Ausgabe 06/2013 - Kulturnews

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Ausgabe 06/2013 - Kulturnews

06 2013 Glasperlenspiel | Texas | Bobby McFerrin | Arne Jansen | Blackmore’s Night | Alex Hepburn | Tegan And Sara

Mit Sonderedition

festival

+

Hallo Welt – ade Facebook!


„Nicht viele Rockstars werden mit der Zeit immer besser.

Eigentlich keiner. Nick Cave scheint es zu gelingen.“

Tobias Rapp, Der Spiegel

28.07. PAAREN bei BERLIN, Greenville Festival

10.11. HAMBURG, Sporthalle

12.11. DÜSSELDORF, Mitsubishi Electric Halle

13.11. OFFENBACH, Stadthalle

21.11. MÜNCHEN, Zenith

Tickets unter www.tickets.de

Das grandiose neue Album


Artwork

Foto: Karl Stoecker/Schirn

Die Glamästhetik Anfang der 70er war der größte Angriff auf die bürgerliche Moral nach dem

Krieg. Gammler, freie Liebe, Drogen: Irgendwie hatte sie all diese Zumutungen der Hippieära

halbwegs weggesteckt – doch das Verschwimmen der Geschlechtergrenzen im Glam war einfach

zu viel des Guten. Bis heute prägt dieser von Künstlern wie Brian Eno, David Bowie oder

Marc Bolan verantwortete Paradigmenwechsel die Popkultur, und bis heute hat die (wahrscheinlich)

1939 geborene Travestie- und Discokünstlerin Amanda Lear (Foto) es geschafft, die

Welt über ihr Geburtsgeschlecht im Unklaren zu lassen. Vom 14. 6. bis 22. 9. zeigt die

Frankfurter Schirn mit der Foto-, Gemälde- und Kostümausstellung „Glam!“, wie ins Rutschen

geriet, was vorher doch so sicher schien.

mw

3


Impressum

Inhalt

KULTURNEWS erscheint monatlich und wird herausgegeben

und verlegt von der bunkverlag GmbH

Zeisehallen, Friedensallee 7–9, 22765 Hamburg

VERLAG

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VERLEGER

Uwe H. Bunk

CHEFREDAKTEURIN

Dr. Jutta Rossellit (v.i.S.d.P.)

ART DIRECTOR

Nils Heuner (nh)

Foto: Mary McCartney

Texas 12

REDAKTION

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Leser-E-Mail leser@bunkverlag.de

Artists

MUSIK Matthias Wagner (mw)

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DVD Ellen Stickel (es)

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ENTERTAINMENT Jürgen Wittner (jw)

fon -76 | E-Mail jwittner@bunkverlag.de

KINO Volker Sievert (vs)

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LITERATUR Carsten Schrader (cs)

fon -83 | E-Mail cschrader@bunkverlag.de

LIVE Lasse Nehren (lan)

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KUNST + THEATER Falk Schreiber (fis)

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GRAFIK Juliane Kruschke, Lennart Vitting

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SALES DIRECTOR Helge Löbel (v.i.S.d.P.)

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SALES MANAGER

Julia Hönel, Lore Kalamala, Susanne Korn,

Jürgen Peters, Petra Schaper, Skadi Schmidt

DISPOSITION + KOOPERATIONEN Esther Ahrens

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ABO/LESERSERVICE Maike Göttsche

fon -10 | E-Mail mgoettsche@bunkverlag.de

WEITERE BEITRÄGE DIESER AUSGABE

Marcel Anders, Katharina Behrendsen (kab), Käthe

Charlotte (kc), Michael Ernst, Michael Fuchs-Gamböck,

Ron Haller (ron), Nils Heuner (nh), Mark Heywinkel,

Dagmar Leischow, Dr. Justus Noll (jn), Henning Richter,

Axel Schock (ascho), Steffen Rüth, Manuel Weißhaar (mwe)

Praktikantinnen und Praktikanten: Anne Büttner (awb),

Mitja Joel Steffens (mjs), Samanta Hoffmann (sho),

Samantha-Josephine Kiesel (sjk)

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung des

Herausgebers oder des Verlags wieder. Für unverlangt eingesandte

Materialien kann keine Gewähr übernommen werden. Die Urheberrechte

für Anzeigen, Entwürfe, Fotos, Vorlagen sowie der grafischen Gestaltung

bleiben beim Verlag und können nur mit dessen Genehmigung weiterverwendet

werden. Veranstaltungshinweise werden kostenlos abgedruckt.

Fotos, die Veranstaltungshinweise illustrieren, können nur frei abgedruckt

werden; der Verlag setzt bei Eingang voraus, dass alle Honorarfragen vom

Veranstalter bereits geklärt sind.

3 Artwork

6 News

10 Tim Bendzko

In einem Rutsch

12 Texas

Verdammt jung

14 Bobby McFerrin

Die andere Dimension

16 John Fogerty

Ein bisschen Spaß

18 Fayzen

Alles außer hart

20 Arne Jansen

Zwischen Grunge

und Goya

22 Cäthe

Irgendwie anders

24 Pat Metheny

Mann der Ideen

26 Blackmore’s Night

Sei ein Freak!

27 Alex Hepburn

Immer negativ

28 Tim Oliver Schultz

Wer will, der kann

29 Glasperlenspiel

Ein Paar für alle Fälle

62 Patricio Pron

Verdrängt,

nicht vergessen

HINWEIS ZU GEWINNSPIELEN

Aktionen und Eventtipps sind Formen von Promotion.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

ANZEIGENSCHLUSS 7/13: 17. 6. 13

Es gilt die Anzeigenpreisliste 2013.

Jahresabonnement: 21 Euro (inkl. Porto & MwSt.)

NÄCHSTE AUSGABE 7/13: 27. 6. 13

Foto Titel: Paul Ripke


Inhalt

Foto: Act/T.N.

Foto: Oliver Reetz

20 22

Arne Jansen Cäthe

Foto: Jimmy Katz

Pat Metheny

24

Releases

Events

48 Plattenkritiken

Rock

Pop

Black Music

Folk & Country

Dance & Elektro

Jazz & Roots

Klassik

56 Filmkritiken

56 Kinofilme

60 DVD

67 City+

68 Entertainment

70 Theater

72 Klubs + Konzerte

80 Ausstellungen

36 Tourneen

66 Lesungen

66 Eventtipps

63 Buchkritiken


Musik

Alles hat ein Ende …

… glaubt der Kölner Singer/Songwriter

Maxim – und beißt skrupellos in seine

Wurst.

Maxim, auf deinem neuen Album „Staub“ rechnest du mit deiner eigenen

Generation ab. Was wirfst du dir und deinen Altersgenossen denn vor?

Maxim: Was haben wir denn an den Start gebracht, worauf wir stolz sein

können? Okay, in der arabischen Welt hat meine Generation eine

Revolution losgetreten. Aber auf mein Land bezogen möchte ich sinngemäß

Volker Pispers zitieren: Alle sitzen im Zug und steuern auf den

Abgrund zu, aber alle haben Angst, die Notbremse zu ziehen, weil sie sich

davor scheuen, ihren Kaffee zu verschütten.

Ich hätte eher erwartet, dass du mit politischen Parolen für eine bessere

Welt kämpfst; schließlich hast du dir bei den Texten von Judith Holofernes

helfen lassen.

Maxim: Das funktioniert heutzutage doch nicht mehr. Auch Judith haut

ja keine Parolen raus, und man kann ohne Probleme Wir Sind Helden

hören und gleichzeitig CDU wählen. Wenn man meine Texte hört, ist

meine Gesinnung in den Nebensätzen zu erkennen, und das ist meiner

Meinung nach das Maximum, was ein Künstler schaffen kann, ohne sich

lächerlich zu machen.

Dann ist deine Botschaft die radikale Hoffnungslosigkeit?

Maxim: Wenn man etwas scheiße findet, kann man natürlich dagegen

vorgehen. Nur die einfache, große Lösung, die gibt es eben nicht, und ich

habe keinen Respekt vor politisch korrekten Typen, die mich anstinken,

weil ich eine Wurst esse. Ich will meinem Leben einen Sinn geben und

gucken, dass ich hier vernünftig lebe – und ich verzweifle nicht daran,

dass es mir unmöglich ist, alles richtig zu machen.

Interview: Carsten Schrader

Maxim

Foto: Heiko Landkammer

Staub erscheint am 31. Mai.

kulturnews präsentiert

16. 10. Dresden – 17. 10. Bochum – 19. 10. Bremen – 20. 10.

Berlin – 21. 10. Hamburg – 22. 10. Münster – 23. 10. Hannover –

26. 10. Weinheim – 27. 10. Frankfurt – 28. 10. Stuttgart – 29. 10.

Saarbrücken – 30. 10. Köln

Vinyl im Höhenflug

Endlich mal wieder eine Kurve, die der gebeutelten Musikbranche gefällt:

Seit dem historischen Tief von 2006 sind die Vinylverkäufe kontinuierlich

gestiegen – und jetzt immerhin wieder auf dem Niveau von 1997. Allein

2012 betrug die Steigerungsrate 52 Prozent. Allerdings sollte das nicht

darüber hinwegtäuschen, dass der weltweite Vinylumsatz bei gerade mal

131 Millionen Euro liegt – ein Marktanteil von Cro 1,1 Prozent am

Gesamtumsatz der Branche. (mw)

Foto: IFPL

6


„Ich bin kein Top-40-Freak, und

vieles – wie Pitbull oder Flo Rida – ist

einfach beschissen. Aber das Leben ist zu

kurz, um darüber nachzudenken, ob anderen

dein Musikgeschmack passt.“

Musik

Foto: Warner Music

Erst 20, aber weiß schon Bescheid: die britische Sängerin Charlotte Aitchison alias Charli XCX im aktuellen uMag. Ihr Debütalbum „True Romance“ ist

soeben erschienen.


Musik

Cecil Taylor

Foto: Arne Reimer

Bei Legenden daheim

Auffällig sind vor allem die Hände. Sie tun nicht das,

was sie sonst tun, nämlich Instrumente bedienen. Die

Hände der 50 Jazzlegenden, die Arne Reimer zu

Hause besuchte, sind oft ratlos verschränkt, sie ruhen

auf Stuhllehnen, halten Tassen oder Zigaretten – wie

die von Cecil Taylor, der sich in einem, wie es scheint,

winzigen Schlafzimmer genussvoll erholt. Die intimen

Foto- und Textporträts erscheinen nun in dem üppigen,

LP-großen und fast zwei Kilo schweren Band

„American Jazz Heroes“. (mw)

Foto: Farbfilm

Im Rausch,

aber nicht der Bilder

Pete Doherty

Das reicht höchstens für die Goldene Palme von

Cannix: So lange sich der britische Skandalrocker

Pete Doherty in seinem Filmdebüt „Confession“ (ab

20. Juni) durch diverse Orgien saufen darf, fällt er

nicht negativ auf. Leider kann der Babyshambles-

Sänger die verdrogte Mimik aber auch dann nicht

ablegen, wenn er an der Seite von Charlotte

Gainsbourg den verliebten Jüngling mimen soll. (cs)

DIE EP ZUM

GLEICHNAMIGEN

KINOFILM

OUT

NOW!

WENN INGE TANZT

DER SOUNDTRACK

ZUM KINOFILM

AB

12.7.

www.very-us.com

www.facebook.com/systemfehler.wenn.inge.tanzt


Musik

Foto: Aldo Belmonte

Rodriguez

Zu teuer für uns?

Seit „Searching for Sugar Man“, der Oscar-gekrönten

Kinodoku über sein Leben, kommt der US-Songwriter Sixto

Rodriguez (70) aus dem Touren nicht mehr raus. Deutsche

Veranstalter aber sind anscheinend nicht bereit, Rodriguez’

Gagenforderung zu erfüllen – im Gegensatz zu ihren

Kollegen in anderen EU-Staaten. In vielen davon werden

Konzerte allerdings staatlich subventioniert, was höhere

Gagen erlaubt. Deshalb spiele Rodriguez lieber mehrfach in

Paris (3.–5. 6.) als einmal in Hamburg, heißt es auf kulturnews-Nachfrage

aus seinem Umfeld. Wer nun trotzig einen

Kurztrip in die französische Hauptstadt erwägt, kann sich

indes den Weg sparen: alles ausverkauft. (mw)

Foto: Rodriguez

Gute Frage

… an Tricky

Tricky, mit „False Idols“ kehrst du zum TripHop-Sound der 90er zurück.

Wolltest du etwa in den letzten Jahren jemand sein, der du gar nicht bist?

Tricky: Es lag an den Umständen, dass ich nicht mehr enthusiastisch war.

Natürlich hat das große Indielabel Domino einen wahnsinnig guten Ruf, und ich

mag auch all die Leute, die für diese Plattenfirma arbeiten. Nur der Chef ist ein

Idiot, den ich nicht respektiere. Ich konnte nicht kreativ sein, wenn er mir über

die Schulter geschaut hat. Stell dir vor: Er wollte, dass ich meinen Gesang neu

aufnehme, weil er einige Wörter nicht verstehen konnte! Einmal habe ich mich

beschwert, weil er mir einen unglaublich schlechten Remix von irgendeinem

Möchtegern geschickt hat. Und weißt du, was seine Antwort war? „Aber der Typ

ist unglaublich angesagt!“ Was zur Hölle soll das heißen?

False Idols ist seit Ende Mai auf dem Markt.

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Songwriterpop

Tim Bendzko

Foto: Paul Ripke

10


Songwriterpop

In einem Rutsch

Tim Bendzkos Debütalbum verbrachte fast anderthalb Jahre in den Charts. Wie soll

man so eine Sensation toppen? Der 28-Jährige Sänger macht sich darum keinen Kopf –

und sein Facebook-Konto zu.

Tim, Nordkorea rüstet auf, das Konzept Europa schwankt gefährlich, und du

nennst deine zweite Platte „Am seidenen Faden“. Stehen deiner Meinung

nach die Zeichen auf Untergang?

Tim Bendzko: Haha, man lernt durch diese Zeile viel über Menschen …

Wie sie sie lesen, sagt viel über sie aus. Bei 98 Prozent aller Menschen

bedeutet diese Zeile, dass sich etwas zum Schlechten ändert. Aber „Am

seidenen Faden“ heißt nicht, dass es sich schon zum Schlechten gewendet

hat, sondern es ist in beide Richtungen möglich. „Am seidenen Faden“

ist für mich keine negative Aussage. Es ist eigentlich pure Ironie, dass das

zweite Album so heißt – weil die zweite Platte als die schwierigste gilt.

Gerade bei dir sind die Erwartungen an Album Nummer zwei groß: „Wenn

Worte meine Sprache wären“ stand 69 Wochen lang in den Charts. Da

musst du doch zumindest ein bisschen Angst vor der Veröffentlichung

haben, oder?

Bendzko: Allein diesen Titel zu wählen, beweist ja, dass ich überhaupt keine

Angst habe. Außerdem stammt die Zeile aus dem gleichnamigen Song, in

dem es ja noch weitergeht. Da heißt es, dass alles einem roten Faden folgt.

Es steht etwas auf der Kippe, aber es geht weiter – nach dem Motto: Bis

hierher bin ich gekommen, warum sollte es nicht mit dem nächsten Schritt

weitergehen?

„Wenn Worte meine Sprache wären“ klang noch stark nach Singer/Songwriter,

„Am seidenen Faden“ kommt jetzt mit pompöserem Pop daher. Hattest

du das Gefühl, in dieses große Klangkostüm erst hineinwachsen zu müssen?

Bendzko: Bei der ersten Platte habe ich mir einen Produzenten gesucht und

ihm versucht zu erklären, wie sich die Musik anhören sollte. Die Musik sollte

akustisch klingen, aber trotzdem beatorientiert, es sollte Singer/Songwriter-

Elemente geben, aber auch fette Beats, alles mit echten Instrumenten und

nicht elektronisch aufgebauscht. Das haben wir dann auch versucht hinzukriegen

und sind ziemlich weit gekommen, aber irgendwann muss man ein

Album auch fertig machen. Und dann hatte die Platte nun mal den Sound,

den wir bis dahin entwickelt hatten.

Also klingt das zweite Album so, wie schon das erste hätte klingen sollen?

Bendzko: Ja, eigentlich ist es nur das erste Album, aber konsequenter und

mutiger bei dem einen oder anderen Song. Mutig in Bezug auf die zwei Songs,

in denen der HipHop-Beat noch übrig ist.

Man kann das Album ganz gut in einem Rutsch und ohne Brüche durchhören.

Stimmst du die Songs beim Schreiben aufeinander ab?

Bendzko: Erst mal geht es darum, was der Song braucht. Und was er

braucht, das kriegt er. Aber in einer idealen Welt ist es natürlich so, dass am

Ende alles ineinandergreift und zusammenpasst, musikalisch wie inhaltlich.

Es bringt mir nichts, wenn erst ein Halligallisong kommt und danach nur

Balladen. Das muss sich schon entwickeln. Am Ende sollte ein Album homogen

sein. Jeder Song sollte einzeln funktionieren, aber das Album sollte sich

schon im Ganzen gut durchhören lassen können. Ich würde auch gerne mal

ein Konzeptalbum schreiben. Das werde ich aber nie schaffen, weil sich dieses

Zusammenpassen bei mir immer zufällig entwickelt.

Außerdem hören viele Leute doch gar keine ganzen Alben mehr, oder? Stattdessen

stellen sie sich individuelle Playlisten bei Spotify oder iTunes zusammen.

Bendzko: Mir ist klar, dass „Album“ ein veraltetes Konzept ist. Aber ich mag

das total. Ich bin ein Albumhörer. Man wird dabei zwar schon manchmal enttäuscht.

Ich finde das aber nicht schlimm. So kommst du plötzlich in eine

Welt, in der du nicht gedacht hättest, jemals zu landen.

Zum Songsschreiben hast du deine Musikwelt nicht verlassen: Kaum hattest

du deine Tour fürs erste Album beendet, bist du auch schon wieder ins Studio

gegangen. Brauchtest du denn gar keine Kreativpause?

Bendzko: Ich finde, dass sich das Wort im Kern widerspricht. Wenn ich eine

Pause mache, wie soll ich in der Zeit kreativ sein? Wie soll etwas in mich reinkommen,

wenn ich nichts tue? Ich habe witzigerweise auch geglaubt, dass

mir nichts einfällt, weil ich die ganze Zeit nur Musik gemacht und am realen

Leben nicht wirklich teilgenommen habe. Aber es kam wie ein Wasserfall aus

mir raus – und dabei habe ich dann gemerkt, dass ich mit diesem ganzen

Musikding cool bin. Das funktioniert für mich. Ich bin weder abgehoben, noch

geht es mir schlecht. Und beim Schreiben stolpere ich dann über die alltäglichen

Probleme und bringe sie zu Papier.

Kann man denn über das reale Leben schreiben, wenn man an diesem Leben

nicht richtig teilnimmt?

Bendzko: Ich wollte schon immer Sänger sein, das ist für mich das reale

Leben. Ich bin nie der Typ gewesen, der jeden Tag mit zehn Freunden im

Café sitzt oder jedes Wochenende feiern gehen muss. Deshalb sind das

alles keine Sachen, die mir fehlen. Und mein Freundeskreis sind die Leute,

mit denen ich Musik mache. Das ist mein Leben.

Und wenn du einen Blick über den Tellerrand werfen willst, gibt es ja auch

immer noch Facebook.

Bendzko: Ich habe meinen privaten Facebook-Account gelöscht. Mich hat

es einfach so genervt, dass es nur noch darum ging. Und dann kommen die

Leute mit dem Argument, man würde nicht mehr mitbekommen, was in

seinem Freundeskreis vor sich geht. Das Ding ist doch: Das auf Facebook ist

ja gar nicht dein richtiger Freundeskreis! Und das Argument, dass man auf

Facebook noch mit Leuten Kontakt halten könne, mit denen man sonst keinen

mehr hätte? Es ist doch ein Teil des Lebens, dass man sich weiterentwickelt

und auch auseinanderlebt. Es ist eine Utopie zu glauben, dass all

deine Freunde aus der Grundschule auch heute noch deine Freunde sein

müssen. Ich mag es eher, wenige Menschen intensiv um mich zu haben –

und nicht unglaublich viele Menschen nur so halb.

Am seidenen Faden ist seit Ende Mai erhältlich.

kultunews präsentiert

3. 8. Berlin (weitere Termine ab Februar 2014)

Interview: Mark Heywinkel

11


Poprock

Texas

Durch und durch schottisch: Texas mit Sharleen Spiteri

Foto: Mary McCartney

Verdammt jung

Texas-Frontfrau Sharleen Spiteri (45) entpuppt sich als erstaunlich toughe Rockerin.

Doch der Grund ist lebensgefährlich.

Sharleen, wenn man sich die zwölf Stücke auf „The Conversation“ anhört,

denkt man zunächst, man hört eine lupenreine Pretenders-Scheibe. Seid ihr

Fans von Chrissie Hynde & Co.?

Sharleen Spiteri: Ich sehe das als großes Kompliment an! Die Pretenders haben

es stets geschafft, den rockigen Sound der 50er, 60er, 70er und 80er in

ein funktionierendes Korsett zu gießen – und dabei trotzdem einen unüberhörbar

eigenen Stil zu entwickeln. Davor verneige ich mich – und hoffe, dass

Texas zumindest in Ansätzen so was Ähnliches gelungen ist. Wir alle sind

überzeugte Rocker! Chrissie ist übrigens seit etlichen Jahren eine gute Freundin

von mir. Wahrscheinlich hat sie mich verhext, damit ich ihren Sound

kopiere …

Ihr kehrt also zurück zu euren Wurzeln.

Spiteri: Back to the roots, ganz genau! Als wir an den neuen Songs tüftelten,

war dieser Anspruch zwar nicht abzusehen. Doch im Lauf der Produktion hat

sich das so ergeben. Als wir die erste Version von „The Conversation” anhörten,

kratzten wir uns am Kopf und dachten: Ui, diese Platte hätten wir auch

vor 20 Jahren einspielen können. Wir fühlten uns verdammt jung. Ein großartiges

Gefühl!

Auf dem Cover siehst du mit deinem Hemd und der Akustikgitarre aus wie

ein amerikanisches Countrygirl. Wolltest du damit beweisen, dass ihr eurem

Bandnamen näher seid als euren schottischen Wurzeln?

Spiteri: Ach Quatsch! Die Gitarre habe ich 1989 gekauft, nachdem Tantiemen

für unser erstes Album geflossen sind. Und das Hemd hat mir vor

etlichen Jahren ein Freund geschenkt – ich liebe es, selbst wenn es kurz

vorm Auseinanderfallen ist. Wir von der Band sind Schotten durch und durch,

bodenständige Menschen, und denken deshalb nicht groß über unser Image

nach. Mit Texas verbindet uns in erster Linie der wundervolle Wim-Wenders-

Film „Paris, Texas”. Nach dem haben wir uns benannt.

Eure Musik ist demnach weiterhin schottisch?

Spiteri: Na klar – wir sind in diesem Land geboren und aufgewachsen.

Wenn man ein bisschen sensibel ist, kriegt man die Kultur seiner Heimat

mit. Wir sind stolz darauf.

Warum gibt es aus 25 Jahren Texas nur acht Alben?

Spiteri: Weil wir faul sind … Wir hatten nicht mehr Ideen für weitere Songs.

Ernsthaft.

Im September 2009 wurde bei eurem Gründungsmitglied, dem Gitarristen

Ally McErlaine, ein Gehirnaneurysma diagnostiziert, man gab ihm eine Überlebenschance

von 20 Prozent. Trotzdem ist Ally die treibende Kraft hinter

„The Conversation”. Was ist passiert?

12


Poprock

IN CONCERT.

ON FILM.

AT LAST.

PAUL

McCARTNEY

ANDWINGS

Spiteri: Als Allys Ehefrau uns von dem Befund berichtet hat, fühlten wir

von der Band uns wie lebendig begraben. Es war unvorstellbar, dass wir in

Kürze einen engen Freund verlieren würden. Wir haben ihn abwechselnd

jeden Tag im Krankenhaus besucht. Eines Tages brachte ich in meiner Verzweiflung

eine Gitarre mit an sein Bett. Ally nahm sie und spielte darauf

ein paar unserer alten Songs. Einige Wochen später meinte er stoisch:

„Ich will mit euch auf Tour gehen.“ Von diesem Tag an besserte sich sein

Zustand in wundersamer Geschwindigkeit. Wir wiederum haben das als

Auftrag für eine neue Platte aufgefasst. Und so ist es geschehen. Wow,

welch positive Macht und Energie Musik verbreiten kann!

Vermutlich ist „The Conversation” eine so optimistische Platte geworden,

weil die Hintergründe so traurig waren?

Spiteri: Genau – wir haben dem Tod ein Schnippchen geschlagen. Diesen

Umstand wollten wir mit den neuen Songs feiern.

Inzwischen habt ihr mehr als 30 Millionen Tonträger verkauft. Hat dieser

Umstand irgendeinen Einfluss auf deinen Charakter?

Spiteri: Meine Freunde – es sind fast ausschließlich dieselben wie in meiner

Teenagerzeit – sind verdammt stolz auf meine Musik und meine

Karriere. Das ist es auch schon an Veränderung, außer der Kohle. Was ich

allerdings an meinem gut gefüllten Kontostand wirklich liebe: Ab und zu

gönne ich mir ein Wellnesswochenende, ohne das schlechte Gewissen

haben zu müssen, dass ich damit den Ruin meiner Familie herbeiführe.

Interview: Michael Fuchs-Gamböck

The Conversation ist seit kurzem im Handel.

kulturnews präsentiert

30. 10. Köln – 31. 10. Berlin – 2. 11. München

13

Legendäre Liveaufnahmen von Paul McCartney

& Wings von ihrer grandiosen Tour Mitte der

70er Jahre inkl. aller Hits wie „Live And Let Die“,

„Silly Love Songs“, „Hi Hi Hi“ u.v.m.

ERHÄLTLICH

AB 07.06.2013

eagle vision

Auf DVD & Blu-Ray.

Jeweils als hochwertige Mediabook-Edition

inkl. 32-seitiger Hardback-Verpackung.


Vocal Jazz

Bobby McFerrin

Foto: Carol Friedman

Die andere Dimension

Ende der 80er Jahre gelang dem US-Sänger Bobby McFerrin (63) ein Ohrwurm für die

Ewigkeit – den er allerdings schon ewig nicht mehr gesungen hat.

Mr. McFerrin, warum beschäftigen Sie sich auf Ihrer aktuellen CD mit Spirituals?

Bobby McFerrin: Damit habe ich schon ewig geliebäugelt, weil ich mit dieser

Musik aufgewachsen bin. Mein Dad – er war Bariton – liebte sie. Zu

Hause, in seinen Konzerten, auf Platte: Dauernd hat er sich mit diesen Songs

beschäftigt.

Woher kam denn seine Begeisterung für diese spirituellen Stücke?

McFerrin: Wissen Sie, wer ihn unterrichtet hat? Der legendäre Hall Johnson.

Er komponierte selber Spirituals. Seine Großmutter, eine Sklavin, hatte ihn

an dieses Genre herangeführt. Er war also ein Meister seines Faches, wovon

mein Vater als sein Schüler natürlich profitierte.

Beneiden Sie ihn darum?

McFerrin: Ach was … In meinem Leben gab es andere, von denen ich lernen

durfte. Aber wahrscheinlich hat mich keiner so sehr geprägt wie mein

Dad. Ich habe mir von ihm einiges abgeguckt: seine Leidenschaft für Musik,

seine Hingabe, seine Disziplin.

Ihr Vater Robert McFerrin bekam als erster afroamerikanischer Sänger einen

Vertrag von der New Yorker Metropolitan Opera. Waren Sie damals stolz

auf ihn?

McFerrin: Mit meinen sechs Jahren konnte ich die Bedeutung dieses Engagements

gar nicht richtig einschätzen. Erst später habe ich begriffen, was für

ein wichtiger Schritt das für alle schwarzen Musiker in den USA war.

14


Vocal Jazz

Durften Sie sich ab und zu eine Aufführung in der Met angucken?

McFerrin: Ja. Zuallererst habe ich „Rigoletto“ gesehen. Ich weiß noch: Wir Kinder verfolgten die

Inszenierung hinter der Bühne mit. Als Dad in seinem Kostüm zu uns stieß, hat sich meine Schwester

ganz fürchterlich erschreckt. Sie konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass hinter der Maske

mit der krummen Nase tatsächlich unser Vater steckte.

Und wie ging es Ihnen?

McFerrin: Ach, ich fand alles, was um mich herum passierte, unheimlich spannend.

… und haben in diesem Moment beschlossen, Musiker zu werden …

McFerrin: Nein. Erst mit 18 habe ich mich endgültig für die Musik entschieden.

Wann haben Sie eigentlich zuletzt Ihren Megahit „Don’t worry, be happy“ gesungen?

McFerrin: Puh, das ist bestimmt mehr als 20 Jahre her. Irgendwann hatte ich diesen Song gefühlte

fünf Milliarden Mal abgespult. Danach musste ich einfach einen Schlussstrich ziehen.

Sie waren von Ihrem eigenen Lied genervt?

McFerrin: Tja, nun … Ich möchte nicht bloß auf einen einzigen Titel reduziert werden. Das finde

ich langweilig. Als Künstler brauche ich Abwechslung, deshalb probiere ich mich gern immer wieder

neu aus.

Sie durften sich als Dirigent, Instrumentalist oder Sänger ausprobieren. Wovon träumen Sie jetzt noch?

McFerrin: Ich möchte mich mit James Taylor und Alison Krauss zusammentun. Das wäre genial.

Für Ihr neues Album haben Sie stattdessen die Bassistin Esperanza Spalding engagiert. Warum?

McFerrin: Mein Arrangeur Gil Goldstein hatte mir von ihr vorgeschwärmt. Also traf ich mich mit ihr

und merkte recht schnell, wie talentiert sie ist.

Wollten Sie mit ihrer Hilfe die alten Kirchenlieder modernisieren?

McFerrin: Bekanntlich liebe ich es zu improvisieren. Deswegen stand von vornherein fest, dass ich

mir die Spirituals mit ein paar Jazz- und Folkelementen zu eigen machen würde.

Was empfinden Sie, wenn Sie Ihre Versionen anstimmen?

McFerrin: Eins vorweg: Beim Singen tauche ich grundsätzlich in eine andere Dimension ein. Wenn

ich ein Spiritual interpretiere, gehe ich allerdings noch einen Schritt weiter. Schließlich singe ich ein

Gebet für Gott.

Macht das glücklich?

McFerrin: Und wie! Ich kann jedem nur raten, dunkle Gedanken mit Musik zu vertreiben. Singen

Sie, lassen Sie los – das ist besser, als sich in die persönliche Misere reinzusteigern.

Interview: Dagmar Leischow

6. 6. Dortmund – 7. 6. Pforzheim – 8. 6. Würzburg – 9. 6. München

SpiritYouAll ist Mitte Mai erschienen.

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Folkrock

John Fogerty

Foto: Alan Silfen

Ein bisschen Spaß

Altstar John Fogerty (68) recycelt das eigene Großwerk mit Stars, die seine Kinder sein

könnten. Aber nicht aus Kalkül. Sagt er.

Herr Fogerty, Sie haben sich jahrelang geweigert, die Klassiker ihrer ersten

Band Creedence Clearwater Revival zu spielen. Jetzt haben Sie zwölf

davon neu aufgenommen. Wieso der Sinneswandel?

John Fogerty: Weil ich erkannt habe, dass es die Songs sind, die die Leute

lieben – und weshalb sie seit Jahrzehnten zu meinen Konzerten kommen.

Sie wollen keinen neuen Kram, sondern vielmehr das, was sie kennen,

womit sie aufgewachsen sind und was eine besondere Bedeutung für sie

hat. Ich habe lange den Fehler gemacht, das zu ignorieren – zum einen,

weil ich kein Nostalgieact sein wollte, zum anderen aber auch, weil ich in

einen Rechtsstreit über die Copyrights an genau diesen Stücken verwickelt

war und der anderen Seite die Tantiemen nicht gegönnt habe. Das war einfach

dumm und kurzsichtig. Ich habe mir damit selbst geschadet.

Demnach ist ihr neues Album „Wrote a Song for everyone“ eine Art

Zugeständnis?

Fogerty: Es ist ein Dankeschön an die Fans, die mich schon ewig begleiten.

Aber hoffentlich erreicht es auch ein paar jüngere.

Dann sind Duettpartner wie die Foo Fighters, Kid Rock, Tom Morello oder

My Morning Jacket nur Mittel zum Zweck?

Fogerty: So viel Kalkül steckt gar nicht dahinter. Ich habe mich nicht mit

irgendwelchen Marketingexperten zusammengesetzt und überlegt, wie ich

ein bestimmtes Publikum erreiche. Sondern ich habe einfach ein paar gute

Freunde angerufen und gefragt, ob sie Lust hätten, mit mir zu spielen und

ein bisschen Spaß im Studio zu haben. Das ist alles. Und die meisten

Stücke haben dadurch auch eine ganz neue Note bekommen. Sie klingen

frischer denn je.

Gleichzeitig verweigern Sie standhaft eine CCR-Reunion. Ist das nicht

inkonsequent?

Fogerty: Nein. Die Jungs sind längst in Rente. Als ich das Thema neulich

in einem Interview angeschnitten habe, meldeten sie sich prompt bei mir:

„John, sorry, aber dafür ist es zu spät.“ Schade, denn ich fühle mich noch

nicht zu alt.

Wie geht es bei Ihnen weiter?

Fogerty: Ich gehe im Herbst auf Tour und nehme dann so schnell wie

möglich ein neues Album auf. Einfach weil ich wieder Lust auf Musik habe

und viel zu viel Zeit mit diesem ganzen Businessblödsinn verschwendet

habe.

Das heißt, der Sumpf lebt?

Fogerty: Und wie! Er ist voller neuer Songs!

Wrote a Song for everyone ist Ende Mai erschienen

Interview: Marcel Anders

16


ROBBIE

WILLIAMS

SPECIAL GUEST: OLLY MURS

10.07. GELSENKIRCHEN Veltins-Arena 27.07. HANNOVER AWD-Arena 07.08. MÜNCHEN Olympiastadion

11.08. STUTTGART Mercedes-Benz Arena · Ticket EUR 60,– BIS 115,–

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FEATURING · THOM YORKE · FLEA · JOEY WARONKER · MAURO REFOSCO · NIGEL GODRICH

PRÄSENTIERT VON MUSIKEXPRESS & LAUT.DE

SPECIAL GUEST: OWINY SIGOMA BAND · 10.07. MÜNCHEN ZENITH · TICKET EUR 46,–

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SPEX & LAUT.DE PRÄSENTIEREN*

SIGUR RÓS

19.06. DRESDEN Junge Garde*

TICKET EUR 36,–

21.06.- 23.06. SCHEESSEL Hurricane Festival – Ausverkauft!

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24.11. FRANKFURT/MAIN Jahrhunderthalle*

25.11. DÜSSELDORF Mitsubishi Electric Halle*

TICKET EUR 36,–

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RAMMSTEIN

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BLOC PARTY / GRAFFITI6 /

PAUL KALKBRENNER /

PORTISHEAD

21.06.- 23.06. SCHEESSEL Hurricane Festival – Ausverkauft!

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BLACK REBEL MOTORCYCLE CLUB

12.07.- 14.07. HANNOVER BootBooHook

TICKET EUR 55,–

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SKUNK ANANSIE

18.07. LÖRRACH Stimmen Festival

TICKET EUR 27,–

www.skunkanansie.net

KULTURNEWS PRÄSENTIERT

ED KOWALCZYK

I ALONE – Acoustic Tour

27.09. KÖLN Luxor

01.10. BERLIN frannz club

TICKET EUR 24,–

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MUSIKEXPRESS & TAZ PRÄSENTIEREN

NICK CAVE & THE BAD SEEDS

10.11. HAMBURG Sporthalle Hamburg

12.11. DÜSSELDORF Mitsubishi Electric Halle

13.11. OFFENBACH Stadthalle

21.11. MÜNCHEN Zenith

TICKET EUR 40,– BIS 45,–

www.nickcave.com

Die angegebenen Ticketpreise gelten für den Vorverkauf

zzgl. Gebühren. Tickets ebenfalls erhältlich an allen bekannten

Vertragsvorverkaufsstellen.

Weitere Konzerte anderer Künstler in Vorbereitung.

Änderungen vorbehalten. Infos unter www.mct-agentur.com

und www.facebook.com/MCTAgenturGmbH

Veranstalter: MCT Agentur GmbH


Aktion

D-HipHop

Für fruchtige

Sommernächte

Endlich Sonne! Also nix wie raus, ab an

den See, in die Strandbar oder zu einer

coolen Rooftop-Party bei Sonnenuntergang.

Veltins eröffnet die Sommersaison

mit dem V+Berry-x, dem fruchtigen Durstlöscher

aus 57 Prozent koffeinhaltigem

Erfrischungsgetränk, 43 Prozent frischem

Veltins und einem Schuss Guarana. Der

fruchtige Mix verspricht einen extra

Energieschub für lange Sommernächte –

perfekt, um sie mit seinen Freunden ausgiebig

zu genießen. Das Motto lautet deshalb

nicht umsonst: Me and my Vriends!

Und weil man sich an die tollen Momente

am liebsten ewig erinnern möchte, verlosen

kulturnews und Veltins V+ eine

Polaroid Z2300 Digicam mit InstaPrint-

Funktion – mit der kann man die besten

Partypics nicht nur digital aufnehmen und

ins Netz hochladen, sondern auch direkt

als Erinnerung ausdrucken. Um teilzunehmen,

einfach bis 26. Juni eine E-Mail mit

dem Betreff „kulturnews Veltins V+“ an

info@bunkverlag.de schicken.

Viel Glück!

Fayzen

Alles außer hart

Wenn es nach dem Hamburger Rapper Fayzen geht, wird

HipHop positiver – und vielleicht sogar spiritueller.

www.vplus.de

18

Fayzen, deine neue Platte ist ruhig, selbstreflektiv

und poetisch. Stehen wir vor einer neuen Ära des

intelligenteren und gehaltvolleren Raps?

Fayzen: In jeder Zeit gibt es Leute, die gerne Rap

mit einer Message machen wollen, und in jeder

Zeit gibt es auch Leute, die eher aggressiven Rap

machen wollen. Ich will keine Musikszene verändern.

Ich freue mich, wenn Leute positive

Musik hören. Sie macht das Leben einfach

schöner, als wenn man sich die ganze Zeit anhört,

wie scheiße das Leben ist und wie geil es

wäre, wenn man sich einen Baseballschläger

holt und irgendjemanden zusammenschlägt.

Das Lied „Paradies“ handelt von einer perfekten

Welt. Was stört dich denn an der realen?

Fayzen: Das Lied ist in einer Phase entstanden,

in der viele doofe Sachen passiert sind. In der

Zeit war ich sehr traurig und schlecht drauf. In

manchen Momenten habe ich gemerkt, dass ein


D-HipHop

Foto: Kike

gutes Gefühl aufblitzt. Das ist wahrscheinlich erst

mal aus Zynismus entstanden. Kennst du das,

wenn so viel Scheiße passiert, dass man sich nur

noch darüber lustig machen kann? Diese Momente

des Gutfühlens habe ich versucht zu

analysieren. Da ist mir aufgefallen, dass es nicht

immer einen direkten Zusammenhang gibt zwischen

dem, was passiert und wie es einem geht.

Sind das die Momente, in denen du anfängst,

Songs zu schreiben?

Fayzen: Ja, wenn mich etwas belastet, dann

setze ich mich hin und schreibe. Wenn aber alles

happyhippo und entspannt ist, dann habe ich

meist nicht den Drang dazu.

Deine Texte sind sehr persönlich, du scheust dich

nicht, auch Gefühle zu thematisieren. Aber es

ist heikel, sich im HipHop verletzlich zu zeigen.

Fayzen: Ja, das stimmt, aber da bin ich einfach

zu sehr bemüht, so ehrlich wie möglich zu sein.

Das Album ist auch nicht unter einer HipHopoder

Genreflagge zu sehen. Ich habe einfach nur

Musik gemacht, die ich geil fand.

Gehören für dich Musik und Spiritualität zusammen?

Fayzen: Ja, auf jeden Fall! Vielleicht ändert sich

ja auch irgendwann meine Meinung, aber ich

mache den ganzen Scheiß hier in der Hoffnung,

dass ich mehr über mich selbst erfahre.

Interview: Samanta Hoffmann

Meer ist vor Ende Mai erschienen.

kulturnews präsentiert die Tour im September.

19


Gitarrenjazz

Arne Jansen

Foto: Act/T.N.

Zwischen Grunge und Goya

Verzerrte Fratzen, aufgerissene Augen: Ausgerechnet Bilder des Schreckens haben den

Berliner Gitarristen Arne Jansen beflügelt – zu einem Album, das Genregrenzen sprengt.

Kann ein Gemälde atmen, leben, Geschichten erzählen? Ja: In den Werken

des spanischen Malers Francisco de Goya (1746–1828) sind sämtliche

Gefühlsregungen der dargestellten Personen offenkundig. Mit weit aufgerissenen

Augen bevölkern sie die pinturas negras, die schwarzen Bilder, ihre

Gesichter sind verzerrt. „Das hat mich total umgehauen“, sagt Arne Jansen.

Bei seinem ersten Besuch im Prado in Madrid konnte sich der Berliner

Gitarrist von diesen Kunstwerken gar nicht mehr losreißen. Stundenlang starrte

er auf den berühmten „Hexensabbat“ und die „Wallfahrt des San Isidro“:

„Ich spürte, dass sie wirklich aus einer inneren Notwendigkeit heraus gemalt

worden waren.“

Das hat Jansen ungemein fasziniert. Daheim legte er eine richtige Goya-

Bibliothek an, er tauschte sich mit einer Goya-Expertin aus und entschied

schließlich, sein neues Album dem Spanier zu widmen. Natürlich bestückte

er das Studio mit einigen Goya-Reproduktionen, er wollte ja in einen Dialog

mit dem Künstler treten. Doch Hispanismen finden sich in seinen Kompositionen

nicht. Als Antwort auf „Hexensabbat“ bietet die Komposition „The

great He-Goat“ Raum für satte Riffs, auch das von der „Wallfahrt des San

Isidro“ inspirierte „Pilgrimage“ fährt eher rockige Klänge auf.

Hat das überhaupt noch etwas mit Jazz zu tun? Puristen würden das abstreiten,

Jansen sieht das ein bisschen lockerer – nämlich wie sein Vorbild

Pat Metheny. Der legendäre Gitarrist brachte seinem jüngeren Kollegen

während einer Meisterklasse bei, stets durch die Brille der eigenen Generation

auf den Jazz zu schauen: „Ich glaube, jeder lässt das in seine Musik

einfließen, womit er aufgewachsen ist“, sagt Jansen. „In meinem Falle war

das halt Grunge.“

Bis heute stehen Pearl Jam bei Jansen ganz weit oben. Aber auch U2

oder Dire Straits – von beiden Bands covert Jansen auf seiner neuen CD

ein Lied – begeistern ihn immer wieder. Wegen Mark Knopfler wollte er

unbedingt Gitarre spielen, durch Metheny entdeckte er dann später den

Jazz. Er studierte Jazzgitarre, trat mit Tim Fischer, Jocelyn B. Smith oder

Paul van Dyck auf, komponierte Theatermusik, veröffentlichte eigene Platten.

„Einige Projekte mache ich, um Geld zu verdienen“, sagt Jansen, „in andere

stecke ich aus reiner Überzeugung meine gesamte Zeit, Energie und

Leidenschaft.“

Goya sei Dank.

The Sleep of Reason – Ode to Goya ist Ende Mai erschienen.

Dagmar Leischow

20


Das legendäre Konzert erstmals in voller

Länge digital remastered in 5.1 Sound

auf der großen Kinoleinwand!

Nur am 24. Juni um 20 Uhr

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KINOWELT


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melancholisch bis aufsässig.

Mit Watsch’nhand,

Weltschmerz,

Weisheit.

Poprock

Mehr Glanz!

Ab 7. Juni im Laden

Cäthe

Bestellnr. 88883725772

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TOURDATEN 2013

18.07. München

19.07. Nürnberg

02.–4.10. Berlin

10.10. Mannheim

13.10. Köln

18.10. Stuttgart

19.10. Frankfurt

TOURDATEN 2014

09.+10.2. Hamburg

12.02. Bremen

Alle Termine vollständig

unter www.ringsgwandl.de

Irgendwie anders

Zu viel Ehrgeiz schadet bloß, hat die Hamburger

Rockröhre Cäthe (30) erkannt. Trotzdem fällt ihr das

Loslassen schwer.

Cäthe, eines deiner Lieder heißt „Alien“.

Fühlst du dich manchmal so?

Cäthe: Für mich ist ein Alien nicht unbedingt

ein grünes Männchen, sondern eher etwas

Befremdliches. Das mache ich durchaus in

mir aus. Ich scheine nicht in das Bild reinzupassen,

das ich vom Leben habe.

22

Stört dich das?

Cäthe: Auf der Bühne nicht – da ist der Alien

supergut aufgehoben. Aber im Alltag steht er

mir manchmal im Weg. Ich denke dann: O

Gott, hoffentlich kriegt keiner mit, wie verrückt

ich bin. Dabei weiß ich mittlerweile,

dass wir alle uns auf unsere ganz eigene Art

und Weise jenseits der Norm bewegen.

Wie bist du als Teenager mit deinen Zweifeln

umgegangen?

Cäthe: Damals haben sie mich unheimlich

gequält. Ich war keine Einserschülerin – und

hatte das Gefühl, in der Schule bloß meine

Zeit zu vergeuden.

Realistisch betrachtet können die wenigsten

Schüler Bestnoten vorweisen.


Poprock

Neue

Werk

Tribute, Hommages

und Zitate

CD: 0208545CTT

WDR Rundfunkorchester Köln

mit Pe Werner, Götz Alsmann

und Tim Fischer

Von Kopf bis Fuß – eine

Hommage an Marlene Dietrich

Eine Verneigung vor Marlene Dietrich, der

deutschen First Lady des Entertainments, als

Konzertmitschnitt.

Eine Produktion des

Westdeutschen Rundfunks Köln, 2012

Foto: Oliver Reetz

CD: 0208635CTT

Cäthe: Für mich galt trotzdem: Wenn ich

schon in den Unterricht gehe, möchte ich

gern Einsen kriegen.

Weil du sehr ehrgeizig bist?

Cäthe: Ja. Mein Freund hat erst kürzlich zu

mir sagt: „Sei nicht immer so streng mit dir!“

Ich verlange mir viel ab, dadurch überfordere

ich mich gelegentlich.

Ich vermute, du hast nicht gerade ein riesengroßes

Künstlerego, oder?

Cäthe: Nein. Musik ist für mich eh mehr

Handwerk als Kunst. Schließlich schreibe ich

meine Songs selber. Das erfordert Disziplin.

Es gibt Tage, an denen ich mich zwinge, am

Rechner Loops zu basteln und Gitarre zu

spielen. In einem guten Moment merke ich

dagegen einfach: Da will jetzt etwas raus aus

mir, das muss ich nur zulassen.

Was ist denn beim Stück „Gelbe Kartons“ aus

dir herausgesprudelt?

Cäthe: Kindheitserinnerungen. Ich wurde in

der DDR geboren, wir hatten einen

Ausreiseantrag gestellt, kurz vor der Wende

sind wir rüber in den Westen. Ich hatte wirklich

geglaubt, dass die Straßen dort aus Gold

wären. Mein erster Eindruck: Hier sieht es

genauso aus wie bei uns – lass uns lieber

wieder nach Hause fahren …

Wie schnell hast du dich denn in deiner

neuen Heimat eingelebt?

Cäthe: Anfangs kam ich mich ausgegrenzt

vor. Ich habe zum Beispiel meiner Barbie die

Haare abgeschnitten, damit sie aussieht wie

ich. Das konnten die anderen Mädchen überhaupt

nicht verstehen. Für sie war der

umgekehrte Weg selbstverständlich: sich

äußerlich ihren Puppen anzugleichen.

Interview: Dagmar Leischow

Verschollenes Tier erscheint Mitte Juni.

Katrin Sass Königskinder

Bittersüßes Debüt und Querschnitt deutschsprachiger

Chansons von Brecht bis Mey.

Dazu interpretiert die Schauspielerin das grandiose

Songmaterial der ARD-Erfolgsserie »Weissensee«.

DePhazz Naive

CD: 0208646CTT

Eine akustische, gar folkige Ansammlung

augenzwinkernder Zitate aus dem reichhaltigen

Hit-Fundus der swingenden Lounge-Begründer.

Unplugged, jedoch zu Dephazz, um hölzern zu sein.

23

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Gitarrenjazz

Klingt wie

Jack Johnson

meetsTheBand

undRedHot

Chilli Peppers!

Jetzt erhältlich alsCD

und Download

Mann der Ideen

Nach über 20 Jahren Laufzeit beteiligt sich auch Pat

Metheny (58) am gewaltigsten Albumzyklus der

Jazzgeschichte. Dafür kriegt er wohl wieder etwas,

wofür er sich gar nicht interessiert: einen Grammy.

Herr Metheny, seit Anfang der 90er läuft John

Zorns Albumserie „The Book of Angels“, die von

unterschiedlichen hochkarätigen Ensembles

eingespielt wird und am Ende 500 Tracks

umfassen soll. Jetzt, auf dem 20. Album, sind

auch Sie endlich dabei. Waren Sie nicht

allmählich ungeduldig, weil Zorn, den Sie

schon seit Jahrzehnten bewundern, Sie vorher

nie gefragt hat …?

Pat Metheny: Ich habe John schon immer

bewundert, ihn aber nie getroffen. Er rief mich

eines Tages an und bat mich um einen

Begleittext zum „Book …“-Projekt – und das

war der Anfang einer großartigen Mailkorrespondenz.

Ich habe dann alles einfach

allein eingespielt und ihm geschickt, als es fertig

war. Es schien mir sehr lohnenswert, Zeit

und Energie reinzustecken. Und ich war glücklich,

dass er es mochte.

Sie spielen bis auf die Drums alle Instrumente

selbst, sogar Sitar und Bandoneon. Aber Sie

können ja nicht überall Virtuose sein. Erfüllen

Sie denn auf allen Instrumenten Ihre eigenen

Ansprüche?

Metheny: Es ist in Ordnung. Für mich geht es

bei der Musik sowieso in erster Linie um Ideen.

Instrumente spielen da eine untergeordnete

Rolle.

Metheny: Hängt davon ab … Unter bestimmten

Umständen bin ich schnell, aber in

der Regel muss ich mir Zeit nehmen. Der

Zwiespalt zwischen Komposition und

Improvisation ist jedenfalls interessant. Beide

sind mir gleich wichtig.

John Zorn will auf gar keinen Fall als

Jazzmusiker bezeichnet werden. In der Tat ist er

musikalisch weniger von der afroamerikanischen

Tradition geprägt als von europäischer

Avantgarde und jüdischer Folklore. Wie ist es

mit Ihnen: Sind Sie noch ein Jazzer?

Metheny: Ich bin Musiker. Alles andere sind

nur kulturelle, politische Hintergrundgeräusche,

die mich viel weniger interessieren als der Geist

und der Sound der Musik selbst.

Sie waren schon mit 18 Gitarrendozent an der

Universität von Miami, John Zorn nennt Sie

eine lebende Legende. Wie sehr prägt es

eigentlich Ihre Selbstwahrnehmung, dass Sie

seit Teenagerzeiten ununterbrochen bewundert

werden?

