. 10 mich> dich; V. 12 Komm, süsser Mond umklammre mich! >

O! Süsser Mond umarme mich! - Auch dies Gedicht entstand in Heidelberg, doch war G.

schon in Frankfurt - vermutlich am 8. September - durch Mariannes Geschenk eines während

der Messe erworbenen Sonne-Mond-Ordens auf das Motiv aufmerksam geworden. Noch am

9. Mai 1824 versichert G. ihr brieflich: »Auch schmückt der Sonnemond noch heute mein

Schatzkästchen. «

[125] Komm Liebchen, komm! umwinde mir die Mütze ... (GSA; oben links Hinweis

auf WA: VI, 155) Zählung oben links in roter Tinte: 3 I. = Nr. des WR; dort als >Tulbend< verzeichnet.

- Korrekturen: V. 2 nur ist> ist nur; V. 16 Er > er . - Datierung unten links: 17 Febr.

1815. - Zu dem in Weimar entstandenen Gedicht wurde G. durch Lektüre von Reisebeschreibungen

angeregt.

[126] Nur wenig ist's was ich verlange ... (GSA; oben links Hinweis auf WA: VI, 156)

Zählung oben links in roter Tinte: 56. = Nr. des WR; dort als >Kaysergaben< verzeichnet. -

Korrekturen: die Rs. begann ursprünglich mit V. 21-24 (Wie in dem Lande der Bramanen ...),

diese vier Verse wurden später am linken Rande mit der Zahl 1 versehen, während auf dem

oberen Rand des Blattes die jetzige 7. Str. (V. 25-28ja, zur Verherrlichung der Lieben ...) nachgetragen

und am linken Rande mit der Zahl 2 versehen wurde. V. 26 auf Rasur Soumelpours >

Visapours , dies aus einem früheren Entwurf ersichtlich. - Die doppelte Datierung unten

links: 17 März 17 Mayl 1815. - beide Tage verbrachte G. in Weimar-weist auf die lange Entstehungszeit

des Gedichtes hin, zu dem er aus Reisebeschreibungen zahlreiche Notizen über

Produkte verschiedener Städte des Orients zusammentrug.

[127] Haett ich jrgend wohl Bedencken ... (GSA; oben links Hinweis aufWA: VI, 158)

Zählung oben links: 57 = Nr. des WR; dort als >Überboten< verzeichnet. - Korrekturen: V. 2

Bochara auf ursprünglichen Text (?) geklebt; V. 3 Süßes Liebchen dir zu schenken? > Süße

Liebliche zu schencken? - Datierung unten links: 17. Febr. 1815. - Das Gedicht entstand in

Weimar, angeregt durch eine Gasele des Hafis und eine darauf bezügliche Timur-Anekdote in

>Hammer-Hafis< I, S.XVIf. u. S. 13.

[128] Die schoen geschriebenen ... (GSA; oben links Hinweis aufWA: VI, 159) Korrekturen:

V. 2 umgüldeten > vergüldeten ; V. 3 Belächeltest du > Belachtest du oft; V. 5 Verziehst>

Und verziehst; V. 8 anmutigem> anmutiges; V. 21 Ein> ein; V. 26 Verschwendungen > Verschwendung;

V. 27 bunte> breite; V. 28 Geklöpplet tausendfadig > Tausendfadig geklöpplet;

V. 31 Dichtrische Perlen> Reich ich dir die Perlen; V. 38 iuwelenem > Juwelen; V. 43 Gereift

> Gereiht. - Datierung unten links: H[eidelberg]. d. 21 S.I 1815.


244 Kommentar

[129] Lieb' um Liebe, Stund' um Stunde ... (GSA; oben links Hinweis aufWA: VI, 161)

Korrektur: V. 5 nachträglich hinzugefügt. - Datierung unten links: 25. S. 1815. - Das Gedicht

stammt vom dritten der Tage, die G. und Willemers gemeinsam in Heidelberg verbrachten.

Vgl. zu dem Gedicht das in den NA zum >Buch Suleika< Gesagte: »... noch eines größern

Mangels rühmt er [der> DivanArab. Welt Selbst gefühltes; V. 59 Mag schon seyn wenn> Mag es seyn wen. - Datierung

unten links auf der Rs. des zweiten Blattes: [Meiningen] 10. 0. 1815. - Ein Reisegedicht

von der Rückfahrt nach Weimar: Am 9. hatte Boisseree in Würz burg Abschied genommen,

am 10. fuhr G. allein bis Gotha weiter. Der abends in Gotha geschriebene Tgb.-Vermerk

vom 10. Oktober 1815 meldet: »[Früh in Meiningen] Hatem und Mädchen.«

[132] Locken! haltet mich gefangen! (GSA; oben links Hinweis auf WA: VI, 168) Suleika.

über V. 17 ist Sprechername. - Korrektur: V. 14 Ihr> dir. - Datierung unten links: 30. S.

1815. - Die Verse entstanden in Heidelberg vier Tage nach dem dortigen letzten Zusammensein

mit Marianne. (Zum Vergleich in V. 7f. s. Mommsen, >DiezKönigliche Buch< des Waassi Aly Dschelebi nachgewiesen wird, in dessen

Kommentar der Übersetzer Diez schreibt: »Der Berg wird mit einem Greise verglichen, weil

sein Scheitel weiß oder mit Schnee, gleich grauen Haaren, bedeckt war.«)

[133] Bist du von deiner Geliebten getrennt ... (GSA; oben links Hinweis auf WA: VI,

171) Korrekturen: V. I Sey> Bist; V. 4 überall sich> sich üb~rall. (Diese Änderungen wurden

nicht auf die Druckvorlage für E übertragen, dort wie in allen späteren Ausgaben setzt das

Gedicht mit dem Wort Bist ein, und die Wortfolge in V. 3 entspricht der ersten Fassung.) - Datierung

unten links: W. 3 I fan. I 1816. - Dasin Weimar entstandene Gedicht wurde durch eine

türk. Quelle aus dem 16. Jahrhundert angeregt, des Staats manns und Dichters Kjatibi Rumi

>Spiegel der Länder< in der Übersetzung von Diez, woraus G. schon am 27. Januar 1816 das

hier verwendete Zitat des Dichters Nedschati exzerpierte.


Kommentar 245

[134] O! daß der Sinnen doch so viele sind! (GSA; oben links Hinweis auf WA: VI, 172)

Der Vierzeiler mit dem folgenden auf demselben Blatt, beide durch horizontale Klammer sowohl

verbunden als getrennt. - Undatiert. Entstehung vor Juni 1818, dem Zeitpunkt des

Drucks (für E) von Bogen 10, auf dem sich die Verse befinden.

[135] Auch in der Ferne dir so nah! (GSA) Zusammen mit )O! daß der Sinnen doch so

viele sind!< auf demselben Blatt (s. den Kommentar zum vorigen Gedicht).

[136] Wie sollt ich heiter bleiben? (GSA; oben links Hinweis aufWA: VI, 173) Datierung

unten links: [Heidelberg] 1. O. 1815. Unter diesem Datum meldet das Tgb. G.s Rückreise von

Mannheim nach Heidelberg: » ••• Vollkommenster Tag. Herrlichster Gebirgs Anblick. [...]

Auf das Schloß.« Die Gegend des Schlosses war nach der Abreise Mariannes von Heidelberg

der Ort des Gedenkens an sie. Keine Korrekturen im Gegensatz zu einem im GSA erhalten

gebliebenen Entwurf zur 2. und 3. Str. und den beiden (1974 und 1980 vom Düsseldorfer

Goethe-Museum erworbenen) Entwürfen zur I. und 3. Str., die zahlreiche Veränderungen

aufweisen. Aus den Entwürfen konnte Göres erschließen, daß die drei Str. des Gedichts in genau

umgekehrter Folge ihrer endgültigen Anordnung auf der R entstanden und daß die Umkehrung

unmittelbar nach dem Niederschreiben der zuletzt entstandenen I. Str. erfolgt sein

muß. (Vgl. Jörn Göres, )Zur Entstehung des Gedichts ,Wie sollt ich heiter bleiben?' aus dem

West-östlichen Divan


Kommentar

[137] Wenn ich dein gedencke ... (Institut Russkoj Literatury, Puschkin Haus, St. Petersburg;

unten Mitte Beglaubigung von unbekannter Hand: »Ich bestättige daß dieses Blatt I Göthe's

Handschrift sey.IJos. Edler von Mopat« [?]; weiter rechts unten von derselben Hand:

»Göthe«) Entstehung frühstens im September oder Oktober 1815 und spätestens im Juni

1818, als G. den 10. Revisionsbogen redigierte. Schon in E ordnete G. das Gedicht zwischen

[136] Wie sollt' ich heiter bleiben ... und [138] An vollen Büschelzweigen ... ein, wodurch der

Schencke ins >Buch Suleika< eingeführt wird. - Korrektur: V. 4 Da > Wen[n] (Sofortkorrektur).

[138] An vollen Büschelzweigen ... (BB; oben links die Zahl 26 von fremder Hand bezieht

sich wohl darauf, daß das Gedicht das 26. im >Buch Suleika< ist.) Korrektur: V. 4 stachligtgrün

> stachlig grün. - Datierung unten links: 24. S. 1815 . - Gemeinsam mit Will emers

verbrachte G. den Tag in Heidelberg. Das Tgb. vermerkt unter diesem Datum: »Auf dem

Schlosse. Nebel ...« Die Aufforderung in V. 2f. Geliebte sieh' nur hin!ILaß dir die Früchte

zeigen »deutet auf ein reales Beisammensein im Schloßpark« (vgl. Günther Debon, >Wo stand

Goethes Kastanie?< In: >Ruperto CarolaHeidelberger UniversitätshefteGoethes Begegnung mit Heidelberg Ewig bleibe. - Datierung unten links: 22. S. 1815. Die Richtigkeit der Datierung wird

von Debon bezweifelt unter Hinweis auf G.s Brief an seine Frau vom 27. September 1815:

»Am 22. kamen Willemers«, obwohl das Tgb. den 23. als den Tag ausweist, an dem die Willemers

nach Heidelberg kamen. Während Grumach das Gedicht für Frankfurt beanspruchte,

lokalisierte Debon mit überzeugenden Argumenten den Brunnen in Heidelberg und wies darauf

hin, daß ital. Pappeln, die in ihrem schlanken Wuchs der Zypresse ähneln und deren besonders

weiche Rinde für fein gezogene Lettern wohlgeeignet sind, am Ende einer Allee standen,

die zu einem Wasserlauf und dem Brunnen hinführte. Die Chiffer - Suleikas Name in

arab. Schrift oder Seiten- und Zeilenangaben aus Hammers Hafis-Übersetzung in röm. Lettern

- könnte von G. »in liebender Erwartung« am Rande des Brunnens mit seinem Taschenmesser

eingeritzt worden sein. Ein Brief Mariannes von 18 I 8 und ihre Erinnerungsstrophen

von 1824 deuten darauf, daß das Brunnengedicht eng mit Heidelberg verknüpft ist. (V gl. Debon,

>Das Brunnengedicht des DivanEuphorion< 74, 1980, S. 198-212. Wiederabgedruckt

in: ders., >Goethes Begegnung mit Heidelberg


Kommentar 247

[141] Suleika.IWas bedeutet die Bewegung? (GSA; oben links Hinweis auf WA: VI,

182). Suleika. über V. listSprechername. -Datierung unten links: 23. S. 1815. -Die ursprüngliche

Fassung des Gedichts stammt von Marianne; doch sind ihre Verse nur noch aus einer viel

späteren Abschrift für Herman Grimm bekannt. Danach änderte G. in V. 2 Mariannes »Ostwind«

in Ost mir, V. 13-20 lauteten bei Marianne: »Und mich soll sein leises Flüstern I Von

dem Freunde lieblich grüßen, I Eh noch diese Hügel düstern I Sitz ich still zu seinen Füßen. I

Und du magst nun weiter ziehen! I Diene Frohen und Betrübten I Dort wo hohe Mauern glühen

I Finde ich den Vielgeliebten ...« Daß Marianne das Gedicht während der Fahrt nach

Heidelberg am 23. September 1815 verlaßt hat, wird neuerdings nicht mehr mit Sicherheit

angenommen und statt dessen vermutet, daß, wenn G. das Gedicht »nicht bereits bei dem

Heidelberger B.esuch der Freunde« empfing, er es »wohl spätestens mit Rosinens Sendung am

I. Oktober erhalten« habe (Weitz, >Willemer Geh denn hin zu ; V. 14 Herzen; > Herzen, ; V. 15 betrüben, > betrüben;

V. 16 Und verbirg ihm> Und verschweig ihm; V. 17 Sag ihm aber, sag's bescheiden: > Sag ihm

nur, doch sag's bescheiden,; V. 18 Leben> Leben,. Datierung unten links: 26. S. 1815. - Die

ursprüngliche Fassung des Gedichts stammt von Marianne. Doch wird neuerdings bezweifelt,

ob Marianne wirklich schon am 23. September, dem Tag des Abschieds von G., auf der Rückfahrt

von Heidelberg nach Frankfurt, die Verse dichtete. Mit Bezug auf den 9. Oktober 1815,

als G. sich bereits auf der Rückreise nach Weimar befand, schreibt Weitz (>Goethe-Willemer­

Briefwechsel ach; die ursprünglichen V. 21-24 »Da erscholl in Jammerklagen I Was

die Ewigkeit verband I Und in schmerzlich strengen Tagen, I Einsam sich, allein empfand.«

zweimal diagonal durchstrichen und ersetzt durch die später in engerem Duktus auf den unte-


Kommentar

ren Rand geschriebenen endgültigen V. 2 I - 24 ; V. 2 I Rasch> Und; die ursprünglichen V. 25 -32

auf der Rs. »Denn das Oben und das Unten 1 Ward zum erstenmal geschaut 1 Unter freyem

Himmelsrunde 1 Tief der Erde Schoos erbaut. 1 Ach da trennte sich für immer, 1 War doch der

Befehl geschehn! 1 Feuerwasser in den Himmel 1 Wellenwasser in die Seen« vor der endgültig

4. Str. diagonal durchstrichen; V. 30 Ein erklingend> Stets erneutes; V. 37 Ergreifen> ein

Greifen. - Datierung auf der Rs. unten links: 24. S. [18}1J. G. war an diesem Tage in Heidelberg,

gemeinsam mit Willemers. - Zur Hauptveränderung auf der R vgl. Boissen!es Tagebuch

vom 3. Oktober 1815 über sein Gespräch mit G. während der gemeinsamen Fahrt nach Karlsruhe:

»Ich erinnere an sein Gedicht von der Schöpfung das er dieser Tage gemacht und wo nur

ein Gedanke verkehrt war und die ganze Composition gestört und verdorben hat. Er fands

nachher und warf ihn heraus. Er hatte mir versprochen dies als ein merkwürdig Beispiel ausführlich

vorzulegen - wie es bei der Composition oft [auf] ein einzeln Wort ankomme. Doch

nun wollte er den falschen Vers nicht sagen sondern hielt sich im allgemeinen. Das Gedicht

sehr dunkel und metaphysisch. Nach der Handlung, welche nur ein Augenblick der Schöpfung

- fühlt sich Gott zum ersten mal einsam!« (Weitz, >Boissen!eWiederfinden sagt . - Beim Abschied hatten G. und

Marianne vereinbart, künftig einander »bei Vollmond zu begrüßen«. Mariannes beim nächsten

Vollmond am 18. Oktober geschriebener Chiffernbrief gab die Anregung zu G.s Gedicht,

vor allem die Schlußzeile: »Immer sehnt sich mein Herz nach deinen Lippen.« (Vgl. Weitz,

>Willemer es ; V. 2 Recht> Euch; V. 23 LiedeYr! (Sofortkorrektur). - Datierung auf der

Rs. unten links: H[eidelbergj. d. 21. S.I 181J. In E Titel >Geheimschrift


Kommentar 249

deinem! > Von dir zu horen; V. 7 Sinne> Herzen; V. 13 Mein Leben will ich> Ich will mein

Leben; V. 17f. gestr. »Warum ich athmelDas weis ich nun«. - Undatiert.

[148b] Dir zu eröffnen I Mein Herz verlangt mich ... (GSA) Zwischen dem 20. und

24. Oktober 1815 verfaßte Umformung von [147a], die G. später etwas verändert ins Kap.

>Chiffer< der NA aufnahm. Die Vorlage zu V. I I f.lautete: »Wie der Glanz der Morgenkerze ist

mirlDer Vorsatz klar geworden«; für den Druck in NA wandelte G. Wie Morgenkerzen um

in »Wie Sonnenaufgang«. - Korrekturen: V. 5 Wie blickt> Mir sieht; V. 6 mich an > und Das;

V. 16 Von heut' an machen> Von heute machen. - Undatiert. Als »ein allenfalls singbares

Lied« sandte G. die Verse am II. März 1816 an Zelter, der ihm bereits am 18. oder 19. März

1816 die Vertonung schickte. (Von dieser besonders gelungenen, für Zelters eigene Baßstimme

gesetzten Komposition-enthält die Edition des Goethe-Zelter-Briefwechsels von Max Hekker,

Bd. I, Leipzig 1913, S.458/459 eine Abb.)

