Lärmaktionsplan Offenlage - Kenzingen

kenzingen.de

Lärmaktionsplan Offenlage - Kenzingen

STADT KENZINGEN

Lärmaktionsplan nach §47 BImSchG

Erläuterungsbericht – Fassung zur Offenlage

Projekt-Nr. 612-1348

Februar 2011


Stadt Kenzingen

Lärmaktionsplan nach §47 BImSchG – Erläuterungsbericht – Fassung zur Offenlage

Versions- und Revisionsbericht

Nr. Datum Erstellt Geprüft Beschreibung

1 13.09.2010 A. Colloseus Dr. A. Clausen Entwurf des

Erläuterungsberichts

2 10.02.2011 A. Colloseus Dr. A. Clausen Fassung zur Offenlage ohne

inhaltliche Änderungen

ppa. Dr. Andreas Clausen

i. A. Alexander Colloseus

Fichtner Water & Transportation GmbH

Linnéstraße 5, 79110 Freiburg

Deutschland

Telefon: +49-761-88505-0

Fax: +49-761-88505-22

E-Mail: info@fwt.fichtner.de

Copyright © by FICHTNER WATER & TRANSPORTATION GMBH

P:\612\1300-1349\2-1348 LAP Kenzingen\500 Planung\580 Berichte\EB6121348-110210-Co.doc

I


Stadt Kenzingen

Lärmaktionsplan nach §47 BImSchG – Erläuterungsbericht – Fassung zur Offenlage

Inhaltsverzeichnis

1. Aufgabenstellung .................................................................................................1

2. Grundlagen............................................................................................................1

2.1 Allgemeines....................................................................................................1

2.2 Beurteilungsgrundlagen .................................................................................2

2.3 Rechtlicher Rahmen.......................................................................................2

2.3.1 Zuständige Behörde ...................................................................................... 2

2.3.2 Umgebungslärm ............................................................................................ 3

2.3.3 Lärmvorsorge ................................................................................................ 4

2.3.4 Lärmsanierung............................................................................................... 5

2.3.5 Lärmschutz im Städtebau.............................................................................. 5

3. Ergebnisse der Lärmkartierung...........................................................................6

3.1 Schienenverkehr ............................................................................................6

3.2 Straßenverkehr...............................................................................................7

4. Analyse der Lärm- und Konfliktsituation............................................................7

4.1 Schienenverkehr ............................................................................................7

4.2 Straßenverkehr...............................................................................................9

5. Maßnahmenkonzept ...........................................................................................10

5.1 Allgemeines..................................................................................................10

5.2 Lärmsanierung .............................................................................................11

5.3 Besonders überwachtes Gleis (BüG) ...........................................................12

5.4 Lärmschutzwände ........................................................................................13

5.5 Passiver Lärmschutz ....................................................................................14

6. Zusammenfassung und Ausblick......................................................................16

P:\612\1300-1349\2-1348 LAP Kenzingen\500 Planung\580 Berichte\EB6121348-110210-Co.doc

II


Stadt Kenzingen

Lärmaktionsplan nach §47 BImSchG – Erläuterungsbericht – Fassung zur Offenlage

Anlagen

Anlage 1 Lärmkarte Schienenverkehr L DEN

Anlage 2 Lärmkarte Schienenverkehr L Night

Anlage 3 Lärmkarte Straßenverkehr L DEN

Anlage 4 Lärmkarte Straßenverkehr L Night

Anlage 5 Lärmschwerpunkte Schienenverkehr L DEN

Anlage 6 Lärmschwerpunkte Schienenverkehr L Night

Anlage 7 Bereich möglicher Lärmsanierungsmaßnahmen

Anlage 8 Differenzlärmkarte Besonders überwachtes Gleis

Anlage 9 Lage der untersuchten Lärmschutzwände

Anlage 10 Differenzlärmkarte Lärmschutzwände, Höhe 4,5m

Quellenverzeichnis

16. BImSchV 16. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes

(Verkehrslärmschutzverordnung - 16. BImschV), Juli 1991

34. BImSchV 34. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes

(Verordnung über die Lärmkartierung – 34. BImSchV), März 2006

BMVBS 2007

BMVBS 2008

BMVBW 2005

DIN 18005-1

Fritz 2006

Hellbrück 2010

Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung: Richtlinien für

straßenverkehrsrechtliche Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor

Lärm (Lärmschutz-Richtlinien-StV), November 2007

Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung: Statistik des

Lärmschutzes an Bundesfernstraßen 2007, 2008

Bundesministerium für Verkehr, Bau und Wohnungswesen: Richtlinie für

die Förderung von Maßnahmen zur Lärmsanierung an bestehenden Schienenwegen

des Bundes, 2005

Schallschutz im Städtebau Teil 1: Grundlagen und Hinweise für die Planung,

Juli 2002; Beiblatt zu DIN 18005 Teil 1, Mai 1987

Fritz GmbH - Beratende Ingenieure VBI: Schalltechnische Untersuchung

zur Ermittlung und Beurteilung von Schienenverkehrslärmimmissionen auf

der Grundlage der Verkehrslärmschutzverordnung (16. BImSchV) – Ausbau-

und Neubaustrecke Karlsruhe – Basel: Planfeststellungsabschnitt 8.0,

Herbolzheim - Riegel

Prof. Dr. Jürgen Hellbrück: Wirkungen von Lärm auf Erleben, Verhalten und

Gesundheit, Vortrag auf dem Seminar „Lärmarme Straßenbeläge“, März

P:\612\1300-1349\2-1348 LAP Kenzingen\500 Planung\580 Berichte\EB6121348-110210-Co.doc

III


Stadt Kenzingen

Lärmaktionsplan nach §47 BImSchG – Erläuterungsbericht – Fassung zur Offenlage

LfU Bayern

2003

RLS-90

Schall 03

2010

Bayerisches Landesamt für Umweltschutz: Lärm – Straße und Schiene,

Oktober 2003

Der Bundesminister für Verkehr: Richtlinien für den Lärmschutz an Straßen,

RLS-90, Ausgabe 1990

Deutsche Bundesbahn: Richtlinie zur Berechnung der Schallimmissionen

von Schienenwegen – Schall 03

Strick 2006 Strick, Stefan: Lärmschutz an Straßen, 2. Auflage, 2006

UBA 2004

VLärmSchR 97

WMBW 2008

Umweltbundesamt: Können Lärmminderungsmaßnahmen mit geringer

akustischer Wirkung wahrgenommen werden?, Ortscheid & Wende, Berlin

2004

Richtlinien für den Verkehrslärmschutz an Bundesfernstraßen in der Baulast

des Bundes – VlärmSchR 97, Mai 1997

Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg: Städtebauliche Lärmfibel Online,

http://www.staedtebauliche-laermfibel.de, 2008

P:\612\1300-1349\2-1348 LAP Kenzingen\500 Planung\580 Berichte\EB6121348-110210-Co.doc

IV


Stadt Kenzingen

Lärmaktionsplan nach §47 BImSchG – Erläuterungsbericht – Fassung zur Offenlage

1. AUFGABENSTELLUNG

Kenzingen mit derzeit rund 9.200 Einwohnern liegt im Landkreis Emmendingen im

nördlichen Breisgau. Neben der Kernstadt Kenzingen gehören die Ortsteile Bombach,

Hecklingen und Nordweil zu Kenzingen.

In Nord-Süd-Richtung verläuft die Bundesstraße 3 durch Kenzingen. Durch die teilweise

Verlagerung des Durchgangsverkehrs auf die westliche Ortsumfahrung sind auf der

Ortsdurchfahrt der B 3 noch ca. 10.000 bis 12.500 Kfz/24h vorhanden (Stand 2005).

Westlich der Stadt verläuft die Bundesautobahn 5 mit ca. 60.000 Kfz/24h.

Zudem verläuft die Rheintalbahn (Bahnstrecke 4000) mit derzeit (Stand 2009) rund

300 Zugfahrten pro Tag durch Kenzingen.

Nach den Vorgaben der Umgebungslärmrichtlinie bzw. der Regelungen des Bundes-

Immissionsschutzgesetzes (vgl. 2.3.2) liegen damit nur die BAB 5 und die Rheintalbahn

über den Schwellenwerten der ersten Stufe der Lärmkartierung.

