Taschenbuch Industriekultur Augsburg - Regio Augsburg

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Taschenbuch Industriekultur Augsburg - Regio Augsburg

REGIO

AUGSBURG

TOURISMUS

Industriekultur in Augsburg

Pioniere und Fabrikschlösser

Karl Ganser | context verlag


Karl Ganser

Industriekultur in Augsburg

Pioniere und Fabrikschlösser

Hrsg. Regio Augsburg Tourismus GmbH

context

m e d i e n u n d

verlag

www.context-mv.de


Karl Ganser

Industriekultur in Augsburg

Pioniere und Fabrikschlösser

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INDUSTRIEKULTUR

Der Autor

Karl Ganser, Dr. rer. nat., Dr. habil., Dr. h. c., MinDir i. R.,

geboren 1937 in Mindelheim (Schwaben)

Studien der Chemie, Biologie, Geologie und Geografie an der

Universität München und an der Technischen Hochschule München

· 1964 Promotion zum Dr. rer. nat. an der TU München

· 1967 befasst mit dem Aufbau der Stadtentwicklung

bei der Landeshauptstadt München

· 1968 Habilitation und außerplanmäßige Professur an der TU München

· 1971 Leitung der Bundesforschungsanstalt für Landeskunst und

Raumordnung in Bonn

· 1980 Abteilungsleiter im Städtebauministerium des Landes

Nordrhein-Westfalen mit Zuständigkeiten für Stadterneuerung,

Denkmalschutz, kommunalen Straßenbau und Bauleitplanung

· 1989 bis 2000 Geschäftsführer der Gesellschaft Internationale

Bauausstellung Emscher Park mbH

· 2000 bis 2004 Vorstand des Deutschen Architektur Zentrums (DAZ)

in Berlin

Ehrungen:

· 1975 Mitglied der Akademie für Raumforschung und Landesplanung

· 1986 Mitglied der Deutschen Akademie für Städtebau

und Landesplanung

· 1995 Bürger des Ruhrgebiets

· 1996 Umweltpreis des Technischen Überwachungsvereins (TÜV)

· 1997 Deutscher Preis für Denkmalschutz (Karl-Friedr.-Schinkel-Ring)

· 1998 Fritz-Schuhmacher-Preis für Städtebau und Landesplanung

· 1999 Ehrenpromotion der Universität Bochum

· 1999 Ehrenmitglied des Bundes Deutscher Architekten (BDA)

· 1999 Städtebaupreis „Sir Patrick Abercrombie Prize“ der

Internationalen Architektenunion (UIA)

· 2000 Preis der Sikkens-Foundation für Architektur, Rotterdam

· 2001 Preis des Deutschen Kulturrats „Kulturgroschen“ (abgelehnt)

· 2004 Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen

· 2004 Heinz-Schmitz-Gedächtnismedaille des BDB

· 2006 Preis der Obayashi Foundation Tokyo

für zukunftsfähige Stadtentwicklung

· 2006 Bürgermedaille der Stadt Augsburg

· 2007 Naturschutzpreis Bayern

· 2008 Schickhardt-Ehrenring der Stadt Freudenstadt

· 2010 VDRJ-Preis der Vereinigung Deutscher Reisejournalisten

„Impulsgeber für Kulturhauptstadt 2010-Ruhr“


Vorwort

Salve. Sei gegrüßt Reisender!

EINLEITUNG

Der Reisende sucht den fernen Ort und die fremde Welt, will sehen,

staunen, verstehen und um Erfahrungen reicher heimkommen. Der

Tourist wird Last Minute vermittelt, um dann die überall gleichen

Hotels, Strände, Geschäfte und Leute anzutreffen. Sein Handy sorgt

dafür, dass er nicht wirklich weg war.

Es gibt sie noch, die Reisenden, und ihre Schar wird größer. Ich lade

Sie ein nach Augsburg, um in dieser Stadt das Industriezeitalter zu

besichtigen. Für die meisten Menschen ist das 19. Jahrhundert ein

ferner Ort und eine fremde Welt.

Es war eine grandiose Zeit in

Glanz und Elend, und Augsburg

war mittendrin. Die Stadt zählte

zu den großen Akteuren am Beginn

des Industriezeitalters.

Aber Achtung! Diese Besichtigung

ähnelt der einer antiken Grabungsstätte.

Wenige Steine, Fundamente

und Mauerreste müssen kraftvoll

genug sein, um das Bild dieser

Epoche, die verloren gegangenen

Bauten und die Protagonisten früherer Epochen lebendig zu machen.

Das Lesen ist die Grundlage dafür, dass das Reisen bildet und die

Spurensuche einen Sinn erhält.

Dieses „Reiselesebuch“ ist eine Skizze der Industriezeit in Augsburg.

Es soll nicht zuletzt dem „Fremden” Lust machen, das „Deutsche

Manchester“ kennenzulernen. Die Menschen aus Augsburg und Umgebung

sind ohnehin eingeladen, zu sich „nach Hause“ zu reisen.

Denn nur wer mit seiner eigenen Stadt vertraut ist, wird auch ein

guter Gastgeber sein. Am Ende kann man sich fragen, weshalb so

wenig aus dem Industriezeitalter bewahrt wurde und warum das

danach Zugebaute so wenig Charakter hat. Dennoch: Positive Beispiele

gibt es in Augsburg immer noch weitaus mehr als anderswo

zu sehen.

