FIT IN DEN SOMMER - Studentenwerk Berlin

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FIT IN DEN SOMMER - Studentenwerk Berlin

Zeitschrift des Studentenwerks Berlin

41

Gratismagazin

Mai/Juni 2009

7. Jahrgang

FIT IN DEN SOMMER

ODER

MENS SANA IN CORPORE SANO


EDITORIAL

In einem gesunden

Körper steckt ein

gesunder Geist

Dieses im Alltag oft genutzte Sprichwort, das auf die Redewendung

„mens sana in corpore sano“des römischen Dichters Juvenal zurückgeht,

trifft sicher auch auf das Leben auf dem Campus zu.

Viele Studierende treiben regelmäßig Sport, um für Ausgleich zum anstrengenden

Studienalltag zu sorgen. Eine vielseitige, gesunde und vitaminreiche

Ernährung ist für sie ebenso wichtig wie eine ausgewogene

Balance zwischen Studium und Freizeit.

In der jetzt beginnenden warmen Jahreszeit wird jede Tischtennisplatte

und jedes Volleyballnetz auf dem Campus von den Studentinnen und

Studenten genutzt, um sich zwischen zwei Vorlesungen körperlich zu

betätigen. Die Wiesen zwischen den Hochschulgebäuden, von denen es

zum Glück einige gibt, laden zu einer Ruhepause mit einem Buch oder

zum Plaudern mit Freunden ein.

Aber auch das Essen, das den Berliner Studierenden und Hochschulangehörigen

täglich in den Mensen des Studentenwerks Berlin angeboten

wird, dient der gesunden Ernährung und damit dem Körper. Auch

Nicht-Lateiner werden die Ähnlichkeit des Wortstamms Mensa zum

Eingangs zitierten „mens“ erkennen. Das ambitionierte Angebot stellt

einen hohen Anspruch an die fast 400 in den Mensen und Cafeterien

des Studentenwerks beschäftigten Frauen und Männer.

Ein hoher Anteil von Produkten aus biologischer Erzeugung, zertifizierte

Qualitätsmaßstäbe, Speisefolgen zur gesunden Ernährung und die

Kennzeichnung aller Speisen – weit über die gesetzliche Vorgabe hinaus

– zeichnen unsere Campus-Restaurants aus.

Wir haben uns für dieses werkblatt deshalb einmal umgeschaut, wie die

gesunden Lebensmittel im Studentenwerk eingekauft werden, wer sich

um Vielfalt und Abwechslung kümmert. Das Ergebnis unserer Recherche

finden Sie in der Rubrik „444 Minuten“.

Wir berichten aus der Studentenwerks-Sicht vom Berliner Campus.

Dabei dürfen auch unsere Standardrubriken natürlich nicht fehlen und

das kauzige „Erstsemesterle“ erlebt ein neues Abenteuer.

Deshalb viel Spaß beim Lesen dieses werkblatts.

Ihre Petra Mai-Hartung

Meldungen und Berichte

Das Neueste aus dem Studentenwerk Berlin

Kurz und Knapp

Mit einem köstlichen Rezept

Seiten 4-5

Seite 6

,,Der Kriminal-Report

Dunkelheit senkt sich über die Hauptstadt und

an der Tür klingelt das Verbrechen.

Wir warnen vor schmierigen Betrügern.

Seite 7

Nachhaltig genießen

Zum Wohl der Gäste setzen die Mensen des

Studentenwerks Berlin auf Qualität und

Umweltschutz

Seiten 8-9

444 Minuten

Heute mit Roswitha Diaz-Gonzales,

Lebensmitteleinkäuferin im Studentenwerk

Nahaufnahme

mit Anni Streich und Ronny Stastik

Der gute Rat

Schlafen ist gesund

Patrick Watson im Interview

Das aktuelle Band-Interview von

Dirk M. Oberländer.

Seiten 10-11

Seite 12

Seite 13

Kultur-Tipps

Von Punkrock über Zappa zu Hip Hop aus

Kreuzberg: Die Kultur-Tipps sind diesmal wieder

vielseitig und natürlich findet Ihr auch das

Erstsemesterle auf den Seiten.

,,

Seiten 14-15

Seiten 16-17

Geschäftsführerin des Studentenwerks Berlin

k geschäftsfuehrung@studentenwerk-berlin.de

Alles über erfundene Personen

Ausgedacht, aber doch real.

Seite 18

Impressum

Herausgeber: Studentenwerk Berlin und CAMPUSdirekt

Deutschland GmbH | Redaktion: Jürgen Morgenstern

(verantwortlicher Redakteur, V.i.S.d.P.) | Autoren dieser Ausgabe:

Dirk Oberländer, Jürgen Morgenstern, Anja Schreiber,

Carsten Ueberschär, Ulrich Hackhe, Rolf Götze, Günther

Jung | Lektorat: Heike Herfart, Wortschliff |

Gestaltung: genauso.und.anders° graphical wellness |

Satz und Layout: Stephan König, genauso.und.anders° graphical

wellness | Fotos: Gerald Haft, Luise Wagener, Studentenwerk

Berlin, photocase.de | Titelbild: Cydonna, photocase.com

|Druck: hk druck & design, Isergebirgsweg 373, 95485 Warmensteinach

| Kontakt: werkblatt, Hardenbergstr. 34, 10623 Berlin,

Tel.: (030) 939 39 - 7206, Mail: redaktion@werkblatt.de |

Anzeigen: CAMPUSdirekt Deutschland GmbH, Markgrafenallee

3c, 95448 Bayreuth, Stefanie König, Tel.: (0921) 78 778 59 27

Das werkblatt erscheint in Berlin. Das werkblatt liegt an den

Berliner Hochschulen aus. Namentlich gekennzeichnete

Beiträge geben nicht die Meinung der Redaktion wieder.

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter:

www.werkblatt.de.

Editorial 3


MELDUNGEN UND BERICHTE

Mensen:

HU-Hauptgebäude

City-West:

Kurs des Könnens

06 STRUKTURPLAN

Gebäudebestand, Cluster

NEUBAUFELDER, NUTZER

TU

UdK

Wirtschaft + Kultur

Wohnanteil

TU + UdK

TU + Wirtschaft

UdK + Wirtschaft

TU + UdK +

Wirtschaft + Kultur

Publikumsbezogene

Nutzungen im EG am

öffentlichen Raum

[Neu- + Umbaubereiche]

ÖFFENTLICHER RAUM

Am 31. August 2009 endet die Betriebserlaubnis

des Gesundheitsamts Berlin-Mitte für die

Küche der Mensa Süd der Humboldt-Universität

zu Berlin im Hauptgebäude Unter den

Linden. Die Mensa (unser Bild) wird zu diesem

Zeitpunkt für die Sanierung und Modernisierung

geschlossen. Ab 1. September 2009 wird

die kulinarische Versorgung der Studentinnen

und Studenten in einem auf dem Innenhof des

Universitätsgebäudes aufgestellten doppelstöckigen

Zelt erfolgen.

HTW Berlin:

Umzug nach Oberschöneweide

Hauptwegebeziehungen

im Campus

Neue grüne Verbindung

Neue Verbindung am

Bahnviadukt

Promenade Straßenraum

wichtige Querungspunkte

im Straßenraum

Grünanlagen bestehende /

sonstige / neue

GRUPPE PLANWERK mit Fugmann Janotta und Nieto Sobejano 26 _ 02 _ 2009

Zur Umsetzung des Senatsbeschlusses für die Erarbeitung von Leitlinien Bhf. zur ZooStärkung der City-

West fand am 26. Februar 2009 eine Diskussionsveranstaltung zum Masterplan statt. Ein Ziel

des Leitbildes soll es sein, Adressen der City-West zu profilieren, und zwar durch Förderung spezifischer

stadträumlicher Qualitäten und besonderer atmosphärischer Merkmale oder Anreicherung

von Nutzungen.

Der „Kurs des Könnens“ steht für die Synergie von Wissen und Kultur, die im Umfeld von TU- und

UdK-Campus genutzt werden kann. Vom Konzertsaal der UdK bis zur Deutschen Oper verläuft

eine „kulturelle Achse“, die sich vielfältig für die City-West entwickeln lässt. Als Arbeitgeber, als

Belebungsfaktor für das Quartier, als Inkubatoren für Innovation sind die Orte des Wissens und

der Kultur zentrale Impulsgeber für die City-West, deren Potenzial sich durch die Synergien unterschiedlicher

Kompetenzen vervielfachen lässt.

Örtliche Anknüpfungspunkte sind dabei Hardenbergstraße, Bismarckstraße, Ernst-Reuter-Platz,

Landwehrkanal, Straße des 17. Juni, Campus TU/UdK Kerngelände, Ostgelände und Nordgelände.

Ansätze bilden dabei u. a. die nutzungsstrukturelle Vernetzung der Universitäten mit dem

Umfeld: z. B. Zugänge/Durchwegungen, die Qualifizierung der öffentlichen Räume/Campus-

Freiräume, die Nutzung bestehender Flächenpotenziale durch Spin-offs (Büroflächen, Einzelhandelsflächen,

Nutzung des kreativen Potenzials) und die publikumswirksamere Nutzungen der

Erdgeschosszonen sowie die Öffnung zur Stadt.

Angededacht ist auch die städtebauliche Ordnung des TU-Ostgeländes, eine stärkere Integration

des Campus in das Umfeld und die Schaffung von Wohnangeboten im Zusammenhang mit den

Universitäten (z. B. temporäre Angebote für Gäste und Studierende aus dem Ausland).

Der Umzug von Einrichtungen der Hochschule

für Technik und Wirtschaft Berlin nach

Oberschöneweide nimmt konkrete Formen

an. In den Sommermonaten werden auch die

Mensen und Cafeterien des Studentenwerks

an den neuen Standort Wilhelminenhof umziehen.

Die Mensa und Cafeteria Allee der Kosmonauten,

die Mensa Marktstraße und die Mensa

und Cafeteria am Blankenburger Pflasterweg

öffnen am 27. Juli 2009 zum letzten Mal.

