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Digitale Fotografie - Update Landschafts- und Wasserfotografie (Vorschau)

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<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong>UPDATE Nr. 2/2012 März-Mai 2012 Fotoideen: Wasser, Blitze, Süßigikeiten • Die Kamera verstehen: Belichtungsarten <strong>und</strong> Weißabgleich • Experten-Ratgeber: Nachtfotografi e <strong>und</strong> Restauration von Papierbildern<br />

<strong>Digitale</strong><br />

Perfektionieren Sie Ihre ...<br />

LANDSCHAFTS- UND<br />

WASSERFOTOGRAFIE<br />

Fotoprojekt-Special<br />

Holen Sie das Beste aus Ihren<br />

Wasseraufnahmen im Freien<br />

Ein-St<strong>und</strong>en-<br />

Foto<br />

Leseraufgabe<br />

DAS PERFEKTE BILD MIT<br />

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UPDATE<br />

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Kaufberatung<br />

Aktuelle Spiegelreflex - <strong>und</strong><br />

Systemkameras<br />

Deutschland:<br />

EUR 9,90<br />

Österreich:<br />

EUR 11,-<br />

Schweiz:<br />

CHF 19,-<br />

LU/BE<br />

EUR 11,50<br />

Nr. 2/2012 März-Mai 2012


<strong>Digitale</strong><br />

UPDATE


WILLKOMMEN<br />

<strong>Fotografie</strong>, Abenteuer <strong>und</strong> Reisen …<br />

LIEBE LESER UND FOTOGRAFEN, der<br />

Untertitel des größten Reportage-Festivals<br />

Europas, der 9. „MUNDOlogia“ (=<br />

„Weltkenntnis“) lautete „Das Festival für<br />

<strong>Fotografie</strong>, Abenteuer <strong>und</strong> Reisen“. Was<br />

für eine spannende Mischung! Foto-<br />

Liebhaber werden vielleicht einwerfen, die<br />

<strong>Fotografie</strong> alleine ist ja schon ein<br />

Abenteuer; da brauche ich keinen zusätzlichen Nervenkitzel. Doch wer wie<br />

„<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong>“ im Februar in Freiburg dabei war, wird verstehen, dass<br />

diese Mischung wirklich umwerfende Ergebnisse hervorgebracht hat.<br />

Höhepunkt der zahlreichen Multivisionsshows aus aller Welt war<br />

zweifelsohne der Auftritt von Gerlinde Kaltenbrunner, die ihre Bilder von<br />

der Besteigung des K2 im ausverkauften Konzerthaus präsentierte. Sie ist<br />

die einzige Frau, die alle 8.000er dieser Welt ohne zusätzlichen Sauerstoff<br />

erklommen – <strong>und</strong> dabei auch noch fotografiert – hat. Wenn das keine<br />

Inspiration für jeden Fotobegeisterten ist!<br />

Wenn Sie nicht bei „Leidenschaft Leben über 8.000 m“ dabei sein<br />

konnten, lassen Sie sich doch von den Bildern unserer Foto-Experten in<br />

dieser Ausgabe inspirieren: Da geht es um Wasser in der<br />

<strong>Landschafts</strong>fotografie, das <strong>Fotografie</strong>ren von Blitzen, Nachtfotos <strong>und</strong> die<br />

Inszenierung des weiblichen Körpers im Boudoir-Stil (S. 84). Auch unsere<br />

Leser haben beeindruckende Ergebnisse beigesteuert wie den Jungen vor<br />

dem Mikrofon (S. 10) oder die Frau im Stil der Filmporträts der 1940er<br />

Jahre (S. 13).<br />

Wie man zu solchen Aufnahmen gelangt, erfahren Sie zum Beispiel<br />

durch Beiträge wie „Die Kamera verstehen“, wo es um so<br />

gr<strong>und</strong>legenden Dinge wie die Belichtungsarten <strong>und</strong> den<br />

Weißabgleich geht (s. 66 ff.). Ganz praktisch geht es beim „Ein-<br />

St<strong>und</strong>en-Foto“ zu. Leser haben hier die Gelegenheit, unter der<br />

Anleitung eines Experten innerhalb einer St<strong>und</strong>e ein Foto zu<br />

erstellen. Themen in dieser Ausgabe: Strand, Küste <strong>und</strong> Natur.<br />

Schauen Sie sich die beeindruckenden Ergebnisse ab Seite 121 an.<br />

Fortgeschrittene werden sich mit den Möglichkeiten von Photoshop<br />

auseinandersetzen wollen <strong>und</strong> ihre Bilder nachbearbeiten. Tipps für<br />

einen künstlerischen Zeichen- oder Aquarelleffekt, künstlichen<br />

Nebel oder die Schwarzweiß-Umwandlung finden sie ab Seite 137.<br />

Kameras kann man nie genug haben, <strong>und</strong> ab <strong>und</strong> an ist ohnehin<br />

Ersatz fällig. Eine schöne Auswahl guter Modelle finden Sie in<br />

unserem Testzentrum ab Seite 155. Schwerpunkt hier: Der<br />

Vergleich von traditionellen Spiegelreflexmodellen mit den immer<br />

zahlreicher werdenden kompakten Systemkameras. Letztere<br />

entwickeln sich offenbar zu einer echten Alternative für viele<br />

ambitionierte Fotografen. Selbst Nikon ist in dieser Hinsicht jetzt mit<br />

von der Partie. Doch lesen Sie nach, was unsere Tests ergeben<br />

haben …<br />

Womit Sie auch immer fotografieren – Hauptsache, es kommen<br />

Bilder dabei heraus, die Ihnen <strong>und</strong> möglichst auch Ihrem Publikum<br />

gefallen. In jedem Fall viel Spaß dabei <strong>und</strong><br />

immer das beste Licht wünscht<br />

Die nächsten Ausgaben von <strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> erscheinen am:<br />

20.3.2012: <strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong>-PRO<br />

3.4.2012: <strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong>-THEMEN/Einsteiger<br />

1.5.2012: <strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong>-KREATIV<br />

5.6.2012: <strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong>-UPDATE<br />

Hagen Hellwig,<br />

Chefredakteur,<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong>


Inhalt<br />

03 Willkommen<br />

04 Inhalt<br />

06 News<br />

08 Leserschaukasten:<br />

Das Allerbeste von Ihren Bildern<br />

31 Fotoidee<br />

Einfache Schritte zu kreativen Bildern<br />

Wasser auf <strong>Landschafts</strong>fotos, Blitze<br />

einfangen, Süßigkeiten<br />

42 Fünf Minuten Photoshop:<br />

Vignette hinzufügen<br />

44 Winterinspiration<br />

Entdecken Sie die Schönheiten des Winters<br />

50 Abstrakte Wasserfotos<br />

52 Maximierung der Tiefenschärfe<br />

54 Restaurieren alter Bilder mit einer<br />

einfachen Technik<br />

56 <strong>Fotografie</strong>ren von Leuchttürmen<br />

Romantische Bilder in rauer See<br />

60 Selektive Fokussierung<br />

Hollywood-Beleuchtung, Rauchspuren<br />

66 Die Kamera verstehen<br />

Belichtungsarten (Zeit- <strong>und</strong><br />

Blendenautomatik, manuelle Steuerung),<br />

Weißabgleich<br />

70 Zeitautomatik<br />

72 Blendenautomatik<br />

74 Manuelle Einstellung<br />

76 Weißabgleich<br />

84 Foto-Experte<br />

Boudoir-<strong>Fotografie</strong><br />

Nachtfotografie<br />

96 Experten-Ratgeber<br />

Experten-Meinung<br />

Fragen & Antworten<br />

121 Ein-St<strong>und</strong>en-Foto<br />

3 Leser <strong>und</strong> ihre Ergebnisse<br />

137 Photoshop für Fotografen<br />

Künstlerische Fotos mit Zeichnung-,<br />

Aquarell-, Nebel- <strong>und</strong> Schwarzweiß-Effekt,<br />

Winterbilder<br />

148 Rauhreif/Frost<br />

151 Testzentrum<br />

Sony Alpha 65<br />

155 Kaufberatung: Einsteigersets<br />

162 Bekenntnisse eines Kreuzfahrt-<br />

Fotografen<br />

56<br />

HALTEN SIE DIE<br />

LETZTEN BAUWERKE<br />

IHRER ART FÜR DIE<br />

EWIGKEIT FEST<br />

08<br />

HIER ZEIGEN UND<br />

KOMMENTIEREN WIR<br />

DIE BESTEN IHRER<br />

BILDER<br />

138<br />

ZEICHENEFFEKT<br />

144<br />

SCHWARZWEISSBILDER<br />

52<br />

MAXIMIERUNG DER<br />

TIEFENSCHÄRFE<br />

62<br />

HOLLYWOOD-<br />

BELEUCHTUNG<br />

121<br />

EIN GUTES FOTO<br />

IN NUR EINER<br />

STUNDE? KEIN<br />

PROBLEM FÜR<br />

EINEN LESER<br />

UND EINEN<br />

EXPERTEN<br />

4 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


31<br />

WASSER IN DER LANDSCHAFT -<br />

EIN FASZINIERENDES MEDIUM<br />

FÜR TOLLE FOTOS<br />

IMPRESSUM<br />

HERAUSGEBER: Ultimate Guide Media<br />

CHEFREDAKTEUR: Hagen Hellwig<br />

REDAKTION INTERNATIONAL: Paul Ward, Ross Hoddinott, Lee<br />

Frost, Helen Dixon, John Hicks, Bjorn Thomassen, Adam<br />

Burton, u.v.m. ENDREDAKTION: Hannah Bollwerk<br />

ART DIRECTOR: Dean Mullock<br />

FINANZDIREKTOR: Richard Layton<br />

26<br />

GET THE<br />

PICTURE<br />

84<br />

WEIBLICHE FORMEN<br />

KOMMEN IM<br />

BOUDOIR-STIL<br />

BESONDERS SCHÖN<br />

ZUR GELTUNG<br />

Die in diesem Magazin artikulierten Meinungen, sind die<br />

Meinungen der jeweiligen Autoren <strong>und</strong> stimmen nicht zwingend<br />

mit der Meinung des Herausgebers, der Redaktion oder den<br />

Vertreibern dieses Magazins überein.<br />

DATENSCHUTZERKLÄRUNG<br />

Dieses MAGBOOKwird unter der Lizenz <strong>und</strong> mit der Erlaubnis<br />

von © Dennis Publishing Limited herausgegeben. Alle Rechte<br />

an Material, Titel <strong>und</strong> Marke dieses Magazins sind Eigentum von<br />

Dennis Publishing Limited <strong>und</strong> dürfen weder im Ganzen noch<br />

teilweise ohne vorherige schriftliche Genehmigung reproduziert<br />

werden.<br />

HAFTUNG<br />

Das Heft wurde mit großer Sorgfalt produziert. Der Verlag<br />

kann jedoch keine Haftung, Gewährleistung, Garantie oder<br />

Versicherung für Meinungen, Waren oder Dienstleistungen<br />

übernehmen, die in dieser Ausgabe veröffentlicht wurden. Der<br />

Herausgeber übernimmt keine Verantwortung für Inhalte von<br />

externen Webseiten, deren Adressen veröffentlicht werden.<br />

VERTRIEB:<br />

VU VERLAGSUNION KG<br />

AM KLINGENWEG 10<br />

65396 WALLUF<br />

TEL. + 49 612 3620 0<br />

VERLAG:<br />

BÜRO DEUTSCHLAND<br />

Ultimate Guide Media Ltd.<br />

Chilehaus A, Fischertwiete 2<br />

20095 Hamburg<br />

BÜRO UNITED KINGDOM<br />

Ultimate Guide Media Ltd<br />

Argyle House, 1 Dee Road<br />

Richmond, Surrey<br />

TW9 2JN<br />

Company No. 06965305<br />

155<br />

SPIEGELREFLEX<br />

ODER SYSTEM?<br />

ZWEI<br />

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HOMEPAGE: www.digitale-fotografie-magazin.de<br />

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Adamsz Marketing GmbH<br />

Ahrstraße 26<br />

26382 Wilhelmshaven<br />

Tel.: 0 44 21 / 500 19 - 0<br />

Fax: 0 44 21 / 500 19 - 55<br />

fotografie@adamsz.de / www.adamsz.de<br />

ABONNEMENTS & PRESSEVERTRIEB<br />

IPS Pressevertrieb GmbH<br />

Ultimate Guide Abo-Service<br />

Postfach 1331<br />

53340 Meckenheim<br />

E-MAIL: abo-ugm@ips-d.de<br />

Telefon: +49 22 25/70 85-362<br />

Homepage www.ips-d.de<br />

LESERFRAGEN:<br />

Bitte schicken Sie Leseranfragen an<br />

info@digitale-fotografie-magazin.de<br />

DRUCK UND BINDUNG:<br />

QuadWinkowski Sp. z o.o.<br />

ul. Okrzei 5, 64-920 Piła, Polen<br />

www.Quadwinkowski.pl<br />

Das Papier, auf dem dieses<br />

Magazin gedruckt ist, besteht aus<br />

umweltverträglichen Fasern.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 5


News<br />

DER BESTE SCHUSS:<br />

MAGNUM CONTACT<br />

SHEETS<br />

Bei der analogen Fotografi e wählte man<br />

das beste Foto auf Kontaktbögen von<br />

Filmstreifen aus. Die legendäre Pariser<br />

Fotoagentur Magnum gibt jetzt einen<br />

Einblick in die Kontaktbögen, von denen<br />

ihre berühmtesten Bilder stammen. In<br />

dem großformatigen Bildband „Magnum<br />

Contact Sheets“ (Schirmer/Mosel Verlag,<br />

98 Euro) sind 139 Kontaktbögen von<br />

69 Fotografen zu sehen: der beste<br />

(veröffentlichte) Schuss <strong>und</strong> das<br />

„Ausschussmaterial“. Die Aufnahmen<br />

repräsentieren fast 70 Jahre Reportage-<br />

Fotografi e angefangen von Capas<br />

D-Day-Aufnahmen, über Koudelkas<br />

Reportage von der Invasion in Prag 1968<br />

bis hin zu den Kriegen im ehemaligen<br />

Jugoslawien, in Tschetschenien, im Irak<br />

oder in Afghanistan. Die Schwarzweiß-<br />

Porträts von Che Guevara, Salvador<br />

Dali oder Muhammad Ali sind bis heute<br />

beindruckende Zeugnisse exzellenter<br />

Fotoreportage-Kunst. Eigentlich dienten<br />

die Kontaktbögen nur der Übersicht <strong>und</strong><br />

Auswahl der Fotos, eine Veröffentlichung<br />

war nicht vorgesehen. Ein Blick auf<br />

die Kontakte ermöglicht heute die<br />

Rekonstruktion der Geschichte <strong>und</strong> lässt<br />

erahnen, wie der Fotograf gearbeitet hat.<br />

Das Buch ist ein fotogeschichtliches<br />

Dokument, das eine sehr persönliche<br />

Sicht auf die Fotografen zulässt.<br />

FOTOGRAFIE-STUDENT GEWINNT UNICEF-FOTOWETTBEWERB 2011<br />

Kai Löffelbein, Student der Fotografi e an der<br />

FH für Design <strong>und</strong> Medien in Hannover, erhält<br />

den ersten Preis beim Fotowettbewerb 2011<br />

des Kinderhilfswerks Unicef. Sein Foto zeigt<br />

einen Jungen, der auf der Giftmülldeponie<br />

Agbogbloshi in Ghana im Zentrum der<br />

Hauptstadt Accra einen kaputten Bildschirm<br />

in die Höhe hält. Um Geld zu verdienen,<br />

zertrümmern dort Kinder <strong>und</strong> Jugendliche<br />

elektronische Geräte <strong>und</strong> weiden sie aus.<br />

Dann liegen sie Feuer, in denen alles außer<br />

den wertvollen Metallen schmilzt. Der Rauch<br />

enthält giftige Stoffe wie Blei, Kadmium, Zink,<br />

Chrom <strong>und</strong> Nickel, die zu ges<strong>und</strong>heitlichen<br />

Schäden von Kopfschmerzen über<br />

Hautausschläge bis zu Schädigungen des<br />

Nervensystems führen. Hinzu kommen<br />

hochgiftige Ablagerungen im Boden.<br />

Fotograf: © Kai Löffelbein “UNICEF Foto des Jahres”<br />

Thomas Hoepker: 9/11, New York, September 2001<br />

FOTOWORKSHOPS UND -REISEN IN DEN MÜRITZ-<br />

NATIONALPARK, NACH HELGOLAND UND SCHWEDEN<br />

In der Müritz (Mecklenburg-Vorpommern), dem mit 300<br />

Quadratkilometern größten Land-Nationalpark <strong>und</strong> größten<br />

deutschen See, bietet der Hamburger Natur- <strong>und</strong> Tierfotograf<br />

Holger Tange im Jahr 2012 mehrere Wochenend-Workshops zu<br />

den Themen „<strong>Landschafts</strong>- <strong>und</strong> Naturfotografi e“ <strong>und</strong> „Gr<strong>und</strong>lagen<br />

der digitalen Fotografi e <strong>und</strong> Bildbearbeitung“ an. Kosten: 325/395<br />

Euro ohne/mit Übernachtung im Doppelzimmer. Die Workshops<br />

fi nden im Juni, September <strong>und</strong> Oktober 2012 statt. Außerdem im<br />

Angebot: Mehrtägige Foto-Workshop-Reisen zur Kranichrast am<br />

Hornborgasee nach Schweden <strong>und</strong> zu den Seevögeln <strong>und</strong> Robben<br />

auf Helgoland. Die Reisen fi nden im März/April <strong>und</strong> im Juni<br />

2012 statt. Reiseleiter Holger Tange ist Mitglied der Gesellschaft<br />

deutscher Tierfotografen. Die Angebote richten sich an Einsteiger<br />

<strong>und</strong> Fortgeschrittene gleichermaßen. Genaue Termine <strong>und</strong> weitere<br />

Infos unter www.tange-photo.de<br />

Holger Tange: Abendstimmung an der Müritz<br />

6 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


News<br />

FOTOS PER APP AUF DEN FERNSEHER<br />

Seit Ende Februar 2012<br />

ist die neue Version des<br />

Fernsehempfängers „VideoWeb TV“<br />

zu haben, womit Fernsehsignale<br />

über das Internet empfangen<br />

werden können. So lassen sich<br />

auch ältere TV-Geräte ohne eigenen<br />

Online-Anschluss nachrüsten.<br />

Einzige Voraussetzung: eine HDMI-<br />

Schnittstelle am Fernseher <strong>und</strong> ein<br />

DSL-Anschluss. Neben Fernseh-<br />

Signalen stellt VideoWeb über<br />

100 weitere Dienste <strong>und</strong> Services<br />

wie „Zattoo“ (Live-TV), „Red Bull<br />

TV“ (Trendsport), „maxdome“<br />

(Video-on-Demand) <strong>und</strong> „KiKi“<br />

(für Kinder) online zur Verfügung.<br />

Für Handy-Fotografen besonders<br />

interessant: Apps für das iPhone<br />

<strong>und</strong> Android-Handys, mit denen<br />

sich die Fotos vom Handy drahtlos<br />

per WLAN über die VideoWeb-<br />

Box auf dem Fernseher abspielen<br />

lassen. VideoWeb TV kostet 149<br />

Euro. Zusätzliche Abo-Gebühren<br />

fallen nicht an.<br />

PHOTOSHOP CS5 FÜR (KÜNFTIGE)<br />

PROFIS<br />

Photoshop ist ein<br />

sehr umfangreiches<br />

Bildbearbeitungsprogramm.<br />

Ebenso umfangreich ist dieses<br />

Lern- <strong>und</strong> Nachschlagewerk<br />

„Adobe Photoshop CS5“ aus<br />

dem Verlag Galileo Design. Auf<br />

ganzen 1177 Seiten dürfte<br />

Autorin Sibylle Mühlke alles<br />

beschrieben haben, was es<br />

über die aktuelle Version CS5 zu wissen gibt. Man kann das<br />

Buch zum Erlernen der Software verwenden <strong>und</strong> Seite für<br />

Seite durcharbeiten. Doch eher wird es als Nachschlagewerk<br />

bei Fragen <strong>und</strong> bestimmten Funktionen dienen. Die Video-<br />

Lektionen auf beigelegter DVD sind ein willkommenes Mittel,<br />

um sich spezielle Photoshop-Werkzeuge von einem Trainer<br />

erklären zu lassen. Das Buch beinhaltet außerdem eine<br />

Referenzkarte, einen Infoteil, ein umfangreiches Glossar (inkl.<br />

wichtiger Begriffe auf Englisch) <strong>und</strong> einen Code für Zusatzinfos<br />

im Internet. Die 49,90 Euro für das Buch sind gut angelegt,<br />

wenn man Photoshop wirklich ausreizen will.<br />

EIN STUHL WIRD KUNST<br />

Kaum vorstellbar, dass man von einem<br />

Stuhl als Motiv beachtliche Fotos erstellen<br />

kann. Doch genau das war die Aufgabe für<br />

zwölf Fotografen, die das Modell „Silver“ von<br />

interstuhl fotografiert haben. Entstanden ist<br />

ein Fotokalender mit 13 äußerst vielfältigen<br />

Motiven, die die Grenzen zwischen Kunst<br />

<strong>und</strong> Design verschwimmen lassen.<br />

Zugegebenermaßen handelt es nicht um<br />

ein gewöhnliches Sitzmöbel, sondern um<br />

einen mehrfach ausgezeichneten Designer-<br />

Stuhl, der von den Stararchitekten Hadi<br />

Teherani, Uli Nether <strong>und</strong> Hans-Ullrich Bitsch<br />

entworfen wurde <strong>und</strong> auf dem sogar schon<br />

„James Bond“ gesessen hat. Der abgebildete<br />

Stuhl (mit Oberflächen aus gebürstetem<br />

Aluminium <strong>und</strong> Lederbezug) kostet r<strong>und</strong><br />

4300 Euro, der Kalender ist unverkäuflich<br />

<strong>und</strong> nur online anzuschauen.<br />

www.interstuhl.de/kalender2012<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 7


Leserschaukasten<br />

DAS ALLERBESTE VON IHREN BILDERN<br />

Jeremy Barrett <br />

Alter: 42 / Beruf: Hufschmied<br />

Vorsicht Brandung: „An einem Augustmontag in Cromer,<br />

Norfolk, führten Flut <strong>und</strong> starker Wind zu einer sehr<br />

dramatischen Dämmerung an der Uferpromenade. Ich habe die<br />

Strandmauer als Führungslinie genutzt <strong>und</strong> abgedrückt, als die<br />

Welle zurückging, um auch vorne im Bild ein interessantes<br />

Motiv zu erhalten. Mit einem Polfilter habe ich etwas Wärme<br />

hinzugefügt <strong>und</strong> mit einem Lee 0,9 Grauverlauffilter die<br />

Belichtung des Himmels reduziert. Bei der Nachbearbeitung in<br />

CS5 habe ich hauptsächlich das Meer abgewedelt <strong>und</strong><br />

nachbelichtet, um den Kontrast zu erhöhen. Die Schärfe wurde<br />

mit Nik Viveza 2 verbessert.“<br />

Nikon D3 mit Nikkor 17-35mm f/2.8 Objektiv<br />

Belichtung: Eine Sek<strong>und</strong>e bei f/11 (ISO 200)


Leserschaukasten<br />

Jonathan Allen<br />

<br />

Alter: 40 / Beruf: Bahnarbeiter<br />

Und die Musik spielt weiter: „Mein ältester Sohn Ethan singt gerne, daher wollte ich ihn<br />

mit einem Mikrofon als Requisite fotografieren. Ich habe zwei Lichter für den Aufbau eingesetzt<br />

<strong>und</strong> kabellos ausgelöst: Ein Nikon SB-80 Blitzgerät mit Softbox stand vor ihm <strong>und</strong> ein Vivitar<br />

285 Blitzgerät hinter ihm, um ihn ins rechte Licht zu setzen. In der Nachbearbeitung habe ich<br />

dem Hintergr<strong>und</strong> eine Struktur gegeben, die Farbtemperatur des Bildes angepasst <strong>und</strong> eine<br />

Vignette hinzugefügt. Das Mikrofon habe ich kopiert <strong>und</strong> mehrfach dupliziert <strong>und</strong> jeder Ebene<br />

Noten mit Schatten <strong>und</strong> abgeschrägten Kanten hinzugefügt, <strong>und</strong> dabei jedes Mal leicht<br />

bewegt, so dass es aussieht, als würde es auseinander fallen.“<br />

Canon EOS 300D mit einem Tamron 28-300mm f/3.5-6.3 Objektiv<br />

Belichtung: 1/250 Sek. bei f/10 (ISO 200)<br />

Paul Jenkins<br />

<br />

Alter: 47 / Beruf: arbeitslos<br />

Wolkenbruch: „Diese Aufnahme habe ich am Llandwyn Beach in Anglesy in Wales<br />

gemacht. Ich ging an einem sonnigen Augusttag am Strand spazieren, als ich eine dramatische<br />

Wolkenformation über der Bucht entdeckte. Ich habe mich dazu entschlossen, das Bild im<br />

Porträtformat aufzubauen, um die Tiefe zu betonen <strong>und</strong> auf jeden Fall die Spiegelung der<br />

Wolken im Wasser einzufangen. Ich habe im <strong>Landschafts</strong>modus fotografiert, um die Schärfe<br />

des ganzen Bildes beizubehalten, wobei die Belichtungszeit durch die Kamera bestimmt<br />

wurde. Anschließend habe ich den Kontrast erhöht <strong>und</strong> mit Unscharf Maskieren in Elements<br />

geschärft.“<br />

Canon EOS 550D mit einem Canon EF-S 18-55mm f/3.5-5.6II IS Objektiv<br />

Belichtung: 1/200 Sek. bei f/11 (ISO 100)<br />

Chris Plumbe<br />

<br />

Alter: 55 / Beruf: Technischer Direktor<br />

Schwarz & Gold: „Ich hörte, dass die Rest der Meeres-Schutzmauer bei Happisburgh in<br />

Norfolk abgerissen werden sollten. Bevor sie verschwanden, wollte ich sie unbedingt noch<br />

fotografieren, aber das bedeutete um 1:30 Uhr nachts loszufahren, um rechtzeitig vor dem<br />

Sonnenaufgang da zu sein! Ich habe mit einer Belichtungszeit von einer Sek<strong>und</strong>e fotografiert,<br />

um die Details des Wassers festzuhalten, <strong>und</strong> eine kleine Blende genommen, um auch die<br />

Details im Vordergr<strong>und</strong> aufzunehmen. Während die Sonne aufging, aber noch hinter den<br />

Wolken war, habe ich mit einem 0,9 Grauverlauffilter die Belichtung ausgeglichen. Die<br />

Nachbearbeitung habe ich in CS3 gemacht. Ich habe ein leicht unterbelichtetes Bild mit einem<br />

leicht überbelichteten Bild gemischt <strong>und</strong> den Kontrast, die Sättigung <strong>und</strong> Schärfe angepasst.“<br />

Canon EOS-1Ds MkII mit Canon EF 16-35mm f/2.8L Objektiv<br />

Belichtung: Eine Sek<strong>und</strong>e bei f/22 (ISO 100)<br />

10 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Leserschaukasten<br />

John Farrar <br />

Alter: 67 / Beruf: Fotograf<br />

Mic Quetta (links): „Mein Hauptethos als Fotograf ist, immer<br />

darauf zu achten, dass der Inhalt meiner Aufnahmen das ist, was<br />

als erstes ins Auge fällt. In Florida habe ich einen Fotoworkshop<br />

geleitet, als mir diese beiden fluoreszierenden Kämme in einem<br />

örtlichen Friseurbedarfsgeschäft auffielen. Ich habe die Kämme<br />

in die Frisur des Modells eingearbeitet <strong>und</strong> wir haben das farblich<br />

passende Augen-Make-up dazu gewählt. Bei dieser Aufnahme<br />

habe ich mit der Klappen-Belichtungstechnik gearbeitet: Eine<br />

große Softbox über der Kamera <strong>und</strong> ein gebogener Reflektor<br />

unten. Für eine höhere Präzision wurden zwei schmale<br />

Softboxen hinter dem Modell auf jeder Seite aufgestellt.“<br />

Nikon D300s mit einem Nikkor AF-S 24-70mm f/2.8 Objektiv<br />

Belichtung: 1/200 Sek. bei f/13 (ISO 200)<br />

Tahlia (oben): „Eine Aufnahme dieser Art hatte ich zuvor<br />

schon einmal gesehen, aber ich wollte sie in meinem eigenen<br />

Porträtstil nachbilden. Also ging ich mit dem ausgewählten<br />

Make-up zu einem örtlichen Farbenhändler <strong>und</strong> ließ mir Farbe<br />

im exakt gleichen Lilaton zusammenmischen. Eine große<br />

Softbox wurde über der Augenlinie des Modells platziert ohne<br />

weiteres Fülllicht von unten, so dass dramatische Schatten<br />

entstehen <strong>und</strong> die Konturen ihres Gesichts betont werden. Ein<br />

weiteres Blitzgerät wurde mit blauem Gel gefüllt <strong>und</strong> auf den<br />

schwarzen Hintergr<strong>und</strong> gerichtet, damit sich das Farbthema<br />

fortsetzt. Eines meiner beliebtesten Elemente in dieser<br />

Aufnahme ist der Hauch von Rot, der durch den Bürstengriff<br />

durchschimmert. Das war keine Absicht, aber so wird das Auge<br />

des Betrachters quasi ins Bild hineingezogen.“<br />

Nikon D200 mit einem Nikkor AF-S 24-70mm f/2.8 Objektiv<br />

Belichtung: 1/80 Sek. bei f/14 (ISO 100)<br />

Jayne (rechts): „Für diese Aufnahme in Brighton wollte ich die<br />

Atmosphäre eines Filmporträts aus den 1940ern nachbilden.<br />

Der Lichtaufbau war recht einfach gehalten, mit einer großen<br />

Softbox auf Augenhöhe sehr nah am Modell <strong>und</strong> einer einzigen<br />

puren Blitzlicht hinter dem Modell zur Ausleuchtung der Haare.<br />

In Photoshop habe ich eine Ebenenmaske hinzugefügt <strong>und</strong> die<br />

Sättigung der Hauttöne abgeschwächt, so dass der rote<br />

Lippenstift <strong>und</strong> das Kleid zu sehen bleiben. Die Sättigung des<br />

roten Kanals wurde anschließend erhöht, um das Bild noch<br />

ausdrucksstärker <strong>und</strong> dynamischer zu machen. Die<br />

Rauchfahnen wurden separat aufgenommen <strong>und</strong> nachträglich<br />

hinzugefügt.“<br />

Nikon D200 mit einem Nikkor AF-S 24-70mm f/2.8 Objektiv<br />

Belichtung: 1/100 Sek. bei f/22 (ISO 200)<br />

12 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Leserschaukasten<br />

Peter Le Cointe <br />

Alter: 51 / Beruf: Polizeibeamter im Ruhestand<br />

Kolibri: „Ich habe im Süden von Arizona Urlaub gemacht <strong>und</strong> beobachtete dort jeden<br />

Morgen einen Kolibri, der in den Garten kam, um von der gleichen Pflanze zu essen.<br />

Ich entschied, mich in einem Busch ungefähr drei Meter von der Pflanze entfernt zu<br />

verstecken <strong>und</strong> auf den Besucher zu warten. Die Kamera habe ich auf ein Stativ<br />

geschraubt <strong>und</strong> die volle 400 Millimeter Brennweite genutzt, um den Hintergr<strong>und</strong><br />

verschwimmen zu lassen <strong>und</strong> das Motiv zu isolieren. Meine Absicht war es, ein<br />

scharfes Bild des Vogels zu machen, das aber auch seine flatternden Flügel zeigen<br />

sollte. Ich entschied mich für den Serienaufnahme-Modus <strong>und</strong> habe den Fokus-Modus<br />

auf AI Servo eingestellt, um die schnellen <strong>und</strong> unregelmäßigen Bewegungen des Vogels<br />

festzuhalten. Eine Verschlussgeschwindigkeit von 1/1000 Sek. reichte aus, um den<br />

Körper des Vogels einzufrieren <strong>und</strong> dennoch die Bewegung der Flügel einzufangen.“<br />

Canon EOS 30D mit einem Canon EF 100-400mm f/4.5-5.6 IL USM Objektiv<br />

Belichtung: 1/1000 Sek. bei f/6.3 (ISO 500)<br />

Ian Munro<br />

<br />

Alter: 38 / Beruf: Verwaltungsbeamter<br />

Ein schöner Gipfel: „Ich war zuvor schon mehrfach nach Glencoe gefahren, um diese<br />

Aufnahme zu machen, aber die Wetterbedingungen waren da einfach nicht optimal.<br />

Dieses Mal war es direkt nach dem Mittagessen. Die Wolken begannen sich zu<br />

verziehen <strong>und</strong> gaben den Blick auf eine schöne Schneedecke am Gipfel des Berges frei.<br />

Mit einem dreistufigen Graufilter, um die Wolken <strong>und</strong> das Wasser leicht zu glätten, <strong>und</strong><br />

einem zweistufigen harten Grauverlauffilter, um den Himmel bedeckt zu halten, nahm<br />

ich diese Aufnahme mit dem Fernauslöser <strong>und</strong> schließlich einer Belichtungszeit von<br />

sechs Sek<strong>und</strong>en auf. Eins der kniffligsten Dinge bei dieser Aufnahme war es, die richtige<br />

Belichtungszeit herauszufinden, bei der die Details der Mitteltöne im braunen Bereich<br />

um den Baum herum erhalten blieben. Die Blende von f/16 habe ich ausgewählt, um<br />

die Details über das ganze Bild hinweg scharf zu halten.“<br />

Canon EOS 5D MkII mit einem Canon EF 17-40mm f/4L USM Objektiv<br />

Belichtung: Sechs Sek<strong>und</strong>en bei f/16 (ISO 100)<br />

14 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Leserschaukasten<br />

DAS ALLERBESTE VON IHREN BILDERN<br />

Matthew Pitts <br />

Alter: 42 / Beruf: Flugzeuglackierer<br />

Kreuzgang der Kathedrale von Norwich: „Mein Plan war es,<br />

einen Tag mit <strong>Fotografie</strong>ren in Wells, Norfolk, zu verbringen, aber<br />

aufgr<strong>und</strong> von Regen musste ich auf Plan B umschwenken – <strong>und</strong> hier<br />

ist das Ergebnis. An der Kathedrale war an diesem Tag eine Menge<br />

los. Viele Leute sind während der Aufnahme durch das Bild gelaufen,<br />

aber da meine kürzeste Belichtungszeit aufgr<strong>und</strong> der dunklen<br />

Lichtverhältnisse fünf Sek<strong>und</strong>en betrug, wusste ich, dass jeder, den<br />

ich aufzeichnen würde, nur ein geisterhafter Schatten sein würde.<br />

Ich habe eine Reihe von Fotos gemacht <strong>und</strong> diese in Photoshop<br />

übereinander gelegt <strong>und</strong> dabei die Tonwertkorrektur <strong>und</strong><br />

Gradationskurven anpasst, um die Tonpalette auszuweiten. Mit der<br />

Nik Software Efex Pro 2 habe ich einen Sepiaton hinzugefügt.“<br />

Nikon D700 mit Nikon 20mm Objektiv<br />

Belichtung: 5 Sek. bei f/16 (ISO 160)


Leserschaukasten<br />

Dan Deakin <br />

Alter: 31 / Beruf: Orthopädischer Chirurg<br />

Baby Zeds (oben): „Mein Sohn war hier nur ein paar Tage alt <strong>und</strong> schlief nach der Fütterung<br />

sofort ein, ganz gleich wo er war. Diese Aufnahme hatte ich eine Zeit lang geplant. Ich habe<br />

eine schwarze Decke an eine Wand gehängt <strong>und</strong> mein Nikon Speedlight SB-900 Blitzgerät so<br />

eingestellt, dass es durch einen Schirm auf einem Stativ links von der Kamera hindurch blitzt.<br />

Da ich mit meinem Sohn so nah wie möglich am Schirm stand, fiel das Licht schön auf meinen<br />

Rücken <strong>und</strong> hielt das Licht von der Ausleuchtung des Hintergr<strong>und</strong>s ab. Es war ziemlich dunkel<br />

im Raum, als meine Frau die Aufnahme machte. Die einzige Lichtquelle des Bildes kommt von<br />

dem Blitz. Der Einsatz eines schnellen Objektivs hat dabei geholfen, im Dunklen zu<br />

fokussieren.“<br />

Nikon D700 mit einem Sigma 85mm f/1.4 Objektiv<br />

Belichtung: 1/200 Sek. bei f/11 (ISO 200)<br />

Furchen (rechts): „Dieses Feld ist nur ein paar h<strong>und</strong>ert Meter von meinem Haus entfernt, so<br />

dass ich dort jederzeit hinkomme, wenn die Lichtverhältnisse günstig erscheinen. Diese<br />

Aufnahme habe ich an einem späten Nachmittag gemacht, als die Sonne tief am Himmel<br />

stand <strong>und</strong> Schatten nach rechts in die Furchen warf. Mit meiner Standardkamera war der<br />

Himmel nicht besonders gut, aber mit der Infrarot-konvertierten Nikon kamen die Struktur <strong>und</strong><br />

der Kontrast besonders gut heraus. Als Infrarotbild war seine Bestimmung als<br />

Schwarzweißaufnahme vorherbestimmt. Mit Photoshop habe ich das Bild konvertiert <strong>und</strong> mit<br />

diversen Tonwertkorrekturen über Einstellungsebenen den Kontrast aufgebaut.“<br />

Nikon D50, für Infrarot konvertiert, mit einem Sigma 10-20mm Objektiv<br />

Belichtung: 0,5 Sek. bei f/19 (ISO 200)<br />

Simon Turner<br />

Alter: 41 Beruf: Arzt<br />

<br />

Erleuchtung (links): „Diese Aufnahme entstand in Kirkstall Abbey in Leeds. Das Foto<br />

wurde mit einem hinter einer Säule rechts von der Kamera versteckten Stroboskop<br />

ausgeleuchtet, das mit Plus II Pocket Wizards ausgelöst wurde. Die Kamera habe ich im<br />

manuellen Modus in der Hand gehalten. Mit einem Blitzmessgerät habe ich das Gesicht des<br />

Motivs ausgelesen, um die gewünschte Belichtung zu erzielen. Die Tänzerin Felicity macht vor<br />

dem Sprung typischerweise zwei Hüpfer, um an Höhe zu gewinnen, wodurch ich die Zeit für<br />

die Aufnahme genau einschätzen kann. Ich habe die Kamera auf Servo-Fokus eingestellt <strong>und</strong><br />

versucht, den Fokus auf Felicitys Gesicht zu halten während sie sprang. Mit dem Porträtformat<br />

habe ich die Aufwärtsbewegung betont <strong>und</strong> bei einer Belichtungszeit von 1/60 Sek<strong>und</strong>e<br />

konnte ich das Umgebungslicht mit dem Blitzlicht ausgleichen. Ich habe mir Felicity in einem<br />

wahren Lichtpool vorgestellt, daher habe ich diesen Effekt in Photoshop weiter ausgebaut <strong>und</strong><br />

eine extra Ebene für die Struktur obenauf gelegt.“<br />

Canon EOS 5D MkIi mit einem Canon 70-200mm f/2.8L IS Objektiv<br />

Belichtung: 1/60 Sek. bei f76.3 (ISO 100)<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 19


Leserschaukasten<br />

20 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Jimmy Phua<br />

Alter: 33 Beruf: Lehrer<br />

Kleiner Schmetterling (oben): „Es war noch früh am Morgen, so gegen 8 Uhr, als ich<br />

anhielt, um einige Blumen in der Nähe meiner Schule in Singapur zu bew<strong>und</strong>ern. Es war<br />

Oktober, daher habe ich überhaupt keine Schmetterlinge erwartet, aber dann habe ich diesen<br />

hier entdeckt, der auf der Suche nach Nahrung war. Da sich das Licht ständig änderte, habe<br />

ich meine Kamera auf den manuellen Modus eingestellt <strong>und</strong> einen Nikon SB-700 Blitz mit<br />

einem Gary Fong Diffuser eingesetzt, um das Umgebungslicht zu übertönen <strong>und</strong> das Motiv<br />

einzufrieren. Da ich in Raw fotografiert habe, war der Weißabgleich kein Problem. Ich wusste,<br />

es war nicht wirklich einfach mit einem 90-mm-Objektiv, da ich sehr nah herankommen<br />

musste, ohne den Schmetterling zu stören. Die Tatsache, dass er sich ständig bewegte, war<br />

ziemlich frustrierend. Ich fand, dass der Ausgleich des Umgebungslichts durch den Blitz<br />

wirklich gut funktioniert hat, Detailtreue lieferte <strong>und</strong> unerwünschte Schatten eliminierte. In<br />

Photoshop CS3 habe ich das Bild leicht beschnitten <strong>und</strong> Kontrast <strong>und</strong> Sättigung verstärkt, um<br />

das Bild noch dynamischer zu machen.“<br />

Nikon D70s mit Tamron 90mm f/2.8 Makro-Objektiv<br />

Belichtung: 1/125 Sek. bei f/16 (ISO 200)<br />

Paul Holloway<br />

Alter: 53 / Beruf: Lehrer<br />

<br />

<br />

Sturmlicht (links): „Diesen Aussichtspunkt beim Trotternish Gebirgskamm auf Skye<br />

erreichte ich bei Einbruch der Morgendämmerung in der Hoffnung auf Sonnenaufgangslicht.<br />

Der Wind wurde jedoch stärker, <strong>und</strong> dicke Wolken zogen aus Nordwest auf, daher war ich nicht<br />

allzu optimistisch. Ich habe mein Stativ ziemlich wackelig auf einem steilen Abhang platziert,<br />

damit ich nah genug an einem knorrigen Baum als Vordergr<strong>und</strong>motiv war. Ich habe den Baum<br />

fokussiert <strong>und</strong> eine Blende von f/11 eingestellt, so dass ich ausreichend Tiefenschärfe hatte.<br />

Dann zog ein heftiger Schauer auf, so dass ich meine Kamera mit einem Schirm schützen<br />

musste, während der Regen runterprasselte. Zu meinem Entzücken öffnete sich anschließend<br />

eine große Lücke in den Wolken, durch die Lichtstrahlen bis auf den Boden fielen. Schnell habe<br />

ich einen zweistufigen Grauverlauffilter angeschraubt, um den hellen Bereich des sich<br />

aufklärenden Himmels abzudunkeln, <strong>und</strong> während das sich schnell bewegende Licht die<br />

Landschaft erhellte, machte ich meine Aufnahme <strong>und</strong> checkte das Histogramm – fertig!“<br />

Canon EOS 5D mit einem 17-40mm f/4 Objektiv <strong>und</strong> 0,6 Grauverlauffilter<br />

Belichtung: 1/4 Sek. bei f/11 (ISO 100)<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 21


Leserschaukasten<br />

DAS ALLERBESTE VON IHREN BILDERN<br />

Tim Nevell<br />

<br />

Alter: 54 / Beruf: Manager für technische Entwicklung & Beschaffung<br />

Was vom Tage übrig blieb: „Dies war eine zufällige Aufnahme bei Bedruthan Steps in<br />

Cornwall. Ich war schon auf dem Weg nach Hause, als ich zurückblickte <strong>und</strong> die<br />

verblüffenden Reflektionen von der letzten Flutwelle auf dem Wasser entdeckte. Mit einem<br />

0,3 Grauverlauffilter habe ich ein paar Probeaufnahmen gemacht, bis die Belichtung<br />

stimmte. Während der Nachbearbeitung habe ich eine Raw-Datei genommen <strong>und</strong> diese<br />

zweimal belichtet. Einmal, um die Details am Strand deutlicher hervorzuheben, <strong>und</strong> ein<br />

zweites Mal, um den einmaligen Himmel beizubehalten. Dann habe ich das Ganze zu Lab<br />

Colour Space konvertiert, Unscharf Maskieren angewendet <strong>und</strong> mit selektiver<br />

Farbkorrektur die Farben im Bild ausgeglichen. Es gab einen leichten Lilastich, den ich mit<br />

einer Einstellungsebene zur Farbbalance entfernt habe.“<br />

Nikon D7000 mit einem Sigma 10-20mm f/4-5.6 Objektiv<br />

Belichtung: 0,8 Sek. bei f/16 (ISO 100)


Leserschaukasten<br />

Tim Nevell (Fortsetzung)<br />

Meer der Ruhe (oben): „Ich hatte von diesem Ort – Elgol auf Isle Of Skye – schon viele<br />

Aufnahmen gesehen, die in Fotoforen gepostet worden waren, <strong>und</strong> ich wollte unbedingt meine<br />

eigene Version ausprobieren. Am Abend sah es in Richtung Eigg ziemlich neblig aus, aber als<br />

die Zeit näher zum Sonnenuntergang fortschritt, lichtete sich das Wetter <strong>und</strong> gab diesen<br />

magischen Blick auf die Cuillin Hills frei. Meinen Aussichtspunkt habe ich den Mücken zu<br />

verdanken: Um nicht komplett zerstochen zu werden, bin ich ganz oben auf einen Felsen<br />

geklettert. Ich habe einen 0,6 Grauverlauffilter <strong>und</strong> einen zirkularen Polfilter eingesetzt <strong>und</strong><br />

zwei Raw-Dateien übereinander gelegt: eine Aufnahme für den Vordergr<strong>und</strong>, <strong>und</strong> eine andere<br />

für den Himmel. Ich habe Unscharf Maskieren angewendet, eine Tonwertkorrektur-<br />

Einstellungsebene mit der Füllmethode Luminanz <strong>und</strong> anschließend eine Vignette hinzugefügt,<br />

um das Auge in die Szene hineinzuführen.“<br />

Nikon D40 mit einem Sigma 10-20mm f/4-5.6 Objektiv<br />

Belichtung: 3 Sek. bei f/16 (ISO 200)<br />

Trittsteine (links): „Ich habe mich schon ein Jahr vor dieser Aufnahme in die Bedruthan<br />

Steps in Cornwall verliebt. Aber als ich damals ankam, war totale Ebbe <strong>und</strong> es gab viel zu viele<br />

Fußspuren, um einen vernünftigen Bildaufbau hinzubekommen. Daher habe ich meinen<br />

zweiten Besuch sorgfältig vorbereitet, um sicherzugehen, dass die Flut eine St<strong>und</strong>e vor<br />

Sonnenuntergang am höchsten Punkt war. Ich wollte einen einfachen Bildaufbau mit Felsen<br />

<strong>und</strong> Wasser, die das Auge zur untergehenden Sonne leiten. Und ich habe einen 0,3<br />

Grauverlauffilter benutzt, um den Himmel abzudunkeln. Bei der Nachbearbeitung habe ich<br />

zwei Raw-Dateien übereinander gelegt, in Lab-Farbe konvertiert <strong>und</strong> Unscharf Maskieren<br />

angewendet. Außerdem habe ich mit einer Einstellungsebene für selektive Farbkorrektur die<br />

Weiß-, Grau- <strong>und</strong> Schwarztöne ausgeglichen, die allgemeine Belichtung über eine S-Kurve<br />

korrigiert <strong>und</strong> eine Vignette hinzugefügt, um das Auge in das Bild hineinzuziehen.“<br />

Nikon D7000 mit einem Sigma 10-20mm f/4-5.6 Objektiv<br />

Belichtung: 0,4 Sek. bei f/16 (ISO 100)<br />

Mari Owen<br />

<br />

Alter: 52 / Beruf: Freiberuflicher Fotograf<br />

Viktorianischer Schleier: „Diese Aufnahme war eine der letzten an einem Tag nach einem<br />

Workshop in viktorianischen Kostümen mit Fotografen <strong>und</strong> einem Kostümschneider. Das<br />

Modell, Lauren, wollte einige Bilder für ihr Portfolio haben, <strong>und</strong> ich war auf der Suche nach<br />

Aufnahmen, die ich zu Fotodatenbanken für Buchcover schicken kann. Der Drehort war ein<br />

Schloss in Wales, das die richtige Atmosphäre bot <strong>und</strong> von natürlich gestreutem Sonnenlicht<br />

umgeben war. Die Schlossmauer bot den idealen Hintergr<strong>und</strong> <strong>und</strong> verschwamm sehr schön<br />

mit einer großen Blende <strong>und</strong> langen Brennweite. Zum Glück war der Schleier dünn, so dass der<br />

Autofokus sich sofort auf die Augen einstellte <strong>und</strong> ich nicht manuell fokussieren musste. In<br />

Adobe Lightroom habe ich einen Bildausschnitt gewählt, der Laurens Augen betonte. Dann<br />

habe ich die Farben entsättigt <strong>und</strong> eine Vignette hinzugefügt. Anpassungen beim Kontrast <strong>und</strong><br />

den schwarzen Tonwerten wurden vorgenommen, bevor es in Photoshop noch geschärft<br />

wurde.“<br />

Canon EOS 5D MkIII mit einem Canon EF 70-200mm bei f/2.8<br />

Belichtung: 1/125 Sek. bei f/4 (ISO 200)<br />

<br />

24 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 25


Leserschaukasten<br />

Chris Miles<br />

<br />

Alter: 49 / Beruf: Aufseher<br />

Spritzer bei St. Mary (oben): „Diese Aufnahme habe ich an einem bewölkten Tag gemacht,<br />

als die Flut gerade hereinkam. Ich habe mich so positioniert, dass mein Blick auf den Leuchtturm<br />

von St. Mary in Whitley Bay fiel. Ich wusste, dass ich die Details von Meer <strong>und</strong> Himmel sehr<br />

sanft halten wollte, daher habe ich einen 0,9 Grauverlauffilter für den Himmel <strong>und</strong> einen 0,6<br />

Grauverlauffilter für das Wasser benutzt. Beim Bildaufbau wollte ich, dass der Leuchtturm den<br />

Hauptfokus darstellt, aber ich wollte auch den Felsen auf der rechten Seite einbinden. Ich wartete<br />

<strong>und</strong> habe meine Belichtung darauf eingestellt, dass eine hereinkommende Welle den Felsen<br />

treffen würde, so dass Spritzer entstehen <strong>und</strong> diesen tollen Effekt erzielen. Die Nachbearbeitung<br />

habe ich in Adobe CS4 gemacht, mit Einstellungsebenen für Tonwertkorrektur <strong>und</strong> Helligkeit/<br />

Kontrast. Da das Wetter bewölkt war <strong>und</strong> die Lichtverhältnisse sehr gedämpft, habe ich das Bild<br />

in Schwarzweiß konvertiert, da dies zur Stimmung des Tages passte.“<br />

Canon EOS 40D mit einem Sigma 10-20mm f/4-5.6 Objektiv<br />

Belichtung: 1 Sek. bei f/20 (ISO 100)<br />

Die Mitte des Flusses (links): „Um dieses Bild aufzunehmen, musste ich mich tatsächlich an<br />

einem sehr kalten Märzmorgen in den Fluss Coupall stellen, da ich den Fluss einfangen wollte,<br />

wie er in den Buachaille Etive Mor floss. Es ist einer der bekanntesten <strong>und</strong> beliebtesten aller Gipfel<br />

in den schottischen Highlands. Wie beim Bild oben habe ich einen 0,6 Grauverlauffilter benutzt,<br />

um das Wasser leicht zu glätten <strong>und</strong> einen 0,9 Grauverlauffilter um den Himmel abzudunkeln,<br />

<strong>und</strong> trotzdem jede Menge Details beizubehalten. Die Nachbearbeitung erfolgte wiederum in<br />

Adobe CS4 mit einigen Tonwertkorrektur-Einstellungsebenen, um den Kontrast zu erhöhen. Mit<br />

einer Schwarz-Weiß-Einstellungsebene habe ich es in Schwarzweiß konvertiert.“<br />

Canon EOS 40D mit einem Sigma 10-20mm f/4-5.6 Objektiv<br />

Belichtung: 2,5 Sek. bei f/11 (ISO 100)<br />

Scaleber (rechts): „Scaleber Force ist eine w<strong>und</strong>ervolle Landschaft in den Yorkshire Dales,<br />

ideal zum <strong>Fotografie</strong>ren. Diesen unglaublichen Wasserfall habe ich an einem kalten <strong>und</strong> frostigen<br />

Januarmorgen besucht <strong>und</strong> habe mich so über die Lichtstreifen <strong>und</strong> die fantastischen Eiszapfen<br />

gefreut, die sich an den Felsen gebildet hatten. Mit meinem 10-20-mm-Objektiv habe ich auf 20<br />

Millimeter gezoomt, um die Details zu isolieren <strong>und</strong> dieses Ergebnis zu erzielen. Um Reflektionen<br />

auf dem Wasser zu vermeiden, habe ich einen Polfilter benutzt <strong>und</strong> die Bewegung auf dem<br />

Wasser mit einem 0,6 Grauverlauffilter verlangsamt. Den Kontrast habe ich anschließend in<br />

Photoshop über die Tonwertkorrektur erhöht <strong>und</strong> mit den Abwedler- <strong>und</strong> Nachbelichter-<br />

Werkzeugen die Tonwerte in einzelnen Bereichen angepasst, um die Lichtstreifen zu verstärken.<br />

Anschließend habe ich noch einen sehr leichten blauen Ton zugefügt, um die kalte Atmosphäre<br />

des Tages widerzuspiegeln.“<br />

Canon EOS 40D mit einem Sigma 10-20mm f/4-5.6 Objektiv<br />

Belichtung: 5 Sek. bei f/14 (ISO 100)<br />

26 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Leserschaukasten<br />

28 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Steven Judge<br />

Alter: 39 / Beruf: Licht-Designer<br />

<br />

Flut (links): „Dieses Bild wurde mitten am Tag an einem sehr windigen<br />

Septembernachmittag in Hove, Sussex, aufgenommen. Nachdem ich aufgr<strong>und</strong> des<br />

Wetters das <strong>Fotografie</strong>ren am Morgen fast aufgegeben hatte, kam ich an diesem<br />

Steindamm vorbei, den ich wegen dem alten Kettengeländer <strong>und</strong> den Seilen extrem<br />

fotogen fand. Diese Details nutzte ich, um das Auge des Betrachters den Damm<br />

entlang in die Ferne zu führen. Ein niedriger Blickwinkel <strong>und</strong> ein Weitwinkelobjektiv<br />

halfen, diese Perspektive zu verstärken. Zu Beginn stellten die Wellen, die über den<br />

Damm preschten, eine zu große Ablenkung dar, aber ich konnte dies mit einem<br />

zehnstufigen Graufilter abschwächen. Dann konzentrierte ich mich auf den<br />

Bildaufbau <strong>und</strong> dank der Eigenschaften meines 0,3 Grauverlauffilters <strong>und</strong> einer<br />

41-sekündigen Belichtungszeit erzielte ich diese gedämpften Farben. Alles, was ich<br />

noch in Photoshop machen musste, war ein wenig Schärfe <strong>und</strong> leichte Anpassungen<br />

des Kontrasts <strong>und</strong> der Farben, um den Farbstich zu reduzieren.“<br />

Nikon D90 mit einem Tamron SP 10-24mm f/3.5-4.5 Weitwinkelobjektiv<br />

Belichtung: 41 Sek. bei f/22 (ISO 100)<br />

Tim Daniels<br />

<br />

Alter: 26 / Beruf: Fotograf<br />

Wildpark (oben): „Nachdem ich einen Nachmittag lang damit zugebracht hatte,<br />

Wildblumen mit meinem Makro-Objektiv zu fotografieren, entschied ich mich<br />

spontan auf dem Heimweg beim Wollaton Park in Nottingham vorbeizufahren, wo<br />

Damwild frei herumläuft. Ich hatte Glück, sofort auf zwei weidende Hirsche zu<br />

treffen, bei denen die Blätter <strong>und</strong> Schatten einen natürlichen Rahmen bildeten. Ein<br />

Panoramafoto hätte ein Bild mit einer noch höheren Auflösung ergeben, aber bei<br />

Tieren, die sich bewegen, ist das ziemlich unpraktisch, <strong>und</strong> da ich ohne Stativ<br />

fotografierte, waren die Verschlussgeschwindigkeit <strong>und</strong> die Blende damit schon<br />

entschieden. Als einer der Hirsche näher kam, sackte ich diese Aufnahme ein, mein<br />

Lieblingsbild. In Photoshop habe ich das Bild ausgeschnitten <strong>und</strong> ihm mit dem<br />

Indian Summer Filter von Color Efex Pro ein altmodisches Aussehen verliehen. Dann<br />

habe ich auf das Gras über Ebenenmasken die Filter Low Key <strong>und</strong> Midnight<br />

angewendet, um das Ganze ein wenig weicher zu machen. Schließlich habe ich über<br />

Tonwertkorrektur <strong>und</strong> Gradationskurven den Kontrast <strong>und</strong> die Helligkeit erhöht, bevor<br />

das Bild als Ganzes noch geschärft wurde.“<br />

Canon EOS 5D mit einem Canon 100mm f/2.8 Makro-Objektiv<br />

Belichtung: 1/125 Sek. bei f/4.5 (ISO 50)<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 29


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Fotoideen<br />

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Blitze einfangen<br />

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Von hinten ausgeleuchtete<br />

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PLUS! Wie Sie den Blick Ihres Betrachters lenken können, indem Sie in Photoshop eine Vignette hinzufügen.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 31


Fotoidee / So fotografieren Sie Wasser<br />

FOTO: ROSS HODDINOTT<br />

Bewegtes Wasser<br />

kreativ verwischt<br />

Egal, ob es sich um einen murmelnden Bach, einen<br />

tosenden Fluss, einen Wasserfall, ein Stauwehr oder<br />

riesige, brechende Wellen handelt: Fotografen fühlen sich<br />

instinktiv zu Wasser hingezogen, entweder als bildfüllende<br />

Nahaufnahme oder häufiger auch als Teil eines größeren<br />

Bildausschnitts. Wasser kann Ihrem Bild Farbe, Stimmung,<br />

Ruhe oder Dramatik verleihen <strong>und</strong> ein kraftvolles,<br />

kompositorisches oder visuelles Werkzeug darstellen.