Entsprechend sind nach den Vorgaben der EG-Umgebungslärmrichtlinie und den zur

Umsetzung in Deutschland erlassenen Verordnungen und Empfehlungen die Lärmeinwirkungen

dieser Verkehrswege zu erfassen (Lärmkartierung) und mögliche Minderungsmaßnahmen

zu untersuchen (Aktionsplan).

2. GRUNDLAGEN

2.1 Allgemeines

Schall bezeichnet mechanische Schwingungen und Wellen in einem elastischen Medium

(z. B. Luft). Schallpegel werden üblicherweise in der Einheit dB (Dezibel) dargestellt.

Dabei handelt sich um eine Hilfsgröße, die einen Schalldruckpegel in ein Verhältnis

zur menschlichen Hörschwelle setzt. Durch den logarithmischen Maßstab entstehen

dabei besser handhabbare Werte.

Das menschliche Gehör nimmt Frequenzen ungefähr zwischen 16 Hz und 20 KHz

wahr. Die Hörschwelle liegt in Abhängigkeit von der Frequenz ungefähr bei 0 dB. Die

Schmerzgrenze liegt bei ca. 130 dB. „Die Abhängigkeit von wahrgenommener Lautstärke

und Schalldruckpegel ist stark frequenzabhängig. […] Sollen Aussagen über die

Wahrnehmung eines Schallereignisses gemacht werden, muss daher die Frequenzzusammensetzung

(Spektrum) des Schalls betrachtet werden.“ (Wikipedia 2010)

Durch eine frequenzabhängige Gewichtung wird der bewertete Schalldruckpegel gebildet.

Üblich ist dabei die Verwendung des A-bewerteten Schallpegels (dB(A)).

P:\612\1300-1349\2-1348 LAP Kenzingen\500 Planung\580 Berichte\EB6121348-110210-Co.doc Seite 1


Stadt Kenzingen

Lärmaktionsplan nach §47 BImSchG – Erläuterungsbericht – Fassung zur Offenlage

Als Lärm werden Schallereignisse bezeichnet, die subjektiv als störend empfunden

werden. Lärm ist also „unerwünschter Schall, der das physische, psychische und soziale

Wohlbefinden der Menschen erheblich beeinträchtigen kann.“ (Hellbrück 2010)

2.2 Beurteilungsgrundlagen

Berechnungs- und Bewertungsgrundlagen der unterschiedlichen Lärmarten (z.B. Verkehr,

Gewerbe, Freizeit) werden durch entsprechende Richtlinien bzw. Verordnungen

vorgegeben. Hierbei erfolgt eine sektorale Betrachtung, d.h. bei den schalltechnischen

Überprüfungen sind die Lärmquellen der unterschiedlichen Lärmarten einzeln zu ermitteln

und die daraus berechneten Beurteilungspegel den jeweiligen Grenz-, Richt- oder

Orientierungswerten gegenüberzustellen.

Eine Aggregation mehrerer Lärmarten erfolgt in der Regel nicht. Schallquellen, die keiner

Lärmart zuzuordnen sind (z.B. Naturgeräusche, Wind, Wasser, etc.) werden bei

den schalltechnischen Untersuchungen nicht betrachtet.

Für die schalltechnischen Berechnungen werden zunächst die Schallemissionen ermittelt

oder abgeschätzt, d. h. der von einer Schallquelle ausgehende Lärm betrachtet. In

Abhängigkeit der Lage, Höhe, Abschirmungen, Reflexionen, etc. werden daraus die

Schallimmissionen ermittelt, also der auf den jeweils maßgebenden Immissionsort

(z. B. ein Wohngebäude) einwirkende Lärm bestimmt.

Mit den Zuschlägen der jeweiligen Berechnungsrichtlinien z. B. für Ruhezeiten oder

bestimmte Lärmarten werden aus den Immissionspegeln die Beurteilungspegel gebildet.

Alle im vorliegenden Bericht genannten Schallausbreitungsberechnungen wurden mit

dem Ausbreitungsmodell SoundPLAN (Version 7.0, Braunstein + Berndt GmbH) durchgeführt.

2.3 Rechtlicher Rahmen

2.3.1 Zuständige Behörde

Stadt Kenzingen

Hauptstraße 15

79341 Kenzingen

Postfach 11 19

79337 Kenzingen

P:\612\1300-1349\2-1348 LAP Kenzingen\500 Planung\580 Berichte\EB6121348-110210-Co.doc Seite 2


Stadt Kenzingen

Lärmaktionsplan nach §47 BImSchG – Erläuterungsbericht – Fassung zur Offenlage

2.3.2 Umgebungslärm

Mit dem Gesetz zur Umsetzung der EG-Richtlinie über die Bewertung und Bekämpfung

von Umgebungslärm vom 24. Juni 2005 wurde die EU-Umgebungslärmrichtlinie in

deutsches Recht umgesetzt.

Die nach § 47c des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchG) erforderliche

Lärmkartierung einschließlich der Betroffenheitsanalyse für Schienenwege wurde bundesweit

durch das Eisenbahnbundesamt durchgeführt. Zu kartieren waren Haupteisenbahnstrecken

mit einer Verkehrsbelastung von über 60.000 Zügen/a. Dieser Wert

wird von der durch Kenzingen verlaufenden Rheintalbahn deutlich überschritten.

Ebenfalls zu kartieren waren Straßen mit mehr als 6.000.000 Kfz/a bzw. 16.400

Kfz/24h (1.Stufe). Die Lärmkartierung wurde für das Land Baden-Württemberg von der

Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) durchgeführt. Die

Lärmkartierung der LUBW weist aus, dass im Stadtgebiet Kenzingen nur durch die A 5

der Schwellenwert überschritten wird.

Auf Basis der Lärmkartierung ist nach § 47d des Bundes-Immissionsschutzgesetzes

ein Aktionsplan zu erstellen, in dem Lärmprobleme und Lärmauswirkungen zu regeln

sind, die durch den Schienenverkehr auf der Rheintalbahn und den Straßenverkehr auf

der A 5 verursacht werden.

Die Berechnung erfolgt anhand der „Vorläufigen Berechnungsverfahren für Umgebungslärm

an Schienenwegen“ (VBUSch) bzw. den „Vorläufigen Berechnungsverfahren

für Umgebungslärm an Straßen“ (VBUS), die im Rahmen der 34. BImSchV veröffentlicht

wurden. Die VBUSch, VBUS, VBUF (Fluglärm) und VBUI (Industrie- und Gewerbelärm)

enthalten die Berechnungsverfahren für die Kartierung nach EG-

Umgebungslärmrichtlinie. Dabei wurde eine Harmonisierung verschiedener europäischer

Richtlinien angestrebt.

Das Verfahren der Vorläufigen Berechnungsverfahren für Umgebungslärm entspricht

methodisch den in Deutschland gültigen Verfahren der „Richtlinie zur Berechnung der

Schallimmissionen von Schienenwegen (Schall 03) bzw. den „Richtlinien für den Lärm

an Straßen“ (RLS 90). In einigen Bereichen gibt es jedoch deutliche Unterschiede, so

dass die Ergebnisse dennoch nicht vergleichbar sind. Das betrifft z.B. die verwendeten

Lärmindizes (unterschiedliche Zeiträume) oder die verwendeten Zuschläge. Die Ergebnisse

der Kartierung des Umgebungslärms sind demnach nicht mit den in Deutschland

geltenden Orientierungs- und Grenzwerten zu vergleichen, die z.B. in der 16.

BImSchV, der VLärmSchR 97 oder der DIN 18005 vorgegeben sind.

Die Bewertung der Lärmsituation erfolgt anhand der Lärmindizes L DEN und L Night . L DEN

umfasst den gesamten Tagesverlauf mit Zuschlägen für den Abend und die Nacht,

während L Night die Lärmsituation in der Nacht (22-6 Uhr) beschreibt.

P:\612\1300-1349\2-1348 LAP Kenzingen\500 Planung\580 Berichte\EB6121348-110210-Co.doc Seite 3


Stadt Kenzingen

Lärmaktionsplan nach §47 BImSchG – Erläuterungsbericht – Fassung zur Offenlage

2.3.3 Lärmvorsorge

Lärmvorsorge bezeichnet Lärmschutzmaßnahmen im Rahmen eines Neubaus oder einer

wesentlichen Änderung von Verkehrswegen. Zur gesetzlichen Regelung dient die

Verkehrslärmschutzverordnung (16. BImSchV).

Zur rechnerischen Erfassung des Straßenverkehrslärms dient in Deutschland die

"Richtlinie für den Lärmschutz an Straßen (RLS-90)". Für Schienenverkehrslärm wird

die Richtlinie zur Berechnung der Schallimmissionen von Schienenwegen (Schall 03)

verwendet. Mit diesen Richtlinien werden die Beurteilungspegel zur Beurteilung von

Verkehrslärmimmissionen nach Verkehrslärmschutzverordnung ermittelt.

Entsprechend dieser Richtlinien sind die Lärmpegel (Beurteilungspegel) aus den

durchschnittlichen täglichen Verkehrsmengen zu berechnen. Diese Lärmwerte sind

Mittelwerte (Mittelungspegel) und keine Maximalpegel.

Nach Verkehrslärmschutzverordnung gelten folgende Immissionsgrenzwerte beim

Neubau oder wesentlichen Änderungen von Verkehrswegen:

Nutzungsart

Immissionsgrenzwerte der 16. BImSchV

in dB(A)

Tag

Nacht

Krankenhäuser, Schulen, Kur- und Altenheime, 57 47

Reine und allgemeine Wohngebiete

sowie Kleinsiedlungsgebiete

59 49

Kern-, Dorf- und Mischgebiete 64 54

Gewerbegebiete 69 59

Tab. 2-1:

Immissionsgrenzwerte der 16. BImSchV

In die Ermittlung der Beurteilungspegel geht i. d. R. nur der Pegel des neu gebauten

oder wesentlich geänderten Verkehrswegs ein. Eine Überlagerung mit anderen Verkehrswegen

oder sonstigen Geräuschquellen erfolgt nur im Rahmen der planerischen

Abwägung zur Erlangung des Baurechts oder wenn der „Lärm des neuen Verkehrsweges

mit dem des bestehenden zusammen zu Gesundheitsgefahren oder zu Eingriffen

in die Substanz des Eigentums führt.“ (Strick 2006).

„Die Lärmbelastung durch Straßen wird heute ausschließlich berechnet. Berechnungen

sind genauer, transparenter und auch wirtschaftlicher als Schallpegelmessungen zu

zufälligen Zeitpunkten. Messungen unterliegen Witterungseinflüssen und Verkehrsschwankungen

und das Mikrofon unterscheidet nicht ohne weiteres zwischen Hund

und Auto. Künftigen Straßenlärm kann man ohnehin nicht messen.“ (LfU Bayern, 2003)

Zudem sind Berechnungen der Lärmimmissionen besser nachzuvollziehen als Messungen.

Nur in Ausnahmefällen werden z.B. zu Überprüfungszwecken Lärmmessungen

durchgeführt. Die Ausführungen gelten gleichsam für Schienenverkehrslärm.

P:\612\1300-1349\2-1348 LAP Kenzingen\500 Planung\580 Berichte\EB6121348-110210-Co.doc Seite 4


Stadt Kenzingen

Lärmaktionsplan nach §47 BImSchG – Erläuterungsbericht – Fassung zur Offenlage

2.3.4 Lärmsanierung

Als Lärmsanierung werden Schutzmaßnahmen an bestehenden Verkehrswegen bezeichnet.

„Sie wird als freiwillige Leistung nach haushaltsrechtlichen Regelungen gewährt.“

(Strick 2006) Für Lärmsanierungsmaßnahmen besteht kein Rechtsanspruch.

Die Voraussetzungen für Lärmsanierungsmaßnahmen sind in den „Richtlinien für den

Verkehrlärmschutz an Bundesfernstraßen in der Baulast des Bundes“ (VLärmSchR 97)

sowie der „Richtlinie für die Förderung von Maßnahmen zur Lärmsanierung an bestehenden

Schienenwegen der Eisenbahnen des Bundes“ (BMVBW 2005) geregelt. In

beiden Richtlinien sind die folgenden Grenzwerte angegeben:

Nutzungsart

Immissionsgrenzwerte zur Lärmsanierung

in dB(A)

Tag

Nacht

Krankenhäuser, Schulen, Kur- und Altenheime,

reine und allgemeine Wohngebiete

sowie Kleinsiedlungsgebiete

70 60

Kern-, Dorf- und Mischgebiete 72 62

Gewerbegebiete 75 65

Tab. 2-2:

Immissionsgrenzwerte zur Lärmsanierung

Lärmsanierungsmaßnahmen werden in der Regel nur an Gebäuden durchgeführt, die

vor Inkrafttreten des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (01.04.1974, in den neuen

Ländern 03.10.1990) errichtet wurden oder die im Geltungsbereich eines Bebauungsplans

liegen, der vor diesem Zeitpunkt rechtskräftig wurde.

2.3.5 Lärmschutz im Städtebau

Für die schalltechnische Beurteilung städtebaulicher Planungen kann die DIN 18005

Teil 1 - Schallschutz im Städtebau herangezogen werden. In Beiblatt 1 zur DIN 18005

sind „Orientierungswerte für die angemessene Berücksichtigung des Schallschutzes in

der städtebaulichen Planung“ (DIN 18005) angegeben. Die Orientierungswerte sind als

Ziele des Schallschutzes für die Bauleitplanung aufzufassen und keine Grenzwerte.

Die örtlichen Gegebenheiten können ein Abweichen von Orientierungswerten nach

oben oder unten erfordern.

In der folgenden Tabelle sind für verschiedene Nutzungsarten die in der DIN 18005

(Beiblatt zu Teil 1) angegebenen Orientierungswerte für den Tag (6 bis 22 Uhr) und die

Nacht (22 bis 6 Uhr) aufgeführt. Die Werte in Klammern gelten für Industrie-, Gewerbeund

Freizeitlärm.

P:\612\1300-1349\2-1348 LAP Kenzingen\500 Planung\580 Berichte\EB6121348-110210-Co.doc Seite 5


Stadt Kenzingen

Lärmaktionsplan nach §47 BImSchG – Erläuterungsbericht – Fassung zur Offenlage

Nutzungsart Orientierungswerte der DIN 18005

in dB(A)

Tag

Nacht

Reine Wohngebiete 50 40 (35)

Allgemeine Wohngebiete, Kleinsiedlungsgebiete 55 45 (40)

Besondere Wohngebiete, Dorf- und Mischgebiete 60 50 (45)

Gewerbe- und Kerngebiete 65 55 (50)

Kleingarten- und Parkanlagen 55 55

Tab. 2-3: Orientierungswerte der DIN 18005

3. ERGEBNISSE DER LÄRMKARTIERUNG

3.1 Schienenverkehr

In der ersten Stufe der Lärmkartierung waren Haupteisenbahnstrecken mit einem Verkehrsaufkommen

von über 60.000 Zügen/a (164 Züge/24h) zu kartieren. Gemäß der

Kartierung des Eisenbahnbundesamtes liegt die Bahnlinie Freiburg – Kenzingen – Offenburg

im Bereich der Stadt Kenzingen oberhalb des Werts von 60.000 Zügen/a und

wurde entsprechend kartiert.

Die Berechnung erfolgt anhand der Vorläufigen Berechnungsverfahren für Umgebungslärm

an Schienenwegen (VBUSch) vom 22. Mai 2006. Das Verfahren der

VBUSch entspricht methodisch wie die VBUS den in Deutschland bereits verwendeten

Richtlinien RLS-90 und der Richtlinie zur Berechnung der Schallimmissionen von

Schienenwegen (Schall 03). Da auch bezüglich des Schienenverkehrslärms im Detail

Unterschiede im Berechnungsverfahren bestehen, sind die Ergebnisse dennoch nicht

mit den in Deutschland geltenden Orientierungs- und Grenzwerten zu vergleichen.

