Ausgabe 04/2013 - Kulturnews

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Ausgabe 04/2013 - Kulturnews

04 2013 Depeche Mode | Suede | Peter Plate | Paramore | Bosse | Liedfett | Steve Hackett ´ | David Vann | Filmfestival goEast

Es geht wieder Loos!


LIVE AUS DER OPÉRA BASTILLE

DIE DRITTE SINFONIE

VON GUSTAV MAHLER

JOHN NEUMEIER

BALLET DE L´OPÉRA

GUSTAV MAHLER

MUSIK

JOHN NEUMEIER

CHOREOGRAFIE

Photo: Sébastien Mathé/ONP

Neumeiers gefeiertes Ballett live aus Paris

Am 18. April um 19.15 Uhr

auf der großen Kinoleinwand

Mehr Infos und Tickets unter

www.UCI-KINOWELT.de

oder über die UCI App.

KINOWELT


Artwork

Fotos: Helene Thirstrup Wilson

Es wirkt auf den ersten Blick unnatürlich, das Cover des neuen Albums der

dänischen Alternativeband Surfact. Ein echter Hingucker jedenfalls – und gar

nicht leicht hinzukriegen. „Wir wollten ein einfaches, klares und zugleich ein

wenig verrücktes Motiv“, erzählt die Fotografin Helene Thirstrup Wilson.

„Das Model musste flexible Muskeln haben, also habe ich meinen besten

Freund, einen Hochschullehrer, gefragt, ob er keinen Studenten mit Megawaschbrettbauch

kennt – und er kam an mit Mike, einem Karatemeister und

Fitnesspsychopathen. Die Session hat trotzdem ewig gedauert, weil es viel

schwieriger war als gedacht, diese Verbiegung hinzukriegen. Wir haben jedenfalls viel gelacht –

und Mike war am Ende völlig fertig.“ Das Album „Feeding the Beast“ ist seit 1. März erhältlich.

mw

3


Impressum

Inhalt

KULTURNEWS erscheint monatlich und wird herausgegeben

und verlegt von der bunkverlag GmbH

Zeisehallen, Friedensallee 7–9, 22765 Hamburg

VERLAG

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VERLEGER

Uwe H. Bunk

CHEFREDAKTEURIN

Dr. Jutta Rossellit (v.i.S.d.P.)

ART DIRECTOR

Nils Heuner (nh)

Foto: Warner

Suede 12

REDAKTION

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Leser-E-Mail leser@bunkverlag.de

Artists

MUSIK Matthias Wagner (mw)

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DVD Ellen Stickel (es)

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ENTERTAINMENT Jürgen Wittner (jw)

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KINO Volker Sievert (vs)

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LITERATUR Carsten Schrader (cs)

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LIVE Lasse Nehren (lan)

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KUNST + THEATER Falk Schreiber (fis)

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GRAFIK Juliane Kruschke, Lennart Vitting

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SALES DIRECTOR Helge Löbel (v.i.S.d.P.)

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SALES MANAGER

Julia Hönel, Lore Kalamala, Susanne Korn,

Jürgen Peters, Petra Schaper, Skadi Schmidt

DISPOSITION + KOOPERATIONEN Esther Ahrens

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ABO/LESERSERVICE Maike Göttsche

fon -10 | E-Mail mgoettsche@bunkverlag.de

WEITERE BEITRÄGE DIESER AUSGABE

Marcel Anders (ma), Katharina Behrendsen (kab),

Michael Fuchs-Gamböck, Ron Haller (ron), Nils

Heuner (nh), Dagmar Leischow, Nadine Lischick (nl),

Jörg A. Noll (jan), Dr. Justus Noll (jn), Danja Prahl

(dpp), Henning Richter, Steffen Rüth, Axel Schock

(ascho), David Siems (ds), Franz X.A. Zipperer (fxaz)

Praktikantinnen und Praktikanten: Marie Bohr (mb),

Samanta Hoffmann (sho), Manuel Weißhaar (mwe)

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die

Meinung des Herausgebers oder des Verlags wieder. Für unverlangt

eingesandte Materialien kann keine Gewähr übernommen werden.

Die Urheberrechte für Anzeigen, Entwürfe, Fotos, Vorlagen sowie der

grafischen Gestaltung bleiben beim Verlag und können nur mit dessen

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können nur frei abgedruckt werden; der Verlag setzt bei Eingang

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Foto Titel: Jonny Soares

3 Artwork

6 News

10 Silly

Herz über Kopf

12 Suede

Die Fehler der anderen

14 OMD

Mit voller Kraft

ans Werk

16 Peter Plate

Alles bewegt sich

18 Depeche Mode

Nichts dran am Blues

20 Ólafur Arnalds

Dazwischentöne

22 Paramore

Schritt zurück nach vorn

24 Liedfett

Betrunken im

Schienenersatzverkehr

26 Lily Dahab

Der schöpferische Blick

28 Youn Sun Nah

Die Entdeckung

der Langsamkeit

30 Civil Twilight

Überleben in Nashville

32 Madeleine Peyroux

Der Abgrund rumort

54 goEast – Festival des

mittel- und osteuropäischen

Films

Quellen der Kreativität

62 David Vann

Ein kleines bisschen

Hölle


Inhalt

Foto: BMG Rights

Foto: Herzog Records

14 26

OMD Lily Dahab

Foto: Sung Yull Nah

Youn Sun Nah

28

Releases

Events

44 Plattenkritiken

Rock

Pop

Black Music

Folk & Country

Dance & Elektro

Jazz & Roots

Klassik

55 Filmkritiken

55 Kinofilme

59 DVD

67 City+

68 Entertainment

70 Theater

72 Klubs + Konzerte

80 Ausstellungen

34 Tourneen

66 Lesungen

66 Eventtipps

63 Buchkritiken


Musik

„Mädchen!

Ich liebe Mädchen!“

Alle halten das US-Stimmwunder Josh

Groban (32) für Schwiegermutters

Liebling, und das nervt. Zumindest ihn.

Josh, du warst noch ein Teenager, als deine Karriere begann. Verfolgst

du, wie sich andere Kids in deiner Branche so schlagen mit dem

Erwachsenwerden?

Josh Groban: Ja, das fasziniert mich total. Ich staune, wie manche

jungen Leute völlig kontrolliert werden, während andere komplett

durchdrehen. Ich kann einem Justin Bieber nicht verdenken, dass er

jetzt auch mal über die Stränge schlägt.

Bei dir war es natürlich einfacher, weil du mit deiner Stimme und der

Mischung aus Klassik und Pop von Anfang an ein älteres Publikum

angesprochen hast.

Groban: Aber ich musste mich auch abnabeln! Es wird immer noch

überall gesagt: Ach, der Groban, der ist so lieb und so brav …

Stimmt doch auch, oder?

Groban: Wenn du wüsstest! Kurz bevor du gekommen bist, habe ich

schnell die Drogen und die Huren aus dem Zimmer geworfen … Nein,

Blödsinn: Es stimmt, dass ich immer eine gewisse Kontrolle behalten

habe über mein Leben, und ich habe auch nie die Paparazzi angerufen,

bevor ich aus dem Haus gegangen bin. Aber die meisten sagen

„guter Bursche“ und meinen „langweiliger, öder Typ“. Das nervt.

Josh Groban

Foto: Warner

Also lässt auch ein Josh Groban mal die Sau raus?

Groban: Ich mag schnelle Autos, liebe Whisky und rauche hin und

wieder sogar eine Zigarre – hab ich was vergessen …? Mädchen! Ich

liebe Mädchen! Und als Single, der in New York lebt, lerne ich ganz

schön viele kennen. Du siehst: Auch wenn ich die Stimme eines Engels

habe, bin ich kein Musterknabe, sondern ein ziemlich gewöhnlicher

Kerl von 32.

Interview: Steffen Rüth

All that Echoes ist seit kurzem auf dem Markt.

Begründete Maskerade

Die Klamotten von H&M gelten – ähnlich wie die Trends,

die sie kreieren – als wenig haltbar. Außerdem steht die

Firma im Ruch, ihre Billigteile unter fragwürdigen

Bedingungen in Asien zusammenstricken zu lassen.

Nach Recherchen des Wochenblatts Die Zeit kommen

die H&M-Textilarbeiter dort auf einen Verdienst von

1,18 Euro – pro Tag. Kein Problem für den Erfolgsrapper

Cro: Er präsentiert eine eigene H&M-Linie mit T-Shirts,

Leggings, Tanktops und Stoffbeuteln. Immerhin hat der

Stuttgarter jetzt endlich einen echten Grund, sich hinter

seiner Pandamaske zu verstecken. (mw)

Cro

Foto: Delia Baum

6


Musik

„Kanye West ist nicht gut fürs

Ego: Du hängst einmal mit ihm

ab – und schon fragen dich alle

nur nach ihm.“

Prince

Foto: Montreux-Festvial

Ausnehmend einnehmend

Die Poplegende Prince machte sich zuletzt rar. Dafür steht

Montreux in diesem Sommer ein Prince-Overkill bevor. Der

Kleine aus Minneapolis wird nämlich beim 47. Montreux-

Festival an gleich drei Abenden in Folge auftreten (13.–15.

7.). Der Kartenpreis ist gesalzen: umgerechnet 142 Euro

pro Show – für einen Stehplatz. Wer „Purple Rain“ gar sitzend

genießen will, muss richtig blechen, nämlich 321

Euro. So viel muss es einem Fan eben wert sein, wenn

Festivalgeschichte geschrieben werden wird – und davon

geht man in Montreux schon mal präventiv aus, wie der

entsprechenden Pressemeldung zu entnehmen ist. (mw)

James Blake im aktuellen uMag. Sein Album „Overgrown“ erscheint

am 5. April.

Foto: Universal Music

JETZT IM HANDEL

WWW.CHAKUZA.DE


Musik

Hitlos ins Pantheon

Bob Dylan (71) ist in die hochrenommierte American Academy of

Arts and Letters aufgenommen worden. Da die festgelegte

Höchstgrenze von 250 Mitgliedern schon erreicht war, erhielt

der Songpoet die Ehrenmitgliedschaft – und befindet sich

nun in Gesellschaft von Namen wie Christo, Roy

Lichtenstein, Philip Roth oder Duke Ellington. Rein

zufällig ist Ende März mit der 3-CD-Box „The Real

Bob Dylan“ auch seine ungefähr dreizehnte offizielle

Hitkopplung erschienen – nicht schlecht für einen,

der die Charts selbst nie von ganz oben sah. (mw)

Bob Dylan

Foto: Jerry Schatzberg

Rosenstolz zerstreut sich

AnNa R

Foto: Universal Music

Alles (endgültig) neu macht der Mai: Nachdem Peter Plate sein

Solodebüt vorlegt (mehr auf S. 16), wird AnNa R demnächst kontern.

Zwei Jahrzehnte lang hatten die beiden Berliner höchst erfolgreich

das Deutschpopduo Rosenstolz betrieben. Nun veröffentlicht

die Sängerin mit der Band Gleis 8 im Mai eine eigene Single – trotziger

Titel: „Wer ich bin“. „Auch wenn es 20 Jahre gut geklappt hat

mit uns“, sagt AnNa R, „möchte ich als Sängerin nun auch meine

eigenen Gedanken loswerden.“ Zum direkten Zweikampf in den

Charts wird es aber wohl nicht kommen – außer wenn Plate sich

wochenlang in relevanten Regionen halten sollte. (mw)


Musik

Foto: Phrank

Flea

Foto: H’Art

Gute Frage

Aus dem Leben eines Flohs

Es gibt diesen alten Witz: Aus Spaß wurde Ernst, und

Ernst ist heute sechs Jahre alt. Ähnlich erging es Flea,

dem tätowierten Bass- und Muskelmann der Red Hot

Chili Peppers. Eigentlich wollte der 51-Jährige damals

nur einen Mitarbeiter die Tontechnik zeigen, doch heute,

sechs Jahre später, ist aus dem Herumspielen sein erstes

Solowerk geworden. Die zwischen Avantgarde, Ambient

und Klavierballaden pendelnde Vinyl-EP läuft zwar nur

26 Minuten, aber Flea kann mit Recht eins behaupten:

dass aus Spaß Ernst geworden ist. (mw)

… an Caroline Hervé alias Miss Kittin

Caroline, du bist seit fast 20 Jahren als DJ unterwegs. Hast du die Clubs

nicht langsam satt?

Caroline Hervé: Das ist mein Job, und wie jeder Büroarbeiter habe ich manchmal

keine Lust. Nur habe ich leider keine Vertretung, wenn 500 oder tausend Leute im

Club auf mich warten. Aber nachdem ich mal heulend am Flughafen zusammengebrochen

bin, weil ich nicht mehr wusste, was genau ich da eigentlich mache und

komplett überarbeitet war, gönne ich mir pro Monat ein freies Wochenende. Letzten

Samstag habe ich meinen Pyjama eingepackt und bin zu einer Freundin gefahren,

wo wir uns Filme angeschaut haben. Das war besser als jede Clubnacht.

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Poprock

Herz über Kopf

Vom Fan zum Bandmitglied: Anna Loos liebte schon vor ihrer DDR-Flucht die Band

Silly, 2010 stieg die preisgekrönte Schauspielerin dann als Sängerin ein – und führt den

Erfolgsweg fort. Ein Interview über Druck, Streitkultur und Vaterlandsliebe.

Anna, fühlst du dich eher als Schauspielerin oder Sängerin?

Anna Loos: Ich bin Schauspielerin mit Leib und Seele, zum Glück kann

ich mir meine Projekte mittlerweile aussuchen. Die nächsten fünf Jahre

habe ich eine grobe Planung, 2013 hab ich mir – bis auf einen Film – für

die Band frei gehalten. 24 Monate haben wir hart am Album gearbeitet,

wir lagen uns in den Armen und hingen in den Seilen, weil wir am Ende

völlig geschafft waren.

Sind Silly wieder eine Band?

Loos: Gemeinsam sind wir Silly, und dieses Jahr ist Band angesagt. Im

Westen kennen uns viele noch nicht, für die neuen Fans sind auch die alten

Songs neu.

Ritchie Barton: Vor „Alles rot“ hatten wir zehn Jahre Pause, in denen Uwe

und ich für Theater und Film komponiert haben. Ein Bandalbum zu machen

ist etwas anderes, wir mussten uns wieder reinfinden.

Für das neue Album „Kopf an Kopf“ hat Anna zehn Songtexte geschrieben.

Loos: Wenn man seine eigenen Gedanken zu Texten macht, wirken die

Lieder authentischer. Also habe ich, mithilfe eines befreundeten Texters,

selber geschrieben.

Uwe Hassbecker: Schon bei „Alles rot“ hatte Anna den Wunsch, sich mehr

einzubringen. Aber das ist eine Entwicklung, die Zeit braucht. Jetzt ist der

Wunsch wahr geworden.

Anna, worum geht es in „Blutsgeschwister“?

Loos: Ich war 17, als ich mit meiner besten Freundin geflohen bin. Dieser

Song berichtet auch von unserem Gang durchs Minenfeld. Hinterher sind

wir unserer Wege gegangen und haben uns total auseinandergelebt. Das

hat echt weh getan.

Im Stück „Im Kreis“ stellst du dir vor, als spießige Oma zu enden …

Loos: Spießig aus jugendlicher Sicht. Ich glaube nicht, dass ich mich selbst

irgendwann für spießig halte, aber meine Kinder tun das heute schon.

Manchmal fühle ich mich wie 18, doch für sie bin ich eine alte Frau. Bei

meinen Enkeln wird’s wahrscheinlich noch schlimmer werden … Deshalb

stelle mir vor, wie ich spießig, alt und fett Apfelkuchen backe.

In „Vaterland“ hingegen geht es um die unheilige deutsche Tradition der

Waffenexporte – mit der Frage: „Wie lieb ich son Land?“ …

Loos: Der Text stammt von Werner Karma (dem einstigen Stammtexter von

Silly, Die Red.), es ist eins meiner Lieblingslieder. Es gab immer kritische

Songs von Silly, das ist wichtig für die Band, weil wir die Gesellschaft kritisch

betrachten.

Barton: Wir hatten mit dem Begriff „Vaterland“ unsere Probleme. Ich weiß

gar nicht, was Vaterlandsliebe sein soll. Meine Ehefrau stammt aus Bulgarien,

die versteht nicht, dass wir nicht haben, was alle europäischen Länder

haben. Aber wegen unserer Vergangenheit geht es eben nicht.

Loos: Dabei lieben wir unsere Heimat, wir lieben Berlin und Europa. Wir

haben eine tolle Kultur, es gibt hier großartige Komponisten und Schriftsteller.

Ich bin froh, dass ich in dieses Land hineingeboren wurde! Aber es

existieren Altlasten. Im Zweiten Weltkrieg haben Leute viel Geld mit Waffen

verdient. Diese Leute gibt es immer noch, sie produzieren immer noch

Waffen, aber niemand spricht über sie.

Wie war eigentlich eure Zusammenarbeit bei „Kopf an Kopf“?

Hassbecker: Dickköpfig …! Wo gehobelt wird, fallen Späne – und bei uns

wurde gehobelt. Es gab natürlich auch einen gewissen Druck, den der

Erfolg von „Alles rot“ erzeugt hat. Man versucht nicht daran zu denken, aber

irgendwie sitzt der einem doch im Nacken.

Loos: Wir sind vier Individualisten, jeder hat eine eigene Meinung.

Es heißt, über Geschmack lässt sich nicht streiten.

Jäcki Reznicek: Aber man kann sich annähern in der Diskussion, ein

kreativer Streit bringt schon etwas.

Loos: Wir sind immer glücklicher herausgekommen, als wir hineingegangen

10


Poprock

Foto: Jonny Soares

Silly

Anna Loos und Jäckie Reznicek (b), Ritchie Barton (keyb), Uwe Hassbecker (g)

sind – am Ende sind die Songs besser geworden, weil es diesen Streit gab.

Hassbecker: Wir haben in den letzten Jahren viel über Streitkultur gelernt.

Zum Beispiel, dass man das nicht per E-Mail macht, sondern im persönlichen

Gespräch.

Barton: Ich finde, wir haben uns nicht gestritten, sondern hatten nur unterschiedliche

Meinungen – das ist doch ganz normal.

Hassbecker: Das Ziel war allen klar, nur die Wege dahin waren verschieden.

Für eine Poprockband habt ihr einen verblüffend griffigen Sound.

Barton: Das ist doch geil! Fakt ist, dass wir uns zu jedem Album – auch zu

früheren Platten – Statements wie diese anhören mussten: „Live seid ihr der

Oberhammer! Auf den Alben fehlt euch die Kraft.“ Vielleicht haben wir es hier

geschafft, näher an unsere Livekraft zu kommen.

Silly wurde 1978 gegründet und hat eine lange und verschlungene Geschichte.

Das wird bei „Blinder Passagier“ deutlich. Der Text stammt noch

von Tamara Danz, eurer verstorbenen ersten Sängerin.

Loos: Sie wird immer ein Teil von Silly bleiben, durch Tamara Danz bin ich

zum Fan geworden. Sie mitzutragen, wie in diesem Text, finde ich genial.

Hassbecker: Auf der Suche nach Ideen für Songs habe ich den Text in

Tamaras altem Computer gefunden.

Loos: Es geht um Kinder. Es ist großartig, dass sie ihre Gedanken so bündeln

konnte, ohne selber Kinder zu haben.

In dem Text heißt es lakonisch: „So sind wir geboren/so bleiben wir“. War

Tamara pessimistisch?

Barton: Das war ihre Sicht. Kinderkriegen hat sie – wie vieles andere auch –

kritisch gesehen.

Loos: Es ist ein Song, der viel über sie sagt. Wir finden es gut, dass sie dabei

ist. Andererseits sind wir der Meinung, dass man sie irgendwann auch mal

in Ruhe lassen muss. Wenn das so natürlich entsteht wie hier, ist es okay.

Und irgendwann ist sie vielleicht nicht mehr da – und dann ist es auch okay.

Kopf an Kopf ist Ende März erschienen.

Interview: Henning Richter

kulturnews präsentiert

12. 5. Köln – 14. 5. Hannover – 15. 5. Dortmund – 17. 5. Bremen –

18. 5. Hamburg – 21. 5. Stuttgart – 22. 5. Saarbrücken – 31. 5.

Neubrandenburg – 1. 6. Cottbus – 7. 6. Chemnitz Wasserschloss –

8. 6. Sondershausen ? – 14. 6. Schwerin – 15. 6. Dresden – 21. 6.

Leipzig – 21. 7. München – 17. 8. Berlin

11


Britpop

Suede

Blick zurück im Zorn: Suede mit Brett Anderson (rechts)

Die Fehler der anderen

Britpop braucht ein großes Ego: Brett Anderson weiß ganz genau, warum das Comeback

seiner Band Suede großartig ist.

Brett, habt ihr euch das mit der Comebackplatte auch gut überlegt? Jetzt

müsst ihr wieder ständig über Britpop und die 90er reden …

Brett Anderson: Niemand will einer bestimmten Szene zugerechnet werden,

alle wollen einzigartig sein. Aber ich habe mit dem Thema kein Problem. Auch

wenn ich keine großartige musikalische Verbindung zu den anderen Bands

der damaligen Zeit sehe, lag doch eine besondere Energie in der Luft, die auch

uns befeuert hat. Die von der Musikindustrie designten Popacts konnte niemand

mehr ertragen. Alle haben sich nach interessanten Bands gesehnt, und

damit kamen auch bei den Musikern die Ambitionen zurück. Man konnte

interessant und bedeutungsvoll sein und – trotzdem viele Platten verkaufen.

Und so sind wir damals von den Pubs in die Charts gewechselt.

Siehst du heute eine ähnliche Situation, die eine Rückkehr nach elf Jahren

Plattenpause besonders reizvoll gemacht hat?

Anderson: Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, was gerade angesagt ist,

und ich interessiere mich auch einen Dreck für den sogenannten Zeitgeist.

Meiner Meinung nach wurden Suede nie ersetzt. Vielleicht wollte das keiner,

vielleicht konnte das aber auch keiner. Warum sollte ich mir jetzt von einer

Social-Media-Agentur eine Marketingstrategie entwickeln lassen, die an

aktuelle Trends andockt? Wer dramatische und düstere Gitarrenmusik sucht,

der wird uns finden.

Aber ihr habt bestimmt die fehlgeschlagenen Comebackversuche der

anderen Britpopacts wie etwa den Absturz von The Verve genau studiert,

um es mit „Bloodsports“ besser zu machen.

Anderson: Natürlich, allerdings konnten wir aus den Fehlern der anderen

nur ablesen, wie man es nicht macht, weil es kein positives Leitbild für

eine gute Comebackplatte gab. Bestenfalls vielleicht noch Echo & The

Bunnymen.

Was ist mit My Bloody Valentine?

Anderson: Ich habe die Platte noch nicht gehört, aber was bisher so im

Radio lief, hat mir gut gefallen. My Bloody Valentine waren allerdings nie

richtig weg. Die Platte war ja angekündigt – sie haben halt nur 25 Jahre

gebraucht, um sie aufzunehmen …

Vielleicht wird es ja auch noch neue Alben von Blur und Pulp geben.

Anderson: Wer weiß. Vielleicht wollten sie mit ihrem alten Material aber

auch nur noch mal Geld verdienen. Bei vielen anderen Bands aus den

90ern hat es ja so funktioniert: Man geht noch mal zusammen auf Tour,

verkauft möglichst viele Shirts – und dann geht man wieder auseinander,

weil man sich eigentlich gar nicht mag.

Vor „Bloodsports“ wart ihr auch zweieinhalb Jahre lang mit euren alten

Songs auf Tour.

Anderson: Durch die Konzerte haben wir erst wieder ein Gefühl dafür

bekommen, was Suede ausmacht. Eigentlich war nur ein einziger Auftritt

geplant, aber bei dem haben wir dann gemerkt, wie sehr wir die gemein-

12


Britpop

Foto: Warner

samen Shows vermissen. Und jetzt wollten wir die bei den Konzerten

freigewordene Energie für ein neues Album nutzen. Die Aufnahmen sollten

sich so anfühlen, als ob wir „So young“ oder „Trash“ live spielen.

Aber dann war es im Studio trotzdem noch harte Arbeit, bis wir endlich

wieder wie wir selbst geklungen haben.

Stimmt es, dass die ersten Versuche nach Postpunk geklungen haben?

Anderson: Die ersten Stücke waren deutlich rhythmischer und brutaler,

weil wir nicht wahrhaben wollten, dass es bei Suede immer um große

Melodien geht. Wir mussten erst wieder lernen, dass man auch

Mitsingmelodien schreiben kann, die nicht uncool sind.

„Bloodsports“ ist eure sechste Platte. Ihr würdet sie aber gern als eure

vierte sehen, weil ihr mit den letzten beiden im Nachhinein ziemlich

unglücklich seid, oder?

Anderson: Damals haben wir falsche Entscheidungen getroffen. Erst

ging es um Drogen, und dann wollten wir eine Band sein, die wir nicht

waren. „Head Music“ war nur zur Hälfte schlecht, da sind auch Songs

wie „Can’t get enough“ oder „She’s in Fashion“ drauf, die ich auch heute

noch liebe. Aber ich will die Bandgeschichte nicht umschreiben und so

tun, als hätten wir nur Meisterwerke veröffentlicht. Suede ist eine

ehrliche Band, die auch Fehler eingestehen kann.

Interview: Carsten Schrader

Copyright©2012 Southern Comfort. All rights reserved. Southern Comfort is a registered trademark.

GENUSS AUF

UNBESCHWERTE ART

MIX YOUR SOUTHERN!

Scannen, entdecken, genießen.

Bloodsports ist seit Mitte März im Handel.

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Bitte genieße Southern Comfort

verantwortungsbewusst.

www.southerncomfort.de


Elektropop

Foto: Tom Oxley

OMD

Mit voller Kraft ans Werk

Die 53-jährigen Briten Andy McCluskey und Paul Humphreys waren schon 1978,

bei der Gründung ihrer Band OMD, Fans von Kraftwerk. Doch erst jetzt verneigen

sie sich vor ihren Helden – und zwar sehr tief.

Paul, Andy, warum bevorzugt ihr eigentlich elektronisches Instrumentarium?

Paul Humphreys: Zunächst mal versuchen wir, den Maschinen Menschlichkeit

einzuhauchen, das ist oberstes Kriterium. Wir sind fasziniert von den

unendlichen Möglichkeiten, die man mit moderner Elektronik hat – und

klingen dennoch nie seelenlos, wenn wir unseren Maschinenpark anschmeißen.

Aber: Eine Gitarre ist eine Gitarre ist eine Gitarre. Sie ist in

ihren Ausdrucksmöglichkeiten sehr beschränkt. Das interessiert uns nicht.

Im Vergleich zum Vorgängeralbum „History of Modern” von 2010 habt ihr

den Nachfolger gemeinsam in einem Studio aufgenommen. Warum?

Humphreys: Wir haben festgestellt, dass wir nur dann organische Musik

aufnehmen können – und das ist nun mal unser Hauptanspruch –, wenn

wir gemeinsam in einem Studio werkeln. Wenn man an zwei verschiedenen

Orten in der Welt sitzt und lediglich am Rechner Dateien hin und her

schiebt, hat das nichts Emotionales mehr.

So nah am Kraftwerk-Sound wie auf euer aktuellen Scheibe wart ihr noch

nie. Warum ist diese Band eine so gewaltige Inspirationsquelle für euch?

Andy McCluskey: Ihr ungewöhnliches Konzept, Mensch und Maschine auf

gleiches Niveau zu stellen, auch auf herkömmliches Rockinstrumentarium

14


Elektropop

wie Gitarre, Bass oder Schlagzeug weitgehend zu verzichten, war und

ist eine Blaupause für uns. Wobei wir Kraftwerk nicht hündisch

verehren, sondern genügend eigene Ideen für Lieder besitzen. Aber

ganz klar: Die Düsseldorfer waren die großen Idole unserer Jugend,

wir haben ihre Platten gespielt, bis sie zerbröselt sind. Ich kenne bis

heute keine innovativere Gruppe.

Auf der einen Seite bezeichnet ihr euch als glühende Verfechter eines

von Technologie durchdrungenen Futurismus, auf der Textebene wirkt

ihr aber wie hoffnungslose Nostalgiker. Seid ihr schizophren …?

