Touristisches Informationssystem für das Gartenreich Dessau-Wörlitz

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Touristisches Informationssystem für das Gartenreich Dessau-Wörlitz

Entwicklung einer Mapserver-Anwendung

als Tourismusinformationssystem für

das Weltkulturerbe Dessau-Wörlitzer Gartenreich 1

Andreas GOTTFRIED und Mario SCHEDLER

Abstract

In the framework of a diploma thesis at the Anhalt University of Applied Sciences, a Geographical

Information System for the Gartenreich (Garden Kingdom) Dessau-Wörlitz, a

UNESCO world heritage site, has been developed. The aim of this project was to respond

to the needs of tourists visiting the gardens. This work was a joint project of the Anhalt

University of Applied Sciences and the Kulturstiftung Dessau-Wörlitz (cultural foundation).

The following article describes our approach to the development of this GIS especially

designed for tourists.

Zusammenfassung

Im Rahmen einer Diplomarbeit an der Hochschule Anhalt wurde ein Geographisches Informationssystem

für das Weltkulturerbe Gartenreich Dessau-Wörlitz speziell für die Bedürfnisse

von Touristen entwickelt. Diese Arbeit fand in Zusammenarbeit mit der Hochschule

Anhalt und der Kulturstiftung DessauWörlitz statt. Der vorliegende Artikel beschreibt

in kurzen Zügen den Weg, der Entwicklung des Tourismusinformationssystems.

1 Einleitung

1.1 Der Weg zum Tourismusinformationssystem

Webbasierte Auskunftssysteme sind hervorragend dafür geeignet tourismusrelevante Informationen

zu präsentieren „[...] jedoch hat ein Großteil der Betreiber der touristischen

Internetpräsenzen im Deutschlandtourismus diesen eindeutigen Mehrwert momentan noch

nicht erkannt bzw. in der Praxis nicht durchgängig umgesetzt. Dies ist erstaunlich, da die

Qualität der bereitgestellten Medien und Informationen entscheidend die Vermarktung

touristischer Destinationen, Regionen und Orte beeinflusst“ (FABY 2004). Um dieser Misere

entgegenzuwirken, wurde im Rahmen dieser Diplomarbeit ein Internet-Auskunftssystem

für das Weltkulturerbe Gartenreich Dessau-Wörlitz erarbeitet. Mit diesem System,

das in dieser Abhandlung als Tourismusinformationssystem (TIS) bezeichnet wird, können

sich vorrangig Touristen über das Gartenreich, umliegende Infrastruktur sowie Sehenswür-

1

Grundlage für diesen Artikel ist die gleichnamige Diplomarbeit, die in der Zeit von April bis September

2005 an der Hochschule Anhalt (FH) durch die Autoren unter Betreuung von Prof. Dr.-Ing.

Holger Baumann verfasst wurde. Das Tourismusinformationssystem ist auf der Website

www.gartenreich.com auf der rechten Seite zu finden.


Entwicklung einer Mapserver-Anwendung für das Dessau-Wörlitzer Gartenreich 429

digkeiten außerhalb des Gartenreiches informieren. Der Schwerpunkt wird hier allerdings

auf Informationen innerhalb des Gartenreiches gesetzt.

1.2 Das Gartenreich Dessau-Wörlitz

Einer der frühesten und wohl auch schönsten Landschaftsparks Kontinentaleuropas – das

Gartenreich Dessau-Wörlitz – entstand im 18. Jahrhundert unter der Regentschaft des Fürsten

Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (1740-1817). Das Gartenreich befindet

sich im östlichen Teil Sachsen-Anhalts und zählt mit einer Ausdehnung von ca. 145 km² zu

einen der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Mitteldeutschlands, wenn nicht sogar Europas

(Weiss & Alex 2001).

