Heilig Abend Christnacht 24.12.2012 - hier

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Heilig Abend Christnacht 24.12.2012 - hier

Heilig Abend Christnacht 24.12.2012 23
Uhr Süderhastedt

Lieder : 56, 1 - 5; 54, 1 - 3; 48, 1 - 3; 50, 1 - 5; 44, 1 - 3; 46, 1 - 3

Lesung: Lukas 2, 1 - 14; Lukas 2, 15 - 20

Pastor Alfred Sinn

Liebe Gemeinde,

an Weihnachten ist Gott Mensch geworden. Welch eine ungeheure Aussage!

Keine andere Glaubensrichtung hat diese Botschaft. Für muslimische Menschen

ist der christliche Glaube schon deswegen ein Ärgernis. Gott hat einen Sohn? Gott

kann keinen Sohn haben, sagen sie. Das ist eines Gottes nicht würdig. Gott hat es

nicht nötig, Menschengestalt anzunehmen.

In antiken Religionen gab es das durchaus, daß nämlich eine Gottheit sich in jede

Gestalt verwandeln konnte, in einen Menschen, in ein Tier, in einen Baum u.a.,

doch die Gottheit hat das nur vorübergehend gemacht, um Menschen oder andere

Gottheiten zu foppen, zu ärgern oder zu bekämpfen.

Die christliche Aussage der Menschwerdung Gottes ist eine andere. Johannes

schreibt: „Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns“ (1,14). Womit andere

sich schwer tun, ist für uns Anlaß zum Staunen und Grund zur Anbetung. Gott,

der Allmächtige und Ewige ist sich nicht zu erhaben, um unser Wesen

anzunehmen. Er hat sozusagen nichts davon, aber wir haben es nötig, daß er das

tut. Seine Liebe zu seinem Geschöpf Mensch hat ihn dazu getrieben. Nicht er

braucht Erlösung, sondern wir. Paul Gerhardt dichtet (EG 11): „Nichts, nichts hat

dich getrieben zu mir vom Himmelszelt als das geliebte Lieben“.

Wir singen diese Aussage in ihrem Zusammenhang (EG 11,5-6).

„Der eure Herzen labet und tröstet, steht allhier“. An Weihnachten steht er noch

nicht, sondern er liegt. Der Sohn Gottes liegt in der Krippe und startet nicht

anders ins Leben als auch wir begonnen haben. Es ist in der Tat eine Zumutung

und auch Anfechtung für den Glauben, nämlich daß Gott hilflos und ausgeliefert

ist. Er begibt sich ganz und gar in die Hände der Menschen. Das ist am Anfang der

Fall und ebenso am Ende (am Kreuz). Beide Ereignisse setzen dem Verstand zu.

Wie sollen wir mit der Vernunft begreifen, daß Gott Mensch wird? Noch

schwerer ist zu fassen, daß ein Gott sich in den Tod begibt. Doch Karfreitag ist die

logische Konsequenz des göttlichen Handelns. Wenn das Wort Fleisch wird,

dann vom Anfang bis zum Ende.

Damals in Bethlehem war die Weltgeschichte reif für die Geburt des Heilands. Der

Apostel Paulus schreibt an die Galater: „Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott

seinen Sohn, geboren von einer Frau“ (4,4). Und wiederum fragt der Verstand:

Was ist daran besonders? Jeden Tag werden Kinder geboren. Immer von einer

Frau. Andrerseits fasziniert ein neugeborenes Kind. Es läßt das Geheimnis und

Wunder des Lebens erahnen und erfahren. Beides trifft auf ein Neugeborenes zu,

das völlig normal Irdische und das Überirdische.


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Christnacht 2012

Luther hat gesagt: bei einem neugeborenen Kind ertappst du Gott auf frischer Tat.

Wenn das zutrifft, dann wieviel mehr begegnet uns Gott in dem Jesuskind!

Maler und Künstler haben versucht, das göttliche

Wunder der Weihnacht festzuhalten. Im folgenden

soll das anhand von Marienbildern gezeigt werden.

Gott nimmt nicht nur Menschengestalt an, er wird

wirklich Mensch. Er liegt in Windeln und muß

genährt werden wie jeder andere Säugling auch. Der

Maler geniert sich nicht die Mutterbrust zu zeigen.

Das Jesuskind war auf die Milch angewiesen und

später auf andere irdische Nahrung. Er ist ganz und

gar in das Fleisch eingegangen. Später hat Jesus

gerne an Festessen teilgenommen, er hat die

irdischen Gaben genossen, so daß er gar als Fresser

und Weinsäufer verschrien wurde.

Die Allmacht und Größe Gottes ist tatsächlich in

solchen Bildern schwer zu erkennen. Doch seine Allmacht verbirgt sich in der

Ohnmacht, im ganz und gar Menschlichen. Denn schließlich will Gott ja den

Menschen in seinem Menschsein erlösen.

Wir singen das Lied „Als die Welt verloren“ (EG 53)

Daß es um Erlösung geht, zeigen die nächsten beiden

Bilder. Hier ist das Jesuskind gleichsam dem

Säuglingsalter entwachsen. Das Kind beißt in einen

Apfel. Freilich denken wir dabei an die Geschichte um

Adam und Eva im Paradies. In der Vorstellung des

Volkes trug der Baum der Erkenntnis Äpfel. Eva und

Adam haben vom Apfel gegessen und wurden aus dem

Paradies geworfen. Hier soll deutlich werden, daß Jesus

sich mit dem Menschen so sehr verbindet, daß er ihm

in seinem Elend folgt – freilich mit der Absicht, ihn da

raus zu holen. Als der Sündlose überwindet er den

Sündenfall. Er ist der

neue Adam, der die

Sünde der Welt hinwegnimmt (Joh.1,29). Ihm kann

diese Frucht nicht schaden, liegen in ihm doch

verborgen alle Schätze der Weisheit und der

Erkenntnis (Kol. 2,3).

Den Weg des Menschseins geht er bis in den Tod.

Er solidarisiert sich mit uns in unserem Tod. Auch

darin läßt er uns nicht allein. Auf dem dritten Bild

hält das Jesuskind das Kreuz in der Hand. Damit ist

das angedeutet, was schon der greise Simeon zu

Maria gesagt hat, als Jesus im Tempel dargestellt


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Christnacht 2012

wurde: „Siehe, dieser ist gesetzt zu einem Zeichen, dem widersprochen wird - und auch

durch deine Seele wird ein Schwert dringen“ (Lk.2,34f).

Auch das nächste Bild verbindet Weihnachten mit der

Passion Christi. Das Kind greift nach der Nelke, die Maria in

der Hand hält. Im Mittelalter symbolisierte die Nelke die

Leiden Christi. Der Same der Blume ist nagelförmig. Wie die

Krippe, so wird auch das Kreuz aus Holz sein. Bei beiden

Objekten werden die Hölzer durch Nägel

zusammengehalten. Zudem werden Jesu Hände und Füße

von Nägeln durchbohrt werden.

Heute feiern wir die Geburt Christi. Doch sie kann nicht

losgelöst gesehen werden von dem, was Karfreitag

geschehen ist. Ich kann Weihnachten nicht feiern, ohne den

Karfreitag und Ostern im Blick zu haben. Weihnachten,

Karfreitag und Ostern – alle haben mit der Erlösung des

Menschen zu tun. Die Ohnmacht Gottes wird sich dann doch als große Macht

beweisen. Auf allen Bildern ist das auch angedeutet, nämlich in dem Heiligenschein, der

den Kopf des Kindes umgibt. In diesem Kind begegnet dir der heilige Gott. Die

überirdische Wirklichkeit will die irdische durchdringen. An Weihnachten sind die

Menschen vielleicht offen dafür.

Christ, der Retter, ist da. Dieser Christus ist ein

Segnender. Auf diesem Bild hat der Künstler das

Jesuskind mit der Segensgeste abgebildet. Jesus bringt

den Segen und den Frieden Gottes. Es soll sich

bewahrheiten, was die Engel auf dem Felde bei den

Hirten gesungen haben, nämlich: „Ehre sei Gott in der

Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein

Wohlgefallen“ (Lk.2,14).

Das Christuskind verpflichtet auch dich. Willst du den

göttlichen Segen und den himmlischen Frieden haben,

dann mußt du auch bereit sein, Gott die Ehre zu geben.

Daran mag die Schriftrolle in der anderen Hand des

Kindes erinnern. Von all diesen Dingen erfährst du aus

der Schrift.

Liebe Gemeinde, auch daß wir Weihnachten feiern, ist der Tatsache zu verdanken, daß

diese Geschichten in der Bibel überliefert werden. Dieses Buch ist aber nicht nur für

Weihnachten da. Es gibt in ihr nicht nur die Weihnachtsgeschichte. Das Jahr hat mehr

Tage als nur diese Feiertage.

Darum laß Weihnachten an dir wirken, auch wenn die Feiertage zu Ende gehen.

Amen.

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