Herzlich willkommen

Karl Ganser

5


6

INDUSTRIEKULTUR

Kapitel I: Zwölf Perlen

der Industriekultur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10

Denkmäler des Industriezeitalters . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12

1

Die Schüle’sche Kattunmanufaktur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12

2

3

4

5

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7

8

9

Die Augsburger Kammgarn-Spinnerei (AKS) . . . . . . . . . . . 13

Der Glaspalast . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14

Rudolf Diesel und die MAN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15

Das Gaswerk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16

Die Synagoge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17

Die Herz-Jesu-Kirche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18

Das Kurhaus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19

Der Hochablass und das Wasserwerk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20

10 Der Bahnpark Augsburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21

11 Der Schlacht- und Viehhof . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22

12 Das Lechmuseum Bayern in Langweid . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23

Kapitel II: Augsburger

Standortvorteile . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26

Die Standortgunst der Stadt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28

Faktor 1: Augsburg und seine einzigartige Lage . . . . . . . . . . 28

Faktor 2: der Lech und die Wasserkraft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29

Faktor 3: der Wasserweg und die Eisenbahn . . . . . . . . . . . . . . . 30

Faktor 4: der Finanzplatz Augsburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32

Faktor 5: die Stadt der Industriezeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32

Friedrich List (1789–1846) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35

Um 1850: Augsburger Fabriken, Münchner Tempel . . . . . . . 36


INHALT

Kapitel III: Fünf Wege

durch die Industriestadt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38

Zu Rudolf Diesel und Bertolt Brecht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40

Acht Stationen von Oberhausen

bis zur Altstadt: Leuchtgas und Motoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42

1

Das Gaswerk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43

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4

5

6

7

8

9

Die Wunderwelt der Gasbehälter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48

Die Schuhfabrik Wessels . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50

Maschinen- und Bronzewarenfabrik Riedinger . . . . . . . . . . . . . . . 52

Die Riedinger-Buntweberei . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54

Ludwig August Riedinger (1809–1879) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56

Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN) . . . . . . . . . . . . . . . . . 58

Das MAN-Museum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60

Heinrich von Buz (1833–1918) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61

Von der Hochdruck-Rotation zu „manroland“ . . . . . . . . . . . . . . . . . 63

Rudolf Diesel (1858–1913) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64

Glühende Geburt eines Giganten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66

Die Baumwollspinnerei am Stadtbach . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68

Die Papierfabrik Haindl . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70

Georg Haindl (1816–1878) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74

Die Arbeiterkolonien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76

Die Haindl-Häuser und die Familie Brecht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77

Das Alte Stadtbad . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78

Textilkrisen, Abrisse und Denkmäler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80

Textilviertel: Von der Schüle‘schen

Kattunmanufaktur zum Fabrikschloss . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82

1

2

3

Die Schüle’sche Kattunmanufaktur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88

Die Faszination des Kattundrucks . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92

Spinnerei und Weberei am Sparrenlech . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94

Neue Augsburger Kattunfabrik (NAK) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95

200 Jahre Stoffmuster . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98

7


8

INDUSTRIEKULTUR

4

Mechanische Weberei am Fichtelbach . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99

5

6

Die Haag-Villa . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100

Wie Direktoren residierten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102

Die Baumwoll-Feinspinnerei . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104

7 Die Mechanische Baumwoll-Spinnerei und

Weberei Augsburg (SWA) – Werk I „Altbau“ . . . . . . . . . . 106

SWA – die Große Fabrik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 107

8 Der Schlacht- und Viehhof . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 110

9 Das Proviantbachquartier . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114

Arbeiterquartiere und Wohnsiedlungen . . . . . . . . . . . . . . . 115

10 Die Osram GmbH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118

11 Das SWA-Werk III („Fabrikschloss“) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 120

12 Das SWA Werk IV „Aumühle“ („Glaspalast“) . . . . . . . . . . 122

Drei Kunstmuseen im Glaspalast . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 125

13 Der Martini-Park . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 126

14 Die Augsburger Kammgarn-Spinnerei (AKS) . . . . . . . . . . 130

15 Das Staatliche Textil- und Industriemuseum . . . . . . . . . 135

16 Der Färberturm . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 140

Die Manufaktur – auf dem Weg zur Fabrik . . . . . . . . . . . 141

Die Soziale Frage in Augsburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 142

Eine Gedenktafel für das Textilviertel . . . . . . . . . . . . . . . . . 143

Gedenktafel 1 – Die Pioniere . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 143

Gedenktafel 2 – Die Sterbetafel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 145

Gedenktafel 3 – Die Verwerter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 145

Im Dreieck des Eisenbahnzeitalters . . . . . . . . . . . . . . . . 150

Vom Augsburger Hauptbahnhof über den

Bahnpark zum Alten Bahnhof . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 152

1

2

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4

Der Augsburger Hauptbahnhof . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 153

Das Brauhaus S. Riegele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 157

Die Synagoge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 158

Die Gartenstadt im Thelottviertel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 160

Das Architekturmuseum Schwaben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 161


INHALT

5

Der Bahnpark Augsburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 162

6

Die Augsburger Localbahn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 164

Alter Bahnhof . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 166

Industrie und Luxus in den Vororten . . . . . . . . . . . . . 168

Zwischen Göggingen und Pfersee

zu Nähfaden, Heilkunst und Theater . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 170

1

2

3

4

5

Die Zwirnerei und Nähfadenfabrik Göggingen . . . . . . . 171

Am Weg nach Göggingen: die RENK AG . . . . . . . . . . . . . . . 173

Besser wohnen in der Fabrik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 175

An der Singold . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 176

Johann Friedrich von Hessing (1838 – 1918) . . . . . . . . . . 177

Das Kurhaus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 179

Jean Keller (1844 –1921) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 183

Das Kaltwalzwerk Eberle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 184

Die Mechanische Weberei am Mühlbach . . . . . . . . . . . . . . 186

Die Herz-Jesu-Kirche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 188

Stromgewinnung und reines Wasser . . . . . . . . . . . . . . 190

Im Lech und am Lech:

Trinkwasser und Wasserkraft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 192

1

2

3

4

Das Wasserwerk am Hochablass . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 194

Der Hochablass . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 196

Die Lechbäche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 200

Das Lechmuseum Bayern in Langweid . . . . . . . . . . . . . . . . . 205

Bernhard Salomon (1855 – 1942) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 207

Augsburg und das elektrische Licht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 209

Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 210

Bildnachweis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .212

Impressum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 214

Dank . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 216

9


Kapitel I: Zwölf Perlen

der Industriekultur

„Deutsches Manchester“ wurde das Augsburg des

Industriezeitalters genannt. Dies war damals nur positiv

gemeint. Prachtvolle Fabrikschlösser waren entstanden.