[149] Ein Spiegel er ist mir geworden ... (GSA;oben links Hinweis auf WA: VI, 193)

Korrekturen: V. I Ein Spiegel er ist> Ein Spiegel ist; V. 2 gerne> gern; V. 17-20 durch Umbezifferung

entstanden aus: »Die schreib' ich immer schoenerlZu täglichem Gewinn,ITroz

Krittler und Verhöhner I Und mehr nach meinem Sinn«. - Undatiert. Ein Entwurf zu dem Gedicht,

den G. in sechs Stücke zerriß und der sich heute in der Universitätsbibliothek Bonn befindet,

wurde von Boisseree gerettet, ehe er sich am 9. Oktober 1815 in Würzburg von G.

trennte. Dadurch ist eine annähernde Datierung auf 9. Oktober 1815 oder früher für das Gedicht

möglich. Eine Variante des »Der lieben Kleinen« bestimmten Gedichts, die heute im

FDH liegt, legte G. einem Brief an Willemer vom Spätherbst 1815 bei. - In E erhielten die

Verse den Titel >Abglanz ihm; V. 5 Er> er; V. 7 Immerdar> Immerhin;

V. 8 Ihm> ihm. - Datierung unten links: [Weimar} d. 23. Dec. 1815.

[151] Laß den Weltenspiegel Alexandern ... (GMD) G.s mit Blei durchgestrichene Bemerkung

oben links »zu Seite.« läßt vermuten, daß es sich bei dem Autograph um ein Blatt

handelt, das der Dichter in eine schon bestehende Folge von zum Druck bestimmten Gedichten

einordnen wollte. Daß G. keine Seitenzahl mehr hinzugefügt hat, deutet darauf, daß

es für den von Februar bis Oktober 1818 ablaufenden Druck der Erstausgabe von 1819 zu

spät geworden war. So konnte das Blatt nur noch als Vorlage für die Schreiberhandschrift

dienen, die G. für den Druck der >Ausgabe letzter Hand< von 1827 anfertigen ließ. (Vgl.

J. Göres, >Zwei verloren geglaubte Autographen aus Goethes West-östlichem DivanGoethe-Jahrbuch< 90, 1973, S. 269-280.) Wie Göres ermittelte, war die Hs. bis zu ihrer Versteigerung

im Februar 1971 in das Exemplar der >Werther


Kommentar

Sommer 1815 zurückreichenden Gedichts vermutet Göres aufgrund des Wasserzeichens im

Papier und weiterer Indizien, daß es »zwischen dem 21. Juni 1818 und dem 16. August 1819

verlaßt« wurde. »Die Wahrscheinlichkeit spricht allerdings für ein Datum im Sommer

1818.« (a.a.O. S.272)

[152] Die Welt durchaus ist lieblich anzuschauen ... (GSA; oben links Hinweis aufWA:

VI, 196) Zählung oben links in roter Tinte: 93. = Nr. des WR: dort als >Guter Tag.< verzeichnet.

- Datierung unten links: W[eimarj. d. 7. Febr./ 1815.

[153] Reicher Blumen gold ne Rancken ... (BB; ursprünglich dem Reinschriftcorpus

zugehörig; 1948 von Martin Bodmer aus der Sammlung Stefan Zweig erworben.) Zählung

oben links in roter Tinte: 95. = Nr. des WR; dort als >Alles Golden< verzeichnet. - Korrekturen:

V. 4 Euch> euch; V. 7 Schalle> Schallen; V. 8 Crystalle > Crystallen ; V. 9 Weisen Freundes

goldne Worte> Weissen Freundes gold ne Worten; V. 13 Ausrufezeichen aus Semikolon;

V. 14 Fragezeichen aus Komma. - Datierung unten links: d. 12. Febr. / 1815. Seinem Schreiben

an Willemervom 26. April 181 5 legte G. eine Abschrift des Gedichts bei, die von dem Weimarer

Zeichenlehrer Lieber mit einer orientalisierenden Einfassung aus bunt- und goldgemalten

Arabesken geschmückt worden war. G.s darauf bezüglicher Brief hat folgenden Wortlaut:

»Möge die Verspätung des beykommenden Gedichts durch die Erklärung entschuldigt werden:

daß es lange auf dem Papier stand, ehe die Einfassung, ohne die es nichts bedeutete, hinzugefügt

werden konnte. Denn obgleich solche Zierrathen im Orient nicht fremd sind so kostete

es doch einige Mühe sie nach Weimar zu verpflanzen. I Unter Glas und Rahmen

wünschte ich das Blättchen an Ihrer Wand zu wissen; damit Sie meiner in guter Stunde eingedenk

seyn mögen. Um baldige Nachricht der Ankunft bittend I herzlich verbunden I Goethe«.

- Marianne erwiderte die Sendung mit Dankversen auf einem grünen, mit weißen Scherenschnittblumen

in den Ecken verzierten Blättchen, das sie ihrem und Willemers Brief vom

I. Mai 1815 beilegte. Ihre Verse lauten: »Goldnes Netz was Dich umwunden, I Kann es Seinen

Wert erkunden? I Heil! Ihm dessen goldne Worte I Uns beglückt am Schattenorte.« Dieser Gedichtwechsel

mit Marianne bildete den Auftakt zum Hatem-Suleika-Dialog: am 24. Mai 1815,

dem Tag des Aufbruchs in die Rhein- und Maingegenden, schuf G. die Gedichte [114] >Daß

Suleika in Jussuph vernarrt war ... < und [115] >Da du nun Suleika heißest ... Buch Suleika< einsetzte. Das nach Ausweis des WR ursprünglich

für den WD bestimmte Blatt veröffentlichte G. jedoch erst 1827 im 4.Bd. der >Ausgabe

letzter Hand< unter der Überschrift >An Geheimerat von Willemer< mit der Erläuterung:

»Als ich eine Zeitlang im Orient hauste, liebte ich meine Gedichte mit gold blumigen Verzierungen

einzufassen; dies geschah denn auch an diesem Gedichte, dem geprüften alten

Freunde Geheime Rat von Willemer gewidmet.« Im Briefwechsel G.s mit Willemers wird

noch gelegentlich auf die »goldenen Worte« von Reicher Blumen goldne Rancken ... angespielt;

Willemer versichert, daß das Gedicht Marianne an der Wand ihres Zimmers »stets

vor Augen schwebt«. Noch aus spätester Zeit hat H. Grimm überliefert, daß Marianne es

bis zu ihrem Tode unter Glas und Rahmen an der Wand ihres Stübchens in Ehren hielt. Leider

ist jenes »März 1815« datierte Schmuckblatt seit 1933 verschollen. Vgl. Weitz, >Willemer


Kommentar 251

[154] Schreibt er in Nessky ... (GSA; oben links Hinweis aufWA: VI 292). Über dem Gedicht

ein in Nessky, der gewöhnlichen arab. Kursive, von G.s Hand geschriebenes, aus einem

anderen Zusammenhang stammendes arab. Distichon, das Hendrik Birus (FA S. 1764) folgendermaßen

transkribiert und übersetzt: Maqbülu 'l-sultani mas 'üdün I Wa mabgü faß ich sie ein; V. 6 Aber die Kraft> die Kraft; V. 7 Bis zum> Bis an

den; (Riemer am Rande: Dsch statt des G in V. 15 Dschemil > Gemil). - Zu V. 21 sei vermerkt,

daß >Divan< auch Polster bedeutet. In diesem einsamen, monologischen Nachzügler zum

>Buch Suleika< geht es um »das Fortleben der Liebenden und ihrer Liebe, nach dem Tode nicht

nur des Dichters. Suleika ... liegt, für alle Zeiten, auf dem ihr von Goethe bereiteten Polster

seiner Verse ...« (Hilde Domin, >Aber die Kraft bestehtFrankfurter Anthologie< Bd. 11,

Frankfurt a.M. 1988, S.94-96).

[156] Lasst mich weinen! umschraenkt von Nacht ... (GSA; oben links Archivhinweis

aufWA: VI 290, darüber Riemers Hinweis mit Blei: »Divan nach [Cl] S. 179.« [»Deinem Blick

mich zu bequemen«], entsprechend eingeordnet in der Quartausgabe I 1,360). - Korrekturen:

V. 7 Die wegeverlängemden Aergerlichen Krümmungen. > Die wegeverlängernde Krümmungen.

; V. 11 Xerxes beweinte das unerschlagene Heer, > Xerxes beweinte des Heeres lebendigen

[Scheideschritt,] > Xerxes weinte des Heeres Lebendigen Scheideschritt[s], > Xerxes beweinte

der Unzahl lebendigen Scheideschritt, > Xerxes beweinte des Heeres Unzah[l] als todt Lebendige

> Xerxes beweinte des Heeres Unzah[l] als Todte> Xerxes beweinte der Lebendigen

Scheide schritt, > Xerxes weinte der Lebendigen Scheideschritt, . - Undatiert. - Angeregt

durch mehrere Kasiden der >Moallakat< (vgl. Mommsen, >Arab. Welt


Kommentar

[158] Hudhudauf dem Palmensteckchen ... (FDH; H 27 , Doppelblatt, Vs. des I. BI. für

Marianne, zusammen mit >Hudhud erklaert eine räthselhafte I Stelle.< [158], >Hudhud, als einladender

Bote.< [159] und >Hudhud erbittet ein Neujahrsgeschenck, I räthselweise.< [160], unter

letzterem die Datierung: »Dec. 1819.« ; vermutlich als Beilage zu G.s Brief an das Ehepaar

Willemer vom 27. Dezember 1819. Im Unterschied zur früheren Fassung [156]: V. I Palmensteckchen

> Palmen=Steckchen; V. 3 Nistet, äugelnd, > Nistet äuglend, ...

[159] Hudhud erklaert eine räthselhafte! Stelle.! Der Mahler wagts mit Götterbildern

... (FDH; H 27 , Doppelblatt, Rs. des I. BI. [>Hudhud auf dem Palmensteckehen ... WillernerBriefwechsel zwischen Goethe

und Marianne von WillemerAusgabe letzter Hand< (Cl 3, 159); dort unter der Überschrift

>Räthsek Die Auflösung des Rätsels: ein Kamm. V. 8 gerechte Weihe - durch eine

Locke von Marianne.

[162 a] Schoen und köstlich ist die Gabe ... (GSA; H 22 , Hinweis oben rechts: »Nachlass

der Enkel I K.«) Korrektur V. I köstlich> lieblich. - V. 6 über Er flüchtige Zeichnung eines

fünfgezackten Kammes; V. 7 nach erlaubte Zeichnung einer Schere. (VgI. auch Abb. [162].)

Die Verse wurden erst postum (1842 in Cl 56,73) veröffentlicht.

[162b] Schoen und koestlich ist die Gabe ... (FDH; H 28 ) Geschenk für Marianne auf

gelbem Glanzpapier mit gepreßtem Zierrand, Beilage zum Brief vom 6. März 1820. - Datierung:

Oculi. [= 5. März} 1820. (Dank für den Kamm und wiederholte Bitte um eine Haarlocke.)

[163] Hatem und SuleikalHudhud sprach: mit Einem Blicke ... (GSA; H l62 . Das Quartblatt

lag Burdach noch nicht vor; es scheint durch Ottilie v. Goethe an den Burgschauspieler


Kommentar 253

Karl La Roche gegeben worden zu sein, der von 1822 bis 1832 am Weimarer Theater gewesen

war, danach gelangte es in den Besitz von Marie Arnsburg in Wien, ehe es 1927 vorn GSA

erworben wurde.) Korrekturen eigenhändig in Blei: nachträglicher Titel Hatem und Suleika

und Akkolade; V. 6 Seht wie sich's in Sternen schreibt> Wird an jedem Sterne klar; V. 7

Dass> Wie; V. 8 bleibt> war. Von welchem Schreiber die letzten drei Zeilen mit den Reinschriften

zu V. 6-8 geschrieben wurden, ist unbekannt. Sie wie auch der Vermerk »(Westöstl.

Divan I Uschk Nameh).« von der gleichen Hand stehen im Zusammenhang mit der von

Eckermann und Riemer geplanten Einordnung des Gedichts in die Quartausgabe von 1836,

I 1, 345, wo die Verse im >Buch der Liebe< ihren Platz fanden. Dies Hudhud-Gedicht

scheint durch Mariannes Glückwunschbrief zu G.s 70. Geburtstag hervorgerufen worden

zu sein, in dem sie berichtet: »"Eines kleinen Abenteuers kann ich nicht umhin zu erwähnen,

das mir in Baden von guter Vorbedeutung zu sein schien; der Erfolg wird zeigen, ob ich

mich auf meinen Boten verlassen kann: Bei einern Spaziergang mit Boisseree führte unser

Weg durch einen Wald, der von der Abendsonne herrlich beleuchtet, übe.rdies mit Stechpalmen

reichlich durchwachsen war, deren grünes Gold, vorn Sonnenglanze schimmernd, aus

dem dunklen Schatten südlich und üppig hervorstach; und wahrhaftig, Hudhud lief über

den Weg und blieb auf dem Stamm einer Stechpalme sitzen. Ich trat zu ihm und sagte

ihm - - nein, ich sagte ihm nichts, denn er weiß ja alles! Er versprach mir, alles pünktlich

auszurichten und die Aufträge, wozu mir der Griffel und das Pergament fehlen aus eignen

Mitteln zu bestreiten; auch wolle er auf jenen Tag [28. August 1819], dessen Feier wir immer

im Stillen begehen, alle Herzenswünsche ausstreuen ...« - Weitz, >WillemerBuch Suleika< zugeordnet und 1836 in der Quartausgabe (I I, 358) veröffentlicht.

[165] Myrth' und Lorbeer hatten sich verbunden ... (FDH) Geschenkblatt für Marianne,

Briefbogen in Quart, gelb graues Papier mit der eigenhändigen Aufschrift G.s »zu Seite

279« (von J. P. Eckermann, >Beiträge zur Poesie mit besonderer Hinweisung auf GoetheAch, um deine feuchten Schwingen< zitiert und

gerühmt wird). - Datierung: d. 18 Octbr. 1823 . - Der Sendung legte der Dichter ein mit grünem

Band zusammengehaltenes Myrthen- und Lorbeerreis bei. Auf die Veranlassung zu dem

Gedicht karn G. in seinem »Jubilate 1824« datierten Brief vom 9. Mai an Marianne zurück:

»Als ich des guten Eckermanns Büchlein aufschlug, fiel mir S. 279 zuerst in die Augen; wie oft

habe ich nicht das Lied [143: Mariannes >Ach, um deine feuchten Schwingen


Kommentar

ner freundlichen Aufnahme blieb ich versichert, die Sie nun so liebenswürdig aussprechen

und mich glücklich machen.« Bei der Erstveröffentlichung der Verse 1827 in der >Ausgabe

letzter Hand< (Cl 4, 126) fügte G. (ebd. S. 187) folgende Erläuterung hinzu: »Dieses Gedicht

begleitete einen geschlungenen Lorbeer=und Myrtenkranz zum Symbol eines wie Hatem

und Suleika in Liebe und Dichtung wetteifernden Paares.«

[166] Sakiname (GSA) Titel auf der Vs. des Foliobogens, der seit der Einteilung des WD in

Bücher am 6. Oktober 1815 in Heidelberg als Umschlag für die zum Schenkenbuch gehörenden

Gedichte diente. Oben rechts von G.s Hand Schenckenbuch und darunter eine römische

XI, was darauf hindeutet, daß zunächst das Schenken buch im WD an elfter Stelle stehen sollte;

während es in E an neunter Stelle erschien. Der Titel in der Mitte Sakiname I Das Schenckenbuch

in Analogie zu G.s Vorlage >Hammer-Hafis< 2, 489: >Sakiname I das Buch der [I] Schenken<

(so auch im dortigen Inhaltsverzeichnis). Im >Morg.enblatt< vom 24. Februar 1816 wurde

das Buch an elfter Stelle folgendermaßen angekündigt: »Sakiname, Buch des Schenken.

Der Dichter überwirft sich mit dem gemeinen Kellner und wählt einen anmuthigen Knaben,

der ihm den Genuß des Weins durch gefällige Bedienung versüße. Das Kind wird sein Lehrling,

sein Vertrauter, dem er höhere Ansichten mittheilt. Eine wechselseitige edle Neigung belebt

das ganze Buch.«

[167] Sitz ich allein ... (GSA; oben links Hinweis auf WA: VI, 202) Zählung oben links in

roter Tinte: 43~. = nachträgliche Nr. des WR; dortige Einordnung zwischen [170] >Trunken

müssen wir alle seyn< und [172] >So lang man nüchtern istKoran und Becher< verzeichnet. - Datierung

unten links: [Weimar] 20. May I 1815. (Zur Problematik des Inhalts vgl. Mommsen, >Arab.

WeltTrunckenheit< verzeichnet. - Undatiert. Entstanden vor

Ende Mai 1815.

[171] Da wird nicht mehr nachgefragt! (GSA) Auf demselben Blatt wie das vorige Gedicht;

s. dort.

