CIHD Magazin 5 08/2008 - Chinesischer Industrie- und ...

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CIHD Magazin 5 08/2008 - Chinesischer Industrie- und ...

08│2008 E – PRAXIS CHINA 36

ebenso wichtig wie die Möglichkeit, die Regelen

des internationalen Handels aktiv mitzugestalten.

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Die politische Entscheidung, China langfristig

in die Weltwirtschaft zu integrieren, bedeutet

jedoch nicht, dass das Thema Globalisierung

in China nicht kontrovers diskutiert

wird. Tatsächlich gibt eine interne Debatte

über die Bedeutung und Sinn der Globalisierung.

Dies mach deutlich, dass China sich

durch die Globalisierung mit Herausforderungen

konfrontiert sieht, die es zu bewältigen

gilt.

2.2. Die chinesische Betrachtungsweise der

Globalisierung

Natürlich existiert keine allgemeingültige

chinesische Betrachtungsweise bezüglich

der Globalisierung, aber es gibt zumindest

drei Annahmen, die in der chinesischen Globalisierungsdebatte

von den meisten Beteiligten

geteilt werden:

1. Die Annahme, dass der Prozess der Globalisierung

unabwendbar bzw. unvermeidbar

war und ist. Es existiert keine Alternative zur

Globalisierung (Eine Haltung, die sich übrigens

mit der des Internationalen Währungsfonds

deckt.)

Pang Zhiyang, ein Mitglied des chinesischen

Außenministeriums a. D. bezeichnete die

Globalisierung als neues Phänomen der

Geschichte und warnte, dass man sich neuen

Phänomenen gegenüber nicht verwei-

5

Tiwari

gern kann und noch viel weniger gegenüber

historischen Trends.

2. Die überwiegende Zahl der Chinesen ist

der Meinung, dass Globalisierung kein rein

ökonomischer, sondern auch ein politischer

und sozialer Prozess ist. D.h. ein Prozess, in

dessen Verlauf der freie Fluss internationalen

Kapitals innerstaatlichen Strukturen Änderungen

aufzwingt, neue Schichten hervorbringt

und neues individuelles Bewusstsein

erweckt.

3. Die chinesischen Intellektuellen stimmen

überein, dass die Globalisierung zweifellos

Stalins Theorie zweier paralleler, einander

gegenüberstehender Weltmärkte widerlegt.

Für sie stellt die Globalisierung den absoluten

Triumph der freien Marktwirtschaft über

andere Wirtschaftsmodelle dar, so auch über

jenes der ehemaligen Sowjetunion und der

sog. Dritte Welt-Länder.

Bezüglich der oben genannten drei Annahmen

sind sich die meisten Chinesen also

einig. Nicht einig ist man sich allerdings darüber,

ob Globalisierung allein durch Synergien

der Marktwirtschaft entstanden ist, wie

man in Amerika und Europa langläufig der

Meinung ist: 6

6

Erst: Verbesserung der Technologien, insbes. im Bereich

Transport und Kommunikation.

Als nächstes: Der Wunsch seitens der Menschen, die

Vorteile zu nutzen, die sich aus der Interaktion mit anderen

ergeben.

Drittens: das Fallen von Barrieren für internationale Handels-

und Kapitalströme, die sich aus einer Liberalisierung

der Politik ergeben – allerdings wird diese Theorie auch

nicht stark in Zweifel gezogen.

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