Webereien, Spinnereien und Färbereien gaben etlichen

tausend Textilarbeitern Lohn und Brot. In Augsburg wurde

der Dieselmotor zum Laufen gebracht, hier wurden die

schnellsten Druckmaschinen Deutschlands gebaut. Die

Gasbeleuchtung in den Straßen strahlte noch vor der in

München. Von den ersten Wasserkraftwerken am Lech

ging die Elektrifizierung der ganzen Region aus. Industrien

und industrielle Prachtbauten sind heute großteils verschwunden.

Doch was noch vorhanden ist (wie das Gaswerk

in Augsburg-Oberhausen), lädt zum Staunen ein.

11


1

12

INDUSTRIEKULTUR

Werk I der Mechanischen Baumwoll-Spinnerei

und Weberei Augsburg ist abgerissen.

Andere Fabrikschlösser blieben erhalten.

Denkmäler des Industriezeitalters

Wo soll ich einsteigen in die Industriezeit der Stadt? Wo die Textilindustrie

ihren Anfang hatte: Mit von Schüles Manufakturpalast. Er

kündet von der einstigen Herrlichkeit und dem späteren Niedergang.

Zu sehen ist jetzt eine neue Fachhochschule und noch ein bisschen

Kopfbau zur Erinnerung. Aber unweit davon blieb die ehemals großartige

Augsburger Kammgarn-Spinnerei erhalten. Dort ist der Glanz

der Epoche im Staatlichen Textil- und Industriemuseum aufbewahrt.

Das Interesse ist geweckt, aber wohin weiter? Zu den Zeugen der

Fabrikschlösser von damals. Der Glaspalast oder das Fabrikschloss

bieten sich an. Der Glaspalast ist heute ein Museum für moderne

Kunst. Das Fabrikschloss ist nun ein Einkaufszentrum. Man kann

den Weg auch zum ersten Dieselmotor ins MAN-Museum nehmen,

zum letzten komplett erhaltenen Gaswerk in Europa oder zu einem

Wasserwerk am Lech. Zwölf Perlen der Industriekultur sind auf

einen Faden gefädelt, der die Zeit von 1770 bis 1914 durchzieht.

1

Die Schüle’sche Kattunmanufaktur

Feinste ostindische Kattune und heimische Gewebe wurden in der

Manufaktur bedruckt. Diese Luxusware rief in ganz Europa Bewunde-


ZWÖLF PERLEN

rung hervor und für die „allerhöchste“ sorgte Kaiser Joseph II.: Er

erhob den Unternehmer Schüle in den Ritterstand. Johann Heinrich

von Schüle ließ 1770 am Roten Tor vor den Stadtmauern ein „Schloss“

erbauen, um die neue Zeit zu adeln. Eingewandert und eingeheiratet,

ging Schüle mit dem alten Weberhandwerk nicht zimperlich um. Es

gab Proteste gegen die überlegene Kattunmanufaktur. 1811 – nach

dem Tod des Gründers – erlosch das Unternehmen. Es folgten viele

neue Besitzer, bis 1989 auch der letzte aufgab. Nun blieb nur noch die

„Verwertung der Immobilie“. Die neue Fachhochschule sieht ganz gut

aus. Von der Pracht der Schüle’schen Kattunmanufaktur zeugt jedoch

nur noch der Kopfbau von 1772 – hier beginnt man sich zu wundern.

Schüle‘sche Kattunmanufaktur (siehe Seite 88 ff.)

Friedberger Straße 2, 86161 Augsburg

2

Die Schüle’sche Kattunmanufaktur war eines

der frühesten Fabrikgebäude Deutschlands.

Heute ist nur noch der Kopfbau erhalten.

Die Augsburger Kammgarn-Spinnerei (AKS)

Drei „Grazien“ zur Begrüßung. Überlebensgroße Frauenfiguren mit

einer beneidenswerten Garderobe ziehen in Sekunden immer wieder

neue Kleider an. Die schönsten Muster aus einer Sammlung von 1,3

Millionen Motiven, gebunden in 555 Folianten, werden elektronisch

auf den Faltenwurf projiziert. Das ist das Schauspiel im neuen Textilund

Industriemuseum.

13


1

14

INDUSTRIEKULTUR

Die Augsburger Kammgarn-Spinnerei beherbergt

das Textil- und Industriemuseum.

1836 wurde die Augsburger Kammgarn-Spinnerei gegründet, um 1900

produzierte sie mit über 1000 Mitarbeitern. Von der wahrhaft stattlichen

Anlage ist so viel erhalten, dass die seinerzeitige Größe noch

abzulesen ist. Dort also ist nun das „tim“, wie es kurz genannt wird,

eingezogen. Man ahnt die Atmosphäre in den ehemaligen Spinnsälen

und staunt über die Leichtigkeit unter den Sheds – flache Maschinenhallen

der Weberei – aus der Zeit um 1950. Wer beim Abschied über

das Gelände blickt, sieht die Weite mit den noch ungenutzten Bauwerken.

Halten Sie die Daumen, dass diese stehen bleiben.

Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg (siehe Seite 135 ff.)

Provinostraße 46 | 86153 Augsburg

Telefon 08 21/8 10 01-50 | www.tim-bayern.de

3

Der Glaspalast

Das erste Werk der Mechanischen Baumwoll-Spinnerei und Weberei

(SWA) – der „Altbau“ – wurde von 1837 bis 1840 fünf Geschosse hoch

und 155 Meter lang errichtet. 1968 wurde es abgebrochen. Werk II,

die „Rosenau“, entstand 1887/88 – abgebrochen 1972. Werk III, das

(noch erhaltene) „Fabrikschloss“ am Proviantbach, folgte 1896/98.

Das Werk IV „Aumühle“ wurde 1909/10 auf einem freien Gelände mit

22 Hektar gebaut. 60 000 Spindeln fanden im fünfstöckigen Spinnerei-


ZWÖLF PERLEN

hochhaus Platz. Die ebenerdigen Sheds überdachten 1000 Webstühle.

Die Spinnerei war damals eine der ersten Konstruktionen aus Stahlbeton.

