Windkrafttransporte: Herausforderung Nordpfalz - KRANMAGAZIN

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Windkrafttransporte: Herausforderung Nordpfalz - KRANMAGAZIN

In Aktion

Windkrafttransporte:

Herausforderung Nordpfalz

Zahlreiche Motorradfahrer und Radsportler haben die Nordpfalz schon für sich entdeckt. Auf idyllischen Nebenstrecken

geht es durch Täler und über Höhen – kurvenreich und mit fordernden Steigungen.

Was den Bikern eine willkommene

fahrerische und sportliche

Herausforderung ist, stellte eine

Herkulesaufgabe für das Team

von Universal Transport dar, das

unter diesen infrastrukturellen

Umständen zwei Windkraftanlagen

in einen neuen Windpark

transportierte – und dabei genügend

Gelegenheit hatte, die ebenso

liebliche wie strukturschwache

Region kennenzulernen.

Im ostwestfälischen Paderborn,

dem Hauptsitz des Schwertransportdienstleisters,

dürfte bislang

das Örtchen Waldgrehweiler

weitestgehend unbekannt gewesen

sein – ein Fall für die 500.000

Euro-Frage bei Günther Jauch: In

welcher Region liegt Waldgrehweiler?

Das Universal Transport-

Team aber hatte insgesamt rund

sechs Monate Zeit Waldgrehweiler

und seine Umgebung

zu studieren. Heute weiß man

in Paderborn, dass der Ort im

Donnersbergkreis beheimatet

ist, der einst zu Bayern gehörte

und der Donnersberger Brücke

in München ihren Namen gab.

Die Wohngemeinde mit rund

230 Einwohnern ist Teil der Verbandsgemeinde

Alsenz-Obermoschel

und liegt im idyllischen

mittleren Moscheltal. Das Ortsbild

wird geprägt von zwei Bächen,

die durch den Ort fließen.

Das neue Dorfgemeinschaftshaus,

der unter Denkmalschutz

stehende Glockenturm, das Gebäude

der ehemaligen Milchsam-

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Kraftakt: Auch die Pferdestärken von Traktoren

wurden benötigt, die Schwertransporte auf die

Höhe zu ziehen.

Bild: C. Mohr

Bild: Universal Transport

Bild: HSMS

Balanceakt: Enge Ortsdurchfahrten verlangten

den Fahrern alles Können ab und erforderten

ungewöhnliche Maßnahmen.


Bild: Universal Transport

STM Nr. 44 | 2012 Schwertransportmagazin

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KM Verlag

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Schwertransportmagazin STM Nr. 44 | 2012


KM Verlag

Bild: HSMS

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Raumgreifend: Dieses Grundstück wurde

ebenfalls als Rangierfläche benötigt.


Bild: Universal Transport

melstelle und das Jugendhaus bilden

den Dorfmittelpunkt.

Waldgrehweiler ist ein typisches

Dorf der Region. Ländlich

ist wohl der Begriff, der die

Nordpfalz treffend beschreibt.

Vorbei sind die Zeiten, als der

Bergbau und die Landwirtschaft

den Menschen Lohn und Brot gaben.

Heute setzt man auf sanften

Tourismus und schon seit Mitte

der 1990er Jahre regenerative Energien.

Inzwischen produzieren zahlreiche

Gemeinden mehr Strom

aus erneuerbaren Energien, als sie

verbrauchen. Dass dies möglich

wurde, verdankt die Nordpfalz im

Wesentlichen zwei Pfälzer Energie-Idealisten

der Region: Ende

1996 gründeten Matthias Willenbacher

und Fred Jung die Jung

& Willenbacher Windenergie

GmbH, die heutige juwi GmbH.

Was mit einer ersten Windenergieanlage

in der Nähe des

Örtchens Schneebergerhof begann,

ist inzwischen zu einer echten

Größe im Geschäft mit den

erneuerbaren Energien herangewachsen.

