24.03.2014 Aufrufe

LinuxUser CLOUD - Online-Storage und Social Networks (Vorschau)

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09.2011

MOD_SEC • SySTEMD • MINI-PC • REgEx • MALLARD • VIDEOChAT • CLOUD

Das Magazin für die Praxis

ONLINE-STORAgE UND SOCIAL NETwORKS

CLOUD

Private Daten-Wolke S. 42

SparkleShare: So werden Sie per Mausklick zum

eigenen Storage-Provider für Freunde und Projekte

Social Networks im Griff S. 32, 36

Schlanke Twitter-Clients für den Desktop im Praxistest,

vollen Durchblick behalten im Social-Media-Dschungel mit Gwibber

Daten sichern, synchronisieren und teilen S. 24, 30, 39

Sechs Gratis-Storage-Anbieter im Vergleich, Premium-Service Strato HiDrive,

die besten Dienste und Linux-Clients für kostenlose Web-Fotogalerien

Mallard S. 80

Dokumentation

leicht gemacht

Videochat S. 58

Skype und die

freie Konkurrenz

4 195111 005504 09

Leiser Mini-PC zum kleinen Preis S. 20

Eine AMD Fusion-APU und eine schnelle SSD machen aus

der Zbox AD02 von Zotac ein flüsterleises Media-Center

Freiheit für iPod

iPhone und Co.

Die besten Open-Source-

Alternativen zu iTunes S. 64

FONTS

Perfekte Video-DVD

mit wenigen Klicks

Mit Bombono im Nu Menüs

und Hintergründe zaubern S. 48

Systemstart in Sekundenschnelle S. 74

Das neue Init-System von Fedora, Debian und OpenSuse:

Wie Systemd mehr Schwung in den Linux-Start bringt

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editorial

Alles mobil

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

gerade erst hat das KDE-Projekt

mit Version 4.7 einen wichtigen

Schritt in Richtung mobile Geräte

gemacht [1]. In dem Umfeld tummeln

sich mittlerweile alle wichtigen

Desktop-Projekte: Ubuntu

machte mit Unity den Anfang [2],

dann kam die Gnome-Shell [3]

und nun KDE. Freie Desktops auf

Smartphone und Tablet, das hört

sich erstmal gut an, aber ist es

auch realistisch?

Es erscheint zumindest fraglich,

denn der Markt ist derzeit recht

gut aufgeteilt. So bescheinigen

Marktforscher dem Betriebssystem

Android allein bei den Smartphones

einen Marktanteil von

etwa 50 Prozent [4]. Den Rest teilen

sich RIM (Blackberry), iOS

(Apple), Windows und eine Gruppe

von weiteren Mitspielern, die

unter 5 Prozent ausmacht. Weder

der Apple- noch der RIM-Anteil

des Kuchens dürfte für freie Projekte

Potenzial bieten, und das

Android-Segment hat ein ganz

eigenes Desktop-Ökosystem.

Zudem kämpfen die Akteure hier

im Augenblick mit einem ganz anderen

Problem, denn Microsoft

spielt wie immer ein doppeltes

Spiel: Der Konzern arbeitet nicht

nur an einem eigenen System für

mobile Geräte [5], sondern verdient

auch ein hübsches Sümmchen

durch angedrohte Patentklagen

gegen die Produzenten von

Mobil geräten mit Android [6].

Hauptleidtragender ist der Hersteller

Samsung, der alleine von

den 50 Prozent Android-Geräten

ein gutes Drittel verkauft [7]. Da

geht’s um viel Geld.

Für die Hardware-Hersteller hat

sich der Einsatz von Android bislang

als teurer Spaß entpuppt,

und Google steht derzeit mit dem

Rücken zur Wand, weil es bei einigen

Patentgeschäften den Kürzeren

gezogen hat. Selbst, wenn das

Unternehmen das Blatt noch wendet,

werden die Hersteller womöglich

eine Lehre aus dem Ganzen

ziehen und sich künftig vorher genau

anschauen, was sie sich auf

die Geräte holen und wer hinter

der Software steht.

So gern ich es sehen würde, angesichts

dieser Szenarien kommen

mir Zweifel, ob die freien Projekte

auf Mobilgeräten durchstarten.

Selbst Canonical hat trotz des

finanziellen Hintergrunds von

Mark Shuttleworth mit Unity bislang

keinen Fuß in diesem Markt

in die Tür bekommen. Am Ende

wäre also womöglich viel Arbeit

umsonst getan.

Die wahren Verlierer sind derzeit

aber die Anwender, die sich einen

stabilen und komfortablen Desktop

alter Machart wünschen. Je

nachdem, wie die Distributoren

nun Gnome und KDE integrieren,

bei Unity ist die Sache klar, wartet

auf solche Anwender künftig in

vielen Fällen viel Handarbeit.

Sollten die großen Distributionen

auf die Mobile-Optik setzen,

fiele es mir außerdem schwer, einem

Einsteiger eine Empfehlung

auszusprechen. Systeme, wie PC-

LinuxOS XFCE-Edition auf der aktuellen

Heft-DVD verfolgen zwar

weiterhin das klassische Desktop-

Schema, haben aber bei Weitem

nicht so eine große Community

wie Ubuntu, OpenSuse oder

Fedora. Schlagen die einen Kurs

Richtung Mobile-Desktop ein,

könnte sich das allerdings in

Zukunft ändern. Gut, dass es freie

Alternativen gibt.

Herzliche Grüße,

Andreas Bohle

Stellv. Chefredakteur

info

1] KDE 4.7 freigegeben: „Plasma wird plattformunabhängiger“, Linux Magazin Online,

28.07.2011, http:// www. linux-magazin. de/ NEWS/ KDE-SC-4. 7-Plasma-wird

-plattformunabhaengiger

[2] Ubuntu 11.04 mit Unity: „Oberfläche mit vielen Schönheitsfehlern“,

Zdnet, 29.04.2011, http:// www. zdnet. de/ magazin/ 41552224/ ubuntu-11-04-u

nity-oberflaeche-mit-vielen-schoenheitsfehlern. htm

[3] Gnome-Shell: „Gnome 3.0 im Überblick“, Christoph Langner, LinuxUser 07/

2011, S. 30, http:// www. linux-community. de/ 23681

[4] Marktanteil Android und anderen Betriebssystemen für mobile Geräte:

http:// www. linuxfordevices. com/ c/ a/ News/ Canalys-August-1-report/

[5] Windows 8 mit neuem Interface: http:// www. golem. de/ 1106/ 83921. html

[6] Microsoft verdient an Android mit: http:// www. guardian. co. uk/ technology/ blog/

2011/ may/ 31/ microsoft-htc-licensing-response

[7] Microsoft klagt vor Gericht gegen Samsung auf Patentabgaben: http:// www.

silicon. de/ technologie/ software/ 0,39044013,41554602,00/ android_

microsoft_fordert_patentgebuehren_von_samsung. htm

www.linux-user.de 09 | 11

3


09 | 11

84

Wer reguläre Ausdrücke

meistert, dem entgehen bei

der Suche nach Zeichenketten

keine noch so exotischen Treffer.

74

Die alten Shell-Skripte, mit denen

Linux den Boot-Prozess steuert, erweisen

sich oft als Bremsklotz. Mit

dem neuen Ansatz Systemd versucht ein Entwickler

einen radikalen Neuanfang, der viele Veränderungen

mit sich bringt, dafür aber einen ordentlichen

Geschwindigkeitsschub verspricht.

Musikverwaltung von Apple

hat zwar das Design und die Arbeitsweise

von Audioplayern neu 64Die

definiert, aber viele Restriktionen und das

Fehlen einer Linux-Version machen die Suche

nach iTunes-Alternativen nötiger denn je.

heft-dvd

SchwerpuNkt

prAxIS

Scientific Linux 6.0 ....... 6

heft-dvd-Inhalt ........ 10

AktueLLeS

Neues rund um Linux .... 12

Linux, Slackware und Debian

feiern Geburtstag; KDE 4.7 mit

besserer Portabilität, Asus liefert

EeePC R011PX mit Ubuntu,

Mageia-Projekt legt Release Cycle

fest, Debian „Wheezy“ mit Multiarch,

DNSSEC und vielleicht

Hurd, Suse setzt auf Microsoft

und Mono, Ubuntu One verbessert

Konditionen

Angetestet ............. 16

Youtube-Player Heldenviewer

1.0, Netzplauderer IPChat 0.5,

Dateimanager Sunflower 0.1a-30,

Xterm-Alternative Termit 2.9.0

report

Zotac Zbox Ad02 ........ 20

Handliches Format und Fusion-

APU machen den schlanken und

günstigen Mini-PC zur idealen

Grundlage zum Beispiel für Multimedia-Projekte.

Speicher in der cloud .... 24

Wir vergleichen die kostenlosen

Angebote von Ubuntu One, Dropbox,

Teamdrive, Spideroak, Wuala

und Zumodrive.

Strato hidrive .......... 30

Strato trifft mit seinem offenen

Onlinespeicher HiDrive vor allem

den Nerv technikaffiner Anwender.

Jetzt hat der Anbieter noch

einmal nachgelegt.

twitter-clients ......... 32

Hotot und Choqok liefern solide

Basisdienste. Ein Überblick zeigt,

wer im Detail punktet.

Gwibber ............... 36

Ein leistungsfähiger Client wie

Gwibber fasst das Web 2.0 in

einem Fenster zusammen.

Bilder in der cloud ...... 39

Für die Marktführer Flickr und

Picasaweb gibt es unter Linux

passende Tools dazu.

SparkleShare. . . . . . . . . . . 42

Mit Git und SSH-Server setzen

Sie in der Cloud oder dem lokalen

Netz einen sicheren Hafen für private

und geteilte Daten auf.

Bombono dvd .......... 48

DVDs mit Menüs zu zaubern, ist

mit Bombono kein Problem: Auch

ohne Vorkenntnisse erstellen Sie

anspruchsvolle DVD-Menüs mit

Wiedererkennungswert.

Zoneminder ............ 52

Videoüberwachungsanlagen

waren bis vor einigen Jahren

eine kostspielige und aufwändig

zu ins tallierende Angelegenheit.

Dank Linux und freier Software

können Sie jedoch inzwischen

mit wenig Geld und geringem

Aufwand eine professionelle

Videoüberwachung aufbauen.

videoconferencing ...... 58

Geht es um Videokonferenzen

übers Internet, denken viele zuerst

an Skype. Wir suchen nach

freien Alternativen.

itunes-Alternativen ..... 64

Mit iTunes bietet Apple zwar ein

komfortables Werkzeug zum Verwalten

der Musiksammlung für

iPod, iPhone und iPad an – aber

nur für Mac OS X und Windows.

Gut, dass es für Linux freie Alternativen

gibt.

4 09 | 11

www.linux-user.de


heft-dvds

Auf den Heft-DVDs dieser Ausgabe befindet

sich ausschließlich Anwendungssoftware.

Die Datenträger enthalten keine jugendgefährdenden

Inhalte.

digitale Leben

findet heute ausschließlich

im Netz statt: Kommunikation, Dateien teilen und

24Das

sichern, für alle Bedürfnisse findet sich in der Cloud der passende Dienst.

Im Schwerpunkt testen wir Social-Networking-Clients, nehmen kostenlose

und kostenpflichtige Online-Speicher für Bilder und andere Daten unter die

Lupe und zeigen, wie Sie mit Bordmitteln eine private Wolke aufziehen.

Auf der heft-dvd:

PCLinuxOS Phoenix

XFCE­Edition liefert

Ihnen einen Desktop

in klassischer Machart

– sicher, extrem

stabil und flott dazu.

NetZ&SyStem

Apache mod_security .... 70

Das Apache-Modul Mod_security

legt sich als Web Application Level

Firewall zwischen Server und

Browser, um Angriffe frühzeitig

zu erkennen und abzuwehren.

Systemd ............... 74

Einschalten, loslegen – mit

Systemd versucht ein Entwickler

die Revolution im Boot-Prozess.

Ob der Turbo aber wirklich zündet,

steht noch in den Sternen.

kNow-how

mallard ................ 80

Das schlanke XML-Format macht

es Dokumentationsmuffeln

schwer, der eigenen Software

kein ordentliches Handbuch zu

verpassen.

reguläre Ausdrücke ..... 84

Computer erleichtern die Arbeit –

man muss ihnen nur genau sagen,

was sie tun sollen. Mit regulären

Ausdrücken beschleunigen Sie

das Suchen und Ersetzen von Zeichenketten

auf elegante Art.

ServIce

editorial ................ 3

It-profimarkt .......... 90

Impressum ............. 97

vorschau 10/2011 ....... 98

Einfach zu installieren und

kinderleicht zu bedienen:

Pardus 2011.01 erleichtert

den Einstieg in die Linux­

Welt mit durchdachter

Auswahl und intelligenten

Konfigurationstools.

Tonstudio, Video­

schnittplatz und Bildbearbeitungsstation:

Mit ArtistX 1.1

verwandelt sich der

PC schlagartig in einen

wahren Multimedia­Allrounder,

der darüber hinaus

noch alltagstaugliche

Software mitbringt.

In den Labors von CERN

und Fermilab enstand mit

Scientific Linux 6.0 ein auf

Stabilität optimiertes System

mit einem sagenhaften

Updatezyklus.

Lesen Sie mehr ab Seite 6.

20

Ob simpler Netzwerk-Client, Alltags-

Rechner oder Multimedia-Zentrale – der

Mini-PC Zotac Zbox AD02 liefert dank

Fusion-APU eine gute Performance bei sparsamem

Verbrauch und niedrigem Geräuschpegel.

Linuxuser dvd-edition

hinweis: Haben Sie die DVD­Edition dieser Ausgabe erworben,

finden Sie auf Seite 10 wei tere Informationen zu

den Programmen auf den beiden Datenträgern. Haben Sie

dagegen die güns tigere No­Media­Ausgabe erstanden,

enthält dieses Heft keine Datenträger.

www.linux-user.de

12 | 10 5


heft-dvd

Scientific Linux 6.0

Wissenschaftliches Linux

mit Enterprise-Qualitäten

Robustes

Arbeitsmittel

Statt Sie mit wechselnden Konzepten abzulenken, verspricht Scientific Linux solide Tools und gut

eingespielte Abläufe. Wir zeigen, wie Sie dem Arbeitstier den letzten Schliff verpassen. Erik Bärwaldt

© Mailsparky, sxc.hu

Scientific Linux 6.0

(installierbare Live-DVD,

32+64 Bit)

auf Heft-DVD 1

ReAdMe

Experimentelle Linux-

Distributionen sind oft

nicht vollständig für den

produktiven Einsatz vorbereitet.

Mit dem auf

Red Hat Enterprise

Linux basierenden

Scien tific Linux dagegen

erleben Sie keine Überraschungen

und haben

– bei richtigem Umgang

– eine solide Grundlage

für die Arbeit der kommenden

Jahre.

Linux gilt als das dynamischste

Betriebssystem – mit entsprechend

kurzen Versionszyklen. Bei

Distributionen wie Ubuntu, Fedora,

OpenSuse erscheinen oftmals

im halbjährlichen Rhythmus neue

Releases. Doch was experimentierfreudige

Naturen entzückt,

nervt konservative Anwender

und Administratoren: Sie wollen

oder können nicht im gleichen

Staccato den Wechsel mitmachen.

Als Alternativen kommen über

längere Zeiträume gepflegte Distributionen

infrage, die jedoch oft

als sogenannte Enterprise-Varianten

für den Einsatz im Unternehmen

gedacht sind und dementsprechend

kosten. Vorreiter

auf diesem Gebiet ist der US-Hersteller

Red Hat. Aus Red Hat

Enterprise Linux (RHEL) sind inzwischen

mehrere Derivate entstanden,

welche die hervorragende

Qualität des Originals sowie

die langen Versionszyklen übernommen

haben, jedoch kostenfrei

bereitstehen.

In diese Kategorie fällt das hauptsächlich

am Fermilab in den USA

und am CERN in der Schweiz gemeinsam

entwickelte Scientific

Linux, das die Mitarbeiter in diesen

renommierten Institutionen

einsetzen. Scientific Linux ist

kürzlich in der Version 6.0 erschienen

und lehnt sich damit an

die Nummerierung von Red Hat

Enterprise Linux an.

Auf die Platte

Das Scientific-Projekt stellt Distributionsabbilder

für CD und

DVD in Installations- und Live-

Varianten für 32- und 64-Bit-

Rechner online [1] bereit. Die installierbare

Live-DVD-Variante

finden Sie auch auf der Heft-DVD

dieser Ausgabe. Nach dem Download

des ISO-Images und dem

Brennen des Mediums bietet die

Distribution in einem übersichtlichen

Legacy-Grub-Startmenü die

üblichen Optionen. Beim Test mit

der Installations-DVD zeigten

sich beim Durchlauf der von Fedora

her bekannten Routine keine

Schwächen beim Erkennen der

verbauten Hardware.

Nach dem erneuten Warmstart

begrüßt Sie das System schließlich

mit einem recht dunkel gehaltenen

Theme, das jedoch keinerlei

optische Gimmicks wie verschobene

Knöpfe in der Fensterleiste

oder unergonomisch dunkle

Menü-Hintergründe aufweist

(Abbildung A, folgende Seite).

Der Gnome-Desktop in Version

2.28.2 bereitet keine Überraschungen.

Ein Blick ins Menü Anwendungen

fördert solide Hausmannskost

zutage: OpenOffice

ist in Version 3.2.1 vertreten,

Firefox in der bereits nicht mehr

ganz aktuellen Version 3.6.9. Der

Bildbearbeitungsbolide Gimp

fehlt, als Bildbetrachter ist

Gthumb mit von der Partie.

Im Menü Unterhaltungsmedien

fällt die Auswahl recht spartanisch

aus: Hier finden sich weder

der unter Linux allgemein beliebte

Mplayer noch Xine. Die Aus-

6 09 | 11

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heft-dvd

Scientific Linux 6.0

A Scientific Linux

mit diversen geöffneten

Programmen.

B Zahlreiche zusätzliche

Repositories bieten

Ihnen eine große

Auswahl an Software.

wahl der Mediaplayer beschränkt

sich stattdessen weitgehend auf

den Gnome-Fundus, mit Rhythmbox

für Audiodateien und Totem

für Videostreams.

Auch sonst konzentriert sich die

Auswahl der Software auf das Nötigste,

was jedoch kein Nachteil

ist: Scientific Linux bietet durch

die Kompatibilität zu RHEL die

Möglichkeit, dessen Repositories

ebenso zu nutzen wie die von

Drittanbietern, und zwar zusätzlich

zu den Scientific-eigenen. Somit

installieren Sie so gut wie

jede benötigte Software bei Bedarf

problemlos über das Paketmanagement

nach.

Stabil und langlebig

Scientific Linux profitiert vom

Konzept des Enterprise Linux,

das sich durch lange Lebenszyklen

und sorgfältige Pflege der

Programme auszeichnet. So findet

sich auf der Website des Projektes

als Schlusspunkt für den

Support der aktuellen Version 6.0

derzeit der 11. November 2014.

Da während dieses langen Zeitraums

neben permanenten Sicherheitsaktualisierungen

auch

Fehlerbereinigungen in den Fundus

einfließen, verfügen Sie über

ein zwar nicht tagesaktuelles, dafür

aber äußerst stabiles und gut

getestetes Produkt.

Hinzu kommt, dass spezielle

Applikationen, die ausschließlich

für Enterprise-Distributionen

zertifiziert sind und mit Community-Varianten

nur teilweise oder

gar nicht funktionieren, für

Scien tific Linux keine Hürde darstellen

– dank der Kompatibilität

zum Produkt von Red Hat. Durch

die vielen Repositories und den

Paketmanager Yum mitsamt grafischem

Frontend finden Sie bei

Scientific Linux selbst für ausgefallene

Aufgaben meist das passende

Programm und installieren

es in der Regel mit einem Klick

(Abbildung B).

Durch den Fokus auf den professionellen

Einsatz sind multimediale

Programme in der Standard-Installation

sehr dünn gesät.

Zudem packt das

Setup kaum entsprechende

Codecs mit auf

die Platte, sodass selbst

das Abspielen einer

MP3-Datei unter

Rhythmbox zunächst

eine Nachinstallation

erfordert.

Um Zugriff auf einen

ausreichenden Bestand

an Zusatzprogrammen

zu haben, binden Sie

daher zunächst die Repositories

EPEL [2] und

Rpmforge [3] in das

System ein. Das erledigen

Sie ganz einfach per

Kommandozeile: Geben

Sie im Terminal als User

root bei bestehender Internet-Verbindung

die

folgenden Befehle ein:

# yum install yum‐conf‐elrepo. noU

arch

# yum install yum‐conf‐rpmforge

Danach ziehen Sie Encoder wie

Lame oder Ffmpeg über GPK

nach, den Sie im Menü System |

Administration unter dem Eintrag

Software hinzufügen/ entfernen finden.

Das Bildbearbeitungsprogramm

Gimp installieren Sie in

gleicher Weise. Um Ihr System

für Flash fit zu machen, aktivieren

Sie zudem das Adobe-Repository

[4]. Über Version auswählen…

und die Option YUM for Linux

(YUM) gelangen Sie zur richtigen

Variante für Scientific Linux.

Sofern Ihr System Komponenten

enthält, die mit proprietären

Treibern unter Linux einen grö-

info

[1] Download-Seite der Distribution:

http:// www. scientificlinux. org/ download/

[2] EPEL: http:// fedoraproject. org/ wiki/ EPEL

[3] Rpmforge: http:// rpmrepo. org/ RPMforge

[4] Adobe-Repository für den Flashplayer:

http:// get. adobe. com/ de/ flashplayer/

[5] Repository Rpmfusion einrichten:

http:// rpmfusion. org/ Configuration

[6] Tweak-RPM: http:// www. scientificlinux. org/

distributions/ 6x/ 60/ tweaks

8 09 | 11

www.linux-user.de


Scientific Linux 6.0

heft-dvd

ßeren Funktionsumfang aufweisen

als mit freien Treibern (beispielsweise

einige Grafik- oder

WLAN-Karten), sollten Sie das

Fusion-Repository [5] aktivieren.

Trotz eines ausgereiften und

sorgfältig getesteten Desktops

kommt es vor, dass Sie unter Umständen

bestimmte Funktionen

vermissen, die sich in keinem Repository

finden. Um diesem Manko

abzuhelfen, stellen die Entwickler

von Scientific Tweak-

RPMs bereit, die häufig angefragte

Features beinhalten [6].

Sites und Spins

Analog zu den bei Fedora „Spin“

genannten speziell angepassten

Betriebssystemvarianten gab es

bislang bei Scientific Linux sogenannte

„Sites“. Die beim CERN

eingesetzte SL-Variante hörte beispielsweise

vor Version 6.0 auf den

etwas sperrigen Namen „Scientific

Linux CERN“. Mit der Version 6.0

übernahmen die Maintainer die

Namen von Fedora.

Dieser Schritt bietet die Möglichkeit,

eigene Spin-Distribution

auf Basis von Scientific Linux 6

zusammenzustellen. Dazu liefern

die Entwickler ab Werk die Programme

Livecd-tools, Liveusbcreator

und Revisor mit, die Sie

problemlos entweder per Kommandozeile

oder über den grafischen

Paketmanager installieren

(Abbildung C).

Fazit

Mit Scientific Linux 6.0 erhalten

Sie einen extremen Marathonläufer,

der die Support-Zeiträume

selbst der LTS-Varianten von

Ubuntu locker übertrifft. Ein weiterer

Vorteil des Systems besteht

in der Basis des Enterprise Linux

von Red Hat, das gemeinhin als

eines der stabilsten Linux-Systeme

zählt. Zwar müssen Sie daher

bei Scientific Linux auf brandaktuelle

Programme verzichten, erhalten

dafür jedoch ein enorm zuverlässiges

System, das sich gleichermaßen

für Desktop und Server

eignet. Zudem erfreut die Integration

von Open AFS, einem

von IBM entwickelten verteilten

Dateisystem, das NFS technologisch

bei Weitem überflügelt. Für

Anwender, die ein Linux ohne

Schnickschnack suchen, ist Scientific

Linux daher auf jeden Fall einen

Blick wert. (agr) n

C Mit ein paar Mausklicks

erstellen Sie

eine eigene Variante

von Scientific Linux.

1. Lernen Sie!

Ja, ã training-on-the-jobÒ , oft praktiziert, aber nicht

Ÿ berzeugend. Denn die Kollegen haben nie Zeit

fŸ r echte ErklŠ rungen, au§ erdem werden ã NeueÒ

sofort von dem vereinnahmt, was im Unternehmen

schon seit Ewigkeiten tradiert wird. Warum gibt's

seit 2000 Jahren Schulen und UniversitŠ ten?

ã LERNENÒ ist eine vollwertige TŠ tigkeit, auf die

man sich konzentrieren mu§ , die man nicht 'mal

eben so nebenbei tun kann, und die immer auch

eine Prise ã ErneuerungÒ beinhalten sollte!

2. Ineffiziente Arbeit nicht akzeptieren!

Je spezialisierter Sie arbeiten, desto weniger

echte, fachliche Kollegen haben Sie in Ihrem eigenen

Unternehmen. Wir stellen deshalb Gruppen

zusammen, in denen Sie neben hilfsbereiten

Kollegen mit Š hnlichen Kenntnissen an IHREM

Projekt arbeiten. Und stŠ ndig ist ein fachlicher Berater

anwesend.

ã Guided CoworkingÒ nennen wir das, und es

kš nnte DIE Lš sung fŸ r so manches Projekt sein,

das in Ihrer Firma ã haktÒ .

3. Hintergrund

Wer den riesigen OpenSource-Baukasten schnell

beherrschen mu§ , geht zu einer unserer Ÿ ber 100

Schulungen. Wer das bereits kann, aber schneller

mit seinen Projekten vorankommen will, der

kommt mit seiner Arbeit zum Guided Coworking.

Wir sind eine der erfolgreichsten Schulungseinrichtungen

im gesamten Bereich ã OpenSourceÒ

- sowohl fŸ r Admins, als auch fŸ r Entwickler.

Siehe www.linuxhotel.de

www.linux-user.de

09 | 11 9


Heft-DVD

DVD-Inhalt

Neues auf

den Heft-DVDs

Wer statt schicker, jedoch

kaum zu bedienender Knöp­

fe und Widgets nach einem

stabilen und ausgereiften

Desktop sucht, für den servieren

wir in dieser Ausgabe einen

Leckerbissen direkt aus den Laboren

der weltbekannten Forschungszentren

CERN und Fermilab: Spitzenwissen­

schaftler und deren Hilfskräfte arbeiten

dort schon seit Jahren an einer

Distribution, die dem Anspruch der

Forscher genügt. Scientific Linux 6.0

basiert auf Red Hat Linux Enterprise

und verspricht vor allem eines:

Langlebigkeit und Geradlinigkeit.

Das Angebot an Software in der Standardinstallation

wirkt ein wenig altbacken.

Das gehört aber zum Konzept des Systems,

das so verhindert, dass die Ergebnisse

jahrelanger Arbeit mit einer

wackligen Applikation ins Nirwana

wandern. Wem essenzielle Tools

für die tägliche Arbeit fehlen, dem

hilft unser Artikel ab Seite 6 in

dieser Ausgabe weiter. Hier erfahren

Sie, wie Sie mit wenigen

Handgriffen die Softwarequellen

des Systems so erweitern, dass alle

wichtigen Programme nur noch ei­

nen Mausklick entfernt liegen.

Sie finden die 32­Bit­Version auf Sei­

te A der Heft­DVD 1. Diese Version erlaubt

– ebenso wie die 64­Bit­Version auf Sei­

te

B – das Testen im Live­Betrieb sowie

das Installieren auf eine Festplatte.

Den Prinzipien Stabilität und Einfachheit

hat sich die türkische Distribution

Pardus 2011.1 verschrieben.

Bei dem System handelt es sich um

eine Eigenentwicklung der Landesre­

gierung, die primär das Ziel verfolgt,

eine vollständige Lokalisation in

der Nationalsprache zu bieten.

Daneben bringt Pardus

aber auch eine deutsche

Lokalisierung mit. Zu

den Aufgaben des Projektes

gehört es, die Installation und den Betrieb so

einfach wie möglich zu gestalten. Eine gelungene

Vorauswahl der Software macht es dabei leicht, sich

im System zu orientieren, ohne sich im Dschungel

der Applikationen zu verlieren.

Möchten Sie Pardus erst einmal ausprobieren, greifen

Sie zur Heft­DVD 1, Seite A. Über Boot­Menü

starten Sie die 32­Bit­Version im Live­Betrieb. Hier

überzeugen Sie sich mit wenigen Klicks, dass die Distribution

mit KDE SC 4.6.5, Kernel 2.6.37.6, Libre­

Office 3.4.1.3 sowie Firefox 5.0 durchaus auf einem

vernünftigen Stand ist. Die 64­Bit­Version von Seite

B der ersten Heft­DVD bietet Ihnen die Möglichkeit

zur Installation des Systems.

Ganz im Sinne der Unix­Philosophie, die ein System

als einen Baukasten aus kleinen, flexiblen und

modular kombinierbaren Tools sieht, haben die Entwickler

PCLinuxOS Phoenix XFCE Edition 2011-07

aufgelegt. Grundlage bildet ein aktuelles XFCE 4.8,

das – frei von unnötigem Ballast – ein ablenkungsfreies

Arbeiten verspricht. Unter dieser Oberfläche

arbeitet ein Kernel 2.6.38.8, der Support für aktuelle

Hardware verspricht. Die Version von Seite A der

Heft­DVD 1 erlaubt sowohl das Testen im Live­Betrieb

als auch die Installation auf einem System.

Als bekannte Größe gesellt sich in dieser Ausgabe

Kubuntu 10.04.3 zu den Distributionen, die Sie auf

der Heft­DVD finden. Das Ubuntu­Derivat basiert

auf der aktuellen Long Term Edition, die gemäß

Canonical besonders lange Updates erhält und sich

somit ideal für ein Produktivsystem eignet. Hatten

wir in der Vergangenheit vor allem Besitzer von

32­Bit­Systemen bedient, kommt mit der vorliegenden

Version die 64­Bit­Variante zum Zuge. Die auf

dem Datenträger integrierte Distribution erlaubt das

Testen im Live­System sowie die Installation.

Mit ArtistX 1.1 klappen wir zum Abschluss noch

den Werkzeugkasten für alle Künstler auf: Das schicke

Linux­System vereint zahlreiche Tools aus dem

2D­ und 3D­Bereich, bringt Audio­ und Video­Programme

mit und kombiniert die gesamte Software

unter einer ästhetischen Oberfläche, die es auch anspruchsvollen

Nutzern einfach macht, sich ein Arbeitstier

wie Linux auf ihrem Rechner zu installieren.

Das aktuelle Release basiert auf Ubuntu 11.04 „Natty

Narwhal“ und bringt insgesamt 2500 Softwarepakete

mit – neben Anwendungen für Kreative also

auch Programme für die tägliche Arbeit. (agr) n

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09 | 11

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Aktuelles

Neues rund um Linux

kurz notiert

Am 22. Juli hat Linus Torvalds

den Kernel 3.0 freigegeben und

damit einen neuen Linux-Versionszweig

eröffnet. Das Release

bringt neben Treiber-Updates

auch Neuerungen wie Wake on

WLAN für den 802.11-Stack sowie

Funktionserweiterungen für

die Dateisysteme Ext4 und Btrfs

mit (http:// kernelnewbies. org/

LinuxChanges).

Bereits mit dem neuen Kernel

3.0 tritt die Utility-Distribution

Parted Magic 6.4 zum Partitionieren

und zur Datenrettung an

(http:// partedmagic. com). Zu

den weiteren Neuerungen zählen

Gparted 0.9.0, Clonezilla 1.2.9-19

und Firefox 5.0.

Oracles Virtualbox 4.1 bringt eine

ganze Reihe neuer Wizards mit,

etwa für das Einrichten und Kopieren

virtueller Laufwerke. Ein

experimenteller Treiber ermöglicht

Windows-Gästen das Darstellen

der Aero-Oberfläche und

Direct3D-Support, Linux-Hosts

bekommen eine ebenfalls experimentelle

Option für PCI-Passthrough

(http:// tinyurl. com/

lu1109-vbox). ÇDVD

Für die Rolling-Release-Distribution

Linux Mint Debian Edition

gibt es jetzt „Update Packs“, die

die Updates einfacher und nachvollziehbarer

machen sollen.

Das Repository Linux Mint Debian

Latest bietet einmal im Monat einen

aktuellen und getesteten

Stand der Pakete (http:// blog.

linuxmint. com/ ? p=1781).

Fast die Hälfte der in den letzten

drei Monaten weltweit ausgelieferten

103 Millionen Smartphones

(46,6 Prozent) arbeiten

mit Android. Gut ein Drittel (34

Prozent) davon stammen von

Samsung, fanden die Forscher

von Abi Research heraus (http://

tinyurl. com/ lu1109-abi).

Mageia-Projekt legt Release Cycle für die Distribution fest

In der Nachbereitung des ersten

Releases des Mandriva-

Community-Forks Mageia hat

sich das Projekt nach

eingehenden Beratungen

auf einen

künftigen Release-

Zyklus von 9 Monaten festgelegt

(http:// tinyurl. com/

lu1109-mageia). Nach Alphas

im November und Dezember

2011 und Betas in den beiden

Folgemonaten soll Mageia 2

nach derzeitigem Stand am

4. April 2012 erscheinen. Wie

alle künftigen Mageia-Versionen

wollen es die Entwickler

für die Dauer von 18 Monaten

unterstützen. Als mittelfristiges

Ziel will das Projekt später

alle 18 Monate eine LTS-Version

(Long Term Support) veröffentlichen,

die 3 Jahre Support

erhält. Dies machen die

Ubuntu One verbessert Konditionen

Canonicals Cloud-Lösung

Ubuntu One feierte Ende Juli

den Meilenstein von 1 Million

Anwendern, wobei man offenließ,

wie viele davon das Gratis-Angebot

nutzen und wie

viele die kostenpflichtigen Varianten

(http:// tinyurl. com/

lu1109-uone). Quasi zur Feier

des Tages verbessert das Projekt

die Nutzungsbedingungen:

Ubuntu One Basic heißt nun

Ubuntu One Free, statt wie bislang

nur 2 GByte Speicherplatz

stehen jetzt 5 GByte kostenlos

zur Verfügung. Auch die Bedingungen

für das kostenpflichtige

Musik-Streaming für iPhones

KDE 4.7: Neue Funktionen und bessere Portabilität

Mit Version 4.7 des Plasma-

Desktops und der Plasma-Netbook-Workspaces

versprechen

die KDE-Entwickler einen großen

Schritt in Richtung Touchscreens

und mobile Geräte. Die

Portierbarkeit ist den Arbeiten

am Window-Manager Kwin zu

verdanken. Er kommt nun mit

Hardware zurecht, die OpenGL

ES 2.0 unterstützt. Der Einsatz

neuer Qt-Technologien

wie Qt Quick (kurz für „Qt

Quick UI creation kit“) tut für

die Portierbarkeit auf kleinere

Bildschirme ein Übriges. Die

Entwickler haben KDE 4.7

aber nicht nur an vielen Stellen

aufpoliert und mit neuen

Features erweitert, sondern

auch rund 2000 Bugreports

abgearbeitet. Ganz neu, aber

Der Plasma-Desktop des neuen KDE 4.7 samt Anwendungen (Bild: KDE).

Entwickler aber davon abhängig,

ob und wie sie mit der

Pflege der laufenden Releases

hinterherkommen. Das wollen

sie vor der Veröffentlichung

von Mageia 2 noch einmal

gründlich prüfen. Wie das Projekt

auf Nachfrage wissen ließ,

hängt die Leistungsfähigkeit

beim Support nicht zuletzt von

der Bereitschaft der Community

zur Mitarbeit ab. (jlu)

und Android-Handys verbessert

Canonical: Zum alten Preis von

3,99 US-Dollar monatlich gibt

es jetzt 20 GByte Speicherplatz

inklusive. Einen ausführlichen

Vergleich von Ubuntu One mit

fünf anderen Storage-Anbietern

lesen Sie in dieser Ausgabe ab

Seite 24. (jlu)

noch separat zu installieren,

ist die Instant-Messaging-Lösung

Telepathy für KDE, die

bislang als Technologievorschau

gilt. Die Groupware

Kontact etwa basiert nahezu

vollständig auf Akonadi. Insbesondere

KMail 2.0 arbeitet unter

der Haube die Postverwaltung

komplett mit dem Framework

ab. Dolphin sorgt mit einer

versteckten Menüleiste

für mehr Platz im Fenster,

Marble unterstützt Sprachausgaben

und bringt neben

einem Assistenten zur Kartenerstellung

zahlreiche neue

Plugins mit. Digikam 2.0 beherrscht

nun Gesichtserkennung,

die Versionierung von

Bildern, Geotagging und vieles

mehr. Details finden Sie

im Announcement auf der

Webseite http:// kde. org/

announcements/ 4. 7/. (uba)

12

09 | 11

Das Neueste rund um Linux, aktuelle Kurztests und Artikel aus

LinuxUser finden Sie täglich auf www.linux-community.de


Alle Anwender, Beitragende und Freunde

von openSUSE und Freier Software sind

herzlich eingeladen zur:

Conference 2011

Interactivity, Creativity, Fun

®

Präsentationen

BoF Sessions

Workshops

Hackfests

Die Konferenz ist frei und offen für jeden,

so wie es openSUSE ist.

http://conference.opensuse.org

11. - 14. September

Nuremberg | Germany


Aktuelles

Neues rund um Linux

Asus liefert sein neues

Einsteiger-Netbook EeePC

R011PX mit vorinstalliertem

Ubuntu 10.10 „Maverick“ aus.

Asus liefert EeePC R011PX mit Ubuntu

Asus erweitert seine EeePC-Serie

um das Modell R011PX mit

vorinstallierter Ubuntu Desktop

Edition 10.10 „Maverick“.

Das mit 1250 Gramm relativ

schwergewich-

tige Netbook basiert auf einem

Single-Core-Atom von Intel

(N455, 1,66 GHz) mit NM10-

Chipsatz und integrierter

GMA-3150-Grafik, die ein

hochglänzendes 10,1-Zoll-Display

mit einer Auflösung von

1024x600 Pixeln ansteuert.

Der ab Werk

verbaute DDR3-Arbeitsspeicher

von

2 GByte lässt sich

nicht erweitern, als

Massenspeicher hat

Asus dem Gerät eine

S-ATA-Festplatte mit

320 GByte Kapazität

spendiert. Der dreizellige

Lithium-Ionen-

Akku (4.200 mAh,

40 Watt) weist laut Hersteller

genügend Power für

rund vier Stunden Büroarbeit

oder Surfvergnügen auf. Die

Verbindung mit dem Netzwerk

nimmt das Netbook wahlweise

via 10/ 100-Mbit/ s-Ethernet

oder WLAN (802.11b/ g/ n) auf.

Die Multimedia-Ausstattung

des Gerätes umfasst zum einen

eine 0,3-Megapixel-Webcam

sowie integrierte Stereo-Lautsprecher

und ein Mikrofon, daneben

finden sich Klinkenstecker

für Audio-In/ Out. Außerdem

bringt der R011X drei

USB-2.0-Ports, einen MMC/

SDHC-Cardreader sowie einen

VGA-Ausgang mit. Sie finden

das 26,2x17,8 Zentimeter große

und zwischen 25,9 und 36,5

mm hohe Netbook ab sofort

im Handel. Als Gehäusefarben

stehen Mattschwarz und Mattweiß

zur Auswahl, der empfohlene

Verkaufspreis des Asus

EeePC R011X beläuft sich auf

199 Euro. Asus verspricht zwei

Jahre Garantie inklusive Pick-

Up- und Return-Service. (jlu)

kurz notiert

Mit Timeit 1.0 erfassen Sie, wie

viel Zeit Sie in virtuellen Arbeitsflächen

verbringen und ordnen

die Zeiten einzelnen Projekten

zu. Daneben registriert die Software

Phasen ohne Aktionen. Die

Protokolle lassen sich bearbeiten

sowie nach Zeitabschnitten

gruppieren (https:// launchpad.

net/ timeit). ÇDVD

Die Forscher des in Genf beheimateten

CERN wollen mit der

Open Hardware Licence 1.1

(OHL, http:// tinyurl. com/

lu1109-ohl) den rechtlichen

Rahmen zum Wissensaustausch

rund um elektronische Entwicklungen

liefern. Die OHL soll Gebrauch,

Kopien und Weiterverteilung

von Dokumentationen und

darin enthaltenen Daten regeln.

Der KDE-Entwickler Klaas Freitag

hat sein innovatives Präsentationsprogramm

Zippl in Open-

Suse-Pakete gegossen (http://

tinyurl. com/ lu1109-zippl). Zippl

bewegt mithilfe von QGraphics-

View einen Bildausschnitt über

eine Leinwand, auf der sich die

Elemente befinden.

Geburtstage: Linux, Slackware, Debian

Der Linux-Kernel feiert dieser

Tage seinen 20. Geburtstag,

obwohl das genaue Datum der

Niederkunft im Jahr 1991

umstritten ist. Infrage kämen

der 3. Juli, als Linus Torvalds

das Projekt erstmals in einem

Posting erwähnte, ohne das

Kind zu benennen; der 25. August

als Tag der ersten Namensnennung,

der 17. September

als Tag der 0.01-Release

(allerdings für eine geschlossene

Benutzergruppe)

und der 5. Oktober, an dem

das erste öffentliche Release

0.02 erschien. Linus selbst bevorzugt

als Geburtsdatum die

Termine im August und September,

die er beide für valide

hält – das Release von Version

0.01 im September 1991

habe allerdings kaum jemand

mitbekommen (http:// tinyurl.

com/ lu1109-geburt).

Somit darf der 25. August

quasi als offizieller Geburtstag

des freien Betriebssystems

gelten. In die Schar der Gratulanten

reihte sich schon vorab

auch Microsoft ein: Zum 20.

Geburtstag von Linux stellte

Microsoft bei der Linux Foundation

ein Glückwunsch-Video

ein (http:// video. linux. com/

video/ 2127). Das ist so nett

und offenherzig gemacht, dass

man Microsoft schon fast

sympathisch finden könnte –

gäbe es da nicht die nach wie

vor ungelösten Differenzen

wie vage Patentansprüche und

knallharten Anti-Linux-Lobbyismus

aus Redmond.

