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in der Tat Dokumentation

Gemeinwesenarbeit

im Bereich des

Diakonischen

Werkes in Hessen

und Nassau


Tat

VORWORT in der Dokumentation 3

„KIRCHE FINDET STADT“

In der Gemeinwesenorientierung liegt

die Zukunft sowohl der Diakonie als auch

der Kirche. Die vorliegende Broschüre

zeigt, dass sich bereits viele diakonische

Einrichtungen und Kirchengemeinden in Hessen und

Nassau in diesem Sinne auf den Weg gemacht haben.

In unserer diakonischen Sozialarbeit haben gemein -

wesenorientierte Projekte schon eine lange, erfolgreiche

Tradition. In unseren Kirchengemeinden gibt

es noch viel Potenzial. Es kommt also in Zukunft

da rauf an Kirchengemeinden für das lokale Gemein -

wesen fruchtbar zu machen, nicht nur als diakonischer

Dienstleistungsanbieter, sondern als Anwalt

und Vernetzer für soziale Stadt- und Dorfentwick -

lung. Das heißt: Inklusion wächst, wo „Kirche Stadt

findet“.

Gemeinwesenorientierte Gemeindediakonie ist

der Protest, der praktische, leidenschaftliche und

hoffentlich liebevolle Protest gegen eine Welt, die

trennt zwischen drinnen und draußen. Protest auch

gegen ein Christentum, das Gottes Gnade für sich

reklamieren oder konservieren will. Der Gründer der

neuzeitlichen Diakonie, Johann Hinrich Wichern,

hat in diesem Sinne Mitte des 19. Jahrhunderts dem

christlichen Bürgertum in Hamburg buchstäblich

eingeheizt und von der Versuchung eines „hölzernen

Christus“ gesprochen, der angebetet wird, von dem

aber für die Kirche nichts ausgeht.

Kirchengemeinden nicht nur in der Stadt brauchen

den Blick von unten, das heißt: Die Bereitschaft ist

unabdingbar, soziale Brennpunkte als Teil ihrer Wirk -

lichkeit und ihrer Gemeinschaft am Ort wahrzunehmen.

Die Kirchengemeinden selbst sind gefragt, in

wieweit sie vielfaltsfähig sind, in wieweit sie bereit

sind, ihr Milieu zu überschreiten und einen Beitrag

zum sozialen Ausgleich zu leisten. Wo Kirche in diesem

Sinne aufbricht, bleibt sie nicht, wie sie ist. Sie

wird Anwalt derer, die ärmer sind und sich am Ort

ausgegrenzt fühlen.

Wichtig ist der Perspektivenwechsel mit dem

Blick von unten. Der Beitrag zu Solidarität und Zu -

sammenhalt wird dann nicht ausbleiben. Kirche und

Gemeindehaus werden mit ihren gemeinschaftsbildenden

Angeboten ebenfalls verändert – und die

Vernetzungsarbeit am Ort wird ansteckend sein. Es

gehört ja zu unserem Kerngeschäft, Herberge für

Menschen in Not zu sein, kommen wir doch aus der

Tradition der Familie, die „sonst keinen Raum in der

Herberge hatte“ (Lukas 2,7).

Darum bin ich stolz auf unsere gemeinwesenorientierte

Arbeit und bedanke mich herzlich beim

Referenten für Gemeinwesenarbeit Dr. Alexander

Dietz und beim Arbeitskreis Gemeinwesenarbeit im

DWHN für die Erarbeitung dieser zukunftsweisenden

Broschüre. Möge sie vielen Menschen in Diakonie

und Kirche neue Perspektiven eröffnen!

Dr. Wolfgang Gern

Vorstandsvorsitzender

des Diakonischen Werkes in Hessen und Nassau


Tat

VORWORT in der Dokumentation 5

Möchte man die Lebensbedingungen von

Menschen nachhaltig verbessern und ge -

sellschaftlichen Zielen, wie Integra tion,

Inklusion und Gleichheit der Bil ungs -

chancen, näherkommen, dann ist die Ver -

ände rung und Entwicklung ihrer Lebens -

räume – gemeinsam mit den Men schen

vor Ort – ein Weg dahin. Dass dies möglich

ist, zeigen die vielen erfolgreichen

Beispiele, die in dieser Broschüre vorgestellt

werden. Gemeinwesenarbeit und andere sozial -

räumliche Ar beitsansätze bieten dazu die Mög lich -

keit. Sie stellen sich den großen gesellschaftlichen

Herausforde rungen, wie demografischer Wan del, Se -

gre gation, Migration, wachsender Armutsent wick lung

und Aus schluss von gesellschaftlicher Teil habe. Die

wichtigsten Handlungsfelder der Gemeinwesen arbeit

sind soziale Infrastrukturentwicklung, Integration,

Inklusion, intergenerative Arbeit und Zielgruppen -

arbeit (z.B. Kinder, Jugendliche, Erwachsene), Qua -

lifizierung, Beschäftigungsförderung und Bildung.

Insbesondere in Stadtteilen mit besonderem

Entwicklungsbedarf führen die Rahmenbedingun gen

oft dazu, dass für die dort lebenden Menschen schwie -

rige Ausgangsbedingungen gelten und ihre Lebens -

perspektiven beschränkt sind. Zunehmend segregie -

ren sich Stadt- und Ortsteile in solche mit reicheren

und solche mit ärmeren Bewohnern. In benachteilig -

ten Stadtteilen konzentrieren sich soziale Problem -

lagen, soziale und ökonomische Infrastruk tur fehlt

oder wird ab- oder rückgebaut und die Bewohner sind

stigmatisiert. Doch nicht nur in belasteten Quar -

tieren im städtischen Raum ist ein sozialräumlicher

Ansatz diakonischen Engagements sinnvoll, auch in

ländlichen Regionen, wie die Bei spiele dieser Bro -

schüre verdeutlichen, ist Gemein wesenarbeit ein

wirksamer Ansatz. Dabei geht es immer darum, die

spezifischen Lebenslagen der Men schen in einem Ge -

meinwesen wahrzunehmen, die jeweiligen Be darfe

und hemmenden Faktoren zu erkennen und ihre Re -

ssourcen für eine positive Ent wick lung des Lebens -

raums und der Lebensbedin gun gen einzusetzen. Das

Ziel besteht darin, gemeinsam mit den unterschied -

lichen Bewohnern vor Ort und weiteren Akteuren

Ver änderungen herbeizuführen, damit sich die Le -

bens verhältnisse und Handlungsspielräume nachhal -

tig verbessern. Dies hat Verände rungen sowohl für

das Gemeinwesen als auch für seine Bürger schaft

zur Folge. Um nachhaltige und effektive Wirkungen

zu erzielen, ist es wesentlich, mit anderen Akteuren

vor Ort zusammenzuarbeiten: mit Einrichtungen, Ver -

einen, Initiativen, Kirchen, freien Trägern, Bildungs -

institutionen, der lokalen Ökonomie (besonders der

Wohnungswirtschaft), der Politik und den Verwal -

tungen.