[172] Buchstabe Nun I XXV Gasele ISo lang man nüchern ist ... (GSA; das dem Reinschriftcorpus

zugehörige Blatt wurde von Zelter geschrieben, während das (verschollene)

Originalblatt in Zelters Besitz überging; oben links Hinweis auf WA: VI 205) Zählung oben

rechts: 23 (DD), von G. rot durchstrichen; oben links von G.s Hand in roter Tinte: 44 = Nr.

des WR; dort als >Geschärftes Urtheil< verzeichnet. - Datierung unten links: 26 Jul 1814. An


Kommentar 255

diesem Tage reiste G. von Eisenach nach Fulda. Eine Beziehung zwischen dem Gedicht und

der im Titel angegebenen Gasele von Hafis vermochte kein Kommentator festzustellen. Statt

dessen wird in Kommentaren auf Hafis' Mim Gasele LI hingewiesen (>Hammer-Hafis< 2,

233): »Vom Wirthe hab' ich ein Fetwa, I Ich traf die Uebereinkunft, I Daß Trinken dort verboten

sey, I Wo sich kein Liebling findet.« G. schrieb an seinem 65. Geburtstag, dem 28. August

1814, von Wiesbaden aus in einem PS an Zelter unter Anspielung auf V. 15 f.: »nur für Dich! I

Wenn man getrunken hat I Weis man das Rechte.« Zelter vertonte das Lied am 22. Februar

1816 und veröffentlichte es unter der Überschrift >Verstand und Recht< in: >Die LiedertafelUnhold< verzeichnet. Suleika

über V. 1 und Hatem über V. 2 sind Sprechernamen. - Korrektur: V. 6 Schnürt> Schlägt. - Datierung

unten links: Eisenach I d. 24 May I 1815. - Das Fahrtgedicht wurde durch Hafis-Lektüre

ausgelöst.

[174] Wenn der Körper ein Kercker ist ... (GSA; oben links Hinweis auf WA: VI 207)

Zählung oben links: 64~ = nachträgliche Nr. des WR; dortige Einordnung zwischen >Bulbuls

Nachtlied< und >Welch VermächtnissKellner und Schencke< verzeichnet.) G. plante also Ende Mai

1815 bereits das Gedicht, doch zeigt die Datierung unten links: [Wiesbaden] I. 7.15., daß es,

als G. Ende Mai das WR schrieb, nur vorgesehen, aber noch nicht ausgeführt war. Auch wenn

G. versehentlich zunächst [18]14 statt [18]15 schrieb, besteht kein Grund, mit Burdach anzunehmen,

das Gedicht sei bereits [Weimar] 1. Juli 1814 entstanden (vgl. MA 359f.). - Über V. 1

Dem Kellner ist Titel, da nicht nur rot unterstrichen, sondern auch mit Akkolade versehen.

V. 1-8 zunächst fortlaufend geschrieben, nachträglich zwischen V. 4 u. V. 5 Dem Schenken eingefügt

und rot unterstrichen, während für eine Akkolade kein Platz mehr vorhanden war. -

Korrekturen: V. 6 Was stehst du denn> Was stehst denn du [in E: Was stehst du denn da];

V. 8 Jeder Wein> Und der Wein.

[176] Schenke spricht. I Du, mit deinen braunen Locken ... (GSA; oben links Hinweis auf

WA: VI, 209) Zählung oben rechts in Blei: 35 (DD); oben links in roter Tinte: 75. = Nr. des WR;

dort als >Des Schencken Eifersucht< verzeichnet. - Datierung unten links: Octbr 1814 . - Auch

dies zu den Heidelberger Schenkengedichten gehörende Gedicht wurde durch Hafis-Lektüre

ausgelöst.

[177] Sie haben wegen der Trunckenheit ... (GSA; oben links Hinweis auf WA: VI 210)

Datierung: Mich[aelis = 29. September]. 1815. G. war an diesem Tage in Heidelberg. - Angeregt

wurde er zu dem Gedicht durch das >Buch KabusDiezArab. Welt


Kommentar

[178] Du kleiner Schelm du ... (GSA; H 42 , nicht dem Reinschriftcorpus zugehörig.) Die

R des für E zu spät entstandenen Gedichts diente Eckermann zur Vorlage, die er Ende Dezember

1823 für den Druck in der >Ausgabe letzter Hand< anfertigte.

[179] Was, in der Schencke, waren heute ... (GSA; H 133 , nie für das Reinschriftcorpus

vorgesehenes Quartblatt, mit eigenhändiger Echtheitsbestätigung auf zwei nachträglich aufgeklebten

Streifen, oben: »Goethes Handschrift«, unten: »Weimar d. 3 April I 1824.« G.s Tgb.

vermerkt unter diesem Datum: »Autographa beglaubigt«. Das Blatt stammt aus der Sammlung

des Grafen Joh. Baptist von Paar.) Die 8 S. 1818 datierte R war für E zu spät entstanden;

sie diente vermutlich zuerst als Vorlage für den Schreiber John, der diesen Teil des Druckmanuskripts

für die >Ausgabe letzter Hand< von r827 anfertigte. - Auch dies späte, in Karlsbad

entstandene Gedicht war noch durch Hafis-Lektüre ausgelöst worden: Buchstabe Dal Gasele

CXXIV (>Hammer-Hafis< 1,392).

[180] Schencke.1 Welch ein Zustand! Herr, so späte ... (GSA; oben links Hinweis auf WA:

VI, 213) Zählung oben rechts: 36. (DD); oben links: 77. = Nr. des WR; dort als >Katzenjammer<

verzeichnet. - Schencke. über V. 1 und V. 9 und Dichter über V. 5 sind Sprechernamen. - Korrekturen:

V. 3 Perser nennen 's Bidamag buden, > Der dem Perser nah verwandte; V. 4 Deutsche

sagen> Deutsche nennt es ; V. 17 Ausrufezeichen erg. Die Änderungen in V. 3 f. erfolgten

erst nach dem 24. Mai 181 5. Auf eine entsprechende Anfrage G.s antwortete der Jenaer Orientalist

Lorsbach am 20. Mai 1815: »... Chardin's Reisen ... Die Stelle qu[aest.] scheint mir die

zu seyn, welche T. IX. p. 120 steht, wo gesagt wird, die Perser nennten den unbehaglichen Zustand

eines Trinkers pp nach dem Rausche, bidamag buden, c'est a dire, sans gayete ...« Auf

dem Brief steht ein Vermerk »präs[entiert]. d. 24st. May 15« - der 24. Mai war G.s Abreisetag

in die Rhein- und Maingegenden. - Datierung unten links: Octbr 1814 - das Gedicht gehört

demnach zur Gruppe der Heidelberger Schenken gedichte.

[181] Jene garstige Vettel ... (GSA; oben links Hinweis auf WA: VI, 214) Datierung unten

links: 25. O. [18}15. An diesem Tag befand G. sich in Weimar. - Anregungen zu diesem Gedicht

im >Buch Kabus< und bei Hafis.

[182] Schencke I Heute hast du gut gegessen ... (GSA; oben links Hinweis auf WA: VI, 215)

Zählung oben rechts: 38. (DD); oben links: 78 = Nr. des WR; dort als >Schwänchen und

Schwan< verzeichnet. - Datierung: Octbr 1814 - zur Gruppe der Heidelberger Schenkengedichte

gehörend. - Schencke über V. 1. ist Sprechername. - Für A. W. Paulus (1802-1819), im

Briefwechsel mit dessen Vater, dem Heidelberger Orientalisten H. E. G. Paulus der »Schenke«

genannt, fertigte G. eine weitere R an, die >Der gute ScheQke spricht< überschrieben ist und die

Unterschrift trägt: »(Nach dem lateinischen) W[eimar] d. 1. Jan. 1815 G.« - Zur Quelle Martial

und Erklärung des Gedichts s. M. Mommsen, >Schwänchen und SchwanGoethe­

JahrbuchSchencke liebt< ver-


Kommentar 257

zeichnet.) - Schenke über V. 1 ist Sprechername. - Datierung unten links: Octbr 1814 - zur

Gruppe der Heidelberger Schenken gedichte gehörend.

[184] Dichter.ISchencke komm! Noch einen Becher! (GSA; oben links Hinweis aufWA: VI,

217) Zählung oben links in roter Tinte: 79. = Nr. des WR; dort als >Weinverbot< verzeichnet.­

Korrektur über V. 1 erst in Blei, dann in Tinte Dichter. ; Dichter über v. I, V. 4, V. 6, V. 9 und

Schencke über v. 2, V. 5 und v. 7 sind Sprechernamen. - Datierung unten links: W[eimarll2J

Febr.1 1815. - Angeregt wurde G. zu den Versen durch das Weinverbot des Koran, Hafis' >Sakiname<

(>Hammer-Hafis< 2, 492) und Oelsner, >MohamedArab. WeltEinwände gegen das Weinverbot sich selbst

und andern. - Undatiert. Entstehung nach Erstdruck des >Schenkenbuchs< und vor Abschluß

der von G.s Schreiber John angefertigten Druckvorlage für die >Ausgabe letzter HandBuch Kabus< und Nisami. (Vgl. Mommsen, >Diez In das Baith (Bait = arab. Zelt, Haus); V. 56 Als> Wie.­

Datierung auf S. 3 unten links: Jena d. 16 Decl 1814. (Schon am 15. Dezember 1814 verzeichnet

das Tgb.: »Abends für mich, Sommernacht.« Am 16. Dezember 1814 lautet die erste

Eintragung: »Persisches«. (Zu Entstehung, Lebensanregungen und den pers. Quellen des Gedichts

vgl. das Kap. >Sommernacht< in: Mommsen, >StudienSchenken buch


Kommentar

und die Hatemstrophe [188a] -, die zunächst auf zwei verschiedenen Blättern entstanden,

dann zusammengeklebt, auf einem Blatt vereinigt wurden, wobei das zweite Gedicht [188 a]

auf den freien Raum unter dem ersten geklebt wurde. Die Zusätze G.s wohl schon vor der Zusammenklebung

der Blätter: Über V. 1 von G.s Hand in Tinte: Der Schencke schläfrig; unter

V. 4 von G.s Hand in Tinte: »entschläft«, darunter Akkolade von G.s Hand; später »entschläft«

in Blei gestrichen. - Undatiert. Entstehung von H 69 zwischen August 1819 und Juli

1820 (vgl. MA 382).

[188 a] Hatem I Der schläft recht süß ... (Universitätsbibliothek Leipzig, Sammlung Hirzel

B492; H 69 , Johns Hand mit Zusätzen von G. wie [187]; s. dort). Die Hatem-Strophe entstand

- zunächst ohne Sprechernamen - später als die Schenkenstrophe [187] und trug ursprünglich

oben rechts die Zahl 186, ehe sie auf den freien Raum von [187] aufgeklebt und

dadurch mit diesem Blatt vereinigt wurde. Zusätze: Über V. 1 Hatem als Sprechername und

Akkolade von G.s Hand. V. 1 süß> gut, Änderung von G.s Hand. V. 2 Ausrufezeichen und

Komma von G.s Hand; V. 3 Komma von G.s Hand. - Undatiert. Entstehung von H 69 zwischen

August 1819 und Juli 1820 (v gl. MA 382).

[188 b] Der schläft recht gut und hat ein Recht zu schlafen! (GSA; oben links Hinweis

aufWA: 6, 223) Korrektur: V. 2 Knabe> Junge. - Undatiert, vermutlich im August 1819 entstanden.

- Die acht Verse separat von den später mit ihnen vereinigten Versen 1-4 von [187]

>So hab ich endlich von dir erharrt des Schencken den Eilfer (Sofortkorrektur);

nach V. 62 Spatium für zwei unausgeführte Verse, den Übergang zu der Rede Hatems,

da die V. 65-72 »als Antwort Hatems auf die Forderung des Liebchens gedacht sind, den

Schenken und den Eilfer zu lassen« (Düntzer, S.221); V.65f.: Wenn er alt ist [,] denn gegenwärtig

I Ist er allzu rasch und jung der Eilfer > Wenn er alt ist der viel wuchs und gut I Der noch

junge und rasche Eilfer; V. 73f. Denn ich sangs im Liebesrausch I Und berauscht vom Eilfer >

Den[ n] ich sangs im Liebestraum I Und berauscht vom Eilfer. ; die Akkolade nach V. 74 zeigt,

daß die V. 71-74 als Abschluß des Gedichts gedacht waren. Bernhard Suphan vermerkt, daß

»der >Epilog< schön geschrieben« und »in späterer Zeit, in Ruhe« entstanden sei, während

V. 65-70 den hastigen Duktus der übrigen Verse zeigen. Nach Burdachs Vermutung entstand

die Hs. am 10. Oktober 1815 in Meiningen, da das Tgb. unter diesem Datum »Lied auf den

Eilfer« vermerkt. Den Gedichtentwurf zum Lobe des berüh~ten 18II er Weins schrieb G. in

trunkenem Zustand so eilig in Versen, die sich der Gaselform nähern, nieder, daß der fast völlige

Verzicht auf Satz- und Umlautzeichen, Verkürzungen im Satzbau etc. den Inhalt nicht

ohne weiteres erkennbar macht: Was Friedrich II. unter den Herrschern und Immanuel Kant

unter den Philosophen, ist unter den Weinen der Eilfer. Damit auch Hafis , sein Ahnherr, davon

kosten kann, steigt Hatem (wie in der antiken Mythologie die sich für Admet verpfän-


Kommentar 259

dende Alkestis) zum Hades hinab, und des Hafis abgeschiedene Seele schlüpft in seinen auf

der Oberwelt im Hause der Freund[in} zurückgebliebenen Körper. An der Tagseite des Rheingaus

erlabt Hafis sich nun am Eilfer, während der Dichter an der Nach[t}seite , ohne Sonne

und Eilfer, schaude[rt}, und so ruft er den pers. Freund zurück. Die von der Freundin erhobenen

Vorwürfe, weil Hatem niedergeworfe[n} und Seelenlos dalag, gelten dem unschuldigen

Eilfer, den sie ebenso wie den schwar[z}augigen Schenck[en} als Rival betrachtet. Ihr Argument,

ihre Küsse seien von heute, erwidert der Dichter mit dem Gegenargument, daß es den

Eilfer gerade besonders begehrenswert mache, Wenn er alt ist ... Vgl. Burdach, >Mittheilungen

aus dem Goethe-Schiller-Archiv. I. Goethes Ghasel auf den Eilfer in ursprünglicher Gestalt<

(>Goethe-Jahrbuch< XI, 1890, S. 3-18, mit textkritischem Nachtrag S. 196 u. Anmerkungen

von Suphan; wiederabgedruckt in: Burdach, >Vorspiel< 2, 1896, 263ff. Dazu H. Düntzer,

>Das Ghasel auf den Eilfer in doppelter FassungZur Goetheforschung. Neue Beiträge<

1891, 217ff. Vgl. auch WA 153,32; 464: >Nachträge zum West-östlichen Divan was guts; V. 2 'S ist> S ist; V. 19 sie> sich; V. 27 Umlautstriche in süs erg. -

Undatiert. Von Burdach vermutungsweise auf Sommer oder Herbst 1816 datiert. - Aus dem

Nachlaß veröffentlicht von Loeper: >Ghasel auf den Eilfer von GoetheWest-östlicher Divan. Aus dem NachlaßBuch der Parabeln<

gehörenden Gedichte diente. Die röm. Zahl IX. oben rechts in Blei erklärt sich durch

G.s damalige Absicht, das >Buch der Parabeln< an neunter Stelle zwischen dem >Buch der

Sprüche< und dem >Buch Suleika< zu plazieren. So wurde es auch noch in der Anzeige des WD

im >Morgenblatt< vom 24. Februar 1816 mit dem einzigen Satz angekündigt: »Das Buch der

Parabeln enthält bildliche Darstellungen mit Anwendung auf menschliche Zustände.«

[192] Vom Himmel sank, in wilder Meere Schauer ... (GSA; oben links Hinweis auf

WA: VI, 227) Zählung oben links in roter Tinte: 32. (korrigiert aus 33.) = Nr. des WR; dort als

>Gläubige Perle< verzeichnet. - Undatiert. Entstehung zwischen Januar und Ende Mai I 815,

da das Blatt keine schwarze Numerierung des Ende Dezember 18 14 zusammengestellten DD

zeigt. - Angeregt wurde G. zu der Parabel durch Chardins >Voyage en PerseBulbul< verzeichnet. - Undatiert.

Das Quellenwerk, Bd.2 der >Fundgruben


Kommentar

[194] Die Perle die der Muschel entrann ... (GSA; oben links Hinweis aufWA: VI, 230)

Zählung oben links in roter Tinte: 33. = Nr. des WR; dort als >Perle Widerspänstig< verzeichnet.

- Undatiert. Entstehung des durch Hafis angeregten Gedichts zwischen Anfang Januar

und Ende Mai I 8 I 5 (zur Begründung vgl. das zu [192] und [193] Gesagte).

[195] Ich sah, mit Staunen und Vergnügen ... (GSA; oben links Hinweis auf WA: VI,

23 I) Zählung oben links in roter Tinte: 35. = Nr. des WR; dort als >Pfauenfeder< verzeichnet.­

Korrektur: V. 6 Ist über Rasur. - Datierung: [Weimar] d 17 März I 1815. - Die Anregung zu

der Parabel stammte von Saadi in der Übersetzung von Olearius.

