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Digitale Fotografie - Update Belichtung & Outdoor (Vorschau)

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<strong>Digitale</strong><br />

SLR<br />

Sonderheft 3


Willkommen<br />

Liebe Leser und Fotografen!<br />

ES GIBT STIMMEN, die sagen der digitalen Spiegelreflexkamera ihr baldiges Ende<br />

voraus. Der Spiegel sei entbehrlich, weil andere Suchersystem immer besser würden.<br />

Den Platz für die Spiegelkonstruktion könne man sich sparen, wodurch die Kamera<br />

kleiner und leichter würde. Und wo kein Spiegel sei, da könne es auch keine<br />

Verwacklungen geben. – Alles scheinbar starke Argumente, doch bei genauerem<br />

Hinsehen müssen wir widersprechen.<br />

1. Zwar werden andere Suchersysteme wie elektronische Sucher und LiveView<br />

(LCD-Bildschirm auf der Rückseite) immer besser, doch sind sie eben nicht gut<br />

genug. Ich will einfach genau und scharf sehen, was ich fotografiere. Da ist das<br />

Spiegelsystem ungeschlagen!<br />

2. Keine Frage, Spiegel und Prismen brauchen Platz. Aber ist das kein Nachteil. Ich kenne Fotografen, die<br />

vergrößern ihre Kamera sogar absichtlich, indem sie zusätzliche Akkus anschrauben oder einen<br />

monströsen Stabblitz verwenden. Vorteil: Eine große Kamera liegt einfach ruhiger in der Hand – und sieht,<br />

nebenbei gesagt, professioneller aus, was in bestimmten Situationen nützlich ist.<br />

3. Verwackeln ist ein Anfängerfehler. Wer sich auskennt, weiß das mit Stabilisatoren,<br />

Spiegelvorauslösung und nicht zuletzt einer ruhigen Hand oder einem Stativ zu verhindern. Und je<br />

professioneller die Kamera, desto geringer dieses Problem.<br />

4. Wir würden unser Magazin wohl kaum „<strong>Digitale</strong> SLR-<strong>Fotografie</strong>“ nennen, wenn wir nicht an die<br />

DSLR-Technik glauben würden.<br />

Sie sehen, wir sind von unserer DSLR überzeugt, weil wir einfach exakt das sehen wollen, was wir<br />

fotografieren.<br />

Damit Sie durch ihre DSLR nicht nur besser sehen, sondern auch besser fotografieren können,<br />

machen wir dieses Heft. Leser zeigen und beschreiben ihre besten Fotos (ab Seite 6), im<br />

Praxis-Teil beschäftigen wir uns u. a. mit Silhouetten, Marienkäfern und Kindern (ab Seite<br />

32), anhand von Portraitaufnahmen lernen Sie ungewöhnliche Methoden (und brechen<br />

dabei die herkömmlichen Regeln…, ab Seite 74), unser Leitfaden für Einsteiger<br />

beschäftigt so grundlegenden Themen wie <strong>Belichtung</strong>smessung und Scharfstellung<br />

(ab Seite 88), bei unserem Wettbewerb „Ein-Stunden-Foto“<br />

fordern wir Leser zu speziellen Aufnahmesituationen heraus<br />

(ab Seite 106), es gibt ein Übungsbuch zur Beleuchtung (ab<br />

Seite 123), den bewährten Teil „Photoshop für Fotograf“,<br />

diese Mal mit den Themen Weichzeichnung,<br />

Schärfentiefe und Bewegungsunschärfe (ab Seite 128),<br />

eine Expertenkritik, wo Ihre Fotos auf „Herz und<br />

Nieren“ geprüft werden und den Serviceteil „Fragen &<br />

Antworten“ – Sie sehen, es gibt viele Möglichkeiten<br />

zum Ausprobieren und Mitmachen.<br />

Immer das beste Licht wünscht<br />

Hagen Hellwig


DIGITALE SLR FOTOGRAFIE SONDERHEFT 3<br />

INHALT<br />

164<br />

SEITEN<br />

MIT TIPPS<br />

VON<br />

EXPERTEN<br />

006 Leser-Schaukasten<br />

Leser zeigen und beschreiben ihre besten Fotos<br />

032 Praxis-– Do it yourself:<br />

Der große DSLR-Ratgeber<br />

033 Strichspuren<br />

036 Silhouetten<br />

041 Tulpen verdreht<br />

044 Tropfen<br />

049 Marienkäfer<br />

053 Abstrakte Aufnahmen<br />

056 Weichzeichnung<br />

058 Kinder<br />

063 Portrait mit gemischter Beleuchtung<br />

066 Vertikale Bewegungsunschärfe<br />

070 HDR mit Photomatix<br />

074 Leitfaden für Einsteiger:<br />

Portraits – Brechen Sie die Regeln!<br />

076 Reflexlicht<br />

078 Kamera neigen<br />

080 Ungewöhnliche Zuschnitte<br />

082 Weitwinkel-Portrait<br />

088 Leitfaden für Einsteiger:<br />

<strong>Belichtung</strong>smessung – Messmethoden<br />

090 Automatik außer Kraft setzen<br />

092 Auswahl der Betriebsarten<br />

094 Hilfsmittel zur perfekten <strong>Belichtung</strong><br />

096 Leitfaden für Einsteiger: Fokussieren<br />

098 Autofokus-Grundlagen<br />

100 Autofokus-Betriebsarten<br />

102 Bewegliche Motive<br />

106 Leserwettbewerb: Ein-Stunden-Foto<br />

108 Küste<br />

112 Studio-Portraits<br />

116 Hasenglöckenwald<br />

123 Übungsbuch zur Beleuchtung<br />

128 Photoshop für Fotografen<br />

130 Weichzeichnungsfilter<br />

132 Schärfentiefe<br />

134 Bewegungsunschärfe<br />

136 Gleiche Farbe verwenden<br />

141 Experten-Ratgeber<br />

142 Expertenkritik: Meteorit, Sumpfmeise, Leuchtturm,<br />

Zwei Boote<br />

146 Expertenkritik: Mohnfeld, Toter Baum<br />

150 Expertenkritik: Portrait im Netz, Sonnenuntergang,<br />

Schnappschuss, Felsen<br />

154 Fragen & Antworten


DIGITALE SLR FOTOGRAFIE SONDERHEFT 3<br />

INHALT<br />

164<br />

SEITEN<br />

MIT TIPPS<br />

VON<br />

EXPERTEN<br />

006 Leser-Schaukasten<br />

Leser zeigen und beschreiben ihre besten Fotos<br />

032 Praxis-– Do it yourself:<br />

Der große DSLR-Ratgeber<br />

033 Strichspuren<br />

036 Silhouetten<br />

041 Tulpen verdreht<br />

044 Tropfen<br />

049 Marienkäfer<br />

053 Abstrakte Aufnahmen<br />

056 Weichzeichnung<br />

058 Kinder<br />

063 Portrait mit gemischter Beleuchtung<br />

066 Vertikale Bewegungsunschärfe<br />

070 HDR mit Photomatix<br />

074 Leitfaden für Einsteiger:<br />

Portraits – Brechen Sie die Regeln!<br />

076 Reflexlicht<br />

078 Kamera neigen<br />

080 Ungewöhnliche Zuschnitte<br />

082 Weitwinkel-Portrait<br />

088 Leitfaden für Einsteiger:<br />

<strong>Belichtung</strong>smessung – Messmethoden<br />

090 Automatik außer Kraft setzen<br />

092 Auswahl der Betriebsarten<br />

094 Hilfsmittel zur perfekten <strong>Belichtung</strong><br />

096 Leitfaden für Einsteiger: Fokussieren<br />

098 Autofokus-Grundlagen<br />

100 Autofokus-Betriebsarten<br />

102 Bewegliche Motive<br />

106 Leserwettbewerb: Ein-Stunden-Foto<br />

108 Küste<br />

112 Studio-Portraits<br />

116 Hasenglöckenwald<br />

123 Übungsbuch zur Beleuchtung<br />

128 Photoshop für Fotografen<br />

130 Weichzeichnungsfilter<br />

132 Schärfentiefe<br />

134 Bewegungsunschärfe<br />

136 Gleiche Farbe verwenden<br />

141 Experten-Ratgeber<br />

142 Expertenkritik: Meteorit, Sumpfmeise, Leuchtturm,<br />

Zwei Boote<br />

146 Expertenkritik: Mohnfeld, Toter Baum<br />

150 Expertenkritik: Portrait im Netz, Sonnenuntergang,<br />

Schnappschuss, Felsen<br />

154 Fragen & Antworten


IMPRESSUM<br />

REDAKTION<br />

Textchef: Hagen Hellwig<br />

ART DIRECTOR<br />

Dean Mullock<br />

FINANZDIREKTOR<br />

Richard Layton<br />

Die in diesem Magazin artikulierten Meinungen, sind die<br />

Meinungen der jeweiligen Autoren und stimmen nicht<br />

zwingend mit der Meinung<br />

des Herausgebers, der Redaktion oder den Vertreibern dieses<br />

Magazins überein.<br />

DATENSCHUTZERKLÄRUNG<br />

Dieses MAGBOOKwird unter der Lizenz und mit der Erlaubnis<br />

von © Dennis Publishing Limited herausgegeben. Alle Rechte<br />

an Material, Titel und Marke dieses Magazins sind Eigentum<br />

von Dennis Publishing Limited und dürfen weder im Ganzen<br />

noch teilweise ohne vorherige schriftliche Genehmigung<br />

reproduziert werden.<br />

HAFTUNG<br />

Das Heft wurde mit großer Sorgfalt produziert. Der Verlag<br />

kann jedoch keine Haftung, Gewährleistung, Garantie oder<br />

Versicherung für Meinungen, Waren oder Dienstleistungen<br />

übernehmen, die in dieser Ausgabe veröffentlicht wurden. Der<br />

Herausgeber übernimmt keine Verantwortung für Inhalte von<br />

externen Webseiten, deren Adressen veröffentlicht werden.<br />

VERTRIEB:<br />

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AM KLINGENWEG 10<br />

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LESERFRAGEN:<br />

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DRUCK UND BINDUNG:<br />

QuadWinkowski Sp. z o.o.<br />

ul. Okrzei 5, 64-920 Piła, Polen<br />

www.Quadwinkowski.pl<br />

Das Papier, auf dem dieses<br />

Magazin gedruckt ist, besteht aus<br />

umweltverträglichen Fasern.


Leser-Schaukasten<br />

IHRE ALLERBESTEN BILDER<br />

Chris Herring<br />

>Alter: 27 >Beruf: Fotograf<br />

www.theuklandscape.com<br />

Thurne Mill: „Ich war mit Freunden auf einem Boot in Norfolk. Der<br />

Wetterbericht war nicht berauschend, aber wir sind trotzdem früh<br />

aufgestanden und wurden von dem schönsten Sonnenaufgang begrüßt, den<br />

ich je gesehen habe. Ich habe die <strong>Belichtung</strong> für den Himmel gemessen,<br />

deshalb erscheinen die Bäume als Schattenriss. Außerdem habe ich noch einen 0,6<br />

ND-Filter benutzt, um den Himmel mit dem Rest des Bildes in Einklang zu bringen. Der<br />

Versuchung, dem Bild in der Nachbearbeitung noch mehr Farbsättigung zu geben, habe<br />

ich widerstanden, weil die Farben sowieso schon so intensiv waren. Das Foto wurde in<br />

einem Kalender abgedruckt und ist auf meiner Webseite käuflich zu erwerben.”<br />

Canon EOS 5D mit 17-40 mm f/4L-Objektiv<br />

<strong>Belichtung</strong>szeit: eine Sekunde bei f/16 (ISO 100)


Leser-Schaukasten<br />

8 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Ario Wibisono<br />

> Alter: 48 > Beruf: Geschäftsmann<br />

1x.com/artist/aryo/photos<br />

Hahnenkampf (Portrait links oben): „Dieses Bild habe ich in dem Dorf<br />

Suradita in Indonesien aufgenommen. Die meisten Kinder dort kennen so etwas<br />

wie Spielzeug nicht. Sie spielen mit dem, was sie haben, zum Beispiel mit<br />

Ziegen, Hühnern, Hähnen und so weiter. Ich habe im Hintergrund eine<br />

Rauchmaschine aufgestellt, um eine dramatischere Kampfszene zu schaffen. Ich liebe<br />

es, wie das Morgenlicht durch die Bäume fällt. Ich habe den Kontrast in Photoshop noch<br />

betont.“<br />

Lernen (links): „Ein weiteres Bild aus dem Dorf. Das war aber etwas schwieriger zu<br />

fotografieren. Ich musste das Licht des Vordergrundes mit dem des Hintergrundes<br />

ausbalancieren, um sicher zu stellen, dass genug Licht auf mein Motiv fiel. Also habe ich<br />

einen Reflektor benutzt, um das Licht auf den Jungen zurück zu lenken.“<br />

Großes Bild (Schmetterlingstraum): „Dieses Bild wurde während eines Workshops in<br />

Jakarta aufgenommen. Ich hatte die Zeitautomatik mit Blendenvorwahl aktiviert. So<br />

konnte ich schnell genug arbeiten, bevor das Licht weg war.“<br />

Canon EOS 5D MkII mit 24-105 mm f/4L und 70-200 mm f/2,8L-Objektiven<br />

<strong>Belichtung</strong>szeiten:<br />

Hahnenkampf: 1/800 Sekunde bei f/2,8 (ISO 800)<br />

Lernen: 1/640 Sekunde bei f/2,8 (ISO 2000)<br />

Schmetterlingstraum: 1/250 Sekunde bei f/2,8 (ISO 3200)<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 9


Leser-Schaukasten<br />

Paul Colley<br />

> Alter: 51 > Beruf: Offizier bei der Royal Air Force<br />

Fischschwarm (Unterwasser-Portfolio oben): „Dieses Bild habe ich<br />

während eines Fotoworkshops bei Alex Mustard auf den Caymaninseln<br />

aufgenommen. Es wurde nur mit natürlichem Licht gemacht, was für ein<br />

Unterwasserfoto ungewöhnlich ist, aber die Fische waren im flachen Wasser. Je<br />

tiefer das Wasser wird, umso schneller verschwindet das Licht. Aber ich hatte einen roten<br />

Gelfilter von hinten auf dem Objektiv befestigt, damit mehr Licht auf den Sensor fiel. Die Fische<br />

waren sehr nah an meinem Objektiv, die Perspektive ist verzerrt, weil es ein Fisheye-Objektiv<br />

war. Viele Leute würden in einer solchen Situation die Zeitautomatik mit Blendenvorwahl<br />

benutzen. Ich fotografiere lieber in manuellem Modus, weil ich so eine bessere Kontrolle über die<br />

<strong>Belichtung</strong> habe.“<br />

Grossaugenbarsch (rechts): „Dieses Bild entstand während einer Reise zum Roten Meer, in der<br />

Nähe der Straße von Gubal. Man kann recht nah an diesen Fisch herangehen, und er wird in der<br />

Regel nicht wegschwimmen. Ich habe ein Makroobjektiv benutzt, so dass der Bildausschnitt<br />

komplett von dem Fisch ausgefüllt war. Außerdem habe ich noch zwei Inon Unterwasser-<br />

Stroboskope verwendet, um im dunklen Wasser die rote Farbe deutlicher hervorzubringen.“<br />

Nikon D300 mit Tokina 10-17 mm f/3,5-4,5 und Nikkor 60 mm-Makroobjektiv<br />

<strong>Belichtung</strong>szeiten:<br />

Fischschwarm: 1/400 Sekunde bei f/4 (ISO 200)<br />

Grossaugenbarsch: 1/125 Sekunde bei f/9 (ISO 200)<br />

Jarrod Castaing<br />

> Alter: 27 > Beruf: Designer<br />

www.mpcolley.com<br />

www.jarrodcastaing.com<br />

Felsen in Island: „Ich komme aus Australien, und auf einer Reise nach<br />

Island, die ich kürzlich mit meiner Frau unternommen habe, wollten wir einige<br />

Bilder von Eis und Schnee festhalten. Dinge, die man in unserer Heimat kaum<br />

jemals zu sehen bekommt. Wir mieteten ein Auto und fuhren auf der Insel auf<br />

der Suche nach einer geeigneten Örtlichkeit herum, um ein paar Fotos zu machen. Nach<br />

einer Weile fanden wir diesen Strand. Im Winter geht in Island die Sonne gegen 10:00 Uhr<br />

auf und um 14:00 Uhr schon wieder unter. Die ‚goldene Stunde‘ scheint in Island etwas<br />

länger zu dauern. Das ist eine gute Gelegenheit, Fotos zu schießen, für die man sich<br />

ansonsten mehr hätte beeilen müssen. Für bessere Stabilität hatte ich meine Kamera auf ein<br />

Stativ gestellt. Ich habe in Raw fotografiert und meine Fotos in Zeitautomatik mit<br />

Blendenvorwahl aufgebaut, bevor ich auf manuellen Modus umgeschaltet habe. Um den<br />

hellen Himmel mit dem Vordergrund in Einklang zu bringen, habe ich einen harten<br />

Verlaufsfilter mit zwei Rasten von Lee benutzt. Hinterher habe ich in Photoshop noch die<br />

üblichen Verbesserungen vorgenommen – Tonwertkorrektur, Gradationskurven und Farbton/<br />

Sättigung, um das Beste aus den Farben und Reflexen in der Szene herauszuholen. Ich<br />

veröffentliche meine Fotos gerne in meinem Blog und auf Flickr, und ich denke, ich werde<br />

einige Bilder dieser Serie auch in mein Portfolio aufnehmen.“<br />

Canon EOS 5D mit EF 17-40 mm f/4L-Objektiv<br />

<strong>Belichtung</strong>szeit: 0,5 Sekunde bei f/11 (ISO 100)<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 11


Leser-Schaukasten<br />

12 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Sandra Kepkowska<br />

www.fotosandra.co.uk<br />

> Alter: 24 > Beruf: Büroangestellte<br />

Babyportraits: „Seit ich begonnen habe, Bilder von meiner Tochter zu<br />

machen, sind Babyfotos zu meiner Leidenschaft geworden. Ich mache auch<br />

Schwangerschaftsportraits und Familienfotos.“<br />

Baby auf einer Decke (oben links): „Ich schaue öfters bei eBay nach<br />

interessanten Requisiten, die ich für meine Bilder verwenden kann, und auch beim<br />

Einkaufen halte ich die Augen nach allem offen, was sich gut auf einem Foto macht.<br />

Diese Decke ist sehr gut geeignet, weil sie eine hübsche, helle Farbe hat. Ich benutze<br />

entweder natürliches Licht oder ein Blitzgerät mit Schirmen, um meine Modelle<br />

auszuleuchten. Hier habe ich ein Stroboskop verwendet. Ich habe in manuellem Modus<br />

fotografiert und eine Reihe von Objektiven benutzt.“<br />

Babys in einem Korb (links unten): „Eltern können mich durch meine Website und auf<br />

Facebook finden. Ein Foto wie dieses ist leichter zu machen, wenn die Babys schlafen.<br />

Wenn sie wach sind, neigen sie dazu, herum zu zappeln. Wenn die Eltern bei mir<br />

eintreffen, füttern sie die Babys, die danach meistens einschlafen. Dann können wir die<br />

Fotos machen. Für die Nachbearbeitung in Photoshop benutze ich einige<br />

Voreinstellungen, um die Gradationskurven und die Tonwertkorrektur zu verbessern.“<br />

Nikon D200 und D700 mit 50 mm f/1,8- und 18-135 mm f/3,4-5,6-Objektiven<br />

<strong>Belichtung</strong>szeiten:<br />

Baby auf einer Decke: 1/200 Sekunden bei f/2,2 (ISO 200)<br />

Babies in einem Korb: 1/200 Sekunden bei f/4 (ISO 100)<br />

Norman Green<br />

> Alter: 53 > Beruf: Qualitätsingenieur<br />

Atsushi Wantanabe: „Ich bin schon seit 20 Jahren begeisterter<br />

Motorsportfotograf und fotografiere auf der British Superbike Meisterschaft.<br />

Atsushi Wantanabe fuhr auf der Rennstrecke von Oulton Park ein Rizla<br />

Suzuki-Motorrad. Ich habe dieses Foto am Clay’s Hill gemacht. Dieser Teil der<br />

Strecke ist bei Fotografen sehr beliebt, und der Hügel ließ das Vorderrad vom Boden<br />

abheben. An diese Strecke kommt man sehr gut heran. Die Brennweite für dieses Bild<br />

war 200 Millimeter. Ich hätte also noch näher heran gekonnt, wenn ich gewollt hätte.<br />

Aus Erfahrung kenne ich die richtigen Verschlusszeiten für Fotos von Motorrädern und<br />

Formel 1-Autos. Letztere benötigen eine kürzere Verschlusszeit als Motorräder, also<br />

benutze ich die Kamera mit Blendenautomatik. Dieses Bild habe ich aus der Hand<br />

fotografiert und als das Motorrad an mir vorbei schoss, habe ich die Kamera<br />

geschwenkt. In der Nachbearbeitung habe ich mit Elements 4 die Farbsättigung<br />

heraufgesetzt und das Bild etwas geschärft. Meine <strong>Fotografie</strong> ist im Grunde ein Hobby,<br />

aber ich habe auch schon Fotos an Magazine und Motorradteams verkauft, die um<br />

meine Arbeiten gebeten haben.“<br />

Canon EOS 30D mit Canon EF 100-400 mm f/4,5-5,6L-Objektiv<br />

<strong>Belichtung</strong>szeit: 1/320 Sekunde bei f/,6 (ISO 200)<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 13


Leser-<br />

Schaukasten<br />

IHRE ALLERBESTEN BILDER<br />

Colin Roberts www.colinrobertsphotography.com<br />

>Alter: 48 >Beruf: Fotograf<br />

New Forest: „Der New Forest Nationalpark in<br />

Hampshire ist ein Dorado der <strong>Fotografie</strong>. An einem<br />

sonnigen Tag können Sie hier Weitwinkelaufnahmen der<br />

Bäume und Grünanlagen machen und bei Regen gibt es<br />

hunderte von Detailmotiven, die auf Sie warten, während die<br />

Baumkronen Sie vor dem Wetter schützen.“<br />

Gleißendes Licht: „Ich fuhr eines Morgens durch den Wald und<br />

war auf einmal in dieser Szenerie. Ich machte mir ein wenig<br />

Sorgen, das die Kamera das, was ich mit den Augen sah, nicht<br />

einfangen würde, aber die Sorgen waren fehl am Platz. Ich schoss<br />

alles manuell, wobei ich einen Lee 0,6 ND-Verlaufsfilter benutzte.<br />

Sowohl die Lichtstrahlen als auch der leichte Nebel konnten mit<br />

ein wenig Nachhilfe durch Photoshop hervorragend<br />

herausgearbeitet werden.“<br />

Canon EOS-1Ds Mk II mit EF 50mm f1/8 Objektiv<br />

<strong>Belichtung</strong>: 1/100 Sekunde bei Blende 5.6 und ISO 400


Leser-Schaukasten<br />

Colin Roberts (Fortsetzung)<br />

New Forest, seitlich beleuchtete Kiefern (oben): „Diese Aufnahme kam spät nachmittags<br />

zustande, gerade als die Sonne begann, unterzugehen. Der Bereich, in dem ich stand, war<br />

kürzlich von Bäumen frei gemacht worden, und dies gab mir einen guten Aussichtspunkt für<br />

meine Bilder; es war ein wenig so, als machte ich Aufnahmen des Waldrandes. Ich<br />

verwendete die manuelle Betriebsart der Kamera und benutzte einen Pol-Filter zum Erhöhen<br />

der Farbsättigung, was dem Blattwerk einen goldenen Schimmer gab.“<br />

Jahresringe (links): „Die Details, die man beim Herumwandern im New Forest findet,<br />

faszinieren mich, und dieses Bild hier ist ein gutes Beispiel für die Nahaufnahmen, zu denen<br />

sich an jeder Wegbiegung die Gelegenheit ergibt. Dieser Baumstumpf erregte meine<br />

Aufmerksamkeit und ich wollte die komplizierte Textur der Ringe einfangen. Die Aufnahme<br />

entstand wieder im manuellen Betrieb mit einem Pol-Filter auf dem 50 mm-Objektiv, um die<br />

Farben zu sättigen. Das weiche, seitlich einfallende Licht half natürlich, dieses Detail<br />

überhaupt zu finden – wäre es die grelle Mittagssonne gewesen, wäre das Bild kaum<br />

gelungen.“<br />

Canon EOS-1Ds Mk II mit EF 50mm f/1.8- und 135 mm f/2L-Objektiv<br />

<strong>Belichtung</strong>:<br />

Seitlich beleuchtete Kiefern: 1 Sekunde bei Blende 16 und ISO 100<br />

Jahresringe: 1 Sekunde bei Blende 22 und ISO 100<br />

David Moore<br />

> Alter: 59 > Beruf: Beamter<br />

www.moorefam.plus.com<br />

Meerlandschaft: „Ich war die Filmfotografie gewöhnt und hatte bisher eine<br />

Minolta benutzt, doch vor ein paar Jahren kaufte ich eine Sony Alpha 700 und das<br />

hauchte meinem Hobby neues Leben ein. Ich bevorzuge Landschaften und die Tierwelt<br />

als Motive.“<br />

Exmouth (oben): „Ich stelle dieses Bild zur Zeit in einer Galerie in Tinmouth aus. Ich hatte mir<br />

den Nachmittag frei genommen und ging zum Strand, um dieses Bild aufzunehmen. Die Felsen<br />

steigen leicht an, wodurch eine Gischt entsteht, was dank meines Zwei-Stufen-Graufilters<br />

hübsch aussieht. Ich mag die stürmischen Wolken links im Bildausschnitt.“<br />

Sumburgh Head (unten): „Während der Ferien in Shetland war ich in einem Hotel nicht weit<br />

von diesem Ort. Ich stattete meine Kamera mit einem zwei-Stufen-Graufilter aus; die Sonne war<br />

untergegangen, und so stellte ich mein Stativ an den Rand des Kliffs und fand auch eine gute<br />

Bildkomposition. In Lightroom erhöhte ich die Vibrancy, schärfte aber nicht stark nach,<br />

Medienbibliotheken mögen das nicht. Sie haben sich schon oft als sehr nützlich erwiesen durch<br />

ihren Rat, wie ich meine Bilder verbessern kann.“<br />

Sony Alpha 700 mit Sigma 10-20 mm Objektiv.<br />

<strong>Belichtung</strong>:<br />

Sumburgh, Shetland: 30 Sekunden bei Blende 10 und ISO 100.<br />

Exmouth: ¼ Sekunde bei Blende 16 und ISO 100.<br />

16 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 17


Leser-Schaukasten<br />

Barry Read<br />

> Alter: 40 > Beruf: Fotograf<br />

www.breadandshutter.com<br />

Box Brownie: „Dieses Bild wurde aufgenommen bei einem<br />

Auftragsfototermin für ein Buch mit dem Namen „Black Jacks, Fruit Salads,<br />

Cricket Stumps On The Wall“. Das Bild stand unter einem Motto der 50er<br />

Jahre. Die Spitfire war in Biggin Hill stationiert und das Model war von einer<br />

Agentur mitsamt zeitgemäßer Kleidung engagiert. Es war ein sehr heller Tag, also<br />

reduzierte ich das Licht mit einem Graufilter. Wir hatten Strom vor Ort, und so<br />

benutzte ich Elinchrom Rangers zur Ausleuchtung des Models und des Flugzeugs.<br />

Bilder in den 50ern waren nicht so „knackig“ wie heute, also habe ich bei der<br />

Nachbearbeitung ein wenig Farbe heraus genommen und ein wenig Sepia<br />

hinzugefügt; auch mit dem Rot habe ich experimentiert, bis ich den „Retro-Look“<br />

hinbekommen habe.“<br />

Nikon D700 mit 24mm f/2.8 Objektiv<br />

<strong>Belichtung</strong>: 1/160 Sekunde bei Blende 22 und ISO 100<br />

Justine Sutton<br />

www.justine-louise.co.uk<br />

> Alter: 22 > Beruf: Studentin<br />

Beauty Portraits: „Zur Zeit bin ich an der Universität. Die meisten<br />

Bilder, die ich mache, sind daher für meine Kurse. Ich mag Portraitaufnahmen<br />

und arbeite oft mit anderen Studenten zusammen.<br />

Pfau (ganz links): Das Bild ist tatsächlich ein Selbstportrait. Ich wurde<br />

inspiriert, als ich einen Pfauen-Haarclip fand, und ich wollte ein Motiv zu diesem<br />

Thema. Wenn kein Model zur Hand ist, bin ich es eben selbst. Ich habe diese<br />

Aufnahme in meinem Schlafzimmer improvisiert. Ich verwendete zwei Blitzgeräte, um<br />

die Szene auszuleuchten, eins gegen die Wand gerichtet, das andere mit einer Softbox<br />

auf der Kamera. In der Nachbearbeitung habe ich die RAW-Datei mit Lightroom<br />

konvertiert und mit Photoshop die Haut und das Make-up retuschiert und einige<br />

herumhängende Haare entfernt.“<br />

Mary (links): „Zusammen mit einer anderen Studentin habe ich ein Studio in London<br />

gemietet, um eine Bilderserie zum Thema „Jungfrau Maria“ zu schießen, wobei wir<br />

verschiedene Haarteile verwendeten. Ausgeleuchtet wurde mit drei Bowens-Leuchten.<br />

Eine war direkt auf den Hintergrund gerichtet, die andere – mit anmontierter Beauty<br />

Dish – nach unten auf das Gesicht des Models. Die dritte Leuchte wies von unten auf<br />

das Gesicht, um etwaige Schatten zu verhindern und des „Engelslicht“ zu erzeugen. In<br />

Photoshop verwendete ich einige Plug-Ins namens Portraiture, die aus dem Internet<br />

herunter geladen werden können und die beim Retuschieren der Haut hilfreich sind.<br />

Die Retusche kann ein paar Stunden dauern, aber nach ein wenig Praxis ging es<br />

schneller. Das Bild wurde in einer Ausstellung an meiner Uni gezeigt.“<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Tamron 28-75 mm- und EF 70-200 mm f/2.8-Objektiv<br />

<strong>Belichtung</strong>:<br />

Pfau: 1/200 Sekunde bei Blende 13 und ISO 200<br />

Mary: 1/250 Sekund bei Blende10 und ISO 200<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 19


Leser-Schaukasten<br />

Rob Abram<br />

www.abram-photography.com<br />

Mark Tierney<br />

www.tierneyphotography.co.uk<br />

> Alter: 32 > Beruf: IT-Supporter<br />

> Alter: 42 > Beruf: Fotograf<br />

Humber Bridge: „Die Humber Bridge ist nur ein paar Minuten von mir<br />

zuhause weg, deswegen ist es ein im Doppelsinn naheliegender Ort zum<br />

<strong>Fotografie</strong>ren. Meistens sind viele Leute dort, manchmal sogar ein Eiswagen. An<br />

besagtem Tag war es aber sehr ruhig. Es war Nachmittag, aber die Sonne stand noch<br />

hoch am Himmel, und so dachte ich mir, sie ins Bild einzubeziehen. Für meine ersten<br />

Aufnahmen nahm ich ein Ultraweitwinkel-Objektiv, aber die Verzerrung ließ das Bild<br />

zu abstrakt aussehen und so kehrte ich zu meinem 24-700-mm-Objektiv zurück,<br />

wodurch das Problem gelöst war. Diese Brücke ist wohl tausende Male fotografiert<br />

worden, daher gaben mein außergewöhnlicher Winkel und die Einbeziehung der<br />

Sonne dem Bild etwas Neues. Einige Aufnahmen zeigten Reflexionen, aber durch<br />

eine leichte Änderung des Winkels konnte ich die Lichtstrahlen ohne Reflexionen<br />

einfangen. Bei der Nachbearbeitung konvertierte ich das Foto in schwarz-weiß und<br />

benutzte anschließend die Duoton-Funktion von Photoshop. Dann entschloss ich<br />

mich, den Cyan Farbstich hinzuzufügen, denn ich meine, er passt zu dem<br />

industriellen Touch der Brücke.“<br />

Canon EOS 40D mit Sigma 24-70 mm f/2.8-Objektiv.<br />

<strong>Belichtung</strong>: 1/500 Sekunde bei Blende 11 und ISO 100.<br />

Umarmung: „Ich habe mal als Landschaftsfotograf angefangen, aber<br />

heute fotografiere ich auch viele Hochzeiten. Dieses Bild stammt von der<br />

Hochzeit meines Website-Designers, die am Lake Windermere im Lake<br />

District stattfand. Ich mag es, Landschaftselemente in meine<br />

Hochzeitsbilder einzubinden, weiten Himmel beispielsweise, viel natürliches Grün<br />

und Wasser. Für diese Aufnahme bat ich Braut und Bräutigam heraus auf den Steg,<br />

und ich selbst stieg auf das Dach des Bootshauses. Dort oben waren meine Winkel<br />

begrenzt, sodass ich die Drittelregel nicht befolgen konnte, aber durch den mittigen<br />

Horizont ist das kein Nachteil. Der Steg diente als dominante Blickführung zum<br />

Zentrum des Bildausschnitts, und als ich das Bild dem glücklichen Paar zeigte,<br />

mochten es beide auf Anhieb. Die Sonne schien recht stark und verschwand ständig<br />

in den Wolken und kam wieder hervor, deswegen habe ich Himmel und Vordergrund<br />

mit einem Verlaufsfilter ausgeglichen. Bei der Nachbearbeitung habe ich die Kurven<br />

und Level eine Winzigkeit angepasst. Außerdem habe ich ein wenig mit der<br />

Unschärfe-Maske von Photoshop herumgespielt, was dem Wasser des Sees seinen<br />

leichten Glanz gibt.“<br />

Canon EOS 5D mit EF 17-40 mm f/4L-Objektiv<br />

<strong>Belichtung</strong>: 1/125 Sekunde bei Blende 13 und ISO 100<br />

20 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Leser-Schaukasten<br />

IHRE ALLERBESTEN BILDER<br />

Ed Rhodes<br />

> Alter: 45 > Beruf: Firmenleiter<br />

Triangulationspunkt: „Die Moore von Cloudside in der Nähe von<br />

Congleton sind nur eine zwanzigminütige Autofahrt entfernt. Ich habe<br />

diese Szene also schon viele Male davor fotografiert und immer versucht,<br />

genau das perfekte Licht zu erwischen. Schließlich habe ich es eines<br />

Morgens geschafft, die Szene vor Sonnenaufgang mit einen goldenen Lichtschein<br />

zu fotografieren, der von den Wolken reflektiert wurde. Mein Stativ war in einer<br />

Bodensenke aufgestellt. Deshalb sieht es so aus, als wäre es zu nah am Boden,<br />

aber es befand sich auf normaler Höhe. Das wilde Heidekraut erstrahlt in<br />

farbenprächtiger Blüte. Ich habe einen ND-Filter (Lee Filters 0,9’) verwendet, um<br />

die Verschlusszeit zu verlangsamen und so das sich hin und her bewegende<br />

Heidekraut in der starken Brise zu erfassen. Ich habe die Aufnahme im<br />

Zeitautomatikmodus gemacht, das Bild im Raw-Format aufgezeichnet und die<br />

Gradationskurven und Ebenen später in Photoshop angepasst.“<br />

Nikon D200 mit Sigma-Objektiv 10 – 20 mm<br />

<strong>Belichtung</strong>: 4 Sekunden mit f/16 (ISO 100)<br />

www.edrhodesphotography.co.uk


Leser-Schaukasten<br />

Anthony Holloway<br />

> Alter: 39 > Beruf: IT-Manager<br />

www.ephotozine.com/user/aj-h-32910<br />

Sternenspuren (oben): „Das ist ein Eisenbahnviadukt in Cheshire. Die<br />

Kamera wurde auf einem Stativ befestigt, und ich habe den Auslöser per<br />

Fernauslösung betätigt, während ein Freund die Brücke mit einer<br />

Taschenlampe anstrahlte. In einem Zeitraum von 19 Minuten wurden 39<br />

Aufnahmen gemacht und anschließend mit einer Software von www.startrails.de<br />

bearbeitet, die nach dem Stapelprinzip arbeitet und die hellsten Spuren auswählt.“<br />

Der Nordstern (links): „Das ist die Kirche ,Marton Church’ in Cheshire, die ich während<br />

eines Nachtspaziergangs mit dem Kameraclub fotografiert habe. Es war eisig kalt, etwa<br />

minus 15 Grad C, sodass ich aufpassen musste, nicht in der Nähe des Objektivs zu<br />

atmen, da sich am vorderen Teil sonst Eis gebildet hätte. Ich habe mein Samyang-<br />

Fisheye verwendet. Es hat zwar keinen Autofokus, lässt sich aber mit dem manuellen<br />

Fokus relativ einfach bedienen. Ich habe die Kamera auf ein Stativ gesetzt und die<br />

Komposition so gewählt, dass das Objektiv in Richtung Polarstern zeigte. Auf diese<br />

Weise wusste ich, dass ich einen wunderschönen kreisförmigen Sternenspureffekt<br />

erhalten würde. Für die Nachbearbeitung habe ich die Software ,Star Trails’ verwendet,<br />

um die Aufnahmen zusammenzuführen. Außerdem habe ich eine unscharfe Maske<br />

hinzugefügt, um das Weiße in den Spuren besser zur Geltung zu bringen.“<br />

Sony A700 mit Sigma-Objektiv 10 – 20 mm und Samyang-Fisheye 8 mm f/3.5<br />

<strong>Belichtung</strong>en:<br />

Sternenspuren: 39 Aufnahmen von 30 Sekunden mit f/5,6 (ISO 1600)<br />

Der Nordstern: 65 Aufnahmen von 30 Sekunden mit f/5.6 (ISO 640).<br />

Matt Harris<br />

> Alter: 23 > Beruf: Fotograf<br />

Eile: „Ich lebe am Strand in Hampshire. Deshalb geht es bei meiner <strong>Fotografie</strong>, die ich<br />

jetzt seit etwa fünf Jahren betreibe, immer um Natur. Küstenlandschaften sowie Flora<br />

und Fauna fotografiere ich am liebsten. Dieses Bild wurde bei Lee-on-the-Solent<br />

aufgenommen. Ich wollte einfach mit meiner Kamera aus dem Haus gehen, obwohl es<br />

ziemlich nieselte. Und dann wollte ich schon wieder einpacken und nach Hause gehen,<br />

als der Himmel aufriss – es war wahrscheinlich der schönste Sonnenuntergang, den ich<br />

je gesehen habe! Die Gezeiten waren genau richtig, und die Wellen umspülten die großen<br />

Felsformationen. Also habe ich mein Stativ ganz niedrig aufgestellt, um den Vordergrund<br />

zu betonen. Ich habe einen Verlaufsfilter mit drei Blendenstufen zur Verlangsamung der<br />

Verschlusszeit und einen Fernauslöser verwendet, um eine Sequenz von etwa zwölf<br />

Aufnahmen zu machen. Dies war mein Lieblingsbild aus dieser Sequenz. Für die<br />

Nachbearbeitung habe ich Lightroom verwendet, um den Kontrast zu intensivieren, und<br />

Photoshop, um das Bild schärfer zu machen. Das Bild kann über meine Website<br />

erworben werden. Ich hoffe, mich schon bald an Grußkartenfirmen wenden zu können. “<br />

Nikon D200 mit Sigma-Objektiv 10 – 20 mm f/4 – 5.6<br />

<strong>Belichtung</strong>: 0,4 Sekunden mit f/8 (ISO 200)<br />

www.mattharrisphotography.co.uk<br />

24 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Leser-Schaukasten<br />

David R Pritchard<br />

> Alter: 30 > Beruf: Jugendhelfer<br />

www.discreetphoton.co.uk<br />

Natur: „Ich unterrichte Umweltbildung und fotografiere gerne die Natur,<br />

insbesondere Insekten. Ich glaube, ich könnte ihnen den ganzen Tag zuschauen.“<br />

Gelbe Eintagsfliege (oben): „Es sieht zwar so aus, als wäre sie auf Wasser<br />

aufgenommen worden, aber die Eintagsfliege befand sich auf einer<br />

Fensterscheibe. Eintagsfliegen sind etwa siebeneinhalb Zentimeter lang – das ist<br />

verhältnismäßig groß für Insekten – und ziemlich zahm. Ich konnte also nah herangehen<br />

und viele Details erfassen. Die Kamera verlieh den Bildern einen magentaroten Farbstich.<br />

Also habe ich den Farbabgleich verändert, um diesen Umstand auszugleichen.“<br />

Gemeine Heidelibelle (rechts): „Mein Vater hat einen Teich in seinem Garten, und jedes<br />

Jahr kommen regelmäßig die Libellen. Ich wollte parallel zu meinem Motiv sein und<br />

musste mich deshalb flach auf den Bauch legen. Die Libelle war schon aus ihrem Kokon<br />

geschlüpft, saß aber noch daneben, wodurch das Bild einen echten Kontext bekam. Vor<br />

allem freute ich mich darüber, dass ich auch noch ein wenig blauen Himmel im<br />

Hintergrund erwischt habe. Außer einige Staubflecken zu entfernen wurden an diesem Bild<br />

nur sehr wenige Nachbearbeitungsmaßnahmen durchgeführt.“<br />

Sony DSC-F828 und Nikon D80 mit einem VR-Objektiv 105 mm f/2.8<br />

<strong>Belichtung</strong>en:<br />

Gelbe Eintagsfliege: 1/60s f/4 (ISO 100)<br />

Gemeine Heidelibelle: 1/80s mit f/10 (ISO 100)<br />

Angi Nelson<br />

> Alter: 43 > Beruf: Fotografin<br />

http://anginelsonphotography.foliopic.com<br />

Valentinsbrücke: „Ich fuhr ins Stadtzentrum von Bristol mit der Absicht,<br />

einige Nachtaufnahmen zu machen. Ich kam in der Abenddämmerung an und<br />

wollte bei der Valentinsbrücke anfangen und dann flussabwärts weitergehen, um<br />

zu sehen, was ich sonst noch fotografieren könnte. Ich wollte diese Szene immer<br />

schon einmal in HDR aufnehmen, da sich die verschiedenen Töne für diese Art von Technik<br />

gut eignen. Also setzte ich meine Kamera auf ein Stativ und habe dann mit der<br />

<strong>Belichtung</strong>sreihenautomatik der Kamera die Sequenz mit drei Aufnahmen fotografiert. Bei<br />

der Nachbearbeitung habe ich festgestellt, dass die HDR-Photoshop-Funktion dezentere<br />

Ergebnisse lieferte als meine Photomatix-Software. Um jedoch einmal etwas anderes<br />

auszuprobieren, habe ich die beiden zusammengefügt und die Deckkraft der Photomatix-<br />

Ebene verringert, bis es mir gefiel. Die größte Herausforderung, mit der ich zu kämpfen<br />

hatte, war das Korrigieren des Gebäudes links von der Brücke. Es litt unter den<br />

zusammenlaufenden vertikalen Linien und war zu weit rechts, wodurch das Bild<br />

unausgewogen wirkte. Also habe ich es mit dem Photoshop-Werkzeug Neigen wieder<br />

zurückgezogen. Es hat ungefähr 90 Minuten gedauert, bis ich die Szene dann genau richtig<br />

hatte.“<br />

Canon EOS 450D mit einem Sigma-Objektiv 10-20 mm f/4.5-5.6<br />

<strong>Belichtung</strong>en: Dreifach-Shot HDR mit f/16 (ISO 100).<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 27


Leser-Schaukasten<br />

28 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Andy Docker<br />

> Alter: 38 > Beruf: Polizist<br />

www.flickr.com/photos/trialsoflife<br />

Berge: „Ich habe mich immer schon für das <strong>Fotografie</strong>ren interessiert, aber zu einem ernsthafteren Hobby hat es sich erst in den letzten Jahren entwickelt. Früher<br />

ging ich in die Berge zum Wandern, aber jetzt gehe ich dorthin, um Fotos zu machen. Ich fotografiere gerne im Abend- und Morgenlicht, also bin ich oft in der<br />

stockfinsteren Nacht in den Bergen unterwegs.“<br />

Torridon (oben): „Ich versuche, meine Bilder so natürlich wie möglich aussehen zu lassen. Außer einer Raw-Konvertierung führe ich nur selten<br />

Nachbearbeitungsmaßnahmen durch. Diese Aufnahme wurde auf dem Gipfel von Beinn Alligin gemacht, mit Blick über die Munros-Gebirgskette. Obwohl der Himmel grau<br />

war, war ich hoch genug, um den Wechsel des Lichts zu sehen. Also blieb ich etwa zwei Stunden lang auf dem Gipfel, während die Bedingungen besser wurden.<br />

Ich habe einen Lee-ND-Verlaufsfilter mit zwei Blendenstufen verwendet, um den Himmel und den Vordergrund auszugleichen. Das Stativ bis ganz oben zu schleppen, war<br />

wirklich anstrengend!“<br />

Glen Coe (links): „Dieses Bild wurde während einer Fotoreise in Schottland gemacht. Das Wetter war sehr schlecht, und ich hatte noch kaum Fotos gemacht. Ich bereitete<br />

mich schon auf die Rückkehr zum Lake District vor, als der Himmel zwischen zwei Schneeschauern aufriss und dieses unglaubliche Licht hervorbrachte. Ich habe die<br />

<strong>Belichtung</strong>swerte im Zeitautomatikmodus gemessen und dann in den manuellen Modus umgeschaltet, um die <strong>Belichtung</strong> genau anzupassen. Ich habe die Aufnahme im<br />

Raw-Format als Panoramaaufnahme mit zwei Bildern gemacht und die Dateien später in Photoshop zusammengeführt.“<br />

Canon EOS 5D MkII mit Objektiv 24 – 70 mm f/2.8L<br />

<strong>Belichtung</strong>en:<br />

Torridon Munro: 1/50 s mit f/11 (ISO 500), Glen Coe: 1/6 s mit f/13 (ISO 100)<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 29


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Draußen > Strichspuren von Sternen<br />

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> ZEIT: ZWEI STUNDEN > AUSRÜSTUNG: CANON EOS 5D MKII, CANON EF 17-40 MM F/4L-OBJEKTIV > AUSSERDEM BENUTZT: LED-TASCHENLAMPE, STATIV, FERNAUSLÖSER<br />

Gary McParland: Langsam geht die Sonne unter und<br />

der letzte Rest Licht verschwindet am Horizont. Es wird Zeit,<br />

Ihre Ausrüstung in die Fototasche zu packen und nach<br />

Hause zu fahren, nicht wahr? Nicht unbedingt!<br />

Wenn Sie noch etwas länger warten, werden nach und nach die Sterne<br />

erscheinen und mit Ihrem Lichtschimmer von weit weg den Himmel<br />

verzaubern. Mich macht dieser Anblick immer wieder sehr ruhig und<br />

demütig, und ich habe schon oft über unsere Position im Universum<br />

nachgedacht, wenn ich mir den nächtlichen Himmel angeschaut habe.<br />

Fotografen können unter solchen Bedingungen magische Bilder<br />

erschaffen. Normale Strichspuraufnahmen von Sternen sind schon<br />

wunderschön, aber es gibt einige Techniken, die Sie benutzen können,<br />

um auch den Vordergrund zum Leben zu erwecken und Ihren<br />

Strichspurfotos eine weitere Dimension hinzuzufügen. Mit ein bisschen<br />

Aufwand und ein wenig Nachbearbeitung in Photoshop können Sie<br />

eine ganze Galaxie erstaunlicher Fotos machen.


Draußen > Strichspuren von Sternen<br />

So tricksen Sie den Nebel aus:<br />

Wenn die Temperatur in der Nacht schnell absinkt, kann<br />

Ihr Objektiv aufgrund der Feuchtigkeit in der Luft<br />

beschlagen. Wenn Sie eine Objektivhaube aufstecken,<br />

können Sie das vermeiden. Außerdem können Sie das<br />

Problem lösen, indem Sie einen Handwärmer (erhältlich<br />

bei Campingausrüstern) auf das Objektiv legen.<br />

Kundschaften Sie die Örtlichkeiten immer vorher und<br />

1am besten bei Tageslicht aus. So können Sie sehen, wo<br />

das Gelände am besten zugänglich ist und wo Sie Ihre<br />

Ausrüstung aufbauen können. Gebiete mit hoher<br />

‚Lichtverschmutzung‘ sollten Sie meiden. Ländliche<br />

Gegenden oder die Küste sind am besten geeignet.<br />

Schauplätze mit interessanten Merkmalen funktionieren<br />

gut, also habe ich eine Reihe uralter Steine ausgewählt. Ihre<br />

mystischen Eigenschaften passen gut zur Strichspurtechnik.<br />

Wenn Sie an Ihrem Zielort angekommen sind, sollten<br />

2Sie Ihre Kamera auf ein Stativ stellen. Als nächstes<br />

müssen Sie den Nordstern (Polarstern) finden. Er dient als<br />

Achsenpunkt für die Spuren. Sie können seine Position<br />

bestimmen, indem Sie den Großen Wagen finden und einer<br />

imaginären Linie von den beiden Sternen über der<br />

Hinterachse folgen.<br />

Um auf ihr interessantes Merkmal fokussieren zu<br />

3können, benötigen Sie eine helle Taschenlampe, um die<br />

Szene auszuleuchten. Oftmals ist es sinnvoll, jemanden<br />

mitzubringen, der dabei helfen kann. Wenn Sie mit<br />

Autofokus einen Fokuspunkt erhalten haben, schalten Sie<br />

auf manuellen Modus um. Wenn Sie Autofokus<br />

eingeschaltet lassen, wird das Objektiv in der Dunkelheit<br />

herum suchen, sobald Sie versuchen, eine Aufnahme zu<br />

machen.<br />

Planen Sie mehrfache <strong>Belichtung</strong>en. Ich habe mich für<br />

4zehn <strong>Belichtung</strong>en innerhalb von fünf Minuten<br />

entschieden. Diese werde ich bei der Nachbearbeitung<br />

zusammenmischen. Die <strong>Belichtung</strong>seinstellungen hängen<br />

davon ab, wie viel Umgebungslicht Ihnen zur Verfügung<br />

steht. Ich habe den Mehrfachbild-Modus ausgewählt und<br />

fünf Minuten bei f/5,6 (ISO 400) eingestellt. Wenn Sie einen<br />

programmierbaren Fernauslöser haben, können Sie die<br />

Einstellungen anwählen und die Kamera wird jedes Bild<br />

auslösen.<br />

sollten auf jeden Fall ein Probefoto machen, bevor<br />

5Sie sich auf 50 Minuten <strong>Belichtung</strong>szeit festlegen.<br />

Belichten Sie fünf Minuten lang und führen Sie die<br />

notwendigen Änderungen an Bildaufbau, Fokus und Blende<br />

durch. Die Probeaufnahme wird Ihnen außerdem helfen,<br />

genau zu bestimmen, wo der Polarstern ist, weil alle<br />

anderen Sterne um ihn herum rotieren. Wenn Sie zufrieden<br />

sind, beginnen Sie mit Ihren Aufnahmen.<br />

Wenn die 50 Minuten vorbei sind, machen Sie noch<br />

6zwei weitere Fünfminutenaufnahmen. Diesmal gehen<br />

Sie dabei auf Ihrem Gelände herum und strahlen Sie dabei<br />

Ihr interessantes Merkmal mit der Taschenlampe von allen<br />

Seiten an. Passen Sie aber auf, dass Sie nicht direkt in das<br />

Objektiv leuchten, denn so entsteht Reflexlicht. Wie Sie an<br />

einem meiner Bilder sehen können, verursacht das<br />

Reflexlicht Streifen im Bildausschnitt und ruiniert Ihr Bild<br />

vollständig.<br />

Wenn Sie nach Hause kommen, laden Sie die Bilder auf<br />

7Ihren Computer herunter. Ihr erster Schritt ist, die<br />

Bilder zu überlagern, um die Strichspur darzustellen. Öffnen<br />

Sie die erste Aufnahme in Photoshop und überlagern Sie sie<br />

mit den anderen durch Ausschneiden und Einfügen in das<br />

erste Bild. Denken Sie daran, die Füllmethode jeder Ebene<br />

auf Aufhellen einzustellen. Wenn Sie alle Aufnahmen<br />

überlagert haben, reduzieren Sie auf Hintergrundebene<br />

(Ebene > Auf Hintergrundebene reduzieren).<br />

Schneiden Sie Ihre Dateien mit dem angestrahlten,<br />

8interessanten Merkmal aus und fügen Sie sie in Ihr neues,<br />

überlagertes Bild ein. Dann stellen Sie die Füllmethode auf<br />

Aufhellen ein. Der Himmel auf den Bildern mit dem<br />

angestrahlten, interessanten Merkmal hat natürlich nicht die<br />

tollen Strichspuren, also müssen wir ihn entfernen, um die in<br />

Schritt 7 im Vordergrund während des Ausleuchtens<br />

geschaffenen Strichspuren wieder zum Vorschein zu bringen.<br />

Dafür zeichnen Sie mit dem Auswahlwerkzeug vorsichtig um<br />

den Himmel herum und klicken auf Entfernen.<br />

34 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Ergebnisbild<br />

Ein Strichspurbild von<br />

einem Stern mit einem<br />

interessanten Merkmal im<br />

Vordergrund –<br />

Überirdisch!<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 35


Außenaufnahmen>Sommersilhouetten<br />

00 DIGITAL SLR PHOTOGRAPHY JANUARY 2011


Viel Spaß am Strand<br />

> ZEIT: EINE STUNDE > VERWENDETE AUSRÜSTUNG: NIKON D700, 24-70 MM-OBJEKTIV > AUSSERDEM VERWENDET: IPHONE APP<br />

Ross Hoddinott: Es gibt keinen schöneren Ort für einen warmen Sommerabend als den<br />

Strand. Vielleicht surfen, rudern oder schwimmen Sie ja gerne – oder Sie möchten einfach mit<br />

einem guten Buch entspannen oder braun werden. Wenn Sie mit Ihrer Familie an den Strand<br />

fahren, dann vergessen Sie bloß nicht Ihre Kamera, denn der Strand bietet unendlich viele<br />

Motive zum <strong>Fotografie</strong>ren. Ein farbenprächtiger Himmel ist ausgesprochen verführerisch, und Sie<br />

werden feststellen, dass Sonnenuntergänge im Meer ganz besonders fotogen sind. Wenn die Sonne so<br />

tief am Himmel steht, ist alles zwischen Ihnen und der Sonne eine Silhouette. Ich persönlich finde die<br />

Einfachheit von Silhouettenmotiven einfach ganz toll. Sie sind die extremste Art von<br />

Gegenlichtaufnahmen, wobei das Motiv ohne Farbe oder Details wiedergegeben wird. Deshalb eignen<br />

sich hierfür kräftige, leicht wiedererkennbare Formen und Konturen am besten.<br />

Die Silhouetten von Menschen sind bei Sonnenuntergang besonders fotogen. Das warme Abendlicht<br />

kann eine romantische Stimmung erzeugen. Denken Sie also beispielsweise daran, ein sich küssendes<br />

Paar vor einem Sonnenuntergang zu fotografieren. Auch Kinder sind tolle Motive – wenn sie von den<br />

Eltern an der Hand geführt werden oder einfach herumspielen und sich amüsieren. Sie könnten<br />

versuchen, ungestellte Aufnahmen am Strand zu machen. Aber bitten Sie zuerst um Erlaubnis, vor<br />

allem, wenn Sie Minderjährige fotografieren. Sie haben aber weit mehr Kontrolle über das Ergebnis,<br />

wenn Sie ein Familienmitglied oder jemanden, den Sie kennen, fotografieren. Mit einem bereitwilligen<br />

„Model“ können Sie mehr herumexperimentieren, die <strong>Belichtung</strong> perfektionieren und es noch einmal<br />

probieren, wenn sich der Erfolg nicht gleich am Anfang einstellt.<br />

So habe ich also meine Schwester gefragt, ob ich meinen achtjährigen Neffen für den Abend ausleihen<br />

könnte. Sie hat ganz begeistert zugestimmt. Und während sie sich ein Glas Wein eingeschenkt hat und<br />

ein oder zwei Stunden entspannen konnte, sind Tom und ich an den hiesigen Strand gefahren – mit dem<br />

Versprechen eines großen Eisbechers, wenn ich ihn dabei fotografieren durfte, wie er sich amüsierte …<br />

JANUARY 2011 DIGITAL SLR PHOTOGRAPHY 00


Außenaufnahmen>Sommersilhouetten<br />

Wenn Sie an den Strand fahren, um Silhouettenporträtaufnahmen zu machen, planen<br />

1Sie den Ausflug sorgfältig. Erkundigen Sie sich auf http://photoephemeris.com nach der<br />

Zeit und Position des Sonnenuntergangs (oder laden Sie die App „The Photographer's<br />

Ephemeris“ herunter). Erkundigen Sie sich aus Sicherheitsgründen auch nach den Gezeiten.<br />

Sie sollten eine Stunde vor Sonnenuntergang ankommen, um genug Zeit für die<br />

Vorbereitungen zu haben, bevor das beste Licht und die besten Farben erscheinen.<br />

Verwenden Sie ein Standardzoomobjektiv, da dieses sehr vielseitig ist. Ich arbeite mit<br />

2einem Nikon 24 – 70 mm, da seine schnelle maximale Blende von f/2.8 ein helles<br />

Sucherbild liefert, was beim Scharfstellen und der Komposition hilfreich ist – perfekt für<br />

Restlichtfotografie. Ich habe Zeitautomatik, f/8 und einen niedrigen ISO-Wert von 200<br />

eingestellt. Bei dieser Aufnahme haben Sie mehr kreative Freiheit, wenn Sie kein Stativ<br />

verwenden, sondern aus der Hand fotografieren.<br />

<strong>Belichtung</strong>skorrektur<br />

Mit einem niedrigen Winkel und einer sorgfältigen Ausrichtung des Models vor der<br />

3Sonne können Sie die Intensität der Sonne mit Ihrem Model verringern und eine<br />

tiefschwarze Silhouette erzeugen. Wenn Tom allerdings auf dem nassen, reflektierenden<br />

Sand steht und auf das Meer hinaus blickt, ist das Ergebnis zu statisch und wirkt zu gestellt.<br />

Die Aufnahme ist insgesamt zu dunkel und um mindestens eine Blendenstufe unterbelichtet.<br />

TTL-Messsysteme sind hochmodern und<br />

ausgesprochen zuverlässig. Das bedeutet<br />

jedoch nicht, dass sie keine Fehler<br />

machen. In ungünstigen<br />

Lichtbedingungen, beispielsweise bei<br />

Gegenlicht, lassen sie sich leicht täuschen.<br />

Durch die regelmäßige Beobachtung des<br />

Histogramms kann ein <strong>Belichtung</strong>sfehler<br />

jedoch schnell festgestellt werden, da sich<br />

an einem Ende des Graphen eine<br />

Datenspitze befindet. Das Korrigieren einer Unter- oder Überbelichtung ist ganz einfach<br />

mit der <strong>Belichtung</strong>skorrekturtaste der Kamera. Wenn die Bilder zu hell sind, wählen Sie<br />

eine negative (-) Korrektur; dadurch werden die Bilder dunkler. Wenn die Bilder dagegen<br />

zu dunkel sind, wählen Sie eine positive (+) Korrektur, um die Bilder heller zu machen.<br />

Dies geschieht durch Drücken der +/-(<strong>Belichtung</strong>skorrektur-)Taste und Drehen der<br />

Wählscheibe, bis Sie den gewünschten Korrekturgrad eingestellt haben. Die Auswahl<br />

der Korrektur variiert jedoch von Kamera zu Kamera. Bei den meisten Kameras können<br />

Sie die Korrektur mit bis zu drei oder fünf Blendenstufen in 1/3- oder 1/2-Schritten<br />

einstellen. Hinweis: Die Korrektur wird beim Ausschalten der Kamera nicht automatisch<br />

auf Null zurückgesetzt. Denken Sie also daran, die Korrektur wieder zurückzusetzen,<br />

wenn Sie mit dem <strong>Fotografie</strong>ren fertig sind. Andernfalls wird die Korrektur auch bei<br />

künftigen Aufnahmen angewendet.<br />

Beim <strong>Fotografie</strong>ren von Motiven im Gegenlicht kann die Intensität der Sonne die<br />

4Mehrfachzonenmessmuster täuschen und ihnen mehr Helligkeit vorgaukeln als<br />

tatsächlich vorhanden ist. Infolgedessen wählt die Kamera eine schnellere Verschlusszeit als<br />

erforderlich, was zur Unterbelichtung führt. Um dies auszugleichen, habe ich eine<br />

zusätzliche (+) Blendenstufe zur <strong>Belichtung</strong>skorrektur ausgewählt. Außerdem habe ich Tom<br />

gebeten hochzuspringen, um dem Bild Bewegung zu verleihen.<br />

Experimentieren Sie herum, oder verwenden Sie das Histogramm Ihrer DSLR, um das<br />

5Maß der erforderlichen <strong>Belichtung</strong>skorrektur herauszufinden. Wenn Sie mit dem<br />

Ergebnis zufrieden sind, wenden Sie Ihre Aufmerksamkeit der Komposition zu. Beim<br />

<strong>Fotografie</strong>ren von Kindern leisten Requisiten gute Dienste; sie lassen sie vor der Kamera<br />

entspannen. Ich habe Tom gebeten, mit einem Ball Fangen zu spielen, und habe die Kamera<br />

leicht geneigt, um der Komposition mehr Dynamik zu verleihen.<br />

38 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Fertiges Bild<br />

Die Kombination eines<br />

herrlichen Sonnenuntergangs<br />

mit einer interessanten Pose<br />

ist der Schlüssel zu diesem<br />

tollen Bild.<br />

<strong>Fotografie</strong>ren ografieren Sie drauf los<br />

Wenn Sie spielende Kinder<br />

fotografieren, stellen Sie bei der<br />

Kamera den Serienaufnahmenmodus<br />

ein, und seien Sie bereit, lange<br />

Bildsequenzen zu machen.<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 39


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Draußen>Tulpen verdreht<br />

