Paula-Maurer-Preis - KS:NUE

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Paula-Maurer-Preis - KS:NUE

2. Preis

Schultüre

öffne dich

Offene Türen einrennen? Genau das hat das Projekt „Schultüre öffne dich“

bei der Jury getan.

Zeitraum

November 2012 bis August 2013

Kooperationspartner

Konrad-Groß-Schule

Das Papiertheater, Johannes Volkmann

VEB Kunstahl, Stuff Klier

TanzPartner Nürnberg

Kontakt

Das Papiertheater, Johannes Volkmann

Tel. 09 11 / 36 18 97

volkmann@dasPapiertheater.de

Ziele

Ziel ist es, am Lebensort Schule mitzuwirken und einen Impuls für offene,

Freude bringende Strukturen innerhalb der Schule zu setzen. Im Laufe einer

Arbeitswoche, in der Schülerinnen und Schüler einzelne Klassenzimmertüren

aufsägen und Fenster einsetzen, leben sie ein offenes Miteinander und

erlernen darüber hinaus handwerkliche Fähigkeiten.

Umsetzung

Das Projekt verlief in vier Phasen. Nach Absprachen mit der Schule und

mit Fachämtern, damit die Türen bearbeitet werden durften, traten

die Schülerinnen und Schüler in einen intensiven Arbeitsprozess. Eine

ganze Woche konnten sie im ehemaligen Milchhof der Schule an die

Umsetzung gehen und zwei neue Türen künstlerisch gestalten. In dem

dort eingerichteten Atelier bearbeitete eine 8. Klasse die Türen für Erstund

Drittklässler. Sie überlegten mit den Kindern, ob und wie die Türen

gesägt und auf welcher Höhe die Fenster eingebaut werden sollten.

Die Grundschülerinnen und -schüler beobachteten den Arbeitsfortschritt

ganz genau und kamen immer wieder in das Atelier.

Nach Einbau der Türen hielt der Kontakt zur Schule das ganze Schuljahr

über an. Der Anlass war der Einwand der zuständigen Behörde. Die Türen

mussten wieder ausgebaut werden. Die „verbotenen Türen“ wurden

in der Eingangshalle der Schule ausgestellt. Ein Hörspiel der Empörung

entstand. Im Sommer entwickelten die TanzPartner mit den Jugendlichen

in einem ganztägigen Block ein Tanztheaterstück, das im Festsaal des

Kunstkulturquartiers im K4 aufgeführt wurde.

Das Projekt der „offenen Türen“ soll auch in anderen Orten Bayerns

Schule machen. Coburg denkt bereits darüber nach.

Aus der Laudatio von Dr. Markus Kosuch

Die Idee, gelebte offene Strukturen nicht nur verbal als oft gebrauchte Floskel,

sondern auch real in offenen Türen abzubilden, hat überzeugt.

„Wie kann der Lernort Schule anders gestaltet werden? Wie kann das Miteinander

anders gelebt werden?“ Diese Fragen beschäftigten die Künstler Johannes Volkmann

und Stephan Klier. Doch bei Überlegungen über Kunst als Bild und Metapher blieb

es erfreulicher Weise nicht. In einer „Werkstatt für Demokratieprozesse und künstlerisches

Gestalten“ legten Schülerinnen und Schüler Hand an: Sie sägten Schultüren

auf und schufen damit Transparenz, Offenheit und Kreativität.

Die Jury hat überzeugt, dass dieses Projekt einen Prozess der Auseinandersetzung

in Gang gebracht hat, an dessen Ende etwas anderes herausgekommen

ist, als ursprünglich geplant war. Die Frustration, dass in den Klassenzimmern

wieder geschlossene Türen eingesetzt werden mussten, führte nicht zum

Abbruch des Projekts, sondern im Gegenteil zu seiner Weiterentwicklung.

Ein Hörspiel und ein Theaterstück entstanden.

Damit hat dieses Projekt gleich auf zwei Ebenen Modellcharakter:

1. Es übersetzt ein gesellschaftlich relevantes Thema, die Neugestaltung der Schule,

in einen künstlerischen Prozess. Und Kunst kann dabei etwas bewirken.

2. Projekte entwickeln eine Eigendynamik, wenn sie sich konsequent an den

Schülern orientieren. Sie erreichen dann auch andere Ziele als geplant.

Der Teufelskreis, dass, wenn auf Lust Widerstand folgt, dann nur noch Frust

entsteht, wurde exemplarisch durchbrochen. Als auf Lust Widerstand folgte,

mündete das in neuer Lust bzw. Lust auf Neues.

Letztendlich haben hier die Schülerinnen und Schüler Selbstwirksamkeit auf

unterschiedlichsten Ebenen erfahren, was ja durchaus keine Selbstverständlichkeit

in unserem Schulalltag ist.

Die Jury würdigt dieses Projekt und hofft, dass sich viele Nachahmer finden.

Schließlich könnte jede Schulklasse ihre Klassenzimmertür aufsägen und neu gestalten –

und so einen fruchtbaren Prozess der Auseinandersetzung in Gang bringen.

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