Mit einem offiziellen Empfang der Hochschulleitung

wird am 1. Oktober 2009 die neue

Mensa des Studentenwerks (unser Bild) direkt

an der Spree eröffnet. Danach steht die neue

Einrichtung mit Mensa, Cafeteria und Coffeebar

allen Gästen offen.

Aus für Wohnheime

Brunnenstraße und Hanielweg

Die Studentenwohnheime Brunnenstraße und

Hanielweg (unser BIld) müssen vom Studentenwerk

Berlin zum 30. Juni 2009 aufgegeben

werden. Den dort wohnenden Studen tinnen

und Studenten wurde Wohnraum in einem

anderen Studentenwohnheim des Studentenwerks

angeboten.

Hintergrund dieser Entscheidung sind die

gescheiterten Verhandlungen über die Fortsetzung

der Mietverträge. Miethöhe und

Mietbedingungen lassen eine wirtschaftliche

Nutzung beider Häuser für das Studentenwerk

und damit für die Studierenden nicht zu.

Nach den angebotenen Konditionen würde

sich für das Wohnheim Brunnenstraße eine

kostendeckende Miete je Wohnheimplatz von

238 Euro/Monat ergeben, bislang 156 Euro/

Monat. Eine derartige Miete ist in diesem Haus

nicht erzielbar.

Ähnlich stellt sich die Situation am Hanielweg

dar. Die kostendeckende Miete je Wohnplatz

würde künftig deutlich über 150 Euro liegen.

Bislang zahlen die Studierenden rund 131 Euro

im Monat.

4 Meldungen und Berichte


Mensen:

5 Jahre Bio-Zertifizierung

Studentenwerk

Verwaltung umgezogen

Beuth-Kita

Spiellandschaft

Die Sanierung des Verwaltungsgebäudes des

Studentenwerks ist abgeschlossen. Am 5. Mai

2009 sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

der Abteilung „Studentisches Wohnen“ in

die neuen Räume eingezogen. Seit 7. Mai 2009

sind auch die Geschäftsführerin und Stabsstellen

im Verwaltungsgebäude anzutreffen.

Die Umzüge werden Ende Mai mit den Beratungs-

und Betreuungsdiensten, der Arbeitsvermittlung

Heinzelmännchen und der

Abteilung Personal und Finanzen des Studentenwerks

abgeschlossen. Dann wird auch das

neue Kunden-Center eröffnet.

www.studentenwerk-berlin.de

Das Projekt „Spielgerät“ für die Kita des Studentenwerks

an der Beuth Hochschule für

Technik (ehemals TFH) in der Triftstraße ist

abgeschlossen.

Seit Anfang April stehen neue Outdoor-Spielmöglichkeiten

der Jüngsten zur Verfügung.

Die Ideen dafür wurden in detaillierter Abstimmung

zwischen dem Kita-Team, Spielgeräteherstellern

und dem Bereich Technik des

Studentenwerks entwickelt.

Die Anlage wurde innerhalb von zehn Wochen

gefertigt, die Baukosten betrugen rund 7.500

Euro.

www.studentenwerk-berlin.de

Untersuchung:

Wirtschaftliche und soziale Lage

In diesem Jahr streben die Mensen des Studentenwerks

Berlin zum sechsten Mal die Bio-Zertifizierung

nach EG-Öko-Verordnung an. Seit

mehr als zwölf Jahren bietet das Studentenwerk

täglich ein komplettes Bio-Gericht an.

In diesem Zeitraum waren das ca. 50 Millionen

Gerichte, also täglich etwa 2000 Portionen.

Täglich werden mehr als 1,1 Tonnen geschälte

Kartoffeln, 250 kg Bio-Fleischwaren oder 2000

vegetarische Bratlinge sowie 400 kg verschiedene

Gemüsesorten zu Eintopf-, Pfannen- oder

Ei-Gerichten verarbeitet. Das entspricht im

Jahr mit 88000 kg Gemüse dem Ernte-Ertrag

einer Fläche von fünf bis sechs Fußballfeldern.

Bio-Vordenkerinnen und Bio-Vordenker gingen

in den Mensen des Studentenwerks Berlin

bereits 1984 ans Werk. So wurde bereits vor 25

Jahren, im Mai 1984, zur 9. Mensa-Aktion ein

Verkauf von Lebensmitteln aus ökologischem

Anbau organisiert.

In den 1990er wurden die ersten Bio-Salate

und Bio-Frischmilch als ständiges Angebot

eingeführt.

Anfang 2008 wurde die Verpflegung in den

Kindertagesstätten des Studentenwerks Berlin

auf Bioprodukte umgestellt. Die Verpflegung

in den Kindertagesstätten ist inzwischen ebenfalls

mit dem Bio-Siegel zertifiziert.

Das Bio-Tagesangebot der Mensen wurde 2009

mit einem Dessertangebot ergänzt.

Im Mai 2009 erhält jeder 27. deutsche Studierende bzw. studierende Bildungsinländer – ausländische

Studierende, die ihre Hochschulreife in Deutschland erworben haben – die Einladung, sich

an der 19. Sozialerhebung zu beteiligen. Die Mehrheit der Studierenden erhalten dazu einen Fragebogen

per Post. Ein Fünftel jedoch wird per Brief gebeten, sich online an der Sozialerhebung

zu beteiligen. Damit soll getestet werden, ob sich das Profil der Befragten und die Ergebnisse der

beiden Befragungsmethoden unterscheiden.

Inhalte der Befragung sind die traditionell im Mittelpunkt der Untersuchungsreihe stehenden

Themen, wie zum Beispiel:

- Merkmale des Studiums – Fach, Abschluss, Semesterzahl, Studienverlauf

- soziale und demografische Merkmale – Alter, Geschlecht, Familienstand, soziale Herkunft

- Studienfinanzierung und Lebenshaltungskosten

- Zeitaufwand für Studium und Erwerbstätigkeit

Wohnform und Wohnzufriedenheit

-

Neben diesen Kernthemen werden in der 19. Sozialerhebung aktuelle Entwicklungen aufgegriffen,

zu denen die Studienstrukturreform und allgemeine Studiengebühren gehören.

Die Sozialerhebung schließt auch Studierende ein, die aus dem Ausland für ein (Teil-)Studium

nach Deutschland kommen. Sie werden mit einem speziellen zweisprachigen Fragebogen zu ihrem

Studium, ihren Lebensverhältnissen und ihren Erfahrungen in Deutschland befragt.

www.sozialerhebung.de

Meldungen und Berichte 5


KURZ UND KNAPP

ESSENtiell

Nicht nur ein wichtiges Grundbedürfnis, sondern eine wahre Freude: Die Mensen und

Cafeterien des Studentenwerks Berlin präsentieren Speisen, die schmecken und zum

Nachkochen einladen. Eine Serie des werkblatts.

Das Rezept in diesem Heft stammt aus unserem Kochbuch „Best of Berlin Mensa“, das in allen

Berliner Mensen und im Studentenwerk Berlin erhältlich ist. Zucchini – gefüllt mit Ratatouille

und Mozzarella – waren ein Highlight der 46. Mensa-Aktion „Frühlingserwachen“ im April

2004.

Mensa-Aktion erfolgreich: Unter dem Motto

„Fernost ganz nah – die koreanischen Wochen“

konnten die Gäste der Berliner Mensen Ende

April/Anfang Mai schmackhafte Gerichte

von der koreanischen Halbinsel genießen. Sie

haben die Aktion verpasst? Nehmen Sie doch

an der nächsten, der 57. Mensa-Aktion teil:

Diese wird es zum Start des Wintersemesters

2009/10 geben.

Sie benötigen:

4 gelbe Zucchini

1 Aubergine

150 g Zwiebeln

1 Knoblauchzehe

je 1 Paprika – gelb, grün, rot

4 Tomaten

80 g Butter

2 EL Tomatenmark

Salz

Pfeffer

Rosmarin

Thymian

Paprika edelsüß

250 g Mozzarella, gerieben

Zubereitung:

Zunächst das Gemüse gut waschen. Zucchini der Länge nach halbieren, mit einem Teelöffel das

Fruchtfleisch ausschälen und klein würfeln. Die Zucchini-Schiffchen abdecken und zur Seite

stellen. An der Aubergine den Strunk abschneiden. Die Aubergine erst in Scheiben, in Balken

und weiter in ca. 1 cm große gleichmäßige Würfel schneiden, anschließend leicht salzen. Die

frischen Paprikaschoten halbieren, Strunk und Kerne herausnehmen und die weiße Innenhaut

herausschneiden. Die Paprikahälften waschen, abtropfen und in kleine Würfel schneiden

(wie die Aubergine). Die Zwiebeln noch feiner würfeln, Knoblauch klein schneiden. Den grünen

Strunk der Tomaten herausschneiden, diese dann ebenfalls würfeln. Butter im Kochtopf

schmelzen, der Reihe nach Zwiebeln, Knoblauch, Paprika, Auberginen, Zucchiniwürfel und die

Tomaten zugeben und schmoren. Nach fünf Minuten das Tomatenmark dazugeben und mit

Salz, Pfeffer, Rosmarin, Thymian und Paprikapulver abschmecken. Nun können die Zucchini-

Schiffchen mit dem Gemüse gefüllt werden. Mit Mozzarella-Raspeln bestreuen und im vorgeheizten

Backofen bei 170 Grad etwa 15 bis 20 Minuten überbacken. Dazu gekochten Reis oder

Baguettebrot servieren.

Lassen Sie es sich schmecken!

Interessierte Zuhörer beim Studienfinanzierungstag

Studienfinanzierungstag: Unter dem Motto

„Studium – sozial finanzieren“ gab es am 5.

Mai im Studentenwerk den ersten Studienfinanzierungstag.

Experten informierten die

zahlreichen Besucherinnen und Besucher über

Finanzierungsmöglichkeiten des Studiums –

von BAföG bis Stipendien. Sowohl die Podiumsdiskussion

als auch der Infomarkt im Foyer der

TU-Mensa waren gut besucht.

Besuch: Eine Delegation des Studentsamskipnaden

aus Østfold in Norwegen besuchte am

8. Mai 2009 das Studentenwerk Berlin. Unter

der Leitung der Direktorin Rita Hirsum Lystad

wurden die TU-Mensen Hardenbergstraße

und Skyline sowie das Studentenwohnheim

Augustenburger Platz besichtigt. Die skandinavischen

Gäste interessierten sich darüber

hinaus noch besonders für die sozialen Hilfen

des Studentenwerks für Studierende.

Best of Berlin Mensa

Die 100 beliebtesten Rezepte aus 50 Mensaaktionen...

zum Nachlesen und Nachkochen

St u d e n t e n w e r k B e r l i n I B e st o f B e r l i n M e n sa

Nachtrag:

Im letzten ESSENtiell fehlte für das leckere vegetarische Kokoscurry die Mengenangabe für die

Kokosmilch: Das sei hier nachgeholt: 0,2 l Kokosmilch müssen Sie einplanen.

Foto: Monkey Business Images, dreamstime.com

Die Mensen: Garantiert schmackhaft und reichhaltig

Mensen im Test: Die Berliner Morgenpost

testete in der Ausgabe vom 18. April 2009 die

Berliner Mensen. Attribute wie lecker, idyllisch,

abwechslungsreich oder vielseitig charakterisierten

die neun geprüften Einrichtungen des

Studentenwerks. An der Spitze des Rankings

der Zeitung standen die FU-Mensa II in der

Silberlaube, die TU-Mensa Hardenbergstraße

und die Mensa an der Hochschule für Musik

am Gendarmenmarkt.

Unter dem Titel „In der Mensa kann jedermann

preiswert essen. Bezahlt wird mit der

MensaCard“ wurde die Meinung der Studierenden

aus der letzten Mensa-Umfrage

bestätigt.

www.berliner-morgenpost.de

6 Kurz und Knapp


Wenn das Unglück

drei mal klingelt …

Dunkelheit senkt sich über Berlin. Im Studentenwohnheim

Siegmunds Hof kehrt langsam Ruhe ein.

Einige Studierende dösen bereits vor der Glotze,

andere arbeiten noch an der Magisterarbeit.

Aber wer schleicht da mit gierigem Blick durch

die Gänge des Studentenwohnheims …?

DER KRIMINAL-REPORT

Es sind Schorsch Schwätzig, der Vertreter mit

dem hypnotischen Blick, und seine Drückerkolonne

auf der Suche nach Opfern. Langsam

pirscht er auf die Tür des Apartments 47.11 zu.

Er klingelt. Der Mieter, Rafael M., war über

einem Lehrbuch eingedöst. Aufgeschreckt,

nur spärlich bekleidet öffnet er die Tür. Und

schon hat Schorsch Schwätzig leichtes Spiel.

Er überfällt sein Opfer mit einem gewaltigen

Wortschwall. Rafael möchte, dass der gruselige

Gast so schnell wie möglich verschwindet und

unterschreibt ein Papier, das man ihm vor die

Nase hält. Nur fort mit dem ungebetenen Gast.

Zufrieden steckt Schwätzig seinen Auftragsblock

ein. Jetzt klingelt er an der Tür vom

Nachbarapartment. Katarina P., ein hübsches

Mädchen aus der Provinz, öffnet die Tür. Prima

denkt der Drücker, die fällt bestimmt auf die

Mitleidsmasche rein: „Weißt du, ich bin der Jochen.

Ich bin Vollwaise, mein Weihnachtsbaum

ist abgebrannt und dann hat mich mein Dackel

gebissen. Jetzt bin ich unschuldig in den Knast

gekommen. Und wenn ich bis morgen nicht

zehn Zeitschriftenabonnements für meinen

Bewährungshelfer verkauft habe, muss ich

wieder in den Knast.“ Katarina P. ist entsetzt

über das Elend der Welt und unterschreibt den

Zettel, den man ihr hinhält.

Schorsch Schwätzig klingelt jetzt bei Hassan L.

an der Wohnungstür. Hassan versucht gerade

das Internet zu bezwingen, um Informationen

für sein Referat zu bekommen, das er morgen

früh halten muss. Schwätzig lächelt mephistophelisch

und erklärt dem ohnehin über die

Telekommunikation verärgerten Studenten,

dass er einen schnellen Telefon- und Internetanschluss

der Firma Callo-Tello abschließen

müsste.

Erstens sei das wahnsinnig günstig und zweitens

sowieso Pflicht. Und wieder füllt sich

Schwätzigs Auftragsbuch.

Wenig später erhält Rafael ein 20-bändiges

Lexikon der Schweinezucht und eine gesalzene

Rechnung über 999 Euro. Dabei studiert

er doch Philosophie! Katarina P. erhält jetzt

täglich das Kleinkleckersdorfer Heimatblatt,

natürlich auch nebst Rechnung. Und Hassan L.

wird aus technischen Gründen ganz von Telefon

und Internet abgeschnitten. Dafür droht

ihm ein Inkassobüro mit heftigen Konsequenzen,

wenn er nicht bis vorgestern 250 Euro an

die Firma Callo-Tello zahlt.

Sie meinen, das sei übertrieben? Leider kaum!

Millionen von derartigen Geschäften kommen

durch Überrumpelung des Kunden an der

Haustür, am Telefon oder auf öffentlichen

Flächen zustande. Und leider kommen auch

immer wieder Drücker in unsere Wohnheime

und versuchen, unseren Mietern unerwünschte

Waren und Dienstleistungen zu verkaufen.

Teilweise berufen sie sich sogar darauf, für

das Studentenwerk zu arbeiten. Es gibt Untersuchen

der Verbraucherzentralen darüber,

dass sehr viele sogenannte Haustürgeschäfte

zustande kommen, weil der Kunde entweder

Mitleid mit dem Vertreter hat oder ihn abstoßend

findet und durch den Vertragsabschluss

schnell loswerden will.

Am meisten Ärger spart man aber, wenn man

standhaft bleibt, auch wenn der Drücker einem

noch so leid tut, noch so bedrohlich auftritt

oder aber einem das Blaue vom Himmel

verspricht. Denn mal ehrlich: Was wollen Sie

denn mit dem Blau des Himmels?

[U. Hackhe]


Das Studentenwerk informiert:

Das Studentenwerk Berlin schickt grundsätzlich

keine Vertreterinnen und Vertreter

in die Wohnheime.

Lassen Sie sich den Ausweis von Personen

zeigen, die vorgeben, im Auftrag des Studentenwerks

zu handeln. Fragen Sie im

Zweifelsfall Ihren Hausmeister bzw. Ihre

Wohnheimverwaltung!

Unterschreiben Sie grundsätzlich nicht

voreilig Papiere, auch wenn man Sie dazu

drängen sollte.

Schließen Sie keine Geschäfte an der Haustür

oder auf der Straße ab.

Haben Sie einen Vertrag unterschrieben,

dann haben Sie grundsätzlich das Recht,

innerhalb von zwei Wochen den Vertrag

schriftlich zu widerrufen (§§ 312, 355 BGB).

Wenn Sie am Telefon überredet worden

sind, einen Vertrag abzuschließen, den Sie

nicht abschließen wollten („Fernabsatzverträge),

haben Sie als Kunde ebenfalls

ein Widerrufsrecht (§ 312d BGB). Allerdings

kann es im Einzelfall immer wieder Probleme

mit der Fristberechnung oder auch

mit Beweisfragen geben.

Im Zweifel sollten Sie sich an eine Verbraucherzentrale

oder einen Rechtsanwalt bzw.

Rechtsanwältin wenden.

Foto [M]: Bowie15 , dreamstime.com

Der Kriminal-Report 7


REPORTAGE

NACHHALTIG GENIESSSEN

Die Berliner Mensen setzen auf Qualität und Umweltschutz

Frisch zubereitet und köstlich.

Fast jeder Studierende genießt den Service der Mensen und Cafeterien

auf dem Campus. Das Studentenwerk Berlin betreibt derzeit 11 Mensen

und 28 Cafeterien für die rund 130 000 Studenten der Stadt. Täglich

werden gut 20 000 Mittagessen gekocht. Dabei sind die kleinen und

großen Snacks zum Frühstück und Kaffee noch gar nicht mitgerechnet.

Viel Arbeit also für die gut 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der

Speisebetriebe.

Das werkblatt blickt neugierig hinter die Kulissen der Speisebetriebe.

Wie funktioniert der Einkauf? Ändert sich der Geschmack von

Studierenden über die Jahre und welchen Einfluss haben ökologische

Aspekte auf die Auswahl der Produkte? Nur drei Aspekte, die uns

interessiert haben. Fragen, die gar nicht so einfach zu beantworten

sind. Zum Glück gibt es Günther Jung, der im Studentenwerk für

die Produktentwicklung im Bereich Lebensmittel zuständig ist. Und

der hat den Überblick über den Geschmack und den Geldbeutel der

Lernenden. Gut gelaunt nimmt er sich Zeit für unsere zahlreichen

Fragen.

Wie wird eigentlich entschieden, welche Produkte es auf den Teller

schaffen?

Es müssen viele Bedingungen stimmen, bevor ein Produkt von uns

eingekauft wird. Die Verpackungseinheit muss groß genug sein. Dann

muss der Lieferservice perfekt sein, denn das Studentenwerk hat über

40 Mensen und Cafeterien, die alle morgens beliefert werden müssen.

Hinzu kommen hohe Anforderungen an die Qualität. Und zum Schluss

ist auch der Preis wichtig. Unsere Kunden sind Studenten und das Essen

muss bezahlbar bleiben.

Gibt es im Lebensmittelbereich eigentlich starke Preisschwankungen?

Bei Molkereiprodukten und Getreide schwanken die Preise teils um

30–40 Prozent. Wir hatten in der jüngeren Vergangenheit Glück. Vor

der heißen Phase, in der die Milchbauern gestreikt haben, hatten wir

gerade Verträge abgeschlossen. Auch bei Käse sind die Preise seitdem

extrem gestiegen und fallen erst langsam wieder.