<br />

<br />

Um die Ecke gedacht<br />

> ZEIT: 30 MINUTEN > AUSRÜSTUNG: CANON EOS 5D MKII MIT 16-35 MM F/2.8L OBJEKTIV, FERNAUSLÖSER, PLASTIKTÜTE<br />

Helen Dixon: Tulpen sind ein gefragtes Fotomotiv<br />

und vielleicht liegt es daran, dass viele ihrer Bilder,<br />

die man in Magazinen sehen kann, ziemlich eintönig<br />

sind. Es ist wenig verwunderlich dass diese Bilder<br />

eins wie das andere aussehen, denn die Tulpe hat ihre<br />

unverkennbare, einzigartige Form von Stängel und<br />

Blütenstruktur.<br />

Wenn Sie Ihre Tulpe oder jedes andere Foto einer Blume aus der<br />

Menge (oder in diesem Fall dem Strauß) herausragen lassen<br />

wollen, dann brauchen sie ein wenig Mut zu unkonventioeller<br />

Bildkomposition. Diese Art der unterschiedlichen Visualisierung<br />

zu fotografierender Objekte funktioniert für jedes Motiv, es ist<br />

nicht auf Blumen beschränkt. Alles, was Sie sich fragen<br />

müssen, ist: „Was kann ich tun, damit sich diese Aufnahme von<br />

anderen Aufnahmen unterscheidet?“<br />

Im Fall der Tulpe überlegte ich mir, dass der übliche Blickwinkel,<br />

auf diese Blumen eben unsere Kopfhöhe ist. Wie aber würde<br />

die Szenerie aus der Höhe des Blumenbeetes aussehen, mit<br />

dem Blick nach oben, wobei die Tulpen eine natürliche,<br />

kreisförmige Begrenzung des Rahmens bilden und der blaue<br />

Himmel den zentralen Bereich dominiert?<br />

Um solch eine Ansicht einzufangen, braucht es ein wenig<br />

Überlegung, welche Ausrüstung verwendet werden soll, und es<br />

müssen die Umgebungsverhältnisse berücksichtigt werden. Ein<br />

Weitwinkel ist Voraussetzung – alles, was größer ist als 24<br />

Millimeter, brächte nur die Blüten ohne die Stängel ins Bild, und<br />

auch der Verzerrungseffekt des Weitwinkelobjektivs wäre<br />

verloren. Unterschiedliche Tageszeiten schaffen jeweils weitere<br />

Probleme – beim ersten Tageslicht und bei Sonnenuntergang ist<br />

die Lichtintensität geringer, doch mittags gibt es ein erhöhtes<br />

Risiko von Lichtreflexen. Sie müssen also entscheiden, was für<br />

Ihr Motiv am besten ist und die entsprechenden Probleme mit<br />

dem Licht lösen. Bei starkem Sonnenlicht ist beispielsweise<br />

eine Gegenlichtblende ratsam.<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 41


Draußen<br />

>Tulpen verdreht<br />

Die Wahl des<br />

1Standorts ist<br />

wichtig. Zuerst einmal<br />

brauchen Sie die<br />

Erlaubnis, sich dort<br />

aufhalten zu dürfen –<br />

zertrampeln Sie keinen<br />

preisverdächtigen<br />

Tulpengarten.<br />

Versuchen Sie, Stellen<br />

zu finden, an denen<br />

der Tulpenbestand<br />

sehr dicht ist, dass<br />

verstärkt den Effekt<br />

der kreisförmigen<br />

Begrenzung. In<br />

öffentlichen Gärten<br />

finden sich oft<br />

passende, ruhige<br />

Plätze.<br />

Weitwinkel!<br />

Für diese Art Foto brauchen Sie ein Weitwinkelobjektiv.<br />

Wer eine APS-C DSLR verwendet, muss berücksichtigen,<br />

dass die Brennweite um den Faktor 1,5 steigt (1,6 bei<br />

Canon DSLRs). Versuchen Sie also mit einem<br />

Ultraweitwinkel zu arbeiten. Falls Ihr Budget das nicht<br />

hergibt, können Sie auch ein solches Objektiv für ein<br />

Wochenende mieten. (Siehe die Anzeigen von<br />

Verleih-Unternehmen in dieser Ausgabe)<br />

Ist der Polfilter nötig?<br />

Ein Polarisationsfilter sättigt die Farben und eignet sich<br />

geradezu perfekt für rote Tulpen und blauen Himmel,<br />

doch andererseits „schluckt“ er zwei <strong>Belichtung</strong>sstufen<br />

des den Sensor erreichenden Lichts, was wiederum<br />

bedeutet, dass die Verschlusszeit länger wird und Sie<br />

dann vielleicht wieder Probleme mit den sich im Wind<br />

bewegenden Tulpen bekommen. Außerdem müssen Sie<br />

den Polfilter exakt einstellen, sonst kommt es zu<br />

ungleicher Polarisation des Himmels.<br />

mit Polfilter<br />

ohne Polfilter<br />

Mit der DSLR auf Blendenautomatik und Blende 11<br />

2für hohe Schärfentiefe ist es nun Zeit, sich ins Gras<br />

zu legen. Machen Sie ein paar Testaufnahmen mit leicht<br />

zurück geneigter Kamera und Fernauslöser. Wir haben<br />

unsere Kamera gegen Schmutz geschützt, indem wir<br />

eine Plastiktüte über die Rückseite gezogen haben.<br />

Unsere Testaufnahmen sind nicht besonders gut<br />

3geworden. Mit Blende 11 kommt es zu einer recht<br />

langen Verschlusszeit, wodurch sich eine leichte<br />

Bewegungsunschärfe, hervorgerufen durch die sich im<br />

Wind wiegenden Stängel ergibt. Auch der mittenbetonte<br />

Autofokus macht Schwierigkeiten, weil das Objektiv<br />

direkt in den Himmel zeigt und der Autofokus kein<br />

Objekt findet, an dem er sich ausrichten könnte.<br />

Falscher Winkel<br />

Zu viel Aufflackern<br />

Blende 8 wird die Verschlusszeit verkürzen. Damit<br />

4die Kamera scharf stellen kann, sollte der<br />

Autofokus auf automatische Punktauswahl eingestellt<br />

sein. Dann nämlich sucht die Kamera den<br />

Bildausschnitt ab und wird einen Fixpunkt finden.<br />

Jetzt ist es nur noch eine Frage von Versuch und Irrtum, wobei Sie die Kamera in unterschiedliche Positionen<br />

5bringen, bis Sie eine möglichst kreisförmige Anordnung der Tulpen im Bildausschnitt gefunden haben. Schon eine<br />

geringe Änderung der Kameraneigung kann einen großen Unterschied für die Bildkomposition bedeuten, nehmen Sie<br />

also nur jeweils geringe Änderungen vor. Wie unsere Testaufnahmen zeigen, führt ein zu großer Winkel zum Verlust des<br />

Kreiseffekts der Tulpen. Wessen Kamera über ein anwinkelbares LCD verfügt, hat es hier natürlich viel leichter bei der<br />

Bildkomposition. Bei grellem Sonnenlicht verwenden Sie einen LCD-Tubus, um das Bild noch erkennen zu können.<br />

42 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Fertiges Bild<br />

Durch die Tulpen<br />

erscheint der Himmel<br />

als ein schöner blauer<br />

Hintergrund. Das<br />

Sonnenlicht glänzt sogar<br />

durch einige der<br />

Blumenblätter und<br />

macht sie<br />

lichtdurchlässig.<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 43


Zu Hause > Tropfen auf einer Blume<br />

Ein Wunder mit dem<br />

Makroobjektiv marvel<br />

> ZEIT: 75 MINUTEN > AUSRÜSTUNG: NIKON D300S,<br />

NIKON 60 MM AF-D MICRO F/2,8 UND STATIV<br />

>AUSSERDEM: GERBERA, SCHWARZE PAPPE,<br />

KOCHSALZLÖSUNG, PIPETTE ODER TRINKHALM UND GLAS<br />

Luoana Negut: Beim <strong>Fotografie</strong>ren<br />

toller Makroaufnahmen sind Bildaufbau<br />

und Fokussieren das Wichtigste. Das<br />

kleinste Detail kann darüber entscheiden,<br />

ob ein Bild gut oder schlecht wird. Wenn Sie also<br />

diesen Foto-Tipp ausprobieren wollen, sollten Sie sich<br />

mit einem guten Auge für Details und jeder Menge<br />

Geduld wappnen. Tropfen auf Ihren Blütenfotos<br />

machen aus einem gewöhnlichen Stillleben etwas<br />

Besonderes. Es mag Sie überraschen, aber Wasser ist<br />

nicht das beste Medium für diese Technik, weil es<br />

schwierig zu kontrollieren ist und die kleinste<br />

Bewegung den Tropfen zum Verlaufen bringen kann.<br />

Kochsalzlösung (beim Optiker erhältlich) oder eine<br />

andere Flüssigkeit, die dickflüssiger ist als Wasser,<br />

hält die Tropfenform besser. Sie können natürlich jede<br />

Blume verwenden, aber Gerbera sind für diese<br />

Technik ideal, weil Ihre Blütenblätter dem Tropfen<br />

einen guten Halt bieten.<br />

Wenn Sie es geschafft haben, den Tropfen<br />

auszubalancieren, verschaffen Sie sich einen<br />

Überblick, wie das Licht von dem Wasser reflektiert<br />

und gebrochen wird, und positionieren Sie die<br />

Kamera oder die Blume so, dass die Reflexe nicht zu<br />

sehr ablenken. Ein Makroobjektiv mit einer<br />

Reproduktionsrate von mindestens 1:2 (halbe<br />

Lebensgröße) oder besser noch 1:1 (Lebensgröße)<br />

und eine kurze Fokusdistanz funktionieren gut. Ich<br />

habe 60 Millimeter verwendet, aber 100 Millimeter<br />

wären noch besser, weil man nicht so dicht an der<br />

Blume arbeiten muss, um den Bildausschnitt zu<br />

füllen. Ein schwarzer Hintergrund kann verblüffende<br />

Ergebnisse erzielen, denn er hält den Fokus auf der<br />

strahlend bunten Blume. Sie können aber auch jede<br />

andere Komplementärfarbe zu Ihrer Blume<br />

verwenden, um Ihren Bildern einen anderen Look zu<br />

verleihen. Diese Technik bietet eine Menge<br />

Gelegenheiten zum Experimentieren, und wenn Sie<br />

es Ihnen gelingt, erhalten Sie einige bemerkenswerte<br />

Stilleben.<br />

44 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Zuhause<br />

>Tropfen auf einer Blume<br />

Wasser bringt’s einfach nicht<br />

Wasser ist zu dünnflüssig für diese<br />

Technik. Sobald Sie es auf ein Blütenblatt<br />

tropfen, verändert es sofort seine Form,<br />

und es ist schwierig, eine perfekte Kugel<br />

zu erhalten. Sie brauchen eine dickere<br />

Flüssigkeit, die die Tropfenform besser<br />

halten kann. Zuckerwasser ist okay, aber<br />

Kochsalzlösung für Kontaktlinsen, wie wir<br />

sie hier verwendet haben, ist ideal.<br />

Fertiges Bild<br />

Die Blütenmitte mit in den<br />

Bildausschnitt zu nehmen,<br />

verleiht dem Foto<br />

Zusammenhang, und die geringe<br />

Schärfentiefe betont den<br />

Tropfen.<br />

AUFBAU: Mit dem Tageslicht, das durch das<br />

Fenster hereinkommt, können Sie diese<br />

Technik am leichtesten anwenden. Zum<br />

Glück war an dem Tag meiner Aufnahmen der<br />

Himmel bewölkt und das Licht sehr diffus,<br />

aber ich hatte einen Reflektor zur Hand, falls<br />

das Licht stärker geworden wäre und ich ein<br />

paar Schatten hätte ausfüllen müssen. Wenn<br />

Sie einen Teil des Fensters mit schwarzer<br />

Pappe abkleben, erhalten Sie Ihren<br />

schwarzen Hintergrund. Positionieren Sie<br />

aber die Blume so, dass sie gut ausgeleuchtet<br />

ist. Hier habe ich sie etwas höher gestellt und<br />

etwa 15 cm vor dem Hintergrund platziert.<br />

Setzen Sie vorsichtig mit einer Spritze oder einer Pipette einen Tropfen auf die Spitze<br />

1 eines Blütenblatts. Wenn Sie ihn mitten drauf setzen, kann er zwischen den<br />

Blütenblättern verloren gehen. Stellen Sie die Kamera auf Zeitautomatik mit Blendenvorwahl<br />

und auf punktuellen AF ein, und gehen Sie für einen ausgefüllten Bildausschnitt so nahe wie<br />

möglich an den Tropfen heran. Da die Schärfentiefe bei Nahaufnahmen sehr niedrig ist, und<br />

weil sich der Tropfen von der Kamera weg krümmt, brauchen Sie womöglich eine mittlere<br />

Blendenöffnung wie f/6,3, um den Tropfen scharf zu bekommen.<br />

Wenn Sie einen schwarzen<br />

2 Hintergrund verwenden, kann es<br />

passieren, dass die Kamera die dunklen<br />

Farbtöne ausgleicht, indem das Bild<br />

überbelichtet. Dies können Sie korrigieren,<br />

indem Sie eine oder zwei Rasten des<br />

negativen <strong>Belichtung</strong>sausgleichs anwählen.<br />

Stellen Sie sicher, dass der Fokuspunkt auf dem Wassertropfen liegt. Nur so können Sie<br />

3 ihn messerscharf ablichten. Wenn das Objektiv Probleme beim Scharfstellen hat, könnte<br />

das daran liegen, dass Sie zu nah an der Blume sind, oder dass es nicht genug Kontrast gibt.<br />

Wenn Letzteres der Fall ist, versuchen Sie auf manuellen Fokus zu schalten. Wenn Ihre<br />

Verschlusszeit länger als 1/30 Sekunde ist, kann das Auslösen zum Verwackeln führen. Dem<br />

können Sie entgehen, indem Sie, so vorhanden, die Spiegelvorauslösungsfunktion<br />

verwenden. Anderenfalls benutzen Sie den Selbstauslöser oder einen Fernauslöser.<br />

Weil Wasser das Licht bricht und reflektiert, kann es sein, dass der Tropfen ablenkende<br />

4 Schlaglichter erhält. Idealerweise sollte das Schlaglicht um die Oberkante des Tropfens<br />

verlaufen und nur minimale Reflektionen aufweisen. Wenn sich hinter dem Tropfen ein Teil<br />

der Blume befindet, sollte der Tropfen ein Bild der Blume, oder zumindest deren Farbe,<br />

reflektieren. Das können Sie ganz einfach kontrollieren, indem Sie mit der Position der Blume<br />

und Ihrem Kamerawinkel experimentieren.<br />

46 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Die kleinste Veränderung an Kamerawinkel oder Bildausschnitt kann bei einer<br />

5 Makroaufnahme eine dramatische Veränderung der Bildaussage bewirken. Probieren Sie<br />

unterschiedliche Standorte, Blütenblätter und Blickwinkel aus, und finden Sie die beste<br />

Komposition heraus: Vielleicht möchten Sie die Kamera sogar schräg halten, um mehr von der<br />

Blume in den Bildausschnitt zu bekommen. Wenn Sie die Blütenmitte der Gerbera in den<br />

Bildausschnitt integrieren, kann das dazu beitragen, dem Bild Kontext zu verleihen. Oder Sie<br />

könnten versuchen, eine sehr niedrige Schärfentiefe zu verwenden und die Blütenblätter für eine<br />

extreme Nahaufnahme verschwimmen zu lassen.<br />

Versuchen Sie auch einmal, mehr als einen Tropfen auf ein Blütenblatt zu setzen. Das<br />

6 Ergebnis wird noch interessanter sein. Die Bilder werden am besten, wenn die Tropfen<br />

ungefähr die gleiche Größe haben, was allerdings schwierig ist. Sie könnten eine große<br />

Blende verwenden und auf einen der Tropfen fokussieren, oder Sie verwenden eine kleinere<br />

Blende, um alle Perlen scharf zu bekommen. Je direkter der Lichteinfall, umso dunkler<br />

können die Schatten sein. Halten Sie also einen Reflektor oder ein Stück weißer Pappe bereit,<br />

um diese auszufüllen.<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 47


JETZT IM HANDEL<br />

Bei allen guten Zeitschriftenhändlern


Zuhause<br />

>Gartentierwelt<br />

<br />

<br />

Leben eines Käfers<br />

> ZEIT: 45 MINUTEN > AUSRÜSTUNG: CANON EOS 7D<br />

MIT SIGMA 70 MM F/2.8-MAKROOBJEKTIV, REFLEKTOR,<br />

PLASTIKBOX<br />

Matty Graham: Mit ihren<br />

gepunkteten hellroten Deckflügeln und<br />

ihrer Zahmheit gegenüber dem<br />

Menschen sind Marienkäfer schöne<br />

Kreaturen, die sich oft im Garten finden und<br />

relativ einfach zu fotografieren sind. In den<br />

Frühlings- und Sommermonaten sind sie<br />

besonders zahlreich überall im Gras, auf Blüten,<br />

Stängeln und Blättern anzutreffen. Im Gegensatz<br />

zur Libelle, die mit hoher Geschwindigkeit fliegen<br />

kann, ist der Marienkäfer ein „Fußgänger“. Er<br />

krabbelt recht langsam und fliegt sehr selten,<br />

eigentlich nur dann, wenn er sich stark bedroht<br />

fühlt. Wegen seines niedrigen Energiehaushalts<br />

ist er leicht mit der Kamera einzufangen, was<br />

besonders Einsteigern diese Art <strong>Fotografie</strong><br />

erleichtert.<br />

Wie bei allen Insekten ist ein Makroobjektiv die<br />

beste Wahl. Der hohe Vergrößerungsfaktor seiner<br />

Optik sorgt für formatfüllende Aufnahmen. Wenn<br />

Sie das Kit-Objektiv verwenden, müssen Sie die<br />

Aufnahme wahrscheinlich später zuschneiden<br />

und vergrößern, was jedoch zu Lasten der<br />

Bildqualität geht.<br />

Achten Sie auf die Tageszeit, wenn Sie Ihre<br />

Gartenexpedition starten. In der Mittagszeit ist<br />

das Licht sehr harsch und es wird viele Schatten<br />

geben. Sie könnten einen Diffusor verwenden,<br />

um dieses Problem zu umgehen, aber das<br />

verkompliziert Ihr Vorhaben nur unnötig.<br />

Warten Sie lieber bis zum Nachmittag, wenn<br />

das Licht weicher wird und einen goldenen<br />

Schimmer bekommt, dann entstehen die<br />

besten Bilder.<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 49


Zuhause<br />

>Gartentierwelt<br />

Tipps zum Scharfeinstellen<br />

von Makroobjektiven<br />

Unser Sigma 70mm f/2.8 EX<br />

DG-Makroobjektiv ist sehr leistungsfähig,<br />

aber es ist für jedes Objektiv eine<br />

Herausforderung, auf extrem kurze<br />

Entfernungen scharf abzubilden.<br />

Benutzen Sie den mittenbetonten<br />

Autofokus, und falls der nicht funktioniert,<br />

stellen Sie die Schärfe manuell ein.<br />

Drehen Sie den Scharfeinstellring, bis das<br />

entsprechende Kontroll-Ikon im Sucher<br />

aufleuchtet und Ihnen bestätigt, dass Ihr<br />

Subjekt scharf eingestellt ist.<br />

Wenn Sie nun im Garten sind und die Kamera zur Hand<br />

1haben, besteht die erste Aufgabe darin, ein passendes<br />

Subjekt zu finden. Haben Sie Geduld, es ist nur eine Frage der<br />

Zeit, bevor ein Marienkäfer für Ihr Fotoshooting auftaucht.<br />

Vielleicht sollten Sie mehrere der schönen Tiere einsammeln<br />

und Sie kurzzeitig in einer Box aufbewahren für den Fall, dass<br />

Ihnen einer davon fliegt.<br />

Schalten Sie die Kamera auf Blendenautomatik und stellen<br />

2die gewünschte Blende ein. Ich habe einen Marienkäfer<br />

auf einem Zaunpfosten erspäht und mache ein paar<br />

Testaufnahmen mit Blende 2,8 und mittenbetontem Autofokus.<br />

Wie Sie sehen können, hat die geringe Schärfentiefe einen sehr<br />

schmalen Schärfebereich ergeben, und der Rücken des<br />

Marienkäfers fällt aus dem Schärfebereich heraus. Außerdem<br />

wirkt das Braun des Zaunpfostens hier deplaziert.<br />

Falls der Schärfebereich zu schmal ist, müssen Sie die Blende weiter schließen.<br />

3Ich setze meinen Marienkäfer auf einen Löwenzahnstängel und mache ein<br />

paar weitere Aufnahmen, diesmal mit Blende 4,5. Obwohl die Ergebnisse dank des<br />

Stängels viel besser aussehen als zuvor mit dem Zaunpfosten, ist der<br />

Schärfebereich immer noch zu schmal, und außerdem dominiert die Blüte des<br />

Löwenzahns das Bild und lenkt den Blick des Betrachters ab.<br />

Schauen Sie<br />

5sich in Ihrem<br />

Garten nach<br />

Elementen um, die<br />

sich als passende<br />

Hintergründe<br />

eignen. Ich habe nun<br />

eine bessere Schärfe<br />

erreicht, aber ich<br />

würde gerne das Rot<br />

der Deckflügel des<br />

Käfers mit ein wenig<br />

Grün kontrastieren.<br />

Ich bemerkte einen<br />

anderen Marienkäfer<br />

in meinem<br />

Blumenbeet, der<br />

gerade an einer<br />

Blattkante entlang<br />

krabbelte. Leider ist<br />

das Blatt recht groß,<br />

und das tiefe Grün<br />

der umgebenden<br />

Pflanzen führt zu<br />

einem sehr dunklen<br />

Bild.<br />

Marienkäfer werden umherkrabbeln, während Sie versuchen, zu Ihrem Bild zu<br />

4 kommen, aber lassen Sie sie einfach herumwandern, denn dadurch könnten<br />

sich weitere schöne Motive ergeben. Mein Marienkäfer trippelt inzwischen den<br />

Stängel entlang, und diesmal nehme ich ihn mit der noch kleineren Blende von 5,6<br />

auf. Das ergibt endlich eine Schärfentiefe, die für den gesamten Körper des Käfers<br />

ausreicht.<br />

Also falte ich einen Reflektor auseinander und lege ihn mit der goldenen Seite<br />

6nach oben auf den Boden. Nun breche ich einen dünneren Stängel von einer<br />

anderen Pflanze ab und halte ihn auf Armeslänge über den Reflektor. Die Aufnahme<br />

mache ich dabei aus einem etwas steileren Winkel, wodurch ich einen kleinen<br />

Grasstreifen ins Bild bekomme, der einen helleren Hintergrund abgibt als das<br />

Blumenbeet.<br />

50 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Andere Gartenbesucher<br />

Der Marienkäfer ist ein prachtvoller Besucher<br />

unserer Gärten, aber vergessen Sie darüber<br />

nicht die vielen anderen Kreaturen, die<br />

Libellen, Schmetterlinge, Raupen, Spinnen<br />

und Schnecken. Schauen Sie, wie viele Sie<br />

einfangen können!<br />

Fertiges Bild<br />

Ich steigere die Farbsättigung ein<br />

wenig (Bild>Anpassen>Farbe/<br />

Sättigung), um das Rot des<br />

Marienkäfers zu verstärken, und<br />

mein Bild ist fertig. Marienkäfer<br />

– der wohl majestätischste<br />

Gartenbesucher…<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 51


Zuhause<br />

>Abstraktaufnahmen<br />

Bereinigen Sie Ihre Abstraktaufnahmen<br />

> ZEIT: 45 MINUTEN > AUSRÜSTUNG: CANON EOS 7D MIT 100-MM-MAKROOBJEKTIV, DAUERLICHTQUELLE<br />

> AUSSERDEM VERWENDET: KENKO-12-MM-AUTOVERLÄNGERUNGSROHR, PLASTIKBECHER, SPÜLMITTEL<br />

Matty Graham: Wenn es bei Ihnen zuhause so zugeht wie bei mir, dann müssen Sie eine Arbeit immer<br />

machen: den Abwasch. Beim nächsten Mal krempeln Sie aber nicht die Ärmel hoch, sondern betrachten<br />

das als eine Fotogelegenheit. Mit ein wenig Kreativität und Ausrüstung für Nahaufnahmen könnte diese<br />

kleine Flasche Spülmittel der Schlüssel zu einer ganzen Welt kreativer Abstraktaufnahmen sein. Wenn<br />

Spülmittel und Wasser miteinander gemischt werden und dann ein Ring aus dieser Lösung herausgehoben wird,<br />

bildet sich zwischen den beiden Elementen ein dünner Film. Der erste Impuls wäre hier normalerweise, durch den<br />

Ring zu pusten, um Blasen zu erzeugen. Aber seien Sie dieses Mal kein großes Kind, und richten Sie stattdessen Licht<br />

schräg auf diesen seifigen Film, um ein ganzes Spektrum an farbenprächtigen, fotogenen Verwirbelungen zu sehen.<br />

Sie müssen nah rangehen, um den Effekt im vollen Rahmen zu erfassen. Aber mit der Kombination eines Objektivs<br />

mit einem Verlängerungsrohr (das es für etwa 90 Euro zu kaufen gibt) sollten Sie ein Bild mit einer prächtigen<br />

Farbwirkung machen können.<br />

52 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 53


Zuhause<br />

>Abstraktaufnahmen<br />

Geben Sie in einen kleinen Behälter einen Spritzer Spülmittel und etwas warmes Wasser.<br />

1 Wenn sich die beiden Substanzen nicht gut miteinander vermischen, schlagen Sie das<br />

Gemisch mit einer Gabel auf, damit einige Blasen entstehen. Damit der seifige Film am Rand<br />

haften bleibt, schneiden Sie einen Plastikbecher auseinander und behalten den oberen Teil<br />

des Bechers. Denken Sie daran, genug vom Becher übrig zu lassen, um einen Griff basteln zu<br />

können, den Sie bequem mit der Hand greifen können.<br />

Lassen Sie die Schüssel in der Nähe, und bereiten Sie die restliche Ausrüstung vor.<br />

2 Stellen Sie einen flachen schwarzen Reflektor oder auch einen schwarzen Karton auf<br />

den Boden oder den Tisch, damit das Bild einen dunkleren Hintergrund hat. Auf diese Weise<br />

kommen die Farben besser zur Geltung. Befestigen Sie die Kamera auf einem Stativ, und<br />

senken Sie dessen Beine ab, sodass die Kamera so nah wie möglich an dem Becher ist, damit<br />

der Rahmen ausgefüllt wird.<br />

Verlängerungsrohre: Eine günstige Option für Nahaufnahmen<br />

Tauchen Sie den Becher in die Schüssel mit Spülmittel, und nehmen Sie ihn langsam<br />

3 wieder heraus. Über der Randfläche des Bechers sollte sich ein dünner Seifenfilm<br />

gebildet haben. Stellen Sie ihn jetzt sehr vorsichtig auf den schwarzen Hintergrund, ohne<br />

dass der Seifenfilm zerplatzt. Richten Sie dann die Dauerlichtquelle so ein, dass sie in einem<br />

Winkel von etwa 90 Grad zum Becher steht. Schalten Sie die Raumbeleuchtung aus, damit<br />

sie die Wirkung des Studiolichts nicht beeinträchtigt.<br />

Verlängerungsrohre werden zwischen<br />

Objektiv und Kamera angebracht. Sie<br />

enthalten keine Optik, sondern sind<br />

einfach hohl. Sie erhöhen die<br />

Vergrößerung, die Sie erzielen können,<br />

um ein Vielfaches. Denn je weiter das<br />

hintere Element des Objektivs vom<br />

Sensor entfernt ist, umso näher<br />

fokussiert das Objektiv.<br />

Verlängerungsrohre sind in einer Vielzahl<br />

von Größen und Preisen erhältlich. Zu<br />

den Marken, die Sie in die engere Wahl<br />

ziehen sollten, gehören Kenko und<br />

Zeikos – einen Dreiersatz gibt es ab etwa<br />

90 Euro. Sie sollten auf jeden Fall einen<br />

Satz „Auto“-Verlängerungsrohre kaufen,<br />

da mit diesen die elektronischen<br />

Verbindungen zwischen Kamera und<br />

Objektiv aufrechterhalten werden. Sie<br />

werden zwar im Dreiersatz angeboten,<br />

Sie sollten aber immer nur eines oder<br />

zwei miteinander einsetzen und nicht<br />

alle drei!<br />

Obwohl 90 Grad ein guter Ausgangspunkt für die Lichtquelle sind, müssen Sie den<br />

4 Winkel noch genauer anpassen, bis die intensivsten Muster sichtbar werden. Der Trick<br />

bei dieser Technik besteht darin, die Lichtquelle umzustellen, bis sie das Farbmuster auf dem<br />

Seifenfilm erzeugt, das durch den Sucher (bzw. am LCD-Bildschirm mit LiveView) zu sehen<br />

ist.<br />

Da die Seifenmuster so klein sind, werden Sie wahrscheinlich feststellen, dass Sie sogar<br />

5mit einem Makroobjektiv nicht nah genug herankommen. Mit einem Verlängerungsrohr<br />

können Sie noch näher rangehen. Wahrscheinlich müssen Sie mit dem manuellen Fokus<br />

arbeiten, da der Autofokus möglicherweise ein wenig unberechenbar ist. Achten Sie darauf,<br />

dass der Sensorebenenfilm der Kamera parallel zum Seifenfilm ist, damit das gesamte Bild<br />

scharf ist. Stellen Sie eine mittlere Blendenöffnung ein (f/8 oder f/11).<br />

54 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Fertiges Bild<br />

Ein Kaleidoskop der<br />

Farben, nur mit ein wenig<br />

Spülmittel.<br />

Wenn Sie Probleme mit dem Scharfstellen haben und Ihre Kamera LiveView hat,<br />

6 verwenden Sie diese Funktion einmal zur Feineinstellung des Fokus. Bei einigen<br />

Kameras können Sie einen kleinen Bereich der Szene vergrößern, sodass Sie wichtige<br />

Einstellungen am Fokus manuell vornehmen können. Wenn Ihre Kamera diese Funktion<br />

nicht hat, seien Sie einfach geduldig beim Scharfstellen, und überprüfen Sie die Schärfe am<br />

LCD-Bildschirm.<br />

Wenn Sie die Bilder auf den Computer hochgeladen haben, öffnen Sie sie in Photoshop.<br />

7 Stellen Sie die Ebenen ein, um den Kontrast sowie Farbton/Sättigung und damit die<br />

Aussagekraft des Bildes zu verbessern (Ebene>Neue Einstellungsebene>Tonwertkorrektur<br />

bzw. Farbton/Sättigung). Sie können auch verschiedene kreative Optionen ausprobieren,<br />

beispielsweise die Farben umkehren (Bild>Korrekturen>Umkehren).<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 55


Portraits >Portraitaufnahmen mit Weichzeichnung<br />

Die weiche Seite<br />

> ZEIT: EINE STUNDE > AUSRÜSTUNG: CANON EOS 550D MIT SIGMA-OBJEKTIV 18 – 55<br />

MM F/2.8 > AUSSERDEM VERWENDET: COKIN-DIFFUSOR 2 FILTER, BLUMEN, REFLEKTOR<br />

Matty Graham: Fotografen verstehen sich oft darauf, Bilder<br />

gestochen scharf zu machen. „Ein Stativ verwenden“, „den<br />

Fernauslöser nicht vergessen“ und „auch einmal die<br />

Spiegelvorauslösung ausprobieren“ sind nur einige der goldenen Worte,<br />

die immer wieder zu hören sind. Dies sind durchaus berechtigte Tipps, wenn es um<br />

das <strong>Fotografie</strong>ren von Motiven wie Landschaften und Architektur geht. Bei<br />

Porträtaufnahmen (insbesondere von Frauen) gibt es jedoch immer ein wenig<br />

Spielraum für Weichheit. Das Weichzeichnen ist eine Technik, bei der das in das<br />

Objektiv eintretende Licht zerstreut wird, womit ein weicher, ätherischer Effekt<br />

erzielt wird. Diese Technik wird häufig von Fotografen eingesetzt, die romantisch<br />

anmutende Porträtaufnahmen machen möchten, da durch das Weichzeichnen<br />

etwaige Makel der Haut abgemildert werden können. Hier sind zwei wichtige<br />

Tipps, die Sie sich merken sollten: Durch die Verwendung einer größeren Blende<br />

wird der Weichzeichnungseffekt intensiviert, während durch die Überbelichtung<br />

um mindestens eine Blendenstufe Glanzlichter entfernt werden, wodurch der Effekt<br />

auch verbessert werden kann. Überlegen Sie auch genau, wo Sie die Fotos<br />

machen, und berücksichtigen Sie die Wetterbedingungen. Eine romantische Szene<br />

wirkt vor einer verregneten städtischen Kulisse nicht so überzeugend wie draußen<br />

auf dem Land bei strahlendem Sonnenschein. Suchen Sie nach Orten, die jeder mit<br />

Romantik verbindet wie Seen, Brücken oder Strände. Nehmen Sie vielleicht auch<br />

Requisiten wie Blumen in die Szene auf, und bitten Sie das Model, zu lächeln oder<br />

sehnsüchtig in die Ferne zu blicken. Also habe ich mein Model Hayley mit einem<br />

Blumenstrauß in der Hand in das Naturschutzgebiet Rutland Water entführt, um<br />

einige romantische Porträtaufnahmen zu machen.<br />

Damit es nicht in die Hose geht<br />

Der beliebte<br />

Cokin-Diffusor der P-Reihe<br />

mit zwei Filtern kostet<br />

etwa 17 Euro. Aber es gibt<br />

eine Reihe von billigeren<br />

Möglichkeiten, den<br />

Weichzeichnungseffekt zu<br />

erzielen. Einige Fotografen<br />

spannen eine<br />

Frauenstrumpfhose über<br />

das Objektiv, um das Bild<br />

weich zu zeichnen; allerdings ist diese Methode nicht<br />

immer ganz zuverlässig. Probieren Sie verschiedene<br />

Farben und Fadenstärken aus. Alternativ können Sie<br />

einem normalen Bild den Weichzeichnungseffekt auch<br />

nachträglich bei der Nachbearbeitung mit dem Filter<br />

Weiches Licht von Photoshop hinzufügen. Unten ist<br />

eine Aufnahme, die mit der Strumpfhose-über-dem-<br />

Objektiv-Technik gemacht wurde.<br />

Suchen Sie sich in aller Ruhe einen geeigneten Ort aus.<br />

1 Naturlandschaften unterstreichen das weiche, romantische Thema.<br />

Achten Sie also auf Seen, Küstenabschnitte und üppiges Gras. Wir sind an<br />

der Küste zufällig auf eine romantische Kapelle gestoßen, die es uns auch<br />

ermöglicht hat, nah ans Wasser zu kommen.<br />

Wählen Sie den Zeitautomatikmodus und eine breite Blendenöffnung<br />

2 (etwa f/4), um den Hintergrund unscharf zu machen und das Auge des<br />

Betrachters zum Model hin zu führen. Machen Sie einige Probeaufnahmen,<br />

damit sich das Model entspannt, bevor Sie den Weichzeichnungsfilter auf das<br />

Objektiv setzen.<br />

Fügen Sie den Weichzeichnungsfilter hinzu. Das Autofokussystem sollte normal<br />

3 funktionieren, und auch die <strong>Belichtung</strong> sollte nicht beeinträchtigt werden. Wenn Sie nah<br />

am Wasser oder an der Küste sind, halten Sie ein Mikrofasertuch bereit, um Spritzwasser<br />

abzuwischen. Probieren Sie unterschiedliche Blenden aus, um Ihre Lieblingseinstellung zu<br />

finden.<br />

Bitten Sie das Model, eine Pose einzunehmen. Wenn Ihnen die Komposition<br />

4 gefällt, machen Sie einige Probeaufnahmen. Nach der Durchsicht meiner<br />

Bilder komme ich zu dem Ergebnis, dass der Hintergrund zu sehr ablenkt. Also bitte<br />

ich Hayley, auf die andere Seite der Küste zu gehen, wo der Hintergrund klarer ist.<br />

56 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Fertiges Bild<br />

Wenn Sie mehrere Winkel ausprobiert<br />

und die Bilder heruntergeladen haben,<br />

können Sie in Photoshop die<br />

Gradationskurven noch verändern, um<br />

dem fertigen Bild ein wenig mehr<br />

Sättigung zu verleihen.<br />

Diese neue Stelle eignet sich besser, und der höhere Standpunkt ermöglicht es<br />

5 mir, die Reflexionen des Himmels im Wasser zu erfassen. Der ätherische Effekt<br />

muss aber noch stärker werden. Mit einer positiven <strong>Belichtung</strong>skorrektur gelangt<br />

mehr Licht auf den Sensor, sodass der Effekt deutlicher wird.<br />

Die <strong>Belichtung</strong>skorrektur wird normalerweise aktiviert, indem Sie eine Taste mit einem<br />

6 Plus- und Minuszeichen drücken und einen Wählschalter drehen. Ich habe -1EV<br />

hinzugefügt, um das Bild aufzuhellen und den Weichzeichnungseffekt zu verstärken.<br />

Außerdem habe ich einen kleinen goldenen Reflektor neben meinem Model platziert, um ein<br />

wenig Licht auf Hayleys Gesicht zu reflektieren.<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 57


Portraits<br />

>Jede Menge Spaß<br />

00 DIGITAL SLR PHOTOGRAPHY XXXXX 2011


Lassen Sie Kids strahlen<br />

>ZEIT: 30 MINUTEN >AUSRÜSTUNG: NIKON D700, NIKKOR 24-70 MM-OBJEKTIV, REFLEKTOR<br />

Ross Hoddinott: Freunde nehmen zuweilen an, da ich Profifotograf bin, seien<br />

unsere beiden kleinen Mädchen die am meisten fotografierten Kinder dieses Planeten.<br />

Tatsächlich verhält es sich aber so, dass ich regelmäßig Ärger mit meiner besseren<br />

Hälfte bekomme, weil sie nämlich der Auffassung ist, ich fotografierte die Kids nicht<br />

oft genug. Wenn Sie wie ich normalerweise nicht sehr oft Menschen fotografieren, kann es leicht<br />

passieren, dass man die eigene Familie vergisst, weil man immer mit irgendwelchen anderen<br />

Motiven beschäftigt ist. Leider verpasst man so nicht nur Gelegenheiten für Fotos, die man noch<br />

Jahre später mit Freude betrachten wird, sondern auch viele Gelegenheiten zur Kreativität und<br />

viel Spaß am <strong>Fotografie</strong>ren.<br />

Der Sommer ist wohl die beste Jahreszeit für schöne Kinderfotos. Die Sonne scheint, es sind<br />

Ferien. Die Tage am Strand oder auf dem Land bieten zahllose Möglichkeiten für farbenfrohe,<br />

interessante Bilder. So kam ich neulich auf den Gedanken, ein paar neue Portraitaufnahmen<br />

meiner älteren Tochter zu machen. Bei Fotos kleinerer Kinder braucht man oft eine helfende<br />

Hand, entweder um einen Reflektor zu halten oder um das Kind zu beschäftigen und<br />

abzulenken, während Sie fotografieren. Opa bot sich an, diesen Part zu übernehmen, und so<br />

machten wir uns mit der Kameraausrüstung auf zu einer nahe gelegenen Lichtung, wo wir<br />

hofften, die passende Umgebung vorzufinden…<br />

XXXXX 2011 DIGITAL SLR PHOTOGRAPHY 00


Portraits<br />

>Jede Menge Spaß<br />

Machen Sie es farbenfroh<br />

Helle, farbige Kleidung sorgt dafür,<br />

dass die Personen im Bild auffallen<br />

und ihm eine größere Wirkung<br />

verleihen.<br />

Es ist wichtig, eine genaue Vorstellung von dem Bild zu haben, dass Sie aufnehmen<br />

1wollen. Ich wollte Evie fotografieren, wie sie die Pollen von einer „Pusteblume“ blies,<br />

wobei die weg fliegenden Pollen natürlich im Bild zu sehen sein sollten. Nachdem das<br />

Einsammeln mehrerer Blumen schon viel Spaß gemacht hatte, stellte sich Evie so, das ich sie<br />

gegen den Himmel ablichten konnte. Ich dachte mir, dies sei ein schöner, einfacher<br />

Hintergrund. Dann schaltete ich die Kamera auf Blendenautomatik.<br />

Arbeiten mit Kindern<br />

Es wird gesagt, man solle nie mit Kindern<br />

arbeiten, aber das <strong>Fotografie</strong>ren von<br />

Kindern kann sehr viel Spaß machen. Sie<br />

müssen allerdings viel Geduld haben. Die<br />

Aufmerksamkeitsspanne kleinerer Kinder<br />

ist kurz, und sie tun oft genau das<br />

Gegenteil von dem, was ihnen gesagt<br />

wird. Sie wollen einfach nur ihren Spaß<br />

haben, also lassen Sie sie. Ermuntern Sie<br />

sie, herum zu rennen und zu spielen. Auf<br />

diese Weise können die Kinder ein wenig<br />

Energie ablassen, bevor Sie beginnen,<br />

und es könnten sich dabei schon ein paar<br />

Gelegenheiten für Schnappschüsse<br />

ergeben. Verwenden Sie eine längere<br />

Brennweite, um ihr Spiel und Gekasper<br />

einzufangen. Wenn sie ein wenig ruhiger<br />

geworden sind, können Sie die Sache<br />

organisierter angehen. Planen Sie im<br />

Voraus, sodass Sie schnell und effizient<br />

arbeiten können. Als erstes brauchen Sie<br />

eine genaue Vorstellung davon, welche<br />

Art Fotos Sie machen wollen. So haben<br />

Sie zumindest einen Anhaltspunkt, aber<br />

seien Sie trotzdem flexibel. Ein paar<br />

Requisiten – ein Ball, Luftballons etc.<br />

– sind hilfreich, denn Sie ziehen die<br />

Aufmerksamkeit der Kinder auf sich und<br />

machen Ihre Bilder interessanter.<br />

Um die fliegenden Pollen einzufangen, musste ich Evie aus einem seitlichen Winkel<br />

2heraus fotografieren. Um eine kurze Verschlusszeit und einen schmalen<br />

Schärfentiefebereich zu erhalten, benutzen Sie eine große Blende – ich nahm Blende 4 bei<br />

ISO 200. Mit der Sonne hinter ihr dachte ich, dies ergebe eine attraktive von hinten<br />

einfallende Beleuchtung ihres Haares, doch leider blieb das Gesicht im Schatten und die<br />

Details gingen verloren.<br />

Um die Schatten loszuwerden, brauchen Sie entweder einen Aufhellblitz oder einen<br />

3Reflektor. Ich entschied mich für einen silberfarbenen Reflektor, denn so kann man<br />

schon vorab dessen Effekt im Sucher überprüfen. Mein Vater hielt ihn in der richtigen<br />

Position und in einem solchen Winkel, dass das Licht auf die Seite von Evies Gesicht<br />

reflektiert wurde. Achten Sie bei Verwendung eines Reflektors darauf, dass das Licht nicht zu<br />

hell für die Augen der zu fotografierenden Person ist.<br />

60 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Das endgültige Bild<br />

Nach ein paar weiteren Versuchen<br />

kam ich schließlich genau zu der<br />

Aufnahme, die ich haben wollte.<br />

Evie und die Pollenkorb heben<br />

sich gut vom dunklen Hintergrund<br />

ab, und es sind genügend<br />

fliegende Pollen zu sehen, die die<br />

Aufnahme interessanter machen.<br />

Der Reflektor löste das Problem der hässlichen Schatten auf Evies Gesicht, und anhand<br />

4der Kontrolle der aufgenommenen Bilder auf dem LCD konnte ich sehen, dass die<br />

Ergebnisse besser waren und dass das Licht natürlich wirkte. Leider hob sich der Korb der<br />

„Pusteblume“ nicht gut gegen den hellen Himmel ab. Außerdem waren nicht genug Pollen<br />

im Bildausschnitt zu sehen, sodass deren Effekt der Bewegung verloren ging.<br />

Versuchen Sie einen dunkleren Hintergrund – ich veränderte Evies Position so, dass ein<br />

5 paar nahe stehende Bäume einen dunkleren Hintergrund ergaben. Das half, und die<br />

„Pusteblume“ trat nun stärker im Bild hervor. Außerdem schaltete ich die Kamera diesmal<br />

auf Serienbildfunktion. So konnte ich eine Schnappschuss-Serie erzeugen, wodurch die<br />

Chance, die fliegenden Pollen wie beabsichtigt ins Bild zu bekommen, wesentlich größer war.<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 61


4<br />

Ausgaben<br />

für<br />

35,- €!<br />

8<br />

Ausgaben<br />

für<br />

67,50 €!


Portraits<br />

>Gemischte Beleuchtung<br />

<br />

<br />

Vorhang auf für<br />

eine perfekte<br />

Portraitaufnahme<br />

> ZEIT: 45 MINUTEN > AUSRÜSTUNG: CANON EOS<br />

5D MKII MIT L-OBJEKTIV 24 – 70 MM F/2.8<br />

> AUSSERDEM VERWENDET: GARDINEN, BOWENS-<br />

STUDIOBLITZ 500 W MIT LICHTWANNE, LICHTMESSGERÄT<br />

Paul Ward: Viele Fotografen,<br />

mit denen ich spreche, unterliegen<br />

dem Irrglauben, dass die Bilder für<br />

eine gelungene Portraitaufnahme<br />

an einem aufwändig recherchierten Ort<br />

gemacht werden müssen. Einige Menschen<br />

sind immer auf der Suche nach stilvollen<br />

Zimmern oder mit Graffiti besprühten<br />

U-Bahn-Wänden. Aber Sie können<br />

professionell aussehende Portraitaufnahmen<br />

durchaus auch gemütlich bei sich zuhause<br />

machen – und Sie brauchen dafür nur<br />

Gardinen und Ihre Fotoausrüstung.<br />

Der ganze Trick besteht darin, die Gardinen<br />

mit natürlichem Licht überzubelichten,<br />

wodurch diese zu einem klaren, hellen<br />

weißen Hintergrund werden. Die richtige<br />

<strong>Belichtung</strong> der Models erfolgt mit dem<br />

Studioblitz. Durch große Fenster wird der<br />

Effekt intensiviert, und natürlich brauchen<br />

Sie auch ein bereitwilliges Model!<br />

XXXXX 2011 DIGITAL SLR PHOTOGRAPHY 00


Portraits<br />

>Gemischte Beleuchtung<br />

Zauber in Schwarzweiß<br />

Dieser Stil klarer, heller Bilder eignet sich<br />

ausgezeichnet für Schwarzweiß-<br />

Umwandlungen. Sie können die<br />

verschiedenen Methoden ausprobieren,<br />

die Photoshop für Schwarzweiß-<br />

Umwandlungen bietet, um<br />

herauszufinden, was Ihnen am besten<br />

gefällt. Ich habe mich für eine der<br />

einfachsten Methoden entschieden und<br />

mein Bild in Schwarzweiß umgewandelt,<br />

indem ich die Sättigung entfernt<br />

(Bild>Korrekturen>Farbton/Sättigung)<br />

und den Schieberegler nach links<br />

geschoben habe.<br />

Bitten Sie das Model, sich vor die Fenster zu stellen, und<br />

1drapieren Sie nötigenfalls die Gardine etwas um ihren Körper,<br />

um den guten Geschmack zu wahren. Machen Sie mit der Kamera<br />

im manuellen Modus einige Probeaufnahmen zur Überprüfung der<br />

<strong>Belichtung</strong>. Bei unserer <strong>Belichtung</strong>seinstellung von 1/80 s mit f/4<br />

(ISO 320) ist das Licht ziemlich flach, und das Model ist<br />

unterbelichtet. Also muss ich einige Anpassungen vornehmen.<br />

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie ich Licht auf das Model werfen<br />

2kann: Mit einem Reflektor, der Tageslicht zurückwirft, oder mit<br />

einem Blitz. Ich entscheide mich für die zweite Option und<br />

verwende einen Einzelblitzkopf mit einer Lichtwanne in einem<br />

45-Grad-Winkel zum Model. Diese Probeaufnahme wurde ohne<br />

Messung gemacht und ist daher stark überbelichtet, wodurch die<br />

Details in einem Großteil der Szene verloren gingen.<br />

Mit einem<br />

3Lichtmessgerät<br />

können Sie die richtige<br />

<strong>Belichtung</strong> ermitteln,<br />

wenn Sie mit einem<br />

Studioblitz arbeiten.<br />

Machen Sie eine<br />

Messung des Gesichts<br />

des Models, nicht des<br />

Fensters, da Sie ja das<br />

Gesicht richtig belichten<br />

möchten. Sie könnten<br />

auch das Histogramm<br />

auf dem<br />

LCD-Bildschirm<br />

verwenden und ein<br />

wenig<br />

herumexperimentieren,<br />

um ein ähnliches<br />

Ergebnis zu erzielen.<br />

Wählen Sie die vom<br />

4Lichtmessgerät<br />

angegebenen<br />

<strong>Belichtung</strong>seinstellungen.<br />

Mit meinem Studioblitz<br />

(mit einer Lichtwanne und<br />

einem Fernauslöser) links<br />

von der Kamera mache<br />

ich dann einige<br />

Probeaufnahmen, um zu<br />

sehen, wie die<br />

Aufnahmen mit den<br />

vorgeschlagenen<br />

<strong>Belichtung</strong>swerten<br />

werden.<br />

Das Lichtmessgerät und ein Studioblitz haben die richtigen<br />

5<strong>Belichtung</strong>seinstellungen geliefert, um die Gardine<br />

überzubelichten, aber auch die Schatten im Gesicht des Models zu<br />

entfernen. Jetzt gilt es, sich über die Komposition des Bildes<br />

Gedanken zu machen. Also bitte ich das Model, verschiedene Posen<br />

einzunehmen, um zu sehen, welche am besten aussieht.<br />

64 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Fertiges Bild<br />

Mit einer aussagekräftigen<br />

Pose des Models habe ich die<br />

Überbelichtung der Gardine<br />

gut mit der richtigen<br />

<strong>Belichtung</strong> des Models in<br />

Einklang gebracht. Eine<br />

gelungene Aufnahme ohne<br />

großen Aufwand!<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 65


Kreativprojekt<br />

>Vertikale Bewegungsunschärfe<br />

g<br />

Vier Jahreszeiten<br />

> ZEIT: NACH DER AUFNAHME: 30 MINUTEN > EQUIPMENT: PHOTOSHOP CS4<br />

Caroline Wilkinson: Jede Jahreszeit bietet neue<br />

Möglichkeiten, eindrucksvolle, farbenprächtige<br />

Landschaften zu fotografieren, seien es rubinrote<br />

Mohnblumen, sonnendurchfluteten Raps, mit<br />

orangefarbenen, sonnenverbrannten Blättern bedeckte Waldböden<br />

oder schwarz-weiß Szenen im Winter – an Gelegenheiten mangelt es<br />

nie. Es gibt zahllose Möglichkeiten, solch klassische Motive<br />

aufzunehmen, eines schöner als das andere, doch ich wollte einmal<br />

ein Technik ausprobieren, die meinen jahreszeitlichen Szenen einen<br />

frischen, künstlerischen Appeal verleihen würde. Ich habe schon<br />

„bewegte Landschaften“ versucht, wobei man die Kamera während<br />

der Aufnahme entlang einer horizontalen Küstenlinie schwenkt, um<br />

Farbstreifen zu erzeugen (siehe hierzu auch die Ausgabe des<br />

Leitfadens für Einsteiger, wenn Sie mehr über diese Technik wissen<br />

wollen), doch diesmal wollte ich heraus finden, ob das auch mit<br />

vertikalen Streifen funktioniert. Sie können eine ähnliche Technik mit<br />

Hilfe eines drei Wege Schwenk-Neigekopfes auf dem Stativ<br />

versuchen. Damit kann man in einer einzigen, fließenden Bewegung<br />

die Kamera auf und ab schwenken, doch dies verwischt das gesamte<br />

Bild, und ich möchte nur eine Hälfte des Bildes verwischen; und auch<br />

wenn Puristen nur den Kopf schütteln werden: Der Effekt viel besser<br />

zu steuern, und man erhält bessere Ergebnisse mit dem Photoshop<br />

Bewegungsunschärfe-Filter, und genau den werde ich hier<br />

verwenden.<br />

Nach einigem Experimentieren wurde mir klar, dass ich Bilder<br />

brauchte, deren Motive von oben bis unten detailliert abgebildet<br />

waren, sonst würde man später nicht unterscheiden können, welche<br />

Bildteile unscharf oder scharf sind. Landschaften und Wälder, deren<br />

Bäume die volle Höhe des Bildausschnitts ausfüllen, schienen die<br />

beste Wahl zu sein. Ich nahm aber zunächst ein paar Waldhyazinthen<br />

auf und durchsuchte anschließend meine Festplatte nach passenden<br />

Bildern, die Sommer, Herbst und Winter repräsentieren konnten.<br />

66 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 67


Kreativprojekt<br />

>Vertikale Bewegungsunschärfe<br />

g<br />

Öffnen Sie das erste Bild in Photoshop und duplizieren Sie es durch einen Klick auf die<br />

1 Hintergrund-Ebene in der Ebenen-Palette und anschließendes Aufrufen von<br />

Ebene>Ebene duplizieren oder durch Ziehen der Hintergrund-Ebene auf das Ikon „Neue<br />

Ebene“ an der Unterkante der Palette. Von nun an arbeiten Sie nur noch mit dieser<br />

duplizierten Ebene und rühren das Originalbild nicht mehr an.<br />

Wählen Sie die neue Ebene aus und klicken Sie auf Filter>Unschärfe>Bewegungsunsc<br />

2 härfe, um das Dialogfeld des Filters zu öffnen. Da Sie eine vertikale Unschärfe erzeugen<br />

wollen, stellen Sie den Winkel auf 90 Grad ein, entweder durch Eintippen oder Bewegen der<br />

Winkelsteuerung. Sie werden bemerken, dass sich beim Klicken und Ziehen der<br />

Winkelsteuerung die Richtung der Unschärfe in der <strong>Vorschau</strong> ändert.<br />

zu viel<br />

Nun fügen Sie dem unscharfen Bild eine Ebenenmaske hinzu, indem Sie zuerst auf die<br />

4 Bildebene klicken und anschließend auf das Ikon „Ebenenmaske hinzufügen“ unten in<br />

der Ebenenpalette klicken. Es erscheint ein weißes Texteingabefeld in der Ebenenpalette<br />

neben dem Bild. Dann wählen Sie das Gradientenwerkzeug aus dem Werkzeugkasten oder<br />

Sie drücken „G“.<br />

besser<br />

Passen Sie mit dem Entfernungsschieberegler die Stärke des Unschärfe-Effekts an.<br />

3 Der untere Teil des Bildes muss sehr unscharf sein, doch nicht so stark, dass die<br />

Objekte zu langgezogen und dadurch unkenntlich werden. Der Wert wird für jedes Bild<br />

anders sein, ich habe hier bei 409 Pixeln aufgehört. Wenn Sie mit Ihrer Einstellung<br />

zufrieden sind, klicken Sie auf OK.<br />

Mit dem Gradientenwerkzeug und der ausgewählten Ebenenmaske (es erscheinen<br />

5 schwarze Linien um die Ecken der Maske, wenn diese aktiviert ist) gehen Sie nun<br />

auf das Bild, und ein kreuzförmiger Cursor erscheint. Klicken Sie ganz oben auf das Bild<br />

und ziehen Sie den Cursor nach unten an den Punkt, an dem die Unschärfe beginnen<br />

soll.<br />

68 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Fertige Bilder<br />

Drucken Sie die Bilder aus<br />

und rahmen Sie sie ein. Auch<br />

ein Druck auf Leinen oder<br />

Aufbringen auf Acryl machen<br />

sich gut.<br />

Sie haben jetzt einen Gradienten in der Ebenenmaske erstellt, mit dessen Hilfe<br />

6 sich die Unschärfe durch Ihr Bild zieht. Sie können die Gradation ändern,<br />

indem Sie hinein klicken und vertikal durchs Bild ziehen. Die Bilder sehen am<br />

besten aus, wenn die Unschärfe unten stärker ist als oben.<br />

Wiederholen Sie die Schritte eins bis sechs für die anderen drei Bilder ihrer Auswahl. Ich<br />

7 habe eine farbenfrohe Herbstlandschaft genommen, für den Sommer eine Aufnahme<br />

von in hellem Sonnenlicht stehenden Bäumen und ein schwarz-weiß Bild eines<br />

schneebedeckten Waldes für den Winter. Die Bilder sehen einzeln schon sehr gut aus, aber<br />

erst die Kombination ist wirklich beeindruckend.<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 69


Kreativprojekt > HDR mit Photomatix<br />

Göttliche Inspiration<br />

> ZEITAUFWAND: ZWEI STUNDEN ( PLUS 20 MINUTEN NACHBEARBEITUNG)<br />

> AUSRÜSTUNG: CANON EOS 7D MIT SIGMA 18-55 MM F/2,8-OBJEKTIV, STATIV<br />

> AUSSERDEM: FERNAUSLÖSER, BLENDE 3, PHOTOMATIX<br />

Matty Graham: Ich sage es ganz offen: Ich bin<br />

HDR-süchtig! Egal, was ich fotografiere, seien es Autos,<br />

Landschaften oder Architektur, ich nehme mir immer die<br />

Zeit, noch ein paar Aufnahmen zu machen, die ich dann zu<br />

einem High Dynamic Range-Foto (HDR) kombiniere. Dadurch habe<br />

ich gelernt, dass HDR-Bilder nicht für jedes Motiv geeignet sind. Fotos<br />

von Menschen und Bewegung profitieren nicht so stark von<br />

verbesserten Farben und hervorgehobenen Strukturen wie<br />

Landschafts- oder Architekturfotos. Schauplätze wie Kirchen und<br />

Kathedralen jedoch garantieren für atemberaubende HDR-Bilder. Ihre<br />

Mischung aus steinernen Säulen, Holzdecken, gefliesten Böden und<br />

Buntglasfenstern ist für jeden Fotografen nur schwer in einem einzigen<br />

Bild mit korrekter <strong>Belichtung</strong> einzufangen. Hier kommt HDR ins Spiel.<br />

Die HDR-Technik kombiniert mehrere Aufnahmen der gleichen Szene,<br />

die mit unterschiedlichen Verschlusszeiten aufgenommen wurden und<br />

so Schatten und Schlaglichter einfangen und als Kombination aller<br />

vorherigen Aufnahmen ein Ergebnisbild produzieren. HDR-Bilder<br />

können in Photoshop zusammengefügt werden. Für bessere<br />

Ergebnisse kann man aber auch ein Plug-In von einem Drittanbieter<br />

wie Photomatix verwenden. Die Bilder sind zumeist sehr satt und<br />

intensiv.<br />

Für mein persönliches Projekt zog ich mit meiner Kamera und einem<br />

Stativ auf dem Rücken los zu der beeindruckenden Kathedrale von<br />

Peterborough, um dieses überwältigende Gebäude in voller<br />

HDR-Pracht einzufangen. Einige Einrichtungen, darunter auch die<br />

Kathedrale von Peterborough bitten Fotografen um eine kleine<br />

Spende. Ich finde das völlig in Ordnung, zumal es bedeutet, dass ich<br />

stundenlang umhergehen, meine Ausrüstung aufbauen, die<br />

Atmosphäre genießen und meiner Leidenschaft für HDR frönen<br />

konnte. Mit voll aufgeladenen Batterien und einer Handvoll leerer<br />

Speicherkarten betete ich um ein paar gute Aufnahmen …<br />

00 DIGITAL SLR PHOTOGRAPHY JANUARY 2011


JANUARY 2011 DIGITAL SLR PHOTOGRAPHY 00


Kreativprojekt<br />

>HDR mit Photomatix<br />

Wenn Sie an Ihrem Schauplatz angekommen sind und<br />

1sich für einen Kamerawinkel entschieden haben, stellen<br />

Sie Ihr Stativ auf und befestigen die Kamera darauf.<br />

Installieren Sie einen Fernauslöser oder benutzen den<br />

Selbstauslöser, denn viele Ihrer Aufnahmen werden eine<br />

relativ lange <strong>Belichtung</strong>szeit benötigen, und dadurch können<br />

Sie das Risiko von Verwacklungsunschärfe vermeiden.<br />

Stellen Sie die Kamera auf manuellen Modus ein, dann<br />

2öffnen Sie das Menu der Kamera und wählen die Option<br />

AEB (Automatische <strong>Belichtung</strong>sreihen). Nun können Sie<br />

auswählen, wie viele Rasten mehr oder weniger als die<br />

normale <strong>Belichtung</strong> die zweite und dritte Aufnahme der<br />

Sequenz haben sollen. Ich entscheide mich für zwei Rasten.<br />

HDR software<br />

Es gibt eine ganze Menge HDR Software auf<br />

dem Markt. Wenn Sie nur gelegentlich mit<br />

HDR arbeiten wollen, ist eine billigere Version<br />

die beste Wahl. Unterschätzen Sie jedoch<br />

nicht die Suchtgefahr, die von dieser Technik<br />

ausgeht!<br />

Photoshop Elements 9 (99 Euro)<br />

www.adobe.de<br />

Photomatix Light (29 Euro)<br />

www.hdrsoft.com/de<br />

Aperture plug-in (199 Euro)<br />

www.apple.com/de<br />

EasyHDR (35 Euro)<br />

www.easyhdr.com<br />

Wählen Sie eine Blende um f/14 (ISO 100), um jede<br />

3Menge Schärfentiefe zu erzeugen. Bringen Sie die<br />

mittlere Messlinie auf eine Linie mit der Mitte Ihrer<br />

Messleiste, um eine korrekte <strong>Belichtung</strong> für das<br />

Ausgangsbild zu gewährleisten. Kontrollieren Sie außerdem,<br />

ob die Kamera gerade steht. DSLRs wie die EOS 7D haben<br />

eine elektronische Wasserwaage.<br />

Zu Hause am<br />

5Computer laden Sie<br />

die Bilder von Ihrer<br />

Speicherkarte herunter.<br />

Wählen Sie die drei<br />

Dateien aus, die Sie<br />

bearbeiten möchten (die<br />

korrekt belichtete, die<br />

unterbelichtete und die<br />

überbelichtete Aufnahme),<br />

und importieren Sie diese<br />

in die HDR-Software. Nun<br />

wählen Sie die drei Bilder<br />

aus, die Sie miteinander<br />

kombinieren möchten, und<br />

klicken Sie dann auf Fotos<br />

> Bearbeiten mit ><br />

Photomatix.<br />

Um sicherzustellen, dass der Fokus sich zwischen den<br />

4 einzelnen Aufnahmen nicht verändert, suchen Sie den<br />

Fokuspunkt, und schalten Sie dann um auf manuellen<br />

Fokus. Benutzen Sie den Fernauslöser, um drei Aufnahmen<br />

in schneller Folge auszulösen. Wenn Sie keinen haben,<br />

stellen Sie den Selbstauslöser der Kamera ein. Er wird alle<br />

drei Aufnahmen in schneller Folge auslösen.<br />

Überwinden Sie die Konvergenz<br />

Architekturfotos leiden oftmals unter konvergierenden<br />

vertikalen Linien, wenn sie mit nach oben oder unten<br />

gerichteten Weitwinkelobjektiven aufgenommen wurden,<br />

und wenn die Kamera relativ nahe an einem Objekt wie<br />

einem hohen Gebäude ist. Das Problem entsteht, weil der<br />

Blickwinkel durch die Objektivperspektive überspitzt wird.<br />

Das führt dazu, dass die parallelen Linien des Gebäudes<br />

scheinbar aufeinander zulaufen. Das Problem lässt sich<br />

lösen, indem man weiter vom Gebäude weg geht und die<br />

Kamera gerade hält, aber das ist nicht immer möglich. Mit<br />

einfachen Photoshop Optionen wie dem Werkzeug<br />

Verkrümmen oder dem Filter Korrigieren von<br />

Objektivverzerrung kann man ein Bild korrigieren.<br />

Nun erscheint ein Dialogfeld, mit dessen Hilfe Sie die Aufnahme im Detail bearbeiten<br />

6können, von der Leuchtkraft und Farbsättigung des Bildes bis hin zum Kontrast und der<br />

Gleichmäßigkeit der Bildkombination. Jedes Bild ist einzigartig, und Sie sollten sich Zeit zum<br />

Experimentieren nehmen, bis Sie die Einstellungen gefunden haben, die für Ihr Bild und für<br />

Ihren Geschmack am besten funktionieren.<br />

Nachdem Sie auf OK geklickt haben, können Sie die Datei auf Ihren Desktop exportieren<br />

7(Datei > exportieren), und um das Foto noch weiter zu bearbeiten, können Sie es in<br />

Photoshop öffnen. Wenn die Säulen von Kathedralen mit Weitwinkelobjektiven<br />

aufgenommen werden, leiden die Bilder oftmals unter Konvergenz. Um dies auszugleichen,<br />

duplizieren Sie die Ebene und ziehen Sie dann mit dem Werkzeug Verkrümmen (Bearbeiten<br />

> Transformieren > Verkrümmen) die Säulen gerade.<br />

72 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Fertiges Bild<br />

Halleluja! Ich habe ein tolles<br />

Foto, das ich ausdrucken und in<br />

mein Portfolio laden kann.