Fotoidee / So fotografieren Sie Wasser<br />

1 2 3<br />

IMAGES: ROSS HODDINOTT<br />

Die Art <strong>und</strong> Weise, in der Sie die Bewegung des<br />

Wassers einfangen, wird im Allgemeinen den<br />

Look <strong>und</strong> die Atmosphäre des Ergebnisbildes<br />

bestimmen. Gr<strong>und</strong>sätzlich haben Sie zwei<br />

Optionen: Sie können die Bewegung des Wassers<br />

entweder einfrieren, oder Sie können es kreativ<br />

verwischen. Wenn Sie sich für keine dieser beiden<br />

Möglichkeiten entscheiden, riskieren Sie, dass<br />

das Wasser unordentlich <strong>und</strong> ablenkend wirkt.<br />

Der Trick dabei ist, sicherzustellen, dass der Grad<br />

der Bewegung immer wie beabsichtigt wirkt.<br />

Bewegtes Wasser anzuhalten – wenn auch der<br />

winzigste Tropfen perfekt eingefroren ist – kann<br />

außergewöhnliche Ergebnisse erzielen. Aber<br />

dafür benötigen Sie eine sehr kurze<br />

Verschlusszeit. Sie sollten sich für eine<br />

Belichtungszeit um die 1/1000 Sek<strong>und</strong>e oder<br />

schneller entscheiden, je nachdem, wie schnell<br />

das Wasser sich bewegt. In der Realität ist es<br />

oftmals nicht möglich oder nicht praktikabel, eine<br />

so kurze Verschlusszeit zu erzeugen, ohne den<br />

ISO-Wert deutlich anzuheben oder eine große<br />

Blende zu wählen. Normalerweise machen<br />

Fotografen beides nicht so gerne, weil es die<br />

Bildqualität senkt <strong>und</strong> die Tiefenschärfe<br />

einschränkt. Technische Voraussetzungen geben<br />

oftmals vor, dass Fotografen das Wasser<br />

stattdessen kreativ verwischen <strong>und</strong> die meisten<br />

von ihnen sind sowieso der Meinung, dass der<br />

Effekt des verwischten Wassers ansprechender ist<br />

<strong>und</strong> ein riesiges Potenzial für aufrüttelnde<br />

Resultate bietet.<br />

Es ist verblüffend einfach, die Bewegung des<br />

Wassers so zu verwischen, dass es ein milchigtrübes,<br />

ätherisches Aussehen bekommt. Am<br />

besten klappt das normalerweise bei gedämpftem<br />

Licht. Der frühe Morgen oder der späte Abend<br />

sind also die am besten geeigneten Tageszeiten.<br />

Die momentane Jahreszeit ist perfekt: die Tage<br />

sind kürzer <strong>und</strong> das Sonnenlicht ist weniger<br />

intensiv. Jede Belichtungszeit von ¼ Sek<strong>und</strong>e<br />

oder länger lässt Wasserfälle, schnell fließende<br />

Flüsse <strong>und</strong> Wellen verschwommen erscheinen.<br />

Der Trend geht jedoch dahin, wirklich lange<br />

Belichtungszeiten von einer Minute oder mehr mit<br />

extremen Graufiltern (siehe unten) zu verwenden<br />

<strong>und</strong> dabei die Bulb-Einstellung der Kamera zu<br />

benutzen. Das Ergebnis kann unwirklich<br />

aussehen <strong>und</strong> selbst unstetes Wasser glatt wie<br />

einen Spiegel erscheinen lassen. Lange<br />

Belichtungszeiten funktionieren besonders gut bei<br />

kräftigen, klaren Konturen wie zerklüfteten<br />

Felsen, Pieren, Buhnen <strong>und</strong> Stegen. Wählen Sie<br />

also sorgsam Ihren Blickwinkel aus. Aber seien<br />

Sie gewarnt: Der Effekt eines extremen Graufilters<br />

kann zwar überwältigend sein. Sie sollten ihn<br />

aber nicht nur benutzen, weil es „in“ ist. Oftmals<br />

sind mit kürzeren Verschlusszeiten bessere<br />

Ergebnisse möglich. So ist zum Beispiel eine<br />

Belichtungszeit zwischen ¼ Sek<strong>und</strong>e <strong>und</strong> zwei<br />

Sek<strong>und</strong>en besonders geeignet, um auf den Strand<br />

zulaufende Wellen zu fotografieren. Diese<br />

Verschlusszeit erzeugt einen angenehm<br />

verschwommenen Effekt, erhält aber dabei<br />

Strukturen <strong>und</strong> interessante Details. Die Formen,<br />

Muster <strong>und</strong> Linien, die das Wasser formt, wenn<br />

es über Kieselsteine <strong>und</strong> Felsen an der Küste<br />

fließt, können Ihrem Bild Tiefe, interessante<br />

Details im Vordergr<strong>und</strong> <strong>und</strong> nützliche, ins Bild<br />

hineinführende Linien verleihen.<br />

Die gewünschte Belichtungszeit schaffen Sie mit<br />

einer Kombination aus einem niedrigen ISO-Wert,<br />

einer kleinen Blende <strong>und</strong>, falls nötig, einem Filter.<br />

Experimentieren Sie auch mit der Belichtungszeit!<br />

Sie können ganz unterschiedliche Bilder der<br />

gleichen Szene schaffen, indem Sie einfach die<br />

Verschlusszeit variieren.<br />

FILTER FÜR BEWEGTES WASSER<br />

Um die Bewegung von Wasser auf kreative Weise<br />

verschwimmen zu lassen, benötigen Sie eine lange<br />

Verschlusszeit. Bei gedämpftem Licht, wie zum Beispiel in der<br />

Morgen- oder Abenddämmerung, sind die Belichtungszeiten<br />

natürlich sowieso länger. Zu anderen Tageszeiten kann es jedoch<br />

unmöglich sein, die benötigte Belichtungszeit zu erreichen. Hier<br />

benötigen Sie einen Graufilter, um die Verschlusszeit künstlich<br />

zu verlängern. Es handelt sich dabei um graue Filter, die alle<br />

Farben des sichtbaren Spektrums gleichmäßig absorbieren. Die<br />

Filter verändern nur die Helligkeit des Lichts, nicht dessen Farbe.<br />

Erhältlich sind sie in verschiedenen Dichtestufen, typischerweise<br />

Stärken von einer, zwei oder drei Stufen. Ein harter Graufilter mit einer Dichte von drei Stufen ist besonders nützlich.<br />

Wenn zum Beispiel die Original-Verschlusszeit ohne Filter bei ¼ Sek<strong>und</strong>e liegt, wird die Belichtung mit aufgesetztem<br />

Filter auf zwei Sek<strong>und</strong>en verlängert. Dies ist eine signifikante Veränderung der Verschlusszeit, die das Aussehen <strong>und</strong><br />

die Stimmung des Ergebnisbildes auf entscheidende Weise verändern kann. Die Filter sind sowohl zum<br />

Aufschrauben, als auch zum Einschieben erhältlich. Es gibt auch extreme Filter mit sechs oder zehn Stufen. Der Big<br />

Stopper von Lee Filters <strong>und</strong> der Pro Stop von Hitech haben beide eine Dichte von zehn Stufen <strong>und</strong> ermöglichen es uns<br />

damit, die Bewegung eines Objekts selbst bei strahlendem Sonnenschein noch zu verwischen. Für die ultimative<br />

Kontrolle gibt es inzwischen sogar variable Graufilter, die es uns Fotografen ermöglichen, die Lichtmenge, die der<br />

Filter absorbiert, zu variieren. Light Craft <strong>und</strong> Polaroid sind zwei der Filterhersteller, die diese Art von Graufilter zum<br />

Aufschrauben anbieten. Wenn Sie noch keinen Graufilter haben, können Sie natürlich ersatzweise auch Ihren Polfilter<br />

als Graufilter verwenden. Ein Polfilter mit einem Filterfaktor von zwei Stufen kann dazu verwendet werde, die<br />

Belichtungszeit künstlich zu verlängern, um die Bewegung des Wassers künstlerisch zu verwischen.<br />

1) Ein unbewegtes Objekt im direkten Vordergr<strong>und</strong><br />

akzentuiert die Bewegung des Wassers. Eine lange<br />

Belichtungszeit verwischt die Wellen, aber einige<br />

Details im Wasser bleiben erkennbar.<br />

Belichtung: 2,5 Sek. bei f/18 (ISO 100)<br />

2) Schnell fließende Flüsse schaffen aufregende<br />

Bilder, insbesondere, wenn man Standorte aussucht,<br />

an denen sich das fließende Wasser an Felsen bricht.<br />

Bäche verleihen der Szene noch eine zusätzliche<br />

Dimension. Bauen Sie Ihre Kamera nahe am Fluss<br />

auf, passen Sie auf, wo Sie hintreten, <strong>und</strong> verwenden<br />

Sie ein Weitwinkelobjektiv, um den Vordergr<strong>und</strong> zu<br />

betonen.<br />

Belichtung: 2 Sek. bei f/22 (ISO 200)<br />

3) Wenn Sie eine extrem lange Belichtungszeit von<br />

mehreren Minuten verwenden, führt das dazu, dass<br />

alle Details im Wasser verloren gehen, <strong>und</strong> es ein<br />

gläsernes Erscheinungsbild annimmt. In diesem Bild<br />

scheint es so, als ob sich die Geländer in ein Meer aus<br />

Nebel erstrecken, anstatt ins Wasser.<br />

Belichtung: Fünf Minuten bei f/13 (ISO 200)<br />

4) Ein weiteres Beispiel für Wasser als Führungslinie.<br />

Hier fließt der Kanal direkt durch den Bildausschnitt<br />

hindurch auf den Berg in der Ferne zu.<br />

Belichtungt: 15 Sek. bei f/18 (ISO 100)<br />

34 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Fotoidee / So fotografieren Sie Wasser<br />

So schaffen Sie nebelhaft wirkende Wasserlandschaften<br />

Profifotograf Ross Hoddinott weist Ihnen den Weg zu dramatischen Bildern von bewegtem Wasser.<br />

WENN SIE AUF EINER Insel von der Größe<br />

Großbritanniens leben, ist die Küste nie sehr weit entfernt.<br />

Nur wenige Fotomotive sind so beliebt wie Meerblicke.<br />

Wie Sie die Bewegung des Wassers einfangen, kann Ihr<br />

Foto dabei auf entscheidende Weise beeinflussen.<br />

Manche Leute verabscheuen den Effekt verwischten<br />

Wassers, die meisten jedoch lieben ihn. Dabei beeinflusst<br />

die Höhe der Gezeiten, was <strong>und</strong> wo Sie schießen können.<br />

Die eindruckvollsten Ergebnisse erzielen Sie, wenn Sie<br />

nah an das Geschehen heran kommen – dahin, wo das<br />

Wasser den Felsen im Vordergr<strong>und</strong> Gestalt verleiht, wenn<br />

es über sie hinweg fließt.<br />

Bei Ebbe ist das <strong>Fotografie</strong>ren sicherer, aber achten Sie<br />

trotzdem auf hohe Wellen, <strong>und</strong> denken Sie stets daran,<br />

dass Ihre Sicherheit wichtiger ist als das perfekte Foto. Ein<br />

Winterabend ist für eine lange Belichtungszeit<br />

hervorragend geeignet, weil das Licht auf natürliche<br />

Weise weich <strong>und</strong> gedämpft ist.<br />

Mit all diesen Informationen im Hinterkopf fuhr ich<br />

kürzlich zum Trebarwith Strand im Norden von Cornwall,<br />

um bewegtes Wasser zu fotografieren. Ich kam eine<br />

St<strong>und</strong>e vor Sonnenuntergang an, <strong>und</strong> in meiner<br />

Kameratasche befand sich eine ganze Reihe von Filtern,<br />

die mir helfen sollten, das verträumte, nebelhafte Wasser<br />

zu schaffen, das ich haben wollte.<br />

NICHT VERGESSEN<br />

Wenn Sie bewegtes Wasser<br />

fotografieren wollen, ist ein robustes<br />

Stativ unabdingbar. Eine Stütze für<br />

die Kamera stellt sicher, dass alles<br />

außer dem Wasser messerscharf<br />

bleibt. Außerdem sind<br />

Gummistiefel eine gute Idee, wenn<br />

Sie nasse Füße vermeiden wollen.<br />

1Bildaufbau / Blickwinkel Der Blickwinkel ist<br />

wichtig. Es hat wenig Sinn, das Wasser<br />

ansprechend zu verwischen, wenn die Bildkomposition<br />

uninteressant ist. In diesem Fall suchte ich einen spitzen<br />

Felsen, der mir ein interessantes Detail im Vordergr<strong>und</strong><br />

liefern <strong>und</strong> das Auge in das Bild hinein führen sollte.<br />

Versuchen Sie einmal, sich vorzustellen, wie die<br />

Bewegung des Wassers den Vordergr<strong>und</strong> formen kann,<br />

wenn es verwischt wird. Ein vertikaler Bildaufbau kann<br />

einem Bild oftmals mehr Tiefe verleihen.<br />

2<br />

Bildaufbau Ich wählte zunächst den ISO-Wert 100<br />

<strong>und</strong> Blende f/16, um so eine lange Belichtungszeit zu<br />

schaffen. Ich wollte vermeiden, die Blende auf f/22<br />

herunterzustufen, weil die Diffraktion (Weichzeichnung<br />

des Bildes) das Ergebnis beeinflussen kann. Die daraus<br />

resultierende Verschlusszeit von ¼ Sek<strong>und</strong>e schaffte zwar<br />

einen gewissen Grad an Objektbewegung, aber nicht so<br />

viel, wie ich haben wollte. Also beschloss ich, einen<br />

Graufilter mit drei Stufen aufzusetzen, um die<br />

Belichtungszeit künstlich zu verlängern.<br />

3Zusätzliche Filter Eine Stufe ist eine Verdoppelung oder Halbierung des Belichtungswertes. Somit<br />

verlängert ein Graufilter mit einer Dichte von drei Stufen (0,9 ND) den Wert ohne Filter von ¼ Sek<strong>und</strong>e auf<br />

zwei Sek<strong>und</strong>en. Das ist eine signifikante Veränderung. Bei gedämpftem Licht <strong>und</strong> unter Verwendung von<br />

Graufiltern mit hoher Dichte führt die TTL-Messung leicht zu Fehlern, insbesondere Unterbelichtung. Denken Sie<br />

daran, regelmäßig die Bilder <strong>und</strong> Histogramme zu kontrollieren.<br />

4Abwarten <strong>und</strong> Tee trinken Mit dem Graufilter<br />

sah die Bewegung deutlich ansprechender aus,<br />

aber für ein wirklich ätherisch aussehendes Ergebnis<br />

wartete ich einfach ab, bis die Sonne unterging <strong>und</strong><br />

sich somit die Belichtungszeit verlängerte.<br />

36 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Fertiges Bild<br />

15 Minuten später, nachdem die<br />

Sonne untergegangen war, war<br />

die Verschlusszeit auf eine Minute<br />

verlängert, <strong>und</strong> es gelang mir,<br />

dieses traumhafte Ergebnis zu<br />

erzielen.<br />

Belichtungseinstellungen<br />

Modus: manuell<br />

Messung: Multi-Zonen-Messung<br />

Belichtung: 1 Min.<br />

bei f/16 (ISO 200)


Fotoidee / Im Zentrum des Sturms<br />

Blitze einfangen<br />

Profifotograf Boris Basic erklärt Ihnen, wie Sie elektrisierende Bilder erschaffen können.<br />

WENN WIR TOLLE FOTOS von Blitzen anschauen,<br />

sind wir oftmals sehr ehrfürchtig. Nicht nur wegen<br />

der Kraft <strong>und</strong> der Majestät des Gewitters, sondern<br />

auch, weil Fotos von Blitzen aufgr<strong>und</strong> ihrer<br />

Unvorhersehbarkeit <strong>und</strong> der ungewöhnlichen<br />

Herausforderung an den Fotografen ein seltenes Gut<br />

sind. Die Chancen, ein Gewitter auf Bestellung zu<br />

fotografieren sind nur gering, wenn man nicht gerade,<br />

wie Boris, ein Sturmjäger ist. Aber wenn Mutter Natur<br />

uns eins liefert, ist es gut zu wissen, wie man diesen<br />

seltenen Moment in all seiner Pracht einfangen kann.<br />

In unserem variablen Klima können Gewitter zu jeder<br />

Jahreszeit auftreten. Am häufigsten sind sie jedoch<br />

im späten Frühling <strong>und</strong> im Sommer. Wenn Sie<br />

wissen, dass eine Gewitterfront aufzieht, sollten Sie<br />

Ihre Umgebung bereits vorher ausk<strong>und</strong>schaften, da<br />

Sie, wenn es so weit ist, nicht viele Chancen haben<br />

werden, ein gutes Foto zu bekommen. Außerdem<br />

müssen Sie einen sicheren Standort wählen.<br />

Versuchen Sie, soweit möglich, einen erhöhten<br />

Blickwinkel zu finden, damit Ihr Bild nicht zu flächig<br />

erscheint, <strong>und</strong> positionieren Sie sich so nah wie<br />

möglich an der Gewitterfront (aber nicht darunter),<br />

aus Sicherheitsgründen aber nicht weniger als 500<br />

Meter von dem Blitz, der Ihnen am nächsten ist,<br />

entfernt.<br />

Da sich Blitze in Helligkeit, Intensität <strong>und</strong> Position<br />

sehr stark unterscheiden können, braucht man<br />

Erfahrung <strong>und</strong> auch etwas Glück, um die richtige<br />

Belichtungszeit einzuschätzen. Da man<br />

normalerweise eine Belichtungszeit zwischen 30 <strong>und</strong><br />

45 Sek<strong>und</strong>en benötigt, müssen Sie die Kamera auf<br />

Bulb-Modus einstellen, <strong>und</strong> zum Auslösen einen<br />

Fernauslöser mit Sperr-Funktion verwenden. Wenn<br />

Sie sich relativ nah am Blitz befinden, so wie ich bei<br />

diesem Foto, beginnen Sie mit Blende f/8 oder f/11<br />

<strong>und</strong> der niedrigsten ISO-Einstellung Ihrer Kamera, um<br />

das Risiko ausgerissener Lichter zu minimieren.<br />

Öffnen Sie den Kameraverschluss, sobald sie den<br />

ersten Blitz sehen, <strong>und</strong> schließen Sie ihn nach dem<br />

Blitz wieder. Sie können dies manuell tun oder Sie<br />

können einen Blitzauslöser (www.lightningtrigger.<br />

com) verwenden, der den Auslöser betätigt, sobald er<br />

den ersten Blitz wahrnimmt. Wenn das Gewitter<br />

weiter entfernt ist <strong>und</strong> im Bildausschnitt kleiner<br />

erscheint, sollten Sie mehr Umgebungslicht mit<br />

einfangen. Verlängern Sie also die Belichtung um ein<br />

paar Stufen, indem Sie den ISO-Wert auf 400<br />

heraufsetzen <strong>und</strong> / oder die Blende weiter öffnen.<br />

Vernachlässigen Sie dabei aber nicht die<br />

Tiefenschärfe, wenn Sie etwas im Vordergr<strong>und</strong><br />

haben. Unter www.blitzortung.org oder<br />

www.sat24.com/en/de können Sie sehen, ob für Ihre<br />

Gegend Gewitter vorhergesagt sind.<br />

EMPFOHLENE AUSRÜSTUNG<br />

Robustes Stativ: Es wird sehr windig sein,<br />

verwenden Sie also ein qualitativ hochwertiges,<br />

standfestes Stativ mit Kopf.<br />

Objektive: Stellen Sie sicher, dass Sie ein<br />

Weitwinkelobjektiv zur Verfügung haben, <strong>und</strong><br />

denken Sie ebenfalls über ein Zoomobjektiv nach,<br />

mit dem Sie näher an das Geschehen heran<br />

kommen. Boris verwendet ein Tamron 17-50 mm<br />

f/2.8 auf seiner Canon EOS 50D.<br />

Fernauslöser: Da Sie mit langen<br />

Belichtungszeiten arbeiten werden, verwenden Sie<br />

einen Fernauslöser um den Verschluss zu betätigen.<br />

So vermeiden Sie Verwacklungsunschärfe.<br />

Alternativ können Sie einen Blitz-Auslöser kaufen.<br />

Externe Stoppuhr: Sie benötigen eine Stoppuhr,<br />

um Ihre Belichtungszeit zu kontrollieren.<br />

Wasserfeste Kleidung: Sie werden nass<br />

werden, insbesondere, wenn Sie sich in Küstennähe<br />

befinden. Achten Sie also darauf, dass Sie<br />

angemessene Kleidung tragen.<br />

Standort<br />

Wählen Sie einen Ort, an dem der Himmel<br />

optimal ist, <strong>und</strong> der sich in einer sicheren<br />

Entfernung von hohen Objekten <strong>und</strong> Wasser,<br />

<strong>und</strong> natürlich insbesondere von der<br />

Gewitterfront befindet. Um ein interessantes<br />

Detail hinzuzufügen, versuchen Sie, das Foto<br />

so aufzubauen, dass Sie einen Fokuspunkt im<br />

Bildausschnitt haben. Dieser hilft Ihnen, das<br />

Bild in Szene zu setzen.<br />

38 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Belichtung<br />

Stellen Sie Ihre Kamera auf Bulb-Modus<br />

ein, <strong>und</strong> starten Sie mit einer<br />

Belichtungszeit von 30 Sek<strong>und</strong>en bei<br />

Blende f/8 <strong>und</strong> ISO 200 für ein Testfoto.<br />

Anschließend passen Sie die<br />

Einstellungen an, je nachdem, wie viel<br />

Umgebungslicht Sie einfangen möchten.<br />

Vermeiden von Bildrauschen<br />

Schalten Sie die Funktion<br />

„Rauschunterdrückung bei langer<br />

Belichtungszeit“ an Ihrer Kamera aus <strong>und</strong><br />

arbeiten Sie mit dem kleinstmöglichen<br />

ISO-Wert. Die Verwendung der<br />

Rauschunterdrückung verdoppelt Ihre<br />

Belichtungszeit, wodurch Sie den<br />

nächsten Blitz verpassen könnten.<br />

Fokussierung<br />

Verwenden Sie den manuellen<br />

Fokus <strong>und</strong> fokussieren Sie auf<br />

einen Punkt am Himmel, der sich<br />

auf einer Linie mit dem Punkt<br />

befindet, an dem Sie die nächsten<br />

Blitze vermuten, oder auf ein<br />

Objekt in weiter Entfernung.<br />

Belichtungseinstellungen<br />

Modus: Bulb<br />

Belichtungt: 30 Sek.<br />

Bei f/8 (ISO 200)<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE / 39


Fotoidee / Von hinten ausgeleuchtete Süßigkeiten<br />

So erschaffen Sie ein buntes, von<br />

hinten ausgeleuchtetes Stillleben<br />

Ross Hoddinott zeigt Ihnen, wie Sie Bonbons farbenfroh ablichten.<br />

UM DIESE JAHRESZEIT, wenn es draußen kalt <strong>und</strong> feucht ist, kann es schon<br />

einmal schwierig sein, den rechten Enthusiasmus aufzubringen, um raus zu<br />

gehen <strong>und</strong> Fotos zu schießen. Die Wärme des heimischen Wohnzimmers ist<br />

verführerisch, aber legen Sie nicht nur vor dem Fernseher die Füße hoch! Sie<br />

können gemütlich zu Hause bleiben <strong>und</strong> trotzdem Ihrer Kamera etwas zu tun<br />

geben. Wenn Sie zum Beispiel gerne Nahaufnahmen <strong>und</strong> Stillleben<br />

fotografieren, sollten Sie mal ausprobieren, mit Hilfe eines Leuchtkastens<br />

attraktive, von hinten ausgeleuchtete Aufnahmen zu machen. Ein Leuchtkasten<br />

ist hervorragend geeignet, um Miniaturobjekte auszuleuchten, <strong>und</strong> liefert Ihnen<br />

auf ganz schnelle <strong>und</strong> einfach Weise aufregende Ergebnisse. Verwenden Sie<br />

lichtdurchlässige Objekte wie Glas, Blätter, Plastik, Obstscheiben oder Eis.<br />

Unterschätzen Sie dabei nicht den Einfluss der Farben – je bunter, desto besser.<br />

Arrangieren Sie ihr Objekt sorgsam, sodass Sie aussagekräftige Kompositionen<br />

schaffen können. Reine, simple Arrangements liefern oftmals die besten<br />

Ergebnisse, zum Beispiel Muster aus sich wiederholenden Formen oder Farben.<br />

Auf der Liste von Objekten, die sich potenziell gut von hinten ausleuchten lassen,<br />

stehen unter anderem Süßigkeiten. Lollis, Bonbons oder Fruchtgummis sind<br />

perfekt geeignet. Die Ausleuchtung von hinten betont ihre Farbe, <strong>und</strong> solange<br />

Sie sie fantasievoll arrangieren, sind tolle Ergebnisse vorprogrammiert. Sie<br />

benötigen nur eine ganz einfache Ausrüstung um großartige Fotos zu schießen.<br />

Ein Standard- oder Teleobjektiv von um die 50 bis 100 Millimeter reicht völlig<br />

aus. Wenn Sie noch näher herangehen müssen, können Sie eine Nahlinse, einen<br />

Zwischenring oder, wenn sie haben, ein Makroobjektiv aufsetzen.<br />

Gr<strong>und</strong>ausrüstung: Leuchtkästen<br />

Als noch auf Filmrollen fotografiert<br />

wurde, besaß die Mehrheit der<br />

Hobbyfotografen einen Leuchtkasten in<br />

irgendeiner Form oder Größe. Damit<br />

konnten die Fotografen ihre Dias <strong>und</strong><br />

Negative mit Hilfe einer Lupe<br />

anschauen <strong>und</strong> untersuchen. Mit der<br />

Ankunft der Digitalfotografie jedoch ging<br />

die Beliebtheit der<br />

Leuchtkästen natürlich in den Keller. Nichtsdestotrotz sind sie immer noch eine gute<br />

Investition, weil sie eine tolle Lichtquelle darstellen, mit der Sie kleine,<br />

lichtdurchlässige Objekte auf kreative Weise von hinten ausleuchten können. Wenn<br />

Sie noch keinen Leuchtkasten besitzen, sollten sie ernsthaft in Erwägung ziehen, sich<br />

einen anzuschaffen. Leuchtkästen von guter Qualität in unterschiedlichen Größen<br />

finden Sie unter www.leuchtkasten.net oder www.kml-kramer.de (mit LED).<br />

Idealerweise sollten Sie sich für einen Kasten in DIN A3 oder größer entscheiden. Für<br />

einen Leuchtkasten in Größe DIN A3 <strong>und</strong> von guter Qualität müssen sie mit einem<br />

Preis um 120 Euro rechnen. Alternativ können Sie natürlich auch Ihr Geld sparen,<br />

<strong>und</strong> sich Ihren eigenen Leuchtkasten bauen. Ich persönlich habe zwei linke Hände, da<br />

können Sie ruhig meine Frau fragen. Dennoch wurde mir glaubhaft versichert, dass es<br />

ganz einfach sei, einen Leuchtkasten selber zu bauen. Fertigen Sie einfach aus Holz<br />

einen Rahmen in der gewünschten Größe an. Sie können sogar eine alte Schublade<br />

verwenden. Innen befestigen Sie eine angemessene Anzahl an Leuchtmitteln,<br />

idealerweise im Hochfrequenzbereich. Bohren Sie Löcher zur Belüftung <strong>und</strong> natürlich<br />

ebenfalls ein Loch, durch das sie ein Kabel führen. Bringen Sie einen Stecker an das<br />

Kabel an. Kaufen Sie eine drei bis fünf Millimeter dicke, blickdichte Plexiglasscheibe<br />

(wenn möglich auf die gewünschte Größe fertig zugeschnitten), <strong>und</strong> befestigen sie<br />

diese auf Ihrem Rahmen. Wie bei allen elektrischen Arbeiten ist es auch hier ratsam,<br />

nur dann einen Leuchtkasten selber zu bauen, wenn Sie genau wissen, was Sie tun<br />

müssen. Lassen Sie Ihren Leuchtkasten niemals unbeaufsichtigt leuchten. Eine ganz<br />

einfache Variante ist ein Stück Plexiglas, das Sie einfach auf eine Lampe oder eine<br />

helle Lichtquelle legen. Auch so können Sie einen provisorischen Leuchtkasten bauen.<br />

1Aufbau Für gewöhnlich ist es am bequemsten, wenn Sie Ihren Leuchtkasten auf den<br />

Boden stellen. So können Sie die Kamera parallel darüber auf ein Stativ stellen. Wenn<br />

Sie Ihr Objekt komplett scharf abbilden möchten, sollten Sie sich für eine kleine Blende wie<br />

f/11 oder f/16 entscheiden. Da der Leuchtkasten die hauptsächliche Lichtquelle darstellt, ist<br />

es meistens am besten, die Beleuchtung im Raum ausgeschaltet zu lassen.<br />

2Belichtung Wenn um Ihr Objekt herum Lücken bleiben, kann die Intensität des<br />

durchscheinenden Lichtes das Messsystem Ihrer Kamera dazu veranlassen, das Objekt<br />

für heller zu erachten, als es ist. Das kann zu Unterbelichtung führen. Wenn Sie das<br />

Histogramm anschauen, werden Sie diese Fehler entdecken. Wenn die Bilder zu dunkel<br />

sind, verwenden Sie die positive Belichtungskorrektur. +1,5EV ist ein guter Ausgangswert.<br />

3Experimentieren Sie Probieren Sie verschiedene Objekte, Arrangements <strong>und</strong><br />

Konzepte aus. Sie werden feststellen, dass sich Ihre Ideen mit jedem Foto, das Sie<br />

schießen, weiter herausbilden <strong>und</strong> entwickeln. Bei diesem Beispiel habe ich mich dafür<br />

entschieden, bunte Bonbons zu fotografieren. Bevor ich sie mit dem Nudelholz in kleine,<br />

fotogene Brocken zermahlte, habe ich sie ausgepackt <strong>und</strong> nach Farben sortiert.<br />

4Feineinstellungen an der Bildkomposition Sie sollten in Ihrem Bild mindestens<br />

einen Fokuspunkt haben. Wenn Sie ein komplettes Bonbon auf einer Drittellinie<br />

platzieren, schafft das eine faszinierendere Komposition, als wenn Sie es genau in die<br />

Bildmitte legen. Überlegen Sie also sorgfältig, wo es liegen <strong>und</strong> wie es von den Bruchstücken<br />

eingerahmt werden soll. Für noch interessantere Ergebnisse könnten Sie auch noch<br />

unterschiedliche Farben in Ihr Bild aufnehmen.<br />

40 / DIGITALE FOTOGRAFIE – PRO


DAS FERTIGE BILD: Farbe kann ein<br />

kraftvolles visuelles Kompositionswerkzeug<br />

sein. Ich habe mir die Zeit genommen,<br />

unterschiedliche Farben miteinander zu<br />

kombinieren, um so die Wirkung meines<br />

Ergebnisbildes zu maximieren. Mit so vielen<br />

potenziellen Fotoobjekten <strong>und</strong> so vielen<br />

Möglichkeiten, sie zu fotografieren, werden Sie<br />

diesen Winter jederzeit in der Lage sein, tolle, von<br />

hinten ausgeleuchtete Bilder in Ihrer Wohnung zu<br />

schießen. Alles, was Sie dazu benötigen, sind ein<br />

Leuchtkasten <strong>und</strong> etwas Fantasie.<br />

Belichtungseinstellungen<br />

Modus: Manuell<br />

Messung: Multi-Zonen-<br />

Messung<br />

Belichtungt:<br />

1/20 Sek.<br />

NOVEMBER 2011 DIGITAL SLR PHOTOGRAPHY / 33


Fotoidee / Fünf Minuten Photoshop<br />

Wie Sie den Blick Ihres Betrachters lenken<br />

können, indem Sie eine Vignette hinzufügen<br />

Maximieren Sie die Wirkung Ihrer Bilder, indem Sie sie mit dieser klassischen Technik abr<strong>und</strong>en.<br />

DER UNTERSCHIED ZWISCHEN einem guten <strong>und</strong> einem<br />

großartigen Foto besteht manchmal einfach nur aus ein<br />

paar Bearbeitungsschritten in Photoshop. Ein<br />

Auswahlkriterium für ein großartiges Foto ist die<br />

Zeitspanne, für die es das Auge des Betrachters zu fesseln<br />

vermag. Je länger Sie das Auge des Betrachters<br />

kontrollieren können, desto faszinierender ist das Bild. Der<br />

Bildaufbau spielt hierbei zwar eine große Rolle, aber auch<br />

das Hinzufügen einer Vignette kann dazu beitragen.<br />

Gr<strong>und</strong>sätzlich geht es bei dieser Technik darum, die<br />

Helligkeit des Bildes von der Mitte (dem Fokuspunkt)<br />

ausgehend zu den Rändern hin graduell abzuschwächen,<br />

<strong>und</strong> so einen Rahmen um das Objekt zu schaffen <strong>und</strong> das<br />

Auge des Betrachters auf den Mittelpunkt des Interesses zu<br />

lenken.<br />

Manche Fotografen tun alles, was in ihrer Macht steht, um<br />

eine Vignettierung des Objektivs zu vermeiden, aber wenn<br />

der Effekt kreativ kontrolliert <strong>und</strong> auf einem dafür<br />

geeigneten Bild mit einem zentralen Fokuspunkt<br />

angewendet wird, kann er eine enorme Wirkung erzeugen.<br />

Er kann so subtil oder so stark ausgeprägt sein, wie Sie es<br />

wünschen, aber einige der attraktivsten Vignetten verlaufen<br />

sehr sanft <strong>und</strong> ihre Kanten verschmelzen mit dem Bild <strong>und</strong><br />

verleihen ihm so ein natürliches Finish. Jeder, der schon<br />

einmal in einer Dunkelkammer gearbeitet hat, wird wissen,<br />

dass Vignettierung keine digitale Technik ist. Tatsächlich<br />

gibt es sie seit den Anfängen der <strong>Fotografie</strong>. Dennoch gibt<br />

es inzwischen zahllose Methoden, eine Vignette zu<br />

erschaffen, <strong>und</strong> alle erzeugen unterschiedliche Effekte<br />

(sehen Sie dazu auch Seite 84 für eine alternative Technik).<br />

Zunächst jedoch sollten Sie diese moderne Version des<br />

Klassikers aus der Dunkelkammer ausprobieren ...<br />

Original<br />

HELEN DIXON<br />

1Erstellen Sie eine Kopie Bevor Sie<br />

sich daran machen, eine Vignette<br />

hinzuzufügen, sollten Sie alle notwendigen<br />

Anpassungen vornehmen. Um das Bild zu<br />

kopieren, gehen Sie auf Ebene > Ebene<br />

Duplizieren, oder ziehen Sie die<br />

Hintergr<strong>und</strong>ebene herunter zu dem Icon<br />

„Neue Ebene erstellen“ im unteren Bereich<br />

der Ebenenpalette.<br />

2Zeichnen Sie Ihre Vignette ein<br />

Wählen Sie das Werkzeug<br />

„Auswahlrechteck“ <strong>und</strong> ziehen das Rechteck<br />

über den Bereich, den Sie einrahmen wollen,<br />

also Ihren Fokuspunkt. Um die Kanten der<br />

Vignette weicher zu gestalten, gehen Sie auf<br />

Auswahl > Auswahl verändern > Weiche<br />

Kante, geben Sie 250px ein <strong>und</strong> klicken Sie<br />

anschließend auf OK.<br />

3Kehren Sie die Auswahl um Im<br />

Augenblick beeinflussen alle<br />

Anpassungen, die Sie durchführen, den<br />

Bereich innerhalb des Auswahlrechtecks.<br />

Das ist aber nicht das, was Sie wollen. Um<br />

den Bereich außerhalb des<br />

Auswahlrechtecks anzusprechen <strong>und</strong> einen<br />

Rahmen um Ihren Fokuspunkt zu schaffen,<br />

gehen Sie auf Auswahl > Auswahl<br />

umkehren.<br />

4Dunkeln Sie die Ränder ab Erstellen<br />

Sie eine neue Einstellungsebene für die<br />

Tonwertkorrektur (Ebene > Neue<br />

Einstellungsebene > Tonwertkorrektur) <strong>und</strong><br />

verschieben Sie die dreieckigen, schwarzen<br />

<strong>und</strong> grauen Schieberegler nach rechts. So<br />

können Sie die Ecken abdunkeln, so dass<br />

Sie den von Ihnen gewünschten Effekt<br />

erzielen. Wenn Sie damit fertig sind, gehen<br />

Sie auf Auswahl > Auswahl aufheben.<br />

FÜLLMETHODEN<br />

Warum probieren Sie nicht<br />

einmal die verschiedenen<br />

Füllmethoden Ihrer<br />

Einstellungsebene für die<br />

Tonwertkorrektur aus? Sie<br />

brauchen dazu nur auf die<br />

Einstellungsebene in der<br />

Ebenenpalette zu klicken <strong>und</strong><br />

anschließend das Drop-Down-<br />

Menü für die Füllmethoden im<br />

oberen Bereich der<br />

Ebenenpalette auszuwählen.<br />

Spielen Sie ruhig ein wenig mit<br />

den verschiedenen Methoden.<br />

Die drei folgenden sind unsere<br />

Lieblingsmethoden. Sie können<br />

übrigens den Effekt<br />

abschwächen, indem Sie in der<br />

Ebene für die Tonwertkorrektur<br />

den Schieberegler für die<br />

Deckkraft heruntersetzen.<br />

Hartes Licht Multiplizieren Weiches Licht<br />

42 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Bearbeitet<br />

Klassische Schönheit<br />

Die Schönheit dieser Technik liegt darin,<br />

dass sie die Farbe graduell von den<br />

Außenrändern des Bildes her abdunkelt<br />

<strong>und</strong> das Auge so zum Mittelpunkt des<br />

Interesses leitet.


Fotoidee / Winterinspiration<br />

FOTO: ROSS HODDINOTT<br />

Die Schönheit des<br />

Winters entdecken<br />

Brrr... draußen ist es eisig kalt. Zeit, die Heizung hochzudrehen <strong>und</strong> es<br />

sich vor dem Computer gemütlich zu machen, um sich dem<br />

wartenden Stapel von unbearbeiteten Bildern zu widmen, stimmt’s?<br />

Falsch.<br />

Für Freiluft-Fotografen ist der Winter eine der besten Zeiten des Jahres,<br />

um magische Bilder einzufangen. Bei eiskalten Temperaturen glitzert<br />

der Frost <strong>und</strong> funkelt im morgendlichen Sonnenlicht. Die niedrige<br />

Position der Sonne am Himmel bedeutet, dass die Lichtqualität den<br />

ganzen Tag über weich <strong>und</strong> attraktiv bleibt. Oft gibt es zu dieser<br />

Jahreszeit atmosphärische Nebelschwaden <strong>und</strong> eine Schneeböe<br />

verwandelt die Landschaft in ein fotogenes Winterw<strong>und</strong>erland. Mit so<br />

vielen Möglichkeiten zu <strong>Fotografie</strong>ren, sollten Sie den Winterschlaf in<br />

diesem Winter ganz schnell wieder vergessen ...


Fotoidee / Winterinspiration<br />

Die Tage mögen zwar kalt <strong>und</strong> kurz sein, aber die<br />

Aussicht auf Frost, Schnee <strong>und</strong> w<strong>und</strong>erbares Licht<br />

macht den Winter für viele Fotografen zu ihrer<br />

Lieblingsjahreszeit. Wenn wegen der kurzen Tage die<br />

Morgen- <strong>und</strong> Abenddämmerung weder zu früh noch<br />

zu spät sind, ist es leicht, das beste Tageslicht<br />

abzupassen. Die Sonne hängt tiefer am Himmel, so<br />

dass das Licht den ganzen Tag über attraktiv <strong>und</strong><br />

nützlich ist. Ihre niedrige Position eignet sich<br />

hervorragend für schöne, von hinten beleuchtete<br />

Bilder <strong>und</strong> Schattenspiele, so dass die Qualität <strong>und</strong><br />

Wärme des Lichts Ihre Bilder auch ganz ohne Frost<br />

oder Schnee aufwerten wird.<br />

Fotogelegenheiten sind im Winter reichlich<br />

vorhanden. Bekannte Motive <strong>und</strong> Szenen, die man<br />

normalerweise übersieht, wirken durch starken Frost<br />

oder einen Schneeteppich wie verwandelt. Schnee<br />

vereinfacht die Landschaft: Die Konturen von<br />

nackten, blattlosen Bäumen fallen gegenüber einem<br />

fantastischen weißen Hintergr<strong>und</strong> deutlicher ins<br />

Auge. Sauberer, jungfräulicher Schnee sieht am<br />

besten aus, daher sollten Sie, wenn es über Nacht<br />

schneit, am nächsten Morgen früh aufstehen <strong>und</strong><br />

Bilder machen, bevor sonst irgendjemand da ist.<br />

Schlitten <strong>und</strong> Schneemänner ruinieren den Anblick.<br />

Und seien Sie vorsichtig, wohin Sie treten: Gehen Sie<br />

nirgendwo hin, wo Sie später noch fotografieren<br />

möchten, da Fußspuren meist sehr störend auf den<br />

Fotos wirken.<br />

Seien sie gewarnt: Das Messsystem Ihrer Kamera<br />

kann durch den Schnee in die Irre geleitet werden <strong>und</strong><br />

Sie in den Glauben führen, dass eine Szene heller ist<br />

als in Wirklichkeit, was wiederum zu unterbelichteten<br />

Resultaten <strong>und</strong> zu grau aussehendem Schnee führt.<br />

Überprüfen Sie daher regelmäßig die Histogramme.<br />

Wenn Ihre Bilder zu dunkel aussehen, wenden Sie<br />

eine positive (+) Belichtungskorrektur an.<br />

Während die letzten paar Winter recht streng<br />

waren, ist Schnee historisch gesehen in vielen Teilen<br />

Europas selten <strong>und</strong> nur von kurzer Dauer. Aber Sie<br />

brauchen keinen Schnee für tolle winterliche<br />

Aufnahmen. Auch bei Frost glitzert alles. Ein<br />

Makro-Objektiv oder ein anderer Aufsatz für<br />

Nahaufnahmen ist ideal, um die kristallisierte<br />

Vegetation ins rechte Licht zu rücken, wie Laub,<br />

Dornen, hohe Gräser <strong>und</strong> Spinnennetze. Verwenden<br />

Sie eine große Blende, um eine flache Tiefenschärfe<br />

zu erzielen, so dass Sie Ihr Motiv gegen einen<br />

verschwommenen Hintergr<strong>und</strong> isolieren können.<br />

Pfützen, Teiche, Seen <strong>und</strong> Talsperren frieren bei<br />

kalten Temperaturen ein, <strong>und</strong> am Rand des Wassers<br />

können Sie w<strong>und</strong>erschöne, komplizierte <strong>und</strong><br />

interessante Eismuster entdecken. Ein Makro-<br />

Objektiv, oder das lange Ende eines Telezooms, helfen<br />

Ihnen, abstrakt aussehende Eisbilder einzufangen.<br />

Frost schmilzt schnell, daher sollten Sie die<br />

Wettervorhersage gut im Auge behalten <strong>und</strong> den<br />

Wecker früh klingeln lassen, wenn Temperaturen<br />

unter dem Gefrierpunkt vorhergesagt werden. Raureif,<br />

wenn gefrorener Tau alles mit Eis überzieht, ist<br />

seltener, aber wenn es ihn gibt, ist er spektakulär <strong>und</strong><br />

extrem fotogen.<br />

Neben Frost <strong>und</strong> Schneefall kann es im Winter<br />

auch atmosphärische Nebelschwaden geben, die<br />

sich in ruhigen, klaren Nächten insbesondere im Tal<br />

<strong>und</strong> in der Nähe von Wasser bilden. Genau wie<br />

Schnee vereinfacht auch Nebel die Landschaft <strong>und</strong><br />

verwandelt ansonsten banal aussehende Szenen in<br />

solche, die sehr fotogen sind. Auch hierfür müssen<br />

Sie früh aufstehen. Suchen Sie sich starke, wieder<br />

erkennbare Motive, die Sie von Nebel umhüllt<br />

fotografieren, wie eine Baumallee oder ein Gebäude.<br />

Probieren Sie es auch einmal in einem Waldgebiet,<br />

um Ihren Aufnahmen ein Gefühl von Mystik <strong>und</strong><br />

Entrücktheit zu verleihen. Logischerweise sollten Sie<br />

von einem hohen Punkt aus fotografieren, da Sie so<br />

über dem Nebel sind <strong>und</strong> einen weitreichenden<br />

Ausblick haben. Längere Brennweiten, so um die<br />

100 bis 300 Millimeter, passen zu nebligen<br />

Bedingungen, denn damit können Sie die Perspektive<br />

formen <strong>und</strong> Schlüsselmotive besser isolieren.<br />

Selbst bei grauem <strong>und</strong> nassen Wetter gibt es<br />

immer noch genügend Projekte drinnen, die zum<br />

Winter passen. Sie könnten zum Beispiel ihre eigenen<br />

Eismuster erzeugen, indem Sie Wasser in der<br />

Tiefkühltruhe einfrieren. Einfach ausgedrückt ist dies<br />

eine w<strong>und</strong>erbare Jahreszeit zum <strong>Fotografie</strong>ren, <strong>und</strong><br />

die Aussicht auf atemberaubende Aufnahmen wird<br />

Sie hoffentlich genügend inspirieren, dass Sie raus in<br />

die Kälte gehen.<br />

Nun aber los, Sie wissen doch, warum!<br />

1<br />

KAMERAPFLEGE BEI KALTEM WETTER<br />

Kameras <strong>und</strong> kaltes Wetter passen nicht immer zusammen.<br />

Hier sind unsere Top Kamerapflege-Tipps:<br />

1) Halten Sie Ihre Kamera kalt: Es ist zwar verlockend,<br />

die Kamera in den Fotopausen aufzuwärmen, indem Sie sie<br />

unter die Jacke stecken, aber ein ständiger Wechsel der<br />

Temperatur führt höchstwahrscheinlich zu Kondensation,<br />

wodurch Ihre Kamera zeitweise unbrauchbar wird.<br />

2) Halten Sie die Akkus warm: Die meisten Kameras<br />

funktionieren ohne Probleme in der Kälte, aber die Akkus<br />

entleeren sich schnell. Wärmen Sie sie in der Hand auf oder<br />

nutzen Sie einen chemischen Handwärmer, um die Leistung<br />

wiederherzustellen. Setzen Sie nur voll aufgeladene<br />

Ersatz-Akkus ein.<br />

3) Hauchen Sie nicht auf das Objektiv: Wenn Sie auf<br />

das Objektiv hauchen, um Schnee zu entfernen oder es zu<br />

säubern, riskieren Sie schmierige Streifen <strong>und</strong> Kondensation.<br />

Bei extrem kalten Temperaturen kann das Kondensat sogar zu<br />

Eis gefrieren. Benutzen Sie statt dessen ein trockenes Tuch, um<br />

Feuchtigkeit oder Schmutz zu entfernen.<br />

4) Beobachten Sie Ihre Ausrüstung, wenn Sie<br />

nach Hause kommen: Auch hier ist Kondensation das<br />

größte Problem, die bei einer plötzlichen Veränderung der<br />

Temperatur stattfindet. Um auf Nummer sicher zu gehen,<br />

packen Sie Ihre Kamera in eine Plastiktüte oder einen<br />

Schnellverschlussbeutel. Das Kondensat bildet sich dann am<br />

Beutel <strong>und</strong> nicht an der Kamera.<br />

2<br />

3 4<br />

1) Nach ruhigen, klaren Nächten kann sich tief liegender<br />

Nebel bilden, der ihre winterlichen Bilder stimmungsvoll <strong>und</strong><br />

atmosphärisch macht.<br />

2) In Frost eingehüllte Vegetation fängt an zu glänzen. Welke<br />

Blumenköpfe, Gräser, Karden <strong>und</strong> heruntergefallenes Laub<br />

werden plötzlich fotogen.<br />

3) Der Winter ist eine tolle Jahreszeit, um Vögel im Garten zu<br />

fotografieren. Indem Sie geeignetes Futter oder Wasser<br />

bereitstellen, können Sie sie nah an die Kamera heranlocken.<br />

4) Raureif verändert die Landschaft. Bäume fangen an zu<br />

glitzern, <strong>und</strong> ein Polfilter sättigt den blauen Himmel.<br />

5) Betrachten Sie gefrorene Seen <strong>und</strong> Pfützen einmal aus der<br />

Nähe, um faszinierende Eismuster zu fotografieren. Mit einem<br />

Makro-Objektiv oder einem Aufsatz für Nah-Aufnahmen<br />

können Sie formatfüllende abstrakte Bilder einfangen.<br />

46 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


ALLE BILDER: ROSS HODDINOTT<br />

UNVERZICHTBARE AUSRÜSTUNG<br />

Weitwinkel-Objektiv<br />

Ein 12-24 Millimeter Zoom<br />

für APS-C Sensoren oder<br />

17-35 Millimeter für<br />

Vollbildkameras ist perfekt,<br />

um große, schneereiche<br />

Szenen abzulichten. Bei<br />

kleinen Blenden bieten sie<br />

eine große Tiefenschärfe <strong>und</strong> ermöglichen es,<br />

Vordergr<strong>und</strong>motive wie Schneetreiben, frostige<br />

Vegetation oder Eismuster einzuschließen.<br />

Makro-Objektiv<br />

Eismuster <strong>und</strong> mit Frost<br />

überzogene Vegetation bilden<br />

hervorragende natürliche<br />

Stillleben. Um sie<br />

formatfüllend in einer<br />

Nah-Aufnahme einzufangen,<br />

ist ein Makro-Objektiv die<br />

beste Wahl. Mit einer Brennweite von etwa 100<br />

Millimeter bietet dieses Objektiv eine angenehme,<br />

praktikable Distanz <strong>und</strong> ermöglicht es, interessante<br />

Details des Winters auf einfache Art zu isolieren.<br />

Polfilter<br />

Ein Polfilter ist die nützlichste<br />

Art von Filter bei kalten<br />

Temperaturen, denn er<br />

reduziert die natürliche<br />

Blendwirkung <strong>und</strong> Reflektion<br />

des Schnees. Ein tiefblauer<br />

Himmel sieht als Kontrast<br />

gegenüber Schnee umwerfend aus, <strong>und</strong> mit einem<br />

Polfilter wird der Himmel w<strong>und</strong>erschön gesättigt. Aber<br />

übertreiben Sie es nicht mit dem Effekt, da der Himmel<br />

sonst zu künstlich dunkel aussieht.<br />

5<br />

Stativ<br />

Gehen Sie nicht in die Kälte<br />

hinaus, ohne Ihr Stativ<br />

mitzunehmen. Es bietet Ihnen<br />

nicht nur Stabilität bei dunklen<br />

Lichtverhältnissen, sondern<br />

ermöglicht es Ihnen auch,<br />

Bilder mit einer weitaus<br />

größeren Genauigkeit aufzubauen. Aluminiumständer<br />

können im Winter extrem kalt werden. Sie können daher<br />

spezielle Beinwärmer kaufen oder die Beine mit Styropor<br />

isolieren, um Ihre Hände vor der Kälte zu schützen.<br />

Handschuhe<br />

Ohne Handschuhe geht im<br />

Winter gar nichts. Fotografen<br />

brauchen Handschuhe, die<br />

nicht nur warm sind, sondern<br />

auch einen guten Griff bieten,<br />

so dass Sie die Regler der<br />

Kamera bedienen können.<br />

Die Etip Pamir Windstopper Handschuhe von The<br />

North Face sind speziell auf das Benutzen von<br />

Kameras <strong>und</strong> Touchscreen-Geräten abgestimmt, so<br />

dass sie eine hervorragende Wahl darstellen. Auch die<br />

Fotografen-Handschuhe von Matin sind exzellent.<br />

Freiluftkleidung<br />

Sie werden keine Lust haben,<br />

tolle Winterfotos zu machen,<br />

wenn Sie sich nicht warm <strong>und</strong><br />

trocken fühlen. Gute Schuhe,<br />

eine Mütze <strong>und</strong> spezielle<br />

Kleidung sind wichtig.<br />

Nehmen Sie Markenkleidung<br />

von Paramo, The North Face, Craghoppers oder<br />

Berghaus. Winterkleidung ist zwar nicht billig, aber<br />

eine wichtige Investition für Komfort <strong>und</strong> Sicherheit.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE / 47


Fotoidee / Wintervögel<br />

So fotografieren Sie wild lebende<br />

Tiere im Winter gemacht<br />

Lernen Sie, wie Sie in diesem Winter w<strong>und</strong>erschöne Bilder von frierenden<br />

Vögeln festhalten können.<br />

ES MAG SIE ÜBERRASCHEN zu hören, dass trotz der<br />

kalten Temperaturen die Gelegenheiten zum<br />

<strong>Fotografie</strong>ren von wild lebenden Tieren selten besser<br />

sind als im Winter. Vögel <strong>und</strong> Säugetiere sind bei<br />

frostigen Bedingungen oft zutraulicher <strong>und</strong> toleranter<br />

gegenüber den Menschen, da sie nach Nahrung <strong>und</strong><br />

Wasser suchen, um zu überleben. Außerdem heben<br />

sich die Tiere auf einem Schneeteppich gegenüber<br />

dem sauberen, weißen, ruhigen Hintergr<strong>und</strong> gut ab.<br />

Neben dem saisonalen Szenario ermöglicht der<br />

Schnee auch, die Tiere anhand der Fußspuren im<br />

Schnee viel leichter zu finden. Und der Schnee<br />

funktioniert wie ein riesiger Reflektor, wodurch Sie zu<br />

jeder Tageszeit w<strong>und</strong>erschön ausgeleuchtete Bilder<br />

machen können.<br />

Besuchen Sie im Winter öffentliche Parks, in denen die<br />

Tiere, wie Hirsche oder Eichhörnchen, bereits an den<br />

Anblick von Menschen gewöhnt sind. Damit<br />

maximieren Sie nicht nur Ihre Erfolgschancen, sondern<br />

Sie minimieren auch das Gefühl von Störung bei Ihren<br />

Motiven. An einem frostigen oder schneereichen<br />

Morgen können Sie w<strong>und</strong>erschöne atmosphärische<br />

Bilder einfangen. Das lange Ende eines 70-300-mm-<br />

Objektivs sollte für die meisten Motive ausreichen <strong>und</strong><br />

bedeutet, dass Sie nicht so nah an Ihr Motiv<br />

heranmüssen, <strong>und</strong> damit riskieren, dass Sie die Tiere<br />

verscheuchen. Diese können es sich nicht leisten, bei<br />

den kalten Temperaturen unnötige Energie zu<br />

vergeuden. Verständlicherweise ist natürliche Nahrung<br />

im Winter ein knappes Gut, das können Sie zu Ihrem<br />

Vorteil ausnutzen. Indem Sie geeignetes Futter in die<br />

Nähe der Tiere stellen, locken Sie diese näher an Ihre<br />

Kamera. Diese Technik nennt man auch ködern.<br />

Einige Hobby-Naturfotografen haben es sich zur<br />

Gewohnheit gemacht, überfahrene Tiere wie zum<br />

Beispiel tote Fasane oder Hasen regelmäßig an einem<br />

bestimmten Ort auszulegen, um Bussarde oder<br />

Füchse dazu zu bringen, diesen Ort aufzusuchen. Sie<br />

lauern dann in einem Versteck in der Nähe, um einige<br />

sehr nahe, intime Bilder zu bekommen, die auf andere<br />

Art gar nicht möglich wären.<br />

Sie müssen aber gar nicht weit reisen, um Ihre eigene<br />

Futterstation aufzustellen. In den meisten Gärten in der<br />

Stadt oder auf dem Land leben viele w<strong>und</strong>erbare <strong>und</strong><br />

interessante Vögel, wie zum Beispiel Rotkehlchen,<br />

Blaumeisen, Drosseln oder Amseln. Sie sind alle sehr<br />

fotogen, besonders wenn Schnee liegt. Wenn Sie das<br />

nicht sowieso schon tun, hängen Sie in Ihrem Garten<br />

Vogelfutter oder Meisenknödel auf. Damit ermuntern<br />

Sie die Vögel, Ihren Garten zu besuchen. Platzieren Sie<br />

das Futter an einer Stelle mit gutem Licht <strong>und</strong> bis zu<br />

vier Meter von einem Fenster oder einem Verschlag<br />

aus, von dem Sie gut fotografieren können.<br />

Positionieren Sie ein oder zwei fotogene Sitzstangen<br />

(eine Flechte, einen Spaten oder vielleicht einen<br />

frostigen Ast) dem Futter gegenüber, so dass sich die<br />

Vögel dort in den Futterpausen ausruhen können.<br />

Verstecken Sie sich hinter einem Vorhang oder einem<br />

Tarnnetz, das Sie in im Fachhandel erwerben können.<br />

Fokussieren Sie vorab auf die Sitzstange, <strong>und</strong> stellen<br />

Sie eine schnelle Verschlussgeschwindigkeit ein, um<br />

die Bewegung des Tieres einzufrieren. Dann warten<br />

Sie, bis die Vögel sich für Ihre Kamera in Pose setzen.<br />

Wenn die Vögel in Ihrem Garten zutraulich sind,<br />

brauchen Sie sich unter Umständen nicht einmal zu<br />

verstecken. Rotkehlchen zum Beispiel kommen oft<br />

sehr nah heran, um gefüttert zu werden. Indem Sie<br />

Körner auf den Boden ausstreuen, können Sie sie<br />

eventuell auf einer Matte liegend auf Augenhöhe<br />

fotografieren, während diese fressen.<br />

Das <strong>Fotografie</strong>ren im Schnee hat zwar viele Vorteile,<br />

aber seien Sie sich bewusst, dass das automatische<br />

Messsystem oft zu unterbelichteten Ergebnissen führt.<br />

Daher sollten Sie das Histogramm regelmäßig im Auge<br />

behalten, um sicher zu gehen, dass die Einstellungen<br />

korrekt sind.<br />

Beim Ködern von wild lebenden Tieren können die<br />

Tiere sich schnell an das ausliegende Futter<br />

gewöhnen, daher sollten Sie niemals aufhören, sie zu<br />

füttern, wenn Sie mit dem <strong>Fotografie</strong>ren fertig sind.<br />

Verringern Sie statt dessen regelmäßig die Futtermenge<br />

über mehrere Wochen. Man braucht Zeit <strong>und</strong> viel<br />

Geduld, um tolle Aufnahmen zu bekommen, also<br />

ziehen Sie sich warm an <strong>und</strong> nehmen eine<br />

Thermoskanne mit heißem Tee mit, um frei lebende<br />

Tiere in diesem Winter zu fotografieren.<br />

Ausrüstung<br />

Auch wenn frei lebende Tiere im Winter generell<br />

zutraulicher sind, brauchen Sie die Brennweite eines<br />

Teleobjektivs, um formatfüllende Aufnahmen zu<br />

machen. Am idealsten sind 400 Millimeter, aber das<br />

lange Ende eines günstigen 70-300-mm-Telezooms<br />

reicht aus, insbesondere wenn Sie es mit einer<br />

digitalen Spiegelreflexkamera mit APS-C Sensor<br />

kombinieren, da Sie so vom Multiplikationsfaktor<br />

profitieren. Ein kompatibler 1-,4x- oder<br />

2x-Telekonverter kann sich als nützlich herausstellen,<br />

denn er ermöglicht Ihnen, sich weiter entfernt von scheuen Motiven aufzuhalten. Eine schnelle<br />

Verschlussgeschwindigkeit ist bei Aufnahmen in der freien Natur immer zu bevorzugen, daher sollten Sie darauf<br />

vorbereitet sein, die ISO Einstellung auf 800 oder 1600 zu erhöhen, um eine Belichtungszeit schneller als 1/500<br />

Sek. zu erzielen, wenn Sie nicht das Glück haben, ein schnelles Teleobjektiv mit einer maximalen Blende von f/2.8<br />

oder f/4 zu besitzen. Für die Arbeit aus einem Versteck heraus sind ein Stativ oder ein Bildstabilisator nützlich.<br />

Anderenfalls sollten Sie besser aus der Hand fotografieren, denn so können Sie schnell auf das Verhalten <strong>und</strong> die<br />

Bewegung Ihres Motivs reagieren. Wenn Sie kein Behelfsversteck hinter einer Hütte oder einem Fenster finden<br />

können, können Sie auch in Betracht ziehen, in einen speziellen, tragbaren Hochsitz zu investieren. Auch die<br />

Anschaffung einer Tarnabdeckung, um Ihre Kamera <strong>und</strong> das Objektiv zu verstecken ist eine Überlegung wert.<br />

Unterbelichtet Schnee kann die TTL<br />

Messsysteme durcheinander bringen. Strahlend<br />

heller Schnee bringt die Kamera dazu, zu glauben, die<br />

Szene ist heller als sie in Wahrheit ist. Dann wird eine zu<br />

schnelle Verschlussgeschwindigkeit ausgewählt, <strong>und</strong> das<br />

führt zu Unterbelichtung. Wenn Sie dunkle Bilder in der<br />

Nachbearbeitung aufhellen, wird das Bild durch zugefügtes<br />

Rauschen schlechter. Daher sollten Sie besser eine positive<br />

(+) Belichtungskompensation anwenden, bevor Sie die<br />

Aufnahme machen. In diesem Fall habe ich +1EV gewählt.<br />

48 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


DAS FERTIGE BILD: Sie müssen<br />

vermutlich eine große Anzahl von Bildern<br />

schießen, bis Sie die Aufnahme bekommen, die Sie<br />

wollen. Vermeiden Sie störende<br />

Hintergr<strong>und</strong>elemente <strong>und</strong> kombinieren Sie eine<br />

große Blende <strong>und</strong> eine lange Brennweite, um den<br />

Hintergr<strong>und</strong> angenehm verschwommen zu halten.<br />

Mit ein wenig Geduld <strong>und</strong> Durchhaltevermögen<br />

können auch Sie tolle saisonale Fotos von den<br />

Vögeln machen, die in diesem Winter Ihren Garten<br />

besuchen.<br />

Belichtungseinstellungen<br />

Modus: manuell<br />

Messung: Multi-Zonen-<br />

Messung<br />

Belichtung: 1/1000 Sek.<br />

bei f/5.6 (ISO 320)<br />

Verschlussgeschwindigkeit ist zu langsam<br />

Beim <strong>Fotografie</strong>ren von aktiven, unruhigen<br />

Objekten wie es Vögel oder Säugetiere nun einmal sind, ist<br />

eine schnelle Verschlussgeschwindigkeit unbedingt<br />

notwendig. Nur wenige Fotografen können sich die<br />

Anschaffungskosten eines schnellen Teleobjektivs leisten,<br />

daher sollten Sie darauf vorbereite sein, die ISO-Einstellung<br />

heraufzusetzen. Die digitalen Spiegelreflexkameras von heute<br />

haben das Rauschen gut unter Kontrolle. Daher brauchen Sie<br />

keine Angst zu haben, den ISO-Wert auf 800 oder gar 1600<br />

einzustellen, um eine passende Verschlussgeschwindigkeit<br />

von 1/500 Sek. oder kürzer zur erzielen. Wenn Sie dies nicht<br />

tun, riskieren Sie, dass Ihr Motiv durch Bewegungsunschärfe<br />

verwackelt.<br />

Fokussieren Wie Sie wahrscheinlich schon<br />

unzählige Male vorher gelesen haben, sollten Sie<br />

auf die Augen des Tieres fokussieren. Augen sind<br />

verbindlich, sie helfen uns Kontakt mit dem Motiv<br />

herzustellen. Achten Sie auf ausreichend Tiefenschärfe, um<br />

den größten Teil des Kopfes im Fokus zu haben. Wenn Sie<br />

vorab auf einen Punkt <strong>und</strong>/oder im kontinuierlichen<br />

Fokusmodus scharfstellen, positionieren Sie einen<br />

Fokuspunkt über die Augen des Motivs, bevor Sie auf den<br />

Auslöser drücken. Arbeiten Sie schnell <strong>und</strong> effizient, weil<br />

Vögel selten lange still halten.<br />

Schwacher Bildaufbau Wenn Sie sich stark<br />

auf das Motiv, die Belichtung <strong>und</strong> den Fokus<br />

konzentrieren, kann es leicht passieren, dass Sie den<br />

Bildaufbau vernachlässigen. Aber ein starker, ausgewogener<br />

Bildaufbau ist trotzdem äußerst wichtig. Oft ist es am<br />

besten, einen gewissen Grad an negativem Freiraum<br />

einzuschließen – normalerweise vor dem Tier, so dass das<br />

Motiv Platz hat, irgendwo hinzuschauen oder sich zu<br />

bewegen. In diesem Beispiel schaut der Vogel aus dem Bild<br />

heraus, <strong>und</strong> führt somit auch das Auge des Betrachters aus<br />

dem Foto heraus.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE / 49


Fotoidee / Abstrakte Wasserfotos<br />

<strong>Fotografie</strong>ren von Regentropfenmustern<br />

Regen kann oft einen ganzen Fototag ruinieren. Sie können ihn aber<br />

auch zum <strong>Fotografie</strong>ren interessanter Stillleben nutzen.<br />

WENN SIE IN DER STIMMUNG SIND, loszuziehen <strong>und</strong> Bilder zu machen, gibt es nichts<br />

Frustrierenderes als einen kräftigen Schauer, der alle Ihre Pläne scheitern lässt. Das Wasser mag<br />

zwar für die Pflanzen gut sein, aber das ist nur ein schwacher Trost. In einem solchen Fall ist es<br />

jedoch wichtig, sich darauf vorzubereiten, gleich nach dem Regen tolle Bilder zu machen. Die Idee<br />

für dieses einfache abstrakte Stillleben hatte ich nach einem kurzen, aber kräftigen Wolkenbruch,<br />

der große Wassertropfen auf einem Auto hinterließ. Es war kurz davor gerade gewaschen <strong>und</strong><br />

gewachst worden, sodass die Tröpfchen zu relativ großen, dicken Tropfen zusammenflossen.<br />

Wie andere „vorgef<strong>und</strong>ene“ Stillleben lässt sich auch dieses verhältnismäßig einfach fotografieren,<br />

weil nicht viel Vorbereitungsarbeit anfällt. Einige Dinge müssen jedoch berücksichtigt werden.<br />

Zunächst einmal ist zu bedenken, dass die Metallkarosserie alles in der näheren Umgebung<br />

reflektiert. Also müssen Sie das Auto an einem Ort abstellen, wo Sie aus einer Richtung<br />

fotografieren können, in der es keine Gebäude, Laternenmaste <strong>und</strong> so weiter gibt, <strong>und</strong> nur der<br />

Himmel zu sehen ist. Außerdem müssen in einem Winkel fotografieren, der Sie selber nicht im Bild<br />

erscheinen lässt. Statt also direkt über die Motorhaube gebeugt zu fotografieren, machen Sie die<br />

Aufnahme von einer leicht schrägen Warte aus. Wenn Ihre Kamera einen dreh- <strong>und</strong> schwenkbaren<br />

LCD-Monitor hat, kann das hierfür sehr nützlich sein.<br />

Um die Belichtung müssen Sie sich nicht viel Gedanken machen, da sich dieses Motiv sehr einfach<br />

fotografieren lässt. In erster Linie müssen Sie dafür sorgen, dass durch die Reflexion des Autos keine<br />

Unterbelichtung verursacht wird. Anhand einer kurzen Probeaufnahme können Sie feststellen, ob<br />

Sie eine Belichtungskorrektur von +1EV (eine Blendenstufe) anwenden müssen. Verwenden Sie<br />

die Zeitautomatik, <strong>und</strong> stellen Sie die Blende f/8-11 ein, um eine gute Tiefenschärfe zu erhalten<br />

<strong>und</strong> die Objektivschärfe zu optimieren. Wenn die Verschlusszeit zu lang ist, sodass eine<br />

Verwacklungsgefahr besteht, verwenden Sie die Bildstabilisierung bzw. einen höheren ISO-Wert.<br />

Wir empfehlen einen maximalen Wert von ISO 400, weil sonst die Gefahr von Rauschen besteht.<br />

Wenn die Verschlusszeit trotzdem noch lang ist, verwenden Sie eine geringfügig größere Blende.<br />

