Festschrift 10 Jahre Kooperationsstelle

koop.son.de

Festschrift 10 Jahre Kooperationsstelle

10 Jahre

Kooperationsstelle

Hochschulen-Gewerkschaften

SüdOstNiedersachsen

an der TU Braunschweig


Diese Festschrift wurde im November 2006 aus Anlass

des zehnjährigen Bestehens der Kooperationsstelle

Hochschulen-Gewerkschaften an der TU Braunschweig,

Region SüdOstNiedersachsen, aufgelegt.

Wir danken den Autoren und Autorinnen,

die uns ihre Beiträge zur Verfügung gestellt haben.

Braunschweig, im November 2006

| 3 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Inhalt

Grußworte

Lutz Stratmann,

Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5

Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. Jürgen Hesselbach,

Präsident der TU Braunschweig . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6

Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Umbach,

Präsident der Fachhochschule Braunschweig Wolfenbüttel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7

Barbara Straka,

Präsidentin der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (HBK) . . . . . . . . . . . 8

Prof. Dr. Edmund Brandt,

Präsident der Technischen Universität Clausthal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9

Gundolf Algermissen,

Regionsvorsitzender DGB Region SüdOstNiedersachsen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11

Detlef Kunkel, Uwe Himmelstoß, Wolfgang Räschke, Wolfgang Schulz

1. Bevollmächtigte IG Metall Braunschweig, Peine, Salzgitter, Wolfsburg . . . . . . . . 13

Festrede

Beiträge

Detlef Ahting,

Dienstleistungsgewerkschaft ver.di SüdOstNiedersachsen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17

Dr. Horst Neumann, Arbeitsdirektor bei der Volkswagen AG:

Gemeinsam zu einer Spitzenmannschaft –

Kooperation von Hochschulen und Unternehmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19

Dr. Claudia Schünemann:

Kooperationsstellenarbeit in Braunschweig – gestern, heute und morgen . . . . . . . 32

Marianne Putzker:

Studierendenarbeit ist Innovation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40

Impressum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55

| 4 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Grußwort des Niedersächsischen Ministers

für Wissenschaft und Kultur Lutz Stratmann

Ich gratuliere der Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften

SüdOstNiedersachsen zu ihrem 10-jährigen Bestehen.

Als gemeinsame Einrichtung der Technischen Universität

Braunschweig, der Technischen Universität Clausthal, der

Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel und der Hochschule

für Bildende Künste Braunschweig sowie der DGB

Region Südostniedersachsen, der Einzelgewerkschaften der

Region und Arbeit & Leben Niedersachsen ist sie als wichtige

Vermittlerin zwischen Hochschulen und Gewerkschaften

tätig. Sie sorgt dabei auch für die Organisation des Dialogs

zwischen Wissenschaft und Arbeitswelt und verbessert die

Verständigung untereinander.

Die erfolgreiche Tätigkeit der Kooperationsstelle zeigt sich

auch darin, dass eine im Jahr 2005 durchgeführte interne

und externe Evaluation der Kooperationsstelle zu einem sehr

positiven Ergebnis geführt hat.

Ich wünsche der Kooperationsstelle für die Zukunft

viel Erfolg bei ihrer Arbeit.

Lutz Stratmann

Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur

Zum einen geschieht dies durch den Transfer von aktuellen

Forschungsergebnissen in die Arbeitswelt, zum anderen aus

der Arbeitswelt in die Wissenschaft. Unter dem Motto

„Zukunft der Arbeit“ werden mit Hilfe der verschiedenen

Arbeitsschwerpunkte wie Studierendenarbeit, Durchführung

von Veranstaltungen und Projekten, Veröffentlichungen und

Öffentlichkeitsarbeit Berührungsängste zwischen Wissenschaft

und Arbeitswelt abgebaut, der Übergang vom

Studium in den Beruf begleitet sowie Weiterbildung und

Qualifizierung unterstützt.

| 5 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Grußwort

Der Wissenschaft wird manchmal nachgesagt, dass sie im

Elfenbeinturm stattfinde. Der Arbeitswelt wird mitunter

vorgehalten, dass sie oft zu spät auf einen Strukturwandel

reagiere. Vorurteile gibt es auf beiden Seiten.

Die Kooperationsstelle Hochschulen–Gewerkschaften Region

SüdOstNiedersachsen an der Technischen Universität Braunschweig

fördert seit zehn Jahren den Dialog zwischen Forschung

und Lehre auf der einen und Gewerkschaften auf

der anderen Seite. Sie vermittelt zwischen diesen beiden

Kulturen, indem sie einen Wissens- und Erfahrungsaustausch

organisiert, den Transfer von aktuellen Forschungsergebnissen

in die Arbeitswelt verbessert und die Interessen und

Probleme von ArbeitnehmerInnen in die Wissenschaft trägt.

Dieser Brückenschlag ist wichtig, da Wissenschaft und

Forschung Anregungen und Herausforderungen aus der

Arbeitswelt benötigen, um praktische Probleme bereits in

die Erarbeitung wissenschaftlicher Fragestellungen mit einzubeziehen.

Denn der Strukturwandel der Arbeitswelt wirft

wichtige Probleme auf, die Wissenschaft und Praxis nur

gemeinsam lösen können. Wir befinden uns in einem Prozess

der tief greifenden Umgestaltung von Arbeitsplätzen

und Organisationsstrukturen. Die technologischen Entwicklungen

und die Globalisierung beschleunigen den Wandel

in großem Ausmaß. Deshalb ist der Praxisbezug für viele

Wissenschaftsdiziplinen gerade an einer Technischen Universität

von großer Bedeutung.

Die Kooperationsstelle hat in den letzten zehn Jahren zahlreiche

technologische und soziale Innovationen an unserer

Hochschule mit begleitet. Sie hat WissenschaftlerInnen und

GewerkschafterInnen ins Gespräch gebracht und sich nicht

zuletzt für die Belange unserer Studierenden eingesetzt, insbesondere

bei der Betreuung und Vermittlung von Praktika,

aber auch von Studien- und Diplomarbeiten.

Die Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften ist mit

ihrem vielfältigen und weit gespannten Aufgaben eine wichtige

Anlaufstelle. Ich wünsche mir auch für die Zukunft einen

interessanten und spannenden Wissenschafts-Praxis-Dialog.

Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. Jürgen Hesselbach

Präsident der TU Braunschweig

| 6 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Grußwort zum 10-jährigen Bestehen der Kooperationsstelle

Hochschule-Gewerkschaften Region Süd-Ost-Niedersachsen

Die Fachhochschule Braunschweig Wolfenbüttel gratuliert

der Kooperationsstelle Hochschule Gewerkschaft in der

Region Süd-Ost-Niedersachsen ganz herzlich zu ihrem

10-jährigen Bestehen.

Mit Unterzeichnung einer Vereinbarung zur Zusammenarbeit

zwischen den Hochschulen der Region und den Gewerkschaften

wurde am 12. November 1996 etwas Einmaliges

geschaffen, das seitdem erfolgreich in unserer Region wirkt.

Mit der besonderen Themenstellung „Zukunft der Arbeit“

versehen hat die Kooperationsstelle seit ihrer Gründung

wichtige Beiträge zu dieser Thematik geleistet.

In einer Vielzahl von Veranstaltungen beispielsweise zur

zukünftigen Gestaltung der Arbeitswelt, zu den Folgen

der Globalisierung aber auch zu den Auswirkungen der

neuen Studienabschlüsse Bachelor und Master hat die

Kooperationsstelle den Dialog zwischen den Hochschulen

auf der einen Seite und der Arbeitswelt auf der anderen

Seite gefördert und unterstützt. Dafür gilt ihr unser besonderer

Dank. Die seitdem geleistete Arbeit hat geholfen,

so manchen „Jägerzaun“ einstürzen zu lassen und manche

Barriere überwinden zu helfen.

Für die Zukunft wünschen wir dem Team der Kooperationsstelle

weiterhin eine glückliche Hand bei der Auswahl der zu

bearbeitenden Themen, alles Gute und viel Erfolg.

Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Umbach

Präsident der Fachhochschule

Braunschweig Wolfenbüttel

| 7 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Grußwort

Die Rahmenbedingungen der Hochschulen in der Region

Südost-Niedersachsen unterliegen seit rund zehn Jahren

einem beschleunigten Wandel, der alle Arbeitsbereiche

betrifft. Eine Institution, die diesen Wandel selbst mitgestalten

will, braucht verlässliche PartnerInnen, die jegliche

Reformbemühungen mit ihrem Rat und ihrer Kritik begleiten.

Die Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften ist eine

solche Partnerin, die die Hochschulen in den vergangenen

Jahren immer wieder zur Diskussion eingeladen hat.

Rückblickend stelle ich fest, dass dies unserer Arbeit wichtige

Impulse gegeben hat. Viele gemeinsame Standpunkte in

Fragen der Hochschulentwicklung sind heute schon Realität

geworden, was das folgende Beispiel belegt. Die Forderung

nach höherer Autonomie und mehr Eigenverantwortung für

die wissenschaftlichen Einrichtungen wurde von gewerkschaftlicher

Seite besonders deutlich vertreten – lange bevor

dieses Ziel in der Politik Konsens wurde. Dabei war allen

Beteiligten in der Kooperationsstelle stets klar, dass strukturelle

Reformen der Institution Hochschule auch im Interesse

der Hochschulbeschäftigten sind. Dies gilt auch für den

früher oftmals schwierigen Stand der MitarbeiterInnen in

der öffentlichen Diskussion.

Hoffentlich vorbei sind die Zeiten, in denen es die Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter waren, die bei Klagen über

mangelnde Effizienz und Effektivität in wissenschaftlichen

Einrichtungen häufig unter Generalverdacht gerieten und

sich den Vorwurf mangelnder Flexibilität gefallen lassen

mussten – auch wenn dies an den wahren Problemen der

Hochschulen völlig vorbeiging.

Die Zeit der Reformen ist noch lange nicht vorbei. Jetzt

anstehende Themen sind die Umsetzung eines veränderten

Dienstrechts und die Einführung einer leistungsgerechten

Bezahlung der MitarbeiterInnen in unseren Instituten und

Einrichtungen vor Ort. Nicht nur hierbei wünsche ich mir

weiter die gute Zusammenarbeit mit der Kooperationsstelle

und wäre froh, weiter auf die kritische Perspektive hinsichtlich

unserer Ziele und Aufgaben überall da rechnen zu können,

wo es um die Verantwortung der Hochschule in der

Gesellschaft geht.

Barbara Straka

Präsidentin der Hochschule für Bildende Künste

Braunschweig (HBK)

| 8 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Zehn Jahre Kooperationsstelle SON aus Sicht der TU Clausthal

Rückblickend auf zehn Jahre Zusammenarbeit mit der

Kooperationsstelle Hochschule-Gewerkschaften SüdOst-

Niedersachsen sind aus Sicht der TU Clausthal zwei Projekte

besonders hervorzuheben, die ohne den Einsatz und die

integrierende Wirkung der Kooperationsstelle vermutlich

nicht in dieser Form zustande gekommen wären.

die Zusammenarbeit mit der Kooperationsstelle ist es gelungen,

ein gemeinsames Internetangebot aufzubauen, das den

Betrieben Zugang zu Studierenden aus einer großen Bandbreite

von Studiengängen ermöglicht und das umgekehrt

die Angebote der Unternehmen an einer Stelle für die

Studierenden bündelt.

Regionale Praktikumsbörse im Internet

Der Wissensaustausch zwischen Hochschule und Arbeitswelt

in Form von studentischen Praktika sowie Studien- und

Diplomarbeiten ist für eine praxisnah forschende und lehrende

Universität wie die TU Clausthal traditionell von hoher

Bedeutung. Nachdem das Internet Ende der neunziger Jahre

in den Hochschulen zu einem etablierten Informationsmedium

geworden war und auch in den Unternehmen

immer stärker genutzt wurde, lag es nahe, dieses auch für

die Vermittlung entsprechender Angebote und Nachfragen

konsequent zu nutzen.

Der Wirtschaftsraum Südostniedersachsen bietet mit seinen

vier Hochschulen und einer Vielzahl von Unternehmen beste

Voraussetzungen für eine regionale Praktikumsbörse. Durch

Projekt Zukunftsenergie Oberharz

Die globale Forderung einer nachhaltigen Entwicklung der

Gesellschaften ist vielerorts in lokale Entwicklungskonzepte

eingeflossen, jedoch kommt die konkrete Umsetzung vor

Ort häufig nur langsam voran. Vor diesem Hintergrund

haben zwei Hochschulen, ein landeseigenes Forschungsinstitut,

Stadtwerke, lokaler Agenda-21-Arbeitskreis, DGB-

Ortsverband, die Kooperationsstelle und ein Ingenieurbüro,

gefördert durch die Hans-Böckler-Stiftung, das Projekt

Zukunftsenergie Oberharz durchgeführt.

Als Ergebnis des Projektes wurde ein Leitfaden Kommunale

Energieversorgung vorgelegt, dessen Ziel es war und ist, die

Überführung der in vielen Städten angestoßenen Diskussion

über die Zukunft der Energieversorgung in den Gemeinden

| 9 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


als kleinste staatliche Einheit in einen realen Umgestaltungsprozess

zu unterstützen. Der Leitfaden bereitet das schwer

überschaubare Thema nachhaltige Energieversorgung übersichtlich

auf und dient der kommunalen Politik sowie ArbeitnehmerInnenvertretungen

als praktische Hilfe bei der Vorbereitung

und Beurteilung strategischer Entscheidungen.

Durch die gemeinsame Bearbeitung konkreter Fragestellungen

mit einer klar umrissenen Zielsetzung ergaben sich für alle

Beteiligten neue Einblicke und Einsichten in das Zusammenspiel

zwischen Wissenschaft und Arbeitswelt.

Die beiden aus Sicht der TU Clausthal sehr positiv verlaufenen

Projekte weisen den Weg in die Zukunft der Arbeit in

und mit der Kooperationsstelle Hochschule-Gewerkschaften.

Wir freuen uns auf eine weiterhin gute

und fruchtbare Zusammenarbeit.

Prof. Dr. Edmund Brandt

Präsident der Technischen Universität Clausthal

| 10 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Grußwort des DGB

In einer Pressemitteilung vom 31. Januar 1986 mit dem Titel

„DGB sucht Zusammenarbeit mit Hochschulen“ wird von

einem Treffen mit Vertretern der TU Braunschweig und der

Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel berichtet.

Neben Vertretern des DGB waren u. a. Herr Prof. Dr. Rebe

und Prof. Kuckertz anwesend. Als ´Schwerpunkte wurden

diskutiert: „Probleme der regionalen Strukturpolitik, Wissenschaftstransfer

in der Weiterbildung für Arbeitnehmer,

Humanisierung der Arbeit und neue Technologien.“

Es dauerte danach allerdings neben losen Kontakten

zwischen ‚den Hochschulen und Gewerkschaften in der

Region’ bis August 1994, zu diesem Zeitpunkt wurde mit

allen Beteiligten ‚ein Fahrplan’ verabredet. In einem Protokoll

kann man nachlesen, „das Ziel dieser Aktivitäten bleibt die

Einrichtung einer Kooperationsstelle – wichtig ist aber, im

Vorfeld die Kooperation Uni – DGB zu intensivieren.“

Eine Fragebogenaktion in Betrieben und Verwaltungen

unserer Region, mit dem Ziel zu erfragen, welchen Stellenwert

wird eine Kooperation Hochschulen – DGB – Gewerkschaften

voraussichtlich haben, war die letzte Hürde seitens

der Gewerkschaften. Das Ergebnis war sehr deutlich positiv.

Es folgten einige Gespräche zur inhaltlichen Schwerpunktsetzung

und am 8. Dezember 1994 wurde von der Ausbildungswerkstatt

Braunschweig ein ABM-Antrag zur Beschäftigung

von zwei ABM-Stellen für zwei Jahre Beschäftigung

gestellt. In dem Anforderungskatalog an die/den Beschäftigten

heißt es auch: „bestehende Projekte zwischen Hochschule

und Gewerkschaften festigen, verstetigen und positiv

beeinflussen“ und weiter „neue Projekte in Kooperation (...)

in Südostniedersachsen zu initiieren und zu koordinieren“.