Leitfaden für Einsteiger<br />

Brechen Sie die Regeln!<br />

PORTRAITS<br />

DIESEN MONAT RUFEN WIR IHNEN IN UNSEREM RATGEBER FÜR EINSTEIGER NOCH<br />

EINMAL DIE REGEL FÜR TOLLE PORTRAITAUFNAHMEN IN ERINNERUNG.<br />

ANSCHLIESSEND WERDEN WIR SIE DAZU AUFFORDERN, SIE ABSICHTLICH ZU<br />

BRECHEN.<br />

BEVOR MAN DIE REGELN BRECHEN KANN, muss man sie<br />

kennen. Das ist in jeder Disziplin dasselbe. Allen großen Autoren<br />

wurde beigebracht, dass man einen Satz nicht mit ‚und‘ oder<br />

‚aber‘ beginnt. Und meistens tun sie das auch nicht. Aber wenn<br />

sie es tun, dann hat es einen Effekt, weil es beachtet wird. Das ist<br />

der beabsichtigte Effekt und dieser Ansatz greift auch bei der<br />

<strong>Fotografie</strong>.<br />

Mit dem Rat, die Regeln zu brechen, möchte unser Ratgeber für<br />

Anfänger Sie an die fundamentalen Richtlinien erinnern, die wir<br />

normalerweise propagieren würden, damit Sie bessere<br />

Aufnahmen machen. Anschließend wird er Sie ermutigen, Sie<br />

nicht zu beachten. Auf diese Weise werden Sie hoffentlich daran<br />

denken, wie wichtig Augenkontakt für ein erfolgreiches Portrait<br />

ist, wenn Sie ein Portrait ohne Augenkontrakt bewundern. Bevor<br />

Sie aufregende Risiken mit einem Weitwinkelobjektiv eingehen,<br />

werden Sie die relative Sicherheit eines kleinen Teleobjektivs mit<br />

seiner schmeichelhaften Perspektive und seiner niedrigen<br />

Schärfentiefe genießen.<br />

Es sollte sich unangenehm anfühlen, die Regeln zu brechen.<br />

Wenn Sie sich dabei nicht unwohl fühlen, sind sie einfach nur<br />

nachlässig. Wenn Sie nicht sorgfältig arbeiten, werden Sie keinen<br />

Erfolg haben.<br />

Kreative Bilder entstehen aus Experimenten und dem<br />

Ausprobieren neuer Ideen, Stilrichtungen und Blickwinkel, und<br />

mit etwas Glück entsteht daraus ein gewagtes und erfrischendes<br />

Bild.<br />

Die Regeln brechen bedeutet nicht dasselbe wie „alles geht“.<br />

Okay, es wird immer Zufälle geben, bei denen ein nachlässiger<br />

Fotograf ganz einfach Glück gehabt hat. Wenn Sie Ihre Arbeit<br />

dem Zufall überlassen möchten, dann viel Glück. Uns wäre es<br />

lieber, Sie behielten die Kontrolle und wären in der Lage,<br />

vorherzusehen, welchen Effekt und welche Dramatik Sie mit<br />

unkonventionellen Bildausschnitten, Blickwinkeln,<br />

Ausleuchtungen und Perspektiven erzielen können. Dafür<br />

müssen Sie aber wissen, welcher der konventionelle Weg ist.<br />

Denken Sie daran, dass man Ihnen leicht auf die Schliche<br />

kommen kann. Wenn Sie also ohne die angemessene Sorgfalt<br />

und Aufmerksamkeit fotografiert haben, müssen Sie etwas mehr<br />

zu bieten haben als ein lahmes „Tut mir leid, ich wusste nicht,<br />

was ich tue“. Dann ist es schon besser, wenn Sie absichtlich<br />

etwas wirklich Erstaunliches geschaffen haben und wenn Ihr<br />

kleines Vergehen bewundert anstatt abfällig beurteilt wird.


Leitfaden für Einsteiger<br />

>Die Regeln brechen >Reflexlicht<br />

Reflexlicht auf Außenportraits<br />

Profifotograf Paul Ward zeigt, wie gut es einem Portrait bekommen kann, wenn<br />

man die Sonne auf das Bild übergreifen lässt, um etwas Reflexlicht hinzuzufügen.<br />

NICHTS SPALTET DIE GEMÜTER SO SEHR WIE<br />

BLENDENFLECKE. Manche Fotografen lieben sie,<br />

andere hassen sie geradezu und unternehmen alles<br />

Mögliche, um sie zu vermeiden. Blendenflecke<br />

entstehen, wenn Licht direkt in ein Objektiv fällt und von<br />

dessen Glaselementen reflektiert wird. Das hat<br />

gewöhnlich einen von zwei Effekten: Es bleicht die<br />

Farben aus, überzieht alles mit einem Dunstschleier und<br />

reduziert so den Kontrast oder es produziert Farbringe die<br />

sich von der Sonne ausgehend quer über den<br />

Bildausschnitt ziehen. Das lässt sich vermeiden, indem<br />

man eine Gegenlichtblende verwendet oder mit der<br />

Sonne im Rücken fotografiert. Aber die Hersteller von<br />

Objektiven haben inzwischen so effektive<br />

Objektivbeschichtungen entwickelt, dass es mit<br />

manchen Objektiven schon schwierig wird,<br />

Blendenflecke zu erzeugen. Wenn Sie Schwierigkeiten<br />

haben, probieren Sie es doch einmal mit einem älteren,<br />

unbeschichteten Objektiv. Manuell fokussierbare<br />

Objektive von guter Qualität sind gebraucht schon für<br />

wenig Geld erhältlich. Blendenflecke können, abhängig<br />

von der Art des Objektivs, auch unterschiedlich ausfallen:<br />

Reflexe von einem Zoom sehen ganz anders aus, als die<br />

von einem Objektiv mit fester Brennweite. Sie sollten also<br />

etwas herumprobieren.<br />

Wenn Sie die Zeitautomatik mit Blendenvorwahl<br />

verwenden, werden Sie feststellen, dass sich Ihre<br />

<strong>Belichtung</strong>szeit mit jedem Positionswechsel verändert.<br />

Dies können Sie vermeiden, indem Sie in manuellem<br />

Modus arbeiten, aber für den Augenblick zeigt Ihnen<br />

Profifotograf Paul Ward, wie Sie diesen stylischen Look<br />

beim <strong>Fotografie</strong>ren in Zeitautomatik mit Blendenvorwahl<br />

hinkriegen. Machen Sie ein Testfoto mit einer Blende<br />

zwischen f/3,5 und f/5,6, um eine geringe Schärfentiefe<br />

zu erreichen. Der Trick daran ist, das Modell vor der<br />

Sonne zu positionieren. Je nachdem, wie hoch die Sonne<br />

am Himmel steht, könnte es erforderlich sein, dass Sie<br />

sich hinknien und aus einem niedrigeren Blickwinkel<br />

fotografieren als gewöhnlich. Der Winter oder der frühe<br />

Morgen oder Abend sind perfekt, weil die Sonne dann nie<br />

so hoch am Himmel steht. Fast jedes Objektiv erzeugt<br />

Reflexe, wenn es in die ungefähre Richtung der Sonne<br />

gehalten wird, aber man braucht die richtige Art Objektiv,<br />

um die Blendenflecke zu erzeugen, die das von Modeund<br />

Portraitfotografen gewünschte, stylische Finish<br />

verleihen.<br />

kein Reflex<br />

Ältere Objektive können<br />

Reflexlichter erzeugen<br />

Ältere Objektive erzeugen oft bessere Reflexlichter,<br />

weil sie nicht mit einer Beschichtung versehen sind,<br />

die dies verhindert. Wenn Sie glücklicher Besitzer einer<br />

brandneuen Ausrüstung sind, die in dieser Hinsicht<br />

nicht besonders effektiv ist, schauen Sie sich bei eBay<br />

nach einem Objektivadapter um. Dann können Sie<br />

sich ein älteres Objektiv kaufen und an Ihrer Kamera<br />

anbringen. Paul Ward hat sich einen „M42“-Adapter für<br />

Canon und ein 28-mm-Vivitar-Objektiv für jeweils unter<br />

17 Euro gekauft. Flohmärkte und Secondhand-Läden<br />

sind ebenfalls gute Möglichkeiten, an ein günstiges<br />

Objektiv zu kommen.<br />

zu viel<br />

Schritt 1 Da Ihr Motiv von hinten angestrahlt wird, ist zu erwarten, dass das<br />

Multizonen-Messsystem Ihrer Kamera ein unterbelichtetes Bild liefern wird. Sie können eine<br />

positive <strong>Belichtung</strong>skorrektur vornehmen, aber es gibt noch eine andere Option. Ein<br />

Reflektor bietet eine einfache und effektive Möglichkeit, die Strahlen der Sonne auf das<br />

Gesicht Ihres Modells zurückzuwerfen. Ein goldener Reflektor gibt ein wärmeres Licht als ein<br />

silberner oder weißer Reflektor und passt somit besser zu dieser Technik. Wenn das Modell<br />

die Augen zusammenkneift, lassen Sie es die Augen schließen und erst kurz vor dem<br />

Auslösen wieder öffnen.<br />

Schritt 2 Mit dem Autofokus zu arbeiten, wenn die Sonne im Bildausschnitt ist, kann<br />

schwierig werden, weil dadurch ein Mangel an Kontrast entsteht. Um dem zu entgehen, benutzen<br />

Sie Ihr Modell, um die Sonne verdecken, fokussieren Sie, halten Sie den Auslöser halb gedrückt,<br />

um die Fokussierung einzufrieren, und gehen Sie dann einen Schritt zur Seite, so dass die Sonne<br />

wieder im Bildausschnitt ist. Dadurch kann natürlich Ihre <strong>Belichtung</strong>szeit durcheinander geraten,<br />

es erfordert also ein wenig Ausprobieren. Je nachdem, wo im Bildausschnitt die Sonne ist, kann<br />

zu viel Reflexlicht produziert werden, was wiederum die Schlaglichter undifferenziert erscheinen<br />

lässt. Seien Sie also geduldig, und versuchen Sie es weiter.<br />

24-70 mm 28 mm<br />

Schritt 3 Wenn das Ergebnis zu hell erscheint, wählen Sie einige Rasten negativer<br />

<strong>Belichtung</strong>skorrektur, oder lassen Sie nicht ganz so viel Sonne in den Bildausschnitt fallen.<br />

Wenn die Bilder zu dunkel sind, Sie aber genau so viel Sonne im Bildausschnitt haben, wie<br />

Sie möchten, wählen Sie einige Rasten positiver <strong>Belichtung</strong>skorrektur. Für dieses Bild, bei<br />

dem die Sonne gerade eben hinter dem Kopf des Modells hervorschaut, habe ich zwei Rasten<br />

positiver <strong>Belichtung</strong>skorrektur gewählt, um das Bild überzubelichten. Das war allerdings<br />

etwas zu viel. Für die nächsten Fotos versuche ich, die gleiche Position wieder einzunehmen<br />

und nur eine Raste positiver <strong>Belichtung</strong>skorrektur zu verwenden.<br />

Schritt 4 Mein Canon EF 24-70 mm f/2,8L USM-Objektiv blockiert Reflexlicht so<br />

effizient, dass ich Probleme habe, irgendwelche Blendenflecke ins Bild zu bekommen. Alles,<br />

was ich bekomme, ist der Dunstschleier. Je mehr ich das Foto überbelichte, umso mehr<br />

weiße Reflexstreifen ziehen sich über das Gesicht meines Modells. Das ist nicht der Effekt,<br />

den ich mir vorgestellt hatte. Also wechsele ich zu meinem neuen, 20 Jahre alten<br />

28-mm-Vivitar-Objektiv ohne Antireflexbeschichtung. Mal sehen, ob das die Aufgabe besser<br />

erledigt. Das Modell geht wieder in die gleiche Position, und ich mache eine weitere<br />

Aufnahme. Diesmal erhalte ich ein paar tolle Blendenflecke, die sich quer über das Bild<br />

ziehen und ihm den stylischen Effekt verleihen, den ich haben wollte.<br />

76 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Beginner’s Guide<br />

DIE POSITION DER SONNE<br />

Xxxxxx< Xxxxxx<<br />

Wenn man Reflexlicht richtig hinkriegen will, muss man<br />

in die Sonne fotografieren und diese auch im<br />

Bildausschnitt oder zumindest dicht daneben haben,<br />

um den verwaschenen Look zu bekommen. An leicht<br />

bewölkten Tagen wirkt das Licht weicher und wenn die<br />

Sonne komplett von den Wolken verdeckt ist, erhält<br />

man kein Reflexlicht, sondern nur einen ausgebleichten<br />

Hintergrund.<br />

Fertiges Bild<br />

In diesem Bild ist das Reflexlicht<br />

wunderbar ausbalanciert. Die<br />

Blendenflecke sind ebenso<br />

vorhanden, wie der leicht<br />

verwaschene Effekt, der dem Bild<br />

den stylischen, frühlingshaften<br />

Effekt verleiht.<br />

XXXXX 2011 DIGITAL SLR PHOTOGRAPHY 00


Leitfaden für Einsteiger<br />

>Die Regeln brechen >Die Kamera neigen<br />

Verbiegen Sie sich für kreativere Portraitaufnahmen<br />

Lernen Sie, wie Sie von der Regel, dass die Linien eines Bildes genau waagrecht und senkrecht sein<br />

müssen, abweichen dürfen – und trotzdem perfekte Portraitaufnahmen mit dem gewissen Etwas machen.<br />

WIR MÖGEN ES GERNE, WENN ALLES IM LOT IST. Das Bild an der Wand muss gerade<br />

gerückt werden, das Besteck muss „genau so“ eingeräumt werden, und das schräge<br />

Gartenhäuschen kann schlaflose Nächte bereiten. Wir lieben rechte Winkel – nach oben,<br />

nach unten und quer. Akkurate deutsche Felder, keine zusammenlaufenden Senkrechten<br />

und horizontalen Sonnenuntergänge.<br />

Wenn wir also Elemente im rechtwinkligen Rahmen eines Kamerasuchers anordnen,<br />

versuchen wir automatisch, alles waagerecht auszurichten. Linien und Kanten, die in der<br />

realen Welt waagerecht sind, würden im Rahmen unseres Suchers parallel zur Ober- und<br />

Unterseite verlaufen. Alles, was senkrecht ist, folgt den Seitenlinien. Das ist ordentlich, das<br />

ist aufgeräumt. So sollte es sein. Und jetzt widerstehen Sie diesem Drang! <strong>Fotografie</strong>ren<br />

Sie nur einmal – oder einige Male – mit einem gewissen Dreh! Gehen Sie an eine<br />

Portraitaufnahme einmal aus einem anderen Winkel heran, und Sie werden mit einer ganz<br />

neuen Perspektive belohnt.<br />

Diese Kompositionskonvention über den Haufen zu werfen, ist wahrscheinlich die<br />

einfachste Art, Regeln zu brechen – und ganz schnell wieder rückgängig zu machen. Es<br />

dauert eine Sekunde, die Kamera zu drehen und das Bild dann zu korrigieren, wenn Sie<br />

dies möchten. Was haben Sie also zu verlieren? Suchen Sie sich Szenen mit ausgeprägten<br />

waagerechten und senkrechten Linien aus. Dann entscheiden Sie, wie stark die Neigung<br />

im Verhältnis zum Motiv sein soll, indem Sie die Tiefenschärfe und den Neigungswinkel<br />

festlegen.<br />

Auf diese Weise erhalten Sie längere Diagonalen, die Ihrem Bild mehr Höhe, aber auch ein<br />

Gefühl stärkerer Intensität und Energie verleihen und verhindern, dass die Komposition<br />

statisch aussieht. Gut, es kann möglicherweise eine tief in Ihnen verborgene und bisher<br />

unter Kontrolle gehaltene Zwangsneurose zum Ausbruch bringen, aber kämpfen Sie gegen<br />

dieses Bedürfnis an. Schalten Sie das Kompositionsraster im Sucher aus, werfen Sie die<br />

Wasserwaage auf Ihrem Stativ weg, und machen Sie echt schräge Fotos.<br />

Auffallend oder dezent?<br />

Vergleichen Sie das Hauptbild des Mädchens rechts mit<br />

dem mit den beiden springenden Mädchen unten.<br />

Das Bild mit den kleinen Mädchen sieht nur wegen<br />

der Neigung so toll aus. Ohne den Winkel wäre es ein<br />

gutes, aber relativ statisches Actionfoto. Die Neigung von<br />

fast 30 Grad verleiht ihm Energie und unterstreicht die<br />

Bewegung der Models und macht auf diese Weise ein<br />

außergewöhnliches Bild daraus.<br />

Die Neigung in dem Bild rechts ist viel dezenter. Ein<br />

ungeschultes Auge würde den Winkel möglicherweise gar<br />

nicht erkennen, weil das verräterische Mauerwerk unscharf<br />

ist. Aber der Winkel von etwa 15 Grad reicht noch aus,<br />

um aus der guten Porträtaufnahme eine hervorragende zu<br />

machen, indem zu einer Kopf-/Schulteraufnahme noch ein<br />

gewisses, interessantes Etwas hinzugefügt wird. Allerdings<br />

reichen beide hier gezeigten Beispiele weit über das hinaus,<br />

was versehentlich produziert werden kann, auch wenn<br />

dies auf den ersten Blick vielleicht nicht offensichtlich<br />

sein mag. Sie müssen schon ausgesprochen unvorsichtig<br />

sein, um versehentlich mit einer Abweichung von 15<br />

Grad von der Horizontalen zu fotografieren. Das scheint<br />

also das Geheimnis zu sein, das hinter dem Erfolg dieser<br />

unorthodoxen Technik steckt: Seien Sie ein wohl überlegter<br />

Draufgänger!<br />

Schritt 1 Das Bild oben ist eine nette Aufnahme eines attraktiven Models und würde als<br />

einfacher Schnappschuss durchgehen. Wenn Sie aus diesem Bild jedoch eine eindrucksvolle<br />

Porträtaufnahme machen möchten, müssen Sie sich ein wenig mehr Zeit nehmen und<br />

dürfen sich nicht scheuen, Regeln zu brechen. Der Hintergrund ist mit Gras, Blumen und<br />

dem ganzen Mauerwerk des Gebäudes ziemlich unübersichtlich. Außerdem ist die<br />

Komposition zu breit geraten.<br />

Schritt 2 Wenn Sie mit einem Teleobjektiv ein wenig näher rangehen, gewinnt das Bild<br />

dadurch, weil der Hintergrund komprimiert wird. Und eine große Blende (f/4) macht ihn<br />

unscharf, sodass die gesamte Aufmerksamkeit des Betrachters auf unser Model gerichtet<br />

wird. Aber mit dem Bild werden noch keine Regeln gebrochen. Obwohl die Pose des Models<br />

nett und entspannt ist, sieht die Aufnahme irgendwie statisch aus und kann noch ein wenig<br />

mehr Dynamik vertragen.<br />

Schritt 3 Hier kann das Schräghalten der Kamera eine gute Idee sein. Obwohl die<br />

Brennweite, die Blende und die Gesamtpose des Models unverändert geblieben sind, hat der<br />

leicht freche Winkel, der durch eine geringfügige Neigung der Kamera entstanden ist, dem<br />

Porträt eine ganz andere Energie verliehen. Die strengen senkrechten Linien heben die<br />

Neigung hervor, aber die Säulen sehen aus, als würden sie zu ihr hin kippen.<br />

78 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Leitfaden für Einsteiger<br />

Die Kamera neigen< Die Regeln brechen<<br />

Fertiges Bild<br />

Wir haben eine Neigung von immerhin 15 Grad<br />

zu einem dezenten Effekt gemacht, indem wir die<br />

Säulen nur noch unscharf darstellen und das Bild<br />

näher zum Gesicht des Models hin zuschneiden.<br />

Der Betrachter bemerkt die Neigung, da die<br />

Porträtaufnahme dadurch dynamischer,<br />

allerdings nicht erdrückend wirkt. Der Erfolg liegt<br />

hier in der Unaufdringlichkeit.<br />

FOTOS MIT DREH<br />

Eine auffällige Bildneigung könnte zu Ihrem<br />

Markenzeichen werden. Es ist ganz einfach, jeder<br />

Bildidee ihren eigenen Dreh zu geben. Warum<br />

sollten Sie diese Technik also nicht andauernd<br />

einsetzen? Sie können sie natürlich auch für die<br />

Fotos aufsparen, bei denen nichts anderes mehr<br />

funktioniert, um eine Porträtaufnahme ein wenig<br />

dynamischer zu machen.<br />

Schritt 4 Wenn das Bild noch mehr zugeschnitten wird, kommt unser Model noch besser<br />

zur Geltung, indem der Hintergrund noch unschärfer wird und noch mehr von dem störenden<br />

Mauerwerk wegfällt. Auch wenn wir mit der Neigung einige Regeln gebrochen haben,<br />

befindet sich unser Model immer noch auf einem überschneidenden Drittel. Hätten wir das<br />

Model zu weit seitlich im Rahmen platziert, wäre die Ausgewogenheit des Bildes verloren<br />

gegangen.<br />

Schritt 5 Als letzten Schliff haben wir die Kamera in die gegenüberliegende Richtung<br />

geneigt, damit die Säulen so aussehen, als würden sie vom Model weg anstatt zu ihr hin zu<br />

kippen. Die beste Übung besteht darin, alle Arten von Winkeln auszuprobieren, um<br />

herauszufinden, was sich für das Model und die Szene am besten eignet. Im Gegensatz zu<br />

Film kosten digitale Dateien nichts. <strong>Fotografie</strong>ren Sie also drauf los, und füllen Sie die<br />

Speicherkarten mit Ihren Bildern.<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 79


Leitfaden für Einsteiger<br />

>Die Regeln brechen >Ungewöhnliche Zuschnitte<br />

Machen Sie Bilder mit dem<br />

kreativen Zuschnitt<br />

Werfen Sie das Regelbuch aus dem Fenster, und seien Sie<br />

experimentierfreudig. Wir zeigen Ihnen, wie Sie eine<br />

Portraitaufnahme zuschneiden können.<br />

ZUSCHNITTE KÖNNEN IHRE PORTRÄTAUFNAHMEN zu außergewöhnlichen Bildern<br />

machen. Eine normale Kopf-/Schulteraufnahme mit den Augen im oberen Drittel des<br />

Rahmens und viel Platz um den Kopf herum ist klassisch, und Sie gehen damit auf<br />

Nummer sich. Aber sie ist in den seltensten Fällen ein wirklicher Hingucker. Sie können<br />

Ihren Porträtaufnahmen jedoch mehr Aussagekraft verleihen und das Motiv hervorheben,<br />

indem Sie den Betrachter mit einem starken, unkonventionellen Zuschnitt überraschen.<br />

Dies muss allerdings vorsichtig und richtig gemacht werden, da Ihre Bilder sonst aus<br />

unerwünschten Gründen zum Blickfang werden.<br />

Bestimmte Teile des Gesichts sind schon für sich genommen sehr interessant. Wenn das<br />

Gesicht eines Menschen beispielsweise ein wenig unsymmetrisch ist, ist eine<br />

Porträtaufnahme, auf der das ganze Gesicht zu sehen ist, möglicherweise nicht gerade<br />

schmeichelhaft. Wenn Sie das Bild aber so zuschneiden, dass nur das halbe Gesicht oder<br />

nur ein Auge oder der Mund zu sehen ist, können Sie einige interessante Aufnahmen dieses<br />

Menschen bekommen, die Sie nie erhalten hätten, wenn Sie sich immer nur stur an die<br />

Regeln gehalten hätten. Für einen Zuschnitt, der wirklich gut aussieht, müssen Sie auf<br />

Ausgewogenheit, den richtigen Hintergrund und die richtigen Gesichtszüge achten, um den<br />

erwünschten Schwerpunkt zu setzen. Wenn Sie beispielsweise sinnliche rubinrote Lippen<br />

haben, könnte das Ausschneiden der Augen und der Nase aus dem Rahmen und das<br />

Beibehalten von Mund, Hals und Schultern eine sehr aussagekräftige Zuschnittvariante<br />

sein. Wenn das Motiv dagegen besonders auffallende Augen hat, vergrößern Sie sie so, dass<br />

sie den Rahmen ausfüllen. Knappe Gesichtszuschnitte sind eine weitere Möglichkeit, dem<br />

Bild mehr Aussagekraft zu verleihen, ohne dass sie übertrieben sein müssen, wenn Sie<br />

lieber auf Nummer sicher gehen wollen. Scheuen Sie sich bei einer Nahaufnahme nicht,<br />

den Kopf oben oder das Gesicht seitlich abzuschneiden. Versuchen Sie aber gleichzeitig, die<br />

Komposition ausgewogen anzuordnen, damit das Bild nicht unbeholfen wirkt.<br />

Ein ungewöhnlicher Zuschnitt erfordert Aufmerksamkeit. Wenn Sie nicht gerade den<br />

Hintergrund herausschneiden, wählen Sie einen einfachen Hintergrund, der nicht ablenkt.<br />

Sonst wissen die Augen nicht, wohin sie schauen sollen. Ein unruhiger Hintergrund, wie<br />

eine Straßenszene, kann für die richtige Art von Bild funktionieren, aber verwenden Sie eine<br />

geringe Tiefenschärfe, damit der Betrachter nicht zu sehr abgelenkt wird, wie von Paul<br />

Ward demonstriert.<br />

Diese Zuschnitte<br />

sollten Sie einmal<br />

ausprobieren ...<br />

Es gibt Dutzende von Zuschnitten,<br />

mit denen Sie herumexperimentieren<br />

können – vor allem, wenn Sie verschiedene<br />

Perspektiven oder Rahmenvariationen<br />

ausprobieren oder sich auf nur einen<br />

bestimmten Gesichtszug konzentrieren<br />

möchten. Vergrößern Sie nur die Augen oder<br />

die Lippen eines Menschen, oder schneiden<br />

Sie die Stirn oder das Kinn aus dem<br />

Rahmen heraus. Oder warum nicht den<br />

Kopf ganz herausschneiden, um den Körper<br />

in den Vordergrund zu stellen?<br />

Fertiges Bild<br />

Der schwarze Hintergrund und<br />

der Zuschnitt sorgen für eine<br />

einfache, aber dennoch<br />

außergewöhnliche<br />

Porträtaufnahme. Der<br />

Betrachter hat keine Wahl; er<br />

wird von den bezaubernden<br />

Augen des Models einfach<br />

magisch angezogen.<br />

Schritt 1 Wenn Sie im Freien fotografieren, suchen Sie sich ein schattiges Plätzchen, oder<br />

wählen Sie einen Tag mit bedecktem Himmel, damit Sie nicht mit wenig schmeichelhaften<br />

Schatten zu kämpfen haben. Ich habe mich für diesen Tunnel entschieden, da der Eingang<br />

wie eine riesige Lichtwanne fungiert und ohne Reflektoren oder Blitz ein schmeichelhaftes<br />

Licht erzeugt. Auch der dunkle Hintergrund ist ideal.<br />

Schritt 2 Ich habe das Model ins beste Licht gesetzt. Wenn es seitlich zum Tunneleingang<br />

steht, ist das Gesicht zur Hälfte im Schatten. Aber wenn es näher am Eingang mit dem<br />

Gesicht zum Licht hin steht, bekomme ich ein diffuses, wesentlich schmeichelhafteres<br />

Ergebnis mit sehr wenigen Schatten, die von der Komposition ablenken.<br />

Schritt 3 Ich habe die Kamera auf<br />

Zeitautomatik eingestellt und mache eine<br />

Probeaufnahme mit einer typischen Kopf-/<br />

Schulterkomposition. Das ist nichts<br />

Aufregendes, und mit f/5.6 ist die<br />

Tiefenschärfe zu groß. Ich möchte nur auf<br />

ihre Augen scharfstellen mit einem leichten<br />

Schattenfall, also wechsle ich auf f/2.8 und<br />

probiere verschiedene Zuschnitte aus, um<br />

ein ansprechenderes Ergebnis zu erhalten.<br />

80 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Leitfaden für Einsteiger<br />

Ungewöhnliche Zuschnitte


Leitfaden für Einsteiger<br />

>Die Regeln brechen >Perspektive<br />

Weitwinkel-Portraitaufnahmen<br />

Verzerrung, überzogene Perspektive, riesiger Blickwinkel – man müsste ja verrückt sein,<br />

Portraitaufnahmen mit einem Weitwinkelobjektiv zu machen. Na gut, dann lassen Sie uns<br />

ein wenig verrückt spielen.<br />

KURZE TELEOBJEKTIVE SIND SO BELIEBT beim <strong>Fotografie</strong>ren, dass sie manchmal als „Portrait-Objektive” bezeichnet<br />

werden. Sie erzeugen Bilder mit einer schmeichelhaften Perspektive und ermöglichen es Ihnen, den Rahmen von einer<br />

bequemen Entfernung aus auszufüllen. Durch ihre geringe Tiefenschärfe kann der Hintergrund leicht unscharf gemacht<br />

werden, sodass Sie ein professionell aussehendes Ergebnis bekommen.<br />

Warum also sollten Sie sie derart wunderbaren Eigenschaften den Rücken kehren, um Porträtaufnahmen mit einem Objektiv zu<br />

machen, das keinerlei solche Eigenschaften besitzt? Ganz einfach: Weil Weitwinkelobjektive bei richtiger Verwendung sehr<br />

kreative und aussagestarke Ergebnisse liefern können, auch wenn dies ein wenig unkonventionell ist. Weitwinkel-<br />

Portraitaufnahmen sind nicht einfach. Wenn Sie aber lernen, ihre so genannten Nachteile in Vorzüge zu Gunsten des Bildes<br />

umzumünzen, werden Sie auch Ihre fotografischen Fertigkeiten verbessern.<br />

Weitwinkelobjektive haben eine Brennweite von maximal 35 Millimetern. Je geringer die Brennweite ist, umso ausgeprägter ist<br />

die Verzerrung und umso weiter ist der Blickwinkel. Im Bereich von etwa 24 Millimetern ist allmählich eine gewisse Verzerrung<br />

in Form von Kurven zu sehen. Da diese Art der Objektive einen großen Bereich abdecken, müssen Sie sich auch Gedanken um<br />

die Umgebung des Models machen. Bei einer Aufnahme in voller Länge wird viel vom umgebenden Bereich erfasst. Also<br />

müssen Sie darauf achten, dass alles gut zusammenpasst und nichts störend wirkt, indem Sie alles so einfach wie möglich<br />

halten. Aus diesem Grund eignen sich Weitwinkelobjektive häufig gut für Umgebungsporträtaufnahmen, da die Wahl des<br />

Aufnahmeortes häufig dazu beitragen kann, der Portraitaufnahme mehr Kontext zu verleihen, der etwas über das Model<br />

aussagt, beispielsweise über seine Arbeit, ein Hobby oder ein sonstiges Interessensgebiet.<br />

Eine außergewöhnliche Perspektive ist ein weiterer Aspekt, der über Erfolg oder Misserfolg einer Weitwinkel-Portraitaufnahme<br />

entscheiden kann. Alles, was sich in der Nähe eines derartigen Objektivs befindet, erscheint massiv, wird aber schnell kleiner, je<br />

weiter es sich entfernt. Objekte in großer Entfernung erscheinen mit einem Weitwinkelobjektiv wirklich winzig. Der relative<br />

Größenunterschied wird umso mehr überzeichnet, je geringer die Brennweite ist und je näher sich die Kamera am Motiv<br />

befindet, und noch mehr durch die Schärfe von vorne nach hinten verstärkt, die diese Art von Objektiv bietet. Bei sorgloser<br />

Verwendung können diese Objektive unnatürlich aussehende Menschen mit großen Köpfen, langen Nasen, kurzen Beinen und<br />

riesigen Händen erzeugen. Bei sorgfältiger Verwendung können sie interessante und dynamische Bilder erzeugen, bei denen<br />

außergewöhnliche Effekte einen etwaigen Mangel an realistischem Aussehen mehr als wiedergutmachen.<br />

AUGENMASS FÜR DAS<br />

RICHTIGE VERHÄLTNIS<br />

Ein Weitwinkelobjektiv kann uns einen perspektivischen<br />

Streich spielen, der Teile eines Bildes unverhältnismäßig<br />

groß aussehen lässt. Wenn Sie mit einem<br />

Weitwinkelobjektiv zu nah rangehen, hat Ihr Model eine<br />

zu große Nase und ein Gesicht wie bei einer Reflexion auf<br />

der Rückseite eines Löffels. Halten Sie also Abstand.<br />

Eine Frage des Standpunkts<br />

Sehen Sie sich einmal das Bild unseres Models<br />

unten an. Lustig, finden Sie nicht? Ungewöhnlich.<br />

Indem wir einen hohen Standpunkt eingenommen<br />

haben und mit einem Ultraweitwinkelobjektiv (ca.<br />

10 mm) nah an das Model herangegangen sind,<br />

wurde die Perspektive verzerrt, und die Züge, die<br />

sich am nächsten zum Objektiv befanden, wurden<br />

stark überzeichnet. Sie können sehen, wie die Hand<br />

größer als der Kopf aussieht, und wie winzig die Füße<br />

im Vergleich dazu sind. Sie können damit neuartige<br />

Porträtaufnahmen machen, vor allem, wenn Sie auch<br />

noch Requisiten wie Brillen oder Hüte verwenden.<br />

Sie können eine ähnliche Wirkung, jedoch mit einem<br />

ganz anders aussehenden Bild erzielen, indem Sie<br />

den Winkel umkehren und nach oben fotografieren,<br />

sodass das Model riesige Füße und einen winzigen<br />

Kopf hat. Wenn Sie diese Technik bewusst und<br />

sorgfältig einsetzen, können Sie damit wirklich lustige<br />

Porträtaufnahmen machen. Aber gehen Sie sparsam<br />

damit um, damit nicht alle Ihre Porträtaufnahmen<br />

so unecht aussehen. Probieren Sie es einfach einmal<br />

aus, und lassen Sie sich überraschen, was dabei<br />

herauskommt.<br />

Schritt 1 Wählen Sie einen Ort, und machen Sie eine<br />

Probeaufnahme. Wir haben die DSLR auf Zeitautomatik und<br />

unser Canon-Objektiv EF 10 – 22 mm auf f/5.6 eingestellt. Wir<br />

haben unser Model mit Säulen und Bögen eingerahmt, da die<br />

Linien zur Überzeichnung der Perspektive beitragen. Aus dieser<br />

Entfernung ist das Model zu klein. Außerdem sieht es auf Grund<br />

der mangelnden Aussagekraft und der Perspektive so aus, als<br />

hätte es mit einem Porträtobjektiv aufgenommen werden<br />

können. Wir müssen also ein wenig näher ran.<br />

Schritt 2 Wenn wir näher an das Model rangehen und von<br />

einem tieferen Standpunkt aus fotografieren, kommen die<br />

perspektivverzerrenden Eigenschaften des Weitwinkelobjektivs<br />

in Form von zusammenlaufenden senkrechten Linien ins Spiel.<br />

Das Mädchen sieht größer und der Bogengang sieht noch<br />

größer aus. Von dem niedrigen Standpunkt aus sieht die ganze<br />

Szene imposanter aus. Das ist mit Sicherheit schon eine<br />

bessere Aufnahme, aber sie kann noch ein wenig dramatischer<br />

werden.<br />

Schritt 3 Versuchen Sie, so nah wie möglich an das Model heranzukommen, und nehmen<br />

Sie einen möglichst niedrigen Standpunkt ein, um die Perspektive zu überzeichnen. Wir<br />

mussten die Kamera nach hinten neigen, damit die Bögen im Bild blieben. Sehen Sie nur, wie<br />

die Kombination aus einem außergewöhnlichen Standpunkt und einem Weitwinkelobjektiv<br />

die Beine des Models verlängert und seine obere Hälfte verkürzt werden. Achten Sie aber<br />

darauf, die Grenze zwischen dramatisch und komisch nicht zu überschreiten.<br />

Schritt 4 Ein interessanter Vordergrund ist wichtig bei einem Weitwinkelobjektiv, weil<br />

damit überzeichnet wird, was am nächsten am Objektiv ist, wie dieser Bogengang. Damit<br />

das Model im richtigen Verhältnis bleibt, entfernen Sie es weiter von der Kamera, sodass Sie<br />

immer noch die größte Brennweite verwenden können, um den Vordergrund zu erfassen. In<br />

diesem Bild wird die Komposition durch die Art und Weise, wie die wiederholten Bogengänge<br />

das Model einrahmen, unterstützt.<br />

82 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Leitfaden für Einsteiger<br />

Perspektive< Die Regeln brechen<<br />

Fertiges Bild<br />

Ändern Sie die Position, um störende<br />

Elemente aus der Szene zu entfernen,<br />

vergrößern Sie das Model, und<br />

experimentieren Sie mit verschiedenen<br />

Brennwerten herum, um die Verzerrung<br />

kontrollieren zu können – dann sollten<br />

Sie eine relativ natürlich aussehende<br />

Portraitaufnahme mit einer<br />

außergewöhnlichen Perspektive<br />

hinkriegen.<br />

Schritt 5 Um das Model im Rahmen größer darzustellen, gehen Sie näher ran, aber<br />

zoomen Sie mit dem Objektiv heran (in diesem Fall von 10 auf 20 mm), um die Verzerrung<br />

kontrollieren zu können. Sie müssen den richtigen Kompromiss zwischen der Perspektive<br />

einerseits und einer natürlichen Proportion des Models andererseits finden. Platzieren Sie<br />

das Model zu diesem Zweck in der Mitte des Rahmens, wo die Verzerrung aus der<br />

Entfernung am geringsten ist, und fotografieren Sie auf Kopfhöhe, aber aus einem Winkel.<br />

Schritt 6 Wenn Sie mit einer geringeren Brennweite (wir haben 16 mm verwendet) näher<br />

an das Model herangehen, bedeutet dies, dass das Model das Bild dominiert, aber mittig<br />

genug ist, damit der Kopf nicht verzerrt wird. Behalten Sie aber auch die Umgebung im Blick.<br />

Hier führt der Erfassungsbereich des Weitwinkelobjektivs dazu, dass die Bogengänge und<br />

das Grün im Bild sein werden, was von der Porträtaufnahme ablenkt.<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 83


Leitfaden für Einsteiger<br />

FOTO: MARK BAUER<br />

BELICHTUNG<br />

UNSEREINFORMATIVE EINFÜHRUNGFÜRANFÄNGERERKLÄRTFÜR ERKLÄRT, WIEDAS<br />

BELICHTUNGSSYSTEM IHRER KAMERA ARBEITET UND WIE SIE ES FÜR OPTIMALE<br />

BELICHTUNG EINSTELLEN.<br />

JEDES FOTO IST DAS ERGEBNIS EINER BELICHTUNG – eine<br />

bestimmte Lichtmenge erreicht den Kamerasensor während einer genau<br />

festgelegten Zeitspanne. Die <strong>Belichtung</strong> hängt von mehreren Variablen ab,<br />

zu denen offensichtlich Verschlusszeit und Blende gehören, und es ist das<br />

Verdienst moderner Ingenieurskunst, dass die überwiegende Mehrzahl<br />

unserer Aufnahmen perfekt belichtet sind. Das ist schon erstaunlich, wenn<br />

man einmal darüber nachdenkt: Die Kamera misst die in der Szene<br />

vorhandene Lichtmenge und bestimmt anschließend im Bruchteil einer<br />

Sekunde die optimale <strong>Belichtung</strong>. Und das funktioniert in mehr als 95<br />

Prozent aller Fälle!<br />

Bei dieser hohen Trefferquote kann man Ihnen nachsehen, wenn Sie einige<br />

Zeit brauchen, um die Grundlagen von <strong>Belichtung</strong> und deren Messung zu<br />

lernen. Doch so gut <strong>Belichtung</strong>sautomatiken auch sind, perfekt sind sie<br />

nicht. Deshalb sollten Sie wissen, wie eine Kamera die <strong>Belichtung</strong><br />

berechnet, denn Sie können dann selbst die Kontrolle übernehmen, wenn<br />

die Automatik einmal nicht richtig funktioniert. Hinzu kommt: Wenn Sie<br />

wissen, wie man ein Motiv korrekt belichtet, können Sie durch<br />

Manipulation der <strong>Belichtung</strong> kreative Effekte erzeugen.<br />

Durch die Möglichkeit, Fotos unmittelbar nach der Aufnahme auf dem<br />

LCD begutachten zu können, haben Digitalkameras diesen für uns<br />

notwendigen Lernprozess sehr stark beschleunigt. Darüber hinaus gibt es<br />

Tools wie das Histogramm, mit deren Hilfe der Fotograf die <strong>Belichtung</strong><br />

prüfen und gegebenenfalls Änderungen vornehmen kann. Doch all das ist<br />

graue Theorie, wenn Sie nicht die wesentlichen Parameter kennen, nach<br />

denen eine <strong>Belichtung</strong>sautomatik funktioniert.<br />

Um auch bei schwierigen Lichtverhältnissen und anderen schlechten<br />

Umgebungsbedingungen den Überblick zu behalten, müssen Sie wissen,<br />

wie sich mittlere Farbtöne auf das Meßsystem auswirken, sie müssen<br />

dessen unterschiedliche Meßmethoden kennen, und Sie müssen wissen,<br />

wie sie die von der Kamera ermittelten Werte außer Kraft setzen können.<br />

Nicht zuletzt sollten Sie in der Lage sein, zu erkennen, welche Motive der<br />

<strong>Belichtung</strong>sautomatik wahrscheinlich Probleme bereiten werden, und was<br />

Sie tun können, um diese zu vermeiden.<br />

Unsere Einführung für diesen Monat zeigt Ihnen alles, was Sie zur<br />

perfekten <strong>Belichtung</strong> Ihrer Fotos brauchen. Nehmen Sie sich also ein<br />

wenig Zeit, die Grundlagen der <strong>Belichtung</strong> und die Funktionsweise des<br />

Meßsystems Ihrer Kamera zu lernen, und Sie werden sehr bald auch bei<br />

schwierigen Aufnahmesituationen zu korrekten <strong>Belichtung</strong>en kommen.


Leitfaden für Einsteiger<br />

>Zurück zu den Grundlagen: <strong>Belichtung</strong> >Das Wesentliche<br />

<strong>Belichtung</strong>: Die Grundlagen verstehen<br />

Das Verstehen der Grundlagen der <strong>Belichtung</strong> ist eine wesentliche Voraussetzung für jeden Fotografen auf dem Weg zum Erfolg.<br />

WENN SIE EIN GUTER FOTOGRAF werden wollen,<br />

gehört zu den ersten Dingen, die Sie in den Griff<br />

bekommen sollten, wie man eine Aufnahme richtig<br />

belichtet. Für viele ist das erste Stadium der <strong>Belichtung</strong><br />

der Moment, in dem Sie auf den Auslöser drücken und<br />

das <strong>Belichtung</strong>smeßsystem Ihrer Kamera aktivieren.<br />

Erfahrene Fotografen haben dann jedoch bereits die<br />

Szene selbst analysiert und sie haben schon eine recht<br />

gute Vorstellung davon, ob die Kamera die<br />

Lichtverhältnisse gut berücksichtigen wird, oder ob<br />

eigene Eingriffe in die <strong>Belichtung</strong>seinstellungen nötig<br />

sind. Es ist zwar die Kamera, die die <strong>Belichtung</strong><br />

festlegt, doch es ist der Fotograf, der sicher stellen<br />

muss, dass die Kamera so voreingestellt ist, dass die<br />

bestmöglichen Ergebnisse zu erwarten sind. Um dazu<br />

in der Lage zu sein, braucht er allerdings die<br />

Grundkenntnisse, wie eine <strong>Belichtung</strong> zustande kommt<br />

und wie eine Kamera diese berechnet.<br />

Betrachten wir zunächst die <strong>Belichtung</strong> an sich: Die<br />

Blende steuert – ganz ähnlich wie die Iris des Auges –<br />

wie viel Licht das Objektiv passieren soll, während die<br />

Verschlusszeit bestimmt, wie lange der Sensor dem<br />

Licht ausgesetzt sein soll. Für <strong>Fotografie</strong>neulinge, die<br />

dazu tendieren, die Vollautomatik oder eine<br />

Programmautomatik zu benutzen, ist die Möglichkeit,<br />

die <strong>Belichtung</strong> selbst zu steuern, begrenzt, weil die<br />

Kamera sämtliche notwendigen Variablen festlegt. Für<br />

den, der sich nicht weiter damit befassen will, ist eine<br />

solche Automatik ideal. Wer aber hinter die Kulissen<br />

schauen will, schaltet besser auf eine<br />

halbautomatische Betriebsart und später sogar auf den<br />

vollständig manuellen Betrieb. Dadurch lernt man am<br />

besten das Zusammenspiel von Blende und<br />

Verschlusszeiten.<br />

Da wir nun wissen, wie wesentlich diese beiden<br />

Variablen für die <strong>Belichtung</strong> sind, kommen wir zur<br />

nächsten Frage: Wie „sieht“ eine Kamera eine Szene,<br />

extrahiert daraus alle erforderlichen Informationen und<br />

berechnet mit ihnen die richtige <strong>Belichtung</strong>? Vielleicht<br />

werden Sie erstaunt sein, wenn Sie erfahren, dass die<br />

von digitalen SLRs angewandten Prinzipien dieselben<br />

sind, nach denen Kameras mit<br />

<strong>Belichtung</strong>sautomatiken schon immer funktioniert<br />

haben. Das Meßsystem basiert auf der Annahme, dass<br />

Durchschnitt aller Farbtöne innerhalb des Bereichs, der<br />

gemessen wird – sei es ein Portrait, die Blüten einer<br />

Blume oder ein Meerespanorama – einen mittleren<br />

Farbton ergibt. Genauer: Das Meßsystem nimmt an,<br />

dieser Bereich sei zu 18 Prozent Grau, was einen<br />

Durchschnittswert des Farbspektrums darstellt. Anders<br />

ausgedrückt: Könnten Sie alle Farbtöne der Szene in<br />

einen Mixer füllen und Sie würden den Mixer<br />

einschalten, so käme ein 18-prozentiges Grau dabei<br />

heraus. Es lohnt sich, dies im Gedächtnis zu behalten,<br />

denn es hilft herauszufinden, was schief gelaufen ist,<br />

wenn Sie plötzlich feststellen, dass Ihre Bilder falsch<br />

belichtet werden.<br />

Wie bereits erwähnt sind heutige Meßsysteme sehr<br />

effizient, aber nicht vollständig narrensicher. Wenn ein<br />

Motiv überwiegend hell ist, wird die Automatik<br />

vielleicht unterbelichten, während ein überwiegend<br />

dunkles Motiv überbelichtet sein kann. Das liegt daran,<br />

dass die Kamera von einem Durchschnittswert von 18<br />

Prozent für alle Farbtöne der Szene ausgeht. Die Option<br />

der Mehrfeldmessung ist unter den meisten<br />

Bedingungen die beste Wahl, aber es gibt Situationen,<br />

in denen andere Meßmethoden vorteilhafter sind.<br />

Manchmal müssen Sie die von der Kamera<br />

vorgenommenen Einstellungen außer Kraft setzen, um<br />

eine korrekte <strong>Belichtung</strong> zu erreichen. Diese Einführung<br />

wird Ihnen helfen, solche Situationen zu erkennen und<br />

Sie wird Ihnen zeigen, was Sie tun müssen.<br />

Eine betrachtenswerte Szene<br />

Wenn Sie wissen, wie Ihre Kamera solche<br />

Szenen misst, können Sie sie auch selbst<br />

richtig belichten.<br />

LEE FROST<br />

86 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Leitfaden für Einsteiger<br />

Das Wesentliche


Leitfaden für Einsteiger<br />

>Zurück zu den Grundlagen: <strong>Belichtung</strong> >Meßmethoden<br />

Die <strong>Belichtung</strong>smessung beherrschen<br />

Ihre Kamera ist mit unterschiedlichen <strong>Belichtung</strong>smessungsoptionen ausgestattet. Hier lernen Sie,<br />

welche davon in bestimmten Situationen am besten verwendet werden, damit Sie die Kontrolle über die<br />

<strong>Belichtung</strong> behalten.<br />

WIE BEREITS AN ANDERER STELLE ERWÄHNT, dient das<br />

<strong>Belichtung</strong>smeßsystem der Kamera dazu, die aufzunehmende<br />

Szenerie zu bewerten und die für die korrekte <strong>Belichtung</strong><br />

erforderlichen Blenden- und Verschlusseinstellungen<br />

vorzunehmen. Die Kamera geht dabei immer von einem<br />

durchschnittlichen Farbwert einer Szene von 18 Prozent Grau aus<br />

und stellt die <strong>Belichtung</strong> anhand dieser Grundannahme ein. Alle<br />

<strong>Belichtung</strong>sautomatiken basieren auf diesem Mitteltonprinzip,<br />

doch wie die Szene im Einzelnen gemessen wird, variiert je<br />

nach <strong>Belichtung</strong>sprogramm. Das Mehrfeldbelichtungssystem<br />

beispielsweise unterteilt den Sucherbereich in mehrere Zonen,<br />

misst die Helligkeit jeder einzelnen Zone und berechnet dann<br />

anhand komplizierter Algorithmen die <strong>Belichtung</strong> für das gesamte<br />

Bild. Selektiv- und Punktmeßsysteme berücksichtigen hingegen<br />

nur einen sehr kleinen Teil des Sucherausschnitts – üblicherweise<br />

zwischen 3 und 9 Prozent - im Zentrum des Suchers.<br />

Warum aber braucht man unterschiedliche Meßsysteme? Nun,<br />

die Möglichkeit, den gesamten Bildbereich oder nur kleine<br />

Elemente daraus zu messen, gibt dem Fotografen einen großen<br />

Einfluss auf das Ergebnis der Messungen. Natürlich muss man<br />

Punkt- & Selektivmessung<br />

bei der Wahl des Meßprogramms schon einigermaßen wissen,<br />

was man tut, denn es muss dem Motiv, das eingefangen werden<br />

soll, angemessen sein. Wenn Sie beispielsweise eine typische<br />

Landschaft mit hellem blauen Himmel, üppigem grünen Gras<br />

und einem Schatten werfenden Baum haben, werden Sie wohl<br />

eher zur Mehrfeldmessung neigen und nicht zur Punktmessung.<br />

Denn wenn Ihr punktueller Bereich genau im Schatten des<br />

Baumes läge, würde die Kamera „denken“ hierbei handele<br />

es sich um einen mittleren Farbton und die Szene würde<br />

hoffnungslos überbelichtet. Die Mehrfeldmessung hingegen<br />

würde die Variationen der einzelnen Zonen berücksichtigen –<br />

Himmel, Gras, dunklen Baum etc. – und die <strong>Belichtung</strong> exakt<br />

daran anpassen.<br />

Weiter unten sind die Meßmethoden und auch, wie Sie die<br />

entsprechende Methode bei Ihrer Kamera identifizieren können,<br />

genau beschrieben. Außerdem finden Sie Empfehlungen, in<br />

welchen Situationen welche Meßmethode angeraten ist. Wenn<br />

Sie also das nächste Mal mit Ihrer Kamera losziehen, wissen Sie,<br />

welche Betriebsart in welcher Situation am Besten geeignet ist,<br />

und Sie vermeiden Aufnahmen, die falsch belichtet sind.<br />

1) unterbelichtet<br />

Obwohl ideal in Situationen, in denen Sie<br />

einen bestimmten Sucherbereich messen<br />

wollen, ist bei Punkt- und Mehrfeldmessungen<br />

1<br />

gleichwohl Vorsicht angebracht, sonst kann<br />

es zu Fehlmessungen kommen. Solch präzise<br />

Messmethoden legen einen sehr kleinen<br />

Meßbereich zugrunde, üblicherweise die<br />

Mitte des Suchers. Sie haben meist einen<br />

2) überbelichtet<br />

genauen Meßkreis, der 3 Prozent des gesamten<br />

Sucherbereichs liest, wobei die Mehrfeldmessung<br />

etwas ungenauer ist, denn sie berücksichtigt<br />

etwa 9 Prozent des Sucherbereichs, sodass der<br />

Meßfehler möglicherweise größer wird.<br />

Damit bei diesen Meßmethoden eine korrekte<br />

2<br />

<strong>Belichtung</strong> zustande kommt, muss der<br />

Meßbereich auf einem Objekt mit mittlerem<br />

3<br />

Farbton liegen, sonst wird das Bild über- oder<br />

3) korrekt belichtet<br />

unterbelichtet. Dieser mittlere Farbton muss<br />

nicht grau sein, es kann sich um jede beliebige<br />

Mitteltonfarbe handeln, sei es grünes Gras,<br />

brauner Lehm oder rötliches Ziegelmauerwerk.<br />

Die meisten Kameras bieten die Punktmessung,<br />

manche die Mehrfeldmessung und nur wenige<br />

verfügen über beide Möglichkeiten.<br />

BELICHTUNG FÜR EINEN MITTELTON: Bei der Punkt- oder Mehrfeldmessung muss der der Meßbereich auf<br />

einem Objekt mit mittlerem Farbton liegen, um die korrekte <strong>Belichtung</strong> zu bekommen. In dieser typischen Szene<br />

machten wir Punktmessungen in unterschiedlichen Bereichen des Bildausschnitts, um darzustellen, wie<br />

unterschiedlich die <strong>Belichtung</strong> wird.<br />

Punkt & Mehrfeldmessung: Perfekt für...<br />

Ikon<br />

CANON (PARTIAL) CANON (SPOT) NIKON<br />

FOTOS: LEE FROST<br />

SONY<br />

OLYMPUS<br />

PENTAX<br />

LICHTVERHÄLTNISSE BEI<br />

SCHNEEFALL<br />

Richten Sie den Meßbereich auf mittlere<br />

Farbtöne, damit der Schnee keine<br />

Unterbelichtung verursacht.<br />

PORTRAITS MIT<br />

HINTERGRUNDBELEUCHTUNG<br />

Die intensive Hintergrundbeleuchtung<br />

durch den Himmel kann<br />

Mehrfeldbelichtungssysteme fehlleiten.<br />

Machen Sie daher besser eine<br />

Punktmessung auf dem Gesicht.<br />

SZENEN MIT PUNKTUELLER<br />

BELEUCHTUNG<br />

Messen Sie einen mittleren Ton, wenn<br />

eine Szene punktuell ausgeleuchtet wird,<br />

wie es bei Reflexionen vorkommen kann.<br />

88 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


ROSS HODDINOTT<br />

Mehrfeldmessung<br />

Mehrfeldmeßsysteme sind extrem zuverlässig und liefern in den allermeisten<br />

Fällen eine korrekte <strong>Belichtung</strong>. Das Prinzip der multiplen Meßpunkte ist das<br />

ausgereifteste verfügbare Meßsystem. Es teilt den gesamten Bildausschnitt in<br />

Zonen ein, wobei jede einzelne Zone individuell gemessen wird. Die dabei gewonnenen<br />

Daten werden mit Hilfe einer ganzen Reihe von Algorithmen manipuliert.<br />

Oft werden sie sogar mit einer vorhandenen Bilddatenbank verglichen, um die<br />

endgültig zu verwendende <strong>Belichtung</strong> auszurechnen. Die Hersteller verwenden<br />

jeweils eigene Bezeichnungen für ihre Mehrfeldmeßtechnologie – Nikon nennt sie<br />

„Matrix“, bei Canon heißt sie<br />

„Evaluative“, und Pentax nennt<br />

sie „Multisegment“. Die Zahl<br />

der Meßzonen ist von Kamera<br />

zu Kamera unterschiedlich und<br />

obwohl die Faustregel gilt, dass<br />

je mehr Zonen ein Meßsystem<br />

berücksichtigt, die Genauigkeit<br />

entsprechend steigt, ist dies<br />

nicht immer der Fall.<br />

Mittenbetonter Durchschnitt<br />

Langjährige Fotografen kennen den mittenbetonten Durchschnitt aus den Tagen<br />

der Dunkelkammer. Diese Methode wurde auch bei SLR-Kameras jahrelang<br />

genutzt, aber inzwischen durch die Mehrfeldmessung abgelöst. Der mittenbetonte<br />

Durchschnitt nimmt einen Durchschnittswert aus der Messung des Gesamtfeldes,<br />

wobei der Bereich in der Mitte stärker gewichtet wird. Wer das noch kennt, wird<br />

diese Art Messung eher verwenden, und sie empfiehlt sich sogar beim Arbeiten<br />

mit AE-Lock. Die Abweichung zum Zentrum des Bildausschnitts hin variiert bei<br />

den einzelnen Herstellern, liegt aber in der Regel zwischen 60 und 80 Prozent<br />

gegenüber dem Rand. Das<br />

Hauptproblem dabei besteht<br />

darin, das Landschaftsaufnahmen<br />

bei sehr hellem Himmel<br />

unterbelichtet werden können,<br />

es sei denn, Sie haben genug<br />

Erfahrung und wissen was<br />

Sie in einem solchen Fall tun<br />

(siehe unten).<br />

Ikon<br />

Ikon<br />

CANON NIKON SONY<br />

OLYMPUS<br />

PENTAX<br />

CANON<br />

NIKON<br />

SONY<br />

OLYMPUS<br />

PENTAX<br />

Mehrfeldmessung: Perfekt für...<br />

Mittenbetonter Durchschnitt: Perfekt für...<br />

ROSS HODDINOTT<br />

LEE FROST<br />

IMAGES: LEE FROST<br />

LANDSCHAFTEN<br />

Szenen mit Himmel und Vordergrund,<br />

wobei unterschiedliche Anforderungen<br />

an die <strong>Belichtung</strong> gestellt werden, sind<br />

einfach zu beherrschen.<br />

ALLGEMEINE SZENERIEN<br />

Solange es keine ungewöhnlichen<br />

Lichtverhältnisse gibt, gibt es keine<br />

Probleme mit der Mehrfeldmessung.<br />

NORMALE PORTRAITS<br />

Wechsel von Licht und Schatten werden<br />

gut verarbeitet.<br />

LANDSCHAFTEN MIT<br />

AE-LOCK<br />

Bei Motiven mit hellem Himmel richten<br />

Sie das Objektiv auf den Boden, stellen<br />

AE-Lock ein und machen dann Ihre<br />

Aufnahme.<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 89


Leitfaden für Einsteiger<br />

>Zurück zu den Grundlagen: <strong>Belichtung</strong> > Automatik außer Kraft setzen<br />

<strong>Belichtung</strong>sautomatik außer Kraft gesetzt: Übernahme der Kontrolle<br />

Auch wenn heutige Kameras sehr ausgeklügelte Meßsysteme haben, sind sie nicht unfehlbar und führen gelegentlich zu Fehlbelichtungen.<br />