Kirchliche Wohlfahrtsverbände und Kirchen -

gemeinden haben eine natürliche Nähe zur Gemein -

wesenarbeit. Nicht nur, weil die Kirchengemeinde

auf dem Land oft die beständigste Institution und

auch in der Stadt das Gemeindezentrum ein klassischer

Treffpunkt ist. Sondern vor allem, weil das

christliche Ideal eines vorbehaltlosen und konsequenten

Sich-Einlassens auf den Nächsten, also den

Nachbarn bzw. die Nachbarschaft, eine besondere

Mitverantwortung für die Entwicklung des Gemein -

wesens sowie die Bereitschaft zu milieuübergreifendem

und interkulturellem Zusammenleben impliziert.

Viele regionale Diakonische Werke und auch

viele Kirchengemeinden übernehmen Verantwor tung

für ihr Gemeinwesen, lassen sich auf die Be gegnung

mit ihren Nachbarn ein und tragen so zur Ver bes -

serung der Lebensbedingungen im Stadtteil bei. In

der vorliegenden Broschüre kann nur eine Auswahl

dieser Projekte aus dem Bereich des Diakonischen

Werkes in Hessen und Nassau (DWHN) beispielhaft

vorgestellt werden.

Dr. Alexander Dietz

Referent für Gemeinwesenarbeit im DWHN


GEMEINWESENARBEIT IM BEREICH DES

DIAKONISCHEN WERKES IN HESSEN UND NASSAU 7

1

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1: Gemeinwesenarbeit Gießen-West

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7

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16

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2: Dorftreff Neue Mitte

3: Mehrgenerationenhaus Wehrheim

4: Mehrgenerationenhaus Eschborn

5: Quartiersmanagement Rödelheim-West

6: Diakoniekirche Offenbach

7: Kinder- und Beratungszentrum Sauerland

8: Mehrgenerationenhaus Römerquellentreff

9: Interkulturelles Bürgerzentrum „Katzenberg-Treff“

10: Gemeinschaftshaus i-Punkt

11: Centrum der Begegnung

12: Mehrgenerationenhaus Groß-Gerau

13: Gemeinwesenarbeit Arheilgen

14: Gemeinwesenarbeit Akazienweg

15: Soziale Stadt Stadtteilwerkstatt Kranichstein

16: Mehrgenerationenhaus Groß-Zimmern

17: Projektwerkstatt Soziale Stadt Groß-Zimmern

18: Mehrgenerationenhaus Alzey

19: Wormser Süden – Stadtteilbüro

20: Wormser Süden – Dienstleistungsagentur

Soziale Stadt Worms

21: Wormser Süden – Spiel- und Lernstube

„Die Vorstadtkrokodile“


8 GEMEINWESENARBEIT GIESSEN-WEST („GUMMIINSEL“)

Träger: Regionales Diakonisches Werk Gießen

„Unser gutes Arbeits klima

ist Ausdruck un seres

diakonischen Profils.

Hier achtet jeder auf

den anderen.“

Die Siedlung „Gummiinsel“ entstand in den dreißiger Jahren

am Rande Gießens für die Arbeiter einer Gummi fabrik. Wer

hier in einer der winzigen Wohnungen lebt, gilt als stigmati -

siert. Die Bereitschaft der Stadt zur Finan zierung eines Stadt -

teil zen trums kam vor rund 20 Jahren auf Drängen der Bewoh -

ner zustande. Das Haus zwischen Tafel und Jugend werk statt

ist immer belebt. Es ist ein Ort, an dem die Bewohner sich

entfalten können. Die Teilneh me rinnen der Mütter-Gruppe

waren oft als Kinder schon in der Spielstube oder bei der

Hausauf gaben be treu ung. Dadurch sind tragfähige Bezie -

hungen zu ganzen Familien entstanden.

Julia B. leidet in der Schule da runter, dass sie von der Gummi insel kommt, einem Stadtteil, der in der

Öffentlichkeit immer nur ne gativ auffällt. Als sie gefragt wird, ob sie bei der Aufführung des Musicals

„Der König der Lö wen“ zum zehnjährigen Jubiläum des Nachbarschafts zentrums mit machen möchte, ist

sie begeis tert. Sie darf Simba spielen und zum ersten Mal allen zeigen, was sie kann. 60 Akteure zwischen

3 und 19 Jahren, großartige Kostüme, die Presse berichtet breit. Endlich wird der Stadtteil einmal

ganz anders wahrgenommen. Noch Jahre später sagt Julia, dass dieser Auftritt das schönste Erlebnis

ihres Lebens war.


DORFTREFF NEUE MITTE IN NIDDA-WALLERNHAUSEN

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Träger: Regionales Diakonisches Werk Wetterau

Bis vor einigen Jahren gab es in Wallernhausen noch ein Le -

bensmittelgeschäft, Banken und eine Schule. Als diese nach

und nach verschwanden, drohte die Dorfmitte zu verwaisen.

Im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms des Landes

Hessen entstand mit Hilfe von Land, Stadt und Dia konie das

Begegnungszentrum „Dorftreff Neue Mitte“ mit Kinder -

garten, Kirchengemeindehaus sowie Dorftreff mit Laden und

Bistro. Hier kaufen nun viele Dorfbewohner täglich ein, treffen

sich mit Freunden und Bekannten beim Einkauf oder zum

Frühstück oder feiern im Bistro Familien feste.

„Es gehört zu unserem

diakonischen Profil,

dass wir sowohl Men schen

mit Behinderung, die im

Inklu sionsprojekt Dorftreff

be schäftigt sind, als auch

Men schen, die im Dorfleben,

das Gefühl von Miteinander,

Gemeinschaft und Normalität

ermöglichen“

Vielen älteren Bewohnern ging es wie dem 84-jährigen Oswald G., der sein Haus kaum noch verließ, weil

es keinen Ort mehr für Einkauf und Treffen mit Bekannten gab. Aber seit es den Dorftreff mit Laden gibt,

geht auch Herr G. morgens wieder raus zum Spaziergang, zum Einkauf, zum Treffen mit alten Bekannten.

Seine Tochter, die sich früher um die Isolation ihres Vaters große Sorgen machte, freut sich, dass er mit

Hilfe des Dorftreffs wieder „mitten im Leben“ angekommen ist.


10 MEHRGENERATIONENHAUS WEHRHEIM

Träger: Regionales Diakonisches Werk Hochtaunus

„Wir tun unsere Arbeit in

einer Haltung der Achtung

vor jedem Menschen.