Metheny: Die einzige Währung, mit der ich

handle, sind: gute Noten. Und ich arbeite hart

daran herauszufinden, was mir wirklich wichtig

ist im Leben und versuche das dann zu verfeinern.

Current Swell auf Tour im Juni 2013

Präsentiert von

und

06.06.13 Köln – Studio 672

10.06.13 Hamburg – Prinzenbar

11.06.13 Berlin – Comet

12.03.13 München – Strom

mehr Infos:

currentswell.com

facebook.com/currentswell

nettwerk.com

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Was sagt eigentlich Ihr Bruder Mike, der

Flügelhorn spielt, zu Ihren Fähigkeiten auf

diesem Instrument?

Metheny: Ich glaube, er findet es lustig.

Haben Sie John Zorn mal gefragt, wie er es

geschafft hat, die 300 Songs des zweiten „Book

of Angels“ in nur drei Monaten zu komponieren?

Das sind im Durchschnitt mehr als

drei Songs am Tag! Wie ist so etwas möglich,

ohne an Qualität einzubüßen?

Metheny: John ist ein außergewöhnlicher Typ

und ein brillanter Komponist. Seine Fähigkeiten

und das Niveau seiner Musik spiegeln sich

bestens wider im Lauf seiner Karriere – und die

spricht für sich selbst.

Wie schnell komponieren Sie eigentlich? Oder

sind Ihre Alben noch immer eher geprägt von

Improvisation?

24

Seit unserem letzten Interview 2011 haben Sie

weitere drei Grammys erhalten, inzwischen

sind es 20. Holen Sie sich die Trophäe

eigentlich immer persönlich ab?

Metheny: Es ist immer schön, wenn Leute

deine Musik mögen. Aber ich sammle solche

Trophäen nicht und dekoriere auch mein Haus

nicht damit. Nein, ich schaue immer nach

vorne – und nur selten zurück.

Interview: Matthias Wagner

Tap: The Book of Angels Vol. 20 ist Ende Mai

erschienen.

kulturnews präsentiert

Pat Methenys JazzNights-Tour im Mai 2014.


Gitarrenjazz

neu bei

BOBBY McFERRIN

spirityouall

Mit seinem neuen Album berührt Bobby

McFerrin die Herzen. Die Spirituals und

Gospels haben ihn schon sein ganzes Leben

lang begleitet. Nun interpretiert er sie völlig

neu und verbreitet mit Spirityouall einfach

gute Laune.

BRIGITTE THE MEN

Tolle Männer. Starke Stimmen. Große Songs.

Für ihre neue CD hat die Musikredaktion der

Frauenzeitschrift Brigitte beliebte Songs

von herausragenden Sängern ausgewählt.

Mit Hits von Jamie Cullum, John Mayer,

Coldplay, Michael Jackson, Adam Lambert,

Jonathan Jeremiah, The Killers

und vielen mehr.

Pat Metheny

Foto: Jimmy Katz

25

SENTIMENTAL MOODS

Eine perfekte Auswahl wunderschöner Titel

für einen entspannten und stimmungsvollen

Abend. Mit Songs von Miles Davis, Aretha

Franklin, Frank Sinatra, Max Mutzke,

Lyambiko uvm auf 2 CDs.

Alle CDs jetzt bestellen unter

www.amazon.de


Mittelalterrock

Blackmore’s Night

Foto: Soulfood

Lady in blond: Candice Night (vorne links) mit Ritchie Blackmore (vorne rechts) und Band

Sei ein Freak!

Ritchie Blackmore und seine Frau Candice Night leben in ferner Vergangenheit.

Aus guten Gründen.

Candice, ich weiß, dass Ritchie und du in Europa und vor allem in

Deutschland ein treues Publikum habt. Aber mal ehrlich: Interessiert sich in

den USA jemand für mittelalterliche Barden?

Candice Night: Stell’s dir mal so vor: In jedem unserer Bundesstaaten haben

wir mindestens einen Mittelaltermarkt, wenn nicht zwei oder drei. Ich würde

mal schätzen, dass da immer bis zu 500 000 Menschen rumrennen. Die

Szene gibt es bei uns also schon, aber du musst schon ein bisschen rumsuchen.

Auf jeden Fall gibt es bei uns mehr Leute mit Strumpfhosen in der

Schublade, als du denkst.

Auf „Dancer and the Moon“ habt ihr euch „Lady in Black“ vorgeknöpft.

Coverversionen hattet ihr ja schon immer im Repertoire – aber ausgerechnet

den Oldie von Uriah Heep, die Anfang der 70er mit Ritchies Deep Purple um

die Gunst der Hardrockfans buhlten …?

Night: Wir hörten den Song, als wir in Bayern in einem Schloss waren. Und

ob du’s glaubst oder nicht: Wir mussten fragen, von wem das Stück war …

Denn obwohl Ritchie die Jungs von Uriah Heep kannte – ich glaube, er ist

sogar mal mit ihnen auf Tour gewesen –, kannte er die Nummer nicht! Also

wir hörten das Lied, haben ein mittelalterliches Flötenriff dazu gespielt und ein

paar kleine Änderungen vorgenommen, ohne „Lady in Black“ diese große

geheimnisvolle Power nehmen zu wollen.

Ihr liebt die Renaissance. Hegt ihr ein nostalgisches Verlangen nach dieser

Epoche?

Night: Mein Interesse für die Renaissance ist sehr verschieden von Ritchies.

Er interessiert sich für die puristische Seite der Musik und die traditionelle

Kleidung, ich liebe das romantische Klischee der Frau, die aus dem

Schlossfenster ihrem Ritter hinterherschaut. Ich sehe einen Sternenhimmel

und Hügel, auf denen Feuer brennen. Das alles inspiriert mich, und die Musik

ist das Vehikel, das mich an diese Orte trägt. Das Beste daran ist, dass du so

Geschichte erlebst, das Ganze mit deiner heutigen Realität abgleichst und so

dein Leben zu einer Reise machst, auf der du die Bequemlichkeiten des modernen

Lebens mit der Faszination für vergangene Zeiten verbinden kannst.

Eure deutschen Fans: Sind die einfach nur richtig cool, oder haben die so

richtig einen Sprung in der Schüssel?

Night: Wo ist der Unterschied …? Ein Freak zu sein, ist eine tolle Sache, und

dieses Anderssein sollte man feiern. Wie langweilig wäre das Leben, wenn wir

alle nur die Top Ten im Radio hören und die gleichen T-Shirts, Jeans und

Basecaps tragen würden!

Interview: Ron Haller

Dancer and the Moon erscheint Mitte Juni.

9. 7. Neu-Isenburg – 11. 7. Nürnberg – 13. 7. Saarbrücken – 14. 7.

Augsburg – 19. 7. Creuzburg – 21. 7. Meissen – 23. 7. Stuttgart

26


Bluespop

Alex Hepburn

Foto: Deirdre O’Callaghan

Immer negativ

Mit schwermütigem Soulrock verarbeitet die schottische

Sängerin Alex Hepburn ihr Elend. Und davon gibt es

reichlich.

Noch wird Alex Hepburn daheim in London

nur selten erkannt und angesprochen. „Ich gehe

gerne ohne Make-up und in ollen Klamotten zum

Supermarkt“, erzählt sie. „Die Leute grübeln gelegentlich,

ob ich es sein könnte, aber dann denken

sie: ‚Die sieht aus wie Scheiße, sie ist es nicht …’“

Zum Gespräch erscheint die Sängerin aber aufgebrezelt:

im schwarzem Kleid, schmuckbehangen

und mit viel Farbe im Gesicht. Sie musste sogar

zweimal geschminkt werden, weil ihr der erste

Versuch missfiel. Selbst wenn sie erst noch ein

Star werden will, so erlaubt sich die 26-Jährige

doch schon kleinere Allüren.

Hepburn hat dennoch eine herzliche, fast

überschwängliche Art. Sie greift sich ein

Käsesandwich und wird gleich persönlich. „Ich

hatte kaum eine Kindheit“, sagt sie. „Ich bin mit

15 von der Schule runter, weil ich meinen Vater

pflegen musste. Er hatte Demenz, und ich war

wie eine Mutter zu ihm, bis er starb. Wir waren

immer zusammen, aber ich habe mich auch oft

sehr allein gefühlt.“ Auch die Schwester lebt nicht

mehr, nur die Mutter ist noch da – und „überglücklich“

über den Weg, den das Leben der

Tochter jetzt nimmt.

Die in London geborene Schottin kompensierte

das Elend früh mit Zigaretten, Gin und Wodka,

was ihre dunkle, kehlige, gezeichnete Stimme erklärt.

Mittlerweile, sagt Hepburn, trinke sie nur

noch Whiskey, ein Gläschen vor, ein Gläschen

nach jedem Konzert. Dass sie eine außergewöhnliche

Stimme hat, war ihr schon als Jugendliche

zwar durchaus bewusst, „ich war aber keines

dieser Mädchen, das seinen Traum leben will. Ich

war immer realistisch, um nicht zu sagen: negativ.“

Trotzdem trat sie, unterstützt von ihrem

damaligen Freund und Manager, einem

Franzosen, in Frankreich auf und unterschrieb

schnell einen Plattenvertrag.

Das Album ist jetzt, nach mehrjähriger Arbeit

(unter anderem schrieb Linda Perry daran mit)

endlich da – und ist außergewöhnlich. Hepburns

Musik erinnert an den Blues, den Soul, den R&B

der 60er und 70er. Janis Joplin, Beth Hart, Amy

Winehouse taugen als Vergleiche. Der Freund

hingegen ist weg. „Er ließ mich sitzen“, sagt sie,

„das hat mich fertiggemacht. Wegen meiner Vita

habe ich große Angst vorm Verlassenwerden.“

Immerhin inspirierte das Liebesaus die Single

„Under“; hier klingt Alex Hepburn plötzlich wie

Pink. „Ursprünglich bestand das Stück nur aus

Stimme und Gitarre, was ich schön fand“, sagt

sie. „Aber fürs Radio haben wir es richtig

aufgepeppt.“

Dem Song schadet das nicht. Genauso wenig

übrigens wie die Schminke ihrem Gesicht.

Steffen Rüth

Together alone ist seit Ende Mai erhältlich.

27

DAS ALBUM

31.05.13

www.fayzen.de


Soundtrack

Tim Oliver Schulz

Foto: Very us

Wer will, der kann

Eine deutsche romantische Highschoolkomödie: Geht das überhaupt? Was auf jeden

Fall geht: dabei unverhofft zum echten Punkrocker zu werden – wie Tim Oliver

Schulz, Hauptdarsteller in „Systemfehler“.

Tim, das Produzententeam Nice hat die Punkrocksongs zum Film

geschrieben, auch das Titelstück. Unter deiner Mitwirkung wurde es dann

für den Film noch mal verschärft. Bist du etwa persönlich verantwortlich

für den schönen Vers „Inge liebt die Tiere, doch ist nicht gut zu vögeln“ …?

Tim Oliver Schulz: Paula Kalenberg (Inge) und ich saßen irgendwann in

Köln im Park und haben mit ziemlich viel Freude an den Strophen

geschraubt. Diese Zeile kam in der Tat von ihr und wir waren – Lieder

schreiben war völliges Neuland – ein bisschen stolz …

Du hattest vorm Dreh keine Erfahrung als Sänger und Bassist, bist aber

inzwischen so firm, dass du sogar live mit der Filmband auftreten kannst.

Ist es wirklich so einfach, zum Rocker zu werden? Könnte das jeder?

Schulz: So abgegriffen das auch klingen mag: Mit dem richtigen Willen

kann man wahnsinnig viel schaffen. Für diesen Film war es die Musik und

das Ausleben von allem, was damit zusammenhängt. Nach einigen

Wochen Proben waren wir wirklich so weit, dass wir die Songs ziemlich

gut live gespielt haben, und das war ein unglaubliches Gefühl im Bandraum!

Mir wurde wirklich immer klarer, dass man durchaus mutiger sein

darf im Leben. Wenn du wirklich, wirklich Bock darauf hast, auf der

Bühne zu stehen und zu wissen, was du da wie machst, dann geht das.

Jeder, der will: kann.

In Genrekomödien wie „Systemfehler“ weiß man von vorneherein: Was

sich hasst, das kriegt sich. Warum traut sich eigentlich niemand, dieses

Gesetz zu brechen?

Schulz: Seit einigen Jahren stelle ich mir inzwischen schon die Frage nach

einem Rezept zur produktiven und erfolgreichen Auflösung von Gesetzen

im Film. Die Veränderung muss hier meiner Meinung nach bei den

Fernsehsendern stattfinden. Mehr Mut! Zum Film: Gegensätzen zuzusehen

macht uneingeschränkt wahnsinnigen Spaß. Der Film zählt zwar nicht

zum klassischen Arthouse-Programm; gebrochene Gesetze und mutige

Intelligenz stecken jedoch auf jeden Fall auch in unserem „Systemfehler“!

Einer deiner Filmpartner ist der alterslose Peter Kraus. Er hat dir in einer

Drehpause sicher verraten, wo genau sein Jungbrunnen liegt. Teilst du das

Geheimnis mit uns?

Schulz: Ich musste unterschreiben, dass das ein Geheimnis bleibt. Es hat

auf jeden Fall etwas mit einem afrikanischen Kraut, Absinth und Ahoi-

Brause zu tun.

Interview: Matthias Wagner

Systemfehler kommt am 11. Juli ins Kino.

Der Soundtrack erscheint am 12. Juli.

28


DAS NEUE ALBUM

AM SEIDENEN FADEN

ICH STEH NICHT MEHR STILL TOUR 2013/2014

ALLE INFOS UND TERMINE UNTER:

WWW.TIMBENDZKO.DE

FÜR


Elektropop

Glasperlenspiel

Ein Paar für alle Fälle

Nicht nur nur musikalisch, auch

optisch harmonieren Carolin Niemczyk

(22) und Daniel Grunenberg (24)

perfekt – siehe Fotostrecke. Auf dem

neuen Album betreibt das Elektropopduo

Glasperlenspiel allerdings

auch schon mal Verwandtenbashing.

Daniel, Carolin, gewisse Modelqualitäten kann man euch nicht absprechen.

Daniel Grunenberg: Auf jeden Fall der Caro nicht.

Caro, hast du auf diesem Gebiet weitergehende Ambitionen?

Carolin Niemczyk: Kommt darauf an, wie seriös das Angebot ist … Mode

interessiert mich schon sehr. Ich habe auch angefangen, meine eigenen

Sachen zu entwerfen. Ich nehme Unterricht bei einer Freundin, die das

gelernt hat. Mein Ziel ist es, auf der Bühne etwas anzuziehen, das ich

selbst designt und genäht habe.

Eure neue Single „Nie vergessen“ ist ein Trennungslied. Seid ihr beiden

nicht mehr zusammen?

30


Elektropop

Fotos: Universal

Grunenberg: Doch, doch, alles gut!

Niemczyk: Die Geschichte, die ich in dem Song erzähle, ist die

Geschichte einer Freundin von mir. Sie hat mir das anvertraut.

Da wird sie sich aber freuen, wenn sie ihre Trennungsgeschichte jetzt

ständig im Radio hört …

Niemczyk: Die weiß das. Sie bleibt ja auch anonym.

Man erkennt auch blind, dass es ein Lied von Glasperlenspiel ist.

Niemczyk: Cool, dass du das sagst! Neulich kam meine kleine Cousine

an und meinte: „Ey, das hört sich ja an wie Silbermond!“

Andere Lieder heißen „Unsterblich“, „Grenzenlos“ oder „So leicht“ und sind

nicht melancholisch, sondern geradezu euphorisch.

Grunenberg: Für uns ist es immer wichtig, dass die Songs eine Aussage

haben. Das Leben muss nicht immer kompliziert sein. Man braucht oft

kein großes Rezept, um glücklich zu sein. Man muss es nur wollen.

Niemczyk: So naiv und blöd sich das anhört: Das Ziel ist es, den

Menschen mit unserer Musik Freude zu machen.

Ich kann mir kaum vorstellen, dass dein Vater über das Lied „Wie ich nicht

sein will“ entzückt sein wird. Du singst: „Ich hab‘ von dir gelernt – vor allem,

wie ich nicht sein will … ich passe nicht in dein Bild, du hast mich ausradiert“

oder „Jetzt rufst du nicht mal mehr an, wenn ich Geburtstag hab“ …

Niemczyk: Ja, das ist eine sehr persönliche Geschichte. Mein Anliegen ist,

dass andere Leute Kraft aus dem Text schöpfen.

Ist das nicht doch etwas zu intim?

Niemcyk: Beim Schreiben selbst ist mir das nicht so aufgefallen, aber

danach war schon so ein „Upps, was habe ich nur getan?“-Gefühl da. Ich

stehe dazu. Der Song sagt alles aus.

Hat sich dein Vater schon bei dir gemeldet?

Niemczyk: Nee, hat er nicht.


31


Elektropop

„Popstar?

Ein Beruf wie

andere Berufe

auch.“

Wie lange kennt ihr beiden euch eigentlich schon?

Grunenberg: Ewig. Wir haben daheim in Stockach (am Bodensee, die

Red.) schon in einer Kinderband zusammen gesungen, aber so richtig kennengelernt

haben wir uns, als ich 15 und Caro 13 war. Wir suchten

damals eine Sängerin für eine Band, und Caro hat uns mit ihrer Stimme

begeistert.

Niemcyzk: War schon verdammt cool, dass die mich genommen haben.

Die waren ja alle zwei Jahre älter als ich, und in dem Alter macht das eine

Menge aus.

Zwei Jahre später wurdet ihr ein Paar und habt schließlich zu zweit weitergemacht.

Wie ähnlich tickt ihr eigentlich?

Niemczyk: Man weiß eigentlich immer, was der andere fühlt. Das

Zusammenleben und die gemeinsame Arbeit sind sehr entspannt.

Ein Traum.

Grunenberg: Was das Musikalische angeht, haben wir einen sehr ähnlichen

Geschmack. Wir lieben The Ting Tings oder auch Muse, und es war

total super, das neue Album in London aufnehmen zu können, unserer

Lieblingsstadt.

Euer englischer Produzent Yoad Nevo hat schon mit den Pet Shop Boys

oder den Sugababes aufgenommen. Mit wem habt ihr mehr Ähnlichkeit?

Grunenberg: Da stecken wir wohl mitten dazwischen.

32


Elektropop

Daniel, du hast ein Informatikstudium angefangen …

Niemczyk: … Daniel ist der musikalische Vollnerd. Was der da am

Computer macht, kriege ich kaum mit. Er lässt mich dafür bei meinen

Texten in Ruhe. Ich glaube, die klare Aufgabenverteilung ist ein weiterer

Pluspunkt für unser harmonisches Zusammensein.

Caro, kurz nach deinem Abitur habt ihr den Plattenvertrag bekommen.

Was hättest du ansonsten studiert?

Niemczyk: Ein zwischenmenschliches Fach, vielleicht Sozialpädagokik.

Oder Psychologie. Oder beides. Ich kann mir gut vorstellen, später mal eine

Kita zu leiten, mit Schwerpunkt auf sprachlicher und musikalischer

Früherziehung.

Ihr seid jetzt Popstars, doch man hat nicht das Gefühl, als würde euch das

besonders beeindrucken.

Niemcyzk: Ach, wir kriegen andauernd gesagt: „Wow, so toll, was ihr alles

erlebt!“ – und klar, das ist auch toll. Nur: Es ist eigentlich auch normal und

ein Beruf wie andere Berufe auch. Wir leben das mit dieser Bodenhaftung

einfach, wir müssen das gar nicht betonen.

Grunenberg: Wir haben zwar in Berlin jetzt auch ein kleines Studio, aber

Lebensmittelpunkt ist weiterhin der Bodensee. Wir schöpfen sehr viel

Energie aus unserem Zuhause.

Es gibt Kollegen in eurer Position, die werden mit dem Erfolg schwierig bis

bescheuert.


33


Elektropop

Niemcyzk: Kann sein, aber auch deshalb ist es gut, dass wir zu zweit

unterwegs sind. Wir erden uns gegenseitig. Ich kann mir allerdings gut vorstellen,

dass es für manche schwierig ist, runterzuschalten, wenn sie den

ganzen Tag im Mittelpunkt stehen.

Ihr tanzt bekanntlich gerne. Kann man das denn am Bodensee?

Grunenberg: Klar! In Konstanz. Das ist eine echt schöne Studentenstadt,

da versammelt sich bei uns die, äh, Szene. Gegen Konstanz kann Berlin

einpacken!

Interview: Steffen Rüth

Grenzenlos ist seit Mai im Handel.

7. 6. Berlin – 28. 6. München

34


BÜHN

FREI!

layoutdeluxe.de

www.facebook.com/eintrittskarten

Tickets und Infos unter

www.eintrittskarten.de und 01805-2001 *

sowie in guten Vorverkaufsstellen

*aus dem dt. Festnetz 0,14 /Min., Mobilfunk max. 0,42 /Min.


Tourneen

The B-52s

Foto: Pieter M. van Hattem

In den letzten Jahrzehnten gab es nie wirklich Gewissheit, wie es

nun eigentlich um The B-52s stand. Die Band aus Athens, Georgia

hatte sich zwischenzeitlich getrennt, dann wieder vereint, dann gab

es Änderungen in der Besetzung. Ob es neues Material geben

würde, war zu jeder Zeit höchst fraglich. 2008 erschien dann

„Funplex“ – und überraschte. Die Amerikaner einten auf ihrem ersten

Studioalbum seit vielen Jahren den Mix aus rotzigem Garagenflair

und tanzbarer Skurrilität, den sie bereits in den 70er- und 80er-

Jahren kultiviert hatten, mit modernen Produktionsstandards und

einem Gefühl der Jetzigkeit. Nun scheint es, als hätten The B-52s

immer den Plan der Rückkehr auf die Bühnen dieser Welt gehegt

und übergangsweise in einem geheimen Partykeller gegen die

schlechte Laune konspiriert. Die klaren Bassläufe, die hyperaktiven

Synthies und Fred Schneiders schräge Art, mit seinem (Sprech-)

Gesang die melodiösen Vocals seiner Bandpartnerin Kate Pierson

herauszufordern, sind geblieben. Ob New Wave, Artrock oder wahlweise

eine pseudocoole Bezeichnung moderner Fachleute: Wie das,

was The B-52s machen, heißen mag, spielt im Grunde keine Rolle.

Denn mit Hits von damals wie „Love Shack“ oder „Rock Lobster“,

dem neuen Material und zudem der Special-Guest-Unterstützung

durch die energetische Ska-Band Klimmstein machen sie in erster

Linie eines: Spaß.

19. 8. Bonn – 20. 8. Hanau – 21. 8. Berlin – 23. 8. Leipzig –

24. 8. München

kulturnews präsentiert

die besten Tourneen

Foto: WMG

Foto: X-Why-Z

Hugh Laurie

Wenn sich Schauspieler als Musiker versuchen, ist das in der Regel eher

von wenig Erfolg gekrönt. Hugh Laurie hat die Transformation vom

misanthropischen Serienarzt Dr. House zum glaubwürdigen Bluesmusiker

gemeistert. Mit einem Grammy-Gewinner als Produzenten und der Copper

Bottom Band als Liveunterstützung spielt der talentierte Klavierspieler seinen

Blues pur und unverstellt. Er bringt Zweifler zum Schweigen – oder

zum Mitsummen.

7. 6. Berlin

Modest Mouse

Bis 2004 fristeten Modest Mouse um Sänger, Texter und Mastermind

Isaac Brock ein Nischendasein – dann erschien „Good News for People

who love bad News“, und die Band war in aller Munde, dank Grammy-

Gewinn und einem überragenden Album voll verwilderter, ausgefranster

Indiesongs, denen man trotz ihrer tiefen Schönheit stets die Punkvergangenheit

der Amerikaner anmerkte. Nun kommen Modest Mouse

zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder auf Tour.

18. 6. Köln – 2. 7. Dresden – 3. 7. Berlin

36


Tourneen

Tegan And Sara

Die langjährigen Indielieblinge Tegan And Sara klingen

plötzlich wie eine Kreuzung aus Katy Perry, P!nk und

Lady Gaga. Das müssen sie erklären.

Sara, wie kommt es zu eurer

radikalen Richtungsänderung?

Sara Quin: Es hört sich spießig

an, aber mit über 30 musst du

auch an die Zukunft denken.

Jetzt sag nicht, du hast einen

Bausparvertrag.

Quin: Schlimmer: Ich habe mir

schon mit 26 eine Wohnung

gekauft. Trotz der Entscheidung

für ein Leben als Musikerin habe

ich mich immer bemüht zu

sparen. Wir wollen gerne noch in

zehn, 15 Jahren von der Musik

leben. Deshalb brauchen wir

Radioeinsätze und kommerziellen

Erfolg, denn zu touren und Alben

aufzunehmen wird immer teurer.

Wie verträgt sich die neue

Ausrichtung mit eurer Vergangenheit?

Früher waren Tegan And

Sara ja fast eine Punkband.

Quin: Wir sind in den 90ern mit

der Grungebewegung aufgewachsen,

wir haben Bands wie

Nirvana geliebt und so viel wie

möglich selbst gemacht. Der

Entschluss, ein kommerzielleres

Album zu machen, war

auschließlich unser eigener; niemand

hat uns dazu gedrängt.

Werdet ihr euch auf der Bühne

künftig anders kleiden, umziehen,

Tanzschritte einüben?

Foto: WMG

Quin: Nein, das kann ich mir

nicht vorstellen. Wir sind nicht

dazu auserkoren, als Popstars

über der Realität und über den

Fans zu schweben. Wir hatten

immer eine enge Verbindung zu

unserem Publikum. Allerdings hat

sich das Verhältnis zu den Fans

mit den Jahren verändert. Die

Distanz ist etwas größer geworden,

auch weil die Mädchen und

Jungs im Publikum jetzt teilweise

deutlich jünger sind als wir. Das

sind nicht mehr alles unsere

Kumpels.

Die neuen Songs scheinen die

Welt aber aus einer jugendlichen

Perspektive heraus zu betrachten.

Quin: Stimmt. Wir wollten

bewusst ein helleres Album

schreiben. Etwas Schwereloses,

so in Richtung Taylor Swift. Komplizierte

Nischenmusik zu machen

ist einfach. Aber Songs zu

schreiben, die vielen Leuten

gefallen: Das ist eine viel größere

Herausforderung. Wir verzichten

auch bewusst auf sexuelle

Anzüglichkeiten. Wir wollen die

Popwelt mit herzlicher Naivität

verzaubern.

Interview: Steffen Rüth

17. 6. Offenbach – 18. 6. Berlin

– 20. 6. Köln

37

SNOOP LION ★ GENTLEMAN

PATRICE ★ ALBOROSIE

MAJOR LAZER ★ BUSY SIGNAL

MORGAN HERITAGE ★ MATISYAHU

FAT FREDDY‘S DROP ★ PROTOJE

TARRUS RILEY ★ POPCAAN

KEN BOOTHE ★ JUNIOR KELLY

CHRONIXX ★ RICHIE STEPHENS

ROMAIN VIRGO ★ BIGA ★ RANX

THE BLACK SEEDS ★ CHIMA

WARRIOR KING ★ TURBULENCE

RAGGASONIC ★ BLUMENTOPF

DENDEMANN ★ THE AGGROLITES

BROUSSAÏ ★ ROCKY DAWUNI

OHRBOOTEN ★ GANJAMAN ★ SAM

TSCHEBBERWOOKY ★ FURASOUL

MEGALOH ★ UWE BANTON

EES ★ MARTIN ZOBEL

SCHLACHTHOFBRONX

DANCEHALL ARENA

DIPLO ★ SENTINEL ★ POW POW

SILLY WALKS ★ JUGGLERZ

INFO & TICKETS:

SUMMERJAM.DE

5. - 7. JULI 2013

KÖLN - FÜHLINGER SEE


Tourneen

Foto: Four Artists

Ben Howard

Die Vorbilder von Ben Howard sind Singer/Songwriter-Ikonen der 1960er

und 1970er wie Bob Dylan und Joni Mitchell. Doch lässt er deren Stil sein

Werk nicht überschatten. Der Musiker aus London wagt sich in die verwachseneren

Regionen der Folkmusik vor und beweist sein Talent für

Dramaturgie und Melodieführung. Seine Zutaten: von Besen gestreicheltes

Schlagzeug, akustische Gitarre und klassische Folkklänge.

19. 6. Berlin – 24. 6. Köln – 4. 7. Hamburg

Crosby, Stills & Nash

In den Harmoniegesängen und folkig inszenierten Rocksongs der wohl

ersten wahren Supergroup der Musikgeschichte steckt genug Hippie- und

Friedensbewegungsspirit für eine zünftige Zeitreise. Und nach 45 (!)

Jahren Bandgeschichte ist nicht nur das Spiel des Allstartrios so frisch

wie eh und je – auch ihr politisches Engagement hat nach wie vor

Bestand.

20. 6. Dresden – 21. 6. – Schwäbisch Gmünd – 23. 6. Mannheim –

24. 6. Bonn – 26. 6. Abenberg – 28. 6. Berlin – 29. 6. Hamburg –

1. 7. München – 2. 7. Dortmund

Foto: Karsten Jahnke

Foto: Lars Berndt Events

Foto: Hammerl Kommunikation

Spring Offensive

Benannt haben sich Spring Offensive nach einer Angriffsreihe während

des Ersten Weltkriegs. Zwar klingt das Quintett aus Oxford nicht gerade

kriegerisch, doch es ist weit davon entfernt, harmlosen Kuschelfolk zu

fabrizieren. Die Songs sind düster und durchdrungen von Rastlosigkeit.

Aber Spring Offensive schaffen es stets, das aufkeimende Drama abzufedern,

bevor es zu groß wird – und vermeiden somit unangebrachtes

Pathos.

23. 6. Hamburg – 24. 6. Köln – 26. 6. Nürnberg

Dortmunder Music Week

Auch im dritten Jahr der Dortmunder Music Week ist das Motto wieder:

Klasse statt Masse. Innerhalb von sieben Tagen werden fünf hochkarätige

Konzerte stattfinden. Singer/Songwriter James Morrison (27. 6.),

die Italorocker Negramaro (28. 6.), die Berliner Elektropopper von Mia.

(29. 6.) sowie die noch weniger erklärungsbedürftigen Pet Shop Boys

(1. 7., Foto) und Rod Stewart (3. 7.) halten wieder einmal etwas für so

ziemlich jeden Musikversessenen bereit.

27. 6.–3. 7. Dortmund

38


Tourneen

„Forever“ Tour 2013

28.06. Tollwood

(mit Glasperlenspiel)

21.11. Nürnberg

22.11. CH Baden

23.11. Köln

24.11. Osnabrück

26.11. Saarbrücken

27.11. Bremen

28.11. Hannover

29.11. Dresden

30.11. Mainz

02.12. Berlin

03.12. Hamburg

Aktuelles Album „Forever“ (EMI / Starwatch)

„Grenzenlos“ 25.05. Freiburg

Tour 2013 26.05. Mainz

27.05. Köln

28.05. Hamburg

07.06. Berlin

28.06. Tollwood mit Medina

Weitere Termine in Kürze

Foto: Rob Shanahan

Aktuelles Album „Grenzenlos“

(Universal Music)

Toto

Missgünstigen Kritikern zum Trotz verkauften sich Toto-Platten millionenfach.

Doch Steve Lukather & Co. sind nicht nur Hitlieferanten („Africa“),

sondern die wahrscheinlich gefragtesten Studiomusiker der Welt.

Steve, wie begeht ihr euer 35-jähriges

Bandjubiläum?

Steve Lukather: Wir versuchen grade, eine retrospektive

Liste zusammenzustellen, die alle

Künstler enthalten soll, mit denen wir gespielt

haben. Das ist fast unmöglich – im Verlauf

unserer Karriere als Studiomusiker hat allein

unsere Rhythmussektion auf 8 000 Alben mitgemacht!

Wir bewegten uns in allen musikalischen

Genres, mit Ausnahme der Klassik.

Deine eigene Liste ist gigantisch, sie reicht von

Al Jarreau über Donna Summer und Michael

Jackson bis zum Jazzgitarristen Zachary

Breaux.

Lukather: Viele habe ich vergessen, es gibt verlorene

Jahre in meinem Gedächtnis.

Unter Kritikern haben Toto kaum Freunde.

Warum bloß?

Lukather: Sie halten uns für eine irrelevante

Popband. Aber wie viele Musiker haben derart

viele Aufnahmesessions gespielt? Daneben

haben wir als Band 35 Millionen Platten

verkauft und sind mehrfach um die Welt

getourt. Wir waren nie Kritikerlieblinge, aber die

Leute mochten uns. Unser Katalog verkauft

immer noch eine Menge jedes Jahr.

Wie wurden die Toto-Mitglieder eigentlich

Studiomusiker?

Lukather: Wir hatten uns in der Schulband

getroffen. In den Studios von Los Angeles gab

es bereits Jazzmusiker, die Rock’n’Roll spielten.

Das war die legendäre Wrecking Crew, zu ihnen

hatten wir ein Vater-Sohn-Verhältnis. Wir waren

eine jüngere und wildere Version von ihnen.

Über einen Zeitraum von 15 Jahren gab es

keine Plattenaufnahme in L. A., auf der nicht

wenigstens einer von uns mitspielte.

Warum kam die Band wieder zusammen?

Lukather: Die Typen kenne ich seit 40 Jahren,

wir sind besser als je zuvor, haben einen klaren

Kopf und müssen nichts mehr beweisen. Dazu

wollten wir unserem Kumpel Michael Porcaro

helfen, der an ALS leidet, einer tödlichen

Krankheit. Er sitzt im Rollstuhl, kann nicht

mehr spielen, ist aber immer noch Teil der

Band. Wir haben Spaß, wir helfen Mike, und

wir helfen uns.

Interview: Henning Richter

1 + 2. 6. Hirock Festival, Loreley/Chiemgau –

4. 6. Hamburg – 5. 6. Berlin

39

“LIVE OUT LOUD” 2013

25.05. Marburg 13.06. Augsburg

27.05. Dortmund 14.06. Nürnberg

28.05. Köln 15.06. LUX -

29.05. Brilon Dudelange

31.05. Hannover 12.07. Worpswede

01.06. Hamburg 13.07. Hamm

03.06. Berlin 16.07. Frankfurt

04.06. Dresden 18.07. CH -

06.06. Göttingen Pratteln

07.06. Erfurt 19.07. Tuttlingen

10.06. Stuttgart 20.07. Winterbach

11.06. München

TINA DICO

22.06. Duisburg *

27.06. Ulm

31.07. Würselen

01.08. Kassel

02.08. Jena

03.08. Wiesbaden

* Duo Acoustic mit

Helgi Jonsson

Aktuelles Album „Where

Do You Go To Disappear“

(Finest Gramophone /

Indigo)

HONG FAUX

„The Crown That Wears The Head“ Tour 2013

06.07.13 NL - Elsloo (Limburg)

07.09.13 Gera

10.09.13 Köln

13.09.13 Nürnberg

21.09.13 Lingen

JEM COOKE

23.10.13 Hamburg

24.10.13 Berlin

27.10.13 Köln

28.10.13 Mannheim

29.10.13 Stuttgart

30.10.13 München

Tickets unter:

018 05 - 570 060 *

und www.eventim.de

*0,14 €/Min., Mobilfunkpreise

max. 0,42 € /Min.

Aktuelles Album

„The Crown That

Wears The Head“

(Pristine Media / Alive)

MAITE KELLY

„Wie ich bin“ Tour 2013

27.09.13 Erfurt

29.09.13 Berlin

02.10.13 Dortmund

03.10.13 Düsseldorf

04.10.13 Bielefeld

05.10.13 Plauen

11.10.13 Stuttgart

15.10.13 Bremerhaven

16.10.13 Osnabrück

18.10.13 Cottbus

MADS LANGER

30.10.13 Stuttgart

31.10.13 Zürich

01.11.13 Mainz

02.11.13 München

04.11.13 Hamburg

05.11.13 Berlin

06.11.13 Köln

www.assconcerts.com


Tourneen

Seenlandfestival

Anfang Juli, wenn der Sommer hoffentlich endgültig Einzug gehalten

hat, empfiehlt es sich besonders, Hoyerswerda anzusteuern. Denn

direkt am Partwitzer See findet vom 5.–7. Juli das idyllische

Seenlandfestival statt. An drei Tagen werden nationale und internationale

Künstler das Lausitzer Seenland mit Musik erfüllen: Mit dabei

sind unter anderem Die Fantastischen Vier, David Guetta und Die

Toten Hosen (Foto). Und wer eines der beliebten VIP-Tickets ergattert,

kann zudem den Blick über das Seenpanorama genießen.

5.–7. 7. Hoyerswerda

Trombone Shorty &

Orleans Avenue

Troy Andrews handelte sich den Spitznamen Trombone Shorty ein, als er

bereits als Dreikäsehoch zu musizieren begann. Die Musiktraditionen seiner

Heimat New Orleans hat er aufgesogen – und flicht sie mühelos und

intuitiv wieder ineinander. Von R’n’B über Funk und HipHop bis hin zu

Jazz und Rock lässt der Amerikaner sich treiben. Er missachtet

Stilgrenzen, erkundet die Kraft seiner ganz eigenen Musik und hat dieser

sogar einen Namen gegeben: Supafunkrock.

Foto: Four Artists

9. 7. Karlsruhe – 15. 7. Nürnberg – 17. 7. Jena

Foto: Karsten Jahnke

Foto: FKP Scorpio

Foto: Carla Meurer

Jonathan Wilson

Der in North Carolina geborene Musiker Jonathan Wilson spielt Folk an

der Schnittstelle zur Psychedelia und borgt sich auch bei Country und

Pop was aus. Seine akustischen Klänge, die auf Synthesizer und eine

im Stil von Elliott Smith gedoppelte Stimme treffen, üben einen hypnotisierenden

Sog aus. Wilsons Gesang und Gitarrenspiel leiten dabei so

ruhig und sicher durch die Songs, dass man sich diesem Sog nur zu

gerne überlässt.

13. 7. Hamburg – 15. 7. Köln

The Gaslight Anthem

Frei nach dem Motto „Reduce to the Max“ konzentrieren sich die

Indierocker The Gaslight Anthem auf ihrem jüngsten Longplayer

„Handwritten“ auf einfachste Zutaten: erdige Riffs, treibende Songs, die

wieder mehr nach Garage als Stadion klingen, und natürlich die charismatisch-verrauchte

Stimme Brian Fallons. Und gerade die abgespeckte Version

des Quartetts aus New Jersey klingt besonders wirkmächtig. Kraft trifft

Gefühl – und wird zu Sehnsucht.

2. 7. Dresden – 6. 7. Bielefeld

40


Tourneen

Tickets unter fourartists.com

LIVE & OPEN AIR 2013

19.07. DRESDEN

FILMNÄCHTE A. ELBUFER

DRESDEN

ÄCHTE A. ELBU

AUSVERKAUFT!

22/23/24/25.08. /24/25.08. BERLIN

KINDL BÜHNE WUHLHEIDE

30.08. ROSTOCK

IGA PARKBÜHNE

06.09. MÖNCHENGLADBACH

WARSTEINER HOCKEY PARK

AUSVERKAUFT!

Jamie Cullum

Kinder, Karriere, tolle Frau: Der britische Musiker Jamie Cullum kann sich nicht beklagen.

Wenn da nur nicht die Restwelt wäre.

Foto: Wizard Promotions

19.06. BERLIN - ZITADELLE

24.06. KÖLN - TANZBRUNNEN

05.07. MÜNCHEN

09.07. KARLSRUHE

15.07. NÜRNBERG

17.07. JENA

04.10. DARMSTADT

05.10. KÖLN

06.10. HANNOVER

07.10. STUTTGART

12.10. DORTMUND

14.10. HAMBURG

15.10. BERLIN

Jamie, fühlst du dich im Jazz oder im Pop heimischer?

Jamie Cullum: Schwer zu sagen. Meist bewege ich

mich ja irgendwo dazwischen.

Deine CD „Momentum“ geht aber stärker in Richtung

Pop.

Cullum: Ganz genau. Der Geist des Jazz zieht sich

trotzdem durch fast alle Stücke, weil ich die Sache mit

den Genres nicht so furchtbar genau nehme.

Ehrlich gesagt hätte ich einen so melancholischen

Song wie „Sad, sad World“ nicht von dir erwartet.

Schließlich bist du mit deiner Frau Sophie Dahl und

deinen beiden Töchtern rundherum glücklich.

Cullum: Absolut! Andererseits trifft mich das, was auf

unserem Planeten passiert, sehr viel härter, seitdem

ich Vater bin. Für mich ist die Welt ein trauriger Ort,

manchmal erschreckt mich ihre Grausamkeit. Doch

ich habe Sophie an meiner Seite. Mit ihr kann ich alles

durchstehen, das beruhigt mich enorm. Vor lauter

Dankbarkeit wollte ich meiner Frau mit „Sad, sad

World“ ein bittersüßes Liebeslied bringen.

Und was hat „When I get famous“ inspiriert – dein

Traum von einer großen Karriere?

Cullum: Dieser Titel ist nicht autobiografisch. Ich

erzähle die Geschichte eines Jungen, der in der Schule

komplett ignoriert wird. Er schwört sich, eines Tages

ins Fernsehen zu kommen, um seinen Klassenkameraden

zu zeigen, was tatsächlich in ihm steckt.

Ist er dir wirklich nicht ähnlich?

Cullum: Nein. Ein Star zu werden hat mich nie gereizt.

Bloß das Musikmachen war für mich immer eine

Notwendigkeit.

Wie gehst du heute mit deinem Ruhm um?

Cullum: Ich versuche ihn auszublenden. Weil ich mich

mit meiner Familie aufs Land zurückgezogen habe,

gelingt mir das auch ziemlich gut.

Bist du dort denn sicher vor der britischen Boulevardpresse?

Cullum: Sicherlich tauchen ab und zu irgendwelche

Geschichten über mich in den Klatschmagazinen auf.

Aber ich lese sie nicht, dafür ist mir meine Zeit zu

schade.

8. 8. Schwetzingen – 23. 8. Berlin –

24. 8. Dresden – 25. 8. Coburg

Interview: Dagmar Leischow

41

19.08. HANAU | AMPHITHEATER

06.12. MÜNCHEN | ZENITH

07.12. BERLIN | COLUMBIAHALLE

08.12. KÖLN | PALLADIUM

17.09. KÖLN | GEBÄUDE 9

19.09. BERLIN | LIDO

25.09. LEIPZIG | WERK 2

26.09. HAMBURG | REEPERBAHN FESTIVAL

27.09. FRANKFURT | DAS BETT

29.09. MÜNCHEN | AMPERE


Tourneen

The Lumineers

Ursprünglich hatten sich Wesley Schultz und Jeremiah Fraites in die

Musik zurückgezogen, um den Tod von Fraites’ Bruder und Schultz’

Freund Josh zu überwinden. Gemeinsam mit der Cellistin Neyla

Pekarek haben sie nun ein Projekt auf die Beine gestellt, das nicht nur

mit in sich gekehrten Folksongs überzeugt, sondern auch behutsam

Pop und Rock die Türen öffnet.

16.–18. 8. Hamburg – 16.–18. 8. Großpösna – 19. 8. Hanau – 6.

12. München – 7. 12. Berlin – 8. 12. Köln

Foto: Four Artists

Emilie Autumn

Was sich auf der aktuellen Tour der Kalifornierin Emilie Autumn abspielt,

sprengt leicht den üblichen Rahmen eines Konzerts. Ihr Konzeptalbum

„Fight like a Girl“ setzt die Violinistin mit der elfenbeinfarbenen Haut und

den knallroten Haaren als düsteres Musical um. Einflüsse aus Elektronika,

Metal und Gothic prägen Autumns persönlichen Blick ins viktorianische

Zeitalter, welcher samt Kostümen und Performance dramatischer und fesselnder

kaum sein könnte.

Foto: FKP Scorpio

30. 8. Berlin – 2. 9. Leipzig – 4. 9. Hamburg – 5. 9. Duisburg – 8. 9.

München – 10. 9. Wiesbaden

Friska Viljor

In den Anfangstagen von Friska Viljor entstanden ihre Songs meist

beim gemeinsamen Umtrunk. Inzwischen schreiben die Schweden

auch in nüchternem Zustand. Und das tun sie gut: Ihre Songs überzeugen

mit Frische, mehrstimmigem Gesang und freigeistiger Instrumentierung.

Zum Indierock des Sextetts um Daniel Johansson und

Joakim Sveningsson ließ sich schon immer prima feiern. Mittlerweile

kann man beim Hören auch mal eine Träne verdrücken.

6. 9. Kiel – 7. 9. Neubrandenburg – 8. 9. Magdeburg – 9. 9. Leipzig

– 10. 9. Potsdam – 11. 9. Hannover – 12. 9. Bremen – 29. 10.

Hamburg – 30. 10. Bielefeld – 31. 10. Düsseldorf – 1. 11.

Mannheim – 4. 11. Konstanz – 6. 11. Kassel

Foto: Christian Rockstroem

Steven Wilson

Ob Steven Wilson das Schlafen wohl schon in frühen Jahren aufgegeben

hat? Der Brite beherrscht diverse Instrumente, bildete sich selbst zum

Produzenten (u. a. Emerson Lake & Palmer) und Toningenieur aus, spielte

unter anderem bei den Vorzeigeprogrockern Porcupine Tree und ist nun

auch noch solo unterwegs. Sein Tausendsassatum ist nicht ohne Spuren

geblieben: Wilson spielt technisch virtuosen, allerfeinsten Progrock

13. 7. St. Goarshausen – 26. 10. Bremen – 27. 10. Bielefeld – 28. 10.

Hannover – 30. 10. Dresden – 1. 11. Leipzig – 3. 11. Erlangen

Foto: FKP Scorpio

42


Tourneen

Aktion

Foto: Monique Wüstenhagen

Foto: Darren Bastecky

Gewinne Tickets für Depeche Mode in München!

Depeche Mode gehen mit ihrem neuen Album „Delta Machine“ auf Europatournee,

exklusiv präsentiert von der Deutschen Telekom.

Charles Bradley

Wenn man wie Charles Bradley sein zweites Album erst

mit 64 vorlegt, hat das einen großen Vorteil: Es ist gut

abgehangen.

Nach über drei Jahrzehnten Bandgeschichte füllen die Briten inzwischen die ganz

großen Stadien. Für ihre letzte Tour 2009/10 wurden mehr als zweieinhalb

Millionen Tickets verkauft. Kein Wunder, denn ihre Anhänger vergöttern die Band;

auf Facebook kommt Depeche Mode auf über sechs Millionen Freunde.

Das erste Konzert in Deutschland ist bereits restlos ausverkauft. Doch mit etwas

Glück kann man dennoch dabei sein, wenn die Band um Sänger Dave Gahan ihr

mittlerweile 13. Studioalbum live zum Besten gibt: kulturnews verlost nämlich 1 x 2

Tickets für den Telekom Street Gig mit Depeche Mode am 1. Juni in München.

Um an der Verlosung teilzunehmen, schreibt bis zum 31. 5. eine E-Mail mit dem

Betreff „Telekom Street Gig“ an info@bunkverlag.de. Viel Glück!

Mr. Bradley, Sie packen das Leid,

das Sie in Ihrem Leben erfahren

haben, in Ihre Songs. Und an

Themen scheint es Ihnen nicht zu

mangeln …

Charles Bradley: Ich trage so

viele Geschichten mit mir herum.

Die Worte purzeln einfach nur so

aus mir heraus, wenn ich an meinen

Songs arbeite.

Dennoch klingt Ihr neues Album

„Victim of Love“ weniger düster als

Ihr Debüt.

Bradley: Auf meinem ersten

Album hatte ich das Gefühl, aus

der Dunkelheit ins Licht zu treten.

Das war eine ausgesprochen

harte Erfahrung. Aber inzwischen

stehe ich bereits im Licht. Ich

habe auch positive Dinge erlebt,

von denen ich berichten kann.

Insofern ist mir die Arbeit am

neuen Album leichter gefallen.

Die Grundlage vieler Songs ist auf

unseren Konzertreisen entstanden.

Beim Mikrofoncheck probieren

wir immer ein paar verrückte

Sachen aus, die grundsätzlich

mitgeschnitten werden. Als wir

ins Studio gingen, um das neue

Album aufzunehmen, konnten wir

diese Aufnahmen als Rohmaterial

heranziehen. Und das brachte

uns auf weitere Ideen.

Was liegt Ihnen mehr: Konzerte

oder Studioarbeit?

Bradley: Für mich ist es die

schönste Erfahrung, mit meinem

Publikum zusammen zu sein.

Kürzlich hat mich mein Publikum

bei einem Clubgig mal wieder

zum Weinen gebracht. Ich versuchte

Haltung zu bewahren,

aber ich wurde geradezu mit

Liebe überschüttet – und da

konnte ich mich einfach nicht

mehr bremsen.

Vermissen Sie die Perücke, den

Umhang oder andere Dinge, die Sie

für Ihren Auftritt als Doppelgänger

von James Brown benötigten?

Bradley: Anfangs hatte ich für

meine James-Brown-Nummer gar

keine Perücke verwendet. Mein

eigenes Haar war lang genug, und

ich habe mir eine Dauerwelle

machen lassen. Ob ich das vermisse?

Ich kenne 58 Songs von

James Brown, und die beherrsche

ich alle. Aber so lange ich eine

dynamische Band habe, die es

mir ermöglicht, meinen Geist zu

befreien, bin ich lieber Charles

Bradley.

Interview: Michael Ernst

19. 6. Hamburg – 20. 6.

Dresden – 23. 6. Duisburg – 26.

6. Berlin – 27. 6. Frankfurt –

3. 7. Karlsruhe

43

Weitere Informationen gibt es auf www.telekom-streetgigs.de.







KULT15


Tourneen

18.07.13 Rosenheim, Kultursommer Open Air

19.07.13 Rheinbach b. Bonn, Rheinbach Classics

20.07.13 Emmendingen/Freiburg, Schlossplatz

23.07.13 Winterbach, Zeltspektakel

25.07.13 Hanau, Amphitheater

26.07.13 Mosbach, Elzpark Open Air

27.07.13 Leipzig, Parkbühne

28.07.13 Biberach, Marktplatz

02.08.13 Lichtenfels, Open Air

03.08.13 Weilburg, Pop am Fluss

14.06.13 Kassel, Bühne Königsplatz a. d. Hessentag

15.06.13 Herford, Open Air

22.06.13 CH-Liestal b. Basel, Open Air

06.07.13 Losheim, Eventgelände Stausee/Strandbad

07.07.13 Tuttlingen, Honberg Sommer

20.07.13 Greven, Open Air Bühne am Hallenbad

26.07.13 Ritterhude, Open Air *

28.07.13 München, Circus Krone *

31.08.13 Neustadt, Weinbiet Open Air

* mit THE HOOTERS

ERIC BURDON

& THE ANIMALS T0UR 2013

Ed Kowalczyk

Als Sänger und Gitarrist der Alternativerocker

Live hat Ed Kowalczyk viel Erfahrung – und

die weiß der Amerikaner umzusetzen: Sein

Solowerk ist geprägt von drängendem Rock,

der die große Melodie ebenso sucht wie den

erlösenden Ausbruch. Und ganz sicher ist eines:

Seine – im doppelten Sinne – Liveerfahrung

wird ihm bei seiner Deutschlandtour den

Rücken stärken.

27. 9. Köln – 1. 10. Berlin

Foto: MCT Agentur

01.11.13 Worpswede, Music Hall 28.11.13 Biberach, Gigelberghalle

12.11.13 Köln, Live Music Hall 29.11.13 München, Circus Krone

14.11.13 Essen, Colosseum 30.11.13 Stuttgart, LKA-Longhorn

15.11.13 Erfurt, Stadtgarten 02.12.13 Nürnberg, Hirsch

16.11.13 Bad Rappenau, Mühltalhalle 03.12.13 Mainz, Frankfurter Hof

18.11.13 Osnabrück, Rosenhof 04.12.13 Karlsruhe, Tollhaus

19.11.13 Hamburg, Fabrik

50 YEARS ANNIVERSARY OF THE ANIMALS

Weitere Termine und Künstler auf www.dmc-music.de

The Boxer Rebellion

Wenn eines The Boxer Rebellion aus Großbritannien

besonders auszeichnet, ist es das

Gespür daür, verträumtes Songwriting mit einer

angedeuteten Düsterkeit in Einklang zu bringen.

Es rauscht dezent in den Songs des Quartetts,

man hört Anklänge von Psychedelia. In erster

Linie aber findet man viel Neues, das dennoch

44

vertraut wirkt. Und so gelingt es eben, in die

mysteriöse Welt von The Boxer Rebellion einzutauchen

– ohne Angst davor, was geschieht.

17. 9. Köln – 19. 9. Berlin – 25. 9. Leipzig –

26. 9. Hamburg –

27. 9. Frankfurt – 29. 9. München

Foto: Tessa Angus


Tourneen

Foto: DefNash

Thomas Godoj

Bis heute kämpft der Ex-„DSD“-Sieger Thomas Godoj

(35) gegen sein Castingimage an. Dabei hat er bei Bohlen

fürs Leben gelernt.

Thomas, eines deiner neuen

Lieder heißt „Was wäre wenn“.

Stellst du dir diese Frage manchmal?

Thomas Godoj: Das macht doch

jeder, oder? In meinem Song

erzähle ich allerdings die

Geschichte meines Vaters. Er

wollte Schauspieler werden. Weil

er sich bei der Aufnahmeprüfung

nicht getraut hat zu tanzen, ist

daraus nichts geworden. Also hat

er einen anderen Weg eingeschlagen:

Bergbauingenieur unter

Tage.

Und was wäre aus dir geworden,

wenn du nicht bei der Castingshow

„Deutschland sucht den

Superstar“ mitgemacht hättest?

Godoj: Wahrscheinlich wäre ich

noch Maschinenbauzeichner. Oder

ich hätte mein Bauingenieurswesenstudium

zu Ende gebracht.

Hätte dir das nicht einige schlechte

Erfahrungen erspart?

Godoj: Ich habe „DSDS“ in erster

Linie als Sprungbrett für meine

Karriere gesehen. Dank dieser

Sendung weiß ich, wie das

Musikbusiness tickt. Gerade bei

diesen Castingshows geht es nur

um eins: Die Macher wollen möglichst

viel Geld verdienen. Als

Interpret bist du in dieser Maschinerie

bloß ein Dienstleister. Dabei

sollte es eigentlich umgekehrt sein.

Der Künstler müsste im Vordergrund

stehen und von allen unterstützt

werden.

Castingshowkandidaten haftet ein

negatives Image an. Wie hart war

es für dich, davon loszukommen?

Godoj: Ich kämpfe bis heute dagegen

an. Die meisten Medien fahren

eine knallharte Politik – nach dem

Motto: Warum sollen wir einen Ex-

„DSDS“-Teilnehmer weiter unterstützen,

wenn der ein Jahr lang seinen

Hype gehabt hat?

Frustriert dich das?

Godoj: Ach was. Ich bleibe kontinuierlich

am Ball, toure mit meiner

neuen CD und versuche, mir ein

immer größeres Publikum zu

erspielen.

Du scheinst ein echter Malocher zu

sein.

Godoj: So sind die Menschen aus

dem Ruhrpott halt. Darum habe ich

ihnen und meiner Heimat mit „Wo

wir sind“ eine ganz persönliche

Hymne gewidmet.

Interview: Dagmar Leischow

Männer sind so ist Ende Mai

erschienen.

31. 5. Recklinghausen – 1. 6.

Stuttgart – 2. 6. München – 4. 6.

Heidelberg – 5. 6. Frankfurt –

7. 6. Köln – 8. 6. Hückeswagen –

9. 6. Hamburg – 11. 6. Berlin

45

PRÄSENTIERT VON NEULAND CONCERTS

20.10. MANNHEIM

21.10. STUTTGART

28.10. BERLIN

29.10. HAMBURG

09.11. DÜSSELDORF

12.11. MÜNCHEN

TICKETS & WEITERE INFOS AUF

WWW.NEULAND-CONCERTS.COM

WWW.BRUNOMARS.DE

DAS AKTUELLE ALBUM

UNORTHODOX

JUKEBOX

ÜBERALL ERHÄLTLICH


Tourneen

Caro Emerald

Die Niederländerin Caroline van der Leeuw wühlt als Caro Emerald in

den musikalischen Archiven der 40er und 50er. So überführt sie Jazz

und Swing in die Neuzeit, poliert sie auf und flicht sie in zeitgemäße

Popsongs ein. Und statt bloß Altes neu aufzulegen, lässt sich die kecke

Caro von einem romantisch-verführerischen Hauch Vergangenheit

umwehen.

9. 10. Stuttgart – 10. 10. Baden-Baden – 12. 10. Hamburg –

13. 10. Berlin – 15. 10. Bielefeld – 16. 10. Bochum –

17. 10. Halle (Saale)

Foto: Koen Hauser

Wiz Khalifa

Über acht Millionen Menschen folgen ihm auf Twitter – und auch die

Liste der Leute, mit denen der US-Rapper Wiz Kalifa schon zusammengearbeitet

hat, ist sehr, sehr lang. Auf seiner aktuellen LP sind unter

anderem Akon, Cam’Ron, Pharrell und The Weekend vertreten. Dabei

bräuchten die Tracks, die von düsterem Doomrap bis zu glänzendem

Autotune-HipHop reichen, wahrlich keine Vielseitigkeitskur.

2. 10. Düsseldorf – 4. 10. Frankfurt – 5. 10. München – 7. 10. Berlin

– 8. 10. Hamburg

Foto: Neuland Concerts

Peter Gabriel

25 Jahre nach dem Erfolg seines Albums „So“ bringt Peter Gabriel die

Songs der Platte noch einmal auf die Bühne – mit kompletter

Originalbesetzung! Dem Grandseigneur des Pop fallen eben immer wieder

neue Wege ein, seine Musik so zu inszenieren, dass sie in neuem

Licht erstrahlt, ohne ihren alten Zauber einzubüßen.

11. 10. Leipzig – 13. 10. Stuttgart – 16. 10. Düsseldorf – 18. 10.

Hamburg – 19. 10. Berlin

Foto: York Tillyer

Ane Brun

Wenn Ane Brun den zehnten Jahrestag ihres Debüts „Spending Time

with Morgan“ feiert, gibt es auch für ihre Fans Anlass zu Freude. Die

Norwegerin bringt nämlich mit „Songs 2003–2013“ eine Sammlung

von 32 bislang unveröffentlichten Aufnahmen heraus. Da die

Folkchanteuse ihre Vielseitigkeit im Umgang mit verspielten Rhythmen

und mal mehr, mal weniger opulent inszenierten Folksongs längst

bewiesen hat, darf man schwer gespannt sein.

11. 10. Hamburg – 19. 10. Berlin

Foto: Wizard Promotion

46


Tourneen

TOURNEENÜBERBLICK

Dein Ticketportal.

Ron Pope

25. 6. Stuttgart

26. 6. Köln

British Sea

Power

24. 6. Köln

26. 6. Wiesbaden

27. 6. Berlin

David

Lemaitre

29. 5. Duisburg

30. 5. Hamburg

1. 6. Frankfurt

2. 6. Mannheim

3. 6. Köln

5. 6. Erlangen

6. 6. München

8. 6. Stuttgart

11. 6. Berlin

12. 6. Dresden

13. 7. Rüsselsheim

Útidúr

2. 6. Mannheim

4. 6. Marburg

7. 6. Berlin

Cat Power

22. 6. Duisburg

23. 6. Berlin

28. 6. München

3. 7. Hamburg

Mark

Knopfler

18. 6. Frankfurt

19. 6. Regensburg

2. 7. Köln

3. 7. Halle

4. 7. Dresden

5. 7. Bad Mergentheim

6. 7. Stuttgart

21. 7. Lörrach

Iron Maiden

11. 6. Frankfurt

18. 6. Berlin

19. 6. Hamburg

29. 6. Singen

6. 7. Oberhausen

Depeche Mode

1. 6. München

3. 6. Stuttgart

5. 6. Frankfurt

9. 6. Berlin

11. 6. Leipzig

17. 6. Hamburg

3. 7. Düsseldorf

Anti-Flag

24. 6. Berlin

15. 7. Nürnberg

16. 7. Batschkapp

18. 7. Dessau

Josh Kumra

3. 6. Köln

4. 6. Hamburg

5. 6. Berlin

Earth, Wind

& Fire

17. 7. Mainz

18. 7. Hamburg

A$AP Rocky

4. 6. Dortmund

5. 6. Berlin

6. 6. Hamburg

Get Well Soon

21. 6. Neuhausen ob

Eck

22. 6. Duisburg

23. 6. Scheeßel

24. 6. Erlangen

25. 6. Darmstadt

24. 8. Kassel

Reptile Youth

31. 5. Mannheim

1. 6. Augsburg

28. 6. Erlangen

21. 7. Karlsruhe

Devendra

Banhart

2. 7. Köln

3. 7. Hamburg

4. 7. München

8. 7. Berlin

9. 7. Frankfurt

Tower Of

Power

2. 7. München

4. 7. Johannisberg

Eric Clapton

29. 5. Frankfurt

30. 5. Berlin

1. 6. Hamburg

2. 6. Leipzig

9. 6. München

12. 6. Stuttgart

14. 6. Oberhausen

15. 6. Köln

18. 6. Nürnberg

Yesterday

Shop

1. 6. Augsburg

2. 6. Mannheim

4. 6. Mainz

6. 6. Jena

7. 6. Reutlingen

11. 6. Hannover

22. 6. Köln

Lindsey

Stirling

5. 6. München

10. 6. Stuttgart

13. 6. Köln

14. 6. Frankfurt

18. 6. Hamburg

19. 6. Berlin

Alicia Keys

4. 6. Frankfurt

5. 6. Köln

10. 6. Hamburg

16. 6. München

Liedfett

30. 5. Aschaffenburg

31. 5. Mannheim

1. 6. Düsseldorf

12. 6. Kiel

14. 6. Marburg

15. 6. Karlsruhe

20. 6. Leipzig

11. 7. Bonn

12. 7. Bochum

Current Swell

6. 6. Köln

10. 6. Hamburg

11. 6. Berlin

12. 6. München

La Vela

Puerca

31. 5. Hamburg

1. 6. Wesel

2. 6. Düsseldorf

4. 6. Bochum

5. 6. Bremen

6. 6. Berlin

8. 6. Twistringen

10. 6. Konstanz

12. 6. Karlsruhe

13. 6. Erlangen

14. 6. München

15. 6. Annaberg

Buchholz

Dein Ticketportal für

Pop, Rock, Klassik, Bühne & Sport

www.reservix.de

www.facebook.com/reservix

Sting

10.07.13

Zollhafen

Mainz

Sophie

Hunger

10.08.13 Bonn

12.08.13 Hamburg

16.08.13 Leipzig

Jamie

Cullum

07.08.13 Schaffhausen

08.08.13 Schwetzingen

23.08.13 Berlin

24.08.13 Dresden

25.08.13 Coburg

Über

30.000

Events!

47

Tickets bei allen ReserviX-Vorverkaufsstellen

und unter www.reservix.de


Plattenkritiken

The National

Trouble will find me

4AD/Beggars

Kein Schrei

The National wagen das Bekenntnis zur

Mitte – und zwar auf höchstem Niveau.

Wer ihnen Böses will, nennt sie die neuen U2. Denn The National gehen

den mit „High Violet“ eingeschlagenen Weg konsequent weiter und spielen

auf ihrem sechsten Album melancholischen Rock, der einfach jedem gefallen

muss. An Tiefe haben die New Yorker dabei nichts eingebüßt: „Angel,

sorry I hurt you, but they say love is a virtue“, singt Matt Berninger etwa

in „Sea of Love“, und er hätte diese Killersätze gar nicht nötig, um uns

bedingungslos an die Musik zu binden. Mal sind es zärtlich drängelnde

Rumpeldrums und Schellenkränze, mal wiederkehrende Gitarrenakkorde,

die immer engere Kreise ziehen – und mal einfach nur wenige Pianotupfer,

die schon vor dem Refrain alles klarmachen. Was fehlt, ist hier und da ein

Störer. Womöglich würde es schon reichen, hätte Berninger auf dieser perfekt

produzierten Platte nur ein einziges Mal geschrien. Aber das ist natürlich

Motzen auf allerhöchstem Niveau, denn vermutlich bekommt das

Bekenntnis zur Mitte keine andere Band würdevoller hin. Auf unserer Liste

der besten Platten des Jahres werden The National in ein paar Monaten

trotzdem stehen. So wie auf allen anderen Bestenlisten auch. (cs)

Foto: 4AD

Arcadi Volodos

Volodos plays Mompou

Sony Classical

KLAVIERMUSIK Der katalanische

Komponist Federico Mompou

(1893–1987) widerstand mitten

im 20. Jahrhundert allen Anfechtungen

der „Neuen“ Musik und

blieb den Klangwelten von Fauré,

Albéniz, Granados und Debussy

treu. Er komponierte vor allem Klavierzyklen,

deren interessanteste

der Virtuose Arcadi Volodos jetzt

perfekt einspielte. Das ist durchaus

bemerkenswert, da die vielen

zarten Stücke der „Música callada“

(nach dem Gedicht „Musik

des Schweigens“ des spätmittelalterlichen

spanischen Mystikers San

Juan de la Cruz) nicht nach krachender

Virtuosität, vielmehr nach

feinster klanglicher Atmosphäre

und Gestaltung verlangen. Und in

dieser Beziehung leistet Volodos

ebenso Großes wie mit seiner stupenden

Klaviertechnik. (jn)

Beth Hart & Joe

Bonamassa

Seesaw

Provogue Records

BLUESROCK Den Spaß sollte man

sich ruhig mal machen im Kreis

guter Freunde: „Seesaw“ in den

CD-Schacht, Track 3 ansteuern,

und dann warten, bis jemand

merkt, dass da nicht Tina Turner

aus Nutbush grüßt, sondern Beth

Hart. Einen kleinen Moment dauert

es auch, bevor einem dämmert,

dass man „Close to my

Fire“ zuletzt in einem BMW-Spot

gehört hat. Zum zweiten Mal überrascht

die Soulröhre aus Kalifornien

ihre Fans an der Seite von Joe

Bonamassa, der ja zurzeit ohnehin

alles zu Gold macht, was er

anfasst. Müßig die Vergleiche mit

Etta James, Billie Holiday oder

Janis Joplin – Beth Harts Formkurve

ging seit ihren Castingtagen

bei „Star Search“ so steil durch

die Decke, dass da kaum noch

eine Steigerung drin zu sein

scheint. Bonamassa begnügte sich

derweil damit, aus seinem Sechssaiterfundus

jene Gibsons und

Gretschs mit ins Studio zu schleppen,

die alle kleinen und größeren

Vintageerlebnisse zwischen B. B.

King, Gary Moore und Eddie

Cochran zulassen. In der Summe

bietet das neue Album jede Menge

verschwenderisch arrangierten

Bluesrock, Soul, Rockabilly, Swing

und Chansons – und ist Beth Harts

bis dato wohl variantenreichste

Visitenkarte. (ron)

Bob James /

David Sanborn

Quartette Humaine

Okeh

MODERN JAZZ Was Bob James

und David Sanborn verbindet, ist

die historisch verbriefte Nähe beider

Musiker zum Pop. Der Saxofonist

Sanborn an der Seite der

Rolling Stones oder David Bowie,

der Pianist James als Weichspüler

der CTI-Ära – das Jazzfeuilleton

hatte für die beiden in den vergangenen

Jahrzehnten meist nur

Häme oder Mitleid parat. Das

könnte sich mit der Veröffentlichung

von „Quartette Humaine“

schlagartig ändern, denn hier spielen

die beiden verkannten Virtuosen

genau jenes Potenzial aus, das

ihnen in der Vergangenheit immer

wieder abgesprochen wurde. Nun

könnte der nimmermüde Kritikaster

auf die Idee kommen, die konsequente

Jazzattitüde, die sich

durchs Album zieht, dem Rhythmusgespann

zuzuschreiben. Doch

Steve Gadd hörte man selten diskreter

über die Snare streichen,

James Genus ist ohnehin eher ein

Basser der Leisefraktion – nein, es

48


Plattenkritiken

sind durchaus die Akzente der

Komponisten selbst, die das Album

zum intensiven und formidablen

Hörerlebnis machen. (ron)

Burt Bacharach

Anyone who had a Heart

Universal

EASY LISTENING Um die

Bedeutung Bacharachs für die

Popgeschichte zu verdeutlichen,

reicht es eigentlich, die Interpreten

seiner Songs aufzulisten. Perry

Como, The Drifters, Frankie

Avalon, Gene Pitney, Dusty

Springfield, Diana Ross, Aretha

Franklin, The Hollies, Tom Jones,

Elvis Costello, Ronan Keating, Neil

Diamond, George Benson – man

könnte (fast) endlos so weitermachen.

Der 1928 in Kansas City

geborene Komponist schrieb einige

der bekanntesten Songs der Welt

(etwa „Walk on by“); anlässlich seines

85. Geburtstags erscheint nun

eine 6-CD-Box, die sein Schaffen

chronologisch und stilistisch breit

auffächert – anhand von 137

Songs. Bacharachs Kunst bestand

darin, Schlagern Zeitlosigkeit zu

verleihen. Seine butterweichen

Melodien und die griffigen Refrains

machten das Listening easy, doch

schaffte es der Meister zugleich,

das Verfallsdatum draußen zu halten.

„Anyone who had a Heart“ ist

eine Preziose für den Kaffeetisch

(und den CD-Player), der man niemals

überdrüssig werden wird.

Wetten? Wir sprechen in 20 Jahren

noch mal darüber. (mw)

Crystal Fighters

Cave Rave

Different/Pias

ELEKTROFOLK Vor zwei Jahren

wurden die Crystal Fighters allerorts

gefeiert, weil sie auf ihrem

Debüt traditionelle baskische Klänge

mit Clubsounds und allerlei Indiespielarten

kombinierten. Doch jetzt

bedient das Londoner Trio leider die

Erwartungshaltungen und legt mutlos

nach. Die zehn Songs von „Cave

Rave“ sind so konzipiert, dass sie

beim Indiefestival zwischen Friska

Viljor und Kakkmaddafakka genauso

funktionieren wie auf jeder Zeltparty.

Vermeintlich heterogene Einflüsse

werden auf Gefälligkeitskurs

gebracht, und unterm Strich steht

der Mitgrölrefrain. Es sei denn, er

wird wie etwa bei „These Nights“

zugunsten schmusiger Feuerzeugmomente

geopfert. (cs)

Daft Punk

Random Access

Memories

Columbia

ELEKTROPUNK Ausgerechnet Daft

Punk wollten der digitalen Welt ein

Schnippchen schlagen. Journalisten

mussten sich zum Schweigen verpflichten,

damit die Fans durch

Plakate und TV-Spots vom vierten

Album des französischen Duos erfahren

und nicht per Twitter oder

Facebook. So ganz ist ihnen das

zwar nicht gelungen, doch die volle

Breitseite ihrer Progdiscogigantomanie

wird die meisten erst am

Veröffentlichungsdatum erwischen.

Mit live eingespielten Streichern,

Bläsern und Tasteninstrumenten in

allen Variationen injizieren sie dem

Dreampop mehr Pathos, als ihm

selbst in den 70ern verabreicht

wurde, und kombinieren Bombast

mit leichtfüßigen Discohommagen.

Unterstützt werden sie dabei von

einer schier endlosen Gästeliste,

auf der etwa mit Chilly Gonzales

und Panda Bear auch viele Innovationspinsel

sind. Aber an der

Zukunft des Dancepop schrauben

Daft Punk vor allem dadurch, dass

sie den vermeintlich uncoolen

Giorgio Moroder rehabilitieren.

Völlig zu Recht hat sich auch die

Pharrell-Williams-Zusammenarbeit

„Get lucky“ als diesjähriger

Sommerhit durchgesetzt. Und das

vom Strokes-Chef Julian Casablancas

gesungene „Instant Crush“

und vor allem „Fragments of Time“


Plattenkritiken

werden in den nächsten Wochen

ähnlich viel Staub aufwirbeln. (cs)

Emily Wells

Mama

Partisan Records

HIPHOP Texas gilt in musikalischer

Hinsicht nicht gerade als experimentell.

Auch der Violine haftet

kaum etwas Progressives an. Wenn

eine texanische Violinistin also mit

dem HipHop-Produzenten Dan The

Automator und dem Samplingkünstler

Kid Koala ein gemeinsames Projekt

namens Pillow Fight betreibt,

weckt das auch die Neugier auf

ihr Solowerk. Die 31-jährige Emily

Wells breitet auf ihrem zweiten Album

„Mama“ hypnotisch wirkende

Soundscapes aus. Mit analogen

Synthesizern hergestellte Loops und

programmierte Drumbeats, die

Wells’ HipHop-Affinität betonen,

liefern die Basis. Darüber legt sich

ihr gefilteter Gesang, der mitunter

sirenenhaft anmutet und in seiner

Quietschigkeit immer wieder an

Björk und Joanna Newsom erinnert.

Wells’ Stimme wird nicht nur zum

Instrument, sondern auch zum

Leuchtturm in den violinegeprägten

Downtemposchwaden. Die

Exiltexanerin unterwandert Klassisches

mit einem urbanen und

doch äußerst organischen Vibe und

bleibt dabei zugänglich. Inzwischen

lebt Wells übrigens in Brooklyn; wer

weiß, was das fürs nächste Album

bedeutet. (lan)

Femi Kuti

No Place for my Dream

Naïve

AFROFUNK „Beim Afrobeat geht

es darum, die Leute zum Tanzen

zu bringen, während man ihnen

hilft, die bittere Pille der Realität

zu schlucken“, sagt Femi Kuti. Ein

merkwürdiger Satz. Will er uns

Soma verabreichen? Femis Vater

Fela (1938–97) hätte diesen Satz

sicher in Richtung von „Realität

verändern“ umgeschrieben. Egal:

Das Tanzen funktioniert fantastisch,

beim Sohn wie beim Vater. Und

die Träume, die Femi träumt, sind

durchaus von der Realtität geprägt

– und deshalb Albträume. Mit

Zischelperkussion, dialogischen

Chören, den typisch kurzen Licks

der Afrobeatgitarre und Bläsern, mit

denen man jeden gordischen

Knoten durchschneiden könnte,

hetzt und keucht Kuti durch seine

elf Songs. Es sind hoffnungsarme

Zustandsbeschreibungen („No Work

no Job no Money“), zwischen

denen Trotziges wie „Carry on pushing“

bisweilen fremd wirkt. Doch

auch wenn der Geist sich verdüstert

bei Kutis Songzyklus: Der Körper

profitiert; wie immer, wenn er sich

intensiv bewegt. Ein Album wie

ein Workout. (mw)

Garbage

One Mile high … Live

Eagle Vision

ALTERNATIVE ROCK Was Liveaufnahmen

angeht, machten sich Garbage

gerne rar – die 90er-Ikonen

setzten lieber auf persönliche Präsenz.

Weil aber auch eine Shirley

Manson nicht überall gleichzeitig

sein kann, gibt es jetzt den Mitschnitt

des 2012er-Konzerts in

Denver auf DVD und Blu-ray. In

der mehr als 90-minütigen Show

hauen Garbage praktisch alle ihre

Hits raus, binden aber auch einige

der sehr gelungenen Songs des

Reunionalbums „Not your kind of

People“ ein. Beim Kameraschwenk

ins Publikum wird klar, dass die

Fans mit ihrer Band gealtert sind,

nur Sängerin Manson wirkt fast

alterslos. Und das ist auch das

eigentlich Spannende an dieser

DVD: zu sehen, wie sich dieses

Persönchen von der Elfe im Flattercape

zur energetischen Rockerin

entwickelt, wie sie katzenartig über

die Bühne kreist und die Leute mit

irrwitzig geschminkten Augen fixiert.

Mansons Präsenz machte schon

immer die Auftritte von Garbage

aus, und wohl genau deshalb

wurde bei den Aufnahmen auch

auf jeglichen Technikschnickschnack

verzichtet. Der Sound hingegen ist

glasklar, vielleicht schon zu klar, um

wirkliches Livefeeling aufkommen

zu lassen. Boni: zwei Musikclips

und fünf Schwarzweißfilmchen, die

die Entstehungsgeschichten einiger

neuer Songs erzählen. (es)

Georg Ringsgwandl

Mehr Glanz

Blanko

VOLXMUSIK Es geht um Pferdefleisch

und Steuerflucht, um Blender,

Zocker und Hohlköpfe – klar,

vom Ringsgwandl erwartet man

immer ordentliche Watsch’n, rechts,

links, wohlgesetzt und hart. Oder

subtil mit verzögertem Schmerz.

Das reicht vom Kanzleramt ins

Schlafgemach, vom Börsenparkett

bis tief ins Herz. Dass Georg Ringsgwandl

im Jahr 2013 der ganze

Weltschmerz und all die abgeklärte

Melancholie so leicht über die

Lippen kommen, liegt nur zum Teil

am eigenen Reifegrad – „Mehr

Glanz“ ist deshalb ein so rundes

Songwriteralbum geworden, weil

es die vielleicht beste Band eingespielt

hat, die der Herr Doktor je

hatte: Dass Daniel Stelter, der

junge Star des Bundesjugendjazzorchesters,

immer wieder Zeit für

Ringsgwandl hat zwischen seinen

ganzen Jobs bei Till Brönner oder

Lena, grenzt an ein Wunder. Kaum

weniger beschäftigt sind Drummer

Tommy Baldu und der Nürnberger

Bassdozent Christian Diener, die

dem reduzierten Triospiel ein wunderbar

sprödes und transparentes

Gepräge geben. Exaltierte

Kasperlnummern findet man nicht,

dafür viel ausgeruhtes Songwriting.

Die Watsch’nhand bleibt meist in

der Hosentasche, und über allem

steht die Lebensweisheit: Ändern

tust du wohl nix, aber sagen

musst du’s schon. (ron)

Gregor Schwellenbach

Spielt 20 Jahre Kompakt

Kompakt

ORCHESTERMUSIK Das kölsche

Label Kompakt hat bewusst einen

Platz zwischen den Stühlen abonniert

– und ist stolz darauf, ihn zu

behaupten. Der Film-, Funk-, Fernsehkomponist

und Multiinstrumentalist

Gregor Schwellenbach geht

dem Label dabei samt Band hilfreich

zur Hand, indem er 20

Tracks aus dem Kompakt-Katalog

rekomponierte, was hier heißt: minimalisierte.

Hinzu kommen einige

wohlklingende Gäste: Flötistin

Dorothee Oberlinger, Harfenistin

Jane Berthe und Gitarrist Christian

Buck. Das Ergebnis ist originell,

was die Besetzung anbelangt (u.

a. präpariertes Klavier, Streichquartett,

Gamelaninstrumente), und

realisiert rhythmisch die Labelphilosophie:

„Kompakts Waffe der

Wahl war zumeist die gerade

Basedrum, ihre minimalistische

Schönheit unsere Dialektik.“ (jn)

Johannes Schenk Trio

As Time goes B.A.C.H. 3

The Independent Artist

PIANOJAZZ Wie gut sich Bach als

Ausgangspunkt für jazzige und rockjazzige

Improvisationen eignet, wird

hier zum dritten Mal in der „As

Time goes B.A.C.H.“-Serie bewiesen.

Johannes Schenk ist nicht nur

ein hervorragender Jazz-, sondern

ebenso ein geschickter klassischer

Pianist, der Bach auch ganz unimprovisiert

vortragen kann. Alle

Arrangements stammen von ihm,

darunter „Bereite dich, Zion“, das

50


Plattenkritiken

Andante aus dem „Italienischen

Konzert“ und die „Badinerie“ aus

der h-moll-Suite. Aus Bachs Orgelstück

„Nun komm, der Heiden Heiland“

wurde eine jazziger „Highlander“.

Auch Wayne Shorters „Shorter

Bach“ ist höhepunktsverdächtig.

Schenks fantasievolle Jazzimprovisationen

werden kongenial von

André Nendza (Bass) und Klaus

Mages (Drums) unterstützt und

begleitet. (jn)

Lou Doillon

Places

Decca

SONGWRITERPOP Na gut, vielleicht

ist Lou Doillon nicht die neue

Carole King. Doch in Anbetracht der

Umstände – Tochter von Jane

Birkin, Halbschwester von Charlotte

Gainsbourg, Model, Mimin – ist ihr

Debüt ein sehr beachtenswertes.

Schon die eröffnende Klavierballade

„I.C.U.“ glänzt trotz des anbiedernd

Rap-affinen Titels mit ausgefeilter

Melodik, Eleganz und behutsam

inszenierter Steigerung. Ein kleines

Meisterstück; Carole King höbe

überrascht die Augenbraue. Doillon

singt zudem weitaus facettenreicher

als ihre Halbschwester, mit der

man sie zwangsläufig vergleichen

und von der sie sich abgrenzen

muss; sie kann es sogar kehlig.

Konsequenterweise findet sich

kaum eine Chansonspur auf diesem

Album, trotz der komplett

französischen Produktion. „Places“

ist eher geprägt von Sound und

Stilistik klassischen Songwritertums.

Fans von Tori Amos, Sophie

Zelmani und Cat Power (in ihrer

„The Greatest“-Phase) dürften

einen neuen Liebling haben. „Ich

hatte allen Grund der Welt, nicht

mit der Musik anzufangen“, sagt

die 31-Jährige. Gut, dass sie diesen

grundsätzlich richtigen

Gedanken am Ende ignoriert hat.

Findet bestimmt auch Carole King.

(mw)

Die Kings Of Leon packen ihre

bisher fünf Alben plus Live-DVD in

eine Box, nennen sie „The

Collection“ (Sony) und hoffen auf

das Beste: eine Chartplatzierung.

Michel Camilo

What’s up?

Okeh

MODERN JAZZ Michel Camilo, der

dominikanische Emmy- und Grammy-gekrönte

Jazzpianist, ist in allen

Jazzgenres von Boogie bis Ballade

unterwegs. In Connecticut hat er

elf Solotitel aufgenommen, sieben

sind seine eigenen, vier sind Latins

und andere Standards, darunter

auch das verzwickte „Take Five“

von Dave Brubeck und Compay

Segundos „Chan-Chan“ in hörenswerten

Versionen. Alle Klang- und

-kunststücke Camilos senden vor

allem eine Botschaft aus: Hier

beherrscht jemand perfekt sein

Instrument und vermittelt

Tastenfans intensive Spielfreude.

(jn)

Noblesse Oblige

Affair of the Heart

RepoRecords

DANCEPOP Der deutsche Produzent

Sebastian Lee Phillip und die

französische Sängerin Valerie Renay

sind große Liebhaber von Bands

wie Depeche Mode, Visage und

Bronski Beat. Das bereits fünfte

Album des Popduos ist von der

Sehnsucht nach aus der Mode

gekommenem 80er-Synthiepop

geprägt. Tracks wie „Chasing

Shadows“ und „Runaway“ beschwören

Bilder von mit Kajal verdüsterten

Mienen herauf, ein Abstecher

führt sogar in die 70er:

„Hotel California“ ist ein (typisch

für die Platte) erotisiertes Cover

der berühmten Eagles-Hymne. No-

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Plattenkritiken

blesse Obliges Hommage an längst

vergangene Musiktage fällt durchweg

unaufgeregt aus. Zwar sind die

einzelnen Tracks interessant, insgesamt

aber wirkt das Album einfarbig.

Oder liegt gerade in dieser

Facettenmonotonie der besondere

Reiz? Wer auf Synthiesounds steht

und mehr modernes 80er-Feeling

will, als es Bands wie Hurts jemals

bieten könnten, wird mit „Affair of

the Heart“ jedenfalls glücklich

werden. (sho)

Okta Logue

Tales of Transit City

Columbia

PSYCHEDELIC ROCK Das Hamburger

Reeperbahnfestival ist normalerweise

eine Spielwiese für Indiehipster.

2012 aber sorgte eine

junge Band aus Griesheim für

Aufsehen, als sie im Kiezclub

Angie’s seelenvolle Psychedelia im

Pink-Floyd-Stil spielte. Die meisten

Zuschauer vergaßen glatt das veranstaltungstypische

Gighopping.

Auf ihrem zweiten Album arbeiten

die Griesheimer nun weiter an der

Verfeinerung ihres Retrostils, orientieren

sich stärker an der Frühzeit

des psychedelischen Pops, also an

den späten 60ern. Dabei hilft

ihnen ihr immenses Gespür für gute

Raumgestaltung. In dieser

Dreidimensionalität können sich

vor allem Gesang und elegische

Gitarren gut entfalten, dazu plustern

sich Orgeln, Klaviere und

Elektronika. Rhythmuswechsel

gehören ebenfalls zu ihren gern

demonstrierten Fähigkeiten. Okta

Logue vergessen gleichwohl nie die

Basis von allem: den guten Song,

den zupackenden Refrain, die Coolness

großer Gesten. Also im Grunde

genau die richtige Band für Indiehipster.

(mw)

Ane Brun wurde durch ihre Tour

mit Peter Gabriel bekannt. Wer

sich durch ihr Werk hören möchte,

ist mit „Songs 2003–2013

(Balloon Ranger) gut bedient.

Paul McCartney &

The Wings

Wings over America

Concord

70ER-POP Als Dreier-LP im Klappcover

war das damals immer ein

Brocken, meine Herrn! Drei Scheiben

sind es auch bei der remasterten

Neuauflage geworden. Die

Musik passt zwar auf zwei CDs,

doch auch eine Konzert-DVD liegt

bei (wenngleich nicht die 1981

erschienene Tourdoku „Rockshow“).

1976, sechs Jahre nach dem Ende

der Beatles, hatte Paul McCartney

bereits einen beachtlichen Wings-

Backkatalog aufgebaut, und als er

damit auf Welttournee ging, war

das die einzige Gelegenheit, einen

Ex-Beatle live die legendären Songs

spielen zu sehen. McCartney knauserte

zwar damit (zu frisch war

noch die Wunde), spielte aber doch

vier davon, immer zwei im Doppelpack.

Heute ist „Wings over America“

ein Zeitdokument; es zeigt die

erfolgreichste Band eines früheren

Beatles-Mitglieds auf dem Zenit

ihres Könnens. Die Hits sind längst

Oldies („Live and let die“, „Band

on the Run“), und sie in dieser

energetischen Form remastert noch

einmal live zu hören, hat seinen

Reiz. Aber danach – sorry, Paul –

werden wieder die alten Beatles-

Sachen aufgelegt, bis in alle Ewigkeit.

(mw)

R.E.M.

Green – 25th Anniversary

Deluxe Edition

Rhino

COLLEGEROCK Kaum waren

R.E.M. aus Athens/Georgia 1988

zum Label Rhino gewechselt, ging

ihre Karriere durch die Decke: Ihr

Präsentiert von Neuland Concerts in Kooperation mit The Agency Group

WIZ KHALIFA

Das aktuelle

Album

O.N.I.F.C.

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Plattenkritiken

ökobewegtes sechstes Album

„Green“ fuhr Doppelplatin ein,

machte Michael Stipe & Co. weltberühmt

und die anschließende

Tour zum Ereignis. 25 Jahre ist

das her. R.E.M. gibt es nicht mehr,

dafür aber „Green“ in neuer Verpackung.

Drin in der Box: das

remasterte Album mit Bandklassikern

wie „Orange Crush“, dazu ein

Konzert vom Ende der gewaltigen,

130 Gigs umfassenden 1989er-

Tour. Angesichts der Ausstattung,

die vergleichbare Boxen bisweilen

spendiert bekommen, ist das allerdings

dünn. Gab es wirklich keine

unveröffentlichten Demos und Outtakes

mehr aus dieser kreativen

Phase? Den Fans wäre das sicher

wichtiger gewesen als Postkarten

und Ausklappposter. So bleibt der

2005er-Surroundmix mit Zusatz-

DVD weiter die Referenzausgabe

von „Green“ – zumal sie weiter regulär

im Handel ist. Vinylfreunde

dürften sich aber über eine neue

180-Gramm-Pressung freuen. (mw)

Liam Gallagher bemüht sich mit

Beady Eye wieder mal um ein

heimliches Oasis-Album. Für

„BE“ (Sony) gilt allerdings das

Gleiche wie fürs Debüt: guter

Sound, mittelgute Songs.

Skid Row

United World Rebellion

– Chapter one

UDR

HEAVY METAL Auch wenn Exsänger

Sebastian Bach 2012 die Restband

aufrief, sich wieder mit ihm

zusammenzutun – weil die Fans

es doch so sehr wünschten –, sieht

die Besetzung des neuen Skid-Row-

Albums genauso aus wie die des

vorigen von 2006: die Mitbegründer

Dave Sabo (Gitarre), Rachel Bolan

(Bass), Scott Hill (Gitarre) und Rob

Hammersmith (Schlagzeug) plus

der nun auch schon nicht mehr

wirklich neue Sänger Johnny Solinger.

Entsprechend geht es wieder

eher rockpunkig zu, abgesehen von

der obligatorischen Ballade natürlich,

man kann ja nicht ewig nur

„18 and Life“ oder „I remember

you“ spielen. Um die Fans nicht

wieder sieben Jahre bis zum nächsten

Album vertrösten zu müssen,

haben sich Skid Row außerdem

einen Trick überlegt: Sie teilten das

Werk in drei Teile, die innerhalb

eines Jahres veröffentlicht werden

sollen. Zusätzlich zu den fünf neuen

Songs gibt es auf „Chapter one“

mehrere Coverversionen – und natürlich

kann man auch jetzt schon

einen Schuber kaufen, in dem dann

alle drei Minialben Platz haben.

Ordnung muss schließlich sein. (es)

Stefan Gwildis

Das mit dem

Glücklichsein

105 Music

SOULPOP Zwei Dinge gilt es jedes

Mal zu klären, bevor man sich mit

jemandem über Stefan Gwildis unterhält.

Erstens: Die Bearbeitung

des „Great American Songbook“

durch deutsch singende Künstler

ist per se in Ordnung. Zweitens:

Es gibt hierzulande seit Jahren niemanden,

der das souveräner und

charmanter macht als Gwildis. Wer

das nicht in Zweifel zieht, wird sich

gern mit dem frischen Werk des

Hamburgers auseinandersetzen. Er

tauschte die Begleitband gegen

eine Bigband, grub Swingklassiker

aus, schob ein paar Exotennummern

dazwischen – und das war’s

eigentlich schon. Jörg Achim Keller

hat die großen Titel wie „My funny

Valentine” oder „I’ve got you under

my Skin“ für das NDR-Orchester mit

bewusst leichter Hand arrangiert,

denn nicht die Bläser hinter den

Pulten galt es ins rechte Licht zu

rücken, sondern den Mann am

Mikro. Gwildis singt konzentriert,

reduziert sich dabei aber durchaus

nicht zum Standardcrooner. John

Hiatts „Have a little Faith in me“

setzt den eher schwachen Schlusspunkt

eines ansonsten starken Albums.

Die Ballade hätte besser in

einen anderen instrumentalen Kontext

gepasst. (ron)

KONRAD

WISSMANN

spielt mit Stilmitteln aus Jazz, Chanson und Singer/Songwriter-Pop

und dreht aus diesen Zutaten sein ganz eigenes Ding:

» PAROLE

«

Der akustisch gehaltene, erfrischend kantige Sound trägt von der

ersten Sekunde an, über das gesamte Debüt-Album hinweg.

AB 31. MAI

KONRADWISSMANN.DE · FACEBOOK.COM/KONRADWISSMANNMUSIK


ZAZ

DAS NEUE ALBUM

RECTO VERSO

The Brand New

Heavies

Forward

earMUSIC

Plattenkritiken

ACIDFUNK Vorwärts – klar. Getanzt

wird ja immer. „Forward“ ist

seit längerer Schaffenspause der

Brand New Heavies der schlagende

Beweis dafür, dass man nichts

neu erfinden muss, um unter der

Discokugel für Bewegung zu sorgen.

Die Heavies bleiben sich

treu, das heißt: Treu bleiben sie

den Einflüssen aus der Ära John

Travoltas und Earth, Wind & Fire.

Letztere zitieren sie gern auch mal

ganz direkt, während Jan Kincaid

und Andrew Love Levy für den

hundertprozentig stolpersicheren

Rhythmus sorgen. Doch die Ecken

und Kanten, die Breaks, die guten

Funk würzen: Sie fehlen ein

wenig auf „Forward“; das bekommt

heute fast jeder Boygroupproduzent

kreativer hin. Immerhin:

N’Dea Davenport ist wieder

mit von der Partie, und immer

wenn – wie etwa bei „A little Funk

in your Pocket“ – der Beat runtergeht,

gibt’s eine gute Portion Vocal

Soul und plötzlich auch wieder

ein fettes Tenorsax oder eine Gitarrenhookline

von Simon Bartholomew.

Es muss ja auch nicht

immer im höchsten Gang vorwärts

gehen – sonst würde auch

der beste Tänzer zu schnell müde

und durstig. (ron)

The Handsome Family

Wilderness

Loose Music

ALT.COUNTRY Beim grundsätzlich

verehrungswürdigen Ehepaar

Brett und Rennie Sparks aus Albuquerque

zeigt sich von Album

zu Album mehr, wie begrenzt sein

Ausdrucksspektrum ist. Die meisten

Melodieeinfälle und Akkordfolgen

auf ihrem neunten Album

kennen wir leider schon von früheren

Werken, und das geht vor

allem auf die Kappe des Komponisten

Brett. Ins Gewand ihres

typisch verschleppten, pseudosüßlichen

Düstercountry stecken

sie diesmal einen zwölfteiligen

Songyklus, der sich textlich ausschließlich

mit Tieren befasst –

immerhin ein origineller Einfall

von Rennie, der Lyrikerin. Doch

musikalisch, klanglich, atmosphärisch

stoßen wir überall auf

Déjà-vus, auf bekannte Melodieschnipsel

und wiedererkannte

Twangs in Moll; positiv hervor

sticht höchstens „Frogs“ mit seinen

silbrig funkelnden Gitarrensoli.

Wahrscheinlich funktioniert

„Wilderness“ dennoch ganz gut

als Einstieg ins Werk – aber besser

geeignet wäre z. B. „Singing

Bones“ von 2003, wo die Handsome

Family wenigstens noch die

großen Meister ihrer Zunft belieh

und nicht nur immer wieder sich

selbst. (mw)

INKLUSIVE DER SINGLE „ON IRA“

AB 10.MAI 2013 WWW.ZAZOFFICIAL.COM

George Benson huldigt einem

Vorbild. Auf „Inspiration: A

Tribute to Nat King Cole“ (Universal)

lässt sich der Gitarrist und

Sänger von Gästen begleiten,

deren Stil ähnlich edel schimmert

wie seiner, darunter Till Brönner.

John Fogerty nutzt die Chance,

auf sein grandioses Œuvre zu

verweisen, indem er es teils neu

einspielt – mit Duettpartnern wie

Keith Urban. „Wrote a Song for

everyone“ (Sony) ist so überflüssig

wie unterhaltsam.

Tricky

False Idols

!K7

TRIPPOP Nach langer Identitätssuche

kehrt Tricky zu seinen Anfängen

zurück. Was hat der Mann

aus Bristol nicht alles versucht:

54


Plattenkritiken

Bluesspielereien, LoFi-Stampfer,

Pianoschmonz, wavige 80er-Referenzen

und sogar Indiegitarren.

All das wollte innovativ sein, demontierte

aber nur seinen Ruf als

Wegbereiter des TripHop. Mit der

Gründung seiner eigenen Plattenfirma

orientiert er sich nun an

seinem meisterlichen Debüt

„Maxinquaye“ von 1995. Beim

Bohren in den eigenen Wunden

konzentriert er sich wieder voll

auf die schleifenden Düsterbeats,

und während er im Hintergrund

knurrt und schnauft, überlässt er

den Gesang den Frauen. Francesca

Belmonte und Fifi Rong gleichen

das Fehlen von Martina

Topley-Bird aus, Nneka und

Antlers-Sänger Peter Silberman

schaffen Kontraste. Songs wie

das raggahafte „Nothing matters“

oder das abgründig groovende

„Bonnie & Clyde“ halten Vergleichen

mit dem Debüt spielend

stand, „Nothing’s changed“ weist

gar zurück auf Trickys Zeit bei

Massive Attack. Wer will, kann

da von Selbstplagiat sprechen.

Doch sollte man sich auch fragen,

ob in den vergangenen fast 20

Jahren nicht genug passiert ist, um

dieser Selbstzerfleischung neue

Schmerzen abzugewinnen. (cs)

Tyrone Vaughan

Downtime

Blues Boulevard

COUNTRYROCK Ist ja immer alles

eine Frage der Erwartungshaltung:

Vaughan heißt der Mann mit der

roten Strat und den roten Cowboyboots,

und wer den großen Stevie

Ray seinen Onkel nennen durfte,

kann schon ein bisschen auf dicke

Hose machen. Klar, auch Tyrone

hat als Junge mehr mit Sixstrings

gespielt als mit Spielekonsolen,

aber das Ergebnis führt in eine

ganz andere Richtung als der gewohnte

Vaughan’sche Familienstil.

Um es ganz plastisch auszudrücken:

„Downtime“ ist das Album,

das uns der karrieremüde Garth

Brooks seit Jahren vorenthält. Wer

also nicht unbedingt messerscharfe

Bluesriffs zum Glücklichsein

braucht, sondern ab und zu mal

einen fröhlichen Fiedel- und Banjoburner,

hat mit Tyrone schon

seinen Spaß – und brüllt „Yeehaa!“

durchs offene Schiebedach. (ron)

Vicky Cryer

The synthetic Love of

emotional Engineering

Fancy Records

ROCKPOP Wer Platten nach dem

Cover beurteilt, dürfte dieser kaum

eine Chance geben. Fundierter

wird die Voreingenommenheit,

wenn man erfährt, dass hinter

Vicky Cryer ein gewisser Jason

Hill steckt, der bis vor kurzem

Chef der sexistischen Retrorocker

Louis XIV war. Zumal gleich die

ersten Textzeilen des Eröffnungssongs

„Smut“ zeigen, dass Hill die

Auflösung seiner Band nicht genutzt

hat, um endlich mal ein

paar Bücher zu lesen: „Baby

you’re like a ten-speed, ’cause

you were born to ride.“ Doch so

vorhersehbar öde der Altherrenindierock

am Anfang auch klingt

– mit den restlichen Songs kann

die Platte dann doch überraschen.

Hill hat eine Supergroup der zweiten

Reihe zusammengestellt und

die weniger beachteten Mitglieder

extrem beachteter Bands wie

Muse, Killers und Jamiroquai engagiert.

Gemeinsam sprengen sie

Genregrenzen: „Krokodil Tearz“ ist

ein Discojam, „Young Love“ verneigt

sich vor Mark Bolan, und

funky Songs wie „Touch you“

überführen Justin Timberlake in

den Indiekosmos. Zwar nutzt sich

der Spaß schon nach wenigen

Durchläufen ab, doch besser als

ihr Cover ist die CD allemal. (cs)

Klaus Schulze macht weiter,

immer weiter: Die Triplebox „La

Vie electronique 13“ (MIG) enthält

drei lange Titel von

1993/94, die bisher nur im

Rahmen der unerschwinglichen

„Ultimate Edition“ erhältlich

waren.

55

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O ZAZ

Recto Verso

O The Bryan Ferry Orchestra

The Jazz Age


Kino

Foto: Alexa Vachon

To the Wonder

Terrence Malicks Filme sind innig wie

Gebete, zart wie Gedichte. Seine neue Lovestory

erzählt von der Endlichkeit der Liebe.

USA 2012, 112 Min., Regie: Terrence Malick

mit Ben Affleck, Olga Kurylenko, Rachel McAdams

ab 30. 5. (Studiocanal)

Ben Affleck, Olga Kurylenko

LIEBESDRAMA Ein Liebespaar – sie Französin (Kurylenko), er Amerikaner

(Affleck) – zieht ins ländliche Amerika. Es liebt und streitet sich, sie reist

zurück nach Paris, er hat eine Affäre, sie kommt wieder, sie heiraten, ihre

Liebe zerbricht … Regieunikat Malick erzählt diese Story auf ureigene Weise,

nämlich in nichtlinearen Fragmenten, die wie dokumentarische Schnappschüsse

wirken. Den mosaikhaften Bilderreigen kittet er wie üblich mit Offprosa,

Naturmetaphern und sinfonischem Score. Gedreht hat Malick nur frühmorgens

und -abends; die stets durch einen Sternfilter strahlende Sonne ist

immer im Bild – gleichsam das Auge Gottes, das die verzweifelte Suche nach

Glück ins Licht der Güte taucht. „To the Wonder“ wirkt wie das spirituelle

Gegenstück zu Hanekes nüchternem Oscar-Gewinner „Liebe“. Und wie immer

beim hochernsten, zwischen Prätention und Pathos schwankenden Malick

kommt man leicht berauscht vor Melancholie aus dem Kino – und möchte

untergehen im Planeten, der uns hervorbrachte; am liebsten Hand in Hand

mit dem richtigen Menschen. (mw)

Before Midnight

USA/GR 2013, 108 Min.

Regie: Richard Linklater

mit Ethan Hawke, Julie Delpy,

Seamus Davey-Fitzpatrick

ab 6. 6. (Prokino)

DRAMA „The world is fucked.“

Celine und Jesse sind zurück.14

Jahre, nachdem Ethan Hawke

und Julie Delpy in „Before

Sunrise“ ein schüchternes

Kennenlernen in Wien spielten,

und sieben Jahre, nachdem sie

in „Before Sunset“ unsicher

durch Paris spazierten, heißt es

jetzt: Zusammenleben, Kinder,

Urlaub am Mittelmeer. Richard

Linklater denkt mit „Before

Midnight“ zum dritten Mal über

die Liebe nach, aber der Zauber ist

vorbei, zumindest für Celine und

Jesse. Nach einem in seiner forcierten

guten Laune etwas nervtötenden

Prolog wechselt der Film

radikal die Stimmung. Wir sind in

Griechenland, und die Finanzkrise

schlägt hier als veritable

Beziehungskrise durch –

Langeweile, Frust, Aggression.

Plötzlich wirft sich das Paar

Dinge an den Kopf, die keine

Beziehung aushalten dürfte, ohne

tiefe Narben davonzutragen.

Plötzlich fragt man sich, ob die

Liebe zwischen den beiden wirklich

so toll ist, wie man in Wien

und Paris dachte. In der

Schlussszene gönnt Linklater seinen

Protagonisten dann doch

noch eine Wendung, die aber ist

zwiespältig: Insbesondere um

Celine, die man doch immer für

die coolere und interessantere

Figur gehalten hatte, sollte man

sich Sorgen machen. (fis)

Ihr werdet euch

noch wundern

F/D 2012, 115 Min.

Regie: Alain Resnais

mit Sabine Azéma, Michel Piccoli,

Mathieu Amalric

ab 6. 6. (Alamode)

DRAMA Zehn Schauspieler werden

in ein Landhaus in den Bergen

gerufen. Dramatiker Antoine

ist tot, die Protagonisten, die sich

von ihrer Arbeit an Antoines Stück

„Eurydike“ kennen, sollen seinen

letzten Wunsch erfüllen: Eine junge

Theatergruppe will „Eurydike“

neu aufführen, sie, die Älteren,

sollen entscheiden, ob die Nachwuchskünstler

die Aufführungsrechte

bekommen. Und schnell

überlagern sich die Erinnerungen

der Schauspieler mit den Videoaufnahmen

der Neuinszenierung

… Regiealtmeister Alain Resnais

hat eine Liebeserklärung ans Theater

als Traummaschine gedreht,

mit Starbesetzung (Sabine Azéma,

Michel Piccoli und Mathieu Amalric

spielen sich selbst) und dem

unbedingtem Willen zur

Stilisierung. Hat man sich erst

einmal auf die Künstlichkeit der

Regiesprache eingelassen,

bekommt man ein klug gebautes

Spiel mit vielen Inhaltsebenen,

elegant inszenierte Übergänge

zwischen den einzelnen

Erinnerungsfetzen – und ein nicht

unproblematisches Theaterverständnis.

Man muss von

einem 91-Jährigen nicht verlangen,

jegliches Autorenpathos zu

Gunsten modischer Postdramatik

über Bord zu werfen. Interessant

finden muss man solch eine Sicht

deswegen aber noch lange nicht.

(fis)

... und außerdem online

Noch mehr Rezensionen und Informationen zu

allen monatlichen Kinostarts sowie alle

Spielzeiten aus Ihrer Stadt gibt’s im Kinoportal

auf kulturnews.de

56


The Place beyond the Pines

USA 2012, 140 Min., Regie: Derek Cianfrance

mit Ryan Gosling, Bradley Cooper, Eva Mendes

ab 13. 6. (Studiocanal)

DRAMA Regisseur Derek Cianfrance hat ein

Händchen für die Auswahl seiner Hauptdarsteller:

In „Blue Valentine“ fuhr er die Ehe von Michelle

Williams und Ryan Gosling schmerzhaft

ehrlich gegen die Wand – diesmal lässt er die

Leben von Eva Mendes, Bradley Cooper und erneut

Gosling aufeinanderprallen. „The Place

beyond the Pines“ erzählt die Geschichte des

Motorradstuntmans Luke (schmuddelig-aggressiv:

Gosling), der erfährt, dass er mit der Kellnerin

Romina (Mendes in einer ihrer intensivsten

Rollen) einen Sohn hat. Dessen Unterhalt will

er durch halsbrecherische Banküberfälle

sichern, bis ein Coup eines Tages gründlich

misslingt und der ehrgeizige Polizist Avery

(Cooper) ins Spiel kommt. Die Lebensdramen

nehmen ihren Lauf – und machen auch nicht

vor der nächsten Generation halt … Cianfrance

spielt elegant mit einer Schuld-und Sühne-Thematik

und inszeniert sein Thrillerdrama als

atmosphärisch dichtes, wenn auch überlanges

Gefühlskino, mit in Zeitlupe tropfendem Schweiß

und einer Handkamera, die so dicht heranzoomt,

dass es wehtut. Ein Film wie das Leben:

schmerzhaft, monströs und doch schön. (es)

böse, der Held ist heldenhaft. Tatsächlich aber

handelt es sich bei dieser reaktionären Reanimation

des 80er-Actionkinos um einen Film der

Krise, ein Drama des Sich-aus-den-Trümmern-

Erhebens einer Nation, die an schwindender

geopolitischer und militärischer Bedeutung leidet,

an innenpolitischer Selbstzerstörung, am

Aufbegehren von Ländern wie China oder Iran.

Amerika ist schwach. Was ist das Symbol für

US-Stärke? Das Weiße Haus, Secret-Service-

Code „Olympus“. Und was braucht eine angeschlagene

Nation? Patriotismus. Gerard Butler

schleicht also als patriotischer Bruce-Willis-

Epigone durch das von nordkoreanischen

Terroristen eingenommene Machtzentrum des

Landes und schaltet die Eindringlinge aus. All

das pyro- und tricktechnische Feuerwerk soll

Aufregung und Spannung verbreiten. Aber es

beleuchtet nur das Dunkel eines Landes, das

offenbar eine perverse Lust daran findet, sich

fast zu Tode foltern zu lassen, um dann umso

heroischer durch die Gedärme seiner Feinde zu

marschieren. Roland Emmerich bringt das

Thema im September noch einmal auf die Leinwand

(„White House down“). Dann kommt die

Bedrohung aus dem Inland. Amerika, müssen

wir uns sorgen? (vs)

Confession

Filmkritiken

F/D/GB 2012, 115 Min. Regie: Sylvie Verheyde

mit Pete Doherty, Charlotte Gainsbourg,

August Diehl

ab 20. 6. (Farbfilm)

Foto: Gerd Altmann / pixelio.de

Olympus has fallen –

Die Welt in Gefahr

USA 2013, 120 Min.

Regie: Antoine Fuqua

mit Gerard Butler, Aaron Eckhart,

Morgan Freeman

ab 13. 6. (Universum Film)

ACTION Eigentlich ist das ein Actionfilm. Es wird

geballert, Dinge explodieren, die Bösen sind

HISTORIENDRAMA Was hat die französische

Regisseurin Sylvie Verheyde nur dazu getrieben,

die Rolle des Octave mit Rockmusiker Pete

Doherty zu besetzen? Okay, ihr junger Held

zerbricht, als seine Geliebte Elise ihn betrügt.

Wenn Octave sich fortan angetrieben von seinem

Freund Desgenais (Diehl) in Drogenexzesse

stürzt, gibt es sicherlich ein paar Erfahrungen

im Leben des Libertines-Sängers, an die er für

sein Schauspieldebüt anknüpfen konnte. Doch

spätestens, als sich Octave nach dem Tod seines

Vaters aufs Land zurückzieht und mit der jungen

Witwe Brigitte (Gainsbourg) rausfinden will,

ob er seine Zweifel an der wahren Liebe überwinden

kann, hätte ein Hauch von Talent nicht

geschadet. Wobei selbst ein richtiger Schauspieler

das Historiendrama nicht gerettet hätte.

„Confession“ überzeugt zwar visuell mit einem

Wechselspiel von verhangenen Landschaftsaufnahmen

und dem farbenfrohen Treiben in den

57

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Platte

Buch

DVD

Neuerscheinungen des Monats

Daft Punk

Random Access

Memories

James Sallis

Stiller Zorn

Lou Doillon

Places

Pablo Tusset

Oxford 7

The National

Trouble will find me

Patricio Pron

Der Geist meiner

Väter steigt

im Regen auf

Django Unchained Jack Reacher Pan Am

Der Gewinn:

2 Tickets für das

Juicy Beats

Gewinne mit Relentless Energy Drink 1x2 Tickets

für das Juicy Beats am 27. Juli in Dortmund.

Beim großartigen Ein-Tages-Festival tritt neben Marteria

oder The Notwist auch Shooting-Star MC Fitti auf – und

genau den nimmt Relentless dann eine Woche später

gleich mit aufs legendäre Wacken Open Air, um dort

filmische Eindrücke vom Culture Clash zwischen

Metallern und der HipHop-Szene zu sammeln.

www.juicybeats.net

Salons, doch dabei geht Verheyden

jeglicher Sinn für Dramaturgie

ab. Nach endlosen zwei Stunden

ist die Aussage ihrer Adaption von

Alfred de Mussets autobiografischem

Roman erschreckend dünn:

Bindungsängste gab es auch

schon im 19. Jahrhundert. (cs)

Promised Land

USA 2013, 106 Min.

Regie: Gus Van Sant

mit Matt Damon, Frances

McDormand, John Krasinski

ab 20. 6. (Universal Pictures)

ÖKO-DRAMA Ein geplantes Gesetz

zur Regelung des sogenannten

Frackings liegt derzeit in der

schwarz-gelben Koalition auf Eis.

Das Erdgas-Förderverfahren ist

umstritten, auch in den USA –

und Matt Damon ist einer der

prominentesten Kritiker der

Methode. „Promised Land“ ist

daher eine Herzensangelegenheit

für den Hollywoodstar. Ein behutsam

aufklärerisches Ökodrama,

das stark beginnt und zuletzt

durch zuviel Pathos, eine

unglaubwürdige Wendung und

eine sentimentale Lovestory alles

wieder verspielt. Zuvor aber zeigt

Regisseur Gus Van Sant in halbdokumentarischen

Bildern eine

ländliche Region im Niedergang

und wirft einen unverstellten Blick

ins Herz der amerikanischen

Identität. Weil die Zeiten für die

Landwirtschaft schlecht sind, haben

die sympathischen Gaskonzernvertreter

Steve (Damon) und

Sue (Frances McDormand) leichtes

Spiel dabei, mit den Farmern

läppische Pachtverträge für ihr

Land abzuschließen, das nach den

Bohrungen womöglich verseucht

sein wird. Warum Steve allerdings

plötzlich die Seiten wechselt, vermag

Damon weder als Darsteller

noch als Koautor des Drehbuchs

glaubwürdig vermitteln. (ascho)

58

Filmkritiken

The Sapphires

AU 2012, 103 Min.

Regie: Wayne Blair

mit Chris O‘Dowd, Deborah

Mailman, Jessica Mauboy

ab 20. 6. (Senator)

MUSIKFILM Die Geschichte

schwarzer Musik ist auch immer

die Geschichte von Rassenkonflikten

und Diskriminierung, da macht

das biografisch angehauchte Souldrama

keinen Unterschied. Allerdings

zeigt es dem Zuschauer

neue Seiten einer alten Story:

nämlich die australische Perspektive.

Als Aborigines erfahren Gail,

Julie und Cynthia 1968 nicht bloß

den täglichen Rassismus, sondern

haben auch ihre Cousine Kay aus

den Augen verloren, nachdem die

Regierung besonders hellhäutige

Kinder zur Assimilation aus den

Aborigines-Familien gestohlen

hatte. Musikmanager Dave

(O’Dowd) überzeugt die Mädels

nicht nur vom Soulsound, sondern

bringt sie auch wieder mit Kay

zusammen. Und er bietet ihnen

das Abenteuer ihres Lebens, als er

mit den Sapphires als Truppenunterhaltung

in den Vietnamkrieg

fährt. Eine mitreißende Musicalverfilmung

mit wunderbaren

Darstellern. (kab)

Laurence Anyways

CA/F 2012, 157 Min.

Regie: Xavier Dolan

mit Melvil Poupaud, Suzanne

Clément, Nathalie Baye

ab 27. 6. (NFP)

LIEBESDRAMA Mit 17 drehte er

2009 seinen ersten Film, führte

Regie, spielte die Hauptrolle,

schrieb das Drehbuch und pro-


Filmkritiken

duzierte; mit 18 seinen zweiten, „Herzensbrecher“,

über beste Freunde (sie/er), die sich

in einen Schönling verknallen, aber eigentlich

nur ins Verliebtsein verliebt sind. Bei Film Nummer

drei ist dem frankokanadischen Wunderkind

Xavier Dolan der Ruhm zu Kopf gestiegen. Seine

Geschichte des Lehrers Laurence (Popaud), der

mit 35 eine Frau werden will und der doch nicht

von seiner Freundin Fred (Clément) loskommt,

ist eine narzistische Orgie aus Nahaufnahmen

und Zooms, aus Zeitlupensequenzen zu Beethoven

oder Depeche Mode, Celine Dion und

Fever Ray, voller 80er-Mode-Referenzen und

opernhafter Dramatik – wenn nicht gerade wild

mit der Handkamera gefuchtelt, wild geweint,

endlos geraucht und überlaut gelacht wird.

Zwischentöne oder so etwas wie Identifikation

mit und Empathie für Laurences Genderwechsel,

Freds Verzweiflung und die übergroße Liebe

der beiden stehen hinter Dolans Drang zur einzigartigen

Einstellung zurück. Hier schreit alles:

„Ich bin Kunst!“, und das macht die auf 157 (!)

Minuten gestreckte Lovestory zur Geduldsprobe

für Hirn und Gesäß. Dass Laurence und Fred

sich zudem wie hysterische Teens benehmen,

die man ohrfeigen und auf ihr Zimmer schicken

möchte, macht den Film noch unerträglicher.

Dolan ist zu sehr ins Verliebtsein in sich selber

verliebt. (vs)

Papadopoulos & Söhne

GB 2012, 105 Min., Regie: Marcus Markou

mit Stephen Dillane, Georges Corraface, George

Savvides

ab 27. 6. (Neue Visionen)

KOMÖDIE Alles zurück auf Anfang: Durch den

Börsencrash verliert der griechischstämmige Unternehmer

Harry Papadopoulos (Dillane) sein

Feinkostimperium. Ihm bleibt nur noch die

schäbige Fish & Chips-Bude in der Londoner

Vorstadt, in der einst der Aufstieg des Familienunternehmens

begann. Marcus Markous Regiedebüt

ist eine Art „My big fat greek Wedding“

in Moll, vor allem aber ist es ein Loblied auf den

Familiensinn und das einfache Leben, ohne

goldene Rolex, Chauffeur und Luxusvilla. Wenn

zuletzt sogar die verzogenen Kinder zusammen

mit den Eltern und den neuen multikulturellen

Nachbarn auf der Straße Sirtaki tanzen, verlässt

der Zuschauer trotz des schlichten Strickmusters

beschwingt das Kino. Ein Ken Loach hätte die

gesellschaftlichen Verwerfungen der Wirtschaftskrise

freilich realistischer ausgelotet; Markou

setzt auf liebenswerte Figuren, Feelgoodstimmung

und einen zurückhaltend-spröden Humor,

bei dem er sämtliche Griechenlandklischees von

der „Alexis Sorbas“-Seligkeit bis zur Steuermoral

selbstironisch einfließen lässt. (ascho)

The Grandmaster

HK/CN 2013, 123 Min., Regie: Wong Kar-Wei

mit Tony Leung, Zhang Ziyi, Chang Chen

ab 27. 6. (Wild Bunch)

MARTIAL ARTS BIOPIC Die Geschichte von Ip

Man, dem Lehrer der Kampfsportikone Bruce

Lee, hätte auf unterschiedliche Weise erzählt

werden können. Als reiner Martial-Arts-Film zum

Beispiel, oder als Biopic vor dem Hintergrund

gleich mehrerer Systemwechsel in China. Regisseur

Wong Kar Wai („Fallen Angels“, „2046“)

entschied sich für pure Poesie. Im Jahr 1936 –

der Süden Chinas lebt im Bürgerkrieg, den

Norden hält Japan besetzt – trifft Gong Boa-

Sen in Foshan ein, um seine Nachfolge als

Martial-Arts-Meister zu regeln. Im Gold Pavillon

trifft er auf Ip Man (Tony Leung), den Meister

des Südens. Doch nicht die Bilder dieses

Kampfes bleiben einem im Kopf, sondern die

vom Kampf Ip Mans mit Gongs Tochter Gong

Er (Zhang Zi-Yi). Choreografiert als das wohl

aggressivstes Vorspiel der Filmgeschichte, lässt

der Kampf die unerfüllte Liebe der beiden nicht

vergessen, selbst als in den Familien aus politischen

und privaten Gründen Chaos und Verzweiflung

dominieren. Wong Kar Wai zeigt die

Zeiten des großen gesellschaftlichen Umbruchs

aus der Sicht der Kampfsportszene, ihrer Regeln,

ihrer Haltung. Martial-Arts-Regisseur Yeun Woo-

Ping sorgt gemeinsam mit Kameramann

Philippe Le Sourd dafür, dass nicht der Kampf

als solcher dominiert, sondern seine ästhetische

Schönheit. Was außen vor bleibt: die Politik,

der Bürgerkrieg, die Gesellschaft. Nichts davon

zeigt Wong Kar Wai explizit, obwohl alles immer

präsent ist und die Handlung vorantreibt. So

strahlt der Film Zeitlosigkeit aus, ohne ins

Märchenhafte zu kippen. (jw)

... und außerdem online

Alle monatlichen Kinostarts mit

Trailer sowie alle Spielzeiten

aus Ihrer Stadt gibt’s im

Kinoportal auf kulturnews.de

59

AB 13. JUNI

IM KINO!


DVD

Jack Reacher

R: Christopher McQuarrie

D: Tom Cruise, Rosamund Pike,

Robert Duvall

6. 5., Paramount

USA 2012

ACTION US-Thrillerautor Lee Child

erschuf den Serienhelden Jack

Reacher, für die Verfilmung schlüpfte

Tom Cruise in die Rolle des Ex-

Army-Ermittlers. Ein Mann ohne

Vergangenheit, Frauengeschichten

und Telefonnummer, der sich zum

großen Rätsel stilisiert, aber dank

seines Köpfchens und mit Unterstützung

der Anwältin Helen Rodin

das Rätsel um das scheinbar sinnlose

Massaker eines Scharfschützen

aufzuklären weiß. Regisseur

Christopher McQuarrie macht

daraus einen spannenden Thriller

und unterfüttert das Katz-und-

Maus-Spiel mit einer wohldosierten

Portion Action. Ein Besetzungscoup

ist Regisseur Werner Herzog als

Oberbösewicht: ein Furcht einflößender

Greis, der mit gebrochener

Stimme und starkem deutschen

Akzent von den Schrecken des

Gulags raunt. (ascho)

Extras Featurette

auch als Blu-ray

Django Unchained

R: Quentin Tarantino

D: Jamie Foxx, Leonardo DiCaprio,

Christoph Waltz

23. 5., Sony Pictures

USA 2012

WESTERN Der rachedurstige Sklave

Django (Jamie Foxx) und der deutsche

Kopfgeldjäger Dr. King Schultz

(Christoph Waltz) machen sich

auf, Djangos Frau aus den Händen

des Plantangenbesitzers Candie

(Leonardo DiCaprio) zu befreien –

und ballern unterwegs weißen Abschaum

nieder, dass das Hämoglobin

quellsprudelt. Das hat

Charme von Trash bis tumb, auch

wenn man nicht übersehen kann,

dass Quentin Tarantino die Inspiration

flöten geht. Die Dialogbrillanz

und die bildkompositorische

Raffinesse, die seine frühen

Werke ausmachten, sind kaum

vorhanden. Hier wird viel und zu

einem sehr viel ernsteren Thema

als sonst auf sehr ausgedehnter

Lauflänge geredet, aber zu wenig

pointiert und zielführend. Die

Darsteller spielen sich zudem derart

in den Vordergrund, dass der

ganze Film zur Spaghettiwesternhommagegroteske

gerät. (vs)

Extras Featurette

auch als Blu-ray

Kalkofes Mattscheibe

Rekalked: Staffel 1 - Die

komplette erste Hälfte

R: Marc Stöcker

D: Oliver Kalkofe

24. 5., Turbine Medien

D 2012/2013

COMEDY-SERIE Seit einem halben

Jahr erst sendet er wieder

zurück, direkt ins Sendefeuer des

schlimmsten Schwachmatenfernsehens

hinein, und schon hat

er nicht nur eine Box am

Verkaufsstand, nein: Oliver

Kalkofe hat auch noch drei

Stunden Bonusmaterial draufgepackt.

Wie tut man nur solche

Formate wie „Villa Germania“ auf,

wo findet man die? Kalkofe packt

jetzt aus: Seine Fans melden ihm

auf www.kalkwatch.de den größten

Schwachsinn, den sie im

deutschen Fernsehen finden, und

der Kalkinator nimmt sich dann

der Sache an. Gründlich, effizient

und routiniert. (jw)

Extras Audiokommentar, Makingof,

Featurettes

Die Schatzinsel –

Treasure Island

R: Steve Barron

D: Eddie Izzard, Elijah Wood,

Donald Sutherland

10. 5., Concorde

IRL/GB 2012

ABENTEUER Der junge Jim

Hawkins kommt in den Besitz einer

Karte, auf der der Schatz des

Piratenkapitäns Flint verzeichnet ist.

Gemeinsam mit seinem Freund

Doktor Livesey überredet er den Adligen

Trelawney, die Schatzinsel zu

suchen. Doch auch der einbeinige

Schiffskoch Long John Silver hat

Wind von der Karte bekommen und

schmiedet Meutereipläne … Der britische

TV-Zweiteiler erzählt R. L.

Stevensons Abenteuergeschichte in

aufwändigen Bildern und mit vielen

Details. Hervorzuheben ist Eddy

Izzard als John Silver, wohingegen

Elijah Wood die im Buch so prägnante,

geisterhafte Präsenz des

Insulaners Ben Gun nur schwer

vermitteln kann. Eine unterhaltsame,

wenn auch nicht überwältigende

Adaption des Klassikers. (es)

Pan Am –

Die komplette Season

R: Jack Orman, Thomas Schlamme,

Steven Maeda

D: Christina Ricci, Margot Robbie,

Michael Mosley

20. 6., Sony Pictures

USA 2011-2012

TV-SERIE 1963: Martin Luther

King begeistert die Menschen mit

den Worten „I have a Dream“,

John F. Kennedy wird erschossen

und Pan Am zum Sinnbild für den

glamourösen Jetset. Vor diesem

Hintergrund begleitet die Serie die

Purserette Maggie (Christina

Ricci), ihre Kolleginnen Kate,

Laura und Colette sowie die

Piloten Dean und Ted. Es geht um

Liebesaffären, CIA-Missionen und

traumatische Kindheiten; Rückblenden

geben den Charakteren

Zeit, sich zu entwickeln. Authentizität

ist allerdings keine Stärke

der Macher: Für Szenen in London

reichte es offenbar, eine rote

Telefonzelle in eine New Yorker

Seitenstraße zu stellen. Abgesehen

davon ist „Pan Am“ aber eine

runde Serie, die alleine durch die

Kostüme und Sixties-Musik amüsiert.

(sjk)

Extras Featurettes, Interviews

The Dinosaur Project

R: Sid Bennett, Tom Pridham

D: Natasha Loring, Peter Brooke,

Matt Kane

18. 6., Planet Media

UK 2012

HORROR Regisseur Sid Bennett

gibt mit „The Dinosaur Project"

eine Antwort auf die Frage, was

dabei herauskommt, wenn man

„Jurassic Park" mit „Blair Witch

Project" kreuzt. Der Forscher

Marchant macht sich mit seiner

Crew auf die Suche nach einer

unheimlichen Kreatur im Kongo,

begleitet von einem TV-Team, das

eine Doku drehen will. Ihr Helikopter

stürzt bei der Kollision mit

Flugsauriern ab – und das ist nur

die erste von vielen für ausgestorben

gehaltenen Spezies … Die

Vielschichtigkeit der Figuren wird

bei diesem rasanten Stück

Tierhorror den recht netten Dino-

Effekten geopfert, lediglich

Marchants Sohn Luke, der sich als

blinder Passagier unter das Team

gemischt hat, taugt als Identifikationsfigur.

(kc)

Extras Making-of, Trailer

auch als Blu-ray

60


Aktion

„Lincoln“ – die Geschichte einer Legende

Abraham Lincoln, der ehemalige US-Präsident, wurde nicht nur überlebensgroß

am Mount Rushmore verewigt – auch Barack Obama legte

seinen Eid zur Amtseinführung auf Lincolns Bibel ab. Seine

Präsidentschaft gilt als eine der bedeutendsten in der Geschichte der

Vereinigten Staaten. Als der Republikaner 1864 seine zweite

Amtsperiode antrat, hatte er eine große Herausforderung zu meistern:

Er musste den Bürgerkrieg beenden. Lincoln setzte alles daran, die

Sklaverei außer Kraft zu setzen, um den Konföderierten die Basis für

den Konflikt zu entziehen und das Land wieder zu vereinen.

Steven Spielberg hat diesen bewegten Zeitraum der US-Geschichte

eingefangen: Detailgenau schildert er, wie es Lincoln gelang, die Sklaverei

mit der Verabschiedung des 13. Zusatzartikels zur Verfassung

abzuschaffen. Der Film zeigt das Bild eines taktischen Genies, der sein

Anliegen auch mit Hinterzimmerdeals durchzusetzen wusste. Daniel

Day-Lewis wurde für seine Rolle als Abraham Lincoln mit dem Golden

Globe und dem Oscar als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet.

Oscar-Preisträger Tommy Lee Jones spielt den Demokraten Thaddeus

Stevens, einen glühenden Gegner der Sklaverei, auf dessen Engagement

sich Lincoln jederzeit verlassen kann. Auch in den weiteren

Nebenrollen ist der Film prominent besetzt: Oscar-Gewinnerin Sally

Field und Joseph Gordon-Levitt sind ebenso im Staraufgebot zu

finden. Sie verkörpern die First Lady sowie Lincolns Sohn Robert.

Steven Spielberg hat mit „Lincoln“ ein packendes Drama inszeniert,

das zeigt, wie der 16. Präsident der Vereinigten Staaten in den letzten

Monaten seiner Amtszeit die Entwicklung des Landes und damit das

Schicksal kommender Generationen maßgeblich beeinflusste.

Zum DVD-Start von „Lincoln“ am 24. Mai verlost kulturnews

jeweils zehn DVDs und Blu-rays. Einfach bis zum 26. Juni eine E-Mail

mit dem Betreff „Lincoln“ an info@bunkverlag.de schicken.

Viel Glück!


Literatur

Patricio Pron

Foto: Anna María Rodríguez Arías

Verdrängt, nicht vergessen

Mit seinem neuen Roman stellt sich der Argentinier Patricio Pron, wovor er lange

Zeit weggelaufen ist: der eigenen Geschichte.

Patricio, in „Der Geist meiner Väter steigt im Regen auf“ erzählst du von deiner

traumatischen Kindheit in Argentinien, der Flucht nach Deutschland und

davon, wie du nach Jahren der Verdrängung begonnen hast, die Geschichte

deiner Eltern zu recherchieren, die sich als Widerstandskämpfer gegen die

Militärdiktatur gewehrt haben. Warum bezeichnest du das Buch als Roman,

obwohl es doch eigentlich eine Biografie ist?