Szenen, die heller oder dunkler als der Durchschnitt sind und komplizierte Lichtverhältnisse wie Hintergrundlicht sind bekannte Situationen, die<br />

oft schlecht belichtet werden. Deswegen ist es wichtig zu wissen, wie Sie die von der Kamera veranschlagten Werte außer Kraft setzen können,<br />

damit Sie selbst die Kontrolle übernehmen und für die korrekte <strong>Belichtung</strong> sorgen können.<br />

<strong>Belichtung</strong>skorrektur<br />

Am einfachsten ist wohl die <strong>Belichtung</strong>skorrektur – ein an<br />

jeder DSLR vorhandenes Feature, mit dessen Hilfe der<br />

Anwender die von der Kamera vorgeschlagene <strong>Belichtung</strong><br />

verstärken oder abschwächen kann. Dies geschieht in<br />

Schritten von 1/3 oder 1/2 Stufe, je nach Kamera. Ein hinzugefügter<br />

positiver Schritt (+) erhöht die Lichtmenge, wodurch das Bild aufgehellt<br />

werden soll, die Wahl eines negativen Schritts (-) dunkelt das Bild ab. Da<br />

diese Korrektur in Schritten erfolgt, die mit den Einstellstufen von Blende<br />

und Verschlusszeit korrespondieren, werden Sie nicht lange brauchen, um<br />

sich daran zu gewöhnen. Der Grad der <strong>Belichtung</strong>skorrektur wird<br />

normalerweise auf einer Skala oder als Zahlenwert auf dem LCD oder im<br />

Sucher angezeigt. Sie ist oft als „EV“ (Exposure Value) angegeben: Eine<br />

halbe Stufe wird demnach als +1/2 EV angezeigt. Wie die Kamera die<br />

<strong>Belichtung</strong>skorrektur durchführt, hängt von der verwendeten Betriebsart<br />

ab. Bei eingestellter Blendenautomatik wird die Zeit angepasst, bei<br />

Zeitautomatik die Blende. Bei eingestellter Programmautomatik wird in<br />

Abhängigkeit von den Lichtverhältnissen und dem Verwacklungsrisiko der<br />

eine oder der andere Wert geändert. Als Faustregel gilt: Wird das Motiv von<br />

einem hellen Objekt dominiert, tendiert die Kamera zur Unterbelichtung.<br />

Um das zu vermeiden, stellen Sie einen positiven Korrekturschritt (+) ein.<br />

Gibt es ein sehr dunkles Objekt, das auch dunkel bleiben kann oder soll,<br />

stellen Sie einen negativen Korrekturschritt (-) ein.<br />

Automatische <strong>Belichtung</strong>sverriegelung (AE-L)<br />

AE-<br />

L<br />

Diese Funktion führt im Gegensatz zur <strong>Belichtung</strong>skorrektur nicht zu<br />

einer Erhöhung oder Verringerung der <strong>Belichtung</strong>, sondern mit ihr<br />

können Sie den Bereich innerhalb des Bildausschnitts festlegen, aus<br />

dem die Kamera ihre Messwerte bezieht. Die Funktion ist weniger<br />

populär, denn ihr korrekter Einsatz erfordert mehr Wissen und Erfahrung seitens der<br />

Anwender, um die Lichtverhältnisse und Szenarien richtig einzuschätzen.<br />

Wie der Name andeutet, wird das Ergebnis einer bestimmten Messung verriegelt –<br />

fixiert – und anschließend zur <strong>Belichtung</strong> verwendet, selbst wenn Sie eine neue<br />

Bildkomposition vornehmen. Wenn Sie ein Bild aufnehmen, drücken Sie<br />

normalerweise den Auslöser halb herunter, was die vorgewählte Automatik und<br />

den Autofokus in Gang setzt, und wenn die Kamera ihre Aufnahmebereitschaft<br />

signalisiert, drücken Sie den Auslöser ganz herunter, und das Bild ist im Kasten.<br />

Dieses Verfahren passt auch für die meisten Motive. Es kann jedoch zu<br />

Fehlbelichtungen führen, wenn die Szene sehr hell oder sehr dunkel ist, wenn es<br />

sehr starke Kontraste gibt oder wenn ungewöhnliche Lichtverhältnisse herrschen.<br />

Unter solchen Bedingungen nehmen Sie besser eine Messung in einem von<br />

mittleren Tönen dominierten Sucherbereich vor und „verriegeln“ diese Messwerte.<br />

Bei der Messung sollten Sie die Punktmessung oder die Zentrale Selektivmessung<br />

bevorzugen, nicht aber die Mehrfeldmessung. Sie können Ihre Messung<br />

beispielsweise anhand eines Grasstreifens, eines Stück Mauerwerks oder mit der<br />

grauen Karte vornehmen, um den gewünschten mittleren Farbton zu bekommen.<br />

Der Bereich, von dem Sie die Messung beziehen, sollte lediglich genau so<br />

ausgeleuchtet sein, wie das Hauptmotiv Ihrer Bildkomposition.<br />

1 2 1<br />

2<br />

ANWENDEN DER BELICHTUNGSKORREKTUR:<br />

1) Drücken Sie den <strong>Belichtung</strong>skorrekturknopf an Ihrer DSLR<br />

(gekennzeichnet mit dem Symbol „a +/-“).<br />

Um den gewünschten Korrekturschritt einzustellen, drehen Sie das<br />

Einstellrad. Eine negative Eingabe ergibt eine geringere <strong>Belichtung</strong>, eine<br />

positive Eingabe eine höhere <strong>Belichtung</strong>. Überprüfen Sie die Ergebnisse<br />

nach der Aufnahme auf dem LCD.<br />

<strong>Belichtung</strong>skorrektur: Perfekt für...<br />

BENUTZEN DER AUTOMATISCHEN BELICHTUNGSVERRIEGELUNG (AE-L):<br />

1) Wählen Sie die Punktmessung oder die zentrale Selektivmessung. Bewerten<br />

Sie die Szene, wählen Sie den Bereich, von dem Sie die Messung beziehen wollen<br />

und drücken den Auslöser halb durch, um die Messung zu starten.<br />

Nun drücken Sie den AE-L-Knopf um die <strong>Belichtung</strong>seinstellungen zu verriegeln.<br />

Jetzt nehmen Sie Ihre neue Bildkomposition vor und drücken den Auslöser ganz<br />

durch. Die Aufnahme sollte jetzt perfekt belichtet sein.<br />

Automatische <strong>Belichtung</strong>sverriegelung: Perfekt für..<br />

HELEN DIXON<br />

LEE FROST<br />

LEE FROST<br />

MARK BAUER<br />

SCHNEELANDSCHAFTEN<br />

Eine Korrektur nach oben (zwischen<br />

+1 und +2EV) vermeidet, dass die<br />

Winterlandschaft grau erscheint.<br />

ANPASSEN VON<br />

HAUTFARBTÖNEN<br />

Die <strong>Belichtung</strong>skorrektur kann helfen,<br />

den Farbton gebräunter oder dunkler Haut<br />

natürlich erscheinen zu lassen.<br />

SILHOUETTEN BEI<br />

SONNENUNTERGANG<br />

Messen Sie nur den Sonnenuntergang<br />

und drücken den AE-L-Knopf. Die<br />

anderen Elemente der Szenerie werden<br />

nur noch silhouettenhaft abgebildet.<br />

SZENERIEN MIT HELLEM HIMMEL<br />

Große Bereiche hellen Himmels können zu<br />

Unterbelichtungen führen. Verwenden Sie die<br />

automatische <strong>Belichtung</strong>sverriegelung und<br />

messen anhand eines neutralen Elements<br />

Ihres Bildausschnitts.<br />

90 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Das Wissen, wann Sie die Kontrolle<br />

übernehmen und die automatischen<br />

Betriebsarten der Kamera außer Kraft<br />

setzen sollten, hilft Ihnen, wenn Ihre<br />

Kamera Mühe mit der korrekten<br />

<strong>Belichtung</strong> hat.<br />

LEE FROST<br />

Automatische <strong>Belichtung</strong>sreihe (AEB)<br />

AEB<br />

Die Automatische <strong>Belichtung</strong>sreihe (AEB)<br />

sorgt für eine Serie von drei Bildern, die<br />

unterschiedlich belichtet werden, ohne<br />

dass Sie dabei zwischen den Einzelbildern<br />

irgendwelche Einstellungen vornehmen müssten. Die<br />

meisten Kameras können bei Serienbildern bis zu drei<br />

Schritte nach oben oder unten von der <strong>Belichtung</strong> des<br />

ersten Bildes der Serie abweichen, einige Kameras<br />

schaffen sogar fünf Schritte. Die Funktion kann den<br />

Betriebsarten „Programmautomatik“,<br />

„Blendenautomatik“, „Zeitautomatik“ und „Manuell“<br />

zugeschaltet werden.<br />

Eigentlich war diese Funktion eingeführt worden, damit<br />

auch unerfahrene Fotografen in schwierigen Situationen<br />

zu guten Ergebnissen kommen sollten. Wie aber geht<br />

das? Nun, stellen Sie sich vor, es liegt viel Schnee, und<br />

Sie sind nicht sicher, wie viel <strong>Belichtung</strong>skorrektur Sie<br />

zugeben sollen: +1 EV oder +2 EV. Stellen Sie also<br />

+1.5 EV für die <strong>Belichtung</strong>skorrektur ein und für die<br />

automatische <strong>Belichtung</strong>sreihe (AEB) +/-0.5 EV. Wenn<br />

Sie jetzt Ihre Bildserie schießen, bekommen Sie drei<br />

Bilder mit jeweils +1, +1.5 und +2EV.<br />

Heute wird AEB hauptsächlich eingesetzt, um<br />

HDR-Bilder (High Dynamic Range) zu produzieren, die<br />

normalerweise während der Nachbearbeitung mit<br />

Photoshop oder Photomatix etc. erzeugt werden. Bei der<br />

Aufnahme von HDR-Reihen ist es entscheidend, dass<br />

die Kamera zwischen den Einzelbildern nicht bewegt<br />

wird, weil die gesamte Sequenz sonst unbrauchbar wird.<br />

Auch die Scharfeinstellung sollte schon vor dem ersten<br />

Schuss der Serie erfolgt sein, und anschließend sollte<br />

man auf „manuell“ schalten. Denn das Letzte, was Sie<br />

erleben wollen, ist, dass das Objektiv zwischen den<br />

einzelnen Aufnahmen nach einem neuen Fixpunkt zum<br />

Scharfstellen sucht. Ein Fernauslöser oder der<br />

Selbstauslöser können für die automatische<br />

<strong>Belichtung</strong>sreihe verwendet werden. So brauchen Sie<br />

nur einmal auf den Auslöser zu drücken.<br />

1<br />

VERWENDEN DER AUTOMATISCHE BELICHTUNGSREIHE (AEB):<br />

1) Wählen Sie aus dem Menü die AEB-Funktion aus und stellen Sie mit<br />

dem Einstellrad ein, wie viele Schritte die Aufnahmeserie abdecken soll.<br />

2.) Drücken Sie den Auslöser halb, um den Menü-Bildschirm zu<br />

verlassen.<br />

3.) Drücken Sie dreimal auf den Auslöser, oder verwenden Sie einen<br />

Fernauslöser - um die Sequenz zu schießen.<br />

Automatische <strong>Belichtung</strong>sreihe: Perfekt für....<br />

HDR-BILDER<br />

Eliminieren Sie mit dieser populären<br />

Technik Schatten und zu helle<br />

Bereiche Ihres Motivs.<br />

IMAGES: LEE FROST<br />

VERIFIZIEREN IHRER<br />

EINSTELLUNGEN<br />

Verwenden Sie die automatische<br />

<strong>Belichtung</strong>sreihe, um sicherzustellen,<br />

dass wenigstens eine von drei Aufnahmen<br />

desselben Motivs richtig belichtet ist.<br />

Blitzmesswert-<br />

Speicherung (FEL):<br />

Die<br />

Blitzmesswert-<br />

Speicherung (FEL)<br />

bzw. der<br />

Blitzbelichtungsspeicher ist eine<br />

Möglichkeit, die oft übersehen wird,<br />

wenn der Blitz in unübersichtlichen<br />

Situationen eingesetzt wird. Das<br />

Feature ist nicht an allen DSLRs<br />

vorhanden und funktioniert auch<br />

nur mit bestimmten Blitzgeräten.<br />

Schauen Sie also ggf. in Ihr<br />

Kamerahandbuch. Normalerweise<br />

drücken Sie eine Funktionstaste<br />

(Fn) oder den AE-L-Knopf, womit<br />

ein Vorblitz ausgelöst und eine<br />

punktuelle <strong>Belichtung</strong>smessung<br />

durchgeführt werden. Die<br />

diesbezügliche Information wird<br />

kurzfristig gespeichert – zwischen<br />

sechs und 20 Sekunden lang, je<br />

nach Kamera – was dem Fotografen<br />

die Zeit gibt, die Bildkomposition<br />

vorzunehmen und die Aufnahme zu<br />

machen. Die Blitzmesswert-<br />

Speicherung ist sinnvoll bei Szenen,<br />

in denen stark reflektierende<br />

Oberflächen wie Spiegel oder Glas<br />

vorhanden sind oder bei Szenen, in<br />

denen es Neonlichtquellen gibt.<br />

Diese können das Meßsystem der<br />

Kamera durch Reflexionen des<br />

Blitzes durcheinander bringen, was<br />

zu unterbelichteten Blitzaufnahmen<br />

führt. Die Blitzmesswert-<br />

Speicherung löst dieses Problem.<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 91


Leitfaden für Einsteiger<br />

>Zurück zu den Grundlagen: <strong>Belichtung</strong> >Auswahl der Betriebsart<br />

<strong>Belichtung</strong>sarten: Schlüssel zur vollständigen Kontrolle<br />

Ihre Kamera bietet Ihnen eine Auswahl unterschiedlicher <strong>Belichtung</strong>sarten, entwickelt mit dem Ziel, perfekt belichtete Bilder zu<br />

bekommen. Sie unterscheiden sich nur wenig, doch manchmal ist dies entscheidend. Das Wissen, wie die einzelnen Betriebsarten<br />

funktionieren und zu welcher Aufnahmesituation sie passen, hilft Ihnen, als kreativer Fotograf noch besser zu werden.<br />

Blendenautomatik (Av oder A)<br />

Einhellig anerkannt als die nützlichste<br />

und vielseitigste Betriebsart, lassen Sie<br />

Av die Blendenautomatik in der großen<br />

Mehrzahl aller möglichen Situationen<br />

eingeschaltet. Kenntlich an der Markierung „Av“<br />

(Aperture value) oder ganz einfach „A“ ist die<br />

Blendenautomatik die bei weitem am häufigsten<br />

benutzte Betriebsart. Da Sie die Blende bestimmen<br />

und die Kamera die passende Verschlusszeit dazu<br />

einstellt, spricht man auch von einer Halbautomatik,<br />

die für alle möglichen Motive eingesetzt werden kann.<br />

Die Bestimmung des Schärfentiefebereichs ist<br />

besonders nützlich für Fotografen, die ihre<br />

Aufnahmen vom Vordergrund bis in den Hintergrund<br />

scharf haben wollen. Deswegen eignet sich diese<br />

Betriebsart sehr gut für die Landschaftsfotografie.<br />

Auch Portraitfotografen mögen sie, denn Sie können<br />

eine weit offene Blende benutzen, um den<br />

Hintergrund unscharf werden zu lassen und die<br />

Aufmerksamkeit des Betrachters auf das zentrale<br />

Motiv zu lenken. Die Blendenautomatik ist auch<br />

deswegen beliebt, weil sie einfach zu handhaben ist<br />

und durch die genaue Kontrolle des Schärfebereichs<br />

eine Kreativität erlaubt, die dadurch entsteht, dass<br />

nur ausgewählte Bildteile scharf abgebildet werden.<br />

f/2.8<br />

f/22<br />

Zeitautomatik (Tv oder S)<br />

1 1<br />

2<br />

BLENDENAUTOMATIK<br />

VERWENDEN:<br />

1. Stellen Sie den<br />

Betriebsarten-<br />

Drehschalter auf „Av“<br />

oder „A“.<br />

2 Stellen Sie mit dem<br />

Funktionswähler die<br />

gewünschte Blende ein,<br />

die entweder auf dem<br />

Display an der Oberseite<br />

der Kamera oder auf<br />

dem rückwärtigen LCD<br />

Monitor angezeigt wird.<br />

Tv<br />

Die Zeitautomatik ist eine zweite<br />

halbautomatische Betriebsart. Erkennbar<br />

an der Markierung „Tv“ oder „S“ auf dem<br />

Betriebsarten-Drehschalter, funktioniert<br />

sie genau „umgekehrt“ wie die Blendenautomatik: Der<br />

Fotograf stellt die gewünschte Verschlusszeit ein, und<br />

die Kamera sorgt für die passende Blendeneinstellung<br />

für ein richtig belichtetes Foto. Die meisten Fotografen<br />

bevorzugen diese Betriebsart, wenn es darum geht,<br />

bewegte Objekte aufzunehmen, die scharf abgebildet<br />

werden sollen, oder alternativ dazu, wenn bewegte<br />

Objekte aus Kreativitätsgründen bewusst unscharf<br />

abgebildet werden sollen. Wenn beispielsweise ein an<br />

Ihnen vorbei fahrendes Motorrad oder Auto fotografiert<br />

werden soll, können Sie eine kurze Verschlusszeit<br />

verwenden, um das Objekt „einzufrieren“. Oder Sie<br />

können die Verschlusszeit länger wählen, was Ihnen<br />

gestattet, mit der Bewegung mit zu schwenken und sie<br />

auf diese Weise zu betonen, da nun der Hintergrund<br />

verschwimmt. Eine ähnliche Möglichkeit gibt es bei<br />

Landschaftsaufnehmen, in denen Wasser im<br />

Bildausschnitt zu sehen ist: Sie benutzen entweder<br />

eine kurze Verschlusszeit, die die Bewegung des<br />

Wassers „gefrieren“ lässt, oder Sie wählen eine sehr<br />

lange Verschlusszeit, die zu einer langen <strong>Belichtung</strong><br />

führt und das Wasser in einen ätherischen Nebel<br />

verwandelt. All das ist ganz einfach zu bewerkstelligen<br />

mit der passenden Verschlusszeit.<br />

1/250 Sek.<br />

2 Sek.<br />

2<br />

ZEITAUTOMATIK<br />

VERWENDEN:<br />

1. Stellen Sie den<br />

Betriebsarten-<br />

Drehschalter auf „Tv“<br />

oder „S“.<br />

2. Nun stellen Sie mit<br />

dem Funktionswähler<br />

die gewünschte<br />

Verschlusszeit ein, die<br />

wiederum auf dem<br />

Display an der Oberseite<br />

der Kamera oder auf<br />

dem rückwärtigen LCD<br />

Monitor angezeigt wird.<br />

WAS BEDEUTET SCHÄRFENTIEFE? Der Schärfentiefebereich beschreibt<br />

den Teil des Motivs, der auf dem Foto scharf abgebildet wird. Brennweite<br />

und Entfernung zum Motiv tragen zu dem Effekt bei, doch den größten<br />

Einfluss auf die Schärfentiefe hat die Einstellung der Blende.<br />

Blendenautomatik: Perfekt für...<br />

LANGSAM, LANGSAM! Vielleicht glauben Sie, eine kurze Verschlusszeit<br />

sei die beste Möglichkeit, ein schnell fahrendes Auto einzufangen, aber<br />

wenn Sie eine langsamere Verschlusszeit nehmen und die Kamera<br />

bei der Aufnahme mit dem Objekt mitziehen, bekommen Sie einen<br />

verschwommenen Hintergrund, wobei das Fahrzeug scharf bleibt.<br />

Zeitautomatik: Perfekt für...<br />

ISTOCK PHOTO<br />

LEE FROST<br />

PAUL WARD<br />

PORTRAITS<br />

Eine weit offene Blende erzeugt einen<br />

geringen Schärfentiefebereich – ideal,<br />

um die Aufmerksamkeit auf das<br />

gewünschte Subjekt zu lenken.<br />

LANDSCHAFTEN<br />

Eine kleine Blende liefert einen großen<br />

Schärfentiefebereich, so dass die<br />

gesamte Szenerie scharf abgebildet wird.<br />

LEUCHTSPUREN<br />

Montieren Sie Ihre DSLR auf ein Stativ<br />

und belichten Sie lange. Das ergibt<br />

kreative Leuchtspuren.<br />

SPORT & AKTION<br />

Eine kurze Verschlusszeit ist<br />

entscheidend, wenn Sie sich schnell<br />

bewegende Objekte im Detail scharf<br />

abbilden wollen.<br />

92 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Leitfaden für Einsteiger<br />

Auswahl der Betriebsart


Leitfaden für Einsteiger<br />

>Zurück zu den Grundlagen: <strong>Belichtung</strong> >Hilfsmittel zur perfekten <strong>Belichtung</strong><br />

Hilfsmittel zum Fine-Tuning Ihrer <strong>Belichtung</strong><br />

Ihre Kamera verfügt über zahlreiche Betriebsarten und Möglichkeiten, eben diese außer Kraft zu setzen, damit Sie immer<br />

eine korrekte <strong>Belichtung</strong> bekommen. Im Folgenden gehen wir noch auf andere Möglichkeiten ein, die sicher stellen, dass<br />

<strong>Belichtung</strong>sfehler der Vergangenheit angehören. Die Maßnahmen reichen von preiswerten <strong>Belichtung</strong>shilfen bis zur<br />

Interpretation des sehr hilfreichen Histogramms. Wir empfehlen die Verwendung zumindest einiger dieser Optionen.<br />

Graue Karte<br />

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, geht die<br />

<strong>Belichtung</strong>sautomatik Ihrer Kamera immer von einem<br />

durchschnittlichen Farbton von 18 Prozent Grau aus.<br />

Wenn aber kein mittlerer Farbton gemessen wird, kann<br />

das fragliche Foto über- oder unterbelichtet sein. Um<br />

dieses Problem zu lösen, benutzen viele Fotografen eine<br />

graue Karte: Ein Stück Pappe, bedruckt mit dem<br />

achtzehnprozentigen Grauton. Legen Sie diese Karte in<br />

den Bildausschnitt unter dasselbe Licht wie Ihr zu<br />

fotografierendes Motiv, dann fixieren Sie die gemessene<br />

<strong>Belichtung</strong> mit AE-Lock.<br />

Das sollte eine perfekte <strong>Belichtung</strong> ergeben. Man muss<br />

jedoch ein paar Vorsichtsmaßnehmen treffen: Die Karte<br />

Verwenden der grauen Karte:<br />

1) Unser vorheriges Bild, aufgenommen mit<br />

Mehrfeldbelichtungsmessung, ist schlecht<br />

belichtet.<br />

2) Es wird eine <strong>Belichtung</strong>smessung anhand<br />

der den Sucher ausfüllenden grauen Karte<br />

durchgeführt und mit AE-Lock fixiert.<br />

3) Die Messung mit Hilfe der grauen Karte<br />

ergab eine perfekte <strong>Belichtung</strong>.<br />

3<br />

muss gleichmäßig ausgeleuchtet sein und sie darf nicht<br />

zu weit nach vorn oder hinten geneigt sein, denn dass<br />

führt zu falschen Messwerten. Außerdem sollten keine<br />

Schatten auf die Karte fallen – einschließlich Ihres<br />

eigenen – ,weil das auch zu falschen Werten führt. Falls<br />

Ihre Kamera nicht scharf stellen kann, stellen Sie die<br />

Schärfe manuell ein und fixieren die Einstellung mit der<br />

Karte. Ist die Karte weiter entfernt, und die<br />

Lichtverhältnisse an Ihrem Standort unterscheiden sich<br />

von denen des Motivs, verwenden Sie die<br />

Punktmessung zur <strong>Belichtung</strong>smessung. Denken Sie<br />

auch daran, dass sich die graue Karte auch zum<br />

Weißabgleich eignet.<br />

1 2<br />

<strong>Belichtung</strong>smesser<br />

Wenn Sie es mit beim <strong>Fotografie</strong>ren<br />

ganz genau nehmen und Sie etwas<br />

Geld investieren wollen, legen Sie<br />

sich einen externen<br />

<strong>Belichtung</strong>smesser zu, den Sie in der<br />

Hand halten können. Er ist zwar<br />

nicht das billigste Zubehör<br />

(vernünftige Modelle beginnen bei<br />

100 Euro), doch solche<br />

<strong>Belichtung</strong>smesser liefern die<br />

genausten Messergebnisse. Sie<br />

verwenden ihn, um das auf das<br />

Motiv fallende Licht direkt zu<br />

messen. Das ist wesentlich genauer<br />

als die Messung durch Ihre Kamera,<br />

denn die misst nur das von Ihrem<br />

Motiv reflektierte Licht. Der Grund<br />

für die höhere Genauigkeit ist<br />

einfach: Direktmessungen werden<br />

im Gegensatz zu<br />

Reflexionsmessungen nicht durch<br />

Farben und Farbtönung beeinflusst.<br />

Stellen Sie sich zwei nebeneinander<br />

stehende Pferde vor, ein Schwarzes<br />

und ein Weißes, wobei die<br />

Lichtverhältnisse für beide gleich<br />

sind. Der externe <strong>Belichtung</strong>smesser<br />

misst für beide denselben<br />

Lichteinfall, weil er dasselbe, auf<br />

beide Tiere fallende Licht misst. Die<br />

von der Kamera durchgeführte<br />

Messung des von den Tieren<br />

reflektierten Lichts aber wird einen<br />

ganz anderen Wert für jedes Pferd<br />

ergeben, was dazu führt, dass das<br />

weiße Pferd unterbelichtet und das<br />

schwarze Pferd überbelichtet wird.<br />

Mit ein wenig mehr Aufwand und bei<br />

richtiger Anwendung liefert<br />

ein externer<br />

<strong>Belichtung</strong>smesser<br />

jederzeit, die richtigen<br />

Werte für die<br />

<strong>Belichtung</strong>. Wir<br />

empfehlen die<br />

Modelle der Firmen<br />

Sekonic und Gossen.<br />

Perfekt für...<br />

Perfekt für...<br />

LEE FROST<br />

LEE FROST<br />

STRANDSZENEN<br />

Reflektionen des Meeres und des Sandes<br />

können die Messung durcheinander<br />

bringen. Die graue Karte schafft hier<br />

einfache Abhilfe.<br />

BELEUCHTUNG DURCH<br />

PUNKTLICHT<br />

Wenn Ihr Motiv punktuell angestrahlt wird,<br />

legen Sie die graue Karte in die Nähe. Das<br />

ergibt eine akkurate Messung.<br />

GEMISCHTE BELEUCHTUNG<br />

Verwenden Sie die graue Karte nicht<br />

nur zur <strong>Belichtung</strong>skorrektur, sondern<br />

auch für einen der Situation angepassten<br />

Weißabgleich.<br />

HINTERGRUNDBELEUCHTETE<br />

PORTRAITS<br />

Richten Sie den <strong>Belichtung</strong>smesser aus<br />

kurzer Entfernung genau auf das Gesicht,<br />

dann wird die Messung nicht vom<br />

Hintergrundlicht beeinflusst.<br />

94 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Leitfaden für Einsteiger<br />

Hilfsmittel zur perfekten <strong>Belichtung</strong>


Leitfaden für Einsteiger<br />

FOTO: ISTOCK PHOTO<br />

FOKUSSIEREN<br />

IM LEITFADEN FÜR EINSTEIGER WIRD IN DIESER AUSGABE ALLDAS ERKLÄRT, WAS<br />

SIE ÜBER DAS FOKUSSIEREN MIT IHRER KAMERA WISSEN MÜSSEN, DAMIT SIE<br />

BEIM FOTOGRAFIEREN UNTERSCHIEDLICHER MOTIVE DIE VERSCHIEDENEN<br />

BETRIEBSARTEN UND FUNKTIONEN OPTIMAL NUTZEN KÖNNEN.<br />

WANN HABEN SIE die Autofokuseinstellungen Ihrer DSLR zum letzten Mal<br />

geändert? Na, kommen Sie schon, seien Sie ehrlich! Letzte Woche? Letzten<br />

Monat? Noch nie?<br />

Wenn Sie nicht regelmäßig Motive fotografieren, die sich schnell bewegen, wie<br />

beim Sport oder in der Natur, haben Sie diese Einstellungen bisher<br />

wahrscheinlich kaum verändert. Einzelaufnahmen und Einzelpunkt-AF sind<br />

die gängigsten Fokussierungseinstellungen, die von Fotografen täglich<br />

verwendet werden. Ebenso werden Zeitautomatik und Mehrfachlichtmessung<br />

am häufigsten zur Ermittlung der richtigen <strong>Belichtung</strong> verwendet, obwohl die<br />

Kamera über viele andere Optionen verfügt. Ob es sich dabei wirklich um die<br />

besten Einstellungen handelt, ist eine akademische Diskussion, weil viele<br />

DSLR-Benutzer gar nicht wissen, wie sie geändert werden, wieso oder wann<br />

sie geändert werden sollten und welche Vorzüge eine Änderung überhaupt mit<br />

sich bringen würde! Das Ergebnis? Das Objektiv stellt nicht immer dort scharf,<br />

wo Sie das gerne hätten, sodass einige Ihrer Bilder suboptimal sind.<br />

Die Kamerahersteller haben jedoch nicht Jahrzehnte auf die Entwicklung<br />

ausgeklügelter AF-Technologie verwendet, damit Sie dann immer nur die<br />

Grundeinstellungen benutzen. Zugegeben, einige DSLR-Funktionen<br />

erscheinen ziemlich überflüssig und deren Verwendung bringt keine<br />

einschneidenden Veränderungen in Ihrem Leben mit sich, aber das gilt nicht<br />

für das Fokussieren. Der ganze Zweck, Ihnen die Kontrolle über das<br />

AF-System der Kamera zu übertragen, besteht darin, dass Sie die<br />

Einstellungen anpassen und gelungene Aufnahmen jedes beliebigen Motivs in<br />

jeder beliebigen Situation machen können – statisch oder dynamisch, schnell<br />

oder langsam, groß oder klein, nah oder weit entfernt, unter hellen oder<br />

dunklen Bedingungen, drinnen oder draußen.<br />

Dies ist natürlich nur möglich, wenn Sie verstehen, wie die verschiedenen<br />

Betriebsarten zum Fokussieren funktionieren und wann Sie welche<br />

verwenden sollten. Und hier kommt dieser Leitfaden ins Spiel. Wir erklären,<br />

wie der Autofokus funktioniert, und sehen uns Situationen an, in denen<br />

bestimmte Modi die Wahrscheinlichkeit gelungener Aufnahmen bestimmter<br />

Motive deutlich erhöhen können.


Leitfaden für Einsteiger<br />

>Zurück zu den Grundlagen: Fokussieren > Die Funktionsweise von Autofokus-Systemen<br />

Autofokus:<br />

Die Grundlagen des Autofokus<br />

Ihre Kamera verfügt über diverse Autofokus-Optionen, die Ihnen dabei helfen,<br />

scharfe Bilder zu machen. Deshalb ist es wichtig zu wissen, wie sie funktionieren.<br />

DIE TECHNOLOGIE, die heutzutage schon in jeder<br />

Einstiegs-DSLR verbaut wird, ist einfach phänomenal – all diese<br />

Computerzauberei, mit der Informationen innerhalb von<br />

Millisekunden verarbeitet werden, damit wir auf Tastendruck<br />

hochwertige Bilder machen können. Das Problem dabei: Da die<br />

heutigen Digitalkameras so gut sind, neigen wir dazu, uns viel zu<br />

sehr auf sie zu verlassen, und erwarten jedes Mal perfekte Fotos.<br />

Und wenn wir die nicht bekommen, geben wir der Kamera die<br />

Schuld!<br />

Dies gilt vor allem beim Fokussieren. Drehen Sie die Uhr einmal<br />

25 Jahre zurück. Da erfolgte das Scharfstellen manuell. Einige<br />

von Ihnen erinnern sich vielleicht noch an diese glückliche Zeit,<br />

da unablässig mit Daumen und Zeigefinger gedreht wurde bei<br />

dem Versuch, zwei Bilder in der Mitte der Mattscheibe<br />

zusammenzuführen, um die ultimative Schärfe zu erzielen. Aber<br />

für die meisten von Ihnen besteht die einzige Erfahrung des<br />

Scharfstellens darin, die Kamera auf das gewünschte Motiv zu<br />

richten, den Auslöser zu drücken und davon auszugehen, dass<br />

Sie ein gestochen scharfes Bild haben.<br />

In den meisten Fällen haben Sie das auch, vor allem beim<br />

<strong>Fotografie</strong>ren statischer Motive, die die Komposition dominieren.<br />

Aber in einigen Situationen müssen Sie die Kontrolle übernehmen<br />

– entweder indem Sie Einstellungen für individuelle Motive und<br />

Bedingungen festlegen oder indem Sie die uneingeschränkte<br />

Kontrolle übernehmen und die Scharfeinstellung manuell<br />

vornehmen. Wir sehen uns diese Szenarien in Kürze an, aber<br />

AF-Sensoren<br />

Bei digitalen<br />

Spiegelreflexkameras kommen<br />

zwei Arten von AF-Sensoren<br />

zum Einsatz: Kreuz- und<br />

Linien- oder lineare Sensoren.<br />

DSLR haben eine Mischung<br />

aus beiden, wobei die<br />

Kreuzsensoren sich mehr um<br />

den zentralen Bereich des<br />

Suchers herum und die linearen<br />

Sensoren sich an den Rändern<br />

entlang befinden. Kreuzsensoren bestehen aus zwei linearen<br />

Sensoren, die sich in einem Winkel von 90 Grad kreuzen, daher<br />

der Name. Sie sind genauer als lineare Sensoren, da sie sowohl<br />

senkrechte als auch waagerechte Lichtmuster erkennen können,<br />

während lineare Sensoren nur in einer Dimension arbeiten können.<br />

Deshalb sind Kreuzsensoren wirkungsvoller. Bei sehr hochwertigen<br />

DSLR mit vielen AF-Kreuzsensoren funktionieren einige dieser<br />

Sensoren nur als Kreuzsensoren, wenn sie mit „schnellen“<br />

Objektiven mit einer maximalen Blendenöffnung von f/2.8 oder<br />

breiter verwendet werden. Wenn Sie also Zoomobjektive mit<br />

einer maximalen Blendenöffnung von f/4 oder f/5.6 verwenden,<br />

funktionieren einige Kreuzsensoren nur wie lineare Sensoren.<br />

zuerst eine kurze Erläuterung der Funktionsweise des Autofokus.<br />

Schließlich sollen Sie ja verstehen, wieso die Kamera nicht immer<br />

das tut, was Sie von ihr erwarten!<br />

Wenn Licht durch das Objektiv in die Kamera gelangt, wird der<br />

Großteil vom Umlenkspiegel nach oben in den Sucher geleitet,<br />

damit Sie ein Bild sehen. Ein Teil wird jedoch auch nach unten<br />

auf einen Unterspiegel reflektiert, der dieses Licht dann auf den<br />

AF-Sensor leitet. Auf dem AF-Sensor befinden sich optische<br />

Elemente, die das Licht in zwei Strahlen aufteilen. Der Sensor<br />

analysiert diese Strahlen um festzustellen, wie unscharf das Bild<br />

ist und ob sich der Fokus vor oder hinter der Brennebene<br />

befindet. Dann wird der Fokus entsprechend eingestellt. Dies<br />

geschieht so schnell, dass die Kamera den Fokus ununterbrochen<br />

anpassen kann, während Sie ein sich bewegendes Motiv<br />

verfolgen. Auf diese Weise ist es einfacher denn je, gelungene<br />

Actionfotos zu machen.<br />

Das als Phasenerkennung bekannte System ermittelt anhand der<br />

AF-Sensoren, wo scharfgestellt werden muss. Die Anzahl der<br />

Sensoren variiert von Modell zu Modell, aber im Allgemeinen gilt:<br />

Je teurer die Kamera, umso mehr Sensoren hat sie – die Canon<br />

EOS 550D verfügt beispielsweise über neun, während die Nikon<br />

D3S 51 solcher Sensoren hat. Sie können entweder alle<br />

aktivieren und damit der Kamera die Entscheidung überlassen,<br />

welche verwendet werden, oder einen oder mehrere Sensoren<br />

gezielt auswählen, damit Sie mehr Kontrolle darüber haben,<br />

worauf das Objektiv fokussiert. Autofokus mit Phasenerkennung<br />

ist nicht narrensicher, und selbst die besten Systeme können<br />

unter Restlichtbedingungen Probleme haben, oder wenn Sie<br />

versuchen, auf einer Ebene zu fokussieren.<br />

Wenn Sie den LiveView-Modus verwenden, schaltet<br />

das AF-System von der Phasenerkennung in die<br />

Kontrasterkennung um, da das System nur funktioniert,<br />

wenn der Umlenkspiegel in der Kamera in der Stellung<br />

„unten“ zum Ansehen ist. Wenn Sie LiveView<br />

verwenden, wird der Spiegel nach oben gedreht, sodass<br />

auf das Objektiv treffendes Licht direkt in den Sensor<br />

der Kamera gelangt. Die Kontrasterkennung funktioniert<br />

nach dem Prinzip, dass der Kontrast in einem Bild am<br />

stärksten ist, wenn das Bild scharf ist. Also passt das<br />

AF-System den Fokus nach und nach an und analysiert<br />

den Kontrast, wobei häufig über den kritischen Punkt hinaus<br />

gegangen wird, damit das System weiß, wo es ist. Dann wird die<br />

Anpassung zurückgenommen und der Fokus fixiert. Die<br />

Kontrasterkennung kann jeden Teil des Bildbereichs<br />

scharfstellen. Deshalb haben kompakte Kameras Funktionen wie<br />

Gesichtserkennung. Sie ist allerdings in der Regel langsamer als<br />

die Phasenerkennung. Deshalb kann sie auch nicht für das<br />

Verfolgen sich bewegender Motive verwendet werden. Außerdem<br />

kann sie Probleme unter Restlichtbedingungen haben. Eine<br />

rühmliche Ausnahme ist LiveView von Sony. Hier wird ein<br />

einzigartiges System für die AF-Geschwindigkeit und<br />

Rückmeldung verwendet, das es mit der Leistung der<br />

Phasenerkennung durchaus aufnehmen kann.<br />

Fokus und Messung<br />

In neueren DSLR – wie der Nikon D7000 – ist der AF mit<br />

dem Messsystem verbunden, um die Wahrscheinlichkeit,<br />

ein Bild richtig zu belichten, zu erhöhen. Wenn Sie also<br />

Einzelpunkt-AF verwenden, wird die eingestellte <strong>Belichtung</strong><br />

zur Helligkeit/Tonalität des Objekts hinter dem ausgewählten<br />

AF-Punkt tendieren. Wenn Sie dagegen einen Weitwinkel-AF<br />

verwenden, bei dem mehrere AF-Punkte aktiv sind, wird die<br />

<strong>Belichtung</strong> von dem Objekt hinter dem ausgewählten Bereich<br />

beeinflusst (der mit zunehmenden AF-Punkten immer größer<br />

wird). Das Szenenerkennungssystem von Nikon hat neue<br />

Wege beschritten, indem das Autofokusmesssystem und das<br />

Weißabgleichsystem miteinander verknüpft wurden, während<br />

Canon vor Kurzem iFCL („Focus, Colour and Luminance“)<br />

eingeführt hat, ein System, das Autofokusfarb- und<br />

-luminanzinformationen verwendet.<br />

Vielfältiger Fokus<br />

Wenn Sie mehr über die<br />

AF-Betriebsarten Ihrer Kamera<br />

lernen wollen, probieren Sie sie<br />

an verschiedenen Bereichen<br />

eines Bildes aus.<br />

98 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Leitfaden für Einsteiger<br />

Die Funktionsweise von Autofokus-Systemen < Zurück zu den Grundlagen: Fokussieren <<br />

KARL SHAW<br />

Einstellen des Autofokus auf der DSLR<br />

AF ist eine wichtige Kamerafunktion. Bei den meisten Modellen ist das Umschalten<br />

zwischen den Betriebsarten ganz einfach. Hier zeigen wir Ihnen bei fünf beliebten DSLR<br />

führender Marken, wie die Einstellung vorgenommen wird. Wenn Sie ein anderes Modell<br />

haben, werden Sie feststellen, dass die Vorgehensweise ganz ähnlich ist.<br />

CANON EOS 550D<br />

AF-MODUS: Drücken Sie die AF-Taste<br />

auf dem Vierfachbedienelement.<br />

Wählen Sie den Modus „One Shot“,<br />

„AI Focus“ oder „AI Servo“.<br />

AF-Punkte: Drücken Sie AF-<br />

Punktauswahltaste rechts oben auf<br />

der Rückseite der Kamera. Wählen Sie<br />

mit der Wahltaste neben dem Auslöser<br />

die automatische oder manuelle<br />

Punktauswahl. Wählen Sie bei der<br />

manuellen Option den AF-Punkt über<br />

das Vierfachbedienelement aus.<br />

NIKON D5100<br />

AF-MODUS: Drücken Sie die Info-(i-)<br />

Taste, und blättern Sie zum Modus<br />

„Focus“. Drücken Sie „OK“, und<br />

wählen Sie auf dem<br />

Vierfachbedienelement „AF-A“,<br />

„AF-S“, „AF-C “oder „manual focus“.<br />

Drücken Sie „OK“ zur Bestätigung.<br />

AF-Punkte: Drücken Sie die Info-Taste,<br />

und blättern Sie nach unten zur Option<br />

„AF-area mode“. Wählen Sie<br />

zwischen „Single-point AF“ und<br />

„Auto-Area AF“.<br />

Wählen Sie bei „Single-point AF“ den<br />

AF-Punkt über das<br />

Vierfachbedienelement aus.<br />

OLYMPUS E-SERIES<br />

AF-MODUS: Drücken Sie „OK“ und<br />

blättern Sie zur Option „AF mode“.<br />

Drücken Sie noch einmal „OK“, und<br />

wählen Sie zwischen „S-AF<br />

(single-shot AF)“, „C-AF (continuous<br />

AF)“ und „MF (manual focus)“.<br />

AF-Punkte: Drücken Sie „OK“, und<br />

blättern Sie zur Option „AF Area“.<br />

Dann können Sie über den<br />

Befehlswählschalter alle AF-Punkte<br />

oder einen einzelnen Punkt<br />

auswählen.<br />

PENTAX K-SERIES<br />

AF-MODUS: Drücken Sie die Taste<br />

„MENU“, und wählen Sie „AF Mode“<br />

über das Vierfachbedienelement.<br />

„AF.S“ ist der AF-Modus für<br />

Einzelaufnahmen, während „AF.C“<br />

der AF-Modus für Serienaufnahmen<br />

ist.<br />

AF-Punkte: Drücken Sie die Taste<br />

„MENU“, und blättern Sie mit dem<br />

Vierfachbedienelement nach unten<br />

zu „Select AF point“. Wählen Sie<br />

zwischen „Auto“, „multi-point“ und<br />

„spot AF“ (die Kamera verwendet<br />

nur den zentralen AF-Punkt).<br />

fhgf<br />

SONY ALPHA 580<br />

AF-MODUS: Drücken Sie „Fn“, und<br />

wählen Sie über das<br />

Vierfachbedienelement die Option<br />

„Autofocus mode“. Wählen Sie<br />

zwischen den Betriebsarten „AF-S“,<br />

„AF-A“ und „AF-C“.<br />

AF-Punkte: Drücken Sie „Fn“ und<br />

wählen über das<br />

Vierfachbedienelement die Option<br />

„AF area“. Wählen Sie zwischen<br />

„Wide“ (alle Punkte), „Spot“<br />

(mittlerer Punkt) und „Local“<br />

(manuelle Auswahl eines beliebigen<br />

AF-Punkts).<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 99


Leitfaden für Einsteiger<br />

> Zurück zu den Grundlagen: Fokussieren > Autofokus-Optionen<br />

Autofokus: Die verschiedenen Betriebsarten<br />

Das AF-System Ihrer Kamera hat zwei auswählbare Funktionen: AF-Modus und AF-Punktauswahl. Wenn Sie wissen,<br />

welche Funktion für die jeweilige Aufnahmesituation am besten geeignet ist, ist auch das Motiv richtig scharfgestellt.<br />

Autofokus-Betriebsarten: Hiermit können Sie das Motiv entweder fixieren oder kontinuierlich vom AF verfolgen lassen.<br />

Einzelbild-AF<br />

AF-S<br />

In der Betriebsart AF-S fixiert der Fokus<br />

das Motiv, wenn Sie den Auslöser<br />

teilweise niederdrücken, und bleibt auf<br />

dieselbe Entfernung fokussiert, solange der Auslöser<br />

gedrückt gehalten wird. Eine Fokusbestätigungsanzeige<br />

im Sucher leuchtet auf, wenn das Objektiv den Fokus<br />

fixiert (verriegelt) hat, und ein akustisches Signal ist zu<br />

hören. Dann drücken Sie den Auslöser ganz nieder, um<br />

eine Aufnahme zu machen. AF-S eignet sich ideal für<br />

statische Motive. Wenn sich allerdings das Motiv<br />

bewegt, nachdem der Fokus fixiert wurde, kann es gut<br />

sein, dass es unscharf ist, da der Fokus auf dem<br />

ursprünglichen Punkt fixiert bleibt. Um das zu<br />

vermeiden, müssen Sie den Auslöser noch einmal<br />

drücken, um auf das Motiv neu scharf zu stellen. Wenn<br />

die Kamera Probleme damit hat, den Fokus zu fixieren<br />

– beispielsweise weil der Bereich, auf den Sie<br />

scharfstellen möchten, näher ist als die<br />

Mindestfokusdistanz –, wird der Auslöser nicht betätigt.<br />

Sie können AF-S mit der Fokusverriegelung verwenden,<br />

um auf Motive scharfzustellen, die nicht in der Mitte<br />

sind. Wählen Sie zu diesem Zweck einen einzelnen<br />

AF-Punkt (meist wird der mittige Punkt gewählt).<br />

Passen Sie die Komposition der Aufnahme so an, dass<br />

der Fokuspunkt auf den Bereich fällt, auf den Sie<br />

scharfstellen möchten, und drücken Sie den Auslöser<br />

teilweise nieder, um den Fokus zu fixieren. Wenn Sie<br />

den Auslöser gedrückt halten, ändert sich der Fokus<br />

nicht, sodass Sie die Komposition anpassen können.<br />

Drücken Sie dann den Auslöser ganz nieder, um die<br />

Aufnahme zu machen.<br />

Automatischer AF<br />

AF-A<br />

Hierbei handelt es sich um einen<br />

„intelligenten“ AF-Modus, der bei<br />

einigen neueren DSLR zu finden ist.<br />

Dabei schaltet die Kamera automatisch je nach<br />

Motiv zwischen AF-S und AF-C um. Wenn die<br />

Kamera feststellt, dass das Motiv statisch ist, wird<br />

die Betriebsart AF-S eingestellt, um es<br />

scharfzustellen. Wenn sie dagegen feststellt, dass<br />

sich das Motiv bewegt, wird AF-C eingestellt, um die<br />

Wahrscheinlichkeit eines gestochen scharfen Bildes<br />

zu erhöhen. Das ist eine praktische Betriebsart,<br />

wenn Sie schnell hintereinander viele verschiedene<br />

Motive fotografieren, die zum Teil statisch sind und<br />

sich zum Teil bewegen, wie Straßenfotografie und<br />

Reportagen. Erfahrene Fotografen bleiben aber in der<br />

Regel bei einem bestimmten AF-Modus, damit sie<br />

wissen, wie die Kamera voraussichtlich reagiert.<br />

Die Betriebsarten<br />

Die meisten Kameras verfügen zwar über all diese<br />

AF-Betriebsarten, aber sie können unterschiedliche<br />

Bezeichnungen haben, wie nachfolgend erläutert:<br />

AF-S AF-C AF-A<br />

CANON One Shot AI Servo AI Focus<br />

NIKON AF-S AF-C AF-A<br />

OLYMPUS S-AF C-AF –<br />

PENTAX AF.S AF.C AF.A<br />

SONY AF-S AF-C AF-A<br />

Perfekt für...<br />

Portraits: Benutzen Sie einen<br />

AF-Sensor, um sich auf das Auge zu<br />

konzentrieren und perfekte Porträts<br />

zu erfassen.<br />

Architektur: Einzel-Schuss-<br />

AF ist für statische Themen wie<br />

Gebäude und Landschaften ideal.<br />

Perfekt für...<br />

Kompaktkameras:<br />

Konzentrieren Sie sich auf das<br />

Motiv, ohne durch den ViewFinder<br />

zu schauen.<br />

Kinder: AF-A-Fokus fixiert ein<br />

Kind und merkt, wenn es anfängt,<br />

sich zu bewegen.<br />

PAUL WARD LEE FROST BRETT HARKNESS<br />

BRETT HARKNESS<br />

Automatische<br />

Schärfenachführung<br />

AF-C<br />

Manueller Fokus<br />

M<br />

Dieser Modus wird auch als Servo-AF<br />

bezeichnet. Bei dieser Betriebsart wird<br />

der Autofokus kontinuierlich angepasst,<br />

damit das Motiv scharf eingestellt bleibt, wenn es sich<br />

bewegt oder wenn Sie sich bewegen – oder wenn sich<br />

beide bewegen! Achten Sie bei der Verwendung von<br />

AF-C darauf, dass sich ein aktiver AF-Punkt über dem<br />

Motiv befindet, und drücken Sie dann den Auslöser<br />

teilweise nieder, um den Fokus zu fixieren. Wenn Sie<br />

den Auslöser teilweise gedrückt halten und sich ein<br />

aktiver AF-Punkt über dem Motiv befindet, sollte dieses<br />

scharf eingestellt bleiben, bis Sie den Auslöser ganz<br />

niederdrücken, um die Aufnahme zu machen. Wenn<br />

die Kamera auf den Serienbildmodus eingestellt ist,<br />

können Sie auch schnelle Bildsequenzen fotografieren,<br />

indem Sie den Auslöser gedrückt halten; dabei sollte<br />

jedes Bild scharf sein. Im Gegensatz zur Betriebsart<br />

AF-S wird im Modus AF-C der Auslöser auch dann<br />

betätigt und eine Aufnahme gemacht, wenn das<br />

Objektiv den Fokus nicht fixiert hat oder der Fokus auf<br />

etwas anderes als das Hauptmotiv scharfgestellt<br />

wurde. In diesem Fall müssen Sie aufpassen, dass Sie<br />

am Ende nicht eine Menge unscharfer Bilder haben.<br />

Die Verwendung von Fokussierungshilfspunkten oder<br />

AF mit dynamischem/erweitertem Bereich ist hier<br />

hilfreich, da hierbei andere AF-Punkte dazu beitragen,<br />

dass das Motiv scharf eingestellt bleibt, wenn das Motiv<br />

außerhalb des Hauptfokuspunkts gerät, mit dem Sie es<br />

verfolgen. Das ist praktisch für schwierige Motive, wie<br />

fliegende Vögel.<br />

Auch wenn die neuesten AF-Systeme<br />

schnell, genau und zuverlässig sind, hat<br />

die Verwendung des guten alten<br />

manuellen Fokus dennoch seine Berechtigung. Wenn<br />

Sie schon lange fotografieren, ist Ihnen diese Methode<br />

möglicherweise einfach lieber; der Mensch ist nun mal<br />

ein Gewohnheitstier. Aber bei einigen statischen Motiven<br />

kann es durchaus von Vorteil sein, wenn Sie genau<br />

festlegen können, worauf sich das Objektiv scharfstellt.<br />

Bei Landschaftsaufnahmen soll beispielsweise in der<br />

Regel das ganz Bild scharf sein. Zu diesem Zweck<br />

müssen Sie steuern können, wie weit in die Szene hinein<br />

das Objektiv scharfstellt (idealerweise auf die<br />

hyperfokale Distanz) – und das geht mit der manuellen<br />

Fokussierung viel einfacher. Wenn Sie das Objektiv<br />

manuell scharf eingestellt haben, können Sie die Kamera<br />

in der Position lassen, während Sie beispielsweise auf<br />

bessere Lichtverhältnisse warten und dann bereit für die<br />

Aufnahme sind. Die manuelle Scharfstellung ist auch bei<br />

Restlicht- oder kontrastarmen Szenen hilfreich, bei<br />

denen AF möglicherweise Probleme hat. Auch<br />

Makroaufnahmen sind ein Bereich, bei dem der<br />

manuelle Fokus ganz praktisch sein kann. Die<br />

Schärfentiefe kann so gering sein, dass nur der Punkt,<br />

auf den Sie tatsächlich scharfstellen, letztendlich auch<br />

scharf ist. Es ist also besser, wenn Sie diesen Punkt<br />

wählen und nach Bedarf anpassen können, ohne sich<br />

auf AF-Punkte und die Fokusverriegelung verlassen zu<br />

müssen. Der manuelle Fokus ist bei sich bewegenden<br />

Motiven nicht sehr hilfreich – hier ist die Betriebsart AF-C<br />

schneller und zuverlässiger –, aber bei statischen<br />

Motiven sollten Sie ihn unbedingt ausprobieren.<br />

Perfekt für...<br />

Sport: Ihre ersten Versuche mit<br />

sich schnell bewegenden Themen<br />

sollten Sie Modus AF-C m achen.<br />

Tiere: Versuchen Sie<br />

kontinuierlichen AF bei wild lebenden<br />

Tieren, um sicherzustellen, dass Sie<br />

scharfe Tierbilder machen.<br />

Perfekt für...<br />

Wenig Licht: Ihr AF hat<br />

möglicherweise Probleme, die<br />

Szene scharf zu stellen.<br />

Makro: Wegen der sehr geringen<br />

Schärfentiefe, müssen Sie sehr genau<br />

fokussieren.<br />

ISTOCK PHOTO ISTOCK PHOTO LEE FROST<br />

ROSS HODDINOTT<br />

100 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Autofokus-Optionen


Leitfaden für Einsteiger<br />

>Zurück zu den Grundlagen: Fokussieren >Bewegliche Motive<br />

Scharfeinstellung eines beweglichen Motivs<br />

Die automatische Schärfenachführung Ihrer Kamera versucht, ein bewegliches Motiv so gut wie möglich zu verfolgen,<br />

aber das Ergebnis ist nicht immer perfekt. Es gibt jedoch Techniken, um wirklich beeindruckende Bilder zu machen.<br />

SCHNELL LAUFENDE TIERE, Vögel im Flug, Rennautos mit über 300 Kilometern<br />

pro Stunde – erfahrene Sport- und Naturfotografen lassen es ganz einfach aussehen,<br />

gestochen scharfe Aufnahmen von Motiven zu machen, die sich so schnell bewegen,<br />

dass sie vom menschlichen Auge, geschweige denn einer Kamera, kaum verfolgt werden<br />

können – und obendrein weisen diese Bilder auch noch eine gute Komposition und ein<br />

perfektes Timing auf. Aber das ist nicht einfach. Und wenn Sie bedenken, dass hierfür<br />

normalerweise lange, schwere Teleobjektive benötigt werden, wodurch die Schärfentiefe<br />

stark eingeschränkt wird, ist das erforderliche Können umso größer, weil so wenig Raum<br />

für Fehler bleibt.<br />

Wenn Sie mit dem <strong>Fotografie</strong>ren angefangen haben, als es nur den manuellen Fokus gab,<br />

wissen Sie, dass Autofokus-Systeme einfach ein Traum sind: Sie erleichtern die Aufgabe,<br />

bewegliche Motive zu fotografieren, unwahrscheinlich, weil sie so präzise funktionieren<br />

und Rückmeldungen liefern. Sie sind aber nicht absolut narrensicher, sodass Sie das<br />

Gehirn nicht ganz ausschalten können.<br />

Kleine Objekte, die sich mit großer Geschwindigkeit bewegen, sind besonders schwierig<br />

zu fotografieren. Denn damit sie bei der Verwendung von AF auch scharf bleiben, müssen<br />

Sie darauf achten, dass sich ein aktiver AF-Punkt darüber befindet. Andernfalls sucht<br />

sich das Fokussierungssystem etwas anderes zum Fokussieren, und Ihr Hauptmotiv<br />

wird wahrscheinlich unscharf. Bei fliegenden Vögeln, die sich in der Regel nur vor einem<br />

normalen Himmel befinden, kann dies katastrophal sein, weil das Objektiv dann versucht,<br />

auf den Himmel scharfzustellen und das Hauptmotiv unscharf wird. Und Sie werden<br />

wahrscheinlich Probleme haben, wieder auf das Hauptmotiv scharfzustellen, bevor die<br />

Fotogelegenheit vorbei ist. Auch Sportmotive wie Fußball und Rugby bereiten gewisse<br />

Probleme, da ein Spieler, der den Weg des „verfolgten“ Spielers kreuzt, dazu führen kann,<br />

dass das Objektiv den Fokus ändert – normalerweise genau in dem Moment, in dem Sie<br />

abdrücken möchten!<br />

Wenn dann ein Spiel auch noch bei Flutlicht oder unter kontrastarmen Bedingungen<br />

stattfindet, wird es noch schwieriger, da AF-Systeme bei schlechtem Licht weniger<br />

wirkungsvoll sind.<br />

Je mehr Sie üben, desto besser werden Sie. Sie müssen sich mit dem<br />

Fokussierungssystem Ihrer Kamera vertraut machen, dessen Schwächen kennen und<br />

wissen, wie Sie schnell die AF-Punkte mit der Kamera an Ihrem Auge ändern können,<br />

damit Sie das Motiv nicht aus dem Blick verlieren. Es ist auch nützlich, wenn Sie wissen,<br />

wie Sie die Leistung des AF-Systems mithilfe von Funktionen wie Hilfspunkten, AF mit<br />

dynamischem Bereich und anderen kameraspezifischen Funktionen optimieren können.<br />

Die Technik soll Sie schließlich unterstützen, also geben Sie ihr die Möglichkeit dazu! Die<br />

Fokussierungstechnik, die Sie verwenden, hängt auch von der Art des sich bewegenden<br />

Motivs ab. Wir erklären die beiden besten Fokussierungstechniken – probieren Sie sie aus.<br />

Vorfokussierung<br />

Wenn bewegliche Motive einer vorhersagbaren Strecke folgen, sind sie einfacher<br />

zu fotografieren, weil Sie sich vorbereiten und auf sie warten können, indem Sie<br />

auf einen ganz bestimmten Punkt scharfstellen. Wenn Sie beispielsweise den<br />

Autorennsport betrachten, sehen Sie, dass alle Fahrer dieselbe Rennlinie auf der<br />

Rennstrecke fahren. Sie können das Objektiv also auf einen Punkt vorfokussieren und<br />

dann auf den Auslöser drücken, wenn ein Auto ankommt. Eigentlich lassen Sie auf<br />

diese Weise das Rennen zu sich kommen, statt der Bewegung hinterherzulaufen. Das<br />

Gleiche gilt für jedes Sportereignis oder Motiv, das einer vorhersagbaren Strecke folgt<br />

– Leichtathletik, Motocross, Radfahren und so weiter.<br />

Verwenden Sie zum Vorfokussieren AF und wählen Einzelbildaufnahme (AF-S)<br />

und Einzelpunkt-AF. Beim aktivierten Fokuspunkt kann es sich um den zentralen<br />

Punkt handeln. Wenn Sie diesen verwenden, müssen Sie allerdings möglicherweise<br />

fokussieren und fixieren, indem Sie den Auslöser teilweise niedergedrückt halten,<br />

die Komposition anschließend neu anordnen und auf das Motiv warten, bevor Sie<br />

die Aufnahme machen können. Es ist einfacher, einen Fokuspunkt zu wählen, der in<br />

dem Bereich liegt, durch den das Motiv kommt. Die Alternative ist manueller Fokus.<br />

Das Objektiv bleibt auch dann scharf eingestellt, wenn Sie den Finger vom Auslöser<br />

nehmen. Sie können also schnell hintereinander mehrere Aufnahmen machen. Das<br />

kann besser funktionieren als AF, wobei das Objektiv immer neu fokussieren muss.<br />

Und warten Sie mit dem Auslösen nicht, bis das Motiv den Punkt erreicht hat, auf<br />

den Sie scharfgestellt haben. Die kleine Verzögerung zwischen Ihrer Entscheidung<br />

und dem Moment, in dem Ihr Finger tatsächlich auf den Auslöser drückt, kann schon<br />

ausreichen, dass das Motiv an dem kritischen Punkt vorbei ist, bevor der Verschluss<br />

geöffnet wird. Lösen Sie stattdessen aus, kurz bevor das Motiv den Punkt erreicht, auf<br />

den Sie scharfgestellt haben. Dann sollten Sie eine perfekte Aufnahme haben.<br />

Verwendung der Vorfokussierung: Dieser Bildersatz bietet ein ideales Szenario für die<br />

Verwendung der Vorfokussierungstechnik, mit der Sie das Motiv gestochen scharf<br />

fotografieren können.<br />

Drücken Sie bei der Kameraeinstellung Einzelpunkt-AF und AF-S den Auslöser teilweise<br />

nieder, und fixieren Sie den Fokus auf die Hürde. 2) Warten Sie, bis sich der Läufer nähert,<br />

und drücken Sie auf den Auslöser, wenn er die Hürde gerade erreicht. Ganz einfach!<br />

1<br />

2<br />

Einsatzmöglichkeiten ...<br />

ISTOCK PHOTO<br />

ISTOCK PHOTO<br />

AUTORENNSPORT: Da alle<br />

Autos der optimalen Rennlinie folgen,<br />

sollten Sie auf einen Teil der Rennstrecke<br />

vorfokussieren, den die Autos mit<br />

Sicherheit passieren. Drücken Sie dann<br />

auf den Auslöser, wenn sie diese Stelle<br />

erreichen.<br />

RADFAHREN: Nehmen Sie eine<br />

Vorfokussierung bei einem bestimmten<br />

Teilabschnitt der Strecke vor. Oder, wenn<br />

Sie das Ende eines Rennens fotografieren,<br />

fokussieren Sie auf die Ziellinie, und<br />

drücken Sie auf den Auslöser, wenn die<br />

Radfahrer sich ihr nähern.<br />

102 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Leitfaden für Einsteiger<br />