Das Unternehmen ist

mittlerweile weltweit aktiv und

Kurvenfahrt: Voller Lenkeinschlag

auf der letzten Achse.


Bild: Universal Transport

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bearbeitet aber selbstverständlich

immer noch den angestammten

Heimatmarkt.

Heben, schweben und nach

der Kurve weiterfahren.

Bild: Universal Transport

Der Transport der

50,8 m langen Rotorblätter

beschäftigte die

Windkraftspezialisten

besonders.

Zahlreiche Windparks und

Fotovoltaikanlagen hat juwi seit

der Unternehmensgründung in

der Nordpfalz realisiert. Zahlreiche

weitere Windkraft-Projekte

wurden in den vergangenen

und werden in den kommenden

Monaten realisiert. Dabei zeigt

sich deutlich, welche Entwicklung

die Windenergieanlagen in

den letzten Jahren genommen

haben.

Im Windpark Nussbach oberhalb

von Waldgrehweiler zum

Beispiel, wo in den letzten Wochen

unter anderem zwei Repower-Anlagen

mit einer Nennleistung

von 3,4 MW errichtet

wurden. Den Auftrag für den

Transport von zehn Turmelementen,

zwei Maschinenhäusern,

zwei Turbinen, zwei Naben und

von sechs Rotorblättern hatte der

in Paderborn ansässige Schwerlastdienstleister

Universal Transport

übernommen. Von der Streckenerkundung

über die Ablaufplanung

hinsichtlich Anlieferung

und Entladung im Windpark

selbst, die Gestellung der Begleitfahrzeuge,

die Abstimmung mit

den Polizeidienststellen der einzelnen

Bundesländer bis hin zur

Einholung der erforderlichen

Ausnahmegenehmigungen (§ 70

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STM Nr. 44 | 2012 Schwertransportmagazin

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Ready for take off: Zwei Autokrane nehmen

ein Rotorblatt an den Haken.


Bild: Universal Transport

StVZO, § 29 StVO) für den Transport

und natürlich den Transport

selbst – dieser Auftrag war für

das Projektteam „Windkraft“

von Universal Transport eine besondere

Herausforderung, wobei

der Transport der 50,8 m langen

Rotorblätter die Windkraftspezialisten

von Universal Transport

wohl besonders beschäftigt hat.

Von Bremerhaven im Zickzack

durch das Ruhrgebiet bis hin

zur Anschlussstelle 52 – Gau-Bickelheim

– der A 61, nicht überall

dürfen die Sondertransporte

den direkten Weg nutzen, aber

es geht doch zumindest zügig

voran. Und auch die ersten rund

20 km von der Anschlussstelle bis

hin zur „Stadt“ Obermoschel, der

kleinsten Stadt der Pfalz, führt

der Weg recht unproblematisch

über die bis dahin recht gut ausgebaute

B 48/B 420.

Die Repower 3.4 M 104

Bild: HSMS

Mit der Repower 3.4 M 104 bietet Repower seit kurzer Zeit eine Anlage

in der attraktiven 3 MW Nennleistungsklasse. Auf http://windstammtisch.

de/ wird die Anlage als „eine der modernsten und leisesten Windenergieanlagen

ihrer Leistungsklasse“ beschrieben.

Tatsächlich sind solche moderne Windkraftanlagen in Design und Leistung

überhaupt nicht mehr mit denen zu vergleichen, die zum Beispiel

noch vor zehn Jahren errichtet wurden. Anlagen der Nennleistungsklasse

um 1 MW bis zu 1,5 MW wiesen Nabenhöhen von maximal 100 m auf,

die mit einem meist 3-teiligen Stahlturm erreicht wurde. 100 m aber war

die Grenze für die Stahltürme – nicht nur konstruktiv, sondern insbesondere

auch (Sondertransport-)genehmigungstechnisch.