Abb. 1:

Das Gartenreich Dessau-Wörlitz und die einzelnen Parkanlagen

2 Marktanalyse

Die Marktanalyse, d. h. die Analyse bestehender Marktverhältnisse zu einem bestimmten

Zeitpunkt, ist ein enorm wichtiges Instrument um ein angemessenes und zugleich auch

akzeptiertes Tourismusinformationssystem zu erarbeiten. Sie trägt somit erheblich zum

Erfolg des TIS bei. Im Rahmen dieser Diplomarbeit sind zwei Faktoren bedeutend: die

Besucher des Gartenreiches und das Internet als Medium zur Informationsrecherche. Folglich

wurde untersucht, welche Nutzergruppen mit dem Tourismusinformationssystem angesprochen

werden und welche Software- und Hardwarekomponenten diese hinsichtlich des

Internets verwenden. Aus diesen Untersuchungen wurden Daten eruiert, die direkten Einfluss

auf die Entwicklung eines Informationssystems für das Gartenreich haben.


430

A. Gottfried und M. Schedler

2.1 Webbarometer

„Das Web ist ein Medium der Einschränkungen“ schreibt Veen (2001). Er meint damit,

dass vorrangig in der Programmierung von Webseiten hinsichtlich Browserkompatibilität,

Auflösung der Monitore, Farbtiefe, Verbindungstyp, Skriptsprachen u. v. a. Einschränkungen

hingenommen werden müssen. Da die Mapserver-Anwendung auf möglichst vielen

PCs einheitlich funktionieren soll, wurde bezüglich der genannten Restriktionen eine

Marktanalyse durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Analyse flossen direkt in die Entwicklung

des TIS mit ein. So konnte beispielsweise festgelegt werden, welche Browserversionen

mindestens zu unterstützen sind, inwieweit Rücksicht auf eine niedrige Bandbreite

genommen werden muss oder auf welche Auflösung hin entwickelt wird.

2.2 Die zukünftigen Nutzer des Tourismusinformationssystems

Es ist allerdings nicht ausreichend zu wissen, welche Software- und Hardware im Internet

vorrangig Verwendung findet. Zur Entwicklung eines Tourismusinformationssystems gehört

auch, dass in Erfahrung gebracht wird, wer die zukünftigen Nutzer dieses Systems sind

und welche Interessen und Wünsche sie hinsichtlich des Gartenreiches verfolgen.

Zwei Studien (NORD/LB 2002 und NORD/LB 2005), die von der Norddeutschen Landesbank

bezüglich des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches durchgeführt wurden, gaben Aufschluss

über Besucherstruktur (Alter, Geschlecht, Bildungsniveau usw.) sowie Besucherverhalten

z. B. hinsichtlich der Informationsbeschaffung über das Reiseziel, Interessen und

Motive für den Besuch des Gartenreichs usw. Die Ergebnisse dieser Studien beeinflussten

zum einen die konzeptionelle Entwicklung der Mapserver-Anwendung und zum anderen

führten sie zu einem auf den Besucher des Gartenreiches zugeschnittenen Geographischen

Informationssystem. So zeigte sich, dass sowohl die Integration von Informationen außerhalb

des Gartenreiches als auch die Usability einen hohen Stellenwert bei der Zielgruppe

einnehmen.

3 Geodaten

3.1 Allgemeines

Für die Entwicklung des Tourismusinformationssystems wurden Geodaten sowohl für die

einzelnen Parks als auch für das gesamte Gartenreich Dessau-Wörlitz benötigt. Es wurden

folglich Überlegungen angestellt, welche Geodaten für das TIS von Interesse sind, wie

diese modelliert werden und welche Institutionen diese Geodaten liefern können. Oberste

Prämisse hierbei war die Aktualität und Genauigkeit der Geodaten in den Parkanlagen und

bei den touristischen Destinationen, da es schnell zur Ablehnung der gesamten Anwendung

führen kann, wenn lediglich auf veraltete oder unpräzise Daten zugegriffen werden kann.

Als Bezugssystem wurde das Koordinatensystem ETRS89 in UTM-Abbildung basierend

auf dem GRS80-Ellipsoid verwendet (Lagestatus 489). Der Grund für die Verwendung

dieses Bezugssystems liegt in der weiten Verbreitung, vor allem bei Wanderkarten und

GPS-Empfängern. Da für diese Arbeit eine eigene Karte teilweise aus bereits bestehenden

Karten hergestellt wurde, war es ebenfalls notwendig urheberrechtliche Belange, die in

unmittelbarem Zusammenhang mit der Herstellung von Karten aus bereits bestehenden

Karten stehen, zu beleuchten.