Die Ergebnisse der Kartierung des Eisenbahnbundesamtes liegen als Rasterlärmkarten

vor, die in Anlage 1 (L DEN ) und 2 (L Night ) zusammengestellt sind. Die Pläne wurden

für eine Höhe von 4m über Gelände erstellt. In den Rasterlärmkarten werden Bereiche

gleicher Immissionspegel (über den Beurteilungszeitraum gemittelt) farbig abgestuft

dargestellt. Dabei werden in 5 dB(A)-Schritten Klassen gebildet. Aus den Plänen ist

somit die Ausbreitung des Schalls von der Lärmquelle Bahntrasse in die Umgebung

abzulesen. Bei dichter Bebauung wird der Schall stärker abgeschirmt als bei einer freien

Schallausbreitung.

Es ist zu erkennen, dass sowohl am Tag als auch in der Nacht bis weit in das Stadtgebiet

Kenzingen hohe Immissionspegel durch den Schienenverkehr auf der Rheintalbahn

hervorgerufen werden. Betroffen sind vor allem die Kernstadt Kenzingen und der

Ortsteil Hecklingen. Durch die deutlich größeren Abstände (ca. 4 km) entstehen in

P:\612\1300-1349\2-1348 LAP Kenzingen\500 Planung\580 Berichte\EB6121348-110210-Co.doc Seite 6


Stadt Kenzingen

Lärmaktionsplan nach §47 BImSchG – Erläuterungsbericht – Fassung zur Offenlage

Nordweil und Bombach geringere Beeinträchtigungen, die im Rahmen des Lärmaktionsplans

nicht weiter untersucht werden.

Die Lärmbeeinträchtigungen der Bewohner werden in Abschnitt 4 näher beschrieben.

3.2 Straßenverkehr

Da in der ersten Stufe der Lärmkartierung nur die A 5 über dem Schwellenwert (vgl.

2.3.2) liegt, beschränkt sich die Kartierung auf den von der A 5 ausgehenden Schall.

Die Lärmbelastungen im Bereich Kenzingen sind in den Anlagen 3 (L DEN ) und 4 (L Night )

in Rasterlärmkarten dargestellt. Die Karten sind den Veröffentlichungen der Landesanstalt

für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) entnommen.

Durch den Abstand zum Stadtgebiet von Kenzingen entstehen nur geringe Lärmbeeinträchtigungen

in den westlichen Randbereichen von Kenzingen und Hecklingen, die

weit unter den Lärmbelastungen durch die Rheintalbahn liegen.

In der zweiten Stufe der Lärmkartierung (2012) werden dann mehr Straßen kartiert, so

dass eine bessere Einschätzung der Belastungen durch Straßenverkehrslärm möglich

wird.

4. ANALYSE DER LÄRM- UND KONFLIKTSITUATION

4.1 Schienenverkehr

Als Lärmschwerpunkte, für die kurzfristig eine Verminderung der Lärmbelastung angestrebt

werden soll, werden Pegel von über 70 dB(A) bei L DEN und über 60 dB(A) bei

L Night angesehen. Bei diesen Pegeln liegen auch die für Kommunen in Baden-

Württemberg vorgeschlagenen Auslösewerte zur Erstellung von Lärmaktionsplänen.

D.h., dass zumindest für Bereiche mit Betroffenen dieser Lärmpegel ein Aktionsplan

aufzustellen ist.

In den Lärmkarten sind Pegel über den Auslösewerten bis in Entfernungen zur Bahntrasse

von 150 bis 250 m bei L DEN bzw. 200 bis 350 m bei L Night zu erkennen. Die Stadtteile

Nordweil und Bombach sind gemäß der Lärmkartierung nicht von diesen Lärmpegeln

betroffen. Für die Kernstadt Kenzingen und den ortsteil Hecklingen, die unmittelbar

an der Rheintalbahn liegen und in Randbereichen von hohen Lärmpegeln betroffen

sind, sollten Maßnahmen zur Verbesserung der Lärmsituation geprüft werden.

L DEN -Werte zwischen 65 und 70 dB(A) und L Night -Werte zwischen 55 und 60 dB(A) sind

als hohe Lärmbelastung anzusehen. Beim Erstellen eines Lärmaktionsplanes sollten

Bereiche mit hoher Lärmbelastung mit einbezogen werden. Bei 65 dB(A) L DEN und 55

P:\612\1300-1349\2-1348 LAP Kenzingen\500 Planung\580 Berichte\EB6121348-110210-Co.doc Seite 7


Stadt Kenzingen

Lärmaktionsplan nach §47 BImSchG – Erläuterungsbericht – Fassung zur Offenlage

DB(A) L Night liegen die vom Umweltbundesamt vorgeschlagenen Auslösewerte für

Lärmaktionspläne. Für den Lärmaktionsplan der Stadt Kenzingen werden entsprechend

alle Bereiche oberhalb von 65 dB(A) L DEN und 55 dB(A) L Night bei der Lärmaktionsplanung

berücksichtigt.

Immissionspegel über 65 dB(A) L DEN sind noch in Entfernungen von 250 bis 450 m zur

Bahntrasse vorhanden. Bei L Night reichen die Pegel oberhalb von 55 dB(A) in Entfernungen

von bis zu 700 m zur Rheintalbahn.

Anhand der „Vorläufigen Berechnungsmethode zur Ermittlung der Belastetenzahlen

durch Umgebungslärm“ (VBEB) wurde eine Analyse der durch Schienenverkehrslärm

betroffenen Einwohner durchgeführt. Die abgeschätzten Zahlen der in den einzelnen

Lärmpegelbereichen betroffenen Einwohner sind in der folgenden Tabelle zusammengestellt:

L DEN

L Night

Pegelbereich

in dB(A)

Belastete

Einwohner

Pegelbereich

in dB(A)

Belastete

Einwohner

50 < L Night = 55 2470

55 < L DEN = 60 2290 55 < L Night = 60 2230

60 < L DEN = 65 2420 60 < L Night = 65 850

65 < L DEN = 70 1110 65 < L Night = 70 170

70 < L DEN = 75 220 L Night > 70 120

L DEN > 75 140

Tab. 4-1:

Von Schienenverkehrslärm betroffene Einwohner

Die ermittelten Betroffenenzahlen liegen durchweg über den Werten, die durch das Eisenbahn-Bundesamt

(EBA) veröffentlicht wurden. Da mit den durch das EBA digital zur

Verfügung gestellten Daten keine zugrunde liegenden Zugbelegungsdaten übermittelt

werden, konnte die Ursache der Differenzen nicht bestimmt werden. Eventuell haben

sich seit der Veröffentlichung der Kartierung des EBA noch Veränderungen der Eingangsdaten

ergeben. Ein Abgleich mit den Daten, die in der schalltechnischen Untersuchung

zum Ausbau der Rheintalbahn (Fritz 2006) verwendet wurden ergab, dass die

Emissionspegel, die in den Berechnungen für den Lärmaktionsplan verwendet wurden,

in einer realistischen Größenordnung liegen.

Um die Bereiche zu erkennen, in denen eine hohe Lärmbelastung mit einer hohen Zahl

von Betroffenen zusammentrifft, wird eine grafische Überlagerung von Lärmpegeln und

Betroffenen vorgenommen. Dabei entstehen Lärmschwerpunkt-Pläne. Darin wird die

Einwohnerdichte über einem gewählten Lärmpegel-Schwellenwert dargestellt. Somit

werden Bereiche erkennbar, die von hohen Lärmpegeln betroffen sind und gleichzeitig

mit Lärmschutzmaßnahmen möglichst viele Bewohner erreicht werden können.

P:\612\1300-1349\2-1348 LAP Kenzingen\500 Planung\580 Berichte\EB6121348-110210-Co.doc Seite 8


Stadt Kenzingen

Lärmaktionsplan nach §47 BImSchG – Erläuterungsbericht – Fassung zur Offenlage

Dennoch können auch Maßnahmen an anderen Stellen gleichermaßen sinnvoll sein

und eine deutliche Verbesserung für viele Bewohner erzielen. Gerade wenn eine Maßnahme

viele Wohngebäude erreicht, die unter den Schwellenwerten liegen, kann - obwohl

man keinen "Lärmschwerpunkt" entschärft - dennoch eine sinnvolle, effiziente

Verbesserung der Lärmsituation erreicht werden.

Auch andere schutzwürdige Orte wie Krankenhäuser, Schulen oder Freiflächen zur Erholung

sind mit der ausschließlichen Orientierung an Einwohnerdichten nicht zu erfassen

oder quantitativ miteinander zu vergleichen. In der Abwägung, welche Maßnahmen

zur Lärmminderung in Kenzingen geeignet sind, sind deshalb auch Kriterien, die

über die Ergebnisse von Lärmschwerpunkt-Karten hinaus gehen, zu berücksichtigen.

Die Lärmschwerpunkt-Pläne zur Darstellung von Lärmschwerpunkten des Schienenverkehrslärms

sind in Anlage 5 für L DEN und Anlage 6 für L Night dargestellt. Die Pläne

wurden für Schwellenwerte von 65 dB(A) bei L DEN und 55 dB(A) bei L Night erstellt.

In den Plänen sind in Entfernungen von bis zu 600 m zur Bahntrasse deutliche Lärmschwerpunkte

zu erkennen. Die Belastungen ziehen sich dabei fast durchgängig durch

das nahe der Bahn liegende Stadtgebiet von Kenzingen. Besonders deutliche Lärmschwerpunkte

bilden sich im Norden der Kernstadt (Bereich Sport- und Tagungshotel /

Breitenfeldstraße / Habsburger Straße / Hansjakobstraße / Hebelstraße / Steinstraße),

im Bereich zwischen dem Bahnhof und den Schulen sowie im Süden der Kernstadt

(Klostermattenstraße).

Zumindest für die in den Lärmschwerpunkt-Plänen erkennbaren Schwerpunkte sind

Lärmminderungsmaßnahmen abzuleiten und die Wirkung der Maßnahmen zu prüfen.

Neben Wohngebäuden sind auch Schulgebäude bei der Prüfung von Minderungsmaßnahmen

zu berücksichtigen. In Kenzingen liegen die Grundschule in der Balgerstraße,

die Werkrealschule und das Gymnasium sowie die Grundschule in Hecklingen jeweils

mit einem Pegel von 60 bis 65 dB(A) (L DEN ) in einem Bereich hoher Lärmpegel. Gerade

während der Durchfahrten von Güterzügen ist mit Störungen des Unterrichtsbetriebs

zu rechnen.

4.2 Straßenverkehr

Auch hinsichtlich des Straßenverkehrslärms sollten Bereiche oberhalb eines Immissionspegels

von 65 dB(A) bei L DEN bzw. 55 dB(A) bei L Night bei der Aktionsplanung berücksichtigt

werden. Solche Pegel entstehen gemäß den Lärmkarten der LUBW durch

den Verkehr auf der A 5 in Kenzingen jedoch nicht. Die Betroffenheitsanalyse der

LUBW ergab folgende Zahlen der betroffenen Einwohner:

P:\612\1300-1349\2-1348 LAP Kenzingen\500 Planung\580 Berichte\EB6121348-110210-Co.doc Seite 9


Stadt Kenzingen

Lärmaktionsplan nach §47 BImSchG – Erläuterungsbericht – Fassung zur Offenlage

L DEN

L Night

Pegelbereich

in dB(A)

Belastete

Einwohner

Pegelbereich

in dB(A)

Belastete

Einwohner

50 < L Night = 55 2

55 < L DEN = 60 1 55 < L Night = 60 0

60 < L DEN = 65 2 60 < L Night = 65 0

65 < L DEN = 70 0 65 < L Night = 70 0

70 < L DEN = 75 0 L Night > 70 0

L DEN > 75 0

Tab. 4-2:

Von Straßenverkehrslärm (A 5) betroffene Einwohner

Eine Aktionsplanung mit einer Prüfung von Lärmminderungsmaßnahmen ist bei geringen

Betroffenheiten nicht erforderlich. Deshalb erfolgt in der ersten Stufe der Lärmaktionsplanung

keine Untersuchung von möglichen Maßnahmen. In der 2. Stufe

2012/2013 ist erneut zu prüfen, ob Minderungsmaßnahmen erforderlich sind bzw. mit

welchen Maßnahmen eine wirkungsvolle, effiziente Reduzierung der Belastungen erreicht

werden kann.

5. MAßNAHMENKONZEPT

5.1 Allgemeines

Aufbauend auf den Ergebnissen der in Abschnitt 4 dargestellten Analyse der Lärmsituation

wurde ein Maßnahmenkonzept erstellt. Ziel der Maßnahmen ist eine wirksame

Minderung der Lärmbelastung bei einem möglichst effizienten Mitteleinsatz. Durch die

gleichzeitig verlaufenden Planungen zum Neu- und Ausbau der Rheintalbahn (3. / 4.

Gleis) erscheint eine grundlegend neue Planung derzeit nicht sinnvoll.

Zur Trassenführung der Aus- und Neubaustrecke werden im Planfeststellungsverfahren

und der zugehörigen politischen Diskussion bereits seit Jahren die relevanten Aspekte

betrachtet. Eine erneute Aufarbeitung für den Lärmaktionsplan (zumal dieser auf

einer unterschiedlichen Berechnungsmethode beruht) kann keine grundlegend neuen

Ergebnisse bringen.

Da bis zum Abschluss des Planungsverfahrens und der baulichen Umsetzung noch einige

Jahre vergehen können, werden aber Vorschläge für einen kurzfristigen Lärmschutz

abgeleitet.

Zudem ist darauf hinzuweisen, dass die Lärmschutzplanung bei einer Baumaßnahme

wie dem Ausbau der Rheintalbahn einer unterschiedlichen Methodik und Richtlinien

unterliegt als die Aufstellung eines Lärmaktionsplans.

P:\612\1300-1349\2-1348 LAP Kenzingen\500 Planung\580 Berichte\EB6121348-110210-Co.doc Seite 10


Stadt Kenzingen

Lärmaktionsplan nach §47 BImSchG – Erläuterungsbericht – Fassung zur Offenlage

Beim Neubau oder wesentlichen Änderungen von Verkehrswegen werden anhand der

Verkehrslärmschutzverordnung (16. BImSchV) in Verbindung mit der Verkehrswege-

Schallschutzmaßnahmenverordnung (24. BImSchV) aktive und/oder passive Lärmschutzmaßnahmen

bestimmt. Die Notwendigkeit und das Ausmaß der Lärmschutzmaßnahmen

werden anhand von Immissionsgrenzwerten geprüft. Bei einer Überschreitung

der Grenzwerte sind Schutzmaßnahmen gesetzlich vorgeschrieben. Die

Umsetzung der Maßnahmen erfolgt dann durch den Vorhabensträger im Zuge der

Baumaßnahme.

Für die Aufstellung eines Lärmaktionsplans werden die Lärmbetroffenheiten unabhängig

von geplanten Baumaßnahmen analysiert und auf dieser Basis sinnvolle Lärmschutzmaßnahmen

abgeleitet. Dafür sind keine Richt- oder Grenzwerte definiert, ab

deren Überschreitung Lärmschutzmaßnahmen zu ergreifen sind. Stattdessen liegen

die Ziele der Aktionsplanung in der langfristigen Verbesserung der Lärmsituation mit

effizienten Mitteln. Ein rechtlicher Anspruch auf die Durchführung der Maßnahmen besteht

nach aktuellem Stand weder für die aufstellende Behörde noch betroffene Bürger.

Die Lärmschutzmaßnahmen des Aktionsplans sind zwischen der aufstellenden

Behörde (i.d.R. die Kommune) und dem jeweiligen Baulastträger des Verkehrswegs

(Bund bzw. DB) abzustimmen. Die Umsetzung obliegt letztlich dem Baulastträger des

Verkehrswegs.

Durch die unterschiedlichen Zuständigkeiten zur Aufstellung des Aktionsplans und zur

Umsetzung der Maßnahmen können im Lärmaktionsplan auch keine Angaben über

Umsetzungszeiträume enthalten sein. Das weitere Verfahren ist zunächst mit dem

Baulastträger (Bahn) abzustimmen.