Größere Nabenhöhen sind zum Beispiel mit sogenannten Hybridtürmen

realisierbar, bei denen der untere Teil aus Betonfertigteilen besteht, auf

die dann der Stahlturm aufgesetzt wird. Auch die im Windpark Nussbach

errichteten Repower-Anlagen weisen einen solchen Hybridturm auf. Die

unteren 60 m bestehen aus Betonhalbschalen, der obere Teil besteht aus

einem 3-teiligen Stahlturm, die Nabenhöhe der Anlagen beträgt 138 m.

Eine weitere Besonderheit dieser Anlage besteht darin, dass das Maschinenhaus

nicht mehr, wie bei Anlagen mit geringerer Nennleistung üblich,

komplett gefahren und montiert wird, sondern in zwei Teilen, dem Maschinenhaus

und dem Triebstrang. Bei Repower – aber auch bei anderen

Herstellern – hat man erkannt, dass es sinnvoll ist, die Transportgewichte

eher wieder zurückzuführen.

Insgesamt also erfordern moderne Windkraftanlagen mehr Transporte

und mehr Hübe, sodass die logistischen Anforderungen, insbesondere

der aus der Industrie bekannten Lieferung „just in time“ beziehungsweise

„just in sequence“ gestiegen sind.

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In Aktion

Teamarbeit: Hier muss sich der Fahrer auf den Einweiser verlassen können –

ein Stückchen noch!

Bild: Universal Transport

Die Ortsdurchfahrten wiesen an einigen Stellen

dermaßen enge Kurvenradien auf, dass sie mit

einer Gesamtzuglänge von gut 60 m auf keinen

Fall zu durchfahren waren.

Doch wie so oft bei Schwertransporten

kommen die ganz

großen Schwierigkeiten am Ende

– insbesondere, wenn es sich

um Windkrafttransporte handelt.

So verbrachte das Universal

Transport-Projektteam viel Zeit

in einer Region, in der andere

Urlaub machen. Doch irgendwann

kommt auch der erfahrenste

Pfadfinder nicht an ungewöhnlichen

Lösungen vorbei. Die

Kolonnenfahrt: Zunächst geht es noch aus

eigener Kraft nach oben, später wird noch

landwirtschaftliches Gerät eingesetzt.


Bild: HSMS

STM Nr. 44 | 2012 Schwertransportmagazin

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In Aktion

Bergankunft: Am Ziel geht dann der Asphalt aus.

Bild: HSMS

Ortsdurchfahrten wiesen an einigen

Stellen des Schlussabschnitts

dermaßen enge Kurvenradien

auf, da ist schon der Berufskraftfahrer

eines Standard-Sattelzugs

gefordert; mit einer Gesamtzuglänge

von gut 60 m waren diese

Kurven aber auf keinen Fall zu

durchfahren.

Die einzige Lösung bestand darin, die Rotorblätter

mittels jeweils zweier Krane anzuheben.

„Don´t worry, be heavy“ lautet

der Wahlspruch von Universal

Transport, doch dieses Mal musste

sich das Projektteam „Windkraft“

etwas richtig Ungewöhnliches

einfallen lassen. Die einzige

Lösung bestand nämlich darin, an

zwei Stellen die Rotorblätter mittels

jeweils zweier Krane anzuheben,

den Triple-Trailer einzuteleskopieren,

die Transporteinheit

so durch die Kurve zu fahren, den

Trailer wieder auszufahren und

neu zu beladen. An zwei Stellen

wurde diese Prozedur notwendig,

also zwölf Mal der gleiche Vorgang.

Vor Ort konnte man sich

Noch ein fliegender Flügel ....


Bild: Universal Transport

46 Schwertransportmagazin STM Nr. 44 | 2012


In Aktion

Ungewöhnliche Zugkombinationen aus Schwerlastzugmaschinen

und Traktoren sorgten immer

wieder dafür, dass alles seinen Bestimmungsort

im „Windpark Nussbach“ erreichte.

überzeugen, dass so etwas trotz

sehr beengter Verhältnisse und

zum Teil lediglich wenigen Zentimetern

„Luft“ dank guter Planung

praktisch wie am Fließband

funktionieren kann.

In Waldgrehweiler erfolgte

die zweite Umladeaktion, bevor

es einen Wirtschaftsweg hinauf

zum Windpark ging. War zuvor

vor allem fahrerisches Geschick

gefragt, waren an diesem

wahrlich beeindruckend steilem

Schlussanstieg Mensch und Maschine

gefragt. Um die Anlagenteile

aus dem Tal auf die Höhe zu

bringen, war bisweilen alles an

Motorleistung erforderlich, was

in der näheren Umgebung aufzutreiben

war. Ungewöhnliche

Zugkombinationen aus Schwerlastzugmaschinen

und Traktoren

sorgten immer wieder dafür, dass

alles seinen Bestimmungsort im

„Windpark Nussbach“ erreichte.

„Bei Sondertransporten gibt

es immer Unwägbarkeiten, zumal

bei der anspruchsvollen

Windkraftlogistik. Die Ablaufpla-

nungen und die Transportdurchführung

durch Universal Transport

darf man aber durchaus als

perfekt bezeichnen. Es stimmt:

Dieser Auftrag wurde durch

Universal Transport zur vollsten

Zufriedenheit aller Beteiligter erledigt“,

lobt Marco Dörfler, Repower

Global Logistics Transport,

gegenüber STM abschließend

die Arbeit des Schwertransportdienstleisters

aus Paderborn.

Und Holger Dechant, Geschäftsleitungsmitglied

der Universal

Transport-Holding spielt

den Ball zurück: „Ein solches

Projekt ist nur realisierbar, wenn

Betreiber, Hersteller, Behörden

und die Projektverantwortlichen

von Universal Transport eng

zusammenarbeiten. Insgesamt

möchten wir allen Projektbeteiligten,

unseren Projektverantwortlichen

sowie den Kollegen

„hinter den Kulissen“ und natürlich

insbesondere auch unseren

Berufskraftfahrern für diese Leistung

danken!“


STM

Das Unternehmen Universal Transport

Hauptsitz: Paderborn, gegründet 1953

Niederlassungen: insgesamt 18 (10 in Deutschland, 7 in Osteuropa,

und 1 in Brisbane/Australien)

Leistungsumfang: Die Universal Transport sieht sich als „Architekt

für Schwertransport“. Denn neben dem reinen Transport werden auf

Wunsch auch alle anderen Dienstleistungen angeboten (wie z. B. Verschiffung,

Verpackung etc.). Dieses umfasst auch die Organisation von

logistischen Schwerlastgütern weltweit.

Schwerlastspediteur mit eigenem Fuhrpark: 300 eigene Schwerlastfahrzeuge

Welche Schwergüter werden durch Universal Transport in erster

Linie befördert?

Straßenbahnen, Lokomotiven, „schienengebundene Fahrzeuge“ Betonfertigteile,

Großfahrzeuge wie Bau- und Landmaschinen sowie komplette

Windkraftanlagen und „alles was über den konventionellen LKW Transport

hinausgeht“ wie Industriemaschinen und Anlagen.

Firmenslogan: …don´t worry, be heavy!

Mitarbeiter: 500

Umsatz 2011: 110 Millionen Euro

®

Daten der Repower-Anlagen

in Nussbach:

Nennleistung:

Nabenhöhe:

Rotordurchmesser:

Rotorblattlänge:

Gewicht Maschinenhaus:

Gewicht Triebstrang:

3,4 MW / 50 Hz

128 m

104 m

50,8 m

61,5 t

53,5 t

Der Triebstrang einer REpower 3.4 M 104 –

unter Plane – wiegt 53,5 t.


Bild: HSMS

Alles drin.

Alles dran.

Alles besser.

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