Keiner darf verlorengehen,

jeder muss einen Platz

haben.“

In Wehrheim leben einerseits viele einsame ältere Menschen

und andererseits ziehen viele junge Familien zu. Darum fragte

der Bürgermeister das Diakonische Werk, ob es seine erfolg -

reiche Integrationsarbeit für psychisch Kranke nicht auf eine

Integrationsarbeit der Generationen ausdehnen möchte. Im

neuen Mehrgenerationenzentrum werden flexible Kinder be -

treu ung, Lesenachmittage, Jonglierkurse, Malkurse und Film -

projekte für Jung und Alt ebenso angeboten wie die Vermitt -

lung von Wunschgroßeltern. Die Bereitschaft zur nachbarschaftlichen

Hilfe wächst immer weiter, nicht nur bei den vielen

Ehrenamtlichen.

Heike K. ist alleinerziehende Mutter und arbeitssuchend. Sie ist aufs Land gezogen, weil hier die Mieten

günstiger sind, aber sie hat hier keinerlei Kontakte. Als sie vom Amt die Auflage erhält, an einer Schulung

in Frankfurt teilzunehmen, weiß sie nicht, wie sie eine abendliche Betreuung für ihren kleinen Sohn organisieren

soll. Im Mehrgenerationenhaus wurde eine Wunschgroßmutter gesucht und gefunden, die den

Jungen drei Monate lang jeden Abend abholte. Der Junge fühlte sich bei ihr und ihrem Hündchen sehr

wohl und besucht sie heute noch an jedem Wochenende. Seine Mutter hat nach der Schulung eine Stelle

gefunden.


MEHRGENERATIONENHAUS ESCHBORN

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Träger: Evangelisches Dekanat Kronberg

Als die Diakoniestation aus der Gemeindearbeit ausgegliedert

wurde, überlegte sich die Evangelische Kirchenge meinde,

wie sie ihr diakonisches Engagement auf andere Weise fortsetzen

könnte. Aufgrund des großen Gewerbegebiets gibt es

in Eschborn viele neu zugezogene Familien, die integriert

werden möchten. Die Vermeidung von Isolation im Alter und

die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund sind

weitere wichtige Themen der Region. Seit 2008 gibt es im

Mehr generationenhaus ein buntes Angebot vom Begeg nungs -

café über Deutschkurse und Spielkreise bis zum intergenerativen

Zeitzeugen-Projekt.

„Unser christliches Profil zeigt

sich insbesondere darin,

dass wir für alle Menschen

ohne Ausnahme da sind.“

Michael F. ist Techniker und nimmt wie viele andere jeden Tag einen weiten Weg zu seinem Arbeitsplatz

in Eschborn auf sich. Er wohnt mit seinen beiden acht und zehn Jahre alten Söhnen im Westerwald. Im

ländlichen Umfeld seiner Heimatstadt gibt es kein Ferienspieleangebot, und in Eschborn dürfen wie überall

sonst nur ortsansässige Kinder daran teilnehmen. Mit ihrem pädagogisch anspruchsvollen Ferien -

spieleangebot für Pendlerkinder konnte das Mehrgenerationenhaus diese Betreuungslücke schließen. Der

Vater konnte die Kinder den Sommer über mitbringen und war danach begeistert über ihre soziale Entwicklung.


12 QUARTIERSMANAGEMENT RÖDELHEIM-WEST

Träger: Diakonisches Werk für Frankfurt am Main

„Miteinander ins Gespräch

zu kommen, ist ein zentraler

diakonischer Gedanke und

die Grundlage dafür,

sich gemeinsam für eine

Verbes serung der Lebensbe

din gun gen vor Ort zu

engagieren.“

Das Quartier Frankfurt-Rödelheim-West, in dem Menschen

aus sehr vielen Nationen zusammenleben, wird durch Autobahn,

Fluss und Bahngleise von anderen Wohngebieten abgeschnitten.

Ein Viertel der Bewohner sind Kinder und Ju -

gendliche, viele davon sind arm. Soziale Unterstützungs -

angebote gab es hier bisher kaum. Darum finanziert die Stadt

seit 2008 das Stadtteilentwicklungs-Projekt „Frankfurter

Programm – Aktive Nachbarschaft“. Das Nachbar schafts -

büro der Diakonie fördert das Engagement der Bewohner zur

Verbesserung ihrer Lebensumstände, beispielsweise durch

Nachbarschaftsfeste oder Vorlese-Tage.

Hasan Ö. spielt gerne Fußball, aber der Bolzplatz bei ihm um die Ecke steht schon seit Jahren unter

Wasser und eine andere Möglichkeit gibt es im Stadtteil nicht. Das Nachbarschaftsbüro unterstützte ihn

und eine Gruppe weiterer Jugendlicher dabei, ihre Forderung nach einem neuen Bolzplatz bei der Stadt -

verwaltung vorzubringen. Die Stadt sagte das notwendige Geld zu unter der Bedingung, dass die Jugend -

lichen selbst mit anpacken. Kein Problem! 2009 fand die Eröffnung statt mit einem großen Turnier. Der

sonst eher ruhige Hasan wollte Stadionsprecher sein. Trotz starker Nutzung sieht der Platz immer noch

wie neu aus.


DIAKONIEKIRCHE OFFENBACH

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Träger: Evangelische Schlosskirchengemeinde Offenbach, Dekanat Offenbach, Evangelischer

Kirchengemeindeverband Offenbach, Diakonisches Werk Offenbach-Dreieich-Rodgau

Aufgrund der demografischen Entwicklung des Mathilden -

viertels war eine klassische volkskirchliche Gemeindearbeit

schon seit längerem nicht mehr möglich. Aber die Schloss -

kirchengemeinde fühlte sich verantwortlich für ihren Stadtteil

und entschied sich, gemeinsam mit Diakonie, Kirchen -

gemeindeverband und Dekanat ein Nachbarschaftszentrum

aufzubauen. Seit 2008 entstanden im Umfeld der Kita u.a.

Elternkurse, Bastelkurse, ein Spielplatz, eine selbstorganisierte

Teestube, Besuchsdienste sowie vielfältige Vernetzungsstrukturen

sozialer und religiöser Akteure. Besonders

gut besucht sind die interreligiösen Gottesdienste.

„Der Nachbar ist der Nächste.

Angesichts der Zusammen -

setzung der Offenbacher

Bevölkerung ist interkulturelle

Arbeit für uns selbst -

verständlich.

Ich und Du gleich Wir."