EMPFOHLENE AUSRÜSTUNG<br />

Objektiv<br />

Jedes Objektiv mit einer guten<br />

Naheinstellgrenze ist geeignet. In der Regel ist<br />

das Standardzoomobjektiv mehr als<br />

ausreichend. Wenn Sie kleine Gruppen von<br />

Wassertropfen isolieren möchten, können Sie<br />

mit einem Makroobjektiv näher ran gehen.<br />

Kamera<br />

Für diese Technik können Sie so ziemlich jede<br />

Kamera verwenden. Eine Spiegelreflexkamera<br />

bietet Ihnen die meisten Möglichkeiten, was<br />

Objektivwahl <strong>und</strong> Bildqualität betreffen. Aber<br />

auch Kompaktkameras können<br />

ausgezeichnete Ergebnisse liefern.<br />

Polarisationsfilter<br />

Ein Polarisationsfilter verhindert Reflexionen<br />

<strong>und</strong> ist einen Versuch wert, um zu sehen, wie<br />

er sich auf das Endergebnis auswirkt. Obwohl<br />

er am besten unter sonnigen Bedingungen<br />

eingesetzt wird, können Sie ihn ruhig auch<br />

einmal ausprobieren, wenn es bewölkt ist, um<br />

seine Wirkung zu sehen. Denken Sie daran,<br />

dass Sie damit bei der Belichtung zwei<br />

Blendenstufen „verlieren“ – achten Sie also auf die Verschlusszeiten.<br />

ACHTEN SIE AUF DIE BELICHTUNG: Wenn Ihr Auto weiß oder<br />

schwarz ist, müssen Sie möglicherweise eine Belichtungskorrektur<br />

verwenden, um eine Unter- oder Überbelichtung zu vermeiden.<br />

UNERWÜNSCHTE REFLEXIONEN: Lehnen Sie sich zum<br />

<strong>Fotografie</strong>ren nicht direkt über die Tropfen, da Sie dabei Gefahr laufen,<br />

selber als Reflexion im Bild zu erscheinen.<br />

VERBESSERN SIE IHRE MÖGLICHKEITEN: Mit LiveView können<br />

Sie sich weiter über die Motorhaube beugen, ohne dass Ihre Reflexion im<br />

Bild erscheint.<br />

VERMEIDEN SIE GROSSE BLENDEN: Bei der Aufnahme in einem<br />

Winkel mit f/3.5 ist die begrenzte Schärfentiefe offensichtlich. Verwenden<br />

Sie also eine mittlere Blende wie f/8-11.<br />

50 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Lassen Sie es regnen!<br />

Wenn es einmal länger nicht<br />

geregnet hat, Sie aber diese<br />

Technik ausprobieren<br />

möchten, bespritzen Sie Ihr<br />

Auto einfach mit einem<br />

Gartenschlauch, <strong>und</strong> machen<br />

Sie Ihre eigenen<br />

Regentropfen!<br />

DAS FERTIGE BILD: Sie brauchen Geduld <strong>und</strong> Zeit, um das perfekte Muster zu finden. Ich musste ziemlich viel herumexperimentieren <strong>und</strong> die Brennweite<br />

meines Standardzoomobjektivs verändern, um zu sehen, wie die Tropfen durch den Zoombereich aussahen. Am besten gefielen mir persönlich die Bereiche, die<br />

große Wassertropfen wie auch winzige Tröpfchen enthielten. Nachdem ich mein Lieblingsbild ausgewählt hatte, habe ich zur Intensivierung des Kontrasts die Tonwerte<br />

korrigiert <strong>und</strong> das Bild in ein quadratisches Format gebracht.<br />

Kreieren Sie ein Triptychon mit abstrakten<br />

Wasserbildern<br />

Wenn Sie eine Reihe von Aufnahmen gemacht haben, die Ihnen<br />

gefallen, erstellen Sie doch ein Triptychon. Das ist eine tolle<br />

Möglichkeit, Bilder zu präsentieren. Bringen Sie dazu jedes Bild in<br />

dasselbe Format, <strong>und</strong> achten Sie darauf, dass alle Fotos die gleiche<br />

Breite haben (Bild > Bildgröße). Hier haben wir uns für eine Breite<br />

von 12,7 Zentimetern entschieden. Öffnen Sie eine neu Datei<br />

(Datei > Neu), <strong>und</strong> wählen Sie A3 als Papierformat. Platzieren Sie<br />

die drei Bilder mit den Linealen (Ansicht > Lineale), ziehen Sie<br />

die Hilfslinien von Linealen, <strong>und</strong> platzieren Sie sie 7,62 Zentimeter<br />

von oben <strong>und</strong> unten bzw. 5,08 Zentimeter von den Seiten <strong>und</strong> eine<br />

in der Mitte der Arbeitsfläche, um die Bildausrichtung zu<br />

vereinfachen. Wählen Sie die Befehlsfolge Ansicht > Ausrichten.<br />

Wenn Sie dann die Bilder öffnen <strong>und</strong> mit dem Verschieben-<br />

Werkzeug in die ungefähre Position auf der Arbeitsfläche ziehen,<br />

wo Sie sie haben möchten, rasten sie dort automatisch ein. Sie<br />

haben jetzt ein einfaches Triptychon, zu dem Sie nach Herzenslust<br />

Ränder hinzufügen, dessen Größe Sie verändern, das Sie<br />

zuschneiden oder ausdrucken können.<br />

Abstrakte Bilder entfalten ihre Wirkung oft besser, wenn sie in einer Gruppe <strong>und</strong> nicht als Einzelbilder präsentiert<br />

werden. Suchen Sie also nach verschiedenen Kompositionen, <strong>und</strong> machen Sie die Tropfen im Bild mit dem<br />

Zoomobjektiv größer oder kleiner. Ein ordentlicher Rahmen um jedes Bild sorgt für einen sauberen Abschluss.<br />

Und wenn Ihr Triptychon dann fertig ist, besorgen Sie sich in Ihrem hiesigen Kaufhaus oder Bastelgeschäft<br />

geeignete Rahmen für Ihre Kunstwerke.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE / 51


Fotoidee / Maximierung der Tiefenschärfe<br />

Schärfe stapeln zur<br />

Erweiterung der Tiefenschärfe<br />

Die größte Herausforderung bei der Makrofotografie besteht darin, ausreichend Tiefenschärfe<br />

zu erreichen. Die Lösung: „Focus stacking“. Hier zeigen wir Ihnen, wie es geht. …<br />

JE LÄNGER das Objekt, umso kürzer der Abstand von<br />

Motiv zu Kamera, <strong>und</strong> je größer die Blende, umso<br />

geringer die Tiefenschärfe. Alle diese Faktoren spielen<br />

bei der Makrofotografie eine Rolle. Deshalb ist es häufig<br />

unmöglich, eine Schärfe von vorne bis hinten zu<br />

erzielen. Es kann zwar hilfreich sein, die kleinste Blende<br />

des Objektivs zu verwenden, aber das reicht nicht<br />

immer. Und die damit erzielte Tiefenschärfe geht zu<br />

Lasten des Weichmachens von der Strahlenbeugung<br />

<strong>und</strong> verlängerter Belichtungszeiten.<br />

Mit dem sogenannten Focus stacking (wörtl. Fokus<br />

stapeln) können Sie diesem Teufelskreis entkommen:<br />

Bei dieser Methode machen Sie mehrere Bilder mit der<br />

Scharfstellung auf verschiedenen Brennebenen <strong>und</strong><br />

kombinieren diese dann, um eine maximale<br />

Tiefenschärfe zu erhalten. Es ist zwar eine ziemlich<br />

komplizierte Technik, aber sie wird deutlich einfacher,<br />

wenn Sie die Arbeit mit der Kamera selber gut <strong>und</strong><br />

methodisch erledigen. Es gibt automatisierte<br />

Programme, die die Fotos für Sie stapeln können, aber<br />

wir haben festgestellt, dass die Ergebnisse nicht so<br />

genau sind, als wenn Sie den Stapel selber in<br />

Photoshop verarbeiten. Es ist wichtig, dass sich Motiv<br />

<strong>und</strong> Kamera zwischen den Aufnahmen nicht bewegen.<br />

Deshalb eignen sich statische Motive zum Üben oft am<br />

besten. Um eine optimale Schärfe zu erzielen, schlagen<br />

wir je nach Beleuchtungssituation eine Blende von f/11<br />

– f/16 vor. Wenn Sie eine kürzere Verschlusszeit<br />

KAMERAEINSTELLUNGEN<br />

Belichtung <strong>und</strong> Fokussierung:<br />

Av Stellen Sie die Kamera auf Zeitautomatik<br />

ein, wählen Sie die Blende f/11 – f/16, <strong>und</strong><br />

wechseln Sie zur manuellen Fokussierung. Sie<br />

können Einpunkt-Autofokus verwenden <strong>und</strong> den<br />

Fokuspunkt im Bildrahmen herum bewegen. Wir<br />

haben es jedoch einfacher gef<strong>und</strong>en, vorsichtig<br />

manuell zu fokussieren, um ein Herumsuchen mit<br />

dem Objektiv zu vermeiden <strong>und</strong> außerhalb des<br />

Mehrpunkt-Fokusbereichs zu arbeiten.<br />

brauchen, probieren Sie einen Blitz aus, oder<br />

verwenden Sie eine größere Blende. Bedenken Sie aber,<br />

dass Sie bei einer größeren Blende mehr Bilder machen<br />

müssen, um die Tiefenschärfe zu maximieren, was zu<br />

einem komplizierteren Stapel führt. Bei dieser Übung<br />

haben wir f/11 verwendet, da wir nur begrenztes<br />

Tageslicht hatten. Machen Sie die Aufnahmen in einer<br />

logischen Reihenfolge – beispielsweise von unten nach<br />

oben –, um sich die Arbeit zu erleichtern, wenn Sie die<br />

Dateien in Photoshop öffnen <strong>und</strong> sortieren.<br />

Tiefenschärfe: Für das fertige Bild waren vier Bilder erforderlich, die mit f/11 aufgenommen wurden, wobei auf verschiedene Punkte scharfgestellt wurde.<br />

Unten Mitte Oberes Drittel Hintere Blätter<br />

In Photoshop<br />

1Öffnen Sie die Bilder.<br />

Wenn Sie die Bilder geöffnet<br />

haben, wählen Sie ein Bild als<br />

Basisbild (in diesem Fall ist es das<br />

Bild, auf dem der untere Teil<br />

scharfgestellt ist). Verwenden Sie<br />

das Verschieben-Werkzeug.<br />

Klicken Sie dann <strong>und</strong> ziehen Sie<br />

die anderen Ebenen,<br />

vorzugsweise in der Reihenfolge<br />

der Brennebenen, auf das<br />

Basisbild. Sie sehen, dass jedes<br />

Bild eine Ebene in der<br />

Ebenenpalette erzeugt. Sie<br />

werden feststellen, dass es auch<br />

hilfreich ist, die Ebenen zu<br />

benennen.<br />

2Sortieren Sie die Dateien<br />

aus. Je weniger Dateien Sie<br />

zum Arbeiten haben, umso<br />

einfacher ist der ganze Prozess.<br />

Aktiveren bzw. deaktivieren Sie<br />

also das Augensymbol neben<br />

jeder Ebene, um festzulegen, ob<br />

jede Ebene, die Sie stapeln<br />

werden, entscheidend dazu<br />

beiträgt, dass das Bild scharf ist.<br />

Sehen Sie sich die Bilder sehr<br />

genau an. Je nach verwendeter<br />

Blende kann die Tiefenschärfe<br />

sehr gering sein.<br />

3Richten Sie die Bilder aus.<br />

Wenn Sie verschiedene<br />

Bereiche eines Bildes<br />

scharfstellen, kann sich die<br />

Perspektive geringfügig verändern.<br />

Das bedeutet, dass nicht jedes<br />

Bild den Rahmen auf dieselbe<br />

Weise ausfüllt <strong>und</strong> die Ebenen<br />

somit möglicherweise nicht perfekt<br />

übereinander angeordnet sind. Zur<br />

Lösung dieses Problems wählen<br />

Sie jede Ebene in der<br />

Ebenenpalette aus, indem Sie die<br />

Umschalttaste gedrückt halten,<br />

auf Bearbeiten > Ebenen<br />

automatisch ausrichten klicken<br />

<strong>und</strong> warten, bis Photoshop die<br />

Verarbeitung abgeschlossen hat.<br />

4Verwenden Sie<br />

Ebenenmasken. Der<br />

nächste Schritt ist ein<br />

Arbeitsprozess <strong>und</strong> hängt von<br />

Ihrem Auge für Details <strong>und</strong> Ihrer<br />

Übung ab. Wenden Sie auf alle<br />

Ihre Ebenen eine Ebenenmaske<br />

an. Verwenden Sie hierfür das<br />

Symbol Ebenenmaske hinzufügen<br />

unten in der Ebenenpalette.<br />

„Malen“ Sie mit dem Pinsel-<br />

Werkzeug mit schwarzer Farbe<br />

über die Ebenenmasken, um die<br />

Bereiche auszublenden, die nicht<br />

scharfgestellt sind. Wenn Sie einen<br />

Fehler machen, wechseln Sie zur<br />

weißen Farbe, um den Bereich<br />

wieder einzublenden.<br />

5Abschließende<br />

Bearbeitungsschritte. Wenn<br />

der Stapel fertig ist, können Sie<br />

noch Ton- oder Schärfekorrekturen<br />

vornehmen. Wählen Sie erneut alle<br />

Ebenen aus, <strong>und</strong> drücken Sie<br />

Strg+Alt+Umschalt+E (bzw.<br />

Cmd+Alt+Umschalt+E bei einem<br />

Mac), um eine kombinierte Ebene<br />

zu erstellen. Um den Kontrast zu<br />

erhöhen, duplizieren Sie diese<br />

Ebene, stellen Sie die Füllmethode<br />

auf Weiches Licht ein, <strong>und</strong><br />

verringern Sie die Deckkraft, bis Sie<br />

mit dem Ergebnis zufrieden sind.<br />

Sie können auch eine<br />

Korrekturebene des Typs<br />

Tonwertkorrektur anwenden.<br />

52 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


FERTIGES BILD:<br />

Wenn Ihr Bild etwas mehr Schärfe<br />

vertragen kann, duplizieren Sie die<br />

kombinierte Ebene noch einmal, <strong>und</strong><br />

wählen Sie Filter > Scharfzeichnungsfilter<br />

> Unscharf maskieren. Passen Sie den<br />

Schieberegler Ihren Anforderungen<br />

entsprechend an. Sie sollten jetzt ein<br />

Stillleben haben, das von vorne bis hinten<br />

ausreichend scharf ist.<br />

Belichtungseinstellungen<br />

Modus: Zeitautomatik<br />

Messung: Mehrzonenmessung<br />

Fokussierung: Manuell<br />

Belichtung: 1/10 Sek.<br />

mit f/11 (ISO 400)


Fotoidee / Fünf Minuten Photoshop<br />

Original<br />

Bearbeitet<br />

Restaurieren alter Bilder mit<br />

einer einfachen Technik<br />

Das Restaurieren von Bildern ist einfach. Das Schwierige ist, ihren Charme beizubehalten …<br />

DIE MEISTEN VON UNS haben wohl jahrzehntealte<br />

Familienfotos, die verstaubt in irgendwelchen<br />

Schubladen herumliegen <strong>und</strong> zu stark beschädigt<br />

sind, um sie irgendwo zu präsentieren. Bevor sie<br />

überhaupt nicht mehr repariert werden können,<br />

digitalisieren Sie sie, indem Sie die Drucke in einen<br />

Computer einscannen, damit Sie sie dann<br />

restaurieren können. Brennen Sie sie anschließend<br />

auf einen Datenträger, speichern Sie sie auf Ihrer<br />

Festplatte, archivieren Sie die alten Drucke in<br />

Schutzhüllen, <strong>und</strong> rahmen Sie die neuen Bilder. Das<br />

ist ein langwieriger Prozess, aber Sie bewahren damit<br />

die Erinnerungen für viele weitere Generationen.<br />

Bevor wir fortfahren, möchten wir Ihnen raten, beim<br />

Ausdrucken der neuen Bilder nicht zu sparen.<br />

Verwenden Sie Tinten <strong>und</strong> Papiere in Archivqualität,<br />

um ein Verfärben <strong>und</strong> Ausbleichen im Lauf der Zeit zu<br />

verhindern. Dateien werden beschädigt <strong>und</strong> Formate<br />

ändern sich – machen Sie also unbedingt auch<br />

hochwertige Papierkopien. Wenn Ihre archivierten<br />

Bilder nie ausgedruckt wurden, sondern nur als Dias<br />

oder Negative vorhanden sind, können Sie die Bilder<br />

trotzdem digitalisieren, <strong>und</strong> zwar mit einem<br />

Flachbettscanner (auf Seite 74 sehen Sie, wie<br />

erschwinglich Flachbettscanner sein können!).<br />

Sie werden möglicherweise versucht sein, alte Drucke<br />

in Schwarzweiß umzuwandeln, aber ein Teil ihres<br />

Charmes ist ihr alt anmutender, bräunlicher Farbstich.<br />

Er kann Bilder zwar kontrastarm <strong>und</strong> langweilig<br />

aussehen lassen, sodass die Verringerung eines<br />

Farbstiches einem Bild sicherlich zugute kommt; aber<br />

mit der kompletten Entfernung werden die Bilder<br />

nicht originalgetreu restauriert. Hier haben wir mit der<br />

Option Selektive Farbkorrektur die Gelb- <strong>und</strong> Rottöne<br />

in den Farbkanälen sowie die Weiß- <strong>und</strong> Neutraltöne<br />

(Mitteltöne) verringert. Sie könnten aber auch<br />

Farbbalance oder Farbton/Sättigung ausprobieren.<br />

Staub, Kratzer, Knitterstellen <strong>und</strong> Flecken treten bei<br />

alten Fotos häufig auf. Das meiste davon kann mit<br />

dem Befehl Staub <strong>und</strong> Kratzer behoben werden,<br />

allerdings auf Kosten von Weichmacheffekten.<br />

Deshalb besteht ein weiterer wichtiger Schritt darin,<br />

das Bild schärfer zu machen. Dann können Sie das<br />

Reparatur-Pinsel-Werkzeug für kleinere Mängel <strong>und</strong><br />

das Kopierstempel-Werkzeug für Bereiche mit<br />

größerem Restaurationsaufwand verwenden.<br />

EINSCANNEN DES BILDES<br />

Wenn Sie Photoshop haben, können Sie die mit dem<br />

Scanner mitgelieferte Software ignorieren <strong>und</strong> das Bild<br />

direkt importieren.<br />

1) Importieren: Gehen Sie in Photoshop zu Datei,<br />

<strong>und</strong> wählen Sie die Befehlsfolge Importieren > Twain<br />

erfassen (Mac) bzw. WIA-Unterstützung (PC), um die<br />

Scansoftware zu öffnen. Achten Sie darauf, dass<br />

Erfasste Bilder öffnen ausgewählt ist, <strong>und</strong> wählen Sie<br />

Qualität des gescannten Bildes einstellen.<br />

2) Einstellungen: Wählen Sie den geeigneten<br />

dpi-Wert, indem Sie die Scanauflösung schätzen. Die<br />

Mindestauflösung, die Sie zum Scannen eines Bildes<br />

zum Ausdrucken einstellen sollten, beträgt 300 dpi. Als<br />

Faustregel gilt: Für jede Verdoppelung der<br />

Ausdrucksgröße sollten Sie auch den dpi-Wert<br />

verdoppeln. Wenn Sie also beispielsweise einen ca. 10<br />

x 15 Zentimeter großen Druck einscannen, das Bild<br />

jedoch ausdrucken möchten, verdoppeln Sie die<br />

Formatgröße (ca. 21 cm x 28 cm) <strong>und</strong> die Auflösung,<br />

also 300 dpi bis 600 dpi. Außerdem empfehlen wir,<br />

das Bild mit 200 <strong>und</strong> nicht mit 100 Prozent<br />

einzuscannen, damit die Bildqualität besser ist, wenn<br />

das Bild vergrößert wird. Es ist auch hilfreich, die Datei<br />

im Format TIFF abzuspeichern, weil damit die erfassten<br />

Daten maximiert werden. Klicken Sie auf <strong>Vorschau</strong>, um<br />

sich den Scan anzusehen, <strong>und</strong> stellen Sie das Bild mit<br />

dem Auswahlwerkzeug auf die gewünschte Größe frei.<br />

Dann sind Sie für den eigentlichen Scanvorgang bereit.<br />

3) Freistellen: Mit dem Freistellungswerkzeug in<br />

Photoshop können Sie Bilder freistellen <strong>und</strong> gerade<br />

ausrichten.<br />

54 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


1Bereiten Sie das Bild vor. Wenn Sie das Bild in<br />

Photoshop importiert <strong>und</strong> freigestellt haben,<br />

duplizieren Sie es. Ziehen Sie hierfür die Hintergr<strong>und</strong>ebene<br />

zum Symbol Neue Ebene erstellen nach unten in die<br />

Ebenenpalette (der Zugang erfolgt über Fenster > Ebenen).<br />

2Stellen Sie die Farbe ein. Fügen Sie eine Ebene des<br />

Typs Selektive Farbkorrektur (Ebene > Neue<br />

Einstellungsebene > Selektive Farbkorrektur) hinzu.<br />

Wählen Sie dann im Dropdown-Menü Farben die Option<br />

Rottöne, <strong>und</strong> verringern Sie den bräunlichen Farbton mit<br />

den Schiebereglern. Gehen Sie ebenso für die Neutral- <strong>und</strong><br />

Weißtöne vor.<br />

3Stellen Sie den Kontrast ein. Verbessern Sie den<br />

Tonbereich global mit einer Einstellungsebene des Typs<br />

Tonwertkorrektur. Klicken Sie dann auf Bildebene<br />

duplizieren, <strong>und</strong> nehmen Sie mit dem Abwedler- <strong>und</strong><br />

Nachbelichter-Werkzeug lokale Tonkorrekturen vor. Lassen<br />

Sie dabei die Belichtung unter dem Wert 10 <strong>und</strong> die Härte<br />

des Pinsels bei 0, <strong>und</strong> variieren Sie den Bereich.<br />

4Retuschiermarken. Wählen Sie alle Ebenen aus,<br />

indem Sie bei gedrückt gehaltener Umschalttaste<br />

nacheinander darauf klicken. Drücken Sie dann<br />

Cmd+Alt+Umschalttaste+E, um eine kombinierte Ebene<br />

zu erstellen. Wählen Sie die Befehlsfolge Filter > Für<br />

Smartfilter konvertieren <strong>und</strong> anschließend Filter ><br />

Rauschfilter > Staub <strong>und</strong> Kratzer. Lassen Sie den Radius<br />

bei 1px <strong>und</strong> den Schwellenwert bei 0.<br />

5Zeichnen Sie das Bild scharf. Da beim Scannen<br />

<strong>und</strong> mit dem Befehl Staub <strong>und</strong> Kratzer viele Details<br />

weich gemacht werden, müssen Sie das Bild ein wenig<br />

scharfzeichnen. Wählen Sie die „kombinierte“ Ebene aus,<br />

<strong>und</strong> gehen Sie zu Filter > Scharfzeichnungsfilter ><br />

Unscharf maskieren. Stellen Sie den Schieberegler Radius<br />

ein, <strong>und</strong> achten Sie auf Fehler, die die Bildqualität<br />

beeinträchtigen.<br />

6Kopieren <strong>und</strong> Reparieren. Duplizieren Sie die<br />

„kombinierte“ Ebene, indem Sie sie nach unten zum<br />

Symbol Neue Ebene erstellen in die Ebenenpalette ziehen.<br />

Zeigen Sie das Bild jetzt mit 100 Prozent an, <strong>und</strong> entfernen<br />

Sie mit dem Reparatur-Pinsel alle Kratzer <strong>und</strong> Flecken.<br />

Verwenden Sie den Kopierstempel an Kanten, um<br />

Unschärfen zu vermeiden.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE / 55


Fotoidee / <strong>Fotografie</strong>ren von Leuchttürmen<br />

FOTOS: ROSS HODDINOTT<br />

<strong>Fotografie</strong>ren effektvoller<br />

Leuchtturmszenen<br />

Leuchttürme helfen bei der Navigation <strong>und</strong> weisen auf gefährliche<br />

Küstenabschnitte hin. Die noch in Betrieb befindlichen Leuchttürme sind immer<br />

seltener, denn sie werden durch moderne elektronische Navigationshilfsmittel<br />

ersetzt. Doch gibt noch viele voll funktionsfähige Leuchttürme <strong>und</strong> andere, bei<br />

denen zumindest die Bausubstanz erhalten ist.<br />

Allerdings haben nur wenige den Charme traditioneller Leuchttürme –<br />

romantische Bauten, häufig abgelegen in wilder, rauer Umgebung. Sie sind<br />

ausgesprochen fotogen, entweder als bildfüllende Nahaufnahmen oder als Teil<br />

eines umfassenderen Bildes einer Küstenlandschaft. Sehr beliebt ist der<br />

Leuchtturm von Westerhever in Nordfriesland – wohl das meistfotografierte<br />

Motiv der deutschen Nordseeküste. Aber auch die kleinen Türme auf den Insel<br />

Amrum oder Hiddensee sind sehr beliebt. Alle derartigen Motive finden Sie unter<br />

www.leuchtturm-atlas.de


Fotoidee / <strong>Fotografie</strong>ren von Leuchttürmen<br />

Beim <strong>Fotografie</strong>ren von Leuchttürmen ist die Erreichbarkeit<br />

sehr wichtig. Leuchttürme können sich an sehr abgelegenen<br />

Orten befinden, sodass Sie möglicherweise einen langen<br />

oder steilen Spaziergang in Kauf nehmen müssen, um zu<br />

einem geeigneten Standpunkt zu gelangen. Denken Sie<br />

immer an Ihre Sicherheit: Gehen Sie nicht zu nah an den<br />

Klippenrand, <strong>und</strong> entfernen Sie sich nicht zu weit von<br />

bekannten Wegen. Kein Bild ist es wert, sich oder andere in<br />

Gefahr zu bringen. In England gibt es viele Leuchttürme an<br />

gut erreichbaren Orten, beispielsweise Portland Bill in Dorset<br />

oder Godrevy Lighthouse in West Cornwall <strong>und</strong> den<br />

hölzernen Leuchtturm bei Burnham-on-Sea in Somerset, der<br />

auf Stelzen gebaut ist. Leuchttürme sind normalerweise am<br />

besten in der Morgen- oder in der Abenddämmerung zu<br />

fotografieren. In der Abenddämmerung sind funktionierende<br />

Leuchttürme in Betrieb, aber die Umgebung ist nicht<br />

vollkommen dunkel. Zu dieser Tageszeit können die<br />

stimmungsvollsten Bilder gemacht werden. Bei wenig<br />

Restlicht sind längere Belichtungszeiten natürlich ohne<br />

Verwendung eines festen Neutraldichtefilters möglich, sodass<br />

das Wasser <strong>und</strong> die am Himmel vorüberziehenden Wolken<br />

kreativ verschwimmen. Oft kann auf ein Stativ nicht<br />

verzichtet werden.<br />

Wählen Sie zur Maximierung der Bildqualität eine niedrige<br />

ISO-Empfindlichkeit von 100 oder 200 <strong>und</strong> eine Blende im<br />

Bereich f/11 oder f/16, wenn Sie einen interessanten<br />

Vordergr<strong>und</strong> haben <strong>und</strong> viel Tiefenschärfe brauchen. Unter<br />

Restlichtbedingungen ist die Belichtungszeit lang:<br />

möglicherweise 15 bis 30 Sek<strong>und</strong>en. Die TTL-Messung der<br />

Kamera lässt sich bei Restlicht gerne in die Irre führen; sehen<br />

Sie sich also regelmäßig die Histogramme an, um sicher zu<br />

sein, dass die Belichtung stimmt. Bei einer Verschlusszeit von<br />

mehr als 30 Sek<strong>und</strong>en müssen Sie die Kameraeinstellung<br />

„Langzeitbelichtung“ auswählen. Halten Sie die<br />

Verschlussklappe mit einem Fernauslöser manuell geöffnet,<br />

<strong>und</strong> stoppen Sie die Belichtung mit einer Armbanduhr oder<br />

einer Uhr auf Ihrem Handy. Beim <strong>Fotografie</strong>ren in der<br />

Dämmerung entstehen nicht nur stimmungsvollere Bilder, es<br />

ist auch einfacher, die richtige Belichtung zu erreichen, da es<br />

noch hell genug ist, um Details in der gesamten Szene zu<br />

erfassen. Aber das Zeitfenster hierfür ist nur klein. Wenn es<br />

dunkler wird, wird die relative Intensität des Lichtstrahls<br />

stärker, <strong>und</strong> eine Überbelichtung wird wahrscheinlicher, weil<br />

die Intensität der Leuchte wichtige Details ausblendet. Halten<br />

Sie den Sek<strong>und</strong>enbruchteil lang, den es dauert, bis der Strahl<br />

an Ihrem Standort vorbei ist, die Hand oder ein Stück<br />

schwarzen Karton vor das Objektiv. Auf Gr<strong>und</strong> der<br />

Belichtungsdauer <strong>und</strong> der kurzen Zeit, die Sie die Linse<br />

abschirmen, wird dieser Vorgang im fertigen Bild nicht zu<br />

sehen sein, sondern eine Überbelichtung verhindern.<br />

Da Leuchttürme oft in hellen Farben gestrichen <strong>und</strong> sehr<br />

interessante Gebäude sind, eignen sie sich eigentlich zu jeder<br />

Zeit zum <strong>Fotografie</strong>ren. Ein weißer Leuchtturm kann vor<br />

einem klaren blauen Himmel wirklich markant aussehen,<br />

<strong>und</strong> ein Polarisationsfilter unterstreicht diesen Effekt noch.<br />

Auch schlechtes Wetter kann zu ausgesprochen<br />

interessanten Ergebnissen führen. Schwarze, bedrohliche<br />

Gewitterwolken heben das den Elementen ausgesetzte<br />

Wesen <strong>und</strong> die Rolle des Gebäudes noch hervor. Auch wenn<br />

der Trend dahin geht, mit Hilfe langer Belichtungszeiten<br />

Bewegung zu verwischen <strong>und</strong> das Meer kontrastarm zu<br />

machen, sollten Sie versuchen, hohe, hereinbrechende<br />

Wellen authentisch mit einer kurzen Belichtungszeit<br />

aufzunehmen – die Ergebnisse werden spektakulär sein. Das<br />

Timing ist wichtig: Betätigen Sie den Auslöser genau in dem<br />

Moment, wenn eine Welle auf das Land trifft. Scheuen Sie<br />

sich nicht, eine Reihe von Bildern zu machen, um ein<br />

Ergebnis mit perfektem Timing zu erhalten. Und zum<br />

Schluss sei noch darauf hingewiesen, dass Sie auf die Gischt<br />

achten sollten. Selbst wenn Sie auf den Klippen oben<br />

fotografieren, kann die Gischt die Bildqualität<br />

beeinträchtigen. Sie sollten immer ein Objektivtuch zur Hand<br />

haben <strong>und</strong> die Vorderseite des Objektivs zwischen den<br />

Aufnahmen abdecken. Wenn Sie wieder zu Hause sind,<br />

wischen Sie die Kamera mit einem feuchten Tuch ab, um<br />

etwaige Salzrückstände zu entfernen.<br />

KOMPOSITION<br />

Die Komposition ist beim <strong>Fotografie</strong>ren von Leuchttürmen<br />

von entscheidender Bedeutung. Die Brennweite spielt bei<br />

der Komposition der Szene eine wichtige Rolle: Mit einer<br />

längeren oder kürzeren Brennweite können Sie das<br />

Endergebnis wesentlich verändern. Mit einer kurzen<br />

Brennweite, beispielsweise 17 bis 35 Millimeter, wird das<br />

Gebäude im Kontext seiner Umgebung dargestellt, wodurch<br />

ein Gefühl für Verhältnis <strong>und</strong> Größe entsteht. Wenn Sie die<br />

Abgeschiedenheit des Ortes hervorheben möchten, nehmen<br />

Sie reichlich Negativraum auf. Die ansprechendste<br />

Komposition wird in der Regel erreicht, wenn das Gebäude<br />

auf ein trennendes Drittel platziert wird. Es kann aber auch<br />

gut aussehen, wenn Sie den Leuchtturm mittig positionieren,<br />

vor allem bei einem quadratischen Format.<br />

Bei großzügigeren Ansichten können Sie einen interessanten<br />

Himmel, das Meer <strong>und</strong> die Form <strong>und</strong> Schroffheit der<br />

Küstenlinie aufnehmen. Mit längeren Brennweiten werden<br />

Details sowie Form <strong>und</strong> Farbe des Leuchtturms selber<br />

isoliert. Das lange Ende eines 70-30-mm-Telezooms eignet<br />

sich hierfür perfekt. Wenn Sie nah an den Leuchtturm<br />

herankommen, können Sie das Gebäude alternativ auch mit<br />

einem Weitwinkelobjektiv fotografieren. Ein niedriger<br />

Standpunkt, bei dem Sie von unten nach oben fotografieren,<br />

erzeugt eine Verzerrung, wodurch die Höhe <strong>und</strong> Größe des<br />

Gebäudes hervorgehoben wird <strong>und</strong> für eine<br />

außergewöhnliche Komposition sorgt.<br />

„Leuchttürme sind romantische Gebäude – häufig<br />

abgelegen in wilder, rauer Umgebung.“<br />

CHECKLISTE FÜR DAS FOTOGRAFIEREN<br />

VON LEUCHTTÜRMEN<br />

Objektive mit verschiedenen Brennweiten –<br />

ein Weitwinkelzoom <strong>und</strong> ein Telezoom sind ideal.<br />

Ein fester ND-Filter, um Wasser <strong>und</strong><br />

vorüberziehende Wolken kreativ verschwimmen zu<br />

lassen.<br />

Eine Taschenlampe, damit Sie sich auch im<br />

Dunkeln nicht verlaufen.<br />

Ein stabiles Stativ <strong>und</strong> ein Fernauslöser.<br />

Objektivtücher zum Abwischen der Gischt.<br />

Ein Stück schwarzen Karton, wenn Sie das<br />

Objektiv vor dem Strahl des Leuchtturmlichts<br />

abschirmen möchten.<br />

1 2<br />

ADAM BURTON<br />

21 mm<br />

70 mm<br />

1) Die intensive Farbe <strong>und</strong> stimmungsvolle Atmosphäre eines<br />

Sonnenuntergangs können Ihr Bild ausgesprochen interessant<br />

gestalten. Verwenden Sie eine Belichtungszeit von einigen<br />

Sek<strong>und</strong>en, um Bewegungen verschwimmen zu lassen.<br />

2) Suchen Sie sich den besten Standpunkt. Der Blick von den<br />

Klippen ganz oben ganz atemberaubend sein, aber denken<br />

Sie daran, Ihre Sicherheit nicht zu gefährden!<br />

3) Wege sind gute Hinführungslinien, vor allem wenn sie<br />

mittig im Bild platziert werden, da sie das Auge des<br />

Betrachters zum Blickpunkt hin führen.<br />

4) Eine auffällige Silhouette kann ausgesprochen effektvoll<br />

sein. Besuchen Sie Leuchttürme also unbedingt in der<br />

Abenddämmerung. Machen Sie eine Spotmessung von einem<br />

mittleren Ton, <strong>und</strong> sehen Sie sich regelmäßig das Histogramm<br />

auf dem Monitor an.<br />

5) Wählen Sie eine kurze Belichtungszeit, um die Brandung<br />

an den Felsen zu erfassen.<br />

6) Verlängern Sie die Belichtungszeiten mit Hilfe von<br />

ND-Filtern, um ätherische Aufnahmen wie diese zu erzielen.<br />

ROSS HODDINOTT<br />

ADAM BURTON<br />

58 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


6<br />

MARK BAUER<br />

3 5<br />

LEE FROST<br />

ISTOCKPHOTO<br />

4<br />

ROSS HODDINOTT<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE / 59


Fotoidee / Selektive Fokussierung<br />

Die Kunst der selektiven Fokussierung<br />

Wenn Sie die Kontrolle über den Fokuspunkt der Kamera übernehmen, können Sie ein Bild interessanter gestalten. Und so geht es …<br />

DAS SCHÖNE DARAN, Aufnahmen zu kontrollieren<br />

– oder genauer gesagt, die Blende auszuwählen –,<br />

besteht darin, die Tiefenschärfe kontrollieren <strong>und</strong><br />

festlegen zu können, welche Bereiche der Szene<br />

scharf dargestellt werden. Dies geschieht durch<br />

Einstellen der Kamerablende (je größer die<br />

Blendenöffnung, umso geringer ist die<br />

Tiefenschärfe) <strong>und</strong> durch manuelles Auswählen des<br />

Autofokuspunkts. Wenn Sie nicht die Kontrolle über<br />

das AF-System übernehmen <strong>und</strong> einen einzelnen<br />

Punkt auswählen, verwendet die Kamera<br />

automatisch den (die) AF-Punkt(e), den (die) sie für<br />

den (die) besten hält, normalerweise um auf das<br />

Motiv scharfzustellen, das Ihnen am nächsten ist.<br />

Durch eine selektive Fokussierung <strong>und</strong> Tiefenschärfe<br />

können Sie die Bilder beträchtlich verbessern, vor<br />

allem wenn es sich um eine belebte Szene handelt<br />

<strong>und</strong> Sie ein interessantes Detail isolieren möchten.<br />

Dies ist eine hilfreiche, ästhetisch ansprechende<br />

Technik, wenn sie richtig ausgeführt, aber<br />

gnadenlos, wenn sie falsch gemacht wird. Wenn Sie<br />

eine große Blendenöffnung verwenden <strong>und</strong> der<br />

Fokus nicht messerscharf ist, kann das Ergebnis<br />

schrecklich aussehen.<br />

Die selektive Fokussierung kann nahezu überall<br />

verwendet, wo ein interessanter Bereich im Bild<br />

hervorgehoben werden soll, indem die restliche<br />

Umgebung unscharf dargestellt wird. Bei<br />

Porträtaufnahmen könnten Sie diese Technik zum<br />

Hervorheben der Augen einsetzen, aber das ist<br />

ziemlich konventionell. Bereichern Sie das Porträt<br />

stattdessen mit Aussagekraft, Kontext <strong>und</strong><br />

Kreativität, indem Sie etwas anderes zum<br />

interessanten Detail <strong>und</strong> die Person zum sek<strong>und</strong>ären<br />

Augenmerk machen. Beide Elemente müssen<br />

zusammenpassen, damit eine hochwertige<br />

Porträtaufnahme entsteht. Sie müssen also die<br />

richtige Blende finden, die den Hintergr<strong>und</strong> (d. h. die<br />

Person) nicht bis zur Unkenntlichkeit<br />

verschwimmen lässt, aber ausreichend<br />

Tiefenschärfe bietet, damit sich der Fokuspunkt vom<br />

Hintergr<strong>und</strong> abhebt. Diese Balance zu finden, ist<br />

nicht ganz einfach.<br />

Das interessante Detail muss auch nicht am<br />

KAMERAEINSTELLUNGEN<br />

Av<br />

BELICHTUNG: Stellen Sie die Kamera<br />

auf Zeitautomatik ein, damit Sie sich auf die<br />

Auswahl der richtigen Blende für die Szene<br />

konzentrieren können <strong>und</strong> der Kamera die Wahl der<br />

Verschlusszeit überlassen. Wenn Sie jedoch aus der<br />

Hand fotografieren, achten Sie darauf, dass die<br />

Verschlusszeit nicht zu lang ist, um ein Verwackeln zu<br />

verhindern. Erhöhen Sie in diesem Fall die ISO-<br />

Einstellung, <strong>und</strong> stellen Sie die Kamera nach<br />

Möglichkeit auf ein Stativ, um für mehr Stabilität zu<br />

sorgen.<br />

AF-S<br />

FOKUS: Stellen Sie die Kamera<br />

auf Einpunkt-AF <strong>und</strong><br />

Einzelaufnahme (AF-S/S-AF) ein,<br />

damit das Objektiv den Fokus sperrt, wenn Sie den<br />

Auslöser teilweise niederdrücken, <strong>und</strong> auf dem Motiv<br />

gesperrt hält, bis Sie den Auslöser betätigen. Solange<br />

sich das Motiv nicht bewegt <strong>und</strong> Sie sich nicht vorwärts<br />

oder rückwärts bewegen, ist das Ergebnis scharf.<br />

Standardmäßig wird normalerweise der mittige<br />

Fokuspunkt aktiviert. Es liegt an Ihnen, diesen Punkt zu<br />

verwenden, den Fokus zu sperren <strong>und</strong> die Komposition<br />

neu zu erstellen (siehe Kasten) oder einen Punkt<br />

auszuwählen, der sich über dem Bereich des Bildes<br />

befindet, der scharfgestellt bleiben soll.<br />

nächsten zur Kamera sein, auch wenn es in diesem<br />

Fall für unser Bild passte. Hände sind sehr<br />

ausdrucksstark, vor allem die eines älteren<br />

Menschen, <strong>und</strong> können mit ihren vielen Details <strong>und</strong><br />

Farbtonbereichen in den Falten <strong>und</strong> Linien<br />

ausgesprochen fotogen sein. Sie werden aber nur<br />

selten zum Fokuspunkt eines Bildes gemacht. Hier<br />

können Sie sehen, wie sie zum Hauptaugenmerk<br />

gemacht wurden <strong>und</strong> die Person in den Hintergr<strong>und</strong><br />

tritt. Hierfür haben wir mit einer großen<br />

Blendenöffnung mit einem 50-mm-<br />

Standardobjektiv auf die Hände scharfgestellt <strong>und</strong><br />

sind nah an das Motiv herangegangen. Das Ergebnis<br />

ist ein wesentlich kreativeres <strong>und</strong> interessanteres<br />

Bild als mit einer kleinen Blendenöffnung, um eine<br />

gleichmäßige Schärfe von vorne nach hinten zu<br />

erhalten.<br />

FOKUSSIERUNGSTECHNIKEN<br />

Wenn sich der Fokuspunkt nicht in der Mitte<br />

befindet, gibt es zwei Möglichkeiten. Da der<br />

mittige Fokuspunkt am empfindlichsten ist,<br />

bevorzugen es einige Fotografen, ihn über<br />

dem Motiv zu platzieren, den Fokus zu<br />

sperren <strong>und</strong> dann eine neue Komposition zu<br />

erstellen. Wenn Sie oder das Motiv sich<br />

allerdings auch nur geringfügig bewegen, wird<br />

es unscharf, wenn Sie die Vorgehensweise<br />

nicht wiederholen. Die Alternative besteht<br />

darin, den Autofokuspunkt, der das<br />

interessante Detail in der Szene abdeckt,<br />

manuell auszuwählen. Mit dieser Technik<br />

können Sie sich auf die Blendenwahl<br />

konzentrieren, da Sie die Komposition des<br />

Bildes nicht neu erstellen müssen, wenn Sie<br />

den AF-Punkt über dem Bereich des Motivs<br />

platziert haben, der scharf sein soll. Egal,<br />

welche Methode Sie verwenden, achten Sie<br />

darauf, dass die Kamera auf Einpunkt-AF <strong>und</strong><br />

Einzelaufnahme eingestellt ist.<br />

Hier wurde das Motiv neben einem Fenster platziert, um<br />

einen weichen Kontrast mit der seitlichen Beleuchtung zu<br />

erzeugen. Wenn es zu hell ist, zerstreut ein Vorhang das<br />

Sonnenlicht. Oder verwenden Sie einen Reflektor auf der<br />

anderen Seite des Motivs, um die Schatten aufzuhellen.<br />

Stellen Sie die Kamera auf die größte Blendenöffnung ein,<br />

<strong>und</strong> verringern Sie die Größe, bis Sie die richtige<br />

Ausgewogenheit für eine angemessene Tiefenschärfe<br />

gef<strong>und</strong>en haben.<br />

Tiefenschärfe: Das ist ein<br />

durchschnittlicher<br />

Sh Schnappschuss. Mit f/6.3 wurde eine gute<br />

Tiefenschärfe erzeugt, sodass es unklar ist,<br />

was der Fokuspunkt sein soll. Eine<br />

sorgfältigere Komposition kann auch zur<br />

Betonung des wirklichen Fokuspunkts<br />

beitragen – in diesem Fall die Hände.<br />

Fokus: Durch Verwendung der<br />

Blende f/2.8 <strong>und</strong> Vergrößerung<br />

der Entfernung des Buchs vom Motiv wird<br />

die Tiefenschärfe geringer, aber auch die<br />

Fokusebene ist wesentlich dünner. Hier liegt<br />

der Fokuspunkt auf dem Buch, was dazu<br />

führt, dass die Hände unscharf erscheinen.<br />

Entfernung des Motivs: Ein<br />

veränderter Blickwinkel macht<br />

das Bild interessanter, aber mit f/5.6 ist die<br />

Tiefenschärfe noch zu groß. Sie können die<br />

Tiefenschärfe nicht nur mit einer anderen<br />

Blendenöffnung verringern, sondern auch,<br />

indem Sie den Abstand zwischen Motiv <strong>und</strong><br />

Hintergr<strong>und</strong> vergrößern.<br />

Unaufgeräumter Hintergr<strong>und</strong>:<br />

Bevor Sie auf den Auslöser<br />

dü drücken, überprüfen Sie noch einmal den<br />

Hintergr<strong>und</strong> auf Dinge, die das Auge vom<br />

Motiv ablenken können. Passen Sie den<br />

Blickwinkel so an, dass alle unerwünschten<br />

Elemente im Bild nicht erscheinen (in diesem<br />

Fall das Bild an der Wand)<br />

60 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


DAS FERTIGE BILD<br />

Um das Bild abzuschließen, wurde ein<br />

Hochpassfiltereffekt angewendet, damit die Details in<br />

den Händen der Frau besser zur Geltung kommen.<br />

Duplizieren Sie zunächst das Bild, <strong>und</strong> gehen Sie zu<br />

Filter > Hochpass. Stellen Sie den Wert 5 Pixel ein, <strong>und</strong><br />

ändern Sie dann die Füllmethode der Ebene in Weiches<br />

Licht. Nehmen Sie dann eine einfache Schwarzweißkonvertierung<br />

vor (Ebene > Neue Einstellungsebene ><br />

Schwarzweiß).


Fotoidee / Hollywood-Beleuchtung<br />

Die Geheimnisse der klassischen<br />

Film-Noir-Beleuchtung<br />

Hollywood hat uns viele Klassiker beschert, nicht zuletzt seine kultige<br />

Beleuchtungstechnik: ein glamouröser Low-Key-Stil, den alle<br />

Porträtfotografen mit unserer Unterstützung beherrschen können.<br />

Wenn Fotografen an das „Goldene Zeitalter“<br />

von Hollywood denken, erinnern sich viele an<br />

Größen wie Rita Hayworth, Elizabeth Taylor<br />

<strong>und</strong> Vivien Leigh, allerdings nicht als<br />

Rassefrauen vor der Kamera, sondern als<br />

Kultmotive für eindrucksvolle Hollywood-<br />

Porträts. Das klassische Hollywood-Porträt<br />

insbesondere der 1940-er Jahre zeichnete sich<br />

durch seine kontrastreichen Schwarzweißbilder<br />

aus, die mit einem starken gerichteten Licht<br />

erzeugt wurden, wobei Schatten strategisch<br />

platziert wurden, um dem Bild mehr Tiefe <strong>und</strong><br />

Aussagekraft zu verleihen. Heute wird die<br />

Hollywood-Beleuchtung als eine Kunstform<br />

betrachtet, die von vielen gerne imitiert wird,<br />

auch von uns. Auch wenn dieser Stil ein wenig<br />

verstaubt anmuten mag, ist es ausgesprochen<br />

nützlich, diese Technik zu lernen.<br />

Im Gegensatz zu den Porträtaufnahmen, die<br />

wir heutzutage machen, gibt es beim Posieren<br />

nicht viel Flexibilität. Und da diese<br />

Beleuchtungsart für das Model nicht gerade<br />

schmeichelhaft ist, eignet sie sich am besten<br />

für Menschen mit einem guten Teint. Der<br />

geringste Makel wird betont. Es ist daher<br />

entscheidend, das Licht kontrollieren <strong>und</strong><br />

fokussieren zu können, da Sie den Lichteinfall<br />

sehr gezielt einsetzen müssen. Hier haben wir<br />

zur Lenkung des Lichts einen Studioblitz mit<br />

einer mittleren Reflektorplatte mit Torblenden<br />

verwendet. Sie können aber auch mit<br />

Klebeband dicke schwarze Kartonstücke an<br />

allen vier Seiten des Blitzes befestigen.<br />

Anschließend wird das harte Licht vom<br />

Studioblitz anhand des Lichts abgeschwächt,<br />

das vom Reflektor auf der gegenüberliegenden<br />

Seite reflektiert wird, bevor es das Model<br />

erreicht. Außerdem wird noch ein zweites Licht<br />

verwendet, um die Ränder des Models zu<br />

betonen.<br />

Während die meisten Hollywood-<br />

Porträtraufnahmen vor einem einfachen<br />

schwarzen Hintergr<strong>und</strong> gemacht wurden, ist<br />

auf einigen Bildern eine gewisse Struktur im<br />

Hintergr<strong>und</strong> zu erkennen. Deshalb haben wir<br />

sorgfältig einen weißen Hintergr<strong>und</strong><br />

aufgehängt, um Ihnen zu zeigen, wie Sie<br />

diesen Effekt erzeugen können, wenn Sie ihn<br />

einmal einsetzen möchten. Ein weiterer Gr<strong>und</strong><br />

für die Verwendung der Torblenden besteht<br />

darin, die Ausbreitung des Lichts auf dem<br />

Hintergr<strong>und</strong> einzuschränken. Denn ohne Licht<br />

würde der weiße Hintergr<strong>und</strong> schwarz<br />

erscheinen, aber trotzdem noch einige<br />

Farbtondetails beibehalten.<br />

KAMERAEINSTELLUNGEN<br />

Original<br />

MESSUNG UND BELICHTUNG: Welche<br />

M Blendenöffnung Sie verwenden, hängt davon ab, wie scharf<br />

die Hintergr<strong>und</strong>details dargestellt werden sollen, wie nah das<br />

Model am Hintergr<strong>und</strong> ist <strong>und</strong> wie leistungsstark Ihre Lichter sind. Hier<br />

ist das Model etwa einen Meter entfernt, sodass f/5.6 eine ausreichende<br />

Tiefenschärfe liefert, damit das Model scharf, der Hintergr<strong>und</strong> jedoch<br />

unscharf dargestellt wird. Halten Sie den Belichtungsmesser an das<br />

Gesicht, aber in Richtung der Lichtquelle, nicht der Kamera, um die<br />

Lichtmenge, die auf das Model fällt, genau zu messen. Stellen Sie dann<br />

die Leistung des Studioblitzes ein, bis Sie die gewünschte<br />

Blendenöffnung erhalten. Stellen Sie die Kamera auf manuelle<br />

Betriebsart ein, wählen Sie die Blitzsynchronisationsgeschwindigkeit,<br />

<strong>und</strong> stellen Sie dann die entsprechende Blende ein.<br />

AUFBAU<br />

Platzieren Sie das Hauptlicht nah am Model, um eine<br />

bessere Kontrolle über den Helligkeitsabfall zu haben:<br />

Sie sollten vermeiden, dass der Schoß des Models<br />

beleuchtet wird. Positionieren Sie das Hauptlicht in<br />

einem Winkel von 90 Grad zur Kamera, sodass es in<br />

einem Winkel von 45 Grad auf das Model hinunter<br />

zeigt. Lassen Sie das Model eine ¾ Pose einnehmen,<br />

sodass die Seite des Gesichts, auf die das meiste Licht<br />

fällt, von der Kamera weg gedreht ist.<br />

Dadurch entsteht ein dreieckiger Schatten auf der der<br />

Kamera zugewandten Wange, was charakteristisch für<br />

diesen Beleuchtungsstil ist. Die Ebene des Gesichts<br />

muss in einem Verhältnis zum Hauptlicht stehen,<br />

damit der Schatten richtig geworfen wird. Jeder<br />

Aufbau ist anders; wenn jedoch der Reflektor<br />

positioniert wird, um das Hauptlicht weicher zu<br />

machen <strong>und</strong> als Aufhellbeleuchtung zu fungieren,<br />

denken Sie an das Reflexionsgesetz, <strong>und</strong> platzieren<br />

Sie ihn nicht zu nah am Model. Dies könnte nämlich<br />

der charakteristischen Pose <strong>und</strong> den erzeugten<br />

Schatten entgegenwirken. Unser Reflektor ist ungefähr<br />

1,2 Meter vom Model entfernt. Um dem Bild mehr<br />

Dimensionalität zu verleihen, wurde etwa einen Meter<br />

vom Model entfernt ein Akzentlicht platziert, das in<br />

einem Winkel von 30 Grad nach oben zeigt. So fällt<br />

Licht auf die gegenüberliegenden Ränder des Models.<br />

Der Aufbau funktioniert bei einem Lichtverhältnis von<br />

3:1, da die Leistung des Akzentlichts nicht größer sein<br />

sollte als die des Hauptlichts.<br />

Studioblitz<br />

Torblenden<br />

Drahtloser Fernauslöser<br />

Reflektorplatte<br />

Reflektor<br />

62 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


DAS FERTIGE BILD<br />

Hollywood-Porträts sehen als einfache<br />

Schwarzweißbilder oder mit einem leichten<br />

Braunton noch eindrucksvoller aus. Nach<br />

Retuschierarbeiten an der Haut mit dem<br />

Reparatur-Pinsel <strong>und</strong> kleineren Farbtonkorrekturen<br />

mit der Funktion Tonwertkorrektur können Sie<br />

einen Duplexeffekt anwenden, indem Sie die<br />

Befehlsfolge Bild > Graustufen <strong>und</strong> anschließend<br />

Bild > Duplex auswählen. Wählen Sie dann im<br />

Menü Vorgaben den Sepiastil.<br />

Belichtungseinstellung<br />

Betriebsart: Manuell<br />

Messung: Handmessung<br />

Belichtung: 1/160 Sek.<br />

mit f/5.6<br />

ISO 200


Fotoidee / Rauchspuren von Räucherstäbchen<br />

<strong>Fotografie</strong>ren von bunten Rauchspuren<br />

<strong>Fotografie</strong>ren Sie fantastische Rauchspuren mit einem sehr einfachen Aufbau, ein wenig Herumexperimentieren <strong>und</strong> einer kreativen Technik.<br />

Wie könnten Sie in diesen wirtschaftlich<br />

schwierigen Zeiten kalte Winterabende sinnvoller<br />

verbringen, als Rauchspuren von günstigen<br />

Räucherstäbchen zu fotografieren? Der Aufbau<br />

<strong>und</strong> die Technik sind wirklich einfach. Aber um<br />

hochwertige Bilder zu erhalten, brauchen Sie ein<br />

wenig Geduld <strong>und</strong> Experimentierfreudigkeit.<br />

Bevor Sie anfangen, schließen Sie alle Türen <strong>und</strong><br />

Fenster, um Zugluft zu vermeiden. Wenn die<br />

Luftbewegung im Zimmer zu stark ist, kann der<br />

Rauch aus dem Bild hinaus geblasen werden.<br />

Räucherstäbchen gibt es in verschieden<br />

Ausführungen, Größen <strong>und</strong> Formen. Probieren<br />

Sie also verschiedene aus, um herauszufinden,<br />

welche Ihnen am besten zusagen. Wir raten<br />

Ihnen, keine großen Stäbchen zu verwenden, da<br />

diese ein Zimmer schnell mit Rauch füllen.<br />

Räucherkegel eignen sich unter Umständen gut,<br />

verbrennen aber schnell, <strong>und</strong> Räucherscheiben brennen <strong>und</strong> spritzen, wodurch viel Rauch<br />

für „seidenartige“ Spuren erzeugt wird, aber keine herkömmlichen Rauchmuster. Egal, was<br />

Sie verwenden, achten Sie darauf, dass Sie den jeweiligen Duft mögen, da Sie<br />

möglicherweise ein ganzes Paket abbrennen müssen, bevor Sie eine anständige Spur im<br />

Kasten haben!<br />

Die entscheidenden Komponenten, um tolle Rauchspuren zu bekommen, sind Bewegung<br />

<strong>und</strong> Beleuchtung. Befestigen Sie das Räuchermittel an einem Tisch vor einem schwarzen<br />

Stoff, der als Hintergr<strong>und</strong> fungiert. Als Beleuchtung sollten Sie idealerweise einen externen<br />

Blitz oder einen Studioblitz mit einer Lichtwanne verwenden, da die Spuren damit<br />

„eingefroren“ werden. Wenn Sie allerdings ein Dauerlicht verwenden (etwa einen<br />

Leuchtkasten), achten Sie darauf, dass es hell genug ist, um eine Verschlusszeit von<br />

mindestens 1/160 Sek<strong>und</strong>en zu erzeugen, damit der Rauch erfasst werden kann. Die<br />

Rauchspuren werden am besten von unten beleuchtet in Richtung Stäbchenspitze <strong>und</strong><br />

hinter dem Rauch, um den Effekt einer Hintergr<strong>und</strong>beleuchtung zu erzielen. Bei einigen<br />

Spuren können verschiedene Dimensionen kreiert werden, indem der Winkel des Blitzes<br />

variiert wird – halten Sie aber reichlich Abstand ein, damit nicht zuviel Licht auf das Objektiv<br />

fällt oder der Hintergr<strong>und</strong> beleuchtet wird. Auch wenn Sie intuitiv vielleicht meinen, es sei<br />

am besten, das Räucherwerk ruhig zu halten, können Sie durch leichtes Klopfen auf den<br />

Tisch interessante Verwirbelungen erzeugen <strong>und</strong> müssen sich nicht mit einer einfachen<br />

geraden Spur zufriedengeben. Wenn Sie allerdings zu stark auf den Tisch klopfen, müssen<br />

Sie ein wenig warten, bis sich das Räuchermittel beruhigt hat.<br />

Wenn Sie die Rauchspur aufgenommen haben, können Sie das Bild im Rahmen der<br />

Nachbearbeitung noch interessanter gestalten, indem Sie beispielsweise Farbe hinzufügen.<br />

Fügen Sie zu diesem Zweck eine Verlaufsumsetzung hinzu (Ebene > Neue<br />

Einstellungsebene > Verlaufsumsetzung), wählen Sie die gewünschte Farbe aus, <strong>und</strong><br />

ändern Sie die Füllmethode in Ineinanderkopieren oder Weiches Licht.<br />

Original<br />

KAMERAEINSTELLUNGEN<br />

BELICHTUNG UND FOKUS: Stellen Sie die Kamera auf<br />

M manuelle Betriebsart <strong>und</strong> – wenn Sie mit Blitz arbeiten – die<br />

Synchronisationsgeschwindigkeit oder mindestens 1/160<br />

Sek<strong>und</strong>en <strong>und</strong> f/8 bis f/11 ein. Mit einer Blendenöffnung, die größer als<br />

f/8 ist, werden Sie Probleme haben, die Rauchspur scharfzustellen.<br />

Lassen Sie die ISO-Einstellung so niedrig wie möglich, weil Rauchspuren<br />

von Haus aus schon wie Rauschen aussehen. Um eine optimale<br />

Bildqualität zu erhalten, sollten Sie diesen Effekt möglichst gering halten.<br />

Stellen Sie von Hand auf die Spitze des Räucherstäbchens scharf, <strong>und</strong><br />

gestalten Sie die Komposition so, dass das Räucherstäbchen später<br />

problemlos herausgeschnitten werden kann.<br />

FOTOS: KAREN BACON/ WWW.DANDELIONPHOTOGRAPHIC.CO.UK<br />

ÜBERBELICHTUNG:<br />

Wenn die Leistung des Blitzes zu<br />

hoch eingestellt oder die Blendenöffnung zu<br />

groß gewählt wurde, wird die Rauchspur<br />

möglicherweise überbelichtet, <strong>und</strong> einige<br />

feine Details gehen verloren.<br />

MANGELNDER<br />

BLICKFANG:<br />

Wenn die Luft zu ruhig ist, steigt die<br />

Rauchsäule normalerweise gerade nach<br />

oben. Um Verwirbelungen zu erzeugen <strong>und</strong><br />

damit das Bild interessanter zu gestalten,<br />

klopfen Sie leicht auf den Tisch, auf dem<br />

sich das Räucherstäbchen befindet.<br />

ZU NAH AM<br />

HINTERGRUND:<br />

Achten Sie darauf, dass zwischen Blitz <strong>und</strong><br />

Hintergr<strong>und</strong> ein ausreichender Abstand ist,<br />

damit im Hintergr<strong>und</strong> keine Details<br />

erscheinen.<br />

FEINEINSTELLUNG DES<br />

FOKUS:<br />

Wenn Sie mit dem Autofokus arbeiten,<br />

versucht die Kamera etwas für die<br />

Fokussperre zu finden. Am besten stellen Sie<br />

manuell auf die Spitze des Stäbchens scharf<br />

<strong>und</strong> schneiden das Bild später zurecht.<br />

64 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


DAS FERTIGE BILD<br />

Wir haben bei diesem Bild<br />

eine Verlaufsumsetzung hinzugefügt.<br />

Sie könnten aber auch versuchen, das<br />

Bild umzukehren (Auswahl > Auswahl<br />

umkehren) <strong>und</strong> den Farbton zu ändern,<br />

um einen anderen Effekt zu erzielen.<br />

Belichtungseinstellungen<br />

Betriebsart: Manuell<br />

Messung: Mehrzonenmessung<br />

Belichtung: 1/250 Sek.<br />

mit f/8 (ISO 200)


Die Kamera verstehen<br />

FOTO: LEE FROST<br />

BELICHTUNGSARTEN<br />

MACHEN SIE SICH MIT DEN VORZÜGEN DER VERSCHIEDENEN BELICHTUNGSARTEN VERTRAUT, UND LERNEN<br />

SIE, WIE SIE SIE ZUR VERBESSERUNG IHRER BILDER EINSETZEN KÖNNEN.<br />

DIGITALKAMERAS SIND komplizierte<br />

Geräte, die heutzutage allem Anschein nach<br />

mehr Funktionen haben als der Kontrollraum<br />

eines Atom-U-Bootes. Das Schlimmste, was<br />

jedoch passieren kann, wenn Sie auf der<br />

Kamera die falsche Taste drücken, ist, dass<br />

Sie eine möglicherweise tolle Aufnahme<br />

ruinieren – glücklicherweise können Sie<br />

keinen Weltkrieg auslösen! Wenn Sie jedoch<br />

das volle Potenzial als Fotograf ausschöpfen<br />

möchten, ist es natürlich wichtig, dass Sie<br />

sich mit dem Gerät, mit dem Sie Bilder<br />

machen, auskennen!<br />

Ganz oben auf der Liste der wichtigen<br />

Funktionen, die Sie verstehen müssen,<br />

stehen die Belichtungsarten, <strong>und</strong> zwar ganz<br />

einfach, weil Sie jedes Mal, wenn Sie auf den<br />

Auslöser drücken, eine verwenden müssen.<br />

Die gr<strong>und</strong>legende Funktion einer<br />

Belichtungsart besteht darin, dafür zu<br />

sorgen, dass genau die richtige Lichtmenge<br />

den Bildsensor erreicht, um mit einer<br />

geeigneten Kombination aus Blendenöffnung<br />

<strong>und</strong> Verschlusszeit ein „richtig“ belichtetes<br />

Bild aufzunehmen. Spiegelreflex- <strong>und</strong><br />

Systemkameras verfügen in der Regel über<br />

vier Hauptbelichtungsarten –<br />

Programmmodus, Zeitautomatik,<br />

Belichtungsautomatik <strong>und</strong> manueller Modus<br />

– sowie eine Reihe von besonderen<br />

Programmbetriebsarten für spezielle Motive,<br />

wie Sport-, <strong>Landschafts</strong>-, Porträt- <strong>und</strong><br />

Nahaufnahmen.<br />

Alle Betriebsarten sind ausgelegt, um die<br />

richtige Belichtung bereitzustellen. Die<br />

Unterschiede zwischen den verschiedenen<br />

Betriebsarten bestehen darin, wie sie sich<br />

auf das fertige Bild auswirken, wie viel<br />

Kontrolle Sie über die gewählte<br />

Blendenöffnung <strong>und</strong> Verschlusszeit haben<br />

<strong>und</strong> wie schnell <strong>und</strong> einfach sie zu<br />

verwenden sind.<br />

Möglicherweise haben Sie ja eine<br />

Lieblingsbelichtungsart, die Sie andauernd<br />

verwenden. Ob dies die richtige<br />

Belichtungsart für Sie ist oder nicht, sei<br />

dahingestellt, da sich viele Fotografen eine<br />

bestimmte Arbeitsweise angewöhnen <strong>und</strong><br />

beibehalten, ohne sich Gedanken über<br />

mögliche Alternativen zu machen.<br />

Deshalb haben wir diesen ausführlichen<br />

Leitfaden über Belichtungsarten<br />

zusammengestellt, in dem erklärt wird, wie<br />

die einzelnen Belichtungsarten funktionieren.<br />

So können Sie verschiedene Betriebsarten für<br />

unterschiedliche Motive auswählen <strong>und</strong> Ihre<br />

Kamera allmählich optimal nutzen.


Die Kamera verstehen<br />

Lesen Sie die Bedienungsanleitung!<br />

Belichtungsarten<br />

Wenn Sie sich zum Ziel gesetzt haben, bessere Bilder zu machen, dann müssen Sie die Belichtungsarten<br />

verstehen. Aber keine Sorge, es ist nicht so schwierig, wie Sie möglicherweise denken …<br />

DIE BELICHTUNGSART, die Sie auswählen, hat einen<br />

entscheidenden Einfluss darauf, wie die Kamera die<br />

Szene aufnimmt. Deshalb müssen Sie unbedingt<br />

lernen, wie die einzelnen Betriebsarten funktionieren<br />

<strong>und</strong> sich auf das fertige Bild auswirken. Die Kamera<br />

bietet Ihnen eine Vielzahl von Möglichkeiten, die sich<br />

jedoch in zwei Hauptkategorien einteilen lassen: einfach<br />

<strong>und</strong> kreativ. Zur einfachen Kategorie gehören die<br />

Betriebsarten „Vollautomatisch“ <strong>und</strong> „Szene“ – mit<br />

anderen Worten die vollautomatischen Betriebsarten,<br />

die Ihnen nur eine sehr geringe Kontrolle darüber bieten,<br />

wie das Bild aufgenommen wird. Diese Betriebsarten<br />

sind für Anfänger gedacht, die die Gr<strong>und</strong>lagen noch<br />

lernen müssen, zum Beispiel die Funktionsweise von<br />

Blenden <strong>und</strong> Verschlusszeiten.<br />

Die kreativen Betriebsarten, die wir gerne auch als die<br />

„Wesentlichen Vier“ bezeichnen, sind Programmmodus,<br />

Zeitautomatik, Belichtungsautomatik <strong>und</strong> manuelle<br />

Betriebsart. Diese Betriebsarten bieten Ihnen eine<br />

kreative Kontrolle über die Art <strong>und</strong> Weise, wie Sie<br />

fotografieren. Und weil wir der Ansicht sind, dass Sie<br />

diese vier Betriebsarten lernen sollten, werden sie in<br />

diesem Leitfaden ausführlich beschrieben. Diese vier<br />

Betriebsarten funktionieren auf sehr unterschiedliche<br />

Weise. Im Programmmodus beispielsweise kümmert<br />

sich die Kamera um Verschlusszeit <strong>und</strong> Blende,<br />

während Sie praktisch jede andere Kameraeinstellung<br />

vornehmen können. Die Zeitautomatik <strong>und</strong> die<br />

Belichtungsautomatik sind halbautomatische<br />

Betriebsarten: Sie stellen entweder die Blende oder die<br />

Verschlusszeit ein, während die Kamera die jeweils<br />

andere Einstellung vornimmt. In der manuellen<br />

Betriebsart haben Sie – wie Sie wahrscheinlich schon<br />

vermutet haben – Kontrolle über beide Funktionen. Mit<br />

zunehmender Erfahrung werden Sie eine Vorliebe für<br />

eine dieser Betriebsarten entwickeln. Bei den meisten<br />

ist dies die Zeitautomatik. Aber es wird auch Situationen<br />

geben, in denen Sie auf die anderen Betriebsarten<br />

zurückgreifen. Mit Hilfe unserer kompetenten<br />

Ausführungen werden Sie in die Lage versetzt, jedes<br />

Mal die richtige Betriebsart auszuwählen, <strong>und</strong> so<br />

bessere Bilder machen.<br />

Einstellen der Belichtungsarten<br />

t<br />

Da die Belichtungsart eine primäre Funktion der<br />

Kamera ist, sollte sie einfach einzustellen sein.<br />

Praktisch alle Spiegelreflexkameras haben oben ein<br />

Einstellrad, mit dem die Belichtungsart schnell <strong>und</strong><br />

einfach eingestellt werden kann. Bei professionellen<br />

Modellen ist statt des Einstellrades oft eine Taste<br />

vorhanden, die zusammen mit dem<br />

Eingabeeinstellrad verwendet wird. Einige<br />

Systemkameras haben oben oder hinten ein<br />

ähnliches Einstellrad für die Belichtungsarten wie<br />

die Spiegelreflexmodelle. Viele Kameras,<br />

insbesondere die billigeren, haben kein Einstellrad.<br />

Hier wird die Belichtungsart über den Monitor <strong>und</strong><br />

ein Bedienelement ausgewählt.<br />

Rad<br />

Die Programmmodi funktionieren bei jeder<br />

Kamera ein wenig anders. Es lohnt sich also,<br />

die Bedienungsanleitung zu lesen, um<br />

herauszufinden, wie der Programmmodus bei<br />

Ihrer konkreten Kamera funktioniert.<br />

Monitor<br />

Szenemodi (auch als „Motivprogramme“ bezeichnet)<br />

Szenemodi bieten dem Anfänger (zumindest theoretisch) die<br />

perfekte Möglichkeit, ausgezeichnete Bilder unterschiedlicher<br />

Motive zu machen. Es scheint alles so einfach: Ein Anfänger,<br />

der einen geliebten Menschen fotografieren möchte, muss<br />

nur den Porträtmodus auswählen <strong>und</strong> auf den Auslöser<br />

drücken; ein Spaziergänger im Snowdonia-Nationalpark stellt<br />

den <strong>Landschafts</strong>modus ein, <strong>und</strong> schon hat er eine<br />

atemberaubende <strong>Landschafts</strong>aufnahme. Aber die Wahrheit<br />

sieht nicht ganz so foto-utopisch aus. Die Kamera macht<br />

zwar eine scharfe, gut belichtete Aufnahme, aber diese ist bei<br />

Weitem nicht so gut, als würden Sie eine kreative Betriebsart<br />

verwenden <strong>und</strong> die Kameraeinstellungen selber vornehmen.<br />

Letztendlich bieten Szenemodi hochwertige<br />

Schnappschüsse, die Sie auch mit einer ordentlichen<br />

Kompaktkamera machen könnten. Aber Ihre Spiegelreflex<br />

hat Ihnen soviel mehr zu bieten. Benutzen Sie sie also nur für<br />

Bilder von Szenen, bei denen Sie nicht sicher sind, welche<br />

Einstellung Sie wählen sollen.<br />

Jeder Szenemodus stellt die Kamera auf das jeweilige<br />

Motiv ein. Zu diesem Zweck übernimmt sie die Kontrolle über<br />

die Hauptfunktionen der Kamera. Dabei geht es nicht nur um<br />

die Verschlusszeit <strong>und</strong> die Blende. Auch die Messung, der AF,<br />

Belichtungskorrekturen, Antriebsmodus, integrierter Blitz <strong>und</strong><br />

Weißabgleich sowie ISO-Einstellung werden Ihrer Kontrolle<br />

entzogen. Aus Sicht eines Anfängers werden damit viele<br />

potenzielle Probleme von der Kamera vermieden, aber aus<br />

Sicht eines kreativen Fotografen stellt dies einen massiven<br />

Kontrollverlust dar. In unserer Referenztabelle werden die<br />

beliebtesten Szenemodi aufgeführt; außerdem wird<br />

dargestellt, welche Hauptfunktionen die Kamera übernimmt<br />

bzw. Ihnen überlassen werden. Diese Aufstellung gilt für die<br />

meisten, aber nicht für alle Kameras. Lesen Sie also in der<br />

Bedienungsanleitung in Ihrer Kamera nach. Wie Sie sehen,<br />

haben Sie wesentlich weniger Einfluss auf das Ergebnis als<br />

beim Programm- oder einem kreativen Modus. Deshalb wird<br />

die Kamera auch den Fotografen nie ersetzen – denn sie<br />

kann nicht wissen, welches Bild Sie zu fotografieren<br />

versuchen. Die andere große Schwäche von Szenemodi<br />

besteht darin, dass sie bei den Belichtungseinstellungen<br />

immer auf Nummer sicher geht, insbesondere was die<br />

Verwendung einer Verschlusszeit zur Vermeidung einer<br />

Verwacklung betrifft (die Kamera geht generell davon aus,<br />

dass Sie aus der Hand fotografieren). Sie wird sich kaum für<br />

Extremeinstellungen entscheiden. Wenn Sie also eine<br />

Porträtaufnahme in hellem Licht machen <strong>und</strong> eine sehr<br />

geringe Tiefenschärfe möchten, wird kaum eine große<br />

Blendenöffnung, sondern eher eine sichere Einstellung von<br />

f/5.6 verwendet werden.<br />

Funktionen Vollautomatisch Porträt Landschaften Nahaufnahme Action Programm<br />

Allgemeine Blende <strong>und</strong> Verschlusszeit *<br />

Einstellungen ISO-Einstellung<br />

Weißabgleich<br />

Fokussierung Statischer Autofokus - -<br />

Serienautofokus - - - -<br />

AI-Fokus - - - -<br />

AF-Punktauswahl<br />

Belichtung Mehrzonenmessung<br />

Spot-/Teilmessung - - - - -<br />

Mittenbetont - - - - -<br />

Belichtungskorrektur - - - - -<br />

AEB <strong>und</strong> AE-Lock - - - - -<br />

Antrieb Einzelbild -<br />

Serienbild - - - - -<br />

Selbstauslöser<br />

Integrierter Blitz Automatischer Blitz - -<br />

Blitz an - - - -<br />

Blitz aus - - -<br />

Legende: Automatisch eingestellt Vom Benutzer wählbar - Nicht verfügbar * Programmverschiebung<br />

68 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Belichtungsarten<br />

Programmmodus (P)<br />

Stellen Sie die Kamera auf „P“ ein, <strong>und</strong> Sie haben ein<br />

vollautomatisches Gerät. Wenn Sie sie auf ein Motiv oder<br />

eine Szene richten, das bzw. die Sie fotografieren möchten,<br />

misst sie nicht nur die Lichtintensität zur Ermittlung der<br />

richtigen Belichtung, sondern legt dann auch sowohl die<br />

Blende als auch die Verschlusszeit für Sie fest, um diese<br />

Belichtung zu erzielen.<br />

Ob Sie das nun als Vorteil oder als Einschränkung<br />

betrachten, hängt davon ab, wie viel Erfahrung Sie mit einer<br />

Kamera haben. Anfängern gefällt der Programmmodus, weil<br />

er schnell <strong>und</strong> einfach ist. Sie müssen lediglich zielen,<br />

fokussieren <strong>und</strong> auslösen. Sie müssen über fast nichts<br />

nachdenken <strong>und</strong> können deshalb keinen (oder kaum einen)<br />

Fehler machen. Erfahrene Fotografen sind aus genau<br />

demselben Gr<strong>und</strong> weniger begeistert vom Programmmodus:<br />

Sie sind der Meinung, er ist zu sehr automatisiert, <strong>und</strong><br />

übernehmen lieber selber die Kontrolle über die Kamera, statt<br />

dass die Kamera die Kontrolle über sie hat. Dies wird durch<br />

die Auswahl einer halbautomatischen oder manuellen<br />

Betriebsart erreicht.<br />

Für Schnappschüsse auf Partys oder im Urlaub oder bei<br />

ähnlichen Gelegenheiten ist der Programmmodus ideal, weil<br />

damit immer wieder gute Fotos gemacht werden. Er kann<br />

auch gute Dienste leisten, wenn Sie unterwegs sind <strong>und</strong><br />

viele verschiedene Motive fotografieren oder wenn Sie beim<br />

<strong>Fotografie</strong>ren schnell handeln müssen, beispielsweise im<br />

Fasching <strong>und</strong> bei Festivals, <strong>und</strong> dabei mehr an ordentlichen<br />

Aufnahmen als an der Schaffung von Kunstwerken<br />

interessiert sind.<br />

Der größte Nachteil des Programmmodus besteht darin,<br />

dass es scheint, als würde die Kamera die Kombination aus<br />

Blende <strong>und</strong> Verschlusszeit nahezu willkürlich wählen. Wenn<br />

Sie die Kamera also aufnahmebereit auf Ihr Motiv richten,<br />

kann es sein, dass eine große Blendenöffnung <strong>und</strong> eine<br />

kurze Verschlusszeit ausgewählt werden, wenn Sie eigentlich<br />

eine kleinere Blendenöffnung brauchen, um die<br />

Tiefenschärfe zu vergrößern, oder eine längere<br />

Verschlusszeit, um die Bewegung unscharf darzustellen. Die<br />

Kamera weiß das nicht, weil sie Ihre Gedanken nicht lesen<br />

kann (die Techniker arbeiten an dieser Funktion!). Aber die<br />

Programmverschiebung (siehe Kasten) geht ein wenig in<br />

diese Richtung.<br />

Mit der Belichtungskorrekturfunktion der Kamera können<br />

Sie auch die Belichtung erhöhen oder verringern, um Fehler<br />

zur Erzielung eines kreativen Effekts zu „korrigieren“. Damit<br />

wird der Programmmodus wesentlich vielseitiger, <strong>und</strong> in<br />

erfahrenen Händen kann sie als schnelle <strong>und</strong> einfache<br />

Allzweckfunktion eingesetzt werden. Trotzdem scheint dies<br />

eher die Wahl von Anfängern zu sein, die Konzepte wie die<br />

Tiefenschärfe noch nicht verstehen <strong>und</strong> einfach nur scharfe,<br />

gut belichtete Fotos machen möchten. Und wenn sie dann<br />

einmal mehr von der Materie verstehen, wechseln sie in der<br />

Regel allmählich zu weniger automatisierten<br />

Belichtungsarten, die ihnen mehr Kontrolle bieten.<br />

Aufnahmesituationen, für die sich am besten der Programmmodus eignet<br />

Programmverschiebung<br />

Mit der Programmverschiebung können Sie die<br />

Kombination aus Blende <strong>und</strong> Verschlusszeit<br />

ändern, indem Sie das Eingabeeinstellrad<br />

drehen, bis Sie die gewünschte Wahl erhalten.<br />

Sie können damit schnell die Blende ändern<br />

<strong>und</strong> der Kamera die Wahl der Verschlusszeit<br />

überlassen, um die richtige Belichtung<br />

beizubehalten. Oder wählen Sie eine andere<br />

Verschlusszeit, <strong>und</strong> sehen Sie zu, wie die<br />

Blende automatisch geändert wird. Wenn Sie<br />

beispielsweise <strong>Landschafts</strong>aufnahmen machen,<br />

für die Sie eine größere Tiefenschärfe haben<br />

möchten, müssen Sie einfach nur zu einer<br />

kleineren Blendenöffnung wechseln. Wenn Sie<br />

dagegen eine Actionaufnahme machen,<br />

wechseln Sie zu einer kürzeren Verschlusszeit.<br />

ALLE FOTOS: ISTOCK PHOTO<br />

1) „Ungezwungene“ Innenaufnahmen<br />

Wenn Sie ungezwungene Bilder von Familienmitgliedern<br />

<strong>und</strong> Fre<strong>und</strong>en machen, wählen Sie „P“, fahren Sie bei<br />

Bedarf den Blitz aus, <strong>und</strong> drücken Sie auf den Auslöser.<br />

Sie könnten auch den Vollautomatikmodus verwenden.<br />

Dabei kommt aber normalerweise der Blitz zum Einsatz,<br />

was häufig zu weniger gelungenen Ergebnissen führt.<br />

2) Aufnahmen mit Aufhellblitz<br />

Der Programmmodus ist eine gute Wahl, wenn Sie<br />

Porträtaufnahmen im Freien mit Aufhellblitz machen<br />

möchten. Fahren Sie einfach den Blitz aus (oder stecken<br />

ein auf einem Blitzschuh montiertes Blitzgerät auf), <strong>und</strong><br />

überlassen Sie der Kamera die Belichtung.<br />

3) Einfache allgemeine Fotos<br />

Wenn Sie einfach nur schnell eine Szene aufnehmen<br />

möchten <strong>und</strong> keine Zeit haben, Einstellungen zu ändern,<br />

wählen Sie den Programmmodus aus, machen Sie ein paar<br />

Aufnahmen, <strong>und</strong> – wenn Sie Zeit haben –, passen Sie die<br />

Einstellungen mit Hilfe der Programmverschiebung ein wenig<br />

mehr Ihrem Geschmack an. Ideal für ungestellte Aufnahmen.<br />

Vollautomatikmodus <strong>und</strong> Programmmodus<br />

Neben dem standardmäßigen Programmmodus (P) verfügen<br />

die meisten Kameras über eine weitere vollautomatische<br />

Betriebsart, die häufig als „Green Square“, „Green Auto“ oder<br />

„Vollautomatikmodus“ bezeichnet wird. Auf den ersten Blick<br />

sieht diese Betriebsart vielleicht genauso wie der<br />

Programmmodus aus, aber es gibt durchaus Unterschiede.<br />

Die Bedienungsanleitung Ihrer Kamera enthält nähere<br />

Einzelheiten hierzu, aber der wichtigste Unterschied besteht<br />

darin, dass beim Programmmodus nur Blende <strong>und</strong><br />

Verschlusszeit automatisch von der Kamera eingestellt<br />

werden. Alle anderen Funktionen, wie AF oder Messmuster,<br />

können von Ihnen eingestellt werden. Hierzu gehört auch der<br />

Blitz. Im Programmmodus gibt die Kamera an, wenn ein Blitz<br />

benötigt wird (durch ein blinkendes Blitzsymbol). Sie müssen<br />

dann jedoch den integrierten Blitz ausfahren, bevor er<br />

ausgelöst wird. Im Vollautomatikmodus löst die Kamera den<br />

Blitz automatisch aus, wenn er benötigt wird. Dies liegt<br />

daran, dass im Vollautomatikmodus davon ausgegangen<br />

wird, dass der Benutzer nur über minimales<br />

<strong>Fotografie</strong>rwissen verfügt – mit anderen Worten, dass er ein<br />

absoluter Anfänger ist. Viele Kameras verfügen jetzt über<br />

einen intelligenten Auto-(iAuto- oder A+)Modus, der im<br />

Wesentlichen wie der Vollautomatikmodus funktioniert, dem<br />

Benutzer aber mehr Kontrolle überlässt.<br />

Programmmodus <strong>und</strong> Blitz<br />

Mit abnehmender Helligkeit blinkt das Blitzsymbol als<br />

optischer Hinweis für Sie, den Blitz auszufahren. Wenn<br />

Sie den Blitz nicht ausfahren, macht die Kamera trotzdem<br />

die Aufnahme, aber Sie riskieren ein Verwackeln, vor<br />

allem, wenn Sie aus der Hand fotografieren. Wenn Sie<br />

den Blitz ausfahren, stellt die Kamera die Verschlusszeit<br />

auf die Blitzsynchronisationsgeschwindigkeit ein <strong>und</strong><br />

belässt normalerweise eine große Blendenöffnung, um<br />

den Blitzbereich zu erweitern. Der Kamera geht es nur<br />

darum, das Motiv richtig zu belichten, sodass der<br />

Hintergr<strong>und</strong> normalerweise ziemlich dunkel erscheint.<br />

Wenn Sie also im Hintergr<strong>und</strong> Details darstellen möchten,<br />

müssen Sie eine andere Betriebsart verwenden<br />

Blinkende Verschlusszeiten<br />

Ihre Kamera wird nach Möglichkeit eine ideale<br />

Kombination aus Verschlusszeit <strong>und</strong> Blende wählen.<br />

In extrem hellen oder dunklen (also sehr seltenen)<br />

Situationen kann sich das jedoch als unmöglich<br />

erweisen. Unter sehr hellen Bedingungen, wenn die<br />

maximale Verschlusszeit <strong>und</strong> die kleinste<br />

Blendenöffnung blinken, besteht die Gefahr einer<br />

Überbelichtung, sodass Sie die ISO-Einstellung<br />

erhöhen sollten.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 69


Die Kamera verstehen<br />

Zeitautomatik (A oder AV)<br />

Wenn Sie die Kamera auf diese Belichtungsart<br />

einstellen, hat die gewählte Blende Priorität. Sie legen<br />

über das Eingabeeinstellrad oder die entsprechenden<br />

Tasten die Blende (f/Zahl) fest, <strong>und</strong> gleich<br />

anschließend stellt die Kamera auf der Gr<strong>und</strong>lage der<br />

vom Messsystem vorgenommenen Lichtmessung<br />

eine Verschlusszeit ein, um die richtige Belichtung zu<br />

erzielen. Die eingestellte Blende <strong>und</strong> Verschlusszeit<br />

werden im Sucher der Kamera, am LCD-Bildschirm<br />

oben bzw. am LCD-Bildschirm hinten angezeigt,<br />

damit Sie beide Werte kennen, auch wenn Sie nur die<br />

Blende ausgewählt haben.<br />

Die Zeitautomatik ist eine ideale Belichtungsart,<br />

wenn Sie die Kontrolle über die Tiefenschärfe<br />

benötigen (wie viel von der Szene scharf erscheint).<br />

Wenn Sie Landschaften <strong>und</strong> Architektur fotografieren,<br />

wo eine durchgehende Schärfe von vorne nach hinten<br />

erforderlich ist, wählen Sie einfach eine kleine<br />

Blendenöffnung wie f/11 oder f/16 oder f/22. Wenn<br />

Sie die Schärfentiefe dagegen minimieren müssen,<br />

damit nur ein kleiner Teil scharf dargestellt wird –<br />

beispielsweise bei Porträtaufnahmen –, können Sie<br />

eine große Blendenöffnung (kleine Zahl) einstellen<br />

wie f/4 oder f/2.8.<br />

Da die Kamera sofort auf jede Blendenänderung<br />

mit einer veränderten Verschlusszeit reagiert, um die<br />

richtige Belichtung beizubehalten, können Sie schnell<br />

arbeiten – eine Minute mit einer kleinen<br />

Blendenöffnung (<strong>und</strong> längeren Verschlusszeit)<br />

fotografieren <strong>und</strong> in der nächsten Minute auf eine<br />

große Blendenöffnung (<strong>und</strong> kürzere Verschlusszeit)<br />

wechseln. Das macht die Zeitautomatik auch zur<br />

besten Belichtungsart für allgemeine Zwecke. Und sie<br />

ist vielleicht die am häufigsten verwendete<br />

Belichtungsart unter ernsthaften <strong>und</strong> erfahrenen<br />

Fotografen.<br />

Aufnahmesituationen, für die sich am besten die Zeitautomatik eignet<br />

1) Landschaften: Maximierung der Tiefenschärfe<br />

Durch das Verändern der Blende haben Sie die<br />

uneingeschränkte Kontrolle über die Tiefenschärfe <strong>und</strong><br />

damit darüber, wie viel der Szene scharf erscheint. Die<br />

meisten <strong>Landschafts</strong>fotografen verwenden die<br />

Zeitautomatik aus diesem Gr<strong>und</strong>.<br />

2) Porträts: Unscharfer Hintergr<strong>und</strong><br />

Bei den meisten Porträtaufnahmen soll sich das Model<br />

vom Hintergr<strong>und</strong> abheben, um den Blick des Betrachters<br />

auf sich zu lenken. Dieses Ziel wird am besten dadurch<br />

erreicht, indem auf die Augen scharfgestellt <strong>und</strong> eine<br />

große Blendenöffnung gewählt wird.<br />

3) Makrofotografie<br />

Wenn Sie sehr nah an den Motiven arbeiten, ist die<br />

Tiefenschärfe minimal. Um scharfe Bilder zu erhalten,<br />

sind eine gute Fokussierung <strong>und</strong> die Möglichkeit, die<br />

optimale Blende zu verwenden, von entscheidender<br />

Bedeutung.<br />

4) Optimale Schärfe vom Objektiv<br />

Für jedes Objektiv gibt es eine Blende, die die schärfsten<br />

Ergebnisse liefert, normalerweise zwischen f/8 <strong>und</strong> f/13.<br />

Wenn also die optimale Schärfe Ihr Ziel ist, stellen Sie die<br />

Zeitautomatik ein, <strong>und</strong> fotografieren Sie mit diesen<br />

Einstellungen.<br />

Blendensteuerung<br />

Die Tiefenschärfe spielt eine<br />

ausgesprochen wichtige Rolle,<br />

wenn es darum geht, ob ein Bild<br />

gelungen ist oder nicht. Daher<br />

überrascht es nicht, dass die<br />

Zeitautomatik die beliebteste<br />

Belichtungsart ist.<br />

Zeitautomatik <strong>und</strong> lange<br />

Verschlusszeiten<br />

Sie müssen sich bei der Verwendung<br />

der Zeitautomatik unbedingt darüber im<br />

Klaren sein, dass bei der Auswahl einer<br />

kleineren Blendenöffnung die<br />

entsprechende Verschlusszeit immer<br />

länger wird <strong>und</strong> damit die Gefahr der<br />

Verwacklung wächst. Man vergisst<br />

diese Tatsache beim <strong>Fotografie</strong>ren<br />

leicht, vor allem unter<br />

Restlichtbedingungen, oder wenn Sie<br />

beschließen, einen Polarisationsfilter zu<br />

verwenden, bei dem Sie Blendenstufen<br />

verlieren, weil Sie der Blende <strong>und</strong> der<br />

Tiefenschärfe Vorrang geben.<br />

Aber Sie dürfen auch die von der<br />

Kamera eingestellte Verschlusszeit nicht<br />

aus den Augen lassen, damit Sie keine<br />

unscharfen Bilder bekommen! Wenn<br />

die Verschlusszeit unter einen Wert fällt,<br />

bei dem Sie problemlos aus der Hand<br />

fotografieren können, haben Sie drei<br />

Möglichkeiten:<br />

1) Stellen Sie eine größere<br />

Blendenöffnung ein, um die<br />

Verschlusszeit zu verkürzen. Wenn die<br />

Verschlusszeit mit f/11 beispielsweise<br />

1/15 Sek<strong>und</strong>e beträgt, beträgt sie mit<br />

f/8 1/30 Sek<strong>und</strong>e, mit f/5.6 1/60<br />

Sek<strong>und</strong>e <strong>und</strong> mit f/4 1/125 Sek<strong>und</strong>e.<br />

Diese Möglichkeit funktioniert nicht,<br />

wenn Sie eine kleine Blendenöffnung<br />

brauchen, um viel Tiefenschärfe zu<br />

erhalten, aber Fotografen stellen oft eine<br />

zu niedrige Blende ein, sodass Sie<br />

möglicherweise eine größere<br />

Blendenöffnung verwenden können,<br />

ohne die Tiefenschärfe zu<br />

beeinträchtigen.<br />

2) Wenn Sie die Tiefenschärfe durch<br />

Verwendung einer größeren<br />

Blendenöffnung zur Verringerung der<br />

Verschlusszeit nicht opfern können,<br />

befestigen Sie die Kamera auf einem<br />

Stativ oder einer anderen Halterung,<br />

damit sie sich nicht bewegen kann. Auf<br />

diese Weise ist es egal, wenn die<br />

Verschlusszeit wirklich lange ist. Das ist<br />

die beste Option für statische Motive<br />

wie Landschaften, Architektur <strong>und</strong><br />

Stillleben.<br />

3) Als letzte Möglichkeit können Sie die<br />

ISO-Einstellung erhöhen, damit eine<br />

kürzere Verschlusszeit verwendet<br />

werden kann. Wenn Sie beispielsweise<br />

mit ISO 100 bei 1/30 Sek<strong>und</strong>e mit f/16<br />

fotografieren, können Sie durch<br />

Erhöhung der ISO-Einstellung auf 200<br />

eine Verschlusszeit von 1/60 Sek<strong>und</strong>e<br />

mit f/11 verwenden. Mit der<br />

ISO-Einstellung 400 können Sie mit<br />

f/11 eine Verschlusszeit von 1/125<br />

Sek<strong>und</strong>e verwenden <strong>und</strong> so weiter.<br />

Wenn Sie geschickt sind, können Sie<br />

die oben beschrieben Möglichkeiten<br />

auch miteinander kombinieren. Durch<br />

Erhöhen um eine Blendenstufe können<br />

Sie die gewählte Blende beibehalten<br />

<strong>und</strong> eine kürzere Verschlusszeit<br />

verwenden, ohne die Bildqualität<br />

wesentlich zu beeinträchtigen. Wenn<br />

das nicht funktioniert, können Sie die<br />

Blende auch um eine Stufe öffnen,<br />

ohne zuviel Tiefenschärfe zu verlieren.<br />

70 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Belichtungsarten: Zeitautomatik<br />

Tiefenschärfe<br />

Diese Betriebsart wird normalerweise verwendet,<br />

wenn Sie die Tiefenschärfe kontrollieren<br />

möchten. Vergessen Sie nicht: Je größer die<br />

Blendenöffnung (beispielsweise f/2.8), umso<br />

geringer die Tiefenschärfe <strong>und</strong> umgekehrt.<br />

FOTO: LEE FROST<br />

Zeitautomatik <strong>und</strong><br />

Blitz<br />

Auf welche Weise die<br />

Zeitautomatik mit dem Blitz<br />

zusammenspielt hängt von<br />

der Marke <strong>und</strong> dem Modell<br />

Ihrer Kamera ab. Bei den<br />

meisten Canon- <strong>und</strong><br />

Pentax-Modellen ist es<br />

beispielsweise so, dass nach<br />

der Auswahl der Blende die<br />

Kamera eine Verschlusszeit<br />

wählt, um den Hintergr<strong>und</strong><br />

richtig zu belichten. Unter Restlichtbedingungen muss die Kamera<br />

also auf einem Stativ montiert werden, um ein Verwackeln zu<br />

vermeiden. Die Kamera verwendet effektiv automatisch den<br />

Langzeitsynchronisationsblitz. Sehen Sie in der Bedienungsanleitung<br />

nach, wie die Zeitautomatik zusammen mit dem Blitz verwendet<br />

wird, <strong>und</strong> experimentieren Sie ein wenig mit den Ergebnissen<br />

herum.<br />

ISTOCK PHOTO<br />

Achtung – blinkende Verschlusszeit!<br />

Bei der Auswahl der Blende gelangen Sie möglicherweise an einen Punkt,<br />

an dem die Verschlusszeit zu blinken beginnt. Das weist darauf hin, dass<br />

die Kamera keine entsprechende Verschlusszeit bereitstellen kann, was zu<br />

schlechten Aufnahmen führt. Dies könnte daran liegen, dass Sie unter sehr<br />

hellen Bedingungen fotografieren <strong>und</strong> eine zu große Blende gewählt haben<br />

oder umgekehrt unter Restlichtbedingungen eine zu kleine Blende gewählt<br />

haben. In der ersten Situation können Sie die ISO-Einstellung verringern<br />

<strong>und</strong> den Einsatz eines ND-Filters in Erwägung ziehen. In der letzteren<br />

Situation erhöhen Sie die ISO-Einstellung. Wenn damit das Problem nicht<br />

gelöst wird, müssen Sie die Blendeneinstellung ändern, bis die<br />

Verschlusszeit nicht mehr blinkt.<br />

Belichtungskorrektur <strong>und</strong> Zeitautomatik<br />

Wenn Sie in der Belichtungsart Zeitautomatik eine Belichtungskorrektur anwenden, wird<br />

die Verschlusszeit so angepasst, dass die Belichtung geändert wird <strong>und</strong> die Blende<br />

unverändert bleibt, da die Blende ja Vorrang hat. Wenn Sie beispielsweise mit 1/250<br />

Sek<strong>und</strong>e mit f/4 fotografieren <strong>und</strong> eine Belichtungskorrektur von einer Blendenstufe (+1EV)<br />

angeben, ändert die Kamera die Verschlusszeit auf 1/125 Sek<strong>und</strong>e, lässt aber die Blende<br />

f/4 unverändert.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 71


Die Kamera verstehen<br />

Blendenautomatik (S oder TV)<br />

Das ist die zweite halbautomatische Belichtungsart, die es bei<br />

allen Spiegelreflexkameras gibt. Hierbei hat die Verschlusszeit<br />

Priorität. Mit der Blendenautomatik können Sie die<br />

gewünschte Verschlusszeit wählen, während die Kamera<br />

automatisch die Blende einstellt, um eine richtige Belichtung<br />

zu erzielen – mit anderen Worten: Es ist das genaue Gegenteil<br />

der Zeitautomatik.<br />

Blendenautomatik ist die ideale Belichtungsart, wenn Sie<br />

Motive fotografieren, bei denen eine wohl überlegte Auswahl<br />

der Verschlusszeit erforderlich ist, um die Bewegung zu<br />

kontrollieren. Sport- <strong>und</strong> Actionaufnahmen stehen hier ganz<br />

oben auf der Liste, da Sie die Bewegung in der Regel<br />

festhalten möchten, indem Sie eine Verschlusszeit wählen,<br />

die zum Motiv passt. Je schneller die Bewegung ist, umso<br />

kürzer muss die Verschlusszeit zum „Einfrieren“ der<br />

Bewegung sein <strong>und</strong> umgekehrt. Auch Naturfotografen<br />

verwenden häufig die Blendenautomatik, wenn Sie<br />

beispielsweise Vögel im Flug oder Tiere in Bewegung<br />

fotografieren. Aber auch alltägliche „Actionmotive“, wie im<br />

Park herumlaufende Kinder oder der Familienh<strong>und</strong>, der sich<br />

nach einem Ausflug im Meer einmal kräftig schüttelt, können<br />

von der Blendenautomatik profitieren.<br />

Die Blendenautomatik eignet sich aber natürlich nicht nur<br />

zum Festhalten von Bewegung. Manchmal möchten Sie<br />

auch absichtlich eine Unschärfe erzeugen, um in den Bildern<br />

ein Gefühl von Anmut <strong>und</strong> Bewegung wiederzugeben.<br />

Sport- <strong>und</strong> Actionmotive können mit einer langen<br />

Verschlusszeit fotografiert werden, indem Sie die Kamera<br />

schwenken, sodass das Motiv relativ scharf, der Hintergr<strong>und</strong><br />

aber unscharf dargestellt wird. Oder Sie halten die Kamera<br />

einfach ruhig <strong>und</strong> nehmen sich bewegende Motive als<br />

farbenfrohe Streifen auf. Sich bewegendes Wasser in Flüssen,<br />

Wasserfällen oder im Meer wird auch häufig mit einer langen<br />

Verschlusszeit fotografiert, damit es als milchiger, unscharfer<br />

Klecks erscheint. In jedem Fall gibt es für gewöhnlich eine<br />

optimale Verschlusszeit, um das beste Ergebnis zu erzielen.<br />

Und mit der Blendenautomatik können Sie sie einstellen.<br />

Sie sind uns hier möglicherweise einen Schritt voraus <strong>und</strong><br />

denken: „Aber ich kann die gewünschte Verschlusszeit in der<br />

Zeitautomatik doch sicher auch einstellen, indem ich einfach<br />

die Blende ändere, bis die Kamera die gewünschte<br />

Verschlusszeit einstellt, bzw. im Programmmodus, indem ich<br />

die Kombination aus Blende <strong>und</strong> Verschlusszeit ändere …“<br />

Wenn ja, dann haben Sie Recht. Der Vorzug der<br />

Blendenautomatik, wenn Sie mit einer bestimmten<br />

Verschlusszeit fotografieren müssen, besteht jedoch darin,<br />

dass sie sich, wenn sie einmal eingestellt ist, nicht mehr<br />

ändert, wenn sich die Lichtverhältnisse ändern oder Sie die<br />

Kameraposition verändern. Wenn in der Betriebsart<br />

Blendenautomatik die Belichtung geändert werden muss,<br />

wird die Blende geändert, damit die Verschlusszeit<br />

unverändert bleibt (in der Betriebsart Zeitautomatik passiert<br />

genau das Gegenteil). Dasselbe gilt, wenn Sie mit Hilfe der<br />

Belichtungskorrekturfunktion der Kamera die Belichtung<br />

erhöhen oder verringern – in der Betriebsart<br />

Blendenautomatik wird eine größere oder kleinere Blende<br />

verwendet, <strong>und</strong> die Verschlusszeit bleibt unverändert.<br />

Wenn die vorherrschenden Lichtbedingungen zu schlecht<br />

sind, um selbst bei größter Blendenöffnung eine ausreichend<br />

kurze Verschlusszeit zu verwenden, ist trotzdem noch nicht<br />

aller Tage Abend – erhöhen Sie einfach den ISO-Wert. Wenn<br />

beispielsweise die kürzeste Verschlusszeit, die Sie bei ISO<br />

100 verwenden können, 1/125 Sek<strong>und</strong>e beträgt, steigt sie<br />

bei ISO 200 auf 1/250 Sek<strong>und</strong>e, bei ISO 400 auf 1/500<br />

Sek<strong>und</strong>e <strong>und</strong> so weiter. Damit haben Sie zusätzliche<br />

Kontrolle, sodass Sie die benötigte Verschlusszeit einstellen<br />

können.<br />

Wenn Sie auf der anderen Seite eine längere<br />

Verschlusszeit einstellen müssen, um Bewegung unscharf<br />

darzustellen, kann es unter hellen Bedingungen vorkommen,<br />

dass die längste Verschlusszeit, die Sie einstellen können,<br />

nicht lang genug ist. Hier kann eine Verringerung der<br />

ISO-Einstellung das Problem möglicherweise lösen. Einige<br />

Kameras haben eine „niedrige“ ISO-Einstellung, die der<br />

halben Geschwindigkeit des standardmäßigen ISO-Wertes<br />

entspricht. Wenn Sie sie also auswählen, halbiert sich die<br />

Aufnahmesituationen, für die sich am besten die Belichtungsautomatik eignet<br />

Vermeiden des Verwackelns mit<br />

der Kehrwertregel<br />

Es gibt eine einfache Möglichkeit, um zu<br />

bestimmen, wann die Gefahr des Verwackelns<br />

besteht. Achten Sie darauf, dass die verwendete<br />

Verschlusszeit der Kehrwert der Brennweite ist.<br />

Wenn Sie also ein 55-200-mm-Objektiv<br />

verwenden, stellen Sie eine Verschlusszeit von<br />

mindestens 1/200 Sek<strong>und</strong>e ein; verwenden Sie<br />

bei einem 70-300-mm-Objektiv mindestens<br />

1/300 Sek<strong>und</strong>e <strong>und</strong> so weiter. Bei Objektiven mit<br />

einem Bildstabilisator können Sie auch<br />

geringfügig längere Verschlusszeiten verwenden<br />

als die Kehrwertregel ergeben würde, aber sie ist<br />

generell ein guter Richtwert.<br />

längste Verschlusszeit, die Sie verwenden können,<br />

beispielsweise von 1/15 Sek<strong>und</strong>e auf 1/8 Sek<strong>und</strong>e. Wenn<br />

das nicht funktioniert, müssen Sie auf Filter zurückgreifen.<br />

Ein Polarisationsfilter macht zwei Blendenstufen aus. Wenn<br />

Sie also einen auf dem Objektiv platzieren, wird aus<br />

¼Sek<strong>und</strong>e eine Sek<strong>und</strong>e. Alternativ können Sie einen<br />

Neutraldichtefilter (ND-Filter) verwenden, um die Belichtung<br />

zu erhöhen. Ein 0,6-ND-Filter hat dieselbe Wirkung wie ein<br />

Polarisationsfilter. Für einen 0,9-ND-Filter ist eine<br />

Belichtungserhöhung um drei Blendenstufen erforderlich,<br />

<strong>und</strong> für einen 1,2-ND-Filter ist eine Belichtungserhöhung von<br />

vier Blendenstufen erforderlich. Für das allgemeine<br />

<strong>Fotografie</strong>ren brauchen Sie keine Filter für längere<br />

Verschlusszeiten. Wenn Sie aber einmal mit der kreativen<br />

Verwendung von Unschärfe herumexperimentieren, sind<br />

Filter nützlich <strong>und</strong> erlauben Ihnen die Verwendung des<br />

ganzen Verschlusszeitenbereichs Ihrer Kamera.<br />

1) Sport <strong>und</strong> wild lebende Tiere: Einfangen von<br />

Bewegung<br />

Wenn Sie sich schnell bewegende Motive mit dem Ziel<br />

fotografieren, die Bewegung einzufangen, müssen Sie<br />

eine kurze Verschlusszeit einstellen. Mit der<br />

Blendenautomatik können Sie die genaue Zeit einstellen,<br />

die Sie verwenden möchten.<br />

3) Zoom-Burst-Effekt<br />

Bei dieser kreativen Technik wird das Objektiv während<br />

einer relativ langsamen Belichtung gezoomt. Mit der<br />

Blendenautomatik können Sie festlegen, welche<br />

Verschlusszeit für den verwendeten Zoom am besten<br />

geeignet ist.<br />

HELEN DIXON<br />

2) Sich bewegendes Motiv: Betonen der<br />

Bewegung<br />

Wenn Sie die Bilder mit den sich bewegenden Motiven<br />

ein wenig kreativer gestalten möchten, probieren Sie<br />

einmal eine längere Verschlusszeit aus, um die<br />

Bewegungen unscharf darzustellen. Das ist auch die<br />

ideale Betriebsart zum Schwenken.<br />

4) Landschaften: Verschwommenes Wasser<br />

Die Verschlusszeit hat eine große Auswirkung darauf, wie<br />

Wasser aufgezeichnet wird. Verwenden Sie in der<br />

Betriebsart Blendenautomatik eine kurze Verschlusszeit,<br />

um seine Bewegung „einzufrieren“, bzw. eine sehr lange<br />

Verschlusszeit, um sie in einen milchigen, unscharfen<br />

Klecks zu verwandeln.<br />

Achtung – blinkende Blende!<br />

Es kann vorkommen, dass bei der Auswahl einer<br />

Verschlusszeit der Blendenwert zu blinken beginnt. Das<br />

weist darauf hin, dass die Kamera keine entsprechende<br />

Blendeneinstellung bereitstellen kann, was zu schlechten<br />

Aufnahmen führen kann. Das könnte daran liegen, dass<br />

Sie für die Lichtbedingungen eine zu kurze oder eine zu<br />

lange Verschlusszeit ausgewählt haben. Ändern Sie in<br />

diesem Fall die ISO-Einstellung, bis der Blendenwert<br />

nicht mehr blinkt. Oder wenn Sie unter sehr hellen<br />

Bedingungen fotografieren, verwenden Sie einen<br />

ND-Filter.<br />

Belichtungskorrektur <strong>und</strong><br />

Blendenautomatik<br />

Wenn Sie in der Betriebsart Blendenautomatik eine<br />

Belichtungskorrektur anwenden, wird die Blende<br />

geändert, während die Verschlusszeit unverändert bleibt.<br />

Wenn Sie also bei einer Belichtung von 1/250 Sek<strong>und</strong>e<br />

mit f/5.6 +1EV anwenden, wird eine Änderung auf<br />

1/250 Sek<strong>und</strong>e mit f/4 vorgenommen.<br />

Blendenautomatik mit Blitz<br />

Praktisch alle Kameras verwenden bei Blitzaufnahmen in<br />

der Betriebsart Blendenautomatik dieselbe<br />

Vorgehensweise. Sie wählen die gewünschte<br />

Verschlusszeit aus, <strong>und</strong> die Kamera stellt eine Blende ein,<br />

mit der die Szene im Umgebungslicht richtig belichtet<br />

wird. Die Blitzleistung belichtet das Motiv richtig.<br />

72 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Die Kunst, Bewegung zu<br />

fotografieren<br />

Verwenden Sie die Betriebsart<br />

Blendenautomatik, wenn Sie<br />

die Kontrolle darüber haben<br />

möchten, wie sich bewegende<br />

Motive im Bild dargestellt<br />

werden.<br />

FOTOS: LEE FROST<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 73


Die Kamera verstehen<br />

Manuell (M)<br />

Die manuelle Belichtungsart heißt manuell, weil Sie die<br />

ganze Arbeit machen müssen. Während bei den anderen<br />

Betriebsarten die Kamera die Blende <strong>und</strong> die Verschlusszeit<br />

für Sie einstellt – bzw. eines von beiden –, legen Sie in der<br />

manuellen Betriebsart beides fest. Anhand einer Anzeige im<br />

Sucher, am LCD-Bildschirm oben bzw. am Bildschirm hinten<br />

erkennen Sie, wenn die von Ihnen gewählte Kombination die<br />

richtige Belichtung ergibt bzw. wie weit über bzw. unter der<br />

„richtigen“ Belichtung Sie liegen. Deshalb ist dies die<br />

langsamste Belichtungsart <strong>und</strong> folglich die am seltensten<br />

verwendete.<br />

Einige Fotografen schwören auf die manuelle Betriebsart,<br />

weil sie törichterweise der Meinung sind, dass das<br />

Messsystem der Kamera in dieser Betriebsart genauer<br />

funktioniert als in einer anderen. Das ist jedoch absolut<br />

falsch. Sie können die Art <strong>und</strong> Wiese, wie die Kamera das<br />

Licht misst, um die richtige Belichtung zu ermitteln, einzig<br />

<strong>und</strong> allein durch Auswählen eines anderen Messmusters<br />

ändern. Wenn Sie das Messmuster allerdings unverändert<br />

lassen (die meisten von uns bevorzugen das jeweilige<br />

Mehrzonenmuster der Kamera, wie „Evaluative“ bei Canon<br />

oder „Matrix“ bei Nikon), wird das Licht auf genau dieselbe<br />

Weise gemessen, <strong>und</strong> zwar unabhängig von der<br />

verwendeten Belichtungsart. Wer aus diesem Gr<strong>und</strong> die<br />

manuelle Belichtungsart beispielsweise der Betriebsart<br />

Zeitautomatik vorzieht, macht sich deshalb das Leben<br />

unnötig schwer.<br />

Gibt es in diesem modernen, automatisierten digitalen<br />

Zeitalter überhaupt eine Berechtigung für die manuelle<br />

Belichtungsart? Auf jeden Fall! Wenn Sie beispielsweise mit<br />

einem Studioblitz fotografieren, müssen Sie die manuelle<br />

Betriebsart wählen, damit Sie die Blende einstellen können,<br />

die zusammen mit der Blitzsynchronisationsgeschwindigkeit<br />

der Kamera für die richtige Blitzbelichtung erforderlich ist.<br />

Wenn Sie einen Studioblitz mit der Betriebsart Zeitautomatik<br />

verwenden, können Sie zwar auch die Blende auswählen,<br />

aber die Kamera stellt automatisch eine Verschlusszeit ein,<br />

mit der die Belichtung auf der Gr<strong>und</strong>lage des<br />

Umgebungslichts, aber nicht des Blitzes vorgenommen wird.<br />

Wenn Sie viel unter Restlichtbedingungen fotografieren<br />

<strong>und</strong> regelmäßig die Einstellung „Langzeitbelichtung“<br />

verwenden, damit der Verschluss offen bleiben kann, um<br />

Verkehrsspuren, Feuerwerke, Sternspuren <strong>und</strong> so weiter<br />

aufzunehmen, müssen Sie die Kamera möglicherweise auch<br />

in die manuelle Belichtungsart schalten, um auf die<br />

Einstellung „Langzeitbelichtung“ zugreifen zu können. Bei<br />

einigen Kameras ist „Langzeitbelichtung“ eine eigenständige<br />

Einstellung, aber bei vielen befindet sich diese Einstellung<br />

einfach am Ende des Verschlusszeitbereichs in der<br />

manuellen Betriebsart.<br />

Ein weiterer Vorzug der manuellen Belichtungsart besteht<br />

darin, dass sich die Belichtung nicht mehr ändert, wenn Sie<br />

sie an der Kamera einmal eingestellt haben, auch wenn Sie<br />

die Kamera bewegen oder sich die Lichtverhältnisse ändern.<br />

Wenn Sie unter schwierigen oder veränderlichen<br />

Lichtbedingungen fotografieren, aber eine bestimmte<br />

Belichtung beibehalten müssen, lässt sich dies einfacher mit<br />

der manuellen Betriebsart als mit einer Belichtungskorrektur<br />

oder der Belichtungssperre mit einer anderen Belichtungsart<br />

bewerkstelligen.<br />

Natürlich kann das sowohl ein Segen als auch ein Fluch<br />

sein, denn wenn sich die Lichtverhältnisse ändern <strong>und</strong> Sie<br />

die Belichtung ändern müssen, dies aber in der manuellen<br />

Belichtungsart vergessen, dann haben Sie ein schlecht<br />

belichtetes Bild. Das geschieht bei den anderen<br />

Belichtungsarten nicht, weil entweder die Blende oder die<br />

Verschlusszeit oder beides von der Kamera eingestellt wird.<br />

Wenn sich also in diesem Fall die Lichtverhältnisse ändern,<br />

ändert sich auch automatisch die Belichtung, damit das Bild<br />

weiterhin richtig belichtet wird.<br />

Einige Fotografen bevorzugen die manuelle Belichtungsart<br />

einfach, weil sie damit das Gefühl haben, mehr Kontrolle<br />

über die Kamera zu haben, <strong>und</strong> das ist durchaus in Ordnung.<br />

Wenn Sie sich erst seit wenigen Jahren ernsthaft mit dem<br />

<strong>Fotografie</strong>ren beschäftigen, mag Ihnen diese Idee ziemlich<br />

albern vorkommen. Aber Fotografen, die schon viele Jahre<br />

lang oder sogar Jahrzehnte mit ausschließlich manuell zu<br />

bedienenden Kameras fotografieren, sind eben<br />

Aufnahmesituationen, für die sich am besten die manuelle Belichtungsart eignet<br />

Einstellen von Blenden <strong>und</strong> Verschlusszeiten<br />

in der manuellen Betriebsart<br />

Die Vorgehensweise hierfür variiert von Kamera zu<br />

Kamera, aber bei den meisten Modellen kommt folgende<br />

Methode zum Einsatz: Schalten Sie die Kamera in die<br />

manuelle Betriebsart, <strong>und</strong> stellen Sie die Verschlusszeit<br />

über das Eingabeeinstellrad ein. Um die Blende zu<br />

ändern, halten Sie die Taste für die Belichtungskorrektur<br />

gedrückt, <strong>und</strong> wählen Sie die Blende über das<br />

Eingabeeinstellrad. Bei einigen Systemkameras ist es ein<br />

wenig kniffliger – hier müssen Sie für den Zugriff auf<br />

Blende <strong>und</strong> Verschlusszeit den Ring um das<br />

Vierwegebedienelement verwenden.<br />

Spiegelreflex<br />

System<br />

Gewohnheitstiere, <strong>und</strong> für sie ist das einfach eine vertrautere<br />

Arbeitsweise.<br />

In den Händen eines erfahrenen Fotografen kann auch<br />

die manuelle Betriebsart schnell <strong>und</strong> zuverlässig<br />

funktionieren, weil Sie damit das Gefühl weder für die Blende<br />

noch für die Verschlusszeit verlieren. Wenn eine Belichtung<br />

geändert werden muss, um einen Fehler zu beheben,<br />

können Sie dies tun, indem Sie entweder die Blende oder die<br />

Verschlusszeit oder beides ändern, <strong>und</strong> müssen sich nicht auf<br />

die Belichtungskorrekturfunktion der Kamera verlassen.<br />

Hier trifft das Sprichwort zu: Des einen Freud, des anderen<br />

Leid. Die manuelle Belichtungsart ist langsamer <strong>und</strong> ein<br />

wenig kniffliger als die anderen Belichtungsarten, aber<br />

einigen von uns gefällt sie einfach besser!<br />

1) Studioblitzfotografie<br />

Bei der Arbeit mit Studioblitz müssen Sie die manuelle<br />

Betriebsart verwenden. Die Verschlusszeit muss auf die<br />

Blitzsynchronisationsgeschwindigkeit (oder niedriger)<br />

eingestellt werden, während die Belichtung von der<br />

Blende bestimmt wird.<br />

3) Langzeitbelichtungen<br />

Die allermeisten Kameras müssen auf manuelle<br />

Betriebsart eingestellt werden, damit die<br />

Langzeitbelichtungsfunktion ausgewählt werden kann.<br />

Wie in der Rubrik Fotoexperte zu sehen ist, sind hiermit<br />

kreative, lange Belichtungen möglich.<br />

2) Nachtfotografie<br />

Für Nachtaufnahmen könnten Sie zwar auch eine der<br />

beiden halbautomatischen Betriebsarten verwenden.<br />

Aber in der manuellen Betriebsart können Sie<br />

Änderungen an der Belichtung am schnellsten<br />

vornehmen – schnell <strong>und</strong> praktisch.<br />

4) Belichtungsreihen<br />

Fotografen, die noch nicht viel Erfahrung mit<br />

Belichtungsreihen haben, verwenden gern die Zeitautomatik<br />

mit Belichtungskorrektur. Eine schnellere Möglichkeit besteht<br />

jedoch darin, Änderungen an Blende <strong>und</strong> Verschlusszeit in<br />

der manuellen Betriebsart vorzunehmen.<br />

Verwenden der Belichtungsskala<br />

Die richtige Belichtung in der manuellen Betriebsart zu<br />

erreichen ist einfacher als Sie vielleicht denken. Beim Ändern<br />

der Blenden- <strong>und</strong> Kameraeinstellungen müssen Sie lediglich<br />

die Belichtungsskala als Richtschnur verwenden, ob die<br />

aktuellen Einstellungen zu einer Über- oder Unterbelichtung<br />

führen. Ändern Sie die Blende bzw. die Verschlusszeit, bis sich<br />

die Belichtungsmarkierung bei 0 befindet; das bedeutet, dass<br />

die Belichtung stimmt. In der manuellen Betriebsart gibt es<br />

keine Belichtungskorrekturfunktion. Aber Sie können die<br />

Szene absichtlich wirkungsvoll über- bzw. unterbelichten,<br />

indem Sie die Belichtungsmarkierung von 0 zu einem<br />

positiven oder negativen Wert bewegen.<br />

Manuelle Betriebsart mit Blitz<br />

Viele Menschen glauben, dass auch der Blitz in manueller<br />

Betriebsart funktioniert, wenn sich die Kamera in<br />

manueller Betriebsart befindet. Das stimmt aber nicht. In<br />

der manuellen Betriebsart wählen Sie eine Blende <strong>und</strong><br />

eine Verschlusszeit zur Beleuchtung des Hintergr<strong>und</strong>s,<br />

während die Aufgabe des Blitzes ausschließlich darin<br />

besteht, das Motiv richtig zu belichten. Auch wenn sich<br />

die Kamera in der manuellen Betriebsart befindet,<br />

verwendet der Blitz trotzdem TTL-(Through-The-Lens-)<br />

Blitzmessung, um eine korrekte Blitzbelichtung<br />

bereitzustellen. Bei ausgeklügelteren Blitzgeräten wird am<br />

LCD-Monitor hinten eine Entfernungsskala angezeigt, die<br />

angibt, welche Entfernung der Blitz abdecken kann.<br />

74 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Belichtungsarten: Manuell<br />

Bereit für Veränderungen<br />

Erfahrene Fotografen verwenden beim<br />

<strong>Fotografie</strong>ren in schwierigen<br />

Lichtverhältnissen die manuelle<br />

Belichtungsart, da damit am<br />

schnellsten auf Faktoren wie Motive im<br />

Gegenlicht eingegangen werden kann.<br />

FOTOS: LEE FROST<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 75


Die Kamera verstehen<br />

FOTO: LEE FROST<br />

WEISSABGLEICH<br />

Das Weißabgleichssystem der Kamera ist an der Messung der<br />

Lichttemperatur einer Aufnahme beteiligt <strong>und</strong> spielt eine wichtige<br />

Rolle bei der Darstellung der Farben in den Bildern.<br />

LICHT IST NICHT FARBNEUTRAL. Je nachdem, ob Sie bei Tageslicht<br />

fotografieren oder eine künstliche Lichtquelle verwenden, hat das Licht<br />

eine eigene Farbtemperatur, die in Kelvin (K) gemessen wird. Das ist eine<br />

Tatsache, die man im Alltag kaum zur Kenntnis nimmt, einfach weil das<br />

Gehirn die Augen so schnell an das, was sie sehen, anpasst, dass jeder<br />

Farbstich buchstäblich von einem Augenblick auf den anderen<br />

verschw<strong>und</strong>en ist. Der automatische Weißabgleich der Kamera<br />

funktioniert ähnlich: Diese Funktion misst die Farbtemperatur, um<br />

präzise Farben wiederzugeben, was in den meisten Fällen auch<br />

hervorragend gelingt. Allerdings ist sie nicht perfekt, sodass gelegentlich<br />

Bilder mit deutlichen Farbstichen entstehen. Daher lohnt es sich zu<br />

wissen, welche Situationen am ehesten problematisch sein können, <strong>und</strong><br />

was Sie tun können, um ausgezeichnete Ergebnisse zu erzielen. In der<br />

Artikelreihe „Die Kamera vestehen“ beschäftigen wir uns in dieser<br />

Ausgabe mit den Gr<strong>und</strong>lagen der Farbtemperatur, den verschiedenen<br />

Weißabgleichsvoreinstellungen <strong>und</strong> den Techniken zum Aufnehmen von<br />

Bildern mit ausgesprochen präzisen Farben. Von einem kreativen<br />

Standpunkt aus betrachtet kann das Einstellen des falschen<br />

Weißabgleichs zur absichtlichen Erzeugung eines bestimmten Farbstichs<br />

die Atmosphäre eines Bildes natürlich noch besser zur Geltung bringen.<br />

Deshalb sehen wir uns auch diese Möglichkeit an. Sie werden feststellen,<br />

dass es der Kamera ausgezeichnet gelingt, die Farbbalance in den<br />

Bildern richtig wiederzugeben. Aber wie bei vielen anderen Funktionen<br />

ist es wichtig zu wissen, wie der Weißabgleich funktioniert, wie Sie<br />

Einfluss darauf nehmen können <strong>und</strong> was Sie tun sollten, wenn<br />

bestimmte Situationen der Kamera Schwierigkeiten bereiten. So<br />

verbessern Sie Ihr Können.


Die Kamera verstehen<br />

Lichttemperatur<br />

Wenn Sie bewusst darauf achten, können Sie in nahezu jeder Beleuchtung die Farbe des Lichts sehen. Das<br />

Weißabgleichsystem der Kamera dient zur präzisen Wiedergabe der Farben bei allen Arten von Licht.<br />

JEDE ART VON LICHT hat ihre eigene Farbtemperatur, die –<br />

ähnlich wie Wärme – von warm bis kalt reicht. Am<br />

offensichtlichsten ist dies bei Kunstlicht (stellen Sie sich eine<br />

herkömmliche Glühbirne vor), das einen kräftigen, „warmen“<br />

orangefarbenen Farbstich abgibt <strong>und</strong> dem Weißabgleichsystem<br />

einer Kamera die meisten Probleme bereitet. Aber Sie haben es<br />

nicht nur mit künstlichem Licht zu tun. Tageslicht hat seine<br />

eigene Farbtemperatur. Um genau zu sein, hat Tageslicht sogar<br />

eine Reihe von verschiedenen Farbtemperaturen. Je nach<br />

Tageszeit, klimatischen Bedingungen <strong>und</strong> Jahreszeit kann die<br />

Farbtemperatur von Tageslicht stark variieren. An einem kalten<br />

Wintertag nimmt das Licht eine kühle blaue Farbe an, während<br />

ein Sonnenuntergang einen kräftigen orangefarbenen/rötlichen<br />

Farbstich hat. Das sind zwei Extrembeispiele, die jedoch deutlich<br />

machen, dass Tageslicht nicht mit nur einer Farbtemperatur<br />

gleichgesetzt werden kann. Das spiegelt sich auch in der<br />

Tatsache wider, dass es mehrere Weißabgleichsvoreinstellungen<br />

für verschiedene Arten von Tageslicht gibt.<br />

Wie bei ziemlich allen Aspekten der <strong>Fotografie</strong> kann Ihnen die<br />

Kamera zum Glück weiterhelfen. Sie werden feststellen, dass die<br />

Funktion „Automatischer Weißabgleich (AWB)“ in den meisten<br />

Situationen gute Ergebnisse liefert. Und wenn die Kamera doch<br />

einmal Probleme hat, können Sie immer noch eine<br />

Weißabgleichvoreinstellung wählen oder einen der anderen<br />

Tricks ausprobieren, die wir Ihnen in diesem Leitfaden zeigen,<br />

um für eine perfekte Farbwiedergabe in Ihren Bildern zu sorgen.<br />

Damit Sie sich das Konzept der Lichttemperatur besser vorstellen<br />

können, sehen Sie rechts eine Skala mit einer optischen<br />

Darstellung von Lichttemperatur, beliebten<br />

Weißabgleichvoreinstellungen <strong>und</strong> den zugehörigen Kelvin-<br />

Werten.<br />

LEE FROST<br />

Kunstlicht<br />

Tageslicht<br />

Blitz<br />

Bewölkt<br />

Schatten<br />

2000K<br />

3400K 4000K 5200K 5500K 6000K 7000K<br />

8000K<br />

10000K<br />

„Perfekter“ Weißabgleich<br />

Es gibt folgende drei Hauptmethoden, mit denen Sie den<br />

präzisesten Weißabgleich erzielen können:<br />

1) Verwenden Sie die benutzerdefinierte Voreinstellung, um<br />

den Weißabgleich für die jeweiligen Lichtverhältnisse<br />

einzustellen.<br />

2) <strong>Fotografie</strong>ren Sie ein Referenzbild für den Weißabgleich<br />

(mit Hilfe einer Graukarte oder einem anderen Hilfsmittel),<br />

<strong>und</strong> führen Sie später eine Stapelverarbeitung der Bilder<br />

durch.<br />

3) <strong>Fotografie</strong>ren Sie im Raw-Format, verwenden Sie die<br />

AWB-Voreinstellung, <strong>und</strong> legen Sie den besten Weißabgleich<br />

bei der Nachbearbeitung fest.<br />

Alle drei Methoden liefern Bilder mit realistischeren Farben,<br />

als wenn Sie den Weißabgleich einfach in der Einstellung<br />

Auto (AWB) lassen würden. Die erste Methode, die gut<br />

funktioniert, aber zeitaufwändig ist, muss mit der Kamera<br />

vorgenommen werden; sie eignet sich nicht bei dauernd<br />

wechselnden Lichtverhältnissen. Bei der zweiten Methode<br />

wird eine Kameratechnik mit einer Nachbearbeitungstechnik<br />

kombiniert. Sie eignet sich am besten für Situationen mit<br />

kontrollierten Lichtverhältnissen, wenn Sie mehrere Bilder<br />

machen. Die dritte Methode ist eine gute Allzweckoption, da<br />

sie Ihnen am meisten Kontrolle überlässt. Egal, ob Sie die<br />

erste oder zweite Methode verwenden oder die Kamera in der<br />

Einstellung AWB lassen – wir empfehlen, dass Sie immer im<br />

Raw-Format fotografieren, weil Sie dann beim späteren<br />

Umwandeln der Bilder am meisten Spielraum haben.<br />

Benutzerdefinierter Weißabgleich<br />

Automatischer Weißabgleich<br />

Auswahl einer Einstellung für den<br />

Weißabgleich<br />

Da es sich hierbei um eine so wichtige Funktion<br />

handelt, ist es bei den meisten<br />

Spiegelreflexkameras sehr einfach, die<br />

Weißabgleicheinstellung zu ändern, weil es eine<br />

separate Taste dafür gibt. Hier zeigen wir Ihnen, wie<br />

Sie den Weißabgleich bei einer Canon-Kamera<br />

einstellen können (bei den meisten anderen<br />

Marken funktioniert es allerdings ähnlich): Drücken<br />

Sie WB, wählen Sie die gewünschte Voreinstellung,<br />

<strong>und</strong> drücken Sie dann OK/SET, um Ihre Auswahl<br />

zu bestätigen. So einfach geht das!<br />

78 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Weißabgleich<br />

Ein benutzerfre<strong>und</strong>licher Leitfaden für Weißabgleichvoreinstellungen<br />

Automatischer Weißabgleich (AWB) Dies ist die<br />

Standardeinstellung, mit der die große Mehrzahl der<br />

Fotografen arbeitet. Die Kamera legt den Weißabgleich<br />

selbsttätig fest <strong>und</strong> tut dies in der Regel sehr gut. Diese<br />

Einstellung funktioniert am besten bei normalen<br />

Tageslichtbedingungen. Probleme gibt es in erster Linie bei<br />

Kunstlicht <strong>und</strong> einer kräftigen Lichttemperatur. Wenn Sie<br />

AWB regelmäßig verwenden, sehen Sie sich die Bilder am<br />

LCD-Bildschirm an, <strong>und</strong> ändern Sie die Einstellungen,<br />

wenn Sie einen Farbstich feststellen.<br />

Einstellen von AWB: Allgemeine Aufnahmen im Freien.<br />

LEE FROST<br />

Benutzerdefinierte Weißabgleicheinstellungen: Sie legen den Weißabgleich fest<br />

Benutzerdefinierter Weißabgleich Mit dieser Voreinstellung<br />

können Sie einen Weißabgleich von einer grauen (oder weißen)<br />

Oberfläche vornehmen, anhand welcher die Kamera dann die<br />

Farben für alle weiteren Aufnahmen ermittelt, die mit der<br />

Einstellung „Benutzerdefinierter Weißabgleich“ gemacht werden.<br />

Bei richtiger Verwendung erhalten Sie sehr genaue Ergebnisse.<br />

Da Sie aber dafür verantwortlich sind, woher die Kamera ihren<br />

Wert erhält, besteht immer die Gefahr eines Benutzerfehlers, der<br />

zu einer schlechten Farbwiedergabe führen kann.<br />

Verwenden des benutzerdefinierten Weißabgleichs:<br />

<strong>Fotografie</strong>ren bei gemischten Lichtverhältnissen (beispielsweise<br />

ein mit Kunstlicht beleuchteter Raum, in dem die Szene auch<br />

durch ein Fenster mit Tageslicht beleuchtet wird). In einem<br />

Studio, in dem Sie die Beleuchtung kontrollieren <strong>und</strong> einen<br />

benutzerdefinierten Weißabgleich verwenden, um gleich<br />

bleibende Ergebnisse zu gewährleisten.<br />

Kelvin Mit dieser Voreinstellung können Sie die Kamera auf<br />

eine bestimmte Farbtemperatur einstellen. Sie richtet sich an<br />

sehr erfahrene Benutzer, die zur Erzielung sehr präziser<br />

Ergebnisse mit einem Handmessgerät für den Weißabgleich<br />

arbeiten.<br />

ISTOCK PHOTO<br />

Weißabgleich für künstliches Licht: Vermeiden Sie AWB bei künstlicher Beleuchtung, <strong>und</strong> verwenden Sie eine der folgenden Voreinstellungen<br />

Glühlampe Diese Einstellung wird auch als „Kunstlicht“<br />

bezeichnet. Verwenden Sie sie für Innenaufnahmen mit<br />

einer standardmäßigen Kunstlichtbeleuchtung mit einer<br />

Farbtemperatur von etwa 3.200 K. Wenn Sie den<br />

Weißabgleich in der Einstellung AWB lassen, haben die<br />

resultierenden Bilder einen kräftigen orangefarbenen<br />

Stich. Überprüfen Sie bei Innenaufnahmen, ob es sich bei<br />

der Beleuchtung wirklich um Kunstlicht handelt, da in<br />

vielen Privathäusern <strong>und</strong> Geschäften heutzutage<br />

tageslichtähnliche, energiesparende Glühbirnen<br />

verwendet werden.<br />

Einstellen auf Glühlampe: Wenn das einzig verfügbare<br />

Licht von Glühbirnen stammt.<br />

LEE FROST<br />

Leuchtstofflampen Küchen, Cafeterias oder Werkstätten<br />

werden in der Regel mit Leuchtstofflampen beleuchtet.<br />

Verwenden Sie diese Voreinstellung also, um einen unges<strong>und</strong><br />

wirkenden Grünstich zu vermeiden. Einige Kameras verfügen<br />

über verschiedene Voreinstellungen für Leuchtstofflampen;<br />

wählen Sie also die Einstellung, die für die jeweiligen Lampen<br />

am besten geeignet sind. Bei einigen ist einfach nur eine<br />

Nummer angegeben, beispielsweise FL1, FL2 <strong>und</strong> so weiter,<br />

sodass Sie Probeaufnahmen machen müssen, um zu sehen,<br />

welche am besten geeignet ist. Bei den meisten sind jedoch<br />

verschiedene Arten von Leuchtstofflampen angegeben, wie<br />

warmes Weiß oder kühles Weiß.<br />

Einstellen auf Leuchtstofflampen: Unter Leuchtstofflampen<br />

– aber vergewissern Sie sich zuerst, dass es sich nicht um<br />

tageslichtähnliche Lampen handelt.<br />

Blitz Da Blitzgeräte <strong>und</strong> Studioblitz tageslichtähnlich<br />

sind, mag es überraschend sein, dass es auch eine<br />

Blitzvoreinstellung gibt. Sie liefert ein sehr reines, weißes<br />

Licht mit etwa 6.000 K. Bei der Arbeit mit Studioblitz lohnt<br />

es sich durchaus, diese Einstellung zu verwenden,<br />

insbesondere für High-Key- oder Produktfotos mit einem<br />

weißen Hintergr<strong>und</strong>. Hierfür kann auch AWB verwendet<br />

werden, was jedoch zu einem leicht kühlen Farbstich<br />

führen kann.<br />

Einstellen auf Blitz: High-Key-Porträts mit<br />

Studiobeleuchtung, für die ein weißer Hintergr<strong>und</strong><br />

erforderlich ist.<br />

Weißabgleich für Tageslicht: Die meisten Kameras haben die folgenden drei Standardeinstellungen für Tageslicht<br />

LEE FROST<br />

ISTOCK PHOTO ISTOCK PHOTO<br />

LEE FROST<br />

LEE FROST<br />

Tageslicht Verwenden Sie diese Einstellung an einem<br />

klaren Tag. Die meisten Kameras stellen den Weißabgleich<br />

auf 5.200 K ein. Das ist ein wenig kühler als die<br />

Mittagssonne, eignet sich aber für die Mittagsst<strong>und</strong>en am<br />

besten.<br />

Einstellen auf Tageslicht: Allgemeine Aufnahmen im Freien,<br />

wenn ein klarer, blauer Himmel <strong>und</strong> natürliche Farben<br />

erreicht werden sollen. AWB kann zu eintönigen<br />

Sonnenuntergängen führen; wählen Sie also die<br />

Tageslichteinstellung, damit der warme orangefarbene<br />

Himmel am besten zur Geltung kommt.<br />

Schatten Das Licht in schattiger Umgebung neigt dazu,<br />

blauer zu sein als Tageslicht, <strong>und</strong> hat eine Farbtemperatur<br />

von etwa 7.000 K. Mit dieser Einstellung können Sie also<br />

den kühleren Tönen entgegenwirken, die mit der<br />

Einstellung AWB aufgenommen werden.<br />

Einstellen auf Schatten: Wenn das Motiv im Schatten<br />

einer Wand oder eines Baums ist. Die Farbtemperatur<br />

eignet sich eher für leichten als für starken Schatten.<br />

Bewölkt An Tagen, an denen die Sonne von dicken<br />

Wolken verdeckt wird, oder wenn der Himmel bedeckt ist,<br />

ist das Licht ein wenig kühl <strong>und</strong> hat eine Farbtemperatur<br />

von etwa 6.000 K. Mit dieser Einstellung wird dem Bild<br />

ein wenig Wärme verliehen, aber der Effekt ist nicht so<br />

markant wie mit der Einstellung Schatten.<br />

Einstellen auf Bewölkt: Wenn die Sonne von dicken<br />

Wolken verdeckt wird, können Sie der Szene mit dieser<br />

Einstellung ein wenig Wärme verleihen.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 79


Die Kamera verstehen<br />

Aufbau für den perfekten Weißabgleich<br />

Die Voreinstellungen für den Weißabgleich leisten in den meisten Aufnahmesituationen ausgezeichnete Arbeit. Wenn sie aber wie erwähnt<br />

unter schwierigen Beleuchtungssituationen fotografieren oder den genauest möglichen Weißabgleich sicherstellen möchten, dann<br />

verwenden Sie die nachfolgend beschriebenen Methoden <strong>und</strong> gesondert erhältliches Zubehör, um eine ausgesprochen präzise<br />

Farbwiedergabe zu erreichen.<br />

Verwenden der Kameraeinstellung für benutzerdefinierten Weißabgleich<br />

Um die Voreinstellung für benutzerdefinierten Weißabgleich zu<br />

verwenden, müssen Sie der Kamera eine Referenz zur<br />

Verfügung stellen, damit sie die Farbtemperatur der Szene<br />

feststellen kann. Wie Sie hierfür vorgehen, ist von Kamera zu<br />

Kamera ein wenig unterschiedlich. Wir verwenden für dieses<br />

Beispiel eine Canon EOS 550D. Bei anderen Marken ist das<br />

Vorgehen für den Aufbau eines Weißabgleichs ähnlich.<br />

1) Dieses Bild wurde mit AWB mit Kunstlicht gemacht <strong>und</strong> hat<br />

einen starken Farbstich. Um dieses Problem zu vermeiden,<br />

gehen Sie folgendermaßen vor:<br />

2) Stellen Sie die Kamera auf die Voreinstellung für<br />

benutzerdefinierten Weißabgleich ein, <strong>und</strong> platzieren Sie eine<br />

Graukarte in der Szene. Machen Sie eine Aufnahme, in der die<br />

Graukarte den Rahmen ausfüllt.<br />

3) Verwenden Sie dieses Bild als Referenz für die Kamera zur<br />

Anwendung der Voreinstellung für den benutzerdefinierten<br />

Weißabgleich.<br />

4) Bei Aufnahmen mit benutzerdefiniertem Weißabgleich<br />

weisen die Bilder jetzt eine ausgezeichnete Farbwiedergabe auf.<br />

2<br />

4<br />

1<br />

3<br />

Kamerazubehör<br />

Das folgende Zubehör eignet sich zur<br />

Einstellung eines benutzerdefinierten<br />

Weißabgleichs mit Hilfe der beschriebenen<br />

Vorgehensweise.<br />

Grau-/Weißkarte<br />

Das ist das einfachste <strong>und</strong><br />

billigste Zubehör, das in den<br />

meisten Fotogeschäften für<br />

unter etwa zwölf Euro erhältlich<br />

ist. Standardmäßig wird es für präzises<br />

Messen verwendet – wenn Sie die Graukarte<br />

zur Kamera hin halten <strong>und</strong> eine Spotmessung<br />

von der Oberfläche machen, können Sie eine<br />

genaue Aufnahme machen. Die Karte kann<br />

aber auch verwendet werden, um einen<br />

benutzerdefinierten Weißabgleichswert für<br />

eine genaue Farbwiedergabe zu erhalten. Bei<br />

einigen Kameras können Sie für die<br />

benutzerdefinierten Weißabgleicheinstellungen<br />

statt der grauen auch eine weiße Oberfläche<br />

verwenden; nähere Informationen hierzu<br />

finden Sie in der Bedienungsanleitung.<br />

Auf der Umschlaginnenseite einiger<br />

Ausgaben von „<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong>“ finden Sie<br />

eine Grau- <strong>und</strong> eine Weißkarte.<br />

Lastolite Ezybalance<br />

Ezybalance ist eine Grau-/<br />

Weißkarte, die wie die faltbaren<br />

Reflektoren der Firma<br />

konzipiert ist. Die tragbare<br />

Karte ist für etwa 24 Euro erhältlich <strong>und</strong><br />

robuster als die standardmäßige Graukarte.<br />

ExpoImaging ExpoDisc<br />

Mit Graukarten messen Sie den<br />

Weißabgleichswert vom Licht,<br />

das von der Oberfläche<br />

reflektiert wird. Dieses System<br />

funktioniert zwar genau, ist aber nicht<br />

narrensicher. Die ExpoDisc ist ein<br />

durchsichtiger Filter, der sich vor dem Objektiv<br />

befindet <strong>und</strong> eine Weißabgleichsmessung des<br />

einfallenden Lichts ermöglicht. Sie ist zwar<br />

teurer, liefert Ihnen aber bei richtiger<br />

Verwendung sehr präzise<br />

Weißabgleichsergebnisse. Ähnlich wie bei<br />

einem typischen Schraubfilter wählen Sie ein<br />

passendes Filtergewinde für Ihr<br />

Lieblingsobjektiv. Alternativ können Sie auch<br />

eine größere Ausführung wählen <strong>und</strong> sie vor<br />

das Element halten, während ein<br />

benutzerdefinierter Weißabgleichswert<br />

gemessen wird. Der Preis von etwa 84 Euro<br />

mag hoch erscheinen, aber die ExpoDisc ist gut<br />

verarbeitet <strong>und</strong> sollte Ihnen viele Jahre lang<br />

gute Dienste erweisen. Von daher ist es also<br />

eine gute Investition. Die standardmäßige<br />

ExpoDisc ist am beliebtesten. Es gibt aber auch<br />

spezielle Versionen für Porträt- <strong>und</strong><br />

Videoaufnahmen.<br />

80 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Weißabgleich<br />

2) Machen Sie zuerst eine Probeaufnahme mit einer Graukarte …<br />

Wenn es Ihnen lieber ist, können Sie die Stapelverarbeitung<br />

von Bildern statt mit der Kamera bei der Nachbearbeitung<br />

vornehmen. Platzieren Sie zu diesem Zweck, wenn Sie die<br />

Beleuchtung <strong>und</strong> andere Elemente in der Szene vorbereitet<br />

haben, eine Graukarte (oder anderes Weißabgleichzubehör) in<br />

der Szene, <strong>und</strong> machen Sie eine Referenzaufnahme. Dieses<br />

Bild kann bei der Nachbearbeitung als Referenzpunkt dienen,<br />

von dem aus Farbanpassungen auf alle anderen Bilder<br />

angewendet werden können, die unter denselben<br />

Lichtverhältnissen gemacht werden. Außer mit Adobe<br />

Photoshop <strong>und</strong> Lightroom ist eine Stapelverarbeitung auch mit<br />

anderen Bearbeitungspaketen möglich, wie Apple Aperture.<br />

1) Bevor Sie die eigentliche Aufnahme machen, fotografieren<br />

Sie das Motiv mit einer Weißabgleichsreferenz bei denselben<br />

Lichtverhältnissen, bei denen Sie auch die restlichen Bilder im<br />

Raw-Format machen.<br />

2) Öffnen Sie alle Raw-Dateien in Adobe Camera Raw.<br />

3) Klicken Sie auf das oberste Bild (das die<br />

Weißabgleichsreferenz enthalten sollte). Klicken Sie dann bei<br />

gedrückter Umschalttaste auf das letzte Bild, um alle Dateien<br />

für die Stapelverarbeitung auszuwählen.<br />

4) Wählen Sie das Weißabgleichswerkzeug in der obersten<br />

Symbolleiste (sieht wie eine Pipette aus), <strong>und</strong> klicken Sie<br />

damit auf die Weißabgleichsreferenz.<br />

5) Sie werden feststellen, dass sich dieser Vorgang auf alle<br />

Bilder auswirkt <strong>und</strong> der richtige Weißabgleich erreicht wird.<br />

3<br />

1<br />

2<br />

4<br />

Raw-Referenz Weißabgleichzubehör<br />

DataColor SpyderCube<br />

Dieses Zubehör für etwa 48 Euro ist<br />

eine große Hilfe, wenn es darum<br />

geht, einen präzisen Weißabgleich zu<br />

erzielen. Benutzer mit mehr<br />

Erfahrung können mit den schwarzen Abschnitten<br />

auch eine Referenz für den Schwarzpunkt festlegen.<br />

Ähnlich wie bei einer Graukarte oder dem<br />

ColorChecker Passport (unten) können Sie eine<br />

Weißabgleichmessung mit der Kamera oder eine<br />

Stapelverarbeitung der Bilder bei der<br />

Nachbearbeitung vornehmen. Wenn jemand nur ein<br />

Weißabgleichswerkzeug haben möchte, für den<br />

stellt eine Graukarte oder Lastolite Ezybalance ein<br />

besseres Preis-/Leistungsverhältnis dar. Aber wenn<br />

es um einen präzisen Weißabgleich <strong>und</strong> die<br />

Kontrolle über die Belichtung geht, dann ist das die<br />

richtige Wahl.<br />

X-Rite ColorChecker Passport<br />

Dieses System kostet etwa 90 Euro<br />

<strong>und</strong> umfasst ein Farbdiagramm <strong>und</strong><br />

eine Software, mit denen Sie im<br />

Zusammenspiel ein Profil für eine<br />

genaue Farbwiedergabe einrichten können. Hierfür<br />

müssen Sie ein Bild im Raw-Format machen, das<br />

das Diagramm enthält. Anschließend konvertieren<br />

Sie es in das DNG-Raw-Format von Adobe (den<br />

Konverter gibt es kostenlos unter www.adobe.com/<br />

dng). Dann ermitteln Sie mit Hilfe der Software<br />

einen genauen Wert vom Diagramm. Das<br />

Passport-Farbdiagramm ist widerstandsfähig <strong>und</strong><br />

lässt sich schnell einrichten. Die schnelle <strong>und</strong><br />

benutzerfre<strong>und</strong>liche Software kann eigenständig<br />

oder als Lightroom-Plug-in verwendet werden. Für<br />

das System X-Rite ist zwar ein wenig<br />

Einrichtungsaufwand erforderlich, aber es liefert<br />

sehr genaue Ergebnisse.<br />

5<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 81


Die Kamera verstehen<br />

Raw bietet die optimale Weißabgleichkontrolle<br />

Wenn Sie im Raw-Format statt im<br />

JPEG-Format fotografieren, können Sie den<br />

optimalen Weißabgleich später einstellen.<br />

Wenn Sie im JPEG-Format fotografieren, verarbeitet die<br />

Kamera das Bild <strong>und</strong> wendet die Effekte der gewählten<br />

Weißabgleichvoreinstellung auf das Bild an. Wenn Sie also<br />

versehentlich die falsche Weißabgleicheinstellung gewählt<br />

haben (beispielsweise Leuchtstofflampen eingestellt, aber bei<br />

Kunstlicht fotografiert), wird auf das Bild ein starker Farbstich<br />

angewendet. Auch wenn Sie einen Großteil davon bei der<br />

Nachbearbeitung vielleicht wieder entfernen können, ist es<br />

kein ideales Szenario. Wenn Sie dagegen im Raw-Format<br />

fotografieren, können Sie das alles vergessen, weil das Bild<br />

erst verarbeitet wird, wenn Sie die Raw-Konvertersoftware<br />

am Computer einsetzen. An dieser Stelle können Sie jede<br />

beliebige Weißabgleichvoreinstellung anwenden, einen<br />

bestimmten Kelvin-Wert angeben oder alternativ die<br />

gewünschte Farbbalance mit dem Schieberegler für den<br />

Weißabgleich festlegen. Daher ist es wesentlich sinnvoller<br />

– vor allem bei ungewöhnlichen Lichtverhältnissen –, im<br />

Raw-Format zu fotografieren. Und selbst dann lohnt es sich<br />

oft, den Weißabgleich auf eine geeignete Voreinstellung zu<br />

setzen, damit die Bilder am Bildschirm der Kamera einfacher<br />

überprüft werden können.<br />

Mit einer Software zum Konvertieren von Raw-Dateien haben<br />

Sie sehr viel Kontrolle darüber, wie das fertige Bild aussieht,<br />

<strong>und</strong> über die Bedienelemente der Benutzeroberfläche,<br />

insbesondere auch über den Weißabgleich.<br />

Korrigieren eines schlechten Weißabgleichs in JPEG-Dateien<br />

Wenn Sie Bilder mit der falschen Weißabgleicheinstellung gemacht haben, entsteht möglicherweise ein kräftiger<br />

Farbstich, der das Endergebnis ruiniert. Photoshop verfügt zwar über viele Werkzeuge, mit denen Bilder gerettet werden<br />

können, aber es gibt leider keine Option „Weißabgleich korrigieren“. Also müssen Sie mit den verschiedenen<br />

Farboptionen versuchen, Ihr Bild so realistisch wie möglich aussehen zu lassen. Egal, welche Methode Sie einsetzen,<br />

verwenden Sie unbedingt eine Kopie Ihrer Datei – nur für den Fall, dass Sie die Datei nicht verbessern, sondern<br />

verschlimmern!<br />

Wenn Sie sehr viel Glück haben, sorgt die Befehlsfolge Bild > Korrekturen > Auto-Farbe möglicherweise für eine<br />

sofortige Verbesserung. Wenn Sie mit dem Ergebnis nicht zufrieden sind, wählen Sie Rückgängig (Strg+Z) <strong>und</strong><br />

verwenden eine der etwas komplexeren Vorgehensweisen.<br />

Eine der besten Methoden ist die Option Farbbalance (Bild > Korrekturen > Farbbalance), die drei Farbschieberegler<br />

enthält, mit denen einfache, aber oftmals wirkungsvolle Korrekturen vorgenommen werden können. Wir haben<br />

festgestellt, dass sich normalerweise gute Ergebnisse erzielen lassen, wenn der Schieberegler für Cyan/Rot in eine<br />

Richtung <strong>und</strong> der Schieberegler für Gelb/Blau gleich weit in die entgegengesetzte Richtung bewegt wird. Passen Sie die<br />

Werte einander an, bis Sie mit dem Ergebnis zufrieden sind.<br />

Wenn Sie bei künstlichem Licht fotografieren, bewegen Sie den Schieberegler in die Richtung des jeweiligen Farbstichs.<br />

Wenn Sie also Aufnahmen mit Leuchtstofflampenbeleuchtung gemacht haben <strong>und</strong> der Weißabgleich auf Automatisch<br />

eingestellt war, bewegen Sie den Schieberegler für Grün/Magenta, um möglichst viel von dem Grünstich zu entfernen.<br />

Wenn alle Stricke reißen <strong>und</strong> Sie keine Möglichkeit finden, das Bild in Farbe zu retten, können Sie überlegen, den<br />

Farbstich komplett zu entfernen, indem Sie das Bild in Schwarzweiß umwandeln. Auch wenn einige Farbtöne vielleicht<br />

nicht ganz realistisch sind, kann die Erstellung eines anständigen Schwarzweißbildes von einer Aufnahme mit<br />

schlechter Farbbalance durchaus als respektable „Rettungsaktion“ betrachtet werden.<br />

Kunstlicht<br />

Kräftiger Farbstich<br />

Lösungen mit der Kamera<br />

Weißabgleichsbelichtungsreihe<br />

Viele Kameras haben die Funktion<br />

„Weißabgleichsbelichtungsreihe“, mit der eine Reihe<br />

von Bildern mit leichten Verschiebungen im<br />

Weißabgleich gemacht werden. Ähnlich wie bei der<br />

Belichtungsreihe stellen Sie eine Reihe von Änderungen<br />

in Blendenstufen ein, <strong>und</strong> die Kamera macht eine Reihe<br />

von Aufnahmen, bei denen den Bildern zunehmend<br />

eine Farbvarianz hinzugefügt wird. Damit soll einem<br />

Bild normalerweise mehr Blau oder Rot hinzugefügt<br />

werden, um es kälter bzw. wärmer zu machen. Der Reiz<br />

<strong>und</strong> die Einsatzmöglichkeiten dieser Funktion sind<br />

ehrlich gesagt jedoch beschränkt, es sei denn, Sie<br />

möchten sie für kreative Zwecke verwenden.<br />

Korrigiert<br />

Verwenden der Schieberegler für die Farbbalance<br />

Dieses Bild eines Gartenfrosches wurde versehentlich in<br />

JPEG aufgenommen, wobei der Weißabgleich auf<br />

Kunstlicht eingestellt war. Das führt zu einem kräftigen,<br />

blauen Farbstich. Nach Verwendung der Schieberegler für<br />

Cyan/Rot <strong>und</strong> Gelb/Blau haben die Bilder wesentlich<br />

bessere (um nicht zu sagen: perfekte) Farben.<br />

Schwarzweiß<br />

Umwandeln in Schwarzweiß<br />

Verwenden Sie diese Methode, wenn es nicht möglich<br />

ist, das Bild noch einigermaßen zu retten. Nehmen Sie<br />

die Umwandlung dann mit der Befehlsfolge<br />

Ebene>Neue Einstellungsebene>Schwarzweiß… vor,<br />

um die Töne genau abstimmen zu können. So erhalten<br />

Sie das bestmögliche Ergebnis.<br />

„Live“-Weißabgleichskorrekturen<br />

Wenn Sie die Kamera in LiveView verwenden, werden<br />

alle Änderungen, die Sie am Weißabgleich vornehmen,<br />

sofort am Kamerabildschirm angezeigt. Das gilt auch<br />

für die elektronischen Sucher von Sony Alpha DSLTs<br />

oder kompakten Systemkameras. Wenn Sie also diese<br />

Funktion haben, brauchen Sie kein Bild zu machen<br />

<strong>und</strong> dieses dann am Bildschirm anzusehen. Ändern<br />

Sie stattdessen die Weißabgleicheinstellungen, um zu<br />

sehen, wie die Szene am Bildschirm erscheint, bevor<br />

Sie die Aufnahme machen. Denken Sie aber daran,<br />

dass am Bildschirm keine perfekten Farben angezeigt<br />

werden. Diese Methode ist also vielmehr eine nützliche<br />

Unterstützung als eine präzise Darstellung des fertigen<br />

Bildes.<br />

82 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Weißabgleich<br />

Brechen Sie die Regeln: Stellen Sie einen falschen Weißabgleich ein<br />

Manchmal können Sie Bilder mit der falschen Voreinstellung ansprechender gestalten, um absichtlich einen Farbstich zu erzeugen.<br />

ABSICHTLICH DIE FALSCHE Voreinstellung für den<br />

Weißabgleich zu verwenden, mag auf den ersten Blick nicht<br />

viel Sinn ergeben. Und doch tun viele Fotografen genau das<br />

regelmäßig, um einem Bild einen kreativen Effektiv oder eine<br />

bestimmte Stimmung zu verleihen. Am häufigsten wird diese<br />

Technik angewendet, um beim <strong>Fotografie</strong>ren in Tageslicht einen<br />

bestimmten Klimazustand besser zur Geltung zu bringen:<br />

Durch die Einstellung Kunstlicht erhält die Aufnahme eine<br />

kühle, blaue Wirkung, während mit der Auswahl von Schatten<br />

die Wärme der Farben in einer Szene unterstrichen wird. Sie<br />

eignet sich am besten für Landschaften, da wir es gewohnt<br />

sind, die Natur in verschiedenen Lichtverhältnissen zu sehen,<br />

von kühl bis warm. Für Porträtaufnahmen ist diese Technik<br />

allerdings nicht die beste Wahl, da Hauttöne damit unnatürlich<br />

wirken können. Wenn Sie jedoch bewusst einen<br />

unrealistischen <strong>und</strong> dennoch kreativen Effekt erzielen möchten,<br />

ist es andererseits einen Versuch wert.<br />

Wenn Sie im Raw-Format fotografieren, können Sie all die<br />

verschiedenen Optionen ausprobieren, indem Sie bei der<br />

Vorbereitung der Bilder für die Bearbeitung die entsprechenden<br />

Weißabgleichvoreinstellungen auswählen. Unten zeigen wir<br />

Ihnen, wie die Farbe in einer typischen Szene die Stimmung<br />

<strong>und</strong> Atmosphäre eines Bildes drastisch verändern kann.<br />

Probieren Sie es einmal selber aus, <strong>und</strong> lassen Sie sich vom<br />

Ergebnis überraschen!<br />

Diese Szene wurde im Raw-Format aufgenommen, <strong>und</strong> die<br />

Weißabgleichvoreinstellungen wurden in Raw Converter von<br />

Photoshop angewendet. Wie Sie sehen können, liefert der<br />

automatische Weißabgleich der Kamera zwar ein ordentliches<br />

Bild, aber einige der anderen Voreinstellungen erzeugen mehr<br />

Atmosphäre <strong>und</strong> einen angenehmeren Effekt. Wiederum<br />

andere Voreinstellungen führen zu einem abstoßenden <strong>und</strong><br />

wenig ansprechenden Ergebnis.<br />

AWB<br />

Schatten<br />

Bewölkt<br />

Kunstlicht<br />

FOTOS: ROSS HODDINOTT<br />

Leuchtstofflampen<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 83


Fotoexperte: Die weibliche Form<br />

Die Kunst der Boudoir-<strong>Fotografie</strong><br />

Die Boudoir-<strong>Fotografie</strong> hat viel mit der Aktfotografie gemeinsam, betont aber die Sexualität des Models auf andere Weise.<br />

FRAUEN WOLLEN IMMER ÖFTER Boudoir-<br />

Fotos, entweder als Akt- oder als<br />

Dessous-Fotos, <strong>und</strong> zwar nicht nur für ihre<br />

Partner, sondern für sich selber. Im Gegensatz zu<br />

Aktfotos sollen Boudoir-Bilder verführerisch sein<br />

<strong>und</strong> eine Verbindung mit dem Betrachter herstellen.<br />

Sie unterscheiden sich aber auch von Erotikbildern,<br />

da sie die ästhetischen Qualitäten des Models<br />

betonen <strong>und</strong> die <strong>Fotografie</strong> – nicht das sexuell<br />

Stimulierende – im Vordergr<strong>und</strong> steht.<br />

Sie sollten eine Boudoir-Aufnahme in vielerlei<br />

Hinsicht genauso wie eine Aktaufnahme<br />

behandeln, nämlich mit einem Sinn für Geschmack,<br />

Würde <strong>und</strong> fotografischem Können. Je nach<br />

Atmosphäre, die Sie erzeugen möchten, gelten<br />

dieselben Belichtungsprinzipien. Der Gestaltung<br />

des Bildes – Haare, Make-up <strong>und</strong> Dessous – sowie<br />

dem Einsatz von Requisiten <strong>und</strong> Möbeln muss<br />

jedoch wesentlich mehr Beachtung geschenkt<br />

werden.<br />

Wenn kein Studio mit verschiedenen<br />

Aufbaumöglichkeiten zur Verfügung steht, werden<br />

die meisten Boudoir-Aufnahmen vor Ort gemacht,<br />

also beispielsweise beim Model zuhause oder in<br />

einem Hotelzimmer. Das bietet Ihnen viele<br />

Möglichkeiten, die Models in verschiedenen Szenen<br />

<strong>und</strong> Umgebungen posieren zu lassen. Während es<br />

bei Nacktaufnahmen sehr stark um die Vision des<br />

Fotografen geht, werden Boudoir-Bilder oft für das<br />

Model selber gemacht, das so gut wie möglich<br />

aussehen möchte. Und neben einer richtigen Pose<br />

können gut ausgesuchte Unterwäsche,<br />

Beleuchtung <strong>und</strong> Requisiten kleine Makel<br />

verdecken <strong>und</strong> die Stärken des Models zur Geltung<br />

bringen.<br />

Wir haben die preisgekrönte Profi-Boudoir-<br />

Fotografin Emma Jones zu ihrer Arbeitsweise, den<br />

Geheimnissen der besten Beleuchtungsarten <strong>und</strong><br />

häufigen Fehlern von Anfängern befragt. „Wenn Sie<br />

anfangen, erk<strong>und</strong>igen Sie sich, was für<br />

verschiedene Körperformen <strong>und</strong> -größen geeignet<br />

ist, <strong>und</strong> experimentieren Sie damit herum, um im<br />

Kopf eine Sammlung von Posen<br />

zusammenzustellen. Wenn Sie ein zierliches <strong>und</strong><br />

feminines Ergebnis haben möchten, vermeiden Sie<br />

einen schwarzen Hintergr<strong>und</strong> <strong>und</strong> eine kräftige<br />

Beleuchtung, die harte Schatten <strong>und</strong> starke Farben<br />

erzeugt. Sorgen Sie vielmehr für eine weiche,<br />

gleichmäßige Lichtverteilung, die sich mit<br />

Lichtwannen <strong>und</strong> Reflektoren erzielen lässt. Wenn<br />

Sie glamouröse, freche Bilder haben möchten,<br />

verwenden Sie einen großen Beauty Dish oder einen<br />

parabolischen Reflektor, um klare Glanzpunkte <strong>und</strong><br />

kräftige Schatten zu erzeugen. Verwenden Sie einen<br />

Reflektor, um Schatten unter den Augen zu<br />

vermeiden, <strong>und</strong> ein zweites Licht, damit sich der<br />

Körper von einem dunklen Hintergr<strong>und</strong> abhebt.<br />

Bringen Sie Ihre K<strong>und</strong>in zum Lachen, damit sie<br />

entspannt ist. Eine K<strong>und</strong>in, die sich nicht wohlfühlt,<br />

ruiniert jedes Foto. Und lassen Sie die Finger von<br />

Federboas <strong>und</strong> Cowboyhüten. Das ist natürlich<br />

Geschmackssache, aber ich finde, diese Requisiten<br />

haben das Potenzial, aus einem tollen Bild ein<br />

kitschiges Bild zu machen. Wenn Sie Emma Jones<br />

engagieren oder ihre Werke sehen möchten,<br />

besuchen Sie www.missboudoir.com.<br />

Natürliches Tageslicht<br />

Wenn Ihr Studio ein Fenster hat, machen Sie Gebrauch davon. Je nach Tageszeit, Größe des Fensters <strong>und</strong><br />

Himmelsrichtung kann das Licht harte Schatten werfen <strong>und</strong> kräftige Farben erzeugen oder weiche Qualitäten mit<br />

schmeichelhaften, fast unmerklichen Schatten haben. Diffuses Tageslicht, das durch ein kleines Fenster scheint, ist sehr<br />

gerichtet <strong>und</strong> wirft Schatten mit weichen Kannten, während ein großes Fenster, wie die hier verwendeten, wie riesige<br />

Lichtwannen fungieren mit einem Licht, das das Model einhüllt. Unabhängig von der Art des Lichtes besteht die<br />

Herausforderung darin, das Model vor dem Fenster zu fotografieren, da es dabei von hinten beleuchtet wird. Sie müssen<br />

also soviel vorhandenes Licht wie möglich wieder auf den Körper des Models zurück reflektieren. Im Bild oben wurde ein<br />

großer rechteckiger silberner Bodenreflektor links vom Fenster in einer Entfernung von etwa 1,8 Metern platziert <strong>und</strong> nach<br />

oben geneigt, um Licht auf das Model zurück zu reflektieren. Ein silberner Lastolite Tri-Flector vorne gleicht das Licht aus.<br />

Belichtung: 1/125 Sek. mit f/2.8 (ISO 1000)<br />

84 / DIG<br />

ITALE<br />

FOTOGR<br />

OGRAFI<br />

AFIE–<br />

UPDAT<br />

DATE


Fotoexperte: Die weibliche Form<br />

Aufhelllicht oder Reflektor?<br />

Das Ziel dieses Aufbaus besteht darin, einen sinnlichen <strong>und</strong><br />

weich beleuchteten Rahmen zu schaffen, der allen<br />

Körperformen schmeichelt. Der Hintergr<strong>und</strong> besteht aus einer<br />

dezenten Damasttapete <strong>und</strong> verschiedenen weichen Netzen<br />

über einem Damastgr<strong>und</strong>. Dazwischen sind einige Blätter, um<br />

die Farben ein wenig aufzulockern. Der Aufbau besteht aus<br />

einem Hauptlicht mit einer achteckigen Lichtwanne <strong>und</strong><br />

einem Diffusorgitter, der vom Torso des Models mit f/4<br />

gemessen wurde. Das Licht befindet sich in einer Entfernung<br />

von etwa 1,8 Metern direkt links vom Model <strong>und</strong> etwa 1,5<br />

Meter vom Boden entfernt; es weist in einem Winkel von 45<br />

Grad nach unten. Damit wird die obere linke Seite des Models<br />

beleuchtet, wodurch rechts kurvenreiche Schatten entstehen.<br />

Im linken Bild befindet sich ein Aufhelllicht, das mit f/2.8<br />

gemessen wurde, hoch über dem Model; es ist nach rechts<br />

versetzt <strong>und</strong> weist nach unten, um die vom Hauptlicht<br />

erzeugten Schatten abzumildern. Es ist mit einem<br />

Spillkill-Reflektor ausgestattet <strong>und</strong> mit dem Stoff einer<br />

Lichtwanne bedeckt, um die Schärfe ein wenig<br />

abzuschwächen. Sie können hierfür eine Lichtwanne oder<br />

einen Schirm verwenden, wenn das Licht lieber sehr weich<br />

sein soll.<br />

Derselbe Aufbau kann leicht verändert werden, um für mehr<br />

Stimmung sorgen, indem das Aufhelllicht einfach durch einen<br />

großen silbernen Reflektor rechts vom Model ersetzt wird<br />

(rechtes Bild). Dadurch wird das Licht von der achteckigen<br />

Lichtwanne an die Wand zurück reflektiert, wodurch der<br />

Aufnahme mehr Tiefe verliehen wird <strong>und</strong> die schimmernde<br />

Oberfläche der Tapete besser zur Geltung kommt. Da kein<br />

Aufhelllicht vorhanden ist, sind die Schatten auf dem Körper<br />

tiefer, wodurch die Kurven stärker betont werden. Wenn das<br />

Licht nicht auf den Hintergr<strong>und</strong>, sondern auf das Model<br />

reflektiert werden soll, platzieren Sie den Reflektor einfach in<br />

einem entsprechenden Winkel. Für diese beiden Aufnahmen<br />

wurden Studioblitzköpfe des Typs Bowens Gemini 500W<br />

verwendet.<br />

Chaiselongue<br />

Wenn Sie mit Möbeln arbeiten,<br />

müssen Sie überlegen, wie Sie<br />

das Model am besten<br />

beleuchten, damit es<br />

verschiedene Posen einnehmen<br />

kann, aber gleichzeitig gut<br />

beleuchtet bleibt. Da die Tapete<br />

<strong>und</strong> der Chaiselongue<br />

elfenbeinfarben sind, wollte ich<br />

sichergehen, dass die<br />

Beleuchtung <strong>und</strong> die Schatten sehr weich sind <strong>und</strong> die Glanzpunkte nicht verlaufen.<br />

Der Studioblitz ist mit einer Neonröhre entlang der Längsseite des Chaiselongue<br />

ausgestattet, wodurch dunkle, vignettierte Kanten entstehen. Er ist etwa 1,8 Meter<br />

vom Chaiselongue <strong>und</strong> 1,5 Meter vom Boden entfernt <strong>und</strong> leicht nach unten<br />

geneigt. Mit einem Wabenraster wird das Licht noch weicher gemacht.<br />

Belichtung: 1/125 Sek. mit f/2.8 (ISO 100)<br />

Sitzsack<br />

Hier liegt das Model auf<br />

einem mit Satin überzogenen<br />

Sitzsack vor einem<br />

schwarzen Vorhang. Sein<br />

Kopf ist nach hinten<br />

Richtung Kamera geneigt,<br />

was für eine gute<br />

Beleuchtung des Gesichts<br />

sorgt. Das Hauptlicht, das<br />

vom Gesicht mit f/4.5<br />

gemessen wurde, ist mit einer senkrechten Neonröhre <strong>und</strong> einem Wabenraster<br />

ausgestattet <strong>und</strong> befindet sich etwa 1,5 Meter vom Model <strong>und</strong> 1,2 Meter vom Boden<br />

entfernt. Es ist nach unten geneigt. Unten rechts befindet sich etwa 1,8 Meter vom<br />

Model <strong>und</strong> 2,7 Meter vom Boden entfernt ein Vorsatz, der nach unten geneigt ist. Die<br />

Messung erfolgt mit f/3.5. Dadurch wird ein wenig Licht unten auf den Stoff <strong>und</strong> die<br />

Beine geworfen. Ein Reflektor wirft Licht auf die linke Seite des Models.<br />

Belichtung: 1/125 Sek. mit f/4.5 (ISO 100)<br />

86 / DIG<br />

ITALE<br />

FOTOGR<br />

OGRAFI<br />

AFIE–<br />

UPDAT<br />

DATE


Aufbau mit drei Lichtern<br />

Das ist die perfekte Beleuchtung zur Betonung von Kurven. Sie erzeugt tiefe Schatten <strong>und</strong> w<strong>und</strong>erbare weiche<br />

Glanzlichter auf der Haut. Wir verwenden wieder einen schwarzen Vorhang als Hintergr<strong>und</strong> <strong>und</strong> möchten die darauf<br />

fallende Lichtmenge beschränken. Deshalb kommt eine senkrechte Neonröhre mit einem Wabenraster zum Einsatz.<br />

Sie wird etwa 1,8 Meter vom Model <strong>und</strong> 1,5 Meter vom Boden entfernt platziert <strong>und</strong> ein wenig nach unten geneigt.<br />

Die Messung erfolgt mit f/4.5 vom Torso. Hoch hinter dem Model <strong>und</strong> ein wenig nach links versetzt wird ein Vorsatz in<br />

einer Entfernung von etwa 2,1 bis 2,5 Metern platziert. Die Messung erfolgt mit f/3.5, um die Haare <strong>und</strong> Schultern zu<br />

erfassen, damit sich das Model vom dunklen Hintergr<strong>und</strong> abhebt. Auf der gegenüberliegenden Seite der Lichtwanne<br />

wird eine 70 Zentimeter große Beauty Dish mit einem Wabenraster in einer Entfernung von etwa 1,8 Metern platziert.<br />

Die Messung erfolgt mit f/3.5, um links vom Model ein kräftiges <strong>und</strong> gleichzeitig weiches Glanzlicht hinzuzufügen.<br />

Wenn unerwünschte Schatten entstehen, verwenden Sie einen Reflektor. Belichtung: 1/125 Sek. mit f/4.5 (ISO 100)<br />

DIGITA<br />

ITA<br />

LE FOTOGR<br />

OGRAFI<br />

AFIE–<br />

UPDAT<br />

DATE \ 87


Fotoexperte<br />

Nachtleben<br />

Für die Nachtfotografie ist ein fachliches Können erforderlich, das für das <strong>Fotografie</strong>ren am Tag nur<br />

selten benötigt wird. Auf den folgenden Seiten wird beschrieben, wie Sie diese Herausforderungen<br />

bewältigen <strong>und</strong> fantastische Restlichtaufnahmen machen können.<br />

EIN WIRKLICH LEIDENSCHAFTLICHER Fotograf weiß,<br />

dass das Potenzial für außergewöhnliche Aufnahmen<br />

im Freien nicht zu Ende ist, wenn die Sonne untergeht.<br />

Nach Einbruch der Dunkelheit erwachen die Straßen<br />

mit leuchtenden Farben <strong>und</strong> quirliger Aktivität zum<br />

Leben. Gebäude, die tagsüber ganz gewöhnlich<br />

aussehen, wirken in der Nacht wie ausgewechselt,<br />

wenn sie vor dem marineblauen Nachthimmel<br />

beleuchtet werden. Menschenleere Viertel mit<br />

Laternenbeleuchtung haben plötzlich etwas<br />

Geheimnisvolles, <strong>und</strong> Straßen erscheinen wie<br />

unwirkliche, verwischte Lichtspuren. Sogar schlechtes<br />

Wetter kann eine Landschaft besser zur Geltung<br />

bringen, wenn nasse Straßen mit glänzenden<br />

Lichtreflexionen eine ganz bestimmte Atmosphäre<br />

schaffen. Bei einem so vielseitigen Angebot ist es<br />

wirklich überraschend, dass so viele Fotografen ihre<br />

Kamera wegpacken <strong>und</strong> „Feierabend machen“, wenn<br />

die „goldene St<strong>und</strong>e“ vorbei ist.<br />

Es gibt allerdings tatsächlich ein Problem. Denn obwohl<br />

gelungene Nachtaufnahmen einfacher denn je gemacht<br />

werden können, gibt es viele technische<br />

Herausforderungen, <strong>und</strong> ohne die richtige Technik <strong>und</strong><br />

Ausrüstung kann es sehr frustrierend sein. Wenn Sie die<br />

Technik jedoch einmal beherrschen, werden Sie mit<br />

zauberhaften Bildern belohnt. Wecken Sie also mit Hilfe<br />

unserer Experten Ihr verborgenes <strong>Fotografie</strong>rpotenzial,<br />

<strong>und</strong> machen Sie umwerfende Nachtaufnahmen.<br />

Es gibt natürlich von der Abend- bis zur<br />

Morgendämmerung viele Gelegenheiten zum<br />

<strong>Fotografie</strong>ren. Aber kurz nach Sonnenuntergang<br />

wandelt sich die Wärme des Himmels in kühle Lila- <strong>und</strong><br />

kräftige Blautöne, die Sie wirklich optimal nutzen<br />

sollten. Die Dämmerung verleiht farbigen Bildern nicht<br />

nur eine außergewöhnliche Aussagekraft, sondern sie<br />

bringt auch Licht <strong>und</strong> Details in Bereiche, in die die<br />

Straßenbeleuchtung nicht vordringen kann. Das ist die<br />

Zeit schlechthin, zu der Nachtaufnahmen gemacht<br />

werden sollten, in denen der Himmel erscheint.<br />

In Sachen Belichtung ist Qualität natürlich wichtiger als<br />

Quantität. Aber bei Restlichtaufnahmen geht es um<br />

lange Belichtungszeiten von mehreren Sek<strong>und</strong>en,<br />

Minuten oder sogar St<strong>und</strong>en. Genau das ist eine der<br />

einzigartigen Herausforderungen, die Sie bewältigen<br />

müssen. Bei den neueren Kameragenerationen müssen<br />

lange Belichtungszeiten nicht mit einem inakzeptablen<br />

Maß an Bildrauschen einhergehen. Die Funktion zur<br />

Rauschreduzierung bei langen Belichtungszeiten ist<br />

zwar hilfreich, verdoppelt aber die Dauer jeder<br />

Belichtung (siehe Kasten). Am besten können Sie<br />

Rauschen minimieren, wenn Sie den niedrigsten<br />

ISO-Wert der Kamera einstellen, die Kamera auf einem<br />

stabilen Stativ befestigen <strong>und</strong> sich auf lange<br />

Belichtungszeiten einstellen, indem Sie die Gefahr des<br />

Verwackelns so weit wie möglich verringern. Hierfür gibt<br />

es verschiedene Möglichkeiten: Stellen Sie Ihre<br />

Ausrüstung auf einen festen Untergr<strong>und</strong>, der keinen<br />

Schwingungen ausgesetzt ist, beispielsweise durch<br />

Verkehr oder vorbeigehende Menschen. Verwenden Sie<br />

einen Fernauslöser, damit Sie die Kamera beim<br />

Drücken des Auslösers nicht bewegen. Und verwenden<br />

Sie die Spiegelvorauslösung, wenn Sie mit einer<br />

Spiegelreflexkamera arbeiten. Mit der Spiegelvorauslösung<br />

wird die Gefahr des Verwackelns minimiert,<br />

indem der Spiegel angehoben wird, bevor Sie auf den<br />

Auslöser drücken. Dadurch sind alle vom Spiegel<br />

verursachten Schwingungen abgeklungen, bevor die<br />

Aufnahme gemacht wird. Die Verwendung der<br />

Bildstabilisierung wird nicht empfohlen, wenn die<br />

Kamera auf einem Stativ befestigt ist.<br />

Das Scharfstellen in der Nacht ist eine der größten<br />

Herausforderungen, aber von entscheidender<br />

Bedeutung.<br />

Da bei Restlicht kleine Blendenöffnungen nicht<br />

erwünscht sind, müssen Sie häufig Abstriche bei der<br />

Tiefenschärfe machen, indem Sie eine größere<br />

Blendenöffnung als für <strong>Landschafts</strong>aufnahmen bei Tag<br />

verwenden. Stellen Sie also auf ein Drittel des Bildes<br />

scharf. Nachtszenen haben für den Einsatz des<br />

Autofokus selten genug Licht oder Kontrast. Wenn Sie<br />

also feststellen, dass der AF Probleme hat, schalten Sie<br />

auf Mittelpunkt-AF, <strong>und</strong> überprüfen Sie, ob das hilft.<br />

Alternativ können Sie auch einfach auf manuellen<br />

Fokus umschalten. Wenn Sie AF verwenden <strong>und</strong><br />

mehrere Aufnahmen machen möchten, schalten Sie<br />

das Objektiv auf manuellen Fokus um, wenn Sie die<br />

Fokussperre am Motiv vorgenommen haben, damit es<br />

bei nachfolgenden Aufnahmen nicht immer wieder von<br />

Neuem scharfstellen möchte.<br />

Das Ermitteln der richtigen Belichtung ist ein weiteres<br />

kniffliges Thema <strong>und</strong> kann je nach Nachtobjekt<br />

unterschiedlich gehandhabt werden. Um jedoch eine<br />

präzise Belichtung zu erhalten, müssen Sie viel<br />

herumexperimentieren <strong>und</strong> dürfen sich die Kontrolle<br />

nicht aus der Hand nehmen lassen. Deshalb schlagen<br />

wir vor, dass Sie immer Belichtungsreihen in Schritten<br />

von je ein oder zwei Blendenstufen machen. Wenn Sie<br />

im Programm- oder vollautomatischen Modus arbeiten,<br />

werden die Bilder in der Regel überbelichtet, weil das<br />

Messsystem der Kamera versucht, alle dunklen Töne zu<br />

kompensieren. Je nach zu fotografierendem Motiv<br />

müssen Sie also selber die Kontrolle übernehmen,<br />

indem Sie die Betriebsart Zeitautomatik oder<br />

Belichtungsautomatik oder – am besten – die manuelle<br />

Betriebsart verwenden. Bei den meisten Kameras ist die<br />

Belichtungsdauer auf maximal 30 Sek<strong>und</strong>en<br />

beschränkt. Für längere Belichtungszeiten müssen Sie<br />

die Kamera also auf die Betriebsart Langzeitbelichtung<br />

einstellen, mit der Sie minuten- oder sogar<br />

st<strong>und</strong>enlange Belichtungen vornehmen können.<br />

Farbstiche sind bei Nachtaufnahmen an der<br />

Tagesordnung, weil die Belichtung so gemischt ist.<br />

Achten Sie darauf, dass die Kamera auf Raw + JPEG<br />

eingestellt ist, damit Sie den besten Weißabgleich für die<br />

Szene später mit der Raw-Konvertierungssoftware<br />

auswählen können.<br />

Jetzt kennen Sie die gr<strong>und</strong>legenden<br />

Kameraeinstellungen für die Nachtfotografie. Im<br />

weiteren Verlauf erfahren Sie, wie Sie verschiedene tolle<br />

Nachtmotive fotografieren können.<br />

Ausrüstung für die Nachtfotografie<br />

Kamera: Eine Spiegelreflex, die gut<br />

mit Rauschen umgehen kann, eine<br />

Langzeitbelichtungsfunktion hat<br />

<strong>und</strong> den Verschluss bis zu 30<br />

Sek<strong>und</strong>en lang geöffnet hält.<br />

Robustes Stativ: Ein Stativ ist<br />

unverzichtbar, um sicherzugehen,<br />

dass das Bild bei langen<br />

Belichtungszeiten nicht verwackelt<br />

wird. Für ein gutes Stativ sollten Sie mindestens<br />

etwa 120 Euro einkalkulieren. Giotto’s, Velbon<br />

<strong>und</strong> Manfrotto sind gute Marken.<br />

Elektronischer Fernauslöser: Ein<br />

Fernauslöser verringert die Gefahr<br />

des Verwackelns. Die meisten<br />

größeren Marken haben ihre<br />

eigenen Fernauslöser, aber sehen Sie sich auch<br />

günstigere, unabhängige Marken an wie<br />

Seculine, Hahnel oder Hama.<br />

Taschenlampe: Bringen Sie eine<br />

Taschenlampe mit, damit Sie die<br />

Einstellungen an der Kamera<br />

leichter vornehmen können. Sie<br />

kann auch nützlich sein, um interessante Details<br />

im Vordergr<strong>und</strong> anzuleuchten, wenn Sie die<br />

Szene mit Licht „malen“ möchten.<br />

stoppen.<br />

Stoppuhr: Wenn Sie im<br />

Langzeitbelichtungsmodus arbeiten,<br />

müssen Sie die Belichtungsdauer<br />

mit einer Uhr oder Stoppuhr<br />

Rauschreduzierung<br />

Die Funktion zur Rauschreduzierung bei langen<br />

Belichtungszeiten verringert zwar das Rauschen,<br />

verdoppelt aber auch die Belichtungsdauer. Das<br />

kann frustrierend sein, wenn die erste Aufnahme<br />

mehrere Minuten dauert. Gleich nach der<br />

Aufnahme macht die Kamera eine weitere<br />

Aufnahme, vergleicht die beiden miteinander <strong>und</strong><br />

fügt sie dann zusammen. Wir befassen uns später<br />

noch mit anderen Möglichkeiten zur<br />

Rauschreduzierung, aber diese speziellen<br />

Softwarepakete sind ebenfalls hilfreich:<br />

∞ Adobe Camera Raw ab etwa 96 Euro<br />

(enthalten in Elements 10, Photoshop CS5 <strong>und</strong><br />

Lightroom 3) www.adobe.com<br />

∞ Noise Ninja ca. 60 Euro<br />

www.picturecode.com<br />

∞ Nik Software Dfine 2.0 ca. 76 Euro<br />

www.niksoftware.com<br />

88 / DIG<br />

ITALE<br />

FOTOGR<br />

OGRAFI<br />

AFIE–<br />

UPDAT<br />

DATE


Mondbeschienene Landschaft<br />

Auf Gr<strong>und</strong> der langen Belichtungszeiten für<br />

mondbeschienene Landschaften können Sie<br />

w<strong>und</strong>erschöne ätherische Effekte erzielen.<br />

ROSS HODDINOTT


Fotoexperte: Nachtfotografie<br />

Stadtlandschaften<br />

LERNEN SIE DIE TECHNIKEN ZUM FOTOGRAFIEREN VON STADTLANDSCHAFTEN BEI NACHT.<br />

VON MODERNEN GLÄSERNEN WOLKENKRATZERN<br />

bis hin zu verfallenen Lagerhäusern bietet eine Stadt<br />

jede Menge Fotomotive – <strong>und</strong> sie alle sehen toll aus,<br />

wenn sie in der Nacht beleuchtet werden.<br />

Bevor Sie sich auf den Weg machen, um Nachtfotos zu<br />

machen, planen Sie Ihren Ausflug gut. Das ist für<br />

Nachtaufnahmen sehr wichtig, vor allem wenn Sie<br />

einen bestimmten Ort zum ersten Mal aufsuchen. Sie<br />

können viel Zeit sparen, wenn Sie Zugzeiten oder den<br />

nächstgelegenen Bahnhof kennen, vorab<br />

Sehenswürdigkeiten <strong>und</strong> Standpunkte auswählen,<br />

wissen, wo Sie parken können <strong>und</strong> wann die Sonne<br />

untergeht, <strong>und</strong> sich eine Straßenkarte besorgen. Auf<br />

diese Wiese brauchen Sie sich bei der Ankunft nur<br />

noch darauf zu konzentrieren, tolle Aufnahmen zu<br />

machen. Lassen Sie sich anfangs auch von den Bildern<br />

anderer Fotografen inspirieren. Seien Sie mehrere<br />

St<strong>und</strong>en vor der Abenddämmerung vor Ort, damit Sie<br />

ein wenig herumschlendern <strong>und</strong> sich mit der<br />

Umgebung vertraut machen können. Probieren Sie<br />

verschiedene Brennweiten <strong>und</strong> Kompositionen aus,<br />

bevor die Sonne untergeht. Halten Sie Ausschau nach<br />

Bäumen, Tunneln oder Brücken, die einem Bild einen<br />

Rahmen geben könnten. Statuen eignen sich gut als<br />

interessantes Vordergr<strong>und</strong>element, weil sie einer<br />

Aufnahme eine gewisse Dreidimensionalität verleihen.<br />

Beschränken Sie sich nicht auf breite<br />

Stadtlandschaften, sondern zoomen Sie auch<br />

Wolkenkratzer oder verlassene Straßen heran. Auch<br />

Bewegung kann die Komposition <strong>und</strong> Dynamik von<br />

Nachtaufnahmen verbessern. Halten Sie also auch<br />

nach Verkehr <strong>und</strong> Menschen Ausschau. Nehmen Sie<br />

auch Wasser in den Vordergr<strong>und</strong> auf, um die<br />

Reflexionen der Gebäudelichter zu erfassen. Das<br />

verleiht dem Bild eine großartige Symmetrie <strong>und</strong><br />

Kontrast. Geeignete Motive sind Flüsse, Seen oder ein<br />

nasser Bürgersteig nach einem Regen.<br />

Das beste Licht für nächtliche Stadtlandschaften ist die<br />

„Übergangszeit“, wenn sich das Tageslicht mit den<br />

künstlichen Lichtern der Gebäude die Waage hält. Zu<br />

dieser Zeit ist der blaue oder orangefarbene<br />

Sonnenuntergangshimmel dunkler geworden, <strong>und</strong> Sie<br />

können die Straßenlampen deutlich sehen. Aber es ist<br />

immer noch genug Tageslicht vorhanden, dass<br />

Schattendetails erkennbar sind. Dieser Moment nach<br />

dem Sonnenuntergang ist je nach Jahreszeit,<br />

Wetterbedingungen <strong>und</strong> Helligkeit der Gebäude<br />

anders. Am besten fotografieren Sie etwa 15 Minuten<br />

nach Sonnenuntergang oder wenn die Lichter der Stadt<br />

eingeschaltet werden. Sie können dann weiter<br />

fotografieren, bis vom Himmel jegliche Farbe<br />

verschw<strong>und</strong>en ist <strong>und</strong> er nur noch schwarz ist.<br />

Machen Sie 20 Minuten lang alle paar Minuten eine<br />

Belichtungsreihe (in Schritten von jeweils einer<br />

Blendenstufe über <strong>und</strong> unter der von der Kamera<br />

gemessenen Belichtung), damit Sie später die<br />

ausgewogenste Aufnahme auswählen können.<br />

Außerdem können Sie dann sehen, wie sich die<br />

Balance zwischen Umgebungs- <strong>und</strong> künstlichem Licht<br />

ganz allmählich verschiebt.<br />

Wenn sich der Himmel schwarz färbt, könnten Sie<br />

auch noch weiter fotografieren <strong>und</strong> die Aufnahmen<br />

später in Schwarzweiß umwandeln.<br />

Wenn Sie einen geeigneten Ort gef<strong>und</strong>en <strong>und</strong> sich für<br />

eine Komposition entschieden haben, müssen Sie sich<br />

als Nächstes auf Fokus <strong>und</strong> Belichtung konzentrieren.<br />

Selbst die besten Autofokussysteme können mit<br />

Restlichtbedingungen Probleme haben. Machen Sie<br />

also eine Probeaufnahme, <strong>und</strong> zoomen Sie das Bild<br />

heran, um die Schärfe zu überprüfen. Wenn der Fokus<br />

nicht passt, ändern Sie den Fokuspunkt manuell, um<br />

einen hellen Bereich mit kontrastreichen Linien zu<br />

finden, <strong>und</strong> stellen Sie noch einmal scharf. Schalten<br />

Sie dann auf manuellen Fokus um, damit das System<br />

nicht wieder nach einem Fokuspunkt sucht. Wenn Ihre<br />

Kamera über LiveView verfügt, stellen Sie sie über das<br />

Menü auf den Stativmodus ein, damit Sie besser<br />

manuell scharfstellen können. Verwenden Sie<br />

unbedingt auch einen Fernauslöser, weil dieser einen<br />

großen Einfluss auf die Schärfe haben kann.<br />

Das Messsystem der Kamera funktioniert in der Regel<br />

sehr genau. Es gibt jedoch Situationen, mit denen es<br />

Probleme hat, wie bei schwachem Licht. Da nächtliche<br />

Stadtlandschaften normalerweise aus großen dunklen<br />

Bereichen bestehen, die von kleinen, von<br />

Straßenlampen, Fenstern <strong>und</strong> Schildern beleuchteten<br />

Bereichen aufgelockert werden, stellt der extreme<br />

Kontrastumfang eine große Herausforderung dar, wenn<br />

es darum geht, die richtige Belichtung zu ermitteln. Zu<br />

lange, <strong>und</strong> Glanzlichtdetails gehen verloren; zu kurz,<br />

<strong>und</strong> die Schattenbereiche haben nur noch sehr wenige<br />

Details, weil alles ineinander übergeht. Verwenden Sie<br />

für helle Stadtlandschaften das Mehrzonenmessmuster<br />

der Kamera, bei der ein Durchschnittswert der<br />

gesamten Szene gemessen wird. Verwenden Sie die<br />

mittenbetonte oder Spotmessung für einzelne<br />

Gebäude, weil Sie sonst Gefahr laufen, sie<br />

unterzubelichten. Am besten können Sie die<br />

Genauigkeit der Belichtung am Histogramm der<br />

Kamera beurteilen. Achten Sie auf die rechte Seite, um<br />

sicherzustellen, dass keine Glanzlichter abgeschnitten<br />

werden. Belichtungsreihen (nähere Informationen<br />

hierzu finden Sie in der Bedienungsanleitung der<br />

Kamera) können dazu beitragen, eine genaue<br />

Belichtung zu erhalten. In einigen Fällen müssen Sie<br />

Teile der Aufnahmen allerdings in Photoshop<br />

Sie sollten Ihre Rechte kennen.<br />

Ein Problem beim <strong>Fotografie</strong>ren von Gebäuden in<br />

der Nacht sind Polizei- oder Sicherheitsbeamte,<br />

die auf der Gr<strong>und</strong>lage der berühmt-berüchtigten<br />

Antiterrorgesetze unterwegs sind. In Städten wie<br />

London können letztere ziemlich aggressiv<br />

werden, sodass Sie Ihre Rechte kennen sollten.<br />

Sie dürfen weder Sie noch Ihre Speicherkarte<br />

noch Ihre Kamera anfassen – damit würden sie<br />

das Gesetz brechen. Seien Sie immer höflich,<br />

aber bestimmt. Wenn Sie sich auf Privatbesitz<br />

befinden (was häufig nicht ausgeschildert ist)<br />

<strong>und</strong> gebeten werden zu gehen, willigen Sie ein,<br />

<strong>und</strong> gehen Sie schnell weiter.<br />

zusammenführen, um ein Bild mit einem hohen<br />

Kontrastumfang zu erstellen. Ziehen Sie zu diesem<br />

Zweck die drei Aufnahmen übereinander, <strong>und</strong> zeigen<br />

Sie dann mit Hilfe von Ebenenmasken verloren<br />

gegangene Schatten oder Glanzlichter von den<br />

verschiedenen Aufnahmen wieder an.<br />

Achten Sie bei der Komposition der Bilder auf Lichter<br />

knapp außerhalb des Rahmens, die Reflexlichter<br />

verursachen können. Legen Sie Ihre Hand um das<br />

Objektiv herum, um zu auszuprobieren, ob<br />

Reflexlichter vorhanden sind. Es kann offensichtlich<br />

sein, aber manchmal kann der Kontrastverlust sehr<br />

geringfügig sein. Verwenden Sie eine Objektivhaube,<br />

oder halten Sie ein Stück schwarzen Karton zwischen<br />

Licht <strong>und</strong> Objektiv (ohne es in das Bild zu halten). Sie<br />

müssen auch auf Strahlenbeugung achten, da diese<br />

die Bildqualität auf Gr<strong>und</strong> der optischen Aberrationen<br />

beeinträchtigt. Um die Strahlenbeugung zu<br />

minimieren, verwenden Sie nicht die kleinsten<br />

Blendenöffnungen, sondern verwenden Sie den<br />

Bereich zwischen f/11 <strong>und</strong> f/16 – wenn Sie darüber<br />

hinaus gehen, stellt die Strahlenbeugung eine wirkliche<br />

Gefahr dar. Ein interessanter <strong>und</strong> schöner Aspekt der<br />

Strahlenbeugung ist der Sterneffekt, der um die<br />

Hotspots von Lichtern herum auftritt (beispielsweise<br />

bei Straßenlampen). Diese sehen am besten mit<br />

Objektiven aus, die eine ungerade Zahl von<br />

Blendenlamellen haben (idealerweise sieben oder<br />

neun), da die Anzahl der „Beugungsspitzen“ verdoppelt<br />

wird: Sieben Lamellen erzeugen einen Stern mit 14<br />

Spitzen. Je kleiner die Blendenöffnung, umso<br />

raffinierter <strong>und</strong> eleganter ist der Effekt. Verwenden Sie<br />

jedoch f/22 oder kleinere Blendenöffnungen mit<br />

Vorsicht.<br />

Nachtlandschaften: (Rechts) Dieses Bild wurde in<br />

der manuellen Betriebsart mit mittenbetonter Messung<br />

<strong>und</strong> einer achtsekündigen Belichtung mit f/11<br />

aufgenommen.<br />

(Unten) Diese Bilderreihe zeigt die Übergangszeit:<br />

Man sieht, wie schnell das Umgebungslicht nachlässt<br />

<strong>und</strong> sich den Lichtern der Stadt annähert.<br />

FOTOS: TIM GARTSIDE<br />

17:40 18:05 18:30 18:35<br />

90 / DIGITA<br />

ITA<br />

TALE<br />

FOT<br />

OGRAFI<br />

E–<br />

UPDAT<br />

DATE


TIM GARTSIDE<br />

<strong>Fotografie</strong>ren von angestrahlten Gebäuden<br />

Mit Einbruch der Nacht werden viele historische <strong>und</strong> moderne Gebäude<br />

angestrahlt <strong>und</strong> laden zu w<strong>und</strong>erschönen Architekturaufnahmen ein. Um<br />

die Atmosphäre einzufangen, müssen Sie die Technik des Belichtens<br />

beherrschen, da das Gebäude häufig mehrere Blendenstufen heller als<br />

seine Umgebung ist. Um beste Ergebnisse zu erzielen, fotografieren Sie<br />

früh in der „Übergangszeit“, bevor der Himmel zu dunkel wird. Verwenden<br />

Sie die Spotmessung, um einen Wert von einem Mitteltonbereich zu<br />

messen, <strong>und</strong> machen Sie dann eine Probeaufnahme. Überprüfen Sie das<br />

Histogramm auf abgeschnittene Schatten/Glanzpunkte, <strong>und</strong> passen Sie die<br />

Belichtung entsprechend an. Bei einem großen hellen Bereich, wie einem<br />

angestrahlten Gebäude, wird das Messsystem der Kamera häufig in die Irre<br />

geführt, was zu einer Unterbelichtung einer Szene führt. Verwenden Sie<br />

also als Ausgleich 1 oder 1 ½ zusätzliche Blendenstufen, indem Sie die<br />

Verschlusszeit entsprechend ändern oder die entsprechende positive<br />

Belichtungskorrektur vornehmen. In einigen Fällen werden<br />

Besonderheiten, wie die neuen <strong>und</strong> viel helleren Lichter auf dem<br />

Ziffernblatt von Big Ben, überbelichtet. Diese Situationen sind schwer zu<br />

kontrollieren, da sie den Kontrastumfang der Kamera überschreiten. In<br />

diesen Fällen werden Belichtungsreihen <strong>und</strong> das Wiederherstellen von<br />

verlorenen Schatten <strong>und</strong> Glanzlichtern in der Nachbearbeitung zu einem<br />

normalen Bestandteil des digitalen Arbeitsablaufs.<br />

19:30 20:30<br />

FOTOS: TIM GARTSIDE<br />

DIGITA<br />

ITA<br />

LE FOTOGR<br />

OGRAFI<br />

AFIE–<br />

UPDAT<br />

DATE \ 91


Fotoexperte: Nachtfotografie<br />

Der Nachthimmel<br />

UNSERE GALAXIE IST FASZINIEREND UND FOLGLICH EIN BELIEBTES MOTIV. WIR GEBEN IHNEN PASSENDE FOTOTIPPS.<br />

WENN MAN DIE HEKTIK der Großstadt gegen einen<br />

Ort ohne Lichtverschmutzung eintauscht, wird man<br />

mit einem Nachthimmel in all seiner Pracht belohnt.<br />

Beim Blick gen Himmel in einer sternklaren Nacht,<br />

strahlen unzählige kleine Lichtpunkte in einem Ozean<br />

aus Dunkelheit wie von Zauberhand. Kein W<strong>und</strong>er,<br />

dass Astrofotografie immer beliebter wird– sei es, dass<br />

man Sternbilder, spektakuläre Himmelskörper oder<br />

Polarlicht fotografiert. Am einfachsten <strong>und</strong><br />

unkompliziertesten sind jedoch Aufnahmen von<br />

Sternspuren.<br />

Da sich die Erde unentwegt dreht, kommen<br />

Lichtspuren zum Vorschein, wenn man den<br />

Nachthimmel mit einer langen Belichtungszeit<br />

fotografiert. Diese Lichtspuren können über einer<br />

malerischen Landschaft sehr eindrucksvoll wirken.<br />

Wenn man jedoch den Polarstern in den<br />

Bildmittelpunkt rückt, werden aus den Spuren<br />

konzentrische Kreise, da sich alle Sterne der nördlichen<br />

Hemisphäre um diesen Punkt drehen.<br />

Sternspuren kommen noch besser zur Geltung, wenn<br />

man sie mit einem eindrucksvollen Vordergr<strong>und</strong><br />

kombiniert. Dafür benötigt man jedoch ein<br />

Weitwinkelobjektiv mit mindestens 20 Millimetern.<br />

Alternativ können sie auch an einem Hang nach oben<br />

fotografieren <strong>und</strong> somit den Winkel des Polarsterns<br />

zum Horizont verringern.<br />

Sternspuren kommen am besten zur Geltung, wenn<br />

gerade kein Vollmond ist, da das Mondlicht sonst heller<br />

als das der Sterne ist. Sie sollten außerdem an einem<br />

Ort fotografieren, wo es keine Lichtverschmutzung<br />

gibt, <strong>und</strong> zu einem Zeitpunkt, an dem der Himmel<br />

noch leicht erleuchtet ist, damit der Vordergr<strong>und</strong> nicht<br />

ganz dunkel ist. Sie sollten auch bedenken, dass sich<br />

die Helligkeit des Himmels bei der Abenddämmerung<br />

konstant ändert, <strong>und</strong> damit auch die Belichtung. Bei<br />

der <strong>Fotografie</strong> von Sternspuren gibt es keine falsche<br />

oder richtige Belichtung: Man muss einfach ein<br />

bisschen experimentieren. Wir empfehlen Ihnen einen<br />

niedrigen ISO-Wert, damit die Bildqualität so gut wie<br />

möglich bleibt, <strong>und</strong> eine Blende, mit der das Bild noch<br />

scharf genug ist. Wenn Sie einen Vordergr<strong>und</strong><br />

einbinden wollen, empfehlen wir Ihnen eine mittlere<br />

Blende. Stellen Sie auf das untere Bilddrittel scharf. Die<br />

Verschlusszeit hängt vom verfügbaren Licht <strong>und</strong> dem<br />

gewünschten Sternspureneffekt ab – je länger die<br />

Belichtungszeit desto länger die Sternspuren.<br />

Die Scharfeinstellung kann ebenfalls problematisch<br />

sein. Wenn nicht genügend Licht vorhanden ist, damit<br />

der AF auf ein Motiv scharfstellen kann, kann es<br />

hilfreich sein, den Vordergr<strong>und</strong> mit einer Taschenlampe<br />

zu belichten. Sobald der AF scharfgestellt hat, sollten<br />

Sie in den MF wechseln, da der AF sonst bei jedem<br />

neuen Bild nachkorrigiert. Wenn Sie mit der<br />

Bildzusammensetzung Probleme haben, weil es zu<br />

dunkel ist, empfehlen wir Ihnen, eine Testaufnahme<br />

mit offener Blende <strong>und</strong> einem hohen ISO-Wert zu<br />

machen. Dann sehen Sie, ob Sie noch etwas<br />

korrigieren müssen.<br />

Es dauert länger als 30 Sek<strong>und</strong>en, um vernünftige<br />

Aufnahmen von Sternspuren zu machen. Sie müssen<br />

also im Bulb-Modus fotografieren <strong>und</strong> die<br />

entsprechende Belichtungszeit berechnen. Machen<br />

Sie zuerst eine Testaufnahme mit maximaler<br />

Blendenöffnung <strong>und</strong> maximalem ISO-Wert. Nehmen<br />

wir einmal an, Sie wollen Sternspuren mit f/8<br />

fotografieren. Die maximale Blende Ihres Objekts ist f/4<br />

<strong>und</strong> der maximale ISO-Wert 1600. Mithilfe der<br />

Testaufnahme ermitteln Sie eine Belichtungszeit, die<br />

Sie dann noch korrigieren können. Durch die<br />

Anpassung der Verschlusszeit kompensieren Sie den<br />

Verlust von Blenden <strong>und</strong> einen geringeren ISO-Wert.<br />

Wenn Sie zum Beispiel bei einer Testbelichtungszeit<br />

von 15 Sek<strong>und</strong>en zwei Blenden zumachen (von f/4<br />

auf f/8), müssen Sie die Belichtungszeit um zwei<br />

Stufen auf eine Minute erhöhen. Der Faktor 16 ergibt<br />

sich aus der Veränderung des ISO-Werts von ISO 1600<br />

auf ISO 100, woraus sich wiederum eine erforderliche<br />

Belichtungszeit von 16 Minuten bei f/8 (ISO 100)<br />

ergibt. Eine zusätzliche Blende sollte in Erwägung<br />

gezogen werden, um den Schwarzschildeffekt zu<br />

kompensieren.<br />

Wenn Sie das Restlicht bei Abenddämmerung nutzen<br />

wollen, sollte die Belichtungszeit zwischen zehn <strong>und</strong><br />

20 Minuten liegen, damit der Vordergr<strong>und</strong> belichtet ist.<br />

Bei zu viel Licht sind zudem die Sternspuren nicht<br />

sichtbar (siehe Feld ganz rechts). Da das Licht im<br />

Vordergr<strong>und</strong> nur schwach ist, empfiehlt sich ein heller<br />

Vordergr<strong>und</strong> wie zum Beispiel Gestein oder Schnee.<br />

Alternativ können Sie auch auf das Mondlicht warten<br />

oder den Vordergr<strong>und</strong> mithilfe einer Taschenlampe<br />

belichten.<br />

Wenn Sie von Ihrem Motiv eine Einzelaufnahme<br />

machen, können Sie sich Zeit bei der Nachbearbeitung<br />

sparen. Oft ist dafür jedoch eine sehr lange<br />

Belichtungszeit notwendig. Wenn Sie dann auch noch<br />

ohne Rauschunterdrückung arbeiten, ist die<br />

Belichtungszeit unendlich lang. Wenn der Verschluss<br />

zu lange offen ist, können im Bild so genannte<br />

„Hotpixel“ (Bildpunkte) auftauchen.<br />

Eine Möglichkeit, dies zu vermeiden, ist mehrere Bilder<br />

mit kurzen Belichtungszeiten aufzunehmen <strong>und</strong> diese<br />

Smartphone-Apps<br />

Wenn Sie ein iPhone haben, sollten Sie<br />

sich die App PHOforPHO ansehen: Sie<br />

ist bei fotografischen Berechnungen<br />

hilfreich, zum Beispiel bei der<br />

hyperfokalen Entfernung <strong>und</strong> der<br />

Tiefenschärfe. Der Belichtungsrechner<br />

ist für die Berechnung der passenden<br />

Belichtungszeiten bei der Nachtfotografie<br />

von großem Nutzen. Er kann ebenfalls als<br />

Belichtungsautomat verwendet werden. Wenn Sie<br />

den Polarstern nicht finden, hilft Ihnen Google Sky<br />

Map. Diese App ist besonders nützlich, wenn man<br />

sich bei Tageslicht orientieren will.<br />

in Photoshop zu stapeln. <strong>Fotografie</strong>ren Sie im<br />

Bulb-Modus <strong>und</strong> probieren Sie es am Anfang mit zehn<br />

Fünf-Minuten-Belichtungen. Wenn Sie einen<br />

programmierbaren Fernauslöser haben, können Sie<br />

die entsprechenden Einstellungen vornehmen. Die<br />

Kamera wird dann jeweils automatisch auslösen.<br />

Machen Sie eine Testaufnahme <strong>und</strong> überprüfen Sie, ob<br />

Sie mit der Tiefenschärfe zufrieden sind. Andernfalls<br />

haben Sie vielleicht 50 Minuten vergeudet. Wenn Sie<br />

Ihren Vordergr<strong>und</strong> mit einer Taschenlampe belichten<br />

wollen (wie beim nebenstehenden Bild), gehen Sie wie<br />

folgt vor. Sobald die Belichtungszeit vorbei ist, machen<br />

Sie zwei weitere Aufnahmen mit einer fünfminütigen<br />

Belichtungszeit. Gehen Sie dabei herum <strong>und</strong> belichten<br />

den Vordergr<strong>und</strong> mit der Taschenlampe. Aufgr<strong>und</strong> der<br />

langen Belichtungszeit werden Sie nicht im Bild<br />

erscheinen, solange Sie in Bewegung bleiben.<br />

Um die Einzelaufnahmen zusammenzusetzen, öffnen<br />

Sie alle Ihre Raw-Dateien <strong>und</strong> nehmen gewünschte<br />

Änderungen mit den gleichen Einstellungen vor.<br />

Öffnen Sie die Dateien in Photoshop <strong>und</strong> ziehen Sie die<br />

Bilder mit dem Verschieben-Werkzeug eines nach dem<br />

anderen in eine Datei, sodass Sie im Ebenenbedienfeld<br />

als mehrere Ebenen erscheinen. Ändern Sie die<br />

Füllmethode bei jeder Ebene auf Aufhellen, sodass die<br />

Sternspuren auf den Bildern sichtbar werden. Wenn<br />

Sie eine tolle Aufnahme von Ihrem Vordergr<strong>und</strong> haben,<br />

ziehen Sie diese auf alle anderen Bilder. Stellen Sie bei<br />

Füllmethoden Aufhellen ein <strong>und</strong> malen Sie mithilfe<br />

einer Ebenenmaske über die Sternspuren im<br />

Vordergr<strong>und</strong>bild, um sie zu entfernen. Dadurch<br />

werden Ihre perfekten Sternspuren im Hintergr<strong>und</strong><br />

sichtbar.<br />

Statische Sterne<br />

Wenn Sie die Sterne an sich <strong>und</strong> nicht deren Spuren<br />

fotografieren wollen, treffen Sie die gleichen<br />

Vorbereitungen wie beim <strong>Fotografie</strong>ren von<br />

Sternspuren <strong>und</strong> wenden dann die 600er Regel an.<br />

Um die maximale Verschlusszeit zu ermitteln, teilen<br />

Sie 600 durch Ihre Brennweite. Bei einem<br />

100-mm-Objektiv wären das zum Beispiel<br />

600:100 = 6, also 6 Sek<strong>und</strong>en. Wenn Sie<br />

professionell bei Nacht fotografieren wollen, ist ein<br />

AstroTrac unerlässlich. Sie befestigen es an Ihrem<br />

Stativ, so dass es Ihre Kamera dreht. So können Sie<br />

über mehrere St<strong>und</strong>en hinweg belichten <strong>und</strong> das<br />

Maximum an Details herausholen.<br />

www.astrotrac.com<br />

ISTOCK PHOTO<br />

92 / DIG<br />

ITALE<br />

FOTOGR<br />

OGRAFI<br />

AFIE–<br />

UPDAT<br />

DATE


Zusammengesetztes Bild<br />

GARY McPARLAND<br />

John Patricks Tipps für<br />

Sternspurenaufnahmen bei<br />

der Abenddämmerung<br />

Wenn Sie während der Abenddämmerung<br />

Einzelaufnahmen von Sternspuren machen<br />

wollen, müssen Sie sich gut vorbereiten.<br />

Durch Ausprobieren hat der Profifotograf John<br />

Patrick herausgef<strong>und</strong>en, dass Sternspuren bei<br />

der Abenddämmerung bei einer<br />

Belichtungszeit von zehn Minuten <strong>und</strong> f/8<br />

(ISO 200) am besten zur Geltung kommen.<br />

Um herauszufinden, wann die Lichtintensität<br />

ideal ist, muss man die entsprechende<br />

Belichtung für zehn Minuten bei f/8 (ISO 200)<br />

ermitteln. Dazu machen Sie beim höchsten<br />

ISO-Wert der Kamera (ISO 6400) <strong>und</strong> der<br />

maximalen Blende (f/4) Testaufnahmen <strong>und</strong><br />

warten, bis die Lichtintensität für die<br />

gewünschte Belichtungszeit ausreicht. John<br />

berechnet die Belichtungszeit mithilfe der<br />

inkrementellen Methode. Er geht dabei wie<br />

folgt vor:<br />

1 Berechnen Sie gewünschte Belichtungszeit in<br />

Sek<strong>und</strong>en (in diesem Fall: zehn Minuten sind<br />

gleich 600 Sek<strong>und</strong>en).<br />

2 Berechnen Sie den Blendenunterschied<br />

zwischen der Blende bei der Testaufnahme <strong>und</strong><br />

der gewünschten Blende <strong>und</strong> teilen Sie diesen<br />

Wert für jede Stufe durch zwei. In diesem Fall<br />

liegen zwischen f/4 <strong>und</strong> f/8 zwei Stufen. Das<br />

Ergebnis ist also vier.<br />

3 Berechnen Sie den inkrementellen Faktor<br />

zwischen den verwendeten ISO-Werten bei der<br />

Testaufnahme <strong>und</strong> bei der endgültigen<br />

Belichtungszeit. Der Faktor zwischen ISO 6400<br />

<strong>und</strong> ISO 200 ist 32. Jetzt teilen wir die<br />

Sek<strong>und</strong>en, die bei der endgültigen<br />

Belichtungszeit (1) benötigt werden, durch den<br />

Blendenunterschied (2) <strong>und</strong> den inkrementellen<br />

Faktor (3). Bei Johns Beispiel wären das 600<br />

durch 4 durch 32 = 5 Sek<strong>und</strong>en.<br />

4 Sobald also das vorhandene Licht bei f/4 (ISO<br />

6400) fünf Sek<strong>und</strong>en beträgt, ist es an der Zeit,<br />

in den Bulb-Modus zu gehen <strong>und</strong> die Sternspur<br />

bei Johns erprobter Belichtungszeit von zehn<br />

Minuten bei f/8 (ISO 200) zu fotografieren.<br />

Belichtungsreihen für<br />

bessere Sternspuren:<br />

Wenn Sie über einen<br />

längeren Zeitraum mit<br />

Mehrfachbelichtung<br />

fotografieren, erfassen Sie<br />

Sterne an verschiedenen<br />

Positionen, da sie sich am<br />

Himmel bewegen.<br />

Obwohl sich diese<br />

Einzelbilder kaum<br />

unterscheiden, ergeben<br />

Sie zusammen das<br />

Hauptbild (oben).<br />

1<br />

2<br />

3<br />

JOHN PATRICK<br />

4<br />

5<br />

6<br />

7<br />

Sterntastisch! Diese Einzelaufnahme wurde<br />

17 Minuten lang belichtet. Mehr Beispiele von<br />

Johns Werk <strong>und</strong> Informationen, wie man die<br />

Belichtungszeit berechnet, finden Sie unter:<br />

www.newfocusphoto.com<br />

DIGITA<br />

ITA<br />

LE FOTOGR<br />

OGRAFI<br />

AFIE–<br />

UPDAT<br />

DATE \ 93


Fotoexperte: Nachtfotografie<br />

Mondhelle Landschaften<br />

AUFNAHMEN VON FASZINIERENDEN NACHTLANDSCHAFTEN MIT MONDLICHT<br />

NUR WEIL DIE SONNE untergegangen ist, heißt<br />

das nicht, dass man keine schönen<br />

<strong>Landschafts</strong>bilder mehr machen kann. Mondlicht<br />

macht’s möglich. Es ist sogar einfacher mit<br />

Mondlicht zu fotografi eren als bei der<br />

Abenddämmerung, da das Licht nicht so stark<br />

variiert. Zwischen der Fotografi e bei Mondlicht <strong>und</strong><br />

bei Tageslicht gibt es keine großen Unterschiede.<br />

Bei Mondlicht zu fotografi eren ist einfacher als bei<br />

Sonnenuntergang, da die Lichtintensität des<br />

Mondlichts viel stärker ist als die des letzten<br />

Tageslichts. Genauso wie Sie am Tag die Position<br />

der <strong>und</strong> den Winkel zur Sonne einberechnen<br />

müssen, so müssen sie auch bei Nacht auf die<br />

Position des <strong>und</strong> den Winkel zum Mond achten. Ein<br />

hoch stehender Mond sorgt für dunkle, kurze<br />

Schatten, wohingegen ein tief stehender Mond für<br />

lange Schatten <strong>und</strong> weicheres Licht sorgt. Das Licht<br />

bei Mondaufgang, also kurz nach Sonnenuntergang,<br />

eignet sich am besten für<br />

<strong>Landschafts</strong>bilder.<br />

Die größte Herausforderung bei Aufnahmen mit<br />

Mondlicht ist die Belichtung. Mondlicht ist nämlich<br />

viel schwächer als Sonnenlicht. Ein weiteres<br />

Problem ist, dass sich der Mond relativ schnell<br />

bewegt. Bei Belichtungszeiten von mehreren<br />

Minuten erscheint der Mond folglich als Streifen am<br />

Himmel. Eine Lösung dieses Problems ist, den<br />

Mond gar nicht direkt ins Bild einzubeziehen. Wenn<br />

man stattdessen nur von Vollmondlicht beleuchtete<br />

Landschaften fotografi ert, entstehen Bilder mit<br />

weichen Schatten <strong>und</strong> einem unheimlichen<br />

ätherischen Effekt. Wenn man jedoch zu lange<br />

belichtet, wird das Licht fl ach. Wenn Sie den Mond<br />

ins Bild miteinbeziehen wollen, dafür aber eine zu<br />

lange Belichtung notwendig ist, wählen Sie einfach<br />

die korrekte Belichtungszeit für den Vordergr<strong>und</strong>,<br />

gefolgt von einer kürzeren Belichtungszeit für den<br />

Himmel. Bei der Nachbearbeitung können Sie die<br />

beiden Bilder überlagern.<br />

Die Belichtungszeit hängt von der Intensität des<br />

Mondlichts ab: Vollmond bei sternklarer Nacht<br />

eignet sich w<strong>und</strong>erbar für <strong>Landschafts</strong>bilder mit<br />

großer Tiefenschärfe. Wenn das Mondlicht dagegen<br />

nicht so hell ist, müssen Sie bei der Tiefenschärfe<br />

eventuell Kompromisse eingehen. Indem Sie eine<br />

große Blende wählen, reduzieren Sie die<br />

Belichtungszeiten. Denken Sie jedoch daran, dass<br />

die Scharfeinstellung bei großer Blende<br />

entscheidend ist. Der beste Zeitpunkt zum<br />

Fotografi eren ist bei Vollmond oder während der<br />

zwei Tage vor oder nach Vollmond. Dann erreicht<br />

der Mond seine maximale Helligkeit. Wolken<br />

können sich genauso wie am Tag ebenfalls auf die<br />

Belichtung auswirken.<br />

Um Ihre Bilder noch interessanter zu gestalten,<br />

empfehlen wir Ihnen, als Vordergr<strong>und</strong> einen Fluss,<br />

See oder Ozean zu wählen. Dadurch erfassen Sie<br />

die Lichtstrahlen, die an der Wasseroberfl äche<br />

glänzen. Das refl ektierte Licht macht zudem die<br />

ganze Szenerie heller. Sie können außerdem einen<br />

Blitz oder eine Taschenlampe einsetzen, um den<br />

Vordergr<strong>und</strong> zu belichten.<br />

Bei der Vorbereitung auf die Aufnahmen empfehlen<br />

wir Ihnen die gleichen Techniken, die wir Ihnen in<br />

dieser Serie bereits an die Hand gegeben haben:<br />

Stellen Sie Bulb oder den manuellen Modus ein,<br />

ermitteln Sie die Belichtungszeit, stellen Sie wenn<br />

möglich manuell scharf <strong>und</strong> verwenden Sie zum<br />

Auslösen einen Fernauslöser. Bei der Ermittlung der<br />

Belichtung für ein vom Mond beleuchtetes Motiv<br />

eignet sich die Mehrfeldmessung gut. Führen Sie<br />

anschließend die bereits erläuterten Schritte aus:<br />

Machen Sie im Modus Zeitautomatik bei Ihrem<br />

höchsten ISO-Wert <strong>und</strong> maximaler Blende eine<br />

Testaufnahme, um eine gr<strong>und</strong>legende<br />

Verschlusszeit zu bestimmen. Ermitteln Sie<br />

anschließend mithilfe des Schwarzschildeffekts die<br />

Belichtung für eine passende Blende <strong>und</strong> einen<br />

niedrigen ISO-Wert. Alternativ können Sie auf<br />

Spotmessung gehen <strong>und</strong> den hellsten Bereich des<br />

Motivs messen. Fügen Sie dann zwei Blenden<br />

zusätzliche Belichtung dazu, da das Messsystem<br />

Ihre Lichter sonst als mittlere Töne wiedergibt.<br />

Sobald Sie das Fotografi eren von Sternspuren <strong>und</strong><br />

mondhellen Landschaften beherrschen, können<br />

Sie mit dieser Technik auch Polarlichter,<br />

Meteorschauer aufnehmen. Oder Sie gehen sogar<br />

noch weiter <strong>und</strong> holen sich die notwendige<br />

Ausrüstung für die Weltraumfotografi e.<br />

JOHN PATRICK<br />

Reziprozitätsgesetz<br />

Beim <strong>Fotografie</strong>ren mit wenig Licht ist es<br />

wichtig, dass Sie sich die Wechselbeziehung<br />

zwischen Verschlusszeiten <strong>und</strong> Blenden ins<br />

Gedächtnis rufen, um die passende<br />

Belichtung zu ermitteln. Entweder man<br />

strengt sein Gehirn etwas an oder man<br />

berechnet die Belichtung mit Smartphone-<br />

Apps. Generell muss man die Verschlusszeit<br />

für jede Stufe, die man abblendet,<br />

verdoppeln. Wenn Sie also von f/4 auf f/5.6<br />

gehen, verdoppelt sich die Verschlusszeit<br />

zum Beispiel von zwei auf vier Sek<strong>und</strong>en.<br />

Der Schwarzschildeffekt (wenn es die<br />

Kamera bei wenig Licht nicht schafft, die<br />

Belichtung korrekt zu messen) kommt bei<br />

der analogen <strong>Fotografie</strong> zwar häufiger vor als<br />

bei der digitalen. Vielleicht müssen Sie<br />

jedoch noch ein oder zwei Blenden<br />

Belichtung dazugeben, um Unterbelichtung<br />

zu vermeiden.<br />

94 / DIG<br />

ITALE<br />

FOTOGR<br />

OGRAFI<br />

AFIE–<br />

UPDAT<br />

DATE


GARY McPARLAND<br />

So fotografiert man den Mond<br />

Für diejenigen unter uns, die nicht das<br />

notwendige Kleingeld für die<br />

Weltraumfotoausrüstung haben, ist der Mond der<br />

uns am nächsten gelegene Himmelskörper. Sie<br />

benötigen keine Spezialausrüstung, um den<br />

Mond zu fotografieren, sondern nur die, die sie<br />

normalerweise bei der Nachtfotografie<br />

verwenden. Ein gutes Teleobjektiv mit mindestens<br />

300 Millimeter Brennweite ist jedoch zu<br />

empfehlen. Falls Sie kein passendes Objektiv<br />

haben, könnten Sie sich einen Telekonverter<br />

zulegen, um die Brennweite zu vergrößern.<br />

Denken Sie daran, dass eine APS-C-Kamera<br />

einen Formatfaktor von x1,5 hat. Die<br />

entsprechende Brennweite bei einem 200-mm-<br />

Objektiv liegt also bei 300 Millimetern.<br />

Man kann die Helligkeit des Mondes leicht<br />

unterschätzen. Es ist daher nicht immer einfach,<br />

die korrekte Belichtung zu finden. Bei den ersten<br />

Mondaufnahmen erscheint anstelle des Mondes<br />

meist ein überbelichteter Kreis. Dies lässt sich<br />

vermeiden, indem man an einem Ort ohne<br />

Lichtverschmutzung <strong>und</strong> bei sternklarem Himmel<br />

fotografiert. Zur Ermittlung der perfekten<br />

Belichtung muss man einfach etwas<br />

experimentieren, da sich diese je nach den<br />

vorherrschenden Wetterverhältnissen ändern<br />

kann. Für den Anfang empfehlen wir Ihnen im<br />

manuellen Modus eine Verschlusszeit von 1/250<br />

Sek<strong>und</strong>en bei f/8 (ISO 100). Machen Sie bei<br />

diesen Einstellungen ein paar Belichtungsreihen<br />

(mit jeweils einer Blende mehr), <strong>und</strong> sehen Sie<br />

sich das Ergebnis auf Ihrem Display an. Wir<br />

empfehlen Ihnen, eher bei der Verschlusszeit <strong>und</strong><br />

nicht bei der Blende zu variieren. Je nach<br />

Mondphase, Helligkeit, Ihrem Standort <strong>und</strong> den<br />

Witterungsverhältnissen werden Sie die<br />

Belichtungszeit verlängern oder verkürzen<br />

müssen, um genügend Farbdetails der<br />

Mondoberfläche zu erfassen. Stellen Sie über dem<br />

Mond mithilfe des AF scharf <strong>und</strong> wechseln Sie<br />

dann in den MF, damit der AF nicht die ganze Zeit<br />

nachstellt. Mithilfe eines Fern- oder<br />

Selbstauslösers können Sie Verwacklungen <strong>und</strong><br />

daraus resultierende unscharfe Bilder vermeiden.<br />

Wahrscheinlich müssen Sie das Bild in Photoshop<br />

zuschneiden <strong>und</strong> mithilfe der Tonwertkorrektur<br />

etwas an den Tonwerten korrigieren, damit mehr<br />

Details der Mondoberfläche sichtbar werden.<br />

LEE FROST<br />

DIGITA<br />

ITALE<br />

AZFOTO<br />

OTOGRA<br />

GRAFIE<br />

– UPDAT<br />

DATE \ 95


Expert Critique<br />

EXPERTENMEINUNG + FRAGEN & ANTWORTEN<br />

No.1<br />

FÜR TIPPS ZUR<br />

SPIEGELREFLEX-<br />

FOTOGRAFIE<br />

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DANIEL LEZANO<br />

Dan arbeitet seit<br />

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ROSS HODDINOTT<br />

Ross ist Profifotograf<br />

<strong>und</strong> Fachautor mit den<br />

Schwerpunkten Natur,<br />

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LANDSCHAFTEN<br />

LEE FROST<br />

Lee ist schon seit<br />

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Profifotograf <strong>und</strong><br />

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Caroline ist eine<br />

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SO SETZEN SIE SICH MIT UNS IN VERBINDUNG!<br />

In unserer Rubrik Tipp & Tricks wollen wir Ihnen helfen, sich zu verbessern. Zögern Sie<br />

also nicht, sich mit uns in Verbindung zu setzen.<br />

Wenn Sie eine Frage an unsere Experten haben, schreiben Sie eine E-Mail an:<br />

mail@digitale-fotografie-magazin.de. Wir werden Ihre Fragen in der Zeitschrift<br />

beantworten. Leider können wir unseren Lesern nicht immer persönlich antworten.<br />

Wenn Sie ehrliche <strong>und</strong> konstruktive Kritik zu Ihren Bildern wünschen, schicken Sie<br />

uns eine Auswahl an fotos@digitale-fotografie-magazin.de. Zusätzlich oder alternativ<br />

können Sie Ihre Bilder in die Galerie von www.digitale-fotografie.de oder bei Facebook<br />

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96 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE<br />

70 / DIGITAL SLR PHOTOGRAPHY FEBRUARY 2012


Wasserspeier<br />

Von Anna Curran<br />

Kamera: Pentax K-x<br />

Belichtung: 1/400 Sek. bei f/13<br />

(ISO 400)<br />

ANNA SAGT: „Ich bin 14 Jahre alt <strong>und</strong><br />

gehe zur Schule. Als ich mit meinen<br />

Eltern beim Schloss Chenonceau war,<br />

hat mich dieser Wasserspeier<br />

fasziniert. Ich habe die Aufnahme in<br />

Schwarzweiß umgewandelt <strong>und</strong> den Kontrast<br />

erhöht.“<br />

ROSS HODDINOTT: Ich kann nachvollziehen,<br />

warum Anna von diesem Wasserspeier fasziniert<br />

war. Das Motiv ist sehr interessant <strong>und</strong> dramatisch.<br />

Das lange Ende eines Teleobjektivs eignet sich<br />

perfekt, um derart interessante architektonische<br />

Details einzufangen. Die intuitiv leichte Neigung<br />

der Kamera hat dazu geführt, dass das Motiv nicht<br />

zu statisch aussieht. Außerdem wird dadurch<br />

kaschiert, dass nach oben fotografiert wurde. Die<br />

Umwandlung in Schwarzweiß kommt gut zur<br />

Geltung, aber vielleicht hat Anna den Kontrast<br />

etwas zu stark eingestellt, da die Schatten etwas<br />

abgeschnitten wirken. Außerdem finde ich, dass<br />

das Bild insgesamt zu dunkel ist. Diesen Makel<br />

kann man natürlich schnell beheben. Anna hatte<br />

Pech, dass der Himmel so eintönig <strong>und</strong> langweilig<br />

aussah. Ein dramatischerer <strong>und</strong> markanterer<br />

Himmel hätte für mehr Tiefe gesorgt <strong>und</strong> den Effekt<br />

verstärkt. Ich hätte beim Bildausschnitt den<br />

Wasserspeier mehr in den Fokus gerückt <strong>und</strong> den<br />

eintönigen weißen Himmel vielleicht ganz außen<br />

vor gelassen.<br />

Urteil: Anna hat definitiv ein Auge fürs Detail.<br />

Meiner Meinung nach ist das Bild aber etwas zu<br />

dunkel <strong>und</strong> der Kontrast zu stark.<br />

LEE FROST: Anna musste sich bei dieser<br />

Aufnahme zwei Problemen stellen: Das Motiv war<br />

zu weit entfernt <strong>und</strong> der Himmel im Hintergr<strong>und</strong><br />

war sehr eintönig. Sie versuchte, das Beste daraus<br />

zu machen, indem sie den Bildausschnitt<br />

interessant gestaltete <strong>und</strong> das Bild in Schwarzweiß<br />

umwandelte. Beide Entscheidungen waren<br />

richtig, aber nicht mit genügend Selbstvertrauen<br />

<strong>und</strong> Überzeugung angewandt. Um zu zeigen, was<br />

möglich ist, habe ich an Annas Bild etwas<br />

herumgebastelt. Zuerst habe ich es zugeschnitten,<br />

um es im Hochformat zu haben. Ohne den<br />

langweiligen Himmel wirkt der Wasserspeier<br />

größer. Anschließend habe ich den Kontrast noch<br />

mehr verstärkt, damit das Bild peppiger ist <strong>und</strong> die<br />

Steinstruktur besser zur Geltung kommt. Im<br />

nächsten Schritt habe ich die Ecken abgedunkelt,<br />

damit der Fokus auf dem Wasserspeier liegt <strong>und</strong><br />

am Schluss habe ich noch einen Rand eingefügt.<br />

Du findest das vielleicht komisch, Anna, aber<br />

vielleicht tröstet es dich, wenn ich dir sage, dass<br />

noch kein Meister vom Himmel gefallen ist! Dank<br />

der digitalen Technik kannst du in kurzer Zeit sehr<br />

viel lernen. Bleib also am Ball. Besorg dir Silver<br />

Efex Pro 2 von Nik Software. Damit habe ich dein<br />

Bild in nur zwei Minuten bearbeitet<br />

Urteil: Die Zutaten für ein tolles Foto waren da.<br />

Sie mussten nur noch aggressiver gemischt<br />

werden!<br />

Photoshop-Ideen<br />

Silver Efex Pro 2 von Nik Software ist ein<br />

großartiges Plug-in für Schwarzweiß-<br />

Umwandlungen. Es bietet eine Vielzahl an<br />

Voreinstellungen <strong>und</strong> Reglern, mit denen Sie den<br />

Aufbau <strong>und</strong> den Stil Ihrer Umwandlung anpassen<br />

können. Mit nur wenigen Klicks erreichen Sie das,<br />

was in Photoshop sehr aufwändig wäre. Wir<br />

empfehlen Ihnen, es mit der Voreinstellung Feine<br />

Struktur zu versuchen, eine Vignette anzuwenden<br />

<strong>und</strong> mithilfe der Kontrollpunkte lokale<br />

Anpassungen beim Kontrast zu machen. Bevor Sie<br />

Ihr Bild jedoch in Nik Software öffnen, sollten Sie<br />

das Bild mit dem Freistellungswerkzeug von<br />

Photoshop zuschneiden. Nachdem Sie die Datei<br />

dann mit Silver Efex Pro 2 bearbeitet haben, fügen<br />

Sie in Photoshop einen Rand ein. Wie das geht,<br />

steht in einer späteren Ausgabe.


Experten-Ratgeber Experten-Meinung<br />

Tropfen<br />

von Phil Kendall<br />

Kamera: Nikon D90<br />

Objektiv: Nikon 50mm f/1.8<br />

Belichtung: 1/200 Sek. bei f/8 (ISO 800)<br />

PHIL SAGT: „Nachdem ich einen Artikel<br />

in einer Zeitschrift gelesen habe, wollte<br />

ich mit Wassertropfen experimentieren.<br />

Ich war von den Effekten fasziniert, die<br />

man mithilfe von verschiedenfarbigen<br />

Hintergründen erzielen kann. Bei dieser Aufnahme<br />

habe ich zwei gegensätzliche Farben verwendet. Bei<br />

dieser Technik habe ich außerdem mein Gespür für<br />

Timing verbessert.“<br />

ROSS HODDINOTT: Es macht viel Spaß,<br />

Wassertropfen zu fotografieren, die in ein<br />

Wasser- oder Spülbecken fallen. Dabei kann man<br />

allerlei interessante „Wasserskulpturen“<br />

einfangen. Jedes Mal, wenn man den Auslöser<br />

drückt, entsteht ein völlig neues Bild. Mir gefallen<br />

der kräftige blaue Hintergr<strong>und</strong> <strong>und</strong> die Aufnahme<br />

an sich. Das Problem bei dieser Technik ist, dass<br />

sie sehr populär ist. Ein Bild muss folglich sehr gut<br />

sein, damit es aus der Masse heraussticht. Die<br />

Aufnahme ist zwar gut, aber nicht brillant. Das<br />

nach oben steigende Wasser sieht irgendwie<br />

statisch aus. Ich finde einzelne Wassertropfen<br />

mitten in der Luft immer eindrucksvoller. Das Bild<br />

ist sehr gut, Phil. Ich würde jedoch noch mal mit<br />

verschiedenen Farbkombinationen <strong>und</strong><br />

Verschlusszeiten experimentieren, bis du das<br />

perfekte Ergebnis erzielt hast.<br />

Urteil: Ein guter Versuch. Um sich aus der<br />

Masse abzuheben, fehlt noch das gewisse<br />

Etwas.<br />

DANIEL LEZANO: Ich habe diese Technik selber<br />

noch nie ausprobiert. Daher habe ich keine<br />

Ahnung, wie leicht/schwer es ist. Ich finde solche<br />

Bilder immer faszinierend, da auf ihnen etwas zu<br />

sehen ist, das in Sek<strong>und</strong>enschnelle passiert. Unser<br />

Gehirn ist nicht in der Lage, die durch die<br />

Druckwellen verursachten Kräuselungen beim<br />

Aufprall des Tröpfchens auf die Wasseroberfläche<br />

in ihrer Ganzheit zu erfassen. Es ist faszinierend,<br />

wie das Tröpfchen aufgr<strong>und</strong> der<br />

Oberflächenspannung des Wassers wieder in die<br />

Luft katapultiert wird, <strong>und</strong> dass das Wasser Farben<br />

in der Umgebung auf brillante Weise reflektiert.<br />

Wenn man all diese Faktoren kombiniert, hat man<br />

die Gr<strong>und</strong>lage für ein hervorragendes Bild. Phils<br />

Versuch ist sehr gut. Seine Farbwahl war klug, da<br />

sich das Blau gut als Hintergr<strong>und</strong> eignet. Die roten<br />

Spritzer passen auch gut dazu. Da das Wasser wie<br />

eingefroren wirkt, entstehen schöne Formen. Einen<br />

Kritikpunkt habe ich jedoch. Er hat es nicht<br />

geschafft, den perfekten Zeitpunkt zu erwischen,<br />

wenn das zurückprallende Tröpfchen mitten in der<br />

Luft als losgelöstes Objekt über der<br />

Wasseroberfläche erscheint. Dann wäre aus einem<br />

guten ein großartiges Bild geworden. Ich würde<br />

zudem das Bild zuschneiden, damit die<br />

unspektakulären Bereiche des Wassers reduziert<br />

werden.<br />

Urteil: Ein eindrucksvoller <strong>und</strong> gut fotografierter<br />

Blickfang. Fast perfekt.<br />

KURZKRITIK<br />

1) Der Grat zwischen einem durchschnittlichen<br />

<strong>und</strong> einem großartigen Tropfenfoto ist sehr<br />

schmal. Leider weiß diese Aufnahme nicht zu<br />

überzeugen. Sie ist aber auch nicht schlecht.<br />

Die Farben sind beeindruckend, Phil hat die<br />

Kräuselungen gut erfasst <strong>und</strong> die Schärfe ist<br />

gut.<br />

2) Tropfenfotos müssen großartig sein, um sich<br />

von der Masse abzuheben. Das heißt man muss<br />

den Tropfen in dem Moment fotografieren, in<br />

dem er als perfekte Kugel über der gekräuselten<br />

Wasseroberfläche schwebt. Phil hat das<br />

perfekte Timing verpasst. Daher kann sein Bild<br />

auch nicht zu den Besten gezählt werden.<br />

1<br />

„Da diese Technik sehr<br />

populär ist, muss ein Bild<br />

sehr gut sein, damit es aus<br />

der Masse heraussticht .“<br />

ROSS HODDINOTT<br />

2<br />

98 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Kastanienbraune<br />

Schönheit<br />

von Sebastian Jacobsen<br />

Kamera: Canon EOS 400D<br />

Objektiv: Canon EF 75-300mm f/4-5.6<br />

Belichtung: 1/200 Sek. bei f/13 (ISO 400)<br />

SEBASTIAN SAGT: „Ich habe dieses<br />

Foto auf der Insel Sylt mit meinem<br />

Zoomobjektiv gemacht. Da das Pferd<br />

sehr nah war, musste ich überlegen,<br />

was von dem Pferd ich auf meinem<br />

Foto haben wollte. Da mir der emotionale Ausdruck<br />

im Gesicht des Pferdes sehr gut gefiel, wollte ich ihn<br />

unbedingt im Bild einfangen.“<br />

ROSS HODDINOTT: Obwohl ich von der Aufnahme<br />

an sich nicht überzeugt bin, finde ich es gut, dass<br />

Sebastian sich nicht für einen offensichtlichen oder<br />

konventionellen Blickwinkel entschieden hat. Um<br />

originelle Ergebnisse zu erzielen, muss man immer<br />

experimentieren. Die Bildkomposition ist zwar sehr<br />

mutig, ich finde ihn jedoch etwas komisch. Meine<br />

Augen werden von den Augen des Pferdes<br />

angezogen, doch dann folge ich dem Blick des<br />

Pferdes. Ich finde es etwas sonderbar, dass<br />

Sebastian die Ohrspitzen <strong>und</strong> den unteren Teil der<br />

Nase abgeschnitten hat. Alle interessanten Punkte<br />

befinden sich auf der rechten Bildseite. Meiner<br />

Meinung nach hätte Sebastian noch mutiger sein<br />

können. Er hätte zum Beispiel noch näher<br />

hinzoomen können <strong>und</strong> vielleicht im Hochformat<br />

fotografieren können. Durch eine höhere Position der<br />

Augen wäre die Bildkomposition eindrucksvoller<br />

gewesen. Mithilfe des Aufhellblitzes wäre etwas<br />

Spitzlicht in den Augen des Tieres sichtbar<br />

geworden. Eine Umwandlung in Schwarzweiß wäre<br />

bei dieser Aufnahm empfehlenswert, da dadurch die<br />

Struktur, die Details <strong>und</strong> die Emotionen besser zur<br />

Geltung kommen würden.<br />

Urteil: Ein guter <strong>und</strong> ungewöhnlicher Versuch,<br />

wobei der Bildausschnitt meiner Meinung nach<br />

nicht passt. Aber volle Punktzahl für Originalität.<br />

LEE FROST: Ich kann mich nicht entscheiden, ob<br />

mir das Bild gefällt oder nicht. Mein erster Gedanke<br />

war, dass die Bildkomposition nicht passt. Je länger<br />

ich mir das Bild jedoch ansehe, desto unsicherer bin<br />

ich mir, ob die Bildkomposition wirklich schlecht ist.<br />

Es ist einfach ein ungewöhnliches Bild, <strong>und</strong> das ist<br />

an sich ja nichts Schlechtes. Sebastian wollte die<br />

Emotionen im Gesicht des Pferdes erfassen <strong>und</strong> hat<br />

deshalb rangezoomt, um sie einzufangen. Meiner<br />

Meinung nach sind die Emotionen hier nicht auf den<br />

ersten Blick sichtbar. Die Augen sind jedoch der<br />

ausdruckstärkste Teil des Gesichts. Wenn Sie also<br />

zeigen wollen, wie sich Ihr Motiv fühlt – egal ob<br />

Mensch oder Tier –, dann sollten Sie sich auf die<br />

Augen konzentrieren. Die Bildkomposition von<br />

Sebastian lässt sich wie folgt erklären: Der Hals des<br />

Pferdes bildet eine starke horizontale Linie, die den<br />

Betrachter über das Bild führt, wohingegen der Kopf<br />

zu einer vertikalen Linie wird. Das rechte Auge<br />

befindet sich auf den Dritteln. Ob das nun<br />

beabsichtigt war oder nicht, es sorgt für Balance. Der<br />

verwaschene Himmel ist insofern positiv, da er wie<br />

ein flacher Hintergr<strong>und</strong> wirkt, fast schon wie im<br />

Studio. Dadurch wird die Bildkomposition<br />

vereinfacht <strong>und</strong> es entsteht ein abstrakter Eindruck.<br />

Ich muss sagen, ich habe mich entschieden. Die<br />

Aufnahme gefällt mir. Sie ist simpel <strong>und</strong><br />

ungewöhnlich. Daher bekommt sie meine Stimme!<br />

Urteil: Eine ungewöhnliche Bildkomposition. Aus<br />

irgendeinem Gr<strong>und</strong> ist das Bild aber überzeugend!<br />

POSITIV & NEGATIV<br />

Positiv: Experten sprechen immer wieder<br />

von der Bildkomposition. Bei dieser<br />

Aufnahme waren sich unsere Experten nicht<br />

ganz einig. Sie sind sich jedoch darin einig,<br />

dass Sebastian für seinen mutigen Blickwinkel<br />

<strong>und</strong> den ungewöhnlichen Effekt Anerkennung<br />

verdient. Schließlich macht es einen guten<br />

Fotografen aus, dass er das sieht, was andere<br />

nicht sehen.<br />

Negativ: Die Debatte über die<br />

Bildkomposition geht zwar noch weiter,<br />

aber es gibt einige Vorschläge, wie man das Bild<br />

hätte verbessern können. So hätte Sebastian<br />

zum Beispiel einen Blitz verwenden können,<br />

um Spitzlichter in den Augen zu erzeugen <strong>und</strong><br />

das Bild in Schwarzweiß umwandeln können,<br />

um die Struktur zu verbessern <strong>und</strong> mehr<br />

Emotionen zum Ausdruck zu bringen.<br />

„Ich habe mich entscheiden.<br />

Die Aufnahme gefällt mir. Sie ist<br />

simpel ungewöhnlich. Daher<br />

bekommt sie meine Stimme!“<br />

LEE FROST


Experten-Ratgeber<br />

Experten-Meinung<br />

Priest's Cove<br />

Von Rory Wilson<br />

Kamera: Canon EOS 450D<br />

Objektiv: Tamron 10-24mm f/3.5-4.5 Di II<br />

Belichtung: 1 Sek. bei f/16 (ISO 100)<br />

RORY SAGT: „Diese Aufnahme habe<br />

ich am Abend gemacht, als die Sonne<br />

schon sehr tief stand. Ich liebe diesen<br />

Strand aufgr<strong>und</strong> seiner Beschaffenheit<br />

<strong>und</strong> seiner Lage. Er ist bei Fotografen<br />

sehr beliebt. Abgesehen von mir haben noch<br />

mindestens vier andere Leute fotografiert!“<br />

ROSS HODDINOTT: Die Perspektive ist toll. Dieses<br />

Bild erinnert mich an eine schöne Aufnahme von<br />

Helen Dixon, die mal die Titelseite dieser Zeitschrift<br />

schmückte. Die Bildkomposition von Rory ist gut<br />

gelungen <strong>und</strong> die schönen Felsbrocken machen<br />

sich im Vordergr<strong>und</strong> sehr gut. Die Belichtung passt<br />

<strong>und</strong> die Blendenwahl sowie die Scharfeinstellung<br />

sind goldrichtig. Der Schärfeverlauf vom<br />

Vordergr<strong>und</strong> zum Hintergr<strong>und</strong> passt w<strong>und</strong>erbar.<br />

Einige Kleinigkeiten müssen jedoch angepasst<br />

werden. Meiner Meinung nach muss die<br />

Verzeichnung korrigiert werden, die durch die kurze<br />

Brennweite entstanden ist. Der Wachposten oben<br />

auf der Felsspitze ist schief. Dies könnte man<br />

jedoch zusammen mit dem schrägen Horizont in<br />

Photoshop korrigieren. Außerdem frage ich mich,<br />

ob nasse Felsbrocken im Vordergr<strong>und</strong> vielleicht<br />

besser gewesen wären als trockene. Nasse<br />

Felsbrocken sehen definitiv schillernder,<br />

interessanter <strong>und</strong> weniger kontrastreich aus. Zu<br />

guter Letzt komme ich noch zum Seetang auf den<br />

Felsen im Vordergr<strong>und</strong>. Wenn mehr davon da<br />

gewesen wäre, hätte Rory ihn stärker mit<br />

einbeziehen können. Wenn ich Rory gewesen<br />

wäre, hätte ich den Seetang entfernt. Dann wäre<br />

die Küstenlinie makellos gewesen.<br />

Urteil: Ein schönes Bild, das durch ein paar<br />

kleine, aber entscheidende Tricks noch hätte<br />

verbessert werden können.<br />

LEE FROST: In den letzten paar Jahren sind<br />

Ultra-Weitwinkelobjektive immer mehr in Mode<br />

gekommen. Daher sieht man immer öfter Bilder<br />

wie diese, bei denen der Abstand der Kamera zum<br />

Vordergr<strong>und</strong> relativ kurz, die Perspektive<br />

dramatisch <strong>und</strong> die Tiefenschärfe scheinbar<br />

unendlich ist. Rory hat gute Arbeit geleistet. Die<br />

Kieselsteine verstärken die Perspektive <strong>und</strong> wirken<br />

wie eine Einführung in die Szene. Die Brandung<br />

ist im Bild ebenso festgehalten wie der<br />

beeindruckende Wolkenbruch im Himmel. Dort,<br />

wo das Licht durchtritt, herrscht eine unnatürliche<br />

Farbbalance. Es scheint so, als hätte es Rory bei<br />

der Wahl seines Grauverlauffilters etwas<br />

übertrieben. Vielleicht hat er ihn zu weit in die<br />

Fassung hineingedrückt, sodass nicht nur der<br />

Himmel <strong>und</strong> die Klippen, sondern auch das Meer<br />

<strong>und</strong> der Strand dunkler erscheinen. Die Folge<br />

davon ist, dass der Vordergr<strong>und</strong> extrem<br />

heraussticht. Ein schwächerer <strong>und</strong> angewinkelter<br />

Filter, bei dem nur die Klippen leicht abgedunkelt<br />

gewesen wären, hätte einen besseren Effekt<br />

ergeben.<br />

Urteil: Tolle Bildkomposition, dramatisches<br />

Motiv. Durch die ungleichmäßige Belichtung sieht<br />

es jedoch komisch aus.<br />

KURZKRITIK<br />

1) Bei diesem Bild gibt es viel Positives anzumerken. Nur bei genauerem<br />

Hinsehen fallen der schräge Horizont <strong>und</strong> der schiefe Wachposten auf.<br />

Mit Photoshop kann man diese Mängel korrigieren.<br />

2) Ein paar kleine Änderungen hätten viel bewirkt: Nasse Felsbrocken<br />

sehen besser aus als trockene. Wenn man den Seetang entfernt hätte,<br />

dann hätte er im Vordergr<strong>und</strong> nicht gestört.<br />

3) Es scheint so, dass der Grauverlauffilter nicht korrekt verwendet wurde<br />

<strong>und</strong> Bildteile verdunkelt hat, bei denen es nicht nötig gewesen wäre.<br />

„Dieses Bild erinnert mich an eine schöne<br />

Aufnahme, die mal die Titelseite dieser<br />

Zeitschrift schmückte.“ ROSS HODDINOTT<br />

2<br />

3<br />

1<br />

100 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Eilean Donan Castle<br />

Von Graeme Webster<br />

Kamera: Nikon D80<br />

Objektiv: Nikkor 28-80 mm<br />

Belichtung: 1/125 Sek. bei f/5.6 (ISO 200)<br />

GRAEME SAGT: „Ich habe dieses Bild<br />

auf dem Rückweg von der Insel Skye<br />

gemacht. Ich habe versucht, es mithilfe<br />

der Crossentwicklung alt aussehen zu<br />

lassen.“<br />

ROSS HODDINOTT: Beim <strong>Fotografie</strong>ren von<br />

Wahrzeichen wie dem Eilean Donan Castle ist es<br />

wichtig, dass man originell ist. Andernfalls hat man<br />

ein Bild wie jedes andere. Dabei kann man<br />

zwischen dem Standpunkt, der Belichtung, der<br />

Technik oder der Entwicklungsmethode wählen.<br />

Graeme hat sich für Letzteres entschieden. Der auf<br />

alt gemachte Look passt zum Motiv, aber dies<br />

ändert meiner Meinung nach nichts an der<br />

Tatsache, dass das Originalbild langweilig ist. Es ist<br />

schade, dass Greame nicht bei höherem<br />

Wasserstand vor Ort war. Dann wäre nämlich nicht<br />

der ganze Seetang zu sehen gewesen, der im Bild<br />

einfach stört. Zudem hätte es interessante<br />

Spiegelungen im Vordergr<strong>und</strong> gegeben. Mir<br />

persönlich gefallen ausgebrannte Lichter beim<br />

Himmel auch nicht. Da ich aber in Bezug auf<br />

Entwicklungsverfahren ein langweiliger alter Mann<br />

bin, warte ich gespannt darauf, was Lee dazu zu<br />

sagen hat …<br />

Urteil: Der auf alt gemachte Effekt kann<br />

funktionieren, aber das Original ist einfach nicht<br />

interessant genug.<br />

LEE FROST: Eilean Donan Castle ist ein oft<br />

fotografiertes Bauwerk. Graemes Interpretation ist<br />

anders <strong>und</strong> sie gefällt mir. Durch die digitale<br />

Bearbeitung soll das Bild wie nach einer<br />

Crossentwicklung aussehen. Ich bin jedoch der<br />

Meinung, dass es dadurch wie ein alter kolorierter<br />

Druck aussieht, was perfekt zum Motiv passt. Mir<br />

gefällt außerdem der Standpunkt. Die Burg spiegelt<br />

sich nicht wie bei so vielen anderen Bildern im<br />

Loch. Man könnte kritisieren, dass der große Fels<br />

eher im Mittelpunkt steht als die Burg. Ich finde<br />

jedoch, dass er gut zur Szenerie passt. Es ist<br />

schade, dass der Himmel im oberen linken Eck<br />

sehr flach ist. Das liegt jedoch daran, dass die<br />

Sonne nicht da war. Die Burg ist vielleicht etwas zu<br />

weit oben rechts. Wenn man sie nach der<br />

Drittel-Regel fotografiert hätte, wäre es besser<br />

gewesen.<br />

Urteil: Die digitale Bearbeitung passt perfekt zum<br />

Motiv. Ungewöhnlich, aber effektiv.<br />

POSITIV & NEGATIV<br />

Positiv: Durch das Entwicklungsverfahren ist<br />

ein viktorianisch anmutender kolorierter<br />

Druck entstanden. Lee Frost gefällt es jedenfalls …<br />

Negativ: Der ausgebrannte Himmel kämpft<br />

um Aufmerksamkeit. Mit einem<br />

Grauverlauffilter wäre die Aufnahme besser<br />

gelungen.<br />

„Es sieht wie ein alter kolorierter<br />

Druck aus, was perfekt zum<br />

Motiv passt.“<br />

LEE FROST


Experten-Ratgeber Experten-Meinung<br />

Weihnachtsmarkt &<br />

Kathedrale<br />

Von Ana Belen<br />

Kamera: Nikon D80<br />

Objektiv: Nikkor 24-120 mm<br />

Belichtung: 1/3 Sek. bei f/5 (ISO 320)<br />

ANA SAGT: „Ich habe den ganzen Tag<br />

über mehrere ähnliche Aufnahmen<br />

gemacht. Ich wollte jedoch den<br />

Lichtkontrast zwischen dem<br />

Weihnachtsmarkt <strong>und</strong> der Kathedrale<br />

erfassen. Da ich mein Stativ nicht dabeihatte, habe<br />

ich meine Kamera auf ein paar Paletten gestellt.“<br />

ROSS HODDINOTT: Mir gefällt Anas Idee, die<br />

Kathedrale mit dem Torbogen einzurahmen. Mir<br />

gefällt außerdem der Kontrast zwischen dem<br />

warm beleuchteten Bogen <strong>und</strong> der neutral<br />

beleuchteten Kathedrale. Idee <strong>und</strong> Belichtung<br />

sind zwar gut, aber nicht die Bildkomposition, da<br />

bei Ana nicht genügend Stände im Bild sind. Sie<br />

hätte entweder mehr mit dem Zoom arbeiten<br />

müssen, um das bunte Treiben miteinzubeziehen,<br />

oder sie hätte die Stände ganz weglassen <strong>und</strong> die<br />

Architektur in den Mittelpunkt rücken sollen. Ich<br />

würde einen kleineren Bildausschnitt wählen <strong>und</strong><br />

die Stände in der vorderen linken Ecke ganz<br />

weglassen. Außerdem hätte ich den Turm der<br />

Kathedrale vom Torbogen klarer abgegrenzt, da die<br />

Spitzen der Mauertürme verdeckt sind. Durch<br />

einen Schritt vor oder zurück hätte sie das<br />

vermeiden können. Dafür, dass Ana kein Stativ<br />

dabeihatte <strong>und</strong> bei derart schlechten<br />

Lichtverhältnissen fotografiert hat, verdient sie<br />

jedoch Anerkennung.<br />

Urteil: Eine gute Idee. Ana hätte jedoch mehr<br />

vom Markt erfassen oder sich nur auf die<br />

Architektur konzentrieren sollen.<br />

LEE FROST: Ok, wo fange ich nur an?! Also, erstens<br />

ist dein Bild etwas verwackelt, Ana. Keine Ahnung,<br />

was genau passiert ist, aber es ist definitiv schief.<br />

Mit einem kleinen Handgriff in Photoshop lässt sich<br />

das im Nu korrigieren: Einfach auf Bild ><br />

Arbeitsfläche drehen > Per Eingabe gehen <strong>und</strong> den<br />

entsprechenden Wert eingeben. Ich habe bei<br />

deinem Bild 9 Grad gegen den Uhrzeigersinn<br />

eingestellt <strong>und</strong> es anschließend radikal<br />

zugeschnitten, damit es wieder rechteckig wurde<br />

(siehe rechts). Dadurch hat sich die<br />

Bildkomposition komplett geändert. Wenn du etwas<br />

Geld in eine Kamera-Wasserwaage investierst,<br />

kannst du dieses Problem zukünftig vermeiden! Ein<br />

Vorteil beim Zuschneiden ist, dass dadurch die<br />

störenden Stände in der linken unteren Ecke fast<br />

völlig verschw<strong>und</strong>en sind. Du hättest die Kamera<br />

auch gerade ausrichten <strong>und</strong> dann zoomen können,<br />

um dies zu erreichen. Das dritte Problem ist, dass<br />

die Aufnahme zu spät gemacht wurde.<br />

Nachtaufnahmen sollten am besten dann gemacht<br />

werden, wenn der Himmel noch etwas Farbe<br />

hergibt. Die Folge davon ist, dass der Kontrast<br />

geringer ist <strong>und</strong> die Schatten nicht zu schwarz sind.<br />

Dieses Motiv sollte man meiner Meinung nach noch<br />

mal neu fotografieren. Und nächstes Mal solltest du<br />

dein Stativ mitnehmen.<br />

Urteil: Ein gutes Motiv. Die Fehler hätten aber<br />

leicht vermieden werden können.<br />

Photoshop-Ideen<br />

Haben Sie gewusst, dass Sie mit dem<br />

Freistellungswerkzeug Bilder nicht nur freistellen,<br />

sondern auch drehen <strong>und</strong> deren Größe ändern<br />

können? Klicken Sie das Freistellungswerkzeug an<br />

<strong>und</strong> wählen Sie das ganze Bild aus. Gehen Sie<br />

dann auf den Eckpunkt, bis der Pfeil gebogen ist.<br />

Nun können Sie den freigestellten Bereich drehen,<br />

bis das Bild gerade ist. Anschließend schneiden<br />

Sie das Bild zu.<br />

Es gibt zahlreiche andere Möglichkeiten, wie Sie<br />

Ihre Bilder ausrichten können, zum Beispiel mit<br />

Bearbeiten > Frei transformieren oder über den<br />

Befehl Transformieren. Sie sollten dabei jedoch<br />

bedenken, dass sich mit jeder Änderung die<br />

Bildqualität verschlechtert. Um dies zu vermeiden,<br />

sollten Sie sicherstellen, dass alle Ihre Änderungen<br />

korrekt sind, bevor Sie Enter drücken oder auf den<br />

grünen Haken klicken.<br />

„Idee <strong>und</strong> Belichtung sind<br />

zwar gut, aber nicht die<br />

Bildkomposition.“<br />

ROSS HODDINOTT<br />

102 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Strandkürbisse<br />

Von Catherine Bullen<br />

Kamera: Nikon D300<br />

Objektiv: Sigma 10-20 mm<br />

Belichtung: 0,3 Sek. bei f/6.3 (ISO 320)<br />

CATHERINE SAGT: „Diese Aufnahme<br />

habe ich früh am Morgen beim<br />

Sonnenaufgang in Südafrika gemacht.<br />

Ich war auf der Suche nach einem<br />

interessanten Motiv für den<br />

Vordergr<strong>und</strong> <strong>und</strong> bin auf diese Strandkürbispflanzen<br />

gestoßen. Ich habe das Bild in Photoshop aus<br />

mehreren Bildern mit verschiedenen Belichtungen<br />

erstellt.“<br />

ROSS HODDINOTT: Was für ein w<strong>und</strong>erschöner,<br />

friedlicher Himmel. Es ist immer schön, wenn<br />

man dafür belohnt wird, dass man früh<br />

aufgestanden ist. Mir gefällt zwar die Feinheit<br />

dieser Aufnahme, aber meiner Meinung nach<br />

fehlt es an Drama. Auf dem Bild ist einfach zu viel<br />

leerer Raum. Man fotografiert im Querformat, um<br />

einen flachen Horizont hervorzuheben. Für<br />

meinen Geschmack nimmt der Himmel in diesem<br />

Bild zu viel Platz ein. Catherines Wahl für den<br />

Vordergr<strong>und</strong> gefällt mir. Ich hätte jedoch einen<br />

höheren Standpunkt gewählt <strong>und</strong> im Hochformat<br />

fotografiert. Dadurch wären die Kürbispflanzen<br />

mehr in den Mittelpunkt gerückt. Ich hätte die<br />

Pflanzen wohl auch aus geringerer Entfernung<br />

fotografiert, um ihre Form <strong>und</strong> Größe<br />

übertriebener darzustellen. Auf diese Weise wäre<br />

Catherine einen Teil des leeren Raums auf der<br />

rechten Bildseite losgeworden <strong>und</strong> hätte<br />

gleichzeitig den Anteil des Himmels im Bild<br />

reduziert. Dadurch ändern sich weder die<br />

allgemeine Stimmung noch die Atmosphäre. Die<br />

Bildkomposition wäre jedoch kompakter <strong>und</strong> das<br />

Endergebnis dramatischer.<br />

Urteil: Ein tolles Motiv mit einem<br />

w<strong>und</strong>erschönen Himmel <strong>und</strong> sanften Farbtönen.<br />

Aufgr<strong>und</strong> von zu viel verschwendetem Raum fehlt<br />

es dem Bild aber an Dramatik.<br />

LEE FROST: Es ist gar nicht so einfach, Wüsten<br />

vor dem Sonnenaufgang oder nach dem<br />

Sonnenuntergang zu fotografieren. Da die Sonne<br />

hinter dem Horizont ist, stellt der Himmel eine<br />

sehr große <strong>und</strong> diffuse Lichtquelle dar. Aus<br />

diesem Gr<strong>und</strong> ist der Kontrast bei der Landschaft<br />

gering <strong>und</strong> der Sand sieht ziemlich flach <strong>und</strong><br />

unspektakulär aus. In genau diesem Dilemma<br />

steckte Catherine hier: ein fantastischer Himmel<br />

vor Sonnenaufgang, aber eine langweilige Wüste.<br />

Durch die Pflanzen erhält der Vordergr<strong>und</strong> zwar<br />

etwas Struktur, aber sie sind etwas chaotisch <strong>und</strong><br />

nicht sonderlich schön anzusehen. Ich glaube,<br />

ich wäre beim Sand geblieben. Ich hätte bei den<br />

niedrigen Dünen nach ein paar attraktiven<br />

Formen oder sauberen Wellen gesucht. Dann<br />

hätte ich gewartet, bis die Sonne aufgeht <strong>und</strong> mit<br />

seitlichem Licht (im 90-Grad-Winkel zur Kamera)<br />

fotografiert. Sobald die Sonne über den Horizont<br />

hervorkommt, ändern sich sofort die<br />

Lichtverhältnisse. Sanfte Schatten erscheinen auf<br />

dem Sand, kaum sichtbare Wellen <strong>und</strong><br />

Insektenspuren tauchen auf, die für einen<br />

perfekten Vordergr<strong>und</strong> sorgen. Mit mehr Licht im<br />

Vordergr<strong>und</strong> hätte Catherine wahrscheinlich<br />

weniger Himmel einbezogen, wodurch die<br />

Bildkomposition überzeugender geworden wäre.<br />

Urteil: Ein fantastischer Himmel. Mehr Licht<br />

hätte die Struktur des Sandes sichtbar <strong>und</strong> den<br />

Vordergr<strong>und</strong> interessanter gemacht.<br />

KURZKRITIK<br />

1) Der Himmel ist zweifelsohne faszinierend <strong>und</strong><br />

ein Foto wert. Wenn der Anteil des Himmels<br />

geringer <strong>und</strong> der Fokus mehr auf dem Vordergr<strong>und</strong><br />

gewesen wäre, hätte dies für mehr Dramatik<br />

gesorgt.<br />

2) Auf den ersten Blick erkennt man nicht, um<br />

was für Pflanzen es sich handelt. Wenn Catherine<br />

aus einer näheren Entfernung fotografiert hätte<br />

<strong>und</strong> vielleicht auch von einem höheren<br />

Standpunkt, dann hätte sie mehr aus diesen<br />

ungewöhnlichen Exemplaren machen können.<br />

3) In Wüsten gibt es für gewöhnlich nicht viel<br />

Spektakuläres. Kaum sichtbare Wellen <strong>und</strong><br />

Insektenspuren können jedoch als interessanter<br />

Vordergr<strong>und</strong> oder als eigenes Motiv dienen, <strong>und</strong><br />

zwar vor allem wenn die Sonne darauf trifft <strong>und</strong><br />

ansehnliche Schatten wirft.<br />

3<br />

„In genau diesem Dilemma<br />

steckte Catherine hier: ein<br />

fantastischer Himmel vor<br />

Sonnenaufgang, aber eine<br />

langweilige Wüste.“<br />

LEE FROST<br />

1<br />

2


Experten-Rategeber<br />

Experten-Meinung<br />

LKW<br />

Von Keith Chant<br />

Kamera: Nikon D700<br />

Objektiv: Nikon 28-300 mm f/3.5-5.6<br />

Belichtung: 1/160 Sek. bei f/14 (ISO 1000)<br />

KEITH SAGT: „Diese Aufnahme habe<br />

ich auf dem Weg nach Schottland bei<br />

einem Zwischenstopp im Stobart-<br />

Lager in Carlisle gemacht. Es gab dort<br />

Stobart-LKWs so weit das Auge reichte!<br />

Wenn man ins Büro geht, bekommt man eine<br />

Warnweste <strong>und</strong> darf sich auf dem Gelände frei<br />

bewegen.“<br />

LEE FROST: Das ist mal ein kreativer<br />

Zwischenstopp! Mir wären zahlreiche andere Dinge<br />

in den Sinn gekommen, aber ich hätte nie daran<br />

gedacht, bei einem Eddie-Stobart-Lager anzuhalten.<br />

Wenn ich mir die Aufnahme von Keith so ansehe,<br />

muss ich diese Option wohl nächstes Mal auch in<br />

Erwägung ziehen. Bei diesen LKWs sehe ich großes<br />

Potential für farbenprächtige abstrakte Bilder. Das ist<br />

ja Hipstamatic-tastisch! Keith hatte Glück mit dem<br />

Wetter. Das weiche Licht des bedeckten Himmels<br />

war perfekt <strong>und</strong> brachte die Farben der Führerhäuser<br />

zur Geltung. Bei starkem Sonnenlicht wäre ihm die<br />

Aufnahme definitiv nicht so gut gelungen. Dass die<br />

LKWs alle perfekt nebeneinander standen, war<br />

ebenfalls von Vorteil. Ich habe vor langer Zeit einmal<br />

gelesen, dass man bei Stobart darauf achtet, dass<br />

die LKWs gepflegt sind. Dazu gehört wohl auch,<br />

dass sie perfekt geparkt sind! Hat Keith das Beste<br />

aus der Situation herausgeholt? Ja <strong>und</strong> nein. Ich<br />

kann nachvollziehen, warum er sich für diesen<br />

Bildausschnitt entschieden hat. Er wollte aus den<br />

unzähligen LKWs ein Muster erzeugen. Leider wird<br />

dieses Muster durch das Gras <strong>und</strong> den Baum in den<br />

Ecken oben <strong>und</strong> unten rechts gestört. Hätte er mehr<br />

herangezoomt, hätte er dieses Problem nicht gehabt.<br />

Mit weniger LKWs im Bild wäre das Muster aber<br />

nicht so eindrucksvoll gewesen. Alternativ hätte<br />

Keith versuchen können, von vorne zu fotografieren.<br />

Die Aufnahme wäre dann zwar nicht so dynamisch<br />

geworden, aber er hätte wenigstens nur die LKWs im<br />

Bild gehabt <strong>und</strong> nichts anderes.<br />

Urteil: Ein echter Hingucker dieses Muster, aber es<br />

hätte besser das ganze Bild ausgefüllt.<br />

ROSS HODDINOTT: LKWs sind zwar definitiv nicht<br />

die fotogensten Motive, aber die Idee des sich<br />

wiederholenden Musters <strong>und</strong> die Farben bei dieser<br />

Reihe von Stobart-LKWs gefallen mir. Meinen<br />

Glückwunsch an Keith, dass er das Potential erkannt<br />

hat. Die rechte obere <strong>und</strong> untere Ecke stört jedoch,<br />

<strong>und</strong> zwar vor allem die Äste oben rechts <strong>und</strong> der Müll<br />

auf dem Grünstreifen. Ich würde den Bildausschnitt<br />

so wählen, dass nur die LKWs im Bild erscheinen.<br />

Um die Bildkomposition noch dynamischer <strong>und</strong><br />

interessanter zu gestalten, würde ich die Kamera<br />

wahrscheinlich bewusst leicht neigen. Wenn man<br />

sich diese Aufnahme ansieht, fragt man sich, was<br />

noch alles möglich gewesen wäre. Vielleicht eine<br />

verzerrte Weitwinkelaufnahme oder eine nach oben<br />

fotografierte Aufnahme mit einem Fisheye. Eine<br />

größere Brennweite wäre ebenfalls möglich gewesen,<br />

um Details oder Lichtspiegelungen in den Fenstern<br />

oder Chromteilen zu erfassen.<br />

Urteil: Durch einen anderen Bildausschnitt ohne die<br />

Ecken oben <strong>und</strong> unten rechts wäre ein noch<br />

eindrucksvolleres Bild entstanden.<br />

KURZKRITIK<br />

1) Kräftige Farben <strong>und</strong> ein sich wiederholendes<br />

Muster können ein tolles Bild ergeben. Bei dieser<br />

Aufnahme hakt es jedoch an der Bildkomposition.<br />

Der Grünstreifen mit Müll <strong>und</strong> der Baum im<br />

Hintergr<strong>und</strong> stören. Durch Heranzoomen wäre das<br />

Bild besser geworden, auch wenn dann weniger<br />

LKWs auf dem Bild gewesen wären.<br />

2) Das Potential, gute Motive zu erkennen, macht<br />

einen kreativen Fotografen aus. Wer hätte gedacht,<br />

dass man bei einem LKW-Lager so eine<br />

interessante Aufnahme machen kann! Daher<br />

verdienen Sie für Ihre Kreativität höchste<br />

Anerkennung, Keith. Nächstes Mal sollten Sie<br />

jedoch mit einem Weitwinkel- oder einem<br />

Fisheye-Objektiv fotografieren: Verzerrte Muster<br />

stehen oft großartig aus. So wäre aus einem<br />

durchschnittlichen ein großartiges Foto geworden.<br />

1<br />

„Das weiche Licht war<br />

perfekt <strong>und</strong> brachte die<br />

Farben der Führerhäuser zur<br />

Geltung.“<br />

LEE FROST<br />

2<br />

104 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Herstmonceux Castle<br />

Von Brian Crane<br />

Kamera: Canon EOS 400D<br />

Objektiv: Tamron 18-270 mm VC zoom<br />

Belichtung: 1/125 Sek. bei f/13<br />

BRIAN SAGT: „Diese Aufnahme<br />

habe ich während eines<br />

Kurzurlaubs in Eastbourne<br />

gemacht. Das Originalbild habe ich<br />

in Farbe gemacht, aber ich dachte,<br />

dass es mit einem gotischen, dunklen Touch<br />

etwas besser aussieht. Ich weiß nicht, ob das<br />

eine gute Idee war. Ich hoffe es zumindest.“<br />

ROSS HODDINOTT: Meiner Meinung nach ist die<br />

Bildkomposition gelungen <strong>und</strong> gut durchdacht.<br />

Brian hat einen guten Standpunkt gewählt. Die<br />

drei Äste <strong>und</strong> das Schilf bilden einen natürlichen<br />

Rahmen für das Schloss. Der Betrachter muss den<br />

zentralen Punkt des Bildes nicht suchen. Er sticht<br />

sofort ins Auge. Wenn ich pingelig sein wollte,<br />

würde ich mir rechts neben dem Schloss eine<br />

kleinere Lücke <strong>und</strong> stattdessen etwas mehr von<br />

der Brücke wünschen, die zum Bauwerk hinführt.<br />

Das wäre ohne Weiteres möglich gewesen, wenn<br />

Brian bei der Aufnahme etwas weiter rechts<br />

gestanden hätte. Obwohl die Bildkomposition gut<br />

ist, so sieht das Bild doch insgesamt etwas dunkel<br />

<strong>und</strong> trübe aus. Um das Bild noch gotischer wirken<br />

zu lassen, wäre ein kontrastreiches oder sogar ein<br />

körniges Schwarzweiß wohl die bessere Wahl<br />

gewesen. So wie es ist, überzeugt mich das Foto<br />

nicht. Durch das absichtliche Verdunkeln geht der<br />

Effekt der schönen, farbigen Reflexionen verloren<br />

<strong>und</strong> das Bild sieht flach <strong>und</strong> leblos aus. Ich würde<br />

das Bild noch mal bearbeiten, Brian. Es ist im<br />

Gr<strong>und</strong>e eine gute Aufnahme, die meiner Meinung<br />

viel mehr zu bieten hat.<br />

Urteil: Gute Bildkomposition, aber die Aufnahme<br />

sieht langweilig <strong>und</strong> kontrastarm aus. Durch eine<br />

Umwandlung in Schwarzweiß ließe sich ein<br />

eindrucksvolleres Ergebnis erzielen.<br />

LEE FROST: Brian hatte bei seinem Besuch von<br />

Herstmonceux Castle mit den<br />

Witterungsverhältnissen Glück: ruhiges Gewässer,<br />

blauer Himmel, weiches Sonnenlicht. Es ist fast<br />

schon zu perfekt, aber besser so als grau <strong>und</strong><br />

nass. Indem Brian das Schloss durch die Bäume<br />

eingerahmt hat, ist im ein gutes Bild gelungen.<br />

Nichts, was einen vom Hocker haut, aber<br />

trotzdem aller Ehren wert. Was mich verw<strong>und</strong>ert,<br />

ist, dass er gedacht hat, er könnte dem Bild einen<br />

gotischen Touch verleihen, indem er es dunkler<br />

macht. Nach seiner Bearbeitung sieht es jedoch<br />

unterbelichtet <strong>und</strong> flach aus. Er hat also im<br />

Endeffekt ein gutes Bild verunstaltet. Eine<br />

Umwandlung in Schwarzweiß wäre hier<br />

passender gewesen. Genau das habe ich auch<br />

gemacht (siehe rechts). Ich habe außerdem die<br />

Ecken dunkler gemacht, damit das Bild noch<br />

stimmungsvoller ist, den Kontrast etwas erhöht<br />

<strong>und</strong> einen leichten Blauton hinzugefügt. Dafür<br />

habe ich Silver Efex Pro von Nik Software<br />

verwendet.<br />

Urteil: Ein gut aufgenommenes Bild. Brians<br />

Versuch, das Bild stimmungsvoller zu machen,<br />

hat mich allerdings nicht überzeugt.<br />

Photoshop-Ideen<br />

Nik Software bietet für die Adobe-<br />

Bildbearbeitungssoftware eine Vielzahl an Plug-ins<br />

an, mit denen Sie problemlos <strong>und</strong> ohne großen<br />

Aufwand Änderungen vornehmen können. Silver<br />

Efex Pro können wir Ihnen für Schwarzweiß-<br />

Umwandlungen wärmstens empfehlen. Wenn Sie<br />

jedoch nicht zusätzlich Geld ausgeben wollen, gibt<br />

es auch in Photoshop zahlreiche Möglichkeiten,<br />

Bilder in Schwarzweiß umzuwandeln. Wir<br />

empfehlen entweder eine Schwarzweiß-<br />

Einstellungsebene oder die<br />

Kanalmixer-Einstellungsebene (Ebene > Neue<br />

Einstellungsebene ...). Anschließend können Sie<br />

mithilfe der Farbkanäle die Farbtöne des Bildes<br />

einstellen. Zusätzlich können Sie mit einer<br />

Tonwertkorrektur-Einstellungsebene den Kontrast<br />

verbessern.<br />

„Gute Bildkomposition, aber die<br />

Aufnahme sieht langweilig <strong>und</strong><br />

kontrastarm aus.“<br />

ROSS HODDINOTT


Experten-Ratgeber Experten-Meinung<br />

Lichtung<br />

Von James Boyton<br />

Kamera: Nikon D5000<br />

Objektiv: Nikkor 18-55 mm<br />

Belichtung: 1/60 Sek. bei f/8 (ISO 640)<br />

JAMES SAGT: „Diese Aufnahme habe<br />

ich gemacht, als die Sonne gerade<br />

neben dem Wald unterging, wobei<br />

schöne lange Schatten entstanden<br />

sind. Die Pfütze im Vordergr<strong>und</strong> soll<br />

den Betrachter zum Bild hinführen.“<br />

ROSS HODDINOTT: Diese Szene hat großes<br />

Potential. Ich muss jedoch sagen, dass man mehr<br />

hätte rausholen können. Ich kann nachvollziehen,<br />

warum James die reflektierenden Pfützen<br />

interessant fand. Ich habe jedoch meine Zweifel, ob<br />

sie dem Bild wirklich zuträglich sind. Um sie ins Bild<br />

miteinzubeziehen, musste James Kompromisse bei<br />

seinem Standpunkt eingehen. Die Konsequenz ist,<br />

dass sich im Vordergr<strong>und</strong> ein großer Schattenbereich<br />

befindet. Ich finde, er hätte stattdessen mehr von<br />

den w<strong>und</strong>ervollen langen Schatten der hohen<br />

Nadelbäume aufnehmen sollen. Dadurch wäre der<br />

Vordergr<strong>und</strong> noch interessanter geworden. Ein<br />

starker Kontrast zwischen Licht <strong>und</strong> Schatten wirkt<br />

immer sehr dramatisch. Ich hätte wahrscheinlich in<br />

Richtung der Sonne fotografiert. James hätte den<br />

Betrachter mithilfe der langen dunklen Schatten zum<br />

Bild hinführen können. Er hätte sich so positionieren<br />

können, dass einer der Bäume die Sonne verdeckt<br />

<strong>und</strong> deren Intensität gestreut hätte. Durch einen<br />

anderen Standpunkt hätte James außerdem die<br />

Bäume auf der linken Seite außen vor lassen<br />

können, die ineinander verschwimmen <strong>und</strong> wie eine<br />

dunkle, störende Grenze wirken.<br />

Urteil: Die Idee ist gut, aber die Ausführung wäre<br />

durch einen anderen Standpunkt noch besser<br />

gelungen.<br />

DANIEL LEZANO: Es ist interessant, dass einige<br />

Fotografen Bilder nicht in Schwarzweiß umwandeln,<br />

wenn sie es sollten <strong>und</strong> andere in Schwarzweiß<br />

umwandeln, wenn sie es nicht sollten. Meiner<br />

Meinung gehört James mit seinem Bild zu den<br />

Letztgenannten. Verstehen Sie mich nicht falsch, es<br />

ist ein schönes Bild. Die Sonne steht bei Sonnenauf<strong>und</strong><br />

-untergängen sehr tief am Himmel. Das Licht<br />

verfügt über eine natürliche Wärme, welche die<br />

Landschaft zum Leben erweckt. So sehr ich<br />

Schwarzweiß-<strong>Fotografie</strong> auch liebe, so wichtig finde<br />

ich es auch, die wahre Stimmung einer Szene zu<br />

erfassen. James' Aufnahme bringt eine gewisse<br />

Stimmung zum Ausdruck: die Sonnenstrahlen, die<br />

durch die Bäume fallen, die sanften Farbtöne <strong>und</strong><br />

die Schatten auf dem Weg. In den Bäumen hängt<br />

sogar ein Nebelschleier. Indem er dem Bild die Farbe<br />

genommen hat, hat er dem Bild die Wärme<br />

genommen. Schwarzweiß finde ich das Bild nicht<br />

annähernd so erwärmend wie es in Farbe der Fall<br />

gewesen wäre. In Sepia gewinnt das Bild wieder an<br />

Wärme. Meiner Meinung nach wäre es in Farbe aber<br />

am besten zur Geltung gekommen. Ich hätte<br />

außerdem einen anderen Bildausschnitt gewählt, da<br />

die große Pfütze im Vordergr<strong>und</strong> stört. Die<br />

diagonalen Linien, die durch die Schatten der<br />

Baumstämme entstanden sind, wirken auf mich viel<br />

interessanter.<br />

Urteil: Ein schönes Bild, aber ich würde nur zu gern<br />

die Farbversion sehen!<br />

POSITIV & NEGATIV<br />

Positiv: Diese Aufnahme ist äußerst<br />

stimmungsvoll. Sonnenlicht fällt durch die<br />

Bäume, ein Nebelschleier ist im Hintergr<strong>und</strong> <strong>und</strong><br />

es gibt kräftige, dunkle Schatten. Bei der<br />

Bildkomposition gibt es jedoch noch<br />

Verbesserungsbedarf. Mit den Schatten hätte<br />

James den Betrachter wirkungsvoll zum Bild<br />

hinführen können.<br />

Negativ: Einige Bilder sind dafür geeignet,<br />

andere wiederum nicht. Bei Schwarzweiß-<br />

Umwandlungen scheiden sich die Geister. Bei<br />

diesem Bild wäre die Farbversion jedoch<br />

stimmungsvoller gewesen. Die Wärme der<br />

untergehenden Sonne hätte eine weiche <strong>und</strong><br />

natürliche Atmosphäre erzeugt, die perfekt zur<br />

Szenerie gepasst hätte.<br />

„Diese Szene hat großes<br />

Potential. Ich muss jedoch<br />

sagen, dass man mehr hätte<br />

rausholen können.“<br />

ROSS HODDINOTT<br />

106 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Dahlie<br />

Von Alec Snell<br />

Kamera: Nikon D3S<br />

Objektiv: 50mm f/1.8<br />

Belichtung: 1/1000 Sek. bei f/8 (ISO 800)<br />

ALEC SAGT: „Da der Winter mit großen<br />

Schritten näher kam, ging ich noch mal<br />

in den Park um die Ecke, um das Beste<br />

aus den letzten Sommerblumen<br />

herauszuholen. Das kam dabei<br />

heraus.“<br />

LEE FROST: Was Nahaufnahmen von Blumen<br />

angeht, ist diese nicht schlecht. Die Farben sind<br />

kräftig, die Bildkomposition ist gelungen <strong>und</strong> der<br />

Fokus liegt auf dem Mittelpunkt der Blüte. Das Bild<br />

ist allerdings keineswegs perfekt. Durch das<br />

Sonnenlicht entstehen Schatten <strong>und</strong> außerdem sind<br />

die helleren Farbtöne der Blütenblätter ausgebrannt.<br />

Da das Licht auf der linken Seite weicher ist, kann<br />

man die subtilen Details <strong>und</strong> Farben klarer sehen.<br />

Die ganze Blüte hätte so aussehen können, wenn<br />

Alec darauf gewartet hätte, bis die Sonne untergeht<br />

oder wenn er einen Karton verwendet hätte, um<br />

einen Schatten zu erzeugen. Außerdem sehen einige<br />

Blütenblätter nicht sehr schön aus. Alec hätte sich<br />

vielleicht ein besseres Exemplar suchen sollen. Ich<br />

hätte zudem die Regentropfen in der linken unteren<br />

Ecke entfernt. Da sie jedoch nicht auf der ganzen<br />

Blüte verteilt sind, wirken sie störend.<br />

Urteil: Eine gute Nahaufnahme, aber weder das<br />

beste Licht noch die beste Blüte.<br />

ROSS HODDINOTT: Es ist ein schönes Bild:<br />

eindrucksvoll <strong>und</strong> scharf. Mir gefallen Bilder im<br />

Quadratformat. Die Blüte sollte jedoch aufgr<strong>und</strong> der<br />

Symmetrie absolut mittig platziert sein. Weiches<br />

Licht eignet sich oft sehr gut für Nahaufnahmen von<br />

Blüten. Aus diesem Gr<strong>und</strong> wäre es eine Überlegung<br />

wert gewesen, die Blüte im Schatten zu<br />

fotografieren, um so den Kontrast zu verringern. In<br />

Bezug auf die Technik will ich noch anmerken, dass<br />

Alec wahrscheinlich kein Stativ verwendet hat, da er<br />

den ISO-Wert auf 800 erhöht hat, um eine<br />

schnellere Verschlusszeit zu erreichen. Sie sollten,<br />

wann immer möglich, ein Stativ verwenden, Alec.<br />

Dadurch können Sie den gewünschten<br />

Bildausschnitt exakt festlegen <strong>und</strong> den niedrigsten<br />

ISO-Wert zur Maximierung der Bildqualität wählen.<br />

Urteil: Gut. Wenn die Blüte im Bild zentraler<br />

gewesen wäre <strong>und</strong> die Aufnahme bei weicherem<br />

Licht gemacht worden wäre, dann wäre das<br />

Ergebnis besser gewesen.<br />

KURZKRITIK<br />

1) Dieses Bild braucht Schatten: Ein geringerer<br />

Kontrast hätte mehr Details <strong>und</strong> bessere<br />

Farben zur Folge gehabt. Außerdem wären die<br />

Lichter dann nicht ausgebrannt.<br />

2) Details nicht vergessen: Durch die<br />

Entfernung der Regentropfen, eine zentralere<br />

Platzierung der Blüte <strong>und</strong> die Wahl einer<br />

schöneren Blüte wäre die Aufnahme besser<br />

geworden.<br />

1<br />

2


Experten-Ratgeber Fragen & Antworten<br />

Leser-Feedback<br />

Thema: Dämmerlicht-Dilemma<br />

In einer früheren Ausgabe raten Sie einem Leser<br />

zum Kauf eines Streifen-Filtersets, um damit<br />

überbelichtete Horizonte zu verhindern. Erzielt<br />

man denn nicht den gleichen Effekt mithilfe von<br />

zwei Graufverlaufsfiltern, einen davon auf den<br />

Kopf gedreht, um zwei (oder drei) Dichte-Zonen<br />

zu erhalten? So erhält man im unteren Bereich<br />

die Dichte des gedrehten Grauverlaufsfilters, im<br />

Überschneidungsbereich eine kombinierte<br />

Dichte <strong>und</strong> im oberen Bereich die Dichte des<br />

Filters in Normalposition. Sind die Filter von<br />

gleicher Dichte, dann wird die Dichte nur durch<br />

den Streifen variiert; wenn nicht, dann sind im<br />

Verhältnis zur ‚Gr<strong>und</strong>dichte’ zwei Zonen bzw.<br />

Streifen möglich. Im Beispiel Ihrer Zeitschrift<br />

wäre für den gedrehten Filter ein Verlauf mit<br />

weicher Kante optimal, damit der Himmel keine<br />

scharfen Kanten erhält. Da die Dichte für das<br />

gesamte Bildfeld gefiltert wird, muss die<br />

Belichtung verlängert werden, was aber für die<br />

meisten Landschaften kein Problem sein<br />

sollte. Großartiges Magazin! Craig<br />

Lee Frost antwortet: Tolle Idee, Craig, <strong>und</strong><br />

theoretisch funktioniert das auch gut. Für eine<br />

typische Morgen- oder Abenddämmerung würde<br />

ich persönlich einen hartkantigen 0,9<br />

Grauverlaufsfilter einsetzen, um die Himmels-<br />

Details zu behalten – obwohl der Horizont<br />

vermutlich trotzdem überbelichtet wird. Setze ich<br />

aber einen 0,3 Grauverlaufsfilter (ich wähle<br />

dennoch den hartkantigen) umgekehrt in den<br />

Halter <strong>und</strong> schiebe ihn ganz nach oben, dann<br />

erhalte ich knapp über dem Horizont meinen um<br />

einen Wert dunkleren Streifenverlauf – was<br />

möglicherweise ausreicht, um das Problem zu<br />

lösen.<br />

Der Nachteil ist, dass sich dabei der Effekt des<br />

stärkeren Filters auf den restlichen Himmel<br />

genau um den Dichtewert des gedrehten Filters<br />

vermindert. In diesem Beispiel reduziert der 0,9<br />

Grauverlaufsfilter die Helligkeit des Himmels nur<br />

um zwei statt drei Werte. Denn seine Wirkung<br />

wird um zwei Werte verringert durch den 0,3<br />

Grauverlaufsfilter, der die untere Hälfte der Szene<br />

abdeckt – während die effektive Dichte des<br />

Graustreifens im Schnittbereich der beiden<br />

Gradienten nur drei Werte beträgt, anstatt vier.<br />

Das mag genügen, um den Himmel ausreichend<br />

detailliert darzustellen <strong>und</strong> eine Überbelichtung<br />

der Bereiche über dem Horizont zu verhindern.<br />

Zudem muss der Himmel ggf. in der<br />

Nachbearbeitung weiter abgedunkelt werden,<br />

aber das ist ja kein Problem.<br />

Eine Alternative wäre, für den Himmel zwei<br />

kombinierte Graufverlaufsfilter einzusetzen –<br />

einen 0,9 (drei Werte) <strong>und</strong> einen 0,3 (ein Wert)<br />

–, plus einen 0,3-Filter in umgekehrter Position.<br />

Dabei würden sich die beiden 0,3-Filter (außer<br />

im Schnittbereich) gegenseitig aufheben, sodass<br />

die wichtigsten Himmelszonen um drei Werte<br />

<strong>und</strong> der Schnittbereich um den Horizont um vier<br />

Werte verdunkelt werden. Der Einsatz von drei<br />

Grauverlaufsfiltern ist allerdings eine extreme<br />

Maßnahme!<br />

Verwischendes Wasser<br />

Gibt es irgendeine Möglichkeit, auch ohne<br />

F<br />

Graufilter die Bewegung von Wasser <strong>und</strong><br />

Wasserfällen kreativ zu verwischen? Ich benutze<br />

eine Nikon D300?<br />

Chris Ipsom<br />

Feste Graufilter (auch ND-Filter genannt, =<br />

A Neutral Density) dienen dazu, Licht zu<br />

absorbieren <strong>und</strong> Verschlusszeiten zu reduzieren, um<br />

ein Motiv in Bewegung kreativ zu verwischen – wie<br />

zum Beispiel Wasser. Falls man allerdings keinen<br />

ND-Filter besitzt <strong>und</strong> die Verschlusszeit zu schnell ist,<br />

um die Bewegung eines Wasserfalls zu verwischen,<br />

geht es auch anders!<br />

Einige Digitalkameras, einschließlich der Nikon<br />

D300, besitzen einen sogenannten<br />

Mehrfachbelichtungs-Modus, mit dem man mehrere<br />

Aufnahmen miteinander kombinieren kann. Während<br />

dieser Modus oft für Spezialeffekte genutzt wird, ist er<br />

auch zum Erzeugen eines „Wasser-Wischeffekts“<br />

nützlich. Aktivieren Sie im Aufnahme-Menü Ihrer<br />

D300 Kamera die Option ‚Mehrfachbelichtung’ <strong>und</strong><br />

wählen Sie anschließend die Anzahl der Bilder, die Sie<br />

kombinieren möchten – eine Sequenz von sechs bis<br />

acht reicht meistens aus. Lassen Sie die Option<br />

‚Auto-Gain’ auf EIN; diese regelt bei<br />

Mehrfachbelichtungen automatisch die<br />

Lichtverstärkung. Nun können Sie Ihre Bildsequenz<br />

mit der ausgewählten Anzahl von Einzelbildern<br />

aufnehmen (am besten über Fernauslöser, um<br />

Verwackeln zu vermeiden). Zwar wären<br />

Einzelbelichtungen von 1/30 Sek. oder 1/60 Sek.<br />

etwas zu kurz, um eine Wasserbewegung zu<br />

verwischen – kombinieren wir aber eine Sequenz aus<br />

mehreren Belichtungen dieser Dauer, erzielen wir<br />

damit eine ähnliche Wirkung wie ein ND-Filter. Seien<br />

Sie bereit, mit der Zahl der zu kombinierenden Bilder<br />

etwas zu experimentieren: Wenn das Wasser sich<br />

schneller bewegt, müssen Sie eine entsprechend<br />

größere Anzahl von Einzelbildern aufnehmen, oder<br />

mit schnelleren Verschlusszeiten arbeiten. Am besten<br />

funktioniert der Effekt, wenn Einzelbelichtungen von<br />

1/100 Sek. oder kürzer kombiniert werden. Einige<br />

Kameras, wie die Nikon D300, können im<br />

Mehrfachbelichtungs-Modus sogar RAW-Dateien<br />

erzeugen. Sie haben noch nicht erwähnt, ob Sie noch<br />

weitere Filter einsetzen: Polarisationsfilter z. B.<br />

besitzen Filterfaktoren von bis zu zwei Blendenstufen.<br />

Wenn Sie also einen besitzen, kann dieser auch als<br />

behelfsmäßiger ND-Filter eingesetzt werden, um eine<br />

Wasserbewegung mithilfe längerer Verschlusszeiten<br />

zu verwischen.<br />

ROSS HODDINOTT<br />

108 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Telekonverter oder<br />

Teleskop?<br />

Mein fotografisches Hauptinteresse gilt<br />

F<br />

Wildtieren <strong>und</strong> Vögeln, <strong>und</strong> ich benutze<br />

ein 70-300-mm-Zoomobjektiv mit f/4,5 <strong>und</strong><br />

einem Formatfaktor von 1,5x, was auf meiner<br />

Nikon D3000 eine maximale Brennweite von<br />

450 Millimetern ergibt. In manchen Fällen reicht<br />

das aber noch nicht aus, deshalb überlege ich<br />

einen Telekonverter zu kaufen, oder meine Nikon<br />

mit einem Kowa-Teleskop auszurüsten.<br />

Irgendwelche Tipps?<br />

Ken Jarratt<br />

Telekonverter sind eine beliebte Wahl, denn<br />

A<br />

sie erlauben die Brennweite eines Fest- oder<br />

Zoomobjektivs zu erhöhen, ohne dafür das Konto<br />

zu plündern. Ein 1,4x-Konverter erhöht die<br />

Brennweite um 40 Prozent, ein 2x- verdoppelt sie:<br />

Ein 1,4x-Telekonverter macht also aus Ihrem<br />

70-300 Millimeter effektiv ein 147-630-mm-<br />

Objektiv, wenn man den Formatfaktor<br />

einberechnet, <strong>und</strong> ein 2x-Konverter ergibt ein<br />

210-900-mm-Objektiv!<br />

Der Nachteil ist, dass Telekonverter Licht<br />

schlucken: Ein 1,4x-Telekonverter kostet einen<br />

Blendenwert, ein 2x- kostet zwei. Entsprechend<br />

reicht die maximale Blendenöffnung Ihres<br />

Zoomobjektivs mit einem 1,4x- Konverter von<br />

f/4,5 bis f/6,3, <strong>und</strong> mit einem 2x-Konverter bis<br />

f/9. Dies hat drei Dinge zur Folge: Erstens sind die<br />

Sucherbilder weniger hell, zweitens müssen Sie<br />

längere Verschlusszeiten verwenden, <strong>und</strong> drittens<br />

wird der Autofokus Ihrer Kamera beeinträchtigt.<br />

<strong>Digitale</strong> Kontaktabzüge<br />

herstellen<br />

Ich möchte wissen, wie man einen<br />

F<br />

Kontaktbogen mit <strong>Vorschau</strong>bildern<br />

herstellt?<br />

Leigh Fullerton<br />

Es wird Sie freuen zu hören, dass es zwei<br />

A<br />

schnelle <strong>und</strong> ganz einfache Wege gibt, um<br />

digitale Kontaktabzüge zu erstellen:<br />

1. Mit Photoshop<br />

Gehen Sie zu Datei > Automatisieren ><br />

Kontaktabzug II, um ein Dialogfenster zu öffnen, in<br />

welchem Sie die Größe des Kontaktabzugs <strong>und</strong> die<br />

gewünschte Auflösung angeben, ob unter jedem<br />

Bild der Dateinamen als Beschriftung erscheinen<br />

soll, wie viele Bilder Sie verarbeiten möchten, <strong>und</strong><br />

so weiter.<br />

Nachdem diese Parameter eingestellt sind,<br />

navigieren Sie auf Ihrem Computer zu den Bildern,<br />

die auf dem Kontaktabzug erscheinen sollen – am<br />

besten befinden sich diese Bilder bereits in einem<br />

gemeinsamen Ordner – <strong>und</strong> klicken anschließend<br />

auf ‚OK’. Nun werden die Bilder, entsprechend<br />

Ihren Einstellungen, auf die Kontaktabzüge kopiert.<br />

Falls es mehr Bilder sind, als auf einem Blatt Platz<br />

haben, werden sie einfach auf weitere<br />

Kontaktbogen kopiert. Anschließend werden die<br />

Kontaktabzüge gespeichert, z. B. im JPEG-Format,<br />

um als praktische <strong>Vorschau</strong> zu dienen. (Hinweis:<br />

Die Photoshop-Version CS5 besitzt keine eigene<br />

Der Autofokus funktioniert nur bei Objektiven mit<br />

einer maximalen Blendenöffnung von f/5,6 oder<br />

weniger. Wenn Sie einen 1,4x-Telekonverter mit<br />

einem 70-300-mm-Zoomobjektiv verwenden,<br />

kann der Autofokus zwar noch arbeiten, denn die<br />

neue effektive Blende von maximal f/6,3 ist nur<br />

um ein Drittel kleiner als f/5,6. Eine Garantie gibt<br />

es dafür aber nicht, also müssen Sie es einfach<br />

ausprobieren. Wenn Sie jedoch mit einem<br />

2x-Telekonverter, also einer effektiven Blende von<br />

maximal f/9 arbeiten, funktioniert der Autofokus<br />

garantiert nicht mehr. Und da ein Lichtverlust von<br />

zwei Blendenstufen auch das Sucherbild merklich<br />

abdunkelt, müssen Sie speziell bei längeren<br />

Brennweiten mühsam per Hand fokussieren.<br />

Kontaktabzug-Funktion, sie kann aber als Plug-In<br />

heruntergeladen werden).<br />

2. Mit Adobe Bridge<br />

Wenn Sie Photoshop CS5 ohne das Kontaktabzug<br />

-Plug-in verwenden, kann stattdessen Bridge CS5<br />

genutzt werden. Es ist etwas komplizierter als<br />

Kontaktabzug II, aber flexibler <strong>und</strong> schneller, wenn<br />

Sie große Bildermontagen oder viele Kontaktabzüge<br />

aus einer großen Menge von Bildern erstellen<br />

möchten. Wir haben hier Bridge CS5 verwendet.<br />

Starten Sie einfach Bridge <strong>und</strong> wählen Sie in der<br />

Liste links im Fenster den Ordner mit den<br />

gewünschten Bildern aus, dann klicken Sie oben<br />

im Fenster auf ‚Ausgabe’. Rechts unten im Fenster<br />

stehen verschiedene Einstellungen zur Auswahl,<br />

die Sie zum Erstellen Ihrer Kontaktabzug angeben<br />

müssen. Wählen Sie die Vorlage ‚Benutzerdefiniert’<br />

<strong>und</strong> geben Sie die gewünschte Größe des Abzugs<br />

ein (besonders zum Ausdrucken sehr praktisch, da<br />

Sie die Maße von Standard-Papierformaten<br />

verwenden können), die gewünschte Qualität,<br />

Anzahl der Spalten <strong>und</strong> Zeilen, ob Bilder<br />

automatisch angepasst oder bei Bedarf gedreht<br />

werden sollen, <strong>und</strong> so weiter. Wenn Sie weiter oben<br />

rechts im Fenster auf ‚<strong>Vorschau</strong> aktualisieren’<br />

klicken, wird eine <strong>Vorschau</strong> des Kontaktbogens<br />

angezeigt. Nun müssen Sie nur noch auf<br />

‚Speichern’ klicken, <strong>und</strong> das Kontaktformular wird<br />

als PDF-Datei gespeichert, die Sie archivieren, per<br />

E-Mail verschicken oder sofort ausdrucken können.<br />

Ganz einfach!<br />

Ein weiteres Problem ist die Kompatibilität: Nikon<br />

stellt drei Telekonverter her: 1,4x, 1,7x <strong>und</strong> 2x.<br />

Das 1,4x-Modell sollte mit Ihrem 70-300-mmf/4,5-Nikkor-Zoom<br />

gut funktionieren. Das<br />

1,7x-Modell hingegen passt evtl. nicht, <strong>und</strong> das<br />

2x- passt auf keinen Fall, da es nur für spezielle<br />

Nikkor-Objektive entwickelt wurde. Damit<br />

scheidet der Nikkor 2x-Telekonverter also aus.<br />

Wenn Sie trotzdem ein 2x-Modell haben möchten,<br />

suchen Sie bei unabhängigen Herstellern wie<br />

Sigma – prüfen Sie aber auch hier die<br />

Kompatibilität!<br />

Alles in allem <strong>und</strong> mit Blick auf die Funktionalität<br />

<strong>und</strong> Bildqualität ist ein 1,4x-Konverter für Sie die<br />

beste Wahl, obgleich er natürlich keine so starke<br />

Vergrößerung liefert. Was den Anschluss Ihrer<br />

Kamera an ein Kowa-Teleskop betrifft, handelt es<br />

sich vermutlich um ein Spektiv (wie es<br />

Ornithologen verwenden). In diesem Fall ist die<br />

Antwort: Ja. Einen Kamera-Adapter zum<br />

Aufsetzen des Spektivs auf Ihre Nikon D3000<br />

können Sie von Kowa erwerben. In der Preisklasse<br />

der Serien 770 oder 880 (bis ca. 300 Euro) liefern<br />

Ihnen die Adapter effektive Brennweiten von 950<br />

mm, das Kowa TSN-PA6 (ca. 440 Euro) dagegen<br />

liefert eine effektive Brennweite von 600<br />

Millimetern <strong>und</strong> bietet in dieser Preisklasse höhere<br />

Bildqualität als die billigeren Adapter. Zudem<br />

benötigen Sie für diese Adapter ein für Nikon<br />

passendes T-Bajonett (ca. 19 Euro), das es auch<br />

im Online-Zubehörhandel gibt.<br />

Spektive sind für die Wildtier- <strong>und</strong> Vögelfotografie<br />

eine gute Alternative zu langen Teleobjektiven –<br />

aber denken Sie daran, dass die Fokussierung nur<br />

manuell möglich ist <strong>und</strong> der Umgang<br />

Photoshop<br />

Bridge<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 109


Experten-Ratgeber Fragen & Antworten<br />

Motivsuche im Winter?<br />

Die Möglichkeiten, mit der Kamera<br />

F<br />

nach draußen zu gehen, werden knapp:<br />

kurze Tage, schlechtes Wetter, das bekannte<br />

Lied. Was schlagen Sie vor, um den Juckreiz<br />

meines Auslöse-Fingers zu lindern?<br />

Natalie James<br />

Batterie<br />

Weinglas<br />

ALLE BILDER LEE FROST<br />

Für den Anfang schauen Sie doch mal in<br />

A<br />

die Ausgabe, die einen Artikel zum<br />

Thema ‚Im Winter Zuhause fotografieren’<br />

enthielt. So können Sie sich zum Beispiel ein<br />

Fotoprojekt vornehmen, in dem es nur um<br />

Dinge im <strong>und</strong> um Ihr Heim geht? Fantasie<br />

kennt keine Grenzen.<br />

Wenn Sie gern Dinge sammeln, könnten Sie<br />

einige interessante Stillleben von Ihren<br />

Sammlerstücken aufnehmen, vielleicht<br />

anhand eines bestimmten Themas, oder Sie<br />

richten ein Tageslicht-Porträtstudio ein <strong>und</strong><br />

porträtieren Ihre Familie <strong>und</strong> Fre<strong>und</strong>e – zur<br />

Abwechslung vielleicht auch in Schwarz-<br />

Weiß. Vielleicht fällt Ihnen auf Anhieb nichts<br />

ein, das es in Ihren eigenen vier Wänden zu<br />

fotografieren gibt. Doch sobald Sie anfangen,<br />

sich mit dem Auge des Fotografen nach<br />

Motiven umzuschauen, werden Sie<br />

Überraschendes entdecken, das zu neuen<br />

Themen inspiriert.<br />

Unser Autor Lee Frost hat selbst als Thema<br />

„Kreise“ gewählt <strong>und</strong> sich sodann auf die<br />

Suche nach geeigneten Objekten in seinem<br />

Haus gemacht: Papierrollen, Blechdosen,<br />

Weingläser, Scheiben von Obst, Kerzen usw.<br />

Indem er jedes Motiv von oben fotografierte<br />

<strong>und</strong> die Aufnahmen später so skalierte, dass<br />

alle Kreise etwa gleich groß waren, gelang ihm<br />

eine interessante Bilderserie, die nicht nur als<br />

visuelles Bilderrätsel um Alltagsgegenstände<br />

fasziniert, sondern auch beweist, dass mit<br />

einem kreativen Blick alles möglich ist.<br />

Knoblauch<br />

Verwirrung um<br />

Brennweiten<br />

Ich bin relativ neu in der<br />

F<br />

Digitalfotografie <strong>und</strong> möchte mein<br />

erstes Objektiv erwerben, speziell suche ich<br />

nach einem Weitwinkel. Das Sigma<br />

10-20mm f/3,5 EX DC HSM scheint ein<br />

gutes Angebot zu sein – nur bin ich verwirrt,<br />

ob ich einen Formatfaktor berücksichtigen<br />

muss, weil dieses Objektiv für digitale<br />

Spiegelreflexkameras konzipiert ist. All<br />

meine anderen Objektive sind für meine<br />

analoge Kamera konzipiert. Ich habe gehört,<br />

dass ich einen Formatfaktor von 1,6<br />

einrechnen muss, wenn ich sie mit meiner<br />

Canon EOS 60D benutzen will. Gilt dieser<br />

Faktor nun auch für das 10-20-mm-Sigma-<br />

Objektiv, oder sind die 10-20mm ‚korrekt‘?<br />

Stuart Pepper<br />

Ganz unabhängig von dem Objektiv,<br />

A<br />

das Sie auf Ihre Kamera setzen, müssen<br />

Sie einen Formatfaktor für die Brennweite<br />

berücksichtigen. Das bedeutet in diesem Fall:<br />

Ihr Sigma wird effektiv zu einem 16-32-mm-<br />

Zoomobjektiv. Das liegt daran, dass alle<br />

Objektive ihre Brennweiten im Verhältnis zu<br />

einem vollen 35-mm-Bildfenster angeben,<br />

auch wenn sie für APS-C- oder kleinere<br />

Sensoren geeignet sind. Die folgende Tabelle<br />

zeigt eine Übersicht bekannter Weitwinkel-<br />

Brennweiten <strong>und</strong> Sensor-Größen, damit Sie<br />

(<strong>und</strong> andere Leser) Ihre Brennweiten auf<br />

einfache Weise ermitteln können.<br />

Brennweite Kameras<br />

für Objektiv Vollbild APS-H APS-C APS-C (Canon) Four-Thirds<br />

1x 1.3x 1.5x 1.6x 2x<br />

8 mm 8 mm 10 mm 12 mm 13 mm 16 mm<br />

14 mm 14 mm 18 mm 21 mm 22 mm 28 mm<br />

15 mm 15 mm 19 mm 22 mm 23 mm 30 mm<br />

20 mm 20 mm 26 mm 30 mm 32 mm 40 mm<br />

24 mm 24 mm 31 mm 36 mm 38 mm 48 mm<br />

28 mm 28 mm 36 mm 42 mm 45 mm 56 mm<br />

10-17 mm 10-17 mm 13-22 mm 15-25 mm 16-27 mm 20-34 mm<br />

10-20 mm 10-20 mm 13-26 mm 15-30 mm 16-32 mm 20-40 mm<br />

10-22 mm 10-22 mm 13-29 mm 15-33 mm 16-35 mm 20-44 mm<br />

11-18 mm 11-18 mm 14-23 mm 16-27 mm 18-29 mm 22-36 mm<br />

12-24 mm 12-24 mm 16-31 mm 18-36 mm 19-38 mm 24-48 mm<br />

16-35 mm 16-35 mm 21-45 mm 24-53 mm 26-56 mm 32-70 mm<br />

17-35 mm 17-35 mm 22-45 mm 25-53 mm 27-56 mm 34-70 mm<br />

17-40 mm 17-40 mm 22-52 mm 25-60 mm 27-56 mm 34-80 mm<br />

110 €<br />

Restaurierungs-Projekt<br />

Ich möchte auf einigen alten Fotos den<br />

F Kontrast verbessern, ein paar kleine<br />

Schönheitsfehler beseitigen, <strong>und</strong> dann<br />

größere Abzüge davon herstellen. Welches ist<br />

die beste Methode, um sie für Photoshop zu<br />

digitalisieren: Soll ich sie im RAW-Format<br />

abfotografieren oder einscannen?<br />

Emlyn Jones<br />

Auf jeden Fall einscannen! Das<br />

A<br />

Abfotografieren erfordert u. a. eine<br />

absolut senkrechte Ausrichtung der Kamera,<br />

damit die Vorlage nicht verzerrt wird.<br />

Außerdem müssen Sie sehr sorgfältig<br />

beleuchten, um Reflexe <strong>und</strong> ungleichmäßige<br />

Belichtung auszuschalten <strong>und</strong> ein Objektiv mit<br />

minimaler Verzerrung verwenden. Da ist es<br />

wirklich einfacher, einen Flachbett-Scanner zu<br />

verwenden: Der Epson Perfection V330 (ca.<br />

120 Euro) z. B. liefert hervorragende<br />

Ergebnisse. Eine Anleitung zur Restaurierung<br />

alter Fotos finden Sie in unserer Rubrik<br />

‚Fotoidee’ auf Seite 54.<br />

110 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


LEE FROST<br />

Abstrakte Landschaften<br />

Ich möchte eine Serie mit künstlerischen<br />

F <strong>Landschafts</strong>bilder aufnehmen, indem ich<br />

durch Ziehen der Kamera von links nach rechts<br />

‚Streifen’ erzeuge. Können mich zu Themen <strong>und</strong><br />

Techniken beraten?<br />

Harry Peacock<br />

Eine einfache Technik, mit der man aber<br />

A<br />

faszinierende Bilder erzielen kann, die sich<br />

besonders als Wandschmuck eignen. Zuerst<br />

brauchen Sie eine Szene mit verschiedenen<br />

kräftigen Farben: Ein Strand ist z. B. ideal, denn er<br />

umfasst die verschiedenen Farben von Sand, die<br />

Farben des Meeres <strong>und</strong> des Himmels – <strong>und</strong> weil sich<br />

mit jeder Änderung des Wetters oder Lichts auch<br />

diese Farben verändern, können Sie eine ganze<br />

Bilderserie an ein <strong>und</strong> demselben Ort aufnehmen.<br />

Wenn Frühling <strong>und</strong> Sommer wieder da sind, liefern<br />

Mohn- <strong>und</strong> Rapsfelder, Tulpen sowie andere Blumen<br />

kräftige Farben, mit denen Sie arbeiten können.<br />

Unscharfe Streifen werden durch Kameraschwenks<br />

während der Belichtung erzeugt: Während der<br />

Verschluss geöffnet ist, wird die Kamera im sanften<br />

Bogen von einer Seite auf die andere gezogen. Dabei<br />

können Sie die Kamera aus der Hand führen – falls<br />

Sie jedoch gerade, parallele Streifen bevorzugen,<br />

verwenden Sie besser ein Stativ. Auf dem Stativ kann<br />

Ihre Kamera nur in einer Ebene bewegt werden, <strong>und</strong><br />

Sie erhalten absolut gerade Streifen. Achten Sie beim<br />

Schwenken auch darauf, dass die Kamera in der<br />

Waagerechten bleibt. Am einfachsten ist dies mithilfe<br />

eines nivellierenden Stativkopfes zu erreichen, der<br />

sich selbst waagerecht ausrichtet, auch wenn das<br />

Stativ nicht ganz gerade steht. Wenn Sie keinen<br />

solchen nivellierenden Stativkopf besitzen, behelfen<br />

Sie sich mit der Wasserwaage Ihres Stativ oder<br />

Stativkopfes, oder benutzen Sie eine Wasserwaage<br />

mit Blitzschuh-Adapter.<br />

Da die Kamera während der Belichtung bewegt<br />

wird, ist die Verschlusszeit ein wichtiger Faktor.<br />

Experimentieren Sie mit Geschwindigkeiten von<br />

einer halben bis zwei Sek<strong>und</strong>en, <strong>und</strong> versuchen Sie<br />

auch die ‚Schwenkgeschwindigkeit’ der Kamera zu<br />

variieren, damit der Streifen reibungslos <strong>und</strong><br />

konsistent verläuft. Am besten ist es, die<br />

Schwenkbewegung schon vor dem Auslösen zu<br />

starten, sodass die Kamera beim Öffnen des<br />

Verschlusses schon in Bewegung ist, <strong>und</strong> Sie bis<br />

kurz nach dem Schließen fortzusetzen. Es ist auch<br />

etwas Glück dabei: Nehmen Sie von einem Motiv<br />

eine Bilderserie mit unterschiedlichen<br />

Belichtungszeiten auf <strong>und</strong> wählen Sie später das<br />

beste Ergebnis aus. Zu Hause können Sie die Bilder<br />

in Ruhe auf Ihren Computer laden <strong>und</strong> die<br />

RAW-Dateien verarbeiten, dabei die Kontraste <strong>und</strong><br />

Dynamik erhöhen, ggf. Tonwerte von Farben<br />

korrigieren <strong>und</strong> andere Effekte hinzufügen. Wenn Sie<br />

das Bild als 16-Bit TIFF-Datei in Photoshop öffnen,<br />

markieren Sie zunächst den Himmel mit dem<br />

Auswahl-Lasso, um Farbtöne <strong>und</strong> Gradationskurven<br />

weiter anzupassen. Dann kehren Sie die Auswahl<br />

um <strong>und</strong> bearbeiten den Vordergr<strong>und</strong>. Bilder wie<br />

diese wirken übrigens in Quadratform besonders<br />

gut, sie schafft mehr Symmetrie <strong>und</strong> damit eine<br />

ausgewogenere Komposition. Wenn Sie den<br />

Horizont in allen Bildern mittig positionieren,<br />

erhalten sie ein gemeinsames Thema <strong>und</strong><br />

funktionieren auch als Serie – zum Beispiel um drei<br />

Bilder auszudrucken, nebeneinander in einen<br />

Rahmen zu montieren <strong>und</strong> als Triptychon<br />

Welcher<br />

Tintenstrahldrucker?<br />

Ich möchte mir einen Qualitäts-<br />

F<br />

Fotodrucker anschaffen <strong>und</strong> würde<br />

gerne wissen, ob sich ein Modell mit mehr<br />

Tintenpatronen lohnt. Sind die Farben wirklich<br />

so viel besser? Außerdem, was ist von<br />

‚Archivierungs’-Tinten <strong>und</strong> -Papieren zu<br />

halten?<br />

Natalie James<br />

Tintenstrahldrucker wurden in den letzten<br />

A<br />

Jahren enorm verbessert – ebenso wie<br />

die verwendeten Tinten <strong>und</strong> die für Fotografen<br />

erhältlichen Papiere. Damit können Sie heute<br />

Ihre eigenen Fotos in Ausstellungs-Qualität zu<br />

Hause mit einem Drucker produzieren, der kein<br />

Loch in Ihren Sparstrumpf reißt.<br />

Zur Beantwortung Ihrer Fragen: Ja, umso mehr<br />

Farben ein Drucker besitzt, desto besser wird die<br />

Bildqualität, da der Drucker ein breiteres<br />

Spektrum von Farben <strong>und</strong> Tönen drucken kann.<br />

Was nun Archivierungs-Papiere <strong>und</strong> -Tinten<br />

betrifft … Nun ja, sie sind noch nicht lange<br />

genug auf dem Markt, um sie insgesamt zu<br />

beurteilen. Die archivarische Stabilität von<br />

Pigmenttinten ist jedoch anerkannt, also gibt es<br />

keinen Gr<strong>und</strong>, warum Ausdrucke damit in 100<br />

Jahren nicht so gut aussehen sollten wie heute<br />

– die einwandfreie Lagerung der Drucke<br />

vorausgesetzt, aber das gilt natürlich auch für<br />

traditionelle Tinten auf Silberhalogenid-Basis.<br />

Welchen Drucker sollten Sie also kaufen? DIN<br />

A3+ ist eine gute Größe, um sowohl Ausdrucke<br />

bis 33 x 48 Zentimeter als auch Panoramen auf<br />

extrabreiten Papierformaten herzustellen.<br />

Spitzenmodelle wie der Canon Pixma Pro 9000<br />

MkII (ca. 430 Euro) oder 9500 MkII (ca. 630<br />

Euro), oder die Epson-Modelle Stylus R3000<br />

(ca. 630 Euro) oder Stylus Photo R2880 (ca.<br />

570 Euro), produzieren sämtlich erstklassige<br />

Ergebnisse. Der Nachteil ist, dass diese Drucker<br />

sehr kleine Patronen verwenden, sodass die<br />

Tinten im Verhältnis zur Menge ziemlich teuer<br />

sind. Um diesem Problem abzuhelfen, verfügt<br />

der Epson Stylus Photo R3000 immerhin über<br />

25,9-ml-Patronen. Und wenn Sie besonders<br />

viel Drucken, lohnt sich für Sie vielleicht ein DIN<br />

A2-Drucker (bis 43 cm/ 17 Zoll Breite), wie<br />

etwa der Epson Stylus Pro 3880 (ca. 1440<br />

Euro). Das ist zwar eine gewaltige Investition,<br />

aber der 3880 verfügt über die ergiebigeren 80<br />

ml-Tintenpatronen <strong>und</strong> spart damit deutlich<br />

Tintenkosten – außerdem sind damit natürlich<br />

viel größere Ausdrucke möglich (40 x 50 cm mit<br />

Rand), sowie große Panorama-Drucke auf 43<br />

Zentimeter breiten Papieren.<br />

1250 €<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 111


Experten-Ratgeber Fragen & Antworten<br />

LEE FROST<br />

Winterlandschaften<br />

Die beiden letzten Winter waren ja mit Schnee<br />

F<br />

<strong>und</strong> Kälte reichlich gesegnet. Ich lebe in einer<br />

eher uninspirierenden Stadt, daher möchte ich im<br />

Winter mit meiner Kamera aufs Land entfliehen.<br />

Können Sie ein paar sehenswerte Gegenden<br />

empfehlen?<br />

Natalie Handley<br />

Es ist ein langer Weg vom tiefen Süden, aber<br />

A eine der besten Regionen Großbritanniens ist<br />

das Rannoch Moor, etwa zwei Autost<strong>und</strong>en von<br />

Glasgow <strong>und</strong> Edinburgh entfernt. Es ist dramatisch,<br />

einsam <strong>und</strong> voller Abwechslung, aber trotzdem<br />

durch die B<strong>und</strong>esstraße A82 sehr gut erreichbar.<br />

Diese verläuft mitten hindurch, sodass Sie<br />

w<strong>und</strong>erschöne Landschaften buchstäblich vom<br />

Straßenrand aus fotografieren können. Im Winter<br />

kann es dort sehr kalt <strong>und</strong> ungemütlich werden,<br />

aber fantastisch zu fotografieren: Buchen Sie doch<br />

einfach ein paar Nächte im Kingshouse Hotel oben<br />

im Moor (www.kingy.com) <strong>und</strong> machen Sie das<br />

Beste daraus.<br />

Wenn Sie nicht ganz so weit reisen möchten, bietet<br />

auch der Lake District herrliche Winterlandschaften<br />

mit glasklaren Seen, die bei kaltem Wetter zufrieren,<br />

<strong>und</strong> schneebedeckten Hügeln. Die Königin der Seen<br />

<strong>und</strong> ein Lieblingsmotiv für Fotografen ist<br />

Derwentwater am Stadtrand von Keswick. Und<br />

wenn Sie Richtung Ambleside weiterfahren, sollten<br />

Sie sich Grasmere, Rydal Water <strong>und</strong> Loughrigg Tarn<br />

nicht entgehen lassen. Im Seengebiet können Sie<br />

bei gutem Winterwetter praktisch überall tolle<br />

Aufnahmen machen.<br />

Mit oder ohne Brille?<br />

Sollte ich beim <strong>Fotografie</strong>ren meine Brille<br />

F<br />

absetzen, damit mein Auge eng am<br />

Sucher anliegt? Kann in den Sucher<br />

einfallendes Streulicht den Autofokus stören?<br />

David J Florida-James<br />

<strong>Fotografie</strong>ren kann für Brillenträger<br />

A<br />

schwierig werden, einfach weil sie ihr<br />

Auge nicht nah genug an den Sucher<br />

bekommen. Spiegelreflexkameras verfügen teils<br />

über eine eingebaute Dioptriekorrektur, um Ihre<br />

Sehstärke anpassen <strong>und</strong> die Kamera somit<br />

ohne Brille nutzen zu können. Es kann jedoch<br />

enervierend werden, Ihre Brille ständig ab- <strong>und</strong><br />

Lesestoff für die Nacht<br />

Können Sie mir ein gutes Buch zum Thema<br />

F<br />

‚<strong>Fotografie</strong>ren bei Nacht’ empfehlen?<br />

Nathan Gainford<br />

Unser Stammautor Lee Frost hat ein großartiges<br />

A<br />

Buch geschrieben mit dem Titel ‚The New<br />

Complete Guide to Night & Low-Light<br />

Photography’. Es wurde bei David & Charles<br />

veröffentlicht (Preis ca. 22 Euro) <strong>und</strong> ist seit<br />

Juli diesen Jahres im Handel, voll gepackt mit<br />

wertvollen Tipps <strong>und</strong> inspirierenden Bildern.<br />

Gleich auf den Wunschzettel setzen!<br />

wieder aufzusetzen; außerdem kann die<br />

Dioptriekorrektur nicht alle individuellen<br />

Sehschwächen ausgleichen. Versuchen Sie<br />

stattdessen, Ihren Sucher mit eine Augenmuschel<br />

aus Gummi auszurüsten: Wenn Sie Ihr Brillenglas<br />

direkt davor halten, erhalten Sie ein klares<br />

Sucherbild. Und keine Sorge wegen<br />

Streulichteinfluss auf den Autofokus: Wenn Sie<br />

Ihre Kamera auf einem Stativ befestigt haben,<br />

blicken Sie ja auch nicht unbedingt durch den<br />

Sucher. Seien Sie allerdings etwas vorsichtiger als<br />

normal, wenn Sie bei extrem hellen<br />

Lichtverhältnissen arbeiten, denn Streulicht vom<br />

Sucherfenster kann in manchen Fällen zu<br />

Fehlmessungen führen.<br />

112 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


LEE FROST<br />

Zuschneiden erlaubt?<br />

Gibt es Regeln hinsichtlich des<br />

F Beschneidens von Digitalaufnahmen?<br />

Sollte man es tun oder besser lassen?<br />

Steve Hawley<br />

Es gibt keine starren „Regeln“ in der<br />

A<br />

<strong>Fotografie</strong>: Es ist eine Kunstform, also ist<br />

alles erlaubt – vorausgesetzt, Sie haben gute<br />

Gründe <strong>und</strong> erschaffen damit ein interessantes<br />

Bild. Was das Zuschneiden betrifft: Es ist<br />

gr<strong>und</strong>sätzlich besser, eine Aufnahme in der<br />

Kamera zu komponieren, anstatt einfach<br />

immer davon auszugehen, dass man das<br />

später nachholen kann. Wenn Sie diesen<br />

schmalen Grat einmal beschritten haben, ist er<br />

nur schwer wieder zu verlassen. Wenn Sie<br />

allerdings eine Aufnahme machen <strong>und</strong> stellen<br />

später fest, dass sie durch Zuschneiden<br />

verbessert wird, dann sollten sie es auch tun.<br />

Tatsächlich können durch radikales<br />

Beschneiden durchaus interessante Bilder<br />

entstehen – scheuen Sie also keine<br />

Experimente!<br />

LEE FROST<br />

Abstrakte Küsten<br />

Das Thema für unseren nächsten<br />

F<br />

Kameraclub-Wettbewerb lautet „Abstrakte<br />

Küsten“. Ich weiß, dass es in der Nähe meines<br />

Wohnorts einige interessante Stranddetails gibt.<br />

Wie sollte man sie am besten aufnehmen?<br />

Dave Freeman<br />

Dafür gibt es keine Daumenregel; im<br />

A<br />

Allgemeinen offenbaren Landschaften ihre<br />

Details jedoch am besten bei weichem Licht.<br />

Warten Sie, anstatt auf einem sonnigen Tag, also<br />

ruhig einen leicht bedeckten Himmel mit einer<br />

von Wolken verdeckten Sonne ab, dann ist das<br />

Licht weich <strong>und</strong> schattenfrei. Unter diesen<br />

Bedingungen werden feine Details <strong>und</strong> Farben<br />

besonders gut sichtbar; wohingegen die höheren<br />

Kontraste von stärkerem Licht Ihrem Thema nicht<br />

gerecht würden.<br />

Falls Sie sich dennoch für sonniges Wetter<br />

entscheiden, besteht ein nützlicher Trick darin,<br />

das gewünschte Motiv mit einem Stück Pappe<br />

oder einem Reflektor abzudecken; ggf. genügt<br />

dafür auch Ihr eigener Körper. Achten Sie vor<br />

allem darauf, dass der künstliche Schatten den<br />

Bildbereich ganz abdeckt <strong>und</strong> keine Fläche mehr<br />

von der Sonne direkt beleuchtet wird, da diese<br />

sonst überbelichtet würde. Mit einem Standard-<br />

Zoomobjektiv sollten Sie nah genug fokussieren<br />

können, um kleinere Bereiche bildfüllend<br />

aufzunehmen.<br />

Suchen Sie nach interessanten Mustern <strong>und</strong><br />

Oberflächen, wie Felsformationen oder Elemente,<br />

die im Lauf der Zeit durch die erodierende<br />

Wirkung von Meer <strong>und</strong> Wind entstanden sind.<br />

Scheuen Sie sich nicht, auch zusätzliche<br />

Elemente mit aufzunehmen, wenn die<br />

Komposition dadurch interessanter wird: Schon<br />

ein sorgfältig platzierter Kieselstein kann als<br />

optischer Aufhänger dienen <strong>und</strong> das Bild um<br />

einen Farbtupfer bereichern.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 113


Experten-Ratgeber Fragen & Antworten<br />

Gegenlicht<br />

Wie viel Belichtungskorrektur kann ich bei<br />

F<br />

Aufnahmen mit Gegenlicht anwenden, ohne<br />

Unterbelichtungen zu erhalten?<br />

Raymond Greaves<br />

Das hängt ganz von der Situation ab: Wie stark<br />

A ist die Hintergr<strong>und</strong>beleuchtung, wie dunkel<br />

das Motiv, <strong>und</strong> welche Wirkung soll erzielt werden?<br />

So sind jeweils andere Belichtungen erforderlich, um<br />

Ihr Motiv entweder als Silhouette gegen das Licht<br />

aufzunehmen, oder um Details herauszuarbeiten<br />

<strong>und</strong> den hellen Hintergr<strong>und</strong> gezielt überzubelichten.<br />

Zum Glück macht es die Digitaltechnik einfach, die<br />

richtige Belichtung zu erhalten. Beginnen Sie mit<br />

einer Aufnahme ohne jede Belichtungskorrektur <strong>und</strong><br />

überprüfen Sie dann das <strong>Vorschau</strong>bild sowie das<br />

Histogramm. Wenn Sie eine Silhouette haben<br />

möchten, ist diese erste Aufnahme möglicherweise<br />

für Ihre Zwecke schon perfekt belichtet. Falls sie zu<br />

dunkel ist, wählen Sie einen Wert von +2/3 oder +1<br />

als Belichtungskorrektur, wiederholen die Aufnahme<br />

<strong>und</strong> prüfen sie erneut. Ist sie immer noch zu dunkel,<br />

erhöhen Sie die Belichtungskorrektur nochmals um<br />

+1/3, <strong>und</strong> so weiter, bis Sie die gewünschte<br />

Wirkung gef<strong>und</strong>en haben.<br />

Wenn Sie mehr Erfahrungen gesammelt haben,<br />

erkennen Sie die richtige Einstellung instinktiv schon<br />

beim ersten Betrachten einer Szene. Zweifeln Sie<br />

aber auch im anderen Fall nicht an sich: Gerade bei<br />

Gegenlichtaufnahmen können kleine Änderungen<br />

der Belichtung riesige Unterschiede bewirken – <strong>und</strong><br />

selbst wenn Sie drei oder vier Versuche brauchen,<br />

warum denn nicht? Manchmal ist es auch besser,<br />

dieselbe Szene mit unterschiedlichen Belichtungen<br />

zu testen <strong>und</strong> die beste Aufnahme erst später<br />

auszuwählen: Wenn Sie sich an den Computer<br />

setzen, ist es besser, Sie haben eine Serie<br />

Einzelbilder zur Auswahl als nur eine einzige<br />

Aufnahme, die wegen Über- oder Unterbelichtung<br />

nicht funktioniert. Falls Sie im RAW-Format<br />

aufnehmen, können Sie noch einige Anpassungen<br />

vornehmen, also ist nicht alles verloren, wenn ein<br />

Bild in der Kamera noch nicht Ihrer Vorstellung<br />

entspricht. Es ist jedoch die beste Übung, wenn Sie<br />

eine Aufnahme schon vor Ort optimal zu gestalten<br />

versuchen – anstatt sich nur auf die Rettung mit<br />

Photoshop zu verlassen.<br />

LEE FROST<br />

Welchen Kugelkopf?<br />

Ich möchte für mein neues Manfrotto<br />

F<br />

Kohlefaser-Stativ einen professionellen<br />

Kugelkopf anschaffen. Ich benutze eine Canon<br />

EOS 5D MkII DSLR, <strong>und</strong> mein längstes Objektiv<br />

ist ein 70-200mm f/2,8 Zoom. Können Sie mir<br />

ein paar Marken <strong>und</strong> Modelle empfehlen?<br />

Jane Fisher, Worthing<br />

Die Beliebtheit von Kugelkopf-Stativen hat in<br />

A<br />

den letzten Jahren stark zugenommen, weil<br />

sie im Vergleich zu herkömmlichen Stativen mit<br />

Drei-Wege-Neigungsgelenken vor allem kompakt<br />

<strong>und</strong> leicht sind. Außerdem sind sie schneller zu<br />

bedienen sowie, in den meisten Fällen, sehr robust.<br />

All diese Faktoren machen sie zur perfekten<br />

Ergänzung für ein Qualitäts-Kohlefaserstativ, <strong>und</strong><br />

inzwischen stehen so viele Marken <strong>und</strong> Modelle von<br />

Kugelköpfen zur Auswahl, dass eine<br />

Kaufentscheidung verwirrend werden kann. Eines<br />

ist jedoch sicher: Sie erhalten in der Regel die<br />

Qualität, für die Sie bezahlt haben. Wenn Sie also<br />

ein preiswertes Modell kaufen, dürfen Sie nicht<br />

die Bauqualität oder Lebensdauer eines teureren,<br />

besseren Modells erwarten. Nachfolgend finden<br />

Sie unsere Auswahl der besten Modelle für den<br />

intensiven Profi-Einsatz.<br />

Arca Swiss Eine Marke, die<br />

wegen ihrer hohen Preislage<br />

vorwiegend von Profis genutzt<br />

wird. Sie ist nicht überall<br />

erhältlich, aber große<br />

Fachhändler sollten sie<br />

führen. Das Monoball Z1 SP<br />

(ca. 370 Euro) mit Quickset<br />

ist großartig <strong>und</strong> trägt bis zu<br />

60 Kilogramm.<br />

Für Panoramaaufnahmen ist<br />

das Monoball Z1 DP (ca. 520<br />

Euro) mit Quickset vermutlich<br />

besser geeignet. Wenn Sie<br />

anstatt Schraubverschluss<br />

eine Fliplock-Arretierung<br />

bevorzugen, sind beide auch<br />

mit Fliplock (ca. 14 Euro<br />

extra) erhältlich.<br />

FLM Diese deutsche Marke<br />

produziert hochwertige<br />

Kugelköpfe; von sehr kleinen<br />

<strong>und</strong> preiswerten Modellen, bis<br />

hin zu großen Profi-Köpfen,<br />

die auch die schwerste<br />

Kameraausrüstung tragen<br />

können. Für Ihre Zwecke<br />

sollten die Modelle CB48F<br />

(ca. 190 Euro) oder CB48FT<br />

(ca. 220 Euro) ideal geeignet<br />

sein. Sie sind beide sehr<br />

ähnlich, aber das ‚FT’-Modell<br />

verfügt über eine spezielle<br />

Funktion, um das Kugelgelenk<br />

für Präzisionseinstellungen in<br />

einer Ebene zu arretieren. Die<br />

Preise beinhalten jeweils eine<br />

40-mm-Plattform mit<br />

Schnellanschluss.<br />

Really Right Stuff RRS<br />

aus den USA hat einen<br />

exzellenten Ruf für qualitativ<br />

hochwertige Produkte <strong>und</strong><br />

tolle Design-Ideen. Der<br />

Kugelkopf ist in drei Größen<br />

verfügbar, von denen das<br />

mittelgroße Modell BH-40 (ca<br />

280 Euro) mit kompakter<br />

Hebel-Klemme am meisten zu<br />

empfehlen ist. Zusätzlich<br />

werden modellspezifische<br />

Adapterplatten für die Kamera<br />

benötigt, wie z. B. die einfache<br />

Anschlussplatte für die EOS<br />

5D MkII (ca. 50 Euro).<br />

Kirk Eine weitere Top-Marke<br />

aus den USA. Diese aus<br />

Aluminium, Messing <strong>und</strong><br />

Edelstahl hergestellten<br />

Kugelköpfe halten ein Leben<br />

lang: Das Modell BH-3 (ca<br />

200 Euro) wiegt z. B. nur 567<br />

Gramm, trägt jedoch<br />

Objektive bis zu 300mm f/2,8<br />

<strong>und</strong> verfügt über extra große<br />

Bedienteile, die Sie auch mit<br />

Handschuhen bequem<br />

einstellen können. Wenn Sie<br />

ein etwas größeres Modell<br />

brauchen, ist das BH-1 (ca.<br />

280 Euro) kaum zu schlagen.<br />

Manfrotto Einer der<br />

namhaftesten Hersteller der<br />

Branche, der zwar für<br />

Kugelköpfe nicht so bekannt<br />

ist wie manch andere Marken,<br />

doch dafür sind die Preise<br />

niedriger. Das Modell MH057<br />

MO-RC4 (ca. 250 Euro) z. B.<br />

ist dabei ebenso<br />

beachtenswert wie der<br />

teflonbeschichtete 468MG<br />

Hydrostat Kugelkopf (ca. 270<br />

Euro), dessen<br />

Hydrauliksystem die<br />

Tragfähigkeit maximiert sowie<br />

‚Kriecheffekte’ <strong>und</strong> das<br />

Gewicht des Kopfes reduziert.<br />

114 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Mondsüchtig<br />

Wie fotografiert man am besten den Mond,<br />

F<br />

sodass Details sichtbar werden? Irgendwie<br />

erhalte ich immer nur eine weiße Scheibe.<br />

Gary Phillips<br />

Ich habe ein Foto von einer Kirche im<br />

F Mondlicht aufgenommen, aber der Mond<br />

wurde nicht so, wie ich ihn gesehen hatte: als<br />

hellen, klaren Kreis. Ich würde dies gerne ohne die<br />

Hilfe von Photoshop erreichen, ist das möglich?<br />

Christine Bradbury<br />

Zwei Fragen – eine Antwort: Der Gr<strong>und</strong>,<br />

A warum beim Aufnehmen einer dunklen Szene<br />

der Mond zu einer weißen Scheibe wird, ist, dass der<br />

Mond selbst sehr hell ist. Wenn Sie also eine lange<br />

Belichtungszeit verwenden, um alles andere in der<br />

Szene richtig zu belichten, wird der Mond<br />

überbelichtet.<br />

Um Ihnen den Unterschied zu erläutern: Bei einer<br />

Blende von f/8 <strong>und</strong> einer Empfindlichkeit von ISO<br />

100 erfordert ein Vollmond eine Belichtung von ca.<br />

1/250 Sek<strong>und</strong>en. Dagegen benötigt eine typische<br />

„Nachtszene“ mit einem beleuchteten Gebäude,<br />

etwa einer Kirche, bei f/8 eine Belichtung von<br />

ungefähr 10 Sek<strong>und</strong>en. Wenn Sie also den Mond in<br />

einer solchen Nachtszene mit aufnehmen, ist seine<br />

Überbelichtung kaum zu vermeiden. Außerdem<br />

bewegt sich der Mond (d. h., die Erde dreht sich<br />

weiter um ihre Achse), sodass er bei einer<br />

Belichtungszeit von länger als 10 Sek<strong>und</strong>en nicht<br />

nur überbelichtet wird, sondern auch als eine Art<br />

verschwommenes Oval erscheint.<br />

Die Lösung besteht darin, eine Nachtaufnahme<br />

ohne den Mond aufzunehmen, dann eine separate,<br />

korrekt belichtete Aufnahme des Mondes, <strong>und</strong> diese<br />

beiden Bilder in Photoshop zu kombinieren (bedaure<br />

Christine, ganz ohne Photoshop geht es leider nicht).<br />

Für die Aufnahme des Mondes können Sie auch ein<br />

längeres Teleobjektiv benutzen, sodass er größer<br />

wird als in Wirklichkeit – oder Sie vergrößern ihn in<br />

Photoshop, bevor Sie ihn in Ihre Nachtszene<br />

einfügen. Dabei können Sie den Mond, sofern er in<br />

der Nachtszene nicht mit im Bild ist <strong>und</strong> verdeckt<br />

werden muss, in Ihrer Komposition an beliebiger<br />

Stelle positionieren. Und so wird’s gemacht:<br />

LEE FROST<br />

Öffnen Sie in Photoshop Ihre beiden<br />

1 Aufnahmen, die Nachtszene <strong>und</strong><br />

das Bild des Mondes, sodass beide in<br />

einem eigenen Fenster voll sichtbar<br />

sind. Ziehen Sie dann mithilfe des<br />

Verschieben-Werkzeugs den Mond auf<br />

das Bild der Nachtszene, wobei<br />

automatisch eine neue Ebene erzeugt<br />

wird.<br />

Verbergen Sie den schwarzen<br />

2 Hintergr<strong>und</strong> der Mondbild-Ebene.<br />

Nun verschmelzen Sie die beiden<br />

Bilder, indem Sie im Dropdown-Menü<br />

‚Füllmethoden’ der Ebenen-Palette die<br />

Option ‚ Negativ multiplizieren’<br />

auswählen. Bei Bedarf können Sie jetzt<br />

noch die Deckkraft der Ebenen etwas<br />

reduzieren.<br />

Während das Verschieben-<br />

3 Werkzeug noch aktiv ist, passen Sie<br />

die Position des Mondes im Bild an,<br />

indem Sie ihn anklicken <strong>und</strong> mit den<br />

Pfeiltasten ziehen. Erhöhen oder<br />

reduzieren Sie die Größe, indem Sie auf<br />

eine Ecke der Mond-Ebene klicken <strong>und</strong><br />

sie mit gedrückter Umschalttaste<br />

ziehen.<br />

Sie können die Schärfe des Mondes<br />

4 leicht reduzieren, indem Sie über<br />

das Menü Filter ><br />

Weichzeichnungsfilter für Gaußscher<br />

Weichzeichner einen geringen Wert<br />

eingeben. Durch diese De-Fokussierung<br />

des Mondes entsteht zwischen den<br />

beiden Bildern ein realistischerer<br />

Übergang.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 115


Experten-Ratgeber Fragen & Antworten<br />

Wozu die Sorge um den<br />

Vordergr<strong>und</strong>?<br />

Ich bin neu in der <strong>Fotografie</strong> <strong>und</strong> mag<br />

F<br />

besonders <strong>Landschafts</strong>aufnahmen. Man hat<br />

mir gesagt, ich müsse unbedingt auf Details im<br />

Bildvordergr<strong>und</strong> achten. Welchen Zweck hat das,<br />

<strong>und</strong> wie wird es gemacht?<br />

Sarah Gale<br />

<strong>Fotografie</strong> ist ein zweidimensionales Medium<br />

A<br />

– die Dinge, die wir fotografieren, sind jedoch<br />

meistens dreidimensional. Sie müssen deshalb<br />

versuchen, diese dritte Dimension – die Tiefe –<br />

irgendwie bildlich zu vermitteln, denn sonst wirken<br />

Ihre Aufnahmen flach. Dies gilt insbesondere für<br />

die <strong>Landschafts</strong>fotografie: Ein erfolgreiches<br />

<strong>Landschafts</strong>bild gibt dem Betrachter das Gefühl,<br />

fast in eine Szene einzutauchen. Um dies zu<br />

erreichen, bedient man sich einfach der folgenden<br />

Tatsache: Das Gehirn kennt die Wirkung von<br />

Entfernungen auf die Größe von Objekten, da diese<br />

mit zunehmendem Abstand kleiner werden – ein<br />

Phänomen, das als Fluchtpunkt-Perspektive oder<br />

Degression bekannt ist. Durch die Einbindung von<br />

Objekten direkt vor der Kamera verstärken Sie<br />

diesen Verkleinerungseffekt, da diese größer<br />

erscheinen als weiter entfernte, <strong>und</strong> erzielen somit<br />

eine Tiefenwirkung durch mehr Weite <strong>und</strong><br />

Dramatik Ihrer Perspektive. Vordergr<strong>und</strong>objekte<br />

liefern außerdem einen greifbaren Ausgangspunkt,<br />

von dem aus der Betrachter eine<br />

<strong>Landschafts</strong>aufnahme visuell erschließen kann.<br />

Für die Einbindung von Vordergr<strong>und</strong>objekten sind<br />

Weitwinkelobjektive von 17 bis 28 Millimetern die<br />

beste Wahl. Sie ermöglichen Ihnen nicht nur, mehr<br />

Raum im Bild zu erfassen, als es das menschliche<br />

LEE FROST<br />

Die beste Fotoausrüstung<br />

für die Reise?<br />

Ich werde in ein paar<br />

F<br />

Monaten im Rahmen einer<br />

gemeinnützigen Aktion die große<br />

Chinesische Mauer besuchen, <strong>und</strong><br />

möchte optimal vorbereitet sein,<br />

denn vielleicht bietet sich nie wieder die Chance<br />

für einen weiteren Besuch. Platz <strong>und</strong> Gewicht<br />

sind begrenzt, daher meine Frage: Welche<br />

Objektive <strong>und</strong> Filter für meine Canon EOS 50D<br />

können Sie mir zur Mitnahme auf die Reise<br />

vorschlagen?<br />

Mike Smedley<br />

Da Sie kein Budget angeben, gehen wir<br />

A<br />

einmal davon aus, dass Sie die bestmögliche<br />

Qualität unterhalb einer Profiausrüstung suchen.<br />

Als Objektiv sollten Sie auf jeden Fall ein<br />

Ultraweitwinkel-Zoom mitnehmen. Ihre Canon<br />

verfügt über einen APS-C Sensor, welcher die<br />

effektive Brennweite jedes Objektivs um das<br />

1,6-fache verlängert. Um auch sehr große Szenen<br />

erfassen zu können, benötigen Sie deshalb ein<br />

möglichst kurzbrennweitiges Objektiv. Dafür stehen<br />

es einige sehr gute Möglichkeiten zur Auswahl.<br />

Sigma hat zwei hervorragende Zoomobjektive mit<br />

jeweils 10 bis 20 Millimetern (16–32 mm nach<br />

Abzug des Formatfaktors) im Programm: Das<br />

neuere Modell besitzt eine lichtstarke Blende von<br />

maximal f/3,5. Das ältere Modell (f/4–5,6) ist zwar<br />

billiger, liefert aber qualitativ sehr ähnliche<br />

Ergebnisse. Für diese Modelle sollten Sie nicht<br />

mehr als 510 bzw. 600 Euro bezahlen. Eine<br />

andere Option bietet das Canon EF-S 10–22mm<br />

(f/3,5–4,5) USM, das mit ca. 790 Euro zwar mehr<br />

kostet, aber in Bezug auf die Bildqualität klar<br />

überlegen ist.<br />

Was die Filter betrifft: Nehmen Sie einen<br />

Polarisationsfilter mit, um blauen Himmel zu<br />

vertiefen, <strong>und</strong> einen 0,6-Grauverlaufsfilter, um<br />

beim Aufnehmen von Landschaften noch<br />

genügend Details im Himmel zu erhalten. Zwei<br />

beliebte Marken sind Cokin <strong>und</strong> Hitech, beide im<br />

Fachhandel oder online erhältlich. Ein 84-mm-<br />

System mag zur Not ausreichen, kann aber zu<br />

Vignettierungen führen. Um auf der sicheren Seite<br />

zu sein, sollten Sie sich deshalb für ein 100-mm-<br />

Auge kann, sondern erweitern auch die<br />

Perspektive: je kürzer die Brennweite des Objektivs,<br />

umso stärker die Wirkung. Weitwinkelobjektive<br />

erzeugen zudem mehr Tiefenschärfe als solche mit<br />

kleineren Blendenöffnungen wie f/11 oder f/16 <strong>und</strong><br />

können daher vom nahen Vordergr<strong>und</strong> bis in die<br />

Ferne alles scharf abbilden.<br />

Was sind geeignete Vordergr<strong>und</strong>objekte? Das kann<br />

praktisch alles sein: Felsen, Geröll, Wellen im Sand,<br />

Bäche, Tümpel, Mauern, Zäune, Wege, Furchen<br />

oder Pflanzen im Feld … Behalten Sie im Auge,<br />

was ein bis zwei Meter vor Ihnen liegt, <strong>und</strong> gehen<br />

Sie dann mit dem Weitwinkel näher <strong>und</strong> tiefer<br />

heran. Gegenstände, die Linien in der Landschaft<br />

bilden, sind besonders wirkungsvoll, weil sie das<br />

einerseits Gefühl der Größenordnung vermitteln,<br />

<strong>und</strong> andererseits das Auge in <strong>und</strong> durch die Szene<br />

führen.<br />

116 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Histogramme verstehen<br />

Wie kann die Prüfung des Histogramms zur Verbesserung meiner<br />

F<br />

Aufnahmen beitragen, <strong>und</strong> worauf muss ich dabei achten?<br />

Richard Walker<br />

Das Histogramm ist eigentlich nur eine Grafik, die Ihnen die Verteilung der<br />

A<br />

Farbtöne in einer digitalen Aufnahme anzeigt – von den dunkelsten<br />

Schatten (im Histogramm ganz links) bis zu den hellsten Spitzlichtern (im<br />

Histogramm ganz rechts). Üblicherweise prüft man vor jeder Aufnahme das<br />

<strong>Vorschau</strong>bild. Dies ist jedoch nicht unbedingt die beste Herangehensweise, da<br />

das Bild im <strong>Vorschau</strong>-Monitor sowohl durch das Licht von Ihrer Umgebung wie<br />

durch die Helligkeitseinstellung des Bildschirms beeinflusst wird. Das<br />

Histogramm hingegen – sofern es richtig „gelesen“ wird – liefert Ihnen eine<br />

präzise Darstellung des Bildes, unabhängig von Außeneinwirkungen, <strong>und</strong> ist<br />

damit für Sie im Gr<strong>und</strong>e hilfreicher als die <strong>Vorschau</strong>.<br />

Wenn Sie sich an das Lesen von Histogrammen gewöhnt haben <strong>und</strong> wissen,<br />

was sie anzeigen <strong>und</strong> wonach man suchen muss, können Sie auch eine Technik<br />

anwenden, die „Belichten nach rechts“ genannt wird: Dazu müssen Sie im<br />

RAW-Format arbeiten <strong>und</strong> die Aufnahme so stark belichten, dass das<br />

Histogramm bis fast ganz an den rechten Rand geschoben wird – kurz bevor die<br />

Spitzlichter abgeschnitten werden. Bei diesem Verfahren wird das <strong>Vorschau</strong>bild<br />

gezielt überbelichtet <strong>und</strong> wirkt zunächst ausgebleicht, diese Fehlbelichtung wird<br />

aber bei der Verarbeitung der RAW-Datei korrigiert. Die Technik macht sich die<br />

Tatsache zunutze, dass digitale Sensoren wesentlich mehr Tonwerte zur rechten<br />

Seite des Histogramms aufzeichnen als zur linken; wenn Sie also bei der<br />

Belichtung die rechte Seite entsprechend stärker gewichten, erzielen Sie die<br />

optimale Bildqualität.<br />

Wir hoffen, dies war so weit verständlich. Am besten verstehen Sie es jedoch<br />

durch Übung <strong>und</strong> die Analyse Ihrer eigenen Aufnahmen.<br />

1) Die Kurve sollte den linken oder rechten<br />

Rand nicht berühren. Dieses Histogramm zeigt,<br />

dass die meisten Töne mittlere Töne sind, mit<br />

wenig Schatten <strong>und</strong> Spitzlichtern. Dies ist ein<br />

typisches Histogramm.<br />

2) Ein Bild mit hellen Tönen wird nach rechts<br />

gewichtet. Wenn Sie ein solches Histogramm<br />

erhalten, die Tonalität der Szene jedoch<br />

durchschnittlich ist, liegt wahrscheinlich eine<br />

Überbelichtung vor.<br />

3) Dunkle Töne verschieben ein Histogramm<br />

zur linken Seite. Wenn Sie ein solches<br />

Histogramm erhalten, die Tonalität der Szene<br />

jedoch durchschnittlich ist, haben Sie die<br />

Aufnahme vermutlich unterbelichtet.<br />

4) Wird der rechte Rand im Histogramm<br />

‚abgeschnitten’, haben Sie die extremen Spitzlichter<br />

so stark überbelichtet, dass sie „ausbleichen“ <strong>und</strong><br />

ohne jedes Detail nur als Weiß aufgezeichnet werden.<br />

5) Wird der rechte Rand im Histogramm<br />

‚abgeschnitten’, haben Sie einige Schattenbereiche<br />

so stark unterbelichtet, dass sie „auslaufen“ <strong>und</strong> ohne<br />

Details nur noch Schwarz aufgezeichnet werden.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 117


Experten-Ratgeber Fragen & Antworten<br />

ROSS HODDINOTT<br />

Professionelle<br />

Nahaufnahmen<br />

Da ich gerne Insekten fotografiere, las ich den<br />

F<br />

Artikel von Ross Hoddinott über<br />

Nahaufnahmen mit großem Interesse; die<br />

Ergebnisse mit dem 100-mm-Makroobjektiv auf<br />

meiner Canon EOS 40D haben mich dann aber<br />

enttäuscht. Ich nehme gern bewegte Motive auf, wie<br />

Bienen auf Fliederblüten oder die Gesichter von<br />

Schmetterlingen. Diese Motive erscheinen im<br />

Bildfeld jedoch zu klein, <strong>und</strong> wenn ich den<br />

Ausschnitt vergrößere, verliere ich Qualität. Vor dem<br />

Lesen des Artikels hatte ich überlegt, ein 300-mm-<br />

Objektiv mit Festbrennweite zu kaufen. Meinen Sie,<br />

das würde funktionieren?<br />

Kay Wilson<br />

Für Nahaufnahmen von Insekten, wie Sie es<br />

A<br />

sich vorstellen, ist der Kauf eines 300-mm-<br />

Objektivs keine wirkliche Lösung. Die meisten<br />

längeren Teleobjektive haben eine Naheinstellgrenze<br />

von mindestens ein bis zwei Metern: Sie sind damit<br />

keine Alternative zu einem Makroobjektiv, das mit<br />

maximalem Abbildungsmaßstab von 1:1 ein Motiv in<br />

Lebensgröße abbilden kann. Selbst wenn Sie ein<br />

300-mm-Objektiv mit Zwischenringen verwenden,<br />

müssten Sie wieder zuschneiden, weil solch kleine<br />

Objekte nur mit Mühe das Bildformat ausfüllen.<br />

Bleiben Sie stattdessen lieber bei Ihrem<br />

Makroobjektiv: Das ist für diese Art der <strong>Fotografie</strong> die<br />

beste Wahl. Bienen <strong>und</strong> Schmetterlinge sind<br />

anspruchsvolle Motive, die nicht leicht aufzunehmen<br />

sind, aber mit etwas Übung erzielen Sie auch die<br />

gewünschten Ergebnisse. Wie Sie schon selbst sagen,<br />

sollte man das Vergrößern des Bildausschnitts besser<br />

vermeiden, denn durch den Verlust von Pixeln<br />

verschlechtert sich natürlich die Bildqualität.<br />

Stattdessen bietet Ihnen ein Makroobjektiv die<br />

Möglichkeit zur Nahfokussierung, dank derer Sie so<br />

dicht an das Motiv heran gehen können, bis es das<br />

Bildfeld ausfüllt. Stellen Sie die Schärfe sorgfältig ein,<br />

denn bei diesem Vergrößerungsmaßstab nimmt die<br />

Tiefenschärfe stark ab. Falls Ihr Motiv sich bewegt,<br />

wie es Bienen auf der Suche nach Nektar tun, wählen<br />

Sie die kürzestmögliche Verschlusszeit – idealerweise<br />

1/500 Sek. oder schneller.<br />

Vignettierung vermeiden?<br />

Ich erhalte immer starke Vignetten, wenn<br />

F ich mein Cokin-P-Filterhalter-System auf<br />

einem Ultra-Weitwinkelobjektiv verwende. Wie<br />

kann ich diesen Effekt vermeiden?<br />

Luke Windicott<br />

Da die meisten digitalen<br />

A<br />

Spiegelreflexkameras mit kleineren<br />

Sensoren der Größe APS-C bestückt sind, werden<br />

die Weitwinkelobjektive zunehmend breiter, um<br />

den Multiplikationsfaktor der Kamera (meistens<br />

1,5-fach) auszugleichen. Viele gute Weitwinkel-<br />

Zooms besitzen heute mit 72 oder 77 Millimetern<br />

einen sehr großen Durchmesser; im Vergleich<br />

dazu ist der Cokin-P-Filterhalter als 84-mm-<br />

System nicht wesentlich breiter <strong>und</strong> mit seinen<br />

drei Schlitzen auch ziemlich dick. Wird er nun vor<br />

ein Weitwinkelobjektiv mit großem Durchmesser<br />

gesetzt, ist folglich der Vignettiereffekt (die<br />

abgedunkelten Ecken des Bildfelds) fast<br />

unvermeidlich. Eine Lösung besteht in der<br />

Verwendung einer längeren Brennweite – doch<br />

damit verändern Sie natürlich auch Ihre<br />

Komposition, was Sie vermutlich nicht<br />

wünschen.<br />

Die beste langfristige Lösung ist daher die<br />

Falls nötig, können Sie außerdem die ISO-<br />

Empfindlichkeit auf 400 oder 800 erhöhen; sofern<br />

vorhanden, können Sie alternativ auch einen Ringblitz<br />

einsetzen. Makrofotografie ist zwar kein Kinderspiel,<br />

doch die Ergebnisse sind meistens jede Mühe <strong>und</strong><br />

Geduld wert. Üben Sie vorher mit einfachen,<br />

statischen Motiven wie Blumen, Schnecken oder<br />

Spinnennetzen, um Ihre Nahaufnahme-Technik<br />

auszufeilen.<br />

Anschaffung eines größeren Filtersystems, wie<br />

z. B. die von Lee Filters oder Hitech hergestellten<br />

100-mm-Systeme. Da der Wechsel zu einem<br />

größeren System allerdings kostspielig sein kann,<br />

sollten Sie das Cokin-P-Weitwinkel-Filtersystem in<br />

Erwägung ziehen: Es wurde speziell für den<br />

Einsatz mit Ultra-Weitwinkelobjektiven<br />

entwickelt, ist jedoch kompatibel zu Ihren<br />

vorhandenen Filtern. Es fasst zwar nur einen<br />

Filter, z. B. einen Graufilter, doch für die meisten<br />

Fälle reicht das aus. Eine weitere Möglichkeit<br />

wäre, den vordersten Steckplatz Ihres<br />

vorhandenen P-Halters vorsichtig mit einer<br />

Eisensäge zu entfernen. Dadurch verringern Sie<br />

die Dicke des Halters (damit auch das Risiko der<br />

Vignettierung), behalten aber noch genug<br />

Steckplätze, um bei Bedarf zwei Filter<br />

kombinieren zu können.<br />

ROSS HODDINOTT<br />

118 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Wie kann ich<br />

Sommersprossen entfernen?<br />

Kann ich bei der Aufnahme von<br />

F Schwarzweiß-Porträts mithilfe eines<br />

Farbfilters vorhandene Sommersprossen<br />

reduzieren? Und wenn ja, wie?<br />

Anthony Baines<br />

Wenn Sie auf Schwarzweiß-Film aufnehmen,<br />

A<br />

dann können Sie in der Tat durch Farbfilter<br />

auf dem Objektiv die Art <strong>und</strong> Weise beeinflussen,<br />

wie bestimmte Farben als Grautöne aufgezeichnet<br />

werden. Nehmen Sie allerdings digital <strong>und</strong> in Farbe<br />

auf, um später nach Schwarzweiß zu konvertieren,<br />

dann benötigen Sie keinen Filter, da der Effekt bei<br />

der Schwarzweiß-Konvertierung hinzugefügt<br />

werden kann. Die Gr<strong>und</strong>regel für den Einsatz von<br />

Farbfiltern bei Schwarzweiß-Aufnahmen lautet:<br />

Farben, die im Originalbild gleich oder ähnlich der<br />

Farbe des Filters sind, werden als hellere Grautöne<br />

aufgezeichnet, zum Filter komplementäre Farben<br />

dagegen als dunklere Grautöne.<br />

Sommersprossen sind in der Regel von bräunlichgelber<br />

Farbe. Um sie heller bzw. weniger auffällig zu<br />

machen, müssen Sie also einen Filter von ähnlicher<br />

Farbe hinzufügen – genauer gesagt: Gelb oder<br />

Orange. Sie sollten aber nicht versuchen,<br />

Sommersprossen vollständig zu eliminieren, da sie<br />

ein natürlicher Teil der Person sind, die Sie<br />

fotografieren. Manche Fotografen gehen sogar den<br />

umgekehrten Weg <strong>und</strong> betonen sie! Diesen Effekt<br />

erreichen Sie übrigens auch, indem Sie bei der<br />

Schwarzweiß-Konvertierung Ihrer Porträts einen<br />

blauen Filter anwenden: die Farbe Blau ist<br />

komplementär zu den Sommersprossen <strong>und</strong> lässt<br />

sie dunkler erscheinen.<br />

Wie Sie sehen, hat der Orangefilter die<br />

Sommersprossen fast vollständig entfernt – das<br />

resultierende Bild wirkt jedoch etwas seltsam, denn<br />

die Haut <strong>und</strong> Lippen des Modells sind gespenstisch<br />

weiß. Die gelben <strong>und</strong> roten Filter sind zwar etwas<br />

subtiler, erzeugen aber immer noch sehr blasse<br />

Hauttöne. Die Wirkung des grünen Filters ist nicht<br />

schlecht, da er die Sommersprossen abschwächt<br />

<strong>und</strong> sie dennoch erkennen lässt; der blaue Filter<br />

dagegen hebt jede Sommersprosse allzu deutlich<br />

hervor.<br />

Letztlich kommt es darauf an, was Ihnen <strong>und</strong> Ihrem<br />

Modell zusagt. Zum Glück macht es die<br />

Digitaltechnik möglich, so lange an einem Bild zu<br />

feilen, bis es genau Ihren Wünschen entspricht.<br />

Original<br />

Orange<br />

Gelb<br />

LEE FROST<br />

Rot<br />

Grün<br />

Blau<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 119


4<br />

Ausgaben<br />

für<br />

35,- €!<br />

8<br />

Ausgaben<br />

für<br />

67,50 €!


EIN-STUNDEN-FOTO<br />

LESERAUFGABE<br />

Strandläufer<br />

OBWOHL UNSER LESER SIMON ARTHURS FÜR UNSEREN TEST DREI AUFGABEN<br />

MEISTERN MUSSTE, WAR SEINE GRÖSSTE HERAUSFORDERUNG DOCH DER WIND,<br />

DER STÄNDIG DROHTE, SEIN FOTOSHOOTING ZU BEENDEN, NOCH BEVOR ER<br />

ÜBERHAUPT AUF DEN AUSLÖSER GEDRÜCKT HATTE. DER DRUCK IST HOCH …<br />

TEXT: ROSS HODDINOTT/FOTOS: SIMON ARTHURS


EIN-STUNDEN-FOTO<br />

LESERAUFGABE<br />

Zu stark ablenkender Felsen<br />

Perfekt ausbalanciert<br />

Unser Leser<br />

Name: Simon Arthurs Alter: 40<br />

Beruf: Finanzmanager<br />

Ausrüstung: Nikon D90, Nikkor 18-70 mm, Nikkor<br />

55-200 mm, Lee Filtersystem <strong>und</strong> Stativ von<br />

Manfrotto<br />

Simon sagt: „Obwohl ich schon immer der kreative<br />

Typ war <strong>und</strong> mich schon seit langem für <strong>Fotografie</strong><br />

interessiere, habe ich trotzdem erst vor vier Jahren meine erste<br />

digitale Spiegelreflexkamera gekauft. Mein eigentlicher Hintergedanke war,<br />

Fotos aufzunehmen, um sie dann hinterher als Malvorlage zu benutzen, aber<br />

ich wurde sehr schnell süchtig nach dem Nervenkitzel des <strong>Fotografie</strong>rens<br />

<strong>und</strong> den zahllosen kreativen Möglichkeiten, die eine Digitalkamera bietet. Ich<br />

muss noch viel lernen, aber ich genieße es in vollen Zügen. Ich bin sehr<br />

gerne an der frischen Luft <strong>und</strong> mache gerne Fotos von meinen Kindern,<br />

<strong>Landschafts</strong>fotos <strong>und</strong> Nahaufnahmen von der Natur. Es ist sehr aufregend<br />

für mich, dass ich diese Challenge mit Ross zusammen erledigen <strong>und</strong> mir<br />

wertvolle Tipps <strong>und</strong> Ratschläge von ihm holen darf.“<br />

NORMALERWEISE IST BEIM EIN-STUNDEN-FOTO<br />

der Zeitfaktor die größte Herausforderung. Aber schon<br />

während ich in meinem Auto sitze <strong>und</strong> auf unseren<br />

Leser, Simon Arthurs, warte, wird mir klar, dass das<br />

Schießen von drei tollen Fotos in nur einer St<strong>und</strong>e<br />

heute nicht die einzige Herausforderung sein wird. Es ist windig<br />

– ausgesprochen windig. Das Auto wird von starken Windböen<br />

geschüttelt <strong>und</strong> ich frage mich, ob ein Stativ unter diesen<br />

Wetterbedingungen wohl stehen bleiben wird. Um die Sache noch<br />

schlimmer zu machen, handelt es sich diesmal um eine Aufgabe an<br />

der Küste. Wir haben uns in Crackington Haven verabredet, einer<br />

der zerklüftetsten <strong>und</strong> exponiertesten Buchten im Norden von<br />

Cornwall. Das wird kein Zuckerschlecken ...<br />

Als Simon eintrifft, fragt er mich zur Begrüßung: „Werden wir bei<br />

dem Wetter überhaupt fotografieren können?“ Ich bemerke die<br />

verständliche Besorgnis in seiner Stimme, aber wir haben keine<br />

Wahl. Das Wetter ist Teil der Aufgabe. Wir beschließen, uns erst<br />

einmal in ein nahe gelegenes Café zu setzen, um uns ein wenig zu<br />

beschnuppern <strong>und</strong> die drei Aufgaben, die vor uns liegen, zu<br />

besprechen. Nachdem wir zwei große Tassen Kaffee bekommen<br />

haben, reiche ich Simon die Nikon D7000 <strong>und</strong> die Nikkor-10-24-<br />

mm- <strong>und</strong> 60-mm-Makroobjektive, die er für die Aufgabes benutzen<br />

soll. Ich weise ihn schnell in die Bedienung der Kamera ein <strong>und</strong> wir<br />

stellen sie nach seinen Bedürfnissen ein: Zeitautomatik mit<br />

Blendenvorwahl, Tageslicht-Weißabgleich, Manueller Fokus <strong>und</strong><br />

GANZ OBEN LINKS:<br />

Simons erster Versuch,<br />

ein interessantes<br />

Vordergr<strong>und</strong>detail zu<br />

fotografieren, wirkt nicht<br />

ausbalanciert. Der Stein<br />

im Vordergr<strong>und</strong> ist zu<br />

dominant.<br />

OBEN LINKS: Während<br />

der Vorbereitungen zum<br />

nächsten Foto erhält<br />

Simon von Ross wertvolle<br />

Tipps, wie er ein<br />

aussagekräftiges<br />

Vordergr<strong>und</strong>detail<br />

einfangen kann.<br />

KASTEN OBEN: Simon<br />

stemmt sich tapfer gegen<br />

den Wind. Er benutzt<br />

Sand, um sein Stativ zu<br />

stabilisieren, <strong>und</strong> dann<br />

schwenkt er sanft die<br />

Kamera, um ein<br />

verwischtes, abstraktes<br />

Foto des Strandes zu<br />

machen.<br />

OBEN RECHTS: Das<br />

Nikon 10-24- mm-<br />

Objektiv ermöglicht es<br />

Simon, ein Ergebnisbild<br />

voller Tiefe <strong>und</strong> Wirkung<br />

einzufangen. Ein tieferer<br />

Blickwinkel sorgt für eine<br />

erstaunliche Perspektive.<br />

NÄCHSTE SEITE: Simon<br />

hat diese Technik zum<br />

ersten Mal ausprobiert<br />

<strong>und</strong> schnell gelernt, dass<br />

es hierbei um Versuch<br />

<strong>und</strong> Irrtum geht. Nach<br />

ein paar Versuchen, die<br />

richtige<br />

Schwenkgeschwindigkeit<br />

zu finden, gelingt ihm ein<br />

richtig tolles Foto.<br />

eine niedrige ISO-Einstellung von 100. „Ich freue mich schon<br />

darauf, die D7000 zu benutzen”, meint Simon. „Ich habe<br />

Bewertungen darüber gelesen, <strong>und</strong> es scheint ja eine wirklich<br />

qualitativ sehr gute Kamera zu sein. Schade nur, dass ich nicht<br />

genug Zeit habe, mich eingehender damit zu beschäftigen!“ Leider<br />

kommt bald die Flut, <strong>und</strong> es ist höchste Zeit, sich warm<br />

einzupacken, die Gummistiefel anzuziehen <strong>und</strong> die Stoppuhr zu<br />

starten. Während wir über das felsige Ufer bis zu dem Sandstrand<br />

gehen, erkläre ich Simon, dass er die Beine des Stativs tief in den<br />

Sand stecken <strong>und</strong> das Stativ sehr niedrig über dem Boden<br />

ausrichten muss, damit es einen besseren Stand hat.<br />

Simons erste Aufgabe ist ein Foto mit einem interessanten Detail im<br />

Vordergr<strong>und</strong>, die zweite ein abstraktes Bild des Strandes mit<br />

Kamerabewegung <strong>und</strong> als Drittes soll er ein interessantes Detail des<br />

Strandes mit Hilfe eines Makroobjektives so einfangen, dass ein<br />

faszinierendes Detail oder eine Struktur das Bild beherrscht. Zum<br />

Glück ist die Gischt trotz des Windes nicht allzu heftig, <strong>und</strong> dürfte<br />

kein größeres Problem darstellen. Es ist an der Zeit, loszulegen ...<br />

Aufgabe 1 – Ein interessantes Detail im Vordergr<strong>und</strong><br />

Vor den imposanten Küstenklippen bei Crackington beginnen Simon<br />

<strong>und</strong> ich, den Strand nach Aussichtspunkten abzusuchen. Simon<br />

ist ein erfahrener Fotograf. Er lebt in der Nähe von Dartmoor <strong>und</strong><br />

fotografiert sehr gerne Landschaften. Demzufolge findet er sehr<br />

schnell verschiedene potenzielle Aussichtspunkte <strong>und</strong> Objekte im<br />

Vordergr<strong>und</strong>. Dabei bückt er sich tief zur Erde <strong>und</strong> schaut durch<br />

den Sucher der Kamera. In Crackington herrscht kein Mangel an<br />

Vordergr<strong>und</strong>objekten. Es gibt Felsvorsprünge <strong>und</strong> große, gezackte<br />

Steinblöcke, die halb im Sand vergraben sind. Ich erkläre ihm,<br />

dass ein Weitwinkelobjektiv wie das Nikon 10-24 mm ideal zum<br />

Einfangen großer Vordergr<strong>und</strong>objekte ist, weil die kurze Brennweite<br />

die Perspektive zu strecken scheint <strong>und</strong> nahegelegene Objekte<br />

größer <strong>und</strong> imposanter erscheinen lässt. Simon findet einen Bereich,<br />

in dem eine ganze Ansammlung von Felsen über den Sand verteilt<br />

liegt.<br />

Er rammt die Füße des Stativs in den Sand, wählt seine<br />

Bildkomposition so, dass ein großer, interessanter Felsblock den<br />

Vordergr<strong>und</strong> bildet <strong>und</strong> drückt zum ersten Mal auf den Auslöser.<br />

Währenddessen schalte ich die Stoppuhr ein...<br />

Simon macht ein paar Bilder, die wir uns anschließend anschauen.<br />

122 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


Perfekter Schwenk<br />

Sie sind okay, aber ihnen fehlt es an dem dreidimensionalen<br />

Eindruck, den Simon vermitteln möchte. Für meinen Geschmack<br />

funktioniert der Felsblock im Vordergr<strong>und</strong> nicht. Die Idee ist gut,<br />

aber dieser Fels ist zu groß <strong>und</strong> zu dominant, <strong>und</strong> es gibt keine<br />

Trennung zwischen ihm <strong>und</strong> den Felsen dahinter. Ich schlage<br />

Simon vor, die Elemente so zu arrangieren, dass sie das Auge<br />

mehr in das Bild hinein führen. Außerdem rate ich ihm, auf<br />

einen vertikalen Bildaufbau umzuschwenken <strong>und</strong> näher an<br />

sein Vordergr<strong>und</strong>objekt heranzugehen, so dass die Perspektive<br />

gestreckt wird <strong>und</strong> das Bild mehr Tiefe erhält. Simon erspäht eine<br />

interessante Gruppe von Felsblöcken in einem Gezeitentümpel <strong>und</strong><br />

baut sein Stativ nahe daran tief unten am Boden auf. Der weite<br />

Bereich des Nikon 10-24-mm-Objektivs schafft eine interessante<br />

Perspektive. Ich schaue durch den Sucher <strong>und</strong> stelle fest, dass<br />

mir Simons Bildkomposition sehr gut gefällt. Es hat viel mehr<br />

Wirkung <strong>und</strong> ist interessanter <strong>und</strong> dramatischer als das erste<br />

Bild. Die Felsblöcke führen das Auge des Betrachters in das Bild<br />

hinein <strong>und</strong> zur Küste in der Ferne. Simon fragt mich, ob er einen<br />

Grauverlaufsfilter verwenden sollte, <strong>und</strong> da die Sonne Anstalten<br />

macht, die Wolkendecke zu durchbrechen, bin ich der Meinung,<br />

dass das sicher sinnvoll wäre, um den Kontrast ein wenig zu<br />

dämpfen <strong>und</strong> dem Himmel etwas mehr Dramatik zu verleihen.<br />

Simon macht noch ein paar weitere Aufnahmen, bei denen er die<br />

Bildkomposition leicht verändert, <strong>und</strong> nutzt das Licht aus, indem<br />

er die Szene noch aus einem anderen Blickwinkel fotografiert, bei<br />

dem er die Felsvorsprünge als natürliche Führungslinie benutzt. Die<br />

Funktion „virtueller Horizont“ der D7000 macht es Simon dabei<br />

leicht, schnell zu arbeiten <strong>und</strong> dabei auch ohne Wasserwaage einen<br />

absolut geraden Horizont einzufangen. Da die Flut kommt, treten<br />

wir den geordneten Rückzug an <strong>und</strong> machen uns an die zweite<br />

Aufgabe.<br />

Aufgabe 2 – Panorama-Schwenk<br />

Wir haben bereits die Hälfte der erlaubten Zeit verbraucht. Uns<br />

bleiben nur noch 30 Minuten, um die beiden letzten Aufgabes zu<br />

erledigen. Als nächstes soll Simon ein abstraktes Bild des Strandes<br />

machen, indem er während der Belichtung die Kamera schwenkt,<br />

um so ein verwischtes, wie gemalt wirkendes Bild zu schaffen.<br />

Diese Technik ist wie Lakritze: Entweder man liebt die Bilder, oder<br />

man hasst sie. Simon hat das noch nie ausprobiert, also erkläre ich<br />

Ohne Schwenk<br />

Empfohlene Ausrüstung<br />

Zu langsam<br />

Wenn man eine großartige Meerlandschaft voller<br />

Bewegung, interessanter Details im Vordergr<strong>und</strong><br />

<strong>und</strong> Tiefe einfangen möchte, ist ein<br />

Weitwinkelobjektiv unabdingbar. Das AF-S DX<br />

Nikkor 10-24 mm f/3.5-4.5G ED ist das perfekte<br />

Weitwinkel-Zoomobjektiv für alle Besitzer einer<br />

digitalen Spiegelreflexkamera im DX-Format. Es<br />

ermöglicht dem Fotografen, starke Details im<br />

Vordergr<strong>und</strong> einzufangen, <strong>und</strong> seine weite<br />

Perspektive trägt dazu bei, nahe gelegene Objekte<br />

auffälliger <strong>und</strong> dominanter erscheinen zu lassen.<br />

Dieses extrem weite 2,4x-Zoomobjektiv beinhaltet<br />

drei asphärische <strong>und</strong> zwei ED-Glaselemente für<br />

exzellente Bildqualität, eine außergewöhnlich hohe<br />

Auflösung, brillanten Kontrast <strong>und</strong> eine minimierte Verzeichnung.<br />

Außerdem ist es mit dem Silent Wave Motor von Nikon ausgestattet, der leise<br />

<strong>und</strong> schnell fokussiert. Um Details am Strand einzufangen <strong>und</strong> interessante<br />

von Mustern <strong>und</strong> Strukturen herauszugreifen, ist ein ausgeprägtes<br />

Makroobjektiv eine logische Wahl. Das 60-mm-f/2.8D AF-Micro-Nikkor<br />

ermöglicht Simon dank seiner 1:1-Wiedergabe in Lebensgröße bildfüllende<br />

Nahaufnahmen <strong>und</strong> abstrakte Fotos. Die Nahbereichskorrektur (CRC) des<br />

Objektivs garantiert hervorragende Qualität sowohl im Nahbereich, als auch in<br />

der Ferne. Die 16,2 Megapixel hohe Auflösung der beliebten Nikon D7000<br />

hat Simon zu Küstenfotos mit gestochen scharfen Details verholfen. Das<br />

exzellente LiveView-System der Kamera hilft beim Fokussieren <strong>und</strong> beim<br />

Bildaufbau. Die haltbare Magnesiumlegierung macht die Kamera solide <strong>und</strong><br />

hart im Nehmen, <strong>und</strong> die umgebungsfest abgedichteten Verbindungsstellen<br />

schützen die Kamera vor Umwelteinflüssen wie Sand <strong>und</strong> Spritzwasser. Mit<br />

dem Doppel-Speicherkartenfach können Sie immer weiter fotografieren. Ein<br />

Stativ für die Stabilität ist unabdingbar, ebenso wie vernünftiges Schuhwerk,<br />

mit dem Sie über Felsen <strong>und</strong> Geröll klettern können.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 123


JETZT IM HANDEL<br />

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EIN-STUNDEN-FOTO<br />

LESERAUFGABE<br />

Original<br />

Bearbeitet<br />

ihm, dass man zwar auch aus der Hand fotografieren kann, man<br />

aber mit einem Stativ eine sanftere Schwenkbewegung gelingt.<br />

Man benötigt eine lange Verschlusszeit, um ein ansprechendes<br />

<strong>und</strong> gewollt wirkendes Maß an Bewegung während der Belichtung<br />

zu schaffen. Eine Zeit von ungefähr ½ Sek<strong>und</strong>e ist ein guter<br />

Ausgangswert. Um diese Verschlusszeit zu erreichen, stellt Simon<br />

eine kleine Blende von f/22 ein <strong>und</strong> setzt einen Polfilter auf. Für<br />

Kontrast, Farbe <strong>und</strong> interessante Details peilt er einen Bereich mit<br />

Sand, Meer <strong>und</strong> Himmel an <strong>und</strong> bewegt die Kamera dann während<br />

der Belichtung von links nach rechts. Simons erste Versuche sind<br />

noch nicht ganz geglückt: Entweder hat er die Kamera zu schnell<br />

bewegt oder zu langsam. Mit etwas Übung werden die Ergebnisse<br />

aber sehr schnell besser. Simons Kommentar: „Ich mag den Look<br />

auf diesen Fotos. Im Gr<strong>und</strong>e ist das ja eine ganz einfache Technik,<br />

aber die Bilder sehen sehr künstlerisch <strong>und</strong> eindrucksvoll aus. Ich<br />

kann es kaum erwarten, sie zu bearbeiten. Es sind kaum zehn<br />

Minuten vergangen, somit liegen wir also wieder gut in der Zeit <strong>und</strong><br />

haben noch 20 Minuten für die letzte Aufgabe.<br />

Aufgabe 3 – Details / Abstraktes Foto vom Strand<br />

Zu guter Letzt verwendet Simon das Nikon 60-mm-Makroobjektiv<br />

<strong>und</strong> konzentriert sich auf das Detail vom Strand. Diese Gegend ist<br />

bekannt für ihre interessante Geologie <strong>und</strong> die Gezeitentümpel.<br />

Außerdem bevölkern Muscheln, Krebse <strong>und</strong> Napfschnecken die<br />

gezackten Felsnasen. Bei dieser Aufgabe muss man nah am Boden<br />

arbeiten. Das ist zwar ungewohnt <strong>und</strong> auch etwas unbequem,<br />

bedeutet aber andererseits, dass der Wind ein weniger großes<br />

Problem darstellt. Ich schlage Simon vor, Blende f/11 oder f/16 zu<br />

wählen, um eine ausreichende Tiefenschärfe zu gewährleisten.<br />

Außerdem sollte er die Sensorfläche der Kamera parallel zu seinem<br />

Objekt ausrichten, um den möglichen Bereich der Tiefenschärfe<br />

zu vergrößern. Simon setzt diese Theorie schnell in die Praxis um.<br />

In nur zehn Minuten fängt er eine ganze Reihe von Bildern von<br />

Napfschnecken <strong>und</strong> Seetang ein. Ihm bleiben noch fünf Minuten,<br />

als er das leuchtend gelbe Schneckenhaus einer Strandschnecke<br />

GANZ OBEN: Die<br />

beeindruckende<br />

Geologie, die wir in der<br />

Bucht von Crackington<br />

Haven in Cornwall<br />

vorfanden, gab Simon<br />

jede Menge Material für<br />

seine letzte Aufgabe, ein<br />

Detail des Strandes. Die<br />

Napfschnecken geben<br />

seinem abstrakt<br />

wirkenden Foto einen<br />

zusätzlichen<br />

Fokuspunkt <strong>und</strong> ein<br />

Größenverhältnis. Auch<br />

für eine Konvertierung in<br />

Schwarzweiß in der<br />

Nachbearbeitung ist das<br />

Bild sehr gut geeignet.<br />

OBEN: Simon macht<br />

sich mit der<br />

fantastischen Live View<br />

System der Kamera<br />

vertraut <strong>und</strong> findet es<br />

einfach nur traumhaft,<br />

weil es ihn während<br />

seiner Aufgabe beim<br />

Fokussieren <strong>und</strong> beim<br />

Bildaufbau unterstützt.<br />

bemerkt. „Die sieht bestimmt klasse aus, wenn man sie vor einem<br />

kontrastierenden Hintergr<strong>und</strong> von farbigem Fels fotografiert.“<br />

überlegt er. Obwohl er nicht mehr allzu viel Zeit übrig hat, findet er<br />

schnell einen geeigneten Hintergr<strong>und</strong> <strong>und</strong> legt das Schneckenhaus<br />

davor. So entsteht ein attraktives Stillleben. Simon hat noch<br />

niemals zuvor mit einem Makroobjektiv gearbeitet <strong>und</strong> ist geradezu<br />

überwältigt von dessen Fokussiermöglichkeiten im Nahbereich. „Die<br />

Klarheit <strong>und</strong> Schärfe dieses Objektivs sind fantastisch. Das verleiht<br />

allem eine ganz neue Perspektive!“, schwärmt er.<br />

Diese Bilder erweisen sich als seine letzten, da unsere St<strong>und</strong>e nun<br />

vorbei ist. Vom Wind zerzaust kehren wir zurück in das Café, um<br />

Simons Bilder anzuschauen. „Als ich heute von zu Hause losfuhr,<br />

war ich ehrlich besorgt wegen des Wetters <strong>und</strong> habe bezweifelt, dass<br />

ich überhaupt in der Lage sein würde, die Aufgabe zu gewinnen“,<br />

erzählt er mir bei einer Tasse Kaffee. „Ich hatte noch niemals zuvor<br />

die Möglichkeit, seitenweise Bilder zu veröffentlichen, deswegen<br />

wollte ich meine Sache natürlich so gut wie möglich machen.“<br />

Schon beim Überfliegen der Bilder wird deutlich, dass Simon seinen<br />

eigenen Ansprüchen gerecht geworden ist. In einer kurzen Zeit <strong>und</strong><br />

unter fürchterlichen Bedingungen hat er eine ganze Reihe wirklich<br />

guter Fotos gemacht. Auch wenn dies vielleicht nicht unbedingt<br />

ein Tag war, an dem man freiwillig auf Fotosafari gegangen wäre,<br />

beweist diese Aufgabe doch wieder einmal, dass es immer <strong>und</strong><br />

unter praktisch allen Bedingungen möglich ist, fantastische Bilder zu<br />

schaffen. Und das in nur einer St<strong>und</strong>e.<br />

Simons Urteil über die Aufgabe<br />

„Ich komme ja aus dem Südwesten von England <strong>und</strong> liebe es,<br />

an der Küste zu fotografieren. Natürlich war ich total begeistert,<br />

als ich erfuhr, dass ich ein Küstenthema bekommen sollte. An<br />

dem Tag war aber das Wetter so abscheulich, dass ich<br />

befürchtete, dass ich es nicht schaffen würde, drei so<br />

unterschiedliche Bilder in einer so kurzen Zeit zu fotografieren.<br />

Normalerweise würde ich mir wohl nur ein Objekt aussuchen<br />

<strong>und</strong> mich auch auf ein Objektiv beschränken. Ross‘<br />

Erfahrungen, Ratschläge <strong>und</strong> Vorschläge haben mir da wirklich<br />

sehr geholfen. Seine Tipps zu Themen wie Küsten- <strong>und</strong><br />

Makrofotografie sind unendlich wertvoll <strong>und</strong> ich habe sehr viel<br />

über schnelles Arbeiten <strong>und</strong> das Erkennen von Fotomotiven<br />

gelernt. Besonders spannend fand ich es, die Schwenktechnik<br />

auszuprobieren. Die Ergebnisse waren einfach, aber<br />

faszinierend. Die Nikon D7000 war sehr einfach in der<br />

Handhabung <strong>und</strong> die Arbeit mit dem Makroobjektiv hat mir<br />

sehr viel Spaß gemacht. Wenn ich bedenke, wie windig es war,<br />

bin ich mit meinen Bildern sehr zufrieden. Ein dickes<br />

Dankeschön an Ross <strong>und</strong> das Magazin für ihre Hilfe <strong>und</strong> dafür,<br />

dass sie mir dieses tolle Angebot gemacht haben!“<br />

Das<br />

Lieblingsfoto<br />

von Simon<br />

„Mir gefallen<br />

die Einfachheit<br />

der<br />

Komposition in<br />

diesem Bild<br />

<strong>und</strong> wie sich die<br />

kleine gelbe<br />

Strandschnecke<br />

von den<br />

Pastelltönen<br />

des Felsens im<br />

Hintergr<strong>und</strong><br />

abhebt. Dies ist<br />

mein erklärtes<br />

Lieblingsfoto<br />

des Tages.“<br />

Das Lieblingsfoto von Ross<br />

„Es mag nicht jedermanns Ding sein, aber mir gefallen<br />

farbenfrohe, abstrakte Bilder wie dieses. Das hat Simon<br />

wirklich toll hingekriegt. Meiner Meinung nach hat er<br />

das Bild perfekt eingefangen, mit genau dem richtigen<br />

Maß an Bewegungsunschärfe. Was für ein tolles<br />

Ergebnis seines ersten Schwenkversuchs!“<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 125


EIN-STUNDEN-FOTO<br />

LESERAUFGABE<br />

Kreativität an der Küste<br />

ALS EIN BEEINDRUCKENDER SONNENUNTERGANG AN DER MÜNDUNG DES<br />

ALN-STRANDES AUF EINMAL VON WOLKEN VERDUNKELT WURDE, MUSSTEN<br />

UNSER LESER LAWRENCE FOSTER UND UNSER PROFIFOTOGRAF LEE FROST ZU<br />

VERZWEIFELTEN MITTELN GREIFEN, UM DIE AUFGABE DOCH NOCH ZU EINEM<br />

GUTEN ENDE ZU BRINGEN, BEVOR DER EINBRUCH DER NACHT IHREN AUFNAHMEN<br />

EIN ENDE SETZTE.<br />

TEXT: LEE FROST/BILDER: LAWRENCE FOSTER


EIN-STUNDEN-FOTO<br />

LESERAUFGABE<br />

Unser Leser<br />

Name: Lawrence Foster Alter: 30<br />

Beruf: Flugzeugpilot<br />

Ausrüstung: Nikon D700, 24-70 mm, 70-200 mm,<br />

Stativ von Giotto, Fernauslöser.<br />

Lawrence sagt: „Mein Interesse an der <strong>Fotografie</strong><br />

wurde geweckt, als mein Vater mir als Junge meine<br />

erste analoge Spiegelreflexkamera schenkte. Ich fotografiere gerne<br />

Landschaften, Porträts <strong>und</strong> Nahaufnahmen. In den letzten Jahren hatte<br />

ich die Möglichkeit, auch im Ausland <strong>Landschafts</strong>aufnahmen machen zu<br />

können. Ich war im Westen der USA <strong>und</strong> in British Columbia, Kanada. Ich<br />

bin stets daran interessiert, neue Techniken zu erlernen <strong>und</strong> meine<br />

eigenen zu verfeinern, besonders in der Low-Light-<strong>Fotografie</strong>. Was ich<br />

gerne noch verbessern möchte, sind meine Fähigkeiten im Bildaufbau<br />

<strong>und</strong> in der Verwendung von Grauverlaufsfiltern in der<br />

<strong>Landschafts</strong>fotografie.“<br />

Original<br />

Zu viel Tageslicht<br />