5.2 Lärmsanierung

Lärmschutzmaßnahmen an bestehenden Verkehrswegen werden als Lärmsanierung

bezeichnet. Als Voraussetzung für eine Durchführung von Maßnahmen wird meist auf

eine Überschreitung von Immissionsgrenzwerten (vgl. 2.3.4) und das Alter der betroffenen

Wohngebäude bzw. des Bebauungsplans (vor Inkrafttreten des Bundes-

Immissionsschutzgesetzes am 01.04.1974), in dem sich die Gebäude befinden, verwiesen.

Grundsätzlich sind jedoch alle Umstände des Einzelfalls in die Abwägung einzubeziehen.

Auf Lärmsanierungsmaßnahmen besteht kein rechtlicher Anspruch. Die

Maßnahmen werden entsprechend der im Bundeshaushalt eingestellten Mittel sukzessive

geplant und umgesetzt.

Die genannten Voraussetzungen für Lärmsanierungsmaßnahmen (Überschreitung der

Immissionsgrenzwerte, Alter der Baugebiete) sind in weiten Bereichen der Kernstadt

Kenzingen erfüllt. Der alte Ortskern und die nördlich angrenzenden Wohngebiete sind

entweder vor 1974 entstanden oder befinden sich in Gebieten mit Bebauungsplänen

vor diesem Zeitpunkt. Wie auch der schalltechnischen Untersuchung für den Ausbau

der Rheintalbahn (Fritz 2006) zu entnehmen ist (dort zwar für einen Prognosehorizont

2015, die Belastungen sind im Bestand jedoch kaum geringer), werden die jeweiligen

Immissionsgrenzwerte an zahlreichen Wohngebäuden in diesen Bereichen auch bei

einer Berechnung nach den in Deutschland gültigen Berechnungsgrundlagen über-

P:\612\1300-1349\2-1348 LAP Kenzingen\500 Planung\580 Berichte\EB6121348-110210-Co.doc Seite 11


Stadt Kenzingen

Lärmaktionsplan nach §47 BImSchG – Erläuterungsbericht – Fassung zur Offenlage

schritten. Eine Übersicht der Bereiche, die für Lärmsanierungsmaßnahmen in Frage

kommen, ist in Anlage 7 dargestellt. Da für den Lärmaktionsplan keine Berechnungen

auf der Basis der Schall 03 durchgeführt wurden, können darin die Gebiete mit Überschreitungen

der Lärmsanierungsgrenzwerte nur grob eingeschätzt werden.

Die Rheintalbahn im Bereich Kenzingen ist bislang nicht in der Liste der geplanten Sanierungsmaßnahmen

enthalten. Dies dürfte damit zusammenhängen, dass durch den

Ausbau der Rheintalbahn ohnehin Lärmschutzmaßnahmen erforderlich sein werden.

Deshalb sind bis zum Ausbau keine Lärmschutzmaßnahmen geplant. In Anbetracht

der bereits seit langer Zeit bestehenden Lärmbelastungen und des nicht absehbaren

Zeitrahmens bis zur Umsetzung der Lärmschutzmaßnahmen im Zuge des Ausbaus der

Rheintalbahn, erscheint eine kurzfristigere Lösung sinnvoll. Deshalb werden nachfolgend

verschiedene Lärmschutzmaßnahmen näher untersucht.

In Hecklingen werden die Lärmsanierungsgrenzwerte aufgrund der größeren Abstände

zur Bahntrasse nicht überschritten. Kurzfristige Lärmschutzmaßnahmen zu Lasten der

Bahn sind deshalb derzeit nicht realistisch umsetzbar. Im Rahmen des Ausbaus der

Rheintalbahn wird sich für Hecklingen durch die Verlagerung eines großen Teils des

Güterverkehrs auf die neuen, weiter entfernten Gleise eine Entlastung ergeben.

5.3 Besonders überwachtes Gleis (BüG)

Beim Einsatz des Verfahrens „Besonders überwachtes Gleis“ wird die Lauffläche der

Gleise regelmäßig durch Schallmesswagen überprüft. Bei einer Überschreitung festgelegter

Richtwerte werden die Gleise in einem besonderen Verfahren geschliffen, um

die Schallemissionen direkt am Entstehungsort zu mindern.

Rechnerisch kann damit in Streckenabschnitten, in denen das BüG eingesetzt wird,

entsprechend einer Verfügung des Eisenbahn-Bundesamtes ein Abschlag von 3 dB(A)

angesetzt werden. Mit dieser Pegelminderung wurden die Immissionen in Kenzingen

ermittelt und die Zahl der Betroffenen ausgewertet. Die Zahl der Betroffenen liegt mit

der Maßnahme BüG bei folgenden Werten:

L DEN

L Night

Pegelbereich

in dB(A)

Belastete

Einwohner

Pegelbereich

in dB(A)

Belastete

Einwohner

50 < L Night = 55 2580

55 < L DEN = 60 2630 55 < L Night = 60 1360

60 < L DEN = 65 1690 60 < L Night = 65 310

65 < L DEN = 70 400 65 < L Night = 70 140

70 < L DEN = 75 160 L Night > 70 25

L DEN > 75 40

Tab. 5-1:

Zahl der Betroffenen von Schienenverkehrslärm mit BüG

P:\612\1300-1349\2-1348 LAP Kenzingen\500 Planung\580 Berichte\EB6121348-110210-Co.doc Seite 12


Stadt Kenzingen

Lärmaktionsplan nach §47 BImSchG – Erläuterungsbericht – Fassung zur Offenlage

Die Betroffenen hoher Lärmpegel können durch das Verfahren im Vergleich zum Bestand

deutlich gemindert werden. Zur Quantifizierung der Veränderung wird die Lärmkennziffer

für den kritischeren Beurteilungszeitraum L Night gebildet. Dabei werden alle

Einwohner oberhalb des Schwellenwerts von 55 dB(A) berücksichtigt. Je nach Höhe

der Überschreitung werden die Einwohner mit einem Multiplikationsfaktor versehen, so

dass höhere Belastungen auch stärker in die Lärmkennziffer eingehen. Der Multiplikationsfaktor

steigt für eine einfache Handhabung jeweils um 1 je dB(A) Überschreitung

des Schwellenwertes.

Die Lärmkennziffer für die Bestandssituation liegt bei 16.480, bei Einsatz des besonders

überwachten Gleises kann eine Minderung auf 8.020 erreicht werden. Setzt man

diese Minderung in ein Verhältnis mit den aufzuwendenden Kosten, kann die Effizienz

der Maßnahme eingeschätzt werden.

Aus der schalltechnischen Untersuchung zum Ausbau der Rheintalbahn kann für den

bereich Kenzingen auf ungefähre Kosten über eine Dauer von 30 Jahren von ca.

350.000 bis 400.000€ geschlossen werden (konkrete Zahlen werden nicht genannt).

Damit wären für eine Minderung der Lärmbelastung je Einwohner und dB(A) ein finanzieller

Aufwand von ca. 45 € erforderlich (100.000 / (16.480 – 8.020)). Dieser Wert ist

mit der Effizienz der anderen Maßnahmen zu vergleichen.

Zur vergleichenden Darstellung der Wirkung des BüG wurde eine Differenzlärmkarte

erstellt. Darin sind die Pegelminderungen durch den Einsatz des BüG im Vergleich zur

Bestandssituation grafisch dargestellt. Es ergibt sich eine gleichmäßige Minderung um

den Betrag der Minderung der Emissionen. Durch die Überlagerung mit anderen Lärmquellen

wird die Veränderung dennoch in schienennahen Bereichen stärker spürbar

werden.

Da das Verfahren des besonders überwachten Gleises beim Ausbau der Rheintalbahn

als aktive Lärmschutzmaßnahme auch im Bereich Kenzingen teilweise zum Einsatz

kommen soll, wird es offenbar auch von Seiten der Bahn als sinnvolle Maßnahme angesehen.

In Anbetracht der vorhandenen Belastungen und der verfügbaren Mittel zur

Lärmsanierung (die derzeit von der Bahn nicht vollständig ausgeschöpft werden) ist eine

Verzögerung des Einsatzes jedoch nicht zu begründen. Auch hinsichtlich der Ausbauplanungen

steht einem Einsatz des BüG nichts entgegen, so dass ein kurzfristiger

Einsatz möglich sein sollte.

5.4 Lärmschutzwände

Im Zuge des Ausbaus der Rheintalbahn sollen östlich der bestehenden Gleise im Bereich

der Stadt Kenzingen Lärmschutzwände mit einer Höhe zwischen 3,0 und 4,5 m

errichtet werden. Wenn dies dem späteren Ausbau nicht entgegen steht, sollte geprüft

werden, diese Wände bereits vorab als Lärmsanierungsmaßnahme auszuführen. Im

Rahmen des Lärmaktionsplans wird deshalb untersucht, welche Wirkungen diese

Wände aufweisen und welche Kosteneffizienz im Vergleich zu anderen Maßnahmen

daraus resultiert.

P:\612\1300-1349\2-1348 LAP Kenzingen\500 Planung\580 Berichte\EB6121348-110210-Co.doc Seite 13


Stadt Kenzingen

Lärmaktionsplan nach §47 BImSchG – Erläuterungsbericht – Fassung zur Offenlage

Im Bereich der Stadt Kenzingen liegt die Höhe der geplanten Lärmschutzwände überwiegend

bei 4,5 m über der Schienenoberkante. Mit Lärmschutzwänden dieser Höhe

wurden die Immissionen in der Umgebung ermittelt. Dabei werden die Lärmschutzwände

in der in Anlage 7 dargestellten Lage angesetzt.

Es ergeben sich die folgenden Anzahlen betroffener Einwohner

L DEN

L Night

Pegelbereich

in dB(A)

Belastete

Einwohner

Pegelbereich

in dB(A)

Belastete

Einwohner

50 < L Night = 55 2170

55 < L DEN = 60 2540 55 < L Night = 60 450

60 < L DEN = 65 620 60 < L Night = 65 130

65 < L DEN = 70 180 65 < L Night = 70 20

70 < L DEN = 75 25 L Night > 70 5

L DEN > 75 6

Tab. 5-2: Zahl der Betroffenen von Schienenverkehrslärm mit LS-Wänden 4,5m

Damit liegt die Lärmkennziffer nach Errichten der Lärmschutzwände bei 2.370. Die

Minderung im Vergleich zum Bestand beträgt also 14.110. Die Kosten der Lärmschutzwände

werden mit pauschalen Annahmen auf ca. 3.000.000 € geschätzt. Somit

liegt die Kosteneffizienz der Maßnahme bei ca. 215 €/(E.*dB(A)). Es fallen also deutlich

höhere Kosten zur Lärmminderung an als beim Einsatz des besonders überwachten

Gleises (ca. 45 €/(E.*dB(A)).

Dafür können in den besonders belasteten Bereichen aber auch deutliche Pegelminderungen

erzielt werden. Die Minderungen für den Lärmindex L Night können der Differenzlärmkarte

in Anlage 8 entnommen werden.

Ergänzend wurde untersucht, welche Unterschiede bei verschiedenen Höhen der

Lärmschutzwände entstehen. Erwartungsgemäß nimmt die Kosteneffizienz bei größeren

Höhen leicht ab. Die Differenzen sind aber so gering, dass die Wandhöhen in Anbetracht

der hohen Lärmbelastung möglichst hoch gewählt werden sollten, sofern keine

baulichen, betrieblichen oder städtebaulichen Aspekte dagegen sprechen.

5.5 Passiver Lärmschutz

Als passiver Lärmschutz werden Maßnahmen am betroffenen Gebäude bezeichnet.

Dabei wird die Schalldämmung der Außenbauteile (meist die Fenster) eines Gebäudes

an die einwirkenden Lärmbelastungen angepasst. Somit können nur die Innenbereiche

vor Lärm geschützt werden. Auf Freiflächen oder Balkone haben passive Lärmschutzmaßnahmen

keinen Einfluss. Daher wird passiver Lärmschutz im Vergleich zu aktiven

Lärmschutzmaßnahmen meist nachrangig betrachtet. Nur wenn sich durch andere

P:\612\1300-1349\2-1348 LAP Kenzingen\500 Planung\580 Berichte\EB6121348-110210-Co.doc Seite 14


Stadt Kenzingen

Lärmaktionsplan nach §47 BImSchG – Erläuterungsbericht – Fassung zur Offenlage

Maßnahmen unter wirtschaftlichen und städtebaulichen Gesichtspunkten kein den Belastungen

angemessener Lärmschutz erzielen lässt, werden passive Maßnahmen eingesetzt.

Im Rahmen des Ausbaus der Rheintalbahn sind von der DB in Kenzingen ergänzend

zu den oben beschriebenen aktiven Lärmschutzmaßnahmen auch Maßnahmen an betroffenen

Gebäuden geplant. Diese Maßnahmen sind nach den Vorgaben der

24. BImSchV zu bemessen und die Kosten in voller Höhe durch die Bahn zu tragen.

Aufgrund des unabsehbaren Zeitrahmens zur Realisierung des Ausbaus ist auch hier

zu prüfen, ob aufgrund der bereits bestehenden sehr hohen Belastungen bereits im

Vorgriff Lärmschutz als Lärmsanierungsmaßnahme vorgenommen werden kann.

Nach den Vorgaben zur Lärmsanierung an bestehenden Schienenwegen (BMVBW

2005) kommen nur die in Anlage 7 dargestellten Bereiche für passive Lärmschutzmaßnahmen

in Betracht. Dort wären die Maßnahmen ebenfalls anhand der

24. BImSchV zu bemessen. Die Kostenübernahme der Bahn läge jedoch nur bei maximal

75%. Es erscheint dennoch sinnvoll, den Betroffenen die Wahl zwischen einer

kurzfristigen Sanierung mit einer anteiligen Kostenübernahme und der langfristigen

Lärmvorsorge beim Ausbau der Rheintalbahn mit voller Kostenübernahme zu lassen.

P:\612\1300-1349\2-1348 LAP Kenzingen\500 Planung\580 Berichte\EB6121348-110210-Co.doc Seite 15


Stadt Kenzingen

Lärmaktionsplan nach §47 BImSchG – Erläuterungsbericht – Fassung zur Offenlage

6. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK

Auf der Basis der Lärmkartierung nach den Vorgaben der Umgebungslärmrichtlinie

und den zur Umsetzung in Deutschland erlassenen Richtlinien ist für die Stadt Kenzingen

ein Lärmaktionsplan aufzustellen. In der ersten Stufe sind die Lärmeinwirkungen

aus dem Bahnverkehr auf der Bahnstrecke 4000 (Rheintalbahn) und durch den Straßenverkehr

der A 5 zu analysieren und Maßnahmen zur Minderung abzuleiten. Da

durch die A 5 nur geringe Lärmbetroffenheiten in Kenzingen entstehen, konzentriert

sich der Aktionsplan auf den Schienenverkehr.

In der 2. Stufe der Lärmkartierung (2012) werden dann weitere Straßen (z. B. B 3) berücksichtigt,

so dass auch hinsichtlich des Straßenverkehrs eine bessere Analyse der

Lärmprobleme erfolgen kann. Dann werden auch in diesem Bereich Maßnahmen zur

Verbesserung der Situation zu untersuchen sein.

Aus der Analyse der Lärm- und Konfliktsituation kann insbesondere während des

Nachtzeitraums (22 bis 6 Uhr) auf eine hohe Lärmbelastung eines großen Teils der

Bevölkerung von Kenzingen geschlossen werden (vgl. Lärmschwerpunktkarten in den

Anlagen 5 und 6). Die ermittelten Immissionspegel liegen beim Lärmindex L Night teilweise

noch in Entfernungen von bis zu 700 m in gesundheitlich bedenklichen Bereichen

oberhalb von 55 dB(A). Daher ist eine möglichst kurzfristige Minderung der Belastungen

anzustreben.

Bereits seit einigen Jahren ist auch ein Neu- und Ausbau der Rheintalbahn geplant.

