Nachbericht zur Abendsprechstunde vom 23. Januar 2012

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Nachbericht zur Abendsprechstunde vom 23. Januar 2012

26.01.12 11:21:33 [(Master)Print­Artikel '0126dn­fragen + antworten' ­ Ruhr Nachrichten | Verlag Lensing­Wolff | Medienhaus Lensing | Dorstener Zeitung Lokal | Dorsten ­ (

Hygiene

wird groß

geschrieben

Zwar ist es Fakt, dass die Zahl

der widerstandsfähigen Keime

permanent wächst. Aber

namentlich im Dorstener

Krankenhaus wird alles Menschenmögliche

getan, um die

Ansteckung mit MRSA­Erregern

einzudämmen. Die Klinik­Leitung

ging mit diesem

Info­Abend in die Offensive

um zu zeigen, dass die Dorstener

Verantwortlichen in Sachen

Hygiene nicht nur ein

reines Gewissen, sondern

auch saubere Hände haben.

Aus den Ausführungen von

Dr. Christoph Gross­Weege

und Bärbel Hoffmann hier einige

wesentliche Aussagen:

Q

Welche Bakterien können

denn als MRSA­Erreger

Infektionen auslösen?

Das ist die Bakterien­Gruppe

Staphylokokkus­areus, denen

inzwischen die meisten

Antibiotika nichts mehr anhaben

können. Aber noch gibt

es Mittel, die auch gegen

MRSA helfen. Wir sehen jedoch

vor allem in den USA,

dass die Zahl resistenter Bakterien­Stämme

weiter

wächst. Viele Menschen tragen

die Keime bereits in sich,

lange, bevor sie ins Krankenhaus

gehen. Erst, wenn die

Immunabwehr geschwächt ist

und die Bakterien sich in

Wunden oder anderen Körperregionen

ausbreiten, wird

es gefährlich.

Q

Krankenhaus hält strenge Vorgaben ein

DORSTEN. Horrormeldungen

geistern durch die Boulevard­

Blätter. Der MRSA­Erreger

wird zum Schreckgespenst

aufgebläht und der Eindruck

erweckt, in Kliniken würde

man eher krank statt geheilt

zu werden. Dass dies purer

Blödsinn ist, erfuhren am

Montag die Besucher der

Abendsprechstunde.

Wieso sind Bakterien

so widerstandsfähig?

Bakterien lernen, sich anzupassen.

Es ist fatal, dass bei

der Tiermast Antibiotika verabreicht

werden. Da muss

ganz dringend etwas passieren,

sonst züchten wir immer

mehr widerstandsfähige Erreger

heran. Da schwimmt ein

lich gehören noch Drogenabhängige

zu den Risikogruppen.

Q

Wie werden solche Erreger

von einem auf

den anderen übertragen?

Durch Körperkontakt zumeist

über die Hände. Auch

durch den Aufenthalt in einer

kontaminierten Umgebung

kann der Erreger übertragen

werden.

Q

Welche Lehren zieht

daraus das St.­Elisabeth­Krankenhaus?

Dort gelten besonders

strenge Hygiene­Vorschriften.

Schon bevor das Krankenhaus­Hygiene­Gesetz

erlassen

wurde hat sich das Dorstener

Krankenhaus seit 2009 an der

Aktion „Saubere Hände“ beteiligt.

Die hiesige Klinik arbeitet

zudem über das MRSA­

Netzwerk des Kreises Recklinghausen

im Euregion­Netzwerk

mit. Und das St. Elisabeth­Krankenhaus

wurde für

seinen vorbildlichen Hygiene­

Maßnahmen mit dem Zertifikat

in Silber ausgezeichnet.

Q

Warum gab es kein

Gold?

Das lag lediglich daran,

dass nicht alle Berufsgruppen

dokumentiert werden konnten

– das schaffen nur Uni­

Kliniken. Allerdings liegt in

solchen großen Krankenhäusern

mit mehr Risiko­Patienten

die Zahl der MRSA­Infektionen

höher als in Dorsten.

Q

Was für konkrete Maßnahmen

werden in der

Klinik getroffen?

Da gibt es sehr strenge Vorgaben.

Sie reichen von der

Rasur so kurz wie möglich vor

dem Eingriff über die Verwendung

von antibakteriellem

Nahtmaterial, Belüfung

und Klimatisierung bis hin

zur Aufrechterhaltung der

Körpertemperatur bei längeren

Operationen.

Q

Wie gehen Sie mit Patienten

um, bei denen

MRSA­Erreger festgestellt

werden?

Wenn es Anhaltspunkte für


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Eisberg auf uns zu! Und nur

die Spitze des Eisbergs wird

in Krankenhäusern sichtbar.

Q

Welche Symptome zeigen

eine MRSA­Infektion

an?

Keine speziellen. Das können

nur die Hausärzte oder

unsere Mediziner im Krankenhaus

feststellen.

Q

Wie finden Mediziner

das heraus?

Mit einem Abstrich aus der

Nase und dessen Untersuchung

im Labor.

Q

Welche Gruppen sind

besonders betroffen?

Zu den Risikogruppen gehören

Menschen mit geschwächter

Immunabwehr,

Dialyse­ und Diabetes­Patienten.

Außerdem Personen, die

sich lange in Pflegeeinrichtungen

aufhalten oder die

längere Zeit im Krankenhaus

stationär behandelt werden

müssen. Auch Menschen, die

häufig Kontakt zu Tieren haben,

können betroffen sein.

MRSA­Bakterien werden dowohl

durch Schafe, Schweine

oder Geflügel übertragen,

aber eventuell auch durch

Hunde und Katzen. Schließ­

ein MRSA­Risiko gibt, findet

zunächst eine Untersuchung

statt. Solange bleibt der Patient

isoliert. Erst recht, falls

sich der Verdacht bestätigt.

Personal und Besucher müssen

bei Kontakten Mund­ und

Nasenschutz, Einmal­Handschuhe,

Schutzkleidung und

Haarhauben tragen. Händewaschen

reicht nicht, zum

Abtöten der Keime müssen

die Hände desinfiziert werden.

Auch die umfassende

Flächendesinfektion der

Krankenzimmer ist Standard.

MRSA­Erreger überleben

sonst auf Kunststoff­Oberflächen

bis zu sechs Monate.

Q

Wie lange dauert die

MRSA­Behandlung?

Infizierte Patienten müssen

sich mindestens fünf Tage

lang einer speziellen Behandlung

mit Nasensalbe und Rachenspülung

unterziehen. Ihre

komplette Wäsche muss in

dieser Zeit desinfiziert werden,

Besuche sollten möglichst

selten erfolgen.

Die Isolierung wird erst

nach einer dreitägigen Ruhephase

aufgehoben, wenn

auch ein erneuter Kontroll­

Abstrich ohne Befund

bleibt.

Klaus­D. Krause

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