Naturgemäß etwas jünger als

der Kernel konnte dieser Tage

die älteste noch existierende

Linux-Distribution Geburtstag

feiern und wurde „volljährig“:

Vor 18 Jahren erschien

am 16. Juli 1993 auf 24 Disketten

Slackware 1.0. Während

Zeitgenossen wie SLS

und Yggdrasil zwischenzeitlich

ausstarben, erfreut sich

Slackware unter Projektleiter

Patrick Volkerding weiter bester

Gesundheit und hat inzwischen

zahlreiche Nachfahren,

darunter Suse, Salix, Slax,

Vectorlinux und Zenwalk.

Die Position der ältesten

noch existierenden Linux-Distribution

knapp verpasst hat

ein anderes Projekt, das dieser

Tage ebenfalls den 18. Geburtstag

feiert: Am 16. August

1993 kündigte Ian Murdock

das „Debian Linux Release“

an, damals noch ohne explizites

„GNU“ im Namen (http://

tinyurl. com/ lu1109-debian).

Das erste Release verteilte er

dann Anfang September 1993

an Auserwählte zum Test. (jlu)

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09 | 11

Das Neueste rund um Linux, aktuelle Kurztests und Artikel aus

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Multiarch, DNSSEC und vielleicht Hurd

Auf der Debian-Konferenz im

Juli in Bosnien hat das Release-Team

der Distribution

(http:// release. debian. org)

die Ziele für die kommende

Version 7.0 „Wheezy“ festgelegt.

In gemeinsamen Sitzungen

mit den Teams FTP-Master,

Debian Installer und

Kernel stimmten die Entwickler

wichtige technische

Features ab. In „Wheezy“ soll

Debian erstmals mehrere Architekturen

auf einem System

unterstützen, also beispielsweise

das Ausführen

von 32-Bit-Anwendungen

auf einem 64-Bit-System ermöglichen.

Als weitere Architekturen

sind neue ARM-

CPUs (armhf), PowerPC 64,

SPARC 64 und S390 geplant,

Sub-Architekturen wie i686

will man weiter optimieren.

Debian 7 soll GNU/ kFreeBSD

als vollwertigen Debian-Port

mit 95 Prozent der Pakete

enthalten sowie wahrscheinlich

GNU/ Hurd als „Technology

Preview“. Daneben

möchten die Entwickler

Debians Unterstützung für

SE Linux und DNSSEC auf

einen brauchbaren Stand

bringen. Als weitere technische

Eckdaten nennt

Release-Manager Neil

McGovern Ext3 oder Ext4 als

Standard-Dateisystem sowie

Grub 2 als Bootloader. Wie

auch Fedora möchte Debian

das Systemverzeichnis /var/

run durch /run ersetzen, um

dort frühzeitig beim Systemstart

Laufzeitdaten zu speichern.

(mhu)

Suse setzt weiter auf Microsoft und Mono

Die Attachmate-Tochter Suse

und Microsoft haben das

2006 noch mit dem damaligen

Suse-Eigner Novell geschlossene

Kooperationsabkommen

um weitere vier

Jahre bis zum 1. Januar 2016

verlängert (http:// tinyurl.

com/ lu1109-ms-suse). Im

Rahmen der neuen Runde

wird Microsoft weitere 100

Millionen US-Dollar in Zertifikate

für Suse-Linux-Enterprise-Produkte

investieren.

Bereits während der ersten

Runde der Kooperation haben

die beiden Unternehmen

„mehr als 725 Kunden“ für

das gemeinsame Angebot gewonnen.

Dieses ist in der

Open-Source-Welt äußerst

umstritten, weil eine Schutzklausel

des Kooperationsvertrages

Suse-Kunden von

Patentansprüchen seitens

Microsoft freistellt. Dies betrachten

viele Vertreter der

freien Software als implizite

Anerkennung dieser von

Microsoft zwar erhobenen,

aber nie nachgewiesenen Patentansprüche

gegen Linux.

Ebenfalls für Stirnrunzeln

dürfte in diesen Kreisen ein

neues Abkommen zwischen

Suse und Xamarin sorgen,

dem Startup von Mono-Protagonisten

Miguel de Icaza.

Darin erhält Xamarin eine

unbefristete Lizenz zum

Nutzen des „geistigen Eigentums“

von Suse an Mono,

MonoTouch, Mono for

Android and Mono Tools for

Visual Studio (http:// tinyurl.

com/ lu1109-suse-mono). Xamarin

soll zudem den technischen

Support für Suse-Kunden

übernehmen, die Mono-

Produkte einsetzen. Die

.NET-Implementation Mono

ist unter Open-Source-Vertretern

umstritten, weil sie

mit Microsoft-Patenten behaftete

Technologie in freie

Software einführt. (jlu) n

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aktuelles

Angetestet

JJJJI

Mit Heldenviewer suchen

Sie komfortabel

nach Youtube-Videos

und übertragen die gefundenen

Beiträge bequem

auf den eigenen

Rechner.

Heldenviewer holt die Youtube-Stars auf die Platte

Wer auf dem Video-Portal Youtube

nach einem bestimmten Beitrag

sucht, musste sich bisher mit

der Youtube-Weboberfläche abmühen.

Mit dem Heldenviewer

steht nun eine komfortable Suchoberfläche

für Youtube zur Verfügung.

Das Werkzeug erlaubt die

Suche sowohl nach einzelnen Beiträgen

als auch nach bestimmten

Autoren. Darüber hinaus lassen

sich Autoren in eine Favoritenliste

einfügen. Ein Rechtsklick auf

den Beitrag eines Autors öffnet

den entsprechenden Menüpunkt.

Die Favoritenliste prüfen Sie bequem

auf Neuerscheinungen und

verpassen so keine Folge Ihres

Lieblings-Vidcasts. Der Übersicht

halber gliedert Heldenviewer

seine Oberfläche über Reiter in

die Bereiche Suchergebnisse, aktive

und abgeschlossene Downloads.

Bei der Suche nach einem

Beitrag führt das Tool alle Treffer

in einer Liste auf, aus der Sie die

Beiträge auswählen und herunterladen.

Standardmäßig bietet

Heldenviewer alle Downloads in

der höchstverfügbaren Auflösung

an, in der Regel also als 1080p.

Liegt der Beitrag nicht in der gewünschten

Auflösung vor, wählt

Heldenviewer je nach Konfiguration

die nächsthöhere oder -niedrige

Auflösung. Sie können jedoch

vor jeder Übertragung manuell

eine bestimmte Auflösung festlegen

– vorausgesetzt, der Beitrag

liegt in dieser vor. Alle aktiven

Downloads fasst Heldenviewer

unter einem eigenen Reiter zusammen.

So erkennen Sie sofort,

welche Übertragungen gerade

laufen und wie viel eines Downloads

bereits übertragen wurde.

Ein laufender Download lässt sich

jederzeit anhalten und zu einem

späteren Zeitpunkt wieder aufnehmen.

Heldenviewer setzt die

Übertragung selbstständig an der

richtigen Stelle fort. An welcher

Stelle Heldenviewer die Dateien

ablegt, geben Sie in den Einstellungen

ebenso vor wie den

Media player: Ist Letzterer auf

dem System eingerichtet, können

Sie den Beitrag bereits während

der Übertragung ansehen.

Heldenviewer 1.0

Lizenz: GPLv3

Quelle: http:// www. heldenviewer.

com/ cms/ index. php/ en/

JJJII

Da IPChat keinen zentralen

Server benötigt, eignet

es sich für die Kommunikation

in lokalen

und Ad-hoc-Netzen, in

denen die Gesprächspartner

keine Administratorrechte

haben. In

der aktuellen Version

unterstützt IPChat keine

verschlüsselte Kommunikation,

ist allerdings

bereits IPv6-ready.

Unkompliziert im lokalen Netz plaudern mit IPChat

Chat-Clients unter Linux setzen

meist einen zentralen Server voraus.

Suchen Sie stattdessen eine

Peer-to-Peer-Lösung, werden Sie

bei IPChat fündig. Das einfache,

Ncurses-basierte Programm benötigt

keinen zentralen Server,

die Clients kommunizieren direkt

miteinander. Sobald Sie seinen

IPChat starten, wartet es am

Port 47928 auf eingehende Nachrichten.

Die Gesprächspartner

identifizieren sich dabei anhand

ihrer IP-Adressen. Hier zeigt sich

bereits, das sich IPChat nicht für

den Einsatz

im Internet

eignet, wo

aufgrund der

dynamischen

Adresszuweisung

in

der Regel

nicht feststeht,

dass

sich hinter einer Adresse immer

derselbe Gesprächspartner befindet.

In lokalen oder Ad-hoc-Netzwerken

existiert dieses Problem

in der Regel nicht. Sie steuern IP-

Chat über eine Reihe von Befehlen,

die mit einem Backslash beginnen.

Wer schon einmal im IRC

gechattet hat, findet sich schnell

zurecht. Eine Liste aller Funktionen

erhalten Sie mit /help, gefolgt

vom jeweiligen Befehl. Um

beispielsweise einen neuen Kontakt

in die Kontaktliste einzufügen,

rufen Sie /add mit der IP-

Adresse des Kontaktes auf. Ordnen

Sie der Adresse einen Spitznamen

zu, erscheint dieser in der

Kontaktliste am rechten Fensterrand.

Läuft IPChat beim Gesprächspartner

nicht auf dem

Standardport, geben Sie den entsprechenden

Port beim Anlegen

des Kontaktes an. Zum Beginn

eines Gespräches drücken Sie das

Tastenkürzel, das IPChat in der

Kontaktliste vor dem Gesprächspartner

anzeigt. Die Nachricht

schreiben Sie in die Eingabezeile

am unteren Rand. Ein Pfeil in der

Kontaktliste zeigt an, mit wem

Sie gerade chatten. Das Tastenkürzel

vor dem Spitznamen in der

Kontaktliste erlaubt den schnellen

Wechsel zwischen Gesprächspartnern.

IPChat führt dazu für

jeden Gesprächspartner ein eigenes

Gesprächsfenster. Schreibt

Ihr Gegenüber etwas in einem

Fenster, das im Hintergrund

liegt, markiert IPChat den Kontakt

mit einem Sternchen. So verpassen

Sie kein Statement. Gruppen

wie bei IRC oder Jabber bietet

IPChat jedoch nicht.

iPCHat 0.5

Lizenz: GPLv3

Quelle:

http:// www. nongnu. org/ ipchat/

16 09 | 11

www.linux-user.de


Angetestet

aktuelles

Sunflower, ein zweispaltiger Dateimanager für Gnome

sunflower 0.1a-30

Lizenz: GPLv3

Quelle: http:// code. google. com/ p/

sunflower-fm/

Hinter dem klangvollen Namen

Sunflower verbirgt sich ein gut

strukturierter Dateimanager, der

sich nahtlos in Gnome integriert.

Er stellt eine zweigeteilte Verzeichnisübersicht

zur Verfügung,

sodass sich verschiedene Verzeichnisse

bequem gegenüberstellen

lassen. Sunflower beherrscht

dabei alle wichtigen Funktionen

eines Dateimanagers. Das Kopieren,

Verschieben oder Löschen

von Dateien oder Verzeichnissen

funktioniert ebenso reibungslos

wie der Vergleich zweier Verzeichnisse

oder die Anpassung der Datei-Attribute.

Durch den Einsatz

von Reitern bietet Sunflower die

Möglichkeit, pro Fensterhälfte

mehrere Verzeichnisse gleichzeitig

offenzuhalten. Durch Anklicken

des Reiters wechseln Sie bequem

zwischen Verzeichnissen.

Statt eines Ordners können Sie in

einer Fensterhälfte ein Terminal

öffnen. Über die Einstellungen

passen Sie Sunflower weiter an

Ihre Präferenzen an. So lassen

sich Symbolleisten ein- oder ausblenden

oder das Format der Datumanzeige

ändern. Der Dateimanager

bietet außerdem eine Vorschaufunktion

für Bildformate.

Möchten Sie Sunflower zusammen

mit Drittprogrammen nutzen,

legen Sie im Werkzeug-Menü

einen entsprechenden Eintrag für

die jeweilige Applikation an. Sofern

konfiguriert, übergibt Sunflower

beim Aufruf des externen

Programms den aktuell ausgewählten

Verzeichniseintrag. Den

Funktionsumfang von Sunflower

erweitern Sie durch Einbinden diverser

Plugins. Plugins zum Nutzen

des System-Terminals und für

die Standardsymbolleiste bringt

die Installation bereits mit.

JJIII

Der Dateimanager Sunflower

ist eine interessante

Alternative für

alle, die eine zweispaltige

Verzeichnisansicht

bevorzugen. Das Tool

befindet sich in einer frühen

Entwicklungsphase,

bietet aber alle wichtigen

Funktionen.

Termit, die Alternative zu Xterm und Rxvt

Der Terminalemulator Termit enthält außerdem Funktionen

sieht sich als handliche Alternative

zu Klassikern wie Xterm oder inhalten und erlaubt, über den

zum Bearbeiten von Konsolen-

Rxvt. Das Tool basiert auf den Punkt Einstellungen, das Erscheinungsbild

der aktuellen Sitzung

VTE-Bibliotheken und benötigt

darüber hinaus lediglich die ganz nach Gusto zu gestalten.

GTK+-Bibliotheken für seinen Funktionen zum Verwalten der

Einsatz. Auf den ersten Blick fallen

keine großen Unterschiede zu den Sie im Menü Session. Hier

offenen Terminalsitzungen fin-

den gängigen Platzhirschen auf. speichern Sie wahlweise das aktuelle

Termit-Fenster mit allen Sit-

Wer genauer hinsieht, bemerkt,

dass Termit die Menüleiste unten zungen oder laden gespeicherte

platziert. Hier stehen mit dem Sessions ins aktuelle Fenster. Daneben

beherrscht Termit die An-

Dateimenü Funktionen zum Anlegen

und Löschen weiterer Sitzungen

bereit. Das Menü Edit dierung sowie die Mustersuche in

zeige der gewählten Zeichenco-

der aktuellen Sitzung. Der obere

termit 2.9.0

Rand des Termit-Fensters beherbergt

die Reiterleiste. Um bei

Lizenz: GPLv2

Quelle: https:// github. com/ nonstop/ zahlreichen Reitern nicht den

000_LU1106_F-Weber_neu1.qxd

termit/ wiki/

18.09.2006 Überblick 19:00 Uhr zu verlieren, Seite 1dürfen Sie

jeden Reiter mit einem Namen

versehen. Besonders komfortabel

ist die Möglichkeit, den aktuellen

Status aller Sitzungen beim

Schließen eines Termit-Fensters

zu sichern. Die Konfiguration

darf auch in der Skriptsprache

Lua implementierte Statements

und Routinen enthalten. So legen

Sie unter anderem Tastenkombinationen

fest. Das

Quellarchiv enthält

eine Beispielskonfiguration

als Vorlage.

Eine Textdatei

mit wichtigen

Lua-Schnittstellen

findet sich

ebenfalls im Tarball.

(jlu)

JJJII

Termit ist eine gute Terminal-Alternative

für alle,

denen Emulatoren wie

das Gnome-Terminal zu

komplex und Xterm oder

Rxvt zu frugal sind.

X23


eport

Zotac Zbox AD02

Mini-PC Zbox AD02 im praktischen Einsatz

Zwerg mit

Ausstrahlung

© Marmit, sxc.hu

Für viele praktische Aufgaben genügt ein Mini-PC. An einer Gesamtschule in Rastede leistet

einer im Duo mit Linux gute Dienste für Alltägliches und weniger Alltägliches. Carsten Niehaus

reADMe

Die Zbox AD02 bietet

auf Basis des neuen

AMD-Fusion-Chips einen

niedrigen Verbrauch bei

gleichzeitig guter Performance

im Multimedia-

Bereich. Diese Vorzüge

machen die Hardware

zu einem heißen Kandidaten

für ein schulinternes

Projekt in der Kooperativen

Gesamtschule

in Rastede.

Kaum eine Schule verfügt über

großzügige finanzielle Ressourcen.

Da bietet es sich natürlich

an, für den EDV-Einsatz kostengünstige

Hardware mit dem freien

Betriebssystem zu verheiraten,

um das Budget nicht zu stark zu

strapazieren. Die Kooperative Gesamtschule

Rastede nutzt im Gebäude

an verschiedenen Stellen

Bildschirme samt PC, um zum

Beispiel auf diese Weise den Vertretungsplan

anzuzeigen.

Bisher bezogen diese Monitore

ihre Daten von herkömmlichen,

aber mittlerweile veralteten Computern.

Im Mai 2011 reifte dann

der Entschluss, testweise einen

kostengünstigen Mini-PC zusammenzustellen,

der diese Aufgabe

künftig übernimmt.

Auf der Suche nach einem solchen

Computer stellte sich bald

heraus, dass viele Geräte die Anforderungen

nicht erfüllen. So

sollte der PC möglichst leise sein

und über wenig bewegliche Teile

wie möglich verfügen, um im optimalen

Fall eine lange Lebensdauer

zu gewährleisten.

Spezifikation

Die Leistung spielt im Alltag eine

eher untergeordnete Rolle: Die

Monitore zeigen im Wesentlichen

Dateien an, welche die angeschlossenen

Rechner als statische

Webseite von einem Server beziehen.

Es läuft also die meiste Zeit

eine HTML-Seite im Firefox. Bei

einigen besonderen Anlässen

kommt allerdings das Programm

Teamviewer zum Einsatz, beispielsweise

am Elternsprechtag:

Dann zeigen die Monitore unter

anderem Raumpläne.

An solchen Tagen kommt es

ebenfalls vor, dass zusätzlich zu

diesen Informationen Filme laufen

– etwa ein Mitschnitt aus der

Theatergruppe oder eine Vorschau

auf ein kommendes Stück.

Daher sollte der PC genug Kraft

haben, um auf einem 37-Zoll-

Fernseher ein Video anzuzeigen.

Natürlich sollten die Computer

nicht für jeden zu sehen oder zugänglich

sein. Optimalerweise

hängen sie deshalb per VESA-Halterung

hinter einem Monitor.

Als die Architekten die Schule

entwarfen, war das Internet noch

nicht erfunden. Daher fehlen an

20 09 | 11

www.linux-user.de


Zotac Zbox AD02

report

A An der Rückseite

bietet der Mini-PC eine

Reihe von Anschlüsse,

darunter eSATA, USB

2/ 3, LAN, DVI, HDMI

und S/ PDIF.

allen Stellen, an denen die Monitore

hängen, Netzwerkdosen.

Diese zu verlegen, sprengt jeden

vernünftigen Kostenrahmen. Damit

müssen die Rechner zusätzlich

WLAN unterstützen.

Das Budget für das Projekt lag

bei unter 300 Euro pro Computer.

Damit fielen viele Industrie-Mini-

PCs aus dem Rennen: Diese entsprechen

zwar den Anforderungen

und fallen extrem klein aus

(viele nicht viel größer als eine

externe Festplatte), kosten jedoch

deutlich mehr. Die Preise steigen

nicht selten über 700 Euro.

Nach langem Suchen fiel die

Wahl auf die Zbox AD02 (siehe

Tabelle Technische Daten) von

Zotac [1]. Der Computer besitzt

eine AMD-APU des Typs E350

mit Fusion-Chipsatz mit integrierter

Radeon-HD6310-Grafik,

die laut Hersteller durch den

UVD3-Decoder HD-Videos decodieren

kann. Als Arbeitsspeicher

kommt DDR3-RAM zum Einsatz.

Das etwa taschenbuchgroße Gehäuse

des Mini-PCs weist auf drei

Seiten Anschlüsse auf (Abbildung

A); auf der vierten befindet

sich die Aussparung für einen

mitgelieferten Standfuß. Auffälligstes

Detail ist ein Leuchtring

auf der Seite des Gerätes, der als

Power-LED fungiert.

Dass das vorliegende Zbox-Modell

mit einem einzigen Lüfter

(für die CPU) auskommt, verspricht

einen niedrigen Geräuschpegel.

Der Preis liegt ebenfalls im

Rahmen: Zusammen mit 2 GByte

Arbeitsspeicher geht die Box für

etwa 200 Euro über den Ladentisch,

dazu kommt die Festplatte.

Der Hersteller vertreibt das Gerät

außerdem in einer Plus-Variante,

die ab Werk eine 250-GByte-HDD

sowie 2 GByte RAM mitbringt.

Anstelle einer herkömmlichen

2,5-Zoll-Festplatte mit SATA-

Schnittstelle fiel die Wahl für die

Schulinstallation auf einen SATA-

CF-Adapter (7 Euro) und eine

8-GByte-CF-Card (16 Euro) (Abbildung

B). Das Gehäuse erlaubt

ein einfaches Einsetzen der zusätzlichen

Komponenten (Abbildung

C). Für die gestellten Anforderungen

genügt die CF-Karte

vollkommen, ein schlankes

Linux- System lässt sich ohne Probleme

auf einer so kleinen Karte

einrichten.

Installation

Neue Hardware erfordert neue

Treiber. Daher fiel die Wahl der

Distribution auf Ubuntu 11.04,

das einen sehr aktuellen Kernel

(2.6.38) mitbringt. Um die Installation

möglichst schlank zu halten,

kam die Server-Variante zum

Einsatz. So ließ sich sehr leicht

testen, ob die Installation auf einer

CF-Karte gelingt. Da der

Computer kein DVD-Laufwerk

besitzt, übernahm ein USB-Stick

die Aufgabe des Boot-Mediums.

Eine Anleitung sowie das Image

selbst fanden sich online [3].

Tatsächlich lief die Installation

problemlos. Es galt allerdings, die

Größen der Partitionen anzupassen,

denn die Standardwerte von

Ubuntu für die Root-Partition fielen

größer aus als die Kapazität

der CF-Karte. In der neuen Konfiguration

bekam das Root-Dateisystem

4 GByte zugewiesen, die

Swap-Partition erhielt 512 MByte,

der Rest entfiel auf die Home-

Partition.

Als Nächstes folgte das Metapaket

xubuntu-desktop, das XFCE 4.8

samt Abhängigkeiten installiert.

Der Network-Manager erkannte

das Funknetzwerk sofort, die Verschlüsselung

bereitete keine

Prob leme. Auch eine externe

USB-Festplatte band das System

automatisch ein.

Die einzige Schwierigkeit mit

der Hardware trat in Zusammenhang

mit USB 3 unter Ubuntu

auf. Während beim Einsatz der

USB-2-Anschlüsse das System

tadellos lief, führte der Versuch,

USB 3 zu nutzen zum Absturz.

Eine Dokumentation des Problems

findet sich online [2], dem

Autor ist bislang keine Lösung bekannt.

Daher kamen im laufenden

Betrieb nur die USB-2-Anschlüsse

zum Einsatz. (Übrigens

unterstützte OpenSuse 11.4 den

USB-3-Einsatz tadellos, siehe folgende

Seite).

Zwischenergebnis

Insgesamt fällt das Fazit der oben

beschriebenen Lösung sehr positiv

aus: Der Rechner funktioniert

tadellos, die 8-GByte-Karte bietet

noch gut 2 GByte freien Platz, die

Geschwindigkeit reicht vollkommen

aus und der Rechner läuft

sehr leise. Damit hat die Hardware-Kombination

den erste Teil

der Aufgabe erfüllt.

Hersteller

Modell

APU

Grafik

WLAN

Anschlüsse intern

Anschlüsse Front

GlossAr

APU: Als Accelerated

Processing Unit bezeichnet

AMD seine

CPUs mit integrierter

Grafikeinheit sowie Video-

und anderen Hardwarebeschleunigern

auf

einem Die, die es unter

der Marke AMD Fusion

vertreibt.

technische DAten

Zotac International Ltd.

Zbox AD02 (Barebone)

AMD „Zacate“ E-350, Dual-Core (1,6 GHz)

AMD Radeon HD6310 (500 MHz)

802.11b/ g/ n

1 x 2,5-Zoll-SATA (6 Gbit/ s), 2 x DDR3-1066

SO-DIMM (204 Pins)

6-in-1-Reader (MMC/ SD/ SDHC/ MS/ MS Pro/

xD), 1 x USB 2.0, Audio out, Audio in

Anschlüsse hinten 1 x HDMI, 1 x DVI, 1 x eSATA, 2 x USB 2.0,

2 x USB 3.0, 1 x Ethernet (10/ 100/ 1000),

S/ PDIF out, Strom

Anschlüsse oben 1 x USB 2.0

Maße (BxHxT) 188x188x44 mm

Preis (ca.) 200 Euro

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09 | 11 21


eport

Zotac Zbox AD02

B Der CF-Karten-

Adapter ermöglicht

den Einbau eines

Compact-Flash-Moduls

als Festplatte.

Beim Test der Video-Ausgabe kamen

ein herkömmlicher 19-Zoll-

Monitor sowie ein 37-Zoll-Fernseher

mit Full-HD-Auflösung

(1080p) und HDMI-Anschluss

zum Einsatz. In beiden Fällen gelang

ohne Weiteres die ruckelfreie

Ausgabe von Videos. Damit eignet

sich – auch wegen der WLAN-

Fähigkeiten – die ZBox als Medienzentrale

im Wohnzimmer.

Der Autor

Carsten Niehaus ist

Biologie-, Chemieund

Informatiklehrer

der Kooperativen Gesamtschule

in

Rastede.

3 Das Innenleben

der Zbox mit dem

Arbeitsspeicher oben

links und dem quer

liegenden Compact-

Flash-Adapter.

Es blieb die Frage, ob der Mini-PC

auch für den Multimedia-Einsatz

sowie für Büro-Aufgaben taugt.

Zu diesem Zweck erhielt der

Rechner eine SSD-Platte (Crucial,

64 GByte) sowie OpenSuse 11.4

als System. Die Installation erfolgte

über einen USB-Stick. Beim

Desktop fiel die Wahl erneut auf

XFCE 4.8, die anderen OpenSuse-

Einstellungen blieben bei den

Standardwerten.

Wie erwartet, verlief das Einrichten

des Systems ohne Schwierigkeiten.

Obwohl der OpenSuse-

Kernel einige Monate älter ist

(Kernel 2.6.37.6) als der von

Ubuntu, funktionierte WLAN,

anders als befürchtet, problemlos.

Der gesamte Desktop fühlt

sich sehr schnell an, LibreOffice-

Programme zum Beispiel starten

in wenigen Sekunden.

Das Ziel war, den Computer mittels

XBMC Media Center [4] zur

Multimedia-Zentrale umzubauen.

XBMC setzt 3D-Support der Grafikkarte

voraus, die Standardinstallation

von OpenSuse reicht

also nicht aus. Die Installation

des ATI-Treibers verlief reibungslos:

Ein Klick auf Install auf der

Website mit dem ATI-Treiber [5]

startet YaST. Nach Bestätigung

der Warnungen integrierte sich

die Software in wenigen Sekunden

ins System. Anschließend

galt es, auf der Kommandozeile

einmal ati‐config ‐‐initial einzugeben

und den Rechner neu zu

starten. Danach befand sich im

Startmenü der Eintrag Multimedia

| XBMC Media Player.

Die Konfiguration des Media-

Centers gelang sehr einfach. Im

Testnetz hing an einer Fritzbox

ein USB-Stick mit Videos und

Musik, den XBMC nicht automatisch

erkannte, obwohl dies beispielsweise

bei einem netzwerktauglichen

Fernseher problemlos

gelang. Um die Datenquelle trotzdem

zu nutzen, galt es über Quelle

hinzufügen | Netzwerkfreigabe

hinzufügen… den Server fritz.box

und als Protokoll Windows-Netzwerk

(SMB) auszuwählen. Der

Nutzer heißt in der Voreinstellung

ftp-user. Nach Eingabe des

Passwortes zeigte XBMC den

USB-Stick als Medium an, und es

war möglich, alle darauf gespeicherten

Musikstücke abzuspielen.

Eine direkt angeschlossene USB-

Festplatte bot XBMC ohne weitere

Konfiguration an.

Alltagstauglich

Die Zbox AD02 von Zotac erweist

sich als gut gerüstet für die eingangs

beschriebenen Aufgaben.

Die Installation und Konfiguration

von XBMC verlief problemlos.

Lediglich das automatische Erkennen

der Medien an der Fritzbox

gelang nicht, hier war etwas

Nacharbeit notwendig. Für alltägliche

Aufgaben wie E-Mail und

Tabellenkalkulation reicht das

System sowieso allemal aus.

Der Ansatz mit der CF-Karte ist

aus Kostengründen interessant:

25 Euro für eine vollkommen ausreichende

Kapazität von 8 GByte

ersparen gegenüber einer Festplatte,

auf der dann ohnehin der

größte Teil der Kapazität frei bliebe,

etwa 10 Euro.

Leicht zu klonen

Hinzu kommt, dass sich die CF-

Karte extrem einfach kopieren

lässt, sodass man sie bei minimalem

Aufwand für viele Rechner

duplizieren kann. Für den alltäglichen

Gebrauch eignet sich allerdings

eher eine herkömmliche

Festplatte, um die notwendige

Kapazität für Multimedia-Inhalte

bereitzustellen. (agr) n

info

[1] Zotac: http:// www. zotac. com/ index. php?

option=com_wrapper& view=wrapper&

Itemid=100083

[2] USB-3-Bug: https:// bugs. launchpad. net/

ubuntu/ +source/ linux/ +bug/ 801875

[3] Ubuntu-Download: http:// www. ubuntu. com/

download/ server/ download

[4] XBMC: http:// www. xbmc. com

[5] ATI-Treiber:

http:// en. opensuse. org/ SDB:ATI_drivers

22 09 | 11

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schwerpunkt

Dropbox-Alternativen

angesehen. Eine komplette Zusammenfassung

der technischen

Daten dieser Anbieter finden Sie

in der Tabelle Cloud-Storage-Anbieter

mit Linux-Client.

Sechs Cloud-Storage-Anbieter im Vergleich

Datenwolke

Gratis-Filehoster gibt es inzwischen wie Sand am Meer, doch bei

der nativen Unterstützung für Linux wird die Auswahl schnell übersichtlich.

Zwar kann der Marktführer Dropbox hier mithalten, doch

die Konkurrenz klebt ihm bereits an den Fersen. Thomas Drilling

reADMe

Dieser Artikel vergleicht

sechs Online-Storage-

Anbieter mit kostenlosen

Einstiegsangeboten

und nativem Linux-

Client für den Dienst.

Das Testfeld umfasst

Ubuntu One, Dropbox,

Teamdrive, Spideroak,

Wuala und Zumodrive.

© Benjamin Haas, 123RF

In den letzten Jahren schießen

Filehosting-Lösungen wie Pilze

aus dem Boden. Dropbox und

Wuala haben vorgemacht, was

geht, wie man es macht und wo

noch Verbesserungspotenzial

liegt. Beim bloßen Online-Speicherplatz

ist lange nicht Schluss:

Die Online-Festplatten beherrschen

nicht nur Backup und Datensicherung,

sondern bieten

auch eine elegante Möglichkeit,

Dateien und Ordner über mehrere

Rechner mit unterschiedlichen

Betriebssystemen synchron zu

halten. Idealerweise binden Sie

das Smartphone mit ins Speicherkonzept

ein, sodass Sie auf die

Daten von überall zugreifen können.

Für das Testfeld haben wir

uns auf solche Anbieter beschränkt,

die zum einen nativen

Linux- Client zur Verfügung stellen

und zum anderen über ein

kostenloses Einstiegsangebot einen

ausführlichen Probelauf ermöglichen.

Da die Idee des Synchronisierens

gerade darauf abzielt,

mehrere Systeme abgleichen

zu können, legten wir Wert darauf,

dass Clients für Windows,

Mac OS X oder Smartphones existieren.

Mit den meisten Online-

Festplatten im Testfeld haben Sie

die Möglichkeit, Daten zu teilen.

Wir haben uns für Sie Ubuntu

One, Dropbox, Teamdrive,

Spider oak, Wuala und Zumodrive

Ubuntu One

Ubuntu One, der Filehosting-

Dienst von Canonical, steht trotz

des suggestiven Namens nicht

nur für Ubuntu zur Verfügung,

sondern lässt sich auch mit anderen

Distributionen, Betriebssystemen

und Mobiltelefonen nutzen.

Einen Mac-Client gibt es jedoch

nicht, und die Windows-

Version des Clients befindet sich

noch im Beta-Stadium. Neben der

proprietären Client-Software gibt

es für den Dienst auch ein Web-

Interface, der reine Dateitransfer

funktioniert auch via WebDAV.

Ubuntu One bietet neben dem

einfachen Synchronisieren von

Dateien unter anderem auch das

Synchronisieren spezieller vorher

ausgewählter Daten, etwa Profil-

Einstellungen von Thunderbird

oder Kontakte aus dem KDE-

Adressbuch. Daneben verknüpft

Canonical den Dienst auch mit

seinem Online-Streaming-Angebot

Ubuntu One Music Streaming,

das Sie inklusive 20 GByte Speicherplatz

für 3,99 US-Dollar monatlich

zukaufen können. Auf der

Launchpad-Seite [1] von Ubuntu-

One finden sich zudem eine Reihe

interessanter Zusatztools, wie

etwa ein Android- und ein iPhone-

Client zum Music-Store.

Zur Synchronisation legt der

Dienst im Home-Verzeichnis einen

Ordner Ubuntu One an. Sämtliche

dort abgelegten Dateien und

Verzeichnisse lädt Ubuntu One

auf Ubuntus Cloud-Server hoch.

Melden Sie sich mit gleichem Benutzer-Account

an einem anderen

Rechner an, greifen Sie von

dort auf den Datenbestand zu.

Ubuntu Linux enthält die

Client-Software (Abbildung A)

seit Oktober 2009 offiziell in

Ubuntu im Menü Anwendungen.

Vor dem ersten Benutzen legen

Sie ein Single-Sign-On-Konto an,

24 09 | 11

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Dropbox-Alternativen

schwerpunkt

indem Sie auf Registrieren klicken.

Nach Eingeben von E-Mail-Adresse,

Passwort und Captcha-Code

erhalten Sie per Mail einen Bestätigungscode,

den Sie im Folgeschritt

eingeben. Die Anmeldung

funktioniert analog über das

Interface https:// one. ubuntu.

com. Nach der Anmeldung startet

das Dashboard und zeigt alle in der

Ubuntu Cloud-Plattform verfügbaren

Dienste. Daneben gibt es

die Reiter Files, Notes und Contacts,

wobei nur der Reiter Files

dem eigentlichen Synchronisieren

der Daten dient.

Unter dem Abschnitt Notes hinterlegen

Sie persönliche Notizen,

der Reiter Contacts beherbergt

eine Online-Kontaktverwaltung.

Im Dashboard leiten Sie bei Bedarf

mit einem Klick auf Buy more storage

space ebenfalls ein kostenpflichtiges

Speicher-Upgrade ein.

Bislang präsentiert sich Ubuntu

One vom Funktionsumfang her

damit als bestenfalls Mittelmaß

im Testfeld. Allerdings steht zu erwarten,

dass Canonical den hauseigenen

Dienst künftig sukzessive

weiter ausbaut.

Dropbox

Dropbox kam bereits 2008 als einer

der ersten Anbieter mit einem

serienreifen Produkt auf den

Markt. Dementsprechend bekannt,

positioniert sich Dropbox

als Marktführer im Segment.

Auch Dropbox bietet wie alle

Kandidaten im Test einen nativen

Linux-Client, kostenlos stellt der

Dienst 2 GByte Speicherplatz zur

Verfügung. Beim Funktionsumfang

residiert Dropbox ganz vorne

und bietet neben der Datensynchronisation

auch die Möglichkeit

zum Teilen von Daten mit

Dritten. Zudem unterstützt

Dropbox eine umfangreiche Liste

an Clients. Neben optimierten

Web-Zugriffsseiten für Mobiltelefone

gibt es auch Apps für

Android und iPhone.

Nach dem Installieren der Software

synchronisiert Dropbox permanent

sämtliche Daten mit der

Internet-Festplatte. Sie können

A Ubuntu liefert den

Client zu seinem

Cloud-Dienst in seinem

Betriebssystem

gleich mit. Wie Sie hier

sehen, lässt sich

Ubuntu One auch unter

KDE gut nutzen.

URL

clouD-storAge-Anbieter Mit linux-client

Ubuntu One Dropbox Teamdrive Spideroak Wuala Zumodrive

https:// one. ubuntu.

com

http:// www. dropbox.

com

http:// www.

teamdrive. com

https:// spideroak.

com

http:// www. wuala.

com

http:// www.

zumodrive. com

Gratis-Speicher 5 GByte 2 GByte 2 GByte 2 GByte 1 GByte 1 GByte

Linux-Client ja ja ja ja ja ja

Mac-Client nein ja ja ja ja ja

Windows-Client in Entwicklung ja ja ja ja ja

Mobil-Client Android, iPhone Android, iPhone, nein

Android, Maemo, Android, iPhone Android, iPhone

Blackberry

iPhone

Sync / Backup ja / nein ja / ja ja / nein ja / ja ja / ja ja / nein

Web-GUI / WebDAV ja / ja ja / nein ja / ja ja / nein ja / nein ja / nein

Sharing / Multi-User ja / nein ja / nein ja / ja ja / ja ja / nein ja / nein

Lokalisierung ja ja ja nein ja nein

Vorteile

Nachteile

Client in Ubuntu bereits

enthalten, Integ

ration mit anderen

Canonical-Cloud-

Diensten

durchschnittlicher

Funktionsumfang,

teuer

großer Funktionsumfang,

weit verbreitet,

viele Clients, externe

Zusatztools, Webinterface,

preiswert

bei kostenpflichtigen

Versionen

relativ umständlich

optional eigener

Server, lokaler

Ordner als Online-

Speicher deklarierbar,

guter

Client, WebDAV

keine Mobil-

Clients, kein

Backup

hervorragendes

Sicherheitskonzept,

leistungsfähiger

Linux-Client, Clients

für Android und

Maemo

nur in Englisch

verfügbar

ungewöhnliches

Konzept mit verteilter

Speicherung,

kostenlose und

flexible Speichererweiterung

mit

Option Festplatte

tauschen möglich,

vorbildlicher Client

hohe Systemlast

Online-Festplatte als

Netzwerklaufwerk

geringer Funktionsumfang

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09 | 11 25


schwerpunkt

Dropbox-Alternativen

B Der eigentliche

Dropbox-Ordner im

Dateisystem des lokalen

PCs ist unspektakulär

und relativ umständlich.

Besser

funktioniert der Umgang

mit der Dropbox

übers Webinterface.

außerdem Links zu einzelnen

Ordnern per E-Mail versenden

oder aus einem Bilder-Ordner

eine Online-Fotogalerie erstellen.

Außerdem lassen sich in der Benutzeroberfläche

neue Computer

sehr einfach anmelden.

Den Linux-Client für Dropbox

gibt es in 32- und 64-Bit-Varianten

für Fedora und Ubuntu, die

ein eigener Installer einrichtet.

Daneben existiert auch ein Quell-

Paket, das jedoch lediglich dazu

dient, den Installer manuell zu

bauen: Bei der Client-Software

handelt es sich um Closed Source,

die der Installer jeweils generisch

baut. Über eine von der Community

dokumentierte CLI-Schnittstelle

für Dropbox lässt sich der

Dienst auch auf Linux-Rechnern

ohne GUI einrichten.

Nach dem Start des Installers

meldet sich dieser nach kurzer

Zeit mit dem Assistenten zum

Einrichten eines Accounts. In

dessen Verlauf wählen Sie zwischen

der kostenlosen 2 GByte-

Variante oder 50 GByte für

9,99 US-Dollar pro Monat sowie

100 GByte für 19,99 US-Dollar

pro Monat aus. Ein Klick auf Preise

ganz unten im Installer öffnet

die Dropbox-Preisübersicht mit

weiteren Optionen im Browser.

Im weiteren Verlauf der Einrichtung

bestimmen Sie über Erweitert,

wo Dropbox den Dropbox-

Ordner anlegt,

die Vorgabe

lautet

$HOME/Dropbox.

Im erweiterten

Setup haben

Sie die

Möglichkeit,

das Synchronisieren

für

erweiterte

Dateiattribute

zu erzwingen.

Hier geben

Sie auch

an, ob Dropbox

alle Ordner

im Dropbox-Ordner

synchronisiert oder Sie dies für

den Einzelfall entscheiden wollen.

Abschließend bietet der Installer

eine Einführungstour an und startet

den Client schließlich automatisch.

Haben Sie sich für das Synchronisieren

erweiterter Attribute

entschieden, müssen Sie beim ersten

Start das administrative Passwort

angeben.

Der Dropbox-Linux-Client selbst

ist als Erweiterung für Nautilus

realisiert – was zunächst etwas

verwirrt, gerade weil es vollkommen

unspektakulär ist. Sie müssen

nichts weiter tun, als Dateien

in den Dropbox-Ordner kopieren

oder von dort wieder löschen. Damit

synchronisieren Sie den Inhalt

automatisch zwischen allen

Linux-, Mac- und Windows-PCs,

auf denen Sie den Dropbox-Client

installiert haben.

Die gesamte Konfiguration erfolgt

im Web-Interface (Abbildung

B), das mit den während der

Installation erzeugten

Account-Daten unter https://

www. dropbox. com/ gs in deutscher

Sprache zur Verfügung steht. Hier

legen Sie etwa unter Freigaben

Ordner an, die Sie zur Nutzung

durch Dritte bereitstellen wollen –

etwa, wenn mehrere Personen an

einem Projekt arbeiten.

Die Bedienung von Dropbox im

Stil von Apples iDisk ist zwar sehr

einfach, allerdings bietet der

Client im Gegensatz zu anderen

Produkten auch kaum Handlungsmöglichkeiten.

Zudem hinterlässt

die Bedienung keinen

wirklich runden Eindruck, einen

WebDAV-Zugriff gibt es ebenfalls

nicht. Hervorragend schneidet

Dropbox jedoch bei der Preisstaffelung

der kostenpflichtigen Versionen

ab.

Teamdrive

Bei Teamdrive legen Sie in der

Teamdrive-Client-Software sogenannte

Spaces an oder deklarieren

einen vorhandenen Ordner

mit wenigen Mausklicks als

Teamdrive-Space. Teamdrive

überwacht dann diesen Ordner

im Hintergrund. Das bedeutet,

dass die Daten zwar weiterhin im

Filesystem liegen und sich dort

auch wie gewohnt bearbeiten lassen,

Teamdrive aber automatisch

verschlüsselte Backups des überwachten

Ordners in der Teamdrive

Cloud anlegt, automatisch

alle Dateien und Dokumente des

Ordners synchronisiert und automatische

alle geänderten Dokumente

versioniert. Teamdrive

komprimiert und verschlüsselt

dabei das Übertragen und Speichern.

Sie können außerdem

neue Teamdrive-Spaces auf dem

Teamdrive Cloud Server anlegen

und andere Teamdrive-Mitglieder

dazu einladen, sodass der Dienst

die Daten ebenfalls mit diesen

synchronisiert.

Einen Client für Linux bietet

Teamdrive als DEB- und RPM-

Package sowie in einer generischen

Variante an. Allerdings

handelt es sich dabei um 32-Bit-

Software. Betreiben Sie ein

64-Bit-Linux, müssen Sie zu dessen

Einsatz die benötigten

32-Bit-Bibliotheken beispielsweise

mit getlibs nachrüsten [2].

Einfacher ist das Verwenden des

generischen Installers, wozu Sie

das 43 MByte große Binärpaket

herunterladen und anschließend

ausführbar machen. Nach dem

Start legen Sie im einfach zu

handhabenden Assistenten einen

26 09 | 11

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Dropbox-Alternativen

schwerpunkt

neuen Teamdrive-Account an.

Nach Abschluss der Einrichtung

finden Sie unter $HOME/teamdrive2/

Teamdrive2 ein Skript zum Starten

des Teamdrive-Clients Teamdrive2.

i386; der Installer legt aber auch

ein Desktop-Icon zum Starten

von Teamdrive im KDE4-Arbeitsflächenordner

an. Beim ersten

Start des Clients bietet dieser per

Assistent an, entweder einen neuen

Space auf dem Teamdrive-Server

anzulegen oder einen vorhandenen

lokalen Ordner als Teamdrive-Space

zu deklarieren. Letzteren

kennzeichnet Dolphin unverwechselbar

als „überwachten

Ordner“, ebenso wie $HOME/Teamdrive

Spaces. Dieser wiederum ist

ein Symlink auf $HOME/.td2/Teamdrive

Spaces, der seinerseits auf

jenen Ordner verweist, den Sie

als lokalen Teamdrive-Space deklariert

haben. In der Teamdrive-

Software selbst taucht der gleiche

Ordner dann als Space im Hauptfenster

auf. Dateien, die Sie lokal

in den als Space deklarierten Ordner

kopieren, finden sich sofort

auch hier. Außerdem können Sie

im Menü Bearbeiten mit einem

Klick auf das gleichnamige Untermenü

Alle Versionen…. oder Alle

Dateien und Versionen im Space

herunterladen Spaces scannen, löschen,

wiederherstellen oder verlassen.

Mit Bearbeiten | Details

lassen sich Detailinformationen

zu jedem Space auf der linken Seite

des Client-Fensters ein- und

ausklappen (Abbildung C).

Teamdrive empfiehlt sich aufgrund

des Funktionsumfanges,

vor allem aber der Kostenseite

wegen primär für geschäftliche

Nutzung. Zwar können Privatanwender

Teamdrive bis zu einem

Speicherplatz von 2 GByte kostenlos

nutzen („Teamdrive Free“),

danach wird es aber relativ teuer.

Die Mittelklasse „Teamdrive Personal“

beginnt bei 4,99 Euro pro

Monat für 5 GByte Speicherplatz;

„Teamdrive Professional“ startet

mit 9,99 Euro pro Monat. Die

Client-Software ist vorbildlich

und lässt sich auch als Client für

andere WebDAV-Festplatten nutzen.

Unter der Bezeichnung

„Teamdrive Personal Server“ gibt

es auch eine Server-Version von

Teamdrive, mit der Sie selbst zum

Cloud-Anbieter werden und wiederum

Spaces für Ihre Teamdrive-

Nutzer verwalten.

Spideroak

Spideroak verfolgt eine ähnliche

Strategie wie Dropbox, der Client

bietet aber deutlich mehr Funk

tionen. Auch Spideroak lässt sich

bis zu einer Größe von 2 GByte

kostenlos nutzen. Die reichhaltige

Client-Auswahl umfasst Pakete

für CentOS/ RHEL, Debian, Fedora,

OpenSuse, Slackware und

Ubuntu in 32- und 64-Bit-Varianten.

Außerdem gibt es Clients für

Windows und Mac OS X sowie

Apps für Android, Maemo (Nokia

N900) und iPhone.

Den zugehörigen Account legen

Sie auf der Spideroak-Seite [3] an,

wobei der Anmeldeprozess einen

Aktivierungscode ausgibt. Diesen

benötigen Sie beim Start der

Client-Software, sobald Sie im

Assistenten auf Create 1st Device

klicken. Optional lässt sich ein

neues Device auch über die Webseite

mit einem Klick auf Add a

device anlegen. Erst im weiteren

Verlauf des Assistenten geben Sie

dann das gewünschte Passwort

an und bestätigen es über den

zwischenzeitlich

an

die angegebene

E-Mailadresse

verschickten

Link.

Danach

können Sie

einen Device-

Namen für

seinen

Client-PC

vergeben.

Nach dem

Generieren

der Schlüssel

lässt sich der

Assistent mit

Finish beenden. Spider oak überträgt

und speichert sämtliche Daten

ausschließlich verschlüsselt.

Der Zugang zum Client ist vorbildlich

durch die Account-Daten

und durch ein Captcha-Image gesichert.

Die aktuelle Version bietet

darüber hinaus auch eine

Zweiwege-Authentifizierung [4].

Die Client-Software steht zwar

ausschließlich in englischer Sprache

zur Verfügung, besitzt aber

einen größeren Funktionsumfang

als der direkte Konkurrent Dropbox.

Neben den Funktionen Backup

und Share finden Sie im Reiter

STATUS nützliche visuelle Zusatzinformationen,

wie etwa Verbindungsqualität,

Speicherverbrauch

oder eine Übersicht mit Daten zu

Backup-, Sync- und Share-Status

sowie ein Protokoll (Abbildung D,

folgende Seite). Backups erledigen

Sie ohne umständliches Verschieben

von Ordnern komplett

im Client im Register BACK UP.

Mit einem Klick auf Advanced erhalten

Sie Zugriff auf das gesamte

Dateisystem. Daneben bietet

Spideroak auch eine Sharing-

Funktion, um Daten zwischen

verschiedenen Systemen zu synchronisieren

oder Daten mit anderen

Nutzern zu teilen. Im Gegensatz

zu den meisten anderen

Kandidaten verschlüsselt Spideroak

die Daten bereits im Client

mit einem Schlüssel, den es wie-

C Teamdrive bietet

den Zugriff wahlweise

über einen „überwachten

Ordner“ im Dateisystem

oder mit einem

sehr gut gemachten

Client.

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09 | 11 27


schwerpunkt

Dropbox-Alternativen

D Der Spideroak-

Client bietet den mit

Abstand größten Funktionsumfang.

E Der Wuala-Client

verkleinert bei Bedarf

automatisch Bilder für

den Online-Speicher.

derum mit dem Passwort verschlüsselt.

Der Client bietet einen

vergleichsweise großen Funktionsumfang,

lässt sich sehr einfach installieren

und bedienen und zeigt

alle wichtigen Informationen an.

Auch auf Kostenseite kann sich

Spideroak sehen lassen, denn mit

2 GByte Speicher bei kostenloser

Nutzung bewegt sich Spider oak

zwar zunächst im Mainstream, der

kostenlose Speicher lässt sich aber

im Rahmen eines „Refer-a-friend“-

Programms auf bis zu 5 GByte erweitern.

Ein Spideroak-[+]-

Account liegt bei 100 US-Dollar

pro Jahr für 100 GByte Speicher.

Wuala

Wuala gibt es seit Sommer 2008

offiziell als Produkt, womit es als

eines der ausgereiftesten Produkte

unter den Online-Festplatten

gelten darf. Ursprünglich aus einem

Projekt der ETH Zürich he r-

vorgegangen, zeichnen heute die

Züricher Caleido AG und der französische

Peripherie-Hersteller Lacie

für den Dienst verantwortlich.

Wuala unterscheidet sich in seiner

Architektur erheblich von den

meisten anderen Anbietern. Es

stellt jedem neu angemeldeten

Benutzer 1 GByte Online-Speicherplatz

kostenlos bereit, den

dieser aber durch die Option Speicher

tauschen mittels Freigeben

von lokaler Festplattenkapazität

erweitern kann: Wuala basiert

auf einem dezentralen Netzwerk

und verwendet, sofern der Benutzer

zustimmt, die freien Ressourcen

der im Wuala-Netzwerk befindlichen

Rechner als zusätzlichen

Speicherplatz. Dazu muss

aber der Rechner, auf dem Wuala

läuft, mindestens 4 Stunden täglich

online sein, um eine gewisse

Verfügbarkeit zu gewährleisten.

Möchten Sie etwa eine Datei via

Drag and Drop auf die Wuala-Online-Festplatte

übertragen, verschlüsselt

der Wuala-Client diese

noch am eigenen Rechner mit einem

128-Bit-AES-Algorithmus,

unterteilt die Datei in mehrere

Fragmente und verbreitet die

Fragmente dann so oft im Wuala-

Netzwerk, dass eine dauerhafte

Verfügbarkeit und Integrität der

Datei gewährleistet ist. Für die

Authentifizierung der Benutzer

im Netzwerk verwendet Wuala

den RSA-Algorithmus mit 2048

Bit Schlüssellänge.

Die Größe zusätzlichen kostenlosen

Speicherplatzes errechnet

sich aus der Online-Zeit und aus

dem Platz auf der eigenen Festplatte,

die Sie dem Wuala-Netzwerk

zum Speichern fremder Daten

freigeben. Reicht das nicht

aus, können Sie darüber hinaus

bei Wuala zusätzlichen Speicher

kaufen. Die Staffelungen dieser

„Personal Version“ beginnen bei

19,00 Euro pro Jahr für 10 GByte

und enden bei 229 Euro jährlich

für 250 GByte.

Auch den Wuala-Client gibt es für

Linux (32 und 64 Bit), Windows,

Mac OS X und als App für Android

und das iPhone. Beim Start

des Clients legen Sie mit einem

Klick auf Benutzerkonto erstellen

zunächst einen Wuala-Account

an, wozu Sie lediglich den gewünschten

Benutzernamen nebst

Passwort angeben. Der Client im

Stil eines klassischen Dateimanagers

wirft schon auf den ersten

Blick keinerlei Fragen auf, zudem

beschreibt die Bestätigungs-E-

Mail zur Anmeldung alle wichtigen

Arbeitsschritte noch einmal

genau. Das Hinzufügen eines

Ordners zu Wuala gelingt ganz

einfach mit Datei | Ordner hinzufügen.

Der Vorgang bietet sogar

die Möglichkeit, beim Importieren

erkannte Bilddateien automatisch

zu verkleinern, um Speicherplatz

zu sparen (Abbildung E).

Gleichzeitig ist der Zugriff über

den Ordner WualaDrive im Home-

Verzeichnis des Benutzers möglich.

Nachteilig sticht ins Auge, dass

Wuala eine hohe Systemlast erzeugt

und daher die Performance

wenig hitverdächtig ausfällt.

Trotz hoher und offen kommunizierter

Sicherheitsstandards

bleibt bei Wuala das ungute Gefühl,

dass man im Grunde nicht

weiß, wo die eigenen privaten Daten

letztendlich liegen. Auch

Fragmentierung und Verschlüsselung

ändern nichts an der Gefühlslage

des Anwenders, wenn

man sich vorstellt, dass die Festplatten

anderer Wuala-Netzwerke

quasi Teil des Online-Speichers

sind. Im Übrigen bewegt sich

Wuala mit seinem Funktionsumfang

mit Backup, Versionsverwaltung,

Synchronisation, Speichern,

Sharing, Zusammenarbeiten und

Speicherplatz tauschen an der

Spitze des Kandidatenfeldes, es

fehlt nur ein WebDAV-Zugriff.

Zumodrive

Hinter Zumodrive steckt mit Motorola

Mobility Inc. eine bekannte

Größe aus dem IT-Business. So

verwundert es nicht, dass es

28 09 | 11

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Dropbox-Alternativen

schwerpunkt

Clients nicht nur für Linux, Mac

OS X und Windows gibt, sondern

auch für Android, iPhone und

Palm Pre. Relativ einmalig an

dem Dienst ist die Einbindung in

iTunes, mit der Sie über ein

iTunes-Benutzerkonto von jedem

passenden Endgerät auf die online

gespeicherte Musik zugreifen.

Zumodrive bindet die Internet-Festplatte

direkt als Netzwerklaufwerk

in den Arbeitsplatz

ein (Abbildung F), sodass Sie beliebige

Verzeichnisse und Dateien

via Zumodrive in Echtzeit synchronisieren.

Jedoch bietet Zumodrive

keine Backup-Funktion

und besitzt keinen Web-Client.

Die Download-Seite erkennt das

Betriebssystem und bietet unter

Linux 32- und 64-Bit-Versionen

des Clients für Ubuntu und Fedora

an. Zwar gelang das Herunterladen

des DEB-Pakets problemlos,

beim Installieren wies Ubuntus

Software-Center allerdings auf

eine schlechte Qualität des Paketes

hin, ein Installationsversuch unter

Ubuntu 11.04 scheiterte. Unter

Ubuntu 10.04 dagegen gelang

das Installieren mit Gdebi.

Der Zumodrive-Konfigurationsassistent

taucht nach der Installation

im Gnome-Menü Anwendungen

| Zubehör auf. Der eigentliche

Client besteht lediglich aus dem

erwähnten Netzwerklaufwerk

nebst einem Web-Interface. Beim

ersten Start von Anwendungen |

Zubehör | Zumodrive meldet sich

der obligatorische Assistent zum

Anlegen eines neuen Accounts,

wobei es neben E-Mail-Adresse

und Passwort einen Computernamen

für den Client anzugeben

gilt. Im nächsten Schritt binden

Sie über die Schaltfläche Add Folder

einen neuen Ordner in die

Online-Festplatte ein, während

das Zumodrive bereits parallel als

Netzwerklaufwerk auf dem Desktop

auftaucht.

Im letzten Schritt des Assistenten

besteht die Möglichkeit,

sich für das 10-GByte-Laufwerk

(2,99 US-Dollar pro Monat) oder

das 25 GByte-Laufwerk (6,99 US-

Dollar pro Monat) zu

entscheiden. Die Gratis-Option

von 1 GByte

lässt sich via Checkbox

am unteren Bildschirmrand

aktivieren.

Nach Beenden des Assistenten

öffnet Zumodrive

automatisch

den nur teilweise

deutsch lokalisierten

Web-Client, der etwa

im Reiter Dateien die

soeben verlinkten Ordner

zeigt. Hier lassen

sich unter anderem mit

Invite friends and get

free space zusätzliche

5 GByte Gratis-Speicherplatz

mittels Freundschaftswerbung

ergattern. Eine erneute

Auswahl von Anwendungen | Zubehör

| Zumodrive ist fortan identisch

mit dem Anklicken des

Netzwerklaufwerkes auf dem

Desktop und zeigt lediglich die

„Linked Folders“ im Dateimanager

Nautilus. Sie haben hier lediglich

die Möglichkeit, Ordner auf

das Netzwerklaufwerk zu schieben

oder von dort zu löschen,

während Zumodrive die Änderungen

synchronisiert.

Das Zumodrive hinterlässt einen

gemischten Eindruck. Das

Abbilden der Online-Festplatte

als Netzwerklaufwerk erleichtert

die Handhabung, allerdings fallen

sowohl der Funktionsumfang als

auch 1 GByte Gratis-Speicherplatz

mager aus. Die Preisgestaltung

der kommerziellen Pakete

bewegt sich am oberen Rand des

Feldes, und über die verwendeten

Technologien und Sicherheitskonzepte

schweigt sich die Webseite

allerdings aus.

Fazit

Eine abschließende Empfehlung

für einen der vorgestellten Dienste

auszusprechen, fällt angesichts

der recht unterschiedlichen Konzepte

schwer. Ginge es um den

Preis, würden sich etwa Teamdrive

und Ubuntu One disqualifizieren,

während Dropbox und

Wuala das Rennen machten.

Beschränkt man sich rein auf die

Gratis-Festplatte, hinterlassen

Spideroak, Zumodrive und Dropbox

den ausgereiftesten Eindruck

unter den Kandidaten.

Empfehlungen

Als subjektiv gefärbte Empfehlung

der Redaktion möchten wir

trotzdem Teamdrive und Spideroak

hervorheben: Teamdrive

überzeugt in der Summe der Eigenschaften,

denn es unterstützt

alle Zugriffsverfahren vom „überwachten

Ordner“ über den nativen

Client bis zu WebDAV. Lediglich

das Fehlen eines An droid-

Clients enttäuscht.

Der Mitbewerber Spideroak

empfiehlt sich vor allem wegen

des hervorragenden Sicherheitskonzepts

und wegen des Funktionsumfangs

des Clients. Hier

bleibt kaum ein Wunsch offen,

bis auf die Lokalisierung. (jlu) n

info

[1] Tools und Clients für Ubuntu One:

https:// launchpad. net/ ubuntuone

[2] Getlibs installieren:

http:// wiki. ubuntuusers. de/ getlibs

[3] Spideroak-Anmeldung:

https:// spideroak. com/ signup

[4] Spideroak-Authentifizierung:

https:// spideroak. com/ blog/ 2011062023

5134-2-factor-authentication-to-your-spideroak-account

F Der Zumodrive-

Client ist auf elegante

Weise als Netzwerklaufwerk

für das System

implementiert.

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09 | 11 29


schwerpunkt

Strato HiDrive

reADMe

Stratos Onlinespeicher

HiDrive bietet für wenig

Geld viel Speicher und

offene Schnittstellen.

Jetzt hat der Hoster

nachgelegt und sowohl

die Weboberfläche modifiziert

als auch Apps für

Android und Windows

Mobile veröffentlicht.

Neuerungen für Stratos Online-Speicher HiDrive

Aufgehübscht

Strato trifft mit

dem Onlinespeicher

HiDrive

den Nerv vor allem

technikaffiner

Anwender. Seit

dem Launch des

Dienstes vor etwa

einem Jahr hat

sich einiges getan.

Thomas Leichtenstern

Dezentrales Speichern von Daten

im Internet bietet zwei entscheidende

Vorteile: Sie erreichen

die Dateien von jedem Internetanschluss

aus und Sie besitzen

eine sichere Kopie, sollte der lokale

Datenbestand einmal beschädigt

oder vernichtet werden. Viele

Storage-Anbieter verwenden zur

Anbindung proprietäre Protokolle

und einen speziellen Client. Andere

gestatten den Zugriff auf die

gehosteten Dateien sogar lediglich

über ihre Webseite.

Eine andere Philosophie verfolgt

der Webhoster Strato mit seinem

Produkt HiDrive [1]: Er stattet

den Onlinespeicher mit Standardschnittstellen

aus, die sich problemlos

in jedes bestehende Netz

oder System integrieren lassen,

wie etwa (S)FTP, SMB/ CIFS oder

Rsync. Darüber hinaus stellt Strato

Apps für Android und Windows

Mobile bereit, eine weitere für

Apple iOS soll in Kürze folgen. In

LU 06/ 2010 beschrieben wir im

Listing 1

Artikel „Speicher satt“ [2] bereits

die Funktionen des Angebotes.

Der vorliegende Kurztest zielt auf

die Neuerungen und Änderungen

von Stratos Online-Festplatte ab.

Generelles

Der vor etwa einem Jahr gestartete

Dienst HiDrive erfreut sich laut

Strato mit sechsstelligen Nutzerzahlen

großer Beliebtheit – nicht

zuletzt wohl, weil der Hoster die

Preise für sein Produkt sehr attraktiv

gestaltet. Für den Privatanwender

reicht die Spanne von

0,99 Euro monatlich für einen

20-GByte-Account bis zu 29,90

Euro pro Monat für 2 TByte Speichervolumen.

Die verschiedenen

Größen bieten alle die gleichen

Schnittstellen und unterscheiden

sich nur in Details voneinander,

etwa in der Anzahl der verfügbaren

Benutzerkonten. Für Speichergrößen

bis 500 GByte bietet Strato

einen kostenlosen 30-tägigen

Test an. Optional gibt es einen

$ rsync ‐av /Quellverzeichnis/Quelldatei Nutzer@rsync.HiDrive.strato.

com:/users/Nutzer/Zielverzeichnis/

© Sergeyp, 123RF

Send-in-Service zum Preis von

30 Euro: Das Unternehmen sendet

Ihnen dazu eine Festplatte, die Sie

befüllt zurückschicken. Strato

überträgt die enthaltenen Dateien

dann in Ihren Hi Drive-Account.

Ferner bietet Strato nun die

NAS-Systeme Synology DS110j

und DS211j im Bundle mit einem

1- und 2-TByte-Account zum Vorzugspreis

als sogenannte Hardwareprämie

an. Die kleinere Variante

kostet bei einer 12-monatigen

Vertragsbindung 99 Euro, bei

24 Monaten Laufzeit 49 Euro –

der Straßenpreis des Gerätes liegt

bei etwa 200 Euro. Die größere

Version DS211j kostet bei 12-monatigem

2-TByte-Account 199

Euro, bei 24 Monaten Laufzeit

149 Euro. Hier liegt der Ladenverkaufspreis

des NAS bei etwa

300 Euro. Für beide Geräte bietet

Strato eine App, die das einfache

Einrichten einer Synchronisation

mit dem Onlinespeicher ermöglichen

soll. Einen ausführlichen

Test lesen Sie in der kommenden

Ausgabe von LinuxUser.

Da Strato seine Server in

Deutschland betreibt, gelten die

vergleichsweise strengen hiesigen

Datenschutzbestimmungen. Darüber

hinaus wurde das Rechenzentrum

nach ISO 27001 zertifiziert,

das eine hohe Verfügbarkeit

und Sicherheit belegen soll.

Administration

Zum Einrichten des Online-Laufwerkes

stellt Strato eine webbasierte

Nutzeroberfläche bereit. Sie

erlaubt die Konfiguration des

Dienstes und bringt einen Dateibrowser

mit, der es erlaubt, die

hochgeladenen Verzeichnisse und

Dateien zu verwalten. Neben dem

klassischen Hochladen von der

Festplatte ins Cloud-Storage bietet

das Frontend zwei weitere

Möglichkeiten: Zum einen das

direkte Kopieren von im Web gehosteten

Dateien wie ISO-Images

via URL ins Storage und zum anderen

den neu hinzugekommenen

Mail-Upload. Um Letzteren zu

nutzen, öffnen Sie per Rechtsklick

30 09 | 11

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Strato HiDrive

schwerpunkt

im Dateimanager zunächst das

Kontextmenü desjenigen Verzeichnisses,

das Sie als Speicher nutzen

möchten. Danach aktivieren Sie im

Kontextmenü den Eintrag Mailupload

einstellen, worauf sich ein

Dia logfeld öffnet. Dort legen Sie

die Eckdaten für das Speichern der

Dateien fest und aktivieren die automatische

Empfangsbestätigung.

Das Schema der Upload-Mailadresse

lautet Nutzer+Ver zeichnis @

hidrive.strato.com.

Ebenfalls eine Runderneuerung

erfuhr das Restore-Modul der

Weboberfläche. Diese Funktion

platziert Strato etwas schwer zu

finden im Menü Verwalten | Backup­Versionen

des Dateimanagers.

In der gelungenen Recovery-Funktion

wählen Sie zunächst die Zeitspanne

der Datensicherung, danach

das Backup-Set und abschließend

das betreffende Verzeichnis.

Zum Wiederherstellen genügt es,

die gewünschte Datei via

Drag & Drop in die rechte Spalte

zu ziehen, welche die Ordnerstruktur

des Laufwerkes anzeigt

(Abbildung A). Um den Modus zu

verlassen, klicken Sie auf Backup­

Versionen beenden oben links.

Truecrypt

Zum Speichern sensibler Daten

empfiehlt Strato das Verwenden

von Truecrypt-Containern. Deren

mangelhafte Synchronisation via

SMB allerdings erwies sich im

letzten Test gerade als Achillesferse

des Dienstes. Dieses Problem

hat Strato mittlerweile restlos aus

der Welt geschafft.

Um die Technik zu nutzen, erstellen

Sie zunächst auf der lokalen

Platte ein Volume und befüllen

es idealerweise schon mit den

gewünschten Daten [3]. Danach

kopieren Sie den Container in das

gemountete HiDrive-Share oder

laden ihn via Rsync hoch (Listing

1). Nach dem vollständigen

Upload navigieren Sie im Dateibrowser

von Truecrypt zum eingehängten

HiDrive-Share und

binden das Volume wie von lokalen

Speichern gewohnt ein.

True crypt erstellt ein temporäres

Image im Verzeichnis /tmp/.truecrypt_aux_mnt1,

in das es Änderungen

zunächst temporär speichert.

Etwa im Minutentakt synchronisiert

CIFS die Änderungen als

Delta-Upload auf den Server. Das

heißt, dass es lediglich neue oder

geänderte Dateien berücksichtigt

und nicht jeweils den kompletten

Container hochlädt. Das nervige

minutenlange Warten beim Aushängen

des Images gehört damit

der Vergangenheit an.

Mobiles HiDrive

Seit einigen Monaten bietet Strato

auch eine Android-App zum

Zugriff auf das Storage an. Deren

aktuelle Version klinkt sich ins

Kontextmenü des Systems ein

und erlaubt so das Hochladen von

Dateien aus anderen Anwendungen

heraus in den Onlinespeicher.

Daneben erlaubt auch die Hi-

Drive-App selbst einen entsprechenden

Zugriff: Ein Druck auf

HiDrive unten links öffnet eine

Auswahl der erkannten Applikationen

und erlaubt aus ihnen heraus

das Hochladen von zugehörigen

Inhalten (Abbildung B).

Möchten Sie ganze Verzeichnisse

kopieren, nutzen Sie Datei/ Verzeichnis

nach HiDrive. Danach

startet ein Dateibrowser, aus dem

heraus Sie die Auswahl treffen.

Daneben bietet die App optional

an, Audio- und Video-Dateien zu

streamen anstatt herunterzuladen.

Im Praxistest spielte sie zwar

Musik im OGG- und MP3-Format

anstandslos ab, jedoch fehlen dem

Player selbst rudimentärste Funktionen

wie das Vor- und Zurückspulen,

von einer Playlisten-Verwaltung

ganz zu schweigen.

info

[1] Strato HiDrive:

http:// www. strato. de/ online-speicher/

[2] HiDrive: Thomas Leichtenstern,

„Speicher satt“, LU 06/ 2010, S. 88,

http:// www. linux-community. de/ 21064

[3] Truecrypt: Thomas Leichtenstern,

„Verborgene Talente“, LU 02/ 2009, S. 36,

http:// www. linux-community. de/ 17405

Beim Abspielen von Videodateien

versagt die App komplett: Selbst

gängige Formate wie MPEG oder

OGV kennt sie nicht. Nach dem

Aufruf einer MPEG-4-Datei erscheint

zwar der Hinweis Möchten

Sie die Datei herunterladen oder

streamen. Danach verweigert die

App allerdings das Abspielen mit

der Begründung, das Gerät unterstütze

das Format nicht. Nach

dem normalen Download lief die

Videodatei jedoch anstandslos

auf dem Smartphone.

Beim Aufruf von Cinepack-codierten

AVI-Dateien startet zwar

der Player, spielt aber weder Bild

noch Ton ab. Ein Klick auf den

Back-Button führte im Test zum

Absturz der App. (tle) n

A Nach Anwahl des

Backupsatzes stellen

Sie die gesicherten Dateien

– via Drag & Drop

ins gewünschte Verzeichnis

– wieder her.

B Stratos Android-App

ermöglicht unter anderem

das Hochladen

aus den erkannten

Apps heraus.

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09 | 11 31


schwerpunkt

Twitter-Clients

Twitter-Clients Hotot 0.9.6 und Choqok 1.1

Fröhliches

Zwitschern

Schnelles Status-Update nach dem Essen oder Freudenschrei nach dem Lottogewinn? Mit Hotot

und Choqok halten Sie Freunde und Verwandte stets auf dem neuesten Stand. Mirko Albrecht

© Merlin1075, sxc.hu

reADMe

Hotot und Choqok erlauben

beide das schnelle

Posten und Weiterleiten

von Klatsch und Tratsch

via Twitter. Welche Software

aber im Detail tatsächlich

überzeugt,

zeigt nur eine ausführliche

Übersicht.

twitter für einsteiger

Die Weboberfläche des Microblogging-Dienstes

Twitter bietet

nicht viel Komfort. Als praktischer

erweist sich im Alltag ein

angepasstes Client-Programm.

Dass Twitter selbst als kommerzieller

Anbieter die Linux-Welt

fröhlich ignoriert, gehört schon

fast zum guten Ton. Doch Tux-

Liebhaber finden immer jemanden

in ihren Reihen, der eine passende

Software hervorzaubert.

Anhand der zwei Kandidaten

Hotot [1] und Choqok [2] zeigt

dieser Artikel, wie Sie mit den

freien Programmen Ihren eigenen

Im Grunde genommen handelt es sich bei Twitter

um einen Nachrichtendienst, mit dem Sie (ähnlich

einer Kurzmitteilung auf einem Handy) eine auf 140

Zeichen begrenzte Textnachricht in die Welt senden

– quasi ein kleiner Blog (daher: Microblogging), der

sich nicht auf eine Webseite beschränkt.

Die Adressaten heißen Follower: Hinter diesem Begriff

verbergen sich andere Teilnehmer, die Ihren

Nachrichten folgen. In gleicher Weise haben Sie die

Möglichkeit, anderen Personen zu folgen. Sie erhalten

deren Nachrichten in einer Zeitlinie, die die Einträge

chronologisch sortiert. Die Nachrichten selbst

Nachrichtenstrom in die Welt

hinausschicken. Kennen Sie das

Wort Twittern bisher lediglich

aus den Nachrichten, lohnt sich

ein Blick in den Kasten Twitter

für Einsteiger an.

bezeichnet die Twitter-Welt als Tweets, was so viel

wie „Gezwitscher“ bedeutet.

Oft leiten Twitterer Kommentare anderer Personen

direkt in ihr Follower-Netz weiter. Diese Nachrichten

heißen wiederum Retweets. Auf diese Weise erreicht

eine Meldung unter Umständen binnen kürzester

Zeit Millionen von Menschen. Immer mehr

nutzen auch Firmen den Dienst, um zum Beispiel

Statusmeldungen angebotener Produkte mitzuteilen.

Aber auch prominente Personen aus Kultur und Politik

verwenden Twitter, um Meinungen, Termine oder

einfach den neuesten Klatsch zu verbreiten.

Hotot

Das auf Python basierende Microblogging-Tool

Hotot liegt derzeit

nur für Linux (siehe Kasten

Linux-Installation) und Googles

Chrome vor. Hotot ist modular

aufgebaut: Die Open-Source-Entwickler

kümmern sich um das eigentliche

Programm und erweitern

dessen Funktionalität mit

sogenannten Extensions. So

kommt derzeit bei jedem Minor-

Update eine neue Funktion in

Form einer Erweiterung hinzu.

Derzeit visiert Hotot mit der

Programmversion 0.9.6 straff die

1.0 an, was in Entwicklerkreisen

bedeutet, dass die Software nun

alles an Bord hat, was für eine

erste stabile Version geplant war.

Neben seiner Hauptaufgabe, als

Schnittstelle zum Twitter-Dienst

auf Linux-Maschinen zu fungieren,

unterstützt Hotot den Microblogging-Dienst

Identi.ca [3]. Allerdings

verwirrt das Programm

mit zwei unterschiedlichen Layouts

– je nachdem, welche Installation

Sie wählen: Nach dem Einspielen

aus dem Ubuntu-Repository

(Abbildung A) lieferte ein

Blick auf die Version aus den Python-Quellen

(Abbildung B), dass

diese die Menüleiste unten platziert

und einige anders gestaltete

Farb- und Icon-Layouts aufweist.

Beide Programmversionen tragen

jedoch die Nummer 0.9.6. Der Ar-

32 09 | 11

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Twitter-Clients

schwerpunkt

tikel bezieht sich auf die leichter

zu installierende Version aus dem

Paketmanagement.

Nach erfolgreicher Installation

nistet sich beim erstem Start ein

Symbol mit einem Antennenmännchen

mit blauer Schale in

Ihre Menüleiste ein, was einen

Hintergrundmodus ermöglicht.

Über neu eingetroffene Tweets

informiert eine kleine Textbox.

Zuerst erwartet Twitter jedoch

die Authentifikation der Software

gegenüber dem Dienst. Im ersten

Dialog (Abbildung C, nächste Seite)

geben Sie den Namen Ihres

Accounts ein, worauf die Software

ein Passwort erwartet und als zusätzliche

Bestätigung eine PIN

einblendet. Diese geben Sie im

nächsten Fenster in das entsprechende

Feld ein und betätigen den

Schalter Click Me to Continue (Abbildung

D, nächste Seite). Von da

an ist Hotot als von Ihnen benutzter

Client bei Twitter registriert.

Sie erreichen die Menüpunkte

über reiterähnliche Elemente. Ein

Klick auf ein Symbol verschiebt

den kleinen weißen Pfeil darunter.

Um eine neue Nachricht in

die Welt hinauszuzwitschern, klicken

Sie auf die Sprechblase mit

dem Pluszeichen, schreiben

drauflos und senden mit einem

Klick auf den Schalter Update.

Standardmäßig öffnet sich das

Timeline-Fenster mit allen abonnierten

Tweets. Die restlichen

Menüpunkte schalten um zum

Nachrichtenfenster, zu den erhaltenen

Antworten (Mentions) und

den Retweets. Der Schalter By

Others sammelt die Retweets Ihrer

Freunde. By Me zeigt an, was

Sie selbst von anderen Personen

für wichtig genug hielten, um es

weiterzuverbreiten.

Klicken Sie auf das weiße Ei auf

blauem Hintergrund, um zum

persönlichen Profil zu gelangen.

Selbsterklärend erhalten Sie hier

Auskunft, wem Sie folgen und

welcher Twitter-User Ihnen folgt.

Ihre eigenen Tweets finden Sie

hier genauso, wie Ihre Antworten

auf Kommentare.

A Die vorpaketierte Version von Hotot weist Unterschiede

gegenüber der…

Unabhängig davon, um welche

Art Tweet es sich handelt, erscheinen

beim Anfahren mit dem

Mauszeiger kleine Symbole, mit

denen Sie auf die Nachricht antworten,

diese als Favorit markieren

oder weiterschicken. Über das

kleine Pulldown-Menü senden Sie

eine persönliche Nachricht an

Hotot unterstützt derzeit Ubuntu, Fedora, Mandriva,

Arch und Gentoo mit Paketen. Unter Ubuntu fügen

Sie das Hotot-PPA hinzu und installieren die Software

aus dieser neuen Quelle. Geben Sie dazu folgende

drei Zeilen in ein Terminal ein:

$ sudo add‐apt‐repository ppa:hotot‐team

$ sudo apt‐get update

$ sudo apt‐get install hotot

Fedora hat Hotot bereits ins eigene Repository integriert.

So genügt ein simples yum install hotot. Wie

Sie das Programm unter anderen Distributionen richtig

in Ihr System integrieren, verrät Ihnen die Anleitung

des Projektes [5].

Möchten Sie den Twitter-Client direkt aus den Quellen

nutzen, benötigen Sie zum Herunterladen der

Sourcen die Tools des Versionkontrollsystems

Mercurial, die aber jeder gängigen Distribution beiliegen.

Mit der folgenden Befehlszeile laden Sie den

Quelltext aus dem Netz herunter:

$ hg clone https://code.google.com/p/hotot/U

hotot

Prüfen Sie, ob die Pakete python-webkit, pythonnotify,

python-keybinder und python-distutils-extra

installiert sind. Wechseln Sie ins Arbeitsverzeichnis

B …aus den Quellen kompilierten auf, wie zum

Beispiel unterschiedliche Farb- und Icon-Layouts.

den Twitterer oder Hotot übersetzt

für sie einen englischsprachigen

Tweet.

Dies geschieht über das Plugin

Hotot Translate. Das setzt allerdings

voraus, dass Sie die Software

auf Ihre Muttersprache umstellen.

Klicken Sie auf das kleine

Symbol mit dem behelmten

Linux-instALLAtion

und starten Sie das Programm mittels ./hotot/

hotot.py. Bei Gefallen installieren Sie die Software

anschließend über ./install.

Auch bei Choqok haben es die Benutzer von Ubuntu

und deren Derivaten am leichtesten. Geben Sie in

Ihrem Terminal die folgenden Zeilen ein:

$ sudo add‐apt‐repository ppa:adilson/experiU

mental

$ sudo apt‐get update

$ sudo apt‐get install choqok

Das bringt Choqok in der aktuellen Version 1.1 auf

die Festplatte. Ähnlich einfach installieren Nutzer

von OpenSuse und Gentoo den persischen Spatzen;

alle anderen laden den Quelltext [2] herunter, packen

ihn aus und machen sich ans Kompilieren:

$ cmake ‐DCMAKE_INSTALL_PREFIX=`kde4‐configU

‐‐prefix`

$ make

$ sudo make install

Stellen Sie vorab sicher, dass die KDE-Entwickler-Pakete

(Ubuntu: kdelibs5-dev) sowie die Entwicklerpakete

zu QJson (Ubuntu: libqjson-dev), QOauth

(Ubuntu: libqoauth-dev) und Gettext auf dem Zielsystem

korrekt installiert sind.

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09 | 11 33


schwerpunkt

Twitter-Clients

C Der Server des Nachrichtendienstes Twitter erwartet

zum Autorisieren des Hotot-Clients Ihr Passwort …

D …und blendet anschließend zusätzlich eine PIN ein,

die Sie im nächsten Dialog verwenden.

E Auch Choqok

setzt auf ein Layout

mit Reitern, nutzt aber

ansonsten die KDE-eigene

Optik und Haptik.

Männchen und wählen Sie aus

dem Pulldown-Menü den Punkt

Extensions aus. Scrollen Sie weiter

nach unten bis zur Erweiterung

Hotot Translate und wählen Sie

den Schalter Options. Das folgende

Menü besitzt nur eine Auswahlmöglichkeit:

die Sprache.

Neben diesem nützlichen Addon

bietet Hotot weitere Plugins

zum Hochladen für Bilder und

den Zugriff auf andere Webdienste,

wie Youtube oder Google

Maps. Darüber hinaus besitzt das

Programm eine Suchfunktion:

Über das Lupensymbol durchstöbern

Sie Twitter nach Begriffen in

Tweets oder suchen nach bestimmten

Personen. Fahren Sie

mit der Maus über einen Personen-Eintrag,

erscheint ein Symbol

mit einem Pluszeichen. Mit

einem Klick darauf folgen Sie dem

Vögelchen, bis Sie in Ihrem Profil

unter Friends zu eifrige Plaudertaschen

wieder entfernen.

Choqok

In einem Land wie dem Iran verbreiten

sich viele Nachrichten

ausschließlich über die diversen

sozialen Netzwerke. So verwundert

es kaum, dass zwei iranische

Programmierer den Microblogging-Client

Choqok [2] für den

von ihnen bevorzugten KDE-

Desktop entwickelt haben. Das

persische Wort „Choqok“ heißt

einfach nur Spatz oder Sperling,

und lehnt sich so an die Metapher

vom Zwitschern an. Neben dem

Twitter-Dienst selbst unterstützt

das Programm den auf der

freien Software Status.net

basierenden Microblogging-Dienst

Identi.ca.

Wie bei Hotot gilt es auch

bei diesem Tool, sich erst

einmal bei Twitter für den

Einsatz zu autorisieren. Dabei

gehen Sie ähnlich wie

F Beide Clients nutzen für

den Hintergrundmodus kleine

Symbole in der Menüleiste.

oben beschrieben vor und geben

den von Twitter erhaltenen PIN-

Code ein. Nach erfolgreichem Anmelden

empfängt Sie ein ähnlicher

Programmaufbau wie bei

Hotot (Abbildung E). Ein Symbol

mit einem grünen Spatzen nistet

sich nicht nur unter KDE, sondern

auch unter Gnome in die

Menüleiste ein und gewährt den

Zugriff auf die im Hintergrund

laufende Software (Abbildung F).

Choqok stellen Sie bei Bedarf

über den Menüpunkt Help |

Switch Application Language auf

Deutsch um, wenn auch nur teilweise.

Die Timeline bezeichnet

Choqok intern als Home und

schenkt diesem Reiter auch ein

Ordnersymbol. Für ein sofortiges

Update dieser Tweet-Liste drücken

Sie [F5].

Die Reiter Inbox und Outbox beziehen

sich auf Ihre privaten

Nachrichten. Um Retweets und

Favoriten anzuzeigen, sind einige

Klicks mehr notwendig.

info

[1] Hotot: http:// www. hotot. org

[2] Choqok: http:// choqok. gnufolks. org

[3] Microblogging mit Identi.ca: http:// identi. ca

[4] Gwibber: Christoph Langner, „Soziale

Kreise“, LU 09/ 2011, S. 36,

http:// www. linux-community. de/ 24105

[5] Installation Hotot:

http:// www. hotot. org/ get_hotot. html

34 09 | 11

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Twitter-Clients

schwerpunkt

Dazu wählen Sie in der Menüleiste

den Punkt Settings | Configure

Choqok. Hier klicken Sie auf Accounts

und markieren Ihren Alias.

Betätigen Sie nun auf der rechten

Seite den Schalter Modify … und

wählen Sie den Reiter Timelines

Configuration. Hier aktivieren Sie

noch die Kästchen 5 und 6.

Ein Unterteilen der Retweets

wie unter Hotot fehlt bei Choqok

derzeit ebenso wie eine übersichtliche

Anzeige des eigenen Profils

mit den persönlich verfassten

Tweets und deren Antworten.

Hier gilt es, diese aus der Timeline

herauszufischen, indem Sie

die Funktionen Nach Autoren filtern

und Nach Inhalten filtern aktivieren.

Am unteren Rand des

Programmfensters erhalten Sie

ein entsprechendes Eingabefeld.

Choqok unterstützt definierte

Reaktionen auf einen Eintrag.

Finden Sie beispielsweise über die

Suchfunktion ([Strg]+[F]) einen

interessanten Twitterer, dem Sie

zu folgen gedenken, bekommen

Sie vom Server trotz angeblich erfolgreichem

Anmeldens eine Fehlermeldung

(Abbildung G). Auch

ein wiederholtes Anmelden bei

Twitter brachte im Test zunächst

keinen Erfolg. Nach einiger Zeit

zwitscherten dann aber trotzdem

die Meldungen herein.

Genauso ärgert das Fehlen einer

Cancel­Taste, um eine begonnene

Antwort zu verwerfen. Die Nachricht

bleibt nach einem Neustart

mit Adressaten im Textfenster

kleben, bis Sie sie per Hand über

[Rückschritt] löschen. Insgesamt

wirkt das Bedienkonzept von

Choqok etwas ungelenk und

rechtfertigt eigentlich nicht die

Programmversion 1.1.

Auch Choqok verfügt über eine

Schnittstelle für Plugins, mit deren

Hilfe Sie Fotos hochladen

oder auf die Videodienste Youtube

und Vimeo verweisen.

Wie Hotot und Choqok beweisen,

gibt es unter Linux neben dem

Allround­Talent Gwibber [4] auch

noch andere gute Microblogging­

Systeme. Vor allem Hotot gefällt

durch seine konsequente Benutzerführung

und ein ansprechendes

Layout. (agr) n

G Der Server-Fehler

über ein fehlgeschlagenes

Anmelden bei

Twitter verwirrt, denn

die Nachrichten des

gewünschten Teilnehmers

tauchen später in

der Timeline auf.

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schwerpunkt

Gwibber

Gwibber – Allround-Client für Social Networks

Soziale Kreise

Wer mehrere Social-Networking- und Microblogging-Dienste nutzt, der verliert im Webbrowser

schnell den Überblick. Mehr Komfort bietet für solche Szenarien ein leistungsfähiger Client wie

Gwibber, der das Web 2.0 in einem Fenster zusammenfasst. Christoph Langner

reADMe

Mit Gwibber behalten

Sie gleichzeitig Digg,

Face book, Flickr, Twitter,

Foursquare, Identi.ca,

Google Buzz, Statusnet

Friendfeed und Qaiku im

Blick. Besonders unter

Ubuntu integriert sich

der Social-Networking-

Client nahtlos ins

System.

A Gwibber findet

sich im Programmmenü

von Ubuntu

gleich an drei Stellen.

Twitter, Facebook, Xing, die VZ-

Netzwerke, Identi.ca, Google+

und Konsorten – die Flut der

Social Networks reißt nicht ab.

Jeder der großen Internet-Player

versucht, im Markt mitzuspielen.

Wer als Nutzer allerdings an

mehr als einem dieser Netzwerke

teilnimmt, der verliert schnell

den Überblick und hat ständig zig

Seiten im Browser offen.

Da bieten Programme, die mit

mehr als einem Social Network

umgehen können, einen deutlichen

Mehrwert. Zu dieser Riege

zählt Gwibber [1], das zum Beispiel

Ubuntu schon seit der Version

10.04 von Haus aus vorinstalliert.

Mit Gwibber behalten Sie

gleichzeitig die Netze von Twitter,

Identi.ca, Statusnet, Facebook,

FriendFeed, Digg, Flickr,

Foursquare, Buzz und Qaiku unter

einem Dach im Blick.

Der Integration weiterer Netze

gegenüber zeigen sich die Entwickler

aufgeschlossen [2]: So ließen

sich rein technisch gesehen

Netze wie etwa Xing oder die VZ-

Netze über den OpenSocial-Standard

[3] relativ einfach einbinden.

Bislang wurden diese Pläne jedoch

nicht umgesetzt. Die Integ ration

von Google+ wäre ebenso möglich

[4]. Allerdings fehlt bislang

eine offizielle API [5], sodass die

Entwickler an dieser Stelle noch

gar nicht loslegen können.

Gwibber installieren

Bei den meisten Distributionen

können Sie Gwibber direkt aus

den Paketquellen einrichten, allerdings

nur in älteren Versionen.

Gwibber-Instanzen vor Version

2.3.0 – Debian „Squeeze“

ins talliert beispielsweise noch

Gwibber 1.2.0 – sollten Sie generell

aktualisieren, da diese viele

inzwischen realisierte Funktionen

vermissen lassen. Das neueste

Release Gwibber 3.1.0 geht zudem

deutlich schneller zu Werke

als die betagten Vorgänger.

Vor Gwibber 3.0 nutzte Gwibber

DesktopCouch [6] zum Speichern

der Daten, was merklich an der

Performance nagte. Um diesen

Flaschenhals zu beseitigen, setzen

aktuelle Gwibber-Versionen

stattdessen auf eine SQLite-Datenbank

auf. Bei Gwibber 3.1

nahmen die Entwickler noch eine

Reihe zusätzlicher Optimierungen

vor. Hänger der kompletten

Anwendung, wie sie bei älteren

Gwibber-Versionen an der Tagesordnung

waren, kamen auf unserem

Testsystem mit Gwibber 3.1

überhaupt nicht mehr vor. Daher

gehen wir im Folgenden hauptsächlich

auf Gwibber 3.1.0 unter

Ubuntu 11.04 ein.

Ab Ubuntu 9.04 richten Sie die

Software aus dem Gwibber-Daily-

PPA [7] ein (Listing 1). Beachten

Sie dabei, dass einige Gwibber-

Komponenten dabei nicht von

Haus aus auf die Platte wandern:

In der Standardinstallation unterstützt

die Anwendung lediglich

Facebook, Twitter und Identi.ca.

Um andere Social Networks zu

nutzen, mit denen Gwibber umgehen

kann, suchen Sie über

Synaptic nach allen Paketen, die

„gwibber“ im Namen tragen, und

installieren die Unterstützung für

das gewünschte Netzwerk nach.

Gwibber trägt sich gleich drei

Mal in die Anwendungsmenüs

ein: Es gibt einen eigenen Punkt

zum Verwalten der Accounts (Abbildung

1), einen für die generelle

Gwibber-Konfiguration und einen

weiteren für das Programm

selbst. Sie können allerdings die

Kontenverwaltung und die Ein-

Listing 1

$ sudo add‐apt‐repository

ppa:gwibber‐daily/ppa

$ sudo apt‐get update

$ sudo apt‐get install gwibber

36 09 | 11

www.linux-user.de

© ilco, sxc.hu


Gwibber

schwerpunkt

stellungen zusätzlich direkt

aus dem Programm

heraus öffnen.

Zugänge einrichten

In einem ersten Schritt

öffnen Sie nun erst einmal

die Nachrichtenkonten

und tragen Ihre Account-

Daten ein. Die Authentifizierung

funktioniert bei

den wichtigsten Kontentypen

immer über die API

selbst, sodass Gwibber

nicht direkt die Zugangsdaten

abspeichern muss.

Sollten Sie später einmal

Gwibber deinstallieren, so

sollten Sie daran denken,

der Anwendung innerhalb

der Einstellungen des genutzten

Netzwerkes die Zugriffsrechte

wieder zu entziehen.

Nach dem Einrichten der Konten

starten Sie nun Gwibber

selbst. Seine Oberfläche präsentiert

sich anfangs relativ unspektakulär

(Abbildung B), die wichtigsten

Funktionen erschließen

sich intuitiv. In einer zentralen

Zeitleiste sehen Sie alle eingehenden

Nachrichten. Über eine

schmale Schalterleiste am linken

Rand der Anwendung filtern Sie

die Neuigkeiten entweder pro Account

oder nach Nachrichtentyp.

Zur besseren Unterscheidung

hinterlegt Gwibber die ausgewählten

Rubriken der Accounts

immer mit einer von Ihnen vorab

definierten Farbe.

Am unteren Rand finden Sie

eine Textbox, über die Sie eigene

Statusnachrichten abschicken.

Wollen Sie eine Nachricht nur an

ein bestimmtes Netzwerk senden,

dann legen Sie über die Symbole

unterhalb der Eingabebox fest, an

welchen Dienst die Nachricht gehen

soll. Beim Antworten auf

Nachrichten aktiviert sich diese

B Die Oberfläche des Messaging-Clients

Gwibber erschließt sich intuitiv.

Funktion automatisch,

sodass Ihre Replik

nur an das betreffende

Netz geht.

Das Plus-Zeichen

neben dem Schalter

Senden öffnet einen

Dateidialog, über den

Sie ein Bild auf den

kostenlosen Bilderhoster

Imageshack.us

hochladen. Den Link

zum Bild kürzt Gwibber

danach automatisch

und überträgt

ihn in das Eingabefeld. Diese

Funktion steht allerdings erst ab

Gwibber 3.1.0 zur Verfügung;

spätere Gwibber-Versionen werden

auch Uploads zu Yfrog oder

Ubuntu One unterstützen.

Etwas versteckt haben die Gwibber-Entwickler

die Möglichkeit,

auf einzelne Tweets, Dents oder

Statusnachrichten zu reagieren.

Sobald Sie mit dem Mauszeiger

auf eine Nachricht fahren, erscheinen

in deren rechter oberer

Ecke zwei kleine Icons (Abbildung

C). Über das untere Icon

antworten Sie direkt auf die

Nachricht, Gwibber übernimmt

C Mithilfe der kleinen Icons (Pfeil) reagieren Sie direkt auf alle

eingehenden Statusnachrichten.

dann deren Sender als Adressat

und aktiviert exklusive das soziale

Netz, das diese Nachricht betrifft.

Über das zweite Icon können

Sie Nachrichten nicht nur beantworten,

sondern auch weiterleiten,

direkte Nachrichten an

den ausgewählten Kontakt schicken

oder Tweets, Dents und Co.

auch als Favoriten abspeichern.

Alles im Blick

Wenn Sie viel mit Twitter oder

Identi.ca arbeiten, dann kommen

Sie mit einer Zeitleiste alleine

nicht hin. Deutlich mehr Übersicht

erzielen Sie, indem Sie eingehende

Nachrichten von persön-

D Mithilfe mehrerer

Spalten behalten Sie

den Überblick.

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09 | 11 37


schwerpunkt

Gwibber

E Alles im Blick.

F Über Ubuntus Me

Menu setzen Sie per

Gwibber Kurzmeldungen

in die Welt ab.

Der Autor

Christoph Langner arbeitet

für die PTV AG

Karlsruhe in Karlsruhe

im Bereich des

Testmanagements

und ist seit Jahren im

Bereich der Open

Source Software aktiv.

Sie finden sein

Blog rund um GNU/

Linux auf http://

linuxundich. de.

lichen Nachrichten und Suchen

getrennt darstellen. Über das

Me nü Gwibber | Neuer Kanal oder

[Strg]+[N] blenden Sie dazu eine

weitere Spalte ein, die Sie frei belegen.

Gwibber ähnelt in dieser

Funktion stark anderen Twitter-

Clients wie Tweetdeck oder Hotot.

Im Prinzip können Sie beliebig

viele Spalten anlegen, die

Bildschirmbreite ist die Grenze

(Abbildung D, vorherige Seite).

So ergeben die Suchen nach bestimmten

Themen Sinn, die Sie

gerne im Blick behalten möchten.

Prinzipiell starten Sie über Gwibber

| Suchen oder [Strg]+[F] eine

Suche nach einem bestimmten

Begriff oder Hashtag. Gwibber

speichert die Suche und zeigt sie

in der Leiste neben der Zeitleiste

ganz unten so lange an, bis Sie die

Suche über das „X“ neben dem

Suchbegriff löschen (Abbildung

E). Die einzelnen Suchen

können Sie dann in eine zusätzlich

eingeblendete Spalte einbinden,

so haben Sie dann alle Ihre

Nachrichten sowie Ihre aktuellen

Interessen im Überblick.

Gwibber und Ubuntu

Speziell bei Ubuntu integriert

sich Gwibber sehr gut in die

Desktop-Umgebung. Gwibber

verteilt sich in Ubuntu auf zwei

Komponenten: Zum einen läuft

im Hintergrund ein Dienst, der

auch ohne das eigentliche Programm

die Nachrichtendienste

abfragt. So informiert Sie Ubuntu

bereits über eintreffende Nachrichten,

bevor Sie Gwibber gestartet

haben. Optional lässt sich der

automatische Start des Dienstes

in den Einstellungen von Gwibber

aber auch deaktivieren.

Über das Ubuntu-eigene Me

Menu (Abbildung F) können Sie

zudem Statusmeldungen abschicken,

ohne dazu Gwibber als Anwendung

starten zu müssen. Kurze

Updates setzen Sie so schnell

und ohne großen Aufwand über

Twitter und Co. ab, allerdings fehlen

an dieser Stelle Komfortfunktionen

wie das Kürzen von URLs

oder ein Upload von Bildern.

Ebenfalls eigens für Ubuntu gibt

es eine „Lupe“ (Abbildung G), die

Gwibber in die von Canonical entwickelte

Unity-Shell integriert.

Für die Gwibber-Lupe müssen Sie

zu dem Daily-PPA auch noch das

Gwibber-Team-PPA hinzufügen,

aus dem Sie dann die Gwibber-

Lupe installieren (Listing 2).

Damit die Gwibber-Lupe nach

der Installation auch im Unity-

Panel auftaucht, müssen Sie sich

einmal ab- und wieder anmelden.

Derzeit arbeitet diese Erweiterung

für Unity jedoch nicht sonderlich

stabil. Zwar verursachte

sie im Test keine Abstürze der

Unity-Shell, doch allzu oft zeigte

sie einfach nur eine leere Box im

Listing 2

$ sudo add‐apt‐repository

ppa:gwibber‐team/ppa

$ sudo apt‐get update

$ sudo apt‐get install

unity‐lens‐gwibber

Unity-Dash an. An dieser Stelle

müssen die Entwickler also noch

nacharbeiten.

Ausblick

Gwibber steht aktuell vor einer

umfangreichen Umstellung der

Oberfläche. Gwibber 3.1.0 nutzt

noch die Browser-Bibliothek

WebKit zum Zeichnen der Zeitleisten.

Dadurch lässt sich zwar

die Oberfläche mittels HTML-

Themes leicht anpassen, doch

WebKit erweist sich gleichzeitig

als Tempobremse [8]: Sobald sich

in der Anwendung irgendetwas

tut, muss die komplette Ansicht

neu gezeichnet werden.

Die Oberfläche der kommenden

Version 3.2.0 setzen die Entwickler

daher völlig neu auf. Statt Python

und WebKit kommen nun

Vala und native GTK+-3-Elemente

zum Einsatz. Gwibber 3.2.0

soll ab Herbst in Ubuntu 11.10

zum Einsatz kommen, erste Ergebnisse

sind in den Alphas von

Ubuntu „Oneiric“ zu sehen. Allerdings

verhinderte Ende Juli ein

Bug das Anlegen von Accounts,

sodass wir diese Entwicklerversion

nicht eingehend in Augenschein

nehmen konnten. Ein Youtube-Video

zeigt aber die überarbeitete

Oberfläche [9]. (jlu) n

info

1] Gwibber: http:// gwibber. com

[2] Gwibber und OpenSocial: https:// bugs.

launchpad. net/ gwibber/ +bug/ 520845

[3] Standard OpenSocial:

http:// www. opensocial. org

G Die Gwibber-Linse

für die Unity-Shell von

Ubuntu verschafft

Ihnen einen Überblick.

[4] Google+ für Gwibber: https:// answers.

launchpad. net/ gwibber/ +question/ 163663

[5] Infos zur API von Google+:

http:// www. googlewatchblog. de/ 2011/ 07/

google-bekommt-eine-api/

[6] DesktopCouch-Dokumentation:

http:// www. freedesktop. org/ wiki/

Specifications/ desktopcouch

[7] Gwibber-Daily-PPA: https:// launchpad. net/

~gwibber-daily/ +archive/ ppa

[8] Interview – Umstieg auf Vala und GTK+:

http:// www. omgubuntu. co. uk/ 2011/ 07/

gwibber-revamped-ubuntu-11-10/

[9] Demo von Gwibber 3.1.x:

http:// youtu. be/ ZqoaB5uvm-k

38 09 | 11

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Online-Bilderdienste

schwerpunkt

© The Blowfish Inc., Fotolia

Fotos in Webalben verwalten

Bilder in der Wolke

Möchten Sie Bilder stets griffbereit haben, um Sie Freunden und Bekannten zu zeigen,

dann laden Sie sie in ein Webalbum, das Sie überall erreichen. Für die Marktführer

Flickr und Picasaweb gibt es unter Linux passende Tools dazu. Thomas Leichtenstern

Wer heute seine Urlaubsfotos im

Bekanntenkreis zeigen möchte,

nutzt dazu nicht mehr das schnöde

Fotoalbum aus Papier, sondern

häufig dessen digitalen Ableger,

das Webalbum. Die Vorteile liegen

auf der Hand: Egal, wo Sie

sich aufhalten, Ihre Bilder sind

stets online parat. Zwar buhlen

eine ganze Menge Webalben-Anbieter

um die Gunst der Nutzer,

doch Flickr [1] und Picasaweb [2]

machen das Rennen weitgehend

unter sich aus. Wer den oft mühsamen

Weg des Web-Uploads

scheut, dem stehen diverse Programme

zur Verfügung, um die

Bilder komfortabel über einen lokalen

Client hochzuladen.

Flickr

Das 2005 von Yahoo gekaufte

Portal Flickr steht quasi als Synonym

für Webalben. Aktuell befinden

sich in der Cloud geschätzte

5 Milliarden Foto- und Videodateien.

Wer an Flickr teilnehmen

möchte, meldet sich entweder direkt

bei Yahoo an oder authentifiziert

sich über seinen Facebookoder

Google-Account. Die kostenlose

Flickr-Variante beschränkt

den Upload auf 300 MByte im

Monat. Zudem zeigt der Dienst

Fotos lediglich in einer maximalen

Größe der langen Kante von

1024 Pixeln an und stellt sie auch

nur so zum Download bereit. Daneben

limitiert Flickr die Zahl der

Bilder auf 200. Bei Erreichen dieser

Grenze zeigt der Dienst die jeweils

ältesten Aufnahmen nicht

mehr an – bis zum Kauf eines

Premium-Accounts. Der kostet

knapp 18 Euro im Jahr und hebt

die Beschränkungen auf.

Obwohl die Bilder einem Album

zugeordnet wurden, zeigt Flickr

sie trotzdem im sogenannten

Stream an, der alle Bilder enthält.

Der Dienst erlaubt sowohl das

Verschlagworten als auch Geolokalisieren

der Aufnahmen via

Drag & Drop. Allerdings schreibt

Flickr die entsprechenden Informationen

nicht als EXIF- bzw.

IPTC-Tags ins Bild, sondern speichert

sie in einer eigenen Datenbank.

Entsprechend gehen diese

Angaben bei einer weiteren Nutzung

des Bildes außerhalb von

Flickr verloren. Immerhin liest

der Bilderdienst in den Aufnahmen

vorhandene Informationen

aus und integriert sie dann in die

Bildbeschreibung.

Bei der Freigabe der Bilder wählen

Sie, ob Jeder (Öffentlich), nur

Ihre Freunde oder lediglich Ihre Familie

die Bilder einsehen darf. Wie

und wo man diese Gruppen definiert,

das verschweigt Flickr jedoch.

An anderer Stelle steht zu

lesen, dass der Bilderdienst lediglich

zwischen öffentlich anzeigbaren,

nur für bestimmte Flickr-

Nutzer zugänglichen oder nur für

den privaten Gebrauch bestimmten

Bildern unterscheidet.

Nicht nur an dieser Stelle wirkt

das Portal recht schwerfällig und

unübersichtlich. Die ganze Me nüführung

erscheint oft wenig

intui tiv (Abbildung A, folgende

Seite). Erst nach stundenlangem

Gebrauch erschließen sich nach

und nach die einzelnen Funktio-

Picasa 3.01

LU/picasa/

reADMe

Wer seine Bilder anderen

zugänglich machen

möchte, nutzt ganz einfach

ein Webalbum. Für

die Protagonisten Picasaweb

und Flickr stehen

diverse Programme bereit,

um die Bilder komfortabel

hochzuladen.

Dazu zählen Digikam

und Picasa.

www.linux-user.de

09 | 11 39


schwerpunkt

Online-Bilderdienste

A Wer sich in dem

unübersichtlich angeordneten

Wust an

Funktionen zurechtfinden

möchte, muss sich

erst einmal eingehend

mit Flickr auseinandersetzen.

B Das Kipi­Upload­Modul

für den Flickr­Export

bietet via Digikam

eine bequeme Möglichkeit,

Bilder in das Webalbum

zu laden.

nen und deren Zusammenhänge.

So bietet der Dienst beispielsweise

eine Galerie. Was Flickr nur

versteckt kundtut: Diese dient

nicht etwa dazu, eigene Bilder zu

verwalten, sondern jene anderer

Anwender zusammenzufassen –

was im Test allerdings nicht ohne

Weiteres gelang. Generell unterstreicht

diese Funktion zusammen

mit den Gruppen aber den

Community-Charakter des Dienstes,

bei dem es mehr darum geht,

Bilder auszutauschen.

Bilder versieht Flickr mit einem

Facebook- und Twitter-Button,

der es Ihnen erlaubt, über Ihren

Account andere auf die Bilder aufmerksam

zu machen.

Picasaweb

Der Gegenspieler aus dem Hause

Google heißt Picasaweb. Google

schränkt die kostenfreie Nutzung

des Dienstes auf

ein maximales

Speichervolumen

von 1 GByte ein,

für 20 GByte zusätzlich

verlangt

der Anbieter 5 US-

Dollar jährlich.

Dass Google

Picasaweb nicht

unbedingt als gewinnbringendes

Geschäftsmodell

betrachtet, sondern

eher den

Mehrwert in Verbindung

mit anderen Diensten

darin sieht, manifestiert sich unter

anderem daran, dass es Bilder

bis zu einer Kantenlänge von

2000 Pixeln nicht im Speichervolumen

berücksichtigt. Allerdings

setzt das eine Registrierung bei

Google+ voraus.

Anders als Flickr zeigt Picasaweb

die Bilder auf Wunsch in der

Originalgröße an und ermöglicht

deren Download. Das Herunterladen

ganzer Alben gestattet die

Weboberfläche zwar nicht, jedoch

der Client, der ebenfalls auf den

Namen Picasa hört.

Wie Flickr erlaubt auch Picasaweb

das Verschlagworten und

Verorten der Aufnahmen. Allerdings

ordnet der Dienst die Bilder

immer einem Album zu, das Tohuwabohu

von Flickr findet damit

nicht statt. Das Anlegen von

Unterverzeichnissen gestattet

das Portal aber

nicht.

Als zusätzliches

Feature besitzt

Picasaweb eine

automatische Gesichtserkennung:

Bilder mit Personen

darauf versieht

es mit einem

weiß umrandeten

Viereck. Beim Darüberfahren

mit

dem Mauszeiger

erscheint ein Eingabefeld,

in dem

Sie den Namen der

betreffenden Person eingeben.

Danach erscheint das benannte

Profilbild in der rechten Seitenleiste

der Weboberfläche.

Wie auch Flickr bietet Picasaweb

die Möglichkeit, die eingestellten

Bilder mit dem Online-Dienst Picnik

[3] nachzubearbeiten. Dazu

zählen alle wichtigen Bildparameter,

wie Helligkeit, Kontrast, Farbbalance

oder Ausschnitt.

Beim Teilen der Bilder bezieht

sich Picasaweb in erster Linie auf

den eigenen Dienst Buzz, den

hauseigenen Blog sowie Twitter.

Wurden die Bilder geolokalisiert,

steht eine Uploadfunktion zu Panoramio

bereit. Hier eingestellte

Aufnahmen erscheinen dann öffentlich

sichtbar in den Google-

Produkten Maps und Earth.

Deutlich nachvollziehbarer gestaltet

Google die Freigabe der

Alben: Hier wählen Sie zwischen

Öffentlich im Web, Eingeschränkt,

jeder mit dem Link und Nur Sie.

Digikam

Ein mächtiges Tool zur Kommunikation

mit Webalben verschiedener

Anbieter stellt Digikam [4]

mit seinen Kipi-Plugins. Über den

Menüpunkt Importieren gelangen

Sie zum Importmodul, das es erlaubt,

Fotos und Alben unter anderem

von Facebook und Picasaweb

auf Ihren Rechner herunterzuladen.

Allerdings gilt es, dabei

zu beachten, dass Digikam die

Aufnahmen ohne Nachfrage auf

eine Kantenlänge von 1600 Pixeln

verkleinert – vor allem bei Panoramen

ein echtes Ärgernis.

Für Flickr steht diese Importfunktion

nicht zur Verfügung –

dafür jedoch ein Exportmodul,

welches Sie unter Exportieren |

Auf Flickr exportieren… erreichen.

Ein Klick darauf öffnet den Dialog,

der neben den zum Upload

vorgesehenen Bildern auch die

Exportparameter enthält (Abbildung

B). Dazu zählt das gewünschte

Album, zusätzliche

Schlagwörter sowie Bildgröße

und Qualität. Darüber hinaus legen

Sie darin fest, wer das Bild

40 09 | 11

www.linux-user.de


Online-Bilderdienste

schwerpunkt

sehen darf. Ärgerlich: Das Modul

erkennt nicht, ob ein Bild schon

einmal hochgeladen wurde oder

nicht. Entsprechend kann es passieren,

dass Sie ein Bild mehrmals

auf den Webdienst laden, ohne

dies auf Anhieb zu merken.

Ein Kipi-Plugin mit ähnlichen

Funktionen stellt Digikam auch

für Picasaweb bereit. Als Zugriffseinschränkungen

gelten die des

gewählten Upload-Albums. Erstellen

Sie ein neues Album für

die Bilder, legen Sie die Berechtigungen

im Konfigurationsdialog

fest. Eine weitergehende Bildverwaltung

der gehosteten Bilder,

etwa das Löschen oder Verschieben

in andere Ordner, erlaubt keines

der Ex- oder Importmodule.

Picasa

Nur auf den Gebrauch für Picasaweb

zugeschnitten ist das Tool

Picasa [5], dessen Linux-Variante

Google lediglich als Wine-Emulation

ausliefert. Zwar beeinträchtigt

dieser Umstand nicht die Stabilität,

allerdings funktionieren –

wie so oft – gegenüber der generischen

Windows-Version einige

Features nicht.

Um in Picasaweb gehostete Alben

zu importieren klicken Sie im

Menüeintrag File auf Import from

Web Albums…. Nach der Authentifizierung

erscheint die Liste aller

gespeicherten Ordner, aus denen

Sie auswählen, welche davon

Sie herunterladen möchten (Abbildung

C). Beim Download ändert

die Software weder die Größe

noch die Auflösung der Bilder.

Zum Upload lokaler Alben oder

Bilder stehen Ihnen mehrere

Möglichkeiten bereit. Um ein einzelnes

Bild hochzuladen, klicken

Sie darauf und danach auf das

Icon Upload in der Leiste unten.

Um mehrere Fotos zum Upload

vorzumerken, halten Sie während

des Markierens [Strg] gedrückt.

Möchten Sie ein ganzes Album

veröffentlichen, klicken Sie auf

den entsprechenden Eintrag links

in der Übersicht und danach wie

gehabt auf Upload. In allen Fällen

öffnet sich ein Dialogfenster,

in dem Sie neben

dem Zielverzeichnis

die Bildgröße und

Sichtbarkeit festlegen.

Möchten Sie beispielsweise

offline bearbeitete

Bilder lediglich online

aktualisieren, klicken

Sie auf Upgrade.

Andere Tools

Speziell für Flickr stehen

noch eine Reihe

weiterer Programme

bereit, die ein komfortableres

Verwalten der

Bilder versprechen.

Interessant klingt der Ansatz

von Flickrfs [7], den Onlinedienst

via Fuse in den Verzeichnisbaum

einzubinden. Ein Blick auf die

Projektseite lässt jedoch nichts

Gutes erahnen: Die letzte Aktualisierung

der Software liegt mehrere

Jahre zurück. Der Versuch,

das Tool zu nutzen, scheiterte unter

OpenSuse an ungeklärten Zugriffsberechtigungen,

die jeglichen

Zugriff auf den Mountpoint

verwehrten. Unter Ubuntu lud

das Tool jeweils nur fünf Bilder

eines jeden Albums herunter. Die

korrespondierenden Metadaten,

wie sie die Projektseite verspricht,

fehlten komplett.

Zuverlässiger arbeitet da das

Programm Kflickr [8]. Es bietet

etwa den gleichen Funktionsumfang

wie das Flickr-Kipi-Plugin

von Digikam, erlaubt darüber hinaus

jedoch das komfortable Verwalten

mehrerer Accounts sowie

das Festlegen der Lizenzbestimmungen

bereits beim Upload.

Auch dieses Tool eignet sich lediglich

zum Hochladen von Bildern,

nicht jedoch zum Download

oder der nachträglichen

Verwaltung.

Fazit

Während Flickr eher den Community-Gedanken

aufgreift, dient

Picasaweb bislang eher als klassisches

Webalbum, wenngleich

Google mit der Anbindung an

Google+ mittelfristig mit dem

Dienst andere Pläne verfolgt. Was

bei Flickr auffällt, ist dessen unnötig

komplizierte Benutzerführung,

die vor allem Einsteigern

das Leben schwer macht. Hier

bietet sich dem Betreiber noch

viel Potenzial für Korrekturen.

Zusammen mit Google+ hebt

Picasaweb praktisch alle Einschränkungen

der kostenfreien

Variante auf und erlaubt den Upload

beliebig vieler Bilder bis zu

einer Kantenlänge von 2000 Pixeln.

Flickr schränkt dagegen hier

auf 200 angezeigte Fotos mit einer

größtmöglichen Darstellung

von 1024 Pixeln an der langen

Bildkante ein.

Von den getesteten Programmen

geht eine klare Empfehlung

an Digikam – allerdings mit der

Einschränkung, dass es Bilder

beim Import von Picasaweb automatisch

auf eine maximale Kantenlänge

von 1600 Pixeln verkleinert.

Das müsste so nicht sein

und sorgt bei unerfahrenen Anwendern

für Ärger. (tle) n

info

[1] Flickr: http:// www. flickr. com

[2] Picasaweb: https:// picasaweb. google. com

[3] Picnik: http:// www. picnik. com

[4] Digikam: http:// www. digikam. org

[5] Picasa: http:// picasa. google. com

[6] Bulkr: http:// clipyourphotos. com/ bulkr/

[7] Flickrfs: http:// sites. google. com/ site/

manishrjain/ flickrfs

[8] Kflickr: http:// kflickr. sourceforge. net

C Picasas Downloadmodul

erlaubt das Herunterladen

einzelner

oder aller Alben vom

eigenen Picasaweb­

Account.

www.linux-user.de

09 | 11 41


schwerpunkt

SparkleShare

Mit SparkleShare und Git zum eigenen Cloud-Speicher-Dienst

Lokal wolkig

SparkleShare schickt sich an, sich zu einem würdigen Dropbox-Ersatz fürs eigene LAN zu mausern.

Ein eigener Server, im Zusammenspiel mit Git und SSH, ermöglicht Privatsphäre, volle Kontrolle über

die Daten und im Vergleich mit typischen Cloud-Anbietern ungewohnt viel Speicherplatz. Falko Benthin

© Patrick Hajzler, sxc.hu

SparkleShare 0.2.4, 0.2.5

LU/sparkleshare/

reADMe

SparkleShare schafft

eine private Cloud für

Anwender, die Daten

über mehrere Rechner

automatisch synchron

halten wollen oder mit

anderen an gemeinsamen

Projekten arbeiten,

die Daten mit Git verwalten.

Der Server erfordert

aber mehr Arbeit

als zum Beispiel Dropbox

oder Ubuntu One.

Speicherlösungen in der Cloud

liegen im Trend – vor allem, seit

Angebote wie Ubuntu One oder

Dropbox es Endanwendern möglich

machen, Dateien ohne großen

Aufwand online abzulegen

und die Inhalte über mehrere

Rechner und Betriebssysteme

hinweg zu synchronisieren. Doch

es gibt immer mehr Anwender,

die den oft kostenlosen Cloud-

Speichern aufgrund einschränkender

Nutzungsbedingungen

und mangelnder Kontrolle über

die eigenen Daten kritisch gegenüberstehen.

Datenpannen, wie

jüngst bei Dropbox [1], verunsichern

zusätzlich.

Cloud-Speicher ist gut, Cloud-

Speicher in der eigenen Wolke –

sprich: auf eigenen Servern – ist

besser. So müssen Entwickler gedacht

haben, die von überall auf

ihre Daten zugreifen wollen. Einer

von ihnen ist der Gnome-Entwickler

Hylke Bons. Er und seine

Mitstreiter stellen mit der Software

SparkleShare [2] eine freie

Alternative zu kommerziellen

Speicherdiensten bereit. Das Programm

ist das Ergebnis des

SparklePony-Projektes [3]. Die

Idee entstand auf dem GNOME

London UX Hackfest 2010 aus

dem Wunsch von Designern und

Entwicklern nach einem freien,

leicht benutzbaren Werkzeug zur

Zusammenarbeit, um das bisher

von den Projektmitgliedern genutzte

Dropbox zu ersetzen.

Das unter der GPLv3 lizenzierte

SparkleShare basiert auf der Versionsverwaltung

Git [4], GTK+ und

Mono [5]. Neben Git lässt sich

auch Mercurial als Versionsverwaltung

nutzen, doch die Entwickler

betrachten es als nicht so wichtig.

Wie Dropbox legt Sparkle-

Share einen Dateiordner an, dessen

Daten es automatisch mit

dem auf einem Server befindlichen

Speicherplatz (einem sogenannten

Repository) abgleicht. In

dem Ordner lassen sich mehrere

Unterordner platzieren, die auf

verschiedene Server beziehungsweise

Repositories verweisen.

Die Datenübertragung läuft verschlüsselt

ab. SparkleShare bietet

ein IRC-basiertes Meldesystem,

mit dessen Hilfe sich alle mit den

entsprechenden Rechten ausgestatteten

Personen informieren

können, wer wann welche Änderungen

vorgenommen hat. Erweist

sich eine Änderung als weniger

gut als angenommen, lässt

sich das Repository auf einen früheren

Stand zurückrollen.

Derzeit gibt es SparkleShare für

Linux und Mac OS X, Ports für

Windows und Clients für Android

und iOS befinden sich noch in der

Planung. Für diesen Artikel testeten

wir SparkleShare in der Mitte

Juli aktuellsten Version 0.2.4.

Kurz vor Drucklegung erschien

noch die Version 0.2.5, die wir für

den Artikel aus Zeitgründen nicht

mehr nachtesten konnten. Allerdings

handelt es sich laut der Release

Notes aus dem Tarball dabei

hauptsächlich um ein Bugfix-Release,

das keine großen funktionalen

Änderungen enthält.

Installation

Einen Server setzen Sie im Handumdrehen

auf: Dazu richten Sie

lediglich git-core und openssh-server

aus dem Repository der verwendeten

Distribution ein und legen

anschließend mit der folgen-

42 09 | 11

www.linux-user.de


SparkleShare

schwerpunkt

den Kommadozeile ein Git-Repository

auf dem entsprechenden

Rechner im Netz an:

$ git init ‐‐bare SparkleShareReU

po.git

Das war es auch schon – weitere

Tätigkeiten sind serverseitig

nicht mehr erforderlich. Momentan

gibt es für die meisten Distributionen

noch keine Binärpakete

des SparkleShare- Clients, sodass

sich dessen Installation etwas

aufwändiger gestaltet. Den Quelltext

laden Sie vom Github-Repository

des Projektes [6] oder der

Heft-DVD dieser Ausgabe herunter

und entpacken ihn in ein beliebiges

Verzeichnis. Dann übersetzen

Sie den Client dort mit

dem üblichen Dreischritt:

$ ./configure && make && sudo maU

ke install

Eventuell müssen Sie zuvor noch

einige Pakete nachinstallieren.

Auf einem aktuellen Linux Mint

waren es git-core, intltool, die Mono-Entwickerpakete

mono-devel,

gtk-sharp2, libwebkit-cil-dev und

libnotify-cil-dev. Das README im

Tarball nennt alle Abhängigkeiten

und führt für Debian/ Ubuntu

und Fedora alle notwendigen Befehle

für deren Installation auf.

Sind alle Abhängigkeiten erfüllt,

verläuft die Installation des

Clients reibungslos und er landet

standardmäßig in /usr/local/.

Inbetriebnahme

SparkleShare nutzt SSH, um die

Datenübertragung zwischen Server

und Client zu verschlüsseln.

Dementsprechend sollten Sie auf

den Clients das Paket opensshclient

installieren. Um zu vermeiden,

dass Sie vor dem Datenabgleich

ständig ein Passwort eingegeben

müssen, bietet sich ein

Pub lic-Key-Verfahren an, das anstelle

der Passwortabfrage einen

hinterlegten Schlüssel zur Authentifizierung

nutzt. Das aus öffentlichem

und privatem Schlüssel

bestehende Paar erstellen Sie

mit ssh‐keygen, wobei Sie die

Standardeinstellungen übernehmen

können und die Passphrase

leer lassen sollten. Danach übertragen

Sie den öffentlichen

Schlüssel mit ssh‐copy‐id User@

Server auf den Server. Auf dem

SparkleShare-Server legen Sie die

Schlüssel aller Rechner ab, auf denen

die Synchronisationsanwendung

später zum Einsatz kommt.

Nach dem Abhaken dieser Vorbereitungen

starten Sie das

Client-Programm über einen Eintrag

im Startmenü oder den Befehl

sparkleshare start auf der

Kommandozeile. Beim ersten

Lauf verlangt der Konfigurationsdialog

einige Informationen zu

Anwender und Server (Abbildung

A). Verwenden Sie einen eigenen

Server, tragen Sie diesen

mit Nutzernamen und Adresse in

das Eingabefeld Auf meinem eigenen

Server ein. Als Ordnername

geben Sie den absoluten Pfad zum

Git-Repository an (Abbildung B).

Danach finden Sie in der Taskleiste

ein neues Icon und die Anwendung

beginnt, die im Ordner

~/ SparkleShare enthaltenen Verzeichnisse

zu synchronisieren.

Anwender, die an mehreren Projekten

arbeiten oder Daten mit

unterschiedlichen Personen teilen

wollen, können weitere Server

aufsetzen beziehungsweise Git-

Repositories innerhalb der Applikation

anlegen. Dazu genügen ein

A SparkleShare verlangt Benutzername und E-Mail-Adresse,

um später Änderungen richtig zuzuorden.

B Sind Server und der absolute Pfad zum Git-Repository eingetragen,

steht einer Synchronisation nichts mehr im Wege.

Klick auf das SparkleShare-Icon

und den Eintrag Remote-Ordner

hinzufügen sowie die Angaben zu

weiteren Servern beziehungsweise

Verzeichnissen, die Sie einbinden

wollen. Die entsprechenden

Unterordner entstehen automatisch

im Ordner ~/ SparkleShare

(Abbildung C, folgende Seite).

Git-crAshkurs

Dank Git synchronisieren Sie auch Rechner, die ohne grafische Oberfläche auskommen müssen, wie etwa Server.

Git nutzen Sie auf der Kommandozeile, für den Anfang reichen schon wenige Befehle.

Befehl

Beschreibung

git config ‐‐global user.name "Vorname Name"

Nutzernamen festlegen

git config ‐‐global user.email "myself@domain.tld" E-Mailadresse des Nutzers

git clone ssh://user@server:/Pfad/zum/Repository.git Ein entferntes Repository via SSH klonen

git add filename

Dem Repository eine Datei hinzufügen

git commit ‐a ‐m "Infos zu Änderungen"

Alle Änderungen ins Repository schreiben

git push

Änderungen auf das Repository schreiben

git‐pull

Verzeichnis aktualisieren

git log

Das Git-Logfile ausgeben

git status

Status des Repositorys abfragen

git mergetool

Versionskonflikte manuell auflösen

git checkout Commit‐Name

Eine frühere Version wiederherstellen

www.linux-user.de

09 | 11 43


schwerpunkt

SparkleShare

C SparkleShare kann

Dateien auf mehreren

Servern synchronisieren

und legt für jedes

Repository automatisch

einen Unterordner

im Verzeichnis

~/ SparkleShare an.

D Statt mit einem eigenen

Server nutzen

Sie SpakleShare bei

Bedarf mit kommerziellen

Diensten wie Github

oder Gitorious.

Für private Dateien bietet sich ein

eigener Server an. Wollen Sie Projekte

über mehrere Rechner synchronisieren,

können Sie alternativ

auch die Angebote von Gitorious

[7] oder Github [8] mit der

Software nutzen. Das Vorgehen

ist für beide Plattformen ähnlich,

sodass wir es im Folgenden nur

für Github beschreiben.

Kostenlos oder privat

Der Dienst bietet für öffentlich

zugängliche Projekte kostenlosen

Speicherplatz an, für private Repositories

fallen dagegen Gebühren

an. Deren Höhe hängt davon

ab, wie viele private Repos und

Mitarbeiter Sie benötigen. Maximal

sind 20 Repositories möglich,

auf die bis zu zehn Mitarbeiter

zugreifen dürfen.

Sofern Sie noch keinen Account

bei einer der beiden Plattformen

haben, gilt es zunächst, einen solchen

anzulegen. Anschließend

müssen Sie in den persönlichen

Einstellungen einen öffentlichen

SSH-Key hinterlegen und ein Repository

erstellen. SparkleShare

erstellt während der

Konfiguration einen

eigenen Schlüssel und

speichert ihn unter

~/.config/sparklesharU

e/sparkleshare.email‐U

adresse.key[.pub]

ab. Um SparkleShare

mit dem Github-Repository

bekannt zu

machen, fügen Sie einen

neuer Remote-

Ordner hinzu, in dem Sie anstelle

des eigenen Servers Github auswählen.

Als Ordnername tragen

Sie das Github-Repository mit vorangestelltem

Nutzernamen ein

(Abbildung D).

Die gesamte SparkleShare-Konfiguration

ist in der Datei ~/.config/sparkleshare/config.xml

hinterlegt.

Sollten sich Angaben zu irgendeinem

Server ändern, können

Sie die XML-Datei mit jedem

Texteditor anpassen.

Nutzung

Läuft SparkleShare, sollte es alle

unter ~/SparkleShare abgelegten

Dateien automatisch synchronisieren.

Je nach Upload-Geschwindigkeit

kann der Vorgang etwas dauern,

vor allem, wenn es sich um

umfangreiche Datenbestände handelt.

Ob die Synchronisation noch

läuft, erkennen Sie an dem sich

drehenden Symbol im Sparkle-

Share-Icon oder erfragen es alternativ

mit einem Klick auf das

Symbol. Die gewünschten Angaben

finden Sie in der ersten Zeile

des Menüs (Abbildung E).

Mithilfe dieses Menüs erreichen

Sie auch schnell die einzelnen

SparkleShare-Repositories. Ein

Klick auf den entsprechenden

Eintrag öffnet entweder das

SparkleShare-Verzeichnis oder

das ausgewählte Unterverzeichnis

im Dateimanager Nautilus.

Haben Sie SparkleShare mit Nautilus-Plugin

kompiliert, ist das

auch der Ort, an dem Sie missglückte

Änderungen rückgängig

machen. Einen entsprechenden

Punkt bietet SparkleShare bei einem

Rechtsklick auf die betreffende

Datei an.

Mittels des Menüpunktes Zeige

letzte Ereignisse … informieren Sie

sich über die letzten Aktivitäten.

Im sich öffnenden Fenster führt

SparkleShare alle Dateien auf, die

in der letzten Zeit neu hinzugekommen

sind beziehungsweise geändert

oder entfernt wurden. Über

ein Dropdown-Menü filtern Sie die

Angaben für einzelne Repositories.

Vorhandene Dateien erscheinen in

Blau, gelöschte Dateien in Schwarz

(Abbildung F). Klicken Sie eine

Datei an, öffnet sich automatisch

die Anwendung, die mit dem Dateityp

verknüpft ist.

Der Punkt Benachrichtigungen

(de)aktivieren startet oder stoppt

den Notification-Service, mit dessen

Hilfe Sie sich Anwender über

Änderungen einzelner Dateien

auf dem Laufenden halten lassen

können. Die Informationen über

info

[1] Dropbox-Authentifizierungslücke:

http:// www. linux-magazin. de/ NEWS/ Luecke

-in-der-Dropbox-Authentifizierung

[2] SparkleShare: http:// sparkleshare. org

[3] SparklePony: http:// mairin. wordpress. com/

2010/ 03/ 01/ the-one-where-the-designersask-for-a-pony/

[4] Git: http:// git-scm. com

[5] Mono:

http:// www. mono-project. com/ Main_Page

[6] Sparkleshare-Github-Repo: https:// github.

com/ hbons/ SparkleShare/ downloads

[7] Github: http:// github. com

E Wie es um die Synchronisation

[8] Gitoriuos: http:// gitorious. org

steht, verrät die erste Zeile des

SparkleShare-Menüs.

[9] XMPP: http:// xmpp. org

[10] 0MQ: http:// www. zeromq. org

44 09 | 11

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SparkleShare

schwerpunkt

Änderungen wickelt SparkleShare

momentan noch via IRC ab, sodass

Sie sich genau überlegen sollten,

ob Sie das Feature brauchen.

Im Test weigerte sich der vorgegebene

IRC-Server (noch), die Verbindung

zu akzeptieren.

Werden Daten über mehrere

Rechner synchron gehalten, besteht

die Gefahr von Versionskonflikten.

Solche kommen beispielsweise

vor, wenn ein Anwender

vergisst, ein Repository zu synchronisieren,

bevor er Änderungen

vornimmt. Der klassische

Fall: Der User hat SparkleShare

nicht gestartet, nimmt dann aber

Änderungen an einer Datei vor,

die auf dem Server in einer neueren

Version vorliegt. SparkleShare

behandelt solche Konflikte ähnlich

wie das kommerzielle Vorbild

Dropbox, indem es die auf dem

Server befindlichen Dateien um

den Namen des Committers sowie

Datum und Uhrzeit des Commits

erweitert (Abbildung G) und

im entsprechenden Verzeichnis

ablegt. Den Konflikt aufzulösen,

bleibt Sache des Anwenders.

Im laufenden Betrieb fällt ab

und zu auf, dass sich SparkleShare

in einem frühen Entwicklungsstadium

befindet und noch einige

Ecken und Kanten aufweist. Die

Anwendung verabschiedet sich

beispielsweise, wenn sie nur Ereignisse

zu einem bestimmten

Ordner auflisten soll. Geben Sie

bei der Konfiguration eines neuen

Remote-Ordners nicht existente

Server oder Git-Repositories

an, erscheint lediglich eine

sehr allgemein gehaltene Fehlermeldung.

Im Test synchronisierte

SparkleShare zudem einige Repositories

stillschweigend nicht. Der

Fehler ließ sich beheben, indem

wir die betroffenen Verzeichnisse

löschten und die Remote-Ordner

erneut einrichteten.

Ausblick und Fazit

SparkleShare schickt sich an, sich

zu einem würdigen Dropbox-Ersatz

zu mausern. In der Zukunft

planen die Entwickler nicht nur

Clients für viele Betriebssysteme:

Sie haben unter anderem eine

Web-API im Blick und eine Web-

Oberfläche, über die Sie Dritte

zur gemeinsamen Nutzung vorhandener

Repositories einladen

können. Das Notification-System

soll über kurz oder lang auf anderen

Protokollen als IRC basieren,

etwa XMPP [9] oder 0MQ [10].

Anwender sollen zukünftig bereits

mit einem Blick in den Dateimanager

sehen können, welche

Dateien bereits synchronisiert

wurden und welche nicht.

Aktuell gestaltet sich die Installation

noch als Fest für Konsolenfreunde.

Während

der Installation

stieß es

dem Autor

etwas

auf, dass

die Entwickler

SparkleShare

in C# implementiert

haben,

sodass es

Mono voraussetzt.

Läuft

SparkleShare

erst einmal, ist

es ein schönes

Stück Software

für Anwender,

die

Daten über

mehrere Rechner

automatisch

synchron

halten wollen

oder mit anderen

an gemeinsamen

Projekten arbeiten, deren

Verwaltung via Git erfolgt. Ein

vergessener Commit sollte so der

Vergangenheit angehören.

Ein eigener Server, Git und SSH

ermöglichen Privatsphäre, volle

Kontrolle über die Daten und im

Vergleich mit anderen Anbietern

ungewohnt viel Speicherplatz.

Andererseits macht ein eigener

Server mehr Arbeit als ein Cloud-

Dienst wie Dropbox oder Ubuntu

One. (jlu) n

F Was zuletzt geschah,

kann Sparkle-

Share übersichtlich

auflisten.

G Die Namen konfliktbehafteter

Dateien ergänzt

SparkleShare

um zusätzliche Angaben,

um eine Konfliktlösung

müssen Sie

sich selbst kümmern.

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09 | 11 45


praxis

Bombono DVD

© Otjep, sxc.hu

DVDs erstellen mit Bombono

Menü mit drei Gängen

Mit Bombono erstellen Sie ohne Vorkenntnisse anspruchsvolle DVD-Menüs,

die dem Betrachter im Gedächtnis bleiben. Vincze-Aron Szabo

Bombono 1.0.2

(Quellen)

LU/bombono/

rEaDME

Mit Bombono ergänzen

Sie Videos in wenigen

Schritten mit ansprechenden

Menüs. Allerdings

stören bei der Arbeit

mit dem Tool noch

einige Kleinigkeiten.

BoMBono installiErEn

Da sich die aktuellste Version

1.0.2 noch nicht in den Repositories

aller Distributionen findet,

empfiehlt sich in der Regel die Installation

aus den Quellen. Lediglich

für OpenSuse gibt es ein passendes

RPM-Paket [2]. Zum Übersetzen

aus den Quellen laden Sie

den Tarball der Version 1.0.2 herunter

([3], Bombono DVD 1.0.2

Digitalkameras und Mobiltelefone

können mittlerweile nicht

mehr nur fotografieren, sondern

bringen meist auch eine brauchbare

Funktion zum Aufzeichnen

von Videos mit. Viele Smartphones,

wie das aktuelle HTC

Sensation, nehmen bewegte Bilder

sogar in Full­HD­Videoqualität

auf. Falls Sie derart gesammelte

Filme nicht via Web mit der

Familie, Freunden und Bekannten

teilen möchten, bietet sich als

alternative Möglichkeit die DVD

an. Bei Authoring für dieses Medium

hilft Bombono [1], mit dem

Sie den Videos vor dem Brennen

Menüs und Untertitel hinzufügen.

Dabei unterstützt Sie die

(source tarball)) und entpacken

ihn in ein beliebiges Verzeichnis.

Um Bombono zu kompilieren, benötigen

Sie die folgenden Pakete,

um alle Abhängigkeiten aufzulösen:

dvd+rw-tools, dvdauthor,

ffmpeg, libavformat, libdvdread,

lib enca0, libgtk2.0, libgtkmm,

lib swscale, libxml++, mjpegtools,

scons, twolame.

Software durch einen übersichtlichen

Aufbau. Allerdings steht

sie bislang nur in Englisch bereit.

In drei Schritten

Nach der Installation starten Sie

Bombono mit dem Befehl bombono‐dvd

oder über das Menü. Nun

erfordert es im Prinzip nur noch

drei Arbeitsschritte, um die DVD

zusammenzustellen und zu brennen:

Sie wählen die entsprechenden

Videodateien aus, erstellen

das Menü und treffen einige Einstellungen

für die Ausgabe. Für

diese drei Schritte stellt Bombono

je einen Reiter bereit (Source,

Menu und Output), der die zugehörigen

Teilschritte umfasst.

Ist alles Notwendige vorhanden,

stoßen Sie mittels des Befehls

scons den Übersetzungslauf an.

Das Kompilieren nimmt je nach

Leistungsfähigkeit des Computers

einige Minuten in Anspruch. Im

Anschluss installieren Sie die

Software dann mit administrativen

Rechten über das Kommando

sudo scons install.

Sie beginnen die Arbeit im Reiter

Source (Abbildung A). Hier fügen

Sie der Media List Videos hinzu,

indem Sie diese aus dem Dateibrowser

(File Browser) auf die Liste

ziehen. Möchten Sie im Menü

zusätzlich Hintergrundbilder verwenden,

legen Sie diese ebenfalls

in der Media List ab.

In der Regel liegen die Streams

auf einer DVD im MPEG2­Format

codiert. Bombono bereiten aber

auch andere Formate kein Problem,

es kommt auch mit AVIs,

MOVs oder FLVs klar. Auf diese

Weise codierte Dateien bringt die

Software für das Erstellen ins erforderliche

Format. Betroffene

Dateien erhalten in der Media List

ein T im Thumbnail­Bild.

Bevor es daran geht, ein Menü

zu entwerfen, haben Sie die Möglichkeit,

die Eigenschaften der

Dateien in der Media List weiter

anzupassen: Sobald Sie mit der

rechten Maustaste auf eine Datei

in der Liste klicken, öffnet sich

ein entsprechendes Kontextmenü.

Unter End Action legen Sie

fest, was passiert, wenn der Film

48 09 | 11

www.linux-user.de


Bombono DVD

praxis

auf der DVD beendet ist (Abbildung

B). Ändern Sie nichts,

wechselt der Player zum nächsten

Titel in der Liste. Sie dürfen aber

auch einen beliebigen anderen

Film aus der Liste wählen. Oben

rechts im Anwendungsfenster

zeigt Bombono an, wie viel Platz

auf dem Zielmedium noch frei ist.

Über die zugehörige Auswahlliste

wählen Sie die Gesamtgröße des

Datenträgers aus, zum Beispiel

DVD 4.3 GB. Sofern die ausgewählten

Videos zu viel Platz einnehmen,

passen Sie die Bitrate

der Dateien an. Die Angabe kbps

(KByte/ s) gibt darüber Auskunft,

wie viele Daten pro Sekunde der

Videostrom enthält.

Bombono ist in der Lage, Untertitel

zu einer Datei beziehungsweise

nachträglich auf der DVD

im Film anzuzeigen. Das setzt voraus,

dass Sie eine entsprechende

Datei mit Untertiteln bereitstellen.

Möchten Sie selbst Untertitel

erstellen, nutzen Sie dafür Tools

wie Gnome Subtitles [4].

Untertitel

Um dem Projekt fertige Untertitel

hinzuzufügen, klicken Sie mit

der rechten Maustaste auf die

entsprechende Videodatei und

rufen im sich öffnenden Kontextmenü

die Funktion Add subtitles

auf. Über den daraufhin geöffneten

Dialog rufen Sie eine passende

Datei auf und legen fest, ob die

Untertitel immer erscheinen.

Wollen Sie längere Filme auf der

DVD verewigen, haben Sie daneben

die Möglichkeit, Kapitel hinzuzufügen.

Wählen Sie dazu aus

der Media List eine Videodatei aus

und klicken Sie auf das Symbol

(Making Chapters for Video) unterhalb

der Media List. Das Video erscheint

dann in der Zeitleiste am

unteren Fensterrand.

Über den Schieberegler unten

links skalieren Sie die Zeitleiste.

Das ist besonders hilfreich, um

den richtigen Zeitpunkt zu treffen,

an dem Sie eine Marke für

ein Kapitel setzen wollen. Klicken

Sie mit der linken Maustaste an

eine Stelle auf der Zeitskala, um

einen Marker zu setzen. Bei Bedarf

verschieben Sie diesen mithilfe

der Maus an die gewünschte

Stelle. Ein Standbild, das der markierten

Position entspricht, erscheint

neben der Media List.

Haben Sie eine passende Stelle

gefunden, klicken Sie auf das

blaue Symbol (Add Chapter Point)

unterhalb der Zeitangabe auf der

linken Seite. Bombono setzt nun

an die markierte Stelle ein Symbol

für das Kapitel. Bei Bedarf

entfernen Sie die Marke, indem

Sie mit der rechten Maustaste das

Kontextmenü auf dem Symbol

aufrufen und auf Delete Chapter

Point klicken. Das gleiche Menü

enthält einen Eintrag Delete All

Chapter Points – achten Sie darauf,

nicht in einem unachtsamen

Moment Ihre

mühsame Arbeit

versehentlich

zu

löschen.

Die Bilder,

die in der

Vorschau die

Kapitel markieren,

können

Sie separat

abspeichern.

Diese

Datei verwenden Sie bei Bedarf

später, um für das jeweilige Kapitel

eine Vorschau im DVD­Menü

zu erstellen. Um das angezeigte

Standbild zu speichern, rufen Sie

das Kontextmenü der Kapitelmarke

auf und klicken auf Save

Current Frame. Im folgenden Dialog

übernehmen Sie neben Pfad

und Dateinamen die Datei in die

Media List, indem Sie die Checkbox

Add to project aktivieren.

Um sich insbesondere bei langen

Videos das mühsame Suchen

nach passenden Stellen für Kapitel

zu ersparen, nutzen Sie die

Funktion zum Setzen der Marken

in Intervallen. Rufen Sie dazu in

der Zeitskala das Kontextmenü

auf und wählen Sie Add chapter

points at intervals aus. Im daraufhin

erscheinenden Dialog legen

A Im Reiter Source

fügen Sie Ihrem DVD-

Projekt Videos und

Hintergrundbilder

hinzu.

B Mittels einer Auswahl

legen Sie fest,

welche Aktion am Ende

eines Videos startet.

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09 | 11 49


praxis

Bombono DVD

C Über den Bitrate

Calculator legen Sie die

Größe der Aus gangsvideos

fest.

D Mit wenigen Funktionen

erstellen Sie

DVD-Menüs im

Handumdrehen.

Sie das Intervall fest und bestimmen,

ob die Software dabei bestehende

Marken löscht.

Menüs erstellen

Haben Sie alle erforderlichen Dateien

zur Liste hinzugefügt, gehen

Sie zum zweiten Schritt über.

Jetzt haben Sie alle erforderlichen

Dateien beisammen, die auf

Ihrer DVD Platz finden. Wechseln

Sie daher auf den Reiter Menu.

Hier erstellen Sie nun ein Menü

für die DVD. Starten Sie dazu in

der Menu List, indem Sie über das

Plus­Symbol ein Menü hinzufügen.

Um das Menü zu bearbeiten,

wählen Sie den Button mit dem

grünen Haken, woraufhin dieses

im Arbeitsbereich erscheint.

Beginnen Sie nun mit dem Hintergrund.

Dabei haben Sie die

Wahl zwischen einer schlichten

Farbe, einem Bild oder einem kurzen

Video beziehungsweise einem

Hintergrundsound, die später im

Hintergrund ablaufen, so lange

das Menü aktiv bleibt. Um eine

Farbe zu setzen, klicken Sie mit

der rechten Maustaste einfach

auf das Menü im Arbeitsbereich

und wählen Sie die Option Set

Background Color.

Hintergrundbilder fügen Sie

über den Eintrag Set Poster aus

dem Kontextmenü hinzu. Dort

finden Sie auch die Bilder wieder,

die Sie zuvor in die Media List

übernommen haben: Diese erkennen

Sie an dem Vermerk Still

Picture hinter dem Dateinamen.

Ein Video für den Hintergrund

festzulegen, macht etwas mehr

Umstände. Dazu rufen Sie zunächst

Eigenschaften des

Menüeintrages auf. Klicken Sie

dazu mit der rechten Maustaste

auf das Menü, dem Sie ein Video

oder einen Klang hinzufügen

möchten, und wählen Sie dann

Menu settings, um einen entsprechenden

Dialog aufzurufen.

Aktivieren Sie nun dort Kontrollkästchen

Motion menu und

wählen Sie eine Dauer (Duration)

über das entsprechende Feld aus.

Möchten Sie zusätzlich eine

Audio datei im Hintergrund des

Menüs abspielen, müssen Sie diese

im Bereich Audio auswählen, so

zum Beispiel unter External Audio

ein Lieblingslied oder Musik, die

zum Inhalt der DVD passt. Unter

End Action legen Sie fest, was

passiert, wenn das Hintergrundvideo

oder der Hintergrundsound

endet.

Schließen

Sie den Dialog

Menu

Settings

über OK

und versetzen

Sie das

angepasste

Menü wieder

zurück

in den Bearbeitungsmodus.

Nun klicken

Sie mit der

rechten

Maustaste

auf den Hintergrund des Menüs

und wählen über Set Poster eine

Videodatei aus, wenn Sie einen

Film im Hintergrund abspielen

möchten. Allerdings stehen nur

solche Dateien bereit, die Sie zuvor

über den Reiter Source zur

Media List hinzugefügt haben.

Nun fügen Sie dem Menü Text

und weitere Elemente hinzu. Text

ergänzen Sie, indem Sie zuerst

das Text Tool über den Button mit

dem T aktivieren und an eine gewünschte

Stelle im Arbeitsbereich

klicken. Sie formatieren den Text,

indem Sie an die gewünschte Stelle

klicken und Einstellungen über

die Buttons vornehmen.

Menü anpassen

Es ist nicht möglich, Texte wie

zum Beispiel in einer Textverarbeitung

zu markieren. Das Beispiel

in Abbildung D enthält neben

einer Überschrift noch zwei

weitere Textblöcke im Hauptmenü,

die folgende Funktionen erhalten

sollen: Der erste Textblock

(Das ganze Video abspielen) soll

den gesamten Film abspielen, der

zweite ein Kapitelmenü aufrufen.

Wählen Sie dazu das Auswahlwerkzeug

mit dem Zeigersymbol

und klicken Sie mit der rechten

Maustaste auf den oberen Text.

Klicken Sie nun unter Link auf

den Eintrag für den gesamten

Film. Damit haben Sie den Menü­

Eintrag mit dem Video verknüpft.

Für das Kapitelmenü fügen Sie

zunächst unter Menu List ein neues

Menü hinzu, lassen Sie jedoch

das Hauptmenü weiterhin geöffnet.

Klicken Sie mit der rechten

Maustaste bei aktiviertem Auswahlwerkzeug

auf den Textblock

Kapitel auswählen und wählen Sie

unter Link das Kapitelmenü aus.

Damit haben Sie beide Menüs miteinander

verknüpft. Über einen

entsprechenden Eintrag im Kontextmenü

heben Sie die Verknüpfung

gegebenenfalls wieder auf.

Nun müssen Sie das Kapitelmenü

mit Leben füllen. Dazu ziehen

Sie die einzelnen Kapitel aus der

Media List in den Arbeitsbereich

50 09 | 11

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Bombono DVD

praxis

hinein. Die daraufhin angezeigten

Vorschaubilder sind bereits

mit dem jeweiligen Kapitel verknüpft.

Sie finden die zuvor festgelegten

Kapitel in der Media List,

indem Sie auf das kleine Dreieck

neben dem Video klicken.

Markieren Sie mehrere Kapitel

im Arbeitsbereich und wenden

Sie über das Kontextmenü die

Funktion zum Ausrichten (Align)

an. So richten Sie die Kapitelbilder

aus. Denken Sie daran, noch

einen Menü­Eintrag hinzuzufügen,

der später wieder zum

Hauptmenü zurückführt.

Die standardmäßige Ansicht der

Kapitel als kleine Bilder wirkt in

machen Fällen ein wenig langweilig.

Um der Auswahl ein wenig

Abwechslung einzuhauchen, bietet

es sich zum Beispiel an, den

einzelnen Bildern verschiedene

Rahmen zuzuweisen. Markieren

Sie dazu ein Kapitelbild im Arbeitsbereich

und wählen Sie aus

der ersten Auswahlliste in der

Schalterleiste einen Rahmen aus.

Generieren

Zu guter Letzt gilt es, die Komposition

auf eine DVD zu bannen.

Wechseln Sie dazu auf den Reiter

Output. Hier stehen mehrere Optionen

bereit, über die Sie die Parameter

für die Ausgabe erstellen.

Wählen Sie zunächst einen Zielordner

(Select output folder) für

die Daten aus. Stellen Sie sicher,

dass der Ordner genügend Speicherplatz

besitzt und sich zudem

keine Dateien darin befinden.

Wie viel Speicherplatz

Sie benötigen, zeigt

Bombono oben rechts im

Anwendungsfenster an

(Abbildung E). Selbst

wenn Sie später die DVD

direkt aus der Software

heraus brennen wollen,

legen Sie hier fest, in

welchem Ordner das

Programm die temporären

Dateien speichert.

Entscheiden Sie sich

nun unter Choose author

mode für eine Ausgabeart.

Zum einen haben Sie die

Möglichkeit, über Write DVD folder

die passenden Verzeichnisse

zu erstellen. Alternativ weisen Sie

die Software an, über Write disk

image ein Image zu generieren

oder die Daten nach dem Transcodieren

direkt zu brennen (Burn

to DVD). Im Anschluss an Ihre

Auswahl müssen Sie nur noch auf

Build DVD-Video klicken. Bombono

fragt nun noch nach einem

Rohling, bevor es loslegt.

Fazit

Bombono erstellt mit wenigen

Funktionen anspruchsvolle DVD­

Menüs. Allerdings stören bei der

Arbeit mit dem Tool verhältnismäßig

viele Kleinigkeiten. In der

Menüleiste beispielsweise hat

sich ein Bug eingenistet: Arbeiten

Sie unter KDE oder Gnome, stehen

die Menüfunktionen gegebenenfalls

gar nicht bereit, weil die

drei Reiter Source, Menu und Output

sie überdecken. Sie kommen

dann nur an die Menüs heran, indem

Sie [Alt] drücken.

Da die meisten Funktionen aber

in der Oberfläche integriert sind,

brauchen Sie die Menüs in der Regel

nicht. Zum Speichern dient

beispielsweise die bekannte Tastenkombination

[Strg]+[S]. Unter

Ubuntus Unity kommt dieser Bug

nicht zum Tragen: Hier erscheint

die Menüleiste abgetrennt am

oberen Bildschirmrand.

Weiterhin fehlen im Reiter

Menu die Funktionen Kopieren

und Einfügen, was die Arbeit ein

wenig erschwert. Aber diese Hindernisse

lassen sich leicht umgehen,

wenn man sie kennt. (agr) n

[1] Bombono: http:// www. bombono. org

[2] OpenSuse-Paket: http:// packman.

links2linux. org/ package/ bombono/

[3] Download: http:// www. bombono. org/

cgi-bin/ wiki/ Download

[4] Gnome Subtitles:

info

http:// gnome-subtitles. sourceforge. net

E Bombono bietet

nicht nur die Möglichkeit,

die DVD-Daten zu

erzeugen, sondern

diese sogar direkt auf

einen Datenträger zu

brennen.

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09 | 11 51


praxis

Zoneminder

Videoüberwachung mit Zoneminder

Magisches Auge

Vandalismus, Sachbeschädigungen und Diebstähle sorgen für großen Unmut bei den

Betroffenen. Dank Linux und freier Software

zur Videoüberwachung erwischen Sie

jedoch mit etwas Glück die

Täter in flagranti.

Erik Bärwaldt

sogenannte PTZ-Kameras einsetzen:

Die Pan/ Tilt/ Zoom-Kameras

holen im Bedarfsfall den überwachten

Bereich per Zoomobjektiv

zusätzlich ganz nah heran.

Liegen die neuralgischen Orte in

dunklen Bereichen oder sollen bestimmte

Örtlichkeiten auch

nachts überwacht werden, brauchen

Sie zusätzlich eine Infrarot-

Lichtquelle. Hochwertige professionelle

Überwachungskameras

bringen oft mehrere Infrarot-

Leuchtdioden mit, die unter

schlechten Lichtbedingungen

eine Reichweite von bis zu zehn

Metern bieten. Falls Sie die deutlich

günstigeren und meist auch

kleineren Webcams für das Überwachen

von Innenräumen nutzen

möchten oder Ihre Überwachungskamera

keine Infrarot-

Dioden aufweist, gibt es spezielle

Infrarot-Scheinwerfer auch als

externe Komponenten [2].

© Maxim Kazmin, 123RF

rEaDME

Videoüberwachungsanlagen

waren bis vor einigen

Jahren eine kostspielige

und aufwändig

zu installierende Angelegenheit.

Dank Linux und

freier Software können

Sie jedoch inzwischen

mit wenig Geld und geringem

Aufwand eine

professionelle Videoüberwachung

aufbauen.

Fahrrad geklaut,

Auto

zerkratzt,

Mauer beschmiert


und alles direkt

vor oder

am eigenen

Haus? Wenn polizeiliche

Ermittlungen

in solchen

Fällen bislang wegen

fehlender aussagekräftiger

Beweise

stets im Sande

verliefen und Sie

Sachbeschädigungen

und Diebstähle zukünftig nicht

mehr hinnehmen wollen, kann

eine Videoüberwachungsanlage

wahre Wunder bewirken. Dabei

kostet eine effektive Überwachung

neuralgischer Punkte mittlerweile

nicht mehr die Welt: Mit

einem Linux-PC, dem freien Zoneminder

[1] als Steuerungssoftware

sowie herkömmlichen Webcams

sind Sie für weniger als hundert

Euro mit von der Partie beim Beobachten

eines Brennpunktes.

Vorbereitungen

Der Nutzen einer Videoüberwachungsanlage

steht und fällt mit

der Qualität der eingesetzten Kameras.

Vor allem dann, wenn Videosequenzen

oder Bilder zu Beweiszwecken

vor Gericht dienen

sollen, müssen diese eine entsprechend

hohe Auflösung bieten,

um auch bei Vergrößerungen

wichtige Details scharf darzustellen.

Daher eignet sich nicht jede

Kamera für die Videoüberwachung.

Zusätzlich gilt es, den Einsatzort

zu berücksichtigen: Wollen

Sie schlecht zugängliche Bereiche

im Freien überwachen,

muss die Kamera zwingend für

den Außeneinsatz konzipiert

sein, sodass auch ein heftiger Regenschauer

das Gerät nicht außer

Gefecht setzt. Eine sogenannte

Pan/ Tilt-Kamera benötigen Sie,

wenn der zu observierende Bereich

gelegentlich verändert werden

muss: Solche Kameras können

das Objektiv motorgesteuert

um zwei Achsen bewegen und somit

verschiedene Räume überwachen.

Noch flexibler lassen sich

Linux-Unterstützung

Obwohl dedizierte Pan/ Tilt-Überwachungskameras

sich äußerlich

meist sehr ähnlich sehen, bestehen

technisch deutliche Unterschiede.

Die Optik weist zwar bei

faktisch allen aktuell erhältlichen

Modellen mit Ausnahme der Pixelanzahl

kaum noch Unterschiede

auf, jedoch eignen sich viele

Kameras nur für den Einsatz unter

anderen Betriebssystemen

und funktionieren unter Linux

nicht. Kameras, die über eine TV-

Schnittstellenkarte im Rechner

angesteuert werden (TV-Tuner)

sowie analoge S-Video-Kameras

lassen sich, sofern es für die TVoder

Capture-Karte Linux-Treiber

gibt, mit Zoneminder in vielen

Fällen nutzen. Trotzdem sollten

Sie vorab einen Blick in die Kompatibilitätsliste

[3] des Programms

werfen – vor allem, wenn

Sie mehrere unterschiedliche Kameras

beispielsweise parallel innen

und außen einsetzen wollen.

Auch bei den beliebten USB-

Webkameras machen fehlende

Treiber für das freie Betriebssystem

manchmal (noch) einen

52 09 | 11

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Zoneminder

praxis

Strich durch die Rechnung.

Insbesondere ältere

Modelle mit geringer

Auflösung lassen Sie

daher besser im Regal:

Mit solchen Kameras

lassen sich erfahrungsgemäß

keine „gerichtsfesten“

Aufnahmen erzielen.

Dank verschiedener

freier Projekte hat

sich jedoch in den letzten

Jahren die Unterstützung von

Webcams unter Linux signifikant

verbessert. Falls Sie eine USB-Kamera

einsetzen, sollten Sie als

erste Anlaufstelle die beiden Projekte

GSPCA [4] und Uvcvideo [5]

nutzen, um zu prüfen, ob das vorgesehene

Kameramodell unter

Linux arbeitet. Da der Kernel seit

Version 2.6.27 beide Treiber

integ riert, funktionieren die von

den Projekten als kompatibel eingestuften

Geräte mit dem freien

Betriebssystem erfreulicherweise

ohne zusätzliche Klimmzüge.

Zu guter Letzt sollten Sie zusätzlich

darauf achten, dass der

Überwachungsrechner genügend

Festplattenkapazität bereitstellt:

Hochauflösende Aufnahmen mit

hoher Frame-Rate und mit großer

Farbtiefe benötigen schnell viel

Platz auf dem Datenträger.

Software-Installation

Bei Zoneminder handelt es sich

um eine stark modularisierte Applikation,

deren Bedienung über

ein Web-Interface erfolgt. Dementsprechend

gilt es einige Voraussetzungen

zu erfüllen, um das

Programm verwenden zu können.

Neben Video4Linux für die Unterstützung

der Kameras und TV-

Karten, einem Apache-Webserver

sowie MySQL, PHP und Perl müssen

Sie auf dem Rechner für die

Aufnahme von Stand- und Bewegtbildern

die Ffmpeg- und

Libjpeg-Pakete installieren.

Erfreulicherweise findet sich

Zoneminder inzwischen in den

Repositories aller gängigen Linux-

Distributionen und deren Derivaten,

sodass Sie das Programm

ohne aufwändige manuelle Kompilation

bequem aus Synaptic,

dem MCC oder YaST heraus installieren.

Dabei zieht der Paketmanager

in der Regel alles zusätzlich

Notwendige automatisch

nach. Wir testeten das System

unter Ubuntu 10.10. Eine gesondert

erhältliche Live-CD-Variante

von Zoneminder testen wir nicht

eingehender, da diese auf dem inzwischen

nicht mehr gepflegten

Xubuntu 8.10 beruht und aufgrund

ihres Alters für viele aktuell

erhältliche Webkameras wie

auch neuere Videoschnittkarten

keine Treiber enthält.

Um die aufgrund der vielen vorausgesetzten

Pakete und Codecs

etwas umständliche Installation

und Konfiguration der Videoüberwachung

zu vereinfachen, steht

im Zoneminder-Forum ein Skript

zum Download [6] bereit, das

nicht nur diese Aufgaben zuverlässig

automatisiert, sondern obendrein

auch die Konfiguration des

Arbeitsspeichers anpasst. Kopieren

Sie dieses Skript zunächst in

die Zwischenablage und sichern

Um Zoneminder effektiv zu nutzen, sollten Sie nicht

nur Ihre Kameras sehr sorgfältig auswählen, sondern

auch deren Standorte. Da meist schon der

relativ beschränkte Speicherplatz auf der Festplatte

ein dauerhaftes Mitschneiden verbietet, beginnen

die meisten Überwachungskameras erst mit dem

Aufzeichnen, wenn eine Bewegung erkannt wird. Daher

sollten Sie darauf achten, dass die Kameras nur

einen „stillen“ Bereich ausleuchten.

Im Freien sollten beispielsweise keine Bäume oder

Büsche größere Bildbereiche abdecken, da die Gewächse

sich bei Windböen bewegen und dabei permanent

Events generieren. Lassen sich unmotiviert

bewegte Objekte nicht ganz aus dem Bildbereich der

Sie es anschließend in einem Editor.

Dann machen Sie es mittels

des Kommandozeilen-Befehls

chmod ausführbar und starten es

anschließend mit Root-Rechten.

Daraufhin nimmt das Skript in

einem einzigen Durchlauf die

notwendigen Anpassungen vor.

Bei jedem Systemstart wird

fortan der Apache-Webserver automatisch

aktiviert und Sie können

nach Aufruf eines Webbrowsers

die Oberfläche von Zoneminder

durch Eingabe der Adresse

http://127.0.0.1/zm im Browserfenster

auf den Bildschirm holen.

Los geht’s

Die Software zeigt sich nach dem

ersten Start mit einer spartanisch

anmutenden Oberfläche und

muss noch konfiguriert werden

(Abbildung A). Achten Sie hier

vor allem auf den oben ganz

rechts angezeigten Wert hinter

dem Feld Disk:. Er bezeichnet den

aktuell belegten Festplattenplatz

in Prozent. Sofern Sie mehrere

Kameras an dem System betreiben

wollen, sollte dieser Wert

A Die sehr spartanisch

ausgestattete Weboberfläche

von Zoneminder.

ÜbErwachungskaMEras: Tipps & Tricks

Kamera eliminieren, so sollten Sie in Zoneminder

eigene Zonen definieren (siehe Abschnitt „Alarmzone“),

um so die Datenmenge zu reduzieren.

Überwachungskameras sollten zu observierende

Bereiche nie mit kleinem Beobachtungswinkel von

oben beleuchten, da sich Personen, die sich in diesem

Bereich aufhalten, bei gerader Draufsicht nur

schwer identifizieren lassen. Die Kamera sollte seitlich

von oben den Observationsraum beleuchten.

Achten Sie bei kabelgebundenen Kameras darauf,

deren Strippen für Unbefugte unsichtbar und auch

unerreichbar zu verlegen. Ein durchschnittenes Kabel

setzt eine Überwachungskamera sofort außer

Gefecht und lässt Zoneminder im Dunkeln tappen.

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09 | 11 53


praxis

Zoneminder

B Das Zoneminder­

Interface erlaubt es,

alle Einstellungen

schnell zu erledigen.

C So ermitteln Sie die

korrekten Einstellungen

für die Kameras.

D Der Dialog für

grundlegende Einstellungen

der Software.

möglichst niedrig ausfallen, damit

bei Aufzeichnungen mit hohen

Auflösungen und Frameraten

nicht der Plattenplatz ausgeht.

Haben Sie die Kameras an das

System angeschlossen, gilt es,

diese nun in Zoneminder einzubinden.

Wir testeten das System

mit drei unterschiedlichen USB-

Webcams der Hersteller Logitech

und Chicony. Um die Kameras mit

Zoneminder bekannt zu machen,

klicken Sie im Hauptfenster auf

die Schaltfläche Add New Monitor.

Das Programm öffnet nun ein

weiteres Fenster mit vier oben horizontal

angeordneten Reitern. Im

zweiten Reiter von links (Source)

befinden sich die eigentlichen

Hardware-Parameter, die Sie anpassen

müssen (Abbildung B).

Zoneminder erleichtert das korrekte

Einstellen durch eine Hilfsanwendung,

die die technischen

Daten der Kameras ausliest. Geben

Sie dazu im Terminal folgenden

Befehl ein:

$ zmu ‐d Device‐Name ‐V 1 ‐q ‐v

Der Device-Name lautet üblicherweise

/dev/videoX, wobei

das X für eine Ziffer von

null aufwärts steht. Das

Programm zeigt nun alle relevanten

Daten des entsprechenden

Gerätes in Listenform

an. Um die korrekten

Parameter zu ermitteln,

suchen Sie zunächst den

Abschnitt Window Attributes

und notieren dort die

Werte hinter den beiden

Zeilen Width: und Height:.

Diese bezeichnen die Auflösung

in Pixeln. Im Abschnitt

Picture Attributes

werfen Sie zudem einen

Blick auf die Zeile Palette:

und halten die dort angegebene

Farbpalette fest.

Am Ende der Programmausgabe

finden Sie schließlich

den Eintrag Format:,

der auf die entsprechende

TV-Norm (NTSC, PAL,

SECAM) verweist (Abbildung

C).

Ausgerüstet mit diesen

Informationen, nehmen

Sie nun im Zoneminder-

Konfigurationsfenster

Source die entsprechenden

Einträge vor. Achten Sie

darauf, dass im Feld Capture Method

der Eintrag Video For Linux

version 2 steht, den praktisch alle

aktuellen Kameras nutzen. Haben

Sie die Einträge vervollständigt,

so speichern Sie diese mit einem

Klick auf die Schaltfläche Save

dauerhaft und wechseln dann in

den Reiter General. Hier vergeben

Sie im Feld Name eine möglichst

aussagekräftige Bezeichnung für

den Kamerastandort und bestimmen

dann den Betriebsmodus des

Gerätes. Üblicherweise müssen Sie

im Auswahlfeld Source Type bei

Webcams nichts ändern, der Eintrag

Local kann stehenbleiben. Für

IP-Kameras, die ins Intranet eingebunden

sind, müssen Sie jedoch

die Option Remote anwählen.

Betriebsmodi

Im nächsten Schritt legen Sie den

Betriebsmodus der Kamera fest.

Die erste Option, Monitor, zeigt

dabei das Videosignal an, zeichnet

jedoch nichts auf. Die Option

Modect aktiviert die Bewegungserkennung

und generiert einen

Event, sobald Zoneminder eine

Bewegung registriert. Die Aufzeichnung

startet in diesem Fall

automatisch und endet erst dann

wieder, wenn Zoneminder keine

Bewegung mehr feststellt. Eine

erneute Bewegung vor der Kamera

generiert einen weiteren Event

und nimmt die Aufzeichnung

wieder auf.

Die dritte Option, Record, startet

unabhängig von erkannten

Bewegungen eine permanente

Aufnahme. Sofern Sie die Aufzeichnungsdauer

nicht manuell

begrenzen, zeichnet die Software

also alle von der jeweiligen Kamera

eingehenden Videosignale auf,

wobei sehr große Datenmengen

anfallen. Die Option Mocord kombiniert

quasi Record und Modect:

Zoneminder zeichnet zwar laufend

auf und generiert bei jedem

Aufzeichnungsstart einen entsprechenden

Event. Sobald es

während der Aufzeichnung aber

eine Bewegung vor der Kamera

feststellt, gibt es diesen Event in

54 09 | 11

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Zoneminder

praxis

Großbuchstaben in der Ereignisliste

aus. Die letzte Option namens

Nodect ermöglicht den Einsatz

externer Bewegungsmelder,

wie sie manche Kameras gleich

mitbringen. Damit steuert die

Kamera das Anlegen eines neuen

Events, nicht mehr Zoneminder.

Nach entsprechender Auswahl

des Betriebsmodus schalten Sie

die Kamera durch Setzen eines

Häkchens beim Eintrag Enabled

ein. Abschließend müssen Sie

noch in den beiden Feldern Maximum

FPS und Alarm Maximum

FPS angeben, wie viele Bilder pro

Sekunde Zoneminder anfertigen

soll. Dabei bezieht sich der erste

Eintrag auf den Normalbetrieb,

der zweite auf den Alarmfall. Dabei

setzen Sie die maximale Bildaufzeichnungsrate

bei Alarmauslösung

höher an als für den Normalbetrieb,

um bei Anlage eines

Events das Geschehen möglichst

zeitnah verfolgen und detailgetreu

aufnehmen zu können. Sofern

Sie über einen entsprechend

leistungsstarken Rechner und

ausreichend Massenspeicherkapazität

verfügen, sind hier Werte

bis zu 30 Frames/ s sinnvoll. Haben

Sie die Angaben vervollständigt,

speichern Sie die Einstellung

mit einem Klick auf den Save-Button

ab. Damit ist die Kamera jetzt

einsatzfähig (Abbildung D).

Für professionelle IP- oder PTZ-

Kameras bietet Zoneminder eine

stattliche Anzahl sogenannter

Presets mit sinnvollen Voreinstellungen

für viele von der Software

unterstützten Kameras und

Videokarten. Sie finden

diese Einstellungsprofile

nach einem

Klick auf die

Schaltfläche Presets

oben rechts im Konfigurationsfenster

der

Software. Im Auswahlfeld

Preset wählen

Sie anschließend

das Kameramodell

und die grundlegenden

Einstellungen aus

und sichern diese mit

einem Klick auf den Save-

Button. Zoneminder übernimmt

diese Einstellungen,

wobei Sie allerdings noch

die IP-Adresse der Kamera

sowie im Feld Function den

Betriebsmodus angeben

müssen. Weitere Modifikationen

sind in aller Regel

überflüssig (Abbildung E).

Quellen und Ziele

Im Browserfenster listet

Zoneminder nun die unterschiedlichen

Bildquellen

übersichtlich untereinander auf.

Ein besonderes Augenmerk sollten

Sie zunächst auf die Einträge

in der Spalte Source legen: In grüner

Schrift aufgeführte Geräte arbeiten

korrekt (Abbildung F).

Erscheinen einzelne Kameras jedoch

in Rot, so funktionieren sie

nicht korrekt – meist zeichnen

Konfigurationsfehler dafür verantwortlich.

Klicken Sie in diesem

Fall zunächst auf den entsprechenden

Eintrag vorn in der Spalte

Name. Im sich öffnenden Monitorfenster

sollte nun das Kamerabild

erscheinen. Bleibt das

Fenster schwarz oder sehen Sie

nur einen leeren Rahmen, müssen

Sie die Kamera neu konfigurieren.

Insbesondere bei leistungsschwächeren

Modellen hilft

es oft, in einem solchen Fall mit

der Bildauflösung und der Anzahl

der Frames zu experimentieren.

In den geöffneten Monitorfenstern

sehen Sie nicht nur die aktuellen

Kamerabilder, sondern auch

eine Liste der generierten Events

mit Angaben zur Dauer und zur

Anzahl der Frames. Per Mausklick

auf einen der Events in der Rubrik

Name spielen Sie diesen ab. Im

oberen Bereich des Fensters finden

Sie neben allgemeinen Daten

zu der spezifizierten Bildsequenz

auch eine Menüzeile, mit deren

Hilfe Sie die Bilder bei Bedarf

weiterverarbeiten (Abbildung G).

Da Zoneminder die Events zunächst

lediglich als Bilderabfolge

in einem temporären Verzeichnis

ablegt, müssen Sie daraus in einem

weiteren Schritt ein Video

generieren, um die Sequenzen anderweitig

zu nutzen. Klicken Sie

dazu auf den Menüeintrag Video

und nehmen Sie im sich öffnenden

Fenster die notwendigen Einstellungen

vor. Zoneminder stellt

mehrere gängige Videoformate

zur Auswahl und gestattet es zudem,

die Größe des Videos (mithilfe

des Feldes Video Size) und

die Anzahl der Frames festzulegen.

Für Dokumentationszwecke

sollten Sie den Eintrag im Feld

E Presets erleichtern

die Einstellung von

PTZ­ und IP­Kameras.

F Mit einem Blick

sehen Sie, welche

Kamera aktiv ist.

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09 | 11 55


praxis

Zoneminder

H Der Dialog zum Generieren eines

Videos aus einer Bildabfolge.

G Zoneminder zeigt

in der Eventliste alle

Aufzeichnungen der

gewählten Kamera.

I Durch Alarmzonen

definieren Sie zu überwachende

Bereiche.

Frame Rate auf dem Wert Real belassen,

was einer Echtzeitaufnahme

entspricht.

Haben Sie die Angaben Ihren

Wünschen gemäß angepasst,

dann klicken Sie auf den Button

Generate Video. Nach der Anlage

des gewünschtes Videos erscheint

eine Tabelle mit den entsprechenden

Daten der Sequenz. Dort

wählen Sie in der rechten Spalte

Action aus, was mit dem Videoausschnitt

geschehen soll. Da das

Video nun zwar generiert, aber

immer noch nicht dauerhaft abgespeichert

ist, müssen Sie zur

dauerhaften Ablage den Befehl

Download im Feld Action auswählen

(Abbildung H). Zoneminder

vergibt nun für das Video einen

Namen und speichert dieses auf

der Festplatte im Download-Verzeichnis

des aktuellen Nutzers ab.

Alarmzone

Damit vor allem bei großräumigen

Beobachtungsbereichen nicht

unerwünschte Randzonen – etwa

eine angrenzende Straße mit viel

Verkehr – ständig Events generieren

und somit die Kapazität des

Rechners unnötig belasten, können

Sie anhand eines Kamerabildes

Alarmzonen festlegen.

Klicken Sie dazu im Hauptfenster

von Zoneminder auf den zur

jeweiligen Kamera in der Spalte

Zones gehörenden Eintrag. Es öffnet

sich ein Fenster, in dem Sie

unterhalb des aktuellen Kamerabildes

eine Tabelle mit zunächst

vier Koordinaten auf der X- und

Y-Achse sehen. Zoneminder überzieht

das Kamerabild mit einem

grünen Raster, wobei die vier in

der Tabelle angegebenen Koordinaten

dessen Eckpunkte darstellen.

Durch Verschieben der Punkte

modifizieren Sie den Bereich,

der Alarm auslösen kann, und

passen durch Hinzufügen weiterer

Punkte auch die Form des entsprechenden

Bildausschnittes an

(Abbildung I).

In der links neben dem Kamerabild

angeordneten Tabelle nehmen

Sie einige weitere Einstellungen

zum Auslösen eines Events

oder Alarms vor. Hier können Sie

beispielsweise die Empfindlichkeit

der Software so justieren,

dass sie nicht bei jeder unbedeutenden

Bewegung einen Event generiert.

Alarmauslösungen stellt

Zoneminder in der Folge in der

Listendarstellung der Events in

roter Farbe dar, sodass Sie kritische

Ereignisse auf einen Blick erkennen.

Ihre Modifikationen sichern

Sie erneut mit einem Klick

auf den Save-Button.

Fazit

Mit Zoneminder bauen Sie eine

professionelle Videoüberwachung

auf, die aufgrund ihrer weitreichenden

Hardware-Unterstützung

und der flexiblen Konfigurationsmöglichkeiten

ihresgleichen

sucht. Die Software bietet auch

bei größeren Projekten mit vielen

Kameras eine gute Leistung und

gestattet zudem den Einsatz auf

älterer Computer-Hardware, da

sie trotz der generell relativ

hohen Anforderungen bei der

Videobearbeitung sehr ressourcenschonend

agiert.

Als Mankos stechen auf der anderen

Seite die mangelnde Lokalisierung

sowie die bei USB-Webkameras

gelegentlich etwas schwerfällige

Konfiguration der Software

ins Auge. Da es sich bei

Zoneminder jedoch um freie Software

handelt, die einer regen Entwicklung

unterliegt, liegt es im

Bereich des Wahrscheinlichen,

dass die Entwickler diese Schwächen

in den kommenden Versionen

schnell beseitigen. (jlu) n

info

[1] Zoneminder: http:// www. zoneminder. com/

[2] IR-Schweinwerfer: http:// de. wikipedia. org/

wiki/ Scheinwerfer# Infrarot-Scheinwerfer

[3] Zoneminder-Kompatibilitätsliste:

http:// www. zoneminder. com/ wiki/ index.

php/ Hardware_Compatibility_List

[4] GSPCA-Kompatibilitätsliste:

http:// lwn. net/ Articles/ 291036/

[5] Uvcvideo-Kompatibilitätsliste:

http:// www. ideasonboard. org/ uvc/ # devices

[6] Konfigurationsskript:

http:// www. zoneminder. com/ forums/

viewtopic. php? t=16628

56 09 | 11

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praxis

Videoconferencing

© skvoor, 123RF

Videokonferenzen unter Linux

Guckst du!

Geht es um Videokonferenzen

übers

Internet, denken

die meisten zuerst

an Skype. Wir suchen

nach freien

Alternativen.

Florian Effenberger

rEaDME

In Zeiten breitbandiger

Internetverbindungen

nutzen viele Menschen

Videokonferenzen statt

aufwändiger Reisen –

das schont Kasse und

Nerven. Welche Lösungen

um die Gunst des

Linux-Anwenders buhlen

und wo Fallstricke lauern,

zeigt dieser Artikel.

Telekommunikation war vor

nicht allzu langer Zeit noch ein

teures Gut. Selbst kurze Auslandsgespräche

kosteten mitunter

ein Vermögen, die Tonqualität

war oft mäßig und Konferenzen

mit mehreren Teilnehmern ein

schwieriges Unterfangen. Durch

das Aufkommen IP-basierter Telefonie

hat sich dieses Bild gewandelt.

Zahlreiche Voice-over-IP-Anbieter

sprießen aus dem Boden,

Flatrates für Gespräche nach ganz

Europa sind an der Tagesordnung,

und moderne Videokonferenzsysteme

lassen die Menschen

über Kontinente hinweg näher

zusammenrücken.

Um mehrere Leute zu einer

Konferenz zusammenzuschalten,

haben Sie die Qual der Wahl bei

den Systemen. Der Klassiker ist

die Dreierkonferenz, bei der Sie

drei Teilnehmer per Telefonverbindung

zusammenschalten. Der

Vorteil: Sie benötigen keine zusätzliche

Hard- oder Software,

und die Kosten bleiben – zumindest

im Inland – überschaubar.

Derartige Konferenzen bieten die

meisten Festnetzanbieter und

Mobilfunkbetreiber sowie zahlreiche

VoIP-Anbieter an.

Komplizierter wird das Ganze,

wenn mehr Parteien gleichzeitig

telefonieren möchten, denn dazu

benötigen Sie einen separaten

Anbieter. Preise und Leistungen

unterscheiden sich hier sehr

stark, eine Recherche im Internet

fördert aber einige kostenfreie

Lösungen zutage [1]. Doch nicht

immer ist das Telefon das Mittel

der Wahl, denn möchten Sie während

des Gesprächs Links oder

gar Dokumente austauschen,

kommen Sie ohne zusätzliche

technische Hilfsmittel nicht aus.

Der neueste Schrei sind Videokonferenzen,

bei denen Sie

per Webcam

Ihren Gesprächspartner

sogar sehen

können.

Im Folgenden

stellen

wir Ihnen einige

interessante

Ansätze

zur Videokonferenz

vor. Als Testsystem

dient

uns dabei

Ubuntu 11.04, wobei unser Augenmerk

jedoch auf der Plattformunabhängigkeit

liegt – schließlich

möchten Sie auch mit Anwendern

reden, die Mac OS X

oder Windows benutzen.

Der Klassiker: Skype

Denkt man an Konferenzsoftware,

kommt man an Skype [2]

nicht vorbei. Binnen weniger Jahre

hat das Programm einen hohen

Verbreitungsgrad erreicht. Skype

läuft nicht nur auf Linux, Mac

OS X und Windows, sondern auch

auf mobilen Geräten mit Sym-

A Der Skype-Client für Linux ist einfach zu bedienen und

strotzt trotzdem vor Funktionen rund um die Telefonie.

58 09 | 11

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Videoconferencing

praxis

bian, Android oder iOS. Zudem

genießt Skype den Ruf, hinter nahezu

jeder Firewall zu funktionieren.

Das Programm unterstützt

viele Sprachen und beherrscht

neben Audiokonferenzen auch

Videogespräche und Textchat.

Doch auch wenn weltweit mehrere

Millionen Anwender auf die

Dienste von Skype zurückgreifen,

hat es einen Nachteil: Weder

beim Programm noch dem zugrunde

liegenden Protokoll handelt

es sich um freie Software,

weswegen Sie auf den offiziellen

Client des Herstellers oder zertifizierte

Endgeräte wie Skype-Telefone

angewiesen sind. Zudem arbeitet

Skype nach dem Peer-to-

Peer-Prinzip, sodass auch Ihr System

als Vermittlungsstelle für Anrufe

von Dritten dient, was Bandbreite

benötigt.

Zudem behandelt

Skype Linux offensichtlich

als Stiefkind:

Neue Features fließen

in den Linux-Client

meist erst später ein

als in die Windows-

Version. Obendrein

sorgte Skype in der

Vergangenheit immer

wieder für Unmut: So

blendet der Windows-

Client seit einiger

Zeit Werbebanner

ein, Gruppen-Videokonferenzen

bleiben

mittlerweile zahlenden

Kunden vorbehalten.

Auch die Frage,

wie abhörsicher

Skype-Telefonate

sind, lässt sich aufgrund

des proprietären

Protokolls nicht

nachprüfen. Dafür

bietet Skype andererseits

eine einfache Bedienung

sowie attraktive

(aber kostenpflichtige)

Zusatzdienste

wie Anrufweiterschaltung,

SMS-

Versand, Anrufe ins

Festnetz, Voicemail

und mehr. Der Client selbst ist

schnell installiert. Unter Ubuntu

aktivieren Sie über System | Systemverwaltung

| Aktualisierungsverwaltung

| Einstellungen | Andere

Software das Canonical-Partner-Repository.

Danach richten

Sie das Skype-Paket beispielsweise

mittels sudo apt‐get install

skype ein. Es nistet sich im

Gnome-Menü unter Anwendungen

| Internet ein. Im Test klappte

die Verbindung zwischen Linuxund

Mac-Client zwar problemlos,

aber nur bei geöffneter Firewall.

Mit unserer ursprünglichen –

zugegebenermaßen sehr restriktiven

– Netzwerk-Policy kam Skype

nicht zurecht und konnte nur

Textnachrichten austauschen,

Video- und Audio-Verbindungen

schlugen dagegen fehl.

Wenn aber die Verbindung einmal

steht, dann macht das „Skypen“

wirklich Spaß (Abbildung A).

Video, Sprache, Text-Chat und

Dateiversand zur gleichen Zeit

klappten problemlos und boten

im Vergleich zum klassischen

Telefon einen echten Mehrwert.

Mehrere Gesprächspartner fügen

Sie einfach der Konferenz hinzu,

Skype verbindet sie dann sowohl

per Sprache als auch per Textchat

miteinander. Die Audio- und

Video-Qualität hängt stark von

der Bandbreite ab, war im Test

aber immer akzeptabel und ohne

allzu große Latenzen. Die Tatsache,

dass weltweit mehrere Millionen

Menschen Skype nutzen, erhöht

die Wahrscheinlichkeit, dass

sich auch der Gesprächspartner

auf diesem Weg erreichen lässt.

B Ekiga kommt mitsamt

einem kostenfreiem

SIP-Konto.

www.linux-user.de

09 | 11 59


praxis

Videoconferencing

Glossar

SIP: Session Initiation

Protocol (RFC 3261).

Netzwerkprotokoll für

Aufbau, Steuerung und

Abbau von Kommunikationssitzungen,

Quasi-

Standard bei der IP-

Telefonie.

H.323: Kommunikationsstandard

der Internationalen

Fernmelde-

Union (ITU) für Audio-/

Video-Kommunikation

über paketbasierte

Netzwerke.

STUN: Session Traversal

Utilities for NAT

(RFC 5389). Spezifiziert

Methoden und ein Netzwerkprotokoll,

mit denen

Anwendungen die

Präsenz eines NAT feststellen

und die zur Kommunikation

notwendigen

Informationen wie IP-

Adresse und Port-Nummer

der UDP-Verbindung

ermitteln können. STUN

setzt die Unterstützung

durch einen STUN-Server

im öffentlichen

Netzwerk voraus.

C Der Ekiga-Client

gefällt durch seinen

sehr übersichtlichen

Aufbau der Software.

Mit Ekiga [3] steht quasi ein freies

Pendant zu Skype zur Verfügung,

das mit SIP und H.323 offene

Standards unterstützt. Interessant

ist vor allem das Erstgenannte,

mit dem Sie Ekiga als

Client für herkömmliche VoIP-

Provider nutzen. Unter Ubuntu

installieren Sie das Programm

beispielsweise mittels sudo apt‐get

install ekiga und starten es anschließend

im Gnome-Menü unter

Anwendungen | Internet |

Ekiga-Softphon. Auf unserem

Testsystem klappte die Installation

erst im zweiten Anlauf: Beim

ersten Versuch meldete das Paket

zwar keinen Fehler, legte aber weder

ein Icon noch ein startbares

Programm an.

Kostengünstig: Ekiga

Zum Testen erstellten wir ein

kostenfreies SIP-Konto beim programmeigenen

Dienst Ekiga.net

(Abbildung B, vorherige Seite),

das wir im Einrichtungsassistenten

konfigurierten. Zudem richteten

wir ein herkömmliches SIP-

Konto eines deutschen VoIP-Anbieters

ein. Während bei Letzterem

ein- und ausgehende Telefonate

problemlos funktionierten,

weigerte sich der Ekiga.net-

Dienst standhaft, Audiodaten zu

übertragen – sowohl unter Windows

als auch unter Linux. Interessanterweise

funktionierte Ekiga.net

in Verbindung mit anderen

SIP-Clients problemlos, und auch

die Video-Übertragung im sogenannten

Echotest verlief problemlos.

Möglicherweise handelte

es sich um ein temporäres Problem,

vielleicht kam Ekiga mit unserer

Firewall-Konfiguration auch

einfach nicht zurecht. So konnten

wir den Ekiga.net-Konferenzservice

nicht wie geplant testen –

mit ihm richten Sie laut Anbieter

kostenfrei einen Sprachkonferenzraum

ein, den Sie zudem mit

einer PIN schützen.

Abgesehen von diesen Unzulänglichkeiten

macht Ekiga einen

guten Eindruck. Das Programm

gibt sich schlank und übersichtlich

(Abbildung C) und unterstützt

eine Vielzahl von Audio-

Codecs. Lediglich die erstmalige

Installation fällt mitunter etwas

aufwändig aus, da Sie beispielsweise

etwaige STUN-Server erst

mühsam per Kommandozeile eintragen

müssen [4]. Problematisch

erscheint auch, dass Ekiga nur einen

SIP-Proxy für alle Anbieter

gleichzeitig unterstützt – andere

Programme erlauben die Konfiguration

pro Konto.

Den Client erhalten Sie in verschiedenen

Sprachen für Windows

und Linux, zu entsprechenden

Mac-OS-X-Programmen ist

Ekiga kompatibel. Neben Audio

und Video unterstützt Ekiga zudem

Textchat, lediglich

ein Dateitransfer

fehlt. Gegen eine zusätzliche

Gebühr rufen

Sie mit Ekiga gewöhnliche

Festnetztelefone

an; eingehende

Rufnummern kaufen

Sie dagegen bei einem

Ekiga-Partner oder

bei einem SIP-Anbieter

Ihrer Wahl.

Das geschlossene

Protokoll von Skype

hat einen Vorteil: Als

Anwender müssen Sie

sich keine Gedanken

darüber machen, wie

die Verbindung zustande

kommt. Der offene SIP-

Standard ist da weitaus komplizierter.

Bauen Sie eine Verbindung

hinter einem NAT-Router

auf, wie man ihn in fast allen Privathaushalten

und den meisten

Firmen antrifft, spielen zahlreiche

Faktoren eine Rolle. Grundlegende

Verbindungsprobleme, nur

einseitige Audio-Übertragung

oder Abbrüche des Gesprächs

deuten darauf hin, dass die

Firewall Probleme macht [5].

Die SIP-Problematik

Den heimischen Router können

Sie noch selbst konfigurieren,

doch auf den Zugang im Hotel,

auf der Konferenz oder in der

Bahn haben Sie keinen Einfluss.

Zwar implementieren die Programme

immer ausgefeiltere Mechanismen,

um SIP per NAT anzubinden,

doch funktioniert das

proprietäre Skype in solchen Umgebungen

meistens besser. Und

nicht zu vergessen: Nicht nur Ihre

Firewall, sondern auch die Ihres

Gesprächspartners muss mitspielen.

Ein weiterer Nachteil: Die

meisten Clients beherrschen nur

unverschlüsselte SIP-Verbindungen,

und nicht jeder Provider unterstützt

zwangsläufig auch jede

gewünschte Funktion.

Diese Realität holte uns schnell

ein, als wir eine Reihe anderer SIP-

Clients testen wollten, wie Twinkle

[6] oder Linphone [7]. Während

Ekiga noch einigermaßen gute

Testergebnisse lieferte, hatten wir

bei SIP-Verbindungen mit Qute-

Com [8] und Jitsi [9] überhaupt

kein Glück. Verbindungen kamen

nur teilweise oder auch gar nicht

zustande – und das trotz geöffneter

Firewall. Mit Ekiga klappte die

Verbindung zwar problemlos, aber

der Proxy unseres VoIP-Anbieters

schien keine Video-Übertragung

zu unterstützen. All das zeigt die

nach wie vor bestehenden Unzulänglichkeiten.

Kurzum: So macht

es keinen Spaß. Während wir bei

Skype einfach den Client installierten

und loslegen konnten, fiel

das Ergebnis bei den getesteten

60 09 | 11

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Videoconferencing

praxis

SIP-Clients selbst nach

längerer Fehlersuche

unbefriedigend aus.

D Videokonferenz

direkt im Browser –

ganz einfach mit Google.

Ab in den Browser

Auf der Suche nach einer

möglichst einfachen

Lösung, die plattformübergreifend

funktioniert,

sollten Sie sich

daher besser nach einer

Alternative umsehen.

Gute Erfahrungen

machten wir mit

Google Voice und Video

Chat, der sich nahtlos

in die Weboberfläche

von Google Mail integriert und

somit in jedem aktuellen Browser

zur Verfügung steht. Neben

Audio und Video unterstützt

Googles Dienst auch Textchat,

etwa zum Versenden von Links.

Die Teilnehmer müssen lediglich

ein Google-Konto besitzen

und das für Linux, Mac OS X und

Windows verfügbare Browser-

Plugin [10] installieren. Es steht

für Linux im DEB- und RPM-Format

sowohl als 32- als auch als

64-Bit-Variante zur Verfügung.

Unter Ubuntu öffnen Sie einfach

die heruntergeladene Datei im

Software-Center, klicken auf installieren

und starten den Browser

neu. Ab dann geht alles ganz einfach:

Den Kontakt hinzufügen,

anrufen, auf Videochat klicken

und voilà – Sie sind verbunden

(Abbildung D).

Im Test funktionierte das perfekt

von einem Mac zu einem

Linux-Client, ohne spezielle Firewall-Einstellungen

oder aufwän-

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112

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09 | 11 61


praxis

Videoconferencing

E Konferenzen selbst

hosten? Kein Problem

mit OpenMeetings.

dige Konfiguration. Das Video

war von guter Qualität; der Ton

klang zwar leicht verzerrt und

kam etwas verzögert, erschien

insgesamt aber sehr brauchbar.

Selbst auf einem betagten Netbook

konnten wir die Video-

Funktion nutzen.

Der Textchat erfolgt über das

offene Jabber/ XMPP-Protokoll.

Für die Audio- und Video-Funktionen

greift Google auf eigene, offengelegte

Erweiterungen zurück,

die jedoch noch nicht jeder Client

unterstützt. Empathy, in Ubuntu

mittlerweile Standard-Chat-

Client, beherrscht zwar theoretisch

den Google-Videochat,

funktionierte auf unseren Testsystemen

aber alles andere als zuverlässig.

Die Browser-basierte

Variante hingegen bereitete keinerlei

Probleme.

OpenMeetings

Sowohl Skype als auch der Google

Voice und Video Chat lassen sich

zwar einfach benutzen, haben

aber den Nachteil, dass sie dadurch

auf die Dienste eines Anbieters

angewiesen sind. Gerade

für vertrauliche Konferenzen erscheint

es deshalb wünschenswert,

ein eigenes System aufzusetzen.

OpenMeetings bietet genau

diese Möglichkeit an. Dabei

handelt es sich, wie der Name

schon suggeriert, um freie Software

für Online-Meetings.

Neben Text-, Audio- und Video-

Chat nutzen Sie damit auch geteilte

Desktops, ein sogenanntes

Zeichenbrett und viele weitere

Funktionen, die weit über eine

normale Telefonkonferenz hinausgehen.

Dabei laufen alle Aktionen

direkt im Browser ab, zusätzliche

Software müssen Sie am

Client nicht installieren – lediglich

Flash sollte zur Verfügung

stehen. Aufgrund des Umfangs ist

die Software etwas aufwändiger

zu bedienen als andere Clients,

bleibt aber dennoch intuitiv.

Der integrierte Audio- und

Video-Chat, den wir in der für jedermann

frei zugänglichen öffentlichen

Testinstallation [11]

unter die Lupe nahmen, hinterließ

einen guten Eindruck (Abbildung

E). Sowohl unter Mac OS X

als auch unter Linux erkannte das

Programm die Hardware anstandslos,

die Verbindung funktionierte

ohne Umkonfigurieren

der Firewall. Die Bildqualität erschien

auf dem Testsystem jedoch

schlechter als bei Google.

Artenvielfalt

Am Markt gibt es noch zahlreiche

weitere Anbieter und Produkte,

die einfache Videokonferenzen

versprechen. Spreed Meetings

[12] ist ein Beispiel für ein

kommerzielles Angebot, das

ebenfalls in mehreren Sprachen

und auf vielen Plattformen zur

Verfügung steht. Ähnlich wie

OpenMeetings greift auch dieser

Dienst auf Flash zurück, um Webcam

und Mikrofon zu nutzen.

Spreed bietet zudem ein kostenfreies

Meeting-Paket („Free“) für

bis zu drei Teilnehmer an, das im

Test problemlos funktionierte.

Sowohl die Administration der

Konferenz als auch die Nutzung

von Mikrofon und Kamera bereiteten

keinerlei Probleme, die Verbindungsqualität

war durchweg

gut. Sehr nützlich erscheint die

Möglichkeit, Teilnehmer einzuladen,

die kein Konto beim Dienst

haben: Diese klicken einfach auf

einen Link und erhalten somit

Zutritt zum Konferenzraum.

Fazit

Videokonferenzen – das klingt

zunächst einmal fortschrittlich

und spannend, doch beim näheren

Hinsehen stellen sich zahlreiche

Probleme ein: Eine Vielzahl

verschiedener Anbieter, Standards

und Protokolle stehen zur

Verfügung, und nicht immer

funktionieren die freien Lösungen

am einfachsten.

Proprietäre Angebote wie Skype

oder der Google-Chat bieten den

schnellsten Einstieg, lassen sich

unkompliziert auch diesseits einer

Firewall betreiben und haben

eine breite Nutzerbasis. Wer etwas

Installationsaufwand nicht

scheut, der sollte einen Blick auf

OpenMeetings wagen.

Letzten Endes ist in diesem Szenario

ohnehin entscheidend, was

der Gesprächspartner anzubieten

hat – verfügt dieser aufgrund

technischer Umstände oder seiner

geografischen Situation nur

über eine schmalbandige Internet-Anbindung

oder alte Hardware,

bleibt als Ausweg meist ohnehin

nur der Weg über das gute

alte Telefon. (jlu) n

info

[1] Teltarif.de-Ratgeber zu Telefonkonferenzen:

http:// www. teltarif. de/ i/ konferenz. html

[2] Skype: http:// www. skype. com

[3] Ekiga: http:// ekiga. org

[4] Ekiga bei Ubuntuusers.de:

http:// wiki. ubuntuusers. de/ Ekiga

[5] Das SIP-NAT-Problem:

http:// www. das-asterisk-buch. de/ 2. 1/ sip.

html# sip-nat-problem

[6] Twinkle:

http:// mfnboer. home. xs4all. nl/ twinkle/

[7] Linphone: http:// www. linphone. org

[8] Qutecom:

http:// trac. qutecom. org/ wiki/ QuteCom

[9] Jitsi: http:// www. jitsi. org

[10] Google Voice und Video Chat:

http:// www. google. com/ chat/ video

[11] OpenMeetings-Testinstallation:

http:// demo. openmeetings. de

[12] Spreed: http:// www. spreed. com

62 09 | 11

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praxis

iTunes-Alternativen

Mit iTunes bietet

Apple zwar ein

komfortables

Werkzeug zum

Verwalten der

Musiksammlung

iTunes-Alternativen

für Linux

Apfel

und Pinguin

für iPod, iPhone

und iPad an – aber

nur für Mac OS X

und Windows. Gut,

dass es für Linux

einige freie Alternativen

gibt.

Florian Effenberger

© blink_dg/ Cleferson Comarela Barbosa, sxc.hu

rEaDME

Für die Organisation der

Musiksammlung stehen

unter Linux zahlreiche

Programme zur Verfügung.

Welche davon

sich dafür eignen, auch

Lieder für Apples portable

Player zu verwalten,

zeigt dieser Artikel.

A Zeigt iTunes das Windows-Format an, ist der iPod als FAT32 formatiert.

Portable Musikplayer speichern

nicht nur Musik für mehrere

Tage, sondern eignen sich dank

WLAN und hochauflösendem

Touchscreen sogar zum Surfen im

Web und zum Bearbeiten von

E-Mails. Ein modisches Gimmick

sind sie obendrein – insbesondere

Apples Angebote aus dieser Kategorie.

Speziell bei iPods, iPhones

und iPads allerdings hat der Spaß

seinen Preis, denn die Geräte erweisen

sich alles andere als offen:

Nicht nur ihr Betriebssystem,

sondern auch das Format [1], in

dem die Geräte Musikstücke speichern,

ist oft proprietär und an

die Software des Herstellers gebunden,

die dieser – wie sollte es

anders sein – nicht für das freie

Betriebssystem anbietet.

Doch auch als Linux-Anwender

müssen Sie nicht auf das neueste

Gimmick aus Cupertino verzichten:

Findigen Entwicklern gelingt

es immer wieder, die Protokolle

zu entschlüsseln und dadurch Alternativen

zur Herstellersoftware

anzubieten. Unser Testsystem besteht

aus einem schon etwas betagteren

iPod Nano der dritten

Generation, dessen Musiksammlung

wir auf einem aktuellen

Ubuntu 11.04 verwalten wollen –

ganz ohne iTunes.

Die richtige Verbindung

Bei der Nutzung der Apple-Geräte

unter Linux müssen Sie gleich

mehrere Hürden überwinden.

iPods, iPhones und iPads sehen

für das freie Betriebssystem im

Grunde genommen zunächst einmal

aus wie ganz normale Massenspeicher,

jedes Lied liegt dabei

als eigene Datei im Dateisystem.

Das erste Problem: iPods nutzen

je nach Konfiguration nicht das

verbreitete und durch Linux von

Haus aus unterstützte FAT32-

System, sondern greifen auf

Apples hauseigenes HFS+ zurück.

Das liest der Kernel zwar, vermag

es aber standardmäßig nicht zu

beschreiben. Um Ihren iPod auch

unter Linux mit Musik zu versorgen,

müssen Sie dem System daher

entweder Schreibsupport für

64 09 | 11

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iTunes-Alternativen

praxis

HFS+ beibringen [2] oder aber

das Dateisystem des iPods in das

FAT32-Format konvertieren ([3],

Abbildung A).

Doch damit ist es noch nicht getan.

Der iPod führt eine Mediendatenbank,

die alle Lieder, Wiedergabelisten,

Alben und Meta-

Informationen enthält. Ohne diese

Datenbank gibt er keinen Ton

von sich, selbst wenn die Lieder

als MP3-Dateien vorhanden sind.

Die Herausforderung für die getesteten

Programme besteht nun

darin, diese interne Datenbank

sowohl auszulesen als auch zu beschreiben.

Jedoch ändert Apple

mit neuen Programm- oder Firmware-Versionen

immer wieder das

Datenformat, sodass die Arbeit

einem Katz-und-Maus-Spiel

gleicht. Erfahrungsgemäß unterstützt

Linux-Software ältere Modelle

von Haus aus problemlos,

während Sie bei neueren Varianten

noch selbst Hand anlegen

müssen – zumindest solange, bis

die Systembibliotheken auf den

aktuellen Stand gebracht sind [4].

Im Test hatten wir Glück: Da

unser iPod ursprünglich unter

Windows zum Einsatz kam, war

er bereits mit FAT32 vorformatiert.

Weil es sich um ein Modell

aus dem Jahr 2007 handelt, unterstützen

es alle Programme automatisch.

Direkt nach dem Einstecken

am USB-Port zeigt Ubuntu

ein kleines Symbol auf dem

Desktop an (Abbildung B) und

bietet mehrere Programme zur

Auswahl. So unkompliziert klappt

das aber nicht in jedem Fall: Die

englischsprachige Ubuntu-Dokumentation

enthält mehrere Artikel

zum Thema, insbesondere

zum Anbinden neuerer Modelle

([5],[6]).

B Glück gehabt:

Unser iPod wurde

im Test automatisch

erkannt.

Medien verwalten

Haben Sie diese Hürde gemeistert,

steht im zweiten Schritt die

Wahl des gewünschten Medienmanagers

an. Wie von Linux gewohnt,

haben Sie dabei die Auswahl

aus zahlreichen Programmen;

bereits in der Standardinstallation

offeriert Ubuntu mehrere

Möglichkeiten (Abbildung C).

Auch hier verlangt die bereits

erwähnte Datenbank wieder eine

spezielle, iPod-kompatible Software.

Theoretisch könnte jeder

gewöhnliche MP3-fähige Player

die Musik direkt vom iPod abspielen

– sie liegt, wie schon gesagt,

in Form von MP3-Dateien auf

dem iPod vor. Starten Sie zum

Abspielen aber beispielsweise den

VLC-Player, stoßen Sie schnell auf

Probleme: Neben den MP3-Stücken

liegen auch zahlreiche andere

Files auf dem Gerät, unter anderem

Konfigurations- und Steuerdateien

(Abbildung D). Zudem

gelingt es auf diesem Weg auch

nicht, neue Musik aufs Gerät zu

bringen. Um auf Wiedergabelisten,

Genres und Alben zuzugreifen,

muss eine andere Lösung her.

Klein, aber fein: Gtkpod

Das kleine Tool Gtkpod [7] bietet

eine komfortable Möglichkeit,

den iPod zu verwalten (Abbildung

E, folgende Seite). Unter

Ubuntu installieren Sie das Programm

mittels sudo apt‐get install

gtkpod und starten es anschließend

im Gnome-Menü unter

Anwendungen | Multimedia |

gtkpod iPod Manager.

Das Test-iPod war bereits via

iTunes mit einigen Liedern und

Wiedergabelisten bestückt, was

Gtkpod offenbar nicht gefiel:

Beim Programmstart monierte es

den fehlenden Zugriff auf bestimmte

„erweiterte Funktionen“,

ohne dabei jedoch ins Detail zu

gehen. Wir ließen uns davon jedoch

nicht abschrecken, und siehe

da: Gtkpod las die bestehende

Datenbank trotz Murrens ein und

zeigte korrekt Titel, Interpreten

und Wiedergabelisten an.

Zum Abspielen der Lieder greift

Gtkpod bei Bedarf auf externe

Hilfsprogramme zurück. Um den

iPod zu befüllen, transferieren Sie

problemlos einzelne Dateien oder

ganze Ordner voller Musik, die

Sie in Wiedergabelisten einsortieren.

Diese Wiedergabelisten lassen

sich in Dateien speichern und

wieder importieren, die einzelnen

Metadaten der Stücke bearbeiten

Sie in einem komfortablen Editor.

Einen Schönheitsfehler hat die

Sache jedoch: Die Cover der einzelnen

Alben, die eigentlich in

den MP3-Dateien eingebettet

sind, zeigte Gtkpod nicht an. Dafür

runden weitere Funktionen

zum Musikabgleich und der automatischen

Erstellung von Wiedergabelisten

anhand bestimmter

Kriterien das Programm ab. Unangenehm

fällt indes die fehlende

Statusanzeige auf – einzig ein

Blick auf den iPod verrät, ob die

Synchronisation läuft.

Während unseres Tests stellte

sich heraus, dass Gtkpod für bestimmte

Funktionen noch eine

Bibliothek namens Libmp4v2 benötigt.

Unter Ubuntu installieren

Sie diese unkompliziert mittels

C Welches Programm

nehme ich bloß?

D Auf dem iPod tummeln

sich zahlreiche

Konfigurations- und

Steuerdateien.

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09 | 11 65


praxis

iTunes-Alternativen

E Mit Gtkpod verwalten

Sie unter Linux Ihren

iPod ganz einfach.

F Die Musikverwaltung

Banshee

geht manchmal ganz

eigene Wege.

sudo apt‐get install libmp4v2‐0

nach. Das stellt die ominöse Fehlermeldung

beim Programmstart

ab, führt aber dazu, dass Gtkpod

jedes Mal nach dem konkreten

iPod-Modell fragt – lästig. Alles in

allem hinterlässt Gtkpod aber einen

guten Eindruck.

Banshee

Als zweiter Kandidat präsentiert

sich das bei Ubuntu mitgelieferte

Banshee [8], ein kompletter Mediaplayer.

Neben der Verwaltung

lokaler Medien bietet es auch Unterstützung

für die Geräte aus

dem Hause Apple. Die Oberfläche

des Programms dürfte iTunes-

Anwendern relativ vertraut anmuten

(Abbildung F). Auch Banshee

unterstützt Wiedergabelisten,

bearbeitet Metadaten und offeriert

verschiedene Optionen

zum Im- und Export der Musiksammlung.

In der komfortablen

Oberfläche las Banshee die Daten

aus dem Test-iPod korrekt aus,

erkannte dabei aber genau wie

Gtkpod die Alben-Cover nicht.

Dafür punktet Banshee mit einem

integrierten Musikplayer,

mit dem Sie die gewünschten Stücke

direkt abspielen. Dabei verfolgt

es ein ähnliches Konzept wie

iTunes: Die gewünschten Titel fügen

Sie zunächst zur lokalen Medienbibliothek

hinzu, aus der Sie

die Musik für den iPod auswählen

und übertragen. Zwar gibt sich

die Bedienung mitunter ein wenig

umständlich, im Großen und

Ganzen jedoch selbsterklärend.

Weniger schön ist hingegen,

dass manche Aktionen trotz positiver

Statusanzeige einfach nicht

funktionierten: So übertrug

Banshee im Test einige Lieder

erst im zweiten Anlauf, und auch

das Umbenennen von Playlists

funktionierte nicht immer reibungslos.

Einmal entfernte Banshee

sogar mehrere Lieder aus einer

bereits bestehenden Wiedergabeliste,

was wir erst nach der

Synchronisation bemerkten.

Auch Änderungen anderer Programme

konnte es nicht immer

verarbeiten: So zeigte es eine

neue Wiedergabeliste zwar an,

vermochte ihr jedoch keine Musikstücke

zuordnen.

Möglicherweise treten diese

Probleme jedoch nur dann auf,

wenn wie in unserem Test mehrere

Programme hintereinander an

der Datenbank arbeiten, denn

eindeutig reproduzieren ließen

sich die Fehler nicht.

Rhythmus im Blut

Der letzte Kandidat im Test ist

Rhythmbox [9], ebenfalls einer

der Standard-Medienplayer, die

Ubuntu vorinstalliert. Die Oberfläche

des Programms unterscheidet

sich nicht wesentlich von der

anderer Kandidaten (Abbildung

G) und fußt ebenfalls auf

dem Konzept der lokalen Medienbibliothek,

die auf den mobilen

Player synchronisiert wird.

Auch Rhythmbox bringt einen

integrierten Player mit, mit dem

Sie Musik direkt aus der Oberfläche

heraus anhören. Allerdings

teilt es ein Problem mit allen anderen

Playern: Alben-Cover zeigt

auch Rhythmbox nicht an, was

den Verdacht zulässt, dass es sich

hierbei um ein Problem in der

Systembibliothek handelt, auf die

alle Programme zugreifen.

Die Bedienung von Rhythmbox

erscheint, obwohl im Großen und

Ganzen intuitiv, stellenweise un-

66 09 | 11

www.linux-user.de


iTunes-Alternativen

praxis

nötig kompliziert. Wie bei Banshee

fehlt die Möglichkeit, Lieder

vom lokalen Dateisystem direkt

in eine portable Wiedergabeliste

zu kopieren. Der Weg führt hier

nur über die lokale Medienbibliothek,

die nach der Synchronisierung

aufs Gerät in Wiedergabelisten

unterteilt wird. Obendrein

nervt, dass man Metadaten nur

in den lokalen Dateien bearbeiten

kann, jedoch nicht direkt auf dem

Player selbst – die entsprechenden

Felder lassen sich schlicht

nicht editieren.

Abgesehen davon punktet

Rhythmbox mit ähnlichen Features,

wie sie auch die anderen

Programme mitbringen: Import

einzelner Dateien oder ganzer

Ordner sowie Im- und Export von

Wiedergabelisten. Die Statusanzeige

funktioniert zuverlässig

und meldet alles, was am iPod gerade

passiert. Komfortabel fallen

bei Banshee die Such- und Filtermöglichkeiten

aus, die Ihnen dabei

helfen, der Musikvielfalt Herr

zu werden. Mit einem Klick suchen

Sie beispielsweise alle Stücke

desselben Albums, Interpreten

oder Genres heraus.

Viel faules Obst

Neben den vorgestellten Programmen

testeten wir noch eine

Reihe weiterer Alternativen, die

jedoch allesamt nicht überzeugen

konnten. Das kleine Tool Yami-

Pod [10] beispielsweise kommt

mit den neuen Ubuntu-Systembibliotheken

nicht klar und quittiert

Startversuche lediglich mit

einer Fehlermeldung. Hipo [11]

hat es zwar sogar ins Ubuntu-Repository

geschafft, weigert sich

aber beharrlich zu starten und

moniert eine fehlende HAL-Bibliothek

– laut den Ubuntu-Mailinglisten

ein bekannter Fehler,

doch keiner der dort vorgeschlagenen

Workarounds führte im

Test zum Erfolg.

Songbird [12] hingegen klingt

eigentlich sehr verlockend, doch

derzeit gibt es weder Songbird

noch dessen Fork Nightingale

[13] für Linux zum Download.

Die von Getdeb.net angebotenen

Drittanbieter-Pakete profilierten

sich vor allem durch ständige

Abstürze, zudem wird das

iPod- Addon derzeit nicht mehr

aktiv weiterentwickelt. Puristen

sollten indes noch einen Blick auf

das kommandozeilenbasierte

GNUpod [14] werfen.

KDE-Enthusiasten wundern

sich vielleicht über das Fehlen

von Amarok in unserer Auflistung.

Laut Berichten im Internet

[15] sollten iPods auch mit

dem KDE-Medienplayer problemlos

funktionieren. In unserem

Test war das Programm jedoch

trotz mehrerer Versuche nicht

dazu zu bewegen, unseren TestiPod

zu erkennen.

auswErfEn nicht vErgEssEn

Ein portabler Musikplayer verhält sich

aus Betriebssystemsicht fast immer

wie jeder andere USB-Massenspeicher.

Daher gilt auch hier dasselbe

wie für jeden anderen USB-Stick: Vergessen

Sie nicht, das Gerät vor dem

Abziehen auch ordnungsgemäß auszuhängen.

Das funktioniert am einfachsten

über den entsprechenden

Knopf in der Medienverwaltung,

klappt aber auch per Rechtsklick auf

das Desktopsymbol und anschließender

Auswahl von Laufwerk sicher

entfernen.

Fazit

Im Großen und Ganzen lassen

sich die iPods problemlos unter

Linux benutzen. Als Anwender

haben Sie, wie so oft unter Linux,

die Auswahl aus einer ganzen Reihe

von Tools, die mitunter verschiedene

Ansätze verfolgen.

Wie fast immer beim Einsatz

proprietärer Systeme unter freier

Software macht aktuellste Hardund

Firmware Probleme, doch

hinken die Entwickler nicht allzuweit

hinterher. Mit unserem

schon etwas betagteren Gerät jedenfalls

kamen wir im Test auch

ohne offizielle Herstellersoftware

gut zurecht. (jlu) n

G Rhythmbox bietet

komfortable Such- und

Filterfunktionen.

DEr autor

Florian Effenberger

engagiert sich seit

vielen Jahren ehrenamtlich

für freie Software.

Er ist Gründungsmitglied

und

Mitglied des Steering

Committee der Document

Foundation. Zuvor

war er fast sieben

Jahre im Projekt

OpenOffice.org aktiv,

zuletzt als Marketing

Project Lead. Zudem

schreibt er regelmäßig

für zahlreiche

deutsch- und englischsprachige

Fachpublikationen.

info

[1] Audio- und Video-Codecs: Florian Effenberger, „Wald der Formate“,

LU 08/ 2011, S. 78, http:// www. linux-community. de/ 22953

[2] HFS+ im Kernel freischalten: http:// wiki. ubuntuusers. de/ IPOD

[3] Konvertierung nach FAT32: http:// wiki. ubuntuusers. de/ iPod/ Konvertieren

[4] Besonderheiten bei iPhone und iPod Touch:

http:// wiki. ubuntuusers. de/ iPod/ iPhone_und_iPod_touch

[5] iPod anbinden: https:// help. ubuntu. com/ community/ PortableDevices/ iPod

[6] iPhone und iPod Touch anbinden:

https:// help. ubuntu. com/ community/ PortableDevices/ iPhone

[7] Gtkpod: http:// www. gtkpod. org

[8] Banshee: http:// banshee. fm

[9] Rhythmbox: http:// www. rhythmbox. org

[10] YamiPod: http:// www. yamipod. com

[11] Hipo: http:// projects. gnome. org/ hipo/

[12] Songbird: http:// getsongbird. com

[13] Nightingale: http:// getnightingale. com

[14] GNUpod: http:// www. gnu. org/ s/ gnupod/

[15] iPod mit Amarok: http:// bausparfuchs. wordpress. com/ 2010/ 01/ 04/ guide-ho

w-to-get-your-ipod-work-with-amarok-2/

www.linux-user.de

09 | 11 67


netz&system

Mod_security

Apache absichern mit Mod_security

Stammeswächter

Das Apache-Modul

Mod_security legt

sich als Web Application

Level Firewall

zwischen Webserver

und Browser,

sodass es Angriffe

frühzeitig

erkennen und abwehren

kann.

Florian Effenberger

Wesentlich mehr Kopfzerbrechen

bereiten da selbst geschriebene

Applikationen. Selbst wenn Sie

ein umfangreiches Security-Auditing

vornehmen, können Sie bei

hausinternen Tools eher selten

auf die „Weisheit der Vielen“ zählen,

wie sie Open-Source-Projekte

auszeichnet. Die Sicherheit Ihrer

Applikation gewährleisten Sie

deshalb in mehreren Schritten.

Das Fundament sollte immer

eine aktuelle und gewartete Distribution

bilden, die automatisch

– beispielsweise mittels des

Ubuntu-Tools unattended-upgrades

[1] – sicherheitskritische

Aktualisierungen einspielt. Darauf

installieren Sie eine Firewall

wie ufw [2], mit der Sie alle unbenutzten

Ports schließen. Zusätzliche

Sicherheit erhalten Sie mit

fail2ban [3], mit dem Sie die gängigsten

Dienste überwachen und

potenzielle Angriffswege verriegeln

– etwa durch automatisches

Aussperren von IP-Adressen, von

denen in kurzen Abständen ungültige

Anmeldungen kommen.

Weitere Hinweise zu der Materie

hält übrigens auch das Securing

Debian Howto bereit [4].

ReADme

Wenn Sie öffentlich zugängliche

Webapplikationen

betreiben, sollten

Sie nicht nur den Code

auf Schwachstellen prüfen,

sondern daneben

Ihren Apache-Webserver

mit Mod_security absichern.

Das Modul protokolliert

ungewöhnliche

Vorgänge und reagiert

direkt auf Bedrohungen.

Jeder, der heutzutage Dienste

im Internet anbietet, stellt ein

potenzielles Angriffsopfer dar.

Neben gezielten Attacken geraten

auch Würmer und automatisierte

Angriffe immer mehr zum Risiko.

Untersuchen Sie ruhig einmal die

SSH-Protokolle des Webservers

auf ungültige Anmeldungen – Sie

werden Augen machen. Doch wie

sichern Sie sich am besten ab? Bei

Applikationen von Drittherstellern

oder Projekten besteht noch

die Hoffnung, dass der Anbieter

Fehler rechtzeitig im Vorfeld bemerkt

und behebt, doch auch hier

gehen schnell mehrere Tage ins

Land, bis die Distributoren neue

Pakete bereitstellen. Und auch einige

der bekanntesten Anwendungen

geraten regelmäßig wegen

neuer Sicherheitslücken in

die Schlagzeilen – ein gewisses

Restrisiko besteht daher immer.

miniseRie: ApAche-moDule

URLs umschreiben mit Mod_rewrite LU 07/ 2011, S. 76

SSL-Authentifizierung mit Mod_ssl LU 08/ 2011, S. 42

Apache absichern mit Mod_security LU 09/ 2011, S. 70

© pictureguy66, 123RF

Sicherheit im Modul

So gerüstet, machen Sie sich nun

ans Absichern des Webservers

selbst. Mit Mod_security steht

dazu ein Modul für den beliebten

Apache-Webserver bereit, das Sie

bei dieser Aufgabe unterstützt.

Einen rudimentären Schutz erreichen

Sie auch mit anderen Modulen,

wie dem Rewrite-Modul [5],

oder aber mit IP-basierten

Firewalls wie Iptables.

DAtenschutz

Das umfangreiche Protokollieren

und Auswerten von Zugriffsdaten

kann datenschutzrechtliche Probleme

aufwerfen. Bereits die Standardeinstellung

von Apache bewegt

sich rechtlich mindestens im Graubereich.

Für die umfassende Analyse

auch von Paketinhalten durch

Mod_security sollten Sie sich, insbesondere

bei kommerziellem Einsatz,

vorher juristisch absichern.

70 09 | 11

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Mod_security

netz&system

Der entscheidende Unterschied:

Mod_security versteht sich als

sogenannte Application Level

Firewall auf die Feinheiten des

verwendeten Protokolls und lässt

sich daher viel gezielter anpassen

– es versteht die entsprechenden

HTTP-Befehle. Anderen Apache-

Modulen stehen in der Regel nur

die Kopfzeilen der Anfrage zur

Verfügung – also etwa Domain,

Browser, Referer und angefragte

Datei sowie der GET-Parameter –

nicht aber der Inhalt des Datenpakets

selbst. Ähnlich verhält es

sich mit Iptables: Damit filtern

Sie zwar IP-Adressen heraus und

limitieren die Anzahl erlaubter

Verbindungen pro Minute, aber

tiefergehende HTTP-Filtermöglichkeiten

bietet es nicht. Unter

anderem haben Sie keinen Zugriff

auf den POST-Parameter, den

sich heutzutage viele Applikationen

unter anderem für Datei-Uploads

zunutze machen, was POST

zum beliebten Einfallstor für Angriffe

macht.

Kombination

Mod_security bietet zum Absichern

mehrere Komponenten, die

Sie je nach Bedarf einzeln oder in

Kombination nutzen:

• die Protokollierung ein- und

ausgehender Verbindungen

samt dazugehöriger Nutzdaten,

• die Überwachung dieses Datenverkehrs

auf Anomalien und deren

Protokollierung sowie

• die automatische Abwehr von

dabei entdeckten Angriffen.

In Verbindung mit dem Apache-

Proxy-Modul stellen Sie die Funktionalität

sogar ganzen Webclustern

zur Verfügung, indem Sie

Mod_security auf dem Gateway

installieren und sämtlichen Verkehr

darüber leiten. Dabei muss

Mod_security nicht zwingend für

alle Seiten aktiv sein, denn viele

Optionen konfigurieren Sie auch

bequem pro virtuellem Host oder

gar pro Verzeichnis.

Unser Testsystem besteht aus

einem aktuellen Ubuntu 11.04

„Natty Narwhal“ mit funktionsfähigem

Apache samt PHP-Modul.

Zur Demonstration von Mod_security

legen Sie bereits vor dessen

Installation eine einfache PHP-

Datei an, die beispielsweise nur

folgenden Code enthält:


Rufen Sie die Datei im Browser

nun mit dem Parameter ?file=

/etc/shadow auf, passiert nichts

Spektakuläres: Sie sehen wie erwartet

die PHP-Infoseite (Abbildung

A), der unnütze Parameter

wird schlichtweg ignoriert. Wir

kommen aber gleich noch einmal

darauf zurück. Mod_security

steht als vorkompiliertes Paket

bereit, das Sie als Root mittels

# apt‐get install libapache‐mod‐U

security

installieren. Die Installation überprüfen

Sie anschließend über den

Aufruf apachectl ‐M, der alle geladenen

Module anzeigt. Enthält

die Liste den Eintrag security2_

module, hat alles geklappt, und

Sie müssen nur noch die benötigten

Datenverzeichnisse anlegen.

Das erledigen Sie mittels folgender

zwei Befehle:

# mkdir ‐p /var/log/apache2/modsU

ecurity‐data

# chown www‐data: /var/log/apachU

e2/modsecurity‐data

Das geladene Modul allein nützt

jedoch noch nichts: Ohne Konfiguration

wird Mod_security

ebenso wenig aktiv wie ein

Iptables ohne Regeln, das dann

alle Pakete durchlässt.

Ein erster Test

Sie schalten Mod_security scharf,

indem Sie die gewünschten Regeln

in die Apache-Konfiguration

einbinden und gegebenenfalls

weitere Direktiven setzen. Glücklicherweise

müssen Sie das Rad

dabei nicht neu erfinden, denn

das Paket enthält bereits eine

Vielzahl fertiger Regeln. Dieses

CRS („Core Rule Set“) müssen Sie

nur noch aktivieren. Dazu legen

Sie die Datei /etc/apache2/conf.d/

modsecurity mit dem Inhalt aus

Listing 1 an und starten Apache

anschließend neu per

# /etc/init.d/apache2 restart

Die Konfiguration lädt aufgrund

der IfModule-Anweisung nur dann,

wenn das Modul auch aktiviert ist

– das vermeidet unnötige Fehler

und Probleme beim Apache-Neustart,

sollten Sie das Modul vorübergehend

deaktivieren. Die mitgelieferten

Regeln befinden sich

unter Ubuntu – etwas ungewöhnlich

– im Verzeichnis / usr/share/

doc/mod‐security‐common/examples/

rules und tragen die Endung

.conf, daher binden Sie sie durch

die entsprechenden Include-Anweisungen

ein. Auf unserem Testsystem

werden grundlegende Ein-

A Ohne Mod_security

fängt Apache den unsicheren

Parameter

nicht ab.

DeR AutoR

Florian Effenberger

engagiert sich seit

vielen Jahren ehrenamtlich

für freie Software.

Er ist Gründungsmitglied

und

Mitglied des Steering

Committee der Document

Foundation. Zuvor

war er fast sieben

Jahre im Projekt

OpenOffice.org aktiv,

zuletzt als Marketing

Project Lead. Zudem

schreibt er regelmäßig

für zahlreiche

deutsch- und englischsprachige

Fachpublikationen.


Include /usr/share/doc/mod‐security‐common/examples/

rules/*.conf

Include /usr/share/doc/mod‐security‐common/examples/

rules/base_rules/*.conf

SecAuditLog ${APACHE_LOG_DIR}/modsecurity_audit.log

SecAuditEngine RelevantOnly

SecAuditLogType Serial

SecDataDir /var/log/apache2/modsecurity‐data

SecRequestBodyAccess on


listing 1

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09 | 11 71


netz&system

Mod_security

B Mod_security

schließt die potenzielle

Lücke aus Abbildung 1.

stellungen beispielsweise in der

Datei /usr/share/doc/mod‐security‐common/examples/rules/modsecurity_crs_10_config.conf

mitgeliefert,

wogegen die einzelnen Suchmuster

in /usr/share/doc/mod‐security‐common/examples/rules/base_

rules/*.conf liegen.

Um zu sehen, was Mod_security

so alles anstellt, konfigurieren Sie

die Protokollierung mit den drei

SecAudit-Direktiven. Immer dann,

wenn das Modul einen Angriff erkennt

(SecAuditEngine RelevantOnly),

schreibt es einen Eintrag in

/var/log/apache2/modsecurity_audit.

log. Die Option SecAuditLogType

Serial besagt, dass Mod_security

nur eine einzige Logdatei führt,

die Einträge sequenziell aufnimmt.

Nun binden Sie noch das

vorhin erstellte Datenverzeichnis

mittels SecDataDir /var/log/apache2/modsecurity‐data

ein – dort

legt Mod_security Sitzungsdaten

ab. Zum Schluss erlauben Sie dem

Modul noch über SecRequestBody‐

Access on, auch auf die Inhalte von

POST-Befehlen zuzugreifen.

Jetzt kommen wir auf die eingangs

erstellte PHP-Datei zurück.

Nachdem Sie Apache neu gestartet

haben, laden Sie – gegebenenfalls

nach Leeren des Browser-

Caches – die Seite neu: Anstatt

der PHP-Infoseite von vorhin erscheint

jetzt ein Fehler (Abbildung

B), das Skript selbst ruft

Apache überhaupt nicht mehr auf.

Doch was genau läuft hier eigentlich

ab? Ein Blick in die Datei

/var/log/apache2/modsecurity_audit.

log verrät es (Abbildung C).

Mod_security hat einen Angriff

erkannt und aus diesem Grund

den Zugriff auf die entsprechende

Seite gesperrt. Die in der URL angegebene

Datei /etc/shadow enthält

die verschlüsselten Kennwörter

sowie weitere Daten aller lokalen

Benutzer. Würde sie ein Angreifer

in die Hände bekommen,

erhielte er unter Umständen binnen

kürzester Zeit vollen Zugang

zum System – ein erhebliches Sicherheitsrisiko

also.

Das Skript enthält nur eine Zeile,

die weder Dateien öffnet noch

welche versendet. Mod_security

hat also nicht das Skript selbst

analysiert, was viel zu lange dauern

würde, sondern es identifiziert

theoretische Angriffsmöglichkeiten

eines Skriptes.

Würde es sich bei dem aufgerufenen

Skript beispielsweise um ein

CMS, ein Wiki oder eine Galerie

handeln – Applikationen also, die

mit lokalen Dateien arbeiten –

wäre das Risiko einer Kompromittierung

ungleich höher. Ähnliches

gilt für sogenannte SQL-

Injection-Attacken, mit denen

sich ein Angreifer Zugriff auf lokale

Datenbanken verschafft.

Kurz gesagt: Bevor es überhaupt

zum Ernstfall kommt, hat Mod_

security die Gefahr als so groß

eingeschätzt, dass es den Zugriff

zum Skript komplett verbietet.

Das Audit-Log können Sie im

Produktivbetrieb übrigens ausschalten,

da Mod_security alle

Informationen zu gesperrten Abrufen

in Kurzform auch in /var/

log/apache2/error.log hinterlegt.

Regelkonform

Es bleibt die Frage, wie das Modul

überhaupt mögliche Angriffe

identifiziert. Ähnlich wie bei IPbasierten

Firewalls legen Sie hier

Regeln fest, die entsprechende

Aktionen auslösen. Als Dreh- und

Angelpunkt des Ganzen fungiert

die Direktive SecRule, mit der Sie

das Auftreten bestimmter Suchmuster

im HTTP-Verkehr an bestimmte

Ereignisse knüpfen. Sie

fragen damit Variablen aus dem

System oder aus Skripten genauso

wie Kopfzeilen oder Cookies

ab. Die Syntax lautet dabei:

SecRule Element Suchmuster Aktion

Das Beispiel in Listing 2 füllt das

Konstrukt mit Leben.

listing 2

01 SecRule "REQUEST_URI" "^/verwaltung$"

"log,deny,status:500"

02 SecRule "REQUEST_URI" "^/config" "deny,status:403"

03 SecRule "REQUEST_URI" "setup$" "log"

listing 4

01 SecRule "REQUEST_HEADERS:User‐Agent" "Firefox" "allow"

02 SecRule "REQUEST_HEADERS:User‐Agent" "Lynx" "deny,status:500"

03 SecRule "REQUEST_HEADERS:User‐Agent" "Safari" "redirect:http://www.

getfirefox.com"

04 SecRule "REQUEST_URI" "^/webmail" "deny,status:403"

listing 3

01 SecRule "REQUEST_HEADERS:User‐Agent" "Safari"

"deny,status:403"

02 SecRule "REQUEST_HEADERS:User‐Agent|REQUEST_

HEADERS:Accept‐Language" "de‐de" "deny,status:500"

listing 5

01 SecRule "REQUEST_HEADERS:User‐Agent" "Firefox"

"chain,deny,status:500"

02 SecRule "REQUEST_HEADERS:User‐Agent" "Linux" "chain"

03 SecRule "REQUEST_URI" "^/webmail"

72 09 | 11

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Mod_security

netz&system

Die erste Regel besagt, dass alle

aufgerufenen Adressen (REQUEST_

URI), die exakt /verwaltung lauten,

sowohl protokolliert als auch direkt

gesperrt werden (log,deny)

und der Besucher die Fehlermeldung

500 (status:500) sieht. Die

zweite Regel umfasst alle Adressen,

die mit /config anfangen, und

blockt sie mit einem Fehler 403.

Da es sich bei den Mustern um

reguläre Ausdrücke [6] handelt

und config nicht durch das Dollarzeichen

($) abgeschlossen ist,

greift die Regel beispielsweise bei

/configtest.

Zu guter Letzt führt die dritte

Regel dazu, dass Mod_security alle

Adressen, die auf setup enden,

zwar protokolliert, aber nicht

sperrt. Da das Muster nicht durch

ein ^ eingeleitet, aber durch ein

Dollarzeichen abgeschlossen wird,

greift es zwar für websetup, nicht

jedoch für setupdatei. Neben der

Adresse fragen Sie ganz einfach

auch andere Parameter ab oder

kombinieren Abfragen.

In Listing 3 etwa fragt die erste

Zeile den verwendeten Browser

(User‐Agent) ab. Handelt es sich

um Safari, führt dies zu einem Fehler

403. Die zweite Zeile hingegen

prüft, ob entweder der Browser

oder aber das Accept Language-Feld

der Anfrage die deutsche Sprache

angeben, und quittiert dies dann

mit einem internen Serverfehler

500. Die beiden Abfragen verknüpfen

Sie einfach durch die Pipe

(|) zu einer gemeinsamen Regel.

Untereinander stehende Regeln

arbeitet Mod_security sequenziell

ab – für Safari-Browser ist nach

der ersten Regel Schluss, Besucher

sehen einen Fehler 403, unabhängig

davon, welches Accept-

Language-Feld gesetzt ist. Auch

ein Negieren der Regeln ist möglich.

So sperren Sie mit der Regel

SecRule "REQUEST_HEADERS:User‐AgU

ent" "!Lynx" "deny,status:403"

sämtliche Browser außer Lynx

aus. Neben deny gibt es natürlich

noch mehr Aktionen, wie das Beispiel

in Listing 4 zeigt. Die

einleitende allow-Regel

sorgt dafür, dass sämtliche

folgenden Regeln umgangen

werden und Mod_security

die Anfrage direkt

durchstellt – Firefox-Nutzer

dürfen also auf alle Verzeichnisse

zugreifen. Anwender

von Lynx hingegen

gelangen nirgendwo hin,

sondern erhalten grundsätzlich

einen Fehler 500.

Safari-Anwendern indes

legt das redirect in Zeile 3

nahe, doch bitte Firefox herunterzuladen.

Benutzer

von anderen Browsern wie

Chrome oder Opera – beide

in den Regeln nicht explizit

genannt – dürfen zwar auf

den Server zugreifen, erhalten

aber aufgrund von Zeile 4 beim

Webmail-Verzeichnis den Fehlercode

403.

Regeln lassen sich übrigens auch

kombinieren: Aufgrund der Anweisungen

aus Listing 5 lässt sich

das Webmail-Verzeichnis nur von

Firefox unter Linux aus nicht erreichen.

Alle genannten Beispiele

sind noch sehr einfach gelagert –

die ganze Mächtigkeit von Mod_

security sehen Sie in den mitgelieferten

Regelwerken in /usr/

share/doc/mod‐security‐common/examples/rules/base_rules.

So unterstützt

das Modul unter anderem

Vererbungen, verschiedene Verbindungsphasen,

verknüpfte Regeln,

Gewichtungen, das Filtern

von Parametern sowie das Hinzuziehen

externer Programme, um

damit beispielsweise Iptables zu

konfigurieren oder eine automatisierte

Meldung an den Netzbetreiber

abzusetzen.

Das mitgelieferte Regelwerk bietet

zwar einen guten Schutz, aber

es besteht andererseits eine gewisse

Wahrscheinlichkeit, dass

auch legitime Anfragen nicht

mehr funktionieren und somit

bestehende Applikationen ihren

Dienst versagen. Um auf Nummer

sicher zu gehen, fügen Sie

daher am Anfang der Apache-

Konfiguration ganz einfach noch

folgende Zeile hinzu:

SecRuleEngine DetectionOnly

Damit protokolliert Mod_security

die Regeln lediglich, unterbindet

aber keine Zugriffe.

Fazit

Je komplexer die eigenen Webapplikationen,

desto aufwändiger

gestalten sich Pflege und Wartung

– doch gerade für exponierte

Seiten kann sich ein Blick durchaus

lohnen. Um die Lektüre der

ausführlichen Dokumentation zu

Mod_security ([7],[8]) kommt der

geneigte Administrator jedoch

nicht herum. (jlu) n

[1] Unattended-upgrades mit Ubuntu einrichten:

https:// help. ubuntu. com/ community/ AutomaticSecurityUpdates

[2] Uncomplicated Firewall: http:// wiki. ubuntuusers. de/ UFW

[3] Fail2ban: https:// help. ubuntu. com/ community/ Fail2ban

[4] Securing Debian Howto: http:// www. debian. org/ doc/ manuals/

securing-debian-howto/ index. de. html

info

[5] Apache Mod_rewrite: Florian Effenberger, „Umgeschrieben“,

LU 07/ 2011, S. 76, http:// www. linux-community. de/ 22935

[6] Reguläre Ausdrücke: Frank Hofmann, „Schnipseljagd“, LU 09/ 2011, S. 84,

http:// www. linux-community. de/ 24901

[7] Mod_security-Handbuch zur Version 2.5.12:

http:// www. modsecurity. org/ documentation/ modsecurity-apache/ 2. 5. 12/

[8] Mod_security-Referenz im Wiki: http:// sourceforge. net/ apps/ mediawiki/

mod-security/ index. php? title=Reference_Manual

C Mit aktiviertem

Audit-Log sehen Sie,

aufgrund welcher

Informationen Mod_

security eine Abfrage

blockiert hat.

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09 | 11 73


netz&system

Systemd

Systemstart mit Systemd

Mit Volldampf

zu neuen Ufern

© Arinas74, sxc.hu

Einschalten, loslegen: Mit Systemd versucht eine Gruppe Entwickler die Revolution im

Boot-Prozess. Ob der Turbo aber wirklich zündet, steht noch in den Sternen. Tim Schürmann

Boot-Grafik (SVG)

LU/systemd/

ReADme

Mit einem Gemisch aus

neuen und alten Konzepten

versucht Systemd,

den Startvorgang

zu beschleunigen. Die

Upstart-Alternative feiert

in Fedora 15 ihre

Feuertaufe. Nicht nur

dort kommt auf Anwender

und Administratoren

viel Neues zu.

Lange Zeit kontrollierte ein

Werkzeug namens SysV-Init den

Systemstart. Ihm kam die Aufgabe

zu, alle für den Betrieb notwendigen

Dienste und Anwendungen

zu aktivieren. Dummerweise

startete es stur einen Prozess

nach dem anderen, was auf

modernen, mit Funktionen vollgestopften

Linux-Systemen entsprechend

lange dauerte. Im Laufe

der Jahre erschienen deshalb

zahlreiche Alternativen, die es

besser und vor allem schneller

machen wollten.

Flotte Wollmilchsau

Eine besonders vielversprechende

hört auf den Namen Systemd [1]

und stammt vom Red-Hat-Mitarbeiter

Lennart Poettering, aus

dessen Feder unter anderem der

NetworkManager stammt. Obwohl

Systemd erst gerade im

April seinen ersten Geburtstag

feierte, schaffte die Software bereits

den Sprung in Fedora 15.

Andere Distributionen kündigten

den Umstieg an; allerorten äußern

sich Rezensenten fast ausschließlich

begeistert.

Systemd sorgt nach der Definition

des Erfinders nicht nur für

einen flotten Start, sondern behält

zusätzlich die gestarteten

Dienste und Programme im Auge,

kümmert sich um das Einhängen

von Dateisystemen, ersetzt zukünftig

den zeitgesteuerten

Dienst Cron und dient außerdem

als Session-Manager. Dabei verhält

er sich abwärtskompatibel zu

bestehenden SysV-Init-Skripten,

die – im Laufe der Jahre gewachsen

– für die Übergangszeit weiter

ihren Dienst verrichten [2].

Um alle notwendigen Komponenten

möglichst schnell zu starten,

recycelt Systemd einige Ideen

aus Mac OS X beziehungsweise

dem dortigen Pendant Launchd

und nutzt zusätzlich noch ein

paar spezielle Funktionen des

Linux-Kernels. Poetterings Programm

erlaubt folglich keinen

einfachen Port auf andere Unix-

Systeme wie etwa FreeBSD.

Zunächst aktiviert Systemd nur

die Dienste, die Sie tatsächlich benötigen.

So müssen beispielsweise

das Drucksystem Cups und

sein Daemon nur dann die Arbeit

aufnehmen, wenn ein Drucker

angeschlossen ist oder eine Anwendung

drucken möchte. Programme,

die Systemd nicht anschiebt,

blockieren den Start

nicht. Die verbleibenden Dienste

startet Systemd einfach gleichzeitig.

Dummerweise hängen viele

Dienste voneinander ab. Beispielsweise

benötigt der Netzwerkkonfigurator

Avahi den D-

Bus, der wiederum Syslog voraussetzt.

Im Extremfall starten doch

74 09 | 11

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Systemd

netz&system

wieder alle Beteiligten nacheinander.

Systemd umgeht dieses Problem

mit einem kleinen Trick. Um

dessen Funktionsweise zu verstehen,

gilt es, einen kleinen Blick

unter die Haube zu werfen.

Steckverbinder

Linux-Programme kommunizieren

mit Diensten über sogenannte

Sockets. Diese entsprechen von

der Funktion in etwa Fluggastbrücken

an einem Flughafen: Ein

Flugzeug dockt dort an und entlädt

seinen Inhalt in das Terminal.

Analog stellt jeder Dienst einen

Socket bereit, der anderen

Programmen die Möglichkeit bietet,

sich anzudocken und Anfragen

an den Dienst abzuladen.

Der Trick besteht nun darin,

diese Sockets schon bereitzustellen,

noch bevor der entsprechende

Dienst vollständig gestartet

ist. In der Metapher entspräche

das ein paar Gangways, die bereits

auf dem Rollfeld stehen, obwohl

sich das Terminal dahinter

noch im Rohbau befindet. Sollte

jetzt ein Flugzeug eintrudeln,

entlädt es seine Passagiere in die

Gangway, wo die Reisenden dann

noch kurz auf das Fertigstellen

der Gebäude warten müssen. Das

Flugzeug selbst hebt derweil aber

schon wieder ab.

Genau das Gleiche macht Systemd

beispielsweise mit dem syslog-Dienst,

der alle ihm übergebenen

Nachrichten in eine Log-Datei

schreibt: Systemd erstellt für

ihn direkt beim Systemstart prophylaktisch

einen Socket. Möchte

jetzt ein Programm eine Fehlermeldung

loswerden, schiebt es

diese Daten in den Socket. Sollte

syslog noch nicht laufen, wandern

die Meldungen in einen Zwischenpuffer.

Solange dieser nicht

vollläuft, müssen die Programme

nicht auf den Start von syslog

warten, sondern können einfach

schon mit ihrer Arbeit weitermachen.

Nachdem syslog gestartet

ist, nimmt es sich der angesammelten

Nachrichten im Puffer an

und arbeitet sie ab.

Netterweise verwaltet der Linux-

Kernel diese Warteschlangen.

Systemd muss somit nur noch

alle benötigten Sockets einrichten

und kann dann alle zugehörigen

Dienste parallel starten. Diese

Arbeitsweise spart nicht nur

Verwaltungsaufwand und somit

Zeit, sie hat sogar noch ein paar

angenehme Nebeneffekte: Sollte

ein Dienst das Zeitliche segnen

und sich beenden, existiert der

Socket weiter. Die jetzt folgenden

Anfragen der Programme gehen

somit nicht verloren, sondern

wandern in den Zwischenpuffer.

Damit kann man auch einen

Dienst im laufenden Betrieb neu

starten oder austauschen – wie

etwa bei einer Aktualisierung –

ohne dass die Programme dies

überhaupt bemerken. Es lassen

sich sogar die Sockets öffnen und

erst wenn irgendwann darüber

Nachrichten eingehen, die dazu

passenden Diensten starten

(Start on Demand, auch On Demand

Loading genannt). Systemd

übernimmt damit die Aufgaben

von Programmen wie inetd.

Mittlerweile nutzen viele Dienste

und insbesondere Programme

mit einer grafischen Benutzeroberfläche

anstelle der Sockets

den D-Bus als Kommunikationsmittel.

Glücklicherweise funktioniert

die obige Methode auch mit

D-Bus-Diensten (Stichwort Bus

Activation): Systemd meldet einfach

schon einmal ein paar Dienste

namentlich beim D-Bus an und

startet erst danach die zugehörigen

Programme.

Big Brother

Stürzt ein lebenswichtiger Dienst

ab, sollte Systemd ihn möglichst

schnell neu starten. Da sich jedoch

ein Dienst selbst zu klonen

vermag und bei Bedarf weitere

Programme startet, fiel es in der

Vergangenheit schwer, dessen

endgültiges Ableben durch Überprüfen

der Prozesse festzustellen.

Systemd löst das Problem recht

elegant mithilfe der relativ neuen

Control Groups, kurz Cgroups des

Linux-Kernels. Mit diesen fasst

das Betriebssystem Programme

oder genauer gesagt Prozesse zusammen.

Systemd sperrt nun jeden

von ihm gestarteten Dienst

in eine solche Gruppe. Sollte der

Dienst weitere Programme aktivieren

oder Kopien von sich

selbst erstellen (forken), wie es

beispielsweise Webserver oder

SSH-Daemons tun, landen die

Kind-Prozesse in der gleichen

Gruppe. Befindet sich kein aktiver

Prozess mehr in einer Gruppe,

gilt der Dienst als abgestürzt

oder beendet. Systemd startet

ihn dann neu.

Wichtige VeRzeichnisse unD KonfiguRAtionsDAteien

Datei

Inhalt

/etc/hostname

Hostname des Systems

/etc/vconsole.conf Tastaturbelegung und Schriftart der Konsole

/etc/locale.conf

Spracheinstellungen (Locale)

/etc/modules‐load.d/*.conf Kernel-Module, die das System beim Start lädt

/etc/sysctl.d/*.conf Konfiguration für Sysctl-Parameter

/etc/tmpfiles.d/*.conf Konfiguration für alle Dateien, die das System beim Start erstellen, entfernen

oder aufräumen soll

/etc/binfmt.d/*.conf Konfiguration für Binärformate um Java-, Mono- und Wine-Programme direkt zu

starten

/etc/os‐release

Name und weitere Informationen über die Distribution (Ersatz für /etc/

fedora‐release und ähnliche Dateien)

/etc/machine‐id

Die ID des Computers

/etc/machine‐info

(Meta-)Informationen über den Computer

/run Hier sollen Programme und Dienste temporäre Informationen ablegen, die in /

tmp fehl am Platze wären. Dazu gehören beispielsweise Socket-Informationen

oder Lock-Dateien. /run dient somit als Ersatz für /var/run, ist aber ein temporäres

Verzeichnis (Stichwort tempfs).

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09 | 11 75


netz&system

Systemd

A Mit dem Kommando

systemctl status cups.

service erfahren Sie

alle Einzelheiten über

den Druckdienst.

Der Systemd kümmert sich aber

nicht nur um Dienste, sondern

hängt bei Bedarf Partitionen ein

und prüft sie auf Fehler. Damit

diese zeitaufwändigen Aufgaben

wieder nebenbei und parallel zum

Start aller Dienste passieren,

greift Systemd hier auf die Hilfe

von Autofs [3] zurück: Versucht

ein Programm in ein noch nicht

verfügbares Device zu speichern,

puffert der Kernel die Anfrage.

Sobald das Dateisystem bereitsteht,

gibt er die Daten weiter.

Dieses Prinzip ermöglicht es,

zum Beispiel die Home-Partition

im Netzwerk via Samba freizugeben,

obwohl Fsck sie gerade noch

auf Fehler prüft. Ergänzend überwacht

Systemd einzelne Verzeichnisse,

und sobald ein Programm

auf diese zugreift, hängt der

Daemon automatisch das passende

Dateisystem ein.

unit-typen

service Dienst (in der Regel in der Form von Daemons)

socket Kapselt einen Socket. Jeder Socket hat eine passende

service-Unit, die automatisch startet, sobald sich ein

Programm mit dem Socket verbindet.

device Gerät

mount Einhängepunkt

automount Automount-Point im Dateisystem. Jede automount-Unit

hat eine zugehörige mount-Unit, die Systemd einhängt,

wenn ein Programm auf das Verzeichnis zugreift.

target Gruppiert andere Units, die dann zusammen wie eine

einzige Unit auftreten.

snapshot Funktioniert ähnlich wie target und speichert den Zustand

der Dienste. Damit haben Sie beispielsweise die

Möglichkeit, das System vorübergehend in den Zustand

Notfall zu versetzen und anschließend wieder

zur normalen Arbeitsumgebung zurückzukehren.

swap Kontrolle von Swap-Dateien und -Partitionen

timer Aktiviert Dienste zu bestimmten Zeiten oder Zeitpunkten,

die Angaben erfolgen im Cron-Stil

path Aktiviert Units abhängig davon, ob bestimmte Dateien

existieren oder ein Spool-Verzeichnis einen bestimmten

Füllstand erreicht hat.

Die meisten Distributionen starten

bislang die einzelnen Dienste

via Shell-Skript. Das Starten von

externen Programmen und Subshells

schluckt allerdings extrem

viel Rechenzeit. Darüber hinaus

nutzen viele Skripte rekursive

Konstrukte sowie redundante Befehle,

sind fehleranfällig und irgendwann

schwierig zu warten.

Daher sind Poettering sämtliche

Skripte ein Dorn im Auge, weshalb

er sie bei der Arbeit an Systemd

konsequent vermieden hat.

Muschelersatz

Die Maintainer sollen die Funktionen

der Skripte durch richtige,

vorzugsweise in C geschriebene

und somit schnell ablaufende

Programme ersetzen oder in die

Daemons selbst integrieren. Einige

besonders wichtige und gebräuchliche

Funktionen übernimmt

Systemd selbst.

Derzeit vermag er unter anderem,

den Hostnamen zu setzen

(also den Namen des Computers),

sich wie erwähnt um das Mounten

der Dateisysteme zu kümmern

und die Sprache einzustellen

(System Locale). Die diesbezüglichen

Einstellungen liest Systemd

aus den bekannten Konfigurationsdateien

– zumindest

Listing 1

01 [Unit]

02 Description=Dieser Dienst

zeichnet den Fluglärm auf.

03 After=syslog.target

04

05 [Service]

06 ExecStart=/usr/bin/

laermmessung

07 Restart=on‐abort

08

09 [Install]

10 WantedBy=multi‐user.target

fast. In einigen Fällen nutzen die

Distributionen nämlich unterschiedliche

Dateien. Der Name

des Systems liegt beispielsweise

unter Fedora in /etc/sysconfig/

network, OpenSuse benutzt /etc/

HOSTNAME und Debian wiederum

/etc/hostname. In solchen Fällen

haben sich die Systemd-Macher

für eine Datei entschieden. Den

Hostnamen erwartet Systemd

beispielsweise in /etc/hostname.

Auf diese Weise versuchen die

Systemd-Entwickler, die Distributionen

durch die Hintertür zu

standardisieren.

Die Tabelle Wichtige Verzeichnisse

und Konfigurationsdateien

auf der vorherigen Seite gibt einen

kleinen Überblick über die

wichtigsten Konfigurationsdateien

und Verzeichnisse, die übrigens

in Absprache mit den Distributoren

entstanden sein sollen.

Weitere Informationen liefert

Lennart Poettering im Blog [4].

Einheitsbrei

Systemd bezeichnet alle von ihm

zu verwaltenden Aufgaben als

„Units“ (Einheiten). Eine Unit

umfasst beispielsweise den

Druckdienst Cups, eine andere

das Einhängen des Heimatverzeichnisses.

Beide Units erfordern

offensichtlich unterschiedliche

Aktionen. Daher besitzt jede

Unit einen ganz bestimmten Typ.

Bei Cups handelt es sich um einen

Dienst und somit um den

Typ service, das Einhängen wäre

hingegen vom Typ mount. Damit

Systemd überhaupt von der Unit

erfährt, braucht es eine passende

Listing 2

[Service]

ExecStart=/usr/bin/laermmessung

‐d

Type=forking

Restart=on‐abort

Listing 3

[Service]

Type=dbus

BusName=de.dfld.laermmessung

ExecStart=/usr/bin/laermmessung

76 09 | 11

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Systemd

netz&system

Konfigurationsdatei. Sie trägt

den gleichen Namen wie die Unit,

der sich wiederum aus einem frei

wählbaren Namen und dem Typ

zusammensetzt.

So bietet es sich zum Beispiel

an, die Konfigurationsdatei für

den Druckdienst cups.service zu

nennen. Neben service und mount

kennt Systemd noch weitere Kategorien,

die Sie in der Tabelle

Unit-Typen finden.

Heimwerker

Um einen eigenen Dienst beim

Start zu aktivieren, gilt es, eine

passende Konfigurationsdatei zu

erstellen. Listing 1 zeigt die Datei

laermmessung.service als kleines

Beispiel für die Software einer

Lärmmessstation.

Die Konfigurationsdateien benutzen

einen ähnlichen Aufbau

wie die weitverbreiteten .desktop-

Dateien. Der Abschnitt [Unit] enthält

ein paar allgemeine Informationen

über den Dienst. Dazu

zählt eine kurze, für Menschen

gedachte Beschreibung (Description)

des Dienstes.

Die Software meldet Probleme

über den Dienst syslog und

schreibt die aufgezeichneten Daten

in Dateien auf die Festplatte.

Unter Systemd dürfen alle Dienste

mit einem vorhandenen Dateisystem

rechnen; folglich brauchen

Sie dies nicht extra sicherstellen.

Bleibt die Abhängigkeit

zum Dienst syslog. Darum kümmert

sich in Zeile 3 der Parameter

After=. Hier tragen Sie ganz einfach

die Unit ein, von der das Programm

abhängt. Bei mehreren

Abhängigkeiten listen Sie die

Unit-Namen einfach durch Leerzeichen

voneinander getrennt

auf. Unter Umständen fällt diese

Liste jedoch recht lang aus. Damit

Sie sich nicht die Finger wund tippen,

gibt es die Target-Units. Damit

gruppieren Sie mehrere Units

unter einem einheitlichen

Namen. Systemd bringt bereits

ein paar spezielle Target-Units

von Haus aus mit [5]. Dazu gehört

unter anderem auch syslog.

target, das Listing 1 verwendet.

Diese Unit sorgt schlichtweg für

den Start einer Syslog-Implementation.

Da Systemd möglichst viele

Dienste parallel aktiviert, dient

die Angabe hier nur dazu, eine

(Start-)Reihenfolge vorzuschlagen

und nicht zu erzwingen. Ergänzend

zu After kennt Systemd

noch die Anweisungen aus Tabelle

Bedingungen für einen Dienst.

Der nächste Abschnitt [Service]

gibt ein paar Informationen über

den Dienst selbst preis. Er existiert

folglich nur in Konfigurationsdateien

vom Typ .service. Mit

ExecStart= geben Sie den Namen

der Programmdatei an, im Beispiel

/usr/bin/laermmessung. Systemd

ruft sie auf, wenn er den

Dienst startet. Wie von Systemd

generell gefordert, läuft die Software

im Vordergrund. Will der

Dienst-Daemon dennoch unbedingt

im Hintergrund laufen, beziehungsweise

einen Fork erstellen,

teilen Sie dies Systemd über

den Parameter Type=forking mit

(Listing 2). Und auch für den Fall,

dass der Dienst für die Kommunikation

den D-Bus nutzt, gibt es

eine entsprechende Variante (Listing

3). Der Parameter BusName=

nennt den D-Bus-Namen der

Software. Über Restart=on‐abort

sorgen Sie dafür, dass Systemd

den Dienst neu startet, sobald

sich dieser aus irgendeinem

Grund beendet. Der letzte Abschnitt

[Install] aus Listing 1

teilt dem Systemd mit, wann und

unter welchen Bedingungen Sie

den Dienst starten wollen. Im

Beispiel beginnt die Software mit

der Arbeit (WantedBy), wenn Systemd

die Unit multi‐user.target

aktiviert. Sie kapselt alle Dienste,

Anweisung

After

Require

Wants

Conflicts

Befehl

daemon‐reload

start Unit

stop Unit

kill Unit

status Unit

diable Unit

B Systemctl zeigt eine

Liste mit allen vorhandenen

Diensten, ihrem

Status und der Beschreibung

an.

BeDingungen füR einen Dienst

Bedeutung

Der Dienst möchte nach der angegebenen Unit

starten.

Der Dienst benötigt die angegebene Unit zwingend.

Der Dienst möchte die Unit gerne laufen sehen.

Der Dienst arbeitet nicht mit dieser Unit zusammen.

systemctL-KommAnDos

Bedeutung

Konfiguration neu einlesen

Unit starten

Unit kontrolliert stoppen

Unit sofort beenden (Datenverlust möglich)

Status von Unit abfragen

Unit deaktivieren und damit weder beim Systemstart

noch auf Anfrage hochfahren

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09 | 11 77


netz&system

Systemd

Dass der Dienst läuft, verrät ebenfalls

das Kommando systemctl,

diesmal allerdings mit dem Befehl

status statt start (Abbildung A, S.

76). Eine Übersicht über die Befehle

liefert die Tabelle Systemctl-

Kommandos (vorherige Seite).

die noch in Runleveln aus SysV-

Init-Zeiten denken, liefert Systemd

passende Targets mit, die

das alte Verhalten simulieren.

Beispielsweise wechselt:

$ sudo systemctl isolate runleveU

l5.target

C Mit Systemadm

aktivieren und deaktivieren

Sie alle vorhandenen

Units bequem

per Mausklick.

die für den Betrieb eines Mehrbenutzersystems

notwendig sind.

Die fertige Konfigurationsdatei

wandert nun unter dem Namen

laermmessung.service in das Verzeichnis

/etc/systemd/system/.

Dorthin gehören alle eigenen

Konfigurationsdateien, die

system eigenen lagern unter /lib/

systemd/system/. Mit

Wer hat’s gesehen?

Das Werkzeug Systemctl hilft als

kleiner Tausendsassa in vielen

weiteren Lebenslagen. Ein einfaches

systemctl liefert zunächst

eine Liste aller laufenden Dienste

(Abbildung B,vorherige Seite).

Ein besonderes Augenmerk verdient

die Spalte active: Sie zeigt

an, ob ein Dienst derzeit läuft

(active), nicht arbeitet (inactive)

oder ob bei seiner Inbetriebnahme

ein Problem auftrat (maintenance).

Über systemctl status Unit

erfahren Sie Informationen zum

Zustand. Per isolate weisen Sie

Systemd an, die Units eines bestimmten

Targets herzustellen:

in einen Systemzustand mit grafischer

Benutzeroberfläche. Beim

Booten aktiviert Systemd übrigens

standardmäßig das Target

default.target. Dahinter verbirgt

sich ein symbolischer Link, der

auf eine andere Konfigurationsdatei

zeigt. Unter Fedora 15 ist

dies noch das runlevel5.target, zukünftig

schwenken die Entwickler

wohl auf das Systemd-Pendant

graphical.target um.

Mit Systemd hält auch ein neuer

Befehl Einzug, um das komplette

System kontrolliert herunterzufahren

und auszuschalten:

$ sudo systemctl daemon‐reload

$ sudo systemctl ‐‐force poweroff

$ sudo systemctl isolate multi‐uU

ser.target

liest Systemd die geänderte Konfiguration.

Den neuen Dienst

startet schließlich der Aufruf

$ sudo systemctl start laermmessU

ung.service

Dieses Beispiel aktiviert alle

Units, die für einen Mehrbenutzermodus

ohne grafische Oberfläche

notwendig sind. Für alle,

Befehle wie shutdown und reboot

funktionieren weiterhin, Systemd

übersetzt sie passend. Wer eine

grafische Oberfläche bevorzugt,

greift zu Systemadm aus dem Paket

systemd-gtk (Abbildung C).

ALtLAsten

Um mit dem älteren SysV-Init-System kompatibel zu

bleiben, wertet Systemd die klassischen Init-Skripte

aus. Diese fasst es einfach als eine weitere Quelle

für Konfigurationsdateien auf und verwandelt die

eingelesenen Skripte intern in passende Units. Analog

liest und interpretiert Systemd weitere bekannte

Konfigurationsdateien ein. Dazu gehört beispielsweise

die Datei /etc/fstab, deren Einträge das Programm

als Mount- beziehungsweise Automount-Units

auffasst und entsprechende verwertet.

Wer schon ein Startskript für das alte SysV-Init verfasst

hat und dieses in eine Service-Datei umwandeln

möchte, sucht vermutlich nach einer Möglichkeit,

vor dem eigentlichen Programmstart noch

Skripte zum Vorbereiten auszuführen. Davon gilt es

sich in Systemd jedoch gedanklich zu verabschieden

– zumindest fast: Mit der Variable ExecStartPre= im

Abschnitt [Service] gelingt das immer noch:

ExecStartPre=/bin/rm ‐f /var/log/messungen

Den hinter dem Gleichheitszeichen angegebenen Befehl,

der ein Shell-Skript sein darf, führt Systemd

aus, bevor es den hinter ExecStart= genannten

Dienst aktiviert. Analog gibt es noch ein ExecStart‐

Post=, bei dem Systemd den angegebenen Befehl

nach dem Start des Dienstes absetzt. Abschließend

existiert noch ein ExecStop=.

Diesen Befehl ruft Systemd auf, um den Dienst zu

stoppen. Nach den Vorstellungen der Systemd-Entwickler

sollen die Funktionen dieser Hilfsprogramme

jedoch möglichst in den Daemon selbst wandern.

Deren Programmierer sind zudem angehalten:

• möglichst keine Prozesse zu forken und nicht

setsid() aufzurufen,

• keine Benutzerrechte mit dem Daemon zu ändern

(das übernimmt Systemd),

• keine PID-Dateien zu erstellen,

• einen Namen über den D-Bus zu beziehen, sofern

der Daemon den D-Bus verwendet,

• Systemd zum Logging zu benutzen,

• über Systemd die Sockets zu erstellen und zu

beobachten, und

• SIGTERM für Anfragen zum Shutdown zu benutzen.

Mehr zur Interaktion von Diensten mit dem Systemd

zeigt der Maintainer Lennart Poettering in einem

entsprechenden Blog-Beitrag [9].

info

[1] Systemd: http:// freedesktop. org/ wiki/

Software/ systemd

[2] SysV-Init und die Runlevel:

Tim Schürmann, „Der Nächste, bitte!“,

LinuxUser 12/ 2010, S. 88,

http:// www. linux-community. de/ 22208

[3] Autofs im Debian-Wiki:

http:// wiki. debian. org/ AutoFs

[4] Neue Konfigurationsdateien:

http:// 0pointer. de/ blog/ projects/

the-new-configuration-files

[5] Überblick über Target-Units:

http:// 0pointer. de/ public/ systemd-man/

systemd. special. html

[6] Boot-Grafik: http://www.linux-user. de/ Downloads/2011/09/

[7] Lennart Poetterings Blog:

http:// 0pointer. de/ blog/

[8] Manpages zu Systemd:

http:// 0pointer. de/ public/ systemd-man/

[9] „Systemd for Developers“: http:// 0pointer.

de/ blog/ projects/ socket-activation. html

78 09 | 11

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Systemd

netz&system

Systemd protokolliert penibel seinen

Systemstart. Über das Kommando

systemd‐analyze blame erfahren

Sie, wie lang welcher

Dienst für den Start benötigt hat

(Abbildung D). Einen passenden

netten Graphen erzeugt:

$ sudo systemd‐analyze plot > erU

gebnis.svg

Als Ergebnis erhalten Sie dann

ein SVG-Bild in der Datei ergebnis.svg,

das Sie beispielsweise in

Inkscape oder einem geeigneten

Browser begutachten [6].

Ausblick

Obwohl die Konfigurationsdatei

aus Listing 1 auf den ersten Blick

rank und schlank wirkt, ist Systemd

komplizierter als der Konkurrent

Upstart. Wer das Werkzeug

verstehen will, dem bleibt

nichts anderes übrig, als sich

durch zahlreiche Texte zu kämpfen,

die Lennart Poettering häppchenweise

in seinem Blog [7] sowie

in derzeit satten 45 Manpages

veröffentlicht hat [8].

Systemd fordert von den Entwicklern

der Dienste ein Anpassen

der Software und somit zusätzlichen

Programmieraufwand

– obwohl sich dieser noch in

Grenzen hält. Administratoren

müssen sich zudem von den geliebten

Shell-Skripten verabschieden.

Das alles verspricht unter

dem Strich einen schnellen Systemstart.

Im kleinen Vergleichstest

startete jedoch unter exakt

gleichen Bedingungen

die letzte

Vorabversion von

Fedora 15 etwa

fünf Sekunden

langsamer als

Ubuntu 11.04

mit dem Konkurrenten

Upstart.

Allerdings lässt

das Ergebnis

noch keine Rückschlüsse

auf die

tatsächlichen

Möglichkeiten

von Systemd zu:

Upstart hat

schon ein paar

Jahre auf dem

Buckel und ist

entsprechend optimiert,

Systemd

feierte gerade

einmal seinen

ersten Geburtstag

und unterliegt

immer noch ständigen Änderungen.

Dennoch erfreut es

sich bei den Distributoren zunehmender

Beliebtheit. Fedora 14 lag

Systemd schon als optionales Paket

bei, ab Fedora 15 kommt es

standardmäßig zum Einsatz.

OpenSuse, Debian und andere

Distributionen liebäugeln ebenfalls

mit Systemd.

Wer das neue Bootsystem einmal

ausprobieren möchte, findet

auf der Systemd-Homepage Links

auf Pakete für zahlreiche Distributionen

– darunter sogar welche

für Ubuntu. Dessen Distributor

Canonical setzt jedoch aller

Vo raussicht nach weiter auf den

gut gereiften Eigenbau Upstart.

Fazit

Aufgrund der breiten Unterstützung

dürfte sich Systemd mittelfristig

als Standard durchsetzen.

Ob allerdings der Verzicht auf flexible

Skripte und das Festnageln

auf Linux-exklusive Funktionen

wirklich einen Schritt nach vorne

darstellen, muss sich erst noch

erweisen. Der Weg zum Instant-

On-Linux weist noch einige Unwägbarkeiten

auf. (agr) n

D Systemd merkt sich,

welche Dienste wie

lange beim Start getrödelt

haben.

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know-how

Mallard

Dokumentationen mit Mallard schreiben

Neue Ente im Teich

© Maplerose, sxc.hu

Eine einfache Syntax

und der modulare

Aufbau machen

Mallard zur

idealen Grundlage,

um Dokumentationen

zu schreiben

und zu einem

Handbuch zusammenzufügen.

Mario Blättermann

README

Das XML-Format

Mallard – derzeit vorwiegend

in Gnome im

Einsatz – eignet sich

hervorragend zum themenbasierten

Schreiben

von Dokumentationen.

Mallard ist der

englische Name der

Stockente.

Wenn Sie eine grafische Software

entwickeln, liegt es nahe, dem geneigten

Benutzer für den Fall des

Falles ein Handbuch zu spendieren.

Das Schreiben von Hilfetexten

fällt allerdings schnell lästig,

denn das übliche Docbook-Format

gilt – zu Recht – als kompliziert

und erfordert einen beträchtlichen

Lernaufwand. Das

Mallard-Format gleicht zwar vom

logischen Aufbau her Docbook,

kommt jedoch mit weitaus weniger

Tags aus und vereinfacht die

Syntax erheblich.

Das Mallard-Projekt [1] ist eng

verknüpft mit dem Ziel, nicht nur

dem Autor Vorteile zu bieten,

sondern auch dem Leser. Das Design

zwingt den Schreiber regelrecht

dazu, themenbasiert zu arbeiten

und nicht eine Reihe von

Infos in einem statischen Text

unterzubringen. Wenn Sie erfahren

wollen, wie Mallard intern

funktioniert, finden Sie online [2]

weitere Informationen.

Der Einstieg

Listing 1 zeigt eine minimale

Mallard-Datei. Dieser Index bildet

die Wurzel, auf der alle anderen

Seitendateien aufbauen. Die

Kopfzeilen weisen darauf hin,

dass es sich um eine Anleitung

handelt (guide), stilistisch um eine

Aufgabe (task) und organisatorisch

um einen Index (index).

Letzteres ist wichtig, damit die

anderen Seiten den ihnen zugedachten

Platz in der Dokumentation

einnehmen. Die weiteren

Zeilen geben Auskunft über den

Autor und die Lizenz. Nach dem

kurzen Vorspann geht es dann

tatsächlich um diejenigen Texte,

die Sie später sehen. Mit dem Tag

legen Sie einen Abschnitt

fest, der leer sein darf, abgesehen

von der Überschrift.

Der Zusatz id="introduction" im

sich öffnenden XML-Tag sorgt

dafür, dass der Parser eine Seitendatei

mit dieser Kennung genau

hier im Hauptdokument einfügt.

Den Aufbau einer Seitendatei sehen

Sie in Listing 2, folgende Seite.

Die dritte Zeile in Listing 2

legt die Kennung fest, welche Sie

durch die Angabe eines Links in

Zeile 6 noch bestätigen. Weitere

Themen und Unterthemen fügen

Sie auf die gleiche Weise ein.

Aus den Listings geht schon die

einfache Syntax von Mallard hervor.

Wenn Sie – und sei es nur für

den Anfang – keinen gesteigerten

Wert auf ein ausgefeiltes Aussehen

der Textelemente legen, fällt

der Einstieg nicht allzu schwer.

Später fügen Sie bei Bedarf innerhalb

eines sich öffnenden XML-

Tags noch Stilinformationen ein,

die die weiteren Werkzeuge dann

entsprechend verarbeiten.

Hier kommt Mallard dem Anwender

ebenfalls entgegen: Anstatt

verschiedene zu beschreibende

Oberflächenelemente

durch verschiedene Tags auszudrücken

(wie ,

und in Docbook),

genügt hier das kurze und bündige

. In den sich öffnenden

Tag fügen Sie bei Bedarf später

beispielsweise mit style="button"

die Information ein, dass es sich

um einen Knopf in der

Bedienoberfläche handelt.

Außerdem haben Sie die Möglichkeit,

mit dem Tag Informationen

einzubauen, die später

in der Anzeige nicht erscheinen,

sich aber für Anweisungen an

Verarbeitungswerkzeuge eignen.

Darüber hinaus steht es Ihnen

offen, Mallard durch Elemente

aus externen Namensräumen

nahezu unbegrenzt zu erweitern.

80 09 | 11

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Mallard

know-how

Die Tatsache, dass Sie für jedes

Thema und üblicherweise jedes

Unterthema eine eigene Page-

Datei anlegen müssen, verwirrt

eingefleischte Docbook-Anwender

zunächst: Die sind eine einzige

große Datei gewohnt, die nur

die Lizenzdeklaration extern vorhält,

wenn überhaupt. Das Auftrennen

hat jedoch einige Vorteile:

Geben Sie den einzelnen Dateien

aussagekräftige Namen, finden

Sie später viel leichter eine

Stelle, an der Sie eventuell etwas

ändern, streichen oder hinzufügen

wollen. Außerdem erleichtert

das Verknüpfen das Einbinden externer

Dateien, selbst wenn diese

von Drittanbietern stammen.

Schreiben beispielsweise die Entwickler

eines separat für ein Programm

angebotenen Plugins einen

Hilfetext und referenzieren

diesen als Teil der Hauptdokumentation,

erscheint das externe

Thema darin als integraler Teil,

ohne dass Sie dafür nur ein einziges

Zeichen im Handbuch ändern

müssten. Sollte das Plugin nicht

installiert sein, gibt es die entsprechende

Hilfeseite nicht, und der

Leser sucht nicht vergebens nach

Funktionen, die es gar nicht gibt.

Am Fließband

Als Autor legt Ihnen das Format

nicht mehr Steine in den Weg als

andere Markup-Sprachen. Einen

auf die Sprache zugeschnittenen

WYSIWYG-Editor suchen Sie vergeblich,

aber der Gnome-Standardeditor

Gedit (Abbildung A) kennt

das Format als solches und natürlich

dessen Eigenheiten. Ein Textschnipsel-Plugin

für Gedit gibt

Ihnen Tags vor und bietet schließende

Tags an, wenn die sich öffnenden

vorhanden sind.

Auch der Editor Emacs erkennt

die Syntax und zeigt diese korrekt

an. Weiß Ihr Lieblingseditor mit

Mallard nichts anzufangen, stellen

Sie alternativ das Syntax-

Highlighting für allgemeines XML

ein. Das reicht im Grunde aus,

um im Dschungel der Tags nicht

die Übersicht zu verlieren.

Der Quelltext alleine macht jedoch

noch kein Handbuch: Sie

müssen ihn erst weiterverarbeiten.

Hier kassiert Mallard einen

Minuspunkt gegenüber seinem

heimlichen Vorbild Docbook. Außer

der direkten Anzeige im

Gnome-Hilfebrowser Yelp und

dem HTML-Export, wobei Ersterer

intern auf Letzterem beruht,

versteht sich kaum ein Anzeigeprogramm

auf Mallard.

Wenn Sie schon einmal mit

Dblatex ein Docbook-Dokument

in ein professionell gesetztes

PDF-Dokument umgewandelt haben,

enttäuscht Sie Mallard vielleicht.

Zwar gibt es einen entsprechenden

Konverter [3], doch die

Arbeit daran kommt kaum voran.

Nach dem derzeitigen Stand der

Dinge hat er gewissermaßen nur

eine Alibifunktion. Das ist allerdings

dem Design geschuldet, das

das Erstellen eines ansprechenden

Druckbildes erschwert.

Bei Bedarf die Texte mittels Po-

Dateien übersetzen zu können,

ist in Mallard natürlich Ehrensache.

Das bekannte Werkzeug

Xml2po versteht sich darauf, allerdings

nicht sonderlich gut. Ersatz

ist aber in Sicht: Das neue

ITS Tool [4] aus dem Gnome-Fundus

erlaubt es nun, automatische

Kommentare für die Übersetzer

einzuarbeiten und nicht zum

Übersetzen gedachte, feste Elemente

in den Po-Dateien ganz

einfach auszublenden.

Der Vorgänger war dabei nicht

allzu wählerisch und platzierte

alles in der Po-Datei – ungeachtet

dessen, ob es sich um Programmcode,

Befehle oder um tatsächlich

zu übersetzende Inhalte handelte.

Das neue Verfahren senkt die

Fehlerquote in den anderssprachigen

Versionen, was dem nicht

eben guten Ruf von Handbüchern

zugute kommt.

Gnome baut um

Noch vor nicht allzu langer Zeit

war Docbook bei Gnome das Maß

aller Dinge, wenn es um das

Schreiben von Handbüchern ging.

Doch mit Mallard änderte sich

das grundlegend, wobei nicht nur

die vereinfachte Syntax den Ausschlag

gab. Das Aussehen der Dokumente

sollte nicht mehr die

Form einer Dissertation haben,

A Gedit kennt Mallard

schon seit Langem.

gLossAR

WYSIWYG: „What You

See Is What You Get“.

Bezeichnet einen Editor,

der genau das anzeigt,

was später in der Bildschirm-

oder Druckausgabe

zu sehen ist.

Listing 1



Beispieldokumentation


Max Mustermax@online.de



Creative Commons Share Alike 3.0



Beispielanwendung


Einführung



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09 | 11 81


know-how

Mallard

B Mit dem Empathy-

Handbuch betrat

Gnome 2.28 neues Terrain

in Sachen Mallard.

Listing 2

sondern ein Wiki-ähnliches Layout,

um das Suchen nach den Informationen

zu erleichtern. Zu

den Pionieren gehörte das Chat-

Programm Empathy, dessen

Handbuch schon in Gnome 2.28

im Herbst 2009 im Mallard-Format

vorlag (Abbildung B).

Hinter der Fassade gab es zudem

eine auf den ersten Blick

eher unscheinbare Modifikation:

Neu zu schreibende Dokumentationen

sollen fortan unter einer

Creative-Commons-Lizenz stehen

statt wie bis dahin unter der

01

04

05

06

07

08 Max Mustermax@online.de


09

10

11 Creative Commons Share Alike 3.0

12

13

14

15 Was ist die Beispielanwendung?


16

17 Die Beispielanwendung ist ein Programm

18 mit vielen interessanten Funktionen.

19

20

GFDL. Das erleichtert

das Weiterverbreiten

der

Texte, da sich beispielsweise

auch

die Dokumentationsteams

von

Fedora und

Ubuntu für diese

Lizenzen entschieden

haben.

Somit steht dem

Austausch und

dem gegenseitigen

Einbinden

von Dokumenten

nichts im Weg.

Das Ändern der

Lizenz setzt außerdem

voraus,

dass alle bisherigen Autoren dieser

zustimmen müssen, falls das

Projekt bestehende Inhalte weiterverwenden

will. In vielen Fällen

ist dies mit vertretbarem Aufwand

nicht möglich. Aber so stellen

die Maintainer sicher, dass

veraltete Inhalte gar nicht einfließen.

Nebenbei erzwingen Sie eine

themenbasierte Gliederung.

Derzeit liegen allein auf den offiziellen

Gnome-Servern bereits

36 Handbücher im neuen Format

vor, Tendenz steigend. Externe

Projekte wie Déjà Dup [5] und

SimpleScan [6] haben Mallard

ebenfalls adaptiert. Ab Gnome

3.2 spielt es für das Einbinden

externer Hilfeseiten sogar keine

Rolle mehr, unter welchem Installationspräfix

Hauptprogramm

und Plugin installiert sind. Eine

in ~/.local installierte Seite gibt

der Hilfebrowser dann ebenso

korrekt aus wie eine, die sich in

/ usr befindet. Das ermöglicht es,

ein Plugin ohne die Rechte des

Systemverwalters im Home-Verzeichnis

zu installieren.

Insgesamt betrachtet, fungiert

Gnome durchaus als Motor hinter

Mallard, wenngleich Mallard kein

reines Gnome-Projekt ist, sondern

einen universellen Anspruch

hat. Aufgrund der genannten Einschränkung

vermag Mallard auf

lange Sicht Docbook nicht zu ersetzen,

sondern bestenfalls zu ergänzen.

Die Entwickler folgen

zwar recht zeitnah den Rufen der

Benutzer, wenn es um neue Features

geht, aber das Einsatzgebiet

beschränkt sich wohl auch weiterhin

auf das Darstellen am Bildschirm.

Ob es jemals einen

brauchbaren LaTeX/ PDF-Export

gibt, steht in den Sternen. Um

technische Dokumente für die

Druckausgabe zu schreiben, kommen

Sie um Docbook kaum herum.

Geht es aber um themenbasierte

Benutzerhandbücher, die

dem Leser zudem noch per Definition

ein vertrautes Wiki-Layout

bieten, ist Mallard erste Wahl.

Um die Zukunft des Projektes

braucht sich zudem niemand Sorgen

zu machen. Die Entwickler

sind sehr aktiv: Kaum haben sie

ein neues Feature implementiert,

nehmen sie schon das nächste

schon in Angriff. Zurzeit arbeiten

sie intensiv an Glossaren [7], also

an der Möglichkeit, Begriffe im

Text hervorzuheben und automatisch

mit einer Begriffserklärung

zu verknüpfen. Interessant ist die

Tatsache, dass dies auf die Initiative

eines kommerziellen Benutzers

zurückgeht – das zeugt von

der Akzeptanz des Formats.

Bleibt zu hoffen, dass Mallard in

naher Zukunft auch in andere

Projekte möglichst rasch einfließt.

Das Desktop-Projekt XFCE

ist hier bereits auf dem richtigen

Weg [8]. (agr) n

info

[1] Mallard-Projekt: http:// projectmallard. org

[2] Deutsches Mallard-Handbuch:

http:// mariobl. fedorapeople. org/ Mallard/

[3] Transformation nach LaTeX:

http:// gitorious. org/ +projectmallard/

projectmallard/ mal2latex

[4] ITS Tool: http:// itstool. org

[5] Déjà Dup: http:// launchpad. net/ deja-dup/

[6] SimpleScan:

http:// launchpad. net/ simple-scan

[7] Shaun McCance zu Glossaren:

http:// blogs. gnome. org/ shaunm/ 2011/

07/ 07/ mallard-glossaries/

[8] Mallard für XFCE:

http:// wiki. xfce. org/ documentation

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Einsendeschluss ist der 15.09.2011


know-how

Reguläre Ausdrücke

Erste Schritte mit Regular Expressions

Schnipseljagd

Computer erleichtern die Arbeit – man muss ihnen eben nur genau sagen, was sie tun

sollen. Mit sogenannten regulären Ausdrücken beschleunigen Sie das Suchen und Ersetzen

von Zeichenketten in Textdateien auf elegante Art. Frank Hofmann

© Maurus, 123RF

Beispiele und Skripte

LU/regex/

README

Der Umgang mit regulären

Ausdrücken ähnelt

zunächst dem Erlernen

und Anwenden einer

neuen Sprache. Haben

Sie jedoch die einzelnen

Symbole und die Grammatik

verinnerlicht,

meis tern Sie auch anspruchsvollere

Situationen

mit komplizierten

Textstrukturen schnell.

Dieser Artikel zeigt, wie

sich das Konzept der

Regular Expressions im

Arbeitsalltag bewährt.

REguläRE AusDRückE foRMuliEREn

Bei der Formulierung regulärer Ausdrücke

gilt es, generell zwei Punkte zu

beachten: Erstens hilft es, wenn das

Encoding für die Textdaten identisch

mit dem des Regex ist. Anderenfalls

müssen Sie Umlaute und Sonderzeichen

im regulären Ausdruck für das

Encoding der Textdaten anpassen.

Der zweite Punkt betrifft die Eigenheiten

der Regex-Implementierung in

der gewählten Programmiersprache:

Nicht alle Sprachen unterstützen den

POSIX-Standard vollständig und definieren

eigene Steuerzeichen.

Neben dem Übertragen und Darstellen

von Daten zählt das Suchen

und Ersetzen in Textstrukturen

und Zeichenketten zu den

häufigsten Aktionen beim Umgang

mit dem Computer. Bei

Letzterem helfen die sogenannten

regulären Ausdrücke (engl.:

„regular expressions“). Deren

Konzept umfasst einen komplexen

Text- und Zeichenfilter, der

ein effektives Suchen und Ersetzen

in Zeichenketten jeglicher

Form ermöglicht – etwa bei

Strings in Programmiersprachen,

in Ergebnissen von Datenbankabfragen

und in Dokumenten als

Dateien auf einem Datenträger.

Es spielt dabei keine Rolle, ob

die Textdaten strukturiert vorliegen

oder nicht – über Erfolg oder

Misserfolg entscheidet nur die

richtige Formulierung des regulären

Ausdrucks (kurz auch Regex

oder RE genannt). Allerdings fällt

bei strukturierten Dokumentformaten

wie CSV, HTML, XML,

XSLT und LaTeX der Einsatz der

REs meist leichter. Das Regex-

Konzept ist weitverbreitet und

zeichnet sich durch sehr hohe

Stabilität aus. Für die Programmiersprachen

Java, Perl, Python,

PHP, Ruby, das .NET-Framework

und für die Bash gehört es zum

Standardumfang.

Die Beschreibung der gesuchten

(Zeichen-)Muster folgt bestimmten

syntaktischen Regeln, auch

Grammatik genannt. Ein Programm

wertet diese Grammatik

aus und wendet sie auf eine Menge

von Zeichen an. Der Rückgabewert

umfasst eine Untermenge

von Zeichen oder eine Trefferliste.

Gibt es keine Übereinstimmung,

bleibt diese Liste leer.

Grundlagen

Sicherlich haben Sie schon einmal

nach einer Person mit einem Namen

gesucht, den es in unterschiedlich

geschriebenen, aber

phonetisch identischen Varianten

gibt – etwa nach einem Meier,

Schmidt oder Schulze [1]. Die folgenden

Beispiele erläutern den

Regex-Einsatz anhand dieses

Prob lems. Als Adressbuch dient

dabei eine Textdatei, in der Kommas

die einzelnen Felder der Einträge

trennen (Listing 1). Als

Suchwerkzeug für die Kommandozeile

kommt grep zum Einsatz.

Um Herrn Meier im Adressbuch

zu finden, geben Sie Grep zwei

Parameter mit: den Namen als

Suchmuster und unser Adressbuch

als Datei, in der Grep nach-

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Reguläre Ausdrücke

know-how

sehen soll (Listing 2, Zeile 1). Die

Ausgabe umfasst nur eine einzige

Zeile (Listing 2, Zeile 2).

Falls Sie sich nicht mehr genau

daran erinnern können, ob sich

der Gesuchte nun Meier oder

Mayer schreibt, erweitern Sie den

Grep-Aufruf kurzerhand um den

passenden regulären Ausdruck

(Listing 2, Zeile 4). Mit der Option

‐E behandelt Grep das Suchmuster

als erweiterten Ausdruck

und interpretiert so die Steuerzeichen

entsprechend.

Richtig klammern

Die Klammern um die Buchstaben

ei gruppieren die beiden Zeichen

e und i, der senkrechte

Strich (|) fungiert als Oder-Operator

für die beiden Gruppen (ei)

und (ay). Die zusätzlichen Klammern

um die Gruppe (ei)|(ay)

sorgen dafür, dass Grep die beiden

als kompletten Unterausdruck

auswertet.

Den dritten Eintrag aus dem

Adressbuch (Holger maier) unterschlägt

Grep bislang, da der Familienname

in der Adressdatei

fälschlicherweise mit einem

Kleinbuchstaben beginnt. Die

Option ‐i ignoriert die Groß- und

Kleinschreibung und fördert auch

diesen Eintrag zutage.

Da wir aber auch wissen, dass

„Meier“ aus fünf Buchstaben besteht,

vereinfachen wir den Grep-

Aufruf so wie in Zeile 8 von Listing

2. Das Muster M.{2}er passt

auf alle Zeichenketten, die mit einem

M beginnen, gefolgt von zwei

beliebigen, alphanumerischen Zeichen

(.{2}) und mit der Buchstabenfolge

er am Ende. Welche besonderen

Zeichen in einem Muster

welche Bedeutung haben, zeigt

die Tabelle Besondere Zeichen in

regulären Ausdrücken (S. 86).

Die Grep-Option ‐‐color erweist

sich im Alltag als sehr nützlich:

Sie hebt diejenigen Zeichen im

Suchergebnis hervor, auf die das

angegebene Muster passt (Abbildung

A) – in unserem Fall also

die passenden Familiennamen.

Die Programmiersprache Python

macht es Ihnen an vielen Stellen

sehr leicht. Möchten Sie alle Varianten

von Meier aus einer Namensliste

herausfischen, dann codieren

Sie das, wie in Listing 3,

folgende Seite, gezeigt. In Zeile 6

wird jeder Eintrag der Liste mit

den möglichen Varianten verglichen

und als Ergebnis lediglich

Meier ausgegeben. Zu mayer gibt

es keine exakte Entsprechung in

der Variantenliste, weswegen Python

diesen Eintrag nicht findet.

Komfortabler funktioniert das

Ganze mithilfe von Funktionen

für reguläre Ausdrücke. Diese

stellt Python über das Modul re

([2],[3]) bereit – das Kürzel steht

für „regular expressions“. Dieses

Modul wird in Listing 4, folgende

Seite, in der dritten Zeile deklariert,

ab diesem Punkt lassen sich

die Funktionen aus re im Skript

nutzen. In Zeile 5 bereitet die

Funktion re.compile() das Muster

zunächst vor. Dabei steht im

Muster [ae] für eines der Zeichen

a und e, sinngemäß dasselbe gilt

für [iy]. Das Caret (^) benennt

den Wortanfang, das Dollarzeichen

($) das Wortende.

Groß oder klein

Beim zweiten Parameter des

Funktionsaufrufs handelt es sich

um re.IGNORECASE, eine vordefinierte

Konstante aus dem re-Modul.

Sie bewirkt, dass beim Vergleich

des Musters die Groß- und

Kleinschreibung keine Rolle

spielt. Die Funktion re.match()

nimmt den Vergleich des Musters

mit der Zeichenkette vor. Auf die

Namensliste angewendet, erhalten

Sie bei der Ausgabe in Zeile 8

sowohl Meier als auch mayer. Diese

Variante deckt also alle möglichen

Schreibweisen ab, ohne sie

dazu explizit aufzuzählen.

Ein Sprache wie Perl wäre ohne

reguläre Ausdrücke gar nicht vorstellbar

[4]. Ein Vergleich geschieht

hier mit der Funktion m

für den Operator „match“, beispielsweise

wie im Folgenden:

$zeichenkette =~ m/Muster/;

Sofern das Muster auf die Zeichenkette

passt, fällt das Ergebnis

des Vergleichs positiv aus. Für

eine fünfstellige Postleitzahl mit

erlaubter Null am Anfang passt

das Muster \d{5}, da diese aus

fünf beliebigen Ziffern besteht

(Listing 5), folgende Seite.

Mit Länderkennung für die

Schweiz und vier Ziffern lautet

das Muster CH‐[1‐9]\d{3}, wobei

die erste Ziffer nur aus dem Bereich

1 bis 9 kommen darf. Die

Mengenangabe {3} fordert exakt

drei weitere, beliebige Ziffern –

sowohl bei weniger als auch bei

mehr Ziffern schlägt der Vergleich

fehl. Eine Prüfung auf CH-

1000 fiele andererseits syntaktisch

gültig aus.

A Grep mit farbiger

Hervorhebung des

Suchergebnisses.

glossAR

POSIX: Portable Operating

System Interface

for Unix (DIN/ EN/ ISO/

IEC 9945, [8]). Eine von

der IEEE definierte Familie

von Interoperabilitätsstandards

für Application

Programming Interfaces

(APIs) und

Software-Tools. POSIX

ist prinzipiell nicht auf

unixoide Systemen beschränkt;

so unterstützt

beispielsweise auch die

Windows-NT-Systemfamilie

POSIX bis zu

einem gewissen Grad.

listing 1

Fritz Neunmalklug, Am Sterndamm 6, 12401 Berlin, 030 24

58 16

Joachim Mayer, 12 Rue de la Chapelle, CH‐1002 Lausanne,

0041 21 67 23 69

Hans Fröhlich, Karlplatz 15, 51111 Köln, 0221 76 34 20

Horst Fischer, Rathausquai 78, 20165 Hamburg, 040 30 19

56 1

Klaus Meier, Mozartweg 7, 01256 Dresden, 0351 58 14 17

Holger maier, Kreuzgasse 15, 86161 Augsburg, 0821 50 23

19

listing 2

01 $ grep Meier adressbuch

02 Klaus Meier, Mozartweg 7, 01256 Dresden, 0351 58 14 17

03

04 $ grep ‐E "M((ei)|(ay))er" adressbuch

05 Joachim Mayer, 12 Rue de la Chapelle, CH‐1002

Lausanne, 0041 21 67 23 69

06 Klaus Meier, Mozartweg 7, 01256 Dresden, 0351 58 14 17

07

08 $ grep ‐‐color ‐i ‐E "M.{2}er" adressbuch

09 Joachim Mayer, 12 Rue de la Chapelle, CH‐1002

Lausanne, 0041 21 67 23 69

10 Klaus Meier, Mozartweg 7, 01256 Dresden, 0351 58 14 17

11 Holger maier, Kreuzgasse 15, 86161 Augsburg, 0821 50

23 19

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know-how

Reguläre Ausdrücke

glossAR

ICANN: Internet Corporation

for Assigned

Names and Numbers.

Die 1998 gegründete

Organisation entscheidet

unter anderem über

die Grundlagen der Verwaltung

der Top-Level-

Domains (.com, .net,

.org, .de, …) [9].

Für eine zusätzliche Ortsangabe

der Form A-4020 Linz genügt die

Ergänzung des bisherigen Musters

um ein Leerzeichen („\s“)

und alphanumerische Zeichen.

Der einfache Ausdruck für eine

Adresse in Österreich lautet damit

A‐\d{4}\s[A‐Z][a‐z]+. Die

Schreibweise [A‐Z][a‐z]+ stellt dabei

sicher, dass der Ortsname aus

mindestens zwei Buchstaben besteht

und mit einem Großbuchstaben

beginnt.

Matches im Netz

Webdesigner und Grafikspezialisten

arbeiten viel mit Farbcodes.

Häufig kommt dabei eine hexadezimale

Schreibweise zum Einsatz,

beispielsweise #ff0000 für Rot in

der RGB-Notation. Um diese Angabe

automatisiert auf grammatikalische

Korrektheit zu prüfen,

genügt als Muster der reguläre

Ausdruck #[a‐f\d]{6}. Auf ein

Hash-Zeichen folgen sechs Buchstaben

aus dem Bereich a bis f

oder die Ziffern 0 bis 9 – alle anderen

Zeichen repräsentieren keinen

richtigen Farbcode. In der

Auswertung bietet sich diese Zeile

an, beispielsweise in einem

CGI-Skript in Perl (Listing 6).

Das unscheinbare i am Ende

entspricht der Option -i bei Grep

und sorgt auch hier dafür, dass

sowohl Groß- als auch Kleinbuchstaben

gelten. Das deckt alle Varianten

des Farbcodes ab. Auch bei

Formularen auf Webseiten empfiehlt

es sich, die Nutzereingabe

zu validieren. Für E-Mail-Adressen

schlägt Jan Goyvaerts [5] folgendes

Muster vor:

^[A‐Z0‐9._%+‐]+@[A‐Z0‐9.‐]+\.[A‐U

Z]{2,6}$

Es passt auf die von der ICANN

freigegebenen Top Level Domains

von bis zu sechs Buchstaben Länge.

Vor dem Klammeraffen (@) erwartet

der Ausdruck mindestens

ein Zeichen aus der Menge der

Buchstaben oder Ziffern beziehungsweise

einen Unterstrich,

ein Prozentzeichen oder ein Plus

oder Minus. Der Domainname

besteht aus mindestens einem

Buchstaben, einer Ziffer, einem

BEsonDERE ZEichEn in REguläREn AusDRückEn

Zeichen Bedeutung Beispiel Treffer bei

? vorhergehendes Element ist null oder (20)?11 2011, 11

ein Mal vorhanden

+ mindestens eine Wiederholung des vorhergehenden

ab+

ab, abb, abbb, …

Elements

* keine, eine oder mehrere Wiederholungen

ab*

a, ab, abb, abbb, …

des vorhergehenden Elements

| logisches Oder a|b a, b

. beliebiges einzelnes Zeichen Betr.g Betrag, Betrug, …

^ am Zeilenanfang ^Berlin Zeile beginnt mit Berlin

$ Zeilenende Berlin$ Zeile endet auf Berlin

[...] Bereich [a‐fA‐F] Zeichen a bis f und A bis F

[^...] Ausschlussbereich [^a‐f] alle Zeichen außer a bis f

(...) gruppiert Elemente Loch(streifen|karte) Lochstreifen, Lochkarte

{x,y} Menge {Minimum, Maximum} \w{3,8} mindestens drei und maximal

acht alphanumerische Zeichen

\w alphanumerische Zeichen (a-z, A-Z, 0-9

und _)

\w+; \w+

zwei Worte, durch Semikolon und

ein Leerzeichen voneinander getrennt

\s Leerzeichen (identisch zu \t\n\r\f) \w+\s+\w+ zwei Worte, durch mindestens ein

Leerzeichen oder einen Tabulator

getrennt

\d Ziffern (Grep: [0‐9]) Zeile \d Zeile 0 bis Zeile 9

Um eines der besonderen Zeichen zu finden, müssen Sie es mittels Backslash escapen. Mit \. finden Sie beispielsweise

einen Punkt.

Punkt oder einem Bindestrich.

Nach dem Punkt als Trennzeichen

(\.) folgt die Top-Level-Domain,

welche aus minimal zwei

und maximal sechs Buchstaben

bestehen darf (etwa de, org, info

oder travel).

Nutzen Sie den Ausdruck in einem

PHP-Skript (Listing 7), so

hilft wieder die Ergänzung um

das i am Ende. Zeile 5 des Listings

gibt die Trefferliste aus, sofern

die E-Mail-Adresse der Spezifikation

entspricht. Ein solcher

Treffer besagt freilich noch nicht,

dass es diese Adresse auch tatsächlich

gibt. Diese Prüfung muss

gesondert erfolgen, etwa mittels

einer Auswertung des Fehlercodes

bei der Zustellung einer

Nachricht.

Suchen und Ersetzen

Neben dem Auffinden von Zeichenketten

unterstützen reguläre

Ausdrücke auch das Ersetzen sowie

Translationen, also buchstabenweise

Ersetzungen.

Eine Aufgabe von Autoren redaktioneller

Beiträge besteht darin,

auf eine einheitliche Schreibweise

von Begriffen und Abkürzungen

zu achten. Per Hand ver-

listing 3

01 # ‐*‐ coding: utf‐8 ‐*‐

02

03 namensliste = ["Meier",

"Müller", "Schulze", "mayer"]

04 variantenliste = ["Meier",

"Meyer", "Maier", "Mayer"]

05 for eintrag in namensliste:

06 if eintrag in

variantenliste:

07 print(eintrag)

listing 4

01 # ‐*‐ coding: utf‐8 ‐*‐

02

03 import re

04 namensliste = ["Meier",

"Müller", "Schulze", "mayer"]

05 muster = re.compile('^m[ae]

[iy]er$', re.IGNORECASE)

06 for eintrag in namensliste:

07 if muster.

match(eintrag):

08 print(eintrag)

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Reguläre Ausdrücke

know-how

ursacht das einigen Aufwand,

komfortabler funktionierte es per

Regex. Um etwa alle Vorkommnisse

des Begriffes Wifi durch

WLAN zu ersetzen, reicht folgende

Zeile in Perl:

$string =~ s/Wifi/WLAN/g;

Mit dem Kommando sed wenden

Sie die Ersetzung komfortabel auf

eine komplette Datei an:

$ sed ‐‐quiet "s/Wifi/WLAN/g; w U

kopie.txt" original.txt

Die Option ‐‐quiet unterdrückt

dabei Ausgaben auf der Standardausgabe.

Der zweite Parameter

enthält durch ein Semikolon getrennte

Kommandos an Sed.

listing 5

01 #!/usr/bin/perl ‐w

02

03 my ($muster, $postcode);

04

05 $postcode = '01256';

06 $muster = '\d{5}';

07 if($postcode =~ m/$muster/)

08 {print "PLZ‐Format ist

korrekt: $postcode\n"}

listing 6

01 $muster = '#[a‐f\d]{6}';

02 $farbcode =~ m/$muster/i;

Beim Ersten davon handelt es

sich um einen regulären Ausdruck

zur Textersetzung. Dabei steht

das Kürzel g am Ende des Regex

für „global“ und sorgt für eine Ersetzung

aller Suchtreffer (Wifi),

die in der Datei original.txt vorkommen.

Den korrigierten Text

speichert Sed mittels des zweiten

Kommandos (w für „write“) in der

Datei kopie.txt, das Originaldokument

bleibt unverändert. Translationen

gelingen in Perl mit tr anstelle

von s. Um beispielsweise

alle Kleinbuchstaben durch Großbuchstaben

zu ersetzen, genügt

folgender Aufruf:

$string =~ tr/[a‐z]/[A‐Z]/;

Bei Sed heißt das entsprechende

Kommando y und kann nicht nur

einzelne Buchstaben, sondern

auch ganze Zeichenketten gleicher

Länge ersetzen.

01

listing 7

Reguläre Ausdrücke helfen dabei,

komplizierte Aufgaben bei der

Verarbeitung von Zeichensequenzen

wesentlich zu vereinfachen.

Mit vergleichsweise wenig Aufwand

lassen sich Textsuche und

Ersetzung realisieren.

Regex für Profis

Reguläre Ausdrücke haben sich zu

einer Wissenschaft entwickelt:

Ein tieferes Verständnis dieser

Materie vermittelt das als Standardwerk

zum Thema geltende

„Mastering Regular Expressions“

von Jeffrey E.F. Friedl [6]. Daneben

eignet sich „Sed und Awk“

von Dale Dougherty und Arnold

Robbins [7] als weiterer höchst

informativer Lesestoff. (jlu) n

DER AutoR

Frank Hofmann hat Informatik

an der TU

Chemnitz studiert.

Derzeit arbeitet er in

Berlin im Open-

Source-Expertennetzwerk

Büro 2.0 als

Dienstleister mit Spezialisierung

auf Druck

und Satz. Er gehört

zur Linux User Group

Potsdam (upLUG).

info

[1] Häufigste Nachnamen in Deutschland: http:// de. wikipedia. org/ wiki/ Liste_der_

häufigsten_Familiennamen_in_Deutschland

[2] „Python Regular Expression HOWTO“: http:// docs. python. org/ howto/ regex. html

[3] Modul re (Python): http:// docs. python. org/ library/ re. html

[4] „Perl Regular Expressions“:

http:// www. troubleshooters. com/ codecorn/ littperl/ perlreg. htm

[5] „How to Find or Validate an Email Address“:

http:// www. regular-expressions. info

[6] Regex von A bis Z: Jeffrey E.F. Friedl, „Mastering Regular Expressions“,

O’Reilly 1996, ISBN 978-0596528126

[7] Regex in Sed und Awk: Dale Dougherty und Arnold Robbins, „Sed und Awk“,

O’Reilly 1997, ISBN 1-56592-225-5

[8] POSIX-Standard: http:// standards. ieee. org/ develop/ wg/ POSIX. html

[9] ICANN: http:// www. icann. org/ en/ tlds/

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