Dabei sollen im Bereich der Kernstadt Kenzingen 2 weitere Gleise direkt westlich der

bestehenden Trasse entstehen. Im Zuge des Ausbaus sind dann auch Lärmschutzmaßnahmen

zur Lärmvorsorge nach Verkehrslärmschutzverordnung (16. BImSchV)

vorgesehen. Der Zeitrahmen bis zur Umsetzung dieser Planungen ist derzeit aber

kaum einzuschätzen, so dass keine kurzfristige Verbesserung erreicht würde.

Deshalb wurden für den Lärmaktionsplan die ohnehin geplanten Maßnahmen hinsichtlich

ihrer Eignung zur Lärmsanierung (Lärmschutz an bestehenden Verkehrswegen,

vgl. 2.3.4) geprüft. Lärmsanierungsmaßnahmen werden i.d.R. nur durchgeführt, wenn

entsprechende Lärmsanierungsgrenzwerte (BMVBW 2005) überschritten sind und die

betroffenen Gebäude bzw. die dort geltenden Bebauungspläne vor dem 1.4.1974 erstellt

wurden. Zudem werden meist keine Sanierungsmaßnahmen durchgeführt, wenn

ein Neu- oder Ausbau vorgesehen ist, der ohnehin Lärmvorsorgemaßnahmen nach

sich zieht. Durch die unveränderte Übernahme der vorgesehenen Maßnahmen im Zuge

des Ausbaus der Rheintalbahn sollte dies aufgrund der sehr hohen vorhandenen

Belastungen kein Ausschlusskriterium darstellen.

Durch den Einsatz des Verfahrens „Besonders überwachtes Gleis“ (BüG) wird rechnerisch

eine Minderung des Emissionspegels des Schienenwegs um 3 dB(A) erreicht.

Diese Minderung entspricht ungefähr auch der Änderung der Immissionspegel im Umfeld

der Bahntrasse (vgl. Differenzlärmkarte in Anlage 8). Die Maßnahme weist eine

vergleichsweise hohe Kosteneffizienz auf. Wenn keine betrieblichen Gründe dem Einsatz

widersprechen, ist eine kurzfristige Anwendung anzustreben.

P:\612\1300-1349\2-1348 LAP Kenzingen\500 Planung\580 Berichte\EB6121348-110210-Co.doc Seite 16


Stadt Kenzingen

Lärmaktionsplan nach §47 BImSchG – Erläuterungsbericht – Fassung zur Offenlage

Von den geplanten Lärmschutzwänden ist die vorgezogene Errichtung der Wände östlich

der bestehenden Gleise zu prüfen. Wenn diese Wände den späteren Ausbaumaßnahmen

nicht entgegen stehen, können durch sie deutliche Pegelminderungen für das

Stadtgebiet Kenzingen erzielt werden. Die Minderungen liegen bei der für Kenzingen

geplanten Wandhöhe von 4,5 m über Schienenoberkante deutlich über den Wirkungen

des BüG. Entsprechend ist der Einsatz als Lärmsanierungsmaßnahme, wenn baulich

und betrieblich möglich, dringend zu empfehlen.

Im Rahmen des Ausbaus der Rheintalbahn sind zudem auch passive Lärmschutzmaßnahmen

an betroffenen Gebäuden vorgesehen. Hier ist zu prüfen, ob diese Maßnahmen

in dem in Anlage 7 markierten Bereich als Lärmsanierungsmaßnahmen vorgezogen

werden können. Es ist zu empfehlen, den Betroffenen die Wahl zwischen einer

kurzfristigen Lärmsanierung mit einer Kostenerstattung von maximal 75% und einer

vollen Kostenerstattung beim Ausbau der Rheintalbahn zu lassen.

Grundsätzlich erscheinen alle Maßnahmen zur Verbesserung der Lärmbetroffenheiten

sinnvoll. Das BüG weist die höchste Kosteneffizienz auf, die Lärmschutzwände erreichen

die höchsten Minderungen im Außenbereich und deutliche Verbesserungen für

Innenräume und durch Schallschutzfenster in Verbindung mit Schalldämmlüftern können

insbesondere bei Schlafräumen deutliche Entlastungen erzielt werden. Auch der

kombinierte Einsatz der Maßnahmen ist möglich, soweit keine baulichen oder betrieblichen

Aspekte dagegen sprechen.

Mit dem vorliegenden Entwurf des Lärmaktionsplanes ist gemäß den Vorgaben der

Umgebungslärmrichtlinie die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange sowie der Öffentlichkeit

durchzuführen. Dazu sind die Ergebnisse den Stadtgremien vorzustellen

und die Beteiligungsverfahren zu beschließen. Die Ergebnisse der Beteiligung sind in

der Endfassung des Lärmaktionsplanes zu berücksichtigen und dokumentieren.

Nach der Offenlage des abgestimmten Aktionsplans erfolgt eine Meldung an die Landesanstalt

für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, die u. a. eine

Kurzfassung des Berichts enthält.

P:\612\1300-1349\2-1348 LAP Kenzingen\500 Planung\580 Berichte\EB6121348-110210-Co.doc Seite 17


Stadt Kenzingen

Lärmaktionsplan nach §47 BImSchG – Erläuterungsbericht – Fassung zur Offenlage

Anlagen

P:\612\1300-1349\2-1348 LAP Kenzingen\500 Planung\580 Berichte\EB6121348-110210-Co.doc


Stadt Kenzingen

Lärmaktionsplan nach §47 BImSchG – Erläuterungsbericht – Fassung zur Offenlage

Anlagen

P:\612\1300-1349\2-1348 LAP Kenzingen\500 Planung\580 Berichte\EB6121348-110210-Co.doc


Stadt Kenzingen

Lärmaktionsplan nach §47 BImSchG – Erläuterungsbericht – Fassung zur Offenlage

Anlagen

P:\612\1300-1349\2-1348 LAP Kenzingen\500 Planung\580 Berichte\EB6121348-110210-Co.doc


Stadt Kenzingen

Lärmaktionsplan nach §47 BImSchG – Erläuterungsbericht – Fassung zur Offenlage

Anlagen

P:\612\1300-1349\2-1348 LAP Kenzingen\500 Planung\580 Berichte\EB6121348-110210-Co.doc


Stadt Kenzingen

Lärmaktionsplan nach §47 BImSchG – Erläuterungsbericht – Fassung zur Offenlage

Anlagen

P:\612\1300-1349\2-1348 LAP Kenzingen\500 Planung\580 Berichte\EB6121348-110210-Co.doc


Stadt Kenzingen

Lärmaktionsplan nach §47 BImSchG – Erläuterungsbericht – Fassung zur Offenlage

Anlagen

P:\612\1300-1349\2-1348 LAP Kenzingen\500 Planung\580 Berichte\EB6121348-110210-Co.doc


Stadt Kenzingen

Lärmaktionsplan nach §47 BImSchG – Erläuterungsbericht – Fassung zur Offenlage

Anlagen

P:\612\1300-1349\2-1348 LAP Kenzingen\500 Planung\580 Berichte\EB6121348-110210-Co.doc


Stadt Kenzingen

Lärmaktionsplan nach §47 BImSchG – Erläuterungsbericht – Fassung zur Offenlage

Anlagen

P:\612\1300-1349\2-1348 LAP Kenzingen\500 Planung\580 Berichte\EB6121348-110210-Co.doc


Stadt Kenzingen

Lärmaktionsplan nach §47 BImSchG – Erläuterungsbericht – Fassung zur Offenlage

Anlagen

P:\612\1300-1349\2-1348 LAP Kenzingen\500 Planung\580 Berichte\EB6121348-110210-Co.doc


Stadt Kenzingen

Lärmaktionsplan nach §47 BImSchG – Erläuterungsbericht – Fassung zur Offenlage

Anlagen

P:\612\1300-1349\2-1348 LAP Kenzingen\500 Planung\580 Berichte\EB6121348-110210-Co.doc


Stadt Kenzingen

Lärmaktionsplan nach §47 BImSchG – Erläuterungsbericht – Fassung zur Offenlage

Anlagen

P:\612\1300-1349\2-1348 LAP Kenzingen\500 Planung\580 Berichte\EB6121348-110210-Co.doc

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine