Was geht, wenn scheinbar nichts mehr geht - Klapdor Dental

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Was geht, wenn scheinbar nichts mehr geht - Klapdor Dental

6 Praxis aktuell

Woche 35/05

Die Zahnarztpraxis als Existenzgrundlage – vom richtigen Umgang mit den Ressourcen (2):

Was geht, wenn scheinbar nichts mehr geht

Der nachfolgende Beitrag schließt an die Ausführungen

„Ich fühle mich wie der Hamster im Rad“ (DZW 27/05) an.

Das Thema ist die Vorgehensweise im zugespitzten Krisenstadium:

Die Bank hat den Hahn endgültig zugedreht,

Kreditkündigung angedroht oder bereits ausgesprochen.

Einige Rechnungen sind im fortgeschrittenen Mahnstatus,

Zwangsmaßnahmen sind angekündigt oder laufen bereits.

In diesem Moment ist das

Wichtigste die Aufgabe der Illusion:

Die Betroffenen dürfen nicht

länger den Kopf in den Sand stecken,

denn ein Wunder ist nicht

zu erwarten. Im optimalen Fall

gelingt es dem Zahnarzt, die vermeintliche

Niederlage als Herausforderung

zuversichtlich anzunehmen.

Der konkrete erster Schritt:

Kompetente Unterstützung holen

– in Person eines erfahrenen

branchenkundigen Beraters, zum

Beispiel Rechtsanwalt, Steuerberater

oder eines Krisenspezialisten.

Dieser nimmt Kontakt zu

sämtlichen Gläubigern auf, also

den Kredit gebenden Banken, Dentallaboren,

Lieferanten etc. Üblicherweise

haben viele Gläubiger

das Vertrauen zum schuldenden

Zahnarzt verloren, weil Zahlungsversprechen

mehrfach nicht

eingehalten wurden. Die Einschaltung

eines kompetenten und zuverlässigen

Verhandlungspartners

schafft eine neue Basis.

In diesem Stadium ist es das

Ziel, einige Wochen Zeit zu gewinnen,

um das Sanierungskonzept

erstellen zu können.

Gleichzeitig ist es wichtig, keine

Zeit mehr zu vergeuden, da die

Lieferanten häufig nur noch gegen

Vorkasse liefern. Die hiermit

verbundenen unangenehmen

Störungen des Praxisbetriebs

sind in jeder Hinsicht

kontraproduktiv und sollten unbedingt

vermieden werden.

Außerdem muss darauf geachtet

werden, auch kleinere Gläubiger

zu informieren. Kleine Gläubiger

können großen Ärger verursachen.

Nach Möglichkeit sollten

kleine Rechnungen zügig bezahlt

werden, um die Gläubigerliste,

also die Anzahl der Verhandlungspartner,

überschaubar zu

halten.

Kurze und knappe

Analyse, Fokus auf

die Lösungswege

Der Berater arbeit sich in die

Zahlen ein, um die Lage definieren

zu können. Er analysiert die

Ursachen der Fehlentwicklung,

bringt die Fakten aufs Papier und

erstellt zusammen mit dem Zahnarzt

eine vollständige Gläubigerliste.

Für diese Beschreibung des

Ist-Zustands sollte aber keinesfalls

zu viel Geld ausgegeben

werden. Zielführende Tabellen

und Stichworte genügen. Mit zahllosen

bunten Balken- und Tortendiagrammen,

Hochrechnungen

auf die nächsten 15 Jahre sowie

ausschweifender Prosa ist

niemandem gedient. Der Fokus

der Beratertätigkeit sollte nicht

auf Beschreibung des Problems,

sondern auf Entwicklung und Umsetzung

der Lösungswege liegen.

Parallel empfiehlt sich die Suche

nach Liquiditätsreserven. Bei

hohen Lieferantenschulden ist

es häufig möglich, durch Umstellung

des Jahresabschlusses von

Gewinnermittlung auf Bilanzierung

Einkommensteuererstattungen

für Vorjahre zu erzielen.

Der Steuerberater hilft weiter. Mit

einem niedrigen Praxisgewinn

kann eine Beitragssenkung beim

Versorgungswerk beantragt werden;

einige Versorgungswerke

erstatten zu viel gezahlte Beiträge

auch zurück.

Praxispotenziale

nutzen

Sofern noch nicht geschehen,

sollte umgehend eine Abrechnungsgesellschaft

eingeschaltet

werden. Mit dieser wird Sofortauszahlung

der Privatliquidationen

(auch Eigenanteile von Kassenpatienten)

sowie volle Ausfallversicherung

vereinbart. Auch

Patienten sind zunehmend zahlungsunfähig;

dieses Risiko kann

so abgesichert werden. Außerdem

können in Kooperation mit

der Abrechnungsgesellschaft

Teilzahlungsmodelle angeboten

werden, die dem Patienten die

Entscheidung für hochwertige

Therapien erleichtern.

Üblicherweise liegt eine Ursache

für Fehlentwicklung in der

Zahnarztpraxis in unzureichender

Ausschöpfung des Praxispotenzials.

Folgerichtig sollten im

Zuge der hier beschriebenen Vorgehensweise

immer Aktionspläne

entwickelt und umgesetzt werden,

die Praxiseinnahmen und

-gewinn nachhaltig erhöhen. Eine

enge Zusammenarbeit zwischen

Praxisberater und Krisenspezialist

wirkt dynamisch und erhöht

die Chancen nachhaltig erfolgreicher

Krisenbewältigung deutlich.

Auf Basis der Zahlenanalyse

entwickelt der Berater einen

Die Autorin dieses Beitrags,

Maike Klapdor (Jahrgang

1968), Havixbeck, ist Bankfachwirtin.

Sie verfügt über

zehnjährige Berufserfahrung

als Kreditanalystin bei der

Deutschen Bank und der

Commerzbank, seit 1994 mit

Schwerpunkt Arzt-/Heilberufler-Finanzierungen.

Ende

2002 hat sie sich für den

Schritt in die Selbstständigkeit

entschieden. Ihr Unternehmen

Klapdor Dental-Konzepte

GmbH ist spezialisiert

auf die Existenzsicherung

von Zahnarztpraxen.

Strategievorschlag. Grundsätzlich

gibt es zwei Varianten. Erste

Möglichkeit: Die Praxis erwirtschaftet

ausreichende Rendite,

um die Gesamtverschuldung tilgen

zu können. In diesem Fall wird

mit Aufteilung der Verbindlichkeiten

in Raten, Staffelung von

Tilgungen und Laufzeitverlängerung

von Krediten oder Umschuldungen

jongliert. Ziel ist eine für

den Zahnarzt tragfähige Finanzkonstruktion,

die bei den Gläubigern

realistisch durchgesetzt werden

kann.


Woche 35/05 Praxis aktuell 7

Moratorium

statt Insolvenzverfahren

Zweite Möglichkeit: Die Verschuldung

ist zu hoch; die Praxisrendite

reicht nicht aus, um die

Kredite – auch bei langen Laufzeiten

– überhaupt abtragen zu

können. In diesem Fall wird vom

Berater der Versuch unternommen,

mit allen oder einigen Gläubigern

Teilverzichte zu verhandeln.

Am empfänglichsten für solche

Vereinbarungen sind Gläubiger,

die ein großes Interesse am

Fortbestand der Praxis haben und

denen keine Sicherheiten gestellt

wurden.

Bei komplexer Verschuldung

organisiert der Krisenspezialist

zusammen mit einem erfahrenen

Rechtsanwalt ein Moratorium.

Dies bedeutet ein Konzept,

bei dem systematisch mit allen

Gläubigern Vergleiche, also Teilverzichte

mit ausgewogenen Quoten,

verhandelt werden.

Wirtschaftlicher Hintergrund

ist es, eine Lösung anzustreben,

bei der alle Beteiligten gewinnen:

Die Gläubiger verlieren weniger

Geld als im Insolvenzfall.

Der Zahnarzt ist motiviert, denn

er hat eine reelle Chance, seine

Existenzgrundlage zu behalten.

Die Umsetzung eines Moratoriums

braucht Verhandlungsgeschick

und folgende sachlichen

Voraussetzungen:

• Es besteht bei den Beteiligten

Einvernehmen darüber, dass der

Zahnarzt seine Schulden nicht vollständig

tilgen kann.

• Die Gläubiger haben Vertrauen

zum Verhandlungsführer und

fühlen sich gegenüber anderen

Gläubigern nicht benachteiligt

• Die Gläubiger haben wirtschaftliche

Vorteile daraus, dass ein Insolvenzverfahren

vermieden wird,

weil sie insgesamt mehr Geld bekommen.

Hierbei werden Gläubiger,

denen Sicherheiten gestelltwurden,

gegenüber unbesicherten

Gläubigern angemessen bevorzugt.

• Die Gläubiger sind von der

Überlebensfähigkeit der Praxis

überzeugt und sehen die Möglichkeit

weiterer ertragreicher

Geschäftsbeziehung (Letzteres

betrifft Dentallabore und andere

Lieferanten).

• Die Verhandlungspartner sind

frei von Emotionen und an wirtschaftlicher

Lösung interessiert.

Störfeuer kann es zum Beispiel

geben von ehemaligen Lebenspartnern,

die Privatdarlehen gegeben

haben. Ebenso kann es vorkommen,

dass Gläubiger Rechtsanwälte

oder Steuerberater engagieren,

die sich mit unrealistischen

Forderungen oder einer

Drohkulisse auf Kosten des Gesamterfolgs

bei ihrem Mandanten

zu profilieren versuchen.

Wenn auch nicht ganz unmöglich,

so sind Vergleichsverhandlungen

mit dem Finanzamt doch

grundsätzlich schwierig. Allgemein

gute Voraussetzungen sind

gegeben, wenn „fresh money“,

also zusätzliches Geld von dritter

Seite (Darlehen von Verwandten

oder Freunden, vorgezogene Erbschaft)

zur Verfügung gestellt werden

kann. Die reale Aussicht, einen

Teilbetrag schnell zu bekommen,

macht es für den Gläubiger leichter,

auf den Rest zu verzichten.

Sollte die Umsetzung eines

Moratoriums nicht gelingen, ist

die Vorbereitung eines Insolvenzplanverfahrens

nahe liegend. Auch

hier gilt: Systematisches Vorgehen

unter der Führung von Profis

bringt wirtschaftliche Vorteile

für alle Beteiligten.

Der hier beschriebene Sanierungsprozess

kostet den Zahnarzt

Kraft und ist natürlich mit

vielen persönlichen Unannehmlichkeiten

verbunden. Dennoch

sollte nicht vergessen werden:

Jede Krise birgt die Chance für

Wachstum und persönliche Entwicklung.

Es zählt nicht die Tiefe

des Falls, sondern die Höhe des

Zurückfederns.

Der nächste Beitrag dieser

kleinen Serie beschäftigt sich

mit Handlungsalternativen in der

Geschäftsverbindung zwischen

Zahnarzt und Dentallabor.

Maike Klapdor,

Havixbeck


wird fortgesetzt

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