Studie »Generation Praktikum 2011 - Hans-Böckler-Stiftung

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Studie »Generation Praktikum 2011 - Hans-Böckler-Stiftung

8. ROLLE UND PERSPEKTIVEN VON

PRAKTIKA NACH STUDIENABSCHLUSS

Ein Praktikum ist eine lehrreiche und informative, allerdings

prekäre Alternative zur Arbeitslosigkeit

Praktika nach Studienabschluss – so sehen es diejenigen, die selber

ein solches Praktikum absolviert haben – sind in allererster Linie eine

Möglichkeit, zusätzliche Qualifikationen zu erwerben (80 Prozent Zustimmung).

Sie sind vollwertige Arbeit, die nicht vollwertig bezahlt

wird (76 Prozent), und sie sind eine Möglichkeit, im Lebenslauf eine

Phase von Arbeitslosigkeit zu vermeiden (70 Prozent). Sie sind eine

prekäre Beschäftigungsform – und sie sind aus Sicht der »Betroffenen«

nicht überflüssig, auch wenn sie keine ernst zu nehmende Möglichkeit

darstellen, Geld zu verdienen.

Diese »Überbrückungsfunktion« von Praktika nach Studienabschluss

wird von den Befragten in der aktuellen Studie stärker angegeben als

in der ersten Befragung »Generation Praktikum 2007«. Gegenüber

denjenigen, die selber kein solches Praktikum absolviert haben, stehen

die Qualifikationsfunktion und die Möglichkeit, Zeit zu überbrücken,

stärker im Vordergrund. Diejenigen, die selber ein Praktikum

nach Studienabschluss absolviert haben, sehen diese weniger als eine

moderne Form der Ausbeutung an und halten derartige Praktika deutlich

weniger für überflüssig als diejenigen, die in den dreieinhalb Jahren

seit ihrem Studienabschluss kein Praktikum gemacht haben.

Praktikantinnen und Praktikanten schätzen Praktika nach Studienabschluss

positiver ein als Personen ohne Praktikumserfahrung

Die Gesamteinschätzung der Praktika nach Studienabschluss konzentriert

sich auf zwei der drei zur Auswahl gestellten Antwortmöglichkeiten:

41 Prozent halten Praktika nach Studienabschluss für unangenehm,

aber chancenreich, und 40 Prozent sehen sie als eine gute

Alternative zur Untätigkeit an. Nur knapp ein Fünftel hält Praktika

nach Studienabschluss generell für schädlich, indem sie dauerhafte

Beschäftigung verhindern.

Bei den Personen, die selber ein Praktikum nach Studienabschluss

absolviert haben, verschiebt sich die Einschätzung leicht zugunsten

Aussage

eine Möglichkeit, zusätzliche Qualifikationen zu erwerben

vollwertige Arbeit, die nicht vollwertig bezahlt wird

eine Möglichkeit, um im Lebenslauf eine Phase

von Arbeitslosigkeit zu vermeiden

eine gute Alternative zur Untätigkeit

eine prekäre Beschäftigungsform

eine Möglichkeit, Zeit zu überbrücken

ein Phänomen, das sich in Folge der Wirtschaftskrise

immer stärker ausweitet

eine gute Möglichkeit, um den Berufseinstieg zu schaffen

eine moderne Form der Ausbeutung

überflüssig, da man nach dem Studium

direkt in den Beruf einsteigen kann

eine Möglichkeit, Geld zu verdienen

2011 mit

Praktikum

2011 ohne

Praktikum

GP 2007

M % ja M % ja % ja

4,1 80 3,7 62 57

4,1 76 4,0 72 n. e.

3,9 70 3,8 66 46

3,9 68 3,7 60 44

3,8 68 3,8 63 n. e.

3,8 67 3,5 46 37

3,8 63 3,6 54 n. e.

3,8 61 3,4 47 43

3,6 56 3,8 63 n. e.

2,6 20 3,1 36 19

2,2 12 2,3 16 12

Tabelle 12:

Aussagen über Praktika nach

Studienabschluss (M: Mittelwerte

auf 5-stufiger Antwortskala von 1

»ganz und gar nicht« bis 5 »voll und

ganz«; % ja: %-Anteil der Befragten,

die 4 oder 5 angeben; getrennte

Berechnung für Befragte, die ein

bzw. die kein Praktikum nach

Studienabschluss absolviert haben;

GP 2007: Vergleichsdaten aus Studie

»Generation Praktikum 2007«).

38 www.wie-willst-du-leben.de

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