Ich gegen mich - Kulturradio

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Realität verzerrt wahrnehmen und dann entsprechend ungesund handeln. Das kann als

aggressiv-attackierende oder als depressiv-jammernde Form auftreten. Das Ergebnis

ist jedoch das Gleiche.

O-Ton 10 - Bock: Das Problematische ist, dass wir in Mindfuck-Muster ganz stark unter

unseren eigenen Möglichkeiten bleiben. Wir agieren in selbst gezogenen Grenzen, die

so gar nicht mehr existieren. Und uns kleiner reden, unser Leben und unsere

Möglichkeiten kleiner reden, als sie tatsächlich sind.

Autorin:

Lebensfreude, eine natürliche Lust, Neues auszuprobieren und zu lernen, ein

entspanntes, erfülltes Privat- und Berufsleben rücken in weite Ferne. Dahinter steht in

der Regel ein System aus so genannten Glaubenssätzen. Sprüche und echte oder

vermeintliche Weisheiten, die wir in jungen Jahren eingebrannt bekommen. „Die

Menschen sind schlecht“, „Ohne Fleiß kein Preis“, „Erst die Arbeit, dann das

Vergnügen“. Oder auch Etiketten, die uns jemand aufgedrückt hat, „Du bist eben keine

Schönheit“, „So was gibt’s in unserer Familie nicht“, „Das kannst du doch gar nicht“.

Der innere Saboteur liebt solche Sprüche. Sein Weltbild ist einfach, seine Botschaften

sind voller Stereotypen, und vor allem sind sie unumstößlich wie ein Naturgesetz. Die

Saboteure sind das Wachpersonal unseres inneren Gefängnisses. In Petra Bocks

Coaching-Praxis kommen häufig Top-Manager, die übermäßig die Peitsche schwingen.

O-Ton 11 - Bock: Das ist eine interessante Welt, die da zu Tage kommt, Denkwelt, die

sich da zeigt, die damit zu tun hat, dass ein Mensch den Eindruck hat, nur mit Druck

gehen Dinge weiter. Und nur, wenn man laut wird, wenn man Andere im Grund erpresst

mit sehr engen Zeitbudgets, dann würde überhaupt etwas funktionieren. Die

Grundvorstellung ist die, das Leben kann nicht entspannt und gelassen ablaufen,

sondern Leistung hat immer mit Druck zu tun.

Musikzäsur 2, Schönberg, Take 3, ab Anfang

O-Ton 12 - Selnow: Dieses Ruhelose, dieses Rastlose. So...immer machen und tun. Ich

kenne mich, dass ich nachts um neun, im Herbst, wo es schon dunkel war, Fenster

geputzt habe, (Lachen) aber, weil es dunkel war und ich von innen nichts mehr gesehen

habe, bin ich aufs Fensterbrett gekrochen und habe die von außen geputzt, also so was

Absurdes würde ich heute gar nicht mehr machen, weil das ja auch sehr gefährlich war.

Aber mussten irgendwie noch die Fenster geputzt werden, es musste irgendwie noch

gemacht werden.

Autorin:

Olaf Selnow, Jahrgang 1962, Erzieher. Träumen, in sich hineinhorchen, seinen

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