McCluskey: Ich fürchte, ja! Aber wir stehen dazu. Denn wir sind

eingefleischte Melancholiker. Und solche Leute sind nun mal rückständig,

weil sie der Welt ständig erzählen, dass früher alles besser,

da menschlicher war. Das tun wir seit Urzeiten. Wir wollen es

heimelig! Seltsam, nicht wahr?

Das ist es – wobei ihr auch immer für euren Hang zur Ironie

berühmt-berüchtigt wart.

McCluskey: Ja, schwarzer Humor ist überlebensnotwendig, wenn

man diese merkwürdige Existenz halbwegs ertragen will. Da wir tief im

Inneren beinharte Humanisten sind und gleichzeitig sehen, wie die

Menschheit sich mehr und mehr selbst entmenschlicht, muss man zum

Fatalisten werden, um das zu ertragen.

Ihr habt immer wieder darauf hingewiesen, dass der Mut zum Experiment

ein wichtiger Aspekt eurer Arbeit ist. Wo findet man den denn

auf „English Electric” …?

Humphreys: Vielleicht hört man den nicht mehr ganz so gut raus wie

auf unseren früheren Werken, das gebe ich zu. Und trotzdem

behaupte ich, dass wir Melodien kreieren, die bei aller Harmonie den

Hörer immer wieder überraschen. Und immer wieder zerstören wir

gerne mal die eine oder andere Melodie, wenn sie uns zu rührselig und

angepasst vorkommt. Alte Kraftwerk-Schule eben.

KASHMIR

New album „E.A.R.“ out now!

www.kashmir.nu

// ON TOUR

09.04. Hamburg - Übel & Gefährlich

13.04. Köln - Gebäude 9

18.04. München - Hansa 39

20.04. Berlin - Postbahnhof

THE STROKES

Neues Album „COMEDOWN MACHINE“

Ab 22. März überall erhältlich.

www.thestrokes.com

Im Mai spielt ihr fünf Konzerte in Deutschland. Gibt es einen großen

Unterschied zwischen OMD live und im Studio?

Humphreys: Wir lieben es, live zu spielen! Selbst wenn ich nicht

recht weiß, was der Unterschied zwischen OMD auf der Bühne und

auf Platte ist. Egal – Hauptsache, alle Anwesenden haben einen vergnüglichen

Abend.

McCluskey: Ansonsten kann ich nur sagen, dass vor allem unsere

heftig pubertierenden Kinder für unsere Liveaktivitäten verantwortlich

sind. Die sind froh, wenn wir Alten aus dem Haus sind und sie in Ruhe

lassen. Da ist eine Tournee die lustigste Lösung, um uns rar zu

machen.

Interview: Michael Fuchs-Gamböck

21. 5. Hamburg – 22. 5. Bielefeld – 24.5. Berlin – 25. 5. Leipzig

– 27. 5. Köln

English Electric kommt am 5. April in den Handel.

15


Klassikpop

Ólafur

Arnalds

Foto: Marino Thorlacius/Mercury Classics

Dazwischentöne

Der isländische Komponist Ólafur Arnalds, 25, ist ein Leisetreter

mit Hang zum Bombast – und treibt Plattenhändler zur Verzweiflung.

Ólafur, die Arrangements auf deiner CD „For now I am Winter“ sind erstaunlich

opulent.

Ólafur Arnalds: Ich habe in der Vergangenheit relativ viele Stücke und

Soundtracks komponiert und irgendwann gemerkt, dass meine Musik

immer vorhersehbarer wurde. Das hat mich angespornt, meinen Sound

neu zu erfinden. Daraus wurde dann halt eine Aufnahme mit Orchester.

War es dein Plan, deutlich vom Minimalismus abzurücken?

Arnalds: Ich habe nach anderen Ausdrucksmöglichkeiten gesucht. Jetzt

leben meine Werke von ihrer Gegensätzlichkeit. Es gibt sehr reduzierte

Passagen, die allein von einer Geige getragen werden. Ihnen gegenüber

steht der orchestrale Pomp. All das verbindet sich zu komplexen Texturen.

Ordnest du dich eher der Klassik oder dem Pop zu?

Arnalds: Für mich fließen beide Genres zu gleichen Teilen ein. Damit treibe

ich die CD-Händler zur Verzweiflung. Mal sortieren sie meine Alben

unter Alternative ein, mal unter Klassik …

Vermutlich assoziieren dich viele wegen deines Kompositionsstudium automatisch

mit E-Musik.

Arnalds: Ja, aber ich war doch nur ein gutes Jahr an der Uni! Schon bald

habe ich Schwierigkeiten bekommen mit den festgefahrenen Vorstellungen

meiner Professoren. Für sie hat einzig das Formale gezählt, den emotionalen

Aspekt eines Stücks haben sie total vernachlässigt. Dabei sollte eine

Melodie von Herzen kommen, sie darf nicht bloß eine rein intellektuelle

Notenfolge sein.

Hast du beim Komponieren eigentlich bestimmte Bilder im Kopf?

Arnalds: Nein. Vom Grundton her ist meine Musik melancholisch. Trotzdem

kann man stets einen Hoffnungsschimmer am Horizont ausmachen.

Ich glaube nämlich ganz fest daran, dass auf jedes Tief ein Hoch folgt.

Was ist, wenn sich jemandem die positiven Momente deiner Platte gar nicht

erschließen?

Arnalds: Dagegen wäre ich natürlich machtlos. Wie einer meine Werke wahrnimmt,

hängt von diversen Faktoren ab, seien es die persönlichen Lebensumstände

oder die Umgebung. Im Bus löst ein Song sicher nicht die gleichen

Empfindungen aus wie bei einer Bergwanderung.

Stört dich diese Unberechenbarkeit?

Arnalds: Ach was, sie fasziniert mich! Ich selbst habe ja die isländische

Kultur in mich aufgesogen, die Nähe zur Natur. Wahrscheinlich wäre ich

heute ein völlig anderer Künstler, wenn ich in einer hektischen Großstadt

aufgewachsen wäre.

Interview: Dagmar Leischow

For now I am Winter ist seit Ende März erhältlich.

16


2013 TOURNEEN & KONZERTE

APRIL – NOVEMBER

ROLLING STONE präsentiert

BLACK REBEL MOTORCYCLE CLUB

Special Guest: TRANSFER

05.04. MÜNCHEN TonHalle Verlegt aus der Muffathalle

07.04. BERLIN Columbiahalle Verlegt aus dem Astra Kulturhaus

08.04. HAMBURG Große Freiheit 36

09.04. KÖLN Live Music Hall

Ticket EUR 26,–

www.blackrebelmotorcycleclub.com

ROLLING STONE präsentiert

EELS

Special Guest: NICOLE ATKINS

07.04. HAMBURG Große Freiheit 36 – Ausverkauft!

08.04. BERLIN Tempodrom Verlegt aus dem Astra Kulturhaus – Ausverkauft!

22.04. MÜNCHEN Zenith – Verlegt aus der TonHalle

Ticket EUR 26,–

www.eelstheband.com

INTRO präsentiert

KARL HYDE

Special Guest: FARAO

18.04. BERLIN Astra Kulturhaus

Ticket EUR 31,–

www.karlhyde.com

KULTURNEWS präsentiert

OMD

Special Guest: VILE ELECTRODES

21.05. HAMBURG Docks

22.05. BIELEFELD Ringlokschuppen

24.05. BERLIN Tempodrom

25.05. LEIPZIG Haus Auensee

27.05. KÖLN E-Werk

Ticket EUR 38,–

www.omd.uk.com

RAMMSTEIN

24.05. + 25.05. BERLIN Kindl-Bühne Wuhlheide – Ausverkauft!

21.06.- 23.06. SCHEESSEL Hurricane Festival – Ticket ab EUR 149,–

21.06.- 23.06. NEUHAUSEN OB ECK Southside Festival – Ticket ab EUR 155,–

01.08.- 03.08. WACKEN Wacken Open-Air – Ausverkauft!

www.rammstein.de

SPEX & LAUT.DE präsentieren*

SIGUR RÓS

19.06. DRESDEN Junge Garde*

Ticket EUR 36,–

21.06.- 23.06. SCHEESSEL Hurricane Festival – Ticket ab EUR 149,–

21.06.- 23.06. NEUHAUSEN OB ECK Southside Festival – Ticket ab EUR 155,–

24.11. FRANKFURT/M. Jahrhunderthalle

25.11. DÜSSELDORF Mitsubishi Electric Halle

Ticket EUR 36,–

www.sigur-ros.co.uk

BLOC PARTY / GRAFFITI6 / PAUL KALKBRENNER /

PORTISHEAD

21.06.- 23.06. SCHEESSEL Hurricane Festival – Ticket ab EUR 149,–

21.06.- 23.06. NEUHAUSEN OB ECK Southside Festival – Ticket ab EUR 155,–

www.blocparty.com / www.graffiti6.com / www.paulkalkbrenner.net /

www.portishead.co.uk

MUSIKEXPRESS präsentiert

ATOMS FOR PEACE

10.07. MÜNCHEN Zenith

Ticket EUR 46,–

www.atomsforpeace.info

SKUNK ANANSIE

18.07. LÖRRACH Stimmen Festival

Ticket EUR 27,–

www.skunkanansie.net

ONLINE TICKETS

FÜR ALLE KONZERTE UNTER WWW.TICKETS.DE

Die angegebenen Ticketpreise gelten für den Vorverkauf zzgl. Gebühren.

Tickets ebenfalls erhältlich an allen bekannten Vertragsvorverkaufsstellen.

Weitere Konzerte anderer Künstler in Vorbereitung.

Änderungen vorbehalten.

Infos unter www.mct-agentur.com und www.facebook.com/MCTAgenturGmbH

Veranstalter: MCT Agentur GmbH

SAMSUNG&PROSIEBEN präsentieren

ROBBIE WILLIAMS

Special Guest: OLLY MURS

10.07. GELSENKIRCHEN Veltins-Arena

27.07. HANNOVER AWD-Arena

07.08. MÜNCHEN Olympiastadion

11.08. STUTTGART Mercedes-Benz Arena

Ticket EUR 60,– bis 115,–

www.robbiewilliams.com

MUSIKEXPRESS & TAZ präsentieren

NICK CAVE & THE BAD SEEDS

10.11. HAMBURG Sporthalle Hamburg

12.11. DÜSSELDORF Mitsubishi Electric Halle

13.11. OFFENBACH Stadthalle

21.11. MÜNCHEN Zenith

Ticket EUR 40,– bis 45,–

www.nickcave.com


Deutschpop

Peter Plate

Foto: Ferran Casanova

Alles bewegt sich

Im Leben des Peter Plate (45) häufen sich die Neuanfänge,

denn außer Rosenstolz hat er auch seinen Freund ad acta gelegt. Aber nur halb.

Peter, ist es ein langgehegter Plan oder ein spontaner Entschluss gewesen,

dein Soloalbum „Schüchtern ist mein Glück“ aufzunehmen?

Peter Plate: Beides … Ein Traum war es immer, aber mehr so einer, von dem

ich nie dachte, dass ich ihn je verwirklichen würde. Die Frage war: Wir geht

es nach Rosenstolz jetzt weiter? Produziere ich andere Künstler? Schreibe

ich ein Musical? Oder mache ich was für mich? Und dann ist das einfach

so passiert.

Du hast alle Lieder wieder mit deinem langjährigen Rosenstolz-Mitstreiter und

Exlebenspartner Ulf Sommer aufgenommen.

Plate: Ulf und ich arbeiten seit 20 Jahren zusammen. Es hat mich ein

bisschen Überzeugungsarbeit gekostet, aber es war mir unheimlich wichtig,

dass er dabei war. Viele der Songs haben wir auf Mallorca in einem Häuschen

geschrieben. Das war so idyllisch, wie es sich anhört. Ulf, der Koautor

Daniel Faust, ich und unsere Partner haben dort alle unter einem Dach

gelebt. Ganz in Ruhe, nur mit akustischer Gitarre und meiner kleinen Stimme,

haben wir die Lieder entwickelt.

Verändert es die Arbeit, wenn man mit seinem engsten Kollegen nicht mehr

privat liiert ist?

Plate: Der Wahnsinnsvorteil ist der, dass man die Arbeit nicht mehr mit

nach Hause nimmt. Wir streiten noch genauso leidenschaftlich wie früher,

aber das geht jetzt überhaupt nicht mehr ins Persönliche. Gerade zwischenmenschlich

hat uns Mallorca gut getan. Es war alles sehr entspannt.

18


Deutschpop



Im vergangenen Jahr hast du gemeinsam mit AnNa R. verkündet, dass

Rosenstolz nach über 20 gemeinsamen Jahren auf unbestimmte Zeit pausieren

wird. Dabei hattet ihr nach deinem Burnout 2009 gerade erst ein

Comebackalbum veröffentlicht. Warum liegt die Band auf Eis?

Plate: Es hat einfach nicht mehr … geprickelt. Und dann ist es nur ehrlich,

wenn man sagt, man lässt es erst mal.



Ist das Ende einer Liebesbeziehung vergleichbar mit dem Ende einer

Bandbeziehung?

Plate: Ja, das kann man tatsächlich so sagen. Ich glaube, es hat noch kein

Paar geschafft, sich zu trennen und zu sagen: Das war genau der richtige

Zeitpunkt. Man verpasst praktisch immer den besten Moment.

Das war bei Rosenstolz auch so?

Plate: Wir wollten dieses Album unbedingt machen und gucken, was

passiert. Niemand hat uns dazu gezwungen, die Plattenfirma hat uns sehr

liebevoll unterstützt. Tja, und jetzt erlebt jeder seine eigenen Abenteuer.

Eigentlich bin ich stolz darauf, wie wir das hingekriegt haben. Und trotzdem:

Ich war mein ganzes Erwachsenenleben dieser Onkel von Rosenstolz,

insofern ist das schon ein Einschnitt – und auf der anderen Seite

super befreiend für mich. Ich lasse alles auf mich zukommen, und es

macht Spaß, noch mal richtig klein und ohne Druck von außen anzufangen.

Hast du eine andere Art von Songs geschrieben als für Rosenstolz?

Plate: Na klar! Ich kann keine Lieder singen, die über drei Oktaven gehen.

Ich musste für mich selbst eine eigene Tonlage finden. Jetzt weiß ich:

Zu meiner Stimme passt melancholischer Pop, aber eben: Pop.





Die an „Fade to grey“ der 80er-Gruppe Visage angelehnte Nummer „Elektrisch“

fällt ziemlich aus dem Rahmen.

Plate: Stimmt. Wir wollten wenigstens einen Song haben, der richtig

abgeht. Man kann mit 45 nicht mehr „Hey, die Disco bebt!“ singen,

aber auf den Refrain „Der ganze Raum dreht sich/Alles bewegt sich“ bin

ich sehr stolz.

Bist du selbst ein melancholischer Mensch?

Plate: Ja, total. Ich merke das etwa daran, wie ich über die Liebe denke,

nämlich ganz anders als früher. Man trägt Narben mit sich herum und

hat Angst, sich neu zu verlieben, sich einem neuen Menschen zu öffnen.

Oder man verliebt sich zum denkbar unpassendsten Zeitpunkt.

„Wir beide sind Musik“, die Single, die du zusammen mit deinem Ex

über dich und deinen neuen Partner geschrieben hast, erinnert übrigens

an „Viva la Vida“ von Coldplay.

Plate: Ohhh, danke! Das ist mein Welthit des Jahrzehnts. Es gibt kaum

einen Song, den ich in meinem Leben öfter gehört habe als „Viva la Vida“.

Schüchtern ist mein Glück erscheint am 5. April.

Interview: Steffen Rüth

19


Elektropop

Foto: Anton Corbijn

Depeche

Mode

Alle Stürme überstanden: Martin Gore, Dave Gahan und Andrew Fletcher

Nichts dran am Blues

Selbst harte Winter können die erfolgreichste Elektroband der Welt nicht stoppen.

Trotzdem denkt Depeche-Mode-Chef Martin Gore schon mal über letzte Dinge nach.

Auch Depeche Mode kommen langsam in ein Alter, in dem bewusste Ernährung

und lange Ruhepausen wichtiger werden denn je. „Ja, wir können

nicht länger vertuschen, dass wir die 50 überschritten haben“, lacht Martin

Gore. „Und selbst wenn man das einigen von uns vielleicht nicht ansieht, weil

sie dieses verdammte Gen der Rockstars haben, so sind wir uns des schleichenden

Verfalls durchaus bewusst. Jede CD, jede Tour könnte die letzte

sein.“

Gore, Hauptsongwriter, Gitarrist und Sänger der britischen Dauerbrenner,

macht sich also Gedanken über die eigene Halbwertszeit. Er weiß aber auch,

dass 33 Bandjahre und über 100 Millionen verkaufte Alben etwas ganz

Besonderes sind im Popbusiness. Und er möchte jeden gemeinsamen Moment

in vollen Zügen genießen. „Das ist gar nicht so leicht, wenn du im

tiefsten New Yorker Winter versuchst, ein Album zu mischen und nur

denkst: O Gott, Hauptsache ich bin bald wieder zu Hause, wo es halbwegs

warm ist“, sagt Gore. „Aber ich muss sagen, dass mich das Ergebnis verdammt

stolz macht – weil es sehr modern klingt.“

Innerhalb der Redaktion ist „Delta Machine“, das 13. Studioalbum des

Trios, durchaus umstritten (s. Musikteil ab S. 44). Es gibt aber welche, die

halten es für eins der stärksten ihrer gesamten Karriere. Das Album klingt

frischer als seine Vorgänger, es glänzt mit intensiven Blues- und Gospelmomenten

und erinnert mit Stücken wie „Broken“, „Soft Touch/Raw Nerve“

oder „Soothe my Soul“ an unbestrittene DM-Meisterwerke wie „Violator“ und

„Songs of Faith and Devotion“. Das findet auch Gore: „Es ist weitaus direkter

als die letzten Alben, die sehr cineastisch waren“, sagt er. „Und es hat

emotionale Tiefe. Aber ob wir deshalb gleich den Blues singen, wie einige

Fans auf Grund des Titels vermuten? Nein, das ist anmaßend.“

Dabei profiliert sich der dreifache Familienvater mit stilvollen Riffs, die so

bisher im Elektrosound von Depeche Mode selten zu hören waren – und

verspricht für die Welttournee, die am 7. Mai in Tel Aviv startet, „eine sehr

intensive Performance“. Und das, obwohl die Band, wie Gore sagt, auf Reisen

zurzeit ständig „People are People“ hört. Immerhin staut sich so einiges an,

das live wieder raus muss.

Marcel Anders

Delta Machine ist Ende März erschienen.

20


DAS NEUE ALBUM

„FIREITUP“

JETZTIMHANDEL

12.04. MÜNCHEN

13.04. NÜRNBERG

16.04. LEIPZIG

17.04. NEU ULM

19.04. HALLE/WESTF.

20.04. BREMEN

22.04. KÖLN

Ausverkauft

SUMMER TOUR

18.08. BOCHUM

27.08. COBURG

JOE

COCKER

FIRE IT UP

TOUR

24.04. FRANKFURT

25.04. BERLIN

27.04. ERFURT

28.04. MANNHEIM

30.04. FREIBURG

03.05. OBERHAUSEN

A

Ausverkauft

Ausverkauft

28.08. MÖNCHENGLADBACH

30.08. COTTBUS

presentation in association with

04.05. STUTTGART

07.05. HANNOVER

08.05. HAMBURG

23.05. ZWICKAU

25.05. MAGDEBURG

26.05. ROSTOCK

05. 07. 2013 HALLE/WESTF.

06. 07.2013 MAINZ

07. 07. 2013 HEILBRONN

17. 07. 2013 STIMMEN FESTIVAL LÖRRACH

05. 09. 2013 BERLIN

07. 09. 2013 MAGDEBURG

Olly Murs

T O U R 2 0 1 3

04.10. DÜSSELDORF MITSUBISHI ELECTRIC HALLE

05.10. STUTTGART LIEDERHALLE

06.10. MÜNCHEN ZENITH

09.10. OFFENBACH STADTHALLE

10.10. BERLIN TEMPODROM

11.10. HAMBURG SPORTHALLE

SOMMERKONZERTE 2013

24.05. HANNOVER -NDR2PLAZAFESTIVAL

25.05. HAMBURG -STADTPARK :: SUPPORT: ALIN COEN BAND

14.06. MAINZ - NORDMOLE :: SUPPORT: ALIN COEN BAND

15.06. LEIPZIG - VÖLKERSCHLACHTDENKMAL :: SUPPORT: ALIN COEN BAND

17.06. KASSEL -HESSENTAG :: SUPPORT: MARIA MENA/ALIN COEN BAND/BENJROSE

18.06. KÖLN - TANZBRUNNEN :: SUPPORT: ALIN COEN BAND

20.06. BIELEFELD -SOUNDPARK :: SUPPORT: ALIN COEN BAND

22.06. (A) BURG CLAM

24.06. (A) KLAGENFURT - WÖRTHERSEEBÜHNE

26.06. (I) MERAN - GÄRTEN V. SCHLOSS TRAUTTMANSDORFF

27.06. MÜNCHEN -TOLLWOODFESTIVAL

27.06. – 30.06. (CH) ST. GALLEN -OPENAIR

27.07. LUDWIGSBURG - RESIDENZSCHLOSS :: SUPPORT: ALIN COEN BAND

06.09. BERLIN - IFA SOMMERGARTEN :: SUPPORT: ALIN COEN BAND

Ausverkauft

A

production by agreement with Modest ! Management and CAA

&BAND+GÄSTE

3.8.2013 BERLIN WALDBÜHNE

Steve Hackett

Genesis Revisited 2013 World Tour

29.04. LEIPZIG

30.04. STUTTGART

02.05. MÜNCHEN

03.05. MAINZ

05.05. OBERHAUSEN

06.05. HAMBURG

www.facebook.com/Philipp.Poisel.offiziell

A

PRODUCTION BY ARRANGEMENT WITH

THE

SERIOUS ART

OF PROMOTION

WWW.PRKNET.DE


Alternative Pop

Paramore

Schritt zurück

nach vorn

Streit, Split, böses Gerede: Nach der Trennung von zwei

Gründungsmitgliedern mussten sich Paramore neu

sortieren – und fanden zurück zur Magie.

Hayley, du hast in einem Interview gesagt, dass

ihr den Spaß an der Musik verloren hattet … Ist

er mit eurem vierten Album zurückgekehrt?

Hayley Williams: Total! Es war damals einfach

so: Man gründet eine Band und fühlt sich superglücklich,

alle sind ein Team und beste Freunde.

Dann passieren gewisse Dinge, oder man wird

einfach älter, und die Magie geht verloren. Das ist

ein natürlicher Prozess. Aber irgendwann wurde

es richtig hart. Als wir uns an dieses Album

machten, hatten wir ganz schöne Hürden zu

überwinden: Wir hatten zwei Bandmitglieder

verloren, wir übrigen drei mussten erst wieder

lernen, wie unsere Freundschaft eigentlich

funktioniert. Irgendwann machte es dann klick –

und es fühlte sich wieder an wie am Anfang.

Jetzt wollen wir den Kids endlich wieder zeigen,

wie viel Spaß es machen kann, in einer Band

22


Alternative Pop

Klaus Bönisch für KBK GmbH präsentiert:

25.04.

Frankfurt

28.04.

Berlin

30.04.

München

03.05.

Stuttgart

05.05.

Hamburg

08.05.

Oberhausen

04.06.

Köln,

Lanxess

Arena

06.06.

Berlin,

O2 World

zu sein und seinen Traum zu leben. Wir waren

eine Zeit lang ein schlechtes Vorbild, was das

anging.

Josh und Zac Farro, die aus der Band ausgestiegen

sind, haben nicht gerade schöne

Worte über euch verloren. Wie sehr schmerzt

das, wenn man so lange befreundet war?

Taylor York: Freundschaften enden nicht immer

sauber. Das hat uns auch lange total runtergezogen.

Nachher ist es leicht zu sehen, wie man

Sachen hätte anders machen können. Zumindest

haben wir jede Menge daraus gelernt.

Wäre es anders gelaufen, wenn ihr nicht so

jung angefangen hättet? Manche von euch waren

erst 14, als es 2004 mit Paramore losging …

Jeremy Davis: Ja, der größte Teil unserer Karriere

fand in der Lebensphase statt, in der man

sich am meisten verändert. Andere durchleben

das in ihren Familien oder in der Schule – wir

mussten das hinkriegen, während wir international

auf der Bühne standen und alle zusahen.

Jeremy Davis, Taylor York, Hayley Williams

Andererseits kommt viel von der Energie, die

Fans an uns lieben, daher, dass wir eben noch

so jung sind.

Hayley, wünschst du dir eigentlich manchmal, es

gäbe noch ein zweites Mädel in der Band, damit

du als Frontfrau nicht immer so im Fokus stehst?

Williams: Manchmal ja. Aber es wäre noch viel

toller, wenn die Leute einfach nicht mehr so überrascht

davon wären, wenn sie Frauen in Bands

sehen. Wir Mädels haben schon lange bewiesen,

dass wir uns auf der Bühne und in der Musikszene

durchsetzen können, aber die Leute können

das offenbar nicht akzeptieren. Es gibt so

viele coole Frauen, und sie haben so viel zu

sagen. Kommt einfach drüber hinweg!

Paramore ist ab 5. April im Handel

Foto: Pamela Littky

Interview: Ellen Stickel

23

20.06.

Dresden

21.06.

Schwäb.

Gmünd

23.06.

Mannheim

24.06. Bonn

26.06.

Abenberg

28.06. Berlin

29.06.

Hamburg

01.07.

München

02.07.

Dortmund

19.08.

Bonn

20.08.

Hanau

21.08.

Berlin

23.08.

Leipzig

24.08.

München

Infos & Tickets unter: www.ticketmaster.de / www.kb-k.com


Crossover









Liedfett












Betrunken im

Schienenersatzverkehr

Die Hamburger Band Liedfett verbindet Folk, HipHop

und Punk – zu einer äußerst bierseligen Mischung.

Es ist Freitagnachmittag, aber es fühlt sich

eher an wie ein Sonntag. Die drei Mitglieder der

Hamburger Band Liedfett tragen Jogginghose

und Schlabberpulli, trinken Tee mit Honig und

lümmeln auf den Sofas ihrer Band-WG rum.

„Wir waren gestern Abend im Pudel Club“, sagt

Sänger Daniel Michel, der als Schauspieler

24

schon in Filmen wie „Dorfpunks“ und „Neue

Vahr Süd“ zu sehen war. „Der Abend ist also

etwas länger geworden.“

Länger wird es oft bei Liedfett. Es ging sogar

genau so los mit der Band. „Ich lag nach geschätzten

40 Mexikanern betrunken im Schie-


Crossover

Foto: Ferryhouse

AUSVERKAUFT!

AUSVERKAUFT!

ZUSATZTERMIN!

Singen, trinken, lachen: Daniel Michel (m.) mit Liedfett-Kumpeln

nenersatzverkehr“, lacht Michel. „Lucas und Philipp

haben mich vor der Bahnsicherheit gerettet.“ Bei einem

gemeinsamen Auftritt ihrer früheren Bands Ende 2007

verschanzten die drei sich zu später Stunde schließlich

mit der Akustikgitarre in der Toilette und schrieben ihren

ersten Song. Seitdem veröffentlichten sie in Eigenregie

ihr Debüt „Kochbuch“, kamen durch einen Bandwettbewerb

zum Hamburger Label Ferryhouse und

nahmen schließlich ihr zweites Album „Klarkomm“ auf.

Wie schon auf dem Debüt widmen sie sich darauf

einer unterhaltsamen Mischung aus Folk, HipHop und

Punk, die sie selbst als „Liedermaching Untergrund“

bezeichnen.

„Wir haben schon immer ein Potpourri an unterschiedlichen

Sachen gemacht“, sagt Michel. „Aber die

Grundstruktur ist immer Cajón (ein Rhythmusinstrument,

die Red.), Gitarre und mehrstimmiger Gesang.

Damit lässt sich unheimlich viel machen.“ Tatsächlich

klingen die Songs mal nach Bigband und Swing, dann

folgt ein Rap und anschließend wird es dank Akkordeon

folkig hanseatisch. Oft singen Liedfett dazu vom

Trinken und Feiern. „Wenn ich einmal traurig bin, trink

ich einen Korn“, zitieren sie in „Körperliche Selbstverteidigung“

Heinz Erhardt. Doch so sehr die drei ihre

Trinkfreude nach außen tragen und so humorvoll ihre

Texte sind: Tief drinnen steckt immer auch ein bisschen

Ernsthaftigkeit.

Wie der Titel schon andeutet, geht es auf dem

Album ums Klarkommen – mit dem Leben, der Liebe

und dem ganzen Rest. „Diese Platte ist schon etwas

ernsthafter geworden als die letzte“, sagt Michel,

schenkt Tee nach, und setzt mit verschmitztem Grinsen

dann doch wieder zu einer Pointe an. „Jetzt wo es mit

der Band losgeht, muss man ja auch aufpassen, dass

man nicht auf Sex, Drugs und Rock’n’Roll macht“, sagt

er. „Deswegen überspringen wir diese Phase – und

kommen gleich klar.“

Nadine Lischick

Klarkomm ist seit Anfang April erhältlich.

25


Worldjazz

Lily Dahab

Foto: Herzog Records

Der schöpferische Blick

Buenos Aires und Berlin haben etwas Wunderbares gemeinsam: die Sängerin Lily Dahab.

Aber kaum Tango.

Lily, wie versetzt du dich eigentlich in jene spezielle Stimmung, die

zweifelsohne gebraucht wird, um etwas Kreatives, etwas Neues zu

schaffen?

Lily Dahab: Manchmal muss man dazu sein vergangenes Leben aus

immer größerer Distanz betrachten, um Dinge klarer zu sehen. Ich habe

mich mehr und mehr von meinem Geburtsort Buenos Aires entfernt

und lebe jetzt in Berlin. Von hier aus kann ich schöpferisch auf die

Musik meiner Heimat blicken.

Argentinien? Da sprichst du sicherlich vom Tango …

Dahab: … nein, nein. Ich verstehe nicht, dass jeder, der Argentinien

sagt, meist nur Buenos Aires meint und musikalisch nur Tango im Kopf

hat. Das Land ist so groß und so weit, da gibt es beispielsweise die

auch für mich immer wieder inspirierende Folkloretradition des Litoral

im Nordosten – etwa der Chamamé, ein polkaähnlicher Tanz im 6/8

Takt. Unter anderem dieser Spur bin ich gefolgt.

Also diesmal gar kein Tango?

Dahab: Das auch nun wieder nicht. Kann ich nicht das eine tun, ohne

das andere zu lassen?

Hast du diese Spuren aus der sicheren Entfernung Berlins verfolgt?

Dahab: Ein gewisser künstlerischer Abstand ist sicherlich notwendig.

Aber wenn ich die Emotionen transportieren will, die so vielfältig und

seelentief in der argentinischen Musik zu spüren sind, dann muss ich

selber durch den Geist der Lieder unmittelbar berührt werden. Und das

geht in dieser Ursprünglichkeit nur vor Ort.

Du hast neben Kompositionen deines Pianisten Bene Aperdannier auch

Coverversionen ausgewählt.

Dahab: Ich würde dieses Wort nicht benutzen, weil es in die Irre führt.

Das klingt so nach Nachsingen. Ich habe zwar mit „Vuelvo al sur“ und

„Yo soy Maria“ auch zwei Astor-Piazzolla-Kompositionen auf der Platte.

Doch wenn es mir nicht gelungen wäre, sie durch meine Art und Weise

der Interpretation zu meinen eigenen Liedern zu machen, dann hätte

ich sie gleich weggelassen.

Interview: Franz X.A. Zipperer

Huellas ist bereits im Handel.

kulturnews präsentiert

11. 4. Köln – 13. 4. Kassel – 16. 4. Oldenburg – 19. 4. München –

23. 4. Karlsruhe – 26. 4. Lübeck – 28. 4. Kiel – 29. 4. Bremen –

21. 5. Ettersburg – 22. 6. Pforzheim

26


24.04.

MÜNSTER

30.04.

BERLIN

02.05.

HAMBURG

Die

aktuelle Single

SOME NIGHTS

überall

erhältlich

Das neue

Album “2”

überall

erhältlich














11.04. BERLIN | 12.04. HAMBURG | 13.04. KÖLN

17.04. WIEN | 18.04. MÜNCHEN

19.04. ZÜRICH | 20.04. STUTTGART

GET A FREE BITCLAP!

DOWNLOAD AT:

PRÄSENTIERT VON NEULAND CONCERTS

20.10. MANNHEIM

21.10. STUTTGART

28.10. BERLIN

29.10. HAMBURG

09.11. DÜSSELDORF

12.11. MÜNCHEN

TICKETS & WEITERE INFOS AUF WWW.NEULAND-CONCERTS.COM

13.05. MANNHEIM

14.05. KÖLN

15.05. FRANKFURT

16.05. DORTMUND

17.05. BREMEN

18.05. HAMBURG

19.05. BERLIN

21.05. MÜNCHEN

22.05. STUTTGART

Das neue

Album

OKO TOWN ab

dem 12.4.13

überall

erhältlich.

DAS AKTUELLE ALBUM

UNORTHODOX JUKEBOX

ÜBERALL ERHÄLTLICH

WWW.BRUNOMARS.DE

TICKETS & WEITERE INFOS AUF WWW.NEULAND-CONCERTS.COM


Fusionjazz

25–28 APRIL 2013

Foto: Sung Yull Nah

partnerland israel

Youn Sun Nah

Unitingtalents!

german jazz Expo

Israeli Night \ Overseas Night

European Jazz Meeting

jazzahead! šKODA clubnight

gala concert \ trade fair

conferences

Messe Bremen

infos & podcast

www.jazzahead.de

Aktuelle Infos direkt

aufs smartphone

Veranstalter:

wfb gmbh /

Messe bremen

Die Entdeckung

der Langsamkeit

Dank Youn Sun Nah hat nun auch Südkorea einen Platz

auf der Weltkarte des Jazz. Dabei hatte die Sängerin schon

aufgegeben.

So also sieht das koreanische Genie der Jazzszene

aus: nicht besonders groß, zierlich, das

Haar rot gefärbt, das Gesicht völlig faltenfrei.

Dabei wird Youn Sun Nah in diesem Jahr 44.

Doch diese Frau beeindruckt nicht allein mit ihrer

Jugendlichkeit. Sobald sie zu singen anfängt,

verändert sich die Welt.

Ihr klarer Sopran ist eine Glücksgarantie,

doch das war ihr lange nicht bewusst. Als die

Tochter eines Dirigenten und einer Sängerin in

Paris Jazzgesang studierte, versuchte sie verzweifelt,

Ella Fitzgerald oder Billie Holiday zu

imitieren. Doch ihre Stimme war einfach nicht

so tief, so rauchig. Deshalb wollte sie alles hinschmeißen

und wieder zurück nach Korea ziehen.

Eine angesichts ihres Talents unsinnige

Idee, das machte ihr Vater Nah unmissverständlich

klar – und gab ihr Aufnahmen von zeitgenössischen

europäischen Jazzern. „Es tat so

gut, das zu hören“, erinnert sich Nah junior.

„Plötzlich ist mir klar geworden, wie viele verschiedene

Facetten Jazz eigentlich hat.“

Jetzt ist sie offen für jede erdenkliche Spielart.

Auf ihrem Album „Lento“ kombiniert sie ein

koreanisches Volkslied mit Eigenkompositionen

oder sogar Nine Inch Nails’ „Hurt“, das sie einzig

28


Fusionjazz

DER

INDIE-GEHEIMTIPP

AUS DEN USA

CIVIL

TWILIGHT

LIVE 2013

10. APRIL

• HAMBURG •

PRINZENBAR

12. APRIL

• BERLIN •

GRÜNER SALON

Foto: Sung Yull Nah

in der Fassung von Johnny Cash kannte: „Als ich das

Original entdeckt habe, war ich absolut geschockt“,

sagt sie. „Es war so rau und trotzdem emotional.“ Diese

Nummer hat sie ebenso beeindruckt wie Alexander

Skrjabins „Lento“, das ihrem neuen Album auch den

Titel gab. „Ich kannte es zwar aus meiner Kindheit, aber

irgendwie hatte ich es länger in Erinnerung.“

Auf der CD reichert sie dieses Stück mit eigenen

Ideen an, privat hat sie es sich zum guten Vorsatz

genommen; Lento nämlich ist eine Tempovorgabe und

heißt langsam. „Ich merke, wie schlecht die ewige

Hektik für mich ist“, sagt sie. „Wenn mir alles zu viel

wird, muss ich einfach mal innehalten und tief durchatmen.“

Davon, das weiß sie, profitiert sie auch als

Künstlerin: „Besonders Balladen brauchen ihre Zeit,

sonst berühren sie das Publikum nicht.“

Ihre Einfühlsamkeit ebnet ihr nun den Weg zur großen

Karriere. In Frankreich ist Youn Sun Nah bereits

ein Star, dort wurde ihr der Orden „Chevalier de l’Ordre

des Arts et des Lettres“ verliehen. In Deutschland hat sie

immerhin bereits einen Jazz-Echo bekommen. Und

dabei wird es nicht bleiben. Jetzt nicht mehr.

Dagmar Leischow

Lento ist Ende März erschienen (Kritik siehe Seite 53).

29

DAS ALBUM

holy weather

AB DEM 26. APRIL

www.membran.net

| www.civiltwilightband.com |


Poprock

Civil Twilight

Überleben in Nashville

Der Ruhm der südafrikanischen Rocker Civil Twilight um die Brüder Steven und

Andrew McKellar macht um uns noch einen Bogen. Das dürfte sich jetzt ändern –

auch dank eines Gigs unterm Kronleuchter.

Steven, die südafrikanische Rockszene wird spätestens seit dem Erfolg der

Parlotones international wahrgenommen. Seid ihr ebenfalls schon bekannt

genug, um einen eigenen Wein auf den Markt zu bringen? Der Parlotones-

Tropfen ist übrigens nur mittelmäßig …

Steven McKellar: Nein, leider noch nicht. Wir würden eines Tages schon

gern – aber dann hoffentlich einen guten! Wir haben bereits einige Leute

aus der Musikbranche getroffen, die Wein anbauen und verkaufen. Der

beste war bis jetzt der kalifornische Cabernet von B. R. Cohn, dem

Manager der Doobie Brothers. Der Wein ist außergewöhnlich. Probier ihn

mal, wenn du ihn erwischst.

Ich werde Ausschau halten. Mittlerweile wohnt ihr alle im weinfernen

Nashville. Wie schützt ihr euch als erdige Rockband vor dem dort unweigerlich

drohenden Countryeinfluss?

McKellar: Gute Frage. Momentan verbringen wir allerdings wenig Zeit in

der Musikszene von Nashville. Wir treten dort auch nur selten auf und

sind deshalb kaum Countrymusik ausgesetzt. Zudem nimmt der Rockanteil

in Nashville gerade stark zu.

Anfangs habt ihr mit der amerikanischen Alltagskultur ziemlich gefremdelt.

Könnt ihr inzwischen einen Stetson tragen, ohne dass sich die Rednecks

kaputtlachen?

McKellar: Ja, können wir. Keiner von uns trägt oft Stetson, aber wir sind

durchaus dazu in der Lage, wenn wir damit ausgehen wollen. Es ist echt

seltsam, wie normal es in manchen Regionen Amerikas ist, sich wie ein

Cowboy zu kleiden. Überall sonst in der Welt würde jeder denken, du gehst

zu einer Mottoparty.

In den USA habt ihr schon Headlinertouren gespielt und seid bei Letterman

aufgetreten. Woran liegt es eigentlich, dass ihr hier in Deutschland noch

nicht so erfolgreich seid wie drüben?

McKellar: Ich weiß es nicht genau. Wir waren bisher nicht dort. Hoffentlich

mögen sie unsere Musik, wenn sie sie öfter hören – und dann kämen

wir auch öfter vorbei …

In Hamburg werdet ihr in der winzigen Prinzenbar auftreten, wo der Kronleuchter

größer ist als die Bühne. Ideal also für einen Unplugged-Gig, oder?

30


Foto: Michael Scott Slosar

MADS

LANGER

03.05. Dresden

04.05. Mainz

05.05. München

06.05. Stuttgart

07.05. Köln

08.05. Berlin

09.05. Hamburg

18.05. CH - Zürich

Neues Album „Grenzenlos“

VÖ Mai 2013 (Universal Music)

„Grenzenlos“

Tour 2013

25.05. Freiburg

26.05. Mainz

27.05. Köln

28.05. Hamburg

07.06. Berlin

28.06. Tollwood mit Medina

in Kooperation

mit Tete Arts

11.04. Stuttgart

12.04. Frankfurt

13.04. Berlin

14.04. Köln

15.04. Hamburg

CIVIL TWILIGHT

10.04.13 Hamburg

12.04.13 Berlin

Neues Album “Holy Weather”

VÖ 26.04.13 (Membran)

25.05. Marburg

27.05. Dortmund

28.05. Köln

29.05. Brilon

mit Terry Hoax

31.05. Hannover

01.06. Hamburg

21.11. 11 Nürnberg

22.11. CH - Baden 28.11. Hannover

23.11. Köln 29.11. Dresden

24.11. Osnabrück 30.11. Mainz

26.11. Saarbrücken 02.12. Berlin

27.11. Bremen 03.12. Hamburg

Aktuelles Album „Forever“ (EMI / Starwatch)

“LIVE OUT LOUD” TOUR 2013

03.06. Berlin 14.06. Stuttgart

04.06. Dresden 12.07. Worpswede

06.06. Göttingen 13.07. Hamm

07.06. Erfurt 16.07. Frankfurt

08.06. Nürnberg 18.07. CH - Pratteln

11.06. München 19.07. Tuttlingen *

13.06. Augsburg 20.07. Winterbach *

*als Special Guest von Gotthard

MIRIAM

BRYANT

MARIE &

THE REDCAT

„Home“Tour 2013

20.03. Lübeck 01.05. Hamburg

27.04. Ludwigsh. 03.05. Berlin

30.04. Köln 20.07. Dilsberg

Aktuelles Album „Home“ (Zeitart)

HONG FAUX

„The Crown That Wears The Head“ Tour 2013

30.03. A - Ebensee 05.04. Osnabrück

31.03. München 06.04. Berlin

01.04. Hameln Aktuelles Album

03.04. Göttingen „The Crown That

04.04. Hamburg Wears The Head“

(Pristine Media / Alive)

„FOREVER“-TOUR

07.05. Bochum

08.05. Hamburg

09.05. Berlin

10.05. Dresden

12.05. CH - Zürich

13.05. Stuttgart

14.05. Köln

16.05. Frankfurt

17.05. L - Tuntange

18.05. München

Wein, Vibe und Gesang: Andrew

McKellar, Kevin Dailey, Steven

McKellar und Richard Wouters

15.04. München

16.04. Köln

17.04. Hamburg

18.04. Berlin

NATURALLY 7

„Tour 13“

McKellar: Klingt großartig! Wir sind

sehr gespannt auf Deutschland, auf

die Clubs und die Leute. In einem

Land mit so einer reichen Kultur

und Geschichte muss es einfach

toll sein.

Interview: Matthias Wagner

Mitarbeit: Samanta Hoffmann

02.05. A-Wien

03.05. München

04.05. CH-Zürich

06.05. Köln

Neues Album „Ich hör auf mein Herz“ (Universal Music,VÖ 19.04.13)

07.05. Hamburg

08.05. Berlin

Special Guest: Jem Cooke

08.05. 05 CH-Murten

09.05. München

10.05. München

11.05. Köln

12.05. Essen

13.05. Mainz

14.05. Mannheim

„Imagina“ Tour 2013

16.05. Karlsruhe

17.05. Stuttgart

18.05. Berlin

19.05. Hamburg

20.05. Köln

21.05. Offenbach

I MUVRINI

10. 4. Hamburg – 12. 4. Berlin

Holy Weather erscheint Ende April.

14.04. Frankfurt

15.04. Köln

16.04. Hamburg

17.04. Berlin

„FOREVER

AND EVER“

TOUR 2013

Aktuelles Album“Forever and Ever“ (Membran)

*Special Guest: Les Stentors

02.04. 04. Stuttgart

tt

08.04. 04. NL - Amsterdam

03.04. Mainz 10.04. NL - Heerlen

05.04. Köln* 11.04. NL - Tilburg

06.04. Bochum* 12.04. Erfurt

07.04. Hamburg* 15.04. München

Neues Album „Imaginà“ (Edel Records)

31 Tickets unter: 018 05 - 570 060 * und www.eventim.de

www.facebook.com/assconcerts *0,14 E/Min., Mobilfunkpreise max. 0,42 E /Min. www.assconcerts.com


Chansonjazz

Foto: Rocky Schenk

Madeleine Peyroux

Der Abgrund rumort

Der Geschlechterkampf ist noch längst nicht zu Ende, behauptet Madeleine Peyroux –

und beweist das mit einem überraschenden Kunstgriff bei ihrer Mauswahl.

Auf ihrer CD „The Blue Room“ hat die amerikanische Sängerin Madeleine

Peyroux ausschließlich Lieder aufgenommen, die ursprünglich von Männern

gesungen wurden. Wenn man sie nach diesem Umstand fragt, erntet man

einen ausführlichen Monolog.

Was man sexuelle Revolution nennt, doziert Peyroux, sei noch längst

nicht beendet. Es wurmt sie, dass es im Popgeschäft bis heute kaum

erfolgreiche Songschreiberinnen gibt. Und warum wird von einer

Musikerin stets Perfektion erwartet, während sich ein Musiker ruhig zu seinen

Schwächen bekennen darf? Das versteht sie nicht, wirklich. Und als

sie einem guten Freund kürzlich ihre Version von Randy Newmans „Guilty“

vorgespielt hat, sagte der doch tatsächlich zu ihr: „Ich denke, diese

Nummer passt nicht zu einer Sängerin.“

Das irritierte Peyroux, sie wurde richtig wütend, sagt sie, schließlich hat

sie eine Aversion gegen überholte Geschlechterklischees. „Hey, wir Frauen

sind nicht nur brav und lieb“, regt sie sich auf. „Auch in uns rumoren

Abgründe!“

Deswegen geht Peyroux gern auf Konfrontationskurs. Sie pocht auf ihre

Stärke; auf ihr neues Album ist sie unheimlich stolz. Ursprünglich hatte sie

mit ihrem Produzenten Larry Klein eine Hommage an Ray Charles’ legendäre

Platte „Modern Sounds of Country and Western Music“ aus dem Jahr

1962 geplant, doch schon bald erweiterte sie ihr Repertoire. „Es hat mich

einfach gereizt“, sagt sie, „etwas tiefer in die Musikgeschichte einzutauchen.“

Deshalb folgt auf Ray Charles’ „Bye bye Love“ Buddy Hollys „Changing

all your Changes“. Später gesellen sich Leonard Cohens „Bird on a Wire“

oder Warren Zevons „Desperados under the Eaves“ dazu. So bringt ihr Album

Jazz, Soul, Blues, Country und Pop zusammen. Die oft bittersüße Musik

findet ihre Schönheit in Molltönen, sie ordnet sich Madeleine Peyroux’ dunkel

getönter Stimme unter. Sogar Vince Mendozas anschmiegsame Streicherarrangements

lassen dem Gesang den Vortritt.

Dadurch gelingt es der 40-Jährigen, jeder dieser Nummern etwas Eigenes

hinzuzufügen. Die meisten Titel kennt sie eh seit ihrer Kindheit, obwohl sie

damals keine große Plattensammlung besaß. „Von meinem Taschengeld

konnte ich mir nicht viel leisten“, sagt sie, „also haben mir Freunde ein paar

Lieblingslieder auf Kassette überspielt.“

Kopieren also bringt die Kunst voran – lass das mal nicht die Musikindustrie

hören!

Dagmar Leischow

The blue Room erscheint am 12. April.

32


Tickets unter fourartists.com

SEEED LIVE 2013

19.07. DRESDEN - FILMNÄCHTE AM ELBUFER

22.08. BERLIN - KINDL-BÜHNE WUHLHEIDE

(ZUSATZTERMIN)

23/24/25.08. BERLIN - KINDL-BÜHNE WUHLHEIDE

30.08. ROSTOCK - IGA PARKBÜHNE

06.09. MÖNCHENGLADBACH - WARSTEINER HOCKEYPARK

AUSVERKAUFT!

FREITAG 31.05.13

MÖNCHENGLADBACH

HOCKEYPARK

SAMSTAG 01.06.2013

HANNOVER

EXPO PLAZA

DOORS OPEN AT 17:00 DOORS OPEN AT 17:30 MÖNCHENGLADBACH & HANNOVER / SPECIAL GUEST:

SPECIAL GUEST:

SPECIAL GUEST: FRANZ NICOLAY

09.04. STUTTGART · 10.04. DARMSTADT

11.04. A-WIEN · 12.04. A-GRAZ · 14.04. ERLANGEN

15.04. BREMEN · 16.04. OSNABRÜCK

17.04. POTSDAM · 18.04. LEIPZIG

24.04. ERFURT · 25.04. BIELEFELD

27.04. OLDENBURG · 28.04. KREFELD

19.06. BERLIN - ZITADELLE

24.06. KÖLN - TANZBRUNNEN

12.04. FREIBURG ·13.04. KARLSRUHE · 14.04. HEIDELBERG

16.04. BOCHUM · 17.04. OSNABRÜCK ·18.04. CHEMNITZ

19.04. POTSDAM ·20.04. ASCHAFFENBURG

TIM BURGESS

19.05. KÖLN - LUXOR

20.05. MÜNCHEN - AMPERE

22.05 . BERLIN - HEIMATHAFEN

23.05. HAMBURG - KNUST

29.04. KÖLN · 01.05. FRANKFURT

02.05. ERLANGEN · 03.05. WÜRZBURG

04.05. FREIBURG · 06.05. STUTTGART

07.05. A-WIEN · 08.05. MÜNCHEN

09.05. LUDWIGSHAFEN · 10.05. CH-ZÜRICH

12.05. SAARBRÜCKEN · 13.05. HANNOVER

15.05. LEIPZIG · 16.05. DRESDEN

17.05. BERLIN · 18.05. HAMBURG

08.06. ISERLOHN · 23.08. VELLMAR

10.06. MÜNCHEN - STRØM

11.06. BERLIN - PRIVATCLUB

12.06. HAMBURG - MOLOTOW

15.04. FRANKFURT - ZOOM

23.04. MÜNCHEN - STROM

24.04. BERLIN - MAGNET CLUB

26.04. KÖLN - LUXOR

25.04. HANNOVER· 26.04. FLENSBURG

02.05. HAMBURG · 03.05. WEIMAR · 08.05. BERLIN

09.05. BOCHUM · 10.05. STUTTGART

11.05. KAISERSLAUTERN

03.05. FRANKFURT - DAS BETT

04.05. MÜNSTER - GLEIS 22

05.05. KÖLN - LUXOR

31.05. Recklinghausen · 01.06. Stuttgart

02.06. München · 04.06. Heidelberg

05.06. Frankfurt a. M. · 07.06. Köln

08.06. Hückeswagen · 09.06. Hamburg

11.06. Berlin · 12.06. Leipzig · 14.06. Hannover

15.06. Dresden · 17.06. Düsseldorf · 18.06. Lübeck

01.05. MÜNCHEN - AMPERE

02.05. BERLIN - GRÜNER SALON

14.05. MÜNCHEN - AMPERE

17.05. KÖLN - STUDIO 672

18.05. BERLIN - GRÜNER SALON

06.05. HAMBURG - KNUST

07.05. BERLIN - PRIVATCLUB

09.05. MÜNCHEN - STRØM

+ special guest dumbfoundead

3plusss & sorgenkind

06.05. KÖLN · 07.05. MÜNSTER

08.05. FRANKFURT · 10.05. DRESDEN

11.05. LEIPZIG · 12.05. BERLIN

13.05. HAMBURG · 14.05. FLENSBURG

27.04. BERLIN · PRIVATCLUB

09.05. KÖLN · STADTGARTEN

10.05. MÜNSTER · SKATERS PALACE

11.05. FRANKFURT · DAS BETT


Tourneen

Asaf Avidan

Foto: Sony Music

Gefühlt ging es in der Karriere von Asaf Avidan auf mehreren Ebenen um

einen ganz bestimmten Tag. Obwohl der israelische Musiker im vergangenen

Jahr mit „Different Pulses“ bereits sein viertes Studioalbum veröffentlicht hat

und frühe Hits wie „Home“ sowie „40 Day Dream“ insbesondere in verschiedenen

Remixvarianten seit Jahren veritable Tanzflächenfüller in jedem

Indieclub sind, brachte erst die Neuauflage von einem seiner Songs den

längst fälligen Popularitätsschub. Der Wankelmut-Remix von „One

Day/Reckoning Song“ schnellte im Nu auf die Spitzenposition der iTunes-

Charts und war in der Folgezeit weder aus den Indie-, noch den Mainstreamclubs

geschweige denn dem Radio wegzudenken. Der Musiker mit dem

androgynen Falsett beweist sich als sensibler Arrangeur im Spiel mit elektronischen

und organischen Parts. Erdverbundenen 60er-Folk, kraftvollen

Indierock und Blueselemente verbindet der 33-Jährige immer wieder mit

synthetischen Klängen und hat mit seinem Werk die ganz Großen des

Musikolymps für sich einnehmen können: Unter anderem war er bereits mit

Bob Dylan, Morrissey und The Who auf Tour. Heute bespielt Asaf Avidan

selbst die größten Bühnen – und muss sich keinerlei Sorgen machen, dass

der Erfolg seines bekanntheitsfördernden Singlehits sein restliches Werk

überschattet. Denn eines haben mittlerweile alle mitbekommen: Asaf Avidan

ist ein Vollblutmusiker mit diversen Facetten, die zu erkunden es sich wahrlich

lohnt.

3. 5. Frankfurt – 8. 5. Stuttgart – 9. 5. München – 27. 5. Hamburg –

28. 5. Berlin – 30. 5. Bielefeld – 1. 6. Köln – 2. 6. Hoyerswerda

kulturnews präsentiert

die besten Tourneen

Foto: Yves Borgwardt

Foto: FKP Scorpio

Chima

In Zeiten immer jünger werdender Musikerkollegen ist Chima mit seinen

30 Jahren schon beinahe ein alter Herr. Nicht von der Wiege auf die Bühne,

sondern vom HipHop zum Soulpop ist Chima gegangen und hat sich dabei

Zeit gelassen. Sein Durchbruchalbum „Stille“ erschien vergangenes Jahr und

zeigt die Vorteile auf, die ein paar Jahre Erfahrung mit sich bringen: Chima

ist unverkrampft, aufgeschlossen, abgeklärt.

28. 3. Gera – 29. 4. Köln – 2. 5. Konstanz – 3. 5. Mainz – 6. 5. Potsdam

– 7. 5. Bremen

Kashmir

Wer nach den raffiniertesten Arrangeuren des zeitgenössischen Indierocks

fragt, kommt an Kashmir nicht vorbei. Das Quartett kombiniert

mit Fingerspitzengefühl Organisches mit dezent eingesetzter Elektronik.

So gelingt es den Dänen, scheinbare Widersprüche wie Unterkühltheit

und Melancholie zusammenzubringen und das Ergebnis mit hoffnungsfrohen

Indierockgitarren voranzutreiben.

9. 4. Hamburg – 13. 4. Köln – 15. 4. Frankfurt – 18. 4. München –

20. 4. Berlin

34


Tourneen

Foto: Lionel Samain

Fredrika Stahl

Vom Ballett zum Jazz zum eklektischen Pop: Die Vita

der Sängerin Fredrika Stahl (28) ist geprägt von Ausund

Aufbrüchen.

layoutdeluxe.de

Fredrika, dein größter Hit stammt

aus einem TV-Werbespot für einen

japanischen Autohersteller. Es handelt

sich um das alte Kinderlied

„Twinkle Twinkle litte Star“. Das

liest sich erst mal nicht besonders

cool …

Fredrika Stahl: In Schweden ist

„Twinkle Twinkle …“ der erste

Song, den du als kleines Kind zu

hören bekommst, es gibt auch eine

Version mit schwedischem Text.

Außerdem habe ich in meine Aufnahme

eigene Elemente hinzugefügt,

die im Original gar nicht vorkommen.

Es gab einen richtigen

Wettbewerb, Nissan mochte meine

Arbeit am liebsten, also ich bin stolz

auf das Lied.

Was hat der Hit für dich bewirkt?

Stahl: Ohne den hätte Rob Ellis

höchstwahrscheinlich nicht mein

neues Album produziert. Wir

trafen uns in Brighton, sprachen

über eine Zusammenarbeit, gingen

auseinander – und nachdem er

den Clip gesehen hatte, sagte er

nur: „Ich bin dabei.“

Man kennt Ellis von seiner Arbeit

mit PJ Harvey. Du hast bislang eher

Jazzpop gemacht. Was hast du dir

von ihm versprochen?

Stahl: Dass ich den Jazz endlich

hinter mir lasse! Mit 17 bin ich aus

Helsingborg zurück nach Paris gezogen,

nachdem ich schon als Kind

dort acht Jahre mit meinen Eltern

verbracht hatte. Ich wollte Musik

machen, ich wollte singen, und irgendwie

geriet ich in dieses Jazzumfeld,

in dem ich mich anfangs

wohlfühlte. Aber dann habe ich gemerkt,

wie der Jazz mich einengte.

Und ich wollte zusammen mit

Rob aus dem Korsett ausbrechen.

„Off to Dance“ ist ein spannendes

Album, das an Feist oder Emiliana

Torrini erinnert. Und es ist bereits

dein zweiter Ausbruch, oder?

Stahl: Stimmt. Bis 17 habe ich

jahrelang sehr intensiv Ballett getanzt.

Am Ende hat mich die Strenge

dort nur noch angekotzt. Paris

war auch eine Flucht vor meinem

Ballerinaleben. Und jetzt habe ich

als Musikerin und Songschreiberin

endlich ganz das Gefühl, frei

zu sein.

Interview: Steffen Rüth

Off to dance ist im März

erschienen.

kulturnews präsentiert

1. 5. München – 2. 5. Berlin

35

Tickets & Infos unter

www.eintrittskarten.de und 01805- 2001 *

sowie in guten Vorverkaufsstellen

*Festnetz 0,14 /Min., Mobilfunk max. 0,42 /Min.

www.facebook.com/

eintrittskarten


Tourneen

Foto: Scott Munn

Wintersleep

Der Name der kanadischen Band Wintersleep vermittelt bereits einen ganz

guten Eindruck von ihrer Musik. Verschleppte, getragene Stücke entwickeln

im Spannungsfeld zwischen Indie, verhaltenem Rock und Pop eine ganz

eigene Dynamik. Einsprengsel von Folk und verspielte Rhythmen komplettieren

die leicht lethargischen Hymnen der liebenswerten Indierockkapelle.

3. 5. Frankfurt – 4. 5. Münster – 5. 5. Köln – 6. 5. Hamburg – 7. 5.

Berlin – 9. 5. München

Foto: Anna Rowinska

Paula & Karol

Wenn man einmal die Verwirrung darüber überwunden hat, dass Paula und

Karol mitnichten ein Duo, sondern eine ausgewachsene Folkpopband aus

Warschau sind, wird es mit dem Ensemble äußerst versöhnlich. Glockenspiele,

Triangeln und Tasteninstrumente sorgen für den Niedlichkeitsfaktor,

Einheitsgesang und entschleunigte Melodien vollenden die kuschligen

Slowmotionhymnen der Band.

Foto: Neuland Concerts

Foto: Le Pop

30. 4. Dresden – 1. 5. Bernburg – 2. 5. Frankfurt – 3. 5. Karlsruhe –

4. 5. Freiburg im Breisgau – 5. 5. Stuttgart – 7. 5. München – 8. 5.

Erlangen – 9. 5. Bayreuth – 10. 5. Berlin – 11. 5. Leipzig – 14. 5. Bonn

– 16. 5. Hamburg

Pascal

Finkenauer

Das neue Album von Pascal Finkenauer

steht wahrlich exemplarisch für

das vielseitige Schaffen des Wahlhamburgers:

Treibender Indierock

gibt sich mit rastlosem Punkgeschraddel

und liebevoll arrangierten

Stücken voller Ruhe die eher mit

Patina überzogene als blank polierte

Klinke in die Hand. Zentrales Element

der Platte, die Finkenauer und

seine Mitmusiker für das authentische

Direktgefühl gemeinsam live

im Studio aufnahmen, sind wieder

einmal seine poetischen Texte.

4. 5. Rees-Haldern – 5. 5. Köln –

6. 5. Stuttgart – 7. 5. München –

8. 5. Wiesbaden – 11. 5. Berlin –

12. 5. Hamburg

Cœur De Pirate

Als die heute 23-jährige Béatrice

Martin alias Cœur De Pirate das

erste Mal auf der Bildfläche erschien,

juchzte man allerorten über die stilsichere

Leichtigkeit, mit der die

Frankokanadierin Chansons und

Sixtiespop miteinander verschmolz.

Nach einer abgebrochenen Tour im

letzten Jahr kommt sie nun zurück.

Man sei allerdings auf Zack: Das

Konzert im Kölner Gloria ist das

einzige in Deutschland.

23. 4. Köln

Foto: Sandra Ludewig

Max Prosa

Max Prosa gehört zu einer Handvoll deutschsprachiger Musiker, die sich

nicht so recht in die Schublade des niedlichen Singer/Songwriters stecken

lassen. Anstatt betont eingängig zu sein, nimmt Prosa es sich heraus, auch

mal spröde und düster zu walten; dringlich-inbrünstig gesungene Zeilen

meistert er ohne Pathos. Mit Nähe zum Folk wird der geborene Berliner

zum Poeten, ohne sich dabei das Label „harmlos“ aufdrücken zu lassen.

24. 4. Erfurt – 25. 4. Bielefeld – 27. 4. Oldenburg – 28. 4. Krefeld – 1.

5. Frankfurt – 2. 5. Erlangen – 3. 5. Würzburg – 4. 5. Freiburg im

Breisgau – 6. 5. Stuttgart – 8. 5. München – 9. 5. Ludwigshafen – 12.

5. Saarbrücken – 13. 5. Hannover – 15. 5. Leipzig – 16. 5. Dresden –

17. 5. Berlin – 18. 5. Hamburg

36


Tourneen

PROGRAMMHIGHLIGHTS UND VORVERKAUFSSTARTS

Foto: Neil Krug

JOE SATRIANI

WORLD TOUR 2013

Unknown

Mortal

Orchestra

Wenn er mit dem psychedelischen Pop des Unknown

Mortal Orchestra unterwegs ist, verwandelt sich der

gebürtige Neuseeländer Ruban Nielson in eine

Cartoonfigur. Aus Selbstschutz.

layoutdeluxe.de

30.06.13

MÜNCHEN, TONHALLE

07.05.13-12.05.13

LEIPZIG, OPERNHAUS

20.08.13-25.08.13

KÖLN, MUSICAL DOME

27.08.13-01.09.13

FRANKFURT A.M., ALTE OPER

Ruban, sollte man Drogen nehmen,

um euer neues Album „II“

besser zu verstehen?

Ruban Nielson: Eigentlich nicht.

Ich garantiere: Selbst die schlimmsten

Momente des Alltags werden

mit unserem Album erträglich.

Musikalisch stellt ihr euch wie

schon beim Debüt in die Tradition

von Pink Floyd und den rockigeren

Beatles, aber in den Texten

geht es jetzt ziemlich an die

Substanz.

Nielson: Die Unterschiede sind

den jeweiligen Entstehungsbedingungen

geschuldet. Die erste

Platte habe ich ganz entspannt in

Portland aufgenommen, wo ich

von den Leuten umgeben war, die

ich mag. „II“ ist dagegen auf Tour

entstanden, und da haben sich

eben Einsamkeit und Verzweiflung

eingeschrieben.

Hast du es dir dann auch gut

überlegt, jetzt wieder auf Tour zu

gehen?

Nielson: Konzerte sind super,

aber die Zeiträume zwischen den

Auftritten muss man erst mal füllen.

Es gibt viel zu viele Gelegenheiten

für groben Unsinn. Inzwischen

fühle ich mich besser vorbereitet,

um die Warterei durchzustehen,

und ehrlich gesagt

bereue ich auch die Erfahrungen

der letzten Tour nicht. Wo sich

unser Debüt in Skurrilität flüchtet,

ist das zweite Album wenigstens

ehrlich.

Sind nicht gerade die neuen Song

überzeichnet? Du schaffst mitunter

sogar Cartoonwelten.

Nielson: Das musste sein,

ansonsten hätte ich die Themen

nicht ertragen. Ein Musiker, der

mit seiner Rockband durch

Amerika tourt und Probleme mit

Drogen und Beziehungen hat, ist

einfach viel zu sehr Klischee. Ich

wollte keine Texte schreiben, die

mich an Musikzeitschriften erinnern,

die ich in meiner

Highschoolzeit gelesen habe.

Indem ich mich in eine

Cartoonfigur verwandele, habe

ich meine ganz persönliche

Ausdrucksweise gefunden, mit

der ich den unsäglichen Hedonismus

bejammern kann.

Interview: Carsten Schrader

12. 5. Frankfurt – 13. 5.

München – 14. 5. Köln – 20. 5.

Hamburg

03.07.13-20.07.13 DÜSSELDORF, CAPITOL THEATER

Tickets & Infos unter

www.eintrittskarten.de und 01805-2001 *

sowie in guten Vorverkaufsstellen

*Festnetz 0,14 /Min., Mobilfunk max. 0,42 /Min.

37


Tourneen

Foto: Prime Tours & Promotion

Foto: Inga Birgisdottir

Zaz

Sóley

Dass Zaz motiviert bis in die Haarspitzen ist, beweist die junge Französin

nicht nur musikalisch: Vor einiger Zeit bestieg sie nur für ein

Unplugged-Konzert den Montblanc. Wenn das die Marge setzt, wie

weit Zaz das inzwischen leicht angegilbte Chansongenre mit

Einflüssen aus Gipsyjazz und Pop voran treiben möchte: bitte

anschnallen!

5. 5. Hamburg – 6. 5. Berlin – 9. 5. Köln – 12. 5. München – 25. 6.

Abenberg – 3. 7. Bonn – 4. 7. Stuttgart – 7. 7. Mainz – 8. 7.

München – 22. 7. Singen – 3. 8. Dresden – 2. 8. Berlin – 9. 8.

Hamburg

Foto: Wizard Promotions

Noch leiser treten als die isländische Singer/Songwriterin Sóley Stefánsdóttir

kann man kaum. Einzelne Anschläge eines Klaviers, eine verhalten gezupfte

Gitarre und ätherische elektronische Schwaden, die kaum mehr sind als ein

Flüstern, umspielen den zarten Gesang der Musikerin – so wunderschön flüchtig

hat Folk selten geklungen.

11. 5. Heidelberg – 12. 5. Hamburg – 13. 5. Köln – 19. 5. Berlin

Foto: Beats International

Foto: A.S.S. Concerts

Treetop Flyers

Die Musik des britischen Quintetts Treetop Flyers gibt einem das Gefühl,

die Sonne der US-Westküste auf der Haut zu spüren. Kein Wunder: Die

fünf nahmen „The Mountain moves“ in Kalifornien auf. Bluesige Riffs

treffen auf Folkarrangements, Westcoastpop auf countryesk angeschlagene

Klampfen. Und die Treetop Flyers spielen diese frohgemute Zusammenkunft

so kraft- und hoffnungsvoll, dass man sich selbst in die

orangerote Abendsonne wünscht.

13. 5. Köln – 14. 5. Hamburg – 15. 5. Rees-Haldern – 16. 5. Berlin

– 17. 5. Beverungen

Eva & Manu

Es liest sich wie ein sehnsuchtsvoller

Jugendroman: Eva Louhivouri und

Manu Laudic begegnen sich an einem

Musikcollege und beschließen, noch

vor ihrem Abschluss zusammen das

Weite zu suchen. Gemeinsam reisen

sie durch die Welt und musizieren –

eine Kombination, die nicht nur auf

dem Papier kaum romantischer klingen

könnte. Denn die spartanischen,

sensibel-zweistimmig gesungenen

Akustikfolksongs der beiden gehen

unter die Haut und ins Herz.

8. 5. München – 10. 5. Frankfurt –

11. 5. Köln – 13. 5. Hamburg – 14.

5. Bremen – 15. 5. Berlin

Jonathan Kluth

Auf seiner Debüt-EP „Rooms“ erweckt

der Singer/Songwriter Jonathan Kluth

seine alltägliche Umwelt klanglich zum

Leben. Knarzende Dielen und klirrende

Weingläser strahlen Homerecording-

Charme aus, während Kluth einfühlsam

zwischen Folk und Blues pendelt.

Seine raue Stimme, nur begleitet von

einer Gitarre, schwingt sich zuweilen

zu kraftvollen Momenten à la

Mumford & Sons auf – zum Beispiel

in seiner bei Youtube zu bestaunenden

Coverversion des Spandau-

Ballet-Klassikers „Gold“.

8. 5. Tübingen – 9. 5. Karlsruhe –

10. 5. Mannheim – 11. 5.

Rüdesheim – 12. 5. Alsfeld – 14. 5.

Freiburg im Breisgau – 17. 5.

Hamburg – 18. 5. Berlin – 19. 5.

Göttingen – 20. 5. Kaiserslautern

38


Tourneen

PRÄSENTIERT:

Foto: Nina Stiller

15.05. A-Graz, Open Air Gelände Stadthalle | & BOSSE

16.05. A-Salzburg, Domplatz | & BOSSE

17.05. A-Wien, Open Air Arena | & BOSSE

25.05. Schwerin, Freilichtbühne Schloßgarten | & Gäste

16.06. Fulda, Universitätsplatz | & Gäste

22.06. Tettnang, Schloßgarten | & BOSSE & Gäste

23.06. Schwäbisch Gmünd, Schießtalplatz | & BOSSE & Gäste

28.06. Stade, Open Air am Stadeum | & Gäste

11.07. München, Tollwood Festival | & Gäste

13.07. Gaggenau, Benzplatz | & Gäste

02.08. Weilburg, Festplatz | & BOSSE & Gäste

Stars in Town

10.08. Rottenburg, Eugen-Bolz-Platz | & Gäste

16.-18.08. Großpösna bei Leipzig,

23.08. Bochum/ Witten, Zeltfestival Ruhr

31.08. Jüchen, RED HOT OPEN AIR Gelände | & BOSSE & Gäste

01.09. Oelde, Waldbühne | & Gäste AUSVERKAUFT!

06.09. Magdeburg, Domplatz | zusammen mit SILLY

20.09. CH-Schupfart Festival

&

Bosse

Der Hamburger Songschreiber Axel Bosse hat erkannt,

dass Trauer oft nur eine Pose ist. Sogar bei alten Idolen.

Axel, dein neues Album wirkt um

einiges zufriedener als sein Vorgänger.

Ist es dir schwerer gefallen,

glückliche Songs zu schreiben?

Axel Bosse: Mir fallen die melancholischen,

traurigen Songs auf

jeden Fall leichter. Ich bin auch

aus dem Grund Musiker geworden,

dass ich eben auf Songs

abgeflasht bin, die schwerer

waren als mein Leben selbst. Aber

mir ist aufgefallen, wie gut es mir

gerade geht: Ich habe ein ausgefülltes

Leben mit einer tollen Frau

und einem tollen Kind, und ich

kann Musik machen. Da merkt

man, wie wichtig es ist, sich Zeit

zu nehmen und sich um die Dinge

zu kümmern, die man sonst aus

den Augen verliert. Ich bin da ein

ziemlich spießiger Musiker.

Die Dinge müssen also nicht mit

großem Drama aufgeladen sein,

um wichtig zu sein?

Bosse: Die kleinen Dinge sind die

Großen. Zum Beispiel sich an einer

Horde Kraniche, gepflügten Feldern

oder dem Himbeerbeet im Garten

zu erfreuen – das wäre mir früher

nicht passiert. Ich rede auch echt

mehr über Natur, daran merkt man,

wie alt ich geworden bin …

Hältst du es also für einen Irrglauben,

dass ein depressiver Appeal

interessant macht?

Bosse: Na ja, ich glaube schon,

dass ich früher Typen wie Kurt Cobain

und Johnny Depp genau deswegen

geil fand. Auf den ersten

Blick ist es interessanter, wenn jemand

vor dir steht, und du denkst:

Mann, der ist einfach nicht zu greifen.

Es wäre aber spannend zu

gucken, wieviel davon Fake ist oder

sich von Leuten selbst eingeredet

wird. Robert Smith (Sänger von

The Cure, die Red.) zum Beispiel

ist, glaube ich, ein ziemlich geiler,

normaler Opa. Und immer nur,

wenn er auf die Bühne geht, macht

er sich die Haare komisch.

Interview: Lasse Nehren

Kraniche ist bereits im Handel.

10. 4. Mannheim – 11. 4.

Freiburg – 12. 4. Stuttgart –

14. 4. Saarbrücken – 15. 4.

Köln – 16. 4. Dortmund – 18. 4.

Erfurt – 19. 4. Leipzig – 20. 4.

München – 22. 4. Nürnberg –

23. 4. Frankfurt – 25. 4.

Hannover – 26. 4. Hamburg –

27. 4. Hamburg – 30. 4.

Bremen – 2. 5. Dresden – 3. 5.

Cottbus – 4. 5. Berlin

39

Das neue Album „Kraniche“ inkl.

der Single „Schönste Zeit“

überall im Handel

Das Debut-Album

„Heute Ist Für Immer“

ab 19.04. im Handel!

12.05. Köln

14.05. Hannover

15.05. Dortmund

17.05. Bremen

18.05. Hamburg

20.05. Offenbach

21.05. Stuttgart

22.05. Saarbrücken

31.05. Neubrandenburg

01.06. Cottbus

07.06. Chemnitz

08.06. Sondershausen

Tickets: undercover.de

14.06. Schwerin

15.06. Dresden

21.06. Leipzig

21.07. München

17.08. Berlin

06.09. Magdeburg

Das neue Album "KOPF AN KOPF" inkl. der Single

"DEINE STÄRKEN" überall im Handel

TOUR

10.04. Mannheim

11.04. Freiburg

12.04. Stuttgart

14.04. Saarbrücken

15.04. Köln

16.04. Dortmund

18.04. Erfurt

19.04. Leipzig

20.04. München

22.04. Nürnberg

04.04. München*

12.04. Düsseldorf

13.04. Bielefeld

15.04. Kiel

20.04. Dresden

21.04. Leipzig

02.11. Bremen

03.11. Münster

07.11. Freiburg

08.11. Stuttgart

09.11. München

13.11. Frankfurt

15.11. Köln

MICHAEL SCHULTE

Tour:

01.05. A – Wien

02.05. Burglengenfeld

05.05. Karlsruhe

07.05. Stuttgart*

08.05. Erfurt

TOM LÜNEBURGER

10.10. Wolfsburg

11.10. Oberhausen

12.10. Kavelaer

13.10. Bonn

15.10. Aschaffenburg

16.10. Trier

17.10. Aachen

18.10. Essen

WEITER

23.04. Frankfurt*

25.04. Hannover*

26.04. Hamburg *

27.04. Hamburg *

29.04. Bremen*

30.04. Bremen*

02.05. Dresden

03.05. Cottbus*

04.05. Berlin*

21.12. Hamburg

22.04. Erfurt

26.04. Koblenz

27.04. Pforzheim

28.04. Soest

29.05. Wolfhagen

PLATZHIRSCHE

DAS NEUE PROGRAMM!

2013

FESTIVALS

19.05. Straubing

24.05. NDR2 Plaza

07.06. Rock im Park

08.06. Rock am Ring

19.07. Deichbrand

21.07. Serengeti Festival

03.08. Big Day Out

10.08. Open Flair

17.08. Braunschweig

07.09. DeutschPoeten

*Ausverkauft

01.09. Meiningen

17.09. Ingolstadt

08.10. Augsburg

10.10. Zürich

* Zusatztermin

HEUTE IST FÜR IMMER - TOUR 2013

16.11. Bielefeld

28.11. Leipzig

17.11. Dortmund

29.11. Hannover

19.11. Saarbrücken 30.11. Berlin

20.11. Mannheim 13.12. Rostock

21.11. Göttingen

14.12. Hamburg

22.11. Dresden

23.11. Cottbus

„GROW OLD WITH ME“

– SOLO ACOUSTIC TOUR 2013

09.05. Berlin*

10.05. Hamburg*

11.05. Bremen

*Zusatztermin

„LIGHTS“ – TOUR 2013

19.10. Düsseldorf

26.10. Zwickau

30.10. Ravensburg

31.10. Freiburg

01.11. Kaiserslautern

02.11. Fulda

06.11. Paderborn

GUTEN MORGEN DEUTSCHLAND!

27.05. Berlin

30.05. Frankfurt/Main

28.05. Köln

31.05. Stuttgart

29.05. Hamburg 02.06. München

Festivals & Open Airs 2013:

01.06. Dippoldiswalde

06.07. Ascheberg

12.07. Mosbach

01.08. Brilon

07.11. Münster*

08.11. Hamburg*

09.11. Friedeburg

12.11. Cottbus

13.11. Dresden

14.11. Erfurt*

15.11. Osnabrück

*Zusatztermin

Die Single

„Guten Morgen Deutschland“

ab Mai im Handel


Tourneen

Foto: Universal

Foto: Herbert Zimmermann

Foto: Four Artists

77 Bombay

Street

Nick Howard

Nach seinem Sieg bei „The Voice of Germany“ ist der

britische Sänger Nick Howard auf Erfolgskurs. Aber

hätte er es nicht besser in England versuchen sollen?

Nick, vor deinem Durchbruch bei

„The Voice of Germany“ hast du dir

auf Youtube vor allem mit Coverversionen

einen Namen gemacht. Ist

Youtube heutzutage unabdingbar,

um als Musiker überhaupt erst

mal Aufmerksamkeit zu bekommen?

Nick Howard: Es ist definitiv ein

wichtiges Tool in der heutigen Zeit.

Trotzdem kann Youtube das Livespielen

nicht ersetzen. Um Interesse

zu erzeugen, ist es perfekt.

Im Song „The Pressure“ auf deiner

ersten Platte klagst du über den

steigenden Druck, der dir den

Schlaf raubt. Jetzt stehst du natürlich

noch mehr im Rampenlicht.

Kriegst du überhaupt noch ein

Auge zu …?

Howard: Kommt darauf an. Ich

kann leider meinen Kopf nicht immer

abschalten. Ich kann aber

schon schlafen. Ich versuche, gesund

zu leben und möglichst früh

ins Bett zu gehen, dann geht das

schon.

Du hast große Erfahrung als Musiker.

Trotzdem giltst du nun überall

als Newcomer. Amüsiert dich

das?

Howard: Ich war jahrelang als Independentmusiker

und -Singer/-

Songwriter unterwegs und wurde

so auch wahrgenommen. Über die

Jahre hatte ich mir eine Fanbasis

erspielt. Allerdings sind extrem viele

neue Fans über „The Voice“ dazugekommen.

Für die bin ich sicherlich

ein Newcomer – für alle anderen

bin ich Nick Howard, den

sie schon seit Jahren kennen.

Die langfristigen Erfolgschancen

deutscher Castingshowteilnehmer

sind erfahrungsgemäß mau. In deiner

Heimat England dagegen konnten

sich Kollegen wie Leona Lewis

oder One Direction etablieren.

Warum bist du trotzdem in der

deutschen Show angetreten?

Howard: Ich hatte meine ersten

richtigen Fans hier in Deutschland,

deswegen war es für mich klar, es

hier zu probieren. Es zählt letztendlich

nur die Musik. Wenn es den

Leuten gefällt, werden sie bei dir

bleiben – egal ob du aus einer Castingshow

hervorgegangen bist

oder nicht.

Interview: Samanta Hoffmann &

Matthias Wagner

8. 4. Hamburg – 9. 4. Hannover

– 10. 4. Dresden – 12. 4.

Nürnberg – 13. 4. Mannheim –

15. 4. München – 16. 4.

Stuttgart – 17. 4. Köln – 19. 4.

Münster – 21. 4. Bremen –

22. 4. Braunschweig – 23. 4.

Berlin – 24. 4. Frankfurt

Obwohl – oder womöglich gerade

weil – bei den Schweizern 77

Bombay Street alle Mitglieder texten

und singen, gelingt ihnen eine

stimmige Mischung. Sie runden

die Ecken und Kanten von voluminös-kraftvollen

Britrocksongs

mit umschmeichelndem Folk ab.

Ihre absolute Hingabe an Melodien,

die von verträumterer Anschmiegsamkeit

nicht sein könnten,

ist definitiv die Gemeinwaffe

der vier Brüder.

13. 5. Mannheim – 14. 5. Köln

– 15. 5. Frankfurt – 16. 5.

Dortmund – 17. 5. Bremen –

18. 5. Hamburg – 19. 5. Berlin

– 21. 5. München – 22. 5.

Stuttgart

Team Ghost

Der Federführer von Team Ghost, Nicolas Fromageau, gehörte früher

zum Dreampopprojekt M83. Auch sein neues Projekt widmet sich dem

Dreampop, der Sound weicht aber vom weichen Gesamtbild des Vorgängers

ab. Die weitläufigen Synthieflächen sind durchsetzt mit krachigen

Gitarren und Düsterkeit, und so entsteht mit „Rituals“ ein atmosphärisches

Album, das nicht nur spannend, sondern in seiner Eigenständigkeit

auch über den Verdacht eines bloßen Nachfolgeprojekts erhaben ist.

22. 4. Berlin – 23. 4. Hamburg – 24. 4. Köln

Tim Burgess

Bekannt wurde Tim Burgess als

Sänger der britischen Band The

Charlatans. Heute verdingt er sich

nebenbei als DJ und ist Mitglied

der Formation The Chavs, der

außerdem Carl Barât von den Dirty

Pretty Things, Andy Burrows von

Razorlight sowie Martin Duffy von

Primal Scream angehören. Ach ja,

und er ist solo mit Nashville-geprägtem

Lo-Fi-Pop unterwegs, der

Hochglanz meidet und lieber in

Richtung 1960er späht.

19. 5. Köln – 20. 5. München –

22. 5. Berlin – 23. 5. Hamburg

Foto: Bukee PR

40


Aktion

Gewinne mit Radeberger Pilsener unvergessliche Tage beim Wolkenkratzer-Festival in Frankfurt

Der Blick auf die Frankfurter Skyline von den Dächern

Mainhattans: Das erwartet die Besucher am 25. und 26. Mai

in der Frankfurter Innenstadt. Nach sechs Jahren Pause feiert

die Metropole in diesem Jahr wieder ihr berühmtes

Wolkenkratzer-Festival. Seit 1996 findet das Spektakel in

unregelmäßigen Abständen auf den Hochhäusern

Frankfurts statt, 2007 kamen fast 1,2 Millionen Besucher.

Auch in diesem Jahr bietet das von Radeberger Pilsner

unterstützte Festival wieder mehr als 100 spektakuläre

Attraktionen. An zwei Tagen können die Besucher auf die

normalerweise nicht frei zugänglichen obersten Etagen der

Hochhäuser kommen und von dort einen Blick auf die

beeindruckende Skyline der Mainmetropole werfen. Zur

musikalischen Unterhaltung gibt es am 25. Mai bei der

„Nacht der Wolkenkratzer“ ein exklusives Konzert der Pop-

Ikone Nena. Zusätzlich erwarten die Besucher Attraktionen

wie die „Castellers de Vilafranca“, die menschliche Türme

errichten, Fallschirmspringer, Base Jumper, Feuerwerke und

Lasershows, sowie den Slackliner Reinhard Kleindl. Dieser

wird in 200 Metern Höhe auf dem Hochhaus TOWER 185

sein Talent und seinen Mut unter Beweis stellen.

Frankfurts Hochhäuser stehen für Dynamik, Wirtschaftskraft

und Lebensfreude – und genau das möchten

die Stadt Frankfurt und Radeberger Pilsner mit

ihrer Non-Profit-Veranstaltung feiern. Wie schon bei

der Zusammenarbeit mit der Dresdner Semperoper,

dem Classic Open Air in Berlin oder den Chemnitzer

Filmnächten, ließ es sich Radeberger Pilsner auch

diesmal nicht nehmen, Kulturförderer zu sein.