Wie hoch ist eigentlich der Anteil ökologisch erzeugter Produkte?

Der Anteil des Bio-Essens liegt zwischen 8–12 Prozent. Am Tag geben

wir rund 20 000 Mittagessen aus, so kommt man im Schnitt wohl auf

bis zu 2000 Biogerichte. Der Anteil ist in den letzten Jahren stabil. Ganz

genau sind die Daten durch das „Free Flow System“ nicht zu ermitteln.

Denn jeder Student kann alle Komponenten einzeln wählen. So sind

Kombinationen aus Biogemüse und konventionellem Fleisch oder

umgekehrt durchaus möglich. An den Ausschreibungsdaten können wir

natürlich die Nachfrage ablesen.

Wie sind die Preisunterschiede zwischen konventionell und ökologisch

erzeugten Lebensmitteln?

Das hängt vom Produkt ab. Bei Rind- und Schweinefleisch liegen die

Unterschiede im Einkauf bei 20–30 Prozent. Anders sieht das beim

Geflügel aus, hier kann die Differenz schnell über 50 Prozent betragen.

Da wird das Essen dann deutlich teurer. Nehmen wir an, ein Bio-

Hähnchenschenkel kostet sieben Euro netto das Kilo. Dann bin ich

bei einer typischen 200-Gramm-Portion bereits bei 1,40 Euro ohne

Gewürze und Beilagen. Im Vergleich hierzu liegt das konventionelle

Geflügel bei gut 56–70 Cent pro Portion. Im Allgemeinen muss im

Einkauf für Bioprodukte rund 30 Prozent mehr ausgegeben werden.

Gerichte mit einem Preis von über 5 Euro werden äußerst selten

gegessen, egal ob biologisch oder konventionell hergestellt.

Verändert sich der allgemeine Geschmack der Studenten und

Studentinnen über die Jahre?

Die Studierenden sind kritischer geworden – sowohl bei

konventionellen als auch bei Bioprodukten. Besonders in Bezug auf

Frische. Asiatische und mediterrane Küche ist sehr gefragt. Rohkost und

Salate werden verstärkt gegessen. Auch die frischen Schöpfdesserts

gehen gut. Früher musste man ja komplette Gerichte nehmen. Gab es

z. B. Erbsen als Beilage, mussten die mitgegessen werden. Jetzt kann der

Gast wählen. Auch für wenig Geld kann man sich bewusst ernähren.

Bei den Getränken wird die Bionade gerne genommen und es gibt eine

extrem starke Nachfrage nach Mineralwasser.

8 Reportage


LLENREPORT

Was sind denn die Top-3-Gerichte?

Geflügel und Fisch stehen oben an. Dazu kommen kurz gebratene

Fleischgerichte und natürlich nach wie vor Pasta. Sinkend ist die

Nachfrage beim klassischen Braten.

Welchen Einfluss hat ein Großabnehmer auf Zusätze wie

Konservierungsmittel?

Wir machen unseren Einfluss geltend. Bei den konventionellen

Lebensmitteln haben wir keine Produkte mit Geschmacksverstärkern

im Programm. Bei Farb- und Konservierungsstoffen kann man nicht

alles ausschließen. Da haben Bioprodukte natürlich Vorteile. Allerdings

lässt sich das Auge auch täuschen. In der Wurst wird oft Nitritpökelsalz

zur Konservierung verwendet, das sorgt auch für die rötliche Farbe.

Bioprodukte werden hingegen überwiegend mit Speisesalz hergestellt

und sehen dann grauer aus. Das Auge fragt sich dann „ist das wirklich

frisch?“. Wir deklarieren alle gesetzlichen Zusatzstoffe und zusätzlich

auch die Allergene. Wir bemühen uns natürlich, deklarationsfreie

Lebensmittel anzubieten, stoßen aber teilweise an Grenzen, z. B. bei den

Allergieauslösern wie Eier, Sellerie oder Milch, inklusive Laktose.

Wie werden die Lieferanten kontrolliert?

Wir auditieren unsere Zulieferer immer auch selbst. Natürlich muss

zunächst eine Qualitätssicherung seitens der Anbieter bestehen, die

mindestens den HACCP- Standard (Hazard Analysis Critical Control

Point) erfüllen müssen. Sonst darf an der Ausschreibung nicht

teilgenommen werden. Die meisten Betriebe verfügen zudem über

Qualitätssicherungssysteme mit ISO-Zertifizierung. Dann schauen wir

uns die Zulieferer persönlich an, zusammen mit zwei bis drei Kollegen

aus dem Einkauf und der Qualitätssicherung.

Dabei kontrolliert man das Lager und die Produktion und bekommt

schon einen detaillierten Einblick. Gerade bei Fleisch sind wir sehr

kritisch. Zudem muss die Kühlkette stimmen. Gerade beim Transport.

Wir prüfen selbst bei langjährigen Partnern immer stichprobenartig

nach. Neue Zulieferer werden natürlich verstärkt kontrolliert. Wir

haben im Lebensmittelbereich etwa 15 Lieferanten. Hinzu kommen

weitere Anbieter im Non-Food-Bereich.

Sie haben bei den Top 3 Fischgerichte erwähnt. Ist deren Popularität

angesichts der Überfischung der Weltmeere noch zu verantworten?

Wir haben allen Fisch, der von der Überfischung betroffen ist,

von der Karte genommen. Dadurch mussten wir das Angebot

natürlich stark einschränken. Es gibt keine Schillerlocke mehr,

weil der Dornhai inzwischen geschützt werden sollte. Ebenso sind

z. B. der neuseeländische Dickschwanzseehecht, der Merlan, der

Kappseehecht, der Aal, die Scholle und auch der Thunfisch von der Karte

verschwunden. Beim Seelachs beobachten wir die Lage. So bleiben fast

nur noch die Fische aus Aquakulturen. Wir achten auf den Artenschutz.

Momentan bieten wir noch zweimal in der Woche Fisch an, mittwochs

und freitags.

[Interview: Dirk M. Oberländer]

Günther Jung

ist im Studentenwerk für die Produktentwicklung

im Bereich Lebensmittel zuständig.

Öffentlichkeitswirksam: Mensen und Cafeterien mit Bio-Siegel

Viele Mahlzeiten entstehen an den Aktionsständen direkt vor den Augen der Gäste.

Großküche hin oder her, vieles wird in liebevoller Handarbeit produziert.

Reportage 9


444 MINUTEN*

HEUTE MIT ROSWITHA DIAZ-GONZALES

Lebensmitteleinkäuferin im Studentenwerk Berlin

Ende April 2009 – der Frühling in Berlin hat es geschafft. Da fällt mir

das zeitige Aufstehen auch nicht ganz so schwer, denn ich bin schon zu

früher Morgenstunde mit Roswitha Diaz-Gonzales verabredet.

Frau Diaz, wie sie oft kurz genannt wird, ist meist schon gegen 6:45 Uhr

im Büro. Die sympathische, sehr sportlich wirkende Frau ist bereits seit

24 Jahren im Studentenwerk Berlin tätig. Seit Anfang Juni 2006 kauft

sie Lebensmittel und Getränke für die gastronomischen Einrichtungen

des Studentenwerks ein. „Im letzten Jahr betrug der Warenwert 7,7 Millionen

Euro. Die Waren wurden nach öffentlichem Ausschreibungsrecht

eingekauft“, klärt mich Frau Diaz auf.

Ein normaler Tag

Der Arbeitstag in den Mensen und Cafeterien des Studentenwerks beginnt

schon früh, deshalb ist es nicht verwunderlich, dass bereits die ersten

Anfragen auf Frau Diaz warten. Das Telefon klingelt. „Aha, es geht

schon los, die Außenwelt meldet sich …“, meint Frau Diaz lakonisch.

Aber auch E-Mail-Anfragen und – leider – Reklamationen aus den Küchen

sind zu bearbeiten.

So auch an meinem Besuchstag. Frau Diaz wurde von ihrer Kollegin

bereits „vorgewarnt“. In einer Mensa wurden 60 kg grüne Gurken geliefert,

die schon den Zenit ihrer Haltbarkeit überschritten hatten. Resolut

reklamiert Frau Diaz beim Lieferanten die Ware. „Spätestens in einer

Stunde müssen die Gurken ausgetauscht sein, sonst können wir sie

heute nicht mehr verarbeiten“, weist Frau Diaz den Lieferanten an. Die

Zusage erfolgt prompt.

Ein Problem kommt selten allein. Im Studentenhotel Hubertusallee

müssen wohl die Gäste heute ohne frische Milch, Quark und Joghurt

auskommen, denn die Molkerei hat versehentlich an eine falsche Adresse

geliefert. „Na super“, sagt Roswitha Diaz-Gonzales. Dringend muss

sie jetzt klären, wie die Molkereiprodukte doch noch pünktlich in das

Studentenhotel gelangen können.

Inzwischen ist es fast 8:00 Uhr. Frau Diaz braucht ihre erste Stärkung

und nimmt sich die Zeit, einen Tee zu brühen. „zwei Liter Tee stehen

täglich auf dem Pflichtprogramm“, so die gelernte Köchin und Küchenmeisterin.

Nach dem ersten Schluck Tee geht Frau Diaz auf Schnäppchenjagd. Sie

recherchiert nach Frischfisch aus Hamburg. „Die Verkäufer sind ja schon

ganz früh zu erreichen und ich hoffe auf ein Schnäppchen für unser

Tagesangebot. Wir beziehen wöchentlich Ware aus Hamburg – meist

für das Mittwochsangebot. Die portionierten Seelachsfilets, die wir vor

zwei Wochen im Mensaessen angeboten haben, waren taufrisch, preiswert

und ein echter Verkaufsrenner.“

Gemeinsam mit ihren Kolleginnen Michaela Geisler und Jana Buchholz

bewältigt Frau Diaz-Gonzales den manchmal stressigen und hektischen

Büroalltag. Dabei erscheinen die drei Damen jedoch „wie Felsen in der

Brandung“.

