Teil 1

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Teil 1

Erich Lehner IFF/Universität Klagenfurt

Wann wird der Mann ein Mann?

Elemente einer Jungensozialisation


Erich Lehner IFF/Universität Klagenfurt

Lernen von Geschlecht

• Kinder können sehr früh im ersten Lj

Geschlechterunterschiede wahrnehmen und zu

sich in Beziehung setzten

• dennoch ist erst ab der Schule eine

Geschlechtskonstanz merkbar, vorher ist noch

alles „im Fluss“

• Sie müssen lernen auf „jene Selbstrepräsentanzen

und Identifikationen, die sich als physisch

unmöglich oder als mit dem Geschlecht nicht

übereinstimmend erweisen“ (Fast) zu verzichten


Erich Lehner IFF/Universität Klagenfurt

Unterschiede im Verhalten

• Ein und dasselbe Verhalten eines Baby wurde als

Mädchen ängstlich und erschrocken charakterisiert

und als Bub ärgerlich

• Eltern sollten ihr Babys beschreiben: Mädchen

„lieb und herzig“, Buben „groß und stark“

• Mütter stimulieren Mädchen im ersten Lj eher

distal, Buben eher proximal; Väter durchgängig

eher proximal; in D konnte nur festgestellt werden,

dass Mütter und Väter Mädchen mehr distal

stimulieren


Erich Lehner IFF/Universität Klagenfurt

Männersprache-Frauensprache

• Für Männer sind

Gespräche

Verhandlungen in

einer hierarchisch

geordneten Welt, in

denen man die

Oberhand gewinnen

will oder sich

verteidigen will.

• Für Frauen sind

Gespräche

Verhandlungen über

Nähe, in denen man

Bestätigung und

Unterstützung geben

und erhalten möchte

und Übereinstimmung

erzielen will.


Männersprache-Frauensprache

• Unabhängigkeit

• Status

• Lösung

• Öffentlich

• Berichtssprache

• Information

• Intimität

• Bindung

• Anteilnahme

• Privat

• Beziehungssprache

• Interaktion

Erich Lehner IFF/Universität Klagenfurt


Familiäre Interaktion

• Väter haben einen direktiveren

Kommunikationsstil

• Väter bestimmen durch Geprächsinhalte

und lenken durch Fragen

• Mütter bemühen sich um eine

partnerschaftliche Gesprächsbasis

Erich Lehner IFF/Universität Klagenfurt


Familiäre Interaktion

• Mütter beschreiben und erklären mehr

• Väter sprechen mehr mit ihren Söhnen und

formulieren längere Sätze

• auch Mütter regen ihr Söhne vermehrt zum

weiterdenken und eigenem Tun an

• In Mutter-Tochter Beziehung steht

Anteilnahme und Gefühl vor Sachinhalten

Erich Lehner IFF/Universität Klagenfurt


Unterschiede in der Anwesenheit

• Nicht:

„Frauen machen Männer“

• sondern eher:

„Frauen erziehen durch physisch/psychische

Präsenz,

Männer durch

physisch/psychische Absenz“

• als Folge gesellschaftlicher männerdominierter

Strukturen

Erich Lehner IFF/Universität Klagenfurt


Erich Lehner IFF/Universität Klagenfurt

Engagierte Väter

• 42% der Versorgungsleistung bei arbeitenden

Eltern

• Vorschulkinder zeigen größere kognitive

Kompetenz, mehr Empathie und ausgeprägtere

Geschlechtsrollenmuster bzw.flexiblere

Geschlechtsrollenmuster

• Kinder von 6/7 reagierten mit besseren

schulischen Leistungen und sozialer Reife

• Söhne/Töchter im Alter von ca. 20 Jahren

erreichten Ausbildungsanforderungen besser

• Väter werden als unterstützend erlebt, wenn sie

sich im Haushalt engagieren


Erich Lehner IFF/Universität Klagenfurt

Dimensionen väterlicher Beziehung

• regelmäßige Zeit

• Anteil nehmende/gebende Kommuniaktion

• fürsorgliche Tätigkeiten


... „abwesende“ Vater

• ist der in Bezug auf die drei Dimensionen nicht

genügend verfügbare Vater

• Buben müssen ihre Identitätskrisen der Kindheit

allein, eventuell mit emotionaler Unterstützung der

Mutter durchstehen

• Buben entwickeln Männlichkeit nicht aus einer

nahen Beziehung, sie bleibt ein

– körper-, emotionsloses, abstraktes und überforderndes

Ideal

• männliche Identitätskrücken haben Bedeutung

Erich Lehner IFF/Universität Klagenfurt


Quelle: Bacher&Wilk 2000

Kinderbetreuung durch Väter

499 Mütter mit Kinder im Alter von 3 ½ J befragt:

• 89% der Väter helfen mit

• 30,6% der Väter betreuen Kind werktags mind. 0,5%

Stunden allein

• 14,4% der Väter betreuen Kind am Wochenende mind.

0,5 Stunden

• 3,1% während der ganzen Woche mehr als 20 Min.

• Väterliche Betreuung hängt von Berufstätigkeit der

Frau ab, am Wochenende ist sie bei berufstätigen und

nicht-berufstätigen niedrig


Erich Lehner IFF/Universität Klagenfurt

... „physisch abwesende“ Vater

• Es scheint, dass eine Vaterabwesenheit, die länger als

6 Monate dauert und bei Kindern die jünger als 6

Jahre sind, einen belastenden Faktor darstellt

• ... für Buben mehr als für Mädchen

• Nur was genau ist belastend?

– das Fehlen des zweiten Elternteils

– der ökonomische oder/und psychische Stress der

Alleinerzieherin

– das Gefühl der Vernachlässigung

– die Konflikte vor/nach der Trennung

• Aber:

Vaterabwesenheit kann auch ein Vorteil sein


Erich Lehner IFF/Universität Klagenfurt

Bedeutung von Mutter/Vater

• Bedeutung liegt in erster Linie in der Zahl Zwei

• Authentische Auseinandersetzung über die

weiblichen/männlichen Lebenswelten

• Bedeutung des Vater ist mehr als die der Mutter

von der Qualität der Interaktion abhängig

• und auch auch mehr als bei der Mutter von der

Qualität der Partnerbeziehung abhängig

• seine Bedeutung erhöht sich, wenn er Hausarbeit

macht


Bedeutung von Mutter

• Cheryll Benard/Edith Schlaffer:

– liebe, fürsorgliche Mutter

Schuldgefühle

– schwache und meist unterdrückte Mutter

Verachtung

– dynamische und lebenslustige Mutter

meiste Achtung

Erich Lehner IFF/Universität Klagenfurt


Erich Lehner IFF/Universität Klagenfurt

Geschlechtsspezifische

Bedeutung von Mutter und Vater

• Auf dem Hintergrund des Frauen zugeschriebenen Ideals

der Versorgung, könnte die Mutter die Chance sein, eine

selbstständige und unabhängige Frau zu erleben, die die

Tochter stärkt und den Sohn Respekt vor Frauen abfordert

• Auf dem Hintergrund einer distanten abstrakten

Leistungsmännlichkeit, könnte der Vater die Chance sein,

einen Mann nahe, körperlich und emotional zu erleben, der

dem Sohn männliche Anerkennung gibt und der Tochter

eine nahe Beziehung zu einem Mann jenseits von

Sexualität

• Weiblichkeit der Mutter/Männlichkeit des Vaters gewinnt

durch gesellschaftliche Verhältnisse ihre Wirkkraft


Peer-Groups

• ... Chance, im Kontakt untereinander flexibleres

Geschlechtsrollenverhalten auszuprobieren und zu

erlernen

• ... sehr oft dennoch Abgrenzung

– gegenüber Eltern, Vater, älteren Männern

– gegenüber anderen jugendlichen Männer, denen

gegenüber man sich mittels Ritualisierungen als Mann

erweisen muss

– gegenüber den Mädchen, die man als

Sexualpartnerinnen und aufgrund ihrer sozialen

fähigkeiten braucht, denen man nicht „hörig“ sein darf

Erich Lehner IFF/Universität Klagenfurt


Raumforderungen der

Geschlechter

• Verhältnis bei der Benützung öffentlicher

Spielplätze und Parks in Wien liegt bei 1:5 für

Mädchen und Buben (Benard/Schlaffer)

• An einer deutschen Schule beanspruchen Buben

10 mal so viel Platz wie Mädchen (Stöckli)

• Buben haben mehr Chancen zur Selbständigkeit

und Erforschung der Welt sie haben dabei aber

auch viel weniger moderierende Unterstützung

durch Erwachsene

Erich Lehner IFF/Universität Klagenfurt


Jungenarbeit

• Jungen brauchen erwachsene Bezugspersonen

beiderlei Geschlechts,

• ... die sich auf partnerschaftliche

Auseinandersetzungen mit ihnen einlassen

können

• ... die geschelchtsempathisch verstehen und

geschelchtsdekonstruktiv mit ihnen bearbeiten

• Die Forderung „mehr Männer in

Erziehungsprozessen“ ist keine Infragestellung

der Erziehungsqualität von Frauen sondern legt

den Fokus auf die Verantwortung von Männern

in der Sozialisation (Nachholbedarf)

Erich Lehner IFF/Universität Klagenfurt


Jungenarbeit

• Männliche nahe Bezugspersonen sollen

authentische Auseinandersetzung über

männliche Lebenswelten ermöglichen

• Durch eine genügend große Anzahl von

Männern im Fürsorge- und

Erziehungsbereich sollen langfristig die

hegemonialen Männlichkeitskonstruktionen

um die Elemente der Fürsorge

und sozialen Orientierung erweitert werden

Erich Lehner IFF/Universität Klagenfurt


Balancierte Männlichkeit

(Winter)

• Konzentration

• Aktivität

• Präsentation

• (kulturelle) Lösung

• Leistung

• heterosozialer Bezug

• Konflikt

• Stärke

• Integration

• Passivität

• Selbstbezug

• (kulturelle) Bindung

• Entspannung

• homosozialer Bezug

• Schutz

• Begrenztheit

Erich Lehner IFF/Universität Klagenfurt

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