[19.6] Ein Kayser hatte zwey Cassire ... (GSA; oben links Hinweis aufWA: VI, 232) Zählung

oben links in roter Tinte: 38. = Nr. des WR; dort als >Cassiere< verzeichnet. - Korrekturen:

V. 2 Spenden, > Geben; V. 10 Einen> einen; V. 13 Den Zu/all hat er wohl geschätzt> Den

Zufall wußt er wohl zu schätzen; V. 14 Die Stelle niemals wieder besetzt. > Die Stelle Nie wieder

zu besetzen. > Nie wieder die Stelle zu besetzen. MA 393 kommentiert: »Die Änderung

der letzten beiden Verse kann erst erfolgt sein, nachdem die Druckvorlage [Schreiberreinschrift]

von E (r) bereits hergestellt war. Offenbar wurde die auf dem Blatt von R erscheinende

Endfassung niemals auf das entsprechende Blatt von r übertragen, denn auf dem 1818 in Jena

gedruckten Blatt von E erscheint die ursprüngliche Fassung von R.« Vielleicht damit in Zusammenhang

stehend das Fragezeichen unten rechts auf dem Blatt, für das sonstige Erklärungen

fehlen. - Datierung unten links: [Weimar] 25 Febr 1815. - Anregung möglicherweise

durch das >Buch Kabus< und durch die Zustände am Weimarer Hofe, wie G. sie auch in den

Kaiserhof-Szenen von >Faust 11< gestaltete.

[197] Alle Menschen gros und klein ... (GSA; oben links Hinweis aufWA: VI, 234) Zählung

oben links in roter Tinte: 39. = Nr. des WR; dort als >Selbstbehagen< verzeichnet. - Datierung

unten links: [Weimar] 17. März I 1815. - Anregung möglicherweise durch Spinnen gleich -

nisse in Adam Oehlenschläger, >Aladdin oder die Wunderlampe1001 NachtEvangelium< verzeichnet. Datierung unten links von G.s Hand: »d. 24. May

1815«. Eckermann beschnitt das Blatt oben und unten, ehe er es 1838 der Königin seines Heimatlandes

Hannover ein Jahr nach ihrer Thronbesteigung zum Geschenk machte. Er wußte,

daß Königin Friederike von Hannover, Herzogin von €umberland (1778-1841) eine große

Goetheverehrerin war und daß auch der Dichter die Empfängerin der Hs. aufs höchste

schätzte. Schon in der >Belagerung von Mainz< von 1792 wird die frühere Prinzessin von

Mecklenburg-Strelitz mit ihrer Schwester als »himmlische Erscheinung« erwähnt; G.s Briefwechsel

mit Zelter spricht von ihr als der »unwiderstehlichen Fürstin« mit ihren »schönsten

aller Hände«. In der >Divan


Kommentar

ter und dessen Gastgeber auf der Willemerschen Gerbermühle. Innerhalb der >Tag- und Jahres-Hefte<

von 1815 nennt G. das herzogliche Paar »mit Ehrfurcht und Dankbarkeit«. Ein

Brief an die Willemers vom 4. November 1818 erwähnt: »Die Herzogin von Cumberland erinnerte

sich dieser Tage mit Vergnügen jenes Nachtbesuchs, ... wo uns allen so wohl war. « All

das mag Eckermann motiviert haben, der Königin ein >DivanGottesgedancken< verzeichnet. In E erhielt die Parabel

den Titel >Es ist gut< und ihre endgültige zweistrophige Form. - Datierung: Eisenach. 1 d. 24

MaylI8I5 . - Zur Motivation G.s, diese Parabel zu dichten, vgl. Mommsen, >Arab. WeltAuseinandersetzung mit dem Frauenbild des IslamFanfullaDeutsche RundschauParsi Nameh< kam erst im September

1818 mit Hilfe des Orientalisten Kosegarten zustande.) Die röm. XII oben rechts in

Blei von G.s Hand stammt vermutlich vom Zeitpunkt der Einteilung des WD in Bücher, dem

6. Oktober 1815 in Heidelberg. Ursprünglich sollte demnach das Buch des Parsen an zwölfter

Stelle zwischen dem >Saki Nameh< und dem >Buch des Paradieses< stehen. Mit dieser Plazierung

wird es auch in der Anzeige des WD im >Morgenblatt< vom 24. Februar 1816 folgendermaßen

angekündigt: »Buch des Parsen. Hier wird die Religion der Feueranbeter möglichst

zur Darstellung gebracht, welches um so nöthiger ist, als ohne einen klaren Begriff von diesem

frühesten Zustande die Umwandlungen des Orients immer dunkel bleiben.«

[202] Wenn der Mensch die Erde schätzet ... (GSA; oben links Hinweis aufWA: VI, 243)

Zählung oben links in roter Tinte: 66. = Nr. des WR; dort als >Rebe< verzeichnet. - Korrekturen:

V. 5 Da auf Rasur; V. 7 Werden> Werde. - Datierung unten links: Eisenach I d 24. May I

I8I5. - Für das >Buch des Parsen< ist nur R dieses Fahrtgedichts in eigenhändiger Form erhalten

geblieben, da G. die R von >Vermächtniß altpersischen Glaubens< - wohl des großen Umfangs

wegen - von seinem Schreiber John anfertigen ließ.


Kommentar

[203] Buch des Paradieses (GSA) Titel auf der Vs. des Foliobogens, der zur Sammlung der

zu diesem Buch gehörenden Gedichte bestimmt war, vermutlich seit G. am 6. Oktober 1815

in Heidelherg die erste Einteilung des WD in Bücher vorgenommen hatte. Die eigenhändig

mit Blei geschriebene römische XIII oben rechts weist darauf hin, daß G. von vornherein das

Buch des Paradieses zum krönenden Abschluß des Werks bestimmt hat. Damals bestand noch

der Plan eines aus 13 Büchern bestehenden >Divan< mit einem »Buch der Freunde«. (Erst auf

einer später angelegten Papiertasche findet sich die endgültige Numerierung wie auch die

pers. Titelform: >XII. 1 Chould Name 1 Buch des ParadiesesChuld Nameh< - kam es erst am 6. Januar 1818 mit Hilfe des Jenaer

Orientalisten Kosegarten.) - Die Anzeige im >Morgenblatt< vom 24. Februar 1816 schließt die

Ankündigung mit folgendem Hinweis: »Das Buch des Paradieses enthält sowohl die Sonderbarkeiten

des mahometanischen Paradieses, als auch die höheren Züge gläubigen Frommsinns,

welche sich auf diese zugesagte künftige heitere Glückseligkeit beziehen. Man findet

hier die Legende von den sieben Schläfern, nach orientalischen Überlieferungen, und andere,

die im gleichen Sinn den fröhlichen Umtausch irdischer Glückseligkeit mit der himmlischen

darstellen. Es schließt sich mit dem Abschiede des Dichters an sein Volk, und der Divan selbst

ist geschlossen.«

[204] Berechtigte Männer.I ... 1 Seine Todten mag der Feind betrauern . .. (ÖNB: dort nur

das I. BI. der R mit Str. 1 -7; das 2. BI. mit Str. 8-13 und der Datierung galt als verschollen, bis es '

1993 in die Sammlung Moirandat, Basel und 1995 nach Japan gelangte.) - BI. I: Zählung oben

links in Blei: 1 von G.s Hand, ebenso das etwas höher rechts davon geschriebene a. (Die das

Gedicht >Auserwaehlte Frauen< enthaltende Rs. wurde von G. mit 3 bezeichnet; beide Zählungen

stehen im Zusammenhang mit dem bei Armbruster in Wien veranstalteten Druck des WD

von 181911820; s.unten) - Korrekturen: V. 9 überglücklich> glücklich; V. 11 augenblicklich

(Sofortkorrektur); V. 15 Lebensbäume breite (Sofortkorrektur). - Der Kustode »Führen«

rechts unten nach Str. 7 stammt von der Hand des Schreibers Kräuter. BI. 2: Zählung oben links,

kaum mehr lesbar, in Blei: 2; oben rechts von fremder Hand: N: 4 • - Korrekturen: V. 30 buntem

> edlem; V. 31: verklärter> der ersten; V. 34: alle> eine; V. 42: ausersinnt (Sofortkorrektur). -

Datierung unten links: »C[ arls ].B[ ad]. .11 S[ eptember]. 181 8«. Unten rechts Echtheitserklärung

von G.s Schwiegertochter: »Handschrift meines Schwiegervaters. 1 Ottilie von Goethe«. -

Auffallend ist die lange Inkubationszeit, da das Gedicht mindestens seit Ende Mai I 815 geplant

war. Das WR sah dafür - ohne nähere Bezeichnung - die N r. 96 vor, gefolgt von> Vier Frauen< als

Nr.97 und >Vier Thiere< als Nr.98. Die wesentlichen Anregungen zu Berechtigte Männer

stammten aus den Mohammed-Biographien von K.E. Oelsner und Johann v. Rehbinder, mit

denen sich G. vom Februar bis Mai 1815 beschäftigte, als ihm auch ergänzendes Material aus

Hammers Koran-Übersetzung in den >Fundgruben< zur .Verfügung stand. Doch gelang das

große Männergedicht erst in der letzten Phase der Drucklegung für E; am 20. Sept. 1818 sandte

G. eine von Schreiberhand angefertigte Druckvorlage nach Jena, zusammen mit derjenigen für

>Auserwaehlte Frauen< und >Begünstigte Thiere


Kommentar

[205] Auserwaehlte Frauen I Frauen sollen nichts verlieren ... (ÖNB; unten Mitte Stempel:

ÖST. NATIONALBIBLIOTHEK I WIEN; unten links: Wiener Signatur: Autogr. 13/46-3.) Rs.

von [204] >Berechtigte Männer< BI. I; s. zum vorigen Gedicht; wie diese Druckvorlage für den

bei Armbruster in Wien 181911820 gedruckten WD. Zählung oben rechts in Blei von G.s

Hand: 3, darüber weiter oben links von fremder Hand: N°3. = dritte Manuskriptseite zum

>Buch des Paradieses mag nur hoffen; v. 4 Die aldort schon> Die

aldorten; V. 20 In dem> Indem. - Undatiert. Nach Burdach »nicht vor dem Herbst 1815«,

nach MA 416 »nicht vor dem 12. Dezember 1817 entstanden«. MA schloß aus den von G. auf

die beiden Blattseiten gesetzten Zahlen, daß die hier faksimilierte R später geschrieben wurde

als die sieben ersten Strophen von [204] >Berechtigte MännerVier Frauen< verzeichnet.­

Auf der Vs. folgt auf die 1. Str. gleich die Ahia-Str., während die endgültig 2. Str. unter einem

Querstrich und einem Verweisungszeichen auf dem unteren Rand der S. steht. - Korrekturen:

V. 6 Jugendquell sich laben> Jugendquelle baden; V. I I gaebe in Blei über durchgestrichenem

»mißte«; V. 13 Jussuf> Jussuf; V. 17 Miriam > Miria; die übrigen Korrekturen stammen von

Eckermann, der das Gedicht, anschließend an [205], in der Quartausgabe I 369 von 1836

postum veröffentlichte. Auf die dortige Plazierung beziehen sich die oben rechts auf dem BI.

befindlichen, wohl von Eckermann stammenden Bleistiftnotizen: »Westöstl. Divan 1 [Buch]

XII [Nr.] 3:' 1 ungekürzt 3~.« - Datierung auf der Rs. unten links: d. 10 März I 1815.

[207] Einlaß. I Houri.IHeute steh ich meine Wache ... (GSA; oben links Hinweis auf WA:

VI, 253) Houri. über V. I und Dichter über v. 13 sind Sprechernamen. - Korrekturen: Titel

und Akkolade zunächst in Blei, darüber in Tinte nachgezogen; V. 7 Kämpfen> Streiten; V. 16

Kämpfer> Streiter; V. 21 Und doch sang ich gläubigerweise: > Immer sang ich gleicherweise:;

Die auf einem aufgeklebten Zettel geschriebene 7. Str. durch Verweisungszeichen eingeschaltet:

V. 25 Mit den Trefflichsten zusammen> Mit den Besten stets zusammen; V. 26 Wirkt ich,

bis ich mir erlangt> Wirkt ich, bis es mir gelang; V. 27 Daß mein Nahm' in Liebesflammen >

Daß mein Nahme in Liebesflammen ; V. 28 den> dem. - Datierung unten links: Hof 24 Apr.

1820.

[208] Anklang I Houri I Draußen am Orte ... (GSA; oben links Hinweis auf WA: VI, 255)

Titel und Akkolade nur in Blei, vermutlich später als der Gedichttext; dieser erst in Blei, darüber

in Tinte. Houri über V. I und Dichter. über V. 12 sind Sprechernamen. - Korrekturen:


Kommentar

V. 10 Komma in Blei; V. 28 Er> er; V. 29Jedem zu Gute kommen; > Ihm zu Gute kommen:;

V. 31 mägens > sollens ; V. 34 Guten> guten. - Undatiert. Entstanden auf der Karlsbader

Reise von 1820, angeregt durch Koran, Sure 2, V. 25 (vgl. Mommsen, >Arab. Welt Houri.1 Wieder einen Finger schlägst du mir ein!< finden,

s. zu [210]. Dichter. über V. I und V. 61 und Houri. über V. 8 und V. 67 sind Sprechernamen.

- Korrekturen: V. 44 Die Mädchen krauten hinter den Ohren, > Die Mädchen krauten

sich hinter den Ohren, > Wir krauten uns eben hinter den Ohren, - das Wort »sich« nur

in Blei und wieder ausradiert, Die Mädchen erst Blei, dann Tinte. - Datierung auf der dritten

Seite unten links: C[arlsj.B[adj. 10. May. 1820. - Auch dies Gedicht wurde durch die

gleiche Koran-Stelle angeregt wie >AnklangArab. Welt schlägst du ein; V. 2 Weißt du denn> Weißt denn; V. 6 Ausrufezeichen

aus Komma; V. 7 durchschauert (Sofortkorrektur); V. 9 denn doch auch einmal, > du

doch auch wohl einmal, ; V. 16 Wie klingts - Ich will nicht stärker in dich dringen, > Ich will

nicht weiter in dich dringen, > Wie klingts ?- Ich will nicht weiter in dich dringen. ; zwischen

V. 16 und V. 17: Beg durchstrichen. - Undatiert. Wie die beiden vorhergehenden, dem gleichen

Motivkreis entstammenden Gedichte [208] und [209] auf der Karlsbader Reise 1820 entstanden

(vgl. Mommsen, >Arab. WeltVier Thiere< verzeichnet, während

das auf R noch unbetitelte Gedicht in E die Überschrift >Begünstigte Thiere< erhielt. -

Korrekturen: V. 18 Knurrt um den Herrn> Kommt zu dem Herrn; V. 19 in Blei immer

> billig. - Datierung unten links: d. 22. Febr.1 1815. - Über Quellen und Absichten G.s vgl.

Mommsen, >Arab. Welt,Begünstigte Thiere' im ,Buch des Paradieses'Der Wolf und die Frauen im ,Divan'-Paradies< (GJb 1988,294-305).

[212] Sieben Schlaefer.1 Sechs begünstigte des Hofes ... (GSA; oben links Hinweis auf WA:

VI, 267) R auf vier Seiten eines Foliobogens. Zählung oben links auf der I. Seite in roter Tinte:

99. = Nr. des WR; dort als >Siebenschläfer< verzeichnet. - Korrekturen: V. 12 Abgesandter>

abgesandter; V. 41 steigend> scheigend > scheidend; V. 66 Vor> vor. - Datierung auf der

4. Seite unten links: Jena 1 Ende Dec. 18141- May. 1815. I Wiesb[adenj. - Der Genauigkeit

halber sei vermerkt, daß G. Ende Dec. 1814 in Weimar war und daß sein dortiges Tgb. unter

dem Datum des 29. Dezembers 1814 vermerkt: »Fundgr. des Orients Siebenschläfer.« Doch


Kommentar

hatte G. sich vom 4. bis 22. Dezember 1814 inJena aufgehalten, wo er auch die >Fundgruben<

kennenlernte, in denen er auf die arab. Quelle zum >SiebenschläferGute Nacht< verzeichnet. - Korrekturen: V. I Nun> Und; V. 7 immer> immr ;

V. 8 Möge> Mög einst; V. 9 des> in; V. 10 Mit Heroen> Mit den Heroen. - Undatiert. Ende

Dezember 1814 oder Anfang Januar 1815 entstanden. Auch in diesem von vornherein als Abschluß

gedicht der Sammlung vorgesehenen Gedicht folgt G. seinem Vorbild Hafis, von dem

er in der Einleitung zu >Hammer-Hafis< I, S. XIIIf. gelesen hatte: »Hafis pflegte [seine Gasele]

in der Schule ... öfters zu recitiren, und immer dabey den Wunsch zu äußern, daß diese Perlen

an eine Schnur gereihet werden möchten, zum Halsschmuck seiner Zeitgenoßen.« Mit Bezug

auf dies Abschlußgedicht sagt G. in der Ankündigung des WD im Morgenblatt vom 24. Febr.

