21. Sonntag nach Trinitatis

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21. Sonntag nach Trinitatis

21. Sonntag nach Trinitatis 12.10.2008 Süderhastedt

Taufe : Lea Pohlmann, Großenrade

Pastor Alfred Sinn

Lieder : 168, 1 - 3; 268, 1 - 5; 251, 1 + 4 - 5; 251, 2-3+6-7; 567, 1-4; 200, 1+5-6

Lesung: Hebräer 10, 19 - 25; Johannes 15, 9 - 12

Teilnehmer: Männer - 14

Frauen - 23

Kinder - 30

Liebe Gemeinde,

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es gibt so viele Faktoren, die das Leben bestimmen. Es sind durchaus nicht immer

die großen Dinge, die die Marschrichtung vorgeben. Eine Kleinigkeit kann das

Leben in die eine oder in die andere Richtung verändern und nachhaltige

Auswirkung haben. Doch wie sollen wir erkennen, was schwer wiegt und was

kaum von Gewicht ist? Bei unseren Entscheidungen hätten wir es leichter, wenn

wir das Gesamte überblicken könnten. Doch wer kann schon das Ganze im Blick

haben! Dennoch muß das Ganze berücksichtigt werden, damit die einzelnen

Entscheidungen daran nicht vorbeigehen.

Wir leben in einer Zeit der starken Individualisierung. Während vor 70 Jahren in

Deutschland der Einzelne sich dem Volk unterordnen sollte, ist heute das

Individuum Maßstab aller Dinge. Dies führt freilich zu Vereinzelung und auch zu

Vereinsamung. Der Individualisierung steht die Globalisierung gegenüber. Die

besagt, daß jeder ein Teil eines Ganzen ist. Entscheidungen, die in der Ferne

getroffen werden, können dich und deinen Alltag massiv beeinflussen. Die Welt

ist ein Dorf, alles hängt miteinander zusammen. In der Tat zieht die Insolvenz

einer Bank in Übersee mehr Menschen in Mitleidenschaft als die Pleite eines

Handwerkers vor Ort.

Auch in der Kirche hat die Vereinzelung zugenommen. Nicht wenige stellen das

Interesse des Individuums höher als das Funktionieren eines Gesamtablaufes.

Beispiele:

- Es gibt Eltern, die sich nur dann um den Konfirmandenunterricht kümmern,

wenn für ihr Kind angeblicher Nachteil droht.

- Im Kindergarten sind es meist die gleichen, die bereit sind, einen Kuchen zu

backen oder Zeit und Kraft für eine Aktion aufzubringen.

- Wenn der Pastor im Hinblick auf eine Taufe den individuellen Wünschen

nicht nachkommt, dann wird eben ein anderer Pastor ausgesucht.

- . . .

Das Ganze wird bei diesen Beispielen aus dem Blick verloren.

Doch dieses Phänomen gab es schon in der Urchristenheit. Wir erfahren davon aus

den Briefen des Apostels Paulus. In der Gemeinde zu Korinth kam es zu

Spannungen, ja gar zu Spaltungen. Die einen waren sehr redegewandt, die anderen

verwiesen auf die spontanen Eingebungen, die sie hatten. Eine Gruppe verachtete

die andere – und darüber verloren sie das Gespür für das Ganze, für die Einheit der

Sache. Der Apostel bemüht das in der Antike bekannte und beliebte Bild vom

Leib, der aus vielen Gliedern besteht. Der Fuß kann nicht sagen: weil ich keine


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21.Son.n.Trin., 12.10.2008

Hand bin, gehöre ich nicht zum Leib; oder das Ohr kann nicht sagen: Weil ich

nicht sehe, bin ich nicht Glied des Leibes; das Auge kann zur Hand nicht sagen:

ich brauche dich nicht, usw. Der Leib besteht nicht nur aus dem Sehsinn oder aus

dem Geruchssinn. Der Leib ist nicht nur Gehör, sondern eine Zusammensetzung

von vielen Gliedern. Gleichzeitig ist aber der Leib mehr als die Summe seiner

Glieder. Der Leib steht zum einen für Vielfalt und zum andern für Einheit. Die

Einheit gilt es – trotz der Vielfalt – zu wahren.

Der Apostel Paulus schreibt den Korinthern:

1.Korinther 12,12 - 14. 26 - 27

12 Denn wie der Leib einer ist und doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes

aber, obwohl sie viele sind, doch ein Leib sind: so auch Christus.