Radeberger Pilsner und kulturnews verlosen

einen Aufenthalt für zwei Personen im

Rahmen des Wolkenkratzer-Festivals – inklusive

Übernachtung im 4-Sterne-Hotel, exklusiver

VIP-Betreuung und speziellem Abendprogramm

mit Livemusik und Verpflegung. Zur

Teilnahme einfach bis zum 24. April eine E-Mail

mit dem Betreff „Wolkenkratzer-Festival“ an

info@bunkverlag.de schicken.

Viel Glück!

Weitere Infos zum Festival finden sich unter

www.wolkenkratzerfestival.de.


Tourneen

Foto: Insideout

Foto: Bukee PR

Foto: Contra Promotion

Steve Hackett

Genesis sind Geschichte, doch Ex-Gitarrist Steve Hackett

hält das starke Songmaterial aus den 70ern am Leben –

sogar live.

Steve, viele junge Leute schwärmen

für die 70er, kennen sie aber

nur aus den Medien. Wie haben

Sie diese Zeit erlebt?

Steve Hackett: Ich hatte lange

Haare, war aber kein Hippie.

Genesis waren im Großen und

Ganzen drogenfrei. Und ich hatte

jede Menge Sex, denn es gab kein

Aids damals.

Genesis taten etwas Ungewöhnliches:

Bis zum Ausstieg von Peter

Gabriel teilten sich die Mitglieder

die Tantiemen zu gleichen Teilen.

Hackett: Wir waren ein Songwriterkollektiv,

es war das sozialistische

Modell. Alle Genesis-Mitglieder

waren kreativ, von 1971 bis

75 war unsere Musik eine Gruppenkomposition.

Danach wurde die

Stimmung kämpferischer, es bildeten

sich Allianzen. Nachdem ich

die Gruppe 1977 verlassen hatte,

kehrten sie zum demokratischen

Modell zurück. Die Credits gleich

aufzuteilen erspart einer Band eine

Menge Kämpfe.

Wie hat Genesis damals den Aufstieg

von einer Clubband zum

Rockgiganten geschafft?

Hackett: Als Peter Gabriel die Band

1975 verließ, spielten wir vor

4000 Leute pro Nacht. Darauf

stieß der renommierte Schlagzeuger

Bill Bruford zu uns, was

unsere Zuschauerzahlen weiter

steigerte. Phil Collins wurde unser

Frontmann, er war sehr charismatisch,

aber auf eine andere Art als

Peter.

Keiner kann verstehen, warum Sie

Genesis verlassen haben …

Hackett: Ich wollte künstlerische

Freiheit. Den Schritt habe ich nie

bereut. Viele Gitarristen erkennen

meinen Einfluss an, darunter auch

Eddie Van Halen.

Sie haben auf „Genesis Revisited

II“ alte Aufnahmen neu eingespielt.

Glauben Sie, es ist eine gute Zeit

für Progrock?

Hackett: Damals nannten wir es

nicht so. Einige Lieder sind eine

Minute dreißig lang, andere füllen

ganze Albumseiten. Das war für

uns ganz natürlich. Ja, es ist eine

gute Zeit – Progrock beeinflusst den

Mainstream, das beweisen Muse.

Interview: Henning Richter

29. 4. Leipzig – 30. 4. Stuttgart –

2. 5. München – 3. 5. Mainz –

5. 5. Oberhausen – 6. 5.

Hamburg

Fayzen

Statt als Rapper könnte man Farzad

Zoroofchi alias Fayzen durchaus

auch als Singer/Songwriter

bezeichnen. Der Hamburger changiert

im Vortragsstil zwischen

Spoken-Word-Passagen, rhythmischem

Sprech- und zurückhaltend

melodiösem Gesang. Piano und

gestreicheltes Schlagzeug lassen

seinen ruhigen, sinnierenden Worten

Raum, und elektronische

Tupfer gestalten das zurückgenommene

Klangbild auf subtile

Art spannend und einnehmend.

25. 5. Osnabrück – 26. 5.

Hamburg – 27. 5. Köln – 28. 5.

Frankfurt – 29. 5. München –

30. 5. Stuttgart – 31. 5.

Konstanz – 1. 6. Mannheim –

2. 6. Berlin

Skip The Use

Di-Rect

Die Rocktruppe Di-Rect aus Den

Haag weiß auf mehr als einer

Ebene zu überraschen. Es beginnt

bei Sänger Marcel Veenendaal:

Dem Wuschelkopf und Bartträger

hätte man seine klare, sanfte

Stimme kaum zugetraut. Hinzu

kommt, wozu er sein engelsgleiches

Organ erhebt – das Quintett

springt von besinnlichen Balladen

über Punkeinflüsse hin zu ebenso

kraftvollen wie feinsinnigen Rocknummern

und schafft es, ohne

Kraftverlust auf Anschmiegsamkeit

zu setzen.

26. 5. München – 27. 5. Berlin –

28. 5. Dortmund – 30. 5.

Hamburg – 31. 5. Köln

Was sich zunächst als solider, adrenalingeladener Elektrorock tarnt,

kommt bei den Franzosen Skip The Use mit überraschenden Details um

die Ecke: In die muskulös gespielten Gitarrenfiguren arbeitet das Trio

präzise gesetzte Funkakzente ein, die ihre Wirkung nicht verfehlen. So

lässt es sich irgendwo zwischen Keller- und Designerclub tanzen, und

sicher ist nur eins: Kaltlassen wird das niemanden.

30. 5. Berlin – 31. 5. Hamburg – 1. 6. Köln – 2. 6. München

Foto: Bukee PR

42


Tourneen

TOURNEENÜBERBLICK

Bruce

Springsteen

26. 5. München

28. 5. Hannover

5. 7. Mönchengladbach

7. 7. Leipzig

Alicia Keys

4. 6. Frankfurt

5. 6. Köln

10. 6. Hamburg

16. 6. München

3 Doors Down

10. 6. Hamburg

11. 6. Berlin

18. 6. Kassel

Widowspeak

6. 5. München

7. 5. Berlin

12. 5. Hamburg

13. 5. Köln

14. 5. Frankfurt

Chilly

Gonzales

10. 5. München

7. 7. München

13. 5. Berlin

8. 7. Stuttgart

26. 7. Würzburg

Betty Dittrich

6. 4. Bremen

7. 4. Hamburg

8. 4. Duisburg

10. 4. Köln

11. 4. Hannover

12. 4. München

15. 4. Dortmund

21. 4. Berlin

Fun.

24. 4. Münster

30. 4. Berlin

2. 5. Hamburg

Bosse

10. 4. Mannheim

11. 4. Freiburg

12. 4. Stuttgart

14. 4. Saarbrücken

15. 4. Köln

16. 4. Dortmund

18. 4. Erfurt

19. 4. Leipzig

20. 4. München

22. 4. Nürnberg

23. 4. Frankfurt

25. 4. Hannover

26. 4. Hamburg

30. 4. Bremen

2. 5. Dresden

3. 5. Cottbus

4. 5. Berlin

21.12. Hamburg

Bastille

19. 4. Köln

21. 4. Berlin

22. 4. München

Lena

2. 4. Stuttgart

3. 4. München

4. 4. Nürnberg

6. 4. Dresden

8. 4. Berlin

10. 4. Hamburg

11. 4. Kiel

13. 4. Münster

14. 4. Dortmund

16. 4. Köln

17. 4. Saarbrücken

19. 4. Hannover

21. 4. Offenbach

18. 7. Singen

(Hohentwiel Festival)

30. 8. Fulda

Black Rebel

Motorcycle

Club

5. 4. München

7. 4. Berlin

8. 4. Hamburg

9. 4. Köln

Saint Lu

10. 4. Stuttgart

11. 4. München

15. 4. Konstanz

16. 4. Frankfurt

17. 4. Köln

19. 4. Cottbus

20. 4. Berlin

21. 4. Hannover

22. 4. Hamburg

23. 4. Bochum

24. 4. Bremen

Archive

4. 4. Stuttgart

5. 4. Leipzig

6. 4. Wiesbaden

7. 4. Freiburg

9. 4. Erlangen

10. 4. Krefeld

Stornoway

9. 4. Frankfurt

10. 4. Köln

11. 4. Hamburg

12. 4. Berlin

Katriana

11. 4. Berlin

12. 4. Kassel

13. 4. Dortmund

14. 4. Köln

18. 4. Magdeburg

19. 4. Hannover

23. 4. Darmstadt

24. 4. Stuttgart

25. 4. Freiburg

26. 4. Frankfurt

27. 4. Gießen

Blumentopf

12. 4. Freiburg

13. 4. Karlsruhe

14. 4. Heidelberg

16. 4. Bochum

17. 4. Osnabrück

18. 4. Chemnitz

19. 4. Potsdam

20. 4. Aschaffenburg

Laing

13. 4. Osnabrück

14. 4. Essen

16. 4. Köln

18. 4. Hameln

19. 4. Hannover

20. 4. Münster

22. 4. Hamburg

24. 4. Kiel

25. 4. Rostock

26. 4. Berlin

19. 5. Töging

Eels

7. 4. Hamburg

8. 4. Berlin

22. 4. München

Lana Del Rey

6. 4. Hamburg

15. 4. Berlin

17. 4. Düsseldorf

20. 4. Frankfurt

25. 4. München

Leslie Clio

18. 4. Stuttgart

20. 4. Frankfurt

21. 4. Köln

22. 4. Dortmund

23. 4. Münster

25. 4. Moritzbastei

26. 4. Hamburg

27. 4. Berlin

Balthazar

21. 4. Dortmund

22. 4. Frankfurt

23. 4. Heidelberg

24. 4. München

25. 4. Dresden

26. 4. Stuttgart

27. 4. Osnabrück

Two Gallants

13. 5. Düsseldorf

14. 5. Heidelberg

20. 5. Nürnberg

21. 5. Dresden

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43


Plattenkritiken

Foto: Alexa Vachon

The Knife

Shaking the Habitual

Rabid/Cooperative Music

Messer

im Kopf

Dieses Album sollte man eigentlich erst 2014

rezensieren. Aber es ist halt jetzt schon da.

ELEKTRONIKA Sieben lange Jahre haben The Knife auf den Nachfolger ihres

Großwerks „Silent Shout“ warten lassen, um der Welt jetzt diesen Brocken

vorzusetzen. „Shaking the Habitual“ läuft fast 100 Minuten, von den 13

Songs sind sechs länger als acht Minuten. Vermutlich hat niemand von dem

schwedischen Geschwisterpaar Dreijer leicht verdaulichen Elektropop erwartet,

der es mit dem Clubhit „Pass this on“ aufnehmen kann. Doch wenn der

Höhepunkt des 20-Minüters „Old Dreams waiting to be realised“ aus ein paar

verwischten Klaviertönen besteht, strapazieren sie den Avantgardebegriff

schon über Gebühr. Ihre Oper „Tomorrow, in a Year“, die sie 2010 gemeinsam

mit Mt. Sims und Planningtorock veröffentlichten, dürfte den scoreartigen

Charakter der neuen Songs mitbeeinflusst haben, wie ja auch schon die

Single „Full of Fire“ ihre volle Wirkung erst im Zusammenspiel mit dem verstörenden

Video der Künstlerin Marit Östberg erzielt. Doch das Album hat

auch zugänglichere Momente: Neben der zehnminütigen Stimmakrobatik

„Fracking fluid Injection“, die „Medulla“ von Björk wie Mainstream wirken

lässt, oder „A Cherry on top“, was als Hook bestenfalls den Sound eines

Sargdeckels anzubieten hat, stehen „Ready to lose“ mit einer konventionellen

Songstruktur und das von treibenden Beats gepeitschte „Stay out here“, bei

dem The Knife von Shannon Funchess und der Künstlerin Emily Roysdon

unterstützt werden. Stoff für die Tanzfläche oder gar das Radio dürfte es allerdings

erst geben, wenn Coverversionen auftauchen oder Remixer rangehen. Es

werden eh Monate vergeben, bis sich die Bedeutung von „Shaking the

Habitual“ ermessen lässt. So ein Brocken will erst mal verdaut werden. (cs)

Betting On The Mouse

Betting On The Mouse

Questions & Answers

ALTERNATIVE POP Die dänische

Formation um die Singer/Songwriterin

Martha Marie Skou legt

ein Debüt vor, dem sein verschlepptes

Tempo Segen und

Fluch zugleich ist. Sanft elektronische

Klänge wattieren das organisch

instrumentierte Soundgerüst

aus hölzernen Perkussionssounds,

Schnipsen und unverfälscht-direktem

Klopfen auf hautbespannte

Trommeln. BOTM verlangen

Geduld – oder vielmehr eine

Abkehr von popkonventionellen

Erwartungen: Ihre Songs sind

bewegungsarm und erfüllen nicht

die Forderung, einer stoischen

Strophe müsse ein befreiender

Refrain folgen. In den besten

Momenten mündet ihr Konzept in

Rhye-ähnlicher Intimität, weniger

soulig, dafür mit leichtem Düsterpopeinschlag.

Großartige Songs

wie „Paralyzed“ und „One Lover“

zeigen, wie gut BOTM die Dynamik

von Vorhandenem und Ausgespartem

zu nutzen wissen.

Andere Songs auf ihrem nur 35

Minuten langen Erstling tun sich

deutlich schwerer mit der ehrenwerten

Aufgabe, mehr zu sein als

Gemeinplätze. Und das ist eben

das große Risiko im Spiel mit der

Reduziertheit: Wenig kann auch

nur wenig verschleiern. (lan)

Billy Bragg

Tooth & Nail

Cooking Vinyl

FOLKPOP „Sünde“, „brennender

Busch“, „heiliger Gral“: Der romantische

Sozialist Billy Bragg

greift neuerdings erstaunlich oft

auf religiöse Metaphern zurück.

Weicht der Furor des Agitators allmählich

der existenziellen Angst

des alternden Mannes? „Keiner

weiß mehr irgendwas“, barmt der

55-Jährige, „die Blinden führen

die Blinden.“ Finanzkrise, Rettungsschirme,

die Schere zwischen

arm und Reich: Für einen

wie Bragg müssen es bittere

Zeiten sein, und seine Songs thematisieren

frustriert den Abschied

vom Kampf, die Hinwendung zum

Privaten, der einzigen verlässlichen

Größe (wenn man Glück hat). Sie

heißen „Swallow my Pride“ oder

„Goodbye, goodbye“; das einzige

Cover ist denn auch Woody

Guthries Entfremdungslamento

„Ain’t got no home“. Hienieden

kein Zuhause mehr: Für einen

echten Linken wie Bragg stimmt

das buchstäblich. Das schleppende

Finale „Tomorrow’s going to be

a better Day“ wirkt in dieser

Sammlung trauriger Rückzugssongs

nur wie die pflichtschuldige

Übung eines Überzeugungstäters,

dem die Kraft ausgeht – zumal es

kontaminiert ist mit Sarkasmus.

Joe Henry wirft all dem einen

durchsichtigen semiakustischen

Sound über. Eine traurigschöne

Platte über die Zeit nach dem

Zorn. (mw)

Bluey

Leap of Faith

Dome Records

FUNK Mehr als 30 Jahre stellte

Jean-Paul „Bluey“ Maunick seine

Talente in die Dienste der

Acidfunker Incognito. In diesem

Kontext wirkte er exakt so wie bei

seinen Jobs in Diensten von Stevie

Wonder, Paul Weller oder Boz

Scaggs: immer schön aus dem

Hintergrund Impulse liefern, die

den Star in Szene setzen. Doch

selbst der geduldigste Sideman

will irgendwann sein Ego streicheln

– und Maunick zeigt auf seinem

Solodebüt all das, was er

zuvor stets für andere ablieferte:

popsouligen Gesang, knusprige

Gitarrenlicks, übereinandergestapelte

Keyboardklimpereien, tieffre-

44


Plattenkritiken

quente Grooves – also eine dicke

Ladung sauberen Soulfunk, der

nie in seichte Discopeinlichkeiten

abdriftet, sondern die Seriosität

des Genres fett unterstreicht. (ron)

Caroline Henderson

Lonely House

Sony

VOCAL JAZZ 66 Jahre nach seiner

Entstehung interpretiert

Caroline Henderson den Broadwaysong

„Loneley House“.

Szenische, sphärische Klangkomposita

bestimmen Hintergrund

und Handlung, hinzu

kommt ein gewaltiger und ungnädiger

Rhythmus, der das Lied

endgültig in existentialistische

Gefilde überführt. Es ist ein

melancholisches Meisterstück,

dessen Dramaturgie und Setting

durchaus die Güte von Frank

Millers „Sin City“ erreichen. Die

anderen Lieder sind ähnlich szenisch

ausgelegt. So erfährt auch

„Ballad of the Soldier’s Wife“ eine

eigene unwiderstehliche

Interpretation. Das klingt nach

Avantgarde und ist vorzüglicher

moderner Jazz. Die 51-jährige

Caroline Henderson behauptet

sich damit als eine der besten

Sängerinnen der Gegenwart.

Wenn man etwas vom Leben verstanden

hat, dann singt man so.

Und nur solche Gesangskünstler

möchte man hören. (jan)

Charles Bradley

Victim of Love

Daptone Records

RETROSOUL Der 63-jährige Soulsänger

aus Brooklyn legt mit seinem

Zweitwerk „Victim of Love“

das beste Stax-Album vor, das

1968 nicht eingespielt wurde.

Alles stimmt bis aufs Haar: die

rattenscharfen Bläsersätze, die

Backgroundmiezen, die brachial

separierten Stereokanäle. Und

natürlich die Raubkatzenheiserkeit

Bradleys, seine punktgenau

eingestreuten Ächzer, das virile

Barmen und Schmachten in

Liebesballaden wie „Let Love

stand a Chance“. Nur beim psychedelisch

angehauchten

„Confusion“ wagt er einen Shritt

weg vom Stax-Schema. Bradley

hat viele (meist miese) Jobs

gehabt in seinem von Armut und

Tristesse geprägten Leben, ehe er

mit 61 als Soulcrooner debütierte;

eine Zeitlang war er sogar James

Browns Doppelgänger. Nach dieser

Platte ist man allerdings gar

nicht mehr so sicher, ob es nicht

genau umgekehrt war. (mw)

Crime &

The City Solution

American Twilight

Mute

ARTROCK Ihr Einfluss auf Nick

Cave ist unüberhörbar, und auch

die Yeah Yeah Yeahs sind große

Fans von Crime & The City Solution.

Das Musikerkollektiv um den

manischen Sänger und Performer

Simon Bonney mischte Ende der

70er zunächst die Artpunkszene

in Melbourne auf, um dann Mitte

der 80er auf Initiative von Mick

Harvey in Berlin für Aufregung zu

sorgen. Nach mehr als zwei

Jahrzehnten Auszeit hat Bonney

jetzt ein drittes Mal eine illustre

Truppe um sich geschart. Unter

anderem sind Alexander Hacke,

David Eugene Edwards (Wovenhand,

16 Horsepower) sowie der

ehemalige Cat-Power-Schlagzeuger

Jim White am Comeback

beteiligt. Crime & The City Solution

pendeln mit ihren düsteren

Kompositionen zwischen Artrock,

Country, Blues und Wave, und es

drängen sich Parallelen zum

gefeierten aktuellen Nick-Cave-

Album „Push the Sky away“ auf.

45


Plattenkritiken

Womöglich ist es die Erforschung

der eigenen Abgründe, die in Zeiten

universeller Untergangsstimmung

Orientierung bietet. (cs)

Dear Reader

Rivonia

City Slang

INDIEPOP Als Tom Schilling 2012

im Film „Oh Boy“ auf der Suche

nach dem nächsten Koffeinkick

durch Berlin slackte, kam die

Klaviermusik dazu von Cherilyn

MacNeil alias Dear Reader. Die

Südafrikanerin ist vor ein paar

Jahren in Neukölln gestrandet,

jetzt, auf ihrem dritten Album,

wagt sie sich an die Vergangenheitsbewältigung.

Die Platte heißt

wie das Johannesburger Viertel

ihrer Jugend, und indem MacNeil

etwa von den Schauprozessen

gegen Nelson Mandela oder den

ersten freien Wahlen nach dem

Ende der Apartheid aus fiktionalisierter

Perspektive erzählt, schafft

sie Verbindungen zwischen der

Geschichte ihres Heimatlandes

und der eigenen Suche nach

einem Platz im Leben. Auch musikalisch

ist MacNeil mutig:

Während der Großteil der

Kompositionen spartanisch mit

Klavier und Schlagzeug arrangiert

ist, hat sie auch opulente

Gegenentwürfe eingestreut und

steigert Songs wie „Back from the

Dead“ und „Victory“ bis in die

Nähe eines Musicals. Dabei ist

allen Stücken gemein, dass

MacNeils Gesang wie nie zuvor in

den Vordergrund rückt. Und

schließlich hat sie das bisher beste

Dear-Reader-Album auch noch

selbst produziert. Oh Girl! (cs)

Harper Simon hält sich stilistisch

schön fern von Papa Paul – und

landet mit „Division Street“ (Pias)

bei munter stampfendem

Psychedelic Rock von Spectorhafter

Üppigkeit.

Depeche Mode

Delta Machine

Mute Records

ELEKTROPOP Das Trio um Dave

Gahan taucht diesmal in tiefste

Bassregionen ab. Es knarzt dort, es

sägt, schlurft und grummelt. Doch

leider ist diese Vermessung des

schattigen Unterholzes gespickt mit

Selbstzitaten. Wiederholung kann

durchaus eine Kunstform sein,

doch so wie Depeche Mode damit

umgehen, ist es nicht mehr als ein

zähes Wiederkäuen. Nur im Stück

„Slow“ wird es interessant, da bringen

Depeche Mode Blueszitate, mit

denen sie ihr elektronisches Haus

äußerst kreativ möblieren.

Insgesamt aber klingt das Album,

als hätten Depeche Mode ihre

Elektrotechnik und ihren

Klangkosmos vor Jahren eingefroren

und beides für „Delta Machine“

noch mal aufgetaut. Futuristische

Musik, die Depeche Mode durchaus

mal draufhatten, muss heute

einfach anders klingen. (fxaz)

Edwyn Collins

Understated

AED Records

RETROPOP Edwyn Collins’ Vita teilt

sich in eine Existenz vor und nach

den Schlaganfällen. Noch während

seiner Rekonvaleszenz spielte er

„Losing Sleep“ ein – ein vielbeachtetes

Comeback mit illustren Studiogästen,

klug arrangierten Songs

und dem Sympathiebonus eines

nimmermüden Geists, der dem Tod

von der Schippe gesprungen ist.

Und jetzt „Understated“: eine konsequente

Arschbombe ins Swinging

London der 60er mit der Weisheit

eines Mittfünfzigers, der sich längst

nicht mehr um Charttauglichkeit

schert. Schweineorgel, Schepperschießbude

und analoge Gitarreneffekte

prägen das Album vom

ersten bis zum letzten Track. Die

Magie des verhuschten Tunnelsounds

gab’s schon beim Vorgängeralbum,

und so lange Collins

noch Storys zu erzählen hat, wird

das vermutlich seine Marke bleiben.

Gern mehr davon. (ron)

Fela Kuti

The Best of the black

President 2

Knitting Factory

AFROJAZZ Ein Best-of der nigerianischen

Legende Fela Kuti?

Eigentlich unsinnig. Kutis Meisterwerke

sind epische Jams; davon

würden drei oder vier schon die

Laufzeit einer Scheibe füllen. Die

Doppel-CD „The Best of the black

President 2“ erfüllt dennoch eine

wichtige Funktion: Sie verweist auf

die sich bis September hinziehende

schubweise Wiederveröffentlichung

von Kutis Gesamtwerk; auch eine

Gesamtbox ist geplant. Die enthält

26 CDs plus DVD des wohl wichtigsten

afrikanischen Musikers

überhaupt. Kuti, der 1997 in Lagos

beerdigt wurde, verband politisches

Engagement mit hypnotischen

Rhythmen, die Brücken schlugen

zwischen dem tribalen Afrika und

der Jazzmoderne. Jeder Beat ein

Treffer, jeder Vers ein Schuss gegen

Kulturimperialismus und korrupte

postkoloniale Eliten. Kutis Afrobeat

geht in die Beine und in die Birne –

und verschaffte ihm Narben am

ganzen Körper, so oft wurde er vom

Regime misshandelt. Doch seine

Musik geriet nie zur Klage, sondern

blieb immer ein tranceartiger

Rausch aus Wut, Widerstand und

Liebe. Das vermittelt ansatzweise

auch diese Best-of – auf der natürlich

kein einziger Track eine einstellige

Laufzeit hat. (mw)

Joe Bonamassa

An acoustic Evening at

the Vienna Opera House

Provogue/Mascot

BLUES Dieser Mann, der sich auf

der Bühne hinter dunklen Brillengläsern

zu verstecken versucht,

wirkt zu ernst und distanziert fürs

Business. Doch ob er steif am

Bühnenrand Hardrockriffs runtergniedelt

oder mit einem historischen

Sechssaiter auf den Knien

einen Railroadsong zelebriert: Jedes

Gramm Seele, Talent und Ehrfurcht

steckt Joe Bonamassa in seine

Projekte. Ein ganz großer Wurf ist

die jetzt in allen Abspielformaten

von Blu-ray bis Vinyl erhältliche

Dokumentation seiner Akustikkonzerte

2012. Wenn einer die

ehrwürdige Bühne des Jazzfestivals

zu Montreux quasi als Proberaum

nutzt, um dann mit einem Schlenker

über Südfrankreich im Wiener

Opernhaus aufzuschlagen, dann

darf man einiges erwarten: Bonamassa

vor einem neideinflößenden

Halbrund alter Gibsons, Martins

und Nationals, konzentriert bis in

die Haarspitzen, doch keineswegs

maulfaul. An seiner Seite der irische

Banjospieler Gerry O’Connor,

der Schwede Mats Wester mit seiner

Nyckelharpa, Arlan Schierbaum

und sein charmant schräggestimmtes

Bordellklavier, dazu Lenny

Castro mit seinem halben Seecontainer

voll Schlagwerk. Ja, es gibt

auch Blues, doch in der Hauptsache

ist Bonamassa mit seiner

Band hier der amerikanischen

Schmelztiegelkultur auf der Spur.

Und er spielt und singt in seinen

besten Momenten wie Page und

Plant in einem Körper. Die zweite

Scheibe liefert mit einem dreiviertelstündigen

„Making of“ einen

wichtigen Blick hinter Bonamassas

dunkle Brillengläser. (ron)

Van Halen erlebten in der ersten

Hälfte der 80er ihre kreativste

Phase. „The Studio Albums

1978–1984“ (Rhino) stecken nun

in einem limitierten 6-CD-Boxset.

Und ja, „Jump“ ist auch drin.

46


Plattenkritiken

nach den Legenden aus Düsseldorf.

Was interessant gewesen wäre: die

Fundstücke unbearbeitet zu veröffentlichen.

Wie wär’s? (mw)

fehlt es nur an etwas Wucht und

Konzentration, dann hätten schöne

Momente wie „Piece of the Sun“

besser wirken können. (ms)

John Medeski

A different Time

OKeh Records

Karl Bartos

Off the Record

Bureau B

PIANOJAZZ Es gibt eine Sprache,

die als Botschafter zwischen

Emotion und Intellekt fungiert,

sagt John Medeski. Dass der USamerikanische

Pianist damit die

Musik meint, bedarf keiner weiteren

Erläuterung. Auf kaum eine

Einspielung Medeskis jedoch

dürfte dieser Satz so sehr zutreffen

wie auf seine aktuelle Soloproduktion.

„A different Time“ ist

von einer kontemplativen Ruhe

beseelt, die sich vielleicht noch

bei Jarretts Kölner Konzert einzustellen

vermochte. Romantisch

inspirierte Miniaturen wirft

Medeski hin, schwelgt mit Pedal

und sonorem Bassspiel, liefert

lyrische Melodiefetzen. Hier geht

es um die Suggestivkraft bestimmter

Intervalle, Akkordfolgen und

Klangfarben. Medeski fordert vom

Hörer nicht viel – einzig die

Bereitschaft, alles außerhalb dieser

Musik für eine CD-Länge

abzulegen – und sich jener Sprache

hinzugeben, die Emotion und

Intellekt zusammenbringt. (ron)

ELEKTRONIKA 1990 stieg Karl

Bartos bei Kraftwerk aus. Das Werk

der Band war damals schon abgeschlossen;

der Kraftwerk-Nimbus

basiert also allein auf der Zeit mit

Bartos. Wie sehr muss es ihn wurmen,

dass Kraftwerk seither zum

Weltkulturerbe aufstiegen, im New

Yorker MoMa Konzerte zelebrieren,

quasi im Pantheon des Pop zu

Hause sind – mit seinen Tracks,

doch ohne ihn. Seine Solozeit hingegen

war von Erfolgen nicht verwöhnt.

Doch jetzt hat Bartos eine

Idee: alte Skizzen, Unfertiges aus

seiner Zeit in der Band als Basis für

neue Tracks zu nutzen. Kommt er

damit den Göttern wieder näher?

Nun: nein. Zwar spürt man die

Kraftwerk-DNS in seinen Melodien.

Doch der lakonische Minimalismus

der Klassiker, der einst verblüffte

und jede Kitschgefahr im Keim

erstickte: Er geht Bartos ab. Stattdessen

trägt er mit breitem Pinsel

synthetische Farbschichten auf,

müht sich gar um richtiges „Singen“

– und klingt so in den trübsten

Momenten (etwa in „Without a

Trace of Emotion“) eher nach

Leichtgewichten wie De/Vision als

Kashmir

E.A.R.

Columbia

GITARRENROCK Oha. Der überschwängliche

Enthusiasmus, mit

dem Kashmir „No Balance Palace“

2005 zu einem Standardwerk

skandinavischen Indierocks machten,

ist weg. Dafür verschwurbeln

die Dänen auf „E.A.R“ Harfe,

Elektrobeats und Sprachsamples

mit angedeutet progressiven Songstrukturen.

Während Kasper Eistrup

& Co. schon immer ein wenig ins

Esoterische lugten, hat ihr neues

Werk etwas zu viel davon abbekommen.

Das Intro des achtminütigen

„Pedestals“ zergeht wie

Camembert in der Mittagssonne,

der 80er-Synthiepop von „Purple

Heart“ klingt altbacken. „E.A.R“

wirkt insgesamt eigenartig weggetreten,

franst nach der Hälfte ohne

Höhepunkte einfach aus. Vielleicht

hatten sie keine Lust mehr auf fetzende

Gitarren. Vielleicht war es

auch ein Liebesrausch, der hier für

den akustischen Dauerweichzeichner

verantwortlich ist. Dabei

Killswitch Engage

Disarm the Descent

Roadrunner

MELODIC METAL Obwohl er vor

gut zehn Jahren per E-Mail mit der

Band Schluss machte, ist Jesse

Leach nun zurück am Mikrofon von

Killswitch Engage. Nachdem der

langjährige Sänger Howard Jones

die Band vergangenes Jahr verließ,

musste Leach jedoch erst mal vorsingen,

bevor er eine zweite Chance

bekam. Das Ergebnis gibt der

Entscheidung recht: Der Gesang

auf „Disarm the Descent“ klingt

frisch und motiviert, in „New

Awakening“ besingt Leach enthusiastisch

das Recht auf einen

Neubeginn. Ein musikalischer

Neuanfang ist dieses sechste

Studioalbum des Bostoner Metalcore-Fünfers

jedoch nicht, vielmehr

entwickeln Killswitch Engage ihr

Erfolgsrezept einfach stringent weiter.

Shout- und Growlpassagen

wechseln sich mit Melodien ab,


Plattenkritiken

Moshparts mit Gitarrensoli und satten

Bässen. Das ist gut konstruiert,

das geht in die Gedärme, das bietet

Raum für Aggression wie Schwelgerei.

Kurz: Der kritische Moment

ist vorüber, Killswitch Engage stehen

2013 gut da. (es)

Le Fly

Grüß dich doch erstmal!

St. Pauli Tanzmusik

D-HIPHOP Le Fly kommen mit

ihrem zweiten Album mit einer so

geballten Ladung Energie, dass

man sich zwischen den Songs

schon fast nach einer Atempause

sehnt. Diese bekommt man aber

erst beim sechsten Track „Burnout“,

der im Vergleich zu den restlichen

Songs deutlich ruhiger gestimmt ist.

Die Hamburger bieten deutschen

Raprock und NuMetal, der ganz im

Zeichen guter Partylaune steht und

damit die Herzen der Fans von

Limp Bizkit und der Bloodhound

Gang höher schlagen lässt. Le Fly

scheuen sich nicht vor Sätzen wie

„Deine Lieder sind widerlich so

wie Adolf Hitler“. Zwischendurch

wird dann immer mal wieder englisch

gesungen, was erstaunlich

gut ins Konzept der Platte passt.

Das Album wirkt wie ein musikalischer

Koffeinschock, der beim

Zuhören eine Dynamik schafft, die

kein Energydrink bieten kann.

Vorzeigebeispiele dafür sind Songs

wie „Shootback“ oder „Eckis aus’m

Schacht“. Highlight: die erste

Singleauskopplung „Wir wollen

nach Rio“. (sho)

Seth Lakeman verwöhnt seine

Fans mit der auf 500 Exemplare

limitierten Vinylscheibe „Live with

the BBC Concert Orchestra“

(Honour Oak). Das Minialbum

gibt’s auch auf CD, aber wer will

das schon?

In intensiv kargen Songs

thematisiert Lisa Germano auf

„No Elephants“ (Badman) ihre

schrumpfende Fähigkeit zur

Kommunikation. Sperrig, schräg,

schön – wird kein Mensch kaufen.

Mary Roos

Denk was du willst

Boutique

CHANSONPOP Mal wieder so ein

Versuch, den deutschen Schlager

zum Chanson zu veredeln. Die philosophischen

Konsequenzen sind

furchtbar: „Hast du jemals einen

Traum geküsst?“ Wenn nein, „dann

lass mich dich auch mal vermissen.“

Mary Roos spult ihre Texte

meist mit kleiner Stimme und ohne

musikalisches Engagement höhepunktslos

ab (Ausnahme: Brels „Ne

me quitte pas“). Die als menschlich

angepriesenen Empfindungen der

Musik sind ganz einfach zu unbedeutend

(„Es duftet nach Rührei im

Treppenhaus“), und die gleiche

Trivialität in den fantasielosen

Arrangements der Songs macht es

auch nicht besser. (jn)

Miles Davis

Live at Montreux

Eagle Vision

BIG BAND Darüber, wie lange

Claude Nobs und Quincy Jones ihn

bearbeiten mussten und mit welcher

Taktik sie Miles Davis letztlich

auf die Bühne am Genfer See zerrten,

lässt sich nur spekulieren. Am

Ende sagte das verschrobene Genie

Ja zu der Hommage an den Ende

der 80er Jahre gestorbenen Gil

Evans – vielleicht weil Davis spürte,

es könnte sein letzter Ausflug

nach Montreux werden. Der Abend

in Nobs’ guter Stube zeigt einen

ruhig, ja fast freundlich disponierten

Miles Davis, der sich die Soli

unter anderem mit Wallace Rooney

teilt. Dessen konzertanter

Trompetensound reibt sich elegant

an Davis’ knorrigem Ansatz. Unter

Quincy Jones’ unaufgeregtem

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Plattenkritiken

Dirigat spielt sich die Band fast ein

wenig zu verhalten durch „Boplicity“,

„Maids of Cadiz“ und „Miles

ahead“. Ein gepflegter Abend mit

großer Atmosphäre, aber kaum

echten Höhepunkten. Als Bonus

gibt es Interviewschnipsel mit

Claude Nobs, Michel Petrucciani,

Stanley Clarke oder Charlie Haden,

die darüber sprechen, wie er denn

so war, der Mensch Miles Davis.

Eher ungewollt zeigen diese

Statements das Gegenteil: dass ihn

wohl niemand richtig kannte. (ron)

Nicole Willis And The Soul

Investigators haben „Tortured

Soul“ (Timmion) mit viel Gespür

für Patina arrangiert, doch ihre

Songs sind leider nur Durchschnitt.

Die Lösung wäre ein

Coveralbum.

Maria Markesini singt sich auf

„Cinema Passionata“ (Sony) quer

durch die Kinogeschichte, von den

Muppets bis Lebowski. Und auch

ihre beiden eigenen Songs sind

von Filmen inspiriert.

Mudhoney

Vanishing Point

Sub Pop

GRUNGE In der Presseinfo zum

neuen Album heißt es, Mudhoney

seien vor allem deshalb so weise

und schwarzhumorig, weil sie

durch den Fleischwolf der Rock’n’

Roll-Geschichte gedreht worden

seien. Doch sind die Grunger aus

Seattle seit inzwischen 25 Jahren

unterwegs – da wird auch das

beste Hackfleisch grün und haarig.

Dennoch hat das Quartett alle

Weggefährten überlebt, sieht man

mal von den ewig fidelen Pearl Jam

ab. Inzwischen ist Grunge auch

schon so lange tot, dass das erste

Revival ansteht. Und was machen

Mark Arm, Steve Turner, Guy

Maddison und Dan Peters? Sie verpassen

ihrem eh schon staubbeflockten

Sound mit 70er-Gitarren

noch mehr Patina. Das kann man

für einen schlauen Schachzug halten

– oder für Ideenlosigkeit.

Immerhin: Einige der schnelleren,

punkorientierten Stücke gehen

ordentlich nach vorne. Für den

ganz großen Wurf reicht das trotzdem

nicht. (es)

Paul Kuhn

The L. A. Session

In+Out Records

SWINGJAZZ Paul Kuhn, ein sehr

liebenswertes Urgestein des deutschen

unterhaltsamen Jazz, feiert

2013 seinen 85. Geburtstag, zu

dem er sich und seinen Fans eine

in Los Angeles entstandene

Studioproduktion schenkt. Es ist ein

nostalgischer Rückblick auf die

längst vergangene Jazzclubatmosphäre

nach dem Zweiten

Weltkrieg, als viele Standards des

Jazz in Europa noch neu und in

Bewegung waren. Kuhn spielt mit

Jeff Hamilton (Drums) und John

Clayton (Bass), der Rhythmusgruppe

von Diana Krall, im Jazztrio

pur, was Nichtnostalgiker, Modernisten

und Nichtpuristen wohl

handwerklich untadelig, aber insgesamt

eher etwas poor finden dürften.

Kuhn hat den Jazzklavierstandard

feinfühlig und harmonisch im

Griff und singt auch dazu – eine

nicht uninteressante Demonstration

guter Technik und jazzigen

Feelings. (jn)

Radio.string.quartet.

vienna

Posting Joe

Act Music

KAMMERJAZZ Es war einmal …

das Kronos Quartet. Ganz klar: von

David Harrington lernen heißt siegen

DAS NEUE ALBUM „DELTA MACHINE“

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Plattenkritiken

lernen, und mit ihm in eine Reihe

gestellt zu werden, dürfte Bernie

Mallinger, Ingmar Jenner, Cynthia

Liao und Asja Valcic zur Ehre gereichen.

Seit einem Jahrzehnt macht

das radio.string.quartet.vienna auf

sich aufmerksam, und spätestens

seit der Interpretation der Stücke des

Mahavishnu Orchestra ist das

Wiener Ensemble auch außerhalb

kammermusikalischer Zirkel eine

Marke. Jetzt also Joe Zawinuls Vermächtnis.

Gespielt mit forscher

Frische, rotziger Perkussivität und

gleichzeitig tiefem Respekt vorm

sinnlichen Tiefgang der Kompositionen

Zawinuls, einst Kopf und

Seele der Jahrhundertformation

Weather Report. Die im vergangenen

Jahr zwischen Finnland und

Kroatien eingesammelten Liveaufnahmen

lassen vergessen, dass uns

Zawinul hier in absolut untypischer

Instrumentierung begegnet. Was

definitiv für die Kraft seiner Musik

spricht – und für die bedingungslose

Hingabe des Quartetts. (ron)

Wer Maria de Montserrat Viviana

Concepción Caballé i Folc heißt,

muss groß rauskommen. Wie groß,

das zeigt die Verdi- und Puccini-satte

Fünferbox „Her great Opera Roles“

(Emi Classics).

Simone Dinnerstein /

Tift Merritt

Night

Sony Classical

FOLKKLASSIK Simone Dinnerstein,

klassische Pianistin, und ihre Freundin

Tift Merritt, New Yorker Folksängerin,

wollten zusammen ein

Album aufnehmen. Zwei unterschiedliche

Genres, zwei völlig verschiedene

Zugänge zur Musik. Das

Problem von „Night“ ist nicht einmal,

dass die beiden nicht gemeinsam

komponierten, sondern nur

eigene oder fremdkomponierte

Songs (u. a. von Johnny Nash,

Franz Schubert, Billie Holiday) spielen.

Das Problem ist, dass Merritts

expressiver Folkgesang nicht mit

Dinnersteins expressivem Klavier

harmoniert. Und wenn Merritt

Balladen intoniert, ist sie mit den

nötigen Nuancen über-, Dinnerstein

dagegen hörbar unterfordert. Singt

Merritt jedoch solo „Wayfairing

Stranger“, spielt Dinnerstein alleine

Bach, dann sind beide in ihren

Welten unterwegs, dann überzeugt

die Zusammenarbeit – die dann

freilich keine mehr ist. (vs)

Stephen Stills

Carry on

Rhino

FOLKROCK Nachdem sein hassgeliebter

Seelenzwilling Neil Young

bereits 2009 mit „Archives“

Schatztruhen zu öffnen begann,

legt nun auch Stephen Stills ein

Boxset vor. Es reflektiert auf vier

CDs mehr als 45 Karrierejahre des

herausragenden Gitarristen und

Sängers – von den Folkanfängen

1962 über die stilbildende

Mittsechzigerband Buffalo Springfield

(die als eine der ersten

Country, Rock und Soul verschmolz)

bis hin zu Stills’ Soloaktivitäten

und der Allstarband

Crosby, Stills, Nash (und manchmal

Young). Zu Youngs „Archives“

gibt es dank Buffalo Springfield

natürlich Dopplungen. Dafür sparte

der 68-jährige gebürtige Texaner

ausgerechnet sein einziges Duoalbum

mit Young aus, obwohl es

einige der schönsten Songs enthält,

die beide je geschrieben haben.

Doch die Auswahl konzentriert sich

halt auf Raritäten, Demos, Liveaufnahmen,

Unveröffentlichtes und

Neueingespieltes. So bilden die 82

Songs weniger die bekannten

Karriereschritte von Stephen Stills

ab als vielmehr die Apokryphen

eines Werks, das sich vielleicht

auch gar nicht messen möchte mit

dem des Seelenzwillings. Zu entdecken

aber gibt es unendlich viel

– das wird auch Neil Young bestätigen.

(mw)

Slim Cessna’s Auto Club sind mit

ihrem Mix aus Countryrock noir und

gotischem Gospel in den USA schon

berühmt. Ihre CD/DVD „An

Introduction for young and old

Europe“ (Glitterhouse) soll sie auch

uns schmackhaft machen. Klappt.

50

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Plattenkritiken

The DeSoto Causus

Offramp Rodeo

Glitterhouse

AMERICANA Wer als Band mit

Isobel Campbell, Kurt Wagner oder

Mark Lanegan tourt, wer als

Rhythmusgruppe von Howe Gelbs

Giant Sand die Nerven nicht verliert,

der ist durch eine harte Schule

gegangen. All die Gelassenheit der

vier Dänen, mit der sie Howe Gelb

in den letzten zehn Jahren musikalisch

geerdet haben, steckt in ihrem

neuen Album, auf dem sie ganz

gelassen mal spielerisch („Live in

the Stream“), mal rockig („Here’s

one“) daherkommen und sich

immer dem Singer/Songwriting verpflichtet

fühlen. Das Album ist in

seiner Kompaktheit auch ein Ergebnis

der musikalischen Disziplin, mit

der Anders Petersen, Peter Dombernowsky,

Nikolaj Heyman und

Thøger T. Lund seit Jahren mit

unterschiedlichsten Frontleuten

spielen. (jw)

The Flaming Lips

The Terror

Bella Union / Cooperative Music

INDIEROCK Die Zeiten, als die

Flaming Lips dem perfekten Popalbum

so nah kamen wie kaum

eine andere Band, sind vorbei.

Nach dem experimentellen Duettalbum

„The Flaming Lips and Heady

Fwends“ und dem durchgeknallten

Sechsstundensong „Found a

Star on the Ground“ dürfte es der

Band um Wayne Coyne jetzt endgültig

unmöglich werden, ihre Konzerte

weiter mit Konfettikanonen

und Tierkostümen zu bestreiten.

„The Terror“ basiert auf Textfragmenten

des Schlagzeugers Steven

Drozd, der vor zwei Jahren erneut

der Heroinsucht verfiel. Mit Disharmonien

und dunkler Monotonie

testen die Flaming Lips die Belastbarkeit

ihrer Fans. Doch wer durchhält,

wird auch in den vermeintlich

hoffnungslosen Songmonstren die

schönen Momente entdecken:

Nach mehreren Durchläufen rücken

die apokalyptischen Störgeräusche

in den Hintergrund und legen ungemein

eindringliche Gesangsmelodien

frei. „The Terror“ ist nicht das

schönste, aber sicher das wichtigste

Album der Flaming Lips, durch das

man einfach durch muss. Steven

Drozd geht es heute jedenfalls so gut

wie selten zuvor. (cs)

The Milk Carton Kids

The Ash & Clay

Anti

FOLKPOP Die beiden jungen

Kalifornier Kenneth Pattengale und

Joey Ryan singen und zupfen, als

läge die Folkgeschichte seit

„Sounds of Silence“ im Dornröschenschlaf,

als hätte es seither

weder Roy Harper noch Adam

Green gegeben. Ihr Debüt versucht

den harmonietrunkenen Stil der

frühen Simon & Garfunkel imitierend

zu konservieren; selbst dessen

Modernisierung durch die

Kings Of Convenience, die die

Paul-Simon-Schule an die

Bedürfnisse zeitgenössischer

Nerds andockten, wird ignoriert.

Das Epigonentum des US-Duos,

das von Gus Van Sant in dessen

neuem Film „Promised Land“ kräftig

gefördert wird, ist gerade beim

Gesang bis in feinste Verästelungen

spürbar – man höre sich

nur den in Tonfall, Dynamik und

Betonungen perfekt imitierten

S&G-Harmoniegesang in „Honey,

Honey“ an. Handwerklich agieren

sie tadellos, das Folkpicking ist

eins a, und sie haben sogar den

einen oder anderen semibrillanten

Song – worin aber die Relevanz

einer solchen Platte im 21. Jahrhundert

liegen soll, müssten sie

uns schon höchstselbst erklären.

Wir kommen nämlich von allein

nicht drauf. (mw)


Plattenkritiken

DAS NEUE ALBUM AB 22.03.

15 BRANDNEUE SONGS

INKL. DER NEUEN SINGLE

„DEINE STÄRKEN”

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The Strokes

Comedown Machine

Sony

INDIEROCK Den Garagenrock der

ersten drei Alben haben sie hinter

sich gelassen, und exakt zwei

Jahre nach der Aufbruchplatte

„Angels“ machen sich die Strokes

wieder auf die Suche nach einem

neuen Sound. Julian Casablancas

hat den Falsettgesang entdeckt

und macht davon reichlich Gebrauch,

während seine Kollegen

die New-Wave-Spielereien des

Vorgängers intensivieren und

dabei immer mehr in Schrulligkeiten

abgleiten. Bei funkigen

Discosongs à la „Welcome to

Japan“ und „Happy Endings“

klingen die Gitarren wie Keyboards,

das fast ausschließlich

elektronische „Chances“ orientiert

sich am Chillwavetrend von vor

zwei, drei Jahren, und die pathetische

Ballade „80’s Comedown

Machine“ scheint Casablancas

selbst zu langweilen. Vielleicht

wäre „Comedown Machine“ sogar

ein interessantes Album geworden

– hätten es die Strokes bei

allem Innovationsstreben auch

geschafft, halbwegs gute Songs

mit Hooks zu schreiben. Mit der

Single „All that Time“ sowie

„50/50“ sind aber nur zwei nennenswerte

Stücke vertreten – und

das sind ausgerechnet jene beiden,

die an den rotzigen Sound

ihrer Anfangstage andocken. (cs)

Theme Park

Theme Park

Transgressive Records

INDIEFUNK Miles Haughton ist

eine Frohnatur. „We got the love,

we got the night, we got the time,

52

we got the fight“, singt er im Refrain

von „Wax“ und umreißt

damit das Themenspektrum des

Londoner Trios auf seinem

Debüt. Bereits mit der Vorabsingle

„Jamaica“ wirbelten sie in

der Szene viel Staub auf. Nun

gelingt es ihnen sogar, das

Niveau zehn Songs lang zu halten

und damit eine Definition

unpeinlichen Indiefunks abzuliefern.

Wichtig ist ihnen, für den

Moment zu leben. Wer will weiter

ernsthaft behaupten, nur

traurige Künstler könnten große

Songs schreiben, wenn Theme

Park bei „Los Chikas“ sogar

lediglich mit Akustikgitarre die

Sonne und schöne Mädchen feiern?

Diese Platte trägt durch den

Sommer, und sie wird auch am

Jahresende nicht vergessen werden,

wenn es darum geht, die

Lieblingsplatten 2013 zu bestimmen.

(cs)

Turbostaat

Stadt der Angst

Clouds Hill

PUNKROCK Turbostaat hatten

noch nie Angst vor großen

Themen. Ob einsame Senioren,

zerrüttete Familien, Weltkriege

oder das tägliche Hamsterrad:

Das Quintett legte Finger in

Wunden, aber stets so sanft,

dass man es fast als Streicheln

empfinden konnte. Die Texte:

hintersinnig. Die Songs: zu eingängig

für Punk, zu raubautzig

für Indie. Also zimmerten sich

Turbostaat ihre eigene Nische.

Nach mehr als 14 Jahren ist

dieser Verschlag aber zu klein

geworden für all die Gefühle,

und vielleicht klingt das fünfte

Album der in Flensburg, Hamburg

und Berlin lebenden Jungs

auch deshalb so direkt. Jetzt ist

nicht die Zeit für Kompromisse

oder Halbherzigkeiten, alles

muss raus, klar und deutlich,

mit aller Macht. Das Ergebnis ist

eine der emotionalsten und vor

allem musikalisch ausgereiftesten

Turbostaat-Platten. (es)


Urban Cone

Our Youth

Polar

INDIEPOP Leicht haben es die

Indiekids von heute natürlich

auch nicht. Doch den Stockholmer

Debütanten Urban Cone bleiben

einige Sorgen ihrer Vorgängergenerationen

erspart. Arroganz,

Abgrenzung und vor allem Genregrenzen

sind mit dem Internet

gefallen, weshalb das Quintett seinen

Mix aus Indie und Elektro mit

Songs wie „Kings & Queens“ oder

der Single „Urban Photograph“

ganz hemmungslos in Richtung

Pop treiben kann. Und so eine

Schmonzette wie den Titelsong

hätten sich die Ringelshirtträger

von vor zehn Jahren auch nicht

getraut. Da tun dann auch die

immergleichen Inhalte nicht mehr

so weh: Isolation, nicht realisierbare

Zukunftsfantasien, Enttäuschung

und der Schmerz nach

der ersten großen Trennung.

Urban Cone werden all das in diesem

Sommer in jeder Indiedisko

und auf immer größeren Bühnen

verhandeln. Und im nächten Jahr

sehen die Sorgen dann schon

ganz anders aus. (cs)

Yeah Yeah Yeahs

Mosquito

Polydor

ARTPUNK Der Preis für das hässlichste

Plattencover des Jahres ist

den Yeah Yeah Yeahs schon

sicher. Dafür leistet sich das Trio

aber keine musikalischen Geschmacklosigkeiten,

auch wenn in

den vier langen Jahren seit dem

von bombastischen Elektrosounds

geprägten „It’s Blitz!“ längst nicht

alles nach Plan verlief. Gitarrist

Plattenkritiken

Nick Zinner musste mit einer

Trennung klarkommen, und Sängerin

Karen O bekam es nach

mehr als zehn Bandjahren mit der

Midlife-Crisis zu tun. Doch reduziert

und rau wie in den Anfangstagen

schieben sie alle Sorgen

beiseite. Bei „Area 52“ jaulen wieder

die Gitarren, und Karen O fantasiert

eine Invasion Außerirdischer

herbei. Während sie sich in

„Buried alive“ mit dem Rapper Dr.

Octagon alias Kool Keith duelliert,

pendelt die O bei der Single

„Sacrilege“ zwischen Vamp und

Punkgöre, um es schließlich sogar

mit einem Gospelchor aufzunehmen.

Vor allem aber entpuppen

sich vermeintlich verhangene

Songs wie „Slave“ und „Despair“

als Singleanwärter, die sich umso

hartnäckiger im Ohr festsetzen. Sie

steht den Yeah Yeah Yeahs verdammt

gut, die Existenzkrise. (cs)

Youn Sun Nah

Lento

Act Music

FUSION Es ist ganz unglaublich,

wie abwechslungsreich virtuos

und jazzig tiefempfunden die

1969 geborene Pariser Koreanerin

singt. „Lento“ bezieht sich auf ein

Klavierstück von Skrjabin, auf das

der Titelsong zurückgeht. Er ist

typisch für die introvertierte Seite

der Sängerin, die diesmal in mehreren

der größtenteils eigenen

Songs besonders zur Geltung

kommt. Er bedient jedoch nur

eine der vielen Stilrichtungen, die

Youn Sun Nah zu einer Einheit,

zu ihrer persönlichen Einheit

zusammenschweißt. Das geht von

„Ghost Riders in the Sky“ über

„Hurt“ von Nine Inch Nails bis

zum schlichten koreanischen

Volkslied. Und das ist noch nicht

alles: Mit „Momento magico“

treibt sie den Scatgesang auf einsame

und brillante Höhen. Youns

Erfolg in Frankreich ist gewaltig –

den sollte man ihr und der sehr

guten Band mit Ulf Wakenius

(Gitarre), Lars Danielsson (Bass)

und Vincent Peirani (Akkordeon)

auch bei uns wünschen. (jn)

53

PETER PLATE

SCHÜCHTERN

IST MEIN GLÜCK

DAS ALBUM

AB 05.04.

DAS ERSTE

SOLO-ALBUM VON

PETER PLATE

(ROSENSTOLZ)

Mit der Single „Wir beide sind Musik“

Auch erhältlich als Deluxe-Version

mit Bonus-CD inkl. 5 extra Songs

+ Album instrumental


Kino

Foto: Bozica Babic

Foto: goEast Filmfestival

Gabi Babic

Foto: goEast Filmfestival

Quellen der Kreativität

Da kommt was aus dem Osten: authentisches, preisgekröntes Kino, von Polen bis

Kasachstan. Gabi Babic, Leiterin von goEast, dem Festival des mittel- und osteuropäischen

Films, erklärt das Filmphänomen.

Frau Babic, im Wettbewerb der Berlinale waren fünf Filme aus Mittel- und

Osteuropa, drei davon haben Preise gewonnen, darunter sogar den Goldenen

Bären. Was passiert da gerade?

Gabi Babic: Der Preisregen auf der Berlinale hat für die breite Öffentlichkeit

sichtbar gemacht, was schon seit geraumer Zeit in den Filmszenen der Länder

Osteuropas zu vor sich geht ist. Die Art und Weise, wie in der Region Filme

gemacht werden, hat sich in den vergangenen 20 Jahren völlig verändert –

auch mit dem Ergebnis, dass neue Strömungen, Szenen, Wellen entstanden

sind und immer noch entstehen. Die sogenannte „Neue Rumänische Welle“

um Regisseure wie Cristi Puiu, Cristian Mungiu oder Radu Muntean nahm vor

bald zehn Jahren ihren Anfang. In Kasachstan wiederum ist es eine ganz

junge Generation, Leute Mitte zwanzig, die derzeit mit einem sehr eigenen Stil

auf sich aufmerksam macht. In Bosnien-Herzegowina hingegen ist die Lage

wesentlich prekärer, das Land leidet unter den Folgen des Bosnienkrieges und

einem dysfunktionalen politischen System. Danis Tanovic hat mit seinem auf

der Berlinale ausgezeichneten Film „An Episode in the Life of an Iron Picker“

diesen Umstand zur Tugend gemacht, indem er mit einem minimalen Budget

einen Film über Menschen am Rande der Gesellschaft gemacht hat, die sich

auch noch selber spielen.

Welche Rolle spielen die politischen Umwälzungen nach dem Ende des

Kalten Krieges, der Zusammenbruch des einen, das abrupte Eindringen des

anderen Systems in die Gesellschaft, auch jetzt, wo in Ländern wie Ungarn

wieder Nationalismus aufflammt?

Babic: Der Systemzusammenbruch und seine Folgen sind die dominanten

Motive im Kino aus den postkommunistischen Ländern. Die Rede von der

Transition ist ja absolut verharmlosend und tut so, als ob es einen fließenden,

gar sanften, Übergang vom Kommunismus zu Demokratie und Kapitalismus

gäbe. Damit sind die Folgeprozesse wie die radikale Deregulierung der Märkte,

Migration, Verarmung und wachsender Ethno-Nationalismus ausgeklammert.

Es hat sich ökonomisch und politisch nicht zuletzt für die Filmschaffenden

alles geändert, und der Systemwechsel hat somit auf Form und Inhalt ihrer

Filme immensen Einfluss.

Was halten Sie von der These „Mangel und Leid befeuern die Kreativität“?

Babic: Mir ist diese These allein schon wegen ihres Zynismus sehr suspekt.

Zumal wir konkret aus einer eurozentristischen Position heraus sprechen.

Ganz schnell bekommt so eine Interpretation den Touch der romantisierenden

Armutsbetrachtung. Zumal keineswegs alle Filme, von denen wir hier sprechen,

ohne Geld und unter Leidensbedingungen entstanden sind. Ich würde

eher davon sprechen, dass Erfahrungsreichtum Quelle von Kreativität ist. Die

Systemwechsel war in weiten Teilen ein fundamentaler, auch existenzbedrohender

Prozess, und viele Filmemacherinnen und -macher setzen sich mit

ihren unbequemen Geschichten damit und auch mit sich selbst auseinander.

Der rumänische Regisseur Radu Jude hat gesagt: „Wir müssen verwackelte

Filme machen, weil wir uns nichts Besseres leisten können.“ Unterläuft das

nicht die vielen Preisungen und Preise für das osteuropäische Kino?

Babic: Radu Jude hat sich eher skeptisch geäußert, was den Begriff „Rumänische

Neue Welle“ betrifft, insofern ist seine Äußerung vielleicht nicht völlig

ernst gemeint. Kunst im Mangel geht natürlich andere Wege als solche, die

im geschützteren Raum entsteht. Doch es bedarf nichtsdestotrotz eines

Raumes. Der ungarische Regisseur Béla Tarr hat vor kurzem einen offenen

Brief geschrieben, in dem er davon spricht, dass die ungarische

Filmproduktion seit zwei Jahren praktisch stillsteht und dass die Kollegen sehr

konkret von Armut betroffen sind. Da ist keine Armutsromantik zu spüren –

da werden de facto kaum noch Filme gedreht.

Interview: Volker Sievert

goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films findet vom

10.–16. April in Wiesbaden statt. www.filmfestival-goeast.de

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Filmkritiken

VOM PRODUZENTEN VON SERENGETI

UND DAS GRÜNE WUNDER –

UNSER WALD

Die Jagd

DK/SE 2012, 111 Min.

Regie: Thomas Vinterberg

mit Mads Mikkelsen, Thomas Bo Larsson,

Susse Wold

ab 28. 3. (Wild Bunch)

DRAMA 1998 schlug ein dänisches Drama

in die internationale Filmlandschaft ein, das

gegen die meisten anderen Familenfilme

wirkte wie ein ungewaschener, ungeschminkter,

renitenter Bruder: „Das Fest“ von

Thomas Vinterberg zeigte, was passiert,

wenn durch die Harmonieverschalung bürgerlicher

Familien die abstoßende Schlacke

der Wahrheit suppt. Auch in „Die Jagd“ analysiert

Vinterberg, wie sich eine Gemeinschaft

zersetzt: Lucas (Mikkelsen) hat seine

Stelle als Lehrer verloren und arbeitet in

einem Kindergarten. Seine Frau lebt getrennt

und lehnt sogar Telefonate ab, doch als der

Sohn zu ihm ziehen will und sich eine

Kollegin in ihn verliebt, sieht Lucas wieder

Licht – und dann plötzlich tiefste Finsternis.

Denn ein kleines Mädchen aus dem Hort

sagt aus enttäuschter kindlicher Liebe, sie

hätte Lucas’ Penis gesehen. Der Unschuldige

wird entlassen, seine Kumpels, mit denen er

archaische männliche Rituale wie Winterbaden,

Saufen und Jagen betreibt, wenden

sich ab. Lucas wird nun selber gejagt …

Vinterberg seziert in ruhigen, nur selten wilden

Handkamerabildern und mit großartigen

Darstellern wie soziale Ächtung funktioniert

und wie hysterisch die moderne Gesellschaft

auf das Wort „Pädophilie“ reagiert. Auch,

das vermeintlicher Missbrauch ein Stigma

ist, das nie vergeht und eine Dynamik in

Gang setzt, die nicht aufzuhalten ist, und

dass all das ein kaum lösbares Dilemma ist

– auch das ignoriert der Film nicht. Am

Ende steht die Initiation von Lucas Sohn: Mit

der ersten Jagd wird er vom Jungen zum

Mann. Und Lucas, der die Hirsche sonst

erschoss, genießt zum ersten Mal den

Anblick der erhabenen Tiere. Doch die Jagd,

sie geht weiter … (vs)

... und außerdem online

Noch mehr Rezensionen und Informationen zu

allen monatlichen Kinostarts sowie alle

Spielzeiten aus Ihrer Stadt gibt’s im Kinoportal

auf kulturnews.de

Dead Man down

USA 2012, 110 Min., Regie: Niels Arden Oplev

mit Colin Farrell, Noomi Rapace,

Isabelle Huppert

ab 4. 4. (Wild Bunch)

THRILLER Der Däne Niels Arden Oplev

(„Millennium“-Trilogie) kennt sich aus in der

Filmgeschichte, das zeigt sein Hollywooddebüt

deutlich. Er erzählt davon, wie ein Gangsterboss

Jagd macht auf einen unbekannten Killer, der

seine Gang dezimiert und das mit kryptischen

Botschaften garniert. Und er erzählt von einer

bei einem Unfall verunstalteten Frau, die sich

am Verursacher rächen will. Beide Geschichten

werden geschickt verwoben zu einem Drama

um Selbstjustiz und Rache, um den Fanatismus,

den ungesühnte Verbrechen hervorrufen können.

Colin Farrell ist ein später Wiedergänger des

wortkargen Travis Bickle aus „Taxi Driver“,

Noomi „Lisbeth Salander“ Rapace glänzt erneut

als physisch wie psychisch vernarbte Tragödin.

Und Oplevs fahles Großstadtsetting spiegelt treffsicher

die emotionale Tristesse der Figuren, die

kaum kommunizieren können vor lauter

Verzweiflung. Ein von Hitchcock und dem Film

noir beeinflusster Rachethriller, der seine stille

Intensität am Ende an einen lachhaften Showdown

im Charles-Bronson-Stil verschenkt. (mw)

Ginger & Rosa

GB/DK/CA/HR 2012, 90 Min.

Regie: Sally Potter

mit Elle Fanning, Alice Englert,

Alessandro Nivola

ab 11. 4. (Concorde)

DRAMA In Sally Potters Virginia-Woolf-Verfilmung

„Orlando“ ging es um Transformation und

Geschlechterwandel. In „Ginger & Rosa“ beschäftigt

sich die 63-jährige Regisseurin wieder

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ERZÄHLT VON AXEL PRAHL

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AB 18. APRIL 2013 IM KINO

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Das interaktive

Begleitbuch zum Film!


„Eine überwältigende Liebesgeschichte, ein mitreißender

Musikfilm … mit dem schärfsten Country-Paar

seit Johnny Cash und June Carter”

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THE

BROKEN CIRCLE

EIN FILM VON

FELIX VAN GROENINGEN

MIT

JOHAN HELDENBERGH

UND

VEERLE BAETENS

www.pandorafilm.de

Ab 7. März

im Kino!

Ab 25. April im Kino!

Magnolia Pictures, Joe’s Daughter & Mongrel Media präsentieren Michelle Williams Seth Rogen Luke Kirby und Sarah Silverman TAKE THIS WALTZ

mit körperlicher Veränderung, diesmal

milder, als Coming-of-Age in

den frühen 60ern in England. Ginger

(Elle Fanning) und Rosa (Alice

Englert) sind um die 16 und beste

Freundinnen, was Potter mit weichen,

erdigen Farben umrahmt

und in das Grau des Himmels und

der trostlosen Großstadtlandschaft

Londons einbettet wie in Watte.

Als Rosa eine Affäre mit Gingers

Vater Roland (Alessandro Nivola)

anfängt, muss Ginger, die besessen

ist von der drohenden Apokalypse

eines Atomkriegs, erwachsen

werden… Potter hat zwei

Hauptthemen: Zum einen den

Wertewandel in den 60ern Jahren

– Roland und die Mädchen lehnen

traditionelle Familienmodelle und

Geschlechterrollen rigoros ab. Zum

anderen die Entwicklung Gingers

vom dichtenden Teenie zur desillusionierten,

aber daran gereiften

Frau. Der nukleare Holocaust ist

eine recht schwerfällige Metapher

für den Zusammenbruch von

Gingers Mädchenwelt und für ihr

sexuelles Erwachen. Elle Fanning

aber spielt diese Transformation so

nuanciert, dass man die Schwächen

des Films vergisst und nur

Augen für ihre Leistung hat. (vs)

Baselitz

D 2012, 105 Min.

Regie: Evelyn Schels

ab 11. 4. (Alamode)

Filmkritiken

DOKUMENTATION Minutenlang

passiert erstmal: nichts. Die

Kamera wandert durch ein Atelier,

gleitet über halbfertige Bilder,

bleibt beim Künstler stehen, der

Farbschicht um Farbschicht auf

die Leinwand aufträgt. Und kein

Kommentar ist zu hören, keine

Musik, keine Erklärung, man sieht

nur diesen farbverschmierten

Maler, einen Handwerker der

Kunst. Evelyn Schels’ Dokumentation

über Georg Baselitz

steht in der Tradition jüngerer

Künstlerbiografien fürs Kino, sie ist

getragen von einer unkritischen

Verehrung für ihren Protagonisten

und macht sich seine Weltsicht

ohne jede Hinterfragung zu eigen.

Aber im Gegensatz zu Matthew

Akers’ Marina-Abramovic-Bio „The

Artist is present“ oder Sophie Fiennes’

Anselm-Kiefer-Verkitschung

„Over your Cities Grass will grow“

umgeht Schels die Fallstricke dieses

Zugriffs. Im Zentrum ihres

Films stehen Interviews mit Baselitz,

Freunden und Weggefährten,

darüber hinaus sieht man: Kunst.

Musik oder erklärende Filmbilder

sind dagegen auf ein Minimum

zurückgefahren. Das Problem,

dass hier das Medium Kunst und

das Medium Film recht unmotiviert

nebeneinanderstehen, löst

Schels allerdings auch nicht. (fis)

Mademoiselle

Populaire

F 2013, 111 Min.

Regie: Régis Roinsard

mit Déborah François,

Romain Duris, Bérénice Bejo

ab 11. 4. (Studiocanal)

LIEBESKOMÖDIE So also waren

die 50er: Überall wurde ständig

geraucht, im Wohnzimmer standen

stylishe Tütenlampen, die

Frauen hatten die Haare schön

und träumten davon, Sekretärin zu

werden, am besten gleich Weltmeisterin

im Schreibmaschineschreiben.

Die kesse Provinzblondine

Rose (François) lässt sich

deshalb von ihrem charmanten

Juniorchef Louis (Duris) durch die

Wettbewerbe treiben und darf sich

bei ihrem Aufstieg zur nationalen

Berühmtheit nebenbei auch ein

wenig emanzipieren. Régis

Roinsards Spielfilmdebüt erscheint

wie eine weichgespülte französische

Version von „Mad Men“.

Zwar ist die Retroliebeskomödie

bis ins Detail liebevoll und farbenfreudig

ausgestattet, doch das antiquierte

Frauenbild jener Dekade

bleibt weitgehend unkommentiert.

Aber warum sich unnötig die gute

Laune verderben? Das Wetttippen

der Damen ist mindestens so

spannend in Szene gesetzt wie der

Showdown bei Sportfilmdramen.

(ascho)

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Das Leben ist nichts

für Feiglinge

D 2012, 98 Min., Regie: André Erkau

mit Wotan Wilke Möhring, Helen Woigk,

Christine Schorn

ab 18. 4. (NFP)

TRAGIKOMÖDIE Ein Gothicgirl, das sich selbst

bei Beisetzung ihrer Mutter nicht vom iPod

trennen kann und am offenen Grab Dark

Metal hört – das schrammt knapp am Kalauer

vorbei. An solchen slapstickhaften Szenen

mangelt es André Erkaus Film wahrlich nicht.

Gernot Gricksch hat aber zum Glück auch

reichlich Dialogwitz aus seiner gleichnamigen

Romanvorlage ins Drehbuch hinübergerettet.

Doch der satirische, bisweilen sarkastische

Witz der Verzweiflung wird geerdet durch das

eindringliche Spiel der Hauptdarsteller. Wie

etwa Wotan Wilke Möhring als frisch verwitweter

Markus, der nur schwer die Balance findet

zwischen Absturz in die Depression und

dem bemühten Versuch, wieder in den Alltag

zurück und Kontakt zu seiner emotional nicht

weniger schlingernden Tochter (Newcomerin

Woigk) zu finden. Großmutter Gerlinde hingegen

beweist stoische Ruhe, als sie ihren

Kampf gegen den Krebs aufgeben muss. Die

Melancholie, die diesen durchweg sympathischen,

liebenswert gezeichneten Figuren innewohnt,

lässt sie dennoch nicht zu

Trauerklößen werden. (ascho)

Mama

ES/CA 2013, 100 Min., Regie: Andy Muschietti

mit Jessica Chastain, Nikolaj Coster-Waldau,

Megan Charpentier

ab 18. 4. (Universal Pictures)

Filmkritiken

HORROR Kurz bevor ein lebensmüder Makler

in einer Waldhütte seine beiden kleinen Töchter

ermorden kann, wird er selbst gekillt –

von einer geheimnisvollen Kreatur, die hinfort

fünf Jahre lang für die Kinder sorgt.

Nach deren Rettung zieht sie aber leider

unbemerkt mit ein beim Onkel und seiner

Freundin (Chastain) … Was als atmosphärischer,

in eleganten Kamerakurven eingefangener

Gruselfilm beginnt, wird in der zweiten

Hälfte zum klischeebeladenen, ungereimten

und schlecht animierten Genrehorror, der

quasi Brechts „Kaukasischen Kreidekreis“

mit „The Ring“ verschneidet und am Ende

aussieht, als wäre Tim Burton das Geld ausgegangen.

Je expliziter der Horror, desto

geringer die Wirkung: ein altes Genreproblem.

Immerhin zeichnet sich bei Jessica

Chastain, die als Rockmusikerin hergerichtet

ist wie Joan Jett anno 81, allmählich ein

Rollenmuster ab: Wie in „Zero Dark Thirty“

spielt sie eine Frau, die eine eigentlich übergroße

Aufgabe übernimmt, der sie aber dann

doch gewachsen ist. Der Film diskreditiert

übrigens begehbare Wandschränke, die

Möbelbranche wird schäumen. (mw)

Broken City

USA 2013, 109 Min., Regie: Allen Hughes

mit Mark Wahlberg, Russell Crowe,

Catherine Zeta-Jones

ab 18. 4. (Universum Film)

POLITTHRILLER Zugegeben, es macht einigen

Spaß, Russell Crowe dabei zuzusehen,

wie er diesen New Yorker Bürgermeister

Nicholas Hostetler spielt: derart schmierig,

windig und selbstgefällig, dass es bis zur

Parodie nicht mehr weit ist. Mit eiserner

Hand regiert er diese verkommene Stadt und

zieht dabei an nicht immer legalen Strippen.

Ohne dass er es ahnt, wird auch

Privatdetektiv Billy Taggart (Wahlberg) zu

seiner Marionette. Angeblich soll er nur

Hostetlers Gattin (Zeta-Jones) des Ehebruchs

überführen. Oder geht es in Wahrheit um

Immobilienspekulationen, Wahlkampfmanipulation

oder gar die ganz große

Verschwörung? Der Politthriller von Allen

Hughes („The Book of Eli“), der hier ausnahmsweise

ohne seinen Zwillingsbruder

Albert inszeniert, fängt ungemein stark an,

nicht zuletzt durch die atmosphärischen

Cinemascopebilder eines nachtblau glänzenden

Big Apple. Doch dann verheddert sich

der Film zunehmend in seiner überladenden

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Klick Dich ins Kino!

Foto: Gerd Altmann / pixelio.de


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Filmkritiken

Geschichte und in zu vielen

Wendungen, um schließlich in

einem zwiespältigen Plädoyer für

Selbstjustiz zu enden. (ascho)

Platte

Buch

DVD

Neuerscheinungen des Monats

Yeah Yeah Yeahs

Mosquito

David Vann

Dreck

Wir wollten

aufs Meer

Peter Plate

Schüchtern ist

mein Glück

Tina Uebel

Nordwestpassage für

dreizehn Arglose und

einen Joghurt

Anna Karenina

Der Gewinn:

The Knife

Shaking

the Habitual

Albertine Sarrazin

Astragalus

7 Psychos

5 Intuition-Sets

von Wilkinson

Trockene Haut und Rasieren vertragen sich nicht? Quatsch!

Der neue Intuition Dry Skin von Wilkinson ist ein Damenrasierer,

der dank eines cremigen Conditioners die Haut schon beim

Rasieren pflegt. Gewinne ein Set, bestehend aus einem Intuition

Dry Skin in stylischem Gold sowie je einer Klinge mit

verschiedenen Pflegestoffen: „Dry Skin“ mit

Kokosmilch und Mandelöl, „Naturals“ für

sensible Haut und das erfrischende „Revitalizing

Care“ mit Granatapfelduft.

Eine Dame in Paris

F/EE/BE 2012, 94 Min.

Regie: Ilmar Raag

mit Jeanne Moreau, Laine Mägi,

Patrick Pineau

ab 18. 4. (Arsenal)

TRAGIKOMÖDIE Bei Ilmar

Raags Kammerspiel haben wir

es mit einem weiteren Fall von

„Ziemlich beste Freunde“ zu

tun, diesmal in einer weiblichen

Version. Die betagte estnische

Exilantin Frida ist so gebrechlich

geworden, dass ihr jüngerer

Geliebter Stéphane (Pineau)

gegen ihren Willen eine Hausdame

zur Betreuung in die

mondäne Pariser Wohnung beordert.

Anne (Mägi), eigens

dafür aus Estland angereist,

muss nun die Zicken und den

Frust der herrischen, lebensmüden

alten Dame ertragen, statt

sich beim Schaufensterbummel

an edlen Boutiquen erfreuen zu

können. Dass sich nach kleinen

Kämpfen dann doch eine von

gegenseitigem Respekt getragene

Nähe entwickelt, versteht

sich von selbst. Weil Frida allerdings

von der großen französischen

Leinwanddame Jeanne

Moreau gespielt wird, erhält die

Geschichte eine ganz eigene

Kraft. Frei von Sentimentalität

gelingt Moreau die Charakterstudie

einer exzentrischen Frau,

die sich mit ihrer Einsamkeit

und Gebrechlichkeit auseinandersetzen

muss und zuletzt

ihren Humor und Lebensmut

zurückgewinnt. (ascho)

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Side Effects

USA 2012, 106 Min.

Regie: Steven Soderbergh

mit Jude Law, Rooney Mara,

Catherine Zeta-Jones

ab 25. 4. (Senator)

DRAMA Ablixa, Zoloft, Delatrex:

Steven Soderbergh widmet sich

in seinem, wie er selbst sagt,

letzten Kinofilm beliebten Antidepressiva,

die in den USA,

glaubt man seinem Film, so

zwanglos eingeworfen werden

wie hierzulande Kaugummis.

Genauer gesagt: Soderbergh

kümmert sich um die side

effects, die Nebenwirkungen.

Die nehmen bei Emily (traumwandlerisch

sicher: Rooney

Mara, „Verblendung“) solch fatale

Züge an, dass sie kaum noch

Albtraum und Wirklichkeit

unterscheiden kann, weswegen

sie prompt die Gesetzeshüter an

den Fersen hat. Soderbergh versucht

den ganz großen Wurf:

Sein Film soll verschachtelter

Thriller mit Falltüren sein, Manifest

gegen die US-Pharmaindustrie

und hochkarätig besetzter

Ensemblefilm (Jude Law,

Catherine Zeta-Jones, Channing

Tatum). Er scheitert aber an

endlosen Kameraeinstellungen,

misslungenen Wendungen und

an der Komplexität des Themas.

Um es mit Jude Law in seiner

Rolle als Psychotherapeut zu

sagen: „Wenn man in England

zum Psychiater geht, denken

die Leute, man sei krank. In

Amerika denken sie, es geht dir

besser.“ Möge Soderberghs

Rückzug aus dem Filmgeschäft

trotzdem nur die Folge unvorhergesehener

Nebenwirkungen

sein. (ds)

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DVD

Wir wollten aufs Meer

R: Toke Constantin Hebbeln

D: Alexander Fehling,

August Diehl, Ronald Zehrfeld

17. 4., Eurovideo

D 2011

DRAMA Drei Matrosen der DDR-

Handelsmarine träumen 1982

von der weiten Welt, doch statt auf

dem Meer landen sie als Republikflüchtlinge

im Gefängnis bzw. bei

der Stasi. Verrat, Freundschaft, die

Sehnsucht nach der gerechteren

Welt – für seinen Regieerstling hat

Toke Constantin Hebeln gleich das

ganz große Fass aufgemacht und

ein ausladendes Politdrama geschaffen,

das unweigerlich an den

Oscar-Gewinner „Das Leben der

Anderen“ erinnert. Fakt ist: Tokes

Debüt kann diesen Vergleich aushalten.

Weil „Wir wollten aufs

Meer“ beklemmend die Auswirkungen

des Spitzelsystems auf das

Vertrauen zwischen den Menschen

schildert. Und weil die

Schauspieler selbst aus den

Figuren faszinierende Charaktere

machen, deren Beweggründe bis

zuletzt undurchsichtig bleiben.

(ascho)

Extras Interviews

auch als Blu-ray

Black out

R: Arne Toonen

D: Raymond Thiry,

Kim van Kooten, Bas Keijzer

11. 4., Sunfilm

NL 2011

ACTIONKOMÖDIE Wer einen

Blackout hat, ist bei der Rekonstruktion

der Geschichte in der

unschönen Lage, sich auf die

Aussagen anderer verlassen zu

müssen. So auch Ex-Gangster

Jos, der am Tag vor seiner Hochzeit

in seinem Bett aufwacht –

neben ihm ein Toter. Dann verlangt

Gangsterboss Vlad die

Rückgabe von 20 Kilo Kokain,

das Jos geklaut haben soll. Doch

der kann sich an nichts erinnern,

schon gar nicht, wo er das Koks

versteckt hat. In bester Guy-

Ritchie-Manier entspinnt sich

eine wilde Hatz, die an Abgedrehtheit

ihresgleichen sucht.

Trockene Dialoge, schräge

Charaktere und ein rasanter

Kameraeinsatz machen diese

niederländische Thrillerkomödie

zu einer kleinen Perle. Auch

wenn sie sicherlich nicht jedermanns

Humor treffen wird. (es)

Extras Trailer

auch als Blu-ray

Anna Karenina

R: Joe Wright

D: Keira Knightley,

Aaron Taylor-Johnson, Jude Law

11. 4., Universal Pictures

GB/F 2012

LIEBESDRAMA Wenn das mal

keine diplomatischen Spannungen

zur Folge hat: Joe

Wright, seit „Abbitte“ und „Stolz

und Vorurteil“ Fachmann für

große Leidenschaften in englischen

Stoffen, hat sich Tolstoi geschnappt

und ihm die russische

Seele ausgetrieben. Die exquisiten

britischen Darsteller, unter

anderem Keira Knightley als Titelfigur

und Jude Law als ihr

gefühlloser Gatte, versuchen gar

nicht erst, authentisches Personal

der Zarenzeit abzugeben. Denn

die Adaption dieses ausladenden

Dramas um Ehebruch, Moral

und Gesellschaft verweigert sich

spielerisch dem Realismus: Bis

auf wenige Ausnahmen ist die

komplette Handlung scheinbar in

einem Theater gedreht. Backstage,

Bühnenboden, Logen –

59


DVD

alles ist Schauplatz und verwandelt

sich innerhalb einer Kamerafahrt

in eine neue Szenerie. Wrights

Ideenreichtum und seine szenischen

Lösungen sind immer wieder

frappierend, dabei stets einleuchtend.

Das mag im Resultat

weniger tränenrührig sein als die

klassische Adaption mit Vivien

Leigh, ist aber ein berührendes

Spektakel. (ascho)

Extras deleted Scenes,

Featurettes, Making-of

auch als Blu-ray

7 Psychos

R: Martin McDonaghs

D: Colin Farrell, Sam Rockwell,

Woody Harrelson

17. 4., DCM

USA 2012

GANGSTERGROTESKE „7 Psychos“:

So soll es heißen, das Buch

des erfolgsbefreiten Autors und

Hobbyalkoholikers Marty (Farrell)

– ungefähr dort endet seine Inspiration

aber auch schon. Das

ändert sich, als sein Kumpel Billy

(genial gaga: Rockwell) und dessen

Kumpel Hans (Christopher

Walken) den Schoßhund des

Gangsterbosses Charlie (Harrelson)

entführen. Erwachsene Männer,

von leicht schräg bis ziemlich

meschugge, schießen um sich und

streiten sich wie Jungs auf dem

Schulhof. Was Martin McDonaghs

Groteske von seinem letzten Film

„Brügge sehen … und sterben?“

unterscheidet, ist die Oberfläche:

„7 Psychos“ ist bunt, die obskure

Komik nutzt das sonnenbestrahlte

Hollywood anstatt des tragikomischeren

belgischen Flairs. Eine

wilde, grandiose Hatz. (lan)

Extras zusätzliche Szenen,

Outtakes, Interviews, Featurettes,

B-Roll, Trailer

auch als Blu-ray

Sushi Girl

R: Kern Saxton

D: Mark Hamill, Dany Trejo,

Cortney Palm

26. 3., Ascot Elite

USA 2012

THRILLER Man nehme viel „Reservoir

Dogs“ plus eine Prise „Gott des

Gemetzels“ und schmecke das alles

mit Folterporno ab – voilà: „Sushi

Girl“. Besagtes Mädchen liegt als

nacktes Tablett vor einer Gangsterbande,

die bei einem Überfall unter

mysteriösen Umständen ihre Beute

verlor und nun einen anwesenden

Komplizen verdächtigt, mehr über

den Verbleib zu wissen – mit brutalstmöglichen

Folgen … Jedes Bild

ist eine Komposition, jeder Blick

bedeutungsvoll, Linien und Farben

sind klar, die Bewegungen so langsam

wie die Sätze gestanzt – und

jeder Charakter ist eine reine Filmfigur,

ein Tarantino-Typus. Für die

Pointe sorgt am Ende das bis dahin

stumme Sushi Girl – ein hübscher

Einfall in einem Sadothriller mit vielen

(Alt)Stars, darunter Mark „Luke

Skywalker“ Hammill als tuntiges

Dickerchen. (mw)

Extras Trailer

auch als Blu-ray

In ihrem Haus

R: François Ozon

D: Fabrice Luchini,Kristin Scott

Thomas, Emmanuelle Seigner

18. 4., Concorde

F 2012

THRILLER Ein kleiner Voyeur

steckt in uns allen, und darin liegt

(auch) die Faszination des Kinos.