Georg S. ist 80 Jahre alt und arbeitet ehrenamtlich im Besuchskreis mit, der ins Leben gerufen wurde,

um für die vielen ständig neu Zuziehenden ein Nachbarschafts-Netzwerk aufzubauen. Über diese Mitarbeit

bekam er Lust, im Stadtteil-Fußballturnier mitzuspielen, das ebenfalls von der Diakoniekirche organisiert

wurde und bei dem über 100 Spieler mitmachen. Er wollte unbedingt in der Mannschaft der Spieler

mit afrikanischem Migrationshintergrund spielen. Gemeinsam haben sie dann sogar gewonnen, worauf

er sehr stolz war. Seitdem trifft er sich regelmäßig mit seinen ehemaligen Mitspielern zum Kaffeetrinken.


14 KINDER- UND BERATUNGSZENTRUM SAUERLAND (KBS)

Träger: Evangelische Erlösergemeinde Wiesbaden

„Unser Netz trägt.“

Das Kinder- und Beratungszentrum Sauerland (KBS) ist die

soziale Einrichtung der Evangelischen Erlösergemeinde. Von

Anfang an prägen sozial-diakonische Aufgaben im Gemein -

wesen das christliche Selbstverständnis der Gemeinde, zunächst

in einer ehemaligen Obdachlosensiedlung und seit

den 90er Jahren im neu gebauten Wiesbaden-Sauerland,

einem Stadtteil mit vielen ärmeren Familien. Dort leistet das

KBS vernetzt Gemeinwesenarbeit in verschiedenen Feldern.

Zu der Einrichtung gehören das Stadtteilbüro, die Beschäfti -

gungs initiative, das Jugendzentrum Trafohaus, sowie die

Evangelische Kita.

Otto B., 1952 in Kasachstan geboren, kam 1994 nach Deutschland und wohnt seither mit seiner Familie

im Sauerland. Hier Fuß zu fassen war nicht leicht. Sechs Jahre lang gab es niemanden, der ihn einstellen

wollte. Er hatte vorher immer gearbeitet und war es nicht gewohnt, gar nichts zu tun. 1999 bekam

er dann mit Hilfe des Pfarrers in der Beschäftigungsinitiative des KBS eine ABM-Stelle in der Gartenund

Landschaftspflege. Anschließend wurde er als stellvertretender Anleiter unbefristet eingestellt. Als

zuverlässiger Alleskönner ist er für das KBS und die ganze Siedlung heute die „praktische Seele“.


MEHRGENERATIONENHAUS RÖMERQUELLENTREFF

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Träger: Regionales Diakonisches Werk Mainz-Bingen, Stadt Mainz und Förderverein

Im Jahr 2006 war nach fünf Jahren Gemeinwesenarbeit im

Wohngebiet Römerquelle im Stadtteil Mainz-Finthen bereits

viel geschehen: Die Kriminalität ist gesunken, ein Spielplatz

wurde gebaut, Geschäfte haben sich angesiedelt. Aber die

Stadt weiß, dass sie weiterhin in Gemeinwesenarbeit investieren

muss, wenn nicht an anderer Stelle höhere Kosten entstehen

sollen. Daher bewirbt sie sich gemeinsam mit Dia -

konischem Werk und einem Förderverein erfolgreich um

Bundesmittel für ein Mehrgenerationenhaus. Besonders erfolgreiche

Angebote sind die Hausaufgabenbetreuung und

das Generationenfrühstück.

„Im Blick auf unser diakonisches

Profil ist es uns

besonders wichtig,

jeden einzubeziehen,

zu fördern und zur

Selbsthilfe zu befähigen."

Kenan W. und Tarek G. sind 14 Jahre alt. Bei der Hausaufgabenbetreuung werden sie ermutigt, beim

Angebot „Jugend spricht für sich“ mitzumachen. Hier können Jugendliche ihre Wünsche direkt gegenüber

dem Sozialdezernenten, Verwaltungsmitarbeitern sowie Lokalpolitikern äußern. Als sie dort sagen:

„In unserem Stadtteil passiert doch investitionsmäßig eh nichts, weil hier so viele Ausländer leben“,

rüttelt das die Politiker auf. Die Stadt spendet eine Playstation und eine Tischtennisplatte für die Jugend

arbeit und bittet Kenan und Tarek, bei einer Stadtteilbegehung mitzukommen und Verbesse rungs -

vorschläge zu machen.


16 INTERKULTURELLES BÜRGERZENTRUM „KATZENBERG-TREFF“

Träger: Regionales Diakonisches Werk Mainz-Bingen

„Es geht um Nächstenliebe

und soziale Gerechtigkeit.

Dabei haben wir gleichermaßen

den Einzelnen und

das gesamte Wohngebiet

im Blick.“

In der Hochhaussiedlung „Katzenberg“ am Rand von Mainz-

Finthen leben viele sozial benachteiligte Menschen, die sich

die hohen Mietkosten in anderen Stadtgebieten nicht leisten

können. 1987 gründete die örtliche Evangelische Kirchenge -

meinde den Katzenberg-Treff, um etwas für die benachteiligten

Kinder und Erwachsenen zu tun. Seit 2004 ist das regionale

Diakonische Werk der Träger. Ohne die gemeinsamen

Ausflüge und Besichtigungen würden viele selten aus der

Siedlung herauskommen. Durch vernetzte Unterstützungsund

Beratungsangebote werden vor Ort auch die erreicht, die

sonst durch alle Raster fallen.

Der Maurer Murat Y. wohnt seit 20 Jahren mit seiner Familie in Deutschland und ist schon seit langem

erwerbslos. Früher hatte er keine Anlaufstelle für seine Probleme und schottete sich ab. Über seinen

Sohn, der zur Hausaufgabenbetreuung kam, nahm die Familie vor einigen Jahren erstmals am Sommerfest

teil. Mittlerweile hilft die ganze Familie bei den Festvorbereitungen mit. Die Sozialarbeiter unterstützten

seinen Sohn bei der Kriegsdienstverweigerung sowie Ausbildungsplatzsuche. Seine Tochter konnte

in eine Gruppe für Menschen mit Behinderung vermittelt werden. Heute fühlt sich die Familie im Stadtteil

zu Hause.


GEMEINSCHAFTSHAUS I-PUNKT

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Träger: Regionales Diakonisches Werk Mainz-Bingen

Im Wohngebiet „Hinter der Ohrenbrücke“ am Rand Ingel -

heims leben seit Generationen benachteiligte Familien unter

anderem aus dem Schaustellergewerbe. Noch 1985 lebten

viele in Baracken ohne Dusche, die Kinder besuchten keine

Kitas und wurden automatisch auf die Förderschule geschickt.

Darum gründete das Diakonische Werk eine betreuungsintensive

Spiel- und Lernstube, um den Kindern und ihren

Eltern eine bessere Perspektive zu eröffnen. Daraus entwickelte

sich eine Gemeinwesenarbeit mit sichtbaren politischen

Erfolgen (Sanierung des Wohngebietes) sowie dem

Gemeinschaftshaus als Zentrum.