13 Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft, wir seien Juden oder

Griechen, Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt.

14 Denn auch der Leib ist nicht ein Glied, sondern viele.

26 Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit, und wenn ein Glied geehrt

wird, so freuen sich alle Glieder mit.

27 Ihr aber seid der Leib Christi und jeder von euch ein Glied.

Der Apostel Paulus kämpft in Korinth mit der Tendenz zu Spaltungen und zu

Bewertungen der Charismen. Er will der tief gespaltenen Gemeinde ein

verständliches Bild für eine Gemeinschaft der Verschiedenen geben. Er legt Wert

darauf, daß gegenseitiger Austausch, gegenseitige Unterstützung und Hilfe

stattfindet. Solche Ermahnung tut umsomehr not, da es unsere Natur ist, die

Schwachen gegen die Starken auszuspielen, nach unten zu treten und nach oben

zu buckeln.

Zunächst verweist der Apostel auf die Stiftung der Gemeinde. Die christliche

Gemeinde ist von Gott gestiftet. Gott ist der Urheber. Diese Gemeinschaft ist die

Schar der Herausgerufenen (auf griechisch: ekklesia). Der Anfang der Gemeinde,

aber auch der Anfang des Christseins, liegt bei Gott. Folgerichtig argumentiert der

Apostel mit der Taufe. Bei der Taufe aber handelt in erster Reihe der Herr. Er hat

den Anfang für das neue Sein des Menschen gemacht, ein Sein, das auf die

Ewigkeit ausgerichtet ist.

Ihr seid zu einem Leib getauft, das ist der Leib Christi und jeder von euch ist ein

Glied. Die Einheit ist also nicht begründet im Zusammenschluß der Menschen,

sondern in der Taufe. Durch die Taufe sind die Christen in den Leib Christi

eingegliedert, einverleibt. Die Gemeinde ist als Ganzes ein Körper, der freilich aus

Gliedern besteht, die unterschiedliche Aufgaben haben. Ein Körper aber kann nur

existieren, wenn jedes Glied seine Aufgabe erfüllt. Der durstige Wanderer, dessen

Augen einen Brunnen entdecken, muß auch seine Füße zum Hingehen, seine

Hände zum Schöpfen und seinen Mund zum Trinken einsetzen. Kein Glied ist

dabei wichtiger als das andere - und wenn nur eins davon ausfällt, bekommen die

anderen auch kein Wasser.


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Die Gemeinde ist mehr als eine Zusammenkunft Gleichgesinnter, mehr als ein

sozialer Verein, aus dem man nach Belieben austreten oder wieder eintreten kann.

Die Gemeinde ist eine Einheit und jedes Glied ist in seiner Einzigartigkeit wichtig

und letztlich unersetzbar. Die Gemeinschaft der Glieder am Leib ist von Gott

gestiftet und so keine Frage persönlicher Wahlfreiheit.

Das bedeutet aber nicht, daß die persönliche Entscheidung nicht notwendig ist.

Mit Christus verbunden sein, heißt auch gleichzeitig, mit seiner Kirche verbunden

sein. Deshalb werde ich das Gerede von „Ich kann glauben auch ohne zur Kirche

zu gehen“ nie verstehen. Darum nicht, weil eins zum anderen dazugehört. Das ist

jedenfalls biblische Überlieferung. Wer das Gegenteil behauptet, bleibt den

biblischen Beweis schuldig.

Es gibt keinen christlichen Glauben ohne eine verbindliche Beziehung; zum einen

zum Herrn, aber auch zu den anderen. Das macht das Bild vom Körper und den

Gliedern deutlich. Am Leibe sieht man, wie die Glieder sich ergänzen und nur im

Zusammenspiel ihrer Gaben leben können. Die Glieder sind aufeinander

angewiesen.

Ein anderes Bild für die Einheit in der Vielfalt ist die Mitwirkung in einem Chor

oder in einem Orchester. Unser Posaunenchor wird heute Nachmittag in Burg

ein Konzert geben. Es sind verschiedene Instrumente, die zum Einsatz kommen.

Jedes Instrument kann für sich spielen, doch erst durch das Zusammenspiel

entsteht ein Klang, den ein Instrument allein nicht hervorbringen kann. Dabei

ist jedes Instrument wichtig.

Wir fassen zusammen: Es gilt, das Ganze im Auge zu behalten. Paulus schreibt:

„Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft, wir seien Juden oder Griechen,

Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt.“ Die beiden Sakramente, Taufe

und Abendmahl, sind die Grundlage unseres Seins in Christus. Sie sind das

einigende Band. Der Herr hat uns durch seinen Geist zu einer Einheit verbunden

und das jenseits der sozialen und völkischen Voraussetzungen. Doch diese Einheit

will zur Entfaltung kommen; das geschieht dort, wo die erfolgte Taufe im Leben

eines Christen aktualisiert wird durch Gottesdienst, Gebet und Nächstenliebe.

Jeder ist gefragt, mit seinen Gaben am Aufbau des Ganzen sich zu beteiligen.

Die Kirche ist ein Leib, dh ein Organismus und eben nicht nur Organisation.

Kirche ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, aber noch mehr sollte sie

sein eine Körperschaft des spirituellen Rechts. Das Letztere unterscheidet Kirche

von den anderen Körperschaften. Wir sind eben nicht ein Verein, der von

Menschen gebildet ist, sondern Christus hat seine Kirche gegründet.

Freilich, es gibt Spannungen in diesem Leib. Doch das ist bei jedem Körper so. Der

Leib ist etwas Dynamisches. Im Körper hängt alles mit allem zusammen, die

Zellen kommunizieren miteinander. Das geschieht in unvorstellbarer Präzision

und Geschwindigkeit. Wenn die Kommunikation aufhört, ist der Leib tot.


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Paulus kannte nur aktive, lebendige Glieder am Leibe Christi und nicht

Mit-Glieder im heutigen Sinne und schon gar nicht passive Mitglieder. Jeder ist

mit der Geistesgabe, die er nach Gottes Willen besitzt, für die Lebensfähigkeit der

Gemeinde wichtig. Es ist die Absicht des Herrn, die Verschiedenheiten, die ja

durchaus bei den einzelnen Gliedern gegeben sind, in die Gesamtheit einzufügen.

Also, liebe Brüder und Schwestern, behaltet das Ganze im Auge und tragt als

Glieder am Leibe zum Erhalt des Ganzen bei.

Amen.

Mitteilungen

Frauenkreis

Aufruf

Anne-Dore Thomzik

Ich möchte bei dieser Gelegenheit die Frauen unserer Kirchengemeinde sehr

herzlich zu einer Veranstaltung des „Frauenkreises“ einladen, und zwar am nächsten

Donnerstag, dem 16.Oktober, um 19 Uhr im Gemeindehaus.

Dieser Abend wird gewissermaßen eine Premiere sein, denn der Frauenkreis hat sich

nach vielen Jahren Pause neu formiert. Seit nunmehr drei Jahren trifft sich eine

Gruppe von 10 – 12 Frauen aus unserer Kirchengemeinde, um Gottesdienste zum

Weltgebetstag vorzubereiten. Das ist eine durchaus intensive Aufgabe, die aber

leider jeweils mit dem Weltgebetstag ihren Abschluß findet. Darum entstand aus der

Gruppe heraus der Wunsch, sich auch in den Herbst- und Wintermonaten

regelmäßig zu treffen. Da lag es nahe, auch andere Frauen zu diesen Treffen

einzuladen, um sich mit meinem bestimmten Thema auseinanderzusetzen.

Wir Frauen haben gemerkt, daß uns die Begegnung und der Austausch sehr wichtig

sind. Darum wollen wir den Abend ganz zwanglos mit ein bißchen „Kaffeeklatsch“

beginnen, um uns dann dem Thema des Abends „Das Gebet“ gemeinsam zu

nähern.

Wir wollen uns darüber austauschen, was uns das Gebet bedeutet, als Begleiter in

unserem Alltag, in Krisensituationen oder auch glücklichen Zeiten, als Möglichkeit

„Danke“ zu sagen oder um etwas zu bitten.

Vielleicht mag beispielsweise auch eine Frau ein Gebet vortragen, das sie seit

Kindertagen kennt und das eine wichtige Bedeutung in ihrem Leben eingenommen

hat.

Also, fühlen Sie sich herzlich eingeladen zum Frauenkreis am nächsten Donnerstag,

dem 16.Oktober um 19 Uhr im Gemeindehaus.

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