„In ihrem Haus“ dreht sich um

einen Spanner, den herrlich perfiden

16-jährigen Claude (Ernst

Umhauer). Der erschleicht sich

erst das Vertrauen von Mitschüler

Rapha, dann schleicht er durch

dessen Haus. So erzählt er es zumindest

seinem Lehrer Germain in

überspitzten Essays. Begeistert von

Claudes Schreibtalent ist Germain

bald jedes Mittel recht, seinen

Schüler zu fördern. Im blinden

Eifer durchschaut der Pauker längst

nicht mehr, wie viel von Claudes

Geschichte wahr ist – und der

Zuschauer ebenso wenig, wenn

Germain die Erzählebenen durchbricht

und selbst zwischen Claudes

„Figuren“ auftaucht. Gänsehautmomente

gibt es für einen Thriller

wenige – vielmehr lässt Ozon seine

zwei Besessenen genüsslich an

ihrem Wahn zugrunde gehen. (dpp)

Extras Making-of, Outtakes, entfallene

Szenen, Kostümprobe

auch als Blu-ray

Ruby Sparks – Meine

fabelhafte Freundin

R: Jonathan Dayton, Valerie Faris

D: Paul Dano, Zoe Kazan,

Annette Bening

30. 3., 20th Century Fox

USA 2012

LIEBESKOMÖDIE Was wäre, wenn

man den Charakter seiner Freundin

nach Belieben beeinflussen könnte?

Sollte, dürfte man es tun? Vor dieser

Frage steht der Schriftsteller

Calvin, als er von einem schönen

Mädchen träumt, eine Geschichte

über sie beginnt – und sie eines

Morgens in seiner Küche steht.

Ruby ist alles, was Calvin sich

wünscht – doch als in der Beziehung

alltägliche Problemchen auftauchen,

schreibt er sich Ruby einfach

so zurecht, wie es ihm

gefällt… Zoe Kazans Skriptdebüt

ist smart, reicht jedoch nicht an

Größe und Humor von anderen

selbstreferentiellen Fiktion-wird-

Realität-Filmen wie „Being John

Malkovich“ heran. Doch die

zweite Regiearbeit von Dayton/-

Faris („Little Miss Sunshine“) ist

auch eher eine romantische Dramödie

– über moderne Kindmänner,

die die Blaupause ihrer

Traumfrau auf echte Frauen legen

und vom Ergebnis enttäuscht

sind. (vs)

auch als Blu-ray

Holy Motors

R: Leos Carax

D: Denis Lavant, Édith Scob,

Michel Piccoli

29. 3., good movies!

F/D 2012

DRAMA Leos Carax hat schon vor

20 Jahren mit „Die Liebenden von

Pont-Neuf“ bewiesen, dass er ein

Faible für die burleske, halluzinogene

(Unter)Welt von Paris hat.

„Holy Motors“ geht noch weiter, ist

mehr experimentelle Collage als

Spielfilm. Monsieur Oscar fährt mit

der Limousine durch die Stadt, um

an verschiedenen Orten unterschiedliche

Rollen zu spielen: Er ist

Bankier, Bettlerin, Auftragsmörder,

Vater, Ex von Kylie Minogue – und

nie klärt Carax auf, für wen Monsieur

Oscar arbeitet oder was der

ganze Irrsinn soll. Diese wildwuchernde

Fantasie über Identität,

Sein und Schein kann man großartig

finden oder für aufgeblasenes

Tamtam halten. Doch radikaler hat

lange kein Film mehr auf die

Spielregeln des Kinos gepfiffen.

Das alleine macht schon mächtig

Spaß. (vs)

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60


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Literatur

David Vann

Foto: Diana Matar/Suhrkamp Verlag

Ein kleines bisschen Hölle

In seinem neuen Roman „Dreck“ macht sich US-Autor David Vann auf die Suche

nach der Schönheit – indem er den blutigen Zerfall einer Familie schildert.

David, wieviel Hass kann eine Familie ertragen?

David Vann: Meine Familie war ziemlich gut darin. Ich komme aus einer

Familie mit fünf Selbstmorden und einem Mord, so gesehen war alles sehr

dysfunktional. Und über dieses Vermächtnis von Gewalt schreibe ich.

Meine Bücher sind eigentlich griechische Tragödien: Es geht um grundsätzliche

Beziehungen innerhalb der Familie. Ich glaube, dass das die

Beziehungen sind, die uns am meisten prägen. Man bürdet den Figuren

mehr auf, als sie ertragen können. Damit ihr Wesen enthüllt wird und wir

selbst uns an ihnen testen können.

Da passt es natürlich, dass es in „Dreck“ nur fünf Figuren gibt. Dabei

spielt die Geschichte in einem kalifornischen Vorort ...

Vann: Damit Drama funktioniert, muss man den Rest der Welt ausschließen.

In Tragödien versucht man die Bühne so beengend und bedrückend

wie möglich zu halten. Obwohl die Hauptfiguren in der Vorstadt leben,

haben sie es geschafft, sich vom Rest der Gemeinschaft zu isolieren.

Amerika ist ein Ort, an dem das möglich ist: Du kannst eine Familie aufbauen

und keinerlei Beziehung zu anderen Personen haben. Es ist der

Mythos und der Traum von Suburbia, dass Nachbarn sich gegenseitig

kennen und auch brauchen. Die Wahrheit ist: Das Vorstadtleben interessiert

mich nicht im Geringsten, und deshalb taucht es im Buch nicht auf.

Du gehörst zu jenen amerikanischen Literaten, die zeitlose biblische

Geschichten um Tod, Verdammnis und Erlösung erzählen, in der Tradition

von Hemingway, Faulkner und McCarthy. Hat die Gegenwart für die

Kondition des Menschen keinerlei Bedeutung?

Vann: Meine Geschichten sollen so elementar und atavistisch wie möglich

sein und nicht verknüpft mit einer spezifischen Zeit, mit kulturellen

Momenten oder Erfahrungen. Mich interessiert nicht, wie Amerika sich

heute managt. Darüber will ich weder nachdenken noch sprechen. Ich

will nicht den großen Roman über Amerika schreiben. Schon gar nicht bin

ich Jonathan Franzen, der sich die Vorstadt greift, um damit das größere

Amerika zu repräsentieren. Franzen ist langweilig: Es gibt nichts

Interessantes in den Sätzen, er hat keine spannenden Ideen. Ein

Professor, der mit seiner Studentin schläft (Franzens Roman „Freiheit“, die

Redaktion). Wirklich? Das soll der beste Roman der letzten zehn Jahren

sein?

Was motiviert dein Schreiben, wenn dich die gegenwärtige Gesellschaft

nicht interessiert?

Vann: Mich treibt die aktive Verwandlung des Menschen durch das

Unbewusste um. Ich will sehen, wie diese hässlichen Geschichten aus

meiner Vergangenheit verschiedene Gestalten annehmen. Mein Ziel ist,

das Schöne darin zu beschreiben: in der Kraft dessen, was passiert, in der

dramatischen Interaktion, in der Explosion der Charaktere.

Interessant, dass du Schönheit erwähnst. Du hast einmal gesagt, der

Roman, den du selbst gerne geschrieben hättest, ist Cormac McCarthys

„Die Abendröte im Westen“: ein dämonischer, in Blut getränkter

Western …

Vann: Einer der schönsten Plätze, die Schriftsteller beschreiben können,

ist die Hölle. Das Inferno ist die perfekte Form des Schönen, und die großartigsten

Werke sind allesamt apokalyptische Landschaften, die mit den

Landschaften im Inneren korrelieren. McCarthys Buch ist der größte amerikanische

Roman, weil er dieses Inferno im Westen ansiedelt, was keiner

zuvor getan hat. Ich versuche, dem nahe zu kommen, richte den Fokus

aber auf die Familienhölle. Weil Literatur einen sicheren Ort anbietet, um

Dämonen zu vertreiben, hoffe ich, den Lesern ein kleines bisschen Hölle

anzubieten.

Interview: Manuel Weißhaar

Dreck ist bereits erschienen.

62


Buchkritiken

Kulturtipp

Tina Uebel

Nordwestpassage für

dreizehn Arglose und

einen Joghourt

C. H. Beck, 2013

336 S., 19,95 Euro

„Horror vacui“ war Tina

Uebels bisher mit Abstand

bester Roman. In ihm lässt

die Autorin eine Handvoll

Wohlstandskinder bei ihrem

Fußmarsch zum Südpol an

den Elementen und sich

selbst verzweifeln. Dass sie

selbst auch ständig in den

unwirtlichsten Gegenden der

Welt unterwegs ist, wissen

wir schon lange auf Grund

ihrer Reisereportagen. Ihre in

unserer Zeit eigentlich nicht

mehr zu stillende Sehnsucht

nach noch nicht kartographierten

Orten hat sie jetzt

in ein Buch über einen dreimonatigen

Segeltörn durch

die Nordwestpassage gepackt.

Uebels plastische

Schreibe lässt die Reise von

Grönland bis zu Dutch Harbor

auf einer kleinen Insel

im pazifischen Ozean westlich

von Alaska erfrischend

lebendig werden. Gleichzeitig

weiß sie um ihre eigene Rolle

als Vorhut des Massentourismus:

Bald schon wird

die Nordwestpassage auf

Grund des Klimawandels

ohne Probleme systematisch

erschlossen sein. Uebel weiß

es und wählt das Segelboot

und nicht den vergleichsweise

bequemen Eisbrecher.

Und schenkt uns so noch

einmal den Hauch einer

Ahnung von unendlicher

Freiheit, die es für die

mesten von uns längst nicht

mehr gibt. (jw)

Mo Yan

Frösche

Aus d. Chin. v. Martina Hasse

Hanser, 2013

600 S.; 24,90 Euro

Als Mo Yan vergangenes Jahr

den Literaturnobelpreis bekam,

wurden Stimmen laut, dass

hier ein Autor geehrt wurde, der

allzu regierungsfromm über die

chinesische Gesellschaft schreiben

würde. Nach oberflächlicher

Lektüre von „Frösche“ ist

man geneigt zu glauben, dass

da was dran sein könnte: In

burlesker Überspitzung schildert

Mo den bäuerlichen Alltag in

der nordchinesischen Provinz

von der Kulturrevolution bis

heute; zwar schlagen immer

wieder Gewalt und auch Politik

auf die Geschehnisse durch,

die werden aber gemildert

durch den humorigen Unterton

des Romans. Erst am Ende entpuppt

sich die mehrfach verschachtelte

Erzählung als das,

was sie wirklich ist: eine spitzbübische

Satire, die Sexualitätssymbolik,

Fruchtbarkeitsmystik

und (durchaus vorhandene!)

Kritik an einer ins

Privateste eingreifenden

Staatsgewalt vereint. (fis)

Joe R. Lansdale

Dunkle Gewässer

Aus d. Engl. Hannes Riffel

Tropen, 2013

320 S.; 19,95 Euro

Bis man sie mit Draht an eine

Nähmaschine gefesselt in den

Sabine River geworfen hat, war

May Lynn ein schönes Mädchen.

Und der Traum, es bis

nach Hollywood zu schaffen,

stirbt mit ihr im sumpfigen

Texas. Sue Ellen will ihr aber

doch noch diesen Traum erfüllen

und zumindest die Asche

ihrer besten Freundin in der

Stadt der Filmstars verstreuen.

Zusammen mit ihrer depressiven

Mutter und den Freunden

Terry und Jinx macht sie sich

mit einem wackligen Floß auf

den Weg. Sie alle wollen nur

zu gerne fort von den versoffenen

Männern, die ihre Frauen

schlagen und minderjährige

Töchter begrapschen, weg von

dem aussichtslosen Leben im

stinkigen Morast. Und dann

gibt es ja noch die Schatzkarte,

auf der May Lynn den Weg

weist, der zu der Beute aus

dem Banküberfall ihres Bruders

führt. Doch auf diese Karte

haben es noch andere abgesehen,

und so werden sie bald

nicht nur von dem korrupten

Constable verfolgt und bedroht.

Als schließlich auch der mysteriöse

Killer Skunk in das Geschehen

eingreift, kommt es zu

einer blutigen Abrechnung,

und einige Beteiligte müssen

sich nicht nur von abgetrennten

Körperteilen verabschieden.

Joe R. Lansdale erzählt seine

schaurig-schöne Südstaatengeschichte

mit den naiven

Worten der sechzehnjährigen

Sue Ellen und schafft eine

düstere Variante der Abenteuer

von Tom Sawyer und Huckleberry

Finn, die dem Vorbild in

nichts nachsteht. (nh)

Thore Hansen

Silent Control

Europa Verlag Berlin, 2013

512 S.; 18,95 Euro

Hackerthriller hatten Ende der

90er-Jahre mal Hochkonjunktur,

doch inzwischen müssen

sich Menschen mit mahnend

erhobenem Zeigefinger

schon ganz schön mühen, um

die Aufmerksamkeit der Bevölkerung

darauf zu lenken, dass

das Internet nicht nur eine

lustige Spielwiese und Datingplattform

ist. Thore Hansen ist

aber nicht dumm und stellt

dem Thema World Wide Web

noch die Schlagworte Occupy

und Anonymous zur Seite.

63

Cirque Bouffon

neue Show

Die Bezeichnung „Bouffon“ stammt

ursprünglich aus dem Mittelalter und

benennt den Hofnarren, der sich so ziemlich

alles erlauben darf, ohne dabei den

Kopf zu verlieren. Das internationale

Künstlerensemble Cirque Bouffon verfährt

nach einem ähnlichen Prinzip: Ob

Luftakrobaten, Körperkünstler, Clowns

oder überwältigende Musik – alles ist

möglich, und am besten alles auf einmal.

Dieses Jahr tourt die Compagnie mit ihrer

neuen Show „Nandou“ erstmalig durch

mehrere deutsche Städte. Regisseur ist

dabei erneut das ehemalige Cirque-du-

Soleil-Mitglied Frédéric Zipperlin. Den

Zuschauer erwartet eine furiose und visuell

berauschende Mischung aus Artistenzirkus,

Musik, Theater, Tanz und Komik,

kurz: Zirkus auf der Höhe der Zeit.

8. 5.–2. 6.: Köln

21. 6.–21. 7.: Münster

6. 9.–6. 10.: Wiesbaden

präsentiert

www.cirque-bouffon.com

Foto: Linda Sander Sakhin


Aktion

„Ein ganzes

halbes Jahr“

10 Hörbücher zu gewinnen!

Der Roman von Jojo Moyes

trifft mitten ins Herz: Lou

Clark weiß eine Menge. Sie

weiß, wie viele Schritte es

von der Bushaltestelle bis nach Hause sind. Sie weiß, dass

ihr die Arbeit im Café „Buttered Bun“ gefällt, und sie weiß,

dass sie ihren Freund Patrick vielleicht nicht liebt.

Will Traynor weiß, dass der Motorradunfall ihm den Lebensmut

genommen hat. Er weiß, dass alles sich klein und freudlos

anfühlt, und er weiß ganz genau, was er dagegen tun wird.

Was weder Lou noch Will wissen, ist, dass sie das Leben des

anderen für immer ändern werden.

Eine begeisterte Leserin auf amazon.co.uk schreibt über diesen

traurig-schönen Liebesroman: „Wenn du nur ein einziges Buch

in deinem Leben liest, lass es dieses sein.“

Weil der Roman in der Lesung von Luise Helm noch mehr ans

Herz geht, verlosen kulturnews und der Argon Verlag

10 Exemplare des Hörbuchs. Schicken Sie einfach bis zum

24. April eine E-Mail mit dem Betreff „Ein ganzes halbes Jahr“ an

info@bunkverlag.de – viel Glück!


Buchkritiken

Et voilà, die Aufmerksamkeit ist

da. Dass diese auch genau da

bleibt, wo sie sein soll, nämlich

auf den Buchseiten, dafür sorgt

Hansen mit einer rasanten, wenn

auch nicht immer astrein nachvollziehbaren

Story: Der naiv-weltverbesserische

schwedische Hacker

Torben programmiert einen Computerwurm,

der die Datenströme

im Netz enttarnen soll. Ein Alptraum

für den Staat und seine

Geheimdienste ebenso wie für

Banken und allerlei andere Datenkraken

wie Google und Co. Kein

Wunder also, dass Torben bald auf

der Flucht ist und in New York

schließlich der CIA in die Hände

fällt. Dort trifft er auf den skrupellosen

Roy Clark, der die allerorten

demonstrierenden Menschen mittels

Gedankenmanipulation ruhigstellen

will. Als Versuchskaninchen

kommt ihm Torben da gerade

recht … Thore Hansens Buch ist

Thriller und düstere Zukunftsvision

zugleich, gespickt mit Anspielungen

auf Verschwörungstheorien

und linken Protest. Auch das

Zwischenmenschliche kommt

nicht zu kurz. Doch gerade, wenn

man sich schon gemütlich aufs

Sofa zurücksinken lassen will, liefert

Hansen noch einen veritablen

Cliffhanger, der einen zweiten Teil

zwingend erforderlich macht. (es)

die Freiheit. Sie will endlich wieder

zu ihrer geliebten Rolande. Doch

plötzlich ist da erstmal dieser

Kleinganove Julien, der nun auch

ihre Liebe findet. Er nimmt Anne

auf und hält sie bei Bekannten

versteckt. Julien ist bald jedoch

selbst auf der Flucht und immer

wieder im Gefängnis. So wird

Anne erneut zu einer Gefangenen,

die sich, eingeschränkt in ihrer

Bewegungsfreiheit, nach unerreichbarer

Geborgenheit und Liebe

sehnt. Lesbische Liebe war 1965,

als der Roman erstmals veröffentlicht

wurde, noch ein Tabuthema,

und Albertine Sarrazine traf mit

ihrer rauen und gleichzeitig poetischen

Sprache genau den Ton, der

dieses Tabu damals brechen

musste. Und heute? Der Roman –

fast fünfzig Jahre alt – hat neu

gekauft den Gegenwert von zwanzig

Käsetoasts, aber zu wenig mit

den Lebenswelten junger Frauen

zu tun, als dass diese dafür hungern

würden. Dank der grandiosen

Neuübersetzung ist aber immer

noch die rotzige Kraft zu spüren,

mit der Sarrazine einer Generation

aus der Seele schrie. (nh)






Albertine Sarrazine

Astragalus

Aus d. Franz. v. Claudia Steinitz

Hanser, 2013

272 S; 19.90 Euro

Patti Smith war 22 Jahre alt, als

sie für dieses Buch auf einen Käsetoast

verzichtete. Sie kaufte es

mit ihren letzten 99 Cent, weil die

Gier nach einer weiblichen

Autorin, die ihr Lebensgefühl und

die Verwirrtheit jener Zeit in Worte

fasste, größer war als der Hunger.

Der Inhalt des autobiografischen

Romans von Albertine Sarrazine

liest sich dabei wie eine Ganovenromanze:

Bei der Flucht aus

einem Jugendgefängnis bricht sich

die neunzehnjährige Anne ihr Bein

und kriecht unter Schmerzen in

64

Anselm Lenz /

Alvaro Rodrigo Piña

Otey (Hg.)

Das Ende der

Enthaltsamkeit –

7 Zirkel des Golem

Nautilus, 2013

272 S.; 19,90 Euro

Aus dem Umfeld der Hamburger

Bar Golem kommt ein handliches

Brevier, edel in der Gestaltung,

weise in seiner Funktion als

Handreichung für den Novizen

und mit einem Appendix voller

Tipps, wie man sich auch zu

Hause ein veritables Saufkabinett

einrichtet. In Anlehnung an die

„Sieben Zirkel der Mysterien“ ist

dieser Katechismus in ebenso

viele Zirkel des Golem eingeteilt,

in denen literarische Hymnen auf

die Alkoholarten Bier, Wein, Gin,

Rum, Whisky, Brandy und Wodka

zu lesen sind. Dass Autoren

wie Heinz Strunk und Dirk von

Lowtzow, Tino Hanekamp und

Anselm von Wegen sowie


Buchkritiken

Hermann L. Gremliza und Georg

Seeßlen an dem Projekt mitwirkten,

zeugt von Niveau einerseits

und von einer Grundposition der

Aufgeklärtheit. „Selbstermächtigung“

und „Schönheit des

Niedergangs“, zwei Begriffe aus

dem Untertitel des Buches, weisen

den Weg. Die gesellschaftliche

Bedeutung des Alkohols mag

spätestens seit dem Aufkommen

der Industrialisierung immer wieder

mehr als nur umstritten

gewesen sein: Hier wird für den

stilvollen Suff plädiert – mit

Schwerpunkt auf Stil. Wie der

allerdings aussehen mag, da

gehen die Meinungen ja auseinander.

(jw)

Helmut Wietz

Der Tod von Adorno

Metrolit, 2013

72 S.; 22 Euro

1967 als Zeugnis eines Umbruchs

begonnen, erst 2007 als

Maßnahme gegen Alterslangeweile

wieder aufgenommen:

Zwischen den beiden produktiven

Phasen, in denen Helmut

Wietz an seinem ersten Comic

gearbeitet hat, ist fast ein halbes

Jahrhundert vergangen.

Nun endlich fertig gestellt, entwirft

die Geschichte über den

Proletariersohn Hermann Trollschack

ein buntes, assoziativ

verknüpftes Mosaik um Kernthemen

der 68er-Generation:

sexuelle Befreiung, Altnazis an

den Hebeln der Macht und der

Widerspruch zwischen den

intellektuellen Säulenheiligen

der Frankfurter Schule und

ihren Studenten, den Kindern

der Revolution. In der Zwischenzeit

ist allerdings viel passiert.

Die 68er-Generation hat

ihr Erbe längst aufgearbeitet,

und die kritische Theorie Adornoscher

Prägung wird heute an

mancher Hochschule als muffiger

Anachronismus erachtet.

Ähnliches dürfte für Roy Lichtensteins

grelle Pop-Art-Studien

gelten, deren Ästhetik „Der Tod

von Adorno“ prägt. Es wirkt also

alles ein wenig aus der Zeit

gefallen. Das wäre nicht weiter

schlimm, würde Wietz eine veränderte

Perspektive auf Zeit

und Leute anbieten, aber aufgrund

von thematischer Überfrachtung

und fehlender inhaltlicher

Stringenz bleibt sein Blick

zu sehr an der Oberfläche kleben.

Dem tradierten Bild der

68er kann Wietz mit seinem

Debüt voller Sex, Drugs &

Dialektik so nichts Wesentliches

hinzufügen. (mwe)

Elisabeth Herrmann

Das Dorf der Mörder

Gelesen v. Eva Mattes

der hörverlag, 2013

7 CDs; 19,99 Euro

Spätestens mit dem Gewinn des

Deutschen Krimipreises 2012 für

„Zeugin der Toten“ ist Elisabeth

Herrmann aus der Riege der

Spitzenautoren nicht mehr wegzudenken.

Und der Nachfolger

für das spröde Einzelwerk von

2011 enttäuscht nicht. Wieder

steht eine verbohrte, aber in ihrer

Rätselhaftigkeit interessante

Frauenfigur im Mittelpunkt.

Wieder ist das Verbrechen keins,

das sich auf den ersten Blick

aufdrängt. Aus einem Gefühl

heraus stürzt sich die Streifenpolizistin

Sanela Beara in eine

Ermittlung, die sie eigentlich gar

nichts angeht. Im Berliner Tierpark

wird ein Mann von wilden

Schweinen gefressen – betäubt,

aber bei lebendigem Leib. Verhaftet

wird eine Tierpflegerin,

Charly Rubin, die den Mord auch

gesteht. Aber Beara glaubt nicht

an Rubins Schuld und geht

Kriminalhauptkommissar Lutz

Gehring damit gehörig auf die

Nerven. Vor allem, weil dem

oberflächlich ruppigen Kommissar

bald selbst Zweifel kommen,

ob an der Geschichte nicht doch

mehr dran ist. Die Ermittlungen

führen Beara und Gehring in das

fast vollständig verlassene brandenburgische

Dorf Wendisch

Evern, in dem Rubin ihre Kindheit

verbracht hat – und in dem

so manches düstere Geheimnis

jahrelang unter den Teppich

gekehrt wurde … (kab)

65

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O Dido

Girl who got away

O Silly

Kopf an Kopf


Lesungen

Foto: © Gasper Tringale

Foto: © Ekko von Schwichow

Foto: © Marsha Miller

Foto: © Mathias Bothor/Photoselection

Justin Cronin

Eva Menasse

Kevin Powers

Heinz Strunk

DIE ZWÖLF

Justin Cronin stellt den zweiten

Band seiner Endzeit-Trilogie vor:

Zwölf Kriminelle, die auf die Todesstrafe

warten, werden für ein

Experiment ausgewählt. Doch

dann passiert eine Panne, und die

zwölf Auserwählten werden zu

einer Bedrohung für die gesamte

Menschheit.

8. 4. Hamburg – 9. 4. Hannover –

10. 4. Unterföhring – 11. 4. Köln

– 12. 4. Wiehl – 13. 4. Kiel

QUASIKRISTALLE

Was wissen wir über uns selbst?

In 13 Kapiteln zerlegt Eva Menasse

die Biografie einer Frau und

zeigt sie als Mutter und Tochter,

als Freundin, Mieterin und Patientin,

als flüchtige Bekannte und als

Ehefrau.

9. 4. Offenburg – 10. 4. Freiburg

– 11. 4. Karlsruhe – 12. 4.

Stuttgart – 16. 4. Augsburg –

17. 4. Regensburg – 18. 4.

Nürnberg – 19. 4. München –

22. 4. Berlin – 24. 4. Wiesbaden

– 25. 4. Würzburg

DIE SONNE WAR DER

GANZE HIMMEL

Der Debütroman erzählt von einer

Freundschaft im Irakkrieg: Was die

jungen US-Soldaten John und

Daniel in der glühenden Hitze der

Wüste am Leben erhält, ist ihre

Angst – und ein Versprechen, das

John der Mutter von Daniel gegeben

hat.

22. 4. Frankfurt – 23. 4.

Heidelberg – 24. 4. Hamburg –

25. 4. Berlin

JUNGE RETTET FREUND

AUS TEICH

Ein letztes Mal bedient sich Heinz

Strunk aus seiner Biografie: Wenn

er von Kindheit und früher Jugend

erzählt, findet er einen neuen Ton,

mit dem er sich trotzdem ganz und

gar treu bleibt.

4. 4. Bremen – 5. 4. Kassel –

6. 4. Marburg – 7. 4. Münster –

8. 4. Frankfurt – 9. 4. Heidelberg

– 10. 4. München – 21. 4.

Göttingen – 22. 4. Würzburg –

23. 4. Erlangen – 24. 4. Dresden

– 29. 4. Berlin – 30. 4. Hannover

Foto: © Ekko von Schwichow

Foto: © Mathias Bothor/Photoselection

Eventtipps

Kai Schumacher

Foto: © Bonny Cölfen

Seasons in the Abyss –

Transcriptions from Mozart to Metal

Der Ausnahmepianist Kai Schumacher

begeistert sein Publikum

mit seinem Mix aus klassischer

und zeitgenössischer Klaviermusik

sowieso Rock- und Elektroklängen.

Mit „Seasons in the Abyss“ widmet

er sich nun seiner Leidenschaft für

härtere Töne. Von Slayer bis Mozart

und zurück – ein einzigartiger

Konzertabend, der die Grenzen

zwischen unterhaltender und ernster

Musik vollkommen aufhebt.

James Morrison 3 Doors Down

Vessels

Lenka

Foto: Lars Berndt Events

27. 6. Westfalenhalle, Dortmund 11. 6. Columbiahalle, Berlin

Foto: Bart Pettman

Foto: Prime Entertainment Foto: Frank Ockenfels

Jessy Martens &

Band

Konzert in der Fabrik

Mit „Break your Curse“ liefert

Jessy Martens bereits ihr fünftes

Album ab. Von Kritikern als „herausragend“

und „zum Niederknien“

gelobt, wurde sie mit ihrer

Band 2012 sowohl mit zwei German-Blues-Awards

als auch dem

Deutschen Rockpreis ausgezeichnet.

Alles gute Gründe also, sich

die Rock- und Blueslady einmal

live anzuschauen. Das Finale ihrer

Tournee feiert Martens in ihrer

Heimat Hamburg.

4. 4. Welterbe Zollverein, Essen

2. 6. Hafenklang, Hamburg

6. 9. Luxor, Köln

27. 4. Fabrik, Hamburg


DAUGHTER

EIN KIND VON TRAURIGKEIT

Zum Sterben schöner Indiefolk aus London


EINE PRODUKTION VON STAGE ENTERTAINMENT

Original design by Dewynters London

Mehr als 130 Millionen Besucher weltweit, über 50 internationale Auszeichnungen, das

erfolgreichste Musical der Welt. Erleben Sie das Original mit den berühmten Melodien von

Andrew Lloyd Webber und lassen Sie sich begeistern von der größten Liebesgeschichte

unserer Zeit, den opulenten Kostümen und den überwältigenden Bühnenbildern.

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