„Was wir machen, ist praktisch

gelebtes Christentum

Tag für Tag. Wir leben mit

ausgegrenzten Menschen

zusammen und stehen

ihnen wohlwollend begleitend

zur Seite.“

Christian M. tat sich schwer in der Schule. Sein Weg schien vorgezeichnet: Auch seine Eltern haben keine

Ausbildung und finden das auch nicht so wichtig. Ein typischer „Ohrenbrücker“ ohne Perspektive. Über

die Hausaufgabenhilfe im Gemeinschaftshaus stieß er zum pädagogischen Theaterprojekt, bei dem

Jugendliche nach eigenen Ideen ein Theaterstück mit selbst gedrehten Filmsequenzen zum Thema „Ach

Mensch, wohin?“ erarbeiteten. Damit gewannen sie den ersten Preis bei einem landesweiten Wettbewerb.

Er lernte dabei, dass sich Engagement und Dranbleiben lohnen. Heute hat er eine abgeschlossene Aus -

bildung.


18 CENTRUM DER BEGEGNUNG – HAUS DER FAMILIE MAINZ-MARIENBORN

Träger: Evangelische Kirchengemeinde Mainz-Marienborn

„Eine Kirchengemeinde

darf nicht das Wenige,

was sie noch hat, hüten,

sondern muss es in das

Gemeinwesen investieren.“

Eine alarmierende Sozialraumanalyse der Stadt Mainz, zunehmende

Beschwerden über auffällige Jugendliche sowie

die offensichtliche Ausgrenzung der Bewohner der Hoch -

haus siedlung „Am Sonnigen Hang“ durch den übrigen Stadt -

teil bewogen 2007 die Kirchengemeinden zur Gründung einer

ökumenischen Initiative und damit des Centrums der Begeg -

nung in Marienborn. Durch Vernetzungsarbeit und interkulturelle

Feste verbesserte sich die Atmosphäre im Gebiet

spür bar. Täglich nutzen viele Menschen die vielfältigen Ange -

bote von Kinderfrühstück oder Deutschkurs bis zu Nachhilfe

und Freizeitangeboten.

Viele in Armut lebende Kinder werden oft schon früh durch ihre Altersgenossen ausgegrenzt. Sie können

nicht zum Ballett- oder Musikunterricht, haben aber auch kaum Platz, um andere Kinder zu sich zum

Spielen einzuladen. Im Centrum begegnen sich Kinder aller Milieus: Sie spielen, basteln und kochen gemeinsam,

nutzen das Internetcafé oder lernen gemeinsam in der Schach-AG. Durch kontinuierliche Zu -

sammen arbeit mit der Grundschule und der Offenen Kinder- und Jugendarbeit findet hier seit der Er öff -

nung eine erfolgreiche Durchmischung der Milieus auch im Freizeitbereich statt.


MEHRGENERATIONENHAUS GROSS-GERAU

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Träger: Regionales Diakonisches Werk Groß-Gerau/Rüsselsheim

Der Norden Groß-Geraus ist geprägt von Wohnblocks mit

Sozialwohnungen. Türken, Russen und Deutsche bleiben jeweils

unter sich. Deutsche Eltern schicken ihre Kinder nicht

mehr auf die örtliche Grundschule. Die Diakonie nutzte die

zunehmend leer stehenden Räume der Evangelischen Kir -

chen gemeinde, um ein Aktivzentrum mit Café, Tafelladen

und zahlreichen Beratungs- und Freizeitangeboten aufzubauen:

vom Fahrradkurs für Migrantinnen bis zur Männer -

gruppe zur Überwindung von Gewalt. Bis zu einer dauerhaften

Veränderung des Stadtteils ist es zwar noch ein langer

Weg, aber die Begegnungen nehmen zu.

„Wir machen notwendige

Angebote auch dann,

wenn wir dabei ökonomisch

draufzahlen müssen.“

Tugba N. konnte kaum Deutsch, als sie bei der Tafel als „Ein-Euro-Jobberin“ arbeitete. Darum war sie im

Team kaum integriert und eckte oft an. Als eine alte Dame Unterstützung bei der ehrenamtlichen

Organisation des Kleiderladens benötigte, wurde Tugba als Verkäuferin und Übersetzerin dort eingeteilt.

Bei dieser Arbeit lernte sie Deutsch und bekam infolgedessen eine Stelle auf dem ersten Arbeitsmarkt.

Außerdem entstand durch die Zusammenarbeit im Kleiderladen eine Freundschaft zwischen der Migrantin

und der deutschen Rentnerin, zwei Welten, die ansonsten kaum miteinander in Kontakt kommen.


20 GEMEINWESENARBEIT ARHEILGEN (MUCKERHAUS)

Träger: Regionales Diakonisches Werk Darmstadt-Dieburg und

Caritasverband Darmstadt e. V.

„Vorbehaltlose Annahme ist

ein Zeugnis der Liebe Gottes.

Wir möchten Räume schaffen,

in denen Menschen einander

begegnen und infolgedessen

ihre Vorurteile hinterfragen.“

Ein typisches Schlichtwohngebiet am Rande des Stadtteils

Arheilgen in Darmstadt: die Rodgaustraße/Messeler Straße.

Seit 1975 engagieren sich hier Diakonie und Caritas in der

Gemeinwesenarbeit. Es wurden große strukturelle Verbes -

se rungen in den Wohn- und Lebensbedingungen erreicht:

Der Bau des Kinderhauses, die Entstehung des Jugendhau -

ses und die Nähwerkstatt, ein Beschäftigungsprojekt für

Frauen. Die Wohnungen wurden saniert und die Stigmati sie -

rung schrittweise abgebaut. Das 2007 eröffnete „Mucker -

haus“ ist heute ein wichtiger Ort der Begegnung und Bildung

für alle Menschen im Stadtteil.

Die Hälfte der Bevölkerung hat hier einen Migrationshintergrund. Gemeinsam mit den Bewohnern hat

die Gemeinwesenarbeit erfolgreich für eine Veränderung chancenmindernder Strukturen im Quartier gekämpft.

Aylin H.’s Eltern kommen aus der Türkei. Sie selbst ist in Arheilgen aufgewachsen, umgeben von

Armut und Perspektivlosigkeit. Sie hat jedoch alle unterstützenden Einrichtungen vor Ort in Anspruch

genommen, z.B. Kinderhaus und Jugendhaus. Mit 22 Jahren studiert sie nun Philosophie und Mathematik

auf Lehramt und unterstützt nebenbei die Hausaufgabenhilfe im Muckerhaus. Sie ist ein Vorbild für viele

Kinder hier.