1816: »Das Buch des Paradieses ... schließt sich mit dem Abschiede des Dichters an sein

Volk ...«

[214] Des deutschen I Divans I manigfaltige Glieder (GSA; oben links Hinweis aufWA:

VI, 314). Datierung unten links: Wiesbaden I d. 30 May 11815. Unterschrift unten rechts: G. -

Bereits vor der Abreise nach Wiesbaden hatte G. in einem nicht abgesandten Briefentwurf an

Cotta vom 16. Mai 1815 konstatiert: »Mein Divan besteht gegenwärtig schon ohngefähr aus

Hundert größeren Gedichten von mehreren Strophen und Zeilen, und von vielleicht eben so

viel kleineren, von acht Zeilen und drunter. Es kommt nun aufs Glück an, wie er sich vermehren

wird.« (WA IV 25, 414) Ähnlich hieß es in einem Brief an Zelter vom 17. Mai 1815 (WA IV

25, 333): »Das erste hundert Gedichte ist beynahe schon voll; wenn ich das zweyte erreicht

habe, so wird die Versammlung schon ein ernsteres Gesicht machen.« Am Nachmittag des

27. Mai traf G. zum Kuraufenthalt in Wiesbaden ein. Kaum angelangt, meldet das Tgb. (WA

III 5, 163): »Den Divan geordnet.« Schon am 28. Mai begann G. mit der Anlage des eigenhändigen

Registers; vgl. das Tgb. (ebd.): »Divan. Register«. Am 29. Mai berichtet das Tgb. (ebd.):

»Divan numeriert« und am 30. Mai 1815, dem Tag der endgültigen Niederschrift (ebd.): »Divan

Verzeichniß.« - Dem 100 Nummern enthaltenden sog. Wiesbader bzw. Wiesbadener Register

(WR) liegen alle vor dem 30. Mai entstandenen Reinschriftblätter zugrunde. Dadurch ist

das Verzeichnis des hundertgliedrigen Divans auch ein für die Chronologie wichtiges Dokument.

Zur Dechiffrierung der im WR von G. gewählten provisorischen Gedichttitel vgl. hier

das Alphabetische Verzeichnis der Gedichtanfänge und -titel.

[Zur Abbildung in der Titelei] Das ornamentale Blatt ist dieVs. eines im GSA befindlichen,

von G. beschriebenen und getuschten Umschlags aus gelbem starkem Papier. Bei den

arabischen Schriftzügen handelt es sich um die schiitische Zusatzformel zum islamischen

Glaubensbekenntnis:

.!..ll J-' ~

Ali wall Alläh, Ali ist der Freund Gottes.


266 Kommentar

G.s Schreibweise ist allerdings nicht ganz korrekt, denn statt wali, J-', liest man JI-" wäli, und

statt Alläh, Künftiger Divan< der Noten und Abhandlungen schrieb und vermutlich auch

den Umschlag anlegte -, diesen mit der Ali wali Alläh-Formel zierte und darunter schrieb:

»Zum Künftigen Divan.« Ein oben aufgeklebter Zettel von der Hand des Jenaer Orientalisten

Kosegarten enthält einen Vorschlag für das Titelblatt jenes Künftigen Divans in pers. Umschrift

und lat. Übersetzung als eines östlichen Diwans vom westlichen Autor:

d.i. eldiwan elscharki lilmoaltef elgarbi.

Diwanus orientalis auctoris occidentalis.


Quellenverzeichnis

Quellenverzeichnis

Behrens, Jürgen: Jahresbericht des Freien

Deutschen Hochstifts Frankfurt, 1988, in:

JFDH, S.345-398

Beutler, Ernst (Hg.): West-östlicher Divan,

unter Mitw. v. Hans Heinrich Schaeder

hg. u. erl., Leipzig 1943 (Slg. Dieterich

125); modifizierte Neuausg. Bremen 1956.

Biedermann-Herwig = Goethes Gespräche.

Eine Sammlung zeitgenössischer Berichte

aus seinem Umgang, auf Grund.der Ausg.

u. des Nachl. von Flodoard Freiherrn v.

Biedermann erg. u. hg. v. Wolfgang Herwig,

5 Bde., Zürich u. Stuttgart 1965-

1987.

Birus, Hendrik (Hg.): West-östlicher Divan.

2 Bde., in: Goethe / Sämtliche Werke in

40 Bdn. I. Abt. Bd. 3 T. I U. 2, Frankfurt/

M.1994·

Boisseree, Sulpiz: Tagebücher. Bd. 1. 1808-

1823, hg. von Hans-J. Weitz, Darmstadt,

1978. (Weitz, >BoissereeWiesbadener RegisterWeimarer Ausgabe


Quellenverzeichnis

nen Erfahrungen gesammelt, Bd. I: Berlin

181 I, Bd. 2: Berlin u. Halle 18 I 5.

Diez, Heinrich Friedrich von: Ueber Inhalt

und Vortrag, Entstehung und Schicksale

des königlichen Buchs, eines Werks von

der Regierungskunst, als Ankündigung einer

Uebersetzung nebst Probe aus dem

Türkisch-Persisch-Arabischen des Waassi

Aly Dschelebi v. Heinrich Friedrich von

Diez. Berlin 181 I.

Debon, Günther: Goethes Begegnung mit

Heidelberg. 23 Studien und Miniaturen,

Heidelberg 1992.

Dill, Christa: Wörterbuch zu Goethes Westöstlichem

Divan. Tübingen 1987.

Domin, Hilde: Aber die Kraft besteht. (Zu

»Nicht mehr ·auf Seidenblatt«) In: Frankfurter

Anthologie, hg. von Marcel Reich­

Ranicki. Bd. I I, Frankfurt/M. 1988, S.93-

96.

Düntzer, Heinrich (Hg.): West-östlicher Divan.

1886, in: Werke, 36 Bde., Berlin u.

Stuttgart 1882-1897. (Deutsche National­

Litteratur, Bd. 85).

Düntzer, Heinrich: Das Ghasel auf den Eilfer

in doppelter Fassung, in: ders., Zur

Goetheforschung. Neue Beiträge, Stuttgart,

Leipzig, Berlin u. Wien 1891, S. 217-

245·

Eckermann, Johann Peter: Beiträge zur

Poesie mit besonderer Hinweisung auf

Goethe. Stuttgart 1823.

Ettinghausen, R: Abri Painting, in: Studies in

Memory of Gaston Wiet, ed. M yriam Rosen-Ayalon,Jerusalem

1977, S·345-35 6.

Fritz, Walter Helmut: Die Algebra der

Liebe. (Zu »Lesebuch«) In: Frankfurter

Anthologie, hg. von Marcel Reich-Ranicki.

Bd. 10, Frankfurt/M. 1986, S.47-49.

Fundgruben des Orients, bearb. durch eine

Gesellschaft v. Liebhabern. 6 Bde., Wien

18°9-1818.

Gaben der Milde. Für die Bücher-Verloo-

sung zum Vortheil hülfloser Krieger, herausgegeben

von F. W. Gubitz. Zweites

Bändchen. Berlin 1817.

[Garni:] Medjnoun et Leila. Poeme traduit

du Pers an de Djamy par Antoine Leonard

Chezy, Paris 1807.

Gerulaitis, Renate Susanne: Ansätze zu einer

thematischen Anordnung es »Deutschen

Divans« von 1814, in: Husbanding

the Golden Grain. Studies in Honor of

Henry W. Nordmeyer, hg. v. Luanne T.

Frank und Emery E. George, Ann Arborl

Michigan 1973, S. 129-15°.

Göres, Jörn: Zwei verloren geglaubte Autographen

aus Goethes West-östlichem Divan,

in: GJb 1973, S. 265-280.

Göres, Jörn: Zur Entstehung des Gedichts

»Wie sollt ich heiter bleiben?« aus dem

West-östlichen Divan, in: Studien zur

Goethezeit. Erich Trunz zum 75. Geburtstag.

Hg. v. H.J. Mähl und E. Mannack.

Heidelberg 1981, S. 55-62.

[Goethe:] West-oestlicher Divan von Goethe.

Stuttgard, in der Cottaischen Buchhandlung

1819. (E)

[Goethe:] Wilhelm Meisters Wanderjahre

oder Die Entsagenden. / Ein Roman von

Goethe. / Erster Theil. Stuttgart und Tübingen,

in der Cotta'schen Buchhandlung.

1821.

[Goethe:] Anzeige von Goethe's sämmtlichen

Werken, / vollständige Ausgabe

letzter Hand. / Weimar, den I. März 1826.

[Goethe:] Ueber Kunst und Alterthum. Von

Goethe. Sechsten Bandes erstes Heft.

Stuttgard, in der Cottaischen Buchhandlung.

1827·

[Goethe:] Werke, Vollständige Ausgabe letzter

Hand. 40 Bde., Stuttgart u. Tübingen

1827-183°. Bd. 5: West-östlicher Divan

(>Taschenausgabe


Quellenverzeichnis

1827-1831. Bd. 5: West-östlicher Divan

(>OktavausgabeWeimarer

Ausgabe


270

Quellenverzeichnis

Lee, David E.: Zum Stand der Wasserzeichenforschung

in der Goethe-Philologiemit

besonderer Berücksichtigung des

»West-östlichen Divans«, in: Goethe Yearbook

I (1982), S. 138-152.

Lentz, Wolfgang: Goethes Noten und Abhandlungen

zum West-östlichen Divan.

Hamburg [1958].

Die Liedertafel. [Hg. v. earl Friedrich Zelter.

Berlin 18 I 8.]

Link, Jürgen: Biedermeier und

Ästhetizismus. Fünf Gedichte des Westöstlichen

Divans. München 1979.

Loeper, Gustav v. (Hg.): West-östlicher Divan.

1872, in: Goethes Werke, 37 Teile in

23 Bdn., T. 4, Berlin 1868-79. (Hempel)

Loeper, Gustav von (Hg.): Ghasel auf den

Eilfer von Goethe. Zur Feier des 28. August

1868 zum erstenmal in Druck gegeben,

Berlin 1868.

Lohner, Edgar (Hg.): Studien zum West-östlichen

Divan Goethes. Darmstadt 1971

(Wege der Forschung 287).

Lohner, Edgar (Hg.): Interpretationen zum

West-östlichen Divan Goethes. Darmstadt

1973 (Wege der Forschung 288).

Maier, Hans Albert (Hg.): West-östlicher

Divan. Kritische Ausgabe der Gedichte

mit text geschichtlichem Kommentar, 2

Bde., Tübingen 1965.

Mommsen, Katharina: Goethe und 1001

Nacht. Berlin 1960; 2. Aufl. Frankfurt/

M. 1981.

Mommsen, Katharina: Goethe und Diez /

Quellenuntersuchungen zu Gedichten

der Divan-Epoche. Berlin 1961; 2. Aufl.

Bern 1995.

Mommsen, Katharina: Goethe und die arabische

Welt. Frankfurt/M. 1988.

Mommsen, Momme: »Schwänchen und

Schwan«. Zu einem Gedicht Goethes im

West-östlichen Divan, in: GJb 1951, S.

290-295.

Mommsen, Momme: Studien zum West-östlichen

Divan. Berlin 1962 (Sitzungsberichte

der Deutschen Akademie d. Wissenschaften

zu Berlin. Kl. f. Sprachen,

Literatur u. Kunst, Jg. 1962, Nr. I).

Morgenblatt für gebildete Stände. Sonnabend,

24. Februar 1816.

Morgenblatt für gebildete Stände. Freitag,

22. März 1816.

Morgenblatt für gebildete Stände. Montag,

30. August 1819.

Morgenblatt für gebildete Stände. Donnerstag,

2. September 1819.

Morgenblatt für gebildete Stände. Dienstag,

7. September 1819.

Morris, Max: Ein philologisch verunstaltetes

Divangedicht, in: GJB 19°6, S. 28 1-

28 3.

[Mu'allaqat:] The Moallakat, or Seven Arabi

an Poems, which were suspended on

the temple at Mecca; with a translation

and arguments by William Johnes, London

1783.

[Mu'allaqat:] Die hellstrahlenden Plejaden

am arabischen poetischen Himmel, oder

die sieben am Tempel zu Mekka aufgehangenen

arabischen Gedichte, übs., erl.

u. mit einer Einl. vers. v. Anton Theodor

Hartmann, Münster 1802.

Neumann, Gerhard: »Liebliches«. Ein Beispiel

für Goethes Wort gebrauch, in: Edgar

Lohner (Hg.), Interpretationen zum

West-östlichen Divan Goethes, Darmstadt

1973 (Wege der Forschung 288),

S.147-175·

Neumann, Gerhard: >Lasst mich weinen ... <

Die Schrift der Tränen in Goethes

»West-östlichem Divan«, in: Oxford

German Studies 15 (1984), S.48-76.

Oehlenschläger, Adam: Aladdin oder die

Wunderlampe. Amsterdam 1808.

Oelsner, K[onrad] E[ngelbert]: Mohamed.

Darstellung des Einflusses seiner Glau-


Quellenverzeichnis

benslehre auf die Völker des Mittelalters.

Aus dem Frz. übs. u. mit Zusätzen des

Verf. vermehrt v. E. D. M[ieg], Frankfurt/Mo

181o.

[Olearius, Adam:] Des Welt-berühmten

Adami Olearii colligirte und viel vermehrte

Reise-Beschreibungen Bestehend

in der nach Muß kau und Persien / Wie

auch Johann Albrechts von Mandelslo

Morgenländischen / und Jürg Andersens

und Volq Yversens Orientalischen Reise

[...] Nebenst beygefügtem [Anhang mit

Übersetzungen von Saadis] Persianischen

Rosen-ThaI und Baum-Garten [...],

Hamburg 1696.

Paret, Rudi (Übersetzer): Der Koran, übs.

v. Rudi Paret, Stuttgart, Berlin, Köln u.

Mainz 1962, 51989.

Perels, Christoph: Goethes Divan-Gedicht

»Es geht eins nach dem andern hin«.

Zur Entstehung und Überlieferung, in:

JFDH 1990, S·94-11 1.

Rehbinder, J ohann von: Abul Casem Mohammed.

Ein Beitrag zur politischen

Menschengeschichte. Kopenhagen 1799.

Ross, Werner: Atemtechnik hochpoetisch.

(Zu »Im Athemholen sind zweyerley

Gnaden«) In: Frankfurter Anthologie,

hg. von Marcel Reich-Ranicki. Bd. 7,

Frankfurt/M. 1983, S.50-P.

Schaeder, Hans Heinrich: Die persische

Vorlage für Goethes »Selige Sehnsucht«,

in: Festschrift für Eduard Spranger. Leip­

ZIg 1942.

Schimmel, Annemarie: Calligraphy and Islamic

Culture. New York 1984.

Schimmel, Annemarie. Die Bilderwelt der

persischen Poesie. Wiesbaden 1984.

Schulz, Gerhard: Hatem - Suleika. (Zu

»Nicht Gelegenheit macht Diebe«) In:

Frankfurter Anthologie, hg. v. Marcel

Reich-Ranicki. Bd. II, Frankfurt/M.

1988, S·75-79·

Solms, Wilhelm: Interpretation als Textkritik:

Zur Edition des West-östlichen Divan.

Heidelberg 1974.

Solms, Wilhelm: Goethes »Deutscher Divan«

von 18 14. In: Literaturwiss. Jahrbuch / hg.

im Auftrag der GÖrres-Gesellschaft. N . F.

Bd. 15, Berlin 1974, S. 39-79·

Solms, Wilhelm: Goethes Vorarbeiten zum

Divan. München 1977. (Münchner Germanistische

Beiträge, Bd. 12).

Taschenbuch für Damen auf das Jahr 1817.

Von Goethe, Lafontaine, la Motte Fouque,

Pichier, J. P. Richter und Andern. Mit

Kupfern. Tübingen.

Thommen, E.: Neues zur Schreibung des

Namens Ginkgo, in: Verhandlungen d. naturforschenden

Gesellschaft zu Basel,

Bd.60, 1949, S·77-105·

Trunz, Erich (Hg.): Werke, Hamburger

Ausgabe in 14 Bdn., Hamburg 1948-

1964, Bd. 2: Gedichte und Epen II,

1949; 121981.

Trunz, Erich: Die Sammelhandschriften von

Goethes Gedichten, in: ders., Weimarer

Goethe-Studien (Schriften der Goethe­

Gesellschaft, 61. Bd.), Weimar 1980, S.77-

84·

Wahl, Hans: Der Smaragd der schönen Holländerin,

in: ders., Alles um Goethe.

Kleine Aufsätze und Reden, hg. v. Dora

Wahl, Weimar 1956, S. 70-74.

Weitz, Hans-J. (Hg.): West-östlicher Divan,

Gesamtausgabe, Wiesbaden 195 I. Frankfurt/Mo

1°1991.

Weitz, Hans-J.: Das früheste Gedicht im

>West-östlichen Divan


Quellenverzeichnis

Wernekke, Hugo: Goethe und die orientalischen

Handschriften der Weimarer Bibliothek,

in: Zuwachs der Großherzoglichen

Bibliothek zu Weimar in den Jahren 1908-

1910. Weimar 1911, S.IX-XXVII.

Willemer, Marianne und Johann Jakob:

Briefwechsel mit Goethe. Dokumente. Lebens-Chronik.

Erläuterungen, hg. v.

Hans-J. Weitz, Frankfurt/M. 1965.

(Weitz, >Willemer


Verzeichnis der Handschriften 273

Verzeichnis der Handschriften

[1] Versammlung I deutscher Gedichte ...

(Vorläufiger Titel des Gesamtwerks)

Sey das Wort die Braut genannt (I. Hafis­

Motto für das Gesamtwerk)

[2] Verehrung sey! (Huldigungsadresse an

weitere orientalische Dichter)

[3a] Moganniname (erster Titel zum Buch

des Saengers)

Zwanzig Jahre lies ich ge.hn ... (Vorspruch

zum Buch des Saengers)

[3 b] Moganni Nameh ... (endgültiger Titel

zum Buch des Saengers)

[4] Hegire I Nord und West und Süd zersplittern

...

[5] SegenspfänderlTalisman in Carneol...

[6] Talismane, Amulete, Abraxas I Inschriften

und Siegel I Gottes ist der Orient ...

[7] Gottes is"t der Orient ...

[8] Ob ich Ird'sches denck' und sinne ...

[9] Laßt mich nur auf meinem Sattel gelten

... (Freysinn)

[10] Er hat euch die Gestirne gesetzt ...

(Freysinn)

[11] Gott hat euch die Gestirne gesetzt ...

[12] Vier Gnaden I Daß Araber an ihrem

Theil ...

[13] Bismi llähi r-ra1;tmäni r-rra1;tlmi ...

(Segensformel)

[14] (Koran, Sure 114, Die Menschen. Fragment)

[15] Was ist schwer zu verbergen? Das

Feuer! (Geständniß)

[16] Buchstabe Sin I Gasele XlIII Aus wievielen

Elementen ...

[17] Buchstabe Dall I8te Gasele I Hans

Adam war ein Erdenklos ...

[18] Phaenomen I Wenn zu der Regenwand

...

[19] Was doch buntes dort verbindet ...

(Liebliches)

[20] Wenn links an Baches Rand ... (Zwiespalt)

[21] Worauf kommt es überall an ... (Dreistigkeit)

[22] Dichten ist ein Übermuth ... (Derb und

Tüchtig)

[23] Allleben I Staub ist eins der Elemente ...

[24] Buch Sad. Gasele 1.1 Sagt es niemand,

nur den Weisen (Selige Sehnsucht)

[25] Vision I Artges Häuschen hab ich

klein ...

[26a] Hafisname I Das Buch Hafis. (früher

Titel)

Sey das Wort die Braut genannt ... (Vorspruch)

[26 b] Hafis Nameh I Buch Hafis (endg. Titel)

[27] Beynahme.1 Dichter Mohamed Schemseddin

sage ...

[28] Anklage. I Wißt ihr denn auf wen die

Teufel lauern ...

[29] Fetwa. I Hafis Dichterzüge sie bezeichnen

...

[30] Der Deutsche dankt. I Heiliger Ebusund,

du hasts getroffen!

[31] FetwalDer Mufti las des Misri Gedichte

..

[32] Daß du nicht enden kannst das macht

dich gros ... (Unbegrenzt)

[33] In deine Reimart hoff ich mich zu finden

(Nachbildung)

[34] Zugemessne Rhytmen reizen freylich ...

[35] Sie haben dich heiliger Hafis ... (Offenbar

Geheimnis)

[36] Und doch haben die recht die ich

schelte ... (Wink)

[37] An Hafis. I Was alle wollen weist du

schon ...

[38] An Hafis I Hafis, dir sich gleich zu

stellen ...


274

Verzeichnis der Handschriften

[39] Uschk Nameh I Das Buch der Liebe

(endgültiger Titel)

[40] Hör und bewahre ... (Musterbilder)

[41] Lesebuch 1 Wunderlichstes Buch der

Bücher ...

[42] Auch in Locken hab ich mich ... (Gewarnt)

[43] Voll Locken kraus ein Haupt so rund!

(Versunken)

[Ha] Soll ich von Smaragden reden ... (Bedenklich)

[44 b] Soll ich von Schmaragden reden ...

[45] Mitternachts weint' und schluchtzt

ich ... (Schlechter Trost)

[46] Wie irrig wähnest du ... (Genügsam)

[47] 0 wie selig ward mir! (Gruß)

[48] Du vergehst und bist so freundlich ...

(Ergebung)

[49] Buchstabe Sa I Gasele XXII 1 Wer kann

gebieten den Vögeln ... (Unvermeidlich)

[50] Über meines Liebchens Äugeln ... (Geheimes)

[51] »Wir sind emsig nachzuspüren ...« (Geheim~tes)

[52] Tefkir Nameh 1 Buch der Betrachtungen

(Endgültiges Titelblatt)

[53] Höre den Rath den die Leyer tönt ...

(Vorspruch)

[54] Fünf Dinge IPend-nameh. Cap.46.1

Fünf Dinge bringen fünfe nicht hervor ...

[55] Fünf andre 1 Was verkürzt mir die

Zeit?

[56] Was verkürzt mir die Zeit?

[57] Lieblich ist des Mädchens Blick der winket

...

[58] Und was im Pend-Nameh steht ...

[59] Reitest du bey e'nem Schmied vorbey

...

[60] Den Gruß des Unbekannten ehre ja!

[61] Haben sie von deinen Fehlen ..

[62] Märkte reizen dich zum Kauf...

[63] Märckte reizen dich zum Kauf ...

[64] Soll das Rechte zu Dir ein ...

[65] Frage nicht durch welche Pforte ...

[66] Meinem Sohne, I Zum dreysigsten May, 1

18 I 5. 1 F rage nicht durch welche Pforte ...

[67] Es geht eins nach dem andern hin ...

[68] Behandelt die Frauen mit Nachsicht!

[69] Das Leben ist ein schlechter Spas ...

[70] Das Leben ist ein Gänsespiel ...

[71] »Die Jahre nahmen dir, du sagst, so vieles

...«

[72] Freygebiger wird betrogen ...

[73] Herrenrecht I und I Dienstpflicht 1 Wer befehlen

kann wird loben ...

[74] Ungezähmt so wie ich war ... (Höchste

Gunst)

[75] Ferdusi spricht. 10 Welt! wie schamlos

und boshaft du bist!

[76] Dschelaleddin Rumi I spricht 1 Verweilst

du in der Welt sie flieht als Traum .. .

[77] Sollt einmal durch Erfurt fahren .. .

[78] Buch des Unmuths (Titelblatt)

[79] »Wo hast du das genommen? ..«

[80] Keinen Reimer wird man finden .. .

[81] Befindet sich einer heiter und gut .. .

[82] Übermacht, Ihr könnt es spüren .. .

[83] Wenn du auf dem Guten ruhst .. .

[84] Als wenn das auf Nahmen ruhte!

[85] Medschnun heißt - ich will nicht sagen

...

[86] Hab ich euch denn je gerathen ...

[87] Wandrers Gemüthsruhe 1 Über's Niederträchtige

...

[88] Wer wird von der Welt verlangen?

[89] Glaubst du denn von Mund zu Ohr ...

[90] Und wer franzet, oder brittet ...

[91] Sonst. wenn man den heiligen Coran

citirte ...

[92] Aergerts jemand daß es Gott gefallen ...

(Der Prophet I spricht)

[93] Timur 1 Was? Ihr misbilliget den kräftgen

Sturm ...

[94] Süßes Kind, die Perlenreihen ...


Verzeichnis der Handschriften

275

[95] Mit der Teutschen Freundschaft. ..

[96] Mich nach= und umzubilden miszubilden

...

[97] Buch der Sprüche (Titelblatt)

[98] Was machst du an der Welt. ..

[99] Wenn der schweer gedrückte klagt ...

[100] Enweri sagt's, ein herrlicher der Männer

...

[101] Wie kommts daß man an jedem

Orte ...

[102] Laß dich nur in keiner Zeit ...

[103] Laß dich nur in keiner Zeit .. .

[104] IndischlAIs ich einmal eine Spinne erschlagen

...

[105] Ferid-eddin ... Guten Ruf musst du

dir machen ...

[106] Die Fluth der Leidenschaft ...

[107a] Vertrauter I Du hast so manche Bitte

gewährt ...

[107b] Vezirl Der gute Mann hat wenig begehrt

. ..

[108] Schlimm ist es, wie doch wohl

geschieht ...

[109] Timurname I Buch des Timur (Titelblatt)

[110] Der Winter und Timur. I So umgab sie

nun der Winter ...

[111] Dir mit Wohlgeruch zu kosen ... (An

Su/eika)

[112] Suleikaname I Das Buch Suleika. (Titelblatt)

Ich gedachte in der Nacht ... (Vorspruch)

[113] Einladung I Mußt nicht vor dem Tage

fliehen ...

[114] Daß Suleika in J ussuf vernarrt war ...

[115] Da du nun Suleika heißest ...

[116] Hatem I Nicht Gelegenheit macht

Diebe ...

[117] Suleika I Hochbeglückt in deiner

Liebe .. .

[118] Suleika I Als ich auf dem Euphrat

schiffte .. .

[119] Hatem I Dies zu deuten bin erbötig!

[120] Kenne wohl der Männer Blicke.

[121] Ginkgo bi/oba.1 Dieses Baums Blatt,

der von Osten .. .

[122] Dieses Baums Blat, der, von Osten

(Brief G.s an R. Städel vom 27. 9.1815)

[123] Suleika I Sag du hast wohl viel gedichtet?

[124] Suleika I Die Sonne kommt! Ein Prachterscheinen!

[125] Komm Liebchen, komm! umwinde

mir die Mütze ...

[126] Nur wenig ist's was ich verlange .. .

[127] Haett ich jrgend wohl Bedencken .. .

[128] Die schoen geschriebenen ...

[129] Lieb' um Liebe, Stund' um Stunde ...

[130] Suleika. IVolck und Knecht und Überwinder

...

[131] Hatem I Wie des Goldschmieds Bazarlädchen

...

[132] Locken! haltet mich gefangen!

[133] Bist du von deiner Geliebten getrennt

. ..

[134] O! daß der Sinnen doch so viele sind!

[135] Auch in der Ferne dir so nah!

[136] Wie sollt ich heiter bleiben?

[137] Wenn ich dein gedencke .. .

[138] An vollen Büschelzweigen ...

[139] Suleika I An des lustgen Brunnens

Rand ...

[140] Suleika. I Kaum daß ich dich wieder

habe .. .

[141] Suleika. IWas bedeutet die Bewegung?

[142] Die Sonne, Helios der Griechen ...

(Hoch bild)

[143] Es klingt so prächtig wenn der Dichter

... (Nachklang)

[144] Suleika. I Ach! um deine feuchten

Schwingen ...

[145] Ist es möglich Stern der Sterne ... (Wiederfinden)


Verzeichnis der Handschriften

[146] Herrinn! sag' was heißt das Flüstern?

[147] Lasst euch, 0 Diplomaten! (Geheimschrift)

[148a] Dir zu eröffnen .. .

[148b] Dir zu eröffnen .. .

[149] Ein Spiegel er ist mir geworden ... (Abglanz)

[150] Wie! Mit innigstem Behagen ...

[151] Laß den Weltenspiegel Alexandern ...

[152] Die Welt durchaus ist lieblich anzuschauen

...

[153] Reicher Blumen goldne Rancken ...

[154] Schreibt er in Nessky ...

[155] Nicht mehr auf Seidenblat ...

[156] Lasst mich weinen! umschraenkt von

Nacht ...

[157] Hudhud auf dem Palmen=Steckchen .. .

[158] Hudhud auf dem Palmensteckchen .. .

[159] Hudhud erklaert eine räthselhaftel

Stelle. I Der Mahler wagts ...

[160] Hudhud, als einladender Bote. I Dich

beglückte ja mein Gesang ...

[161] Hudhud erbittet ein Neujahrsgeschenk,

räthselweise. I Ein Werckzeug ist es ...

[162 a] Schoen und köstlich ist die Gabe .. .

[162 b] Schoen und koestlich ist die Gabe .. .

[163] Hatem und Suleikal Hudhud sprach:

mit Einem Blicke ...

[164] Ach ich kann sie nicht erwiedern ...

[165] Myrth' und Lorbeer hatten sich verbunden

...

[174] Wenn der Körper ein Kercker ist ...

[175] Dem Kellner I Setze mir nicht, du

Grobian ...

Dem Schenken IDu zierlicher Knabe,

du komm herein ...

[176] Schenke spricht. I Du, mit deinen braunen

Locken ...

[177] Sie haben wegen der Trunckenheit ...

[178] Du kleiner Schelm du ...

[179] Was, in der Schenke, waren heute ...

[180] Schencke.1 Welch ein Zustand! Herr, so

späte ...

[181] Jene garstige Vettel ...

[182] Schencke I Heute hast du gut gegessen

...

[183] Schenke I Nennen dich den großen

Dichter ...

[184] Dichter. Schencke komm! Noch einen

Becher!

[185] Sakil Denck, 0 Herr! wenn du getruncken

...

[186] Sommernacht I Dichter I Niedergangen

ist die Sonne ...

[187] Der Schencke schläfrig. I So hab ich

endlich von dir erharrt ...

[188a] Hatem I Der schläft recht süß und hat

ein Recht zu schlafen ...

[188b] Der schläft recht gut und hat ein

Recht zu schlafen!

[189] Wo man mir guts erzeigt überall .. .

[190] Wo man mir guts erzeigt überall .. .

[166] Sakiname I Das Schenckenbuch (Titelblatt)

[167] Sitz ich allein ...

[168] Soweit bracht es Muley der Dieb ...

[169] Ob der Koran von Ewig[k]eit sey?

[170] Trunken müssen wir alle seyn!

[171] Da wird nicht mehr nachgefragt!

[172] Buchstabe Nun I xxv Gasele I So lang

man nüchtern ist. ,.

[173] Suleika I Warum du nur oft so unhold

bist?

[191] Buch der Parabeln (Titelblatt)

[192] Vom Himmel sank, in wilder Meere

Schauer ...

[193] Bulbuls Nachtlied, durch die

Schauer ...

[194] Die Perle die der Muschel entrann .. .

[195] Ich sah, mit Staunen und Vergnügen .. .

[196] Ein Kayser hatte zwey Cassire .. .

[197] Alle Menschen gros und klein .. .

[198] Vom Himmel steigend J esus brachte ...

[199] Bey Mondenschein im Paradeis ... (Es

ist gut)


Verzeichnis der Handschriften

[200] Wo kluge Leute zusammen kommen

...

[201] Buch des Parsen (Titelblatt)

[202] Wenn der Mensch die Erde schätzet ...

[203] Buch des Paradieses (Titelblatt)

[204] Berechtigte Männer. I ... Seine Todten

mag der Feind betrauren:

[205] Auserwaehlte Frauen 1 Frauen sollen

nichts verlieren ...

[206] Ferner sind alhier zu finden .. .

[207 a] Einlaß· I Houri.1 Heute steh ich meine

Wache ...

[207b] Mit den Trefflichsten zusammen ...

[208] Anklang I H ouri 1 Draussen am Orte ...

[209] Dichter. 1 Deine Liebe, dein Kuß mich

entzückt!

[210] Houri. 1 Wieder einen Finger schlägst

du mir ein!

[211] Vier Thieren auch verheisen war . ..

(Begünstigte Thiere)

[212] Sieben Schlaefer. 1 Sechs begünstigte

des Hofes ...

[213] Gute Nacht! 1 Nun so legt euch liebe

Lieder .. .

[214] Des deutschen I Divans I manigfaltige

Glieder (Wiesbadener Register)


Herkunft der Handschriften

Herkunft der Handschriften

Anonymus: [64]

Bibliotheca Bodmeriana, Fondation Martin

Bodmer, Geneve-Cologny: [7], [8], [10],

[17], [93], [101], [102], [13 8], [153], [199],

[200].

Chronik des Wiener Goethe-Vereins: [65],

[100], [106], [198].

Freies Deutsches Hochstift, Frankfurter

Goethe-Museum, Frankfurt a. M. (Reproduktionen

von Ursula Edelmann): [56],

[57], [67], [74], [82], [121], [15 8], [159],

[160], [161], [162 b], [165J.

Goethe-Kalender: [I I], [103J.

Goethe-Museum, Anton-und -Katharina­

Kippenberg-Stiftung, Düsseldorf: [15],

[55J, [99], [145J, [151]·

Goethe- und Schiller-Archiv, Weimar (Reproduktionen

von Sigrid Geske): [I], [2],

[3 a], [3 b], [4], [5], [6], [9], [12], [13], [16],

[18], [19], [20], [21], [22], [23], [24], [26],

[27], [28], [29], [30], [3 1], [32], [33], [34],

[35], [3 6], [37], [3 8], [39], [40], [42], [43],

[44 a], [44 b], [45], [46], [47], [48], [49],

[50], [52], [53], [54], [59], [60], [61], [62],

[63], [68], [69], [70], [7 1], [72], [13], [75J,

[76], [77], [78], [79], [80], [81], [83], [84],

[85], [86], [87], [88], [89], [92], [95J, [96],

[97], [98], [104], [105], [106], [I07a],

[109], [IlO], [Ill], [112], [113], [114],

[Il5], [Il6], [Il7], [Il8], [119], [122],

[123], [124], [125], [126], [127], [128],

[129], [130], [131], [132], [133], [134],

[135], [13 6], [13 8], [139], [140], [14 1],

[142], [143], [144], [146], [147], [148b],

[149], [152], [154], [155], [15 6], [157],

[162a], [163], [164], [166], [167], [168],

[169], [170], [171], [172], [In], [174],

[175], [176], [177], [178], [179], [180],

[181], [182], [183], [184], [186], [188b],

[189], [19 1], [192], [193], [194], [195J,

[196], [197], [198], [202], [203], [207],

[208], [209], [210], [21 I], [212], [213],

[21 4].

Institut Russkoj Literatury, Puschkin Haus,

St. Petersburg: [137].

Österreichische Nationalbibliothek, Wien:

[90], [120], [150], [204 Anfang], [205].

Pierpont Morgan Library (Heineman Collection),

New York: [66], [108].

Royal Archives, Windsor Castle, Berkshire:

[9 1].

Sammlung Beck, München: [I07b].

Sammlung Grumach, Berlin: [185J.

Sammlung Moirandat, Basel: [2°4, Ende].

Staats- und Universitätsbibliothek Bremen

(Nachlaß Joh. Michael Färber): [41].

Stadtarchiv Hannover, Autografensammlung

(ehern. Kestner-Museum): [58], [94],

[148a], [190], [206].

Stargardt, Auktionskatalog 327: [69].

Universitätsbibliothek Leipzig, Sammlung

Hirzel: [14], [187], [188a].


Alphabetisches Verzeichnis der Gedichtanfänge und -titel 279

Alphabetisches Verzeichnis der Gedichtanfänge und -titel

Abglanz (Ein Spiegel er ist mir geworden)

[149]: XIII, XVI, XVII, 134,249.

Abraxas [94; WR 62] (Süßes Kind, die Perlenreihen):

8 I f., 235.

Ach ich kann sie nicht erwiedern [164]: 143,

253·

Ach! um deine feuchten Schwingen [144J:

126,247·

Adam und Eva [68; WR 30] (Behandelt die

Frauen mit Nachsicht!): 60, 195,228.

Aergerts jemand daß es Gott gefallen [92;

WR 71]: 79, 197,234·

Alle Menschen gros und klein [197]: 171,

260.

Alles golden [153; WR 95] (Reicher Blumen

goldne Rancken): 137, 197,25°.

(Allgegenwärtige [WR 94] (In tausend Formen):

197)

Allleben [23; WR 67] (Staub ist eins der Elemente):

22, 196, 216f.

Als ich auf dem Euphrat schiffte [II8]: 98,

241.

Als ich einmal eine Spinne erschlagen [104J:

86,238.

Als wenn das aufNahmen ruhte! [84]: 73, 232·

Amulete sind dergleichen [5]: XIV, 8, 208f.

An des lust gen Brunnens Rand [139]: 120,

246.

An Hafis. [38] (Hafis, dir sich gleich zu

stellen): 35, 220.

An Hafis. [37] (Was alle wollen weist du

schon): 33 f., 220.

An Suleika [I I I] (Dir mit Wohlgeruch zu kosen):

91, 239.

An vollen Büschelzweigen [138]: XIII, I 19,

246.

Anerkennung [30; WR 10] (Heiliger Ebusund,

du hasts getroffen!): 195> 219.

Anklage. [28; WR 8] (Wißt ihr denn): XVI,

27,195,218.

Anklang [208] (Draussen am Orte): 183f.,

263f.

Artges Häuschen hab ich klein [25; WR

18?]: 24,195 (?), 21 7.

Auch in der Ferne dir so nah! [135]: II 6, 245.

Auch in Locken hab ich mich [42]: 38, 221.

Aus wievielen Elementen [16]: 15,214.

Auserwaehlte Frauen [205] (Frauen sollen

nichts verlieren): 178, 262f.

Bedenklich [44a] (Soll ich von Smaragden reden):

XIII, 40, 222.

Befindet sich einer heiter und gut [8 I]: 70, 231.

Begünstigte Thiere [2 I I] (Vier Thieren auch

verheisen war): 189,264.

Behandelt die Frauen mit Nachsicht! [68]:

60,228.

Berechtigte Männer [204; WR 96] (Seine Todten):

17M., 197,262.

Bey Mondenschein im Paradeis [199]: 173,

261.

Beynahme. [27; WR 14] (Mohamed Schemseddin

sage): 26,195,218.

Bismi llahi r-ral)mani r-ral)Imi. [13] (islam.

Segensformel): 14,213.

Bismi llahi r-rahmani r-rahlmi. qul ... [14]

(Koran, Sure 114, Fragment): 14,213.

Bist du von deiner Geliebten getrennt [133]:

II6,244·

(Blumensprache [WR 25] (Die Wächter sind

gebändiget): 195)

Buch der Parabeln [191]: 169,259.

Buch der Sprüche [97]: 85,236.

Buch des Paradieses [203]: 175, 26If.

Buch des Parsen [201]: 175,261.

Buch des Unmuths [78]: 67, 230.

Buch Sad. Gasele I. [24] (Sagt es niemand,

nur den Weisen): 23, 217.

Buchstabe Dall 18te Gasele [17] (Hans

Adam war ein Erdenklos): 16, 214f.


280 Alphabetisches Verzeichnis der Gedichtanfänge und -titel

Buchstabe Nun I XXV Gasele [172] (So lang

man nüchtern ist): 146, 254f.

Buchstabe Sa.1 Gasele XXII [49; WR 68]

(Wer kann gebieten): 46,196,223.

Buchstabe Sin I Gasele XIII [16] (Aus wievielen

Elementen): 15,214.

Bulbul [193; WR 64] (Bulbuls Nachtlied):

169,196,259.

Bulbuls Nachtlied, durch die Schauer [193]:

169,259.

Bunte Felder [19; WR 21] Was doch buntes

dort verbindet): 18, 195> 215f.

Caravane [79; WR 29] (»Wo hast du das genommen?«):

67f., 195> 23I.

Cassiere [196; WR 38] (Ein Kayser hatte

zwey Cassire): 171, 196,260.

Da du nun Suleika heißest [I I 5J: 95, 240.

Da wird nicht mehr nachgefragt! [171]: 145,

254·

Das Leben ist ein Gänsespiel [70]: 61, 228.

Das Leben ist ein schlechter Spas [69]: 60,

228.

Daß Araber an ihrem Theil [12]: 13, 212f.

Daß du nicht enden kannst das macht dich

gros [32]: 3°, 219.

Daß Suleika in Jussuf vernarrt war [114]: 94,

240.

Deine Liebe, dein Kuß mich entzückt [209]:

185-187,264.

Dem Kellner [175] (Setze mir nicht, du

Grobian): 148, 197,255.

Dem Schenken [175] (Du, zierlicher

Knabe): 148, 197,255.

Den Gruß des Unbekannten ehre ja! [60]:

53,225·

Denck,o Herr! wenn du getruncken [185J:

157,257·

Der Deutsche dankt [30] (Heiliger Ebusund,

du hasts getroffen): 28, 219.

Der gute Mann hat wenig begehrt [107b]:

88,238f.

Der Mahler wagts mit Götterbildern [159]:

141,252.

Der Mufti las des Misri Gedichte [3 I] 29,

21 9.

Der neue Copernicus [25; WR 18f.?] (Artges

Häuschen); 24,195 (?), 21 7.

Der Prophet spricht [92; WR 71] (Aergerts

jemand): 79, 197,234·

Der Schencke schläfrig [187] (So hab ich endlich

von dir erharrt): 162, 257f.

Der schläft recht gut und hat ein Recht zu

schlafen! [188b]: 163,258.

Der schläft recht süß und hat ein Recht zu

schlafen. [188a]: 162,258.

Der Winter und Timur [110; WR 84] (So umgab

sie nun): 90, 197,239.

Derb und tüchtig [22] (Dichten ist ein Übermuth):

21,216.

Des deutschen Divans manigfaltige Glieder

[214 (WR»): 195-197,265.

Des Schencken Eifersucht [176; WR 75]

(Du, mit deinen): 149, 197, 25 5·

Dich beglückte ja mein Gesang [160]: 141,

252·

Dichten [22; WR 45] (Dichten ist ein Übermuth):

21,196,216.

Dichten ist ein Übermuth [22]: 21, 216.

Dichter [209] (Deine Liebe, dein Kuß mich

entzückt): 185-187,264.

Dichter [186] (Niedergangen ist die Sonne):

159-161,257.

Dichter [184] (Schencke komm! Noch einen

Becher!): 156, 256f.

Dichter benamst [11 5; WR 54] (Da du nun

Suleika heißest): 95, 196,240.

Dichterglück [21; WR 90] (Worauf kommt

.

es überall an): 20, 197,216.

(Dichtungsarten [WR 85] (Mag der Grieche

seinen Thon): 197)

Die Fluth der Leidenschaft sie stürmt vergebens

[106]: 88, 238.

Die Inschrift aber hat nichts hinter sich

[5J: Xv, 8, 209·


Alphabetisches Verzeichnis der Gedichtanfänge und -titel

»Die Jahre nahmen dir, du sagst, so vieles

... « [71]: 61, 22sf.

Die Perle die der Muschel entrann [194]:

170 ,259.

Die schoen geschriebenen [128]: XIII, 108f.,

243·

Die Sonne, Helios der Griechen [142]: 124f.,

247·

Die Sonne kommt! Ein Prachterscheinen!

[124J: 103,243.

Die Welt durchaus ist lieblich anzuschauen

[15 2 ]: 136,250.

Dies zu deuten bin erbötig! [119]: 99, 241.

Dieses Baums Blat, der, von Osten [122]:

101,242.

Dieses Baums Blatt, der, von Osten [121]:

101, 241 f.

Dir mit Wohlgeruch zu kosen [I I I]: 91, 239.

Dir zu eröffnen [148a]: 1}2, 24Sf.

Dir zu eröffnen [14Sb]: 133,249.

Doch Abraxas bring ich selten! [5]: 9,

20sf.

Draussen am Orte [208]: 183f., 263f.

Dreistigkeit [21] (Worauf kommt es überall

an): 20, 216.

Dschelaleddin Rumi spricht [76] (Verweilst

du in der Welt): 65, 230.

Du hast so manche Bitte gewährt [lo7a]: 88,

23 8.

Du kleiner Schelm du [17S]: 151,255.

Du, mit deinen braunen Locken [176]: 149,

255·

Du vergehst und bist so freundlich [48]: 45,

223·

Du, zierlicher Knabe, du komm herein

[175J: 148,255.

Ein Kayser hatte zwey Cassire [196]: 171,

260.

Ein Siegelring ist schwer zu zeichnen [5]:

XIV, XV, 9, 209.

Ein Spiegel er ist mir geworden [149]: XIII,

XVI, XVII, 134, 249.

Ein Werckzeug ist es alle Tage nöthig [161]:

141,252.

Einladung [113; WR 9 I] (Mußt nicht vor

dem Tage fliehen): 93, 240.

Einlaß [207] (Heute steh ich meine Wache):

181, 263.

Elemente [16; WR 16] (Aus wievielen Elementen):

15, 195, 214·

Enweri sagt's, ein herrlicher der Männer

[100]: 85,237.

Er, der einzige Gerechte [6]: 10,210.

Er hat euch die Gestirne gesetzt [10]: XX,

12,212.

Ergebung [4S]: (Du vergehst und bist so

freundlich): 45, 223·

Ergebung [8S; WR 80] (Wer wird von der

Welt verlangen?): 77, 197,233.

(Erinnerung [WR 22] (Ros' und Lilie morgenthaulich):

195.)

Es geht eins nach dem andern hin [67]: 60,

227f.

Es ist gut [199] (Bey Mondenschein im Paradeis):

173,261.

Es klingt so prächtig wenn der Dichter

[143]: 12 5,247.

Evangelium [198; WR 59] (Vom Himmel steigend

... ): XVI, 172, 196,260.

Ferdusi [75; WR 49] (0 Welt! wie schamlos

und boshaft du bist!): 65, 196, 229f.

Ferdusi spricht. [75] (0 Welt! wie schamlos

und boshaft du bist!): 65, 229f.

Ferid-eddin [105] (Guten Ruf musst du dir

machen): 87,238.

Ferner sind al hier zu finden [206; WR 97]:

179f., 263.

Fetwa [3 I; WR I I] (Der Mufti las des Misri

Gedichte): 29,195,219.

Fetwa. [29; WR 9] (Hafis Dichterzüge sie bezeichnen):

28,195, 218f.

Frage nicht durch welche Pforte [65]: 5M.,

22M.

Frage nicht durch welche Pforte [66]: 5Sf.,

227·


Alphabetisches Verzeichnis der Gedichtanfänge und -titel

Frauen sollen nichts verlieren [20s]: 178,

262f.

Freygebiger wird betrogen [72]: 62, 229.

Freysinn [10] (Er hat euch die Gestirne gesetzt):

XX, 12,212.

Freysinn [9] (Laßt mich nur auf meinem Sattel

gelten): XX, 12,212.

Fünf andre [55] (Was verkürzt mir die

Zeit?): 5 I, 224·

Fünf Dinge [54] (Fünf Dinge bringen fünfe

nicht hervor): 50, 224.

Fünf Dinge bringen fünfe nicht hervor [54]:

50,224.

Fünf Dinge fruchtbar [55; WR 86] (Was verkürzt

mir die Zeit?): 5 I, 197,224.

Fünf Dinge unfruchtbar [54; WR 86] (Fünf

Dinge bringen): 50, 197,224.

Gaensespiel [70; WR 88] (Das Leben ist ein

Gänsespiel): 61, 197,228.

Geheimes [50]: (Über meines Liebchens Äugeln):

47, 223·

Geheimschrift [147] (Lasst euch, 0 Diplomaten):

XIII, 13of., 248.

Geheimstes [5 I] (»Wir sind emsig nachzuspüren

... ~): 48, 223.

Genügsam [46] (Wie irrig wähnest du): 43,

222.

Geschärftes U rtheil [172; WR 44] (So lang man

nüchtern ist): 146, 196,254f.

Geständniß [15] (Was ist schwer zu verbergen?):

14,213f.

Gewarnt [42] (Auch in Locken hab ich mich):

38,221.

Ginkgo biloba. [12 I] (Dieses Baums Blatt, der

von Osten): 101,24d.

Glaubst du denn von Mund zu Ohr [89]: 77,

233·

Gläubige Perle [192; WR 32] (Vom Himmel

sank): 169, 195,259.

Glücklich Geheimniß [5 0] (Über meines

LiebchensÄugeln):47,223·

(Goenner, Foerderer Dolmetscher [WR 12]

(» Buch der Freunde«-Projekt»

Gott hat euch die Gestirne gesetzt [I I]: 12,

212.

Gottes ist der Orient [6]: 10,209-21 I.

Gottes ist der Orient [7]: 11,21 I.

Gottesgedancken [199; WR 6o] (Bey Mondenschein

im Paradeis): 173, 196,26 I.

GrußT47] (0 wie selig ward mir!): 44, 222f.

Gute Nacht! [213;WR 100] (Nun so legt euch

liebe Lieder): 194, 197,265.

Guten Ruf musst du dir machen [105]: 87,

238.

(Guter Tag [WR 93] (Die Welt durchaus ist

lieblich anzuschauen): 197.)

Hab ich euch denn je gerathen [86]: 75, 233.

Haben sie von deinen Fehlen [61]: 54,225.

Haett ich jrgend wohl Bedencken [127]:

107,243.

Hafis, dir sich gleich zu stellen [3 8]: 35, 220.

Hafis Dichtercharacter [32; WR 13] (Daß du

nicht enden kannst): 30, 195, 220.

Hafis Dichterzüge sie bezeichnen [29]: XVI,

28,218f.

HafisnamelDas Buch Hafis. [26a]: 25, 217f.

Hafis NamehlBuch Hafis [26b]: 25, 218.

Handwerck [86; WR 51] (Hab ich euch denn

je gerathen): 75,196,233.

Hans Adam war ein Erdenklos [17]: 16,

214f.

Hatem [188a] (Der schläft recht süß und hat

ein Recht zu schlafen): 162,258.

Hatem [119] (Dies zu deuten bin erbötig!):

99,241.

Hatem [116] (Nicht Gelegenheit macht

Diebe): 96, 240.

Hatem [13 I] (Wie des Goldschmieds Bazarlädchen):

112, 244.

Hatem undSuleika [163] (Hudhud sprach):

XVI, 143, 2pf.

Hegire [4] (Nord und West und Süd zersplittern):

XVII, 6f., 208.

Heiliger Ebusund, du hasts getroffen! [30]:

28, 219.


Alphabetisches Verzeichnis der Gedichtanfänge und -titel

Herr und Herrin [74; WR 73] (Ungezähmt

so wie ich war): 64, 196,229.

Herrenrecht u. Dienstpflicht [73; WR 72]

(Wer befehlen kann): 63, 196,229.

Herrinn! sag' was heißt das Flüstern? [146]:

129,248.

Heute hast du gut gegessen [182]: 154, 256.

Heute steh ich meine Wache [207]: 18d.,

263.

Hochbeglückt in deiner Liebe [I 17]: 97,

240f.

Hochbild [142] (Die Sonne, Helios der Griechen):

124f., 247.

Hör und bewahre [40]: 36,221.

Höre den Rath den die Leyer tönt [53]: 49,

224·

Höchste Gunst [74] (Ungezähmt so wie ich

war): 64, 229.

Houri [208] (Draussen am Orte): 183f.,

263f.

. Houri [207] (Heute steh ich meine Wache):

18d., 263.

Houri [210] (Wieder einen Finger schlägst

du mir ein!): 188, 264.

Hudhud [47; WR 55] (0 wie selig ward

mir!): 44, 196, 222f.

Hudhud, als einladender Bote [160] (Dich

beglückte ja): 141,252.

Hudhud auf dem Palmensteckchen [158]:

140,252.

Hudhud auf dem Palmen=Steckchen [157]:

140,251.

Hudhud erbittet ein Neujahrsgeschenk

[161] (Ein Werckzeug): 141,252.

Hudhud erklaert eine räthselhafte Stelle

[159] (Der Mahler wagts): 141,252.

Hudhud sprach: mit Einem Blicke [163]:

XVI, 143, 252f.

Ich gedachte in der Nacht [II2]: 92, 239f.

Ich sah, mit Staunen und Vergnügen [1951:

17°,260.

Im Athemholen sind zweyerley Gnaden [6]:

10,210f.

In deine Reimart hoff ich mich zu finden

[33]: 31, 21 9.