Patricio Pron: Das Buch folgt den wirklichen Ereignissen, aber ich wollte mit

Erzähltechniken arbeiten, die vor allem in Romanen verwendet werden. Ich

habe meine Geschichte als Roman aufgeschrieben, weil sie unglaubwürdig

ist. Vermutlich hätten mir die Leser nicht geglaubt, wenn ich das Buch als

reale Geschichte ausgegeben hätte. Man könnte es als nonfiktiven Roman

bezeichnen, so wie auch die Amerikaner von nonfiction novels sprechen.

War es denn leichter, die richtigen Worte zu finden, weil du das Buch als

Roman konzipiert hast?

Pron: Es war schwerer als gedacht. Vor vielen Jahren habe ich mit „Eine

fremde Scheiße“ einen Roman über den Falklandkrieg geschrieben. Obwohl

mich der Krieg als Kind betroffen hat, war ich mit dem Thema nicht so sehr

emotional verbunden. Diesmal habe ich meine Eltern und meine Geschwister

benutzt, um eine Geschichte zu erzählen. Sie haben auch sehr

heftig reagiert: Nachdem ich ihnen meine Pläne erzählt hatte, wollten sie

mir nicht erlauben, den Roman zu schreiben. Sie meinten, die politische sei

eine kollektive Geschichte, die nicht so fokussiert erzählt werden könne. Ich

musste es aber machen, weil es nun mal meine Geschichte ist. Und ich

hatte die Hoffnung, dass diese kleine Geschichte, die nur meine Familie

betrifft, von anderen Berichten ergänzt wird und nach und nach eine kollektive

Geschichte entsteht. Für mich ist es eine literarische und auch eine politische

Aufgabe, einen Abgleich zwischen dem individuellen und dem kollektiven

Gedächtnis herzustellen. So wie ich nicht an eine kollektive Schuld

glaube, stimme ich auch nicht mit der Vorstellung überein, dass eine

Gesellschaft ein kollektives Gedächtnis besitzt. Beides sind für mich

Strategien, sich nicht offen und schonungslos mit der eigenen Vergangenheit

auseinanderzusetzen.

Hat die Aufarbeitung in Argentinien noch nicht ausreichend stattgefunden?

Pron: Im Vergleich zu Deutschland, wo man sich ständig der Vergangenheit

stellt, hat man in Argentinien versucht, die tragischen Ereignisse der jüngeren

Vergangenheit zu vergessen. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis die argentinische

Gesellschaft in der Lage war, über das zu sprechen, was in den 70ern

passiert ist. Und dann wurde nur von denjenigen erzählt, die diese Ereignisse

miterlebt haben oder sogar aktiv beteiligt waren.

Es wird immer noch unterschätzt, dass Beschädigungen über viele

Generationen weitergegeben werden?

Pron: Jede Generationen sollte ihre Vergangenheitsbewältigung machen. Es ist

ein Zeichen einer gesunden Gesellschaft, wenn die Geschichte von jeder

Generation neu bewertet wird. Viele aus meiner Generation sind von den

Ereignissen ähnlich geprägt. Uns alle verbindet die offene Frage, was wir mit

dem machen, was unsere Eltern damals gemacht haben. Die Erfahrungen mit

Diktatur, Verfolgung und Gewalt gegenüber politisch aktiven Menschen beeinflussen,

wie wir unser Leben leben. Und ich wollte auch sehen, wie die jüngere

Generation mit dem Buch umgeht. Diese Generation, die zehn oder 15

Jahre jünger ist als ich und die diese Zeit nicht persönlich miterlebt hat, ist zur

Politik zurückgekehrt. Sie sind mit einer Überzeugung politisch aktiv, die wir

nicht haben konnten.

War es wichtig, die Diskussionen in Gang zu bringen, bevor die letzten

Zeitzeugen verschwunden sind?

Pron: Das war entscheidend. Als mein Vater krank geworden ist, wurde mir

klar, dass ich nicht mehr viel Zeit habe. Für mich war es notwendig, dass er

an diesem Dialog teilnahm. Zum Glück hat er die Krankheit überstanden, und

durch mein Buch hat er zum ersten Mal die Vergangenheit zurückgeholt. Mein

Buch soll die Leser ermutigen, sich mit den Eltern zu konfrontieren und sie zu

fragen, was sie damals gemacht haben.

Interview: Carsten Schrader

Der Geist meiner Väter steigt im Regen auf ist bereits erschienen.

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Buchkritiken

William Gaddis

Die Fälschung

der Welt

Aus d. Engl. v. Marcus

Ingendaay

DVA, 2013

1 200 S.; 34,99 Euro

Am Anfang steht einmal

mehr die Erkenntnis. Im

Falle von William Gaddis'

monumentalem, 1955

erschienenen Debütroman ist

es die folgende: Die gesamte

Welt ist nichts als eine

einzige allumfassende Täuschung.

Die Kunst, die Gefühle,

die Menschen, kurz:

das ganze Leben – alles

Blendwerk und fauler

Budenzauber. Um das zu

beweisen, versucht Gaddis,

diesem gefälschten Sein auf

1 200 engbedruckten Seiten

in enzyklopädischer Fülle

von allen Seiten zu Leibe zu

rücke. Und lässt dabei eine

von polierten Oberflächen

und allgegenwärtiger Geistlosigkeit

geprägte Welt des

endlosen Geschwätzes entstehen,

in der all diejenigen

auf der Strecke bleiben, die

unter den Abfallschichten

aus Lug und Trug vergeblich

nach einer Ahnung von Authentizität

schürfen. Vieles

an diesem Moloch von

einem Roman mag bei jenen

tapferen Lesern, die sich bis

zum Ende durchkämpfen,

auf Missfallen stoßen: der

manierierte Tonfall und die

mitunter furchtbar gespreizte

Sprache. Die sich in erschöpfender

Detail- und

Informationsschwemme verlierenden

Abhandlungen

über Religion und Kunst. Die

zahllosen Zitate und selbstverliebten

Anspielungen auf

2 000 Jahre Geistesgeschichte.

Vor allem aber, mit

welch kaltem Zynismus

Gaddis sein umfangreiches

Romanpersonal nahezu vollständig

der Lächerlichkeit

preisgibt. Hier war ein Autor

am Werk, der seine Umwelt

durchschaut zu haben glaubt

und sie deshalb samt und

sonders verabscheut. Im

Gegensatz zu seinem Bewunderer

David Foster

Wallace, der von einer ähnlichen

Ausgangsbasis aus versuchte,

den Menschen hinter

der Karikatur ausfindig zu

machen, vermag Gaddis der

grassierenden Hohlheit um

sich herum deshalb viel zu

oft nur den eigenen eitlen,

bildungsgesättigten Dünkel

entgegenzusetzen. Aber das

in alle Richtungen wuchernde

Frühwerk weiß dennoch

zu faszinieren, und das nicht

nur wegen der brillanten

Komposition seiner unendlich

vielen Dialoge, die wasserfallgleich

auf den Leser

einstürzen: Es ist erstaunlich,

wie sehr Gaddis'

Zeitdiagnose sich in abermals

verstärkter Form nahezu

eins zu eins auf das heutige

Informationszeitalter

übertragen lässt. Paradoxerweise

dürfte sein Roman

damit aktueller sein als je

zuvor. (mwe)

James Sallis

Stiller Zorn

Aus d. Engl. v.

Georg Schmidt

Dumont, 2013

192 S.; 8,99 Euro

Wie soll man jemanden finden,

wenn man sich selbst

verloren hat? Lew Griffin,

schwarzer Privatschnüffler in

New Orleans, wird Anfang

der 60er-Jahre für die Suche

nach einer verschwundenen

Bürgerrechtsaktivistin engagiert.

Doch in der drückenden

Sommerhitze verliert

Griffin bald alle Spuren. Und

auch auf der Suche nach

weiteren Vermissten führen

seine Ermittlungen entweder

ins Leere oder zu tragischen

Opfern, die er nicht verhindern

kann. Was zunächst

als typische Detektivstory

beginnt, wird zu einer

Chronologie des Scheiterns,

die in vier Kapiteln Griffins

Jahre zwischen 1964 und

1990 beleuchtet, und in

denen er sich immer weniger

selbst versteht. Er treibt

durch die Stadt, flüchtet in

den Rausch unzähliger

Martinis, und nur seine

kumpelhafte Partnerin

LaVerne und die Liebe zu

der Krankenschwester Vicky

können ihm etwas Halt auf

Zeit geben. Schließlich

beginnt er Kriminalromane

zu schreiben und bemerkt,

dass er so zum Autor seiner

eigenen Geschichte zu werden

versucht. Mit dem erstmals

1992 erschienenen

Auftakt der Lew-Griffin-Reihe

entfacht James Sallis seinen

atmosphärischen Stil mit

solch hypnotischer Kraft,

dass man sich auch selbst

gerne in dieser Liebeserklärung

an die Melancholie

verliert. (nh)

Elly Griffith

Gezeitengrab

Aus d. Engl. v. Tanja Handels

Wunderlich, 2013

400 S.; 14,95 Euro

Ruth und Nelson: Sie sind

die Hauptpersonen dieser

Krimireihe, sie haben im

ersten Band miteinander

geschlafen und dabei ein

Kind gezeugt. Und genau

SIE SIND

NICHT

AUFZUHALTEN

Es beginnt wie eine

Epidemie. Überall auf der

Welt werden Kinder

plötzlich gewalttätig gegen

die Erwachsenen. Was steckt

dahinter? Und wer sind die

geheimnisvollen »sie«, von

denen immer die Rede ist?

_

premium

Ü: Susanne Goga-Klinkenberg 320 S. € 14,90 Auch als erhältlich

63

www.dtv.de


www.tropen.de / byers

Buchkritiken

Katherine hasst

Männer, David

Vegetarier und

Nathan seine

Mutter

Sam Byers: Idiopathie

Aus dem Englischen von Barbara Heller

und Rudolf Hermstein

378 Seiten, geb. , € 21,95 (D)

Auch als E-Book erhältlich

Während in einer

Klein stadt im

Norden Eng lands

die Kühe reglos ins

Leere starren, käut

die Genera tion der

Dreißig jährigen ihre

Probleme wieder.

Sam Byers erzählt

mit Humor und

Tiefgang von der

Möglichkeit und

Unmög lich keit der

Liebe einer selbstbezo

ge nen

Generation vor dem

Hinter grund von

Hippie-Protes ten,

Selbst fin dungs schwindeleien

und kränkelnden

Kühen.

darum geht es im dritten Band –

und natürlich irgendwie auch

noch um ein paar Tote. Aber die

Beziehungen von Ruth zu ihrem

Baby Kate und von Nelson zu

seiner heimlichen Tochter stehen

doch im Vordergrund. Ruth versucht,

sich in ihre Doppelrolle

als Wissenschaftlerin und Mutter

einzufinden. Der verheiratete

Nelson versucht, Kontakt mit

Kate zu bekommen, ohne aufzufliegen.

Im Vergleich dazu mutet

der Fall, den die forensische

Anthropologin und der Inspector

diesmal zusammen lösen, fast

leicht an: Sechs alte Leichen

werden am Strand von Norfolk

entdeckt. Es stellt sich heraus,

dass es Nazis waren und dass

die Homeguard-Truppe des kleinen

Örtchens wohl mit dem Tod

der deutschen Soldaten zu tun

hatte. Eigentlich nicht so spannend

… Denn auch wenn Mord

offiziell nicht verjährt, sind die

meisten Beteiligten entweder tot

oder im Greisenalter. Als jedoch

genau diese Rentner plötzlich

sterben, einer von ihnen eine rätselhafte

Botschaft hinterlässt und

am Strand noch eine weitere, frischere

Leiche auftaucht, bekommt

das ganze Schwung –

und am Ende sogar eine fast zu

actionreiche und überraschende

Auflösung. Trotzdem ein solider

England-Krimi mit stürmischdüsterer

Atmosphäre. (kab)

David Baddiel

Halb so wild

Aus d. Engl. v. Friedrich Mader

Blessing, 2013

544 S.; 19,99 Euro

Wer sich von den vielen Figuren

in David Baddiels viertem

Roman nicht abschrecken lässt,

wird merken, dass alles halb so

wild ist. Denn nur die Hälfte von

ihnen spielt wirklich eine Rolle

im Leben von Protagonist Eli

Gold, dem im Sterben liegenden

87-jährigen Autoren von

Weltrang. Da ist Colette, die

achtjährige Tochter aus fünfter

und jüngster Ehe, die den Zirkus

um ihren Vater beobachtet, den

sowohl Medien als teilweise

auch Mutter Freda veranstalten.

Da ist Harvey, therapieerfahrener

Sohn aus dritter Ehe, der anreist,

um sich von dem Mann zu verabschieden,

mit dem ihn außer

dem Namen so gut wie nichts

verbindet. Eine spezielle Rolle

spielt Elis erste Frau Violet, die

ihn über 50 Jahre lang nicht

gesehen hat und sein Sterben

vor dem Fernseher in einem

Londoner Altenheim verfolgt.

Und dann ist da noch Elis

Exschwager, der mit dem ohnehin

Todgeweihten noch eine

Rechnung zu begleichen hat.

Vier Handlungsstränge und 542

Seiten später lässt sich sagen,

dass Baddiel zu viele Handlungsstränge

etabliert, die im Kopf der

Leser etliche Fragezeichen aufploppen

lassen – wovon einige

nicht mehr wegploppen. Viele

Fragen bleiben ungeklärt und

manche Figur etwas oberflächlich.

Was aber nicht so schlimm

ist, da Baddiel auf sprachlicher

Ebene mit ganz und gar eigenen

Bildern und Vergleichen entschädigt.

Facebook-Nachricht,

Protokoll oder iPhone-Playlist:

Die verschiedenen Textformen

vermitteln zudem sehr gelungen

einen 2.0-Charakter. Überzeugend

auch der Schluss, der so

unspektakulär ist, dass er perfekt

zum Titel passt. (awb)

Sabrina Janesch

Katzenberge

Deutsche Grammophon, 2013

4 CDs; 14,99 Euro

Das ist mal eine echte Entdeckung.

Nein, nicht „Katzenberge“

an sich. Das Buch ist klasse

und hat seine Preise (Mara-

Cassens-Preis 2010, Anna-

Seghers-Preis 2011) zu Recht

abgeräumt. Aber Sabrina Janeschs

Debüt ist ja nicht brandneu. Neu

ist Nina Reithmeier als Sprecherin

für anspruchsvolle Hörbücher. Mit

ihrer hellen, teils fast kindlichen

Stimme verleiht sie der Halbpolin

Nele, die sich auf die Suche nach

den Wurzeln ihres Großvaters

macht, der einst von Galizien

nach Schlesien umgesiedelt

wurde, etwas Wissendes und

gleichzeitig etwas Fragendes. Sie

lässt Nele ebenso elegant zwischen

Verunsicherung und Mut

schwanken wie sie die Zeitebenen

der Geschichte scheinbar mühelos

miteinander verquickt. Mal dringt

man tief in die Welt der Großeltern

ein, deren Kämpfe, Gedanken und

Aberglauben, dann wieder ist man

im Hier und Jetzt mit Nele. Das

Hörbuch ist eine großartige

Umsetzung eines großartigen

Buches. Zeitgleich erscheint

auch Sabrina Janeschs zweiter

Roman „Ambra“ als Hörbuch,

wieder mit Nina Reithmeier als

Sprecherin. (kab)

Björn Bicker

Was wir erben

Kunstmann, 2013

288 S.; 19,95 Euro

Die Ausgangssituation bekommt

keinen Preis für Originalität: Ein

junge Frau ist halbwegs gesettlet

im Leben, Job funktioniert,

Liebesleben auch, es gibt

Sinnkrisen, klar, aber irgendwie

ist alles in Ordnung. Und plötzlich

meldet sich ein bislang

unbekannter Halbbruder: Der

verstorbene Vater hatte eine

Affäre, und nun gerät das funktionierende

Leben ins Rutschen.

Björn Bicker beginnt seinen

Roman „Was wir erben“ auf ganz

kleiner Flamme: Wenig passiert

jenseits kleiner Erschütterungen,

die Nachkriegszeit drängt in die

Gegenwart, die Kindheit des

Vaters in der DDR, die Ausreise

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in den Westen, die Karriere

bei der Bundeswehr, der

Alkohol. Und parallel dazu

verliert das Leben der

Protagonistin seinen festen

Halt, ein unerfüllter

Kinderwunsch belastet ihre

Beziehung, ihr Beruf als

Schauspielerin verliert seinen

Sinn. „Was wir erben“

ist letzten Endes ein Gewirr

aus Erinnerung und unbewältigter

Vergangenheit, und

wie sensibel Bicker dieses

Gewirr beschreibt, sensibel

und unspektakulär, das

beweist das Können dieses

Autors, ist auf lange Sicht

allerdings auch ein bisschen

langweilig. Schön aber: Wie

klug der gelernte Dramaturg

Bicker die Theaterszene

beschreibt; mittlerweile ist

solch ein Milieu in der

Literatur ja meist nur noch

als Karikatur präsent. Dieser

Roman aber ist so weit weg

von jeder Karikaturhaftigkeit,

weiter weg geht es gar

nicht. (fis)

sich kaum mehr an sie erinnert.

Als ihn eine Frau bittet,

den Fall ihrer seit Jahren

vermissten Tochter wieder

aufzurollen, springt Rebus

mit beiden Beinen voran in

die Ermittlungen und findet

schon bald ähnliche Fälle.

Die einzige Spur: Jedes der

Mädchen verschickte vor

ihrem Verschwinden ein

Landschaftsfoto per Handy

an einen scheinbar willkürlich

ausgewählten Menschen

aus ihrem Bekanntenkreis

… Ian Rankin bedient sich

in „Mädchengrab“ seines

gewohnt kratzig-altertümlichen

Erzählstils und schickt

den kauzigen Rebus auf seinen

Ermittlungen kreuz und

quer durch die rauen Gegenden

Schottlands. Alte Bekannte

wie Rebus’ Exkollegin

Siobhan Clarke oder

der Unterweltboss Cafferty

erhalten neue Facetten, und

so wird schnell klar: Auch

dies wird nicht der letzte

Rebus-Wälzer sein. Rankins

zwischenzeitlicher Ersatzermittler

Malcolm Fox ist deshalb

aber noch lange nicht

weg vom Fenster … (es)

Buchkritiken

kanin Emily Deckart nicht

egal sein, vertritt sie doch

ein System, das per subkutanem

Chip alle Vitalfunk–

tionen der Menschen kontrolliert,

den Alkoholkonsum

auf ein Minimum reduziert,

Rauchen komplett verbietet,

kurz: nichts anderes als eine

Gesundheitsdiktatur ist. Ihr

großer Gegenspieler ist der

inzwischen 142-jährige Sirhan

Palaiopoulos. Der

Professor für Präcomputer-

Kinematografie hat eine kleine

Gruppe von Studenten

um sich geschart, um zum

Schlag gegen Deckart auszuholen.

„Oxford 7“ ist nicht

nur eine unglaublich komisch

geschriebene Dystopie,

Pablo Tussets erster

Science-Fiction-Roman weiß

auch mit einer Unmenge an

popkulturellen Verweisen auf

das 20. Jahrhundert zu

glänzen, die eine große Bedeutung

für die Handlung

haben: Die Rebellen ziehen

die Kraft ihres Widerstands

aus Filmen wie „Casablanca“

oder „Blade

Runner“, hören Jazz der

1940er- und 50er-Jahre –

und manchmal nennt sich

einer sogar Rick Blaine, um

unter dem Radar des Systems

hindurchzutauchen. (jw)

Peter Grant

auf magischer

Mission im

Londoner

Untergrund

Ü: Christine Blum Dt. Erstausgabe 448 Seiten € 9,95 Auch als erhältlich

Ian Rankin

Mädchengrab

Aus d. Engl. v. Conny Lösch

Manhattan, 2013

512 S.; 19,99 Euro

Irgendwie war es jedermann

klar – und nun hat auch Ian

Rankin eingesehen, dass die

Geschichte seines beliebtesten

Ermittlers noch nicht

auserzählt ist. Rebus ist

zurück! Offiziell ist er zwar

in Rente, aber er hat sich

eine Nische gesucht, in der

es niemanden zu stören

scheint, dass er weiter

ermittelt: Als eine Art freier

Mitarbeiter in der Abteilung

für „kalte Fälle“ untersucht

er Morde, die schon so lange

ungelöst sind, dass man

Pablo Tusset

Oxford 7

Aus d. Span. v. Ralph Amann

Frankfurter Verlagsanstalt, 2013

286 S.; 19,90 Euro

Ende des 21. Jahrhunderts:

Die Menschheit hat seit dem

großen Finanzkollaps von

2013 reagiert und – statt

wie in den 1930er-Jahren

immer mehr Waffen zu produzieren

– den Aufbruch ins

Weltall gestemmt. Doch wie

man auf der Space-Universität

Oxford 7 sieht, ist

manches wie immer:

Studenten protestieren für

mehr Freiheit. Das kann De-

... und außerdem

online

Noch mehr Rezensionen und

Informationen gibt’s in

unserem umfangreichen

Bucharchiv im Buchportal auf

kulturnews.de

Peter Grant, Zauberer in Ausbildung und

Police Constable, hat nichts gegen eine

Ablenkung vom Latein-Büffeln. Mit

Schwung stürzt er sichin den Fall eines

in einem Londoner U-Bahn-Tunnel

erstochenen Kunststudenten. Aber neben

inter-nationalen Verwicklungen und

einer penetranten FBI-Agentin bekommt

er es dann noch mit den viktorianischen

Abwasserkanälen zu tun …

Die Kultserie aus England!

_

65

www.dtv.de


Lesungen

Foto: Gaby Gerster/© Diogenes Verlag

Foto: © Stephanie Fuessenich

Foto: © Tamara Beckwith/Suhrkamp Verlag

Foto: © dtv/Heike Bogenberger

Astrid Rosenfeld

ELSA UNGEHEUER

Nachdem sie es mit ihrem Debüt

bereits auf die Longlist des deutschen

Buchpreises geschafft hat,

legt Astrid Rosenfeld nach: Indem

sie eine Dreiecksgeschichte erzählt,

schlägt sie einen Bogen von einer

verrückten Kindheit auf dem Land

zum Glamour und den Perversitäten

der Kunstszene.

4. 6. Hamburg – 6. 6. München

– 7. 6. Überlingen – 11. 6. Dortmund

– 12. 6. Herne – 13. 6.

Bad Soden – 14. 6. Mainz –

19. 6. Berlin – 20. 6. Klagenfurt

Björn Bicker

WAS WIR ERBEN

Björn Bicker erzählt eine ganz und

gar eigene Vater-Tochter-Geschichte:

Die Schauspielerin Elisabeth

erforscht mit kriminalistischer

Raffinesse das Doppelleben ihres

bereits toten Vaters und ergründet

mit der Stasivergangenheit die

Untiefen ihres eigenen Ichs.

3. 6. Eichstätt – 9. 6. Tübingen

– 12. 6. Hamburg – 20. 6. Berlin

– 24. 6. Karlsruhe

Adam Johnson

DAS GERAUBTE LEBEN DES

WAISEN JUN DO

Adam Johnson hat hoch gepokert –

und er hat den Pulitzer-Preis gewonnen.

Sein zweiter Roman spielt in

dem von der Außenwelt abgeschotteten

Nordkorea von Kim Jong Il

und erzählt eine hochspannende

Geschichte, die auch das Risiko eingeht,

politisch äußerst fragwürdig

interpretiert werden zu können.

10. 6. Berlin – 11. 6. Frankfurt –

12. 6. Hannover – 13. 6. Heidelberg

– 14. 6. Freiburg – 15. 6.

Lorsch

Christopher

Kloeble

MEISTENS ALLES SEHR SCHNELL

Der mit brillanten Dialogen gespickte

Roman erzählt von einer skurrilen

Muttersuche: Zusammen mit seinem

geistig behinderten Vater begibt

sich Albert auf Reisen und deckt

krude Beziehungskonstellationen in

seinem Heimatkaff auf, um am

Ende eine auch für den Leser verblüffende

Erkenntnis zu gewinnen.

20. 6. Düsseldorf – 21. 6. Köln

– 27. 6. Leipzig – 28. + 29. 6.

Berlin

Eventtipps

Foto: Sven Lorenz / Stiftung Zollverein

WDR Big Band &

We3

We3 - We All

Die WDR Big Band, dirigiert von M.

Abene, ist beliebter Gast der ZOLL-

VEREIN® Konzerte. Im Juni ist sie

mit dem Jazztrio We3 live auf dem

UNESCO-Welterbe zu erleben. We3

sind die US-Amerikaner David Liebman

(Saxophon), Steve Swallow

(Bass) und Adam Nussbaum

(Schlagzeug). Das Album aus 2011

„Amazing“ belegt ihre vielfältigen

Kompositionen des Modern Jazz.

Infos unter www.zollverein.de

MS MR

8. 7. Ampere, München

George Benson

Foto: Marco Glaviano Foto: Promoters Group Munich

Foto: Hamburg Konzerte

All That Remains

3. 7. Logo, Hamburg

Foto: Schlachthof Wiesbaden

Texas Is The Reason

Lucinda Williams

Konzert in der Fabrik

Lucinda Williams gilt als eine

Ikone des US-Countryrock,

manchen sogar als beste Songwriterin

Amerikas. Nun geht die

kürzlich 60 gewordene Sängerin

auf Tour durch Europa. Gemeinsam

mit Doug Pettibone präsentiert

sie auch in Hamburg ihr

aktuelles Album „Blessed“, und

zwar in einem intimen akustischen

Rahmen.

Foto: Kai-Uwe Müller, kai@bseliger.de

20. 6. Welterbe Zollverein, Essen

16. 7. Admiralitätspalast, Berlin 30. 7. Schlachthof, Wiesbaden

5. 6. Fabrik, Hamburg


music and style


Beyoncé: Life Is But a Dream

Hautnah erleben: Beyoncé auf der großen Leinwand!

Montag, 10. Juni, Abendvorstellung

cinemaxx.de

/cinemaxx

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