Planung und Auftrag

Der Einkauf erfolgt nicht zufällig. Die Produktionswochen in den Mensen

werden sorgfältig geplant, der Einkauf erfolgt in Übereinstimmung

mit dem Speiseplan und den gewünschten Rezepturen.

In den Mensen und Cafeterien des Studentenwerks Berlin werden die

„Hauptkomponenten“, also Bouletten, Schnitzel, Bratlinge und andere

leckere Speisen portionsweise geplant. „Wir im Einkauf fassen die

Portionsmeldungen für die nächsten fünf Wochen zusammen und

schicken auf dieser Grundlage Preisanfragen mit Produkt- und Qualitätsbeschreibungen

an verschiedene Lieferanten. Nach Auswertung

dieser Anfragen werden die Bestellungen zusammengefasst und die

wirtschaftlichsten Bieter beauftragt“, so Roswitha Diaz-Gonzales.

Theorie und Praxis

Nicht immer läuft alles nach Plan. Wieder klingelt das Telefon. Ein Lieferant

teilt mit, dass er die bestellten 7 500 Portionen, das sind rund

1,125 t, Lachsforellenfilet nicht pünktlich liefern kann. Der Fisch stehe

zur Auslieferung noch nicht bereit, sondern müsse noch durch den Zoll.

„Ups, so etwas passiert selten, aber es ist eine echte Herausforderung,

bis morgen Alternativen zu finden“, stellt die Mutter von drei erwachsenen

Kindern nüchtern fest. Schnell, eine Lösung muss her!

Nach einigen Telefonaten hat Frau Diaz einen Lieferanten gefunden,

der 5 000 Portionen tiefgekühlte Lachsforellen-Rouladen auf Lager hat.

Ein Preisangebot folgt und das dazugehörige Produktspezifikat wird

von Frau Diaz angefordert.

„Aber jetzt fehlen immer noch 2 500 Portionen, die schnellstens geordert

werden müssen“, seufzt die Einkäuferin. Nach weiteren Telefonaten

hat sie dann doch noch 2 500 Portionen Tiefkühl-Lachsfilet beschafft.

Professionell bestellt Frau Diaz die Ware und erinnert die Liefe-

10 444 Minuten


BAUSTELLENREPORT

ranten daran, dass der Fisch am nächsten Tag bis spätestens 8:30 Uhr in

die elf großen Mensen des Studentenwerks geliefert werden muss.

Schließlich müssen noch die Mensa-Leitungen informiert werden, dass

es eine kurzfristige Änderung im Essen II gibt. Ein Glück, dass es E-Mails

gibt!

Inzwischen ist es kurz nach 12:00 Uhr. „Ich habe noch nicht einmal mit

dem begonnen, was ich mir eigentlich für heute vorgenommen hatte.

Aber das kenne ich ja schon seit vier Jahren und es ist keine Besonderheit“,

erzählt Frau Diaz.

Europaweite Ausschreibungen

„Eigentlich stand heute die Kontrolle und Bearbeitung der Artikel-

Blanketts für eine neue Nährmittelausschreibung auf meinem Tagesprogramm.

Die Ausschreibung besteht aus über 200 Artikeln mit einem

geschätzten Beschaffungsvolumen von mehr als 800.000 Euro. Das

bedeutet im öffentlichen Vergaberecht ein EU-weites Ausschreibungsverfahren“,

erklärt Frau Diaz.

Im Blankett wird von jedem Artikel die Jahresbedarfsmenge ermittelt

und auf die kleinsten Einkaufsmengen heruntergerechnet. Die Qualitätsanforderungen

der verschiedensten Artikel werden sehr genau beschrieben,

denn Lebensmittel sind sehr sensible Wirtschaftsgüter und

das Studentenwerk achtet auf höchste Qualität. Nicht ohne Grund sind

die Mensen des Studentenwerks seit fünf Jahren nach den Richtlinien

des Deutschen Instituts für Gemeinschaftsverpflegung (DIG) zertifiziert.

Und noch einmal Qualität

Günther Jung, im Studentenwerk für die Produktentwicklung und

Qualitätssicherung zuständig, ruft Roswitha Diaz-Gonzales an. Ein

Qualitätszirkel, in dem durch Produktvergleiche die Vollkornartikel verschiedener

Nudelproduzenten durch Blindverkostungen geprüft und

ermittelt werden, wird vorbereitet. Das beste Produkt für die nächste

Nährmittelausschreibung kann so bestimmt und angefordert werden.

„Im letzten Jahr gab es Probleme mit den Vollkornnudeln. Sie wurden

schnell zu weich. Es ist also wichtig, Produkte einzukaufen, die unseren

hohen Anforderungen entsprechen. Das berücksichtigen wir auch in

den Ausschreibungen“, erläutert die Einkäuferin. „Es ist sehr schade,

dass ganz selten Studierende an den Verkostungen und Prüfungen im

Qualitätszirkel teilnehmen.“

Die Qualität der Produkte, die im Studentenwerk Berlin verarbeitet

werden, wird regelmäßig geprüft. Dazu treffen sich heute Frau Diaz,

Günther Jung und Michael Koglin, Leiter der TU-Mensa Hardenbergstraße.

Fischfilet, gefüllt mit Spinat, wird geprüft und für gut befunden.

Mit der Warenkontrolle soll sichergestellt werden, dass die Qualität der

Waren im Lieferzeitraum nicht sinkt.

Anschließend wird mit Michael Koglin noch eine neue Lieferung Pfeffer-

Schweinebraten begutachtet. Aus der Produktauszeichnung geht nicht

eindeutig hervor, dass keine Geschmacksverstärker verwendet wurden.

Da Geschmacksverstärker im Studentenwerk nicht verwendet werden,

muss das geklärt werden …

Die Zeit eilt. Inzwischen wird es merklich ruhiger im Büro. Keine Störung,

das Telefon steht still. „Jetzt habe ich endlich Zeit für die Bearbeitung

des Nährmittel-Blanketts“, freut sich Frau Diaz-Gonzales.

Inzwischen ist es kurz nach 15:00 Uhr. Die netten Kolleginnen aus dem

Büro machen Frau Diaz darauf aufmerksam, dass sie noch keine Pausenzeit

genommen hat. Ich habe es schon seit einiger Zeit an ihrem

Magenknurren bemerkt … „Danke ja, das stimmt“, Frau Diaz greift zum

Tee. „Es ist nichts Besonderes, das kenne ich schon.“

Gesunder Körper und Geist

Es ist inzwischen fast 15:20 Uhr. Roswitha Diaz-Gonzales macht endlich

Feierabend und fährt den Rechner herunter.

„Meine Arbeit beinhaltet viel Routine“, sagt Frau Diaz und verbessert

sich gleich. „Viel Routine mit vielen Überraschungen. Das macht für

mich den Reiz meiner Arbeit aus und fordert mich täglich.“ Roswitha

Diaz-Gonzales verabschiedet sich. „Ich gehe jetzt zum Sport. Ich gehe

viermal wöchentlich acht Kilometer joggen, anschließend etwas

Muskelaufbautraining, das fördert auch das Durchhaltevermögen in

diesem Job – es ist mir wichtig auch in meinem Alter noch topfit zu bleiben.“

Gute Einstellung …

[Hagen Box]

*444 Minuten sind die tägliche Sollarbeitszeit im Studentenwerk Berlin

Roswitha Diaz-Gonzales testet mit Michael Koglin die Qualität des Schweinebratens

Im Test des Qualitätszirkels: Fischfilets, gefüllt mit Spinat

Kompetent und zuverlässig: Roswitha Diaz-Gonzales

444 Minuten 11


NAHAUFNAHME

IM HEUTIGEN PORTRÄT:

ANNI STREICH UND RONNY STASIK

Die Wohnzufriedenheitsumfrage 2009

Wenn sich am Ende eines Prozesses unter dem Strich für alle Akteure

Vorteile ergeben, spricht man allgemein von Win-win-Konstellationen.

Auch die „Wohnzufriedenheitsumfrage 2009“ ist so konzipiert, dass

alle daran Beteiligten im Ergebnis davon profitieren sollen. Doch wer

führt diese Erhebung in wessen Auftrag durch? Wann und wie werden

die Mieter der Berliner Studentenwohnheime befragt? Wer entwickelt

die Fragebögen und wertet diese später aus? Und welchem Zweck

dient eigentlich der große Aufwand? Mit diesen Fragen im Gepäck

besuche ich eine Informationsveranstaltung der Mitwirkenden und

erhalte sogleich erste Antworten.

Eine Koproduktion von Studentenwerk und HTW

Das Projekt Wohnzufriedenheitsumfrage 2009 ist eine Kooperation

des Studentenwerks Berlin mit der HTW (Hochschule für Technik und

Wirtschaft Berlin), und dort im Speziellen mit dem Studiengang Immobilienwirtschaft.

Just dort beginnt sich auch der Kreis zu schließen,

denn angeregt wurde die Zusammenarbeit von Deborah Werner. Sie

beendete erfolgreich das angeführte Studium an der HTW und bekleidet

im Studentenwerk aktuell die Position der Assistentin der Abteilungsleiterin

Studentisches Wohnen. Ein zweites Bindeglied ist Gustav

Salffner. Der für „das marketingnetzwerk“ tätige Diplom-Kaufmann

leitet an der HTW in diesem Semester einen Projektkurs, der sich der

Wohnzufriedenheitsuntersuchung widmet. Stimmigkeit erhält das

Konzept letztlich durch die Teilnahme der Studierenden: Einerseits

durch jene, die momentan in einem der Berliner Studentenwohnheime

ein Zimmer bezogen haben und deren Auskünfte erwünscht werden,

andererseits durch die Studierenden des genannten Immobilienmarketing-Kurses

an der HTW, denen die Durchführung zu großen Teilen

obliegt.

Immobilienwirtschaft an der HTW

Mit zwei der am Projektkurs teilnehmenden Immobilienwirtschaft-

Studierenden bin ich in Berlin-Karlshorst verabredet, um mehr über

den Studiengang und den Ablauf der Mieterbefragung in Erfahrung

zu bringen. Anni Streich ist gelernte Bankkauffrau und jobbt neben

dem Studium auch weiterhin in der Baufinanzierungsabteilung. Ronny

Stasik hat eine Ausbildung als Immobilienkaufmann abgeschlossen und

anschließend mehrere Jahre praktische Erfahrung in der Funktion eines

Hausverwalters gesammelt. Wie mir die beiden Bachelor-Viertsemester

berichten, durchlief ein Großteil ihrer Kommilitonen und Kommilitoninnen

vor dem Studium ebenfalls schon eine Ausbildung, in der Regel

im Immobiliensektor. Frau Streich erklärt, dass sich Studierende der

Immobilienwirtschaft während des Studiums unter anderem mit den

rechtlichen Rahmenbedingungen von Immobilien, mit Immobilienfinanzierung,

Immobilienbewertung sowie mit Ideen für Bauentwicklungen

beschäftigen. Herr Stasik fügt an, dass im Bereich „Marketing für

Immobilienwirtschaft“ zwei Kurse zu belegen sind, ein theorieorientierter

und ein praxisnaher, letzteren absolvieren beide nun in Verbindung

mit der Wohnzufriedenheitsumfrage.

Die Situation der Berliner Wohnheime

Vor Betrachtung der konkreten Umsetzung ist ein Blick auf die faktische

Ausganglage hilfreich. Über die letzten Jahre erfuhren die Berliner

Studentenwohnheime eine hohe Fluktuation und verzeichneten einen

durchschnittlichen Leerstand von 10,5 %, im Jahr 2008 von exakt 8,5 %.

Während die Anzahl ausländischer Studierender konstant bei etwa

15 % liegt, stieg die Belegung der Wohnheimplätze durch ausländische

Studenten und Studentinnen stetig auf mittlerweile 58,5 %. Während

im Osten der Stadt Wohnraumüberschuss herrscht, ist die Nachfrage

in westlicher Campus-Nähe weitaus höher, als das Angebot hergibt. So

wurden zusätzliche Häuser angemietet. Für das Studentenwerk als Auftraggeber

ergibt sich eine doppelte Motivation für diese Umfrage: Man

möchte seine Kunden zufriedenstellen und aufgrund der Tatsache, dass

die Studentenwohnheime kostendeckend arbeiten und alles in allem

querfinanziert werden, besteht ein gesteigertes Interesse daran herauszufinden,

an welchen Stellen Verbesserungen nötig und möglich sind,

damit die Wohnheime eine noch größere Anziehungskraft ausüben. Nur

einer der Kursteilnehmer wohnt aktuell in einem Studentenwohnheim.

Um allen einen Einblick in die Wohnheimwelt zu verschaffen, werden

mit dem im Umbau befindlichen Wohnheim Hardenbergstraße und

dem altehrwürdigen Wohnheim Siegmunds Hof zwei recht gegensätzliche

Objekte besichtigt.

Die Projektplanung

Frau Streich und Herr Stasik legen dar, wie das Projekt innerhalb der

Arbeitsgruppe aufgeteilt wird: „Insgesamt sollen drei Teams gebildet

werden, von denen eines den Fragebogen erstellt, ein weiteres mit der

Fragestellung aus Sicht des Vermieters befasst ist und ein drittes sich

um organisatorische Belange kümmert.“ Die Datenauswertung wird anschließend

wieder im Verbund vorgenommen. Unterstützung erhält die

Projektgruppe dabei von Studenten und Studentinnen des Studienganges

Wirtschaftsinformatik an der HTW, die eine Software für die Dateneingabe

entwickelt haben. „Ziel ist die Erarbeitung und Unterbreitung

von Verbesserungsvorschlägen anhand der ermittelten Ergebnisse, um

beispielsweise die Leerstandsquote und die Fluktuation in den Gebäudekomplexen

zu senken“, verdeutlichen die beiden in Berlin verankerten

Studierenden. Dies soll mithilfe eines entsprechenden Berichtes am

Ende des Semesters und einer Präsentation vor dem Verwaltungsrat des

Studentenwerks geschehen – wobei hier, wie bei der gesamten Umfrage,

absolute Anonymität der Befragten sichergestellt wird.

Informationen für Wohnheimbewohner

Es ist an der Zeit, den Wohnheimbewohnern noch einen kleinen Überblick

über das zu geben, was sie in Kürze erwartet. Die zweisprachigen

Fragebögen (deutsch und englisch) zur Wohnzufriedenheitsumfrage

werden am 18. Mai dieses Jahres in den Wohnheimen verteilt und sollen

dann binnen einer Woche ausgefüllt zurückgegeben werden. Das Ausfüllen

des Bogens wird in etwa 20 Minuten beanspruchen. Damit ein

repräsentatives Bild entsteht, wünscht sich das Duo Streich und Stasik,

stellvertretend für alle in das Projekt Involvierten, eine hohe Beteiligung

und wahrheitsgetreue Angaben. Nur dann kann das Studentenwerk auf

Grundlage der Analyse die Wohnheime für Mieter attraktiver gestalten.

Genauere Informationen, inklusive einer geplanten FAQ- Rubrik, finden

die Adressaten der Datenerhebung unter:

www.studentenwerk-berlin.de/wohnzufriedenheit.

[Carsten Ueberschär]

12 Nahaufnahme


DER GUTE RAT

Gesunder

Schlaf

Sich nachts von einer Seite zur anderen wälzen,

ohne Schlaf zu finden. Mitten in der Nacht

aufwachen und dann nicht wieder einschlafen

können – dieses Problem macht auch vor

Studentinnen und Studenten nicht halt.

Serie von Anja Schreiber

Die Diplom-Psychologin Anneliese App von der

Psychologisch-Psychotherapeutischen Beratungsstelle

des Studentenwerks Berlin weiß:

„Der Schlaf wird immer dann beeinträchtigt,

wenn das Gleichgewicht zwischen Anspannung

und Entspannung nicht mehr stimmt.

Deshalb sollten Studierende darauf achten,

dass sie in ihrem wöchentlichen Arbeitsplan

genug Pausen und Freizeit einplanen.“ Sie

betont, dass die Freizeit ausgleichend zur

geistigen Tätigkeit wirken sollte. Auch Bewegung

sei wichtig. „In den Ruhepausen findet

überdies die ungestörte Transformation der

Informationen vom Kurzzeitgedächtnis ins

Langzeitgedächtnis statt.“

Es sei ein Trugschluss, durch die Verknappung

von Schlaf oder Freizeit mehr leisten zu

können. „Sechs bis acht Stunden Arbeit am

Schreibtisch sind optimal. Dabei ist es für die

Ungeübten ratsam, mit wenig regelmäßiger

Arbeit anzufangen und ihre Leistungsfähigkeit

langsam aufzubauen“, betont App.

Um effizient zu arbeiten, empfiehlt die psychologische

Psychotherapeutin, im richtigen

Rhythmus zu arbeiten: „Wir Menschen unterliegen

nun einmal dem Schlaf-Wachrhythmus,

der sich am Tag-Nachtwechsel orientiert.

Das sollte man bei der Planung unserer Arbeitsphasen

nicht außer Acht lassen.“ Ihr

Tipp: „Arbeiten Sie nicht gegen diesen Schlaf-

Wachrhythmus an.“

Auch Prof. Dr. Jürgen Zulley von der Universität

Regensburg weiß, dass die Leistungsfähigkeit

am Tag wesentlich größer ist als in der

Nacht. „Am geringsten ist die Leistungsfähigkeit

zwischen drei und vier Uhr morgens. Dabei

ist es egal, ob der Mensch ausgeschlafen ist

oder nicht.“ Da das erste Leistungshoch des Tages

etwa zwischen zehn und elf Uhr morgens

liegt, rät der Schlafmediziner, diese Zeit für

kreatives und konzentriertes Arbeiten zu nutzen.

Am Mittag sinkt die Leistungsfähigkeit

wieder, bevor sie am Nachmittag noch einmal

einen zweiten Höhepunkt erreicht. Dieses

Wissen sollten Studentinnen und Studenten

in ihrer Arbeitsplanung berücksichtigen und

zum Beispiel im Mittagstief eher Routinetätigkeiten,

wie etwa Kopieren, einplanen.

Der Weg zu einem ausreichenden und erholsamen

Schlaf führt übrigens nicht über

Grübeleien im Bett oder die Ausweitung des

Arbeitspensums bis tief in die Nacht, sondern

über Entspannung. „Wer entspannt ist, kann

auch schlafen“, betont Prof. Dr. Jürgen Zulley.

Der Professor für Biologische Psychologie

warnt deshalb davor, vor dem Schlafengehen

zu arbeiten oder vor dem Computer oder Fernseher

zu sitzen. Besser ist es, ganz bewusst

die Entspannung zu suchen. „Ein abendlicher

Spaziergang kann genauso entspannen wie

ruhige leise Musik eine halbe Stunde vor dem

Schlafengehen.“

Holger Walther von der Psychologische Beratung

der HU empfiehlt, vor dem Zubettgehen

regelmäßige Gewohnheiten zu pflegen: „Hilfreich

sind zum Beispiel feste Zeiten für das

Schlafengehen, aber auch feste Einschlafrituale

wie das Genießen eines Schlummertrunks.

Solche Rituale signalisieren dem Körper, dass

jetzt nichts mehr passiert. Das macht müde.“

Auch Lesen kann eine gute Methode sein, um

sich vor dem Schlafengehen zu entspannen,

berichtet Zulley. Allerdings sollten sich Menschen

mit Schlafstörungen keine besonders

spannende Lektüre und schon gar keine

Arbeitsunterlagen mit ins Bett nehmen. Übrigens

ist auch ein zu frühes Zubettgehen

kontraproduktiv.

Der Diplom-Psychologe Holger Walther rät

Studierenden, unbedingt einen Puffer zwischen

Arbeitszeit und Schlafenszeit einzurichten:

„Nutzen Sie den Abend ganz bewusst

für Freizeit- Aktivitäten. Treffen Sie Freunde

oder treiben Sie Sport!“ So banal sich dieser

Rat anhört: Nicht für alle Studierenden ist es

selbstverständlich, genügend Zeit für Entspannung

einzuplanen. So kam ein Student

zur Psychologischen Beratung und wollte

unbedingt Autogenes Training lernen, um

sich besser zu entspannen. Im Gespräch mit

dem Psychologen kam heraus, dass er seine

sportlichen Aktivitäten vernachlässigt hatte,

um noch mehr zu arbeiten. Walther riet dem

Studenten, einfach wieder Sport zu treiben.

Denn Sport sei ein wunderbarer Ausgleich

zum anstrengenden Arbeitstag und führe

damit zu dem gleichen Ergebnis wie Entspannungsmethoden.

Wer trotz richtigen Verhaltens doch mal

Schlafprobleme hat, braucht sich keine Sorgen

zu machen. Denn es schadet der Leistungsfähigkeit

nicht, wenn Menschen auch mal wenig

schlafen, weiß Zulley.

Statt sich endlos hin- und herzuwälzen, empfiehlt

der Schlafexperte übrigens, aktiv zu

werden: „Legen Sie sich schon vorher einen

Plan zurecht, was Sie im Falle einer Schlaflosigkeit

tun wollen. Tritt dann der Fall ein, machen

Sie das Geplante: Räumen Sie etwa Ihre

Wohnung auf oder fangen Sie an zu bügeln.“

Und noch ein Einschlaftipp:

Viele Menschen schlafen deshalb schlecht,

weil sie den ganzen Tag über Bedrückendes

nicht losgeworden sind. Deshalb empfiehlt

der Diplom-Psychologe Holger Walther:

„Sprechen Sie mit einem Freund oder einer

Freundin über Ihre Sorgen und Probleme.

Auch das Tagebuchschreiben bietet sich an,

um Belastendes loszuwerden ... dann klappt´s

auch mit dem Schlaf besser.“

Literaturtipp:

Jürgen Zulley: So schlafen Sie gut! München

2008, 7,95 Euro, ISBN: 978-3-89883-218-2

Foto [M]: anas tonish, dreamstime.com

Der gute Rat 13


PEOPLE LIKE YOU

Das kleine sympathische Label „People like you“ dürfte Freunden

des Punk ein Begriff sein. Seit zehn Jahren hat sich die Düsseldorfer

Plattenfirma lauten Talenten als Förderin verschrieben. Wahnsinn, wie

die Macher des Labels das physisch und finanziell überlebt haben – so

eine verdammt lange Zeit, das ist ein Grund zum Feiern, und zwar

mit einer Tour. Mit im Tourgepäck sind fünf Bands: Die stammen aus

Düsseldorf. Sie sind seit 1992 mit Oi!-Punk unterwegs und sollen dem

Vernehmen nach früher ihre Instrumente noch schlechter beherrscht

haben. Inzwischen überzeugen die Jungs mit Tourroutine. Als Urgestein

der Szene ist die Psychobilly-Band mit am Start. Ihre ersten Aufnahmen

datieren Kenner auf das Jahr 1984! Mit 25 Jahren „on the road“ können

die Kanadier von zwar nicht dienen, aber Frontwomen Jen Blackwood,

aka Hellcat, sorgt mit ihrer eigenwilligen Mischung von Punk und

Rock ’n’ Roll für gute Laune. Euro. Die Texaner von sind in den USA

schon seit Längerem eine feste Größe und schicken sich nun an „old

europe“ zu erobern. Das Punkmenü schließt mit den Berlinern von .

Hier trifft Oi!-Punk auf Metal und Hardcore. Wir wünschen am ab im

lebhafte Unterhaltung. Docks und Lederjacke nicht vergessen, Hunde

müssen draußen bleiben. Tickets gibt’s für 25 Euro.

Kulturbrauerei

Knaackstrasse 97

10435 Berlin

www.peoplelikeyoushop.com

14 Kultur-Tipps


KULTUR-TIPPS

ZAPPA SPIELT PAPA

Für Kinder prominenter Künstler ist es oft schwer, sich gegen den

„Schatten“ der Erzeuger durchzusetzen. Erst recht, wenn man im selben

Genre agiert. Dweezil Zappa, Sohn von Frank Zappa, dürfte mehr als

einen Song darüber schreiben können. Trotzdem traut er sich an das

musikalische Erbe seines 1993 verstorbenen Vaters. Mit ist ihm diese

Form der Vergangenheitsbewältigung gelungen. Die Kritiker sind auf

seiner Seite. Sie verliehen Zappa junior und Band einen Grammy in

der Kategorie „Best Rock Instrumental Performance“. Übrigens hat

Vater Frank während der Show diverse Gastauftritte in Form von

Videoprojektionen. Wer sich von den Talenten der Familie Zappa

überzeugen will, sollte sich am ab im einfinden. Die Karten kosten

leider fast 45 Euro.

Huxley’s Neue Welt

Hasenheide 108–114

10967 Berlin

www.zappaplayszappa.com

K.I.Z.

... und als schönen Kontrast empfehlen wir nun noch eine Band, deren

Ausdrucksweise nicht unbedingt für ein U18-Publikum geeignet scheint.

Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb haben die vier Berliner Hip-

Hopper von einiges zu sagen. So nennt sich das aktuelle Album denn

auch „Hahnenkampf“. Wer auf musikalische Brunftschreie hofft, sollte

am 0 um im dabei sein. Der Eintritt kostet 22 Euro.

Postbahnhof am Ostbahnhof

Straße der Pariser Kommune 8

10243 Berlin

www.k-i-z.com

PBS - Prüfungsangst 13

444 Minuten 9


16 Patrick Watson im Interview

Patrick Watson im Interview


DAS MUSIK-INTERVIEW

Sichtlich entspannt nimmt Patrick Watson

zum Interview Platz. Über mangelnde Routine

kann sich der knapp 20-jährige Sänger

nicht beklagen. Mit seinen Bandkollegen

Simon Angell (Git.), Mishka Stein (Bass) und

Robbie Kuster (Drums) tourte er seit 2006

fast zwei Jahre nonstop durch die Welt. Und

das mit seinem Debütalbum „Close to Paradise“.

Die Auszeit nach der Tour nutzten die

Musiker sofort: Das neue Album „Wooden

Arms“ kommt dieser Tage in den Handel.

Faszinierende Klangteppiche mit Einflüssen

aus Rock, Jazz und Independent erwarten

die Zuhörer. Der Variantenreichtum ist

dabei so ausgeprägt wie bei wirklich grandioser

Filmmusik. Bereits Ende April geht’s

wieder „on the road“, doch zuvor verrät uns

Partick Watson, warum es auch für Popmusiker

gut ist, im Schulchor zu singen.

Du hast im Chor gesungen und klassischen

Klavierunterricht bekommen, haben deine

Eltern dich dazu „gezwungen“?

„Oh nein (lacht), dass ist einfach so passiert.

In der Schule wurde mir immer gesagt, ich

solle im Chor singen und dann habe ich irgendwann

Ja gesagt. Und wenn du Klavier

spielen lernst, spielst du natürlich Klassik.

Niemand fängt mit Jazzstücken an. Das

ist halt die beste Art, Musik zu begreifen.

So lernst du alle Strukturen wirklich zu erkennen.

Ich habe in der Schule dann auch

klassische Stücke gespielt. Später kam Jazz

dazu. Dabei lernst du die Zusammenhänge

zwischen festen Parts und Improvisationen.

Wenn du ernsthaft Songs komponieren

willst, ist Jazz eine verdammt gute Schule.“

Wie kam es zur Bandgründung?

„Wir haben uns bis auf eine Ausnahme in der

Schule kennen gelernt. Es gab einen Sommerkurs

in Musik. Das war auch der einzig

akzeptable Kurs und so haben wir uns eben

getroffen. Da waren wir allerdings noch halbe

Kids.“

... und zur ersten CD?

„Ach, auch das ist eigentlich Zufall. Wir hatten

einige Stücke für ein Multimediaprojekt

(Waterproof/Portraits sous l‘eau, d. Red.) aufgenommen.

Eigentlich wollte ich eher in Richtung

Filmmusik gehen. Also mehr projektbezogen

arbeiten. Aber die Musik hat vielen

Leuten gefallen und so beschlossen wir, ein

Konzert zu geben. Weil wir nur ein kleines

Budget hatten, haben wir in Montreal für

einen Abend günstig ein Pornokino gemietet.

Von außen sah der Laden sehr heruntergekommen

aus, aber die Innenausstattung hatte

Stil. Bis zehn Uhr abends lief dort also das

normale Programm und dann kamen wir. Es

war unser allererstes Konzert und die Location

erwies sich als Glücksfall. Alle Leute waren

neugierig die Typen zu sehen, die einen Gig

im Pornokino geben. Es bildete sich eine Warteschlage

bis zur Straße. Jedenfalls haben wir

danach begonnen, regelmäßig Konzerte zu

geben. Irgendwie waren wir erst dann eine

richtige Band.“

Die erste Tournee dauerte zwei Jahre, hast

du damit gerechnet?

„Nein. Das hat keiner von uns erwartet. Aber

es war großartig. Natürlich waren wir am

Ende alle müde und es war teils auch harte

Arbeit. Doch das ist eine großartige Erfahrung.

Als Band muss man so etwas machen.

Und es war eine verrückte Zeit, weil man ja

auch eine bestimmte Rolle einnimmt.“

Wie sieht so ein Tourrhythmus aus?

„Man spielt an drei bis vier Abenden hintereinander

und dann gibt es ein oder zwei

Tage Pause. Das ist nicht einfach, denn jeden

Abend ist man an einem anderen Ort und

findet verschiedenste Voraussetzungen zum

Spielen. Dann musst du noch entscheiden,

welche Songs du als Band genau an diesem

Abend spielen magst. In den letzten sechs

Monaten gab es auch Phasen, in denen wir

selbst einzelne Songs von uns nicht mehr hören

konnten. Als Musiker willst du dich nicht

immer wiederholen, das ist dann nicht so

einfach zu lösen.“

Wo entstanden die neuen Songs zum aktuellen

Album?

„Einige der Songs entstanden auf der Tour

und wurden sogar unterwegs erstmals aufgenommen.

Den Rest haben wir zu Hause

fast sofort nach der Tour aufgenommen, die

Lieder entstanden sozusagen im Tourbus.

Gerade zum Ende der Tournee hatten wir

mehr freie Zeit eingeplant. So konnten wir

auch mal drei oder vier Tage in einer Stadt

bleiben.“

Beeinflusst das Reisen euer Songwriting?

„Also der Hauptunterschied ist, dass du vom

Reisen viele Eindrücke bekommst, dein Gehirn

wird ständig stimuliert. Manchmal ist es

so beschäftigt, dass du dich nicht auf einzelne

Gedanken fokussieren kannst. Zu Hause hat

man dagegen die Möglichkeit, sich auf einzelne

Aspekte zu konzentrieren. Es gibt unterwegs

immer einen Schnitt – neue Stadt, neue

Menschen. Manchmal ist das einfach zu viel.“

Wie viel oder wenig kannst du überhaupt

von den einzelnen Städten entdecken?

„Wenn es Orte gibt, die uns besonders interessieren,

versuchen wir dort zwei oder drei

Tage zu bleiben. Das gelingt bei einer Tour

meist einmal im Monat. Würden wir das

nicht tun, sähen wir nur den Club, würden

Soundcheck machen und im Tourbus verschwinden.

Du kommst dann morgens in der

nächsten Stadt an und hast vielleicht mal ein

oder mehrere Stunden, den Ort zu entdecken.

Das geschieht teils bei alltäglichen Dingen.

Ich schwimme gerne. Also frage ich die Leute:

‚Wo ist hier ein Schwimmbad?’, setzte mich in

den Bus und erkunde die Gegend. So gibt es

die Chance etwas mitzubekommen.“

Wie unterscheiden sich die Zuschauer in den

einzelnen Ländern?

„Das Publikum ist schon von Stadt zu Stadt

unterschiedlich. Dazu kommen die kulturel

len Unterschiede in den einzelnen Ländern.

In Frankreich sind die Menschen recht still

und aufmerksam. Bei den ersten Konzerten

dort dachte ich: ‚Mögen uns die Leute nicht?’

Aber nach der Show kommen die Fans und

sagen: ‚Es war toll, danke!’ In Spanien ist

alles sehr lebhaft, nach 40 Sekunden sind

die Menschen am Tanzen. In Deutschland

sind die Menschen sehr aufmerksam. Nach

der Show hörst du dann äußerst detaillierte

Bemerkungen wie: ‚Ich mochte euer Konzert.

Aber im zweiten Song habt ihr im zweiten

Refrain etwas anders, unsauber gespielt.’ Ich

glaube, ich habe noch nie in meinem Leben

ein so differenziertes Feedback bei Konzerten

bekommen. Ich will das natürlich nicht generalisieren.

Und ihr seid sehr ehrlich. Wenn

euch alles bis auf den dritten Song gefallen

hat, sagt ihr das auch so. Die Briten hingegen

sind sehr dynamisch. Die schreien sofort,

wenn ihnen etwas am Konzert ge- oder eben

gerade missfällt. Sie sind etwas verrückt. So

hat jedes Land seine Besonderheiten. Und wir

richten unsere Setlist danach. In Frankreich

darfst du nie mit rockigen Stücken beginnen,

die Leute wollen langsam anfangen. In England

musst du in fünf Minuten den Laden

rocken. Noch extremer ist nur New York. Du

hast nur die ersten 40 Sekunden, um die

Menschen auf deine Seite zu ziehen. In Köln

hatten wir ein sehr experimentierfreudiges

Publikum, da haben wir viel improvisiert. So

hängt der Ablauf jedes Abends direkt vom

Publikum ab.“

Euer Album klingt sehr variantenreich und –

wie ich finde – durchgängig fragil.

„Echt? Dann hast du uns noch nicht live gesehen?!

Im Studio spielst du nicht in voller

Lautstärke, das klingt nicht gut. Du spielst

eher ruhig und bist detailversessen. Vielleicht

rührt daher der Eindruck der Fragilität. Ich

würde das aber verneinen, live spielen wir

definitiv keine fragile Musik! Ich glaube,

das erste Album war deutlich fragiler als die

aktuelle Platte. Wir achten beim Live-Spielen

auf einander und reagieren sofort auf den

anderen. Wenn z. B. Robby auch nur einen

kleinen Part ändert, reagieren wir alle. Das

spürt man besonders bei den Percussions.

Wir haben uns auch von der Musik der 50er-

Jahre beeinflussen lassen. Wir haben überhaupt

sehr unterschiedliche Einflüsse in die

Platte einfließen lassen.“

Aktuelles Album:

Wooden Arms

(Label: Vertigo/Universal)

[Dirk M. Oberländer]

Konzertipp:

Patrick Watson spielt am 29.05. in der

Passionskirche (Kreuzberg). Tickets kosten

rund 21 Euro.

www.patrickwatson.net

Patrick Watson im Interview 17


Was wir schon immer über...

... wissen wollten

Das Forschen nach neuen Erkenntnissen kann zuweilen ein wenig eigensinnig machen. Es soll

angehende Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen geben, die vereinsamt am Schreibtisch

oder Laborplatz sitzen. In solchen Momenten entstehen Geistesblitze, die sich etwa in

vermeintlichen Forschungsberichten zum Gemütszustand von Gummibären oder schlicht in der

Erfindung von Personen äußern. Gerne schleichen sich solche Phantomautoritäten später auch

bei anderen Forschern in die Fußnoten und führen fortan ein (un-)gewolltes Eigenleben. Auch

im Internet findet man Spuren des erfundenen Lebens, z. B. bei Wikepedia oder auf angeblichen

Homepages der prominenten Zeitgenossen. Wir stellen einige skurrile Fälle vor.

Über einen äußerst aktiven Bundestagsabgeordneten

darf sich die SPD freuen. Seit 1979

sitzt Jakob Maria Mierscheid im Parlament,

ohne dass er jemals wahrhaftig gesehen

wurde. Der Schumachermeister ist verwitwet,

Vater von vier Kindern und hat natürlich

Stallgeruch – denn Mierscheid ist angeblich

sowohl Mitglied in der Gewerkschaft „Landschaft

und Forsten“ als auch im Kleintierverein

Morbach. Der fiktive Abgeordnete nutzt

gerne Onlinemedien wie Twitter und besitzt

eine eigene Homepage. Auch auf E-Mails antwortet

der Mann prompt. Zu seinen überragenden

Leistungen zählt das Mierscheid’sche

Gesetzt, nach dem die Wahlergebnisse der

SPD im direkten Zusammenhang mit der

Rohstahlproduktion gemessen in Millionen

Tonnen stehen. Der sympathische Hinterbänkler

fällt durch Kreativität auf – so forderte

Mierscheid den Wohngeldanspruch für

große Tiere wie Neufundländer, um deren

Haltungsbedingungen zu verbessern. Wie es

die fiktive Figur auch in offizielle Unterlagen

des Bundestags schaffte, bleibt ein Geheimnis

ihrer Erfinder.

Doch auch die CDU ist vor fiktiven, aber

überaus engagierten Abgeordneten nicht

sicher. Das prominenteste Beispiel dürfte Dr.

Udo Brömme sein. Als Vertreter des Erftkreises

in Nordrhein-Westfalen begeistert der

vorgebliche promovierte Jurist seine Wähler

mit Thesen wie „Wirtschaft ist Chefsache“

und „Zukunft ist gut für uns alle“. Eine steile

Karriere für den Sohn eines Penisprothesen-

Vertreters. Natürlich bewegt sich der aufstrebende

Jungpolitiker gerne auf Augenhöhe

mit den Mächtigen der Republik. So sind

Begegnungen mit Angela Merkel, Gerhard

Schröder, Guido Westerwelle und Claudia

Roth belegt. Als Ex-Vorsitzender der Jungen

Union weiß Brömme, was die Jugend bewegt

und schreckt auch vor Wahlkampfauftritten

in Großraumdiskotheken nicht zurück. Im

Gegensatz zum SPD-Kollegen ist hier der Urheber

klar. Der Autor und Redakteur der Harald-Schmidt-Show

Ralf Kabelka steckt hinter

der Kunstfigur und tritt im Superwahljahr

2009 in seiner Paraderolle auch munter in

Talkshows auf.

Doch auch echte Politiker sichern sich die

Unterstützung von frei erfundenen Kunstfiguren.

So ist von Jürgen Möllemann bekannt,

dass er auf Diskussionen gerne Theodor

Blieshaimer zitierte. Der vorgebliche Kulturphilosoph

zeichnet sich durch das Schreiben

von Werken wie „Wege aus dem Nichts“ aus.

Natürlich liegt der Geburtsort des Denkers in

Nordrhein-Westfalen, genauer in Schapsdetten.

Die wissenschaftliche Kapazität schaffte

es, dank des damaligen findigen Bundsbildungsministers,

sogar auf ein Buchcover.

In einem Interview bekannte Möllemann

später, den Denker nach dem Konsum von

rund 25 Bieren bei einem Kneipenbesuch

erfunden zu haben, nebst seiner ebenfalls

wissenschaftlich tätigen Ehefrau. Auch dieser

hatte der umtriebige Herr Minister einen

schmissigen Buchtitel getextet: „Die Zelle

fällt nicht weit vom Stamm“. Klar, dass das

Werk die Diskussion um Gentechnik in der

Politik revolutionierte.

Das schöne an all den Phantomfiguren: Sie

führen inzwischen ein Eigenleben. Allein die

ihnen zugeschriebenen Zitate finden sich in

Medienberichten und Magisterarbeiten. Und

so bekommen die Phantome doch noch die

gesellschaftliche Reputation, nach der ihre

Erfinder sich so sehn(t)en. Die Wissenschaft

bereichern diese Herrschaften in jedem Fall.

[Dirk M. Oberländer]

18 Alles über erfundene Zeitgenossen

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