Indisch [104] (Als ich einmal eine Spinne erschlagen):

86,238.

Ist es möglich Stern der Sterne [1451: 127f.,

247f.

(Ja, in der Schenke hab' ich auch gesessen

[WR 23]: XVI, 195.)

Jene garstige Vettel [181]: 153,256.

Katzenjammer [180; WR 77] (Welch ein Zustand!):

152, 256.

Kaum daß ich dich wieder habe [140]: 12d.,

246.

Kaysergaben [126; WR 56] (Nur wenig ist's

was ich verlange): I05f., 196,243.

Keinen Reimer wird man finden [80]: 69,

231.

Kellner und Schencke [175; WR 74] (Setze

mir nicht): 148, 197,255.

Kenne wohl der Männer Blicke. [120]: 100,

241.

Komm Liebchen, komm! umwinde mir die

Mütze [125]: 104,243.

Koran, Sure 114 [Die Menschen], Fragment

[14]: 14, 21 3.

Koran und Becher [169; WR 34] (Ob der Koran

von Ewigkeit): 145, 196,254.

Kunstreime [33; WR 47] (In deine Reimart):

31,195, 21 9.

Landsleute [84; WR 47] (Als wenn das auf

Nahmen ruhte!): 73, 196,232.

Laß den Weltenspiegel Alexandern [15 I]:

I':3 6,249f.

Laß dich nur in keiner Zeit [102]: 86, 237.

Laß dich nur in keiner Zeit [103]: 86,237.

Lasst euch, 0 Diplomaten! [147]: XIII,

13of., 248.

Laßt mich nur auf meinem Sattel gelten [9]:

XX, 12,212.

Lasst mich weinen! umschraenkt von Nacht

[15 6]: 14°,251.


Alphabetisches Verzeichnis der Gedichtanfänge und -titel

Leidiger Trost [81; WR 92] (Befindet sich einer

heiter und gut): 70, 197, 231.

Lesebuch [41] (Wunderlichstes Buch der Bücher):

37,221.

Lieb' um Liebe, Stund' um Stunde [129]:

110,244·

Liebchen [50; WR 69] (Über meines Liebchens

Äugeln): 47, 196,223'

Liebchen benamst [114; WR 53] (Daß Suleika

in J ussuf): 94, 196, 240.

Liebe und Krieg [20; WR 19] (Wenn links an

Baches Rand): 19, 195,216.

Liebende [40; WR 28] (Hör und bewahre):

36, 195> 221.

Lieblich ist des Mädchens Blick der winket

[57]: 52, 224 f.

Liebliches [19] (Was doch buntes dort verbindet):

18, 215f.

Locken [43; WR 27] (Voll Locken kraus ein

Haupt so rund!): 39, 195,222.

Locken! haltet mich gefangen! [IF]: XIII,

115,244·

Locken und Zöpfe [42; WR 26] (Auch in

Locken hab ich mich): 38, 195> 221.

Märckte reizen dich zum Kauf [63]: 55,

225 f.

Märkte reizen dich zum Kauf [62]: 55, 226.

(Mag sie sich immer ergänzen: XIII)

Medschnun [85; WR 50] (Medschnun heißt):

74,196,2Ff.

Medschnun heißt - ich will nicht sagen [851:

74,2Ff.

Meinem Sohne, zum dreysigsten May, 1815.

[66] (Frage nicht): 58f., 227.

Mich nach= und umzubilden miszubilden

[96J: 84, 235 f.

Mich verwirren will das Irren [6]: 10,210.

Mit der Teutschen Freundschaft [951: 83,

235·

Mitternachts weint' und schluchtzt ich [45]:

42,222.

Moganniname I Buch des Saengers [3 aJ: 5>

2°7·

Moganni N ameh.1 Buch des Saengers [3 b]:

5, 207f.

Mohamed Schemseddin sage [27]: 26, 218.

Mußt nicht vor dem Tage fliehen [I 13]: 93,

24°·

Musterbilder [40] (Hör und bewahre): 36,

221.

M yrth' und Lorbeer hatten sich verbunden

[1651: 143,253·

Mystische Zunge [35; WR 82] (Sie haben

dich heiliger Hafis): F, 197, 219f.

Nachbildung [33] (In deine Reimart hoff ich

mich zu finden): 31,219.

Nachklang [143] (Es klingt so prächtig

wenn der Dichter): 125> 247.

Nachtgespenster [45; WR 61] (Mitternachts

weint'): 42, 196, 222.

Nennen dich den großen Dichter [183]: 155,

25 6.

Nicht Gelegenheit macht Diebe [116]: 96,

240.

Nicht mehr auf Seidenblat [155]: Xv, XVI,

139,251·

Niedergangen ist die Sonne [186]: 1 59- 161,

257·

Nord und West und Süd zersplittern [4J:

XVII, 6f., 208.

Nun so legt euch liebe Lieder [21 3]: 194,

26 5.

Nur wenig ist's was ich verlange [126]: XV,

105f.,243·

Nur wer von Allah begünstiget ist [75]: 65,

229 f.

O! daß der Sinnen doch so viele sind! [134]:

116, 245.

o Welt! wie schamlos und boshaft du bist!

[75]: 65, 229 f.

o wie selig ward mir! [47]: 44, 222f.

Ob der Koran von Ewig[k]eit sey? [169]:

145,254·

Ob ich Irdsches denck' und sinne [6]: 10,

210.


Alphabetisches Verzeichnis der Gedichtanfänge und -titel

Ob ich Ird'sches denck' und sinne [8]: I I,

21 I.

Offenbar Geheimnis [51; WR 70] (»Wir sind

emsig ...«): 48, 196,223.

Phaenomen [18] (Wenn zu der Regenwand):

17, 21 5.

Rebe [202; WR 66] (Wenn der Mensch die

Erde schätzet): 175> 196,261.

Reicher Blumen goldne Rancken [153]: 137,

25 0 .

Reitest du bey e'nem Schmied vorbey [59]:

53,225·

Rumi [76; WR 48] (Verweilst du in der

Welt): 65, 196,230.

Sag du hast wohl viel gedichtet? [123]: 102,

242f.

Sagt es niemand, nur den Weisen [24]: 23,

21 7.

Saki [185] (Denck, 0 Herr! wenn du getrunkken:

157,257.

SakinamelDas Schenckenbuch [166]: 144,

2.H·

Schencke [182] (Heute hast du gut gegessen):

154,256.

Schencke komm! Noch einen Becher! [184]:

156,256f·

Schencke. [180] (Welch ein Zustand!): 152,

25 6.

Schenke. [183] (Nennen dich den großen

Dichter): 155,256.

Schenke spricht. [176] (Du, mit deinen braunen

Locken): 149,255.

Schlechter Trost [45] (Mitternachts weint'

und schluchtzt ich): 42, 222.

Schlimm ist es, wie doch wohl geschieht

[108]: 89, 239·

Schoen und köstlich ist die Gabe [162a]:

142,252.

Schoen und koestlich ist die Gabe [162 b]:

142,252.

Schreibt er in Nessky [I 54J: 138, 250f.

Sechs begünstigte des Hofes [212]: 190-193,

264.

Segenspfänder [5; WR 4] (Talisman in Carneol):

XlV, XV, 8f., 208f.

Seine Todten mag der Feind betrauren [204]:

I 76f., 262.

Selbstbehagen [197; WR 39] (Alle Menschen

gros und klein): 171, 196,260.

Selbstgefühl [80; WR 46] (Keinen Reimer

wird man finden): 69,196,231.

Selbstopfer [24; WR 52] (Sagt es niemand,

nur den Weisen): 23, 196,217.

Selige Sehnsucht [24] (Sagt es niemand, nur

den Weisen): 23, 217.

Seltnes Meteor [18; WR 20] (Wenn zu der

Regenwand): 17, 195,215.

Setze mir nicht, du Grobian [175; WR 74J:

148,197,255.

Sey das Wort die Braut genannt [I & 26a]: 3,

25,205,217f.

Sie haben dich heiliger Hafis [35J: 32, 219f.

Sie haben wegen der Trunckenheit [177]:

150,255.

Sieben Schlaefer (212.1 (Sechs be~nst.igt.e

des Hofes): 190-193,264.

Sitz ich allein [167]: 144,254.

So hab ich endlich von dir erharrt [187]:

162,257·

So umgab sie nun der Winter [110]: 90, 239.

So lang man nüchtern ist [172]: 146, 254f.

Soll das Rechte zu dir ein [64]: 55> 226.

Soll ich von Schmaragden reden [44b]: 41,

222.

Soll ich von Smaragden reden [44a]: 40, 222.

Sollt einmal durch Erfurt fahren [77]: 66,

23 0 .

Sommernacht [186; WR 89] (Niedergangen

ist die Sonne): 159-161,257.

Sonst wenn man den heiligen Coran citirte

[9 1]: 79, 233 f.

Soweit bracht es Muley der Dieb [168]:

XVI, 144,254.


286 Alphabetisches Verzeichnis der Gedichtanfänge und -titel

Staub [23; WR 67] (Staub ist eins der Elemente):

22, 196, 216f.

Staub ist eins der Elemente [23]: 22, 216f.

Süßes Kind, die Perlenreihen [94]: 8 If., 235.

Suleika [144] (Ach! um deine feuchten

Schwingen): 126,247.

Suleika [118] (Als ich auf dem Euphrat

schiffte): 98, 24 I.

Suleika [139] (An des lustgen Brunnens

Rand]: 120, 246.

Suleika [124] (Die Sonne kommt! Ein Prachterscheinen!):

103,243.

Suleika [I 17] (Hochbeglückt in deiner

Liebe): 97, 240f.

Suleika [140] (Kaum daß ich dich wieder

habe): 121 f., 246.

Suleika [123] (Sag du hast wohl viel gedichtet?):

102, 242f.

Suleika [130] (Volck und Knecht und Überwinder):

I I I, 244.

Suleika [173] (Warum du nur oft so unhold

bist?): 147,255.

Suleika. [141] (Was bedeutet die Bewegung?):

123,247.

Suleikaname I Das Buch Suleika. [I 12]: 92,

239f.

Talisman in Carneol [5J: XlV, 8, 208f.

Talismane, Amulete, Abraxas I Inschriften

und Siegel [6]: (Gottes ist): 10, 208f.

Talismane, Amulete Abraxas und Siegel [6;

WR 5] (Gottes ist): 10, 195, 208f.

Tefkir Nameh I Buch der Betrachtungen

[52]: 49, 223 f.

Timur [93] (Was? Ihr misbilliget den kräftgen

Sturm): 80, 234f.

TimurnamelBuch des Timur [109]: 89, 239.

Timur spricht. [93] (Was? Ihr misbilliget den

kräftgen Sturm): 80, 234f.

Traue nicht dem Truncken Weisen [105J: 87,

23 8.

Trunckenheit [170; WR 43] (Trunken müssen

wir alle seyn!): 145, 196,254.

Trunken müssen wir alle seyn! [170]: 145,

254·

Tulbend [125; WR 31] (Komm Liebchen,

komm!): 104, 195,243.

(Tut ein Schilf sich doch hervor; XVI.)

Über meines Liebchens Äugeln [50]: 47,

223·

Überboten [127; WR 57] (Haett ich jrgend

wohl Bedencken): 1°7, 196,243.

Übermacht, Ihr könnt es spüren [82]: 71,

231.

Übermacht und Gegner [82; WR 41] (Übermacht,

Ihr könnt es): 7 I, 196, 23 I.

Über's Niederträchtige [87]: 76, 233·

Unbegrenzt [32] (Daß du nicht enden

kannst das macht dich gros): 3°,219.

Und doch haben die Recht die ich schelte

[3 6]: 32, 220.

Und was im Pend N am eh steht [58]: 52,

225·

Und wer franzet, oder brittet [90]: 78, 233.

Ungeduld [49] (Wer kann gebieten den Vögeln):

46, 223.

Ungewisses [59; WR 36] (Reitest du bey

e'nem Schmied vorbey): 53, 196,225.

Ungezähmt so wie ich war [74]: 64, 229.

Unhold [173; WR 63] (Warum du nur oft so

unhold bist?): 147, 196,255.

Unverborgnes [15; WR 37] (Was ist schwer

zu verbergen?): XVI, 14, 196, 213f.

Unvermeidlich [15] (Wer kann gebieten den

Vögeln): 46, 223.

Unverwehrtes [49; WR 68] (Wer kann gebieten

den Vögeln): 46,196,223.

Urvater [17; WR 17] (Hans Adam war ein

Erdenklos-): 16, 195, 214f.

Uschk NamehlDas Buch der Liebe [39]: 36,

22of.

Verehrung sey! [2] (Huldigungsblatt): 4,

2°5-2°7.

(Vermächtnis [WR 65] (Welch Vermächtnis):

196)


Alphabetisches Verzeichnis der Gedichtanfänge und -titel

Versammlung deutscher Gedichte [I] (Frühes

Titelblatt): 3, 2°5.

Versunken [43] (Voll Locken kraus ein

Haupt so rund): 39, 222.

Vertrauter [107a] (Du hast so manche Bitte

gewährt): 88, 238.

Verweilst du in der Welt sie flieht als Traum

[76]: 65, 230.

Vezir [107b] (Der gute Mann hat wenig begehrt):

88, 238f.

Vier Frauen [206 & 205; WR 97] (Ferner

sind ... & Frauen sollen . ..): 178 H., 262 f.

Vier Gnaden [12] (Daß Araber an ihrem

Theil): 13, 2I2f.

Vier Thiere [21 I; WR 98] (Vier Thieren auch

verheisen war): 189, 197,264.

Vier Thieren auch verheisen war [21 I]: 189,

264.

Vision [25; WR 18?] (Artges Häuschen hab

ich klein): 24, 195 (?), 217.

Volck und Knecht und Überwinder [130]:

111,239·

Voll Locken kraus ein Haupt so rund [43]:

39,222.

Vom Himmel sank, in wilder Meere Schauer

[192]: 169,259.

Vom Himmel steigend Jesus brachte [198]:

XVI, 172,260.

Wandrers Gemüthsruh [87; WR 81]: 76,197,

233·

Wandrers Gemüthsruhe [87] (Über's Niederträchtige):

76, 233.

Warum du nur oft so unhold bist? [173J:

147,255·

Was alle wollen weist du schon [37]: 33 f.,

220.

Was bedeutet die Bewegung? [141]: 123,

247·

Was doch buntes dort verbindet [19]: 18,

215f.

Was heißt denn Reichthum? [75J: 65, 229f.

Was? Ihr misbilliget den kräftgen Sturm

[93]: 80, 234f.

Was, in der Schenke, waren heute [179]: 151,

25 6.

Was ist schwer zu verbergen? Das Feuer!

[15J: XVI, 14, 213f.

Was machst du an der Welt [98]: 85, 236.

Was verkürzt mir die Zeit? [5 5J: 51,224·

Was verkürzt mir die Zeit? [56]: 51,224.

Weinverbot [184; WR 79] (Schencke

komm!): 156, 197, 25M.

Welch ein Zustand! Herr, so späte [180]:

152,256.

Weltlauf [83; WR 42] (Wenn du auf dem Guten

ruhst): 72, 196, 23 d.

Wenn der Körper ein Kercker ist [174J: 147,

255·

Wenn der Mensch die Erde schätzet [202]:

175,261.

Wenn der schweer gedrückte klagt [99]: 85,

23 6.

Wenn du auf dem Guten ruhst [83]: 72,

23 I f.

Wenn ich dein gedencke [136]: 118,246.

Wenn links an Baches Rand [20]: 19,216.

Wenn zu der Regenwand [18]: 17,215'

Wer befehlen kann wird loben [73]: 63, 229.

Wer kann gebieten den Vögeln [49]: 46, 223.

Wer wird von der Welt verlangen? [88]: 77,

233·

Widerruf [36; WR 83] (Und doch haben die

Recht): 32, 197,220.

Wie des Goldschmieds Bazarlädchen [13 I]:

XIII, 112-114,244.

Wie irrig wähnest du [46]: 43, 222.

Wie kommts daß man an jedem Orte [101]:

86,237·

Wie! mit innigstem Behagen [150]: 135,249.

Wie sollt ich heiter bleiben? [136]: XIII,

XVIf., 117,245.

Wieder einen Finger schlägst du mir ein!

[210]: 188,264.

Wiederfinden [145] (Ist es möglich Stern der

Sterne): 127f., 247f.

Wink [36] (Und doch haben die Recht die

ich schelte): 32, 220.


Alphabetisches Verzeichnis der Gedichtanfänge und -titel

Winter und Timur [110; WR 84]: (So umgab

sie nun der Winter): 90, 197,239.

»Wir sind emsig nachzuspüren ... « [51]: 48,

223·

Wißt ihr denn auf wen die Teufel lauern

[28]: XVI, 27, 218.

»Wo hast du das genommen? ... « [79]: 67f.,

231.

Wo kluge Leute zusammen kommen [200]:

174,261.

Wo man mir guts erzeigt überall [189]: 164-

167,258f.

Wo man mir guts erzeigt überall [190]: 168,

259·

Worauf kommt es überall an ... [21]: 20, 216.

Wunderlichstes Buch der Bücher [4 1]: 37,

221.

Zugemessne Rhythmen reizen freylich ...

[34]: 31, 21 9.

Zwanzig Jahre lies ich gehn [Ja]: 5,2°7.

Zwiespalt [20] (Wenn links an Baches

Rand): 19, 216.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine