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Jüdefelderstr. 31

48143 Münster

Maternus Millet

Das Schlechte am Guten.

ca. 240 Seiten, broschiert

978-3-932927-46-1

12,80 €

erscheint am 17.03.2011

Maternus Millett - Das Schlechte am Guten

Weshalb die politische Korrektheit scheitern muss

„The road to hell is paved with good intentions.“ Dieses Buch ist für alle, die

spüren, dass hierzulande etwas gewaltig schiefläuft. Für alle, die etwas anderes

wahrnehmen, als die von herrschenden Eliten konstruierte „Realität“.

Zeitenwende in Deutschland? Immer mehr Ketzer wagen sich trotz politisch

korrektem Sperrfeuer aus der Deckung und bezahlen dafür oft mit ihrer beruflichen

Existenz und ihrem guten Ruf. Sie sehen Deutschland wegen jahrzehntelangem

Geburtenmangel, tatsächlicher oder vermeintlicher Islamisierung

oder tatsächlicher oder vermeintlicher Verdummung im Niedergang begriffen

und möchten „das Ruder herumreißen, bevor es zu spät ist“.

Das Buch zeigt, dass bisher alle Versuche, das Paradies auf Erden zu installieren

– aus der Überzeugung heraus, das „absolut Gute“ zu tun –, immer zu

Terror und Zerstörung geführt haben, wie die Geschichte von Staatsreligionen,

Faschismus und Kommunismus belegt. Autor Maternus Millett ruft deshalb

dazu auf, Freiheit auszuhalten und sich nicht Ideologien wie der politischen

Korrektheit zu unterwerfen.

In seiner polemischen Analyse entlarvt Millett die bigotte Moral der „Guten“,

die zur Vertuschung ihrer wahren Ziele Andersdenkende reflexhaft als „faschistisch“,

„rassistisch“ oder „sexistisch“ diffamieren. Er zeigt überraschende

historische Parallelen auf zwischen der Aufhebung der Sklaverei und der

Emanzipation im Dienste der Wirtschaft.

Er identifiziert die pseudowissenschaftliche „Gender“-Theorie als gesellschaftszerstörerische

und sogar frauenfeindliche Ideologie.

Wäre „politische Korrektheit“ mehrheitsfähig, wenn sie sich einem demokratischen

Votum stellen müsste? Ist sie womöglich nur das Programm einer privilegierten

Elite, die es sich leisten kann, im Namen der „Emanzipation“ und der

„Befreiung des Individuums“ „Opferdiskurse“ zu führen, ihrerseits aber kaum

Skrupel hat, im Namen des „Guten“ zu repressiven Mitteln zu greifen?

Das Buch bietet keine Lektüre für Staatsgläubige, Weltretter oder Menschenverbesserer,

sondern ist vor allem für jene interessant, die den Mut haben,

quer zum Mainstream der „Guten“ zu denken und den Menschen zu sehen, wie

er ist – mit allen Abgründen und allem „Bösen“, das eben auch das Gute in

sich trägt.


DAS

SCHLECHTE

AM

GUTEN

Weshalb die

politische Korrektheit

scheitern muss

Maternus Millett

SOLIBRO Verlag Münster


Inhalt

Vorwort: Zu viel des „Guten“? 9

Die Gewalt des Diffusen 14

Die Verfeinerung des Leidens 23

„Du Opfer!“:

Der Undank der „Befreiten“ 30

Euch werden wir

auch noch emanzipieren! 38

Glücksquell Selbstbestimmung? 47

Verdächtige Freiheit 53

Mutter Natur: Ein Faschist? 58

Gaia und die Klimaköche 67

Die virtuelle Realität der „Guten“ 72

Volksgenossen

mit Migrationshintergrund 80

Pippi Langstrumpf auf Rente 84

Unsere Unterdrücker:

Debile Defektwesen 88

6


Wollt Ihr

die totale Wiedergutmachung? 100

Der Tod der Liebe:

Amor ist nicht Caritas 106

Alphamädchen,

zur Lohnabhängigkeit „befreit“ 120

Die Herrschaft der Wohl-TäterInnen 128

Die ersten Diener des Kapitals 139

Kurz vor Schluss? 148

Die Antwort: Reaktionärer Backlash? 163

Zukunft Nr. 1: Retro total? 172

Zukunft Nr. 2:

Das „Neue Jerusalem“ der „Guten“? 179

Zugaben

Ein pädagogischer Totalschaden 188

Kolumbien:

Die Vorzüge der „Rückständigkeit“ 201

Zurechtgeliebt:

Wenn die „Guten“ ankommen 212

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Die Gewalt des Diffusen

Was ist „politisch korrekt“? Sogar Wikipedia muss hier passen

und windet sich mit einer Wortwolke heraus: Politische Korrektheit

sei „ein nicht fest umrissenes Feld von sozial akzeptierten

Formen von Ausdrucks- und Handlungsweisen.“

„Nicht fest umrissenes Feld“ will wohl meinen, dass es keinen

Katalog oder Gesetzestext gibt, der definiert, was politisch

korrekt ist. Und doch weiß eigentlich jeder ziemlich genau, was

gemeint ist.

Die Methode dieser Arbeit könnte man wohl am besten als

subjektiv-deduktiv-intuitiv bezeichnen. Auf gut Deutsch: Der

Common Sense, der gesunde Menschenverstand, soll zu Wort

kommen. Die Kernfrage, um die diese Arbeit kreist lautet: Wem

soll ich mehr trauen? Meiner Wahrnehmung und den von mir daraus

gezogenen Schlussfolgerungen oder einem Weltbild, das von

politisch korrekten Medien, „objektiven“ Umfragen und „der

Wissenschaft“ konstruiert wird?

Was also ist dieses anscheinend so diffuse Etwas namens politische

Korrektheit? Da dies keine wissenschaftliche Arbeit ist,

möchte ich meinen Common Sense zu Rate ziehen, der sich

nicht allzu sehr von dem vieler anderer Menschen unterscheiden

dürfte. Ich behaupte:

Politische Korrektheit ist die noch vorherrschende Ideologie,

das geistige Klima bzw. der Zeitgeist in der westlichen Wohlstandssphäre.

Von ihren AktivistInnen wird sie als gesellschaftlicher

Fortschritt, Gleichstellung, soziale Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit,

Ganzheitlichkeit, Wiedergutmachung, Emanzipation

und Befreiung des Individuums bezeichnet – alles mit dem Ziel,

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nach der Abschaffung des „Bösen“, also von allem, was – außer

bei unseren Freunden mit „Migrationshintergrund“ – mit

Männlichkeit, Aggression, Konkurrenz, Konflikt, Aus- und Abgrenzung,

Unterschieden und Unterscheidung zu tun hat, das

Paradies auf Erden zu installieren. Als „Paradies“ verstehen die

„Guten“ die nivellierte Konsens- und Harmoniegesellschaft aus

„befreiten Individuen“, die in ihrer totalen Selbsterschaffung

durch keinerlei Mangel, Tradition oder „Repression“ mehr eingeschränkt

werden. Wobei es ebenfalls politisch korrekt ist, die

„ausbeuterischen Phallokraten“ in „humanitären Friedensmissionen“

Uranmunition verschießen und den „Opfern“ die Emanzipation

herbeibomben zu lassen und dabei auch nicht wenige

„Opfer“ nuklear zu verseuchen und kollateral zu verheizen. Politisch

korrekt ist auch, die letzte gehfähige, „benachteiligte, diskriminierte“

Frau zur Befreiung derselben in den Kampf um Kohle

und Karriere zu schicken. Und im Namen von „Gleichstellung

und Emanzipation“ ist es ebenfalls politisch korrekt, die Nachfahren

der Täter, „Ausbeuter und Phallokraten“, zeitlich unbegrenzt

für die tatsächlichen oder vermeintlichen Untaten ihrer

Vorfahren kollektiv in Haftung zu nehmen.

Politische Korrektheit kann daher als Überreaktion der Nachgeborenen

auf die von ihren Groß- und Urgroßeltern verbrochene

Verfolgung und Ermordung von Minderheiten verstanden

werden. Sie speist sich aus den stellvertretenden Scham- und

Schuldgefühlen jener, die diese Vergehen zwar nicht begangen

haben, sich die Beschäftigung damit jedoch leisten können und

wohl auch müssen, um zu Wichtigkeit, Sozialprestige, moralischer

Überlegenheit und wirtschaftlichem Auskommen zu gelangen.

Politische Korrektheit ist der Versuch, die totale Moral zu etablieren.

Die faschistische Verherrlichung des „Starken, Männlichen,

Schönen und Siegreichen“ wird in die Verklärung des

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„Opfers“, des Schwächeren, des Benachteiligten und Weiblichen

samt seiner absoluten moralischen Überlegenheit umgekehrt.

Es scheint, als müsste man dem größten aller Menschheitsverbrechen

die singuläre, totale Herrschaft der „Guten“ entgegensetzen.

Doch dieser Antifaschismus übersieht, dass auch der Faschismus

sich als Erlöser von dem Bösen verstand, als Welt- und

Menschenverbesserungsprojekt, das totalen Kontroll- und Herrschaftsanspruch

bedingte. Schwingt sich wie beim Sozialismus

abermals eine akademische, bürgerliche Elite zum „Befreier“

der „ungebildeten Massen“ und zum „Rächer der Unterdrücken“

auf? Wie konnte die DDR trotz Gleichschaltung der gesamten

Gesellschaft untergehen, trotz einer Überwachung und Kontrolle,

von der die Nazis nur träumen konnten?

Politische Korrektheit setzt ihre Vorstellungen und Forderungen

nicht nur durch moralische Anklage/Verurteilung durch.

Sie bemächtigt sich des Staates und der gesetzgebenden Gewalt,

des Bildungswesens, des wissenschaftlichen Diskurses und der

Sprache, und sie kontrolliert viele Medien – bei gleichzeitiger

personeller und programmatischer Diffusität. Denn es gibt niemanden,

der sich explizit als „politisch korrekt“ bezeichnet. Es

gibt keine Partei, die diese Bezeichnung in ihrem Programm

führt. Auch in Gesetzestexten taucht sie nicht auf. So können

die Exekutoren der politischen Korrektheit, die hauptberuflichen

Vertreter der „Opferinteressen“ sich selbst als „Opfer“ darstellen

und in ihrer vermeintlichen Machtlosigkeit immer weitere „Ansprüche“

stellen und durchsetzen.

Die „Gerechtigkeitsindustrien“ der „Guten“ umfassen alle

zugelassenen Parteien links von der Mitte, Verbände, politische

Lobbys, Sozialapparate, multinationale Weltrettungs- und Ablass-Handelskonzerne

sowie wissenschaftliche Institute, die ihre

Daseinsberechtigung und Geldmittel aus dem Kampf gegen die

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Unterdrückung, Ausbeutung und Bedrohung „der Natur“, des

Klimas, der Frauen, der einstmals Verfolgten, der Benachteiligten,

Minderheiten, Behinderten usw. usf. beziehen. Wer Macht

und Einfluss will, muss sich also als Interessenvertreter von „Opfern“

und/oder als „Opfer“ ausweisen können, am besten als

mehrfach diskriminiertes.

Aus der vermeintlichen moralischen Überlegenheit dieser RepräsentantInnen

des „absolut Guten“ leiten sie Schreib- und Redeverbote

ab, die bei Verstößen dagegen mit sozialer Ächtung

und beruflichem Ausschluss sowie mit juristischer Verfolgung

geahndet werden. Diese Redeverbote installieren ein faktisches

Kritikverbot an „Opfern, Ausgebeuteten, Unterdrückten, Benachteiligten

und Diskriminierten“ sowie gesetzlich geschützte

„Wahrheiten“.

Man könnte nun fragen, wann es denn genug der „positiven

Diskriminierung“, d. h. der Bevorzugung von „Opfern“ und der

Bekämpfung von „Tätern“ sei. Doch ist ein Ende des Kampfes

gar nicht vorgesehen. Den „Guten“ geht es offenbar schon lange

nicht mehr um Gleichstellung und Gerechtigkeit, sondern um die

dauerhafte Umkehrung der von ihnen festgestellten Unterdrückungsverhältnisse.

Das Projekt „Wiedergutmachung für 5.000

Jahre Patriarchat“ kennt keine Deadline.

Das Resultat ist das angstbewehrte Gesinnungsregime der politisch

korrekten TugendwächterInnen und Gewissenswarte.

Wehmütig denken wir an die krachenden Wortgefechte zwischen

Strauß und Wehner zurück, als lästige Journalisten noch als

„Sie Herr, Sie so genannter“ geschurigelt wurden und zwischen

Rechts und Links noch Blitze zuckten; als man von konservativer

Seite Atheisten sein Mitgefühl aussprach; man könne deren

Furcht vor der Atomindustrie gut verstehen, schließlich hätten

diese kein Jenseits zu gewärtigen.

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Heute ist die gesamte Debatte in Watte gepackt. Kein Wunder,

gibt es doch nur noch Blockparteien mehr oder weniger links

von der Mitte, und die zur Staatsdoktrin erstarrte und mit staatlicher

Gewalt bewehrte Zwangsbefriedung. Die totale politisch

korrekte Monokultur lässt nur noch öden, sterilen und garantiert

jugendfreien Jargon zu.

Wie weit sich die „Guten“ von ihren geistigen Vätern und Müttern

sowie von ihren Idealen von Freiheit und Emanzipation entfernt

haben, zeigt folgendes Zitat von Rosa Luxemburg:

„Freiheit ist immer auch die Freiheit des Andersdenkenden.“

Das wohl wichtigste Aktionsfeld der politischen Korrektheit

ist die „positive Diskriminierung“ und die Wiedergutmachung

von tatsächlich oder vermeintlich erlittenem Unrecht und Leiden

der „Opfer“, d. h. die systematische Bevorzugung und Alimentierung

von „Opfern“ und „Unterdrückten und Ausgebeuteten“.

Dies geschieht in dem Glauben, dass man diese durch Maßnahmen

von Interessenvertretern stellvertretend emanzipieren und

befreien könne. Dem wiederum liegt die urlinke Hypothese zugrunde,

dass der Mensch von Natur aus gut sei und erst durch Repression

und Mangel verdorben und unmoralisch werde. Doch

wie politisch korrekt verhalten sich die so Alimentierten und

Emanzipierten? In diesem Zusammenhang kann man auch fragen,

wie Rousseau, der große Vordenker der „Guten“, diese Überzeugung

auf seine eigenen Kinder angewandt hat, die er gleich

nach der Geburt in ein Waisenhaus abschob. Findet sich hier die

geistige Grundlage für die Institutionalisierung der Erziehung

und für die faktische Abschaffung der Familie als Fernziel?

Der Begriff „Opfer“ wird innerhalb der politischen Korrektheit

weit gefasst: „Opfer“ ist zunächst einmal alles, was weiblich,

„natürlich“, schwach und nicht weiß/europäisch ist. Die „Opfer“

müssen „emanzipiert“, „aufgeklärt und gebildet werden“, und

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man muss –stellvertretend und notfalls auch ungefragt – „aggressiv

ihre Interessen vertreten“ und „unnachgiebig ihre Rechte

und Ansprüche einfordern“.

Das „Opfer“ braucht einen „Täter“, einen Aggressor, Ausbeuter

und Unterdrücker, der das Leiden verursacht und per se amoralisch

und „böse“ ist, so wie „das Opfer“ per se gut, schützenswert

und moralisch überlegen ist.

„Täter“ sind vor allem jene, die von den „AntirassistInnen

und AntisexistInnen“ in der Menschheitsgeschichte als „Unterdrücker

und Ausbeuter“ identifiziert werden, d. h. überwiegend

Männer und hier wiederum überwiegend die weißen, heterosexuellen

Männer, in Deutschland ganz besonders die deutschen, weißen,

heterosexuellen Männer. Sie können geheilt werden, indem

sie möglichst weiblich werden und „sich zu ihrer unterdrückten

Homosexualität bekennen“.

Gern wird übersehen, dass die „ausbeuterischen Phallokraten“

auch den Sozialstaat und die automatisierte kapitalistische Industrie

hervorgebracht haben. Die „Bösen“ haben so die intellektuelle

Elite der politisch Korrekten überhaupt erst ermöglicht,

indem sie diese durch die Große Maschine Industrie und Sozialstaat

von notwendiger Arbeit und existenziellen Risiken befreit

haben. So können die „Guten“ sich gut bezahlt ihren intellektuellen

Konstrukten widmen. Insofern ist den männlichen Technokraten

tatsächlich eine Mitverantwortung an den heutigen

politisch korrekten Zuständen anzulasten, unter denen vor allem

sie selbst leiden, weil sie sich als „Ernährer und Beschützer“

überflüssig gemacht haben. Der sozial genannte Staat und die

Industrie können eben viel besser ernähren und beschützen, und

die Bedienten können sich dabei auch noch souverän und selbständig

fühlen und an den Erschaffern der Großen Maschine

sowie an Wachstum, Kapitalismus und Industrie ätzende Kritik

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üben. Der Untergang des letzten Großprojekts der „Guten“, des

Staatssozialismus, erklärt sich durch die politisch korrekte Abwirtschaftung

und Demontage seiner Lebensgrundlage, der sozialkapitalistischen

Großen Maschine.

Die jüngste gesamtstaatliche

Mission der po-

Politische Korrektheit ist wie Staatssozialismus

und Faschismus ein weiteres

tugendhaftes Zuchtprogramm

litischen Korrektheit ist

die Schaffung des neuen,

zur Erschaffung eines verbesserten

„gegenderten“, nicht

„Neuen Menschen“.

mehr vom biologischen

Geschlecht determinierten Menschen sowie die Abschaffung der

„Zwangsheterosexualität“. Dies soll der Befreiung des Individuums

von „patriarchaler Repression“ dienen. Dem liegt das intellektuelle

Konstrukt des „Dekonstruktivismus“ zugrunde, d. h.

die Annahme, dass die Welt und der Mensch durch Sprache und

ständig wiederholte Handlungsmuster erschaffen werden und

dass man den Menschen und die Welt beliebig „dekonstruieren“

und manipulieren könne. Man müsse gemäß dieser Theorie die

Sprache und Handlungsmuster politisch korrekt bereinigen und

korrigieren, um auch alle anderen Laster wie Ausbeutung, Unterdrückung,

Diskriminierung, Gewalt, Pornografie, Prostitution,

Alkohol-, Tabak- und Fleischkonsum abzuschaffen. Politische

Korrektheit ist also wie Staatssozialismus und Faschismus ein

weiteres tugendhaftes Zuchtprogramm zur Erschaffung eines

verbesserten „Neuen Menschen“ sowie zur „Vernichtung des

Bösen“.

Mit gleichem Eifer betreibt die politische Korrektheit die Institutionalisierung,

Professionalisierung und Verstaatlichung des

Sozialen zur Schaffung von immer mehr „Selbstbestimmung des

befreiten Individuums“ und von immer mehr „sozialer Sicherheit“.

Soziale Bindungen und familiäre Verpflichtungen werden

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durch gesetzlich definierte „Ansprüche“ und „Leistungen“ ersetzt,

d. h. durch die Umverteilung von Arbeitseinkommen innerhalb

eines anonymen, bürokratischen Apparats genannt „Solidargemeinschaft“.

Das „sozial abgesicherte“, „befreite Individuum“ verliert

durch den langfristigen Genuss von „Leistungen“ die Fähigkeit

zur Selbsthilfe sowie seine soziale Kompetenz. Der staatlich alimentierte

Mensch wird abhängig von der anonymen „Solidargemeinschaft“

und dadurch kontrollierbar und erpressbar. So gesehen

ist die politische Korrektheit eine neue, verfeinerte Stufe

der Herrschaft. Früher regierten die Gewalttäter, heute herrschen

die WohltäterInnen.

Die Geschichte der politischen Korrektheit ist untrennbar mit

der Geschichte der linken Bewegungen verbunden, wobei die politische

Korrektheit ein viel größeres Anliegen und Betätigungsfeld

umfasst als die klassische Linke und ihr Klassenkampf. Von den

Arbeitern und Bauern ging spätestens in den 70er Jahren keine revolutionäre

Stimmung mehr aus, da sie sich weigerten, gemäß der

marxschen Prognose zu verelenden und lieber ihre Reihenhäuser

abzahlten – LBS statt RAF. Es musste also eine neue Klientel gefunden

werden, die man emanzipieren konnte. Man entdeckte das

unerschöpfliche Potenzial der zu befreienden und zu emanzipierenden

Frauen und der zahllosen Minderheiten, wobei sich so gut

wie jeder Mensch irgendeiner Minderheit zugehörig fühlen kann,

meist sogar mehreren und sich so gut wie bei jedem irgendeine

Diskriminierung oder Unterdrückung feststellen lässt.

Interessant ist die Geschichte des Begriffs „politische Korrektheit“

bzw. „political correctness“. Der erste nachgewiesene

Gebrauch findet sich laut Wikipedia in Gerichtsakten aus den

USA im Jahr 1793, worin festgestellt wurde, dass es „politically

correct“ sei, einen Toast zuerst auf das Volk und dann auf den

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Staat auszubringen und nicht umgekehrt, da der Staat zwar das

edelste Geschöpf des Menschen sei, der Mensch aber das edelste

Geschöpf Gottes. War das schon eine politisch korrekte Feststellung?

Der Begriff „politically correct“ wurde danach im Sinne von

linientreu der eigenen Parteidoktrin gegenüber verwendet. Er

wandelte seine Bedeutung in der Bürgerrechts- und Studentenbewegung

in den USA der späten 60er Jahre, als es zunächst darum

ging, den literarischen und wissenschaftlichen Lehrkanon

nicht nur mit Material von „toten weißen Männern“ zu füllen,

sondern politisch korrekt auch mit denen von „native Americans

and Afroamericans“, also mit den Werken von Indianern und von

Nachfahren afrikanischer Sklaven. Um diese sichtbar zu machen,

ließ man ihnen auf diese Weise „affirmative action“ angedeihen,

also positive Diskriminierung. Ausgedehnt wurden diese Bemühungen

auch auf Frauen, Homosexuelle, Behinderte, Arme, Bildungsverlierer

usw. usf.

In Deutschland ist der Begriff „politische Korrektheit“ erst ab

den 80er Jahren nachweisbar, wobei er seit dem Ende dieses Jahrzehnts

zur Anprangerung von modernem Pharisäertum, naivmoralisierender

Weltsicht, wohltätiger Herrschsucht, Selbstgerechtigkeit,

Heuchelei und Scheinheiligkeit verwendet wird.

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