GEMEINWESENARBEIT AKAZIENWEG

21

Träger: Regionales Diakonisches Werk Darmstadt-Dieburg

Nach dem Krieg wurde eine ehemalige Schweinezuchtanlage

als Flüchtlingsquartier ausgebaut. Daraus entstand der Brenn -

punkt Akazienweg im Westen Darmstadts. Die Be wohner

werden schon im Kindergartenalter als defizitär stigmatisiert.

Jahrzehntelange einzelfallorientierte Sozialarbeit konnte die

völlige Abschottung der Siedlung nicht durchbrechen. Darum

initiierte die Diakonie 2010 im Auftrag der Stadt ein gemeinwesenorientiertes

Projekt. Das sanierte Gemeinschaftshaus

soll zum Anziehungspunkt werden. Gemeinsam mit den Bewohnern

soll das Wohngebiet lebenswerter und einladender

gemacht werden.

„ Wir wollen uns wirklich auf

die Menschen einlassen,

sie mit ihren Ressourcen

und nicht nur mit ihren

Defiziten wahrnehmen.

Dann wird deutlich, dass

sie in keinster Weise ihrem

Stigma ent sprechen."

Die junge Mutter Daniela A. lebt ebenso wie die 46-jährige Yvonne D. im Akazienweg. Beide glaubten

nicht, dass es sich lohnen könnte, sich für den stigmatisierten Stadtteil zu engagieren, so wie die meisten

hier. Aber nachdem durch das Frühstücksangebot im Gemeinschaftshaus eine persönliche Beziehung zur

Gemeinwesenarbeiterin entstanden war, begleiteten sie diese zur landesweiten Bewohner versamm lung

in eine andere Stadt. Sie kamen zurück mit Ideen und Lust darauf, ihren Stadtteil lebenswerter zu machen.

Heute leitet die eine ehrenamtlich eine Frauengruppe, die andere gestaltet eine Stadtteil zeitung.


22 SOZIALE STADT STADTTEILWERKSTATT KRANICHSTEIN

Träger: Regionales Diakonisches Werk Darmstadt-Dieburg, Caritasverband Darmstadt

„Wir haben den Auftrag,

alle Menschen an der

Entwicklung ihres Stadtteils

zu beteiligen. Wir wollen

Ihnen das Gefühl vermitteln,

in Kranichstein ein Zuhause

zu haben.“

Darmstadt-Kranichstein übernimmt eine hohe Integrations -

funktion für die Stadt Darmstadt. Hier leben viele von Armut

und Ausgrenzung betroffene Menschen – insbesondere

Kinder – und der Anteil der eingewanderten Bevölkerung ist

signifikant. Die 2001 eröffnete Stadtteilwerkstatt bietet individuelle

Hilfe und unterstützt die Bewohnerinnen und

Bewohner selbst aktiv zu werden und in Eigeninitiative

Benachteiligung abzubauen. Bildung, Kultur und Soziales

stehen bei der gemeinsamen Arbeit mit Migrantenorgani -

sationen und eigenen Angeboten wie Frauengesprächskreis,

Theatergruppe, und Computerkursen im Vordergrund.

In Kranichstein leben Menschen aus 76 Nationen. Viele verschiedene Kulturen kommen zusammen und

müssen in Nachbarschaft miteinander leben. Da gibt es Begegnungsängste und Vorurteile. Die Stadt -

teilwerkstatt eröffnet den Menschen Möglichkeiten sich kennenzulernen und miteinander für die Ge -

staltung des Zusammenlebens im Stadtteil aktiv zu werden. Im Integrationsprojekt „Bürger/-innen fördern

Integration“, kommen 50 Einheimische und Zugewanderte zu regelmäßigen Aktivitäten zusammen.

Persönliche Kontakte werden aufgebaut und eine gemeinsame Identität für den Stadtteil wächst.


MEHRGENERATIONENHAUS GROSS-ZIMMERN

23

Träger: Regionales Diakonisches Werk Darmstadt-Dieburg

Der Landkreis Darmstadt-Dieburg mit seinen 23 Kommunen

wird zunehmend „älter“. Deshalb hat sich das Mehrgenera -

tionenhaus zur Aufgabe gemacht, in den drei Säulen De -

menz servicezentrum, Familienförderung und Quartiers -

management Konzepte für altersgerechtes Zusammenleben

der Generationen zu entwickeln. Im „Begegnungszentrum

Mehrgenerationenhaus“ in Groß-Zimmern werden diese erprobt

bzw. weiterentwickelt, um sie dann in die Region zu tragen.

Dabei arbeiten Fachleute und Freiwillige auf gleicher

Augenhöhe.

„Wir arbeiten an einem

Quartierskonzept, das altersgerechtes

Zusammenleben

der Generationen im Land -

kreis Darmstadt-Dieburg

nachhaltig ermöglicht.“

Die heutige Gesellschaft bringt es mit sich, dass Kinder immer seltener die Gelegenheit haben, das selbstverständliche

Zusammenleben mit älteren Menschen kennenzulernen, von ihrer Zeit und Zuneigung zu

profitieren. Gleichzeitig bringt es der demografische Wandel mit sich, dass Menschen immer älter werden

und natürlich die zusätzliche Lebenszeit so fit und a ktiv wie möglich genießen wollen. Deshalb haben

zehn Organisationen in den letzten zwei Jahren einen Ort der Begegnung für Jung und Alt in der Adolph-

Kolping-Anlage entwickelt, um auf vielfältige Weise das Miteinander der Generationen zu stärken.


24 PROJEKTWERKSTATT SOZIALE STADT GROSS-ZIMMERN

Träger: Regionales Diakonisches Werk Darmstadt-Dieburg

„Wir orientieren uns an dem

Menschenbild, nach dem

Jesus lebte. Wir fragen jeden

Einzelnen nach seinen

Bedürfnissen. Wir zwingen

niemanden, sich zu recht -

fertigen oder einen Weg zu

gehen, der nicht seiner ist.“

Bevölkerungszuwachs und wegbrechende Industrieanlagen

in früheren Jahren, mangelhafte und erlebnisarme städtebauliche

Strukturen und dadurch eine geringe Identifikation

der Bevölkerung mit ihrem Wohnumfeld bilden den Hintergrund

für einen besonderen infrastrukturellen Entwick lungs -

bedarf. Hohe Anteile an Sozialleistungsempfängern, geringe

Kaufkraft, hohe Migrationsquoten brachten die Gemeinde in

eine Abwärtsspirale. Mit einer integrierten Gemeinde ent -

wicklung werden nun Rahmenbedingungen verbessert, Men -

schen aktiviert und neue Entwicklungschancen geschaffen.