Die damals innovative Skelettbauweise machte weite Fensterflächen

mit hellen Spinnsälen möglich. Staubturm, Wasserturm und

Aufzugsturm markieren den großen Glaswürfel. Werk IV „Aumühle“

der Mechanischen Baumwoll-Spinnerei und Weberei – genannt der

„Glaspalast“ – glänzt heute zwar als Standort von drei Museen zeitgenössischer

Kunst. Doch in seiner banalen Umgebung wirkt dieser

Palast der Moderne nunmehr seltsam verloren.

Glaspalast (siehe Seite 122 ff.)

Beim Glaspalast 1 | 86153 Augsburg

Telefon 08 21/8 15 11 63 | www.glaspalast-augsburg.de

4

Rudolf Diesel und die MAN

Der Glaspalast – einstmals ein innovativer

Industriebau, heute ein Haus der zeitgenössischen

Kunst.

Theodor Diesel war Buchbinder in Augsburg. 1858 wurde sein Sohn

Rudolf in Paris geboren. In den zwei Jahren von 1893 bis 1895 brachte

er einen neuartigen, heute nach ihm benannten Motor zum Laufen.

Er ist im Original im MAN-Museum zu sehen. Die Maschinenfabrik

Augsburg (heute MAN) gab Diesel die Werkstatt, Freiraum und Vertrauen

für die Verwirklichung seiner visionären Idee. Ende 1895 lief

der mit Petroleum betriebene Motor 17 Tage lang im Dauerbetrieb.

15


1

16

INDUSTRIEKULTUR

Ingenieur Rudolf Diesel und sein Werk:

Den Versuchsmotor besichtigt man im

MAN-Museum in Augsburg.

Der Name Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg entstand 1908, weil

die Maschinenbauer aus Augsburg und Nürnberg 1898 zusammengegangen

waren. Der Augsburger Zweig wurde 1840 von Ludwig Sander

gegründet. Dann begann ein furioser Aufstieg des Maschinenbaus:

1858 zählte man um die 300 Beschäftigte, 1898 rund 2900. Heute ist

das Unternehmen ein weltweit führender Konzern.

MAN-Museum (siehe Seite 60 ff.)

Heinrich-von-Buz-Straße 28 | 86153 Augsburg

Telefon 08 21/4 24 37 91 | www.manroland.com

5

Das Gaswerk

Gaslaternen erhellten die Straßen der Städte ab 1850, erst wenige,

dann fast alle. Leuchtgas war das sichtbare Symbol des Fortschritts.

Augsburg erhielt als zweite Stadt Bayerns (nach Nürnberg) eine Gasbeleuchtung.

Alle größeren Städte errichteten Gaswerke: Augsburg

baute 1848 eines der ersten in Süddeutschland. Sie alle wurden abgerissen

– bis auf eines, das in Augsburg-Oberhausen. Es wurde dort

von 1913 bis 1915 auf freiem Feld als schönstes und modernstes weit

und breit gebaut. Der Bauplan ist schlossartig angelegt. Heute ist der

Komplex das einzige noch vollständig erhaltene „Fabrikschloss“ in

der Stadt und ein Denkmal von europäischem Rang. Der staunende


ZWÖLF PERLEN

Besucher kann dort den Prozess der Leuchtgaserzeugung Bauwerk

für Bauwerk „ablaufen“. Seit der Aufgabe der Leuchtgaserzeugung

vor 40 Jahren präsentieren sich großartige Innenräume in stiller

Schönheit. Am Ende der Wanderung geht es über 392 Treppen fast

90 Meter hoch auf das Dach des „Gasometers“ und zu einem Rundblick

über die Stadt und das Umland.

Gaswerk Augsburg (siehe Seite 43 ff.)

August-Wessels-Straße 30 | 86156 Augsburg

Telefon 08 21/58 50 41 | www.gaswerk-augsburg.de

6

Die Synagoge

1438 wurden die Juden aus der Stadt verwiesen. Ab 1813 bildete sich

aufs Neue eine jüdische Gemeinde. 1914 legte man den Grundstein für

die Synagoge, eine eklektizistische Mischung aus byzantinischer und

klassizistischer Architektur mit Elementen des Jugendstils und der

Neuen Sachlichkeit – wohl eine der schönsten in Europa. Wie durch

ein Wunder hat sie die Pogromnacht von 1938 überdauert. Nach dem

Krieg war sie lange nicht im Bewusstsein der Stadt. 15 Jahre mühevoller

Vorarbeit durch die kleine jüdische Gemeinde waren notwendig,

bis die Synagoge 1985 erneut geweiht wurde. 2010 ist die Israelitische

Kultusgemeinde Augsburgs mit 1700 Mitgliedern so groß wie nie. Der

Ab 1913 entstand in Augsburg eine der

schönsten Synagogen Europas. 1985 war

der 1938 geschändete Bau restauriert.

17


1

18

INDUSTRIEKULTUR

geschlossene Hof rund um den strahlenden Betraum umfriedet ein

jüdisches Kulturzentrum mit einem Museum zur Geschichte und

Kultur der Juden. Man geht nachdenklich wieder weg. Es bleibt die

bedrückende Frage: „Wie konnte das nur geschehen, Völkermord?“

Jüdisches Kulturmuseum (siehe Seite 158 ff.)

Halderstraße 6 – 8 | 86150 Augsburg

Telefon 08 21/51 36 58 | www.jkmas.de

7

Die Herz-Jesu-Kirche

Wer ein ganz besonderes Gotteshaus auf sich wirken lassen will, der

muss nach Pfersee gehen. Dort steht hoch aufragend „die schönste

Jugendstilkirche“ Deutschlands. Die Kirche Herz Jesu wurde 1910

geweiht. Der damalige Bischof von Augsburg habe die Weihe abgelehnt,

weil ihm Architektur und Dekor zu radikal modern erschienen.

Wie kommt eine solche Kirche hierher? Im Dorf Pfersee westlich der

Wertach wurde 1856 die „Spinnerei und Weberei Pfersee“ gegründet.

Pfersee wuchs rasch auf Stadtgröße an. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts

waren etliche Orte rund um die Stadt so bevölkerungsreich,

dass größere Gotteshäuser notwendig wurden. Die selbstbewusste

Pferseer Gemeinde setzte ein markantes Kirchenbauwerk gegen die

„Türmegemeinschaft“ der einstigen Reichsstadt mit Dom, St. Ulrich

Eine Jugendstilkirche als Erinnerung an das

Industriezeitalter: 1910 wurde die Herz-Jesu-

Kirche in Augsburg-Pfersee geweiht.


ZWÖLF PERLEN

und Afra, St. Peter, St. Anna, St. Moritz und anderen. Diese „Provokation“

war noch nicht mal fertig gebaut, als die bis 1911 selbstständige

Gemeinde zum Augsburger Stadtteil degradiert wurde. Die Industrieanlagen

von Pfersee wurden wie anderswo großteils beseitigt. Herz

Jesu wirkt nun wie ein einsamer Zeuge einer großen Vergangenheit.

Herz-Jesu-Kirche (siehe Seite 188 ff.)

Augsburger Straße 23 a | 86157 Augsburg

Pfarrgemeinde: Franz-Kobinger-Straße 2 | 86157 Augsburg

Telefon 08 21/25 27 30 | www.herzjesu.com

8

Das Kurhaus

Das bis 1886 errichtete Kurhaus im heutigen

Augsburger Stadtteil Göggingen gilt als ein

Meisterwerk der Ingenieursbaukunst.

Im ansonsten unauffälligen Stadtteil Göggingen ist ein Juwel versteckt,

das Kurhaus. Diese zauberhafte Schöpfung aus einer leichten

und verzierten Stahlkonstruktion mit funkelnden Scheiben dazwischen

ist ein Meisterwerk der Ingenieursbaukunst. Es lohnt wirklich, sich

an einem sonnigen Spätnachmittag in den Garten zu einem Kaffee

oder Drink zu setzen. Der verspielte Kurpark ist das Abbild der spielerischen

Architektur. Man kennt solche Bilder aus mondänen Badeorten.

Der gebrechliche Hochadel und der neue Geldadel hatten sich

dort versammelt, um zu plaudern, zu tanzen und zu spielen, mit ein

bisschen Heilkur dabei: Baden-Baden oder Wiesbaden oder Bad

19


1

20

INDUSTRIEKULTUR

1879 galt das Wasserwerk am Hochablass

weltweit als ein Wunder der Technik.

Oeynhausen oder Davos. Aber Göggingen, ein industrieller Vorort von

Augsburg? Die damals weltberühmten Hessing’schen Orthopädischen

Kliniken haben bis 1886 das Kurhaus samt Kurpark geschaffen. 1972

ausgebrannt, wurde die Anlage zwischen 1988 und 1996 originalgetreu

rekonstruiert und restauriert. Das Kurhaus ist wieder ein Tempel der

leichten Muse. Man sollte auch am Abend einmal dort gewesen sein.

Kurhaustheater Augsburg-Göggingen (siehe Seite 179 ff.)

Klausenberg 6 | 86199 Augsburg

Telefon 08 21/9 06 22 22 | www.parktheater.de

9

Der Hochablass und das Wasserwerk

Folgen wir der Empfehlung in einem „Augsburger Führer“ von 1900:

Schon damals war „… der Hochablass ein schattiger und kühler Aufenthaltsort

mit prächtiger Aussicht.“ Der Lech, der in Vorarlberg entspringt,

wird von einem mächtigen Schotterkörper begleitet. In ihm

sind große Mengen reinstes Grundwasser gespeichert. Im Süden von

Augsburg drängt es an die Oberfläche. Unter dem dortigen Siebentischwald

liegt das Trinkwasser der Stadt. Nah davon staut ein Wehr

Lechwasser in die fächerartig ausschwärmenden Stadtbäche – der

seit dem Mittelalter bestehende, 1911/12 als Stahlbetonkonstruktion

errichtete „Hochablass“. Dort hat sich die Stadt 1879 ein weltweit

bestauntes Wasserwerk erbaut. Von einem Lechkanal angetriebene


ZWÖLF PERLEN

Pumpen hoben das Trinkwasser aus dem Schotterkörper und drückten

es ins Leitungsnetz. Das System kam ohne die üblichen Wassertürme

aus. Für die innovative Technik ließ die Stadt ein klassizistisches

Gebäude entwerfen. Die formschönen Maschinen sind im reich verzierten

Maschinensaal zu bestaunen. Erst 1973 ging das Wasserwerk

außer Betrieb. Heute ist es ein Technikmuseum und Wasserkraftwerk.

Wasserkraftwerk am Hochablass (siehe Seite 194 ff.)

Spickelstraße 31 | 86161 Augsburg

Telefon 08 21/65 00-86 03 | www.stawa.de

10

Der Bahnpark Augsburg

Über die Industriestadt Augsburg führte schon 1854 die bedeutende

„Ludwig-Nord-Süd-Bahn“ zwischen Hof und Lindau. Die einstige Bedeutung

des Eisenbahnknotenpunkts Augsburg lässt der Bahnpark

noch heute erahnen. Ein Teilbereich des früheren Bahnbetriebswerks

ist nun ein Eisenbahnmuseum. In einem denkmalgeschützten Ringlokschuppen

mit Drehscheibe und drei Dampflokhallen zeigt der Bahnpark

30 Lokomotiven. Die Schmiedewerkstatt blieb erhalten. In den

Werkstätten restauriert man Lokomotiven. Besichtigen kann man den

Bahnpark bei Ausstellungen, Aktionen und Dampfloksonderfahrten.

Ab und zu führt eine vom DGB organisierte Fahrt mit der „Localbahn“

hierher. Das 65 Kilometer lange Schienennetz der „Localbahn“ leitet

Der Bahnpark erinnert an die wegweisende

Rolle Augsburgs im Eisenbahnzeitalter.

21


1

22

INDUSTRIEKULTUR

vom Hauptbahnhof ins Textilviertel, zu 60 angeschlossenen Betrieben

und zu artenreichen Sekundärbiotopen in den Industriebrachen.

Bahnpark Augsburg (siehe Seite 162 ff.)