Bewegliche Motive


Leitfaden für Einsteiger<br />

>Zurück zu den Grundlagen: Fokussieren > Autofokus-Techniken<br />

Lösungen für Autofokus-Probleme<br />

Das Autofokus-System Ihrer Kamera funktioniert in den meisten Situationen präzise, aber nicht immer.<br />

Auf den nächsten Seiten beschreiben wir Situationen, mit denen der Autofokus Probleme haben könnte,<br />

und erklären Techniken, mit denen Sie dennoch den perfekten Fokus erzielen.<br />

<strong>Fotografie</strong>ren von Motiven in schlechtem<br />

Licht oder mit wenig Kontrast<br />

Bei schlechten Lichtverhältnissen ist AF weniger<br />

wirkungsvoll. Das Phasenerkennungssystem der DSLR<br />

ist zwar besser als der Kontrasterkennungs-AF in digitalen<br />

Kompaktgeräten, aber es ist nicht absolut narrensicher.<br />

Bei Außenaufnahmen städtischer Szenen mit künstlicher<br />

Beleuchtung sollten Sie mit AF keine Probleme haben<br />

(Einzelpunkt-AF und AF-S werden empfohlen), da es hier<br />

helle Bereiche und viel Kontrast gibt. Wenn Sie dagegen<br />

Landschaften im Mondschein oder den Nachthimmel<br />

fotografieren oder Innenaufnahmen mit wenig Licht machen,<br />

kann der AF Probleme haben, das Motiv scharfzustellen.<br />

Einige DSLR haben eine Fokushilfsbeleuchtung, bei dem es<br />

sich im Prinzip um ein Licht handelt, das erleuchtet, wenn<br />

zu wenig Umgebungslicht festgestellt wird, um den Kontrast<br />

im Motiv zu erhöhen, damit das Objektiv scharfstellen<br />

kann. Auch viele Blitzgeräte haben Infrarotbeleuchtungen,<br />

die denselben Zweck erfüllen. Wenn Sie keine derartige<br />

Beleuchtung haben, halten Sie eine Taschenlampe auf das<br />

Motiv, damit es scharf eingestellt werden kann. Alternativ<br />

können Sie Einzelpunkt-AF mit ausgewähltem zentralen<br />

AF-Punkt ausprobieren, da dies der<br />

empfindlichste Punkt ist, und auf etwas<br />

scharfstellen, das genauso weit von Ihnen<br />

entfernt ist wie das Motiv. Fixieren Sie den<br />

Fokus auf diesen Gegenstand, halten Sie<br />

den Auslöser niedergedrückt, passen Sie<br />

die Komposition an und machen<br />

die Aufnahme. Wenn<br />

das nicht funktioniert,<br />

schalten Sie von AF auf<br />

manuellen Fokus um –<br />

das ist immer ein guter<br />

letzter Ausweg.<br />

LEE FROST<br />

Drei schwierige Szenarien: Probleme und Lösungen<br />

ISTOCK PHOTO<br />

LEE FROST<br />

ISTOCK PHOTO<br />

1) <strong>Fotografie</strong>ren durch Glas<br />

Wenn Sie mit dem Autofokus versuchen, durch ein<br />

Fenster zu fotografieren, kann es sein, dass das Objektiv<br />

entweder auf nichts oder auf das Glas selber scharfstellt<br />

statt auf die Szene dahinter. Das passiert vor allem dann,<br />

wenn das Glas dreckig oder verkratzt ist, da die Kamera<br />

dann einen Kontrast feststellt und davon ausgeht, dass<br />

dies das Motiv ist, auf das scharfgestellt werden soll.<br />

Probieren Sie, mit Einzelpunkt-AF zu fotografieren. Wenn<br />

das nicht funktioniert, schalten Sie auf manuellen Fokus<br />

um, damit Sie das Objektiv nach Belieben fokussieren<br />

können.<br />

2) <strong>Fotografie</strong>ren von Reflexionen<br />

Der Schlüssel beim <strong>Fotografie</strong>ren von Reflexionen im<br />

Wasser, auf Glas und auf Metall besteht darin, nicht auf<br />

die reflektierende Oberfläche scharfzustellen, sondern auf<br />

die Reflexion selber, damit Sie wissen, dass die Reflexion<br />

gestochen scharf sein wird. Das ist besonders wichtig,<br />

wenn Sie mit einem Teleobjektiv oder einer großen<br />

Blendenöffnung fotografieren, da die Schärfentiefe<br />

verringert ist. Wenn Sie das mit Autofokus ausprobieren,<br />

stellt das Objektiv möglicherweise auf die reflektierende<br />

Oberfläche scharf. Wenn das passiert, schalten Sie auf<br />

manuellen Fokus um, und stellen Sie auf die Reflexion<br />

scharf.<br />

3) <strong>Fotografie</strong>ren aus der Hüfte<br />

Das ist eine Technik mit wechselndem Erfolg, weil Sie<br />

nicht wirklich sehen können, was Sie fotografieren. Aber<br />

damit können fantastische Ergebnisse erzielt werden. Am<br />

besten stellen Sie den manuellen Fokus ein und nehmen<br />

eine Vorfokussierung auf einen bestimmten Punkt vor.<br />

Verwenden Sie eine mittlere Blende (f/8 oder f/11), um<br />

eine ordentliche Schärfentiefe zu bekommen, vor allem<br />

bei der Verwendung von Weitwinkelobjektiven, die Ihnen<br />

viel Schärfentiefe bei kleinen Blenden bieten. Probieren<br />

Sie auch Mehrfachpunkt-AF aus. Damit können Sie unter<br />

Umständen ganz gute Ergebnisse erzielen, solange sich<br />

das Hauptmotiv am nächsten zu Ihnen befindet.<br />

104 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Leitfaden für Einsteiger<br />

Autofokus-Techniken


EIN-STUNDEN-FOTO<br />

LESERWETTBEWERB<br />

KÜSTENDETAILS<br />

WENN FOTOGRAFEN AN DIE KÜSTE FAHREN, MÖCHTEN SIE FÜR GEWÖHNLICH<br />

ATEMBERAUBENDE MEERESLANDSCHAFTEN FOTOGRAFIEREN. DOCH DIE<br />

KÜSTE IST AUCH EIN IDEALER ORT FÜR AUSGEFALLENE DETAILS, WIE UNSER<br />

LESER DUNCAN GALLAGHER FESTGESTELLT HAT, ALS ER SICH MIT DEM<br />

PROFIFOTOGRAFEN LEE FROST AUF HOLY ISLAND IN NORTHUMBERLAND<br />

GETROFFEN HAT.<br />

TEXT: LEE FROST / FOTOS: DUNCAN GALLAGHER


EIN-STUNDEN-FOTO<br />

LESERWETTBEWERB<br />

Der Leser<br />

Name: Duncan Gallagher<br />

Alter: 37<br />

Beruf: Telekommunikationstechniker<br />

Ausrüstung: Nikon D7000 und D5000 mit einem Nikon 28-200 mm<br />

f/3.5-5.6 (nicht mehr erhältlich) und einem 50 mm f/1.8<br />

Duncan sagt: „Ich interessiere mich seit zehn Jahren für das <strong>Fotografie</strong>ren,<br />

aber richtig ernsthaft beschäftige ich mich damit seit drei Jahren, nachdem<br />

ich in Thailand Urlaub gemacht habe. Ich bin immer auf der Suche nach<br />

ausgefallenen Szenen und probiere möglichst oft ungewöhnliche Standpunkte aus, damit meine<br />

Bilder so dynamisch und einzigartig wie möglich aussehen. Ich mache gerne Naturaufnahmen<br />

und fotografiere gerne im Freien, habe mich aber bisher noch nie an Küstenmotive herangewagt.<br />

Ich freue mich also auf die Herausforderung. Die Gelegenheit zu bekommen, mit einem Fotografen<br />

von Lees Kaliber zu arbeiten, wenn auch nur für kurze Zeit, ist sehr aufregend, und ich bin sicher,<br />

dass ich einige neue Techniken lernen werde, mit denen ich meine Bilder verbessern kann.“<br />

gutes Motiv<br />

zu unruhig<br />

DIE BRITISCHE KÜSTENLINIE ist kaum zu schlagen,<br />

wenn es um abwechslungsreiche Motive geht, aber das<br />

ist ja bei mehr als 17.000 Kilometern Küste (ohne<br />

Inseln) auch nicht verwunderlich. Von malerischen<br />

Fischerdörfern bis zu dramatisch aussehenden<br />

Klippenlandschaften, von verfallenen Burgen bis zu atemberaubenden<br />

Sandbuchten ist für jeden etwas geboten. Die meisten der<br />

„klassischen“ Motive wurden allerdings im Laufe der Jahrzehnte schon<br />

zu Tode fotografiert. Ich lebe an der Küste von Northumberland und<br />

weiß daher, wovon ich spreche. Es vergeht kaum ein Monat, in dem<br />

eine Fotozeitschrift keine Bilder von Bamburgh Castle, Dunstanburgh<br />

Castle oder Lindisfarne Castle ablichtet – einige davon wurden sogar<br />

von mir gemacht!<br />

Immer mehr Fotografen entscheiden sich für Abwechslung, indem sie<br />

die prachtvollen Motive zugunsten „intimerer“ Bilder ignorieren. Sie<br />

konzentrieren sich auf Details in einer Szene, wie Farbe, Ton, Struktur<br />

und Form. Auf diese Weise können die Auswirkungen, die Zeit und<br />

Wetter auf die Landschaft haben, gut dargestellt werden. Und die<br />

wundersamen Kreationen der Natur, die so deutlich zu sehen sind,<br />

aber dennoch häufig übersehen werden, können regelrecht zelebriert<br />

werden.<br />

Unser Leser Duncan Gallagher wollte unbedingt einmal<br />

Detailaufnahmen machen, und ich hatte auch gleich den richtigen Ort<br />

dafür im Kopf: die „heilige Insel“ Lindisfarne. Sie ist über einen den<br />

Gezeiten unterliegenden Dammweg mit dem Festland von<br />

Northumberland verbunden und ist vielleicht der interessanteste Ort in<br />

der Region, was abwechslungsreiche Motive betrifft. Der Hafen eignet<br />

sich hervorragend zum Herumspazieren mit der Kamera in der Hand,<br />

immer auf der Suche nach außergewöhnlichen Motiven. Und mit<br />

seiner kuriosen Mischung aus alten Booten, Fischerhütten, rostenden<br />

Ankern und Ketten, Hummertöpfen und aufgetürmten Fischkisten wird<br />

man nur selten enttäuscht. Etwa eineinhalb Kilometer von der Bucht<br />

entfernt ist Lindisfarne Castle mit einigen faszinierenden<br />

Felsformationen in der Nähe, die regelmäßig als Vordergrund<br />

verwendet werden, aber auch für sich ein hervorragendes Motiv bieten.<br />

Wir haben uns für die Aufnahmen einen Zeitrahmen gesetzt, damit der<br />

Dammweg bei unserer Ankunft nicht unter Wasser stand und wir nicht<br />

riskierten, von der Flut überrascht zu werden, bevor unsere<br />

<strong>Fotografie</strong>rstunde um war. Darauf hatten wir Einfluss. Was allerdings<br />

das Wetter betrifft – tja, das unterliegt seinen eigenen Gesetzen, wie<br />

jeder Landschaftsfotograf in Großbritannien nur allzu gut weiß.<br />

Paradoxerweise bekamen wir es aber nicht mit strömendem Regen<br />

oder stürmischen Winden zu tun, sondern mit hellem Sonnenschein<br />

und einem wolkenlosen Himmel. Als Tourist, Vogelbeobachter,<br />

Hundeausführer, Sonnenanbeter oder irgendetwas anderes als Fotograf<br />

könnte man sich kein besseres Wetter wünschen. Aber zum<br />

<strong>Fotografie</strong>ren von Küstenlandschaften gibt es nichts Schlimmeres. Das<br />

grelle Licht und die starken Schatten sind Gift, wenn man die dezenten<br />

Details in den Motiven zur Geltung bringen will. Mit direktem<br />

Sonnenlicht kann man durchaus gut arbeiten, aber sehr nur früh und<br />

sehr spät am Tag, da das Licht dann eine natürliche Wärme hat und<br />

viel weicher ist, und die Schatten auf Grund des schräg einfallenden<br />

Lichts die Strukturen besser zur Geltung bringen.<br />

Wenn der Himmel bedeckt gewesen wäre, was ich erhofft hatte, wären<br />

die Bedingungen ideal gewesen, da die Wolkendecke wie ein riesiger<br />

Diffusor fungiert, der Licht und Schatten weicher macht und all die<br />

dezenten Details in ihrer ganzen Pracht zum Vorschein bringt. Sogar<br />

Regen wäre mir lieber gewesen. Da sich die meisten interessanten<br />

Details an der Küste auf niedrigem Niveau befinden, zeigt die Kamera<br />

in der Regel nach unten. Deshalb können die Kamera und das Objektiv<br />

während des <strong>Fotografie</strong>rens leicht trocken gehalten werden. Aber mit<br />

einer Stunde für drei Aufgabenstellungen, der Flut vor Augen und<br />

keinerlei Anzeichen von Wolken oder Regen blieb uns nichts anderes<br />

übrig, als uns an die Arbeit zu machen und zu sehen, was wir in<br />

suboptimalen Bedingungen zustande bringen würden.<br />

Duncan musste sich mit der Nikon D7000, die ich mitgebracht hatte,<br />

nicht vertraut machen, da er bereits eine besitzt. Und da das Nikkor<br />

18-200 mm f/3.5-5.6G ED VRII so traumhaft einfach zu bedienen ist,<br />

wusste ich, dass er auch damit keine Probleme haben würde. Wir<br />

hatten keine Zeit zu verlieren, sodass wir die Uhr laufen ließen.<br />

Aufgabe eins: ein farbenprächtiges abstraktes<br />

Motiv<br />

Wenn heller Sonnenschein und ein blauer, wolkenloser Himmel<br />

für irgendetwas gut sind, dann ist es das <strong>Fotografie</strong>ren abstrakter<br />

OBEN: „Duncan<br />

macht sich mit der<br />

D7000 vertraut.“<br />

GANZ LINKS:<br />

„Duncan freut sich wie<br />

ein Schneekönig,<br />

während er das<br />

Fotopotenzial eines<br />

alten Fischerbootes<br />

auf ,Holy Island’<br />

erforscht.“<br />

OBEN MITTE: „Eine<br />

interessante Idee, aber<br />

die Komposition ist zu<br />

unruhig und<br />

unaufgeräumt.<br />

Duncan muss ein<br />

wenig näher ran und<br />

nach sich<br />

wiederholenden<br />

Mustern suchen.“<br />

GANZ OBEN: „Der<br />

Kontrast zwischen<br />

dem blauen Himmel<br />

und dem roten Rand<br />

sieht gut aus.<br />

Zusammen mit der<br />

Kombination des<br />

interessanten<br />

Schattens und der<br />

diagonalen Linien ist<br />

ein tolles Abstraktbild<br />

entstanden. Damit ist<br />

Aufgabe eins erledigt!“<br />

108 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Klare Linien<br />

Störende Schatten<br />

Empfohlene Ausrüstung<br />

Der ganze Sinn und Zweck<br />

von Detailaufnahmen<br />

besteht darin, „intime“<br />

Bilder zu machen, die<br />

Struktur, Farbe, Linien<br />

und Form zeigen. Das<br />

Motiv ist normalerweise<br />

klein, sodass die<br />

Bildqualität hoch sein<br />

muss, um dem Motiv<br />

gerecht zu werden. Und<br />

das wiederum bedeutet,<br />

dass Sie eine Kamera<br />

verwenden müssen, die der<br />

Herausforderung<br />

gewachsen ist, egal, worauf<br />

Sie damit zeigen. Die Nikon D7000 ist<br />

eine solche Kamera. Mit ihrem<br />

16.2-Megapixel-Sensor erstellt sie<br />

Dateien, die Sie nach Belieben vergrößern<br />

können. Und ihr ausgezeichnetes<br />

Matrix-Messsystem garantiert perfekt<br />

belichtete Ergebnisse selbst unter den<br />

schwierigsten Lichtbedingungen. Die Wahl<br />

des Objektivs ist gleichermaßen wichtig.<br />

Sie brauchen ein vielseitiges Objektiv, mit<br />

dem Sie jederzeit eine gute Bildkomposition<br />

hinkriegen, egal, ob das Motiv nah oder weit<br />

entfernt ist. Duncan verwendete das Nikkor-Zoomobjektiv 18 –<br />

200 mm, ein ausgezeichnetes Allzweckobjektiv mit Brennweiten von<br />

Standard bis Tele, das klare, scharfe Bilder liefert.<br />

Motive. Diese Aufgabe habe ich also Duncan gestellt. Das gilt noch<br />

als Detailaufnahme. Die Herangehensweise den Wetterverhältnissen<br />

anzupassen ist Bestandteil des kreativen <strong>Fotografie</strong>rens.<br />

Auf einem grasbedeckten Uferbereich über dem Hafen von „Holy<br />

Island“ liegen viele farbenfrohe alte Fischerboote verstreut. Duncan<br />

geht also einige Minuten zwischen ihnen herum, auf der Suche<br />

nach einem geeigneten Motiv. Klare Formen, kräftige Farben und<br />

ungewöhnliche Winkel sind der Schlüssel zu einer erfolgreichen<br />

Abstraktaufnahme – das fertige Bild sollte auch für sich alleine eine<br />

Aussage haben, ohne dass das Motiv zu sehr im Vordergrund steht.<br />

Duncan findet ein großes blaues Boot mit einer rostenden<br />

Schiffsschraube und kniet sich hin. Nicht vor lauter Dankbarkeit, weil<br />

er ein tolles Motiv gefunden hat, sondern damit er von einem niedrigen<br />

Winkel aus fotografieren und die Schraube neben den ausgeprägten<br />

diagonalen Linien des Bootsrumpfs positionieren kann. Ich sehe mir<br />

die Ergebnisse auf dem LCD-Display seiner D7000 an. Obwohl die<br />

Idee gut ist, ist die Komposition zu unruhig, und es ist nicht abstrakt<br />

genug. Ich gehe um das Boot herum und weise auf ein altes Netz hin,<br />

das darüber geworfen wurde. Es wirft an der Seite des Bootes einen<br />

interessanten Schatten. Außerdem ist das Netz in Rot gesäumt, was<br />

für einen kontrastreichen Farbspritzer sorgt. Ich schlage Duncan vor,<br />

sich auf diese Elemente zu konzentrieren und sie vielleicht vor dem<br />

fantastischen blauen Himmel zu fotografieren. Er folgt meinem Rat,<br />

und die Aufnahme ist sehr schnell im Kasten. Abstraktes Motiv –<br />

erledigt.<br />

Aufgabe zwei: abblätternde Farbe<br />

Sie können einfach nicht im Hafen spazieren gehen, ohne nicht<br />

mindestens ein Bild abblätternder Farbe zu machen. Dafür sind<br />

alte Boote doch da, oder? Auf „Holy Island“ gibt es mehr als genug<br />

OBEN RECHTS:<br />

„Auf Grund der<br />

intensiven<br />

Sonneneinstrahlung<br />

können viele tolle<br />

Details einfach nicht<br />

fotografiert werden.“<br />

OBEN: „Als Duncan<br />

seine erste gelungene<br />

Aufnahme im Kasten<br />

hatte, dauerte es<br />

nicht lange, bevor er<br />

auch die zweite<br />

Aufgabe mit einem<br />

nicht alltäglichen<br />

Muster erledigt<br />

hatte.“<br />

EINSATZ: „Wenn die<br />

Kamera auf ein Stativ<br />

gesetzt wird, ist das<br />

Komponieren des<br />

Bildes viel einfacher.“<br />

Kandidaten. Immerhin waren die meisten Boote seit Jahren<br />

nicht mehr im Wasser und sind stattdessen der erbarmungslosen<br />

Sonne, den eisigen Temperaturen des Winters und den ergiebigen<br />

Regenschauern des Herbstes ausgesetzt und fallen so allmählich<br />

auseinander. Duncans Möglichkeiten sind durch das grelle Licht, das<br />

einfach nicht schwächer werden will, stark eingeschränkt. Er findet<br />

einige hervorragende Exemplare, aber wegen der tiefen Schatten<br />

und der schimmernden Glanzlichter, die einen Albtraum von<br />

Kontrast erzeugen, eignet sich keines davon, so sehr sich Duncan<br />

auch verrenkt. Er fotografiert die Schattenseite von ein paar Booten,<br />

aber die Details sind nicht sonderlich interessant. Dann macht er<br />

Aufnahmen von Bereichen, die in seinem Schatten liegen, aber auch<br />

hier hält sich der Erfolg in Grenzen.<br />

Man könnte meinen, dass es beim <strong>Fotografie</strong>ren von Details nur<br />

darum geht, den Rahmen mit irgendetwas zu füllen. Aber wie<br />

Duncan schnell erkennt und einer seiner frühen Versuche zeigt,<br />

ist dem ganz und gar nicht so. Die Elemente in der Komposition<br />

müssen zusammenpassen, da das fertige Bild sonst chaotisch<br />

aussieht.<br />

Es setzt schon langsam Panik ein, als Duncan plötzlich eine<br />

Aufnahme aus dem Ärmel zaubert. Er findet ein altes Boot in voller<br />

Sonne, bei dem die Planken, die Schatten und die Farbe eine<br />

Reihe von Linien bilden. Er geht näher heran, um den Rahmen<br />

auszufüllen, und die zweite Aufgabe ist erledigt. Zugegeben, es ist<br />

vielleicht nicht unbedingt sehr viel abblätternde Farbe drauf, aber<br />

doch etwas!<br />

Aufgabe drei: Felsdetails<br />

Wenn Sie natürliche Küstendetails fotografieren möchten, sollten<br />

Felsen das Motiv der Wahl sein, ob es Küstenvorland, Fels- und<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 109


EIN-STUNDEN-FOTO<br />

LESERWETTBEWERB<br />

kein Schwerpunkt<br />

LINKS: „Duncans<br />

erste Aufnahme ist<br />

langweilig und hat kein<br />

interessantes Detail.“<br />

RECHTS: „Die<br />

Komposition ist mit<br />

dem Stein im Rahmen<br />

viel besser, und jetzt ist<br />

das Licht wesentlich<br />

weicher. Der Felsen<br />

bietet viel mehr<br />

Details.“<br />

UNTEN RECHTS: „Die<br />

Motivsuche bei dem<br />

intensiven Sonnenlicht<br />

erweist sich als harte<br />

Arbeit für Duncan.“<br />

UNTEN GANZ<br />

RECHTS: „Durch die<br />

Verwendung eines<br />

schwarzen Reflektors,<br />

der einen Schatten<br />

über den Felsen wirft,<br />

werden Licht, Details<br />

und Farbe deutlich<br />

verbessert.“<br />

gute Komposition<br />

Kieselsteine am Strand oder Muster im Sand sind. „Holy Island“<br />

verfügt nicht über die klassischen Kieselstrände, wo Sie überall<br />

Muster finden, aber es gibt einige tolle Felsformationen mit Rissen,<br />

Spalten und farbenfrohen Flechten. Wir gehen also auf direktem Weg<br />

zur Burg, wo sich die interessantesten Exemplare befinden.<br />

Duncan macht sich gleich an die Arbeit, aber seine ersten<br />

Aufnahmen lassen noch zu wünschen übrig. Das Licht ist zu grell,<br />

und die Felsen sehen aus, als wären sie mit einem Elektronenblitz<br />

fotografiert worden. Schrecklich! Dann habe ich einen Aha-Moment<br />

– besser spät als nie. Ich bin sicher, dass ich ein Reflektorkit von<br />

<strong>Digitale</strong> SLR-<strong>Fotografie</strong> in meinem Kofferraum habe. Also wühle<br />

ich darin herum, und tatsächlich: Da ist es. Ich öffne den weißen<br />

Reflektor, schiebe ihn in eine schwarze Hülle und voilà – sofortiger<br />

Schatten.<br />

Das erweist sich als Duncans Rettung. Durch das Verdecken<br />

der Sonne wird das grelle und unerbittliche Licht weich und<br />

schmeichelhaft. Duncan findet einen interessanten Bereich mit<br />

flachen Felsen, wo zahlreiche Risse zu einem kleinen Kieselstein<br />

hin laufen, der in einem Loch eingeklemmt ist. Er positioniert den<br />

Kieselstein auf der Grundlage der Drittelregel und drückt ab.<br />

Duncan hat seine Aufgabe wenige Minuten vor Ablauf der Zeit<br />

erledigt und drei sehr unterschiedliche Küstendetails erfolgreich<br />

fotografiert. Ich denke, dass Duncan unter den vorherrschenden<br />

Bedingungen eine ausgezeichnete Arbeit geleistet hat. Seine<br />

letzte Herausforderung besteht darin, wieder nach Southampton<br />

zurückzufahren. Meine besteht darin herauszufinden, wie sich dieser<br />

widerspenstige Reflektor wieder zusammenklappen lässt.<br />

Wettbewerbsurteil<br />

„Ich hatte viel Spaß und habe viel von Lee gelernt.<br />

Wenn man bedenkt, dass die Sonneneinstrahlung<br />

so stark war, bin ich mit den Ergebnissen, die<br />

ich trotz der schwierigen Lichtverhältnisse erzielt<br />

habe, wirklich zufrieden. Früher hätte ich vielleicht<br />

einfach aufgegeben, aber dank Lees Hilfe habe ich<br />

verschiedene Möglichkeiten gelernt, wie ich mit<br />

schwierigen Lichtverhältnissen umgehen kann. Lees<br />

Vorschlag, im Schatten zu fotografieren, war ein<br />

einfacher Tipp, der aber letztendlich ausschlaggebend<br />

war. Auch die Verwendung eines Reflektors, mit dem<br />

wir selber einen Schatten erzeugt haben, war eine tolle<br />

Idee. Es war beruhigend festzustellen, dass es sogar<br />

Profis nicht jedes Mal gleich richtig machen und dass<br />

sich manchmal die Aufnahme, die man sich im Geist<br />

vorstellt, einfach nicht machen lässt, und man sich ein<br />

anderes Motiv suchen muss. Ich freue mich darauf,<br />

meine neu erworbenen Fertigkeiten anzuwenden und<br />

damit hoffentlich bessere Bilder zu machen. Danke,<br />

Lee, und danke, <strong>Digitale</strong> SLR-<strong>Fotografie</strong>.“<br />

Lees<br />

Lieblingsbild:<br />

„Mein Lieblingsbild ist<br />

ganz klar die<br />

Abstraktaufnahme des<br />

blauen Bootes vor<br />

dem kräftig blauen<br />

Himmel. Es ist nicht<br />

so geworden, wie von<br />

Duncan erwartet<br />

hatte, aber ich finde,<br />

diese Nahaufnahme<br />

sieht einfach toll aus.<br />

Zusammen mit ein<br />

paar anderen Bildern<br />

des Bootes könnte<br />

daraus ein<br />

interessantes<br />

Triptychon entstehen.“<br />

Duncans<br />

Lieblingsbild:<br />

„Für mich war die<br />

Detailaufnahme<br />

außergewöhnlich. Die<br />

klaren Linien zum<br />

Blickpunkt hin und der<br />

Farbkontrast verleihen<br />

ihr eine besondere<br />

Aussagekraft, eine<br />

Tiefenwirkung und<br />

eine gewisse Struktur.<br />

Die Komposition und<br />

das Motiv sind<br />

unglaublich einfach,<br />

aber das macht einen<br />

großen Teil des Reizes<br />

aus. Dieses Bild werde<br />

ich mir einrahmen<br />

lassen und<br />

aufhängen.“<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 111


EIN-STUNDEN-FOTO<br />

LESERWETTBEWERB<br />

STUDIO-<br />

PORTRAITS<br />

UNSER LESER DEWALD VAN HEERDEN MACHT FOTOS VON SEINER FAMILIE UND<br />

VON SEINEN FREUNDEN, ABER ER HAT NOCH NIEMALS EIN PROFESSIONELLES<br />

MODELL IN EINEM PROFESSIONELLEN STUDIO AUFGENOMMEN. PORTRAITPROFI<br />

PAUL WARD HAT DEWALD IN SEIN STUDIO IN BIRMINGHAM EINGELADEN UND<br />

IHM DORT DREI AUFGABEN GESTELLT, DIE ER IN NUR 60 MINUTEN LÖSEN<br />

SOLLTE.<br />

TEXT: PAUL WARD / TEXT: DEWALD VAN HEERDEN


EIN-STUNDEN-FOTO<br />

LESERWETTBEWERB<br />

Seitenlicht<br />

schräges Licht<br />

Der Leser<br />

Name: Dewald van Heerden<br />

Alter: 31<br />

Beruf: Ingenieur für technische Dokumentation auf einer Ölbohrplattform<br />

Ausrüstung: Nikon D90, Sigma 50 mm f/1,8; Nikon 70-300 mm<br />

f/4,5-5,6; Nikon 28-105 mm f/3,5-4,5<br />

Dewald sagt: „Ich fotografiere seit ein paar Jahren, aber richtig ernsthaft<br />

habe ich damit erst letztes Jahr angefangen. Ich fotografiere eigentlich<br />

alles, aber Portraitfotografie gefällt mir besonders gut. Bisher musste ich<br />

mich dabei auf meine Familie und meine Freunde beschränken. Diese Gelegenheit, egenheit mit<br />

einem professionellen Fotografen und Modell in einem Fotostudio zu arbeiten, habe ich sofort<br />

ergriffen.“<br />

WIR FOTOENTHUSIASTEN gehen kaum einmal<br />

ohne unsere Kamera aus dem Haus. Bei Partys,<br />

auf Hochzeiten, bei Schulaufführungen und<br />

Sportfesten werden wir immer von unseren<br />

Freunden gebeten, „ein paar Schnappschüsse“<br />

von ihren Partnern oder Kindern zu machen. Sei es bei einem<br />

Empfang, einem Abschlussball, einer Modenschau oder Party für<br />

einen wohltätigen Zweck – jedes Bild ist letztlich ein Portrait.<br />

Aber ein Studio voller Beleuchtungskörper und ein über eine Agentur<br />

gebuchtes Modell sind natürlich etwas ganz anderes und wirken<br />

ganz schön einschüchternd, besonders auf einen Leser, der diese Art<br />

von <strong>Fotografie</strong> noch niemals zuvor ausprobiert hat.<br />

Der Schauplatz für unsere 60-Minuten-Challenge ist mein Studio<br />

mitten in Birmingham. Unser eifriger Dewald ist ein bisschen früh<br />

dran. Bianca, unser Modell, ist noch nicht ganz fertig. Mein Studio<br />

ist mit professioneller Beleuchtung und einem endlos erscheinenden<br />

Fotohintergrund ausgestattet, aber die meisten Techniken, mit<br />

denen ich Dewald vertraut machen werde, können auch auf<br />

Heimstudios und sogar einfachste Aufbauten übertragen werden.<br />

Außerdem benötigt man für die Aufnahmen, die Dewald hier<br />

ausprobieren soll, höchstens zwei Beleuchtungskörper, und die<br />

zusätzlichen Ausrüstungsgegenstände sind für wenig Geld<br />

erhältlich.<br />

Die wichtigsten Werkzeuge sind heute aber die DSLR und das<br />

Objektiv, mit denen wir unsere Bilder einfangen wollen. Wir haben<br />

Dewald mit einer Nikon D300s und einem 50 mm f/1,4G Objektiv<br />

ausgerüstet. Die D300s verfügt über einen 12,3 Megapixel Sensor,<br />

der alle Details erfassen kann. Das ist für die Portraitfotografie ein<br />

besonders wichtiges Ausstattungsmerkmal. Schon seit langem gilt<br />

das 50-mm-Objektiv als das perfekte Objektiv für Portraits, und die<br />

f/1,4 Version von Nikon liefert schnelle und klare Bilder von wirklich<br />

exzellenter optischer Qualität.<br />

Dewalds Challenges sind typisch dafür, was einen professionellen<br />

Portraitfotografen bei Aufträgen erwarten kann: ein sexy<br />

Oberkörperportrait, ein Oberkörperportrait mit Haarlicht und<br />

natürlich eine Ganzkörperaufnahme. Alle drei Challenges verlangen<br />

nach unterschiedlichen Aufbauten.<br />

Nachdem also unser Modell Bianca mit Ihrem Make-Up fertig und<br />

auf ihrer Position ist, kann Dewald anfangen.<br />

Aufgabe eins: Das Oberkörperportrait<br />

Das Oberkörperportrait ist im Grunde eine Nahaufnahme von Kopf<br />

und Schultern Ihres Modells und wahrscheinlich die klassische<br />

Aufnahme für jeden Portraitfotografen. Anders als bei einer<br />

Ganzkörperaufnahme ist das Modell in seinen Möglichkeiten zum<br />

Posieren eingeschränkt, und der Fotograf muss härter arbeiten, um<br />

ein gutes Bild aus seinem Modell heraus zu kitzeln. Bevor wir uns<br />

auf die Aufnahmen stürzen, gehe ich mit Dewald noch einmal die<br />

Grundregeln der Studio-Portraitfotografie durch. Wir besprechen,<br />

wie die D300s auf manuellen Modus eingestellt wird, so dass sie<br />

mit einem Studioblitz eingesetzt werden kann, und wie die DSLR<br />

auf Blitzsynchronisierungsgeschwindigkeit eingestellt werden<br />

kann (bei der D300s 1/250 Sekunde), damit die Kamera keine<br />

höhere Verschlussgeschwindigkeit wählt, bei der der Verschluss<br />

einen Teil des Bildausschnittes verdeckt. Außerdem gehen wir noch<br />

einmal durch, wie man einen <strong>Belichtung</strong>smesser dazu benutzen<br />

kann, den Hintergrund und das Objekt auszuleuchten und somit<br />

die korrekte <strong>Belichtung</strong> zu gewährleisten. Dewald hat zu Hause<br />

keinen <strong>Belichtung</strong>smesser, also erkläre ich ihm, wie man durch<br />

Ausprobieren die Blende und die Blitzstärke so einstellen kann, dass<br />

man das gleiche Resultat erzielt.<br />

Für unser Oberkörperportrait benutzen wir einen einfachen aber<br />

effektiven Beleuchtungsaufbau. Bianca setzt sich auf einen Hocker<br />

mit dem Rücken nahe an einer weißen Wand. Wir haben einen<br />

Bowens Blitzkopf mit einem Beauty Dish so ausgerichtet, dass er im<br />

45-Grad-Winkel von oben auf das Modell scheint. Der Beauty Dish<br />

ist toll für Portraitaufnahmen, weil er ein weiches Licht produziert<br />

und man ihn schon ab 84 Euro erhält. Nachdem Dewald die<br />

Grundlagen verinnerlicht hat, erweitere ich den Aufbau um einige<br />

Beleuchtungshilfen, um die Aufnahme noch zu verbessern und<br />

Schatten auf Biancas Gesicht zu reduzieren. Wir experimentieren<br />

mit einem silbernen Reflektor, einem goldenen Reflektor und einer<br />

weißen Pappe, die wir alle auf Biancas Schoß platzieren, so dass das<br />

Licht aus dem Beauty Dish auf unser Modell zurück refl ektiert wird.<br />

Während Dewald seine Schusstechnik verfeinert, verdeutliche<br />

ich ihm die Wichtigkeit der Kommunikation mit dem Modell. Das<br />

Modell weiß nicht, wann genau Sie den Auslöser betätigen werden,<br />

OBEN GANZ LINKS:<br />

Paul erklärt Dewald<br />

die einfach zu<br />

verstehende<br />

Menüführung der<br />

D300s.<br />

UNTEN GANZ<br />

LINKS: Dewald<br />

erklärt Modell Bianca,<br />

welche Posen sie<br />

einnehmen soll.<br />

OBEN MITTE:<br />

Dewalds erste<br />

Versuche für das<br />

Oberkörperportrait<br />

leiden unter einer zu<br />

niedrigen und zu weit<br />

seitlichen Ausrichtung<br />

des Studioblitzes.<br />

OBENE: Dank Pauls<br />

Rat ist Dewald ein<br />

perfekt<br />

ausgeleuchtetes<br />

Oberkörperportrait<br />

gelungen.<br />

EINGEFÜGT: Das<br />

Nikon 50 mm f/1,4<br />

G-Objektiv ist die<br />

perfekte Optik für<br />

Oberkörperportraits.<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 113


EIN-STUNDEN-FOTO<br />

LESERWETTBEWERB<br />

Gegenlicht im Bildausschnitt<br />

überbelichtet<br />

unterbelichtet<br />

korrekt belichtet<br />

bereiten Sie es also mit einem Drei-zwei-eins-Countdown vor.<br />

Scheuen Sie sich nicht, das Modell um verschiedene Posen zu bitten<br />

und sagen Sie es, wenn irgendetwas nicht richtig läuft. Dewald zeigt<br />

Initiative, indem er die Lichtquelle zur Seite verschiebt, um einen<br />

anderen Look auszuprobieren, aber ich weise ihn darauf hin, dass<br />

eine Ausleuchtung von der Seite dazu führen kann, dass der Blitz<br />

nach unten abgelenkt wird, und eine Seite von Biancas Gesicht im<br />

Schatten liegt. Dies kann man zwar als kreative Technik bezeichnen,<br />

es ist aber nicht das, was wir von unserem Oberkörperportrait<br />

erwarten.<br />

Aufgabe zwei: Aufnahmen mit Haarlicht<br />

Das Haarlicht-Foto ist ein Trick, den jeder Portraitfotograf aus dem<br />

Hut zaubern können sollte. Er wird immer beliebter. Für diesen<br />

Aufbau benutzen wir zwei Lichtquellen, also sage ich Dewald, wie<br />

er die Lichtquellen positionieren soll und gebe ihm außerdem noch<br />

ein paar Tipps, die ihm die Aufnahme erleichtern können. Ich sage<br />

ihm, dass er das modellierende Licht des hinteren Blitzgeräts immer<br />

anlassen soll, weil man so das Licht direkt auf das Haar des Modells<br />

richten kann, anstatt zu schätzen, wo es hinfallen könnte. Obwohl<br />

die Minuten verrinnen, bleibt noch genügend Zeit für eine weitere<br />

grundsätzliche Lektion, und ich zeige Dewald, wie unterschiedliche<br />

Blendenöffnungen das Objekt erhellen und verdunkeln und wie die<br />

Blendenöffnung zur Verdunklung des Hintergrundes benutzt werden<br />

kann.<br />

Dewald macht ein paar Aufnahmen, doch dabei hat er das hintere<br />

GROSSES BILD:<br />

Dewald versteht die<br />

Technik sehr schnell<br />

und produziert im<br />

Nullkommanichts<br />

gut ausgeleuchtete<br />

Portraits.<br />

OBEN LINKS:<br />

Dewald ist auf Zack<br />

und schnappt sich<br />

eine Trittleiter, um<br />

ein Foto von Bianca<br />

aus einem hohen<br />

Blickwinkel zu<br />

machen.<br />

OBEN RECHTS:<br />

Paul hilft Dewald<br />

beim<br />

Experimentieren mit<br />

unterschiedlichen<br />

Beleuchtungshilfen,<br />

um die Schatten<br />

unterhalb von<br />

Biancas Gesicht<br />

auszufüllen und ein<br />

gut ausgeleuchtetes<br />

Portrait zu erhalten.<br />

Empfohlene Ausrüstung<br />

Wenn Sie Portraits fotografieren,<br />

besonders im Studio unter<br />

starken Lichtquellen, sind<br />

Detail und Qualität extrem<br />

wichtig, da Sie ja so viele<br />

Details wie möglich von<br />

Ihrem Modell zeigen<br />

möchten. Die Nikon D300s<br />

ist die perfekte Kamera fürs<br />

Studio. Ihr 12,3 Megapixel<br />

Sensor liefert exzellente<br />

Bildqualität, und da es sich<br />

um eine DX-Format (APS-C)<br />

DSLR handelt, ist das Nikon 50<br />

mm f/1,4 G-Objektiv der perfekte<br />

Partner für die D300s, da dessen<br />

1,5x Crop-Faktor die Brennweite<br />

auf ungefähr 80 Millimeter<br />

verändert – für Profis die<br />

passendste Weite für die<br />

Portraitfotografie. Das 50-mm-<br />

Objektiv hat eine sehr schnelle<br />

Blende von f/1,4. Das bedeutet:<br />

Wenn Sie Ihre Portraits bei<br />

kontinuierlichem Licht oder<br />

Umgebungslicht fotografieren, können sie<br />

eine flache Schärfentiefe erreichen und unter schlechten<br />

Lichtbedingungen fotografieren.<br />

Blitzgerät mit im Bildausschnitt. Also erkläre ich ihm, wie er die<br />

Lichtquelle anders positionieren kann, um dies zu vermeiden und<br />

wie man mit der Einbeziehung des hinteren Blitzgeräts in den<br />

Bildausschnitt einen kreativen Effekt erzielen kann, solange man die<br />

Reflexlichter unter Kontrolle hat.<br />

Wir haben nur noch ein paar Minuten Zeit, bevor wir zur nächsten<br />

Challenge übergehen müssen. Dewald ergreift noch einmal die<br />

Initiative und schnappt sich eine Trittleiter, mit der er ein paar<br />

Schüsse von einem höheren Winkel aus ausprobiert. Bilder<br />

114 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Schatten im Gesicht interessante Pose<br />

aus hohem Blickwinkel können bei manchen Modellen sehr<br />

gut aussehen. Bei Ganzkörperaufnahmen sollte man sie jedoch<br />

vermeiden, weil sie das Modell zu kurz geraten aussehen lassen<br />

können. Dewald schöpft aus seinen neu gewonnenen Erfahrungen<br />

aus der letzten Challenge und benutzt den Reflektor von dem<br />

Oberkörperportrait, um das Licht unter dem Kinn des Modells<br />

weicher zu gestalten.<br />

Aufgabe drei: Ganzkörperaufnahme<br />

Unser guter alter Bowens-Studioblitz und unser Beauty Dish<br />

kommen wieder zum Einsatz und werden seitlich oben positioniert,<br />

so dass sie Bianca in einem 45-Grad-Winkel anstrahlen. Die<br />

Position unserer Leuchten ist sehr wichtig. Wenn das Licht aus<br />

diesem Winkel zu nah am Modell ist, wird es nur dessen Gesicht<br />

ausleuchten, vielleicht auch noch die Schultern. Aber der Rest<br />

des Körpers wird im Schatten liegen. Wir versetzen die Lichtquelle<br />

immer weiter nach hinten und machen dabei immer wieder<br />

Probeaufnahmen. So finden wir schnell die richtige Position, um das<br />

ganze Objekt auszuleuchten. Die Ausrichtung im 45-Grad-Winkel<br />

empfindet die Einstrahlung des natürlichen Sonnenlichts nach.<br />

OBEN LINKS: Paul erklärt<br />

Dewald, wie man einen<br />

<strong>Belichtung</strong>smesser<br />

benutzt.<br />

OBEN MITTE: Bianca<br />

schaut vom Licht weg und<br />

es entstehen Schatten auf<br />

ihrem Gesicht.<br />

OBEN LINKS: Dewald<br />

lernt, wie man ein<br />

Ganzkörperportrait mit<br />

nur einem Studioblitz und<br />

einem Beauty Dish<br />

fotografieren kann.<br />

OBEN MITTE: Auch wenn<br />

die Jeans dabei schmutzig<br />

wird. Paul zeigt, wie man<br />

sein Modell aus einem<br />

niedrigeren Blickwinkel<br />

fotografieren und so<br />

größer erscheinen lassen<br />

kann.<br />

Für ein Ganzkörperportrait muss das Modell eine Pose<br />

einnehmen. Wenn es sich einfach hinlümmelt, wirkt das Bild<br />

schlapp. Dewald erinnert sich an den Rat, den ich ihm bei<br />

Challenge eins gegeben habe und bittet Bianca, die nun ihr<br />

„Rockerbraut“-Outfit trägt, verschiedene Posen einzunehmen.<br />

Ich erinnere ihn daran, dass die Benutzung nur einer Lichtquelle<br />

durchaus eine Einschränkung bedeutet. Wenn Bianca in die<br />

andere Richtung schaut, entstehen auf der nicht ausgeleuchteten<br />

Seite ihres Gesichts Schatten. Zum Glück kann Dewald das<br />

qualitativ sehr gute LCD-Display der Nikon nutzen, um die Bilder<br />

anzuschauen und Probleme sofort zu erkennen. Außerdem<br />

zeige ich ihm noch einen weiteren Profitrick: Ich probiere bei<br />

Ganzkörperportraits immer, im Knien zu fotografieren. Durch den<br />

tieferen Blickwinkel erscheint das Modell im Bildausschnitt größer.<br />

Als unsere 60 Minuten um sind, setzt Dewald die Kappe wieder<br />

auf das Objektiv. Er ist nun um eine Speicherkarte voller guter<br />

Aufnahmen und eine Menge Know-how reicher, als bei seiner<br />

Ankunft vor einer Stunde.<br />

Urteil der Challenge<br />

„Wow, was für eine Erfahrung. Es war toll,<br />

unser Modell Bianca zu fotografieren und<br />

mit dem Studioblitz und dem Beauty Dish<br />

zu arbeiten. Den meisten Spaß hat mir aber<br />

das Oberkörperportrait mit dem Haarlicht<br />

gemacht. Hier wird ganz deutlich, welche<br />

Auswirkung die Position der Beleuchtung<br />

letztlich auf das Bild hat. Mit Paul zu arbeiten<br />

und von ihm zu lernen war fantastisch. Er hat<br />

so viel Erfahrung, und er hat mir die Techniken<br />

so erklärt, dass ich sie problemlos verstehen<br />

und sofort anwenden konnte. Dass ich die<br />

D300s benutzen durfte, war unglaublich. Das<br />

ist eine tolle Kamera. Ich glaube, ich muss<br />

meine alte D90 so langsam austauschen.<br />

Die Techniken, die ich von Paul gelernt habe<br />

und die Ratschläge, die er mir gegeben hat,<br />

werde ich ganz bestimmt bei meinen nächsten<br />

Portraitaufnahmen anwenden.“<br />

Dewalds<br />

Lieblingsfoto:<br />

„Mir gefällt, wie die<br />

Beleuchtungstechnik<br />

Biancas Augenfarbe<br />

zur Geltung bring. Der<br />

Effekt sieht sehr<br />

professionell aus und<br />

wenn ich dieses Foto in<br />

einem Magazin sehen<br />

würde, würde ich<br />

annehmen, dass dafür<br />

viel mehr Ausrüstung<br />

als nur zwei<br />

Studioblitze verwendet<br />

wurde. Biancas<br />

Lächeln verleiht dem<br />

Bild natürlich noch<br />

zusätzliche Wirkung.“<br />

Pauls<br />

Lieblingsfoto:<br />

„Das Modell dazu zu<br />

bringen, ein paar<br />

Action geladene Posen<br />

einzunehmen, hat sich<br />

hier wirklich<br />

ausgezahlt. Anstatt<br />

sich nur auf Kopf und<br />

Schultern zu<br />

konzentrieren, hat<br />

Dewald Bianca<br />

gebeten, mit dem Fuß<br />

nach oben zu treten.<br />

Das verleiht dem Bild<br />

Energie. Die<br />

ausgewogene<br />

Ausleuchtung stellt<br />

sicher, dass der ganze<br />

Körper gut belichtet<br />

ist.“<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 115


EIN-STUNDEN-FOTO<br />

LESERWETTBEWERB<br />

HASENGLÖCKCHENWALD<br />

DIE WALDFOTOGRAFIE MAG EINFACH ERSCHEINEN, ABER FÜR GUTE BILDER<br />

SIND EINE SORGFÄLTIGE KOMPOSITION UND KREATIVITÄT ERFORDERLICH,<br />

WIE DIE LESERIN SUE ARMES FESTSTELLTE, ALS SIE MIT DEM BEKANNTEN<br />

OUTDOOR-FOTOGRAFEN ROSS HODDINOTT DURCH DIE WÄLDER STREIFTE.<br />

TEXT: ROSS HODDINOTT/ FOTOS: SUE ARMES


EIN-STUNDEN-FOTO<br />

LESERWETTBEWERB<br />

kein Kontrast<br />

tonale Ausgewogenheit<br />

ein bisschen zu viel Licht<br />

zu viel Kontrast<br />

Die Leserin:<br />

Name: Sue Armes<br />

Alter: 56<br />

Beruf: Personalchefin bei einem Hotelkonzern<br />

Ausrüstung: Nikon D300S, 24 – 70 mm f/2.8<br />

ED AF-S, 70 – 200 mm f/2.8 ED VR II<br />

Sue sagt: „Ich war immer die<br />

,Familienfotografin’, habe mich aber dann<br />

ernsthaft mit dem <strong>Fotografie</strong>ren beschäftigt, als meine<br />

Söhne zur Universität gingen und ich mehr Freizeit hatte. Ich bin<br />

aktives Mitglied im Jersey Photographic Club und habe vor<br />

Kurzem die Lizenz der Royal Photographic Society erhalten. Es<br />

gibt keine großen Waldflächen in Jersey, sodass dies meine erste<br />

Gelegenheit ist, einen großen Hasenglöckchenteppich zu erleben<br />

und zu fotografieren.“<br />

zu starker Schatten<br />

DIE NATUR IST ZIEMLICH UNBERECHENBAR, finden<br />

Sie nicht? Es lässt sich doch beispielsweise unmöglich<br />

von einem Jahr zum nächsten vorhersagen, wann<br />

Hasenglöckchen in Blüte stehen. Als es darum ging,<br />

einen Tag für unseren Wettbewerb zum <strong>Fotografie</strong>ren<br />

von Hasenglöckchen zu vereinbaren, konnte ich deshalb auch nur<br />

eine Vermutung anstellen, wann die beste Zeit dafür sein würde. Als<br />

ich die M4 hinauffuhr, um die <strong>Digitale</strong>-SLR-<strong>Fotografie</strong>-Leserin Sue<br />

Armes zu treffen, hielt ich die Daumen gedrückt, dass sich der<br />

Teppich von Hasenglöckchen in West Woods bei Marlborough von<br />

seiner besten Seite zeigen würde. Wenn wir ein paar Tage zu früh<br />

oder zu spät dran waren, könnten möglicherweise nur wenige Blüten<br />

vorhanden sein, was unseren Wettbewerb zu einer großen<br />

Herausforderung machen würde!<br />

Es war ein wunderschöner Frühlingstag mit blauem Himmel und<br />

hellem Sonnenschein. Sonnige Tage sind allerdings nicht ideal für die<br />

Waldfotografie, da sie einen starken Kontrast erzeugen. Aber es zogen<br />

einige Wolken über uns vorbei, die im Wald hoffentlich von Zeit zu<br />

Zeit für ein wenig Schatten sorgen würden.<br />

Sue war für die Aufnahmen extra bis von Jersey angereist. Auf der<br />

Insel gibt es kaum Hasenglöckchen und keine großen Wälder. Der<br />

heutige Tag würde also eine vollkommen neue Erfahrung für sie<br />

bedeuten. Wir wurden mit einem Augenschmaus begrüßt: Dieses<br />

große Strandwaldgebiet war von einem blauen Teppich bedeckt. Das<br />

Blätterdach über uns strotzte gerade so vor frisch leuchtendem,<br />

grünen Blattwerk. „So etwas habe ich einfach noch nie gesehen“, rief<br />

Sue aus. „Es ist so wunderschön und so ruhig. Wie kann man eine<br />

118 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE<br />

solche Schönheit in einem Foto überhaupt zur Geltung bringen?“ Die<br />

Wahrheit ist: Man kann es nicht. Wie gut Sie als Fotograf auch sein<br />

mögen, Sie können die wahre Schönheit der Natur in nur zwei<br />

Dimensionen einfach nicht erfassen. Sie können allerdings sehr wohl<br />

schöne Bilder machen, die die Essenz, die Stimmung und die<br />

Ausstrahlung des Motivs einfangen. Und genau darin bestand Sues<br />

Herausforderung heute.<br />

Ein Wald gehört zu den schwierigsten Fotomotiven. Es ist eine<br />

chaotische Umgebung, die zwar für das Auge angenehm anzusehen<br />

ist, auf Bildern aber unaufgeräumt aussehen kann, wenn Sie nicht<br />

wirklich mit einer gut durchdachten Komposition an die Sache<br />

herangehen. Sue hatte für die Aufnahmen nur eine Stunde Zeit.<br />

Während dieser Zeit hatte sie drei Aufgaben zu absolvieren. Erstens<br />

sollte sie eine Teleaufnahme des Waldes machen – ein Foto, auf dem<br />

sie ein Detail hervorhob oder eine längere Brennweite verwendete,<br />

um die Perspektive zu komprimieren. Anschließend sollte sie ein<br />

künstlerisches, kreatives oder abstraktes Bild des Waldes oder der<br />

Hasenglöckchen machen, vielleicht unter Verwendung von<br />

Bewegung des Motivs oder der Kamera. Und schließlich sollte sie ein<br />

Weitwinkelfoto schießen, einen atemberaubenden Blick auf den<br />

Wald oder eine Landschaft mit guter Tiefe auf Grund eines<br />

interessanten Vordergrundes. Sue ist eine erfahrene und gute<br />

Fotografin. Deshalb wusste ich, dass sie keine Probleme haben<br />

würde, wenn sie erst einmal anfing. Sie würde mit einer Nikon<br />

D300S zusammen mit einem Nikkor AF-S 24 – 70 mm f/2.8G ED<br />

und einem VR-II-Zoom 70 – 200 mm f/2.8G ED arbeiten, zwei<br />

vielseitige und hochwertige Geräte, die für die bevorstehenden<br />

OBEN: Ein kräftiges<br />

Licht ist für die<br />

Waldfotografie<br />

normalerweise nicht<br />

erwünscht. Diffuses<br />

Licht beziehungsweise<br />

ein bedeckter Himmel<br />

ist in der Regel am<br />

besten, da der Kontrast<br />

dadurch verringert wird<br />

und die Farben satter<br />

aussehen. Sue machte<br />

diese kleine Bilderreihe,<br />

als sich die<br />

Lichtverhältnisse<br />

gerade änderten. Sie<br />

veranschaulicht die<br />

Auswirkung, die die<br />

Intensität des Lichts auf<br />

die Szene hat. Das erste<br />

Bild, ohne Licht, sieht<br />

ein wenig flach und<br />

langweilig aus.<br />

Dagegen ist der<br />

Kontrast auf dem<br />

letzten Bild, nachdem<br />

die Sonne wieder hinter<br />

der Wolke<br />

hervorgekommen war,<br />

viel zu groß. Im zweiten<br />

Bild sind Licht und<br />

Kontrast genau richtig.


Aufgaben perfekt geeignet sind. Nach den einführenden Worten war<br />

es an der Zeit, mit dem <strong>Fotografie</strong>ren anzufangen ...<br />

Aufgabe eins: Teleaufnahme<br />

Sues erste Aufgabe bestand darin, eine Teleaufnahme des Waldes<br />

zu machen. Längere Brennweiten eignen sich ausgezeichnet<br />

für die Waldfotografie. Sie können die Komposition vereinfachen<br />

und störenden Unrat wie abgebrochene Zweige und Gestrüpp,<br />

das durch die Blüten durchkommt, ausschließen. Sue fiel ein<br />

Baum mit niedrigen Zweigen voller frischer grüner Blätter auf.<br />

Und schon bald schaute sie durch ihr 70-200-mm-Zoomobjektiv,<br />

um ihre Komposition anzuordnen. Mir gefiel ihre ursprüngliche<br />

Komposition, aber der Baum war ein wenig zu zentral. Deshalb habe<br />

ich vorgeschlagen, ihn weiter links zu platzieren. Zur Maximierung<br />

der Schärfe verwendete sie ein Manfrotto-Stativ und betätigte den<br />

Auslöser mit dem Nikon-Fernauslöser MC-36. Das Ergebnis sah<br />

gut aus, aber dem Blattwerk fehlte wegen der Blendung und den<br />

Reflexionen von den Blättern die Lebhaftigkeit. Also habe ich Sue<br />

OBEN LINKS: Sue<br />

und ich sehen uns das<br />

Histogramm des<br />

Bildes auf dem großen<br />

LCD-Bildschirm der<br />

Nikon D300S an, um<br />

sicherzugehen, dass<br />

die <strong>Belichtung</strong> stimmt<br />

und das Bild scharf<br />

ist.<br />

OBEN RECHTS: Der<br />

Teppich der<br />

Hasenglöckchen ist<br />

schön anzusehen,<br />

aber auf Grund der<br />

unruhigen Umgebung<br />

des Waldes war es<br />

schwierig, einzelne<br />

Details<br />

hervorzuheben.<br />

Empfohlene Ausrüstung<br />

Die Nikon D300S ist bekannt für ihre hohe<br />

Bildqualität und robuste Bauweise. Der<br />

große Bildschirm eignet sich perfekt für<br />

die Überprüfung von Schärfe und<br />

<strong>Belichtung</strong>, und die LiveView-Funktion ist<br />

nützlich für das <strong>Fotografie</strong>ren bei wenig<br />

Licht. Ein Weitwinkelobjektiv, wie das<br />

Nikon 24 – 70 mm f/2.8G ED AF-S, ist<br />

ideal für die Erfassung atemberaubender<br />

Ausblicke. Beim <strong>Fotografie</strong>ren von<br />

Hasenglöckchen ist ein Telezoom eine<br />

ausgezeichnete Wahl. Längere Brennweiten<br />

komprimieren die Perspektive und lassen den Hasenglöckchenteppich<br />

noch dichter erscheinen. Das lange Ende eines Zoomobjektivs ist auch<br />

perfekt zum Hervorheben interessanter Details. Das Nikon 70 – 200 mm<br />

f/2.8G ED VR II (DX-Äquivalent: 105 – 300 mm) ist ein schnelles<br />

Telezoomobjektiv mit Bildstabilisator. Ein Fernauslösekabel, viele<br />

Speicherkarten und ein robustes Stativ haben sich ebenfalls als wichtig<br />

herausgestellt.<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 119


EIN-STUNDEN-FOTO<br />

LESERWETTBEWERB<br />

Tolles Ergebnis<br />

Schief<br />

Zu verschwommen<br />

Zoom burst<br />

vorgeschlagen, einen Polarisationsfilter anzubringen. Das hat sie<br />

getan, und im Nu war die natürliche Farbsättigung wieder hergestellt.<br />

Allerdings erzeugte das helle Sonnenlicht, das durch das Blätterdach<br />

fiel, einen unerwünschten Kontrast. Wir warteten auf eine Wolke,<br />

die sich lange genug vor die Sonne schob, sodass der Kontrast<br />

verringert würde. Schließlich kam auch eine, aber sie blieb nicht<br />

lange! Sue machte vier oder fünf Aufnahmen. Diese tolle kleine<br />

Sequenz veranschaulichte schön den Effekt, den die Lichtintensität<br />

auf diese Art von Waldbild hat. Wir waren beide der Meinung, dass<br />

die zweite Aufnahme der Serie die beste war. Das Licht war darauf<br />

kräftig genug, um die Seite des Baums hervorzuheben, ohne dass<br />

es jedoch so kräftig war, dass es das Bild hart oder zu kontrastreich<br />

erschienen ließ.<br />

Aufgabe zwei: Kreative/alternative Aufnahme<br />

Anschließend wollte ich, dass Sue eine mehr künstlerische<br />

Interpretation des Waldes fotografierte. Sie wollte zwei Techniken<br />

ausprobieren, die in einer Ausgabe von <strong>Digitale</strong> SLR-<strong>Fotografie</strong><br />

beschrieben wurden – das Motiv durch Kamerabewegung unscharf<br />

machen und Zoomburst. Wir bemerkten mehrere schöne, gerade<br />

Buchenstämme, die sich für die Technik eigneten. Sue hielt die<br />

Nikon D300S und das 70-200-mm-Telezoomobjektiv in der Hand<br />

und drückte auf den Auslöser. Dabei bewegte sie die Kamera<br />

während der <strong>Belichtung</strong> nach oben oder nach unten. Dadurch<br />

wurden die Bäume als künstlerische, verschwommene Striche<br />

wiedergegeben. Meiner Erfahrung nach ist eine <strong>Belichtung</strong>szeit von<br />

etwa einer Sekunde ein guter Ausgangspunkt für diese Technik.<br />

Um diese <strong>Belichtung</strong>sdauer zu erzielen, wählte Sue eine kleine<br />

Blendenöffnung von f/22 und einen niedrigen ISO-Wert von 100.<br />

Der Trick besteht bei dieser Technik darin, die Kamera gerade zu<br />

halten und gleichmäßig zu bewegen, während der Verschluss<br />

offen ist. Es dauerte nicht lange, bis Sue den Dreh raus hatte, und<br />

die Ergebnisse sahen gut aus. Wir machten mit einem Zoomburst<br />

weiter. In der Theorie ist auch das eine einfache Technik, bei der<br />

das Objektiv während der <strong>Belichtung</strong> hinein- oder herausgezoomt<br />

GANZ OBEN LINKS: Durch<br />

das senkrechte Bewegen der<br />

Kamera während der<br />

<strong>Belichtung</strong> entsteht ein<br />

künstlerisches Ergebnis.<br />

GANZ OBEN RECHTS: Sue<br />

hat die Kamera nicht sanft<br />

genug geschwenkt, sodass<br />

das Ergebnis ein wenig<br />

ruckartig aussieht.<br />

OBEN RECHTS: Das Motiv<br />

verschwommen<br />

darzustellen, ist ein<br />

Unterfangen mit<br />

wechselndem Erfolg – Sue<br />

brauchte mehrere Anläufe,<br />

bis sie ein Ergebnis hatte, das<br />

ihr gefiel.<br />

OBEN LINKS: Zoombursts<br />

sind eine andere kreative<br />

Technik, die es sich lohnt<br />

auszuprobieren. Dieses<br />

surrealistische Ergebnis<br />

wurde erzielt, indem der<br />

Zoomring währen der<br />

<strong>Belichtung</strong> gedreht wurde.<br />

GEGENÜBER,<br />

HAUPTBILD: Ein Farn sorgt<br />

für einen interessanten<br />

Vordergrund bei Sues<br />

Weitwinkelaufnahme. Ein<br />

bedeckter Himmel ließ die<br />

Farben des Waldes satter<br />

erscheinen.<br />

RECHTS: Sue verwendet<br />

einen Baumstumpf, um<br />

einem atemberaubenden<br />

Blick des<br />

Hasenglöckchenwaldes<br />

noch mehr Tiefe und<br />

Aussagekraft zu verleihen.<br />

wird. Sue ordnete die Komposition des Bildes an und drehte dann<br />

mit einer ähnlichen <strong>Belichtung</strong>szeit den Zoomring, während der<br />

Verschluss offen war. Auch diese Ergebnisse sind vielleicht nicht<br />

jedermanns Sache, aber die Fotos erscheinen surrealistisch und<br />

machen einfach Spaß. Sue machte ein wirklich schönes Bild,<br />

indem Sie den Zoomring während der <strong>Belichtung</strong> sanft auf das<br />

entgegengesetzte Ende des Objektivbereichs einstellte. Aufgabe zwei<br />

erledigt.<br />

Aufgabe drei: Weitwinkelaufnahme<br />

Meiner Meinung nach würde das die schwierigste Aufgabe<br />

werden. So schön der Wald auch war, der Waldboden sah<br />

mit all dem Gestrüpp und den abgebrochenen Zweigen doch<br />

ziemlich unordentlich aus. Mit einer breiten Brennweite würde<br />

es schwierig sein, diese Bereiche auszuschließen, sodass der<br />

Wahl des Standpunktes eine besondere Bedeutung zukam. Mit<br />

Weitwinkelobjektiven ist es einfach, Bilder mit zu viel leerem,<br />

vergeudeten Raum zu machen. Also musste sich Sue eine gut<br />

durchdachte Komposition überlegen und idealerweise etwas in<br />

den Vordergrund aufnehmen, das für Tiefe und einen Blickfang<br />

sorgte. Ich schlug vor, einen Baumstumpf zu verwenden. Sue<br />

experimentierte mit einigen Bildern herum, aber das war noch<br />

nicht das Richtige. Dann habe ich einen schön geformten Farn am<br />

Wegesrand mitten unter den Hasenglöckchen entdeckt. Sue hat<br />

zuerst ein waagerechtes Format ausprobiert. Aber ich schlug eine<br />

senkrechte Komposition vor, sodass der Farn im unteren Drittel<br />

platziert wurde und so besser zur Geltung kam. Das breite Ende des<br />

Nikon-Zooms 24 – 70 mm ließ einen atemberaubenden Blick auf<br />

den Wald entstehen, und ein Polarisationsfilter brachte die Farben<br />

des Waldes besser heraus. Um eine ausreichende Tiefenschärfe<br />

zu erreichen, wählte Sue die Blende f/16 und entschied sich für<br />

den Zeitautomatikmodus. Ich schaute auf die Uhr, und die Stunde<br />

war gerade vorbei. Aber wenn man bedenkt, wie viel wir zu Fuß<br />

unterwegs waren, kann uns diese leichte Überziehung nachgesehen<br />

werden!<br />

120 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Wettbewerbsurteil<br />

„Ich muss ehrlich sein: Der Anblick der riesigen Hasenglöckchenfläche war total überwältigend. Wie kann<br />

man einem derartigen Naturspektakel gerecht werden? Gute Kompositionen zu finden erwies sich als<br />

ausgesprochen schwierig, aber das 70-200-mm-Telezoom war sehr hilfreich. Das lange Ende komprimierte<br />

die Perspektive gut, sodass ich einige schöne Aufnahmen eines interessanten Zweigs unten an einem<br />

Baumstamm für meine erste Aufgabe machen konnte. Als zweite Aufgabe eine alternative Sicht des Waldes<br />

zu fotografieren hat mir richtig Spaß gemacht.<br />

Bewegungsunschärfe durch Kamerabewegung zu erzeugen war etwas, das ich davor noch nicht ausprobiert<br />

hatte. Ich war beeindruckt von den Ergebnissen. Ich habe mehrere Anläufe gebraucht, bis ich eine Aufnahme<br />

hatte, mit der ich zufrieden war. Aber ich finde, sie erfasst die Essenz des Waldes richtig gut.<br />

Eine gute Weitwinkelaufnahme zu machen erwies sich als die größte Herausforderung. Ich war für Ross’<br />

Hilfestellung bei der Suche nach Standpunkten wirklich dankbar. Wir sind eine ganze Weile herumgelaufen<br />

auf der Suche nach einer geeigneten Szene und Dingen, die ich im Vordergrund verwenden könnte.<br />

Ich habe aus dieser Erfahrung unwahrscheinlich viel gelernt. Ross hat immer wieder darauf hingewiesen, wie<br />

wichtig es beim Komponieren von Bildern ist, Dinge einfach zu halten und die Landschaft zu studieren und<br />

dabei auf wichtige Details zu achten, bevor man auf den Auslöser drückt. Ich möchte Ross wirklich für seine<br />

Ermutigung danken, er war so geduldig und kompetent und außerdem war er einfach ein hervorragender<br />

Begleiter!“<br />

Sues Lieblingsbild: Das ist mein<br />

Lieblingsbild, hauptsächlich wegen seines<br />

impressionistischen Ausdrucks. Die Aufnahme<br />

wird mich immer daran erinnern, welch<br />

unglaublichen Eindruck diese Hasenglöckchen<br />

auf mich gemacht haben.“<br />

Ross’ Lieblingsbild: Ich stimme mit<br />

Sue überein, ihre alternative Aufnahme ist<br />

auch mein Lieblingsbild. Diese Art von Bild<br />

gefällt sicherlich nicht jedem, aber ich finde<br />

den Effekt ganz toll. Sue hat ihn brillant<br />

eingefangen.<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 121


JETZT IM HANDEL<br />

Bei allen guten Zeitschriftenhändlern


ÜBUNGSBUCH ZUR<br />

BELEUCHTUNG<br />

MIT UNSEREM LEITFADEN FÜR IHR FOTOSTUDIO ZUHAUSE KÖNNEN SIE WIE EIN PROFI BELEUCHTEN.<br />

<br />

Neben einer sorgfältigen Platzierung von Schatten und Glanzlichtern, um<br />

einem Aktmodell zu schmeicheln und den guten Geschmack zu wahren, ist ein<br />

Einfühlungsvermögen für das Model und seine Verletzbarkeit der wichtigste Aspekt<br />

der Aktfotografie. Seien Sie respektvoll, und kommunizieren Sie die Posen – berühren<br />

Sie das Model unter keinen Umständen. Die Posen sind ganz entscheidend, weil<br />

Aktmodelle einfach, elegant und natürlich sein sollten. Sie erhalten gute Ergebnisse,<br />

wenn Sie mit dem Körper Formen erzeugen und darauf achten, dass alle Linien<br />

dazu beitragen, dass das Auge im Rahmen bleibt und immer wieder zum Gesicht<br />

zurückführt wird. Eine Umwandlung in Schwarzweiß unterstreicht die Eleganz<br />

(Ebene>Neue Einstellungsebene>Schwarzweiß), und ein leichtes Weichmachen<br />

der Haut kann eine wunderschöne, geschmackvolle Porträtaufnahme perfekt<br />

abschließen. Der Beleuchtungsleitfaden dieser Ausagbe wurde von Bjorn Thomassen<br />

fotografiert (www.bjornofinspire.com).<br />

Empfehlungen zur Ausrüstung<br />

STUDIOBLITZKOPF: Für diese<br />

beiden Porträttechniken brauchen<br />

Sie nur einen Studioblitzkopf,<br />

idealerweise mit einer variablen<br />

Leistungseinstellung zur besseren<br />

Steuerung der Lichtintensität. Zu den Marken,<br />

deren Geräte es sich anzusehen lohnt, gehören<br />

Elinchrom, Bowens und Interfit.<br />

LICHTWANNEN: Diese fungieren<br />

als Diffusoren, um das Licht<br />

weicher zu machen und besser zu<br />

verteilen. Standardlichtwannen<br />

beginnen bei ca. 57 Euro. Zu den<br />

Marken, deren Geräte es sich anzusehen lohnt,<br />

gehören Elinchrom, Bowens, Lastolite und<br />

Chimera.<br />

REFLEKTOREN: Verwenden Sie<br />

dieses Zubehör, um Licht in die<br />

Schatten zurückzuwerfen, wenn<br />

diese zu tief sind oder der Kontrast<br />

zu stark ist. Ein weißer Reflektor<br />

wirft ein dezentes Licht zurück, während ein<br />

silberner oder goldener Reflektor viel intensiver ist,<br />

mit einem kühlen bzw. warmen Ton.<br />

BLITZMESSER: Sie können eine<br />

gute <strong>Belichtung</strong> natürlich durch<br />

Herumexperimentieren ermitteln,<br />

aber die schnellste und genaueste<br />

Methode ist die Verwendung eines<br />

Blitzmessers. Sekonic, Gossen und Polaris sind<br />

hier die bekanntesten Marken.<br />

SCHIRM: Es gibt zwei Arten,<br />

nämlich den Durchlichtschirm, der<br />

das Licht streut, und den<br />

Reflexschirm, der das Licht<br />

zurückwirft. Beide Arten bieten<br />

eine breite und weiche Lichtverteilung, wobei der<br />

Durchlichtschirm dezenter ist als der<br />

Reflexschirm.<br />

SYNCHRONISIERUNGSKABEL:<br />

Ein an das Messgerät und den<br />

Blitzkopf angeschlossenes<br />

Synchronisierungskabel ist die<br />

einfachste und günstigste<br />

Möglichkeit zur Ermittlung der Beleuchtung. Sie<br />

können das Kabel dann mit dem PC-Anschluss<br />

der Kamera verbinden, um den Blitz auszulösen.<br />

STUDIOLICHTSTÄNDER:<br />

Mit einem Studiolichtständer<br />

können Sie die Höhe des Blitzkopfs<br />

einstellen und diesen fixieren.<br />

Normalerweise ist ein solcher<br />

Ständer in einem Studioblitzkit enthalten, aber Sie<br />

können ihn auch gesondert ab ca. 28 Euro<br />

kaufen.<br />

HINTERGRUND: Papierrollen sind<br />

in vielen Farben und Größen<br />

erhältlich und benötigen einen<br />

Rahmen, damit sie stehenbleiben.<br />

Lastolite stellt viele geeignete<br />

Produkte her, aber wenn Sie es einfach und billig<br />

haben möchten, tut’s möglicherweise auch ein<br />

schwarzes Laken oder eine schwarze Wand.<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 123


Experimentieren Sie mit Posen und Beleuchtung, während das Model noch angezogen ist, damit<br />

es nicht friert und sich wohl fühlt. Lassen Sie das Model auch während der Aufnahmen zumindest<br />

einen Tanga tragen. Der lässt sich später leicht weg retuschieren, und schließlich ist es nicht<br />

nötig, dass das Model ganz nackt ist. Ein längeres Objektiv ist hilfreich, um zwischen Model und<br />

Kamera eine größere Distanz herzustellen. Richten Sie den Studioblitz und den Schirm so ein, dass<br />

die Mitte des Lichts parallel zur Schulter des Models ist und so ein gleichmäßiges Licht über den<br />

Körper fällt. Positionieren Sie die Hand unter den Haaren, damit sie die Linie der Pose nicht stört.<br />

Achten Sie auch darauf, dass die Ellbogen am Oberschenkel entlang ausgerichtet sind, sodass die<br />

Hinführungslinien zum Gesicht weich sind und endlos erscheinen.<br />

Schirme sorgen für eine breite und damit weiche Verteilung des Lichts, das normalerweise<br />

kontrastarm ist, vor allem bei einem lichtundurchlässigen Schirm. Silberne Schirme reflektieren ein<br />

stärkeres Licht. Bei Nacktaufnahmen ist es am besten, mit einem schwachen Licht zu arbeiten; das<br />

ist weicher und einfacher zu steuern. Der Schirm muss natürlich in einer gewissen Entfernung vom<br />

Model bleiben, damit das Licht nicht in die Aufnahme gerät. Positionieren Sie den Studioblitz so<br />

nah wie möglich, und messen Sie dann die Stirn des Models. Stellen Sie die Leistung des Blitzkopfs<br />

so ein, dass Sie f/10 erhalten. Diese Schärfentiefe sollte ausreichen, da sich das Model auf einer<br />

Fokusebene befindet. Das Licht sollte weich auf das Model fallen, als würde nur seine Vorderseite<br />

beleuchtet. Wenn es zu stark ist, füllt das Licht die Schatten zwischen den Armen und dem<br />

Hintergrund aus, wodurch zuviel gezeigt wird. Es kann jedoch hilfreich sein, das Bild absichtlich<br />

überzubelichten, um den Tonbereich zu erweitern, und die <strong>Belichtung</strong> dann mit „Tonwertkorrektur“<br />

oder „Gradationskurven“ zurückzunehmen, um eine sanftere Abstufung der Töne zu erhalten.<br />

Verwendete Ausrüstung ...<br />

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CANON EOS 5D MK II<br />

CANON-OBJEKTIV EF 70 – 200 MM F/2.8 L IS<br />

X1 ELINCHROM STYLE RX 600<br />

LICHTUNDURCHLÄSSIGER SCHIRM X1<br />

SCHWARZER HINTERGRUND<br />

BELICHTUNGSMESSER<br />

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Häufig gemachte Fehler<br />

✘ HAND POSITION<br />

Die Hand ist zu aufdringlich<br />

und dominiert das Bild. Wenn<br />

Sie die Hand unter den Haaren<br />

verstecken, wirkt die Pose viel<br />

besser.<br />

✘ AUSRICHTUNG<br />

Wenn die Haare am Ohr vorbei<br />

fallen, sieht es unordentlich aus.<br />

Außerdem sind die Ellbogen nicht<br />

am Oberschenkel ausgerichtet,<br />

sodass keine weiche Linie zum<br />

Gesicht hin führt.<br />

✘ ZU NIEDRIG<br />

Das Licht ist im Verhältnis zum<br />

Model zu niedrig positioniert,<br />

sodass die Beine beleuchtet<br />

werden und der Blick vom<br />

Oberkörper weg gelenkt wird.<br />

✘ KOPFPOSITION<br />

Manchmal hat es etwas<br />

Mysteriöses, wenn das Model<br />

den Kopf von der Kamera<br />

wegdreht, aber hier hat es<br />

diese Wirkung nicht.<br />

✘ ZU WEIT HINTEN<br />

Das Licht ist in einem<br />

90-Grad-Winkel zu weit hinter<br />

dem Model. Dadurch werden<br />

wenig schmeichelhafte<br />

Schatten erzeugt. Durch eine<br />

leichte Wölbung des Rückens<br />

entstehen mehr Konturen.<br />

124 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Ästhetische Aktfotografie<br />

Fertiges Bild<br />

Durch das frontale Licht ist eine<br />

elegante und kontrastarme<br />

Porträtaufnahme mit gut platzieren<br />

Schatten entstanden, um bestimmte<br />

Bereiche des Models zu verbergen.<br />

<strong>Belichtung</strong>: Manueller Modus,<br />

1/125 s mit f/10 (ISO 100)<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 125


Der Vorteil einer Lichtwanne besteht darin, dass sie viel näher am Model platziert werden kann und damit der<br />

Lichtverlauf wesentlich dramatischer ist, wodurch Kontrast und tiefere Schatten entstehen. Positionieren Sie das<br />

Licht in einem Winkel von 45 Grad nach unten und 45 Grad links von der Kamera, um den natürlichen Verlauf<br />

um die Füße herum zu maximieren und Konturen zu erzeugen. Mit einem flachen, frontal platzierten Licht<br />

werden Sie Probleme haben, viel Kontrast auf dem Körper zu erzeugen. Eine Seitenbeleuchtung hat einen viel<br />

besseren Effekt. Bitten Sie das Model auch, ein wenig Bodylotion oder Öl aufzutragen, da damit Glanzlichter<br />

noch besser zur Geltung kommen. Wenn das Gesicht auf derselben Ebene wie die Lichtquelle ist, ist das Licht<br />

auch schmeichelhafter und führt dazu, dass eine Seite des Gesichts und das Bein im Schatten sind. Achten Sie<br />

darauf, das Licht nicht zu hoch zu positionieren, wodurch weniger eine Seitenbeleuchtung, sondern eher ein<br />

waagerechter Verlauf entsteht; platzieren Sie es aber auch nicht zu niedrig, weil sonst die Beine zu stark<br />

beleuchtet würden.<br />

Wenn das Licht aufgebaut ist, messen Sie mit einem Messgerät die Stirn des Models an den Augen. Bei f/14<br />

verläuft das Licht allmählich, und die Füße werden dunkler, sodass der Fokus auf dem Oberkörper liegt. Wenn<br />

die Knie vom Gesicht weg gehalten werden, bedeutet dies, dass das Licht eine größere Strecke zurücklegen<br />

muss, um sie zu beleuchten, und daher nicht die Aufmerksamkeit des Betrachters anzieht. Die<br />

wiederkehrenden V-Formen sorgen dafür, dass das Auge in der Pose verharrt und natürlich vom Blickpunkt<br />

(dem Gesicht) zu den Füßen geführt wird.<br />

Hände können bei Porträtaufnahmen ein großes Problem darstellen. Dieser Aspekt trägt bei vielen Bildern zum<br />

Misserfolg bei. Die Hände zu verstecken ist die beste Entscheidung. Aber auch die Verwendung der Handkanten n<br />

als Hinführungslinie kann funktionieren. Die Handflächen und Handrückseiten sollten nach Möglichkeit jedoch<br />

nicht parallel zur Kamera gezeigt werden, da sie nicht sonderlich attraktiv sind und sehr störend wirken.<br />

ä <br />

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Verwendete Ausrüstung ...<br />

CANON EOS 5D MK II<br />

CANON-OBJEKTIV EF 70 – 200 MM F/2.8 L IS<br />

X1 ELINCHROM STYLE RX 600<br />

LICHTUNDURCHLÄSSIGER SCHIRM X1<br />

SCHWARZER HINTERGRUND<br />

BELICHTUNGSMESSER<br />

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Häufig gemachte Fehler<br />

✘ ZU WEIT ENTFERNT<br />

Da das Licht zu weit von ihr<br />

entfernt und im falschen<br />

Winkel positioniert ist, ist der<br />

Verlauf zu weit, sodass sich ihr<br />

Schienbein in den Vordergrund<br />

drängt.<br />

✘ SCHLECHTE POSE<br />

Diese Pose ist nicht sehr<br />

schmeichelhaft: Die Füße sind<br />

flach, die Beine sind zu gerade,<br />

und die Hände sind wie Kissen<br />

auf den Knien.<br />

✘ GESICHTSEBENE<br />

Das Model hat die Ebene<br />

seines Gesichts der Lichtquelle<br />

abgewandt, wodurch die<br />

Aufnahme viel zu wenig<br />

schmeichelhaft wird.<br />

✘ BREITE HÄNDE<br />

Die Pose hat sich mit dem<br />

Winkel der Beine und des<br />

Torsos verbessert, aber die<br />

Hände sind zu störend, und<br />

das Licht ist zu niedrig.<br />

✘ ZU NAH AM RAND<br />

Das Auge und die Hand sind zu<br />

nah am Bildrand. Dies lädt den<br />

Betrachter förmlich dazu ein,<br />

aus dem Bild hinauszugleiten.<br />

Außerdem erzeugen die Haare<br />

einen Schatten.<br />

126 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Ästhetische Aktfotografie<br />

Fertiges Bild<br />

Die Pose mit den<br />

wiederkehrenden V-Formen und<br />

das Gesicht des Models auf einer<br />

Ebene mit der<br />

45-Grad-Lichtwanne haben ein<br />

schmeichelhaftes Bild mit einem<br />

sanften Lichtverlauf und gutem<br />

Kontrast entstehen lassen.<br />

<strong>Belichtung</strong>: Manueller Modus,<br />

1/125 s mit f/14 (ISO 100)<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 127


Photoshop für Fotografen<br />

S. 139<br />

128 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Photoshop für<br />

Fotografen<br />

BEHERRSCHEN SIE PHOTOSHOP<br />

UND VERBESSERN SIE IHRE BILDER<br />

Egal, ob Sie Photoshop-Anfänger oder ein erfahrener Nutzer sind, in dieser neuen Serie ist für jeden etwas<br />

dabei. Jeden Monat erklären wir bestimmte Photoshop-Techniken und die beste Art, sie zu nutzen, um Ihre<br />

Bilder zu verbessern. Wir enthüllen Geheimnisse, mit denen Sie garantiert Ihre Bilder auf Hochglanz polieren<br />

werden. In dieser Ausgabe wenden wir uns der Fülle von Weichzeichnungsfiltern zu und zeigen, welche<br />

praktischen und kreativen Anwendungsmöglichkeiten dahinter stecken, um Ihre Fotos zu verbessern.<br />

Weichzeichnungsfilter<br />

verstehen<br />

Bei so vielen verschiedenen<br />

Weichzeichnungsfiltern ist es an der Zeit zu<br />

lernen, welche was und wie tun.<br />

Ahmen Sie eine große<br />

Blende nach<br />

Beherrschen Sie den Filter „Schärfentiefe<br />

abmildern“ und geben Sie Ihren Portraits eine<br />

geringere Schärfentiefe.<br />

Fügen Sie Bewegung<br />

hinzu<br />

Lernen Sie, wie Sie die Illusion<br />

der Bewegung mit dem Filter<br />

„Bewegungsunschärfe“erzeugen.<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 129


Photoshop für Fotografen<br />

Weichzeichnungsfilter<br />

Wofür braucht man diese Filter, und können sie wirklich Ihre Fotos verbessern? Die Antwort ist ja, das können sie. In dieser Ausgabe zeigen<br />

wir Ihnen wie und enthüllen einige der versteckten Geheimnisse, die Ihre Art der Bildbearbeitung verändern werden.<br />

Mit Weichzeichnungsfiltern fügt man Fotos einen gewissen Grad an Weichheit zu. In<br />

Photoshop CS4 und CS5 stehen elf verschiedene Filter zur Auswahl, und acht in Elements<br />

9, jeder bietet unterschiedliche Steuerungsmöglichkeiten und Effekte. Die Standardfilter<br />

sind Weichzeichnen und Stark Weichzeichnen – die anderen bieten durch ihre individuellen<br />

Steuerungseinstellungen eine gewisse Kontrolle über die Art und Stärke. Egal welches<br />

Programm Sie benutzen, zu den Filtern kommen Sie immer auf die gleiche Art, nämlich<br />

über Filter > Weichzeichnungsfilter in der oberen Menüleiste. Bevor Sie jedoch irgendeinen<br />

Filter anwenden, sollten Sie die Bildebene, die Sie weichzeichnen wollen, duplizieren<br />

(Ebene > Ebene duplizieren), so dass Sie mit einer Kopie arbeiten und nicht die<br />

Originalpixel unwiderruflich verändern. In CS können Sie noch einen Schritt weiter gehen,<br />

in dem Sie das Bild in einen Smart Filter konvertieren (siehe den Kasten „Gelüftete<br />

WEICHZEICHNUNGSFILTER ERKLÄRT<br />

Geheimnisse“), so dass Sie den Filter jederzeit bearbeiten oder löschen können, ohne die<br />

eigentliche Bildebene löschen zu müssen.<br />

Wenn Sie einen Filter anwenden, wird der Weichzeichner auf das gesamte Bild<br />

angewendet, außer wenn Sie zunächst einen Teil des Bildes auswählen, um ihn für die<br />

Änderungen zu isolieren. Alternativ können Sie eine Ebenenmaske nutzen, um den Effekt<br />

nach der Anwendung zu bearbeiten (lesen Sie die letzte Ausgabe von Photoshop für<br />

Fotografen für mehr Details zur Nutzung von Ebenenmasken). In dieser<br />

Photoshop-Ausgabe zeigen wir Ihnen, wie Sie die Weichzeichnungs- und<br />

Bewegungsunschärfe-Filter anwenden und mit welchen Techniken Sie sie verfeinern. In der<br />

Zwischenzeit sind hier schon mal eine ganze Reihe von Möglichkeiten, bei denen Sie alle<br />

Weichzeichnungsfilter des Photoshop-Arsenals nutzen können.<br />

1) Durchschnitt<br />

Gut für: Entfernen eines Farbstichs<br />

Wenn Sie diesen Filter anwenden, wird eine<br />

solide Farbebene erzeugt, die aus der<br />

durchschnittlichen Farbe des Bildes<br />

besteht. Dies ist zum Beispiel nützlich,<br />

wenn Sie einen Farbstich entfernen<br />

möchten. Duplizieren Sie die<br />

Hintergrundebene, wenden den<br />

Durchschnitts-Filter an und klicken dann<br />

auf Ebene > Neue Einstellungsebene ><br />

Tonwertkorrektur. Nehmen Sie die graue<br />

Pipette aus der Tonwertkorrektur-Dialogbox<br />

und klicken auf das einfarbige Bild, um es<br />

grau zu färben. Danach löschen Sie diese<br />

Ebene in der Ebenenpalette, und der<br />

Farbstich des Bildes ist korrigiert.<br />

2) Weichzeichnen & Stark<br />

weichzeichnen<br />

Gut für: Entfernen von Rauschen<br />

Diese beiden Basisfilter haben nur wenig<br />

Einstellungsmöglichkeiten, aber sie können<br />

bei dramatischen Farbübergängen das<br />

Rauschen entfernen, indem sie Pixel an den<br />

Kanten auf die jeweils durchschnittliche<br />

Farbe verändern und so den Farbübergang<br />

angleichen. Stark weichzeichnen ist etwa<br />

vier Mal stärker als Weichzeichnen. Klicken<br />

Sie einmal auf den Filter, um den Effekt<br />

anzuwenden und mehrmals, um den Grad<br />

des Weichzeichnens zu erhöhen. Bei<br />

Überbeanspruchung können jedoch<br />

Artefakte und Linien im Bild erscheinen.<br />

Diese Filter werden besser vermieden.<br />

Stattdessen sollten Sie lieber den selektiven<br />

Weichzeichner verwenden.<br />

3) Feld weichzeichnen (nur CS4)<br />

Gut für: Spezialeffekte<br />

Durch Nutzung eines durchschnittlichen<br />

Farbwertes erzeugt dieser Filter eine<br />

vertikale und horizontale Weichzeichnung,<br />

die quadratisch aussieht. Dies fällt vor<br />

allem in helleren Bereichen auf. Für eine<br />

stärkere Weichzeichnung nehmen Sie<br />

einen größeren Radius.<br />

4) Gaußscher Weichzeichner<br />

Gut für: Weiche Fokus-Effekte.<br />

Nehmen Sie diesen Filter, wenn Sie das<br />

Bild gleichmäßig weich zeichnen möchten.<br />

Die Stärke der Weichzeichnung stellen Sie<br />

über den Radius-Regler ein. Mit einem<br />

niedrigen Radius zwischen 0,1 und 1,5<br />

Pixel geben Sie Ihrem Bild einen<br />

gleichmäßigen Schleier.<br />

5) Tiefenschärfe abmildern<br />

(nur CS4)<br />

Gut für: Verkleinerung<br />

Der Tiefenschärfe abmildern-Filter wird<br />

hauptsächlich dazu genutzt, den Effekt zu<br />

erzeugen, den Sie bei einer geringen<br />

Schärfentiefe bekommen, in dem Sie den<br />

Fokuspunkt scharf halten und das restliche<br />

Bild graduell unschärfer machen. Ein<br />

kreativerer Anwendungsbereich ist das<br />

Nachahmen des Verkleinerungs-Effektes<br />

eines Tilt-und-Shift-Objektivs, in dem eine<br />

abgestufte Ebenenmaske genutzt wird, um<br />

den Bereich zu blockieren, der scharf<br />

bleiben soll.<br />

6) Bewegungsunschärfe<br />

Gut für: Zufügen von Bewegung<br />

Sie können die Richtung dieser<br />

Weichzeichnung (-360 Grad bis 360 Grad)<br />

einstellen, um ein Bild zu erzeugen, bei<br />

dem das Motiv sich augenscheinlich<br />

bewegt. Wenden Sie den Filter auf das<br />

gesamte Bild ein, um die Illusion der<br />

Kamerabewegung zu bekommen, oder<br />

treffen Sie vorher eine Auswahl, damit es so<br />

aussieht, als ob sich das Motiv bewegt.<br />

7) Radialer Weichzeichner<br />

Gut für: Erzeugen einer Zoom-Explosion<br />

Simuliert die Unschärfe, die beim Zoomen<br />

des Objektivs oder Drehen der Kamera<br />

während des <strong>Fotografie</strong>rens entsteht. Sie<br />

können eine kreisförmige Unschärfe (Spin<br />

Modus) oder radiale Linien (Zoom Modus)<br />

anwenden, ausgehend von einem Punkt im<br />

Bild, den Sie scharf halten möchten, in<br />

dem Sie den zentralen Punkt in das<br />

Weichzeichnungs-Zentrum der Dialogbox<br />

ziehen, dort wo Sie den Filter anwenden<br />

möchten. Da es kein <strong>Vorschau</strong>fenster gibt,<br />

müssen Sie ein wenig ausprobieren, bis Sie<br />

den richtigen Grad an Unschärfe gefunden<br />

haben, der zu Ihrem Bild passt. Mit dem<br />

Mengenregler erhöhen Sie die Stärke des<br />

Weichzeichners.<br />

8) Form weichzeichnen (nur CS4)<br />

Gut für: Gibt der Unschärfe eine Form<br />

Wählen Sie eine Form aus den<br />

Voreinstellungen der Steuerungsbox des<br />

Filters und stellen mit dem Radiusregler<br />

den Grad und das Muster der Unschärfe<br />

ein. Sie können verschiedene Formen in<br />

den Filter laden, in dem Sie auf das Dreieck<br />

im oberen Bereich des Menüs klicken und<br />

aus der Liste auswählen<br />

9) Selektiver Weichzeichner<br />

Gut für: Kontrollieren des Rauschens<br />

Dieser Filter erkennt Kanten und wendet<br />

die Weichzeichnung auf die Linien dieser<br />

Pixel an. Um die Stärke des Effekts zu<br />

kontrollieren, nehmen Sie den Radiusregler<br />

(bewegen Sie den Regler langsam, denn<br />

Sie werden sehen, dass Abstufungen<br />

zwischen 0 und 2 Pixel den Anteil der<br />

Details, die erhalten bleiben, drastisch<br />

verändert). Dann nehmen Sie den<br />

Schwellenwert-Regler um die Ausdehnung<br />

der Weichzeichnung zu beeinflussen. Im<br />

normalen Modus werden feine Details im<br />

gesamten Bild eliminiert, und im<br />

Nur-Kanten- oder Ineinanderkopieren-<br />

Modus werden die Kanten aufgespürt, bei<br />

denen es Farbübergänge gibt.<br />

10) Matter machen<br />

Gut für: Ausgleich von Hautfarbe<br />

Beim Matter machen werden die<br />

Kantendetails beibehalten und das<br />

Rauschen oder die Körnung eines Bildes<br />

wird entfernt. Mit dem Radiusregler legen<br />

Sie den Grad des Weichzeichnens fest und<br />

der Schwellenwert-Regler kontrolliert die<br />

Ausdehnung des Effekts, um bestimmte<br />

Bereiche von der Weichzeichnung<br />

auszuschließen. Wenn Sie dies bei einem<br />

Portrait in Verbindung mit einer<br />

Ebenenmaske anwenden, können Sie die<br />

Hautfarbe weicher machen und kleine<br />

Schönheitsmakel verstecken, aber dennoch<br />

die Oberfläche der Haut beibehalten und<br />

einzelne Bereiche wie die Augen scharf<br />

halten.<br />

1<br />

2<br />

3<br />

4<br />

5<br />

6<br />

7<br />

8<br />

9<br />

10<br />

Werkzeug-<br />

Ausrüstung!<br />

WEICHZEICHNUNGS-<br />

WERKZEUG<br />

In der CS4-Toolbar ist das<br />

Weichzeichnungs-Werkzeug zusammen<br />

mit den anderen Schärfe-Werkzeugen<br />

Wischfinger und Scharfzeichner<br />

untergebracht. Es ermöglicht Ihnen,<br />

ausgewählte Bereiche eines Bildes weich<br />

zu zeichnen. Sie müssen die Größe des<br />

Pinsels so einstellen, dass sie zu dem<br />

Bereich passt, den Sie verändern<br />

möchten. Die Stärke des Effekts stellen Sie<br />

über den entsprechenden Regler in der<br />

Optionsleiste ein. Fangen Sie am besten<br />

mit einer niedrigen Stärke unter 10 an und<br />

bauen den Effekt langsam auf. Probieren<br />

Sie dieses Werkzeug, um<br />

die Hautfarbe zu glätten<br />

und kleine<br />

Schönheitsmakel zu<br />

verstecken.<br />

130 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Weichzeichnungsfilter<br />

Drei Arten, Ihre Bilder mit Weichzeichnungsfiltern zu verbessern<br />

Ob Sie nun kreative Effekte oder knallharte Bildbearbeitung betreiben möchten – mit den Weichzeichnungsfiltern von Photoshop<br />

können Sie fast jeder Anforderung gerecht werden. Hier zeigen wir Ihnen drei nützliche und künstlerische Techniken, mit denen<br />

Sie einen Einstieg finden.<br />

RADIALER WEICHZEICHNER<br />

1 ZOOM-EXPLOSIONS-EFFEKTE<br />

Duplizieren Sie zunächst die Hintergrundebene,<br />

damit das Original-Bild nicht verändert wird (Ebene<br />

> Ebene duplizieren). Dann gehen Sie zu Filter ><br />

Weichzeichner > Radialer Weichzeichner. Wählen<br />

Sie Zoom aus und bewegen anschließend, falls<br />

notwendig, den zentralen Punkt. Stellen Sie die<br />

Stärke der Weichzeichnung hoch ein und klicken Sie<br />

auf OK. Für einen gestochen scharfen Fokuspunkt<br />

nehmen Sie das Radiergummi, stellen Sie es auf<br />

einen großen Pinsel mit weicher Kante ein und<br />

klicken Sie einmal auf den gewünschten Fokuspunkt<br />

um die Originaldetails der darunter liegenden Ebene<br />

zu zeigen.<br />

2 SELEKTIVER<br />

WEICHZEICHNER<br />

KONTROLLIERT DAS RAUSCHEN<br />

Um die Darstellung von Rauschen zu verbessern,<br />

wählen Sie einfach Filter > Weichzeichner ><br />

Selektiver Weichzeichner... Der Knackpunkt ist es,<br />

das Rauschen zu reduzieren ohne die Bildqualität<br />

drastisch zu beeinflussen. Im Menüfenster des<br />

Selektiven Weichzeichners stellen Sie die Qualität auf<br />

Hoch und den Radius auf eine niedrige Einstellung<br />

ein, zwischen 1 und 5, abhängig vom Grad des<br />

Rauschens in Ihrem Bild. Anschließend erhöhen Sie<br />

den Schwellenwert bis Sie mit der Rauschreduzierung<br />

zufrieden sind. Über das <strong>Vorschau</strong>fenster können Sie<br />

das Ergebnis sofort sehen.<br />

3 GAUSSSCHER<br />

WEICHZEICHNER<br />

WEICHE FOKUS-EFFEKTE<br />

Der Effekt des Gaußschen Weichzeichners<br />

funktioniert am besten, wenn eine Ebene mit<br />

Weichzeichner mit der Bildebene vermischt wird. Um<br />

dies zu tun, gehen Sie auf Ebene > Ebene<br />

duplizieren, wodurch eine Kopie des Originalbildes<br />

auf eine neue Ebene oberhalb produziert wird. Dann<br />

klicken Sie auf Filter > Weichzeichner > Gaußscher<br />

Weichzeichner und fügen eine Unschärfe zwischen<br />

10 und 15 Pixeln zu, abhängig vom Bild und klicken<br />

dann auf OK. Jetzt reduzieren Sie die Deckkraft der<br />

unscharfen Ebene auf zwischen 50 und 70 Pixel, um<br />

einen netten weichen Fokus-Effekt zu erzielen.<br />

Original<br />

Original<br />

Original<br />

Gelüftete Geheimnisse<br />

DIESMARTE ART ZU FILTERN<br />

Immer, wenn Sie einen Filter gebrauchen, sollten Sie Ihr Bild<br />

zunächst in einen Smartfilter konvertieren, in dem Sie auf<br />

Filter > Für Smartfilter konvertieren klicken. Wie eine<br />

Einstellungsebene erlaubt Ihnen ein Smartfilter Änderungen<br />

vorzunehmen, ohne die originalen Pixel Ihres Bildes zu<br />

beeinträchtigen und ermöglicht Ihnen, den Filter später zu<br />

editieren, egal wie weit fortgeschritten Sie sich im<br />

Bearbeitungsprozess befinden. Wenn Sie Ihre Bildebene in<br />

einen Smartfilter konvertiert haben, können Sie den<br />

gewünschten Filter auswählen, in diesem Fall Filter ><br />

Scharfzeichnungsfilter und dann die Einstellungen<br />

vornehmen. Wenn Sie auf OK klicken und sich die Dialogbox<br />

schließt, sehen Sie eine extra Ebene in Ihrer Ebenenpalette,<br />

die Smartfilter heißt und darunter der Name des Filters, den<br />

Sie angewendet haben, z. B. Unscharf maskieren. Wenn Sie<br />

noch weitere Einstellungen vornehmen müssen, können Sie<br />

jederzeit auf den Teil Unscharf maskieren doppelklicken. Sie<br />

können auch die Deckkraft des Filters anpassen, in dem Sie<br />

auf das entsprechende Symbol rechts klicken.<br />

Gelüftete Geheimnisse<br />

DER VERBLASSEN-BEFEHL<br />

Wenn Sie irgendeine Einstellung, nicht nur einen<br />

Filter, modifizieren möchten, nachdem Sie diese<br />

schon durchgeführt haben, gehen Sie auf Bearbeiten<br />

> Verblassen und ändern dort die Deckkraft und die<br />

Füllmethode. Denken Sie daran, dass dies nur direkt<br />

nach der Anwendung funktioniert. Wenn Sie mit<br />

einem Smartfilter arbeiten, was wir Ihnen empfehlen,<br />

können Sie diesen Befehl nicht verwenden. Aber Sie<br />

können den Filter nachträglich anpassen, in dem Sie<br />

Ebene > Smart-Objekte > Rastern auswählen, oder<br />

auf Smartfilter doppelklicken, um diesen zu rastern,<br />

so dass der Filter bearbeitbar wird.<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 131


Photoshop für Fotografen<br />

Schärfentiefe-Tutorial<br />

Erzeugen Sie eine flache Schärfentiefe<br />

Wir sind zwar keine großen Anhänger davon, fotografische Techniken durch Photoshop zu<br />

ersetzen, aber es gibt ein paar Filter, die Ihre Portraitaufnahmen aus der Tiefe Ihrer Festplatte<br />

heraushelfen können, und Schärfentiefe abmildern ist einer davon. Finden Sie heraus, wie Sie<br />

eine flache Schärfentiefe mit diesem sehr effektiven Filter nachbilden können.<br />

ES IST SO LEICHT, drauflos zu fotografieren und zu vergessen, die Blendeneinstellung der<br />

Kamera zu ändern. Später merkt man dann, dass das Bild viel besser ausgesehen hätte,<br />

wenn man nur mit einer geringen Schärfentiefe gearbeitet hätte. Der Filter mit dem Namen<br />

„Tiefenschärfe abmildern“ („Tiefenschärfe“ ist gleichbedeutend) gibt Ihnen das Werkzeug,<br />

die graduelle Änderung der Schärfe, die Ihr Objektiv bei einer großen Blende (kleiner f-Wert)<br />

produziert, nachzustellen. Dies ist vermutlich einer der nützlichsten Filter, aber auch der<br />

umfangreichste. Deswegen ist es der einzige Weichzeichnungs-Filter, der nicht in einen<br />

Smart-Filter konvertiert werden kann.<br />

Um den Filter korrekt einstellen zu können, so dass realistische Ergebnisse erzielt werden,<br />

ist es hilfreich, wenn man versteht, wie Schärfentiefe funktioniert. Die Mechanik des Filters<br />

kann auf den ersten Blick etwas unübersichtlich aussehen, da Sie das Aussehen des<br />

Weichzeichners einstellen können, je nachdem welches Objektiv Sie imitieren möchten.<br />

Aber solange Sie sich darüber im Klaren sind, dass alles in der gleichen fokalen Ebene<br />

scharf sein muss, und der Weichzeichner umso stärker werden soll, je weiter er weg geht,<br />

reicht das für den Anfang. Da eine flache Schärfentiefe gut in Portraits funktioniert,<br />

insbesondere um von einem unruhigen Hintergrund abzulenken oder die Aufmerksamkeit<br />

des Betrachters in die Augen des Motivs zu ziehen, haben wir hier ein Portrait mit zu viel<br />

Schärfentiefe ausgewählt, um Ihnen zu zeigen, wie dieser Filter Ihre Bilder verbessern kann.<br />

TASTENKÜRZEL EL<br />

Alt zum Zurücksetzen<br />

Wenn Sie mit dem<br />

Tiefenschärfe<br />

abmildern-Steuerungsmenü<br />

arbeiten, halten Sie die<br />

Alt-Taste gedrückt, um die<br />

Esc-Taste in eine<br />

Zurücksetz-Taste zu<br />

verwandeln, falls Sie den Filter<br />

zurück zu seinen<br />

Standardeinstellungen setzen<br />

möchten. Sie können auch<br />

die <strong>Vorschau</strong> ausschalten,<br />

damit Sie zwischen dem<br />

weichgezeichneten und<br />

originalen Bild hin- und her<br />

wechseln können.<br />

Original<br />

1Erzeugen Sie eine Ebenenmaske<br />

Um den Effekt einer flachen Schärfentiefe hinzuzufügen,<br />

gehen Sie zunächst zu Ebene > Ebene duplizieren, um das<br />

Originalbild in eine neue Ebene hineinzukopieren. Fügen Sie<br />

eine Ebenenmaske der neuen Ebene hinzu, in dem Sie auf<br />

den Icon in der Ebenenpalette klicken (oben eingekreist).<br />

Damit können Sie einzelne Teile des Bildes bearbeiten, ohne<br />

irgendwelche Pixel permanent zu verändern.<br />

2Treffen Sie eine Auswahl<br />

Nehmen Sie das Polygon-Lasso und treffen eine grobe<br />

Auswahl rund um das Gesicht Ihres Motivs. Dies ist der<br />

Bereich, der scharf bleiben soll. Fügen Sie der Auswahl mehr<br />

hinzu oder nehmen Sie etwas hinweg, in dem Sie entweder<br />

die Umschalt- oder die Alt-Taste gedrückt halten, während Sie<br />

mit dem Werkzeug zeichnen. Wegen der Ebenenmaske<br />

brauchen Sie im Moment noch nicht allzu akkurat zu arbeiten.<br />

3Glätten Sie die Auswahl<br />

Damit der Effekt als gradueller Übergang zwischen<br />

verschwommenen und scharfen Bereichen erscheint, wenden<br />

Sie eine weiche Auswahlkante (200 Pixel) auf die Auswahl an<br />

(Auswahl > Weiche Auswahlkante). Dann gehen Sie zu<br />

Bearbeiten > Ebene füllen, ändern den Inhalt zu Füllen mit<br />

Schwarz und klicken auf OK. Jetzt entfernen Sie die Auswahl,<br />

in dem Sie auf Auswahl > Auswahl aufheben klicken.<br />

4Öffnen Sie Tiefenschärfe abmildern<br />

Um den Weichzeichner anzuwenden, klicken Sie zunächst<br />

auf das kleine Bild der duplizierten Ebene (neben dem Bild der<br />

Ebenenmaske). Dann gehen Sie zu Weichzeichnungsfilter ><br />

Tiefenschärfe abmildern… wodurch das Tiefenschärfe<br />

abmildern-<strong>Vorschau</strong>fenster geöffnet wird. Unter Tiefenmappe<br />

ändern Sie die Quelle zu Ebenenmaske, um festzulegen, dass die<br />

Ebenenmaske benutzt wird, wenn berechnet wird, wo die<br />

weichgezeichneten Bereiche sein werden.<br />

132 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE<br />

Wenden Sie Tiefenschärfe abmildern an<br />

5 Um die fokale Entfernung des Weichzeichners (den<br />

Fokuspunkt) festzulegen, klicken Sie einfach im <strong>Vorschau</strong>bild<br />

auf die Stelle, wo der gewünschte Fokuspunkt sein soll – hier<br />

haben wir das linke Auge des Motivs gewählt. Jetzt stellen Sie<br />

den Radiusregler so ein, dass der Weichzeichnungseffekt<br />

erhöht wird: Je höher die Radiusmenge, desto stärker wird die<br />

Weichzeichnung und der Schärfentiefe-Effekt.<br />

Bearbeiten Sie die Ebenenmaske<br />

6 Den Effekt anzuwenden kann einige Zeit dauern, je<br />

nach der Größe Ihrer Datei. Wenn er fertig ist, können Sie<br />

das Bild durch Bearbeiten der Ebenenmaske noch fein<br />

tunen. Nehmen Sie das Pinselwerkzeug mit einem großen<br />

Pinsel mit weichen Kanten und erweitern Sie die unscharfen<br />

Bereiche, in dem Sie auf die Ebenenmaske mit Schwarz<br />

malen oder reduzieren Sie sie, in dem Sie mit Weiß malen.


Tutorial: Schäfentiefe<br />

Ergebnis<br />

Pseudoflache<br />

Schärfentiefe<br />

Wenn man eine geringe<br />

Schärfentiefe anwendet,<br />

wird der Fokus in die Augen<br />

des Motivs gezogen und der<br />

Hintergrund wirkt nicht<br />

länger störend.<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 133


Photoshop für Fotografen<br />

Bewegungsunschärfe<br />

Erzeugen von Bewegung<br />

Sie haben Probleme, sich bewegende Motive zu fotografieren? Sie suchen eine<br />

schnelle Methode, Ihren Bildern Bewegung zu verleihen? Dann lernen Sie den<br />

effizienten Umgang mit dem Filter „Bewegungsunschärfe“.<br />

Mit dem Filter „Bewegungsunschärfe“ können Sie einem statischen Motiv die Illusion von Bewegung verleihen, indem Sie eine<br />

lineare Unschärfe in einer beliebigen Richtung simulieren. Dieser Filter ist einfach anzuwenden, aber dennoch sehr<br />

wirkungsvoll und kann für verschiedene Effekte verwendet werden. Eine andere Art der Einsatzmöglichkeit dieses Filters<br />

finden Sie im Kreativen Projekt dieses Monats. Wenn Sie den Filter ausgewählt haben, wird ein Bedienfeld mit einem<br />

<strong>Vorschau</strong>bildschirm und verschiedenen Funktionen geöffnet. Hier können Sie festlegen, dass der Winkel der Unschärfe mit<br />

der Richtung des „sich bewegenden“ Motivs übereinstimmt. Mit dem Schieberegler „Entfernung“ können Sie zur Simulierung<br />

von Geschwindigkeit die Intensität der Unschärfe variieren. Wenn sich das Motiv zur Kamera hin bewegt, eignet sich der<br />

Zoom-Modus des radialen Weichzeichners besser als der Filter „Bewegungsunschärfe“, aber für diese Technik müssen Sie<br />

auch den Drehmodus des radialen Weichzeichners verwenden, um den Rädern Bewegung zu verleihen. Es ist nicht ganz<br />

einfach, aber sehr wirkungsvoll. Probieren Sie es einfach aus.<br />

Original<br />

bearbeitet<br />

1Treffen Sie eine Auswahl<br />

Legen Sie mit dem Polygon-Lasso-Werkzeug in aller<br />

Ruhe die Auswahl um das Auto herum fest. Kehren Sie jetzt<br />

mit Auswahl>Auswahl umkehren die Auswahl um, sodass<br />

nicht das Motiv, sondern der Hintergrund des Bildes<br />

ausgewählt wird.<br />

2Isolieren Sie den Hintergrund<br />

Um diese Auswahl auf eine neue Ebene zu kopieren,<br />

gehen Sie zu Ebene>Neu>Ebene durch Kopie. Diese Ebene<br />

enthält jetzt den Hintergrund, auf den die Unschärfe<br />

angewendet wird, um die Illusion von Bewegung zu<br />

erzeugen, während das Auto scharf bleibt.<br />

3Fixieren Sie transparente Pixel<br />

Bevor Sie Unschärfe hinzufügen, klicken Sie auf<br />

Transparente Pixel fixieren. Damit wird jeder Unschärfeeffekt<br />

bis zur Kante der transparenten Bereiche angewendet. In der<br />

<strong>Vorschau</strong> ist dies als weiß-grau kariertes Muster zu sehen.<br />

134 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE<br />

4Wenden Sie die Bewegungsunschärfe an<br />

Öffnen Sie Filter>Weichzeichnungsfilter><br />

Bewegungsunschärfe. Bewegen Sie im Fenster das<br />

Bedienelement Winkel so, dass der Winkel mit der Richtung<br />

des Motivs übereinstimmt. Versuchen Sie, den realistischsten<br />

Bewegungswinkel zu finden. Erhöhen Sie dann die Distanz, bis<br />

Sie mit dem Ergebnis zufrieden sind.<br />

5Wählen Sie das Hinterrad aus<br />

Klicken Sie in der Palette Ebenen auf die<br />

Hintergrundebene. Legen Sie jetzt eine Auswahl um das<br />

Hinterrad herum fest, und versehen Sie die Auswahl mit<br />

einer weichen Kante (Auswahl>Auswahl<br />

verändern>Weiche Kante).


Leitfaden für Bewegungsunschärfe<br />

6Wenden Sie den radialen Weichzeichner an<br />

Um die Illusion durchdrehender Räder zu erhalten,<br />

verwenden Sie den radialen Weichzeichner (Filter><br />

Weichzeichnungsfilter>Radialer Weichzeichner). Stellen Sie<br />

die Qualität auf Beste und die Menge auf maximal 15 bis 20<br />

Pixel ein. Die Unschärfemitte sollte so verschoben werden,<br />

dass sie mit der Mitte des Rades zusammentrifft.<br />

7Machen Sie das Vorderrad unscharf<br />

Wiederholen Sie diese Vorgehensweise beim<br />

Vorderrad. Legen Sie eine Auswahl mit weicher Kante fest,<br />

und wenden Sie dann wie oben den radialen Weichzeichner<br />

an. Nur die Position der Unschärfemitte ist hier aller<br />

Wahrscheinlichkeit nach anders.<br />

8<br />

Speichern Sie die Ebenen<br />

Eine Datei, die mehrere Ebenen enthält, kann nicht als<br />

JPEG-Datei gespeichert werden. Daher ist es immer ratsam,<br />

den Befehl Datei>Speichern unter zu verwenden, um eine<br />

Kopie als Photoshop-Datei (.psd) zu speichern. Damit<br />

werden die Ebenen beibehalten und können später<br />

bearbeitet werden.<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 135


Photoshop für Fotografen<br />

Tutorial: „Gleiche Farbe verwenden”<br />

Simulation eines Sonnenuntergangs<br />

Ändern Sie die Farben und erhöhen Sie den Eindruck Ihres Bildes, indem Sie Farben aus<br />

unterschiedlichen Fotos mit dem Befehl „Gleiche Farbe“ zusammen bringen.<br />

„GLEICHE FARBE“ IST EIN FANTASTISCHES, oft übersehenes Werkzeug zur Farbkorrektur und zum Erzeugen kreativer<br />

Effekte. Sie können damit die Farben zweier <strong>Fotografie</strong>n oder Ebenen in ein und demselben Bild zusammenbringen und<br />

angleichen. Das ist nicht nur dann hilfreich, wenn Sie Konsistenz zwischen den Farben verschiedener Bilder herstellen<br />

wollen, beispielsweise bei Fotomontagen und Collagen, sondern auch, wenn Sie Hauttöne verändern oder einen<br />

Sonnenuntergang replizieren wollen und sogar zur Korrektur des Weißabgleichs. Das Ganze funktioniert außerdem sehr<br />

einfach. Sie brauchen nur Ihr Ursprungsbild – das Bild, das die zu kopierende Farbe enthält – auszuwählen und<br />

anschließend das Zielbild, das Bild also, auf das die Farbe übertragen werden soll. Die entstehenden Effekte unterscheiden<br />

sich dramatisch, je nach Stil und Farbgebung der Bilder, die Sie verwenden werden. Verwenden Sie also unsere<br />

Schritt-für-Schritt-Anleitung und arbeiten ein wenig nach der Methode „Versuch und Irrtum“.<br />

bearbeitet<br />

Original<br />

1Treffen Sie eine Auswahl<br />

Öffnen Sie Ausgangs- und Zielbild in Photoshop.<br />

Benutzen Sie ein Auswahlwerkzeug wie „Schnellauswahl“,<br />

um den Farbbereich festzulegen, den Sie im Zielbild<br />

replizieren wollen. Bei diesem Bild haben wir den Himmel<br />

genommen.<br />

2Bereiten Sie das Ziel vor<br />

Duplizieren Sie die Zielebene mit Ebene>Ebene<br />

duplizieren, und wählen Sie den Bereich, dessen Farbe Sie<br />

ändern wollen. Da sich in diesem Bild der Himmel im<br />

Wasser spiegelt, wählen wir nichts aus, weil das gesamte<br />

Bild betroffen ist.<br />

3Rufen Sie „Gleiche Farbe“ auf<br />

Klicken Sie auf die Zielebene und gehen Sie auf<br />

Bild>Korrekturen>Gleiche Farbe um die Befehlssteuerung<br />

zu öffnen. Unter „Bildstatistik“ klicken Sie auf das<br />

Drop-Down Menü „Quelle“ und wählen das Bild, das Ihnen<br />

als Ursprungsbild dienen soll.<br />

136 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE<br />

4Auswählen<br />

Falls Sie einen Bereich im Ursprungsbild gewählt<br />

haben, klicken Sie auf „Farben anhand von Auswahl in<br />

Quelle berechnen“, und falls Sie einen Bereich im Zielbild<br />

ausgewählt haben, klicken Sie auf „Farben anhand von<br />

Auswahl in Ziel berechnen“.<br />

5Den Effekt anpassen<br />

Wenn Ihnen der nun entstandene Effekt zu stark oder<br />

nicht stark genug ist, können Sie ihn anpassen. Verwenden<br />

Sie die Schieberegler „Luminanz“ zur Anpassung der<br />

Helligkeit, „Farbintensität“ für die Farbintensität und<br />

„Verblassen“, um die Stärke des Effekts zu reduzieren.


Überwältigender Sonnenuntergang<br />

Obwohl dies kein natürlicher Sonnenuntergang ist,<br />

erscheint er durch die rosa Farbe von einem echten<br />

Sonnenuntergang natürlich. Es ist wichtig, woher Sie<br />

die Farbe nehmen, damit es echt aussieht: Wählen<br />

Sie die Farbbereiche, die Sie in das neue Bild einfügen<br />

wollen, also mit Bedacht aus.<br />

HELEN DIXON<br />

Geheimnis enträtselt<br />

FARBSTICH KORRIGIEREN<br />

Falls der Weißabgleich der Kamera bei der Aufnahme<br />

falsch war, können Sie das auch ganz einfach<br />

durch „Gleiche Farbe“ korrigieren, indem Sie in das<br />

Kästchen „Neutralisieren“ klicken, was jeglichen<br />

Farbstich beseitigt.<br />

6Weitere Einstellungen<br />

Wenn Sie fertig sind, klicken Sie auf OK. Eventuell<br />

müssen Sie nun einige lokale Anpassungen vornehmen, wie<br />

wir das hier bei unserem Beispiel tun. Fügen Sie also zuerst<br />

eine Ebenenmaske hinzu (Ebene>Ebenenmaske>Alle<br />

einblenden).<br />

7Holen Sie die Details hervor<br />

Klicken Sie auf die Ebenenmaske. Nun verwenden Sie<br />

einen weichen Pinsel mit schwarzer Farbe, stellen die<br />

Deckkraft auf unter 20 Prozent und gehen damit über die<br />

Bereiche, bei denen die Farbe reduziert werden soll.<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 137


Photoshop für Fotografen<br />

Tutorial: Verwenden von Kurven<br />

So bekommt Ihr Still-Leben ein wenig Stil<br />

Fotos auf „alt“ zu trimmen, wird immer populärer. Lernen Sie die Grundlagen<br />

solcher Retro-Effekte, und passen Sie sie Ihrer eigenen Technik an.<br />

ES SCHEINT PARADOX: Je technologisch fortschrittlicher die Digitalfotografie wird, je nostalgischer scheinen die Fotografen zu<br />

werden. Ganz gleich, welche digitalen Techniken noch kommen mögen: Immer finden wir Mittel und Wege, den klassischen<br />

Charakter analogen Films und Dunkelkammereffekte zu imitieren, seien es der Rahmen eines Polaroid-Bildes oder der Einsatz<br />

digitaler Filter, um den Effekt eines Holga, Lomo oder Lo-fi Fotos hervorzurufen. Das zeigt, dass der gute alte Film noch lange<br />

nicht tot ist.<br />

In den Tagen der „Analogfotografie“ gehörten solche Begleiterscheinungen einfach dazu: Farbausbleichungen, Vignetten, warme<br />

Töne, Verwischungen und unerwünschter Lichteinfall waren die Nebenwirkungen bei der Filmentwicklung. In Photoshop können<br />

Sie diese Effekte durch Wechsel der Farbkanäle und den Einsatz von Filtern reproduzieren. Diese Schritt-für-Schritt Anleitung<br />

zeigt Ihnen die Grundprinzipien, die Sie dabei beachten sollten. Jedes Bild ist anders – Sie werden mit den folgenden Schritten<br />

experimentieren müssen, um den von Ihnen gewünschten Effekt zu erzeugen, und sie werden feststellen, dass Sie dieselben<br />

Ergebnisse kaum ein zweites Mal bekommen werden. Deswegen ist es hilfreich, die einzelnen Schritte Ihrer Arbeitstechnik zu<br />

protokollieren, sodass Sie den Effekt wiederholen können.<br />

Geheimnis enträtselt<br />

ZIELMODUS<br />

Anstatt die Linie im Kurvendiagramm manuell<br />

anzupassen, klicken Sie auf das Hand-Ikon oben links im<br />

Steuerungsbedienfeld. Klicken Sie nun auf einen Bereich<br />

des Bildes, den Sie anpassen wollen, und dann klicken<br />

und ziehen Sie den Cursor entweder nach oben zum<br />

Aufhellen oder nach unten zum Abdunkeln.<br />

Original<br />

Kurven verwenden Zuerst duplizieren Sie das<br />

1 Originalbild (Ebene>Ebene duplizieren) anschließend<br />

verwenden Sie eine neue Einstellungssebene, um die<br />

Gradationskurven anzupassen (Ebene>Neue<br />

Einstellungsebene>Gradationskurven). Für den<br />

gewünschten Effekt müssen Sie die einzelnen Farbkanäle<br />

anpassen. Dazu klicken Sie auf das RGB-Drop-Down-Menü.<br />

Dort finden Sie die Farbkanäle Rot, Grün und Blau, die Sie<br />

nun individuell einstellen können.<br />

Farbe anpassen Sie wollen das Bild bleichen,<br />

2 indem Sie dessen Farbtöne ändern. Versuchen Sie beim<br />

Anpassen der Kanäle, eine weite fließende oder eine<br />

S-förmige Kurve zu erzeugen, je nach Farbzusammensetzung<br />

Ihres Bildes. In unserem Beispiel haben wir den Rot-Kanal<br />

ziemlich weit aufgezogen, um die rosa Farbtöne<br />

hervorzuheben, die Kanäle Blau und Grün haben wir<br />

dagegen kaum geändert.<br />

3Weiß aufhellen Um blassere Farben zu erhalten,<br />

gehen Sie zurück auf den RGB-Kanal und passen den<br />

Kontrast ganz leicht an, um das Schwarz etwas<br />

abzuschwächen und das Weiß etwas zu verstärken. Wir<br />

haben außerdem eine weitere Ebene zur selektiven<br />

Farbkorrektur verwendet (Ebene>Neue<br />

Einstelllungsebene>Selektive Farbkorrektur) und das Weiß<br />

noch verstärkt, um es heller erscheinen zu lassen.<br />

Fotofilter anwenden Klicken Sie auf Ihre<br />

4 duplizierte Bildebene und gehen auf<br />

Bild>Korrekturen>Fotofilter. Blättern Sie durch die<br />

unterschiedlichen Filter, um festzustellen, welcher Ihrem<br />

Bild die gewünschte Wärme gibt. Wir haben ein intensives<br />

Gelb gewählt. Achten Sie darauf, dass das Kontrollkästchen<br />

„Luminosität“ eingeschaltet ist, und stellen Sie mit dem<br />

Dichte-Schieberegler die gewünschte Stärke des Filters ein.<br />

138 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE<br />

Vignette hinzufügen Zeichnen Sie mit dem<br />

5 Auswahlrechteck-Werkzeug ein Rechteck in das Bild<br />

und lassen dabei einen Randbereich frei. Achten Sie darauf,<br />

dass der Verlauf auf 100 Pixel eingestellt ist. Nun gehen Sie<br />

auf Auswahl>Auswahl umkehren und dann auf<br />

Bild>Korrekturen><strong>Belichtung</strong>. Stellen Sie die Werte zum<br />

Abdunkeln oder Aufhellen des Bildes ein: Wir haben unseres<br />

aufgehellt.<br />

Rauschen hinzufügen Zum Abschluss geben<br />

6 Sie dem Bild noch ein leichtes Rauschen, um den<br />

Eindruck des Alterns zu verstärken. Fügen Sie dazu eine<br />

Volltonfarbebene hinzu, gefüllt mit Schwarz, gehen auf<br />

Filter>Rauschfilter>Rauschen hinzufügen und machen ein<br />

Häkchen in das Kontrollfeld „Monochromatisch“. Dann<br />

klicken Sie auf OK. Ändern Sie nun den Ebenen-Mischmodus<br />

auf „Bildschirm“ und reduzieren die Opazität der Ebene, bis<br />

Sie die gewünschte Stärke des Rauscheffekts erhalten.


earbeitet<br />

HELEN DIXON<br />

Fertiges Bild<br />

Ein Merkmal der alten Analog-<strong>Fotografie</strong><br />

sind Lichteinfälle an Stellen, an denen der<br />

Film zu stark entwickelt wurde. Sie können<br />

diesen Effekt erzeugen, indem Sie eine neue<br />

Ebene anlegen, dort ein paar rote Farbtupfer<br />

anbringen und anschließend den<br />

Mischmodus auf „Linear belichten“<br />

einstellen.<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 139


Beurteilung Ihrer Fotos > Antworten auf Ihre Fragen<br />

EXPERTEN-<br />

RATGEBER<br />

MIT RAT UND TAT ZUR STELLE<br />

Beurteilung von Fotos durch Fotoexperten<br />

Antworten auf technische Fragen zu Ihrer DSLR, Software<br />

oder anderer Fotoausrüstung<br />

TREFFEN SIE<br />

UNSER<br />

EXPERTENTEAM<br />

REDAKTEUR<br />

DANIEL LEZANO<br />

Dan ist seit Jahren<br />

regelmäßig<br />

Preisrichter bei<br />

Fotowettbewerben.<br />

NATUR &<br />

LANDSCHAFTEN<br />

ROSS HODDINOTT<br />

Ross ist ein professioneller<br />

Fotograf und Journalist,<br />

der sich auf die Tierwelt<br />

und Landschaften<br />

spezialisiert.<br />

LANDSCHAFTEN<br />

LEE FROST<br />

Lee ist seit Jahren<br />

professioneller<br />

Fotograf und<br />

Journalist.<br />

PHOTOSHOP<br />

MATT HENRY<br />

Matt ist ein erfahrener<br />

Fotograf und<br />

angesehener<br />

Photoshop-Experte.<br />

Inhalt ...<br />

KRITIK VON EXPERTEN:<br />

IHRE BILDER<br />

Experten stellen eine konstruktive Beurteilung Ihrer Bilder<br />

zur Verfügung.<br />

FRAGEN UND ANTWORTEN ZU<br />

FOTOS:<br />

LESERFRAGEN<br />

Eine Auswahl Ihrer Fragen, die von führenden Fotoexperten<br />

beantwortet werden.<br />

Nr.1<br />

FÜR RAT &<br />

TECHNIKEN ZUR<br />

DIGITALEN SLR-<br />

FOTOGRAFIE


EXPERTENRATGEBER<br />

>Expertenkritik<br />

Meteorit<br />

von Artur Giers<br />

Kamera: Canon EOS 350D<br />

Objektiv: Canon 18-55mm f/3.5-5.6<br />

<strong>Belichtung</strong>: 1/30 Sek. bei f/4.5 (ISO 400)<br />

Artur sagt: „Für diesen Effekt habe ich<br />

lange belichtet, um die Bewegung und<br />

die Lichter des Karussells einzufangen.<br />

Eigentlich hatte ich eine Aufnahme<br />

des Sonnenuntergangs machen<br />

wollen, aber ein stark bewölkter Himmel und sehr<br />

viel Regen machten das unmöglich. Also habe ich<br />

gewartet, bis die Sonne weg war. Ich denke, der<br />

nächtliche Himmel bietet die perfekte Kulisse für die<br />

farbenfrohe Fahrt.“<br />

Ross Hoddinott: Das ist wirklich ein ins Auge<br />

springendes Motiv, sprühend von Farben und<br />

Energie. Rummelplätze sind hervorragende Orte für<br />

Bilder mit nur wenig Licht, wobei die Farben auch<br />

noch stark mit dem dunklen Nachthimmel<br />

kontrastieren. Die <strong>Belichtung</strong> erfolgt per<br />

Punktmessung und ich mag die Intensität der<br />

Bewegung, die Arturs Bild vermittelt. Andererseits<br />

ist das Karussell ein bisschen aus dem<br />

Zusammenhang gerissen. Der enge Bildzuschnitt<br />

wirkt ein wenig gedrängt, und ich frage mich, was<br />

unterhalb des Meteoritenzeichens geschieht. Mit<br />

einer kürzeren Brennweite hätte Artur mehr von der<br />

Karussellfahrt und von der Umgebung einfangen<br />

können – mehr Lichter, vielleicht die Bewegungen<br />

der Menschen und generell mehr Energie und<br />

implizite Bewegung. Alternativ dazu hätte er auch<br />

noch mehr heran zoomen können, um nur einen<br />

kleinen Farb- und Bewegungsbereich zu isolieren,<br />

was ein mehr künstlerisches, abstraktes Ergebnis<br />

hervorgebracht hätte. So wie es ist, liegt die<br />

Bildkomposition irgendwo dazwischen, was einen<br />

merkwürdigen, statischen Eindruck hervor ruft.<br />

Urteil: Gute Wahl der <strong>Belichtung</strong>, aber eine<br />

etwas verwirrende Bildkomposition.<br />

Lee Frost: Ich bin ein großer Fan der <strong>Fotografie</strong><br />

in der Dämmerung und bei Nacht – tatsächlich habe<br />

ich gerade ein Buch darüber geschrieben. Im Lauf<br />

der Jahre habe ich so manchen sehr<br />

zufriedenstellenden Abend verbracht, indem ich mit<br />

Kamera und Stativ auf Rummelplätzen<br />

herumgelaufen bin. Arturs Schnappschuss eines<br />

fahrenden Karussells ist ziemlich gut – gut belichtet,<br />

die Farben sind großartig und auch die Komposition<br />

ist nicht schlecht. Aber – und irgend ein „Aber“ gibt<br />

es immer – es gibt zwei Bereiche, in denen das Foto<br />

möglicherweise hätte verbessert werden können.<br />

Erstens war die <strong>Belichtung</strong>szeit nur eine 1/30<br />

Sekunde, was gerade ausreichte, die tatsächliche<br />

Drehung des Karussells zu vermitteln. Ich glaube,<br />

eine <strong>Belichtung</strong> von mehreren Sekunden wäre<br />

besser gewesen, dann hätte das Karussell<br />

mindestens eine volle Umdrehung gemacht, und die<br />

Lichter wären als kreisförmige Farbstreifen<br />

erschienen. Zweitens ist der Himmel vollständig<br />

schwarz, was zweifellos einen klaren, aufgeräumten<br />

Hintergrund ergibt, sodass sich die ganze<br />

Aufmerksamkeit des Betrachters auf das Karussell<br />

konzentriert. Dieses Foto, ein wenig früher<br />

aufgenommen, hätte ein wenig Abendrot enthalten,<br />

was tendenziell interessanter aussieht, als reines<br />

Schwarz.<br />

Urteil: Ein starkes Bild, doch mit etwas längerer<br />

<strong>Belichtung</strong> und ein wenig Farbe am Himmel wäre<br />

es wohl noch beeindruckender geworden.<br />

Kurzkritik<br />

1) Neonlicht kann großartige Effekte erzeugen;<br />

versuchen Sie aber einmal, Ihre Kreativität<br />

noch ein Stück weiter zu treiben, indem Sie<br />

die Farbtönung und –Sättigung mit Photoshop<br />

manipulieren (Bild>Anpassen>Farbton/<br />

Sättigung) um zu sehen, welche Effekte Sie<br />

damit erzielen können.<br />

2) Gegen einen engen Bildausschnitt ist nichts<br />

einzuwenden, achten Sie aber darauf, keine<br />

vitalen Elemente „wegzuschneiden“, die dem<br />

Bild einen Zusammenhang geben.<br />

3) Rummelplatz-Motive sprechen die<br />

Menschen immer an, egal ob alt oder jung.<br />

Versuchen Sie beim nächsten Mal regelrechte<br />

Portraits und vielleicht sogar eine<br />

Landschaftsaufnahme. Der Gesichtsausdruck<br />

von Menschen, die ein attraktives Karussell<br />

besteigen, oder besser noch, gerade aus ihm<br />

aussteigen kann für großartige Fotos sorgen.<br />

1<br />

2<br />

„Ich glaube, eine <strong>Belichtung</strong> von<br />

mehreren Sekunden wäre besser<br />

gewesen, dann hätte das<br />

Karussell mindestens eine volle<br />

Umdrehung gemacht.“<br />

Lee Frost<br />

3<br />

142 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


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Sumpfmeise<br />

Von Bob Barnes<br />

Kamera: Nikon D300<br />

Objektiv: Sigma 70-210 mm mit Telekonverter<br />

<strong>Belichtung</strong>: 1/125 Sek. bei f/5.6 (ISO 400)<br />

Bob sagt: „Im New Forest<br />

Nationalpark in Hampshire gibt es<br />

Areale, wo die Vögel von Campern<br />

gefüttert werden; aber wenn die<br />

Saison im Oktober vorbei ist, sieht<br />

man die Vögel dort nach Futter suchen. Es war ein<br />

kalter Januarmorgen, und die Äste der Bäume<br />

waren gefroren, die Zweige von Eis bedeckt. Ich<br />

legte ein paar Körner auf einem Ast aus, stellte mein<br />

Stativ mit der Kamera auf und wartete auf die<br />

Vögel.“<br />

Ross Hoddinott: Sumpfmeisen sind kleine<br />

hektische Vögel mit der unangenehmen<br />

Eigenschaft, genau dann auf- und wegzufliegen,<br />

wenn du auf den Auslöser drücken willst. Dieser<br />

Schuss ist Bob sehr gut gelungen. Da der Vogel<br />

relativ klein im Bildausschnitt erscheint und weil<br />

Teile der Umgebung im Bild sind, ist die<br />

Aufnahme stimulierend – fast sogar ein<br />

Umweltportrait. Ich denke, die Komposition ist<br />

gut. Die Meise ist hübsch platziert in einem der<br />

sich überkreuzenden Drittel, und mir gefällt der<br />

tote Zweig, der von der linken, oberen Ecke in den<br />

Bildausschnitt ragt. Die lange Brennweite und die<br />

große Blende haben den Hintergrund angenehm<br />

aus dem Schärfebereich heraus genommen.<br />

Schade nur, dass das leicht gefärbte Moos damit<br />

auch unscharf geworden ist, denn das lenkt etwas<br />

vom Motiv ab. Doch um das zu vermeiden, hätte<br />

Bob eine horizontale Bildkomposition wählen<br />

müssen, und das hätte insgesamt gesehen zu<br />

einem weniger guten Bild geführt.<br />

Urteil: Ein sehr schön aufgenommenes<br />

Tierfoto. Die Bildkomposition ist sehr<br />

interessant. Bob hätte es kaum besser machen<br />

können.<br />

Daniel Lezano: Als der Natur-<br />

Meisterfotograf der er ist, ist Sir Hoddinott ist<br />

wesentlich besser qualifiziert, dieses Bild zu<br />

beurteilen als ich, man wundere sich also nicht,<br />

wenn er völlig gegenteiliger Auffassung ist, wie ich.<br />

Der erste Eindruck ist sehr positiv. Diese Vögel sind<br />

klein und nervös, deswegen ist Bob hier eine<br />

hervorragende Aufnahme aus offenbar großer<br />

Nähe gelungen. Auch die wesentlichen Punkte hat<br />

er richtig hin bekommen: minimale Schärfentiefe,<br />

sodass der Hintergrund schön verschwimmt und<br />

die volle Schärfe auf dem Vogel liegt. Ich mag auch<br />

den eisbedeckten, eine starke diagonale Linie<br />

bildenden Zweig, der der Bildkomposition<br />

zusätzlichen Eindruck verschafft, wobei das Eis ein<br />

weiteres interessantes Element hinzufügt.<br />

Vielleicht bin ich zu pingelig, aber das<br />

verschwommene Moss unten rechts im<br />

Bildausschnitt lenkt ab. Das könnte recht einfach<br />

ausgeschnitten werden. Es ist zu schade, dass<br />

sowohl Hintergrund und Zweig als auch der Vogel<br />

braun sind, aber da das Bild im Winter<br />

aufgenommen wurde, gibt es nichts, was Bob<br />

daran hätte ändern können.<br />

Urteil: Ein vollendeter Schnappschuss eines<br />

schwierigen Motivs – gut gemacht, Bob.<br />

Kreative Schnitte<br />

Auch wenn die Komposition des<br />

Originalbildes etwas schwierig<br />

aussieht – man kann das Problem<br />

in wenigen Minuten durch ein<br />

paar Mausklicks mit den<br />

Zuschneide-Optionen von<br />

Photoshop lösen.<br />

Nachdem das Bild geöffnet ist,<br />

wählen Sie die das<br />

Zuschneidewerkzeug aus der<br />

Werkzeugleiste und zeichnen<br />

einen neuen Rahmen, der dem<br />

Zuschnitt entspricht, den Sie<br />

vornehmen wollen. Klicken Sie auf<br />

„OK“, und der neue Bildausschnitt<br />

geschieht automatisch. Sollten Sie<br />

ihn rückgängig machen wollen,<br />

wählen Sie<br />

bearbeiten>rückgängig und<br />

versuchen Sie es erneut.<br />

Wir haben für Bobs Bild das<br />

Querformat gewählt. Der<br />

Zuschnitt schneidet das<br />

ablenkende, unscharfe Moos aus<br />

und hebt den Vogel noch<br />

prominenter in den Bildausschnitt.<br />

Der engere Zuschnitt verstärkt<br />

auch den Effekt der Zweige, die<br />

das Auge des Betrachters durch<br />

das Bild zum Vogel hin führen.<br />

„Sumpfmeisen sind kleine hektische Vögel mit<br />

der unangenehmen Eigenschaft, genau dann<br />

auf- und wegzufliegen, wenn du auf den<br />

Auslöser drücken willst. Dieser Schuss ist Bob<br />

sehr gut gelungen.“ Ross Hoddinott


EXPERTENRATGEBER<br />

>Expertenkritik<br />

Leuchtturm<br />

von Ian Paine<br />

Kamera: Nikon D300<br />

Objektiv: Nikon 18-200mm<br />

<strong>Belichtung</strong>: 1/320 Sek. bei Blende 13 und ISO 320)<br />

Ian sagt: „Ich machte ein einziges Foto<br />

des Leuchtturms und später zwei Kopien<br />

davon in Photoshop, eine überbelichtet,<br />

die andere unterbelichtet. Dann habe ich<br />

alle drei Bilder mit Photomatix<br />

zusammengeführt, wobei dieses HDR-Bild<br />

herausgekommen ist.“<br />

Ross Hoddinott: Das ist eine fantastische<br />

Szenerie mit all den richtigen Zutaten für eine<br />

großartige Küstenlandschaft – Drama, Bewegung<br />

und ein zentraler Fixpunkt. Ich mag diese<br />

Aufnahme. Ian hat den Leuchtturm sehr überlegt<br />

positioniert. Indem er ihn so nah an die Oberkante<br />

des Bildausschnitts genommen hat, verstärkt er die<br />

imposante, dominante Erscheinung des Gebäudes<br />

– obwohl ein wenig mehr Raum oberhalb des<br />

Leuchtturms vorteilhaft gewesen wäre. Dieselbe<br />

RAW-Datei unterschiedlich zu verarbeiten und die<br />

Ergebnisse zusammenzuführen, ist eine nützlich<br />

Technik. Ian hat das Bild gefühlvoll verarbeitet und<br />

ein Bild mit gleichmäßigem Detailreichtum erzeugt,<br />

ohne dass das Ergebnis „gefälscht“ aussähe. Ich<br />

glaube jedoch, die Bildkomposition hätte ein wenig<br />

durchdachter sein können. Der felsige Ausschnitt in<br />

der rechten, unteren Ecke verschmilzt mit denen<br />

dahinter. Vielleicht war das unvermeidlich, doch ein<br />

anderer oder höherer Standpunkt hätte eine<br />

Trennung zwischen den Felsen erzeugt und den<br />

Blick auf einen weiteren Teil des Meeres freigegeben.<br />

So aber ist nur wenig Wasser im Bild zu sehen –<br />

doch Wasser ist ganz wesentlich angesichts des<br />

beabsichtigten Motivs.<br />

Urteil: Ein gutes Bild, doch es hätte ein wenig<br />

mehr Distanz zwischen den Felsen im Vordergrund<br />

und den Felsen des Hintergrunds vertragen.<br />

Lee Frost: Ich mag Ians Idee, einen Pseudo-<br />

HDR-Effekt durch dreimalige Nachverarbeitung<br />

derselben RAW-Datei zu erzeugen. Dadurch hat er<br />

sehr viel mehr Details und Textur sichtbar machen<br />

können, als man aus einem einzigen Bild<br />

herausholen kann, und trotzdem sieht das<br />

Endergebnis natürlich aus. Bei einer Szenerie wie<br />

dieser hier kann man keinen ND-Verlaufsfilter<br />

verwenden, weil der Leuchtturm gegen den Himmel<br />

abgebildet wird, doch mit der HDR-Software konnte<br />

er sowohl den Himmel als auch den Leuchtturm ins<br />

richtige Licht setzen. Auch die Textur in der<br />

Meeresoberfläche sieht sehr gut aus. Wobei ich mir<br />

nicht so sicher bin, ist die Bildkomposition. Ich bin<br />

selbst nie an dem Ort gewesen, habe aber schon<br />

viele gute Fotos davon gesehen, und die scheinen<br />

immer dann besser zu wirken, wenn der Leuchtturm<br />

in großer Entfernung zu sehen ist, als Teil einer<br />

größeren Ansicht, die ihn in einer dramatischen<br />

Umgebung zeigt. Bei diesem Bild bekommt man<br />

kein Gefühl für die Schönheit dieses Teils der Küste,<br />

und das Licht ist recht matt. Der Gebrauch der<br />

HDR-Software machte definitiv das Beste aus Ians<br />

Arbeit herausgeholt, doch in der<br />

Landschaftsfotografie sind hervorragende<br />

Lichtverhältnisse nun einmal nicht zu übertreffen.<br />

Urteil: Der HDR-Effekt hat eine gute Wirkung,<br />

doch Licht und Komposition müssen bearbeitet<br />

werden.<br />

Kurzkritik<br />

1) Das Wetter können Sie nicht beeinflussen, aber<br />

Sie können den Himmel dramatischer gestalten,<br />

indem Sie ausgewählte Bereiche vorsichtig<br />

abdunkeln. Belichten Sie lange, und bauen Sie den<br />

Effekt in der Nachbearbeitung auf.<br />

2) Timing ist alles. Um eine Küstenszene<br />

dramatischer zu gestalten, versuchen Sie, genau<br />

dann auszulösen, wenn eine Welle auf Felsen im<br />

Vordergrund trifft, oder treten Sie weiter zurück, um<br />

mehr von der eindrucksvollen Landschaft ins Bild zu<br />

bekommen.<br />

3) Die Mehrfachverarbeitung einer RAW-Datei mit<br />

unterschiedlichen <strong>Belichtung</strong>en zur Erzeugung eines<br />

Pseudo-HDR-Effekts eignet sich sehr gut, um mehr<br />

Details aus einer Aufnahme herauszuarbeiten. Das<br />

funktioniert am besten bei Fotos, die ohnehin schon<br />

eine dynamische Ausleuchtung aufweisen.<br />

2<br />

„Die Textur in der<br />

Meeresoberfläche sieht sehr gut<br />

aus – mit der HDR-Software konnte<br />

Ian sowohl den Himmel als auch<br />

den Leuchtturm ins richtige Licht<br />

setzen.“ Lee Frost<br />

3<br />

1<br />

144 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


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Zwei Boote<br />

von Kevin Carr<br />

Kamera: Canon EOS 50D<br />

Objektiv: Canon EF-S 18-200 mm Objektiv<br />

<strong>Belichtung</strong>: 1/6 Sek, 1/125 Sek. und 0,6<br />

Sekunden bei Blende 22 und ISO 100<br />

Kevin sagt: „Dieses Bild vom<br />

Gladhouse-Stausee entstand durch<br />

dreimalige <strong>Belichtung</strong> bei Blende 22,<br />

um eine maximale Schärfentiefe zu<br />

erzeugen. Damit so viel Schatten und<br />

soviel helle Details wie möglich eingefangen werden<br />

konnten, entschied ich mich für ein HDR-Bild. Ich<br />

benutzte Photomatix und zur Weiterverarbeitung<br />

Photoshop zur Bearbeitung der Levels, Sättigung<br />

und Schärfe.“<br />

Ross Hoddinott: Ich bin nicht der größte Fan<br />

von HDR, doch wenn das an einem passenden<br />

Motiv gut gemacht ist, können die Bilder fantastisch<br />

aussehen. Ich hätte die Szene wahrscheinlich<br />

übersehen, weil ich zu beschäftigt gewesen wäre,<br />

Bilder der Reifen und der hässlichen Matten zu<br />

machen. Ich denke, Kevin hat hier ein sehr<br />

ordentliches Bild abgeliefert. Mir gefallen die<br />

entstehenden Sturmwolken und deren Reflexionen<br />

im Wasser. Es ist ein launisches Bild, und der<br />

HDR-Effekt passt sehr gut zu den Ruderbooten. Der<br />

niedrige Standpunkt scheint jedoch ein Fehler<br />

gewesen zu sein, weil er vermeidbare<br />

Aufmerksamkeit auf den am nächsten befindlichen<br />

Reifen und den eher schmuddeligen Vordergrund<br />

zieht. Vielleicht war das Absicht, aber mein Blick<br />

wandert ständig zu diesem Vordergrund. Ich bin<br />

sicher man hätte einen geringfügig näher am Motiv<br />

befindlichen und höheren Standpunkt einnehmen<br />

können, das hätte einiges vom Vordergrund aus dem<br />

Bild genommen und die Boote und die<br />

Hintergrundszenerie betont. Mit soviel Farbton,<br />

Textur und Stimmung in dem Bild ist es eine<br />

Überlegung wert, ob es nicht auch in Schwarz-Weiß<br />

sehr gut wirken würde,<br />

Urteil: Nicht, dass mir das Bild nicht gefällt,<br />

aber ich finde den Reifen und das schmuddelige<br />

Ufer zu aufdringlich.<br />

Lee Frost: Ian Paines subtilen Einsatz der<br />

HDR-Technik habe ich schon anhand seiner<br />

Aufnahme des Leuchtturms von Corbiere<br />

kommentiert. Hier haben wir nun ein<br />

hervorragendes Beispiel für einen weniger subtilen<br />

Einsatz dieser Technik – hervorragend, weil mir<br />

HDR-Bilder wirklich gefallen. Sie haben wegen Ihrer<br />

geradezu schockierenden Detailfülle ein wunderbar<br />

surreales Aussehen. Genau aus diesem Grund mag<br />

ich dieses Bild. Natürlich ist es ganz offensichtlich<br />

unrealistisch, aber trotzdem kreativ. Der Weitwinkel<br />

trägt noch zu dem Eindruck bei, aber ich finde, die<br />

Reifen im unmittelbaren Vordergrund und links<br />

davon lenken ab und brechen irgendwie aus dem<br />

Bildausschnitt aus – ein kleiner Schritt zurück hätte<br />

das vermieden. Kevin hätte aber auch näher an die<br />

Boote heran gehen können und diese beiden Reifen<br />

wären ganz aus dem Bild heraus gewesen, das hätte<br />

die Bildkomposition beruhigt. Doch alles in allem ist<br />

es ein gutes Beispiel einer HDR-Aufnahme, die nicht<br />

die übliche Küstenlinie oder das Stillleben zeigt,<br />

wobei die Sättigung auf das maximal Mögliche hoch<br />

geschraubt wurde. Trotzdem hat Kevin den Effekt<br />

nicht benutzt, um aus einem Schweinsohr eine<br />

seidene Handtasche zu machen.<br />

Urteil: Guter Einsatz der HDR-Technik.<br />

Entweder man mag das, oder nicht.<br />

Kurzkritik<br />

1) HDR-Bilder strotzen üblicherweise von<br />

hoch gesättigten, auffälligen Farben. Doch<br />

wenn man den Sättigungsregler ein wenig<br />

herunter zieht, erhält man einen gedämpften<br />

Effekt, der in manchen Situationen seinen Reiz<br />

hat.<br />

2) Die meisten Fotografen hätten erst einmal<br />

das Ufer gesäubert. Doch solche Elemente wie<br />

die Reifen können einem Bild, das sonst unter<br />

„Ferner liefen…“ rangiert hätte, eine neue<br />

Dimension verleihen, was dem Motiv Leben<br />

einhaucht.<br />

3) Obwohl Sturmwolken immer gut sind, wäre<br />

es wahrscheinlich gut gewesen, auf die<br />

„goldene Stunde“ zu warten, wenn die Sonne<br />

sich ihrem Untergang nähert und die Szene in<br />

weicheres, wärmeres Licht taucht. Man muss<br />

unter Umständen ein paar Stunden warten,<br />

aber wie schon das Sprichwort sagt: „Gut Ding<br />

will Weile haben.“<br />

1<br />

2<br />

„Ich bin nicht der größte Fan von<br />

HDR, doch wenn das an einem<br />

passenden Motiv gut gemacht ist,<br />

können die Bilder fantastisch<br />

aussehen.“<br />

Ross Hoddinott<br />

3


EXPERTENRATGEBER<br />

>Expertenkritik<br />

Drei-Klippen-Bucht<br />

von Steve Pleydell<br />

Kamera: Canon EOS 350D<br />

Objektiv: Canon EF-S 18-55 mm f/3,5-5,6<br />

<strong>Belichtung</strong>: 1/80 Sek. bei f/22 (ISO 100)<br />

Steve sagt: „Meine Absicht war, mit<br />

diesem Foto von dem zackigen Felsen<br />

und den schweren, dunklen Wolken ein<br />

bedrohliches Bild zu schaffen. Ich habe<br />

das Bild so aufgebaut, dass der<br />

Vordergrund den Betrachter ins Bild hinein führt. Ich<br />

habe zwei Bilder zusammengefügt, um den Himmel<br />

zu verdunkeln, bevor ich das Bild in Schwarzweiß<br />

konvertiert habe.“<br />

Ross Hoddinott: Diese Szene hat genau die<br />

richtigen Zutaten für eine tolle Aufnahme: eine<br />

grandiose Landschaft, Klarheit und einen dramatischen<br />

Himmel. Die Konvertierung in Schwarzweiß<br />

unterstreicht noch die Stimmung des Fotos und fügt<br />

einen dramatischen Aspekt hinzu – was ganz<br />

offensichtlich Steves Absicht war. Trotzdem finde ich, er<br />

hätte den Bildaufbau besser gestalten können. Ich kann<br />

schon verstehen, warum er die Muster im Sand<br />

interessant fand. Sie geben dem Vordergrund einen<br />

interessanten Aspekt und führen das Auge ins Bild<br />

hinein, aber unglücklicherweise sieht der Sand<br />

unordentlich aus und lenkt den Betrachter ab. Wenn er<br />

ein Stück weiter den Strand entlang oder näher an das<br />

Wasser heran gegangen wäre, hätte er wahrscheinlich<br />

einen saubereren Vordergrund vorgefunden. Auch die<br />

Widerspiegelung der Klippe im Wasser allein hätte<br />

schon für einen interessanten Vordergrund ausgereicht.<br />

Ich finde, dass der große Felsen den Bildaufbau auch zu<br />

stark dominiert. Ich persönlich glaube, dass eine<br />

horizontale Bildkomposition mit einem größeren Stück<br />

vom Meer und von der Küste auf der rechten Seite<br />

stärker und ausgewogener gewirkt hätte.<br />

Urteil: Für meine Begriffe funktioniert die<br />

Bildkomposition nicht so recht. Der große Felsen ist zu<br />

dominant, und ich finde, Steve hätte ihn in einen<br />

Zusammenhang stellen sollen. Außerdem empfinde<br />

ich das angeschwemmte Zeug vorne im Sand als<br />

Ablenkung.<br />

Lee Frost: Steves Foto demonstriert, wie man auf<br />

effektive Art aus wenig idealen Wetterbedingungen das<br />

Beste herausholen kann – indem man in Schwarzweiß<br />

konvertiert. Was den Bildaufbau betrifft, so finde ich<br />

jedoch, dass Steve vielleicht versucht hat, zu viele<br />

Elemente mit einzubeziehen. Der bedrohliche<br />

Felsengipfel ist offensichtlich das Hauptelement, aber<br />

ich frage mich, ob er nicht zu groß ist. Er dominiert das<br />

Bild, aber er ist sehr dunkel, und seine auffällige Form<br />

ist nicht klar umrissen, sondern verschwimmt mit den<br />

weiter entfernten Klippen. Im mittleren Bereich ist das<br />

Bild hingegen recht leer. Ja, gut, der Gipfel wird vom<br />

Wasser reflektiert, aber das ist nicht sonderlich deutlich<br />

und der obere und untere Bereich der Komposition<br />

dominieren, und die Mitte kann nicht mithalten. Ich<br />

finde, Steve hätte sich einen effektiveren Blickwinkel<br />

suchen sollen. Wenn er ein weiteres Objektiv benutzt<br />

hätte oder weiter weg gegangen wäre, hätte das die<br />

Größe der Spitze reduziert. Sie ist so groß, dass sie<br />

selbst mit halber Größe noch als Fokuspunkt<br />

funktioniert hätte, und Steve hätte den Vordergrund<br />

besser für einen einfacheren aber effektiveren<br />

Bildaufbau nutzen können.<br />

Urteil: Eine dramatische Szene, die gut in<br />

Schwarzweiß funktioniert, aber die Bildkomposition<br />

ist noch verbesserungswürdig.<br />

Kurzkritik<br />

1) Wenn Sie den Vordergrund falsch wählen, kann sich das<br />

negativ auf Ihr gesamtes Bild auswirken. Einen unordentlichen<br />

und ablenkenden Vordergrund sollten Sie komplett wegschneiden,<br />

indem Sie näher an den Fokuspunkt heran zoomen, weiter weg<br />

zoomen, so dass er im Bildausschnitt kleiner erscheint, oder<br />

indem Sie sich ganz einfach einen anderen Standort suchen.<br />

2) Einer der effektivsten Wege, Ihr Bild in Schwarzweiß zu<br />

konvertieren, ist die Schwarzweiß-Einstellungsebene in Photoshop.<br />

Diese verleiht Ihnen Kontrolle über die Tonwerte in der Szene.<br />

3) Achten Sie auf den mittleren Bereich. Wenn er leer ist, kann das<br />

oftmals die Wirkung eines Bildes beeinträchtigen.<br />

„Diese Szene hat genau die richtigen<br />

Zutaten für eine tolle Aufnahme:<br />

eine grandiose Landschaft, Klarheit<br />

und einen dramatischen Himmel.“<br />

Ross Hoddinott<br />

1<br />

3<br />

2<br />

146 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


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Farbfleck<br />

von Antoinette Mallon<br />

Kamera: Nikon D3000<br />

Objektiv: Nikon 18-55 mm f/3,5-5,6G<br />

<strong>Belichtung</strong>: 1/5 Sek. bei f/8 (ISO 100)<br />

Antoinette sagt: „Dieses Bild wurde<br />

inspiriert durch eine Idee, in einer<br />

früheren Ausgabe von <strong>Digitale</strong><br />

SLR-<strong>Fotografie</strong> vorgestellt wurde. Ich<br />

habe es in einem dunklen Raum<br />

aufgenommen. Die Kamera hatte ich auf manuellen<br />

Betrieb eingestellt und die einzige Lichtquelle war<br />

der Computermonitor.“<br />

Ross Hoddinott: Der Zweck der Praxis-Serie<br />

in unserem Magazin ist, unsere Leser zu inspirieren,<br />

verschiedene Dinge auszuprobieren. Es ist also sehr<br />

gut, das Ergebnis von Antoinettes Versuch zu sehen.<br />

Die Formen und Kurven in diesem Foto bilden ein<br />

sehr künstlerisches, grafisches Werk. Ich finde, die<br />

niedrige Schärfentiefe passt sehr gut zu diesem<br />

Arrangement. Ich mag auch den Hintergrund,<br />

obwohl die Schlaglichter ein wenig zu hell sind, aber<br />

das könnte man in der Bildbearbeitung problemlos<br />

korrigieren, und es würde dem Bild mehr<br />

Schlagkraft und Farbwirkung geben. Ich kann<br />

durchaus verstehen, warum Antoinette sich für eine<br />

so enge, dynamische Komposition entschieden hat,<br />

aber ich frage mich, ob sie nicht ein bisschen zu eng<br />

ist. Da die obere und rechte Kante des Glases<br />

ungleichmäßig abgeschnitten wurden, sieht die<br />

Komposition nicht so ausgewogen aus, wie sie es<br />

hätte sein können. Insgesamt ist dies jedoch ein<br />

Foto, mit dem Antoinette sehr zufrieden sein kann.<br />

Urteil: Die Schlaglichter sind ein wenig zu hell<br />

und lassen die Farben in der unteren rechten Ecke<br />

des Bildes verwaschen erscheinen, aber insgesamt<br />

ist dies ein sehr bemerkenswertes und effektives<br />

Stillleben.<br />

Daniel Lezano: Es ist gut, zu sehen, was<br />

eine Leserin aus einer der im Magazin vorgestellten<br />

Idee gemacht hat. Und Antoinette hat das wirklich<br />

toll hingekriegt. Sie hat mit Alltagsgegenständen,<br />

die sich in jedem Haushalt finden, ein<br />

farbenfrohes, abstraktes Bild geschaffen.<br />

Techniken wie diese kann man am besten dann<br />

ausprobieren, wenn es draußen schüttet wie aus<br />

Eimern. Man benötigt dafür weder fundierte<br />

Kenntnisse, noch jahrelange Erfahrung sondern<br />

kann auf kreative Weise experimentieren. Die<br />

Digitaltechnik ist dabei eine große Hilfe, denn man<br />

kann seine Bilder sofort anschauen und<br />

<strong>Belichtung</strong>, Bildaufbau und Ausleuchtung so lange<br />

korrigieren, bis man das bestmögliche Ergebnis<br />

erzielt.<br />

Ich finde Antoinettes Komposition sehr gut. Der<br />

Stiel des Glases bildet eine diagonale Linie, die das<br />

Auge auf die Schüssel und den gemusterten<br />

Hintergrund lenkt. Mir gefällt auch, wie das Glas<br />

die Linien im Hintergrund verzerrt. Diese Idee<br />

funktioniert mit jedem lichtdurchlässigen oder<br />

transparenten Objekt, also probieren Sie es doch<br />

ruhig auch einmal aus!<br />

Urteil: Eine einfache aber gute Idee, die zu<br />

einem auffälligen, abstrakten Bild geführt hat.<br />

Wir freuen uns, dass Antoinette das ausprobiert<br />

hat!<br />

Kurzkritik<br />

1) Wenn Sie 15 Minuten Zeit haben und mal etwas<br />

Anderes machen wollen, sollten Sie diese Technik<br />

ausprobieren. Benutzen Sie unterschiedlich<br />

gemusterte Bildschirmhintergründe oder<br />

Bildschirmschoner, um einen anderen Effekt zu<br />

erzielen.<br />

2) Klare Linien, Formen und Wiederholungen, wie<br />

sie Antoinette hier verwendet hat, können kraftvolle,<br />

abstrakte Bilder schaffen. Schauen Sie doch mal,<br />

welche Bilder Sie einfangen können.<br />

3) Dieses Bild hätte nicht die gleiche Wirkung, wenn<br />

mehr Schärfentiefe verwendet worden wäre, denn<br />

dann hätte das Glas den Bildausschnitt dominiert.<br />

Experimentieren Sie mit Blenden, und sehen Sie,<br />

wie diese Ihre Bilder verbessern können.<br />

1<br />

„Antoinette hat das wirklich toll<br />

gemacht. Sie hat mit<br />

Alltagsgegenständen, die sich in<br />

jeden Haushalt finden, ein<br />

farbenfrohes, abstraktes Bild<br />

geschaffen.“<br />

Daniel Lezano<br />

3<br />

2


EXPERTENRATGEBER<br />

>Expertenkritik<br />

Mohnfeld<br />

von Mark Chatfield<br />

Kamera: Sony Alpha 200<br />

Objektiv: Sony 70-300 mm<br />

<strong>Belichtung</strong>: 1/500 Sek. bei f/5,6 (ISO 200)<br />

Mark sagt: „Ich habe dieses Bild in der<br />

Nähe von meinem Haus in Brantham<br />

aufgenommen. Ich hatte zuerst ein<br />

Foto von einer einzigen Mohnblume<br />

inmitten des Getreides gemacht, aber<br />

ich fand, ein paar Mohnblumen im Bildausschnitt<br />

sähen besser aus.“<br />

Ross Hoddinott: Mark fotografiert noch nicht<br />

sehr lange mit einer DSLR, aber er hat ganz<br />

offensichtlich ein Auge für ein gutes Foto. Er hat sich<br />

für eine längere Brennweite entschieden und ein<br />

paar einzelne Mohnblumen herausgegriffen und<br />

somit ein sehr ansprechendes, ruhiges Ergebnis<br />

erzielt. Das erinnert mich schon fast ein wenig an ein<br />

Aquarell. Vielleicht hätte dem Bild etwas mehr<br />

Kontrast gut getan. Ein paar kleine Veränderungen in<br />

den Ebenen würden hier helfen und dem Bild ein<br />

bisschen mehr Schlagkraft und Lebendigkeit<br />

verleihen.<br />

Aufgrund der niedrigen Schärfentiefe ist die vordere<br />

Blüte natürlich unscharf, aber in diesem<br />

Zusammenhang empfinde ich das nicht als<br />

Problem. Wenn man jedoch genauer hinschaut,<br />

stellt man fest, dass keine der Mohnblumen scharf<br />

ist. Das könnte möglicherweise daran liegen, dass<br />

sich die Objekte bewegt haben, oder aber es liegt an<br />

der Fokussierung. Bei dieser Art von Bildern mit dem<br />

Teleobjektiv muss man beim Scharfstellen genau<br />

aufpassen. Die Mohnblume ganz rechts ist<br />

besonders hübsch. Sie ist recht groß und hat eine<br />

zweite Knospe, die sich neben ihr neigt. Das wäre<br />

ein schönes Einzelfoto im Hochformat gewesen.<br />

Urteil: Ein einfaches, unkompliziertes Bild. Es<br />

mag ihm an einem deutlichen Fokuspunkt fehlen,<br />

funktioniert aber für meine Begriffe trotzdem.<br />

Lee Frost: Das gute alte „Mohnblume-im-<br />

Weizenfeld“-Motiv ist ein Klassiker. Und wenn man<br />

es richtig anstellt, auch ein wirklich guter, denn hier<br />

wird deutlich, wie selbst ein kleiner roter Fleck eine<br />

Bildkomposition dominieren kann, wenn er sich von<br />

einer weicheren Farbe abhebt. Außerdem bietet das<br />

Motiv noch eine kompositionelle Herausforderung:<br />

wie platziere ich die Mohnblume so, dass der<br />

Bildaufbau funktioniert?<br />

Mark sagt, er habe zuerst ein Bild mit nur einer<br />

Mohnblume gemacht, aber dies hier gefalle ihm<br />

besser. Ich habe das andere zwar nicht gesehen,<br />

aber ich muss seine Urteilskraft anzweifeln, denn für<br />

meine Begriffe funktioniert dieser Bildaufbau gar<br />

nicht, und zwar genau aus dem Grunde, warum ihm<br />

dieses Bild besser gefällt: es gibt hier zu viele rote<br />

Flecken. Rot ist eine so kräftige Farbe, sie schreit<br />

geradezu nach Aufmerksamkeit und zieht das Auge<br />

magisch an. Das Problem hier ist, dass das Auge bei<br />

fünf roten Flecken gar nicht mehr weiß, wo es zuerst<br />

hingehen soll. Ich glaube, Mark hat versucht, etwas<br />

übers Knie zu brechen, und dem Ergebnis fehlt es an<br />

Struktur und Ausgewogenheit. Eine einzelne Blüte,<br />

etwas größer im Bildausschnitt und ohne die<br />

Gänseblümchen, die sowieso nur ablenken, wäre<br />

besser gewesen.<br />

Urteil: Ein gutes Beispiel dafür, dass weniger oft<br />

mehr ist und bessere Ergebnisse erzielt.<br />

Kurzkritik<br />

1) Wenn Sie eine solche Szene fotografieren,<br />

betrachten Sie die einzelnen Elemente im<br />

Bildausschnitt individuell. Möglicherweise ist<br />

darunter das eine oder andere, das in sich ein<br />

ansprechendes Motiv bietet, wenn Sie näher<br />

heranzoomen.<br />

2) Wenn Sie Bewegung in Getreidefeldern<br />

einfangen, kann das einem Bild mehr Atmosphäre<br />

verleihen. Probieren Sie doch einmal, Ihre DSLR<br />

auf ein Stativ zu stellen und mit <strong>Belichtung</strong>szeiten<br />

von einigen Sekunden Länge zu experimentieren.<br />

3) Indem Mark eine große Blende benutzt und ein<br />

Stück weit in die Szene hinein fokussiert, hat er<br />

einen wunderschönen Fokusverlauf vor und hinter<br />

den Mohnblumen geschaffen, der seinen<br />

Fokuspunkt noch betont.<br />

3<br />

2<br />

„Er hat sich für eine längere<br />

Brennweite entschieden und<br />

ein paar einzelne Mohnblumen<br />

herausgegriffen und somit ein<br />

sehr ansprechendes, ruhiges<br />

Ergebnis erzielt.“<br />

Ross Hoddinott<br />

1<br />

148 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


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Toter Baum<br />

von Tim Marlow<br />

Kamera: Nikon D80<br />

Objektiv: 18-35 mm f/3,5-5,6G<br />

<strong>Belichtung</strong>: 1/250 Sek. bei f/8 (ISO 100)<br />

Tim sagt: „Ein schöner, sonniger<br />

Morgen hatte mich hinaus auf die A49<br />

in Richtung Shropshire gelockt.<br />

Unterwegs wurde das Wetter<br />

schlechter, also entschloss ich mich,<br />

Schadensbegrenzung zu betreiben und beim<br />

nächsten Rastplatz rauszufahren. Direkt neben der<br />

Fahrbahn war dieser tote Baum, dessen<br />

merkwürdig verdrehte und groteske Form mich<br />

schon bei einer früheren Reise fasziniert hatte. Die<br />

Bildeffekte habe ich mit einer<br />

Bildbearbeitungssoftware von ULEAD namens<br />

PhotoImpact hinzugefügt, um dem Bild einen<br />

nächtlichen, gespenstischen Effekt zu verleihen.“<br />

Ross Hoddinott: Hut ab vor Tim, dass er sich<br />

nicht vom Wetter hat abschrecken lassen. Durch<br />

seine Hartnäckigkeit hat er ein für meine Begriffe<br />

sehr interessantes Foto geschaffen. Durch die<br />

Bearbeitung wirkt das Foto sehr gespenstisch und<br />

düster. Mir gefällt die Einfachheit der Komposition,<br />

die verdrehten Äste und Zweige des toten Baums<br />

füllen den Bildausschnitt gut aus. Unter diesen<br />

Umständen hätte Tim meiner Meinung nach nicht<br />

viel mehr tun können.<br />

Mein einziger Vorschlag wäre, das Bild etwas mehr<br />

zu beschneiden, um den Efeu berankten Ast in der<br />

unteren linken Ecke und das Blatt in der oberen<br />

rechten Ecke zu entfernen. Ich glaube, dass dadurch<br />

noch mehr Betonung auf die bizarren Äste und Ihre<br />

Formen und Muster gelegt würde. Der Effekt ist aber<br />

sehr gut.<br />

Urteil: Ein interessantes Foto. Die verdrehten,<br />

toten Äste bilden ein markantes Muster. Wenn Tim<br />

das Bild noch beschneiden würde, könnte er den<br />

ablenkenden, Efeu berankten Zweig unten links<br />

entfernen.<br />

Lee Frost: Oh ja, das unberechenbare Leben<br />

eines Fotografen. Komplett den Unbilden des<br />

Wetters ausgeliefert, das – zumindest in unseren<br />

Breiten – nur selten das tut, was man gerne hätte!<br />

Die einfache Lösung ist, aufzuhören und nach<br />

Hause zu fahren. Aber eine weitaus vernünftigere ist,<br />

seine Pläne zu ändern, und das Beste daraus zu<br />

machen. Das ist genau das, was Tim hier gemacht<br />

hat, und es hat sich gelohnt. Ich kann gut verstehen,<br />

dass der Baum ihn fasziniert hat: Diese bizarren<br />

alten Äste bilden ein interessantes Muster vor dem<br />

Himmel und das Licht ist, trotz der Wolke, noch<br />

ausreichend, um die Struktur der Borke an manchen<br />

Stellen zu zeigen und an anderen in tiefen Schatten<br />

zu hüllen. Das verleiht dem Bild etwas Mystisches<br />

und Ahnungsvolles, was Tim durch die Tönung noch<br />

verstärkt hat. Der Baum sieht aus, als wäre er einem<br />

Horrorfilm entsprungen!<br />

Wenn ich Irgendetwas ändern sollte, würde ich den<br />

Efeu in der linken unteren Ecke entfernen. Er sieht<br />

unordentlich aus und lenkt das Auge ab. Das kann<br />

man erreichen, indem man das Bild beschneidet,<br />

oder vielleicht, indem man einen anderen<br />

Kamerawinkel wählt. Abgesehen davon ist dies ein<br />

ungewöhnliches und ins Auge fallendes Bild.<br />

Urteil: Hier wird deutlich, wie eine<br />

Planänderung zu erfolgreichen Fotos führen kann.<br />

Ein interessantes Motiv und eine tolle Stimmung.<br />

Kurzkritik<br />

1) Wenn Sie einen Bildausschnitt wählen,<br />

schauen Sie in die Ecken, ob keine<br />

ablenkenden Elemente mit ins Bild gekrochen<br />

sind. Wenn Sie immer darauf achten, wird es<br />

nach einer Weile zur Gewohnheit.<br />

2) Grafische Formen und Linien wie dieser<br />

Baum können interessante Fotomotive<br />

abgeben. Wenn Sie das nächste Mal unterwegs<br />

sind, achten Sie doch mal auf ein paar<br />

interessante Details, die Sie fotografieren<br />

können. Sie werden überrascht sein, was Sie so<br />

alles finden, wenn Sie die Augen offen halten.<br />

3) Tim hat für seine Effekte PhotoImpact<br />

benutzt. Sie können aber auch mal die Filter<br />

von Nik Software ausprobieren. Auch damit<br />

können Sie sehr kreative Ergebnisse erzielen.<br />

1<br />

„Ich kann gut verstehen, dass<br />

der Baum ihn fasziniert hat:<br />

Diese bizarren alten Äste bilden<br />

ein interessantes Muster.“<br />

Lee Frost<br />

3<br />

2


EXPERTENRATGEBER<br />

>Expertenkritik<br />

Gefangen im Netz<br />

von Emma Goulder<br />

Kamera: Canon EOS 40D<br />

Objektiv: Canon 17-85 mm<br />

<strong>Belichtung</strong>: 1/125 Sek. bei f/10 (ISO 100)<br />

Emma sagt: „Für meine eigenen Arbeiten<br />

nehme ich mir normalerweise einen<br />

Gegenstand, eine Farbe oder eine Idee, die<br />

ich dann weiterentwickle. Für dieses Bild<br />

benutzte ich einen Rahmen aus Holz, und<br />

weil ich wusste, dass mein Model Ivory Flame rotes Haar<br />

hatte, kaufte ich rote Wolle. Hinzu kamen noch zwei softe<br />

Lichtwannen. Ich bat Ivory, durch die Wollfäden<br />

hindurchzuschauen, um die Aufmerksamkeit auf ihr<br />

Gesicht zu lenken.“<br />

Daniel Lezano: Dies ist ein sehr interessantes<br />

Bild, und ich will es gern kommentieren! Die<br />

Beleuchtung ist exzellent: sie ist dezent und<br />

ausgewogen und es gibt durch die Wolle keine<br />

scharfen Schatten auf dem Körper des Motivs. Die<br />

Komposition ist exzellent und die Pose des<br />

wunderschönen Models ist entspannt, trotz der<br />

Tatsache, dass sie durch ein Netz aus Wolle hindurch<br />

bricht. Für mich passt die Nacktheit zu dem<br />

Schnappschuss, da sich Kleidung als ablenkender<br />

erwiesen hätte, als die Hauttöne des Motivs. Das Netz<br />

ist sehr sorgsam aufgebaut worden und ich bin mir<br />

sicher, dass dieses Procedere nicht einfach war. Ich<br />

muss zugeben, dass es mir Mühe bereitet, das Thema<br />

der Wolle und des Motivs in Verbindung zueinander zu<br />

bringen, dies ist jedoch wirklich nebensächlich, da es<br />

für mich ein Privileg des Künstlers ist und ich das<br />

respektiere. Insgesamt denke ich, dass Emma<br />

großartige Arbeit geleistet hat, sowohl künstlerisch als<br />

auch technisch.<br />

Urteil: Ein unüblich gewähltes Thema für eine<br />

Aktfotografie, das Sie entweder lieben oder hassen<br />

werden. Ich mag es wirklich, aber es schaudert mich,<br />

darüber nachzudenken, was Lee daraus macht ...<br />

Lee Frost: Für künstlerisch wertvolle Aktfotografie<br />

kann man mich begeistern – der menschliche Körper<br />

ist ein fantastisches Motiv für die <strong>Fotografie</strong> und<br />

sympathische Verfechter dieser Kunst machen schöne,<br />

sinnliche Bilder. Aber ich befürchte, dass mich genau<br />

diese Art von Zauber nicht in ihren Bann zieht. Die<br />

Tatsache, dass der Fotograf eine Frau ist, verwirrt mich<br />

sogar noch mehr. Denn von einer Frau hätte ich ein Bild<br />

erwartet, das die weibliche Gestalt zelebriert und ihr<br />

schmeichelt, statt sie auf eine Quelle der<br />

Geschmacklosigkeit zu reduzieren. Sowas entwerfen<br />

sonst Typen „im Namen der Kunst“ . Technisch<br />

betrachtet ist Emmas Aufnahme sehr gut. Aber was<br />

sollte sie bezwecken? Wozu soll man dieses Bild<br />

letztlich verwenden? Man kann es wohl kaum<br />

einrahmen und an die Wand hängen. Emma,<br />

schmeißen Sie nächstes Mal die komischen Requisiten<br />

weg und konzentrieren Sie sich auf den Körper des<br />

Modells! Verwenden Sie eine dezente Beleuchtung –<br />

vielleicht eine Softbox von der Seite oder von oben –,<br />

um ihre reizenden Kurven zu enthüllen. Vielleicht<br />

konvertieren Sie die Bilder in Schwarzweiß, was ihnen<br />

gleich eine künstlerisch wertvollere Atmosphäre<br />

verleiht. Sie haben ganz klar die Fähigkeit dazu, aber in<br />

diesem Fall haben Sie sich diese falsch zunutze<br />

gemacht.<br />

Urteil: Technisch betrachtet eine gute Aufnahme,<br />

aber die Requisiten und die Pose machen das Bild<br />

etwas kitschig.<br />

Kurzkritik<br />

1) Die Abstimmung der Requisiten mit Haaren und<br />

Make-Up kann Ihrer Szene Zusammenhang verleihen. Ein<br />

wenig Geld in die richtigen Requisiten investiert, kann<br />

einen riesigen Unterschied beim endgültigen Bild<br />

ausmachen.<br />

2) Wenn Sie Aktaufnahmen machen, insbesondere von<br />

weiblichen Aktmodellen, sollten Sie sehr sorgsam über<br />

Posen nachdenken. Eine Pose von der Seite ist oftmals die<br />

bessere Variante.<br />

3) Stellen Sie sicher, dass das Aussehen Ihren Models in<br />

die Szene passt – hier ist es gelungen. Ein Grinsen oder<br />

Lächeln wäre in diesem Bild in jedem Fall unangebracht<br />

gewesen.<br />

„Die Komposition ist exzellent und die<br />

Pose des wunderschönen Models ist<br />

entspannt, trotz der Tatsache, dass sie<br />

durch das Netz aufreisst.“<br />

Daniel Lezano<br />

1<br />

3<br />

2<br />

150 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


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Sonnenuntergang am<br />

Ladybower-Reservoir<br />

von Martin Makowski<br />

Kamera: Nikon D300<br />

Objektiv: Sigma 10-20 mm-Objektiv<br />

<strong>Belichtung</strong>: 30 Sek. bei f/13 (ISO 200)<br />

Martin sagt: „Diese Aufnahme wurde im<br />

Ladybower-Reservoir ein paar Minuten<br />

nach Sonnenuntergang gemacht. Ich<br />

mag die Art und Weise, wie die<br />

Kondensstreifen der Flugzeuge den<br />

Vordergrundlinien entsprechen und eine Art Symmetrie<br />

erzeugen.”<br />

Ross Hoddinott: Wer könnte einer Szene wie<br />

dieser widerstehen? Die spiegelähnlichen<br />

Reflektionen sind äußerst fotogen und der<br />

Anlegesteg und die Ruderboote lenken die<br />

Aufmerksamkeit perfekt auf den Vordergrund. Der<br />

Himmel ist farbig und sehr attraktiv. Es war<br />

eindeutig ein großartiger Abend, um sich mit der<br />

Kamera nach draußen zu begeben. Ich denke, es ist<br />

ein guter Schnappschuss. Normalerweise würden<br />

Fotografen alles dafür tun, Kondensstreifen aus<br />

ihren Bildern auszuschließen oder diese später zu<br />

entfernen. Bei diesem Beispiel jedoch verstehe ich,<br />

was Martin sagt. Die Kondensstreifen treten in<br />

Erscheinung, um die Leitungsdrähte im<br />

Vordergrund zu spiegeln. Dadurch, dass er diese<br />

jedoch berücksichtigt, hat Martin auch einen<br />

größeren Anteil an Himmel integriert, wie ich<br />

vermute. Es gibt Anzeichen von Vignettierung,<br />

insbesondere in der rechten oberen Bildecke und<br />

insgesamt denke ich nicht, dass all der zusätzliche<br />

Himmel wirklich eine Integration der<br />

Kondensstreifen rechtfertigt. Persönlich würde ich<br />

das Bild zusammen schneiden – beinahe in ein<br />

Panoramaformat – um den Himmel im oberen<br />

Bereich des Fotos auszuschließen, der Wolken<br />

enthält und das Interesse auf sich lenkt.<br />

Urteil: Ein schön aufgenommenes und<br />

atmosphärisches Bild. Jedoch befindet sich in<br />

meinen Augen zu viel freier Himmel im oberen<br />

Bereich.<br />

Lee Frost: Wenn Sie atmosphärische<br />

Landschaftsaufnahmen machen möchten, gibt es<br />

bestimmte Zusammensetzungen, die jedes Mal<br />

gelingen – ruhiges Wasser, ein Anlegesteg oder zwei,<br />

alte Boote … Wenn Sie es schaffen, diese<br />

Bestandteile alle zusammen in den gleichen<br />

Schnappschuss zu integrieren, dann sind Sie auf der<br />

Siegerstraße – dies ist exakt das, was Martin hier<br />

vollbracht hat. Okay, also der Anlegesteg ist modern<br />

statt alt und stilvoll, aber es formt sich eine starke<br />

diagonale Linie, die Ihr Auge auf die Szene lenkt. Ich<br />

bin kein großer Anhänger von Kondensstreifen in<br />

<strong>Fotografie</strong>n und würde normalerweise entweder<br />

warten, bis sie sich verzogen haben, oder (Schock,<br />

Horror) diese wegklonen. Aber hier passen sie<br />

irgendwie, weil sie einen Nachklang zur Linie des<br />

Anlegesteges bilden und dabei helfen, das Auge auf<br />

die Szene zu lenken. Die Details, bei denen ich<br />

denke, dass Martin sie ein wenig übertrieben hat,<br />

sind die Farben. Ich zweifle, dass die lilafarbenen<br />

Nuancen so leuchtend waren, wie sie in diesem<br />

Schnappschuss dargestellt sind und dadurch, dass<br />

sie so stark zum Ausdruck kommen, sehen sie ein<br />

wenig grell aus. In meiner Version auf der rechten<br />

Seite habe ich die Sättigung ein wenig reduziert,<br />

damit eine sanftere Wirkung entsteht. Ich habe das<br />

Bild auch durch eine Programmerweiterung (Akvis<br />

Enhancer) laufen lassen , die mehr Details von den<br />

dunkleren Tönen um die Boote herum und am Ufer<br />

preisgegeben hat (http://akvis.com/de/enhancer/<br />

index.php).<br />

Urteil: Ein fantastisches Bild, gut abgestimmt<br />

und atmosphärisch, das lediglich ein paar<br />

geringfügiger Verbesserungen bedarf.<br />

Veränderung von<br />

Bildschnitt & Farbe<br />

Wie Lee und Ross vorgeschlagen haben,<br />

können einige wenige, feine Verbesserungen in<br />

großartiger Weise das Erscheinungsbild von<br />

Martins Bild optimieren.<br />

Zunächst einmal enthält das Bild zu viel<br />

Himmel. Dies kann einfach behoben werden,<br />

indem man das Schneidewerkzeug auswählt.<br />

Ziehen Sie Ihren neuen Rahmen und korrigieren<br />

Ihre Auswahl, indem Sie die Ankerpunkte<br />

anpassen. Sobald Sie mit Ihrem Rahmen<br />

zufrieden sind, klicken Sie auf die Schaltfläche<br />

mit dem Häkchen oder drücken einfach Enter.<br />

Falls Sie das Gefühl haben, einen Fehler<br />

gemacht zu haben, klicken Sie einfach auf Strg<br />

und Z, um einen Befehl rückgängig zu machen.<br />

Um die Farbsättigung zu reduzieren, wie Lee<br />

vorgeschlagen hat, klicken Sie auf<br />

Bild>Überarbeiten>Farbe anpassen Farbton/<br />

Sättigung anpassen und passen die Farbe an.<br />

„Die Details, bei denen ich<br />

denke, dass Martin sie ein<br />

wenig übertrieben hat, sind<br />

die Farben – ich zweifle, dass<br />

das Lila so leuchtend war, wie<br />

es in seinem Schnappschuss<br />

dargestellt ist.“<br />

Lee Frost


EXPERTENRATGEBER<br />

>Expertenkritik<br />

Schnappschuss<br />

von Paul Sims<br />

Kamera: Canon EOS 450D<br />

Objektiv: 28-135 mm IS-Objektiv<br />

<strong>Belichtung</strong>: 1/250 Sek. bei f/5.6 (ISO 200)<br />

Paul sagt: „Dieses Porträt war eines<br />

einer Serie von Bildern, die dazu<br />

verwendet wurden, ein Buch für einen<br />

Stadt- & Gilden-Kurs im zweiten<br />

Kursjahr zu erstellen, den ich letztes<br />

Jahr besucht habe. Im Vordergrund (unscharf)<br />

befindet sich der Kopf einer anderen Gitarre. Für<br />

diesen Schnappschuss wurde nicht posiert – das<br />

Motiv hat einfach auf mich gewartet und ich habe<br />

das Bild als Schnappschuss gemacht.“<br />

Ross Hoddinott: Ich mag dieses Foto<br />

wirklich. Die Beleuchtung ist wunderbar sinnlich<br />

und ich liebe die Einfachheit der Komposition sowie<br />

den dunklen Hintergrund. Das Mädchen hat<br />

wunderschöne, große Augen, so dass die Aufnahme<br />

starken Augenkontakt herstellt und ihre Pose sowie<br />

ihr Aussehen sehr natürlich erscheinen – etwas, das<br />

oft schwer zu erreichen ist, wenn man Kinder<br />

fotografiert, die entweder kamerascheu sind oder<br />

vor der Kamera 'spielen'. Während es wenig gibt,<br />

das ich an diesem Bild ändern würde, ist es schade,<br />

dass der Arm des Mädchens im Hintergrund<br />

verläuft. Daher frage ich mich, ob sich eine vertikale<br />

Komposition nicht ein wenig besser geeignet hätte,<br />

was es Paul ermöglicht hätte, die gesamte Hand des<br />

Mädchens und den Gitarrenhals zu integrieren. Es<br />

ist daher erwähnenswert, dass das Bild ein wenig<br />

unruhig wirkt. Die Verwendung einer Software wie<br />

„Noise Ninja“ würde dem schnell entgegen wirken.<br />

Ich hoffe, Ihr Kurs verlief gut, Paul – der Förderung<br />

des eigenen fotografischen Talentes sollte stets<br />

Hochachtung beigemessen werden.<br />

Urteil; Ein wirklich attraktives und markantes<br />

Bild, das Paul in schöner Art und Weise<br />

aufgenommen hat. Vielleicht hätte eine vertikale<br />

Komposition besser zur Pose gepasst, schwer zu<br />

sagen.<br />

Lee Frost: Pauls Ansatz zu einer<br />

Porträtfotografie ist kein schlechter. Ich mag die Art<br />

und Weise, wie er nach einem ziemlich<br />

zurückhaltenden Erscheinungsbild strebt, mit dem<br />

Pullover des Motivs und dem dunklen Haar, das in<br />

dem schwarzen Hintergrund ausklingt sowie der<br />

simplen Beleuchtung, die ihr Gesicht enthüllt. Ich<br />

mag auch den Gesichtsausdruck des Motivs und die<br />

zutrauliche Art und Weise, mit der sie vor die<br />

Kamera tritt. Schwer zu sagen, ob sie wirklich<br />

Gitarre spielt, denn dann wäre sie sehr reif und<br />

überdurchschnittlich ernst zu nehmen. Die<br />

Integration der Gitarre als Requisite ist ein cleverer<br />

Ansatz, da uns nicht nur etwas über das Motiv<br />

berichtet, sondern auch ihre Pose vorgegeben wird.<br />

Dies verleiht der Komposition zusätzliche<br />

Aufmerksamkeit. Worüber ich mir nicht im Klaren<br />

bin, ist die Art und Weise, in welcher der<br />

Gitarrenhals zusammen mit ihrer Fingerspitze über<br />

den oberen Bildrand hinaus verschwindet. Ich<br />

denke, es sollte alles oder nichts sein – entweder<br />

also alles ausschließen oder vollständig integrieren.<br />

Ich persönlich bin für den Zusammenschnitt, wie<br />

gezeigt (obwohl, zugegeben, immer noch ein Teil der<br />

Hand integriert ist). Ich würde das Bild auch in<br />

Schwarzweiß konvertieren, da ohnehin wenig Farbe<br />

im Bild enthalten ist. Und ich würde den Kontrast<br />

verstärken, um dem Bild mehr Schwung zu<br />

verleihen!<br />

Urteil: Ein starkes Porträt von Paul. Die<br />

Ergänzung einiger weniger Verbesserungen würde<br />

es sogar optimieren.<br />

Wunderbare Mono-<br />

<strong>Fotografie</strong><br />

Wenngleich Sie die Aufnahme in Schwarzweiß<br />

machen können, indem Sie die Bildstile Ihrer<br />

Kamera verwenden, sind Schnappschüsse in Farbe<br />

und das Konvertieren durch Post-Produktion der<br />

angesagte Weg. Probieren Sie die zahlreichen<br />

Methoden von Photoshop aus, die zahlreiche<br />

Steuerungsfunktionen bieten: Überabeiten>In<br />

Schwarzweiß konvertieren ist eine favorisierte<br />

Einstellung.<br />

„Ich frage mich, ob sich eine<br />

vertikale Komposition nicht<br />

besser eignen würde, was es Paul<br />

ermöglicht hätte, die gesamte<br />

Hand des Mädchens und den<br />

Gitarrenhals zu integrieren.”<br />

Ross Hoddinott<br />

152 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


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Sonnenbeschienene<br />

Felsen<br />

von David Fleet<br />

Kamera: Canon EOS 5D MkII<br />

Objektiv: EF 17-40 mm f/4L<br />

<strong>Belichtung</strong>: 4 Sek. bei f/22 (ISO 50)<br />

David sagt: „Diese Aufnahme wurde<br />

im April in der Nähe von Traigh<br />

Rosamol auf der Isle of Harris<br />

gemacht. Ich habe gewartet, bis sich<br />

die Sonne gerade unterhalb der Isle of<br />

Taransay senkte, um Lichtreflexe zu vermeiden. Ich<br />

habe die weichen 0,9- und die harten 0,6-Lee-ND-<br />

Grade verwendet, um den Himmel einzudämmen.“<br />

Ross Hoddinott: Ich bin nicht überrascht,<br />

dass es David an diesen Aussichtspunkt gezogen<br />

hat. Ich mag die Farbe und die Form der Felsen im<br />

Vordergrund, die das Auge geradewegs auf die Isle of<br />

Taransay am Horizont lenken. David hat eine gute<br />

Technik demonstriert, und ich mag die<br />

<strong>Belichtung</strong>szeit, die lang genug ist, damit das Wasser<br />

in kreativer Weise verschleiert, ohne jedoch all seine<br />

Struktur und Aufmerksamkeit zu verlieren.<br />

Es war eindeutig eine schwierige Szene, da David<br />

seine Aufnahme in Richtung des Lichts gemacht hat.<br />

Die Kombination aus einem weichen und einem<br />

harten Grad hat den Lichtkontrast sehr gut gesteuert,<br />

wobei die Betonungen auf dem Wasser jedoch sehr<br />

hell bleiben und ein wenig störend wirken. Während<br />

ich es persönlich bevorzuge, die Filter dafür<br />

einzusetzen, den Kontrast zwischen dem hellen<br />

Himmel und dem dunkleren Vordergrund<br />

auszubalancieren, gibt es auch Momente, in denen<br />

es besser ist, ein paar Aufnahmen mit verschiedenen<br />

<strong>Belichtung</strong>en zu machen und diese dann später<br />

unter Verwendung von Software zu mischen. Ich<br />

denke, dies war eine solche Situation und ein<br />

gemischtes Resultat würde natürlicher aussehen, als<br />

die Kombination der Grade, die David verwendet hat.<br />

Urteil: Ein sehr schönes Bild. David hat in dieser<br />

Situation gut gearbeitet, aber die hellen<br />

Betonungen auf dem Wasser wirken störend.<br />

Lee Frost: Ich liebe die dramatisch verlaufende<br />

Küstenlinie der Äußeren Hebriden und bin einige<br />

Male auf dem Island of Taransay gewesen (die aktuell<br />

zum Verkauf steht, falls Sie 2,2 Millionen Euro übrig<br />

haben!) Der primäre Fehler, den ich hier erkenne, ist<br />

es, dass der Himmel übergraduiert wurde. Der helle<br />

Himmelsfleck genau oberhalb von Taransay war<br />

vermutlich der Übeltäter – bei einem Versuch, ihn<br />

beim 'Aufblähen' zu stoppen, hat David zwei<br />

ND-Grade (einen weichen 0,9er und einen harten<br />

0,6er) verwendet, wobei jedoch der Rest des<br />

Himmels unterbelichtet wurde und ziemlich matt<br />

erscheint. Gleichzeitig ist das Meer gerade unterhalb<br />

von Taransay überbelichtet. Das hätte man in der<br />

Realität auf diese Weise niemals gesehen – der<br />

Himmel wäre stets dunkler als das Wasser. Der<br />

Himmel ist durch seine Anwahl und das Anpassen<br />

des Niveaus in Photoshop ein wenig gerettet worden.<br />

Der helle Meeresfleck hätte etwas abgetönt werden<br />

können, indem man den Schieber zur Optimierung<br />

bei der Bearbeitung der RAW-Datei verwendet hätte.<br />

Eine bessere Lösung wäre es jedoch gewesen zu<br />

warten, bis sich die Sonne richtig senkt, wodurch der<br />

Kontrast niedriger gewesen und die Betonung auf<br />

dem Meer ausgeblichen wäre. David hätte mit der<br />

Verwendung von nur einem ND-Grad auf dem<br />

Himmel auskommen können.<br />

Urteil: David hat eine großartige Szene<br />

zusammen gestellt, war jedoch ein wenig<br />

ungeschickt bei den ND-Graden.<br />

Kurzkritik<br />

1) Das teilweise Lenken der Aufmerksamkeit<br />

auf den Vordergrund des Schnappschusses<br />

kann dabei behilflich sein, die Szene<br />

auszubalancieren. Hier hat sich David dazu<br />

entschieden, die Felsen an der Küste zu<br />

verwenden, Sie können jedoch auch Seetang<br />

oder Spuren im Sand verwenden oder die Flut,<br />

die an der Küste brandet.<br />

2) Es bietet sich nicht immer die Zeit, auf den<br />

Untergang der Sonne zu warten. Nutzen Sie<br />

daher Webseiten wie www.sonnenaufgangsonnenuntergang.de,<br />

die Ihnen exakte<br />

Informationen liefern.<br />

3) Bei Szenen, die einen enormen Unterschied<br />

im Kontrast enthalten wie z. B.<br />

Sonnenuntergänge, können Sie ein<br />

Hochkontrast-Bild (HDR) erzeugen. Fügen Sie<br />

die Dateien zusammen, um der intensiven Farbe<br />

der Szene Ausdruck zu verleihen.<br />

1<br />

„Eine bessere Lösung wäre es<br />

gewesen zu warten, bis sich die<br />

Sonne richtig senkt, wodurch<br />

der Kontrast niedriger gewesen<br />

wäre und David einen Grad<br />

hätte verwenden können.“<br />

Lee Frost<br />

2<br />

3


EXPERTENRATGEBER<br />

>Fragen und Antworten<br />

MARK BAUER<br />

Wie man Bäume im Hintergrund<br />

beleuchtet<br />

F) Ich möchte gerne Gegenlicht-Aufnahmen<br />

von Bäumen machen, um Schatten und<br />

Umrisse zu erzeugen. Wie sollte ich dabei<br />

maßgerecht vorgehen?<br />

James Bloomins<br />

A) Überlassen Sie dies Ihrer Kamera. Stellen Sie im<br />

Blendenvorwahl-Modus Ihre Brennweite auf f/8 oder f/11 ein,<br />

so dass Sie eine intensive Schärfentiefe erhalten. Stellen Sie die<br />

Szene zusammen und machen Ihre Aufnahmen. Meistens<br />

bietet Ihnen die Matrixmessung Ihrer Kamera den Effekt, nach<br />

dem Sie suchen. Das liegt daran, dass die <strong>Belichtung</strong>, welche<br />

die Kamera einstellt, von dem hellen Hintergrund beeinflusst<br />

wird. Da Sie jedoch Ihre Aufnahmen auf der schattigen Seite der<br />

Bäume machen, bilden sich automatisch Umrisse. Sicherlich ist<br />

es stets eine gute Idee, die Aufnahme auf dem LCD-Bildschirm<br />

Ihrer Kamera zu überprüfen, nur für den Fall der Fälle. Falls die<br />

Sonne in der Szene sichtbar ist, dann dürfte ihre extreme<br />

Helligkeit die Messung bis hin zur Unterbelichtung irritieren. In<br />

diesem Fall sollten Sie eine Blendeneinstellung von +1 zur<br />

<strong>Belichtung</strong>skompensation eingeben. Es ist sinnvoll, mit der<br />

<strong>Belichtung</strong>skompensation zu experimentieren. Denn falls Sie<br />

mehr <strong>Belichtung</strong> hinzufügen, werden Sie erkennen, dass der<br />

Hintergrund auszubleichen beginnt und mehr Details in den<br />

Bäumen sichtbar werden, statt dass diese als Umrisse<br />

aufgenommen werden. Machen Sie eine Serie von<br />

Testaufnahmen von der richtigen (gemessenen) <strong>Belichtung</strong> bis<br />

hin zu einer Blendeneinstellung von +2 oder sogar +3 mit<br />

Blendenöffnungsschritten von 1/3. Dies kann zu<br />

atmosphärischen Hintergrundbildern führen, speziell dann,<br />

wenn Sie Aufnahmen bei Sonnenunter- oder Sonnenaufgang<br />

machen und wenn sich Dunst zwischen den Bäumen befindet.<br />

Sorgen Sie auf einer<br />

niedrigen Höhe für einen<br />

stabilen Stand<br />

F) Ich kämpfe zurzeit mit<br />

meinem aktuellen Stativ, um<br />

Nahaufnahmen von Blumen in<br />

Bodennähe zu machen. Was<br />

würden Profis an meiner Stelle<br />

tun, und haben Sie<br />

irgendwelche<br />

empfehlenswerten Modelle?<br />

Robin Randall<br />

A) Einige Stative eignen sich besser als<br />

andere, um Aufnahmen in Bodennähe zu<br />

machen. Wenn ein Stativ mit einem langen<br />

Mittelständer ausgestattet ist, der nicht<br />

entfernt oder horizontal platziert werden<br />

kann, dann wird seine Verwendbarkeit für die<br />

<strong>Fotografie</strong> im Bereich von Nahaufnahmen in<br />

niedriger Höhe begrenzt sein. Benbos<br />

Sortiment an Stativen ist sehr zielgerichtet für<br />

Fotografen entworfen, die sich auf<br />

Nahaufnahmen spezialisieren. Ihr Design<br />

ermöglicht es, die Ständer der Stative in<br />

beinahe jeder Position aufzubauen und<br />

festzustellen. Unter Fotografen, die sich auf<br />

Nahaufnahmen spezialisieren, gelten sie als<br />

favorisiert – der Trekker bietet sich als<br />

exzellente, leichtgewichtige Option an. Andere<br />

Modelle, deren Berücksichtigung wir Ihnen<br />

eindringlich empfehlen würden, beinhalten die<br />

PROB-Serie von Manfrotto, zu der die<br />

exzellenten 055er- und 190er-Modelle<br />

gehören. Außerdem sei der Gitzo Explorer<br />

erwähnt – bei allen kann der Mittelständer<br />

horizontal platziert und ihre Stativbeine können<br />

gespreizt werden. Infolgedessen weisen diese<br />

eine minimale Höhe von nur 10 Zentimetern<br />

auf. Die meisten professionellen und Hobby-<br />

Fotografen, die sich auf Nahaufnahmen<br />

spezialisieren, entscheiden sich für diese Art<br />

von Design, da es weniger umständlich als von<br />

Benbo. Eine andere Option wäre ein Stativ, das<br />

ohne Mittelständer entworfen wurde, wie beim<br />

Gitzo Systematic-Sortiment. Die Stativbeine<br />

können weit gespreizt werden, wodurch sie sich<br />

gut für die <strong>Fotografie</strong> auf niedriger Höhe eignen.<br />

Gorillapods wären eine weitere Option, obwohl<br />

diese nur begrenzte Stabilität bieten.<br />

Schließlich sollten Sie nicht außer Acht lassen,<br />

einen Sitzsack zu verwenden. Wenn Sie<br />

Aufnahmen in Bodennähe machen, können<br />

sich diese als stabil und schnell verwendbar<br />

erweisen.<br />

ROSS HODDINOTT<br />

154 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Die richtige <strong>Belichtung</strong><br />

+1.5 EV<br />

ROSS HODDINOTT<br />

-1.5 EV<br />

Ratschlag zur<br />

Kompensation<br />

F) Ich bin mir nicht sicher, wann<br />

ich eine positive oder eine<br />

negative Kompensation für die<br />

<strong>Belichtung</strong> verwenden soll.<br />

Könnten Sie mir erklären, wie und<br />

wann ich diese verwenden sollte?<br />

Evie Jackson<br />

A) Die Kompensation für die <strong>Belichtung</strong> ist<br />

nicht so komplex, wie es zunächst vielleicht<br />

klingen mag. Sämtliche Digitalkameras sind<br />

mit einem ganz bestimmten Schalter für die<br />

Kompensation der <strong>Belichtung</strong> ausgestattet, der<br />

mit +/- gekennzeichnet ist. Beim Drücken<br />

dieses Schalters und dem gleichzeitigen<br />

Drehen einer Wahlscheibe oder eines<br />

Rädchens zur Steuerung, können Fotografen<br />

schnell die Kompensationsstärke einstellen, die<br />

sie sich für ihre <strong>Fotografie</strong>n wünschen. Durch<br />

das Wählen in positiver<br />

Kompensationsrichtung (+) wird der Sensor in<br />

größerem Maße belichtet, weswegen das Bild<br />

letztlich heller wird. Falls Sie eine negative<br />

Kompensation (-) verwenden, werden Sie die<br />

Lichtmenge reduzieren, mit welcher der Sensor<br />

belichtet wird, weswegen die <strong>Fotografie</strong><br />

dunkler wird. Die meisten Kameras<br />

ermöglichen es Ihnen, eine Kompensation in<br />

fünf Blendeneinstellungen vorzunehmen, bei<br />

denen das Blendenöffnungsverhältnis in<br />

1/3-Schritten zunehmen kann.<br />

Sie sollten sich mit der Kompensation für die<br />

<strong>Belichtung</strong> beschäftigen, wenn Ihre Bilder zu<br />

dunkel (unterbelichtet) oder zu hell<br />

(überbelichtet) sind. Wenn Sie das<br />

Balkendiagramm für das Bild auf dem<br />

Kameramonitor überprüfen, wird jeder<br />

<strong>Belichtung</strong>sfehler deutlich sichtbar. Falls ein<br />

Bild unterbelichtet ist, sollten Sie eine positive<br />

Kompensation verwenden, um es aufzuhellen;<br />

falls es überbelichtet ist, sollten Sie eine<br />

negative Größe anwählen, um es dunkler<br />

werden zu lassen. Die genaue<br />

Kompensationsgröße, die erforderlich ist, wird<br />

von der ursprünglichen <strong>Belichtung</strong> abhängen.<br />

Ihnen dürfte auch daran gelegen sein, die<br />

<strong>Belichtung</strong> zu kompensieren, wenn Sie<br />

fortgeschrittene <strong>Belichtung</strong>stechnik anwenden<br />

– wenn Sie also die <strong>Belichtung</strong>sstufe weit nach<br />

rechts auf dem Balkendiagramm schieben,<br />

ohne dass dabei tatsächlich die Glanzlichter<br />

verschwinden. Und es dürfte Sie auch<br />

interessieren, die <strong>Belichtung</strong> zu kompensieren,<br />

um eine Aufnahme zugunsten eines kreativen<br />

Effektes aufzuhellen oder zu verdunkeln.<br />

Die <strong>Belichtung</strong>sstufe sollte wieder auf 0<br />

zurückgestellt werden, nachdem Sie die<br />

Aufnahmen beendet haben – andernfalls<br />

werden Sie automatisch das gleiche<br />

Kompensationsniveau bei den nachfolgenden<br />

Szenen verwenden, die dieses Niveau vielleicht<br />

nicht erfordern. Die Kompensation für die<br />

<strong>Belichtung</strong> wird nicht funktionieren, wenn Sie<br />

den manuellen <strong>Belichtung</strong>smodus verwenden.<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 155


EXPERTENRATGEBER<br />

>Fragen und Antworten<br />

Vorher<br />

Nachher<br />

Der Einsatz von Hipstamatic<br />

F) Ich habe eine Aufnahme vom<br />

Schaufenster eines Buchladens<br />

gemacht, bei der ich mein Apple<br />

iPhone 4 mit Hipstamatic verwendet<br />

habe, aber ich müsste das Bild ein<br />

wenig begradigen. Welcher wäre der<br />

einfachste Weg, dies mit Adobe<br />

Elements 9 durchzuführen?<br />

Les Dano<br />

A) Das Begradigungs-Tool in Elements erweist sich<br />

als der einfachste Weg, um ein schiefes Bild zu<br />

korrigieren. Dieser Prozess sollte in wenigen<br />

Sekunden abgeschlossen sein. Klicken Sie einfach<br />

auf das Begradigungs-Tool, ziehen Sie eine Linie<br />

entlang des Bereiches vom Bild, der geebnet werden<br />

soll und lassen Sie die Maus los. Für<br />

Landschaftsfotografen wäre dies normalerweise der<br />

Horizont. Elements wird Ihr Bild automatisch<br />

begradigen. Ihr Bild stellt jedoch ein Problem dar,<br />

weil das Fenster einen vertikalen und einen<br />

horizontalen Rahmen enthält. Die Verwendung des<br />

Begradigungs-Tools wird nicht funktionieren, denn<br />

sobald Sie die horizontalen Rahmen begradigen,<br />

Leicht zu verstehende Blenden<br />

F) Ich bin verwirrt, was einen Teil der<br />

Terminologie für Blenden und<br />

Tiefenschärfe betrifft, wie z. B. die<br />

Blendenöffnung verkleinern etc.<br />

Können Sie mir bitte helfen!<br />

Trevor Iddon<br />

A) Blenden und die Schärfentiefe können auf<br />

verschiedene Arten und Weisen beschrieben werden.<br />

Wenn Sie die Blendenöffnung auf eine kleinere Stufe<br />

einstellen, wird der Ausdruck „die Blendenöffnung<br />

verkleinern“ verwendet, wohingegen sich „die<br />

Blendenöffnung vergrößern“ auf die Einstellung der<br />

Blendenstufe auf eine größere Stufe bezieht. Große<br />

Blendenöffnungen ergeben eine sehr geringe<br />

Schärfentiefe, wohingegen eine kleine Blendenöffnung<br />

wie z. B. f/22 eine große Schärfentiefe bietet.<br />

neigen sich die vertikalen sogar noch weiter.<br />

Stattdessen müssten Sie einen etwas komplizierteren<br />

Prozess anwenden, der auf der Funktion<br />

Bild>Drehen basiert. Um diesen Prozess zu<br />

unterstützen, würden wir Ihnen vorschlagen,<br />

zunächst Ansicht>Lineale anzuwählen, was es<br />

Ihnen ermöglicht, Richtlinien in Ihrem Bild zu<br />

platzieren, die Ihnen dabei helfen, perfekte<br />

horizontale und vertikale Linien auszurichten. Ziehen<br />

Sie diese visuellen Richtlinien von den Linealen weg<br />

und legen diese über den horizontalen und vertikalen<br />

Fensterrahmen ab. Sobald Sie dies getan haben,<br />

wählen Sie Bild>Umwandeln>Drehen an, wodurch<br />

Zeiger an jeder Ecke des Bildes erscheinen. Durch<br />

Ziehen dieser Eckzeiger können Sie das Bild drehen,<br />

wodurch Sie sämtliche Rahmen begradigen können.<br />

Sobald Sie mit dem Resultat zufrieden sind, klicken<br />

Sie auf das grüne Häkchen. Anschließend schneiden<br />

Sie das Bild zurecht (halten Sie die Shift-Taste für<br />

einen viereckigen Schnitt gedrückt). Sie werden auf<br />

die grenzüberschreitenden Effekte verzichten<br />

müssen, die durch Hipstamatic erzeugt werden, aber<br />

Sie werden zumindest den perfekten Fensterrahmen<br />

erzeugen!<br />

Dynax gegen Rabatt<br />

F) Mir wurde eine sehr gut<br />

erhaltene Minolta Dynax 7D mit<br />

einigen Objektiven für gut 100<br />

Euro angeboten. Ist dieser Preis<br />

lohnenswert?<br />

Greg Hynes<br />

A) Falls sich die Kamera und die Objektive<br />

in einem guten Zustand befinden, dann ist<br />

dies ein verlockendes Angebot. Die Dynax 7D<br />

war die letzte Digitalkamera, die von Minolta<br />

hergestellt wurde, bevor Minolta von Sony<br />

aufgekauft wurde. Die Dynax-Modelle<br />

wurden dann zum Alpha-Sortiment hin<br />

entwickelt hat, welches uns heute bekannt<br />

ist. Dies bedeutet, dass die Minolta-<br />

Objektive, die mit der Dynax 7D geliefert<br />

werden, vollständig kompatibel mit<br />

Sony-Digitalkameras sind. Daher sollte der<br />

Unkorrigiert<br />

Korrigiert<br />

Verkaufswert<br />

deutlich über den<br />

gefragten 100<br />

Euro liegen, falls<br />

Sie sich zum Kauf<br />

entschließen und<br />

dazu tendieren sollten,<br />

die<br />

Dynax-Ausstattung nicht zu<br />

behalten. Die Leistung der Dynax 7D, ihre<br />

Funktionspalette und ihre Auflösung von<br />

sechs Megapixeln fällt ein wenig unterhalb<br />

der heutigen Standardwerte, aber es<br />

handelt sich immer noch um eine<br />

ziemlich gute Allzweck-<br />

Digitalkamera, solange Sie keine großen<br />

Anforderungen an sie stellen müssen.<br />

Letztlich jedoch ist es möglich, dass Sie die<br />

Kamera und die Objektive weiter verkaufen<br />

und das Geld in ein besseres, neueres<br />

Modell investieren!<br />

156 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Sollte ich es mit einem 50-mm-<br />

Objektiv versuchen?<br />

F) Ist das 50-mm-Objektiv mit einer<br />

Blendeneinstellung von f/1.8 so gut, wie man<br />

behauptet? Ich würde gerne wissen, ob es sich<br />

lohnt, dieses statt des 18-55-mm-Zooms meiner<br />

Ausrüstung zu verwenden.<br />

Jeremy Fielding<br />

A) Das einfache 50-mm-Objektiv erfreut sich einer<br />

Wiederauferstehung, da immer mehr Fotografen seine<br />

Vielseitigkeit entdecken. Sein wesentlicher Verkaufsfaktor ist die<br />

schnelle, maximale Blendenöffnung bei einer Blendeneinstellung<br />

von f/1.8, die sogar mit sehr geringer Schärfentiefe kreative<br />

Bilder ermöglicht sowie das <strong>Fotografie</strong>ren von Hand bei<br />

Restlicht. Obwohl es keine Zoomvorrichtung enthält, erweist sich<br />

seine Brennweite als überraschend nützlich in vielen<br />

Aufnahmesituationen, und wenn es auf einer Digitalkamera mit<br />

einem APS-C-Sensor verwendet wird, eignet sich seine<br />

Brennweite von 75 Millimetern (80 mm bei einer Canon) perfekt<br />

für Porträts, insbesondere für Aufnahmen mit weit geöffneter<br />

Blende. Dadurch, dass es so klein und leichtgewichtig ist,<br />

erweist es sich als ideales Objektiv für die Reise und wenn es sich<br />

nicht im Gebrauch befindet, kann es leicht in einer Tasche oder<br />

Handtasche verstaut werden. Mit 50-mm-Objektiven bei einer<br />

Blendeneinstellung von f/1.8, die neu ungefähr 100 Euro<br />

(gebraucht 80) kosten, ist dies ein preisgünstiges optisches<br />

Gerät, welches es in jedem Fall wert ist, Teil Ihrer Ausrüstung zu<br />

werden. Es hat nicht die Weitwinkel-Fähigkeit des 18-55-mm-<br />

Objektives, aber seine Vorzüge gleichen dies mehr als nur aus.<br />

Da es so klein und leicht ist, gibt es keinen Grund dafür, es nicht<br />

zum permanenten Bestandteil Ihrer Ausrüstung werden zu<br />

lassen. Wir zögern keinesfalls, Ihnen zu empfehlen, eine dieser<br />

Schönheiten käuflich zu erwerben, da alle der o. g. Vorzüge<br />

zusammen mit seiner ausgezeichneten optischen Qualität dieses<br />

50-mm-Objektiv mit einer Blendeneinstellung von f/1.8 zu<br />

einem begehrten optischen Gerät werden lassen, das man sich<br />

leisten kann.<br />

Kann ich meine<br />

Aufnahmen noch retten?<br />

F) Ich habe Bilder von meiner<br />

Speicherkarte gelöscht, bevor ich<br />

diese auf meinen Computer<br />

kopiert habe. Gibt es irgendeinen<br />

Weg, die Bilder zu retten?<br />

Lucas James<br />

A) Dankenswerterweise ist nicht alles<br />

verloren. Es gibt zahlreiche Softwarepakete zur<br />

Wiederherstellung von Bildern, die Bilder von<br />

Karten retten können, die gelöscht oder sogar<br />

formatiert wurden. Also, welches sollte man<br />

verwenden?<br />

Nun, es ist nicht überraschend, dass es die<br />

beiden großen Kartenmarken sind, die<br />

Software zur Wiederherstellung anbieten. Das<br />

Image Rescue 4 von Lexar kostet bis zu 24<br />

Euro, aber von deren Webseite (www.lexarmedia.<br />

com) wird es kostenlos mit seinem professionellen<br />

Kartensortiment angeboten. Eine 8-GB-SD-Karte<br />

kostet ungefähr 23 Euro, während eine<br />

CompactFlash-Karte an die 45 Euro kostet.<br />

SanDisk bietet einen kostenlosen 1-Jahresvertrag<br />

für seine RescuePro-Wiederherstellungssoftware<br />

an, mit seinen Extreme IV-Karten, jedoch zu<br />

einem Preis von ungefähr 80<br />

Euro für eine 4-GB-Karte,<br />

weswegen dies keine derart<br />

gute Option darstellt.<br />

Unser favorisiertes<br />

Softwarepaket und<br />

gleichzeitig eines, bei dem<br />

wir mit unserer Empfehlung<br />

nicht zögern, ist das Image<br />

Recall 5 (zuvor auch als Don't<br />

Panic! bekannt), was sich als<br />

konstant schnell mit einer<br />

zuverlässigen sigen Leistung<br />

erwiesen hat. Es kostet ca. 28<br />

Euro und ist in größeren<br />

Fotoläden oder per Download<br />

auf www.imagerecall.com<br />

verfügbar. Herunter ladbare<br />

Demos all dieser Pakete sind auf<br />

deren entsprechenden Webseiten verfügbar.<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 157


EXPERTENRATGEBER<br />

>Fragen und Antworten<br />

ROSS HODDINOTT<br />

Kit-Zoom aufrüsten<br />

F) Ich habe eine Canon EOS 500D mit<br />

den 18-55-mm- und 55-250-mm-<br />

Zoom-Objektiven und einem 50 mm<br />

f/1.8-Objektiv. Ich würde mein<br />

Kit-Zoom gerne aufrüsten, weil ich<br />

mir der optischen Grenzen bewusst<br />

bin. Welches Objektiv würden Sie<br />

empfehlen?<br />

Samantha Barnstable<br />

A) Ein Kit-Zoom liefert zwar durchaus akzeptable<br />

Ergebnisse, aber ohne Zweifel wird ein Upgrade die<br />

Bildqualität dramatisch verbessern. Als Canon-<br />

Nutzer steht Ihnen eine große Auswahl von<br />

optischem Zubehör zur Auswahl. Das Canon EF<br />

17-40 mm f/4L hat den Vorzug einer schnellen<br />

Offenblende im gesamten Zoombereich und ist<br />

sowohl für APS-C als auch für Vollformat EOS<br />

Kameras geeignet. Bei einem durchschnittlichen<br />

Verkaufspreis von 720 Euro ist es jedoch relativ<br />

teuer. Eine etwas realistischere Wahl ist das EF-S<br />

17-85 mm f/4-5.6. Dies hat zwar eine etwas<br />

langsamere Offenblende, aber dafür den Vorteil<br />

eines Bildstabilisators, und einen wesentlich<br />

besseren Brennweitenbereich. Und bei einem Preis<br />

von ca. 400 Euro kann man nicht meckern, es ist<br />

auf jeden Fall das Geld wert. Aber Sie sollten auch<br />

ein paar Modelle von unabhängigen Marken in<br />

Betracht ziehen.<br />

Das Tamron AF 17-50 mm f/2.8 XR Di LD hat<br />

sowohl eine sehr schnelle Offenblende als auch<br />

hervorragende optische Eigenschaften. Neben dem<br />

Standardmodell, das etwa 350 Euro kostet, gibt es<br />

auch eine „VC“ (Vibration Compensation) Variante<br />

für ungefähr 400 Euro. Und schließlich gibt es noch<br />

das Sigma 17-70 mm f/2.8-4 DC Macro OS HSM,<br />

das eine schnelle Optik bietet und mit einen<br />

Stabilisator und einem sehr schnellen Autofokus<br />

ausgestattet ist. Bei einem Preis von etwa 400 Euro<br />

haben wir es in unserer Januarausgabe getestet und<br />

ihm eine Best Buy Auszeichnung verliehen. Für was<br />

auch immer Sie sich entscheiden, Sie werden<br />

garantiert wesentlich schärfere Resultate erzielen<br />

als mit Ihrem derzeitigen Objektiv.<br />

Hotpixel-Problem<br />

F) Seit 2006 fotografiere ich mit<br />

Spiegelreflexkameras, zunächst mit<br />

einer Canon EOS 30D und seit kurzem<br />

mit einer EOS 50D. Ich mache oft<br />

Nachtaufnahmen mit langen<br />

<strong>Belichtung</strong>szeiten und hatte kürzlich<br />

das Problem von Hotpixeln, also<br />

defekten Pixeln. Ich habe diverse<br />

kostenlose Softwaretools herunter<br />

geladen, die die problematischen Pixel<br />

identifizieren und das Ergebnis hat<br />

mich wirklich schockiert. Auf beiden<br />

Kameras gibt es mehrere blaue, rote<br />

und einige weiße Pixel. Gibt es eine<br />

Lösung, die die Kameras rettet und<br />

meinen Geldbeutel schont?<br />

James Killeen<br />

A) Leider können Hotpixel jederzeit auf jedem<br />

Kamerasensor auftauchen. Bei zahlreichen Marken<br />

gibt es verschiedene Methoden, das Problem zu<br />

beheben, und es gibt eine Reihe von speziellen<br />

Softwarepaketen, die ebenfalls helfen. Sie<br />

scheinen wirklich Pech gehabt zu haben, aber es<br />

gibt Methoden, die von vielen Besitzern von<br />

Canon EOS-Kameras angewandt wurden und die<br />

eine hohe Erfolgswahrscheinlichkeit versprechen,<br />

das Problem beheben zu können. Dabei<br />

entfernen Sie das Objektiv, setzen den<br />

Verschlussdeckel auf und wählen dann die<br />

manuelle Reinigungsoption im Menü. Nach 30<br />

Sekunden schalten Sie die Kamera aus, stecken<br />

ein Objektiv wieder auf, und hoffentlich sind die<br />

Hotpixel dann nicht mehr sichtbar (die Kamera<br />

nutzt Pixelmappen, um die Hotpixel zu entfernen<br />

anstatt sie wirklich zu reparieren).<br />

Dies ist eine „unoffizielle“ Methode, aber wir<br />

wissen, dass viele Nutzer von EOS 20D bis zu<br />

EOS 5D MkII sie mit Erfolg angewandt haben.<br />

Gibt es Leser mit dem gleichen Problem, oder<br />

kennt jemand eine alternative Lösung?<br />

Ich brauche ein bisschen Hilfe!<br />

F) Ich bin ein fanatischer<br />

Amateurfotograf und bin auf der Suche<br />

nach einem preiswerten Stativ, das in<br />

meinen Rucksack passt und eine<br />

Kameraausrüstung von 3 Kilogramm<br />

tragen kann. Es ist ziemlich<br />

umständlich, mit einer separaten<br />

Stativtasche in der U-Bahn zu fahren<br />

und ich habe gerne immer ein Stativ<br />

dabei, denn man weiß ja nie, wann<br />

man es gebrauchen kann. Ich habe<br />

mich schon auf vielen Webseiten<br />

umgeschaut, aber die meisten sind<br />

ungefähr 50 Zentimeter lang<br />

(zusammengeklappt), und das ist zu<br />

lang. Können Sie mir helfen?<br />

Vanja Dunn-Euverman<br />

A) Eine Reihe von Marken haben Modelle eingeführt,<br />

die auf unkonventionelle Arten zusammengeklappt<br />

werden können, so dass sie weniger Platz benötigen<br />

als die konventionellen Stative. Das besondere Design<br />

dieser Reise-Stative bedeutet aber auch, dass sie<br />

teurer sind. Gitzo und Benro haben ihre eigenen<br />

Modelle, aber am preiswertesten ist ohne Zweifel das<br />

Giottos Vitruvian. Zwei Varianten sind erhältlich, das<br />

VGR9255 aus Aluminium und das VGR8255 aus<br />

Karbonfaser. Beide messen in zusammengeklapptem<br />

Zustand etwa 40 Zentimeter und können mit dem<br />

mitgelieferten Stativkopf bis zu 4 Kilogramm Gewicht<br />

halten. Beide haben eine maximale<br />

Höhe von 1,36 Meter, und können<br />

über die Mittelstange bis auf 1,57<br />

Meter ausgefahren werden. Der<br />

wesentliche Unterschied ist, dass das<br />

Karbonfasermodell vier Beinsektionen<br />

hat und etwa 290 Euro kostet,<br />

während das VGR9255 aus<br />

Aluminium mit vier Sektionen etwa<br />

180 Euro kostet. In Ihrem Fall würden<br />

wir uns für das günstigere Modell<br />

entscheiden, da es Ihren<br />

Verpackungswünschen entspricht und<br />

außerdem haltbar und stabil ist. Für<br />

weitere Informationen besuchen Sie<br />

www.giottos.de.<br />

158 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Die Lichter sehen<br />

F) Ich habe vor kurzem eine gebrauchte<br />

Canon EOS 1000D gekauft. Über die<br />

Kunst und Technik der <strong>Fotografie</strong> weiß<br />

ich so gut wie nichts. Anfang nächsten<br />

Jahres reisen meine Frau und ich über<br />

Land und Meer nach Norwegen.<br />

Können Sie mir erklären, welche<br />

Einstellungen ich an der Kamera<br />

vornehmen muss, um die Nordlichter<br />

zu fotografieren?<br />

Frank Pillinger<br />

A) Zunächst würden wir Ihnen empfehlen, dass Sie<br />

die Nachtfotografie vor Ihrer Reise üben, so dass Sie<br />

sich an die Arbeit in Dämmerungslicht gewöhnen und<br />

das bestmögliche Ergebnis auf Ihrer Reise erzielen<br />

können. Sie werden nachts mit langen<br />

<strong>Belichtung</strong>szeiten fotografieren, daher brauchen Sie<br />

im wesentlichen zwei Dinge als Zubehör: ein Stativ<br />

und einen Fernauslöser. Für ein stabiles Stativ müssen<br />

Sie mindestens 120 Euro ausgeben – denken Sie<br />

daran, dass Sie für jede Aufnahme eine stabile<br />

Plattform benötigen. Wenn Sie eine billigere<br />

Ausrüstung kaufen, riskieren Sie, dass jedes Bild<br />

durch das Verwackeln der Kamera ruiniert ist.<br />

Schauen Sie sich das Manfrotto 190B-Stativ mit<br />

einem 460MG-Stativkopf an (Gesamtpreis 200 Euro)<br />

oder das Giottos MTL3361B-Stativ mit dem<br />

MH5001-Stativkopf (ungefähr 180 Euro). Anstatt den<br />

Auslöseknopf mit Ihrem Finger zu betätigen, lösen Sie<br />

lieber mit einer Fernbedienung aus. Die Hahnel<br />

HRC280 für 18 Euro reicht dafür aus. Wenn Sie Ihre<br />

Kamera an das Stativ geschraubt haben und den<br />

Fernauslöser angeschlossen haben, gestalten Sie die<br />

Szene und stellen die Hauptfunktionen an Ihrer<br />

Kamera ein. Wir empfehlen Ihnen, den ISO-Wert auf<br />

400 zu stellen, damit Sie eine gute Balance zwischen<br />

Geschwindigkeit und Qualität erzielen. Stellen Sie den<br />

manuellen Modus ein und wählen eine Blende von<br />

f/5.6 für eine gute Schärfe (dies tun Sie, in dem Sie<br />

den <strong>Belichtung</strong>sausgleichsknopf drücken und den<br />

Einstellknopf drehen). Fokussieren Sie auf den<br />

Himmel und wenn die Kamera den Fokus nicht<br />

hinbekommt, fokussieren Sie das Objektiv manuell.<br />

Die richtige <strong>Belichtung</strong>szeit können Sie nur durch<br />

Ausprobieren herausbekommen. Beginnen Sie mit 30<br />

Sekunden, schauen Sie sich das Bild an und passen<br />

die <strong>Belichtung</strong>szeit entsprechend an. Stellen Sie sie<br />

auf 15 Sekunden oder weniger, wenn das Bild zu<br />

dunkel ist, oder 60 Sekunden und mehr, wenn es zu<br />

hell ist. Mit der Hahnel-Fernauslösung können Sie die<br />

<strong>Belichtung</strong>szeit auch auf Dauerbelichtung einstellen<br />

und den Fernauslöser feststellen, so dass Sie die<br />

<strong>Belichtung</strong>szeit nach Belieben vornehmen können.<br />

Wir empfehlen, dass Sie Ihre EOS so einstellen, dass<br />

Sie sowohl in RAW als auch in JPEG fotografieren. Der<br />

Weißabgleich sollte auf AWB eingestellt sein. Nehmen<br />

Sie auch auf jeden Fall genug Ersatzbatterien mit,<br />

denn die Kälte wird die Funktionsdauer der Batterien<br />

reduzieren. Und schließlich sollten Sie es vermeiden,<br />

in oder in der Nähe von Städten zu fotografieren, da die<br />

Lichtemission von Straßenlaternen und Gebäuden den<br />

Effekt der Nordlichter reduziert. Im Vordergrund der<br />

Bilder sollten Sie Motive wie Bäume oder Berge<br />

setzen, um den Maßstab zu verdeutlichen.<br />

Manfrotto<br />

Giottos<br />

F-Fassung-Differenzen<br />

F) Seit langer Zeit nutze ich Nikon<br />

Kameras und nun bin ich verwirrt.<br />

Bevor ich meine DSLR aufrüste,<br />

können Sie mir helfen, welche<br />

Nikon-DSLRs den Autofokus von<br />

älteren Objektiven unterstützen<br />

und welche nicht!<br />

Simon Greaves<br />

A) Viel vom Erfolg der Nikon-<br />

Spiegelreflexkameras beruht auf der Tatsache,<br />

dass sie immer noch die gleiche Objektivfassung<br />

benutzen wie die Original Nikon F 35 mm-SLR<br />

aus dem Jahr 1959. Das war insbesondere beim<br />

Beginn des Zeitalters der digitalen<br />

Spiegelreflexkameras wichtig, denn es<br />

bedeutete, dass die Besitzer von Nikon 35<br />

mm-SLRs eine digitale Spiegelreflexkamera<br />

kaufen und zusammen mit ihren alten<br />

Objektiven nutzen konnten. Während es die<br />

F-Fassung immer noch gibt, wurde sie im Laufe<br />

der Jahre im Zusammenhang mit späteren<br />

Objektivserien weiter entwickelt, so dass sie nun<br />

mehr Elektronik und weniger Mechanik beinhaltet.<br />

Das bedeutet, dass Nikon Objektive zwar immer<br />

noch physikalisch passen, aber es gibt einige<br />

Einschränkungen im Gebrauch. Dazu gehören<br />

Beschränkungen bei der <strong>Belichtung</strong>smessmethode<br />

oder im <strong>Belichtung</strong>smodus, was hauptsächlich die<br />

Objektive der älteren Serien betrifft. Die Frage, die<br />

Sie stellen, bezieht sich auf einige der neueren<br />

Einstiegsmodelle der Kameras und Objektive, und<br />

dies ist eine Einschränkung, über die noch nicht viel<br />

diskutiert wurde. Im wesentlichen wurde im Laufe<br />

der letzten Jahre bei der Fassung und dem Objektiv<br />

die mechanische Verbindung durch elektrische<br />

Kontakte ersetzt, um die Leistungsfähigkeit des<br />

Autofokus und die Kommunikation zwischen<br />

Kamera und Objektiv zu verbessern. Dies führte zu<br />

einigen Einschränkungen. Der Punkt, den Sie<br />

ansprechen, bezieht sich auf die Tatsache, dass<br />

nicht alle Nikon-Kamerafassungen mit einem<br />

AF-Motor für den Autofokus ausgestattet sind. Das<br />

bedeutet, dass AF nur bei Objektiven, die einen<br />

eingebauten Motor haben, möglich ist, z. B. alle<br />

Nikon-Objektive mit einer „AF-S“ Bezeichnung.<br />

Nutzer von älteren Objektiven wie aus der AF-I<br />

Reihe brauchen den Antrieb vom Gehäuse oder<br />

müssen manuell fokussiert werden. Zum Glück<br />

sind die meisten aktuellen Nikon-Objektive und<br />

die große Mehrheit der neuen Objektive AF-S, so<br />

dass Sie sich keine Sorgen machen müssen,<br />

außer wenn Sie planen, ältere Objektive zu<br />

benutzen. Also, welche Nikon-DSLRs haben<br />

einen eingebauten AF-Motor und welche nicht?<br />

Im wesentlichen fehlt der AF-Motor nur bei<br />

einigen preisgünstigen Modellen, hauptsächlich<br />

um die Größe, das Gewicht und den Preis zu<br />

reduzieren. Die besseren Modelle sind alle damit<br />

ausgestattet. Unten finden Sie eine Liste von<br />

DSLRs für einen schnellen Überblick. Sie können<br />

es Ihrer Nikon Kamera auch ansehen, ob sie<br />

einen AF-Motor hat. Das Bild rechts zeigt den<br />

AF-Motor (eingekreist) einer Nikon D7000,<br />

während die D3100 links keinen AF Motor hat.<br />

DSLRs ohne eingebautem<br />

Autofokus-Motor (Autofokus nur<br />

bei Objektiven der AF-S Reihe):<br />

D5100, D5000, D3100, D3000, D60,<br />

D40X, D40<br />

DSLRs mit eingebautem Autokus<br />

Motor (Autofokus mit jedem AF<br />

Objektiv): D7000, D700, D300S, D300,<br />

D200, D90, D80, D70S, D70, D50, D3, D2,<br />

D1<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 159


EXPERTENRATGEBER<br />

>Fragen und Antworten<br />

<strong>Belichtung</strong>sfusion<br />

F) Ich kann nie zufriedenstellende<br />

Resultate erzielen, wenn ich bei<br />

wirklich kontrastreicher<br />

Beleuchtung fotografiere. Sogar<br />

wenn ich Aufnahmen im RAW-<br />

Format mache, endet dies noch mit<br />

undifferenzierten Lichtern oder<br />

gedämpften Schatten. Mein Freund<br />

meint, Fusion wäre die Lösung.<br />

Können Sie mir erklären, was er<br />

damit meint?<br />

Jeremy Brookes<br />

A) Ganz gleich wie intelligent die Technologie<br />

wird, es gibt ein großes Hindernis, mit dem<br />

Fotografen konfrontiert werden – der Kontrast. Die<br />

neuesten digitalen Sensoren mögen gut sein,<br />

jedoch ist der Helligkeitsbereich, den diese<br />

erfolgreich aufnehmen können, immer noch nur<br />

bei einer Blendeneinstellung von 5 bis 6 gegeben.<br />

Sobald der Kontrast darüber hinausgeht, muss es<br />

zum Zusammenbruch kommen – entweder<br />

belichten Sie die Lichter richtig und dämpfen die<br />

Schatten oder Sie belichten die Schatten richtig,<br />

womit die Lichter überbelichtet werden.<br />

Im vordigitalen Zeitalter gab es keinen Umweg,<br />

über den Sie zu einem hohen Kontrast gelangen<br />

konnten – Sie mussten schlichtweg die Grenzen<br />

hinnehmen, die Ihnen durch den Film in Ihrer<br />

Kamera auferlegt waren und das Beste daraus<br />

machen. Glücklicherweise ist es durch die<br />

Digitalfotografie möglich, Bilder zu kombinieren,<br />

die der gleichen Szene entstammen oder Motive,<br />

die bei unterschiedlicher <strong>Belichtung</strong> aufgenommen<br />

wurden. Dieser Vorgang erhöht den<br />

Helligkeitsbereich des letztlich<br />

zusammengestellten Bildes, so dass Sie ganz<br />

gleich, wie kontrastreich die Originalszene auch ist,<br />

immer noch ein Bild produzieren können, das die<br />

Details im Bereich der Tiefen und Lichter<br />

beibehält.<br />

Die Technik, die verwendet wird, um dies zu<br />

erreichen, ist bekannt als <strong>Belichtung</strong>sfusion und<br />

erfordert eine geeignete Software, wie z. B.<br />

Photomatix Pro. Verwechseln Sie nicht die<br />

<strong>Belichtung</strong>sfusion und das Hochkontrastbild<br />

(HDR) – sie sind ähnlich, aber bei der<br />

<strong>Belichtung</strong>sfusion sieht das letztliche Bild<br />

realistischer aus und ist schneller zu erzeugen.<br />

Das Fusionieren funktioniert, indem die<br />

Schwerpunkte den Pixeln jedes Bildes zugewiesen<br />

werden, und zwar entsprechend der Reihenfolge<br />

Helligkeit, Sättigung und Kontrast. Anschließend<br />

bewirkt die Abhängigkeit zu diesen Schwerpunkten<br />

deren Integration in das letztliche Bild bzw. deren<br />

Ausschluss daraus. Mit anderen Worten greift das<br />

Fusionieren die besten Pixel von jedem Bild auf<br />

und kombiniert diese nahtlos, um ein letztlich<br />

fusioniertes Bild zu erzeugen.<br />

Die <strong>Belichtung</strong>sfusion funktioniert gut bei<br />

Innenaufnahmen, bei denen der Kontrast extrem<br />

hoch sein kann, sowie im Freien bei<br />

Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Sie erweist<br />

sich auch als guter Möglichkeit, wenn Sie Szenen<br />

in der Stadt aufnehmen, bei denen der Himmel<br />

schwierig zu regulieren ist und bei denen Sie einen<br />

ND-Grad verwenden, da die Gebäude die Skyline<br />

durchbrechen und durch den Gradfilter ungünstig<br />

beeinflusst würden. Hier wird gezeigt, wie es<br />

gemacht wird.<br />

Ebenen & Elemente<br />

F) Ich spiele mit dem Gedanken,<br />

ein Upgrade auf Photoshop<br />

Elements 9 durchzuführen. Auf<br />

diese Weise habe ich Zugang zu<br />

Ebenenmasken. Ist die neueste<br />

Version für Apple Mac verfügbar<br />

und verwendet diese immer noch<br />

Adobe Bridge für die Handhabung<br />

von Bildern?<br />

Iona McGregor<br />

A) Photoshop Elements 9 ist verfügbar für<br />

den PC und den Mac. Leider verwendet die<br />

Mac-Version nicht weiterhin Adobe Bridge für<br />

das Dateimanagement und beide Versionen<br />

beinhalten die Einzelplatz-<br />

Organisationsanwendung. Viele der Adobe<br />

Bridge-Werkzeuge, wie z.B. intelligente<br />

Kollektionen und Stichwort-Tags finden sich<br />

innerhalb dieser Organisation, weswegen es<br />

jedoch immer noch ein starkes Tool für die<br />

Handhabung von Bildern ist. Sie können auch<br />

über den Metadaten-Tag suchen, aber man<br />

kann sagen, dass Adobe Bridge<br />

benutzerfreundlicher ist und übergreifend<br />

mit allen Adobe-<br />

Bildverarbeitungsprogrammen funktioniert.<br />

Falls Sie Zugang zu Adobe Bridge erhalten<br />

möchten, probieren Sie Photoshop<br />

Elements 8. Um sowohl Adobe Bridge als<br />

auch Ebenenmasken zu erhalten, werden<br />

Sie Photoshop CS5 benötigen.<br />

160 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


1<br />

2<br />

3<br />

4<br />

5<br />

6<br />

Schritt 1) Bauen Sie Ihre Kamera auf einem Stativ<br />

auf, stellen Sie die Szene zusammen und machen<br />

Aufnahmen aus einer <strong>Belichtung</strong>sserie. Eine<br />

<strong>Belichtung</strong>sserie mit einer Blendeneinstellung von -2<br />

bis +2, bei der Sie die Blendeneinstellungen in<br />

ganzen Schritten erhöhen sollten, ist üblicherweise<br />

ausreichend, in wirklich kontrastreichen Situationen<br />

dürften Sie jedoch eine <strong>Belichtung</strong>sserie mit einer<br />

Blendeneinstellung von -3 bis +3 benötigen.<br />

Schritt 2) Laden Sie die RAW-Dateien auf Ihren<br />

Computer herunter und lassen die Bilder durch die<br />

Stapelverarbeitung laufen, indem Sie auf „Alles<br />

auswählen“ klicken und anschließend einen Namen<br />

für das Batch vergeben. Speichern Sie die Bilder als<br />

16 Bit TIFF-Dateien auf dem Desktop Ihres<br />

Computers.<br />

Farbverstärkung<br />

F) Gibt es eine Normgrenze, bis zu<br />

der die Farbsättigung bei<br />

digitalen Bildern erhöht werden<br />

kann, und was ist da möglich?<br />

Peter Randall<br />

A) Es gibt keine strenge Regulierung, da<br />

verschiedene Bilder eine unterschiedliche<br />

Behandlung erfordern. Sie sollten jedoch<br />

vermeiden, die Farbsättigung nur mal eben<br />

so zu erhöhen. Generell sollte es Ihr Ziel<br />

sein, ein realistisches Aussehen ihrer Bilder<br />

beizubehalten, da die Resultate ziemlich<br />

erschreckend sein werden, falls Sie es<br />

übertreiben, so verlockend es auch sein<br />

mag.<br />

Der schnellste und einfachste Weg, die<br />

Farbsättigung zu erhöhen, ist es, ein Bild<br />

mit Photoshop zu öffnen und anschließend<br />

mit dem Cursor<br />

Bild>Korrekturen>Farbton/Sättigung<br />

anpassen auszuwählen. Jedoch dürfen Sie<br />

die Farbsättigung nicht um mehr als 10 bis<br />

15Prozent erhöhen, bevor die Farben<br />

beginnen, unnatürlich und grell zu wirken.<br />

Also seien Sie vorsichtig damit.<br />

Schritt 3) Starten Sie Photomatix Pro, ziehen die<br />

Gruppe von TIFF-Dateien in die Dialogbox, legen<br />

diese dort ab und klicken auf OK. Sobald sich das<br />

nächste Fenster öffnet, überprüfen Sie, dass<br />

„Quellbilder ausrichten“, „Rauschen reduzieren“<br />

und „Farbabweichungen reduzieren“ ausgewählt<br />

sind und klicken anschließend auf „Neu<br />

bearbeiten“.<br />

Schritt 4) Sobald die Bilder zusammengeführt<br />

worden sind und das vorangezeigte Bild erscheint,<br />

klicken Sie auf „<strong>Belichtung</strong>sfusion” im<br />

Schaltkästchen auf der linken Seite und stellen<br />

sicher, dass die Voreinstellung „Fusion –<br />

Angepasst“auf der Leiste unterhalb ausgewählt<br />

worden ist, da dies üblicherweise zu den besten<br />

Resultaten führt.<br />

Sättigung 50 %<br />

Dynamik 50 %<br />

Falls Sie Photoshop CS4 oder CS5<br />

besitzen, ist es eine raffiniertere Methode,<br />

stattdessen die Dynamikkontrolle zu<br />

verwenden (Bild>Korrekturen>Dynamik).<br />

Der Dynamik-Zoom erhöht ausschließlich<br />

die Sättigung bei Farben, die nicht bereits<br />

gesättigt sind und verhindert einen<br />

Farbschnitt, der annähernd eine<br />

vollständige Sättigung erreicht. Falls Sie<br />

alternative Aufnahmen in RAW machen,<br />

werden Sie im Adobe Camera Raw eine<br />

Schritt 5) Experimentieren Sie mit dem Zoom,<br />

um zu sehen, ob Sie das Bild verbessern können.<br />

Sobald Sie mit dessen Aussehen zufrieden sind,<br />

klicken Sie auf „Bearbeiten“. Sobald die<br />

Bearbeitung vollzogen ist, gehen Sie auf<br />

„Datei>Speichern als“ und speichern Sie das Bild<br />

als 16-bit TIFF-Datei.<br />

Schritt 6) Öffnen Sie das Bild in Photoshop und<br />

vollziehen Sie jegliche abschließenden<br />

Veränderungen. Vermutlich werden Sie den Wunsch<br />

haben, die Ebenen und/oder Kurven anzupassen,<br />

die Farben zu optimieren oder das Bild zu<br />

beschneiden, um die Kompositioin zu verbessern.<br />

Sobald Sie dies getan haben, speichern Sie Ihre<br />

Änderungen.<br />

Original<br />

Dynamikkontrolle vorfinden, die auf die<br />

gleiche Weise funktioniert.<br />

Die Lösung ist es, jedes Bild individuell<br />

zu behandeln. In dem Bild oberhalb<br />

können Sie erkennen, dass zwar eine<br />

größere Zunahme der Dynamik/<br />

Sättigung ausreicht, wenn die<br />

natürlichen Farben sehr dezent sind, Sie<br />

jedoch mit noch mehr Feinsinn vorgehen<br />

müssen, wenn die Farben von<br />

vorneherein kräftig sind.<br />

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 161


EXPERTENRATGEBER<br />

>Fragen und Antworten<br />

Die Freude an<br />

Wunderkerzen<br />

F) Ich habe kürzlich ein Paket<br />

Wunderkerzen gefunden, das<br />

von Sylvester übrig geblieben ist<br />

und habe mich dazu<br />

entschieden, diese dafür zu<br />

verwenden, einige Aufnahmen<br />

im Sinne des „Malens mit Licht “<br />

zu machen. Ich habe das niemals<br />

zuvor gemacht, daher würde ich<br />

mich über ein paar Tipps freuen.<br />

Luke Fitzpatrick<br />

A) Wunderkerzen dienen als großartige<br />

Requisiten für Fotografen und können dafür<br />

verwendet werden, auffällige Aufnahmen für<br />

das „Malen mit Licht“ zu machen. Dies<br />

involviert, dass der Verschluss Ihrer Kamera im<br />

Bereich der Lampe (B) geöffnet bleiben muss,<br />

während die Wunderkerze brennt und umher<br />

bewegt wird, damit diese farbenfrohe<br />

Lichtspuren hinterlässt. Anschließend sorgen<br />

Sie für eine Vielzahl von Blitzen am Ende der<br />

<strong>Belichtung</strong>, um Ihr Motiv zu erleuchten. Hier<br />

steht, wie dies funktioniert.<br />

Schritt 1: Bauen Sie Ihre Kamera auf einem<br />

Stativ auf, befestigen Sie einen Fernauslöser<br />

daran und passen Sie einen standardgemäßen<br />

Zoom an. Stellen Sie die Kamera auf den<br />

manuellen <strong>Belichtung</strong>smodus ein und den<br />

Kameraverschluss auf B (Lampe).<br />

Schritt 2: Positionieren Sie das Stativ und die<br />

Kamera nachts auf einer dunklen Freifläche, in<br />

ausreichender Entfernung zu hell beleuchteten<br />

Bereichen. Meiden Sie Orte, an denen sich<br />

Beleuchtung im Hintergrund befindet, wie z. B.<br />

ein Fenster – die Mitte Ihres Gartens oder eine<br />

Grünfläche bzw. ein Park sind ideal.<br />

Positionieren Sie Ihr Motiv und fokussieren Sie<br />

das Objektiv darauf. Der Schein einer<br />

Taschenlampe ist erforderlich, so dass Sie<br />

beim manuellen Fokussieren etwas erkennen<br />

können, oder so, dass das Autofokus-System<br />

der Kamera Kontraste erkennen kann und Sie<br />

den Fokus einstellen können.<br />

Schritt 3: Bitten Sie Ihr Model, eine Wunderkerze<br />

Schritt 4: Bevor die Wunderkerze komplett<br />

anzuzünden. Sobald diese brennt, öffnen Sie Ihren abbrennt, richten Sie das Blitzlicht auf Ihr Model<br />

Kameraverschluss an der Lampe, fixieren Sie diesen und drücken auf den Testschalter, um zu<br />

und geben Ihrem Model Anweisungen, wie zuvor mit beleuchten. Stellen Sie sicher, dass sich der Arm<br />

dem Herumwirbeln der Wunderkerze vor dessen Ihres Models in abwärts geneigter Position<br />

eigenem Körper zu beginnen. Halten Sie den befindet, ehe Sie das Blitzlicht auslösen, falls das<br />

Verschluss für ungefähr 30 Sekunden geöffnet – Model noch dabei gewesen sein sollte, die<br />

oder so lange, bis die Wunderkerze beinahe<br />

Wunderkerze herum zu wirbeln, so dass dessen<br />

abgebrannt ist. Alternativ können Sie eine andere Gesicht nicht verdeckt wird. Das Blitzlicht muss<br />

Person bitten, mit der Wunderkerze Lichtspuren um nicht an der Kamera befestigt werden – Sie<br />

Ihr Motiv herum zu ziehen und Muster in den können es einfach in Ihrer Hand halten. Sobald<br />

Himmel zu malen, oder Sie können dies sogar selbst der Blitz ausgelöst ist, beenden Sie die<br />

tun, während der Kameraverschluss in offener <strong>Belichtung</strong>, indem Sie den Kameraverschluss<br />

Stellung fixiert ist.<br />

schließen und das Ergebnis überprüfen.<br />

In Richtung des Lichtes<br />

F) Wie kann ich das Flackern<br />

verhindern, wenn ich eine Aufnahme<br />

in Richtung des Lichtes mache?<br />

Sarah Gelston<br />

A) Wenn sich die Sonne gerade außerhalb der<br />

Reichweite Ihrer Aufnahme befindet, jedoch über die<br />

Vorderseite Ihres Objektivs hinweg scheint und<br />

Flackern verursacht, müssen Sie nur die Linse<br />

abzuschirmen, so dass ein Schatten darüber geworfen<br />

wird. Der einfachste Weg, dies zu erreichen, ist es, eine<br />

Sonnenblende am Objektiv anzubringen. Die mit dem<br />

Objektiv gelieferte Sonnenblende reicht manchmal aber<br />

nicht aus. In diesem Fall verwenden Sie ein Stück<br />

Karton oder Ihre Hand, um die Sonne vom Objektiv fern<br />

zu halten. Die positive Eigenschaft von Digitalkameras<br />

ist, dass Sie erkennen können, wenn das Flackern<br />

eliminiert wurde, und dies bei bloßem Blick durch den<br />

Sucher. Der erlaubt es Ihnen auch sicher zu stellen,<br />

dass das, was Sie auch immer zum Abschirmen des<br />

Objektives verwenden, nicht das Blickfeld kreuzt.<br />

Falls Sie Aufnahmen geradewegs in Richtung des<br />

Lichtes machen, dann können Sie das Objektiv<br />

natürlich nicht abschirmen, da das, was Sie auch<br />

immer verwenden, die Vorderseite des Objektives<br />

verdecken würde! In diesen Situationen ist alles, was<br />

Sie tun können sicher zu stellen, dass das Objektiv<br />

sowie jegliche Filter, die Sie auf dem Objektiv<br />

verwenden, gereinigt und frei von Schrammen und<br />

Kratzern sind, die die Wahrscheinlichkeit des<br />

Flackerns erhöhen werden. Falls Ihre Objektive und<br />

Filter makellos sind, sollten Sie in der Lage sein, mit<br />

minimalem Flackern Aufnahmen geradewegs in<br />

Richtung der Sonne zu machen. Es heißt auch, dass in<br />

einigen beispielhaften Fällen das Flackern die<br />

Aufmerksamkeit erregen kann, daher seien Sie nicht zu<br />

ambitioniert, es zu entfernen!<br />

162 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


<strong>Digitale</strong><br />

SLR<br />

Sonderheft 3


DIGITALE SLR-FOTOGRAFIE<br />

SONDERHEFT 3<br />

Leser-Schaukasten<br />

Leser zeigen ihre besten Bilder und<br />

beschreiben, wie sie vorgegangen sind<br />

Praxis<br />

Experten erklären an Beispielen, wie man<br />

eine Strichspuraufnahme macht, Tropfen<br />

fotografiert, mit dem Weichzeichner arbeitet<br />

und zu Hochkontrastbildern (HDR) kommt<br />

<strong>Belichtung</strong>smessung<br />

Das Messen der richtigen <strong>Belichtung</strong> ist eine<br />

Grundlage. Doch sie will gelernt sein – allen<br />

Automatikfunktionen zum Trotz<br />

Photoshop<br />

Photoshop ist das ultimative Programm<br />

zur Bildbearbeitung. Wir zeigen Ihnen<br />

u.a. , wie Sie den Weichzeichner und die<br />

Manipulation von Schärfentiefe anwenden