Mit dem Projekt „Neue Park- und Spielanlage“ wurde 2009/2010 das brach liegende Wohnumfeld eines

benachteiligten Quartiers neu gestaltet. 150 Anwohner gewann das Team der Projektwerkstatt dazu, bei

der Gestaltung mitzumachen. Noch nie wurde hier gemeinschaftlich etwas getan. Bisher war das Leben

von Anonymität und gegenseitiger Distanz geprägt. Die Eröffnungsfeier ist für alle die Feier eines gemeinsamen

Erfolgs und zeigt: Positive Veränderungen sind möglich. Einige haben Geschmack am

Engagement gefunden und lassen sich in den Ausländerbeirat wählen.


MEHRGENERATIONENHAUS ALZEY

25

Träger: Regionales Diakonisches Werk Worms-Alzey

Alzey fehlte schon immer ein Begegnungscafé. Darum wurde

die Mehrgenerationenhaus-Initiative des Bundes von der

Diakonie sofort aufgegriffen. In einer ehemaligen Bäckerei

entstanden viele sehr schöne Räume, in denen nun täglich

Begegnungen zwischen den verschiedensten Menschen statt -

finden: Selbsthilfegruppen, Babymassage, Handykurse von

Schülern für Senioren, Bollywood-Tanzgruppe, Beratung bei

häuslicher Gewalt u.v.m. Das internationale Strick-Café ist -

besonders kreativ: Im Rahmen der Aktion „Unsere Masche

gegen Gewalt“ wurden die Denkmäler der Stadt komplett

„eingestrickt“.

„Wir bieten Plattformen

für eine ungezwungene

Begegnung. Daraus ent -

wickeln sich gemeinsame

Aktivitäten, gegenseitige

Wertschätzung und

Unterstützung sowie

Toleranz.“

Hildrun M. war seit einem Jahr wohnungslos und besuchte die Selbsthilfegruppe Depression im

Mehrgenerationenhaus. Eine ehrenamtliche Mitarbeiterin, die sie täglich am Marktplatz sitzen sah, lud

sie ein, sich permanent im MGH aufzuhalten – auch ohne Geld. Dort stellte sich heraus, dass sie fließend

Französisch spricht und darum Asylsuchenden aus dem Kongo Deutschunterricht erteilen konnte.

Über einen Integrationsverein wurde sie „Ein-Euro-Jobberin“ im MGH und gewann wieder Selbst bewusst -

sein. Sie blühte auf und veränderte sich zum Positiven. Heute arbeitet sie regulär als Altenpflegerin und

hat eine Wohnung.


26 SOZIALE STADTENTWICKLUNG WORMSER SÜDEN – STADTTEILBÜRO

Träger: Regionales Diakonisches Werk Worms-Alzey

„Die Verbesserung der

Lebens bedingungen in einem

ehemals ausgegrenzten

Quartier ist möglich, wenn

Verwaltung, Politik,

Wohnungswirtschaft und

Verbände gemeinsam mit

den Bewohnern an einem

Strang ziehen.“

Seit 2004 ist das Quartier Boosstraße/Horchheimer Straße im

Wormser Süden Programmgebiet der „Sozialen Stadt“. Es

diente davor vor allem der Unterbringung armer Familien.

Wohnungen wurden modernisiert, Spielplätze gebaut und die

Straße erneuert. Das Stadtteilbüro als Treffpunkt und An lauf -

stelle flankiert diese baulichen Maßnahmen mit Sozial- und

Jobberatung, Bildungs- und Qualifizierungskursen und fördert

im Rahmen der Gemeinwesenarbeit Beteiligung und

Selbstorganisation. Ergebnisse sind z.B. ein größeres Selbst -

bewusstsein der Bewohner und bessere Chancen auf Arbeit

und Ausbildung.

Anlass für eines der ersten Projekte im Rahmen der Sozialen Stadtentwicklung im Wormser Süden war

eine Unterschriftensammlung von Jugendlichen für einen Bolzplatz. Sie wollten nicht überall weggejagt

werden. Gemeinsam mit den Jugendlichen und ihren Eltern wurde in Zusammenarbeit mit der Wormser

Wohnungsbau GmbH und dem Stadtteilbüro des Diakonischen Werkes ein Platz im Quartier ausgewählt.

Jugendliche und Eltern halfen engagiert bei der Vorbereitung des Baugrunds, „ihres Bolzplatzes“. Im

Rahmen einer Beschäftigungsmaßnahme wurde der Platz hergerichtet und wird seitdem intensiv genutzt.


SOZIALE STADTENTWICKLUNG WORMSER SÜDEN –

DIENSTLEISTUNGS-AGENTUR SOZIALE STADT WORMS

27

Träger: Regionales Diakonisches Werk Worms-Alzey

Die Dienstleistungsagentur bietet ihre Dienste für Wormser

Bürgerinnen und Bürger an. Das Angebot der Agentur reicht

von Reinigungsarbeiten verschiedenster Art, der Mithilfe im

Haushalt, Alltagsbetreuung, Erledigung von Besorgungen,

Bügelarbeiten bis hin zu kleineren Gartenarbeiten. Bis zu

zwölf Langzeitarbeitslose aus dem Wormser Süden werden

jedes Jahr qualifiziert und vier davon für maximal zwölf Mo -

nate sozialversicherungspflichtig angestellt. Da die För der -

gelder im Oktober 2012 auslaufen, wird derzeit nach einer

Lösung gesucht, wie die Agentur erfolgreich fortbestehen

kann.

„Wir bieten langzeitarbeits -

losen Menschen Arbeit und

entlasten Wormser Bürger

in ihren Haushalten.“

Mit der Dienstleistungsagentur wurde für 28 Bewohner im Wormser Süden ein wichtiger Zugang zu Bildung

und Beschäftigung geschaffen. Die Menschen aus dem Quartier Boosstraße nutzen diese Chance und zeigen

seit fast drei Jahren, dass sie trotz vieler Probleme, fleißig, wissbegierig und hilfsbereit sind. Durch

den Einsatz in Wormser Haushalten verändert sich auch das „Image“ des Stadtteils und seiner Bewohner

in der Öffentlichkeit „die können ja was“ und „helfen uns sehr“. Gefördert wird das Projekt aus Mitteln

des Europäischen Sozialfonds und des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung.


28

SOZIALE STADTENTWICKLUNG WORMSER SÜDEN –

SPIEL- UND LERNSTUBE „DIE VORSTADTKROKODILE“

Träger: Regionales Diakonisches Werk Worms-Alzey

„Bildung von Anfang an

zahlt sich aus.“

Die Spiel- und Lernstube (SLS) betreut Kinder und Jugend -

liche von 3 – 16 Jahren. Der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund

liegt bei über 70 Prozent. Der Fokus der

Arbeit liegt auf Bildungsangeboten, wie Sprachförderung,

Hausaufgabenbetreuung, Lernförderung und vertieftem Ler -

nen in Kleingruppen. Durch diese intensive Arbeit werden

stabile Schullaufbahnen und qualifizierte Schulabschlüsse

erreicht. Mit Sport- und Kreativangeboten, Projektarbeit und

Ferienprogrammen werden Bedürfnisse und Ressourcen der

Kinder aufgegriffen. So entstehen Entfaltungsmöglichkeiten

und das Selbstwertgefühl wird gestärkt.

Durch die Arbeit der SLS haben sich die schulischen Leistungen und Abschlüsse der betreuten Kinder

stetig und nachhaltig verbessert. Waren früher schlechte Zeugnisse und Schulabbruch an der Tages ord -

nung, so sind heute der Übergang auf weiterführende Schulen und ein erfolgreicher Schulabschluss keine

Besonderheit mehr. Gerade aktuell schaffte z.B. ein algerischer Junge, dessen Eltern kaum Deutsch sprechen,

den Übergang aufs Gymnasium. Dieser Junge hat die Spiel- und Lernstube seit der Kinder gruppe

besucht und ist Beleg dafür, dass sich die frühzeitige und kontinuierliche Förderung durch die SLS auszahlt.


KONTAKTE 29

Landesgeschäftsstelle des DWHN

Dr. Alexander Dietz

Referent für Ethik, Sozialpolitik und

Gemeinwesenarbeit

Ederstraße 12, 60486 Frankfurt am Main

Telefon: 069 7947-321

E-Mail: alexander.dietz@dwhn.de

Pfrin. Margarete Reinel

Fachreferentin für Gemeindediakonie

Ederstraße 12, 60486 Frankfurtam Main

Telefon: 069 7947-323

E-Mail: margarete.reinel@dwhn.de

Projekte in der Broschüre

Gemeinwesenarbeit Gießen-West

Leimenkauter Weg 16, 35398 Gießen

Telefon: 0641 83129

E-Mail: ulrike.ess@diakonie-giessen.de

Dorftreff Neue Mitte

Untergasse 18, 63667 Nidda

Telefon: 06043 8019705

E-Mail: neuemitte@diakonie-dorftreff.de

Mehrgenerationenhaus Wehrheim

Wiesenau 28, 61273 Wehrheim

Telefon: 06081 9589930

E-Mail: gabriele.ohl@diakonie-htk.de

Mehrgenerationenhaus Eschborn

Hauptstraße 18 – 20, 65760 Eschborn

Telefon: 06196 9314823

E-Mail: info@eschbornhaus.de

Quartiersmanagement Rödelheim-West

Westerbachstraße 29

Telefon: 069 93490218

E-Mail: heike.hecker@diakonischeswerkfrankfurt.de

Diakoniekirche Offenbach

Arthur-Zitscher-Straße 11-13, 63065 Offenbach

Telefon: 069 881833

E-Mail: steffen.schmidt@diakonie-of.de

Kinder- und Beratungszentrum Sauerland (KBS)

Föhrer Straße 72, 65199 Wiesbaden

Telefon: 0611 20517-0

E-Mail: kbs@ekhn-net.de


30 KONTAKTE

Mehrgenerationenhaus Römerquellentreff

Sertoriusring 31, 55126 Mainz

Telefon: 06131 629918

E-Mail: mgh-mainz@diakonie-mainz-bingen.de

Interkulturelles Bürgerzentrum

Katzenberg -Treff

Nelkenweg 25, 5126 Mainz

Telefon: 06131 475370

E-Mail: katzenberg@diakonie-mainz-bingen.de

Gemeinschaftshaus i-Punkt

Hinter der Ohrenbrücke 37, 55218 Ingelheim

Telefon: 06132 3931

E-Mail: i-punkt@diakonie-mainz-bingen.de

Centrum der Begegnung

Am sonnigen Hang 8 – 12, 55127 Mainz

Telefon: 06131 5862686

E-Mail: info@centrum-der begegnung.de

Mehrgenerationenhaus Groß-Gerau

Danziger Straße 6, 64521 Groß-Gerau

Telefon: 06152 805937

E-Mail: mehrgenerationenhaus@diakoniekreisgg.de

Gemeinwesenarbeit Arheilgen

Messeler Straße 112a

Telefon: 06151 374645

E-Mail: gemeinwesenarbeit@sozialesarheilgen.de

Gemeinwesenarbeit Akazienweg

Akazienweg 11, 64293 Darmstadt

Telefon: 06151 667359

E-Mail: zettl@dw-darmstadt.de

Soziale Stadt Stadtteilwerkstatt Kranichstein

Grundstraße 21, 64289 Darmstadt

Telefon: 06151 981233

E-Mail: dorff@dw-darmstadt.de

Mehrgenerationenhaus Groß-Zimmern

Otzbergring 1 – 3, 64846 Groß-Zimmern

Telefon: 06071 618999

E-Mail: mgh@dw-darmstadt.de

Projektwerkstadt Soziale Stadt Groß-Zimmern

Wilhelm-Leuschner-Straße 4 – 6,

64846 Groß-Zimmern

Telefon: 06071 618378

E-Mail: info@sozialestadt-gross-zimmern.de

Mehrgenerationenhaus Alzey

Schlossgasse 13, 55232 Alzey

Telefon: 06731 9009399

E-Mail: mgh-alzey@dwwa.de

Stadtteilbüro Wormser Süden

Boosstraße 16, 67547 Worms

Telefon: 06241 202334

E-Mail: stadtteilbuero-sued@dwwa.de

Dienstleistungsagentur Soziale Stadt Worms

Ludwigstraße 33, 67547 Worms

Telefon: 06241 9773035

E-Mail: dienstleistungsagentur@dwwa.de

Spiel- und Lernstube „Die Vorstadtkrokodile“

Boosstraße 3, 67547 Worms

Telefon: 06241 33588

E-Mail: sls-worms@dwwa.de


IMPRESSUM 31

Herausgeber

Diakonisches Werk in Hessen und Nassau (DWHN)

Verantwortlich

Dr. Alexander Dietz

Layout

Piva & Piva – Studio für visuelles Design, Darmstadt

Druck

Plag GmbH

Sandweg 3, 34613 Schwalmstadt

Telefon: 06691 1471, Fax: 06691 22266

E-Mail: info@plagdruck.de

Fachkräfte des grafischen Gewerbes leisten zusammen

mit Menschen mit Behinderung qualifizierte Arbeit.

Auflage

1000 Exemplare

Bildnachweis

DWHN (Seiten 3, 5 und 8)

Alle anderen Bilder wurden von den Verantwortlichen

der jeweils vorgestellten Projekte zur Verfügung

gestellt.

Juli 2012

Projektpartner

Projekte im Aktionsprogramm

Mehrgenerationenhäuser

Seiten 10, 11, 15, 19, 23, 25

Projekte im Bund-Länder-Programm Soziale Stadt

sowie im ESF-Bundesprogramm „BIWAQ“

Seiten 22, 24, 27, 28

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