Knapp zwei Jahre später, im November 1996 wurde der

Kooperationsvertrag mit allen vier Hochschulen und den

DGB Gewerkschaften unterzeichnet. Die Arbeit war zu

Beginn ‚etwas holperig’, die verschiedenen Arbeitsweisen

der Partner waren doch gewöhnungsbedürftig – die

Arbeitsinhalte wurden allerdings zu keiner Zeit von den

PartnerInnen in Frage gestellt.

Wir haben nach zehn Jahren die „dritte Besetzung“ der

Kooperationsstelle. Nach Frau Oslage (bis 1998) wurde Frau

Dr. Quentmeier eingestellt (bis 2001) und seit 2002 wurde

die Ganztagsstelle der Kooperationsstellenleiterin geteilt,

Frau Dr. Claudia Schünemann ist die Leiterin und Marianne

Putzker hat ihre Beschäftigung auf einem Halbtagsplatz

2005 übernommen. Die Kooperationsstelle wird von einer

Verwaltungskraft in Halbtagsbeschäftigung komplettiert.

| 11 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Herzlichen Dank an die PräsidentInnen und Rektoren

der Hochschulen in der Region, Frau Straka, Herrn Prof. Dr.

Schwarz, Herrn Prof. Dr. Rebe, Herrn Prof. Dr. Litterst, Herrn

Prof. Dr. Hesselbach, Herrn Prof. Dr. Dietz, Herrn Prof. Dr.

Brandt, Herrn Prof. Dr. Umbach. An dieser Stelle möchte ich

mich bei allen Beteiligten, die unsere Kooperationsstelle zu

einer ‚Erfolgsstory’ gemacht haben, bedanken. Einen weiteren

Dank an alle Nichtgenannten aus den Hochschulen und

DGB Gewerkschaften, ohne deren Engagement die erfolgreiche

Arbeit nicht möglich wäre. Ganz persönlich meinen

herzlichen Dank an die Vizepräsidenten Küch und Baller, die

Zusammenarbeit hat mir nicht nur Spaß gemacht, eine Reihe

von Anregungen konnten wir in gewerkschaftlichen Bereichen

einbringen.

In der zu Beginn zitierten Pressemitteilung heißt es:

„Dr. Jürgen Weissbach (DGB) hob die bildungspolitische

Bedeutung der Zusammenarbeit hervor und unterstrich die

Notwendigkeit, Anforderungen der regionalen Bevölkerung

und der Arbeitnehmer an Wissenschaft und Forschung heranzuführen“.

Diese Feststellung galt 1996 und gilt ebenso

heute 2006.

Ein weiteres kontinuierliches Gelingen der Arbeit wünsche

ich allen beteiligten ‚Regionsbürgern’ im Rahmen der Arbeit

unserer Kooperationsstelle Hochschulen – Gewerkschaften.

Gundolf Algermissen

Regionsvorsitzender DGB

Region SüdOstNiedersachsen

| 12 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Grußwort der IG Metall

Kooperation braucht Kontinuität

„ZEITEN WECHSEL WIRKUNG – ARBEIT UND TECHNIK

ZUKUNFTSORIENTIERT GESTALTEN“ war das Symposium

überschrieben, das am 24.11.1995 in Wolfenbüttel den

wesentlichen Grundstein für einen institutionalisierten

Dialog und eine intensive Kooperation zwischen Gewerkschaften

und Hochschulen in der Region SüdOstNiedersachsen

bildete. In dem Konzeptpapier vom 17. August

1995 für dieses Symposium wurden Annahmen über die

Interessen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer getroffen:

„Die eingebundenen AkteurInnen verbinden mit dem Symposium

im besonderen und der Kooperation im allgemeinen

zum Teil unterschiedliche eigene Erwartungen, wie z.B.:

Gewerkschaften => Kontakte knüpfen;

Wege/Personen für Problemlösungen kennen lernen

Hochschulen => Praxisbezug herstellen;

mit ArbeitnehmerInnen gemeinsam lernen

Institute => Forschungsergebnisse in der Praxis

umsetzen/einbringen; Akquirierung weiterer Drittmittel

bzw. Initiierung von Projekten

Studierende => Praxisbezug herstellen; Praktikaplätze“

Auch wenn eine ähnliche Tagung heute mit ziemlicher

Sicherheit den Begriff „Innovation“ im Titel tragen würde,

sind Motto und Zielrichtung dieser Vernetzung zwischen

Hochschule und Arbeitswelt weiter aktuell.

Seit Gründung der Kooperationsstelle hat sich einiges verändert.

Zum Beispiel das Verständnis von Begriffen. In der

Gründungszeit hatte Vernetzung noch mit der tatsächlichen

Begegnung von AkteurInnen aus unterschiedlichen Bereichen

zu tun. Heute sind IT-SpezialistInnen gefragt, um ein

Netzwerk zu realisieren.

Wir bleiben dem ursprünglichen Verständnis des Begriffes

treu. Wenn die IG Metall in diesem Jubiläumsband den Rohstoff

der Vernetzung hervorhebt, tut sie dies, weil sie in ihm

den Schlüssel zur Sicherung und Entwicklung von Arbeit und

Lebensqualität in der Region sieht.

In diesem Jahr kann die Kooperationsstelle Hochschulen-

Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig

ihr zehnjähriges Jubiläum begehen.

Der Anstoß zur Kooperation hat also Erfolg und – trotz vieler

Unwegbarkeiten – Bestand gehabt.

| 13 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Kooperation braucht Kontinuität – Grußwort der IG Metall

Dass am 28. August 2003 auf der Tagesordnung des Beirates

der Kooperationsstelle der Tagesordnungspunkt „Fortbestand

der Kooperationsstelle“ zu finden war, wirkt heute

wie eine Nachricht aus einer anderen Welt. Im Rahmen der

allgemeinen Streichungen in den Hochschuletats war die

mögliche Schließung der Einrichtung jedoch ein ernstzunehmendes

Szenario. Dass die Kooperationsstelle im Jahre 2006

dennoch selbstbewusst ihr zehnjähriges Bestehen feiern

kann, ist Ausdruck der gelebten Kooperationskultur, die mit

dem Symposium 1995 ihren Anfang nahm.

Die Kraft der Kooperation kann in guten Zeiten viel bewegen.

In schwierigen konnte durch sie der Fortbestand der

Kooperationsstelle gesichert werden.

Die Fähigkeit, wirksam Gefahren für Arbeit und Lebensqualität

in der Region zu erkennen und entgegen zu wirken

sowie Chancen zu entdecken und zu nutzen, hat keiner der

PartnerInnen der Kooperationsstelle alleine.

Durch diese Einrichtung ist eine lebendige Plattform entstanden,

die es leichter macht, zwischen den komplexen und

mit Eigenleben verbundenen Welten der Hochschulen und

Gewerkschaften Brücken zu bauen und gemeinsam neue

Wege zu entdecken und zu beschreiten.

Besonders deutlich wird dies anhand des Wandels der

Beschäftigtenstruktur in der Region: Von 1998 bis 2005 hat

die Zahl der Beschäftigten mit akademischem Grad in

SüdOstNiedersachsen um fast 50 Prozent zugenommen.

Der Anteil der FacharbeiterInnen und der Beschäftigten

ohne Berufsausbildung sank hingegen.

Mit der Kooperationsstelle ist eine Plattform entstanden,

auf der die Fragen der Ausbildung der Beschäftigten der

wachsenden Gruppe der AkademikerInnen gemeinsam aus

der Sicht der Hochschule und der Arbeitswelt beraten werden

können. Gerade jetzt, wo das System der Abschlüsse an

den Hochschulen grundlegend umgestellt wird, ist es gut auf

eine Einrichtung zählen zu können, die nicht nur die Interessen

eines Faches verfolgt, sondern in der alle Hochschulen

der Region zusammenarbeiten.

Wenn die Gewerkschaften ihrem Anspruch als innovative

GestalterInnen der Arbeitswelt gerecht werden wollen, sind

sie zwingend auf eine enge Verzahnung mit der Wissenschaft

angewiesen; dafür brauchen sie aktuelle Erkenntnisse,

Analysen und Prognosen.

Hierfür bietet die Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften

zusammen mit anderen regionalen AkteurInnen

den richtigen Rahmen.

| 14 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Kooperation braucht Kontinuität – Grußwort der IG Metall

Mit dem Projekt „Sozialkompetenz für IngenieurInnen“ hat

die Kooperationsstelle wichtige Impulse für die IngenieurInnenausbildung

an der TU Braunschweig gesetzt. Die komplexen

Anforderungen an Projektteams im Arbeitsleben

erfordern auch eine entsprechende Ausbildung an der Hochschule.

Eine hohe Ausbildungsqualität ist unabdingbar, um

langfristig qualifizierte Arbeit in der Region zu halten.

Die Kooperationsstelle hat beides im Blick: Die Ausbildung

an der Hochschule und das Arbeitsleben. Sie organisiert

konkrete Beratungsangebote für Studierende und setzt

Impulse beim Transfer zwischen Hochschule und Arbeitswelt.

Die Fähigkeit, dem Grundimpuls der Gründung treu zu

bleiben und dabei Antworten und Angebote für aktuelle

Entwicklungen zu finden, macht die Kooperationsstelle so

unentbehrlich.

„Wissen-Vernetzung-Entwicklung –

Arbeitswelt-Mensch-Verantwortung“

Diese Begriffe stehen für die IG Metall im Vordergrund,

wenn es um die Gestaltung des Verhältnisses von Hochschule

und Arbeitswelt geht. Wissen kann nur vernetzt eine

Entwicklung vorantreiben. Dabei muss die Verantwortung

für die Umwelt und für den Menschen jedoch im Zentrum

der Überlegungen stehen.

Die aktuellen Debatten um die Heraufsetzung des Renteneintrittsalters

oder darüber, wie im Rahmen der internationalen

Arbeitsteilung qualifizierte Arbeit in der Region gesichert

werden kann, zeigen wie notwendig wissenschaftliche

Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Arbeitswelt für Antworten

auf die Zukunftsfragen sind.

Dabei ist es wertvoll, auf die unterschiedlichen Schwerpunkte

der Hochschulen der Region zurückgreifen zu können.

Im Rahmen der „Stadt der Wissenschaft 2007“ werden

wir hoffentlich einige spannende Diskussionen zu diesen

Themen führen können.

Nach zehn Jahren ist offenkundig, dass die Kooperationsstelle

kein vorübergehendes Projekt für vorübergehende

Fragen ist. Die Kooperationsstelle SüdOstNiedersachsen

ist eine Institution. Eine Institution, die ihre Rolle nur überzeugend

spielen kann, wenn sie nicht an die kurzfristigen

Rhythmen des Hochschulbetriebes oder der Gewerkschaften

gebunden ist. Dafür braucht sie Unabhängigkeit und Unterstützung.

| 15 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Kooperation braucht Kontinuität – Grußwort der IG Metall

Institutionen sind als leere Hülle ohne Wert.

Darum bedanken wir uns bei allen, die den Rahmen der

Kooperationsstelle im Laufe der Jahre mit Leben gefüllt

und die Arbeit unterstützt haben.

Die derzeitige Leiterin Frau Dr. Claudia Schünemann hat

die Kooperationsstelle erfolgreich durch schwierige Zeiten

gesteuert und in Marianne Putzker eine engagierte und

kompetente Kollegin gefunden. Beiden zusammen

wünschen wir viel Kraft und Durchhaltevermögen für die

künftigen Brückenschläge.

Für die IG Metall in SüdOstNiedersachsen:

Detlef Kunkel

1. Bevollmächtigter der

IG Metall Braunschweig

Uwe Himmelstoß

1. Bevollmächtigter der

IG Metall Peine

Wolfgang Räschke

1. Bevollmächtigter der

IG Metall Salzgitter

Wolfgang Schulz

1. Bevollmächtigter der

IG Metall Wolfsburg

| 16 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


ver.di gratuliert zu 10 Jahren

Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften

In diesen 10 Jahren konnten die komplexen Systeme von

Hochschulen sowie Betrieben und ihrem jeweiligen Umfeld

über vielfältige Projekte, Veranstaltungen und konkrete

Einzelthemen zusammen gebracht werden.

Die Kooperationsstelle hat hier eine wesentliche Scharnierfunktion

übernommen, um das Zusammenkommen und

Zusammenwirken zu ermöglichen.

BetriebsrätInnen und weitere gewerkschaftlich aktive

Kolleginnen und Kollegen erhielten über eine Vielzahl von

Ansätzen Unterstützung ebenso wie Einblicke in Forschungsthemen,

die für ihre Aufgaben- und Arbeitsfelder selber oder

auch im Zuge der Entwicklung gesellschaftlicher Perspektiven

von Interesse waren. Die Veranstaltungen zur Zukunft von

Mitbestimmung in Europa oder der Wirkung der Osterweiterung

bilden hier nur zwei Beispiele.

An den Hochschulen findet in zunehmendem Maße eine

unmittelbare berufliche Ausbildung statt. Immer mehr hoch

qualifizierte AbsolventInnen treffen im operativen Bereich als

Führungskräfte auf Beschäftigte mit beruflicher Erfahrung

und hoher Kompetenz. An der Bewältigung dieser Herausforderung

wirkt die Kooperationsstelle mit durch die Ermöglichung

von Zugängen zu Praxisfeldern für die Hochschulen

und den Studierenden. Konkret geschah dies in vielfältiger

und gelungener Weise durch Veranstaltungen oder Projekte

beispielsweise zu Umstrukturierungsprozessen, sozialer

Kompetenz oder durch Einzelinhalte wie z.B. kommunale

Energieversorgung und erneuerbare Energien. Hier fanden

vielfach Themen aus Forschung und Lehre oder Forschungsergebnisse

ihren konkreten, praktischen Bezug in ihrer Wirkung

auf Arbeitswelt und Gesamtgesellschaft.

Darüber hinaus sehen wir in den Angeboten ‚Praktikumsbörse’

oder ‚students-at-work’ eine wichtige, notwendige

und konkrete Unterstützung für die berufliche Praxis von

Studierenden.

Mit ihrer Scharnierfunktion bildet die Kooperationsstelle

für uns Gewerkschaften, für unsere VertreterInnen in den

Betrieben aber auch den Betrieben selber, für die AkteurInnen

an Hochschule, den Lehrenden und den Studierenden

eine für alle Seiten fruchtbare und ergebnisreiche Kommunikations-

und Erfahrungsplattform. Dies betrifft lange nicht

mehr nur die technischen Berufe mit der Ausrichtung auf

industrielle Produktion, sondern im erheblichen Maße auch

viele Dienstleistungsbereiche, ein wesentliches Feld unserer

Gewerkschaft.

Mit den Beteiligten interdisziplinär über die jeweiligen fachlich

begrenzten Tellerränder hinaus blicken zu können, soziale

Kompetenzen und gesamtgesellschaftliche Vernetzung

| 17 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


wie auch Verantwortung zu fördern, darin liegen wesentliche

Werte, die die Kooperationsstelle in den letzten

10 Jahren maßgeblich mit gefördert hat.

Die von der Kooperationsstelle herausgegebene Schriftenreihe

„KooperationsBeispiele“ greift viele der oben genannten

Punkte und Projekte auf und vervollständigt somit

diese wertvolle Arbeit und ihren Nutzen für die beteiligten

KooperationspartnerInnen.

ver.di sagt herzlichen Glückwunsch zu der erfolgreichen

Arbeit, die unbedingt weitergeführt und entwickelt werden

muss. Mit der Zusage, diese zu unterstützen, wünschen wir

weiterhin alles Gute und viel Erfolg.

Detlef Ahting

Dienstleistungsgewerkschaft ver.di

SüdOstNiedersachsen

| 18 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Dr. Horst Neumann

Gemeinsam zu einer Spitzenmannschaft –

Kooperationen von Hochschulen und Unternehmen

Festvortrag zum 10-jährigen Jubiläum der

Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften,

Region SüdOstNiedersachsen

– es gilt das gesprochene Wort –

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank, dass Sie mich zu Ihrem Jubiläum als Redner eingeladen

haben. Und wie es sich zu einem Jubiläum gehört,

möchte ich der Kooperationsstelle und damit natürlich den

AkteurInnen herzlich zu Ihrem 10-jährigen Bestehen sowie

der damit verbundenen erfolgreichen Arbeit gratulieren.