Entwicklung einer Mapserver-Anwendung für das Dessau-Wörlitzer Gartenreich 431

Sowohl die Geometrie- als auch die Sachdaten können auf verschiedene Weise gespeichert

werden. Nach verschiedenen Abwägungen hinsichtlich der Datenmodellierung und Absprachen

mit der Kulturstiftung DessauWörlitz, wurde die Entscheidung getroffen, die

Sachdaten in einer MySQL-Datenbank und die Geometriedaten in Shapefiles zu hinterlegen.

Dieser Entschluss wurde dadurch bekräftigt, dass auch die Kulturstiftung auf diese

Software bzw. dieses Datenformat setzt und somit das Informationssystem somit auch

zukünftig aktuell gehalten und somit gepflegt werden kann.

3.2 Geometriedaten

Bei der Datenmodellierung stellte sich zuerst die Frage ob lediglich das Gartenreich oder

auch die unmittelbare Umgebung modelliert werden soll. Im Fall des Gartenreiches wäre

solch eine klare Abgrenzung prinzipiell möglich, jedoch aus diversen Gründen nicht vorteilhaft.

Das Gartenreich ist, wie in Abbildung 1 zu sehen, ein Verbund einzelner Landschaftsparks

der sich kaum Fläche mit den umliegenden Städten teilt. Somit ist die bloße

Darstellung des Gartenreiches für ortsfremde Nutzer der Karte ungeeignet, da hier wichtige

Orientierungspunkte wie die Stadt Dessau oder die Elbe nur teilweise enthalten sind. Ein

weiteres Argument gegen eine bloße Wiedergabe des Gartenreiches ergibt sich aus der

Vernetzung touristischer Angebote des Gartenreiches mit dem Umland. Beispielsweise

besucht ein Teil der Kulturtouristen nicht nur das Gartenreich, sondern kombiniert seinen

Aufenthalt mit der Besichtigung der Bauhausstätten in Dessau.

Die digitale Karte wurde also in rechteckiger Form mit den Ausmaßen 28,6 km × 15,15 km

erstellt. Der Detaillierungsgrad für die erstellte Karte ist allerdings heterogen: In Regionen,

die für Touristen interessant sind, weist die Karte ein hohes Maß an Details auf, wohingegen

in anderen Teilen der Karte dies nicht der Fall ist. Der hohe Detaillierungsgrad in tourismusrelevanten

Gebieten wie z. B. Parks und der umliegenden Infrastruktur ist notwendig,

da der Schwerpunkt dieses Informationssystems auf der Darbietung der einzelnen

Parks und touristisch relevanter Daten liegt.

Nach Festlegung des Kartenformates ist eine Entscheidung darüber getroffen worden, welche

Geometriedaten modelliert werden, welchen Datentypen diese entsprechen müssen und

in welche Klassen die jeweiligen Objekte eingeordnet werden. Es wurden sowohl topografische

Daten wie Ortslagen, Straßen, Gewässer usw. als auch thematische Daten wie Radwege,

Theater, Hotels usw. modelliert.

3.3 Datenerfassung

Als Software für die Datenerfassung kam ArcGIS 9 der Firma ESRI, aber auch Microstation

V8 zum Einsatz. Im Einzelnen wurden ArcMap zur Erzeugung von Shapefiles verwendet,

mit ArcCatalog (Modul von ArcGIS) konnten alle Shapefiles und Projektionen erzeugt

sowie die CAD-Dateien (DXF) in Shapefiles konvertiert werden. Weiterhin diente ArcCatalog

zur Transformation zwischen den verschiedenen Lagestatus. ArcMap wurde für die

Georeferenzierung und Vektorisierung eingesetzt. Es diente ebenfalls der Strukturierung

der Ebenen und wurde für diverse topologische Operationen verwendet.

Nach der Modellierung der geometrischen Daten, wurden die Sachdaten in das Datenbankmanagementsystem

MySQL eingearbeitet und mit den geometrischen Daten verknüpft.

Als Grundlage hierfür dienten Informationsbroschüren der Touristeninformationszentralen,

diverse Bücher, Recherchen im Internet usw.


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4 Entwicklung des Tourismusinformationssystems

4.1 Grundgedanken zur Präsentation von Karten auf Webseiten

Den Kern des Informationssystems bildet natürlich die Karte. Folglich nimmt die Kartenerstellung

mit dem UMN MapServer und den dafür verwendeten Webtechniken einen hohen

Stellenwert ein.

DICKMANN (2004) wies einen höheren Vermittlungserfolg raumbezogener Informationen

nach, die mithilfe des Internets übertragen werden. Der Erfolg ist allerdings abhängig von

der Komplexität des dargestellten Kartenmaterials. Im Allgemeinen können gegenüber

analogen Karten etwa 15% mehr Informationen aufgenommen werden. Hierbei dürfen

allerdings die Grundprinzipien der kartografischen Visualisierung nicht vernachlässigt

werden (CECCONI & GALANDA 2001), was bei Web-GIS-Anwendungen häufig der Fall ist.

Die Generalisierung ist bei der Internetkartografie von beachtlicher Relevanz, da somit in

einem relativ kleinen Kartenfeld Objekte besser betont werden können und folglich die

Übersichtlichkeit erhöht wird. Um den Blick des Betrachters auf die Karte zu fixieren,

muss sie sich auf möglichst wenige Aussagen beschränken und zudem ziemlich plakativ

wirken (DICKMANN 2004). Während des gesamten Entwicklungsprozesses wurden immer

wieder Befragungen von Probanten durchgeführt. Aufgrund dieser Ergebnisse konnte das

System unerwarteten Bedürfnissen zeitnah angepasst werden.

Für die im Tourismusinformationssystem verwendeten Daten werden bildhafte und symbolhafte

Signaturen 2 konstruiert. Die Verwendung hat den Vorteil, dass vor allem unerfahrene

Kartennutzer Objekte in der Karte relativ schnell erkennen.

4.2 Die Struktur der Webseite

Die Website der Kulturstiftung wurde zum damaligen Zeitpunkt gerade umstrukturiert. Es

bot sich deshalb an, das Informationssystem hier zu integrieren. Da die Karte das bedeutsamste

Objekt in der Webseite ist, wurde sie annähernd horizontal und auch vertikal zentriert.

Alle anderen Elemente gruppieren sich um die Karte. Im Internet sind interaktive

Elemente wie Navigationsleisten etc. fast ausschließlich im linken, oberen oder unteren

Bereich einer Webseite angeordnet. Die Themen wurden folglich links angeordnet, da

hiermit das Kartenbild beeinflusst werden kann. Um die Buttons der Themen von denen der

Navigationselemente optisch zu trennen, wurde sich bei der Farbwahl auf dunkle Grüntöne

beschränkt.

Die Webseite kann in zwei Bereiche eingeteilt werden: Einen, der sich durch Interaktionen

des Users ständig verändert und somit ständig einer Aktualisierung bedarf sowie einen

weiteren Bereich, der statisch ist. Die Einteilung in einen statischen und einen dynamischen

Teil ist deshalb sinnvoll, weil somit Teile des Tourismusinformationssystems nur bei dem

ersten Aufruf der Webseite geladen werden müssen.

2

Bildhafte Symbole »sind Grundriss-, Aufriss- oder Schrägbilder von Objekten in schematischer bis

individueller Darstellung« (HAKE/GRÜNREICH/MENG 2002). Verwendung finden sie beispielsweise

bei der Darstellung von Sehenswürdigkeiten.


Entwicklung einer Mapserver-Anwendung für das Dessau-Wörlitzer Gartenreich 433

Abb. 2:

Der grafische Prototyp des Tourismusinformationssystems

Realisiert wird dies durch die Verwendung von Frames. Der statische Inhalt liegt in der

Hauptseite und die dynamischen Inhalte, auf mehreren Seiten verteilt, werden in der Hauptseite

mittels Iframes 3 eingebunden.

4.3 Charakterisierung der verwendeten Software

Bei der für das Tourismusinformationssystem verwendeten Software handelt es sich um

Open Source Produkte, wie beispielsweise den Apache-Webserver und den UMN MapServer.

Open Source, der englische Ausdruck für Quelloffenheit, bezeichnet eine Software,

deren Lizenzverträge durch folgende Merkmale definiert sind: Die Software bzw. deren

Quellcode muss in einer lesbaren und zugleich verständlichen Form vorliegen und darf

beliebig oft kopiert, verbreitet, genutzt, verändert und in veränderter Form wiederum verbreitet

werden (OPEN SOURCE INITIATIVE 2005). Der Begriff Open Source steht mehr für

frei verwendbare und weniger für kostenlose Software.

Open Source Software bietet einige Vorteile: Beispielsweise kann diese Software kostenlos

erworben werden. Aufgrund reichlicher Diskussionen bezüglich der jeweiligen Software

und der damit verbundenen Verbesserung sind solche Produkte zumeist sehr stabil. Open

Source Software unterstützt auch häufig allgemeingültige Standards. So hat der UMN Map-

Server beispielsweise OGC-Standards wie die Web Mapping Server Specification (WMS)

und die Web Feature Server Specification (WFS) implementiert. Nachteile hat die Open

Source Software allerdings auch: Beispielsweise wird nur relativ wenig Support geboten,

der mitunter nur ausreichend sein kann. Weiterhin wird keine Garantie auf korrekte Funktionsfähigkeit

einer solchen Software gewährleistet, so dass die Verwendung immer mit

einem gewissen Risiko verbunden ist.

3

Iframes werden auch als eingebettete Frames bezeichnet. Mit Frames können Browser-Fenster in

mehrere Sektionen unterteilt werden, in die man unabhängige neue Dateien laden kann.


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A. Gottfried und M. Schedler

4.4 Der UMN MapServer

Der für das TIS verwendete Mapserver, der UMN MapServer, ist ein System zur Entwicklung

von Web-GIS-Anwendungen. Man darf sich hierunter allerdings kein vollständiges

GI-System wie etwa ein Desktop-GIS vorstellen. Vielmehr besteht die Hauptfunktion des

MapServers im Lesen der Geodaten verschiedener Quellen und im Zusammenfügen dieser

Daten in einem Kartenbild (MITCHELL 2005). Seinen Namen verdankt er der Institution,

an der er entwickelt wurde: Der University of Minnesota (UMN). Hier entstand unter dem

Projektnamen ForNet in Zusammenarbeit mit der NASA und dem Minnesota Department

of Natural Resources eine Anwendung, die sich rasch weltweit verbreitete.

Die einer MapServer-Anwendung zugrunde liegenden Vektordaten verfügen im Allgemeinen

über keine Layout-Informationen. Um die Darstellung dieser Daten festzulegen, bedient

man sich einer Layout- und Konfigurationsdatei, dem Mapfile. Hier können Eigenschaften

von Objekten wie Farbwerte, Maßstabsbereiche oder die jeweilige Objektart angegeben

werden. Weiterhin ist es möglich, Objekte einer Projektion zuzuordnen. Neben

diesen Möglichkeiten, Einfluss auf die Gestaltung der Geodaten zu nehmen, können mit

dem Mapfile auch weitere Kartenelemente wie Maßstabsbalken, Übersichtskarten oder

Legenden definiert werden.

4.5 PHP/MapScript

Um mit einem HTTP-Server dynamische Webseiten zu erzeugen, eigenen sich verschiedene

Programmier- bzw. Skriptsprachen wie Perl, Java, PHP u. a. (KOFLER 2006). Im Tourismusinformationssystem

wurde unter anderem für die Kommunikation mit dem MapServer

die Skriptsprache PHP verwendet. PHP ist eine weit verbreitete Open Source Skriptsprache,

die speziell für Webprogrammierung geeignet ist und in HTML eingebettet werden

kann.

Die Skriptsprache PHP kann durch relativ viele Programmbibliotheken bzw. Module erweitert

werden, womit der Funktionsumfang von PHP erheblich steigt. Für das Tourismusinformationssystem

ist das Modul MapScript von Interesse, da hiermit die gesamte Map-

Server-Funktionalität mittels PHP-Syntax angesprochen werden kann. MapScript ermöglicht

es, die Funktionalitäten und Klassen des UMN MapServers in PHP verfügbar zu machen.

4

Nach einer Aktion des Clients wird eine Anfrage (Request) an den HTTP-Server gestellt.

Der HTTP-Server erkennt, dass beispielsweise ein PHP-Dokument abgearbeitet werden

muss. Aufgrund dessen wird der PHP-Interpreter gestartet, der sogleich die PHP-

Erweiterung MapScript lädt. Somit stehen die MapServer-Funktionen zur Verfügung, die

unter anderem auf Geodaten (Raster- und Vektordaten) zugreifen. Jetzt kann durch

MapScript entweder eine Karte generiert werden oder es wird eine Abfrage durchgeführt.

Sofern eine Karte erzeugt wird, wird diese in ein Dokument eingearbeitet und zurück an

den Client geschickt (Response). Falls eine Query durchgeführt wird, muss vorerst eine

Anfrage an die Datenbank gestellt werden. Falls diese Anfrage erfolgreich war, wird das

Resultat der Datenbankabfrage in eine Datei eingebunden und zurück an den Client gesendet.

4

MapScript kann aber nicht ausschließlich nur für PHP verwendet werden. Es kann auch in Verbindung

mit anderen Programmier- bzw. Skriptsprachen wie Perl, Python und Java auftreten.


Entwicklung einer Mapserver-Anwendung für das Dessau-Wörlitzer Gartenreich 435

Abb. 3:

Client-Server-Prinzip im Tourismusinformationssystem

5 Ausblick

Die Aktualität der Geodaten und die Zufriedenheit der Nutzer des Informationssystems

stellen einen entscheidenden Faktor für den Erfolg der Webseite dar. Nutzer der Website

bzw. des Tourismusinformationssystem erwarten aktuelle Informationen, was letztlich mit

einer ständigen Aktualisierung der Daten des TIS einhergeht. Für die Pflege der Geometrieund

Sachdaten wurden der Kulturstiftung DessauWörlitz verschiedene spezifische Wege

aufgezeigt. Eine funktionelle Weiterentwicklung des Informationssystems ist hierbei nicht

geplant.

Für eine genaue Einschätzung der Bedeutung einer Website sowie zur Optimierung des

Inhalts ist es zweckmäßig, fortwährend Statistiken über das Verhalten und die Anzahl der

Besucher der jeweiligen Website anzufertigen. Hierfür stehen beispielsweise Website-

Counter, das Logfile oder Online-Fragebögen zur Verfügung.

Literatur

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Generalisierung als Element guter Internetkartographie. – In: Strobl et al. (Hrsg.)

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und Vermittlung geographischer Informationen – das Beispiel kartengestützte

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Faby, H. (2004), Individuelle Reisevorbereitung mit Internetkarten – Status quo und Potenziale.

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A. Gottfried und M. Schedler

Gottfried, A. & Schedler, M. (2005), Entwicklung einer Mapserver-Anwendung als Tourismusinformationssystem

für das Weltkulturerbe Dessau-Wörlitzer-Gartenreich. – Diplomarbeit

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Hake, G., Grünreich, D. & Meng, L. (2002), Kartographie. 8. Aufl. – De Gruyter, Berlin/

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Kofler, M. (2006), Linux. Installation, Konfiguration, Anwendung. 7. Aufl. – Addison-

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Nord/LB (Hrsg.) (2005), Kulturelle Leuchttürme in Sachsen-Anhalt.

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http://www.opensource.org/ [Stand: 22.03.2008].

Veen, J. (2001), Web Design. Konzept Gestalt Vision. 1. Aufl. – Markt+Technik, München.

Weiss, T. & Alex, R. (Hrsg.) (2001), Das Gartenreich Dessau-Wörlitz. Kulturlandschaft

Dessau-Wörlitz. 3. Aufl. – L&H, Hamburg.

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