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unilink

April 2009

175-Jahr-Jubiläum:

Klimawandel-Spuren im

Wald

. . . . . . . . . . . . . . . . . 3

Hirnforschung:

Glück ist relativ

. . . . . . . . . . . . . . . . . 11

Psychologie:

Suizide verhindern

. . . . . . . . . . . . . . . . . 14

DIE NACHRICHTEN DER UNIVERSITÄT BERN


175-Jahr-Jubiläum

Veranstaltungen

Kurznachrichten

1.5.–3.5.2009, ab 10.00 Uhr

Geschichte, Kunst & Kultur

Bern – Amerika: einfach! Berner

Auswanderer nach Nordamerika

Ausstellung im Schlossmuseum Thun

4.5.2009, 18.00–19.30 Uhr

Weitere Aktivitäten: Wissenschaftscafé

Vom Abbrechen der Brücken: Berner

Auswanderer

Podiumsgespräch

Vom 9.5. bis 25.6

Klima

Wald 2050. Klimawissen vor Ort

Die Waldexkursionen im Mai finden am

9.,14.,15., 16., 20., 30. und 31. Mai in

Bern (Gurten), Interlaken (Kleiner Rugen),

La Neuveville, Heimberg (Hartlisberg),

Frutigen (Schlafegg) und Gantrisch

(Gäggersteg) statt.

5.5.2009, 18.00 Uhr

Weitere Aktivitäten: StattLand-Rundgang

Bern studiert. Wo sich die Uni

einquartiert

Führung

7.5.–9.5.2009, 10.00–18.00 Uhr

Medizintechnik

Moderne Chirurgie live erleben.

Operations-Simulationen

Ausstellung

8.5.–10.5.2009, ab 10.00 Uhr

Geschichte, Kunst & Kultur

Bern – Amerika: einfach! Berner

Auswanderer nach Nordamerika

Ausstellung in der Alten Mühle Langenthal

8.5.2009, 16.00–17.30 Uhr

Geschichte, Kunst & Kultur

Architekturgeschichte: Vom Bühlplatz

zur Unitobler

Führung

15.5.–24.5.2009, 09.00–18.00 Uhr

Weltraum

Sonderausstellung BEA/PFERD:

Gastland Universum

Ausstellung

15.5.–24.5.2009, 09.00–18.00 Uhr

Public Governance

Smartvote. Welche Partei passt

zu mir?

Ausstellung

15.5.2009, 16.00–17.30 Uhr

Geschichte, Kunst & Kultur

Architekturgeschichte: «Exakte

Wissenschaften und Engehalde»

Führung

18.5.2009, 18.00–19.30 Uhr

Weitere Aktivitäten: Wissenschaftscafé

Ist die Weltraumforschung am Ende?

Podiumsgespräch

19.5.2009, 18.00 Uhr

Weitere Aktivitäten: StattLand-Rundgang

Bern studiert. Wo sich die Uni

einquartiert

Führung

28.5.–30.5.2009, 10.00–18.00 Uhr

Medizintechnik

Moderne Chirurgie live erleben.

Operations-Simulationen

Ausstellung

29.5.2009, 17.15–18.00 Uhr

Weitere Aktivitäten: Kinderuni

Rettender Roboter

Vorlesung

Die genaueren Angaben finden Sie

auf der Jubiläums-Homepage:

www.175.unibe.ch

(www.agenda175.unibe.ch)

Interner Jubiläums-Blog:

http://blog175.unibe.ch

«Uni-Schtei»

Eine Skulptur in 175 Tagen

Der Universitätssport bietet Studierenden

und Angestellten der Uni Bern ein vielseitiges

Angebot. Jährlich resultieren daraus

über 150 000 Kurs- und Trainingsbesuche.

Das Jubiläumsprojekt «Uni-Schtei» macht

diese grosse Zahl sicht- und erlebbar.

Während 175 Tagen sind die Uni-Sportlerinnen

und -Sportler eingeladen, bei jedem

Trainingsbesuch einen Stein mitzubringen

und diesen in die Sammel-Behälter einzuwerfen.

Nach Ablauf der Frist am 20.

Oktober wird mit der Steinsammlung ein

Boulder zum Freiklettern konstruiert – der

«Uni-Schtei». Dieser erweitert die Aussenanlage

des Zentrums für Sport und Sportwissenschaft

(ZSSw) und erinnert so an

das Jubiläumsjahr.

www.175.unibe.ch/de/aktivitaet/unisport.

html

Ausstellungen an der BEA/PFERD

Abenteuer Forschung

Neben der grossen Sonderausstellung

«Gastland Universum» zum Thema «Weltraum»

und einem Stand zu

«Smartvote»und anderen Online-Instrumenten

präsentiert sich die Universität an

der diesjährigen BEA/PFERD auch als

Ganzes. Dies tut sie einerseits mit der

Ausstellung «Abenteuer Forschung. Eine

Reise im Dienst der Gesellschaft», andererseits

mit einer Reihe von Kurzvorträgen.

Die Ausstellung, die bereits mit grossem

Erfolg am Fakultätstag gezeigt wurde,

thematisiert Forschung ganz allgemein

und Forschung an der Universität Bern im

Speziellen. Dabei wird den Fragen «Was

ist Forschung?» und «Was bringt

Forschung?» nachgegangen. Wissenschaftlerinnen

und Wissenschaftler

kommen zu Wort und berichten über die

verschiedenen Etappen ihrer Arbeit: von

ihren Zielen, von Begegnungen unterwegs

und den Ergebnissen ihrer Tätigkeiten.

Weitere Informationen zu den Ausstellungen

und Vorträgen unter:

www.175.unibe.ch und www.beapferd.ch

Uni-Fest: «DAS Fest»

Helferinnen und Helfer gesucht!

Am 6. Juni ab 18 Uhr feiert die Universität

gemeinsam mit den Studierenden an vier

Standorten in der Länggasse ein grosses

Fest. Für den Ablauf am Abend und den

Auf- und Abbau braucht es viele tatkräftige

Hände, die mit anpacken. Es wäre

schön, wenn vor, während und nach dem

Fest möglichst viele Mitarbeitende

gemeinsam mit den Studierenden helfen,

dieses Fest zu einem Erfolg zu machen.

Zudem möchten wir gerne eine Mitarbeitenden-Bar

betreiben. Auch dafür brauchen

wir Helferinnen und Helfer. Bitte

melden Sie, was Sie gerne tun würden

und in welcher Zeitspanne. Wir freuen uns

auf eine rege Beteiligung und bitten um

baldige Rückmeldung unter:

anmeldung@gs.unibe.ch.

Fotogalerie und Audio-Dateien

Die Jubiläums-Eröffnungsveranstaltung

gibt es in Bild und Ton nachzusehen und

-zuhören. Auch die Fotogalerie zum Fakultätstag

weckt schöne Erinnerungen.

www.175.unibe.ch/de/jubilaeum/eroeffnung.html

und www.175.unibe.ch/de/

fakultaetstag.html

2 unilink April 2009


175-Jahr-Jubiläum

Palmen am See – Kirschlorbeer im Wald

Förster und Botanikerinnen leiten Exkursionen im gesamten Kanton

Bern, um Interessierten den vielfältigen Lebensraum «Wald» und die

Zeichen des Klimawandels zu zeigen. Der Biologe Beat Fischer koordiniert

die Waldbegehungen zum Universitäts-Jubiläum.

Unilink: Herr Fischer, die Klimaveränderung

ist in aller Leute Munde. Wo

sieht man ihre Spuren im Wald?

Beat Fischer: Generell können wir feststellen,

dass das Austreiben der Blätter

früher stattfindet. Dadurch verlängert sich

die Vegetationszeit. Zudem verschiebt sich

die Waldgrenze nach oben. In den von

Fichtenwäldern dominierten Voralpen

nehmen Laubbäume wie Bergahorn und

Esche stark zu. Weiter sind zunehmend

Schäden durch Insekten sichtbar, die auf

die Temperaturerhöhung sowie häufigere

Trockenperioden zurückgehen. Glücklicherweise

sieht man jedoch noch nicht

allzu viele Zeichen des Klimawandels in

den Berner Wäldern, da die klimatischen

Verhältnisse hier ziemlich ausgewogen

sind. Daher treten die Veränderungen

schleichend und weniger ausgeprägt auf.

Wo sieht man die Auswirkungen des

Klimawandels deutlicher?

In den Teilen der Schweiz mit extremeren

Temperaturverhältnissen sind die Folgen

der Klimaveränderung schneller und besser

sichtbar. Im Wallis beispielsweise sterben

die Waldföhren ab, weil die Sommer

immer heisser und trockener sind. Die

Föhren leiden unter Wassermangel und

werden im geschwächten Zustand leichter

von Schadinsekten und Pilzen befallen.

Auch die zunehmende Verbreitung der

parasitären Mistel setzt den Föhren zu.

Was passiert im Tessin, der Sonnenstube

der Schweiz?

Im südlichen Tessin sind mildere Winter

und weniger Frosttage dafür verantwortlich,

dass sich exotische immergrüne Laubgehölze

wie die Chinesische Hanfpalme

ausbreiten. Ursprünglich als Gartenpflanzen

kultiviert, haben sie sich nun

entlang der Tessiner Seen angesiedelt.

Aber auch nördlich der Alpen ist diese

Das Projekt «Wald 2050» wird in Zusammenarbeit

mit dem Amt für Wald des

Kantons Bern durchgeführt und unterstützt

durch die Burgergemeinde Bern.

Entwicklung punktuell zu beobachten. Der

Kirschlorbeer, eine Zierpflanze, hat sich

beispielsweise im Bürgwald bei Spiez einen

Platz erobern können. Dort herrscht durch

die Nähe zum Thunersee ein mildes Klima.

Wie sieht unser Wald in 50 Jahren aus?

Die für den Wald besonders wichtigen

klimatischen Veränderungen sind: Es wird

künftig wärmer, im Sommer fallen weniger

Niederschläge, und extreme Wetterereignisse

wie Herbst- und Winterstürme oder

Hitzewellen nehmen zu. Im Schweizer

Mittelland führen diese Veränderungen zu

einem Klima, wie es im mediterranen

Raum vorherrscht. Es ist wahrscheinlich,

dass die Buche in den tiefsten Lagen der

Schweiz von Arten wie Eichen, Föhren und

Kastanien verdrängt wird, die besser an

die Trockenheit angepasst sind. Die Buche

wird wohl in höhere Lagen ausweichen

und dort die Fichte konkurrenzieren.

Welche weiteren Einflüsse bestimmen

neben dem Klimawandel den Wald der

Zukunft?

Faktoren wie die Schadstoffkonzentration

und die menschliche Landnutzung spielen

ebenfalls eine wichtige Rolle bei den

Veränderungen. Da sich die heimische

Flora aus vielen verschiedenen Arten

zusammensetzt und wir Standorte in

unterschiedlichen Höhen haben, wird uns

wohl jedes Gehölz erhalten bleiben. Allerdings

dürfte sich die Zusammensetzung

der Arten am ursprünglichen Standort

verändern, da einige Baumsorten und

Sträucher «kränkeln» und neue, besser

angepasste Konkurrenten auftauchen.

Wie können wir dazu beitragen, dass

der Wald trotz des Klimawandels

möglichst gesund bleibt?

Da jede Baumart anders auf Veränderungen

reagiert, ist es sinnvoll, die Vielfalt

zu erhöhen und so das Risiko des

Verschwindens einer Art zu verteilen.

Zudem können Käfer einen Mischwald

nicht so schnell angreifen wie eine Monokultur.

Am stabilsten sind strukturreiche

und altersdurchmischte Wälder. Das Ziel

Früher ein beliebter Gartenstrauch, heute auch

in einigen Wäldern heimisch: der Kirschlorbeer.

sind naturnahe Wälder und die Einschränkung

von wirtschaftlichen Interessen. Man

muss dem Wald die nötige Zeit geben und

beispielsweise nicht nur Fichten pflanzen,

weil diese schnell wachsen und dementsprechend

schnell geschlagen und verarbeitet

werden können.

Was sieht man auf den Waldbegehungen,

die anlässlich des Uni-Jubiläums

an verschiedenen Standorten im

Kanton Bern angeboten werden?

Es geht darum, den Besuchern die Augen

zu öffnen. Sie sollen den Wald in der

nahen Umgebung besser kennenlernen:

Was wächst hier, natürlicherweise oder

gepflanzt? Wo sieht man klimatische

Veränderungen? Was bedeutet der Klimawandel

für diesen Wald? Welche Prognosen

kann man in Bezug auf das Klima

machen? Wir möchten die Leute sensibilisieren

für den Wald, das beliebteste Erholungsgebiet

der Berner, und für die Veränderungen

im Zuge des Klimawandels.

Interview: Salomé Zimmermann

Die Waldexkursionen finden an Standorten

vom Berner Jura bis ins Oberland statt.

Angaben zu Orten und Daten: www.175.

unibe.ch/de/klima/wald.html

Inhaltsverzeichnis

175-Jahr-Jubiläum. . . . . . . 2

Köpfe und Karrieren . . . . . . 9

Nachrichten und Namen . . . . . . . 11

Kurznachrichten . . . . . . . 16

Tipps und Termine . . . . . . . 18

Neu erschienen . . . . . . . 19

unilink April 2009

3


175-Jahr-Jubiläum

Operations-Simulationen: Der PC wird zum Assistenzarzt

Mit der Schlüsselloch-Chirurgie werden

heute minimal invasive Operationen

durchgeführt. Was es dazu braucht? Einen

Chirurgen, einen Computer, Instrumente

und eine entsprechende Software, wie sie

an der Uni Bern entwickelt wird.

Marc Puls führt die Operationsnadel in die

Nasenöffnung des Schädels hinein, der vor

ihm auf dem Pult liegt – die Demonstration

beginnt. Doch der Schädel scheint

den Softwareentwickler nicht zu interessieren,

er blickt konzentriert auf den

Monitor, der daneben steht: Auf dem Bildschirm

leuchtet weiss der Knochen aus vier

verschiedenen Perspektiven, und darüber

schiebt sich langsam die Nadel, die Puls in

der Hand hält. Es ist beeindruckend –

bildet der Computer doch eins zu eins ab,

was auf dem Pult und später auf dem

Operationstisch passiert. Diese am

«ARTORG Center for Biomedical Engineering

Research» der Universität Bern entwickelte

Navigationssoftware macht minimal

invasive Hightech-Operationen möglich,

zum Beispiel die Entfernung von Tumoren

im empfindlichen Nasenraum.

Bild und Realität sind deckungsgleich

Marc Puls erklärt anhand einer fiktiven

Operation die neue Technologie, welche

die Brücke zwischen Computer und Skalpell

schlägt: In einem ersten Schritt

werden die Informationen aus den vorher

angefertigten Tomografien, 3-D-Röntgenbildern

des Patienten, in den Computer

geladen. Damit stehen alle Daten des

Schädels digital bereit. Liegt schliesslich

der Patient in corpore auf dem Operationstisch,

wird der Computer-Schädel mit

dem echten Schädel in Übereinstimmung

gebracht. Dazu wird am Patienten

während der Operation ein mit Referenzmarkern

versehenes Kunststoff-Mundstück

fixiert. Anhand dieser vier fixen Marker,

die von einer Kamera laufend verfolgt

werden, überträgt die Software alle Daten

aus den Tomografien und Live-Aufnahmen

in ein übereinstimmendes Koordinatensystem.

«Als Resultat dieser Berechnungen

bewegt sich der Schädel auf dem Monitor

Das Projekt «Operations-Simulationen»

wird unterstützt durch die Berner

Kantonalbank BEKB l BCBE.

Hochpräzise Instrumente unterstützen die Hand des Arztes und

ermöglichen die so genannte Schlüsselloch-Chirurgie.

synchron mit dem echten Kopf», sagt

Informatiker Marc Puls. Dasselbe geschieht

mit den Operations-Instrumenten, die

ebenfalls mit Referenzmarkern ausgestattet

sind und sich auf dem Bildschirm

analog bewegen wie in Realität.

Für jedes Gelenk ein Programm

«Die Abweichungen zwischen Echt- und

Digitalbild sind kleiner als ein Millimeter»,

erklärt Professor Stefan Weber, Leiter der

Abteilung «Institute for Surgical Technology

& Biomechanics» am ARTORG-Center.

Für delikate Operationen wie im Hals-

Nasen-Ohren-Bereich sei eine solche

Genauigkeit unbedingt erforderlich. «Diese

neuen Technologien aber ersetzen nicht

etwa den Chirurgen, sondern unterstützen

ihn», betont Weber. Zurzeit sind rund 16

verschiedene Navigations- und Planungssysteme,

die am ARTORG-Center entwickelt

wurden, in den europäischen und

amerikanischen Operationssälen im

Einsatz.

Die Bewegung wird animiert

Ein weiterer Schwerpunk der ARTORG-

Abteilung ist die Entwicklung von Diagnose-Software:

Trickfilmartig können die

Informatiker Bewegungsabläufe von

Gelenken eines Patienten digital abbilden.

Auch dieser Technologie liegen die Tomografien-Daten

eines Patienten zugrunde,

die mithilfe von Software-Applikationen

animiert werden können. «Ein Orthopäde

kann somit vor der Operation anhand des

digitalen Bewegungsablaufs nachvollziehen,

an welcher Stelle beispielsweise

ein Oberschenkelknochen in der Hüfte

blockiert wird», erklärt Marc Puls. Eine

wertvolle Hilfe bei der Diagnose von Hüftbeschwerden.

Bettina Jakob

Operations-Simulationen live erleben

Ein Schwerpunktthema des 175-Jahr-Jubiläums

ist die Medizintechnik. Eine

Wanderausstellung an verschiedenen

Standorten im Kanton Bern zeigt die vielfältigen

Tätigkeiten der Universität Bern

in der Forschung und Entwicklung der

Medizintechnik. Anhand von Eingriffen in

Bauchraum und Schädel wird demonstriert,

wie chirurgische Navigationsgeräte

und intelligente Instrumente in der Praxis

angewendet werden. Als besondere

Attraktion können Besucherinnen und

Besucher selber Hand anlegen und

verschiedene chirurgische Technologien

ausprobieren. Wo und wann Interessierte

bei den Operations-Simulationen dabei

sein können unter:

www.175.unibe.ch/de/medizintechnik/

operation.html

4 unilink April 2009


175-Jahr-Jubiläum

Die Gebäude der Uni: Vom Barock bis in die Moderne

In Bern ist in den letzten 100 Jahren eine Universität entstanden,

die konsequent mit ihrer Stadt verbunden ist. Das Institut für Kunstgeschichte

hat die bauliche Entwicklung der Universität Bern aufgearbeitet.

Entstanden ist fürs 175-Jahr-Jubiläum ein reich bebildertes

Buch, das zeigt, was alles gebaut – und auch nicht gebaut wurde.

«Die Uni Bern setzt sich von anderen

Universitäten ab, da sie ein offener Stadtcampus

ist», sagt Bernd Nicolai vom

Institut für Kunstgeschichte, zusammen

mit Anna Minta und Markus Thome

Herausgeber des Architektur-Buchs. Die

Integration der Universität in die Stadt sei

heute immer noch bedeutsam. Das Buch

«Stadt Universität Bern – 175 Jahre Bauten

und Kunstwerke», welches im Rahmen des

175-Jahr-Jubiläums erschienen ist, zeigt

die bauliche Entwicklung der Universität:

Sie ist durch ihre Vielfalt geprägt und

umfasst unterschiedliche Bauten vom 18.

Jahrhundert bis in die Gegenwart. «Gute

Architektur schafft Identität, und diese ist

wichtig für die Universität Bern», betont

Rektor Urs Würgler. Im einzigen offiziellen

Buch zum Jubiläum werden 28 ausgewählte

Bauten vorgestellt. Im Essayteil

wird die facettenreiche Bau- und Kunstgeschichte

der Universität aus unterschiedlichen

Perspektiven beleuchtet. «Haben Sie

schon einen Blick auf die Bauten der Uni

geworfen?», fragt Nicolai, «es lohnt sich.»

Eine Architektur-Zeitreise

1834 wurde die Universität Bern unter

dem Motto «Freiheit von Forschung und

Lehre» gegründet. 1873 wies Bern den

höchsten Frauenanteil von Studierenden in

der ganzen Schweiz und Europa auf. 1909

erhielt der Berner Theodor Kocher den

Nobelpreis für Medizin. Die Architektur

der Unigabäude hat hingegen bescheiden

begonnen: Die Universität richtete sich in

alten Bauten ein, da das Budget knapp

war und es noch kein festgelegtes Architekturkonzept

gab. Die Studierenden

besuchten im alten Kloster, beim heutigen

Casino, und in den Institutsgebäuden rund

um den Bühlplatz ihre Vorlesungen. In den

«Stadt Universität Bern – 175 Jahre

Bauten und Kunstwerke» ist im Haupt-

Verlag erschienen und im Handel erhältlich.

Unterstützt wurde das Projekt von

der REHAU-Gruppe in Muri bei Bern.

1880er Jahren begann der Bau des Inselspitals,

welches damals als hochmodern

galt, und der klinischen Institute am Bühlplatz.

«Diese Nutzbauten in der so

genannten Backsteinarchitektur stehen für

die Spezialisierung der medizinischen

Forschung und können mit Bauten in

Wien, Strassburg und Berlin verglichen

werden», erläutert Nicolai. Zu Beginn des

20. Jahrhunderts überschritt die Studierendenzahl

in Bern erstmals die Tausendergrenze

– ein neuer Bau wurde notwendig.

Das Bau-Motto für das Hauptgebäude der

Universität lautete «Keine Experimente» –

so wurde das Hauptgebäude in grossartiger

Lage und als Gegenstück zum

Bundeshaus im Stil des Neobarock gebaut.

Im Stil des «Neuen Bauens»

Die Berner Architekten Otto R. Salvisberg

und Otto Brechbühl errichteten 1929 bis

1931 ein Institutsgebäude für die Naturwissenschaften

an der Baltzerstrasse im

Länggassquartier. Für die damalige Zeit

waren diese Institutsbauten revolutionär

und galten als moderne Bauereignisse.

Dieser festungsähnliche Sichtbetonbau ist

gekennzeichnet durch den Terrassentyp,

die markanten Riegel und den Purismus –

er bildete eine neue Repräsentations-

Architektur. «Die farbigen Innenräume

waren als Kontrast zum äusseren Erscheinungsbild

zu verstehen», erklärt Nicolai.

Das Gebäude der Exakten Wissenschaften

auf der Grossen Schanze und das Tierspital

in der hinteren Länggasse wurden von

Berner Architekten gestaltet und sind typische

Beispiele der Architektur aus der

Nachkriegsmoderne.

Sieben Musen für die Ex-Schoggifabrik

«In den 1980er Jahren bestimmten die

Umnutzung und der Umbau bestehender

Bauten die Universitäts-Architektur», so

Nicolai. Der Grosse Rat kaufte das Gelände

der ehemaligen Tobler-Schokoladenfabrik

und siedelte dort universitäre Institute an.

Die preisgekrönte Unitobler wird heute als

«Stadtcampus» wahrgenommen. Die

Ein reich bebildertes, 264-seitiges Architektur-

Buch zu den Bauten der Universität Bern.

letzten grossen Projekte bilden einerseits

die UniS, das ehemalige Frauenspital an

der Schanzeneckstrasse. Andererseits der

anspruchsvolle Umbau auf dem VonRoll-

Areal in der Fabrikstrasse, wo die alte

Weichenbauhalle zurzeit in ein modernes

Hörraumzentrum für Studierende umgebaut

wird.

Bernd Nicolai hält fest, dass die Entwicklung

der Stadtarchitektur und diejenige

der Universitätsbauten untrennbar miteinander

verbunden sind. Altes werde wohl

auch in Zukunft für Neues wieder

verwendet.

Nathalie Neuhaus

Architekturgeschichtliche Führungen

Die Universität veranstaltet im Jubiläumsjahr

architekturgeschichtliche Führungen,

jeweils freitags um 16 Uhr. Im Mai an

folgenden Daten zu folgenden Themen:

8. Mai: «Vom Bühlplatz zur Unitobler»,

Treffpunkt: Bühlplatz

5. Mai: «Exakte Wissenschaften und

Engehalde», Treffpunkt: Hauptgebäude


www.175.unibe.ch/de/gkk/architektur.

html

unilink April 2009

5


175-Jahr-Jubiläum

Mittelalterliche Handschriften – der «Berner Parzival»

In der Zentralbibliothek werden unter dem Titel «Schachzabel,

Edelstein und der Gral» kostbare Handschriften aus dem

Mittelalter ausgestellt. Von der «Berner Parzival»-Abschrift ist

zudem ein Digitalfaksimile auf DVD entstanden.

Der «Parzival» Wolframs von Eschenbach

gehört zu den bedeutendsten Erzählungen

des europäischen Mittelalters. Eine der

kostbaren Handschriften des «Parzival»

bewahrt die Burgerbibliothek Bern auf. Sie

ist Mittelpunkt einer Ausstellung, die das

Institut für Germanistik zusammen mit der

Burgerbibliothek und der Universitätsbibliothek

im Rahmen des 175-Jahr-Jubiläums

erarbeitet hat. Gleichzeitig erscheinen als

Ausstellungskatalog der erste Band der

neuen Schriftenreihe «Passepartout» der

Burgerbibliothek und ein elektronisches

Faksimile des «Berner Parzival».

«Schachzabel, Edelstein und

der Gral»

Mittelalterliche Bücher (Codices) üben

einen besonderen Reiz auf den modernen

Betrachter aus: Einband, Beschreibstoff

und Schrift verweisen auf eine vergangene

Epoche, in der Bücher aufgrund ihres

aufwendigen Herstellungsprozesses einen

beträchtlichen Wert darstellten. Sie waren

kein Alltagsgegenstand, entsprechend war

auch der Leserkreis ein exklusiverer als

heute. Im Spätmittelalter nahm die

Produktion volkssprachlicher Texte stark zu

und es etablieren sich neue Gattungen.

Neben dem Versroman, der ab dem späten

12. Jahrhundert zunächst an den Höfen in

Mode kam, bildeten sich allmählich Frühformen

des modernen Prosaromans

heraus. Rasch verbreiteten sich auch

didaktische Texte, die das Publikum zu

belehren und zu unterhalten suchten.

Noch häufiger entstanden geistliche Texte,

darunter Predigten und erbauliche

Schriften, die Glaubensinhalte vermittelten.

Diese Schriften des 14. und 15.

Jahrhunderts spiegeln nicht nur die literarischen

Vorlieben eines vorwiegend städtischen

Publikums, sie künden auch den

Medienwechsel von der Handschriften- zur

Druckkultur an.

Im Mittelpunkt der aus den Schätzen der

Das Projekt wird unterstützt durch die

Ernst Göhner Stiftung, die Burgerbibliothek

Bern und die Burgergemeinde Bern.

Darstellung der bekannten Blutstropfenszene:

Parzival erinnert sich

beim Anblick von drei Blutstropfen

im Schnee an seine Gemahlin.

Burgerbibliothek Bern vorgestellten Handschriften

steht der «Berner Parzival». Im

Jahre 1467 vom Berner Twingherr Jörg

Friburger erworben, ist sie die letzte heute

erhaltene Abschrift des im ganzen Mittelalter

so beliebten Gralromans. Gegenüber

dem ursprünglichen Versroman, den

Wolfram von Eschenbach um 1200

verfasst hat, weist das Berner Manuskript

sprachliche und inhaltliche Modernisierungen

auf. Zusammen mit dem umfangreichen

Illustrationszyklus liefert es damit

eine neue Deutung des Geschehens mit

zeitgenössischer burgundischer Prägung.

Didaktische Absichten verfolgen die Fabelsammlung

«Der Edelstein» des Berner

Mönchs Ulrich Boner und das «Schachzabelbuch»

Konrads von Ammenhausen.

Während Boner an Beispielen aus dem

Tierreich richtige und falsche Verhaltensweisen

vorführt, entwickelt Konrad

anhand des beliebten Schachspiels ein

Modell, welches das Zusammenwirken der

Gesellschaft erklärt.

Neue Schriftenreihe

Die zur Ausstellung erschienene Begleitpublikation

– gleichzeitig der erste Band

der neuen Schriftenreihe «Passepartout»

der Burgerbibliothek Bern – erschliesst

Aspekte der spätmittelalterlichen Manuskriptkultur

anhand der in Bern erhaltenen

Sammlung. Vorgestellt werden ausgewählte

Handschriften und die darin überlieferten

Texte vor dem Hintergrund ihres

geschichtlichen Umfelds. Der Band ist

reich bebildert und bibliophil gestaltet.

Digitalfaksimile des «Parzival»

Das anlässlich der Ausstellung auf DVD

erscheinende Digitalfaksimile eröffnet vielfältige

Einblicke in die «Berner Parzival»-

Handschrift. Der Datenträger bietet

Farbabbildungen in veränderbaren Grössen

sowie eine Volltranskription, welche die

Lektüre der spätmittelalterlichen Schriftzüge

erleichtert. Eine ausführliche Einleitung

in elektronischer und gedruckter

Form stellt die geschichtliche und mediale

Eigenart des Berner Codex in allgemein

verständlicher Sprache vor.


Matthias Abplanalp

Ausstellung, Buch und DVD

Die Ausstellung «Schachzabel, Edelstein

und der Gral» ist – ergänzt durch

Führungen und Vorträge – im Ausstellungsraum

der Zentralbibliothek an der

Münstergasse 63 bis zum 29. August zu

besichtigen.

Das Buch zur Ausstellung und die DVD

des «Berner Parzival» sind im Buchhandel

und im Lesesaal der Burgerbibliothek Bern

erhältlich.

www.175.unibe.ch/de/gkk/parzival.html

www.ub.unibe.ch/content/veranstaltungen/ausstellungen

6 unilink April 2009


175-Jahr-Jubiläum

Der Fakultätstag in Bildern

Die vielen Wissensdurstigen kamen voll auf

ihre Rechnung: Am Fakultätstag erhielten

Jung und Alt an über 80 Veranstaltungen einen

faszinierenden Einblick in die Wissenschaft.

Germanistik-Studierende lasen – mit Text-Projektionen an der Wand – in

einem achtstündigen Marathon das «Nibelungen»-Lied vor.

Die «Mutzopotamier» im Schafskostüm unterhielten die zahlreichen

Besucherinnen und Besucher auf dem Tierspital-Areal.

Leiterlispiel der Abteilung für Gleichstellung: Wie Stereotype die Laufbahn

prägen.

Die Sportwissenschaften liessen alle am Seil herunter: Ein mutiger

Ausflug in die Höhe.

Helikopter des Instituts für Informatik und angewandte Mathematik vor

dem Flug über Bern.

Mathematik – ein Spiel. Rechenexperimente mit Seifenblasen und Drahtwürfel.

unilink April 2009

7


175-Jahr-Jubiläum

Der Fakultätstag in Bildern

Zum Unisport-Angebot gehört auch das Tanzen – einige Kostproben

davon gabs vor der Uni Tobler.

Vaterschaft, ein Drama. Schauspiel in 3 Akten

zum Schweizer Abstammungsrecht.

Im Tierspital ist der Stoffhund ein geduldiger Patient.

Forscher zeigen, mit welchem Instrument sie Eisbohrkerne für die

Klimaanalyse gewinnen.

Naturwissenschaft: Steine schleifen für die Forschung

«CSI Bern» alias Institut für Rechtsmedizin: Im Einsatz für die

Gerechtigkeit.

8 unilink April 2009


Köpfe und Karrieren

Neue Professoren

Urs Wiesmann

Ausserordentlicher Professor für

Geographie

Aurel Perren

Ordentlicher Professor für Pathologie

Peter W. Marx

Ausserordentlicher Professor für Theaterwissenschaft

Auf den 1. Februar 2009 ist Urs Wiesmann

zum ausserordentlichen Professor für

Geographie, insbesondere nachhaltige

Regionalentwicklung, gewählt worden. Die

neue Professur wurde im Zusammenhang

mit dem universitären Schwerpunkt

«Nord-Süd: Bewältigung des globalen

Wandels» errichtet. Damit konnte die

Thematik des Nationalen Forschungsschwerpunkts

(NFS) «Nord-Süd», den Urs

Wiesmann zusammen mit Professor Hans

Hurni seit 2001 an der Universität Bern

leitet, strukturell besser verankert werden.

Urs Wiesmann (56) hat an der Universität

Bern studiert und doktoriert und sich

vorerst auf Gebirgsforschung im Rahmen

des UNESCO Man and Biosphere

Programms in den Alpen spezialisiert. Ab

1988 verbrachte er mehrere Jahre in

Ostafrika, leitete ein interdisziplinäres

Forschungsprogramm in der Grossregion

des Mount Kenya und arbeitete an seiner

Habilitationsschrift zu Problemen nachhaltiger

Entwicklung. Seit 1992 ist er

Co-Leiter des interdisziplinären Centre for

Development and Environment (CDE),

einer Abteilung des Geographischen Instituts

der Universität Bern. Neben dem NFS

«Nord-Süd» leitet er entwicklungsorientierte

Forschungsprojekte in Ostafrika,

Zentralasien, Südostasien, Südamerika und

den Alpen und hält eine Teilzeitprofessur

an der Universität Nairobi inne. Sein

Forschungsinteresse gilt dem Zusammenhang

zwischen globalen, regionalen und

lokalen Handlungsspielräumen bei der

Förderung ökonomisch, soziokulturell und

ökologisch nachhaltiger Entwicklung sowie

den entsprechenden inter- und transdisziplinären

Forschungsmethoden.

Als Nachfolger von Arthur Zimmermann

hat der Regierungsrat Aurel Perren auf

den 1. August zum ordentlichen Professor

für Pathologie gewählt.

Aurel Perren (39) ist in Basel und Visp

aufgewachsen und hat an der Universität

Basel Medizin studiert. Im Departement

für Pathologie des Universitätsspitals

Zürich sowie in den Instituten für Pathologie

Liestal und Baden wurde er zum

Facharzt für Pathologie ausgebildet.

Während dieser Zeit fand er über die

Dissertation «Clonal analysis of pancreatic

endocrine tumors» den Einstieg in die

molekulare endokrine Pathologie. Nach

einem Forschungsaufenthalt im Dana-

Farber Cancer Institute 1998 hat er neben

der klinisch-pathologischen Tätigkeit im

Labor für endokrine Pathologie Zürich

weiter auf dem Gebiet der Genetik familiärer

und sporadischer endokriner Tumore

gearbeitet. 2002 wurde Aurel Perren

Oberarzt am Departement für Pathologie

des Universitätsspitals Zürich, und 2005

habilitierte er an der medizinischen

Fakultät der Universität Zürich mit der

Arbeit «Characterization of candidate

genes in sporadic and familial endocrine

tumors». 2007 folgte Perren dem Ruf als

Professor für das Fachgebiet «Tumorpathologie»

der medizinischen Fakultät an der

Technischen Universität München. Sein

Forschungsschwerpunkt gilt der Entstehung

und molekularen Klassifikation

neuroendokriner Tumore, um über eine

«response prediction» eine individualisierte

Therapie zu ermöglichen.

Für die an der Philosophisch-historischen

Fakultät neu geschaffene ausserordentliche

Professur für Theaterwissenschaft hat

die Universitätsleitung Peter W. Marx

gewählt. Er hat seine Stelle am 1. März

angetreten.

Peter W. Marx (35) ist in Wiesbaden

aufgewachsen und hat an der Johannes

Gutenberg-Universität in Mainz Theaterwissenschaft,

Deutsche Philologie und

Publizistik studiert. 1997 erhielt er dort

seinen Magister Artium. Im Jahr 2000

folgte die Promotion zum Dr. phil. mit

einer Dissertation zum Thema «Theater

und kulturelle Erinnerung» im Rahmen des

Graduiertenkollegs «Theater als Paradigma

der Moderne». 2003 wurde er an der

Universität Mainz zum Juniorprofessor für

Theaterwissenschaft mit kulturwissenschaftlicher

Ausrichtung ernannt.

Zwischen 2004 und 2006 war er für zwei

längere Forschungsaufenthalte als Stipendiat

der Alexander von Humboldt-Stiftung

Visiting Scholar an der Columbia University

(New York City). Peter W. Marx war Gastprofessor

an der Freien Universität Berlin

sowie an den Universitäten Hildesheim

und Wien. Schwerpunkte seiner Arbeit

sind neben dem Gegenwartstheater vor

allem die Theatergeschichte des 19. und

20. Jahrhunderts sowie das Shakespeare-

Theater und dessen Rezeption.

unilink April 2009

9


Köpfe und Karrieren

N e u e F ö r d e r u n g s -

p r o f e s s U r e n

Der Schweizerische Nationalfonds vergibt

in diesem Jahr 45 Förderungsprofessuren

an ausgezeichnete Nachwuchsforschende.

Sieben davon gehen an Wissenschaftler

der Universität Bern.

Michael Griesser (Ökologie) mit dem

Projekt: «Role of life-history and ecology

in the evolution of families and kin cooperation

in birds: An experimental and phylogenetic

test of the adaptive delayed

dispersal framework»

Lukas Hintermann (Organische Chemie)

mit dem Projekt: «Next Generation Sustainable

Organic Synthesis: Catalytic CH

Transformations at Alkenes»

Dieter Kressler (Molekularbiologie) mit

dem Projekt: «Analysis of eukaryotic ribosome

biogenesis in the model system

Saccharomyces cerevisiae»

Martin Lochner (Organische Chemie) mit

dem Projekt: «Synthetic Neurochemistry –

Introduction of Biophysical Tools into Ion

Channels Using Chemical Approaches»

Nicolas Regamey (Pädiatrie) mit dem

Projekt: «Clinical impact and pathophysiological

mechanisms of rhinovirus infections

in cystic fibrosis lung disease»

Kristina Schulz (Allgemeine Geschichte)

mit dem Projekt: «Soziale Bewegungen in

Politik und Gesellschaft. Eine Wirkungsanalyse

der neuen Frauenbewegung in der

Schweiz (1968–2002)»

Simon Sprecher (Zoologie) mit dem

Projekt: «Specification of functional identity

and sensory plasticity of the Drosophila

larval eye»

N e u e P r i v a t d o z e n t e n

• Medizinische Fakultät

Johanna Anna Kremer Hovinga

für Hämatologie

Andrea Federspiel

für Psychiatrische Neurophysiologie

Urs Eichenberger

für Anästhesiologie

Oliver Baum

für Anatomie

A u f h e b u n g e i n e r

P r o f e s s u r

Eine ordentliche Professur für Pathologie

wird anlässlich der Emeritierung von Prof.

Dr. Thomas Schaffner auf den 31. August

aufgehoben. Eine weitere Professur für

Pathologie besteht und soll beibehalten

werden. Die zweite Professur wird aufgehoben,

weil die Institute für Pathologie der

Universitäten Bern und Basel in den Bereichen

«Lehre», «Forschung» und «Dienstleistung»

künftig enger zusammenarbeiten

und dadurch Synergien genutzt werden

können.

U m b e n e n n u n g

Ab sofort heisst das bisherige «Departement

Mathematik» neu «Departement

Mathematik und Statistik».

P r e i s e

Kommunikations-Software-Preis

Die GI/ITG Fachgruppe KuVS (Kommunikation

und Verteilte Systeme) vergibt im

Rahmen der Fachtagung KuVS Preise für

die beste praxisrelevante «Communication

Software», also allgemein innovative Software

für die Praxis von Kommunikation

und verteilten Systemen. Prämiert wird

innovative Software aus zwei Bereichen:

Die beste Software aus einer studentischen

Arbeit, die dieses Jahr Philipp Hurni mit

seiner Masterarbeit geliefert hat, und die

beste Software aus einem KMU, einem

Forschungsprojekt an einer Hochschule

oder einem Forschungsinstitut. Auch

dieser Preis ging 2009 an Wissenschaftler

der Universität Bern: Marc Brogle,

Dragan Milic und Prof. Dr. Torsten

Braun.

Tourismus-Preis

Das Tourismusprogramm «Kulturwege

Schweiz» wurde zum Sieger des «Wettbewerbs

nachhaltiges und innovatives Tourismusprojekt

2008 der Alpenkonvention»

gewählt. «Kulturwege Schweiz» ist ein

Projekt von «ViaStoria – Zentrum für

Verkehrsgeschichte», das ein Spin-Off der

Universität Bern ist. Seine drei Kerntätigkeiten

sind der Schutz und die Erforschung

von historischen Verkehrswegen sowie die

Förderung von deren sinnvoller Nutzung.

10 unilink April 2009


Nachrichten und Namen

Glück ist relativ

Alle jagen wir dem Glück

hinterher und sitzen dabei

einigen Irrtümern auf.

Dorothea Schaffner erklärte

an der «Woche des Gehirns»,

warum wir so oft in die

«Glücks-Tretmühle» geraten.

Die individuelle «Glücksnorm»

wird laufend den

Umständen angepasst.

Eine Person, die im Lotto gewonnen hat,

muss glücklich sein. Umgekehrt wird wohl

ein Mensch, der nach einem schweren

Unfall querschnittgelähmt ist, unglücklich

sein. So stellen wir uns gemeinhin Glück

und Unglück vor. Natürlich ist alles viel

komplizierter und vielschichtiger, wie

Dorothea Schaffner im Rahmen der

«Woche des Gehirns» an der Universität

Bern darlegte.

Neidischer Blick zum Nachbarn

Die Referentin von der Hochschule Luzern

erklärte, dass das subjektive Glücksempfinden

von einer im Gedächtnis verankerten

Norm abhängt. Von dieser individuellen

Norm ausgehend, beurteilen wir das

Geschehen und kommen zu unterschiedlichen

Schlussfolgerungen. So bewertet der

jahrelange Block-Bewohner sein Einfamilienhaus

als Erfüllung grosser Träume,

während eine andere Hausbesitzerin

neidisch auf die grössere und schönere

Villa des Nachbarn schielt. Unsere Norm ist

also entscheidend von Vergleichen – man

kann sie auch als alternative Realitäten

bezeichnen – geprägt. In der Fachsprache

ist vom «Prinzip der Relativität des Glücks»

die Rede. Gerade in der aktuellen Diskussion

um die masslosen Topmanager-Löhne

ist diese Erkenntnis aus der Sozialpsychologie

erhellend. Sie erklärt, warum so

viele Kaderleute – mit Blick auf den

Kollegen und das höhere Gehalt in einem

Woche des Gehirns

Die «Woche des Gehirns» fand 2009

bereits zum zwölften Mal statt. In der

Schweiz liessen sich an sieben Standorten,

in Bern an der Universität, interessierte

Zuhörerinnen und Zuhörer über

aktuelle Ergebnisse der Hirnforschung

informieren. Veranstalterin der «Brain

Week» ist die Europäische Dana Allianz

für das Gehirn (EDAB) mit Sitz in

Lausanne und London.

anderen Unternehmen – nach immer

grösseren Bezahlungen gieren.

Unterschätzte Anpassung

Die Lebensumstände und die jeweilige

persönliche Norm, die auf Vergleichen

basiert, beeinflussen also die Zufriedenheit.

Wie kommt es jedoch dazu, dass sich

der Lottogewinner und der Gelähmte als

ähnlich glücklich erfahren? Der Grund:

Jeder Mensch passt seine Norm laufend

den Umständen an und richtet sich an

anderen alternativen Realitäten aus. Das

Neue wird Gewohnheit, auch plötzlicher

Gewinn oder eine Krankheit. Wenn wir

jedoch die Situation anderer beurteilen,

unterliegen wir der so genannten «Fokus-

Illusion». Wir legen den Akzent auf die

Veränderung (Gewinn oder Unfall) statt

auf die erfolgte Anpassung der Betroffenen.

Folglich schätzen wir unsere

Mitmenschen als glücklicher oder unglücklicher

ein, als sie tatsächlich sind. Nicht

zuletzt wegen dieser Fehleinschätzung

treten wir laut Dorothea Schaffner im

«Hamsterrad» des Glücks – stets auf der

Suche nach dem vermeintlich Besseren. In

anderer Hinsicht ist unsere Wahrnehmung

und Meinung vom Glück ebenfalls nicht

objektiv. Person A verbringt einen zufriedenen,

gleichmässig gemütlichen Sonntag.

Die Stimmung von Person B ist am gleichen

Sonntag öfter auf dem Tiefpunkt. Sie

erlebt jedoch einmal einen Glückshöhepunkt

und rappelt sich gegen Ende des

Tages aus dem Tief hoch. Das überraschende

Resultat: Person B ist am Ende

des Sonntags glücklicher, obwohl sie

durchschnittlich bedeutend weniger

Glücksmomente erlebt hat als Person A.

Warum? Die Höhepunkte und Endpunkte

einer Episode bleiben gemäss Schaffner im

Gedächtnis haften und daraus leitet sich

das Glücks- oder Unglücksempfinden ab.

Beziehungen zum Glück

Das Glück lässt sich laut der Wissenschaftlerin

in vier verschiedene Ebenen aufteilen:

die Glücksmomente, die Zufriedenheit mit

einer Episode wie beispielsweise Ferien,

die Zufriedenheit mit einem Lebensbereich

wie einer gelungenen Partnerschaft und

schliesslich eine globale Lebenszufriedenheit.

Und gerade letztere zeigt auch die

Grenzen der vorher angesprochenen

Adaption an die Lebensumstände auf: Die

allgemeine Lebenszufriedenheit wie auch

die Wahrnehmung von Glück werden

entscheidend von der Persönlichkeit des

Betroffenen beeinflusst. Menschen, die

über stabile und positive Persönlichkeitsmerkmale

verfügen, erfahren sich unabhängig

von den Umständen als glücklicher.

In diesem Sinn: Glück ist auch vererbbar.

Neben der Persönlichkeit schränken

Extrem-Situationen die Anpassung der

individuellen Norm ein. Dazu gehören laut

Schaffner Krankheiten, die negativ

verlaufen, aber auch anhaltende Arbeitslosigkeit

oder der Verlust eines geliebten

Menschen. Studien hätten gezeigt, dass

sich die meisten Personen erst nach zehn

bis zwanzig Jahren mit dem Tod verstorbener

enger Angehöriger arrangieren.

Andere Faktoren machen trotz Adaption

glücklich: In erster Linie sind dies die sozialen

Beziehungen und die Teilnahme an

Lebensaufgaben. Deshalb machen auch

Freizeit und Schönheit, welche die sozialen

Beziehungen begünstigen, glücklich. Bei

den niederen Gehältern macht eine Erhöhung

des Lohns auch zufriedener. Ebenso

Intelligenz, da sie meistens ermöglicht, ein

Einkommen zu sichern. «Ob Sie jedoch

100 000 oder eine Million Franken pro

Jahr verdienen, hat überhaupt keinen

Einfluss auf Ihr Glück. Wenn Sie die in

Top-Positionen geforderten Überstunden

stattdessen mit Ihrer Familie verbringen,

steigert sich hingegen Ihre Zufriedenheit»,

so Schaffner.

Salomé Zimmermann

unilink April 2009

11


Nachrichten und Namen

Der Nobelpreis in Berner Händen

Theodor Kocher machte die Funktion der

Schilddrüse weltweit bekannt und gewann

dafür 1909 den Nobelpreis für Medizin. Berns

einziger Nobelpreisträger blieb lebenslang in

seiner Heimatstadt am Inselspital, obwohl

ihm hochkarätige Angebote von anderen

Kliniken und Universitäten vorgelegt wurden.

Karl Hänny schuf 1927 diese Bronzebüste von

Theodor Kocher, die beim Inselspital steht.

«Kochers Wissens- und Forschungsdrang

war enorm», sagt Ulrich Tröhler vom

Institut für Sozial- und Präventivmedizin

anlässlich der Vortragsreihe «175 Jahre

Universität Bern» der aktuellen Medizinhistorischen

Runde. Theodor Kochers

Forschungsarbeit sei durch eine aussergewöhnliche

Breite, Tiefe, Originalität und

Kohärenz gekennzeichnet. Er hat Einblicke

in damals noch unbekannte medizinische

Gebiete ermöglicht und dadurch neue

Behandlungsmöglichkeiten erschlossen.

Dank seiner Forschungserkenntnisse

gewann der Mediziner im Jahr 1909 den

Nobelpreis «für seine Arbeiten über

Physiologie, Pathologie und Chirurgie der

Schilddrüse».

Geachtet in Bern – geliebt im Ausland

1841 in Bern geboren, studierte Theodor

Kocher in Zürich, Berlin, London und Wien

und beendete 1864 sein Medizinstudium

in Bern. Im Jahr 1869 eröffnete er eine

eigene Praxis, da der Assistenzarztlohn

nicht ausreichend war. Die Forschung gab

Theodor Kocher jedoch nicht auf. Er

promovierte schliesslich an der Chirurgischen

Universitätsklinik von Bern (heutiges

Inselspital) und wirkte dort ab 1872 bis zu

seiner Emeritierung als Chirurgie-Professor.

In seiner gesamten akademischen Laufbahn

– und bis zu seinem Tod 1917 –

blieb er in Bern, obwohl ihm renommierte

Kliniken verlockende Stellenangebote

machten. Und dies, obwohl «Kocher in

Bern eher geachtet als geliebt wurde», wie

der Medizinhistoriker Tröhler ausführt.

Kochers Forschungsgebiete waren breit

gefächert: die chirurgische Technik, die

klinische Forschung, Prävention und Epidemiologie.

Besonders hervorzuheben ist laut

Tröhler Kochers Grundlagenforschung, für

die er im Labor auch Tierversuche durchführte.

Kochers Produktivität war erstaunlich:

«Er hat hat pro Jahr acht Publikationen

veröffentlicht», betont Ulrich Tröhler,

«und dies tat er noch bis ins hohe Alter.»

Meisterhafter Chirurg

Theodor Kocher erkannte als erster die

Funktion der Schilddrüse. Wie damals

üblich, entfernten er und seine Kollegen

bei Kropfbildungen und anderen

Beschwerden anfänglich die ganze Schilddrüse.

«Bei systematischen Nachuntersuchungen

bei seinen Patienten stellte

Kocher aber fest, dass die fehlende Schilddrüse

zu einer schweren Unterfunktion mit

Todesfolge führen konnte», schildert

Tröhler. Kocher merkte auch, dass bei

Kindern das Fehlen der Schilddrüse oder

deren Verkleinerung zum Stillstand des

Körperwachstums und zum Rückgang der

mentalen Fähigkeiten führte. Wichtig war

laut Tröhler, dass Kocher Fehler erkannte

und daraus lernte: Er verbesserte seine

Operationsmethode und vermied ab 1895

die komplette Entfernung der Schilddrüse.

Zudem beteiligte er sich in der Folge an

allen Aspekten der Schilddrüsen- und

Kropfforschung, auch im Hinblick auf die

Verhütung der damals weit verbreiteten

Kropfbildung. Kocher führte ebenfalls

Organtransplantationen durch, indem er

beispielsweise den Patienten die Schilddrüse

wieder einsetzte. Dieses Verfahren

wurde international aufgenommen. «Als

Kocher den Nobelpreis erhielt, hatte er

bereits 4000 Operationen an der Schilddrüse

durchgeführt», sagt Tröhler, «und

von 1000 Patienten waren nur sieben

gestorben – damals ein herausragendes

Resultat.» In Bern wurde die Tatsache,

dass Theodor Kocher den Nobelpreis

gewonnen hatte, kaum zur Kenntnis genommen.

1912 feierte er sein 40-jähriges

Jubiläum als Professor der Chirurgie und

stiftete der Universität Bern 200 000

Franken zur Förderung der medizinischen

Grundlagenforschung. Daraus ging 1950

das Berner Kocher-Institut hervor, welches

noch heute – neben Denkmälern und dem

Kocherpark – an den herausragenden

Berner Forscher erinnert.

Nathalie Neuhaus

Ein «nobler» Preis

Der schwedische Erfinder und Industrielle

Alfred Nobel legte in seinem Testament

fest, dass mit seinem Vermögen eine Stiftung

gegründet werden sollte, deren

Zinsen als Preis denen zugeteilt werden,

«die im verflossenen Jahr der Menschheit

den grössten Nutzen geleistet haben». Das

Geld sollte zu fünf gleichen Teilen auf die

Gebiete «Physik», «Chemie», «Physiologie»

oder «Medizin», «Literatur» und

«Friedensförderung» verteilt werden. Vier

Jahre nach Alfred Nobels Tod wurde am

29. Juni 1900 die Nobelstiftung gegründet

und 1901 der erste Preis verliehen. Heute

gilt der Nobelpreis als die höchste

Auszeichnung in den berücksichtigten

Disziplinen und wird jedes Jahr an Nobels

Todestag, dem 10. Dezember, verliehen.

12 unilink April 2009


Nachrichten und Namen

Alles rund um das Nichts

Der renommierte Kulturwissenschaftler

Hartmut Böhme sprach in seinem Vortrag

über den «horror vacui», den Schrecken vor

dem Nichts. Anhand des Films «2001: A Space

Odyssey» von Kubrick sowie Werken aus der

Kunstgeschichte zeigte er auf, wie sich das

Nichts theatralisieren und darstellen lässt.

Bereits vor zweitausend Jahren begann der

Mensch, sich mit dem Nichts auseinanderzusetzen.

Es bildeten sich rasch zwei

Schulen: die so genannten «Vakuisten»

und die «Plenisten». «Bis ins 17. Jahrhundert

war der Streit zu Gunsten der

Plenisten entschieden», erklärte Hartmut

Böhme. Für die Plenisten konnte und

durfte es keine Leere geben. Denn sie

dachten, dass dort, wo Schöpfung ist,

eben gerade nicht das Nichts sei. Zudem

stellte sich die höchst problematische

Frage: Falls es das Nichts gäbe, wo wäre

Gott? Schon seit der Antike versuchte

man, dem Nichts auch anhand von empirischen

Versuchen auf die Spur zu kommen.

Man machte Experimente mit Wasser und

Öl und entdeckte das Naturprinzip, dass

auf Leere meistens Fülle folgte. Im 17.

Jahrhundert gelang es schliesslich den

Vakuisten, die von der Leere ausgingen,

ihre Annahmen wissenschaftlich zu bestätigen.

Der Galilei-Schüler Torricelli konnte

als erster ein Vakuum technisch herstellen,

was in der Folge viele Wissenschaftler zu

Versuchen mit Luftpumpen anregte. Doch

wie konnte man das Nichts sichtbar

machen? «Rund ums Nichts entstand ein

regelrechtes theatrum vacui», so Böhme.

Das Weltall: ein Klangkörper

Böhme zeigte anhand von Ausschnitten

aus dem Film «2001: A Space Odyssey»

von Stanley Kubrick aus den Sechzigerjahren,

wie sehr wir heute immer noch

geprägt sind von den frühen Vorstellungen

über das Nichts. Im Film-Klassiker werden

Bilder der Weltraumforschung mit der

Ästhetik der frühen Kosmologie aus dem

17. Jahrhundert verbunden: Das Raumschiff

schwebt schwerelos zu den Klängen

des Donauwalzers von Johann Strauss auf

die Raumstation zu. Den schwarzen Raum

– ebenfalls eine Entdeckung des 17. Jahrhunderts

– stellte Kubrick mit einem

gekonnten Kunstgriff dar: Er begann

seinen Film mit einer zwei Minuten lang

dauernden Schwärze, die von Musik

Auf dem berühmten Bild von Joseph Wright of Derby ist ein Experimentator zu sehen,

der mit einer Vakuumpumpe den weissen Kakadu «sterben» und «wieder erleben» lässt.

begleitet war. Die Musik macht dabei

durchaus Sinn. Schliesslich konnte

bewiesen werden, dass das Weltall ein

Klangkörper ist. Im Film wird auch der

Schrecken, der mit dem Nichts verbunden

ist, thematisiert. Ein bösartiger Computer

im Raumschiff «ermordet» einen der

beiden Astronauten, indem er ihn nach

draussen, ins Nichts, schickt und dort

verenden lässt. Der andere Astronaut kann

sich retten und begibt sich auf einen –

ganz dem Zeitgeist entsprechenden –

psychedelischen Trip durch Raum und Zeit.

Herrscher über Leben und Tod

Im letzten Teil seiner Ausführungen zog

Böhme das berühmte Bild «Das Experiment

mit der Luftpumpe» von Joseph

Wright of Derby aus dem Jahr 1768 bei.

Auf dem Bild sind drei Generationen einer

reichen Familie versammelt, um einem

höchst dramatischen Ereignis beizuwohnen:

Es wird ein Experiment mit einer

Luftpumpe durchgeführt. Die einzigen

Lichtquellen sind eine Kerze und der

Mond. Der Experimentator mit der

blonden Mähne tritt auf wie ein Zauberkünstler

und wird, einem Gott gleich,

Herrscher über Leben und Tod. Mit der

Vakuumpumpe kann er dem weissen

Kakadu das Leben entziehen und ihn

anschliessend wieder erwecken. Die Kinder

und die Frauen schauen ängstlich oder

mitleidig – für die Forscher dieser Zeit eine

unangemessene Reaktion angesichts der

Erhabenheit des Experiments. Denn Angst

galt unter den Vakuumforschern als unreif.

Und: Was auf dem Bild dargestellt wird,

führte zu revolutionären Schlussfolgerungen:

Könnte es sein, dass die Schöpfung

eine Unterbrechung in Form einer Art

Insel ist und Gott das absolute Nichts?

Gedanken, die dem Christentum widersprachen

und später in den Nihilismus

führten.

Helen Lagger, Kunsthistorikerin und

Journalistin

unilink April 2009

13


Nachrichten und Namen

Berner Ausweg für Suizidgefährdete

Suizid verhindern: Dieses Anliegen vereint Suizidforscher und

Präventions-Expertinnen alle zwei Jahre in Aeschi bei Spiez.

Die Berner Wissenschaftler erarbeiten konkret anwendbare

Konzepte und Studien, die international beachtet werden.

Eine Publikation aus Bern trug entscheidend

dazu bei, die bei Selbstmördern

besonders beliebte Golden Gate Bridge in

San Francisco mit baulichen Massnahmen

zu sichern. Eine Studie von Thomas Reisch

und Konrad Michel über die Wirksamkeit

der Sicherungsnetze bei der Berner Münsterplattform

diente als wesentliches Argument

für die Massnahmen in San Francisco.

Die Suizidforschung in Bern, heute

im Rahmen der Universitären Psychiatrischen

Dienste Bern (UPD), hat im Laufe

der letzten Jahre zahlreiche Projekte mit

internationaler Ausstrahlung hervorgebracht.

Nicht zufällig findet auch alle zwei

Jahre in Aeschi bei Spiez ein am Patienten

orientierter Suizidpräventions-Kongress

statt. Dies bedeutet: Forscherinnen und

Experten aus aller Welt treffen sich, um

Methoden für die praktische klinische

Arbeit zu besprechen, zu verbreiten und

weiterzuentwickeln. Die Patienten können

also von den Resultaten unmittelbar profitieren.

Der fünfte Kongress fand in diesem

März zum Thema «The therapeutic

approach to the suicidal patient: New

perspectives for health professionals»

statt.

Suizidversuch als Geschichte erzählen

Der Psychiater Konrad Michel und der

Psychologe Ladislav Valach von der damaligen

Psychiatrischen Universitätspoliklinik

entwickelten in den 90er Jahren ein neues

Modell zur Erklärung von suizidalem

Verhalten. Ihr Ansatz lautet: Selbsttötung

ist eine Handlung, nicht eine Krankheit.

Ausgehend von der Handlungstheorie und

praktischen Erfahrungen mit Patienten

Verzweifelte erzählen ihren Suizidversuch.

erkannten Michel und Valach, dass suizidgefährdete

Menschen ihren Suizidversuch

am leichtesten in Form einer Geschichte

mitteilen können. Der Patient erzählt dem

Therapeuten in seinen eigenen Worten,

wie es zur Verzweiflungstat gekommen ist.

In der Fachsprache heisst diese Geschichte

«Narrativ». Die Abklärungsgespräche mit

den individuellen Geschichten der Patienten

erwiesen sich als ergiebiger und

aufschlussreicher als die Suche der Therapeuten

nach psychischen Auffälligkeiten.

Die Idee, dass die dadurch aufgebaute

gute therapeutische Beziehung das Suizidrisiko

reduziert, wurde in einer vom

Schweizerischen Nationalfonds unterstützten

Studie bestätigt.

Direkte Anwendung

Konrad Michel begann, international anerkannte

Fachleute in die Schweiz einzuladen.

Daraus entstand die «Aeschi

Working Group». Sie erarbeitete eine

gemeinsame Publikation mit Richtlinien für

Psychiater und Psychologinnen an Kliniken.

In der Folge wurde jedes zweite Jahr eine

erweiterte «Aeschi Conference» durchgeführt,

die erste mit Experten aus 16

Ländern. Eines der Markenzeichen der

«Aeschi Conferences» ist die Ausrichtung

auf die Patienten. Deshalb werden neben

Workshops vor allem auf Video aufgenommene

Patientengespräche im Plenum

diskutiert. Der Hintergrund der Rednerinnen

und Workshopleiter umfasst ein

breites Spektrum von den amerikanischen

Ostküsten-Psychoanalytikern über Vertreter

der Bindungstheorie, kognitive und Verhaltenstherapeutinnen

bis hin zu Psychiatern,

die Medikamente verschreiben. Das

«Aeschi Movement» sticht aus anderen

internationalen Suizidkongressen heraus:

Im Gegensatz zu den an herkömmlichen

Konferenzen präsentierten epidemiologischen

und neurobiologischen Studien

können die an den «Aeschi Conferences»

erarbeiteten und besprochenen Resultate

häufig direkt für die praktische Arbeit mit

suizidalen Menschen angewendet werden.

Prof. Dr. Konrad Michel und Dr. Anja

Maillart, Universitäre Psychiatrische Dienste

Berner Angebot

Wie kann man verhindern, dass sich ein

Mensch nach einem ersten Suizidversuch

später erneut umbringen will? Denn: Ein

erfolgter Versuch erhöht das Risiko für

einen späteren Suizid über Jahre hinweg

um das 60- bis 100-fache. Im Gegensatz

zu einem traditionellen medizinischen

Modell, das Suizidimpulse als Ausdruck

einer psychischen Störung sieht,

verstehen Berner Fachleute die Selbsttötung

als zielgerichtete Handlung mit einer

inneren Logik. Suizidgedanken entstehen

oft, wenn wichtige Identitäts- und

Lebensthemen bedroht sind und keine

alternative Handlungs- oder Bewältigungsstrategie

zur Verfügung steht. Ein

Suizidrisiko kann nicht einfach «wegtherapiert»

werden. Vielmehr erarbeiten

Therapeuten mit ihren Patientinnen und

Patienten Strategien im Umgang mit

zukünftigen Krisen. Konrad Michel,

Thomas Reisch und Anja Maillart haben

ein Therapieangebot namens ASSIP

(Attempted Suicide Short Intervention

Program) entwickelt, das sich spezifisch

an Personen nach einem Suizidversuch

richtet. Die wesentlichen Elemente sind

dabei: Klärung der Hintergründe einer

suizidalen Krise mit einem narrativen

Interview, daraus abgeleitet die schriftliche

Formulierung verhaltensorientierter

Massnahmen zur Vorbeugung suizidaler

Handlungen und Kontakt zum Patienten

über zwei Jahre hinweg mit regelmässigen

Briefen, welche die Patienten an

präventive Strategien erinnern, um einen

schnellen und unkomplizierten Zugang

zum «Hilfssystem» zu gewährleisten. Die

Kurzintervention ASSIP für Patienten nach

einem Suizidversuch wird in der allgemeinen

Sprechstunde der Universitätsklinik

und Poliklinik für Psychiatrie angeboten.

In Zusammenarbeit mit dem

Psychologischen Institut der Universität

Bern wird die Methode derzeit evaluiert.

www.aeschiconference.unibe.ch

Notfallnummer für Suizidgefährdete:

031 632 88 11

14 unilink April 2009


Nachrichten und Namen

Schwalben halten sich nicht an Bauernregeln

Schwalben taugen nicht als Wetterfrösche: Ihre Flughöhe

ist nicht so klar vom Wetter abhängig, wie der Volksmund

sagt. Ein Biologe aus Bern widerlegt eine Bauernregel.

«Fliegen die Schwalben in den Höh’n,

kommt ein Wetter das ist schön.» Dies ist

eine der vielen Bauernregeln, aus alten

Zeiten überliefert und bis heute in den

Alltag übertragen. Wie viel Wahrheit sie

tatsächlich beinhalten, wurde bisher selten

quantitativ überprüft. Anders sieht das

nun bei der Schwalben-Regel aus: Der

Biologe Peter Biedermann, der an der

Ethologischen Station Hasli der Universität

Bern tätig ist, kann Daten vorweisen,

welche die Regel widerlegen. Ganz kategorisch

will es Biedermann nicht formulieren

– aber: «Unsere Befunde mahnen,

Vorsicht über solche lineare Erklärungsmodelle

– wie ebendiese Bauernregel –

walten zu lassen.» Wetterprognosen

anhand von Tierverhalten seien fragwürdig,

weil dieses von vielen inneren und

äusseren Einflussfaktoren bestimmt werde.

Aus der vorliegenden Studie geht jedenfalls

klar hervor: Schwalben fliegen bei

schlechtem Wetter nicht tiefer als bei

Sonnenschein.

Der Sonnenschein ist nicht einziger

Faktor

Biedermann führte die Untersuchungen

zusammen mit seinem Kollegen Martin

Kärcher, der an der University of Sheffield

forscht, im Südweststeirischen Hügelland

in Österreich durch. An vier Standorten

von insgesamt 6.6 Hektaren Grösse registrierten

die Biologen die Aktivität der

Schwalbenkolonien; rund 350 Mehlschwalbentrupps

und 950 Rauchschwalbentrupps

wurden beobachtet. Zusätzlich

notierten die Forscher Witterungsbedingungen

wie Bewölkung, Luftfeuchtigkeit,

Luftdruck, Windstärke, Sichtweit und

Temperatur. Folgende Resultate kamen

heraus: Die Flughöhe der Rauchschwalben

ist nicht wetterabhängig – und die Mehlschwalbe

fliegt entgegen der Bauernregel

sogar signifikant tiefer, wenn die Sonne

scheint. Allerdings fällt auf, dass beide

Arten bei schlechtem Wetter – also bei

einer Bewölkung von über 50 Prozent –

aktiver im Beobachtungsgebiet unterwegs

waren. Biedermann führt dies darauf

zurück, dass die Vögel bei schönem

Wetter ihren Aktionsradius ausweiten, um

ergiebigere Nahrungsquellen zu finden.

Wie sich die Beutetiere bewegen

Schwalben passen ihre Futtersuche

offenbar sehr schnell den lokalen und

situativen Verhältnissen an. Von dieser

Beobachtung müssen auch die Verfasser

der Bauernregel ausgegangen sein, wie

Biedermann sagt – was eigentlich auch

der richtige Ansatz sei: «Bei schönem

Wetter erwartet man aufgrund der

Thermik durch die Sonneneinstrahlung,

dass die Beutetiere der Schwalben, kleine

Insekten also, höher hinauf getragen

werden. Was folgern lässt, dass auch die

jagenden Vögel höher fliegen müssten»,

erklärt Biologe Biedermann. An diesem

Punkt setze jedoch eine mögliche Fehlinterpretation

an: Die Thermik wird zwar

durch die Sonneneinstrahlung beeinflusst,

aber auch durch den vorherrschenden

Luftdruck. Und tatsächlich ist

der Luftdruck bei schönem Wetter grundsätzlich

höher, wie die Meteorologie sagt

– «allerdings nur bei beständig schönem

Wetter», fügt Biedermann an. Ist das

Wetter wechselhaft, wie es während der

Feldstudie von Biedermann und Kärcher

der Fall war, kann der Luftdruck auch bei

Sonnenschein tief sein. «Und so fliegen

die Schwalben auch bei Schönwetter mal

knapp über dem Boden.»

Bettina Jakob

Schwalben fliegen nicht

nach Volksweisheiten.

unilink April 2009

15


Kurznachrichten

Leitbilder

Personalleitbild der Universität Bern

Im April wurde allen Mitarbeitenden das

Personalleitbild der Universität Bern in

Form einer Broschüre zugestellt. Es

entspricht inhaltlich demjenigen des

Kantons Bern und soll gemäss Rektor Urs

Würgler «eine wichtige Grundlage für die

gute Führung und Zusammenarbeit

bilden». Das Personalleitbild ist eine

Ergänzung zum allgemeinen «Leitbild der

Universität Bern», das den spezifischen

Auftrag in Lehre, Forschung und Dienstleistung

abbildet. Das Personalleitbild

seinerseits zeigt auf, was der Kanton Bern

als Auftraggeber erwartet, wofür die

Mitarbeitenden einstehen und was die

Führungskräfte auszeichnet. Die Universitätsleitung

ruft alle Mitarbeitenden auf,

für die eigene Fakultät, das jeweilige

Institut oder andere Organisationseinheiten

Inhalte aus dem Leitbild herauszugreifen.

In Zukunft sollen an der Universität

Themenschwerpunkte mit geeigneten

Massnahmen vertieft werden.

Das Leitbild ist zu finden unter:

www.pers.unibe.ch

Leitbild der Vetsuisse-Fakultät

Die Vetsuisse-Fakultät hat im März zusätzlich

ein eigenes Leitbild herausgegeben.

Integriert ist ein Verhaltenskodex, weshalb

der handliche Falt-Flyer «Leitbild und

Verhaltenskodex der Vetsuisse-Fakultät»

heisst. Das Leitbild beinhaltet die Mission

(Auftrag), die Vision (Stossrichtung) und

den Verhaltenskodex (Wertesystem) der

Vetsuisse-Fakultät. Das Schlagwort des

Verhaltenskodex lautet: «Join! Mitmachen!»,

und anhand einer Drei-Fragen-

Probe können Mitarbeitende und Vorgesetzte

feststellen, ob sie auf dem richtigen

Weg sind: Ist es besser? Ist es das wert?

Ist es fair? Das Leitbild wurde mit Mitgliedern

der beiden Vetsuisse-Standorte Bern

und Zürich erarbeitet und wird zukünftig

bei Qualifikationsgesprächen und Neueinstellungen

gemeinsam mit dem Vorgesetzten

unterschrieben. Die für die Ausarbeitung

zuständige Arbeitsgruppe ist

überzeugt, «dass ein gutes Werkzeug für

die tägliche Zusammenarbeit gelungen

ist».

www.vetsuisse.ch

«Welcome Center»

Willkommensangebot

Im Wettbewerb um die besten Köpfe der

Wissenschaft setzt die Universität neue

Akzente: Seit März 2009 ist das «Welcome

Center» des Internationalen Büros in seine

aktive Aufbauphase gestartet und hat

seine Beratungstätigkeit für international

mobile Forschende und Lehrende aufgenommen.

Ziel dieses Willkommensangebots

ist es, die Alltagsschwierigkeiten nach

einem Orts- und Kulturwechsel abzubauen.

Denn: Neben optimalen wissenschaftlichen

Rahmenbedingungen spielen

oft auch persönliche Fragen bei der

Entscheidungsfindung für die berufliche

Veränderung und den Umzug in eine neue

Stadt eine Rolle. Wie finde ich eine

Wohnung? Benötige ich eine Krankenversicherung?

Wie finde ich eine geeignete

Kinderbetreuung? Welche beruflichen

Chancen hat mein Partner oder meine

Partnerin hier? Zu diesen und anderen

Fragekomplexen berät das Welcome

Center, nennt Ansprechpartner und

Servicestellen. Damit kann das Welcome

Center schon in der Entscheidungsphase

von Forschenden und Lehrenden als Pluspunkt

der Universität in Erscheinung

treten. Erste Informationen werden auf der

sich im Aufbau befindenden Internetseite

des Welcome Centers auf Deutsch und

Englisch zur Verfügung gestellt. Der

Schwerpunkt soll aber in der individuellen

Beratung liegen. Institute und Fakultäten

werden gebeten, sich mit dem Welcome

Center abzusprechen und die akademischen

Neuzugänge früh zu melden oder

diese auf das Welcome Center hinzuweisen.

Zur sprachlichen und sozialen

Integration sind im Herbstsemester 2009

Veranstaltungen sowie ein Deutschkurs

geplant. Ab April 2009 veröffentlicht das

Welcome Center eine Ausschreibung für

Fördermöglichkeiten von so genannten

Dual Career Partnerschaften.

Mehr Informationen unter:

www.int.unibe.ch/welcome

Institut für Hausarztmedizin

Neu gegründet

Die Universität Bern beschreitet in Sachen

Hausarztmedizin eigene Wege: Das

schweizweit einzigartige Berner Ausbildungsmodell

in Hausarztmedizin mit

Mentoringsystem und Hausarzt-Praktika

für Medizinstudierende hat sich sehr

bewährt. Nun gibt es neu ein Berner

Institut für Hausarztmedizin (BIHAM). Es

entstand aus der bisherigen Interfakultären

Instanz für Hausarztmedizin (FIHAM) und

ist ein Zwischenschritt. Das nächste Ziel ist

ein Ordinariat für Hausarztmedizin nach

«Berner Modell»: Dieses steht für den

intensiven Aufbau des eigenen Nachwuchses

und soll forschungsinteressierten

jungen Hausärztinnen und Hausärzten in

Ausbildung eine Forschungskarriere

ermöglichen, die mit Habilitation und

Professur abgeschlossen werden kann.

Jemand aus diesem «Pool» soll dann

künftig auch die Leitung des BIHAM übernehmen.

Ausserdem soll das BIHAM engen

Kontakt mit dem Inselspital und den in der

Grundversorgung tätigen Kliniken pflegen.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für

Infektionskrankheiten ist bereits ein erstes

Forschungsprojekt geplant. Die Projektleitung

hat dabei ein Hausarzt aus einer

Berner Gruppenpraxis inne.

16 unilink April 2009


Kurznachrichten

Sauberkeit statt Sauerei

Appell mit Plakaten

An manchem Abend gleichen die Hörsäle

einer Müllhalde. Mit freundlichen Plakaten

appelliert die Universität nun an den

gesunden Menschenverstand der Studierenden.

An einem ausgebuchten Tag

wechselt das Publikum im Auditorium

maximum im Hauptgebäude von acht Uhr

morgens bis sechs Uhr abends alle zwei

Stunden. Rund 1200 Personen gehen

damit ein und aus – und lassen allerhand

zurück. Zwar sind täglich rund 20 Leute

vom Reinigungstrupp unterwegs, aber

oftmals reicht zwischen den Veranstaltungen

die Zeit für eine gründliche Reinigung

nicht. Entpsprechend liegen auf und

unter den Stühlen: Bananenschalen, Pet-

Flaschen, angebissene Sandwiches, Gratiszeitungen

und vieles mehr. Sudelei und

Unordnung sollen nun ein Ende nehmen:

Die Hauskommission des Hauptgebäudes

startete am 30. März eine Plakat-Aktion,

welche die Studierenden auf die Problematik

aufmerksam machen soll. Die

Plakat-Aktion ist die erste dieser Art – und

soll künftig zu Semesterbeginn wiederholt

werden. Die Aufforderung zu mehr

Sauberkeit ist vor den Auditorien im

Hauptgebäude und in der UniS angebracht.

Einige Exemplare wurden auch an

die Hausdienste der anderen universitären

Standorte weitergeleitet, damit auch dort

die Hörsäle nicht zu Müllhalden werden.

So sieht der Hörsaal am Morgen aus...

Anschubfinanzierung EU-Gesuche

Ausschreibung

Die Universitätsleitung schreibt fürs 2009

Anschubfinanzierungen für EU-Gesuche

aus. Diese Unterstützung soll einen Teil der

Kosten der Antragsphase decken. Speziell

gefördert werden dieses Jahr der wissenschaftliche

Nachwuchs sowie Berner Koordinatorinnen

und Koordinatoren. Die

Formulare für die Antragstellung und

weitere Details unter: http://krz.ch/

anschub. Bei Fragen steht Euresearch Bern

zur Verfügung: bern@euresearch.ch, 031

631 48 08

Euresearch organisiert zudem am 7. Mai

einen Anlass zum Thema «Why don t you

coordinate an EU project?», der im «Haus

der Universität» an der Schlösslistrasse 5

stattfindet.

www.euresearch.ch

Schweizerischer Nationalfonds

Medientraining

Der Schweizerische Nationalfonds (SNF)

bietet zusammen mit der Förderagentur

für Innovation des Bundes (KTI) auch

dieses Jahr wieder Medientrainings für

Forschende an, um den Dialog zwischen

Wissenschaft und Medien zu fördern. Für

2009 sind drei Kurse af Deutsch und zwei

Kurse auf Französisch geplant. Der zweitägige

praxisorientierte Kurs – geleitet von

Journalisten und Kommunikationsprofis –

bietet viel Raum für Übungen vor der

Kamera.

Nachtragskredit

Der Bundesrat hat im Februar beschlossen,

dem Parlament einen Nachtragskredigt

von 700 Millionen Franken für Massnahmen

zur Stabilisierung der Wirtschaft

zu unterbreiten. Davon soll der Schweizerische

Nationalfonds 10 Millionen erhalten.

Er will diese Mittel für den verstärkten

Wissens- und Technologietransfer durch

die Nationalen Forschungsschwerpunkte

einsetzen.

... und so nach den Vorlesungen am Abend.

Guide 2009

Die Broschüre «Guide 2009» vermittelt

einen Überblick über den Stand der 20

laufenden Nationalen Forschungsschwerpunkte

(NFS) des Nationalfonds. Auf 86

Seiten liefert die englischsprachige Publikation

nützliche Informationen über

Themen, Projekte, Personen, Resultate und

Finanzierung dieser Forschungsnetzwerke.

unilink April 2009

17


Tipps und Termine

Kultur- und Wissenstransfer

im Mittelalter

Ringvorlesung BMZ

Der vollständige Titel der Ringvorlesung

des Berner Mittelalter Zentrums lautet:

«Erweiterte Horizonte: Kultur- und

Wissenstransfer im Mittelalter».

7. Mai 2009

• Von der «Mutter der Gesetze»

lernen. Deutsche Rechtsstudenten in

Italien um 1500

Thomas Schmid

14. Mai 2009

• Das Fremde im Vertrauten. «Weltliteratur»

aus mediävistischer Perspektive

Michael Stolz

28. Mai 2009

• Die «Melusine» von Ringoltingen.

Kultur- und Wissenstransfer in einem

Feenroman des 15. Jahrhunderts

André Schnyder

Jeweils am Donnerstag, 17.15–18.45 Uhr

im Hauptgebäude der Universität, Hochschulstrasse

4, Hörsaal 220.

175 Jahre Uni Bern

Medizinhistorische Runde

7. Mai 2009

• Von Christoph T. Aeby bis Hoppeler,

Gehr & Co. – eine persönliche Sicht auf

die anatomische Forschung in Bern

Prof. Dr. med. Ewald R. Weibel

28. Mai 2009

• Der erste Chirurgieprofessor der

Universität Bern: Hermann Askan

Demme (1802–1867)

Prof. Dr. med. Urs Boschung

Jeweils am Donnerstag, 12.45–13.45 Uhr

im Hörsaal im Anatomie-Gebäude,

Bühlstrasse 26.

Buch am Mittag

Vortragsreihe der UB

12. Mai 2009

Maria Sibylla Merians Reise nach

Surinam 1699 bis 1701

Lic. phil. William Liebi, eh. Fachreferent

für Biowissenschaften der Universitätsbibliothek

Bern.

Jeweils am zweiten Dienstag des Monats,

12.30–13.00 Uhr im Vortragssaal der

Zentralbibliothek, Münstergasse 63.

Darwin und die

Evolutionstheorie

Interdisziplinäre Vorlesungsreihe

Das Collegium generale organisiert

zusammen mit dem Forum für Universität

und Gesellschaft die interdisziplinäre

Vorlesungsreihe «Charles Darwin und die

Evolution der Evolutionstheorie 1809–

2009».

6. Mai 2009

• Selbstreplizierende Moleküle und der

Ursprung des Lebens: Evolution im

Reagenzglas

Prof. Dr. Christian Leumann, Departement

für Chemie und Biochemie, Universität

Bern

13. Mai 2009

• The Origin of Species 150 Jahre nach

Darwin

Prof. Dr. Ole Seehausen, Institut für

Ökologie und Evolution, Universität Bern

20. Mai 2009

• Keine Vorlesung (Tag vor Auffahrt)

27. Mai 2009

• «Gott schuf den Menschen nach

seinem Bilde» – Aspekte theologischer

Anthropologie zwischen Evolutionsbiologie

und «Kreationismus»

Prof. Dr. Wolfgang Lienemann, Institut für

Systematische Theologie, Universität Bern.

Diskussion mit Dr. Christian Kropf, Naturhistorisches

Museum Bern

Jeweils Mittwoch, 18.15–19.45 Uhr im

Hauptgebäude der Universität, Hochschulstrasse

4, Auditorium maximum.

Manuskripte

Werkstattgespräch

Im Rahmen der Ausstellung «Schachzabel,

Edelstein und der Gral», die bis am 29.

August im Ausstellungsraum der Zentralbibliothek

an der Münstergasse zu besichtigen

ist, findet am 4. Mai das Werkstattgespräch

«Rendezvous mit Manuskripten.

Einladung zur Entdeckung handgeschriebener

Bücher» statt. Das Publikum hat die

Möglichkeit, ausgewählte Handschriften

der Burgerbibliothek Bern mit Prof. Dr.

Michael Stolz und Dr. Patrick Andrist zu

entdecken und darüber zu diskutieren.

4. Mai 2009, um 17.30 Uhr im Hallersaal

der Burgerbibliothek Bern, Münstergasse

63, Anmeldung: bbb@burgerbib.ch

Johannes Calvin

Ringvorlesung

Zum Calvin-Jubiläum 2009 veranstaltet

die Theologische Fakultät im Frühjahrssemester

die Ringvorlesung «Johannes

Calvin 1509–2009», die den Anlass aus

Berner Perspektive kritisch würdigt.

5. Mai 2009

• Zu Calvins Lehre von der doppelten

Prädestination und ihrer Rezeptionsgeschichte

Prof. Dr. J. Christine Janowski

12. Mai 2009

• Calvins Wirtschaftsethik

Prof. Dr. Wolfgang Lienemann

19. Mai 2009

• Gemeinsamkeiten und Unterschiede

in der katholischen und calvinistischen

Amerikamission des Konfessionellen

Zeitalters

Prof. Dr. Mariano Delgado

26. Mai 2009

• Calvin-Lektüren in Südafrika

Prof. Dr. Christine Lienemann-Perrin

Jeweils am Dienstag, 18.00–20.00 Uhr in

der Unitobler, Lerchenweg 36,

Raum F 013.

Künstlergespräche

Diskussion und Ausstellung

Im Haus der Universität befinden sich viele

Kunstobjekte, die besichtigt werden

können. Seit Ende April finden zusätzlich

im Monatsrhythmus Künstlergespräche

statt, die einerseits die Kunstsammlung im

Haus der Universität ins Blickfeld rücken,

andererseits Einblicke in die gegenwärtige

Produktion und Vermittlung von Kunst

gewähren. Mit Kurator Thomas Schönberger

vom Institut für Kunstgeschichte

diskutieren am 5. Mai der Multimedia-

Künstler Franticek Klossner, am 26. Mai

Fritz Schär, Andreas Fiedler und Dörte

Doering von der kantonalen Kunstsammlung

sowie am 16. Juni der Fotograf David

Aebi.

Jeweils am Dienstag, um 18.00 Uhr im

Haus der Universität, Schlösslistrasse 5.

www.hausderuniversitaet.ch

18 unilink April 2009


Tipps und Termine

Neu erschienen

Geschlecht im

Konflikt

Ringvorlesung

Das Interdiszplinäre Zentrum für

Geschlechterforschung veranstaltet im

Frühlingssemester eine Ringvorlesung zum

Thema «Geschlecht im Konflikt. Zu den

gesellschaftlichen und politischen Folgen

kriegerischer Auseinandersetzungen auf

die Beziehung der Geschlechter».

12. Mai 2009 (Raum A 301)

• Schatten der Kriegsvergangenheit.

Persistenz und Wandel der Frauenrollen

in Bosnien-Herzegowina

Anja Sieber, Sozialanthropologin, Bern

19. Mai 2009

• Geschlechtsspezifischer Schutz vor

geschlechtsspezifischer Gewalt

Beatrix Attinger, Conseillère Inter-Agence

en Genre du Système des Nations Unies

26. Mai 2009

• Die UNO-Resolution 1325: aktuelle

Herausforderungen bei der Umsetzung

Roundtable mit nahmhaften Referierenden

Jeweils am Dienstag, 18.00–19.45 Uhr,

UniS, Schanzeneckstrasse 1, Raum B–102

Sicily, Byzantium

and Islam

Gastvortrag

Die Abteilung für Ältere Kunstgeschichte

lädt am 11. Mai zu Prof. Anthony Cutlers

(vom Penn State College of Arts and

Architecture) Gastvortrag zum Thema

«Sicily, Byzantium and Islam: Ivory and the

Problem of Hybridity» ein.

11. Mai 2009, 16.15 Uhr in der UniS,

Schanzeneckstrasse 1, Hörsaal A 003

Musiktheater

Symposium

Am 1. und 2. Mai findet im Rahmen des

Berner Musikfestivals und mit Unterstützung

des Max und Elsa Beer-Brawand-

Fonds ab 14.30 Uhr im Vortragssaal der

UB an der Münstergasse 63 das Symposium

«Der Mond auf dem Musiktheater»

des Instituts für Musikwissenschaft statt.

www.musik.unibe.ch

Uniorchester

Konzert

Unter der Leitung von Martin Studer-

Müller und ergänzt von der Sopranistin

Marianne Wälchli wird das Uniorchester

(UOB) im Mai Konzerte zum Thema

«Sommernacht» aufführen. Auf dem

Programm stehen «Clair de Lune» von

Claude Debussy, «Les nuits d été» von

Hector Berlioz sowie «Scheherazade» von

Nikolaij Rimskij-Korsakov. Das Berner

Konzert wird am Sonntag, 17. Mai um

19.30 Uhr im Kultur-Casino stattfinden.

Werkeinführung 45 Min. vor Konzertbeginn.

Eintritt frei, Kollekte.

www.uob.ch

DNA-Musik

Konzert

Als «HUGO hat Töne» hat sich das

Musiker-Trio, bestehend aus den Berner

Wissenschaftlern Daniel Schümperli (Molekularbiologe),

Lukas Frey (Geograf) und

Rudolf von Steiger (Physiker), einen

Namen mit musikalischen Interpretationen

wissenschaftlicher Daten gemacht. Seit

2001 setzen sie in ihren Aufführungen

verschiedenste Arten biologischer Daten,

vorab DNA-Codes des menschlichen

Genoms, in Computermusik um. Ihr neues

Programm orientiert sich an Daten aus der

Atmosphäre und dem Universum und

heisst «HUGO in the sky (no diamonds)».

Es wird im Rahmen des Berner Musikfestivals

am 2. Mai um 21.00 Uhr im ONO

uraufgeführt.

www.molart.ch/hugo

Musik in Sternwarte

Konzerte und Himmelsbeobachtung

Im Internationalen Jahr der Astronomie

präsentiert das Musikfestival Bern vom 23.

April–3. Mai unter dem Motto «Vom

Himmel» ein vielfältiges Programm. Einige

Anlässe mit musikalischen Darbietungen,

geführten Himmelsbeobachtungen und

Kurzvorträgen finden in Zusammenarbeit

mit dem Astronomischen Institut in der

Sternwarte Muesmatt statt.

www.musikfestivalbern.ch

Hubert Locher, Peter J. Schneemann (Hrsg.)

Grammatik der Kunstgeschichte

Sprachproblem und Regelwerk im «Bild-

Diskurs». Oskar Bätschmann zum 65.

Geburtstag

2008, 407 S., gebunden, 99 Abb., Fr. 60.30

SBN 978-3-9809-4367-3

Zürich/Emsdetten/Berlin: Schweizerisches

Institut für Kunstwissenschaft (SIK-ISEA) /

Edition Imorde

Gerhard F. Knolmayer, Peter Mertens,

Alexander Zeier, Jörg Dickersbach

Supply Chain Management Based

on SAP Systems

Architecture and Planning Processes

2009, 207 S., 77 Abb., Fr. 80.90

ISBN 978-3-540-68737-5

Springer Verlag, Berlin/Heidelberg

Reinhard Jung, Thomas Myrach (Hrsg.)

Quo vadis Wirtschaftsinformatik?

Festschrift für Gerhard F. Knolmayer zum

60. Geburtstag

Lehrbuch Praktische Theologie, Band 3

2008, 352 S., Einband kartoniert/broschiert,

Fr. 102.–

ISBN 978-3-8349-1145-2

Gabler Edition Wissenschaft, Wiesbaden

Edgar Bierende, Sven Bretfeld, Klaus

Oschema (Hrsg.)

Riten, Gesten, Zeremonien

Gesellschaftliche Symbolik in Mittelalter

und Früher Neuzeit

Trends in Medieval Philology, Band 14.

2008, 409 S., 50 Abb., gebunden, Fr. 169.–

ISBN 978-3-11-020802-3

Walter de Gruyter, Berlin/New York

Ernst Axel Knauf

Josua

Zürcher Bibelkommentare AT, Band 6

2008, 208 S., Paperback, Fr. 48.–

ISBN 978-3-290-17456-9

TVZ Theologischer Verlag, Zürich

Margit E. Oswald, Steffen Bieneck, Jörg

Hupfeld-Heinemann (Hrsg.)

Social Psychology of Punishment

of Crime

2009, 468 S., gebunden, Fr. 213.80

ISBN: 978-0-470-51599-0

Wiley-Blackwell

unilink April 2009

19


Impressum

unilink April 2009

Die Nachrichten der Universität Bern

Herausgeberin: Abteilung Kommunikation

Leitung: Marcus Moser (mm)

Redaktion: Salomé Zimmermann (sz)

Mitarbeit: Nathalie Neuhaus (nan), Matthias

Abplanalp (ma), Bettina Jakob (bj), Julia Gnägi (jg)

Bildnachweise:

Titelbild: istock

Seite 3: zvg

Seite 4: ARTORG/zvg

Seite 5: zvg

Seite 6: zvg

Seiten 7 und 8: Manu Friederich

Seite 9: zvg

Seite 11: istock

Seite 12: zvg

Seite 13: zvg

Seite 14: istock

Seite 15: istock

Seite 17: zvg

Layout: Salomé Zimmermann (sz)

Redaktionsadresse:

Abteilung Kommunikation der Universität Bern

Hochschulstrasse 4

CH-3012 Bern

Tel. 031 631 80 44

Fax 031 631 45 62

unilink@unibe.ch

www.unilink.unibe.ch

Druck: Stämpfli Publikationen AG, Bern

Auflage: 6500 Exemplare

Erscheint monatlich während des Semesters

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