Erfolgreich deshalb, weil Sie den Dialog zwischen Wissenschaft

und Arbeitswelt in diesen Jahren wesentlich weiterentwickelt

haben.

Die Wissenschaft prägt die Arbeitswelt von Unternehmen

insbesondere bei der Diskussion von Organisation, Arbeitszeitgestaltung

und Qualifizierung. Damit verbunden ist ein

hohes Interesse der Mitbestimmung, ihre Erfahrungen aus

der Praxis in diese Diskussionen mit einfließen zu lassen.

Gleichzeitig fließen die Erkenntnisse der Wissenschaft in die

betriebliche Mitbestimmungspraxis kontinuierlich ein, um

auch hier neue Entwicklungen aufzugreifen, auf Umsetzbarkeit

zu überprüfen und in die Praxis umzusetzen. Die Kooperationsstelle

trägt dazu bei, die noch immer vorhandene

Distanz von Wissenschaft und Praxis zu überbrücken.

Die verstärkte Beteiligung der Beschäftigten und damit

auch ihrer InteressenvertreterInnen an der Gestaltung der

Arbeitswelt ist eine Entwicklung, die sich an der Historie der

Arbeitsorganisation ablesen lässt. Sie kennen alle die drei

Stufen der automobilen Entwicklungsgeschichte:

Am Anfang der handwerklichen Fertigung in kleinen Serien

stehen Namen wie Gottlieb Daimler, Karl Benz, August

Horch, Ferdinand Porsche. Um 1910 herum begann Henry

Ford mit der Großserienproduktion, fußend auf einer

Arbeitsorganisation, die durch strenge Hierarchien, strikte

Arbeitsteilung und geringe Qualifikation der Beschäftigten

gekennzeichnet war. Ab etwa den 1970er Jahren folgten die

Ansätze moderner Arbeitsorganisation: Quality of Worklife,

Humanisierung der Arbeit, neue Produktionskonzepte in den

USA, Deutschland und Schweden, mit Gruppenarbeit, mit

Verbesserung der Arbeitsbedingungen und menschengerechter

Arbeitsgestaltung. In den späteren 1980er Jahren kamen,

hauptsächlich aus Japan stammend, die lean-production-

Erfahrungen mit Prozessqualität, just in time, Kampf gegen

| 19 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Gemeinsam zu einer Spitzenmannschaft – Kooperationen von Hochschulen und Unternehmen – Dr. Horst Neumann

Muda, KVP hinzu. Anschließend ist eine Entwicklung bemerkenswert,

die bei uns weitgehend unbekannt ist. Nämlich

die HPWP-Praxis und –Forschung, also High performance

work practice oder high performance work force, die ausgehend

von den Erfahrungen mit lean production in den

USA, insbesondere in der Stahlindustrie einsetzte. Hier liegen

bemerkenswerte Untersuchungen von MacDuffie am MIT

vor, der anschließend in einer anderen Branche untersucht

hat, welches personalpolitische Konzept idealerweise zu der

lean production passt, die ja selbst kein personalpolitisches

Konzept ist.

Und nicht vergessen dürfen wir die Wirkung einiger spezifisch

deutscher Traditionen auf die Innovationsfreude in den

betrieblichen Prozessen und auf die Qualität der Produkte,

z.B. die Tradition der beruflichen Karrierewege von der Ausbildung

über die Weiterbildung bis zur MeisterIn oder die

Tradition der Mitbestimmung.

Für unsere Arbeitsorganisation müssen wir aber das Beste

aus allen industriellen Traditionen suchen und verbessern,

aus der europäischen Technologie- und Berufstradition, aus

der japanischen „lean production“ und aus dem, was in den

USA unter HPWP Erfolg verspricht.

Wir brauchen den Wissenstransfer zwischen Arbeitswelt

und Forschung für die praxisorientierte Weiterentwicklung

unserer Arbeitswelt. Durch die sozialwissenschaftliche Begleitung

unseres Projektes Auto 5000 haben sowohl Management

als auch Interessenvertretung wichtige Erkenntnisse

für den betrieblichen Ablauf aus der Begleitforschung ziehen

können. Auch bei der Implementierung unserer neuen

Arbeitsorganisation ist geplant, eng mit der Wissenschaft

zusammenzuarbeiten.

Denn die Form der Arbeitsorganisation und die Beteiligung

der Belegschaft werden wesentlich zum Erfolg von Unternehmen

im verschärften Wettbewerb beitragen.

Lassen Sie mich kurz die Rahmenbedingungen für die

Automobilindustrie skizzieren:

Marktvolumen: Die europäischen Märkte werden in den

kommenden Jahren stagnieren, während der Weltmarkt

insgesamt – insbesondere in China, Indien und Russland –

wachsen wird.

Gesetzliche Anforderungen und KundInnenwünsche:

Durch den technischen Wandel ergeben sich für uns neue

Absatzchancen bei gleichzeitiger Unsicherheit, wie sich

| 20 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Gemeinsam zu einer Spitzenmannschaft – Kooperationen von Hochschulen und Unternehmen – Dr. Horst Neumann

KundInnenwünsche und gesetzliche Anforderungen (z. B.

CO 2 Diskussion) entwickeln.

Verschärfter Wettbewerb: Unsere Chancen sehen wir in

einem innovativen Wettbewerb. Durch weiter zunehmende

Überkapazitäten wird sich der Verdrängungswettbewerb

aber weiter verschärfen.

Nach dem die asiatischen HerstellerInnen den amerikanischen

Markt erobert haben, droht nun eine vergleichbare Entwicklung

in Europa einzutreten. Die asiatischen AnbieterInnen blasen

zum Angriff auf den europäischen Markt und damit auf

den Marktführer, den Volkswagen Konzern. Toyota gewinnt

jedes Jahr in Europa rund 230.000 neue KundInnen hinzu.

Das entspricht einem Zuwachs einer neuen Fabrik, die jeden

Tag 1.000 Fahrzeuge produziert.

Derzeit werden in Zentraleuropa von asiatischen HerstellerInnen

Fabriken mit einer Kapazität von rund 1 Million Fahrzeuge

aufgebaut. Da diese Standorte sich durch sehr günstige

Arbeitskosten auszeichnen, müssen wir uns in den kommenden

Jahren auf einen brutalen Verdrängungswettbewerb einrichten,

der vor allem über den Preis geführt werden wird.

Der Unternehmer zeichnet sich nach Schumpeter zwar auch

durch „schöpferische Zerstörung“ aus, aber in erster Linie

doch durch Innovationen und Unternehmungslust.

Geniale Ingenieurskunst, z. B. Leidenschaft für Motoren und

Automobile, z. B. eines Karl Benz, Gottlieb Daimler, Henry

Ford, August Horch, Ferdinand Porsche oder Seidi Toyoda

mündeten, wenn sie sich mit kaufmännischer Tugend paarten,

in erfolgreiche, wachsende Unternehmen, die Millionen

Arbeitsplätze schufen.

An diese Tradition müssen wir anknüpfen, wenn wir die

Zukunft für Volkswagen gewinnen wollen.

Die Zukunft für Volkswagen gewinnen wir mit

• bester angemessener Technik,

• effizientester Organisation,

• günstigsten Kosten

• und mit einer Spitzenmannschaft.

Wir brauchen die Technik, die die KundIn als Mehrwert

wahrnimmt und auch bereit ist zu bezahlen. Volkswagen

hat scheinbar hier seine Spitzenposition bei den KundInnen

verloren. Trotzdem können wir sogar die Fachwelt mit

| 21 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Gemeinsam zu einer Spitzenmannschaft – Kooperationen von Hochschulen und Unternehmen – Dr. Horst Neumann

Innovationen überraschen wie der „heißen Brennstoffzelle“.

Innovation erfordert, die sich ständig verändernden Rahmenbedingungen

eines verschärften globalen Wettbewerbs frühzeitig

zu verstehen, um auf die Zukunft gerichtet denken

und handeln zu können.

Unsere Organisation muss derart gestaltet sein, dass unsere

Prozesse bereichsübergreifend fehlerfrei und kostengünstig

ablaufen können. Ein Beispiel, die Prozesse effektiver und

Strukturen zielorientierter zu gestalten, um Schnelligkeit und

Qualität zu erhöhen, ist das Vorseriencenter in der Entwicklung.

Bereits zum Bau des ersten Prototypen des neuen Tiguan

haben MitarbeiterInnen aus der Produktion die Fertigungsbelange

im direkten Dialog mit den MitarbeiterInnen des Versuchsbaus

und den KonstrukteurInnen eingebracht. Somit

konnte die Höhe der notwendigen Änderungskosten bis

heute im Vergleich zu anderen Produkten halbiert werden.

Aktuell und zukünftig noch verstärkt werden wir einen Verdrängungswettbewerb

haben, der sich über den Preis ausdrückt.

Nur Unternehmen mit wettbewerbsfähigen Kosten

werden am Markt überleben.

Um die vom Wettbewerb vorgegebenen Herausforderungen

bewältigen zu können, brauchen wir eine Spitzenmannschaft.

Eine Spitzenmannschaft zeichnet sich durch

• Kompetenz,

• Engagement und

• Fitness aus.

Bei Kompetenz und Engagement sind wir bei den zentralen

Anforderungen an die Personalpolitik und an das MitarbeiterInnenleitbild

einer modernen Unternehmung.

Kompetenz entsteht durch eine

• gute Grundausbildung in Schule,

beruflicher Ausbildung oder Hochschule

• lebenslange Lernbereitschaft

• angemessene Weiterbildung in der Arbeit

und außerhalb der Arbeit.

Dabei geht es um den Erwerb von

• Wissen

• Können / Fertigkeiten

• Erfahrung.

| 22 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Gemeinsam zu einer Spitzenmannschaft – Kooperationen von Hochschulen und Unternehmen – Dr. Horst Neumann

Wir sprechen heute bei VW nach Abschluss der Berufsausbildung

noch von „Ausgelernten“. Die Vorstellung, nach

3 Jahren Berufsausbildung habe die frischgebackene FacharbeiterIn

ausgelernt, ist nicht mehr gültig.

Ständige Lernbereitschaft ist beim und nach dem Berufseinstieg

notwendig.

Die zweite Dimension einer Spitzenmannschaft ist das

Engagement. In seiner anspruchvollsten Form bedeutet

dies unternehmerisches Denken und Handeln.

Ein realistisches MitarbeiterInnen-Leitbild stuft etwas ab:

Für alle Beschäftigten gilt Mitdenken und Mitmachen; das ist

sozusagen im Grundentgelt mit entlohnt. Mitentscheiden

und unternehmerisches Denken und Handeln ist je nach vorhandenem

Entscheidungsspielraum gefordert.

Für das Engagement der MitarbeiterInnen gibt es ein schönes

Beispiel in der Auto 5000: den PDCA-Prozess (Planen, Durchführen,

Checken, Anpassen), die Teilnahme am kontinuierlichen

Verbesserungsprozess. Beeindruckend ist die Tatsache,

dass in der Befragung des Soziologischen Forschungsinstituts

Göttingen 50 bis 60% der MitarbeiterInnen gesagt haben:

„PDCA bringt mich fachlich weiter“. Darin zeigt sich, dass es

beim KVP-Prozess nicht nur um die Verbesserung und Optimierung

von Qualität und Produktivität geht, sondern dass

KVP gleichzeitig ein Lernprozess ist: Qualifizierungszeit kann

KVP-Zeit sein – und umgekehrt. Dass die MitarbeiterInnen

dies so empfinden, ist ein entscheidender Punkt für den

Erfolg der Arbeitsorganisation und damit der Auto 5000.

Wir werden zwar glücklicherweise alle älter (in Deutschland

z. Zt. jedes Jahr 2 Wochen). Gleichzeitig nehmen Zivilisations-

und Wohlstandskrankheiten weltweit zu. Übergewicht

und Bewegungsarmut sind bereits bei Jugendlichen ein

wachsendes Problem, zahlreiche Leistungseinschränkungen

und Krankheiten die Folge. Die Unternehmen und hier

natürlich die Arbeitsmedizin können in Zukunft einen großen

Beitrag zur Gesundheitsförderung und Prävention durch

gute Ernährung und ausreichende Bewegung leisten.

Wesentliche Voraussetzung für eine Spitzenmannschaft

bei Volkswagen ist, dass wir auch als attraktiver Arbeitgeber

wahrgenommen werden. Die besten AbsolventInnen für unser

Unternehmen zu gewinnen, muss das eindeutige Ziel sein.

Dies wird in den jüngsten AbsolventInnenumfragen aber

nicht bestätigt. Hiernach gehört Volkswagen nämlich nicht

zu den gewünschten Top Adressen der AbsolventInnen.

| 23 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Gemeinsam zu einer Spitzenmannschaft – Kooperationen von Hochschulen und Unternehmen – Dr. Horst Neumann

Die angehenden IngenieurInnen sehen Volkswagen nur auf

dem 10. Platz der WunscharbeitgeberInnen. Bei den WirtschaftswissenschaftlerInnen

liegt Volkswagen mit Platz 25

sogar nur im Mittelfeld.

Volkswagen, der größte Automobilproduzent Europas kann

mit diesem Ergebnis nicht zufrieden sein. Wir wollen die

Jahrgangsbesten für unser Unternehmen begeistern.

Deutschland nimmt im internationalen Vergleich in Bezug

auf Innovationsfähigkeit immer noch eine Spitzenposition

ein. Die Spezialisierung in Hochtechnologie, verbunden mit

effizienter Produktion von innovativen Produkten stellt einen

Wettbewerbsvorteil dar. Hinsichtlich der Forschungsaktivitäten

liegt

• der Anteil der Ausgaben im Forschungsbereich – sowohl

im öffentlichen als auch im privaten Sektor – im europäischen

Spitzenfeld;

• die Anzahl der angemeldeten Patente je EinwohnerIn weit

über EU-Durchschnitt. Besonders die Automobilindustrie –

HerstellerInnen und Zulieferer – hat sich in den letzten

Jahren einmal mehr als Innovationsmotor herausgestellt.

So hat der Bereich Fahrzeugtechnik mit + 6,9% im Jahr

2005 den größten Zuwachs bei den Patentanmeldungen

in Deutschland verzeichnen können.

Die genannten Erfolge geben aber keinen Aufschluss auf die

Zukunftsfähigkeit unserer Innovationsfähigkeit. Das „European

Trend Chart on Innovation“ der Europäischen Kommission

vergleicht die EU Staaten auch hinsichtlich der Ressource

„Personal“. Die Ergebnisse sind ernüchternd:

• Bei Qualifizierungsmaßnahmen liegt Deutschland weit

unter dem EU-Durchschnitt.

• Der Anteil der AbsolventInnen der Ingenieur- und Naturwissenschaften

ist in Deutschland im Vergleich zu den

Mitgliedsstaaten der EU ebenfalls nicht zufriedenstellend.

Der Anteil der AbsolventInnen dieser Berufsgruppen an

der Gruppe der 20 – 29-jährigen liegt 29%-Punkte unter

dem EU Durchschnitt. 1997 waren es noch 12 %Punkte.

Der Trend des abnehmenden Interesses an Ingenieurwissenschaften

spiegelt sich auch in den Daten des Statistischen

Bundesamtes wider.

| 24 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Gemeinsam zu einer Spitzenmannschaft – Kooperationen von Hochschulen und Unternehmen – Dr. Horst Neumann

1993 waren mit 383.368 die meisten StudentInnen für

Ingenieurwissenschaften an Hochschulen eingeschrieben.

In 2005 waren es nur noch 326.491. Zwar wurde die Talsohle

von 2002 mit 299.267 eingeschriebenen StudentInnen

durchschritten, aber dennoch wird der Höchstwert aus 1993

mit ./. 15% deutlich unterschritten.

Gleiches Bild zeigt sich in der Konsequenz bei den AbsolventInnen.

Gerade knapp 16% aller HochschulabsolventInnen

machen einen IngenieurInnenabschluss (./. 6,5%-Punkte

gg. 1995). In den Naturwissenschaften und der Mathematik

ist die Zahl der Studierenden zwar leicht gestiegen, aber

auch hier liegt der Anteil der AbsolventInnen gerade einmal

bei 16%.

Ein gegenläufiger Trend (1993 – 2005) ist bei der Entwicklung

der StudentInnenzahlen der Geisteswissenschaften zu

verzeichnen:

• Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften: + 12,8%

• Sprach- und Kulturwissenschaften: + 11,2%

• Kunst und Kunstwissenschaften: + 4,5%

In Ländern wie China und Indien erfreuen sich Ingenieurwissenschaften

und Naturwissenschaften einer großen

Beliebtheit. In China sind 51% aller StudentInnen für diese

beiden Fachrichtungen eingeschrieben.

In Indien schließen jedes Jahr rund 200.000 StudentInnen ihr

Ingenieurstudium ab. Und es ist abzusehen, dass diese Zahlen

noch weiter steigen werden. Auch wenn die Statistiken

angezweifelt werden, so lässt sich doch erkennen, dass

China und Indien schon sehr bald über eine Entwicklungskompetenz

verfügen werden, die in ihrer Innovationskraft

den westlichen Ländern nicht nachstehen wird.

Die Unternehmensberatung Booz, Allen Hamilton stellt in

ihrer neuesten Innovationsstudie über 1000 Unternehmen

fest, dass mehr als 75% der geplanten Innovationszentren in

den kommenden drei Jahren in China oder Indien entstehen

werden. Die Auswirkungen auf Produkte, Märkte und

Beschäftigung brauche ich hier nicht aufzuführen.

Was können Unternehmen und Universitäten gemeinsam

tun, damit wir zukünftig eine Spitzenmannschaft haben?

Wir haben die Eckwerte der Herausforderungen auf dem

Tisch, denen sich Hochschulen und Universitäten verstärkt

gegenübersehen werden. Ob wir sie meistern werden, hängt

im Wesentlichen von der Qualität unserer Zusammenarbeit

| 25 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Gemeinsam zu einer Spitzenmannschaft – Kooperationen von Hochschulen und Unternehmen – Dr. Horst Neumann

ab. Hochschulen und Unternehmen müssen gemeinsam ein

Spitzenteam bilden für die Technologieführerschaft im Automobilbau.

Nur so haben wir eine Zukunftschance in einem

weltweiten Wettbewerb, der längst nicht mehr nur ein Wettbewerb

zwischen ProduzentInnen um die KundInnen ist,

sondern auch ein weltweiter Wettbewerb der Hochschulen

und der Unternehmen um die jungen Talente.

Die Zusammenarbeit von Unternehmen und Hochschulen

besteht insbesondere in Form von Wissens- und Technologietransfer.

Dabei handelt es sich bei weitem nicht um eine Einbahnstraße,

sondern beide PartnerInnen müssen sich aktiv

in die Partnerschaft einbringen, um den Vorsprung durch

Wissenschaft zu erzielen.

Die beiden Welten – Wissenschaft und Wirtschaft – wissen

zu wenig voneinander und verstehen sich teilweise nicht.

Die Erhöhung des gegenseitigen Verständnisses erreicht man

am leichtesten durch zwischenmenschlichen Austausch, z.B.

ForscherInnen in Aufsichtsräten in Unternehmen, WirtschaftslenkerInnen

in Hochschulräten, AbsolventInnen in

Kontakt mit ihrer alma mater, WirtschaftsvertreterInnen in

Vorlesungen, WissenschaftlerInnen in Industrieprojekten.

Hochschulen haben wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung

unserer Spitzenmannschaft, denn sie legen in der Erstausbildung

den Grundstein bei unseren zukünftigen Talenten.

Das klassische Engagement der Unternehmen in der Primärausbildung

war in der Vergangenheit – so selbstkritisch müssen

wir schon sein – bisher überwiegend beschränkt auf die

passive Teilhabe. Unternehmen erhielten fertige AbsolventInnen

mit aktuellem Fachwissen, das es so schnell wie möglich

für die betriebliche Praxis zu nutzen galt.

Die Fragwürdigkeit dieser funktionalen Zuordnung ist nicht

nur angesichts sinkender Halbwertzeit des Wissens offensichtlich.

Auch lassen sich HochschulabsolventInnen nicht sofort in

einen Betrieb integrieren. Um die „volle Drehzahl“ im Betrieb

zu erreichen, benötigt man in der Regel 1 – 1,5 Jahre.

Warum sind Praxisnähe und duale Prinzipien auch für die

akademische Ausbildung so wichtig? Der Wechsel zwischen

den Lernorten Hochschule und Betrieb ist entscheidend für

eine möglichst kurze Sozialisationszeit der AbsolventInnen.

Sozialisation kann nicht das einzige Kriterium für die wissenschaftliche

Qualität akademischer Ausbildung sein, doch ist

sie ein wesentlicher Indikator für die Kluft zwischen Studium

und Betrieb.

| 26 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Gemeinsam zu einer Spitzenmannschaft – Kooperationen von Hochschulen und Unternehmen – Dr. Horst Neumann

Die Kooperationsstelle hat mit dem Projekt „Sozialkompetenz

für IngenieurInnen“ einen notwendigen Baustein in der

Ausbildung angestoßen. Denn auf die Komplexität der

zunehmenden Projektarbeit müssen junge AkademikerInnen

bereits im Vorfeld vorbereitet sein.

In Zukunft müssen wir uns anstrengen, eine noch intensivere

und effektivere Verknüpfung der Lernorte zu erreichen.

Denn in den Praktika, den Diplomarbeiten und den berufsbegleitenden

Qualifikationen an der Hochschule bildet sich

die erste „normative Orientierung“ an der Unternehmenskultur

des Betriebs heraus und eine oft lebenslang sich weiterentwickelnde

„Betriebsloyalität“. Der Ferienjob, die Praktika,

das Volontariat, das Traineeprogramm: Wer so etwas

mitgemacht hat, der/ die weiß, wie prägend solche ersten

Eindrücke von der Arbeitswelt für die weitere Motivation

sind und wie lange die dort angelegten persönlichen Beziehungen

in die Arbeitswelt wirken.

Um die Orientierungs- und Einarbeitungszeit zu reduzieren,

existieren mittlerweile in fast allen Unternehmen zahlreiche

Programme, um die Top Talente bereits in einem frühen

Stadium ihrer Berufswahl, dem Studium, an die Unternehmen

zu binden.

Bei Volkswagen absolvieren jedes Jahr rund 2.000 StudentInnen

ein Praktikum, um das Erlernte in der Praxis zu erleben

und den betrieblichen Alltag kennenzulernen. Die besten

wählen wir für unsere studentische Talentbank aus. Dies ist

ein studienbegleitendes, internationales Nachwuchsprogramm,

das der Förderung und der emotionalen Bindung

talentierter und engagierter StudentInnen dient.

Ein klassisches Instrument des Wissenstransfers zwischen den

Universitäten und unserem Unternehmen ist das DoktorandInnenprogramm.

Konzernweit arbeiten gut 200 DoktorandInnen

an ihrer Doktorarbeit bei Volkswagen. Insbesondere

in der Forschung und technischen Entwicklung kommen sie

hierbei zum Einsatz. Die DoktorandInnen sind in unseren

Geschäftsbereichen geschätzte GesprächspartnerInnen, verfügen

sie doch über den Zugang zu neuesten wissenschaftlichen

Erkenntnissen und spiegeln diese mit der betrieblichen

Praxis. Ich hoffe, wir können die Art der Zusammenarbeit in

Zukunft noch weiter intensivieren.

Ein weiteres Programm, betriebliche Praxis und Wissenschaft

frühzeitig zu verbinden, ist das Programm Studium im Praxisverbund.

Auszubildende erhalten gleichzeitig eine berufliche

Ausbildung und absolvieren ein Studium. Das Programm,

das wir gemeinsam mit der Fachhochschule Braunschweig-

| 27 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Gemeinsam zu einer Spitzenmannschaft – Kooperationen von Hochschulen und Unternehmen – Dr. Horst Neumann

Wolfenbüttel durchführen, wird von den studierenden Auszubildenden

sehr gut angenommen. Die Ergebnisse sind

erfreulich und wir können jeder AbsolventIn nach Beendigung

der Ausbildung einen Arbeitsplatz anbieten.

Unternehmen brauchen neugierige und lernbegierige, selbstbewusste

und unternehmenslustige BerufseinsteigerInnen

mit grundsätzlich positivem Verhältnis zu Bildung und Lernen.

Den Erkenntnistrieb zu wecken, die Neugier auf Neues,

die Motivation zum Lernen und das Interesse an der eigenen

Entwicklung zu fördern, ist der primäre Bildungsauftrag an

Schulen, Hochschulen und Universitäten.

Die pädagogische Einsicht, dass das Ziel der schulischen Bildung

nicht die Prüfung ist, sondern die Fähigkeit, sich selber

im Arbeitsleben Lernziele zu setzen, also Probleme definieren

und lösen zu können. Dieses Ziel, die Kompetenz und die

Liebe zum Lernen zu vermitteln, kommt leider noch zu kurz.

Viel zu oft wird noch davon ausgegangen, man könnte einmal

Gelerntes auch erfolgreich und ein Leben lang beruflich

anwenden. Immer weniger Menschen arbeiten in den Bereichen,

für die sie ausgebildet wurden. Wir werden ein Leben

lang lernen müssen, und wir werden uns unsere Ziele dabei

selber stecken müssen.

Das gilt besonders für den tertiären Bildungsbereich. Im Blick

auf diese Herausforderung müssen wir die Zusammenarbeit

von Hochschulen und Unternehmen zum Kompetenzerhalt

und Kompetenzaufbau der Region nutzen.

In den Unternehmen wächst seit den 90er Jahren das

Bewusstsein für die Notwendigkeit, eine lernende Organisation

zu werden, d.h. als Organisation wie als Einzelner nicht

allein auf die punktuellen und externen Wissenseinspeisungen

in ein starres Produktionssystem zu vertrauen, sondern

selber in einer flexiblen Organisation Lernziele zu erkennen

und zu entwickeln. Wir müssen wieder anfangen, das Lernen

zu lernen.

Zwischen „Auslernen“, „Umlernen“ oder „Weiterlernen“

lässt sich in Zukunft immer weniger unterscheiden.

Ein großes und interessantes Tätigkeitsgebiet für die Partnerschaft

von Unternehmen und Hochschulen ist das der fachlichen

Weiterbildung, der Prozessbegleitung und Evaluation.

Es gibt zahlreiche Weiterbildungsaktivitäten in deutschen

Betrieben, die seit Jahren schon die Ausgaben des Staates

für den Hochschulbereich übersteigen.

| 28 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Gemeinsam zu einer Spitzenmannschaft – Kooperationen von Hochschulen und Unternehmen – Dr. Horst Neumann

Gleichzeitig gibt es viele externe AnbieterInnen, die um die

Weiterbildungsbudgets der Unternehmen buhlen. Zuletzt

gibt es auch einen wachsenden Markt für Weiterbildung aus

der Hand der Hochschulen an den Standorten. Dieser Weiterbildungsmarkt

liegt mir sehr am Herzen, denn dort ist die

Nähe zu den Quellen wissenschaftlicher Forschung und Diskussion

am größten.

Hier entwickelt sich ein weites Feld möglicher Kooperation

zwischen Hochschulen der Unternehmen. Denn Weiterbildung

ist nicht nur ein lukratives Geschäft, es bedeutet auch

für den Weiterbildenden eine Horizonterweiterung – für die

fachdisziplinorientierten HochschuldozentInnen, weil ihnen

die Problemorientierung der Praxis fremd ist, für die PraktikerInnen,

weil sie zum methodischen Weiterdenken über die

aktuelle Problemlösung hinaus meist wenig Zeit haben.

Wir müssen auch daran denken, den Fach- und Führungskräften

einen Zugang zu Hintergrundwissen und den kontroversen,

akademischen Diskussionen der sie betreffenden

Fachgebiete anzubieten.

Dafür haben wir die AutoUni gegründet. Aber der Natur

akademischer Diskurse entsprechend soll eine solche Gründung

keine Konkurrenz, sondern eine Bereicherung für die

vorhandene Hochschullandschaft bedeuten. Auch die

AutoUni ist ein Instrument, den Wissenstransfer zwischen

Unternehmen und Hochschulen zu verbessern und qualitativ

zu vertiefen.

Dabei stehen wir auch vor der Aufgabe, die Lernenden für

Bildungs- und Veränderungsprozesse zu gewinnen. Denn für

den Erfolg eines unternehmerischen Lernprozesses ist es entscheidend,

auch die MitarbeiterInnen zu gewinnen und den

Veränderungsprozess in die individuelle Lebensplanung einzufügen.

In diesem Sinne soll das „lebenslange“ und das

„Arbeitsleben begleitende“ Lernen auch ein „lebensbereicherndes“

Lernen sein, Teil einer sinnvollen Work-Life-Balance.

Deshalb ist es an dieser Stelle wichtig, an die Bedeutung der

Mitbestimmung in der betrieblichen Bildung und Personalentwicklung

zu erinnern. Das Unternehmen denkt primär

betriebswirtschaftlich. Auf der einen Seite stehen die betrieblichen

Qualifikationsbedarfe, wie sie sich aus den technologischen,

wettbewerblichen oder arbeitsorganisatorischen

Bedingungen ergeben.

Diese Rahmenbedingungen müssen permanent mit der

Beschäftigungsfähigkeit der MitarbeiterInnen abgeglichen

werden. Hier kann die Mitbestimmung unterstützen, das

| 29 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Gemeinsam zu einer Spitzenmannschaft – Kooperationen von Hochschulen und Unternehmen – Dr. Horst Neumann

notwendige Verantwortungsbewusstsein bei den Beschäftigten

aufzubauen. Denn sie können am besten abschätzen,

welche weitere Qualifizierung sie benötigen.

Aber nicht nur bei dem Aufbau von Kompetenz, in Form

von MitarbeiterInnenaus- und weiterbildung, sind Kooperationen

zwischen Unternehmen und Universitäten notwendig.

Denn der Bedarf des Unternehmens hat sich vom kurzfristigen

Bedarf an Einzeltransfers hin zu einer strategischen Partnerschaft

mit Blick auf die langfristige Technologieführerschaft

gewandelt. Die alte Transferidee war auf punktuelle,

einmalige Vermittlung von Wissen ausgerichtet, die den

neuesten Stand von Forschung und Technik in die Unternehmen

bringen sollte. In einer Welt des ständigen technologischen

Wandels schrumpft diese Zeitspanne aber zusammen.

Die so genannte Halbwertzeit des jeweils neuesten Wissens

nimmt ständig ab. Dabei dürfen nicht nur aktuelle Trends

erforscht werden. Wir brauchen strategische Forschungskooperationen,

wenn wir die zukünftigen Technologien und

Entwicklungen bereits heute antizipieren und dann Lösungsansätze

anbieten wollen.

Voraussetzung ist aber eine Konzentration der Universitäten

auf ihre Kernkompetenzen. Denn Universitäten werden nur

dann starke und interessante PartnerInnen für die Unternehmensforschung,

wenn sie auf ausgewählten Kompetenzfeldern

Spitzenleistung erzeugen.

In einer wirtschaftlich angespannten Lage, in der alle Kräfte

eines Unternehmens auf den Wertschöpfungsprozess und

seine Kernkompetenzen konzentriert sein sollten, braucht es

schon gute Begründungen für wissenschaftliche Hochschulkooperationen.

Der Wettbewerb unter den Hochschulen wird somit noch

schärfer. Gleichzeitig besteht aber auch die Chance verstärkt

Fördermittel zu akquirieren und die besten MitarbeiterInnen

für die Institute der Hochschulen zu gewinnen.

Volkswagen und die TU Braunschweig sind dabei, eine solche

strategische Partnerschaft einzugehen. Gut ein Drittel des

Auftragvolumens unserer Forschung wird bereits für Projekte

mit der TU Braunschweig aufgewendet.

| 30 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Gemeinsam zu einer Spitzenmannschaft – Kooperationen von Hochschulen und Unternehmen – Dr. Horst Neumann

Mit dem Ausbau und der Intensivierung des Kompetenznetzwerkes

von Volkswagen und der TU Braunschweig

wollen wir zukünftig eine internationale Spitzenstellung in

der Fahrzeugtechnik einnehmen. Forschungsschwerpunkte

werden u.a. Antriebe, Werkstoffe und Verfahren, aber auch

Fahrzeugkonzepte sein.

Von daher ist ein entscheidender Erfolgsfaktor wie es

gelingt, die einzelnen Institute enger zu verzahnen.

Die Unternehmen und Hochschulen sind heute auf dem

Weg, aktive Partnerschaften einzugehen. Die traditionelle

Arbeitsteilung zu überwinden und eine partnerschaftliche

Begleitung betrieblicher Prozesse durch die Hochschule zu

erreichen, ist aber in der Praxis gar nicht so einfach. Für die

Hochschulen wird die stärkere Integration in die betriebliche

Praxis schnell die Frage nach dem fachdisziplinären Prestige

und den Karrierekriterien stellen. Welche Anreize gibt es für

HochschuldozentInnen, für eine begrenzte Zeit in die Wirtschaft

zu gehen. Umgekehrt, welchen Anreiz gibt es für die

PraktikerInnen, in die Wissenschaft zu gehen? Da gibt es

noch viel zu tun in den nächsten Jahren.

Ermutigen wir also heute am Jubiläumstag alle Beteiligten,

die Distanz zwischen Wissenschaft und betrieblicher Praxis

zu verringern. Auf diesem Wege bilden wir eine Spitzenmannschaft

aus Theorie und Praxis, die die Herausforderungen

des Weltmarktes als eigene Entwicklungschance ergreift.

Den Blick über den Tellerrand der eigenen Organisation

zu wagen – aus Interesse an der eigenen Entwicklung

genauso wie aus Verantwortung für die Region und ihre

junge Generation.

Die Kooperationsstelle hat sich mit ihrer Arbeit bereits auf

einen erfolgversprechenden Weg begeben. Wir wünschen

ihr auch weiterhin gutes Gelingen.

Im kommenden Jahr wird Braunschweig die Stadt der

Wissenschaft sein. Es ist eine große Chance, eine neue

Begeisterung für die „Wissenschaft“ in der Region zu entfachen

und unsere Region als Forschungs- und Wissenschaftsstandort

zu positionieren.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Dr. Horst Neumann

Arbeitsdirektor bei der Volkswagen AG

| 31 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Dr. Claudia Schünemann

Kooperationsstellenarbeit in Braunschweig – gestern, heute und morgen

Die Kooperationsstelle in der Projektphase 1995 - 1999

Das Projekt ‚Kooperationsstelle SüdOstNiedersachsen’

startete 1995 in den Räumen des Gewerkschaftshauses beim

DGB in Braunschweig zunächst als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme

in Zusammenarbeit mit dem Bildungsträger Arbeit

und Leben. Erst im November 1996 wurde eine formelle

Vereinbarung zwischen der TU Braunschweig, der TU Clausthal,

der Hochschule für Bildende Künste und der Fachhochschule

Braunschweig/Wolfenbüttel abgeschlossen und damit

eine inhaltliche Form der Zusammenarbeit festgelegt, die

auch finanzielle Zuwendungen des Landes Niedersachsen

einschloss und damit eineinhalb Personalstellen schuf.

Dennoch war damit noch nicht die Kooperationsstelle

geschaffen, wie wir sie heute kennen. Vielmehr arbeitete die

Kooperationsstelle weiterhin unter Projektstatus bis 1999.

Braunschweig war nach Oldenburg 1982/1987 und Osnabrück

1995 das dritte Kooperationsprojekt zwischen Hochschulen

und Gewerkschaften in Niedersachsen.

Die Kooperationsstelle in Göttingen wurde 1999 gegründet,

die Kooperationsstelle in Hannover wurde 2001 eröffnet.

Mit der Gründung in Braunschweig, die federführend von

Ulf Birch, damals DGB Landesverband Niedersachen vorangetrieben

wurde, waren große Erwartungen und hohe

Ansprüche verbunden. In der Vereinbarung zur Förderung

der Zusammenarbeit wurden folgende Anforderungen als

Ziele der Kooperationsstellenarbeit formuliert:

• die Erforschung des Wandels der Arbeitswelt und von

Beschäftigungsverhältnissen, insbesondere im Zusammenhang

mit den Folgen der Einführung neuer Technologien

sowie der Veränderung durch gesetzliche und tarifliche

Rahmenbedingungen;

• die wissenschaftliche Weiterbildung und

sonstige Qualifizierung von Arbeitskräften;

• die vergleichende Analyse der Entwicklung neuer Beschäftigungsformen,

neuer Beschäftigungsverhältnisse, neuer

Arbeitszeitmodelle sowie der Probleme neuer Berufsfelder

(s. Vereinbarung zur Förderung der Zusammenarbeit v.

12.11.1996).

Diese Aufgaben sollten ergänzt werden durch die Vermittlung

sowohl wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Arbeitswelt

als auch umgekehrt, durch den Transfer praktischer

Erfahrungen aus der Arbeitswelt in die Wissenschaft.

| 32 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Kooperationsstellenarbeit in Braunschweig – gestern, heute und morgen – Dr. Claudia Schünemann

Die damalige Leiterin der Kooperationsstelle Juliane Oslage

setzte diese Aufgabenstellung durch unterschiedliche Aktivitäten

um. Ihre vorrangige Tätigkeit bestand darin sowohl

gewerkschaftliche als auch HochschulakteurInnen gleichermaßen

in die Kooperationsstellenarbeit einzubinden,

wobei die Gewerkschaftsseite den direkteren Zugang zur

Kooperationsstelle hatte, da diese sich im Gewerkschaftshaus

befand.

Durch gemeinsame Veranstaltungen, wie z.B. das Symposium

‚Zeiten – Wechsel – Wirkung’ im November 1995 zeigten

sich erste Erfolge ihrer Bemühungen. Es erwies sich, dass

eine Annäherung der KooperationspartnerInnen vor allem

über die Auseinandersetzung mit gemeinsamen Themen

erfolgreich war. Dennoch waren die ersten Jahre gekennzeichnet

durch vielfältige Findungsaktivitäten und der Suche

nach konkreten gemeinsamen Interessen der KooperationspartnerInnen.

Konkret gestaltete sich die Arbeit in der

Betreuung von Arbeitskreisen, Netzwerkaktivitäten, der

Herstellung von Kontakten zu Instituten und Personen der

PartnerInnenstitutionen und der Betreuung von Studierenden

in verschiedenen kleineren Projekten und Praktika unterstützt

durch die Hans Böckler Stiftung.

Im Herbst 1996 war die Kooperationsstelle maßgeblich an

der Antragstellung für ein EU-Projekt beteiligt, das ab 1997

mit der Gewerkschaft HBV als Trägerin und der Ausbildungswerkstatt

Braunschweig durchgeführt wurde. Im Anschluss

daran entstand ein Weiterbildungsangebot für den Einzelhandel,

getragen von Arbeit & Leben und der HBV.

Besonders hervorzuheben ist aus dieser Zeit, dass Studierende

und der DGB gemeinschaftlich ein Konzept erstellten und

damit der Grundstein für eine neue Form der Gedenkstättenarbeit

gelegt wurde. Hieraus entwickelte sich später die

Neugestaltung des Riesebergdenkmals durch Prof. Henning

Freiberg (ehemals HBK Braunschweig).

Heute im Jahr 2006 sind weitere positive Folgen dieser

ersten Anfänge von Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften

und Hochschulen sichtbar. Im Oktober 2006 wurde

erstmalig in Deutschland eine Kooperation zwischen einer

Kunsthochschule, dem DGB und den regionalen Einzelgewerkschaften

sowie der Hans Böckler Stiftung begründet.

Die Einrichtung eines Jahresstipendiums für junge AbsolventInnen

der Kunsthochschule Braunschweig ermöglicht ihnen

den Einstieg in die erste Professionalisierungsphase nach

| 33 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Kooperationsstellenarbeit in Braunschweig – gestern, heute und morgen – Dr. Claudia Schünemann

dem Studium. Die Einrichtung dieses Stipendiums dokumentiert

die Gleichwertigkeit von Kunst und Wissenschaft und

der Förderung künstlerischer Forschung und stellt eine echte

Innovation für Braunschweig und die Region SON dar.

Vom Projekt zur Institution 1999

Im November des Jahres 1999 änderte sich der Status der

Kooperationsstelle. Mit einem feierlichen Festakt an der TU

Braunschweig wurde die Kooperationsstelle aus dem Projektstatus

beim DGB herausgehoben und als Institution an der

TU Braunschweig etabliert. Damit verbunden war ein Umzug

auf den Campus der TU, in die Konstatin-Uhde-Straße 4, in

der sich die Kooperationsstelle noch heute befindet und ein

personeller Wechsel in der Leitung. Dr. Birgit Quentmeier,

ausgewählt aus einem Kreis von 74 BewerberInnen sollte

von nun an die Kooperationsstellenarbeit gestalten. Unter

dem Motto „Zukunft der Arbeit“ stellte Frau Dr. Quentmeier

im Rahmen des Festaktes ihre zukünftigen Zielvorstellungen

vor. Zukünftig sollte die Kooperationsstelle:

• als Kommunikationsplattform für einen wechselseitigen

Wissens- und Erfahrungstransfer zwischen akademischer

Theorie und betrieblicher Praxis dienen;

• die Förderung und Entwicklung ‚weicher’ Standortfaktoren

im Kontext des Leitthemas ‚Zukunft der Arbeit’

ermöglichen;

• ein Kooperationsbündnis aus möglichst vielen AkteurInnen

aus unterschiedlichsten Bereichen in Hochschule,

Gewerkschaft und Wirtschaft schmieden (Regionale

Gewerkschaftsblätter Heft 14, Braunschweig 1999, S.16).

In der Umsetzung aus dieser Zeit sind besonders hervorzuheben

Initiativen und Veranstaltungen der Kooperationsstelle

zum Thema ,Schlüsselqualifikationen für Ingenieurstudierende’

und die Veranstaltungsreihe ‚New Economy’. Auch die

Erstellung der Praktikumsbörse im Internet (www.praktikum-

Niedersachsen.de), ein Kooperationsprojekt mit der TU-Clausthal

und der Bildungsvereinigung Arbeit&Leben, fällt in diese

Zeit. Frau Dr. Quentmeier knüpfte Kontakte zur StipendiatInnengruppe

der Hans Böckler Stiftung, die von da ab regelmäßig

in der Kooperationsstelle tagte und von denen einzelne

Studierende an kleineren Projekten beteiligt waren.

| 34 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Kooperationsstellenarbeit in Braunschweig – gestern, heute und morgen – Dr. Claudia Schünemann

Sie war auch maßgeblich in der Antragsphase und später

in der Durchführungsphase des BMBF Projekts ‚Lernende

Region’ beteiligt.

Wie bereits ihre Vorgängerin war auch Frau Dr. Quentmeier

in der ersten Zeit vorrangig damit beschäftigt, Kontakte an

den Hochschulen, insbesondere der TU Braunschweig zu

vertiefen, um interessierte Lehrende in die Arbeit der Kooperationsstelle

mit einzubinden und gewerkschaftliche Kontakte

aufzubauen. Während ihr in diesem Zusammenhang ihre

Bekanntheit an der TU Braunschweig sehr von Nutzen war,

musste sie gleichermaßen auf gewerkschaftlichem Terrain

Rückschläge hinnehmen.

Obwohl die inhaltliche Arbeit in Absprache mit dem Beirat

der Kooperationsstelle und damit auch mit den gewerkschaftlichen

PartnerInnen erfolgte, zeigte sich, dass es

schwierig war gewerkschaftliche AkteurInnen und betriebliche

MitarbeiterInnen in die Arbeit der Kooperationsstelle

einzubinden.

Der Standortwechsel der Institution in die Räumlichkeiten

der TU trug ebenfalls dazu bei, die Kommunikation zu

beeinträchtigen. Für BetriebsrätInnen und GewerkschafterInnen

war der Uni-Campus ein neues, unbekanntes Gebiet

und die Schwellen- und Berührungsängste waren wohl

größer als von Seiten der InitiatorInnen vermutet. Deutlich

wurde dies auch bei den Veranstaltungen in der Reihe

‚New Economy’, an der ReferentInnen aus Hochschulen

und Gewerkschaften beteiligt waren, die aber nicht in der

TU sondern in der Brunsviga (Kulturzentrum) in Braunschweig

stattfanden.

Im Juni 2001 begann Dr. Claudia Schünemann zunächst

vertretungsweise, dann als zweite wissenschaftliche Mitarbeiterin

und stellvertretende Leiterin ihre Arbeit in der

Kooperationsstelle. Frau Dr. Quentmeier hatte den Beirat

ersucht, ihre ganze Stelle in zwei halbe Personalstellen zu

teilen. Gemeinsam führten die beiden Mitarbeiterinnen unter

anderem die Tagung ‚Telearbeit – Arbeitsform am Puls der

Zeit’ mit ReferentInnen aus Wissenschaft, Wirtschaft und

Gewerkschaft durch und bereiteten die Veröffentlichung des

gleichnamigen ersten Bandes der Schriftenreihe der Kooperationsstelle

vor, der im Winter 2002 erschien. Weiterhin fällt

in diese Zeit auch das Projekt ‚Zukunftsenergie Oberharz’,

ein Gemeinschaftsprojekt mit der TU Clausthal, einem ortsansässigen

Ingenieurbüro und regionalen AkteurInnen aus

Gewerkschaft und Politik. Der Projektbericht „Leitfaden

kommunale Energieversorgung“ wurde 2004 als Band 3 der

KooperationsBeispiele veröffentlicht.

| 35 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Kooperationsstellenarbeit in Braunschweig – gestern, heute und morgen – Dr. Claudia Schünemann

Auch das Netzwerk der niedersächsischen Kooperationsstellen

gewann in dieser Zeit zunehmend an Kontur und

führte seine erste Netzwerktagung im Juni 2001 in Göttingen

durch, an der auch die Mitarbeiterinnen der Kooperationsstelle

und zwei Wissenschaftler der TU Braunschweig beteiligt

waren. Ebenso beteiligten sie sich an der inhaltlichen

Ausgestaltung der BAG (Bundesarbeitsgemeinschaft der

Kooperationsstellen) durch ihre Mitarbeit in der Arbeitsgruppe

Leitbildentwicklung.

Herbst 2002 – Herbst 2004

Nach dem Ausscheiden von Frau Dr. Quentmeier im Oktober

2002 übernahm Frau Dr. Schünemann die Leitung der

Kooperationsstelle. Das Konzept der Stellenteilung wurde

beibehalten und mit Ina Biethan eine Kollegin aus der

IG Metall mit universitärem Background als zweite Kraft eingestellt.

Diese Einstellung erwies sich als glückliche Fügung

für die Kooperationsstelle.

Nun waren erstmalig beide Seiten der KooperationspartnerInnen

durch Personen mit einem direkten Bezug zur jeweiligen

Institution vertreten. Mit dem Eintritt Ina Biethans

bekam die Kooperationsstellenarbeit eine neue Ausrichtung.

Sie engagierte sich verstärkt in dem Bereich Studierendenarbeit

und legte damit den Grundstein für ein heutiges

Hauptarbeitsfeld der Kooperationsstelle (s. Text M. Putzker).

Außer einigen Seminarangeboten für Studierende zum

Berufseinstieg, wurde in dieser Zeit vor allem das Thema

„gewerkschaftliche Themen in die Lehre“ vorangetrieben.

Ina Biethan knüpfte Kontakte zu Lehrenden der TU Braunschweig

und verabredete mit ihnen innerhalb bestehender

Lehrangebote jeweils eine Einheit durch gewerkschaftliche

ReferentInnen gestalten zu lassen. Dieses Konzept erwies

sich als sehr erfolgreich und es ergaben sich interessante und

engagierte Diskussionen zwischen Studierenden, Lehrenden

und ReferentInnen.

Weiterhin wurde von ihr das Konzept der personalisierten

„students at work“ Beratung entwickelt, das als Projekt bis

heute durch die Hans Böckler Stiftung finanziert wird und

durch zwei wissenschaftliche Hilfskräfte als Mitarbeiter der

Kooperationsstelle umgesetzt wird. Nachdem das Beratungsangebot

sich zuerst nur auf die TU Braunschweig beschränkte,

findet es mittlerweile auch an der FH Wolfenbüttel an

verschiedenen Standorten statt und soll demnächst auch in

Clausthal angeboten werden.

| 36 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Kooperationsstellenarbeit in Braunschweig – gestern, heute und morgen – Dr. Claudia Schünemann

In dieser Zeit wurden ausserdem die Tagung zum Thema

,EU-Osterweiterung’ und die zweite Netzwerktagung

„Arbeitsgestaltung als Zukunftsaufgabe – Perspektiven von

Arbeitszeit und Qualifizierung“ in Braunschweig veranstaltet.

Die Tagungsdokumentationen erschienen als Band 2 und

4 der Schriftenreihe.

Herbst 2004 – ..., die Evaluation und die Folgen

Leider verließ Ina Biethan im Herbst 2004 die Kooperationsstelle.

An ihre Stelle trat Marianne Putzker, die – beheimatet

in der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di – neue

Akzente in der Kooperationsstellenarbeit setzte und die bis

dahin erfolgreich begonnene Studierendenarbeit auf einer

anderen Ebene fortsetzte.

Hatte sich bereits in den vorangegangenen Jahren eine

Zuspitzung der Kooperationsstellenarbeit auf die genannten

Bereiche ergeben, so wurde dieses Vorgehen durch die positive

Evaluation im Jahre 2005 bestätigt. In den Evaluationsgutachten

wurde angeregt, die vielfältigen Themengebiete

einzugrenzen, Veranstaltungen, die in der Vergangenheit

mehr Aufwand verursacht hatten, als sie Anklang gefunden

hatten, zu vermeiden und den Schwerpunkt der Arbeit auf

die TU Braunschweig zu beschränken.

Die räumliche Distanz zu den anderen KooperationspartnerInnen

sollte weiter über Projektarbeit verringert werden,

was über die letzten Jahre insbesondere mit der TU Clausthal

bereits erfolgreich praktiziert wurde. Der Arbeitschwerpunkt

‚Studierendenarbeit’ wurde als Dreh- und Angelpunkt der

Kooperationsstellenarbeit festgelegt, da es sich gezeigt

hatte, dass sich daran nahezu alle anderen Themen anknüpfen

lassen. Insbesondere das Thema Europäisierung der

Hochschulausbildung (Bologna-Prozess) bot sich in diesem

Zusammenhang an; zumal es weitreichende Konsequenzen

nicht nur für AbsolventInnen, sondern auch für Gewerkschaften

und Betriebe hat. In diesem Zusammenhang erwies

es sich als sinnvoll auch den Kopenhagen-Prozess (Europäisierung

der beruflichen Ausbildung) aufzugreifen und beide

Themen in Veranstaltungen, Arbeitskreisen und Aktionen zu

verbinden (siehe hierzu auch den nachfolgenden Beitrag von

Marianne Putzker).

Ein weiterer Schwerpunkt bleibt das Thema gewerkschaftliche

Themen in die Hochschullehre zu integrieren. In

Absprache mit der Fakultät 8 (Wirtschafts- und Sozialwissenschaften)

und unter Einbeziehung der Fakultät 6 (Geistesund

Erziehungswissenschaften) an der TU Braunschweig ist

für das Sommersemester 2007 eine eigene Seminarreihe mit

aktuellen gewerkschaftspolitischen Themen mit regionalem

Bezug geplant. Als ReferentInnen stellen sich Gewerkschaf-

| 37 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Kooperationsstellenarbeit in Braunschweig – gestern, heute und morgen – Dr. Claudia Schünemann

terInnen aus den IG Metall Ortsverwaltungen und ExpertInnen

aus den Betrieben der Region zur Verfügung. Dieses

Angebot soll dazu beitragen, die doch oft eher abstrakte

theoretische Lehre durch Beispiele aus der Praxis zu ergänzen.

Die Schriftenreihe der Kooperationsstelle mit mittlerweile

sechs Bänden wird auch weiterhin fortgeführt werden.

Themen hierfür werden aus den unterschiedlichen Aktivitäten

der Kooperationsstellenarbeit generiert.

Der nachfolgende Beitrag von Marianne Putzker beschreibt

ausführlich die Ausgestaltung des Schwerpunktthemas

‚Studierendenarbeit’ in allen seinen Facetten.

Danksagung

Als Leiterin der Kooperationsstelle möchte ich an dieser

Stelle die Gelegenheit nutzen, mich zu bedanken.

Mein Dank gilt an erster Stelle allen unsere Arbeit unterstützenden

Beirätinnen und Beiräten (den jetzigen und ehemaligen),

den Präsidentinnen und Präsidenten der vier Hochschulen

sowie den Vorsitzenden der Einzelgewerkschaften

und des DGB. Gerade weil ich weiß, wie eng ihr jeweiliger

Zeitplan ist, empfinde ich es als große Wertschätzung, dass

sie sich dennoch immer wieder die Zeit nehmen, an unseren

gemeinsamen Sitzungen teilzunehmen und so der Kooperationsstellenarbeit

wichtige Impulse zu geben.

Insbesondere möchte ich natürlich den jetzigen und auch

den ehemaligen Beiratsvorsitzenden danken, die uns bzw.

mich auch in schwierigen Zeiten immer sehr konstruktiv und

wohlwollend unterstützt haben.

Mein Dank gilt ebenfalls allen Kolleginnen und Kollegen aus

der Praxis, die immer wieder Interesse an unserer Arbeit zeigen

und sich für unsere Veranstaltungen als Expertinnen und

Experten zur Verfügung stellen, obwohl ihr persönliches

Zeitbudget längst überschritten ist. Gleiches gilt für die

lehrenden Kolleginnen und Kollegen an den Hochschulen,

die sich ebenfalls trotz hoher Arbeitsbelastung immer wieder

in unsere Arbeit einbringen. Ich danke auch den Kolleginnen

und Kollegen aus den verschiedenen Arbeitskreisen für ihre

Anregungen und Initiativen, die dazu beitragen, dass sich

unsere Arbeit weiterentwickelt.

Erwähnen möchte ich an dieser Stelle auch die Kollegen aus

dem Netzwerk der niedersächsischen Kooperationsstellen,

die mit uns zusammen in regelmäßigen Abständen neue

Impulse für die Kooperationsstellenarbeit setzen und unsere

| 38 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Kooperationsstellenarbeit in Braunschweig – gestern, heute und morgen – Dr. Claudia Schünemann

Arbeit immer kritisch begleitet haben. Nicht zu vergessen ist

auch die Hans Böckler Stiftung, die uns durch ihre finanzielle

Unterstützung ermöglicht, immer wieder Projekte und Veröffentlichungen

zu realisieren. Auch dafür bedanke ich mich.

Nicht unerwähnt bleiben sollen auch die verschiedensten

Einrichtungen der TU Braunschweig, die studentischen Hilfskräfte

und insbesondere die Zentralstelle für Weiterbildung

und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die unsere Arbeit

immer wieder unterstützen; ebenso die Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter der anderen Hochschulen. Vielen Dank.

Und zu guter Letzt möchte ich mich natürlich bei meinen

persönlichen Mitarbeiterinnen bedanken, den aktuellen und

ihren Vorgängerinnen – ohne ihr persönliches Engagement

hätte sich die Kooperationsstelle nicht zu der Institution entwickelt,

die sie heute darstellt.

Dr. Claudia Schünemann

Leiterin der Kooperationsstelle SON

an der TU Braunschweig

| 39 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Marianne Putzker

Studierendenarbeit ist Innovation

Warum das so ist und warum die Studierendenarbeit ein

wichtiger Arbeitsschwerpunkt der Kooperationsstelle Hochschulen

– Gewerkschaften ist, beschreibt der vorliegende

Text. Er beleuchtet die jeweiligen Interessenlagen der KooperationspartnerInnen

in diesem Kontext sowie die Rolle und

die Aktivitäten der Kooperationsstelle.

Die Interessen der Studierenden/der Hochschulen

Die Studierenden:

Fast alle Studierenden haben schon während des Studiums

Berührungen mit dem Arbeitsmarkt. Sie absolvieren Praktika

und/oder jobben, um sich z.B. das Studium zu finanzieren

(vgl. Hoffmann 2004, S. 27).

Vielen ist dabei nicht bewusst, dass sie ähnlich wie andere

ArbeitnehmerInnen nicht nur Verpflichtungen mit diesen

Arbeitsverhältnissen eingehen, sondern dass sie auch rechtlichen

Schutz genießen. Beispielhaft sind hier Urlaubs- und

Pausenansprüche, regelmäßige Lohnzahlungen, Lohnfortzahlungen

im Krankheitsfalle, Arbeitsschutz, Anspruch auf

Zeugnisse etc. zu nennen (vgl. DGB 2005, S. 20 ff).

Auch in den Arbeitsverhältnissen als wissenschaftliche und

studentische Hilfskräfte an der eigenen Hochschule, die viele

Studierende als Möglichkeit nutzen, erste Erfahrungen im

Wissenschaftsbetrieb zu sammeln, sind die Arbeitsverträge

meist nur auf wenige Wochen oder Monate befristet. Es gibt

keinen Urlaub, kein Weihnachtsgeld und keine Lohnfortzahlung

im Krankheitsfalle. Der Stundenlohn stagniert schon

seit Jahren und nur in Berlin gibt es einen Tarifvertrag für diese

Beschäftigtengruppe (vgl. Bundesweite Tarifinitiative, S. 5).

Hier brauchen Studierende Informationen über ihre Rechte

sowie Unterstützung diese um- und durchzusetzen.

Praktika sind nicht nur Arbeitsverhältnisse. Sie sind ein wichtiger

und im Zuge des Bolognaprozesses immer wichtiger

werdender Bestandteil der Ausbildung. Studierende erhalten

hier Einblicke in die Arbeitswelt sowie in konkrete betriebliche

Abläufe und erleben das „Sozialsystem“ Betrieb oder

Verwaltung. Praktika sind Realitätstests, die die Erwartungen

der Studierenden an den zukünftigen Beruf überprüfen und

ggf. dazu beitragen, Ausbildungsziele zu korrigieren.

Studierende brauchen hier Zugänge zu geeigneten Betrieben

sowie Unterstützung bei der Auswahl des richtigen Platzes

und eine gute, reflektierende Betreuung und Begleitung (vgl.

IG Metall Vorstand 2004, S. 7 u. S. 11).

| 40 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Studierendenarbeit ist Innovation – Marianne Putzker

Bezogen auf den Bolognaprozess und die damit verbundene

Europäisierung der Ausbildung brauchen die Studierenden

Bewertungshilfen von neutraler Seite, um die Qualität ihrer

Ausbildung einschätzen zu können sowie Unterstützung

dabei, ihre Interessen in diesem Prozess einzufordern und

umzusetzen. Durch die Initiative der Gewerkschaften haben

Studierende zwei stimmberechtigte Mitglieder im Akkreditierungsrat.

Auch in den Akkreditierungs-Agenturen, Fachausschüssen

und Audit-Teams, in denen die Studierenden

ebenfalls vertreten sind, wird eine enge Zusammenarbeit

angestrebt (vgl. Hans-Böckler-Stiftung 2003, S. 20 f).

Nach Ende des Studiums gibt es weiteren Unterstützungsbedarf.

Zum einen, weil die AbsolventInnen nun Fragen

beantworten müssen wie: Welche Betriebe sind geeignet?

Wie bewerbe ich mich richtig? Welches Einstiegsgehalt ist

angemessen? Was muss ich bezüglich des Arbeitsvertrages

beachten? etc. (vgl. IG Metall Nds. u. Sachsen Anhalt 2006,

S. 6 ff). Zum anderen ist es heutzutage Realität, dass diesen

sehr motivierten, absolut flexiblen und hoch qualifizierten

BerufsanfängerInnen der Zugang zu regulären Arbeitsverhältnissen

verschlossen bleibt. Stattdessen landen sie in gar nicht

oder nur sehr gering entlohnten prekären Arbeitsverhältnissen.

Dies oft nicht nur für eine kurze Testphase zum Einstieg

in den Beruf, sondern als Dauereinrichtung in einer sogenannten

„Praktikumsschleife“ (vgl. Mörchen 2006, S. 6).

Last but not least können Gewerkschaften die Arbeit der

Interessenvertretungen der Studierenden (AStA und Fachschaften)

unterstützen. Diese Gremien unterliegen strukturgemäß

einer hohen Fluktuation. In sehr kurzen Zeiträumen

werden die handelnden Personen komplett ausgetauscht.

Personen, die darüber hinaus „nebenbei“ ein Studium absolvieren,

in dem die Anforderungen mindestens bezüglich des

Arbeits- und Geldaufwandes immer mehr steigen.

Die längerfristig angelegten Strukturen der Gewerkschaften

überdauern diese Zeiträume und können somit die Kontinuität

und Durchsetzungsfähigkeit in längerfristigen Entwicklungs-,

Entscheidungs- und Auseinandersetzungsprozessen

gewährleisten und stärken (vgl. Junghärtchen 2004, S. 18).

Des Weiteren sind Gewerkschaften potentiell auch sozialpolitische

BündnispartnerInnen für die Studierenden.

Beide Gruppen setzen sich für mehr Gerechtigkeit in

dieser Gesellschaft ein und haben Themen wie Sozialabbau,

Bildungs- und Kulturabbau, Studiengebühren, gutes Geld

für gute Arbeit etc. auf ihrer Agenda (vgl. Vitt/ Röder 2004,

ebd. S. 10).

| 41 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Studierendenarbeit ist Innovation – Marianne Putzker

Die Hochschulen:

Praktika sind also Teil der hochschulischen Ausbildung. Es

geht demnach auch um eine Qualität, die es zu sichern und

zu verbessern gilt. Die Hochschulen möchten hier, dass

bruchlos an das in ihrer Institution angeeignete theoretische

Wissen angeknüpft wird und Praktikumsordnungen sowie

-richtlinien eingehalten und umgesetzt werden. Gleichzeitig

wird erwartet, dass potentielle zukünftige Arbeitsbereiche

kennen gelernt werden, dies möglichst praxis- und realitätsnah

(vgl. IG Metall Vorstand 2004, S. 11).

Hinzu kommt die ausdrückliche Ausrichtung an Berufspraxis

und -befähigung als eine wesentliche Qualität der neuen

Studiengänge. Praktika sollen neben fachlichen auch soziale

und methodische Aspekte beinhalten; neben betriebliche

auch soziale und ökologische Einsatzfelder umfassen (vgl.

Hans-Böckler-Stiftung 2004, S. 10).

Die Anforderungen an alle Beteiligten sind also sehr hoch.

Hochschulen und Betriebe müssen hier eng zusammenarbeiten,

um die Rahmenbedingungen der Praktika und die

Betreuung der Studierenden entsprechend zu gestalten.

Gewerkschaften und die jeweiligen Betriebs- bzw. PersonalrätInnen

können hier maßgeblich unterstützen sowie Zugänge

zu geeigneten Betrieben eröffnen bzw. erleichtern.

Bis zum Jahre 2010 sollen im Rahmen des Bolognaprozesses

alle Studiengänge auch in Deutschland umgestaltet werden.

Neben der Vermittlung der reinen Fachkompetenz sind u. a.

Praxisbezug, Berufsbefähigung, Arbeitsmarktrelevanz,

Systemdenken und ganzheitliches Handeln sowie soziale

Kompetenz und die Befähigung, die eigenen Qualifikationen

eigenständig weiterzuentwickeln, in den neuen Bachelorund

Masterstudiengängen gefragt. Maßstab sind in Zukunft

die Lernergebnisse bzw. Kompetenzen, die durch einen

Studiengang erworben werden können (Outcome-Orientierung)

(vgl. ebd. S. 4 ff und S. 10 ff).

Nicht nur, weil die VertreterInnen der Wirtschaft sowie der

Berufspraxis und Gewerkschaften bis zu einem Drittel der

Plätze in den Begutachtungsausschüssen einnehmen können

(vgl. Hans-Böckler-Stiftung 2003, S. 8), sondern auch schon

im Vorfeld der Akkreditierung bei der Entwicklung der neuen

Studiengänge ist es für die Hochschulen sinnvoll, Kontakt

zur beruflichen Praxis/zu den Betrieben herzustellen und

einen regen Austausch zu pflegen. Hier erfahren sie etwas

über die realen Anforderungen an Praktika und Ausbildungsinhalte,

hier erhalten sie einen Einblick in das jeweilige

System. Durch die Zusammenarbeit von Hochschulen,

Gewerkschaften und Unternehmen können die Studiengänge

schneller und flexibler reformiert werden (vgl. Hans-

Böckler-Stiftung 2003, S. 13).

| 42 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Studierendenarbeit ist Innovation – Marianne Putzker

Auch bei der Entwicklung eines gemeinsamen Europäischen

Qualifikationsrahmen (EQF) sowie des daraus folgenden

Nationalen Qualifikationsrahmen (NQR) können sich die

Zusammenarbeit und der Austausch zwischen den AkteurInnen

in der Berufsausbildung und der betrieblichen Praxis

sowie in der Hochschulausbildung bewähren. Geht es doch

darum, eine reale Durchlässigkeit zwischen beiden Systemen

zu gestalten, Zugangsbarrieren abzubauen sowie Erstausbildung,

Weiterbildung und Hochschule zu einem sinnvollen

Ganzen zusammen zu führen (vgl. Kommission der Europäischen

Gemeinschaften 2006/0163 (COD), S. 2 ff).

Die vorherigen Zeilen machen ohne Anspruch auf Vollständigkeit

mehr als deutlich, dass Studierende und AbsolventInnen

bezüglich einer Vielzahl von Anforderungen,

Gegebenheiten und Fragestellungen Unterstützung bzw.

Interessenvertretung benötigen.

Gewerkschaften sind hier kompetente PartnerInnen.

Sie ergreifen eindeutig Partei für die Studierenden und

AbsolventInnen. Sie können informieren, beraten sowie

unterstützen und haben darin jahrzehntelange Erfahrungen.

Zusätzlich haben sie Kontakt zu den vielen Personal- und

BetriebsrätInnen in den Betrieben, Institutionen sowie

Einrichtungen. Sie können somit durch Vermittlung dazu

beitragen, dass die Studierenden bzw. AbsolventInnen

einerseits Kontakt zu den Betrieben bekommen sowie

andererseits in der direkten Auseinandersetzung vor Ort

Unterstützung erhalten und nicht als EinzelkämpferInnen

agieren müssen. Aus Konflikten können nachhaltige Konsequenzen

resultieren, weil die Personal- bzw. BetriebsrätInnen

die Bedingungen für die Praktikastellen und Jobs für Studierende

durch ihr Mitbestimmungsrecht beeinflussen können

(vgl. IG Metall Nds. u. Sachsen Anhalt 2006, S. 4).

Gewerkschaften können Konfliktlinien, Ausgangslagen

und Qualifizierungsbedarfe verallgemeinern, da sie einen

direkten und ungefilterten Einblick in und den Überblick

über viele Betriebe, Branchen und Berufe haben. Aus diesem

Grund sind sie auch für die Hochschulen kompetente PartnerInnen

bei der Umsetzung der Lissabon Agenda.

Sie setzen sich hier für eine allgemeine umfassende Qualifikation

ein, die sich nicht nur an einer verengten Auffassung

von Funktionalität misst, sondern auch an volkswirtschaftlichen

und sozialpolitischen Aspekten. Ganz im Gegensatz

zu den rein an der Verwertbarkeit auf dem Arbeitsmarkt

orientierten sogenannten Schmalspurausbildungen (vgl.

Kaßebaum 2004, S. 52).

| 43 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Studierendenarbeit ist Innovation – Marianne Putzker

Des Weiteren leisten Gewerkschaften eine wichtige Öffentlichkeitsarbeit

für die Hochschulen und ihre neuen Studiengänge,

in dem sie in ihrem Umfeld über diese informieren

und „Berührungsängste“ abbauen.

Die Interessen der Gewerkschaften

Die Zahl der StudienanfängerInnen eines Geburtenjahrgangs

ist in den letzten Jahren massiv gestiegen, 1994 bis 2004

um 35 %. Auch wenn sie derzeit stagniert (2004 waren es

mit 36 % ca. 4 % weniger als 2003) (vgl. Statistisches Bundesamt

2006, S. 6 ff), ist mit weiter ansteigenden StudienanfängerInnenzahlen

zu rechnen. Dies zum einen wegen

der verkürzten Gymnasialzeit zum anderen aufgrund des

gesellschaftlichen Strukturwandels, charakterisiert durch die

Entwicklung hin zur Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft

einhergehend mit einer Akademisierung immer größerer

Ausbildungsanteile. Auch die internationalen Rahmenbedingungen

werden zu einem weiteren Anwachsen der Zahlen

führen, da Deutschland hier immer noch unter dem OECD-

Durchschnitt liegt (vgl. BMBF 2006, S. 4 u. S. 21).

Wachsende Jahrgangsanteile oder anders ausgedrückt große

Gruppen der ArbeiternehmerInnen von morgen werden

also in der „Ausbildungsstätte Hochschule“ sozialisiert und

qualifiziert, ohne bisher nennenswert mit Gewerkschaften in

Berührung zu kommen. Wollen die Gewerkschaften diese

Zielgruppe als (zukünftige) Mitglieder gewinnen, müssen sie

den Studierenden ihre Relevanz schon während des Studiums

verdeutlichen. Die Studierenden müssen Gewerkschaften

kennen lernen, sich mit deren Positionen auseinander setzen

können und sie als Organisationen wahrnehmen, die sie bei

der Wahrung und Durchsetzung ihrer Interessen in Ausbildung

und Beruf unterstützen (vgl. Vitt/Röder 2004, S. 8 f).

Bei den studierenden Gewerkschaftsmitgliedern, die über

den zweiten Bildungsweg an die Hochschule gelangt sind,

geht es darum, die Identifikation mit und den Kontakt zu

den Gewerkschaften aufrecht zu erhalten. Dies ist nur dann

möglich, wenn ihnen auch in dieser Ausbildungsphase Informations-,

Kommunikations- und Beteiligungsangebote

gemacht werden und Gewerkschaften als Organisationen

mit erkennbarem Nutzen für sie präsent bleiben (vgl. ebd.).

Ansatzpunkte für die Gewerkschaften, sich als selbstverständlichen

Bestandteil der hochschulischen Ausbildung und

der daran anknüpfenden Berufswelt zu etablieren sowie sich

als kompetente PartnerInnen zu präsentieren, sind im vorherigen

Kapitel genannt.

| 44 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Studierendenarbeit ist Innovation – Marianne Putzker

In einer Wissensgesellschaft kommt es darauf an, dass alle

Menschen den Zugang zu einem höchstmöglichen Maß an

Bildung haben. Gemeint ist hier eine umfassende Bildung,

die sowohl Persönlichkeitsentwicklung und die Befähigung

zur politischen Teilhabe als auch Berufsausbildung beinhaltet.

Nur gut ausgebildete Menschen können Innovationsprozesse

in Gesellschaft und Betrieb in Gang bringen, gerade

AkademikerInnen nehmen hier eine wichtige Schlüsselfunktion

ein (vgl. DGB, Bildungspolitik 2006 - 2010, S. 1 f).

Deshalb ist es nicht unerheblich, entlang welcher Ausbildungsziele

und Leitbilder das Studium verläuft, mit welchem

technologischen, sozialen und ökologischen Verständnis

AkademikerInnen in die Betriebe kommen und wie sehr sie

dort offen für eine Zusammenarbeit mit den Betriebs- bzw.

PersonalrätInnen sind oder für Kooperationen mit den

Gewerkschaften zu Fragen, die mehr als den betrieblichen

Alltag betreffen (vgl. Vitt/Röder 2004, S. 8).

Auch im Interesse der Unternehmen ist es z. B. wichtig,

dass potentiellem Führungspersonal bewusst ist, dass es

einen Zusammenhang zwischen der Qualität der ArbeitnehmerInnenbeteiligung

bzw. Mitbestimmung und erfolgreichem

betrieblichem Strukturwandel gibt, wie inzwischen

mehrfach wissenschaftlich belegt ist

(vgl. http://www.diemit.de/aktuelles_wissenswertes.php).

Unternehmensleitungen und Betriebs- und PersonalrätInnen

finden entgegen weitverbreiteter Vorurteile (z.B. Mitbestimmung

als Standortnachteil) gemeinsam gute Lösungen zu

Problemen der Europäisierung sowie Internationalisierung von

Unternehmensstrukturen und -strategien, zu Wettbewerbsfähigkeit

und zur Qualifizierung (vgl. Vitols 2001, S. 15 f).

Aus diesem Grund und weil es sich bei der aktuellen Umgestaltung

der Studiengänge um eine sehr grundsätzliche und

folgenreiche Veränderung in der Ausbildung von AkademikerInnen

handelt, möchten die Gewerkschaften diesen Prozess

aktiv mitgestalten. Dies soll zukunftsweisend im Sinne der

Studierenden bzw. zukünftigen ArbeitnehmerInnen geschehen

und in enger Zusammenarbeit mit diesen (vgl. DGB, Bildungspolitik

2006 - 2010, S. 8). Inhaltliche Eckpunkte und

Kriterien für diesen Prozess sind oben im Text schon genannt

bzw. lassen sich in den im Anhang aufgeführten Publikationen

des Gutachternetzwerkes nachlesen.

An der Schnittstelle EQF, NQR und Bolognaprozess setzen

sich die Gewerkschaften, auch im Dialog mit den entsprechenden

AkteurInnen an den Hochschulen vor allem dafür

ein, dass eine Durchlässigkeit, ohne aufwendige formale

Hürden gegeben ist. Gemeint ist damit, dass der Übergang

von einer qualifizierten beruflichen Tätigkeit zum Studium

| 45 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Studierendenarbeit ist Innovation – Marianne Putzker

und auch zurück möglich sein muss, von einem Bachelorzu

einem Masterstudiengang, vom Studium in die Weiterbildung

sowie von einer Fachhochschule zu einer Universität.

Des Weiteren sollen die Gleichwertigkeit der Abschlüsse von

Fachhochschule und Universität sichergestellt werden sowie

die Möglichkeit eines Teilzeitstudiums für z. B. Berufstätige

und Erziehende. Die dualen Studiengänge, in denen gleichzeitig

eine berufliche Ausbildung und ein Studium absolviert

werden, sollen ausgeweitet und verbessert werden, ebenso

die Möglichkeiten des Hochschulzuganges für Berufserfahrene

(vgl. Hans-Böckler-Stiftung 2003, S. 14).

Ein Beweggrund der Gewerkschaften sich mit dem Thema

„Praktikum als prekäre Beschäftigung“ zu befassen, ist die

Vertretung der Interessen der Studierenden bzw. der AbsolventInnen.

So legte der DGB vertreten durch Ingrid Sehrbrock

(Stv. Bundesvorsitzende und zuständig für Bildung)

am 13.10.2006 z. B. einen Maßnahmekatalog für den

umfassenden Schutz von PraktikantInnen vor.

Zentrale Forderungen sind hier die „klare Trennung von Ausbildung

und Arbeit und eine Mindestvergütung für Praktika“.

Daneben geht es dem DGB und den Einzelgewerkschaften

aber auch um die negativen Auswirkungen für den Arbeitsmarkt.

Reguläre Stellen werden durch Praktika ersetzt (vgl.

DGB 2006, Leitfaden für ein „Faires Praktikum“). Die Stammbelegschaften

werden verunsichert und diszipliniert. Sie spüren

ersetzbar zu sein und haben Angst, ihren Arbeitsplatz zu

verlieren. Die Widerstandskraft der Belegschaft wird nach

Aussagen der betroffenen Betriebs- und PersonalrätInnen

geschwächt, da diese Situation nicht zur Solidarisierung führt,

sondern dazu, dass Druck auf die PraktikantInnen ausgeübt

wird (vgl. Kock/Pröll/Stackelbeck 2006, S. 18). Gewerkschaften

und Studierende/AbsolventInnen können hier gemeinsam

aktiv werden und ein starkes Bündnis zur Beseitigung dieses

prekären „PraktikantInnen-Arbeitsmarktes“ bilden.

Auch für die Gewerkschaften gibt es also viele Gründe, sich

mit der Gruppe der Studierenden zu befassen. Es geht für sie

dabei um Mitgliederarbeit, deren Erfolg nicht allein daran zu

messen ist, wie viele Mitglieder direkt an den Hochschulen

gehalten oder gewonnen werden, sondern daran, dass sie

den Weg bereitet zu beitragsstarken und innovationstragenden

Mitgliedern der Zukunft (vgl. Vitt/Röder 2004, S. 9). Es

geht auch um die Hochschule als „unbetreute Ausbildungsstätte“.

Gewerkschaften, deren Kernkompetenz schon seit

vielen Jahrzehnten in der inhaltlichen Arbeit mit Auszubildenden

sowie deren Interessenwahrung in der dualen Berufsausbildung

liegt, verbunden mit der Initiierung und Begleitung

von Jugend- und AuszubildendenvertreterInnenwahlen

| 46 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Studierendenarbeit ist Innovation – Marianne Putzker

können Bereiche, in denen in Zukunft fast 50% eines Altersjahrganges

qualifiziert werden, nicht einfach brach liegen

lassen (vgl. Meine 2004, S. 84).

Die große Dimension, die der Prozess der Schaffung des

„Europäischen Bildungsraumes“ einnimmt, ist Grund genug

für die Gewerkschaften, sich hier aktiv einzumischen. Es

geht für sie bei dem Ziel, Europa „zum wettbewerbfähigsten

und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum in der

Welt zu machen“ (Europäischer Rat (Lissabon) 2000, S. 2),

neben der Einflussnahme auf die Bestandteile von Ausbildung

auch darum, dass die gesellschaftliche Verantwortung

für Bildungsbegriff, Bildungszugang und Bildungsinhalte

erhalten bleiben. Bildung darf ihrer Meinung nach nicht zur

Ware werden und nicht ausschließlich an betriebswirtschaftlichen

Kriterien wie z. B. der Verwertbarkeit auf dem Arbeitsmarkt

gemessen werden. Für den Bereich der Hochschulen

sind hier Lehrende und Studierende sowie deren Interessenvertretungen

wichtige und kompetente BündnispartnerInnen

(vgl. Hans-Böckler-Stiftung 2003, S. 4 ff).

Neben einer Kenntnis über die aktuelle Situation der Studierenden

und den Umgang damit, ermöglicht Studierendenarbeit

den Gewerkschaften auch einen Eindruck von den

Bedürfnissen und Interessenlagen der zukünftigen ArbeitnehmerInnen.

Durch das Aufgreifen und Unterstützen dieser

Interessen sowie der Erweiterung ihres Spektrums, erhalten

sie die Chance, sich und ihr Profil zu verändern und damit

an Relevanz für diese Zielgruppen zu gewinnen. Aus diesem

Grund müssen Gewerkschaften dazu bereit sein, Studierendenarbeit

nicht nur als Anhängsel gewachsener Strukturen

zu betrachten, sondern sich weiter zu entwickeln und zu

lernen, wie sie sich als Organisationen verändern müssen

(vgl. Katzan, 2004, S. 76).

Die Rolle der Kooperationsstelle

Die umfangreiche Interessenlage beider PartnerInnen ist eine

Motivation der Kooperationsstelle, sich in der Studierendenarbeit

zu engagieren. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der

hohe Innovationsgehalt, der sich in diesem Arbeitsansatz

verbirgt. So werden Kontakte und Kooperationen zwischen

den Hochschulen sowie den Unternehmen und Gewerkschaften

schon länger gepflegt. Beispiel dafür ist das Projekt

Region Braunschweig GmbH in der Region SüdOstNiedersachsen

(vgl. www.projekt-region-braunschweig.de).

Neu ist, dass alle Seiten immer mehr die Studierenden als

beteiligte und betroffene Gruppe mit ihren eigenen Anforde-

| 47 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Studierendenarbeit ist Innovation – Marianne Putzker

rungen, eigenen Interessen und mit eigenem „Know how“

(an)erkennen und einbeziehen (wollen).

Neu ist auch, dass Gewerkschaften die Hochschulen als

Ausbildungsstätten wahrnehmen, die es genauso zu

betreuen gilt, wie die vielen anderen Ausbildungsstätten in

den Betrieben und Verwaltungen. Dabei geht es nicht nur

darum, Serviceleistungen für die Studierenden zu erbringen,

sondern viel mehr um Unterstützung bei der Formulierung

und Umsetzung ihrer Interessen sowie um die Stärkung

der Selbstorganisation der Studierenden (vgl. Höbel, 2004,

S. 16).

Neu ist zum dritten der Bolognaprozess, der richtig umgesetzt

dazu beitragen kann, dass Studierende ihre passive

Rolle im Lernprozess verlassen und aktiv an ihrer Ausbildung

beteiligt werden (vgl. Neef 2004, S. 53 f).

So verstanden wirkt Studierendenarbeit zurück auf Hochschulen

und Gewerkschaften und trägt zu innovativen Veränderungsprozessen

in beiden Systemen bei. Veränderungsprozesse,

die dazu beitragen, dass alle AkteurInnen den

hohen Anforderungen bei der Entwicklung der Gesellschaft

von morgen und der Gestaltung der „Zukunft der Arbeit“

besser gewachsen sind.

Doch welche Rolle spielt die Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften

dabei?

Allgemein versteht sich die Kooperationsstelle als Schnittstelle

und Bindeglied zwischen den Hochschulen und

Gewerkschaften. Sie hat Zugang zu und Einblick in beide

Systeme, kennt viele handelnde Personen sowie die jeweiligen

originären Interessenlagen und thematischen Schwerpunktsetzungen.

Sie hat die Möglichkeit, gemeinsame

Interessen zu erkennen und setzt Impulse, initiiert Kontakte,

um diese, zum Nutzen Aller zusammen zu bringen.

Des Weiteren steht die Kooperationsstelle für beide Seiten

zur Verfügung, um für die Entwicklung, Umsetzung und

Verbreitung eigener Ideen, Projekte und Erfahrungen, geeignete

AnsprechpartnerInnen in dem jeweils anderen System

zu finden.

Sie hat bei der Organisation, Gestaltung und Moderation

dieses Dialogs die wichtige Aufgabe, als Vermittlerin

zwischen den zwei Kulturen Wissenschaft und Arbeitswelt

zu fungieren und Berührungsängste abzubauen. Sie ist

„Übersetzerin“, sorgt dafür, dass evtl. bestehende Vorurteile

abgebaut werden und macht auf die Kompetenzen, den

Wert und die Relevanz der jeweils anderen Seite bezüglich

des zu behandelnden Themas aufmerksam. Sie eröffnet

| 48 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Studierendenarbeit ist Innovation – Marianne Putzker

somit Möglichkeiten voneinander zu lernen und, im Interesse

des gemeinsamen Zieles, voneinander zu profitieren.

Die Kooperationsstelle bündelt Ergebnisse, Erkenntnisse und

Erfahrungen für beide Systeme, lässt jeweils interne andere,

bisher nicht beteiligte AkeurInnen, daran teilhaben und sorgt

somit für Synergien. Darüber hinaus wird die (Fach-)Öffentlichkeit

mit der Schriftenreihe „KooperationsBeispiele“ über

die Ergebnisse der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft

und Arbeitswelt informiert.

Dieses Selbstverständnis kommt auch in der Studierendenarbeit

zum Tragen. Mit anderen Aktiven sorgt die Kooperationsstelle

hier für Kontinuität und Weiterentwicklung.

Aktiv und mittlerweile etabliert sind hier die GEW Kontaktstelle,

das Hochschulinformationsbüro und die Arbeitsstelle

für Hochschul- und Studierendenarbeit der IG Metall sowie

(Jugend-)VertreterInnen von ver.di.

In diesem Kreis werden die Arbeitsansätze und Aktivitäten

in der Studierendenarbeit initiiert, konzipiert, vorbereitet

und durchgeführt sowie Informationen ausgetauscht.

Über diesen Kreis werden die mittlerweile sehr umfangreichen

Materialien zum Thema (Ratgeber, Handreichungen,

Broschüren etc.) verbreitet bzw. den gewünschten Zielgruppen

zugeführt. Anlaufstelle und auch Verortung zahlreicher

Aktivitäten ist das Hochschulinformationsbüro der Gewerkschaften

auf dem Campus der TU Braunschweig in der Spielmannstraße.

Weitere sehr wichtige PartnerInnen sind die ASten und

Fachschaften. Diese Organe der studentischen Selbstverwaltung

sind sehr kompetent im Bereich der Studierendenarbeit.

Sie kennen die Situation der Studierenden und die Rahmenbedingungen,

sowohl im Allgemeinen als auch bezogen auf

die einzelnen Fakultäten, Fachbereiche und Studiengänge.

Die Fachschaften und ASten ermöglichen und erleichtern

den direkten Zugang zu den Studierenden, sind BündnispartnerInnen,

veröffentlichen Informationen und Positionen,

werben für Aktivitäten und tragen viele als VeranstalterInnen

auch selber mit.

| 49 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Studierendenarbeit ist Innovation – Marianne Putzker

Konkrete Aktivitäten der Kooperationsstelle

in der Studierendenarbeit:

• Begleitung und Beratung der StipendiatInnen der Hans-

Böckler-Stiftung.

• „Students-at-work“:

Information und Beratung bei Problemen in Job und

Praktikum, 1 x die Woche in BS, 1 x im Monat in SZ,

allgemeine Infoveranstaltungen in BS, WF, SZ und WOB

mindestens 1 x pro Semester.

• www.praktikum-niedersachsen.de

Gemeinsame Praktikumsbörse der 4 Hochschulen sowie

Kontaktbörse für Studierende und Unternehmen in der

Region SüdOstNiedersachsen.

• Mitarbeit in der Praktikums-AG der Fachschaften

Maschinenbau und Elektrotechnik an der TU BS.

• Fakultätsübergreifendes Seminarangebot zu gewerkschaftlichen

Themen mit ReferentInnen aus Berufspraxis,

Wirtschaft und Gewerkschaften, z. B. „Gesund bleiben im

Beruf“(Lehramt), „IngenieurInnenberuf im Wandel“,

„Arbeitswelt im Wandel – Gewerkschaftliche ExpertInnen

berichten aus der Praxis“.

• Mitwirkung beim Semesterempfang für studierende

Gewerkschaftsmitglieder und Erstsemester mit inhaltlichen

Programmpunkten und zur Vernetzung.

• Infostände bei zentralen Veranstaltungen der TU BS

wie TU-Day und Welcome-Day für Erstsemester.

• Mitwirkung bei Informationsveranstaltungen des AStA

und der Fachschaften der TU BS zur Begrüßung und

Orientierung der Erstsemester, z. B. bei „Studium Generale“

mit einer Infoveranstaltung zu „students-at-work“.

• Aktivitäten zur „Lissabon Agenda“:

Arbeitsgruppe mit Fachschaft der Fakultät 6 der TU BS

und Vertreterinnen der GEW zur Umstellung des Studienganges

auf Bachelor und Master. Inhalt: kritische Begleitung

des Prozesses; vier aufeinander aufbauende Veranstaltungen

zum Thema.

Arbeitskreis „BA und MA und berufliche Ausbildung“

mit VertreterInnen des DGB’s, der Arbeitsstelle für Hochschul-

und Studierendenarbeit der IG Metall und der

Projekt Region Braunschweig GmbH. Inhalt: Information

und Qualifikation der Betriebs- und PersonalrätInnen;

| 50 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Studierendenarbeit ist Innovation – Marianne Putzker

drei Veranstaltungen zum Thema „Europäisierung der

Berufsausbildung“. Zusammenarbeit mit dem gewerkschaftlichen

Gutachternetzwerk zur Akkreditierung von

BA- und MA-Studiengängen in der IngenieurInnen- und

InformatikerInnenausbildung.

• „Riesebergprojekt“ – Unterstützung und Förderung der

Professionalisierung von freischaffenden KünstlerInnen.

In Zusammenarbeit mit der Hochschule für Bildende

Künste (HBK), dem DGB und der Hans-Böckler-Stiftung

werden AbsolventInnen der HBK dabei unterstützt, sich

unabhängig von Existenzsorgen als Freie KünstlerInnen

zu etablieren.

• Mitarbeit in der Arbeits- und Steuerebene zum gewerkschaftsübergreifenden

Hochschulinformationsbüro.

• Beratung und Information des DGB’s und der Einzelgewerkschaften

ver.di und GEW zu Potentialen und

Ansatzpunkten in der Studierendenarbeit.

• Unterstützung der gewerkschaftsübergreifenden

Studierendengruppe in BS.

• Mitwirkung bei den Veranstaltungen des DGB’s

zum 1. Mai.

• Betreibung einer umfangreichen Fachbibliothek.

In Planung sind:

• „Students-at-work“:

Ausweitung des Beratungsangebotes und der Infoveranstaltungen

auf die TU CLZ in Zusammenarbeit mit

dem PraktikantInnenamt und dem Personalrat.

Erstellung eines mehrsprachigen Ratgebers für

ausländische Studierende.

• Veranstaltung zum Thema „Berücksichtigung bzw.

Einstufung der neuen BA- und Masterabschlüsse in

den Tarifverträgen“ in Kooperation mit ver.di, IG Metall

und der HBK.

• Aktivitäten zum Thema „Selbstständigkeit als Berufsperspektive

für HochschulabsolventInnen“.

| 51 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Studierendenarbeit ist Innovation – Marianne Putzker

• Initiierung von Exkursionen in Energieunternehmen

z. B. für Studierende der Elektrotechnik, in Kooperation mit

ver.di und den entsprechenden Fachschaften.

• Übertragung der Erfahrungen mit der Umstellung

der Studiengänge in den Geistes- und Erziehungswissenschaften

auf die IngenieurInnenstudiengänge.

Entwicklung von Aktivitäten in Kooperation mit den

entsprechenden Fachschaften und der IG Metall.

• Auswertung der HISBUS Blitzbefragung –

Kurzbericht Nr. 13 vom September 2006 zum Thema

„Praktika im Studium“. Rückschlüsse daraus ziehen für

Aktivitäten in Kooperation mit Fachschaften, Hochschulen

und Gewerkschaften.

Marianne Putzker

Koperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften

an der TU Braunschweig, Region SüdOstNiedersachsen

| 52 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Studierendenarbeit ist Innovation – Marianne Putzker

Literaturverzeichnis:

Bundesministerium für Bildung und Forschung/Konsortium Bildungsberichterstattung

(Hrsg.), (2006): Bildung in Deutschland, ein indikatorengestützter

Bericht mit einer Analyse zu Bildung und Migration, Frankfurt am Main

Bundesministerium für Bildung und Forschung/Konsortium Bildungsberichterstattung

(Hrsg.), (2006): Bildung in Deutschland, ein indikatorengestützter

Bericht mit einer Analyse zu Bildung und Migration – Zusammenstellung

wesentlicher Ergebnisse des Berichts als Information für die Presse, Frankfurt

am Main

Bundesweite Tarifinitiative der Studentischen Beschäftigten (Hrsg.): Geld ist

nicht alles! Argumente für einen Tarifvertrag für Studentische Beschäftigte,

Hamburg. Aktuelle Informationen: http://www.tarifini.de

Deutscher Gewerkschaftsbund Bundesvorstand, Beschluss des 18. Bundeskongresses

2006: Bildungspolitik 2006 – 2010: Das Recht auf Bildung für

alle Menschen Wirklichkeit werden lassen

Deutscher Gewerkschaftsbund Bundesvorstand, Ingrid Sehrbrock (Hrsg.)

(2006): Leitfaden für ein „Faires Praktikum“, Berlin

Deutscher Gewerkschaftsbund Bundesvorstand, Abt. Jugend (Hrsg.) (2005):

Studium. BAföG. Job. Tipps und Infos zur Studienfinanzierung, Berlin

Europäischer Rat (Lissabon) 23. und 24. März 2000 SN 100/00 (2000):

Schlussfolgerungen des Vorsitzes, Lissabon

Hans-Böckler-Stiftung, Abt. Studienförderung (Hrsg.) (2003): Qualität durch

Akkreditierung? Zur Situation der neuen Studiengänge in den Ingenieurwissenschaften

und in der Informatik, Düsseldorf

Hans-Böckler-Stiftung, Industriegewerkschaft Metall, Industriegewerkschaft

Bergbau-Chemie-Energie, ver.di (Hrsg.) (2003): Neue Studiengänge mitgestalten.

Aufbau eines gewerkschaftlichen Gutachternetzwerkes zur Akkreditierung

von Bachelor- und Masterstudiengängen in der Ingenieur- und Informatikerausbildung,

Düsseldorf

Hans-Böckler-Stiftung, Industriegewerkschaft Metall, Industriegewerkschaft

Bergbau-Chemie-Energie, ver.di (Hrsg.) (2004): Berufspraxis in den neuen

Studiengängen. Gewerkschaftliche Bewertungshilfe zur Gestaltung und

Akkreditierung von Bachelor- und Masterstudiengängen in den Ingenieurund

Naturwissenschaften, Göttingen

IG Metall Vorstand, Abt. Gewerkschaftliche Bildungsarbeit/-politik, IG Metall

Vorstand, Ressort Jugendarbeit und –politik (Projekt U 35), IG Metall Süd-

OstNiedersachsen (SON), Hochschulinformationsbüro der IG Metall (hib)

(Hrsg.) (2004): Die Hochschule = Unbetreute Ausbildungsstätte!?,

Dokumentation zur Fachtagung am 24. Mai 2004, Braunschweig

IG Metall Bezirk Niedersachsen und Sachsen Anhalt (Hrsg.) (2006):

Start Paket für Ingenieurinnen und Ingenieure, Hannover

IG Metall Vorstand, Abt. Gewerkschaftliche Bildungsarbeit/-politik (Hrsg.)

(2. Auflage 2004): Praktika im Ingenieurstudium. Eine Orientierungshilfe

zwischen Hochschulstudium und Beruf, Dresden

Kock, Klaus / Pröll, Ulrich / Stackelbeck, Martina, Sozialforschungsstelle

Dortmund, Beiträge aus der Forschung Nr. 151 (Hrsg.) (2006): Fair statt prekär.

Überlegungen zur Analyse und Gestaltung von Beschäftigungsverhältnissen

in der Region, Dortmund

Kommission der Europäischen Gemeinschaften, (2006/0163 (COD) vom

05.09.2006): Das Lissabon Programm der Gemeinschaft umsetzen.

Vorschlag für eine Empfehlung des Europäischen Parlaments und des Rates

zur Einrichtung eines Europäischen Qualifikationsrahmens für lebenslanges

Lernen, Brüssel

Mörchen, Melanie, Sozialforschungsstelle Dortmund, Beiträge aus der

Forschung Nr. 149 (Hrsg.) (2006): Praktikum als prekäre Beschäftigung –

Ausbeutung oder Chance zur Integration?, Dortmund

Statistisches Bundesamt (Hrsg.) (2006):

Hochschulen auf einen Blick, Wiesbaden

Vitols, Sigurt, (2001) in: Forum Mitbestimmung und Unternehmen. Eine

gemeinsame Initiative von BertelsmannStiftung und Hans-Böckler-Stiftung,

Unternehmensführung und Arbeitsbeziehungen in deutschen Tochtergesellschaften

großer ausländischer Unternehmen.

| 53 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Studierendenarbeit ist Innovation – Marianne Putzker

Internetlinks (Stand jeweils 26.10.2006):

DieMit: 1. Messe und Fachkongress zur Mitbestimmung,

Bremen, 12. – 14. Oktober 2006,

http://www.dieMit.de

Die Regionale Praktikumsbörse der vier Hochschulen

der Region SüdOstNiedersachsen:

http://www.praktikum-niedersachsen.de

Gewerkschaftliches Gutachternetzwerk:

http://www.gutachternetzwerk.de

Projekt REGION BRAUNSCHWEIG GMBH:

http://www.projekt-region-braunschweig.de

| 54 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig


Impressum

Herausgeberin

Auflage

Gestaltung

Druck

Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften

an der TU Braunschweig, Region SüdOstNiedersachsen

Konstantin-Uhde-Straße 4, 38106 Braunschweig

300 Stück

Annette Lührs, 31303 Burgdorf

Druck-Point-Seesen, 38723 Seesen

| 55 | 10 Jahre Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften SüdOstNiedersachsen an der TU Braunschweig

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine