Georg Solti - Kulturradio

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geblich zur Mahler- und Bruckner-Renaissance beigetragen. Ohne

seine »Arabella« und seine »Salome« wäre die Strauss-Diskographie

arm dran. Karajan fürchtete ihn. Zu Recht. Denn Solti war

gelungen, was Karajan aufgrund seiner Vergangenheit in Deutschland

versagt blieb: eine weltweite Anerkennung und Überwindung

des Eurozentrismus.

Leicht zugänglich war Solti nicht unbedingt. Durch cholerisches

Temperament, eckige Schlagtechnik und eine Schwäche für Frauen

und für Whiskey war er der angreifbarste unter den Massenkompatiblen.

Durch Nachhaltigkeit und Beharrung indes verstand er alle

Vorbehalte souverän wettzumachen. Er war ein Anti-Karajan. Und

ein Anti-Bernstein dazu. In unserer 21-teiligen Sendereihe verfolgen

wir den Weg des populären Polarisierers von seinen ungarischen

Anfängen, seinen Lehrern (Bartók) und Vorbildern (Kleiber,

Toscanini) über die Emigration bis zum Weltruhm. Dieser entwickelte

sich nach 1945 ausgerechnet von Deutschland aus. Auf die

Frage, wie er das alles bloß angestellt habe, hat Solti stets offen

und ehrlich eingeräumt, darauf gebe es zwei Antworten: eine

unbescheidene und eine bescheidene. »Die bescheidene Antwort

lautet«, so Solti: »Ich hatte Glück.« Die unbescheidene: »Ich hatte

Talent!«

Kai Luehrs-Kaiser

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