Firnhaberstraße 22 | 86159 Augsburg

Telefon 08 21/65 07 59-0 | www.bahnpark-augsburg.de

11

Der Schlacht- und Viehhof

Von 1898 bis 1900 entstand der industrielle Schlacht- und Viehhof am

Ostrand des Textilviertels beim Lech – auf dem Gelände des früheren

Stadthafens. Das Hafenbecken – zuvor Ziel der Lechflößerei – wurde

zugeschüttet. Viehhof, Schlachthof, Pferdeschlachthof, Seuchen- und

Auslandsviehhof bildeten die Anlage, deren architektonischer Höhepunkt

bis heute die frühere Großmarkthalle, die sogenannte Kälberhalle,

ist. Klinkerornament, Stahl und Glas gestalten diesen Komplex.

Bausünden der 1970er und 1980er Jahre, als dieses Schlachtzentrum

zum zweitgrößten Bayerns wurde, hat man im Zuge einer behutsamen

Sanierung geheilt. Teile der traditionsreichen Dierig Holding AG – ein

Textilunternehmen – arbeiten noch immer in diesem Ensemble.

Schlacht- und Viehhof Augsburg (siehe Seite 110 ff.)

Proviantbachstraße 1 | 86153 Augsburg

Telefon 08 21/52 10-2 26 | www.dierig.de

Der ehemalige Schlacht- und Viehhof blieb

erhalten – und findet eine neue Nutzung.


12

Das Lechmuseum Bayern in Langweid

ZWÖLF PERLEN

Der Lech fließt an Augsburg vorbei, verstärkt sich durch die Wertach

und verwandelt jetzt Wasserkraft in Strom. Ab 1901 wurden stromabwärts

von Augsburg drei große Kraftwerke gebaut. Das erste Wasserkraftwerk

weit und breit errichtete man in Gersthofen, 1907 ein zweites

in Langweid – sehenswerte Ingenieurbauten mit hoher Baukultur.

1922 ging dann ein drittes Wasserkraftwerk in Meitingen in Betrieb.

Das bundesweit einzigartige Fluss-, Technik- und Architekturmuseum

im Wasserkraftwerk in Langweid erzählt die Geschichte der Stromgewinnung

am Lech sowie die Wirtschafts-, Kultur- und Naturgeschichte

des Flusses von der Quelle in den Lechtaler Alpen bis zur Mündung

in die Donau. In dem Historismusbau wird noch immer Wasserkraft

in Elektrizität umgewandelt. Nach dem Besuch der beiden Museumsgeschosse

führt der Weg nach unten. Bei der Modernisierung der

Anlagen wurde eine Turbine als technisches Denkmal erhalten. Die

seinerzeit neuartige Maschine in ihrem Turbinenhaus ist begehbar.

Allein dieses Erlebnis lohnt den Weg. Dabei entsteht eine Ahnung

von den Dimensionen des Maschinenbaus zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Nun ist auch klar, was sich hinter der Fassade verbirgt.

Lechmuseum Bayern (siehe Seite 205 ff.)

Lechwerkstraße 19 | 86462 Langweid am Lech

Telefon 08 21/3 28-16 58 | www.lechmuseum.de

Im Historismusbau in Langweid wird Strom

erzeugt – und ein ganzer Fluss erklärt.

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1

24

INDUSTRIEKULTUR

Batzenhofen

Zwölf Rettenbergen Architekturperlen

des Industriezeitalters

Edenbergen

Hirblingen

1

Schüle’sche Kattunmanufaktur

2 Augsburger Kammgarn-Spinnerei und

Staatliches Textil- und Industriemuseum

3 Glaspalast

Täfertingen

4 MAN-Museum Hammel

5 Gaswerk

6

7

Synagoge

Ottmars-

Herz-Jesu-Kirche

hausen Neusäß

Hammeler Straße

8 Kurhaus

9 Hochablass Westheim

ainhofen

und Wasserwerk

10 Bahnpark Augsburg

11 Schlacht- und Viehhof

12 Lechmuseum Bayern in Steppach Langweid

lipsheimer Straße

Mühlbachstr.

O tt marshauser Str.

Hainhofer Str.

Biburger Straße

Ulmer Landstraße

Lettenbach

A 8

Deuringen

Wellenburg

Bergheim

Portnerstraße

G.-Odemer-Straße

Hauptstraße

Westheimer Straße

Zum Fuggerschloss

ABA

Neusäß

Stadtbergen

Leitershofen

Neubergheim

Kriegshaber

Ulmer Straße

Wellenburger Straße

Wertach

Holzweg

Kobelweg

Diebelb achstraß e

BergheimerStraße

Bären-

keller

H irblinger

B 17

12

Dayton-Ring

5

Stadtberger Straße

B 2

7

Pfersee

Gersthofen

ABA

Augsburg West

Straße

Bgm.-Ac kermann-Straße

Ober-

hausen

Göggingen

Sommestraße

Lindauer Straße

Allgäu er Straße

Donauwörther Straße

Augsburger Str.

Oberbürgermeister-Müller-Ring

Leitershofer Str.

8

Augsburger Straße

Rosenaustraße

Rie

S

Gögginger S


Eichleitnerstr.

Firnhaberau

Schaezlerstraße

Hammerschmiede

iedingerstraße

Augsburg

11

6

Altstadt

3

Karlstraße

Schertlinstraße

r Straße

Schillstraße

4

Thomm straße

Gersthofer Straße

Stettenstraße

10

Hochfeld

Bgm.-Ulr i c h-Straße

Stra ße

Neuburger

Haunstetten

Hans-Böckler-Straße

1

Oblatterwallstraße

Haunstetter Straße

Argonstraße

Neuburger

Mühlhauser Straße

ABA

Augsburg Ost

2

Mühlha user Straße

Straße Rumplerstraße

Flughafen

Berliner Allee

Herrenbach

Friedberger Straße

Spickel

Aindlinger Straße

Zugspitzstraße

Lechhausen

Stätzlinger Straße

Blücherstraße

Meraner Straße

9

Hochzoll-

Nord

Hochzoll-

Süd

Siebenbrunn

ZWÖLF PERLEN

15

A 8

Lechhauser Straße

Meringer Straße B 2

Bgm.-Schlickenrieder-Straße

Eisenbrechtshofen

Zollsiedlung

Gablingen

Dillinger Straße

Derching

Stätzling

Friedberg

Chippenham-Ring

2

Gablingen Siedlung

Langweid am Lech

Foret

12

2

Stettenhofen

25


Kapitel II: Augsburger

Standortvorteile

Dass sich Augsburg zur – neben Nürnberg – führenden

Industriestadt Bayerns entwickeln konnte, hatte sowohl

geografische als auch geschichtliche Gründe. Unter das

Stichwort Geografie fällt die zentrale Lage Augsburgs im

süddeutschen Raum. Die Gebirgsflüsse Lech und Wertach

waren nicht nur bedeutende Transportwege, sondern versorgten

die Stadt seit dem Mittelalter mit der Antriebskraft

des Wassers. Zur Geschichte Augsburgs gehört, dass man

schon vor den Glanzzeiten der Fugger mit Handel, Textilherstellung

und Metallen vertraut war. Der Wasserreichtum

Augsburgs und das Wissen seiner Bewohner leisteten der

Industrialisierung massiv Vorschub. Die Textil- und Metallindustrie

sowie die Energiegewinnung aus Wasserkraft

standen im Zentrum fast aller Entwicklungen.

27


2

28

INDUSTRIEKULTUR

Augsburg entstand im Mündungsdreieck

der Gebirgsflüsse Lech und Wertach. Sein

Wasserreichtum förderte bereits im frühen

Mittelalter den Aufstieg der Stadt.

Die Standortgunst der Stadt

Faktor 1: Augsburg und seine einzigartige Lage

Augsburg wurde auf einem Sporn am Zusammenfluss der Gebirgsflüsse

Lech und Wertach gegründet. Der Blick reicht hier flussabwärts

in Richtung Donau. Flussaufwärts führt der Weg weit hinauf

und zu den Alpenpässen hinüber nach Italien. Die Römer haben die

Gunst dieser Lage erkannt. Es gibt südlich der Donau keine bessere.

Der Geländesporn besteht aus Kiesen einer älteren Eiszeit: Geologisch

ist das eine Hochterrasse. Rund um diese lagert sich etwas

tiefer das Schotterfeld der Niederterrasse aus der jüngsten Eiszeit ab.

Diese Topografie teilt die (Alt-)Stadt in eine obere und eine untere.

Man erlebt den Höhenunterschied, wenn man die Treppen am Rathaus

hinunter geht. Draußen vor den Toren der Stadt – noch etwas

tiefer – weiten sich die Talauen von Lech und Wertach. Durch Ausstauen

wurden die Stadtbäche aus dem Lech in die untere Stadt

„gehoben“. Nicht zuletzt aufgrund dieser Kanäle hat sich seit dem

frühen Mittelalter erfolgreich Gewerbe entwickelt. Auf den weiten,

zu Beginn des Industriezeitalters unbesiedelten Talauen machte sich

im 19. Jahrhundert die Industriestadt Augsburg breit.


STANDORT AUGSBURG

Faktor 2: der Lech und die Wasserkraft

Kraft für die Industrie in Augsburg kam aus dem Lech und aus der

Wertach. Reichlich Wasser und starkes Gefälle machten die Wasserkraft

„produktiv“. Stadtbäche wurden aus dem Fluss ausgeleitet oder

quollen aus dem begleitenden Schotterkörper. Dieses System reicht

bis ins Mittelalter zurück. Wohl schon um 1346 gab es im Süden der

Stadt ein Stauwehr, den „Lechablass“, um Wasser in die Stadtbäche

abzuzweigen. Um 1850 zählte man in Augsburg über 100 Triebwerke

mit rund 200 Wasserrädern. Im Lauf der Entwicklung folgten Turbinen.

Die Wasserkraft war für einen „revierfernen Standort“ mit großer

Entfernung zur Kohle von entscheidender Bedeutung. Kein anderer

Standort in Süddeutschland verfügte über derart viel leicht nutzbares

Wasser. Der Lech brachte es von hoch oben aus den Lechtaler Alpen

vor die Tore der Stadt. Das war auch von Vorteil für den Wettbewerb

mit Nürnberg, der anderen großen Industriestadt der Zeit. Verglichen

mit dem Lech waren Pegnitz, Regnitz und Rezat „ärmliche Gewässer“.

Eine Karte aus dem 17. Jahrhundert verdeutlicht,

wo Wasser aus dem Lech und der

Wertach über Werkskanäle die Augsburger

Mühlräder und Hammerwerke antrieb.

29


2

30

INDUSTRIEKULTUR

1911/12 errichtete man den Hochablass als

Stahlbetonkonstruktion im Lech.

Der Lech war bis weit in das 19. Jahrhundert hinein ein Wildfluss.

Mehrmals im Jahr kamen Hochwässer. Dabei verlegte der reißende

Gebirgsfluss immer wieder sein Bett. Das Tal war breit und die Ufer

waren flach. Der Lech konnte sich bei Hochwasser also in der Aue

„austoben“. In der Fachsprache von heute wäre von natürlichen

„Retensionsräumen“ die Rede. Für den Hochwasserschutz und zur

Elektrizitätsgewinnung wurde der Lech, wie fast alle großen Flüsse

in dieser Zeit, kanalisiert. Durch die Stauwehre wurde das Geschiebe

zurückgehalten. Ohne diese steinerne Fracht hat sich der Fluss immer

weiter eingetieft. Nun konnten auch die Ufer besiedelt werden. Heute

wünschen sich viele die Schönheit und Natürlichkeit des Wildflusses

zurück. Aber der Weg dorthin ist verbaut. Die „Naturierung“ ist trotzdem

eine Vision für die Zukunft.

Vom Hochablass aus hat man den Lech im Blick – den Kanal, die Ausleitung

der Stadtbäche und tiefer unten den Altlauf zwischen Kiesbänken.

Doch dies ist nur ein schwacher Abglanz des Wildflusses

vor der „Zivilisierung“.

Faktor 3: der Wasserweg und die Eisenbahn

In vorindustrieller Zeit war der Lech ein viel genutzter Wasserweg.

Die Flößerei war hoch entwickelt. Der beachtliche Holzbedarf der

Stadt wurde in einer stattlichen Floßlände umgeschlagen. Noch 1912


STANDORT AUGSBURG

1901 gab es in Augsburg Überlegungen, den

Lech bis zur Donau hin schiffbar zu machen.

Ein Stadthafen war in Planung.

wurde ein Floßhafen am Lech gebaut. Im 19. Jahrhundert kam sogar

die Idee auf, den Lech von der Stadt bis zur Mündung in die Donau

schiffbar zu machen. Der „Masterplan“ für einen Augsburger Donauhafen

ist beeindruckend, doch die hochfliegenden Pläne des Augsburger

Architekten Karl Albert Gollwitzer wurden schon bald ad acta

gelegt. Zu stark war die Konkurrenz durch die Eisenbahn. Und auch

der Floßbetrieb wurde schon 1914 eingestellt.

1838 war die Bahnlinie zwischen Augsburg und München gebaut. Die

für die industrielle Entwicklung der Stadt aber entscheidende Strecke

verband Augsburg über Nürnberg mit dem sächsischen Industriegebiet

und mit dem Bodensee. Diese 600 Kilometer lange Nord-Süd-

Bahn war 1854 bis Lindau fertiggestellt. 1854 war auch Württemberg

über Ulm angeschlossen. Der größte Eisenbahnknoten in Bayern war

in Augsburg geflochten worden. Angefangen hatte das Eisenbahnwesen

Bayerns mit einer sechs Kilometer langen Strecke zwischen

Nürnberg und Fürth, von privaten Bankkreisen finanziert. Die Strecke

hatte bereits im ersten Jahr 475 000 Fahrgäste. Eisenbahnfahren war

eine Sensation. So mancher Freizeitpark von heute würde sich über

einen solchen Start freuen.

Die Bahn von München nach Augsburg kam an einem Sackbahnhof

vor dem Roten Tor an. Die Schienen importierte man aus England,

31


2

32

INDUSTRIEKULTUR

sechs Lokomotiven wurden in Liverpool bestellt. Für die Verknüpfung

der Strecke Augsburg – München mit der Nord-Süd-Bahn war ein

Sackbahnhof allerdings ungeeignet. Also wurde 1846 der heutige

Hauptbahnhof als Durchgangsstation in Betrieb genommen. Der

Hauptbahnhof in Augsburg ist übrigens der älteste noch „diensthabende“

in der Bundesrepublik. Der Traum vom Wasserweg auf

dem Lech war also schnell ausgeträumt. Dafür wurde der Lech zum

Stromproduzenten.

Faktor 4: der Finanzplatz Augsburg

Der Stern der Stadt als weltumspannende Kapitale des Kapitals war

nach 1600 zwar am Sinken. Aber die lange Tradition und die alten

Beziehungen lebten am Beginn der Industriezeit wieder auf. Baron

Lorenz von Schaezler (1762 – 1826) brachte es zum reichsten Bürger

der Stadt. Er gewann seinen Reichtum als Finanzier der bayerischen

Krone – das erfolgreiche Muster der Renaissance wiederholte sich.

Sein Sohn Ferdinand machte die Schaezlerbank zum wichtigsten

Kreditgeber für die neuen Unternehmen. Die Schaezlers residierten

standesgemäß im prachtvollen Rokokopalais in der Maximilianstraße.

Die Kapitalbeschaffung über Aktien wurde entwickelt. Augsburg war

für kurze Zeit Börsenplatz, verlor dann aber gegen die Konkurrenz

in München. Auch gelang es nicht, den Sitz der neuen Nationalbank,

der Hypotheken- und Wechselbank, nach Augsburg zu holen. Trotzdem

gab es keinen Mangel an Kapital für die Industrialisierung, und

die Tradition des Finanzplatzes war dabei hilfreich.

Faktor 5: die Stadt der Industriezeit

Der Städtebau der Industrialisierung folgte einem eigenwilligen Plan.

Diese „andere Stadt“ stößt bis heute auf nur wenig Verständnis. Also

wird sie bedenkenlos abgerissen oder ausgeplündert. Der Bauplan

der „abendländischen Stadt“ geht auf das hohe Mittelalter zurück,

auf die Zeit der Städtegründungen, den Plan der gotischen Zeit.

Dieser Grundriss hat bis heute überlebt. An diese Stadt haben wir

uns gewöhnt. Sie wurde jüngst – in Augsburg wie auch anderswo –

mit Fleiß saniert. Diese „gute Stube“ finden die Menschen nämlich

heute noch schön.

Die Karte aus dem 19. Jahrhundert zeigt,

wie die Lechbäche zahlreiche (rot hervorgehobene)

Fabriken in der Stadt versorgten.


STANDORT AUGSBURG

33


2

34

INDUSTRIEKULTUR

Die Bauweise der Industriezeit organisierte die Produktion. Dabei

nahmen die Herren der Produktion Anleihen bei der alten Stadt. Sitz

des Unternehmers oder des Betriebsdirektors war die herrschaftliche

Villa. Die mächtigen Produktionsgebäude waren nach Funktion gestaffelt.

Dazwischen lag ein Park. Ganz am Rand waren die Wohnhäuser

der Arbeiter angelagert. Die städtebauliche Anordnung

imitierte oft eine Schlossanlage.

Jedes größere Unternehmen errichtete für sich solch eine „Stadt“.

Dazwischen verblieben Abstandsflächen zum nächsten Betrieb. Ein

Flickenteppich von Inseln industrieller Produktion, die in sich weitgehend

„autark“ waren, umlagerte auch und gerade in Augsburg die

historische Stadt. Diese städtebauliche Konzeption begreift man beim

Studium einer Ansicht der Haag’schen Maschinen- und Röhrenfabrik

in Augsburg. Heute steht dort die Haag-Villa einsam mit etwas Park.

In Augsburg ist so eine zweite Stadt entstanden. Sie blieb den meisten

Menschen fremd. Sie bestand aus in sich geordneten und geschlossenen

Anlagen mit Park im Inneren und Grün außen herum, verbunden

durch Stadtbäche und Werksbahnen. Komplette Ensembles dieser

Bauweise gibt es heute nur noch eines in Augsburg – das Gaswerk.

Schade. Die meisten wurden nach 1980 in der Zeit des industriellen

Niedergangs ganz oder teilweise abgerissen. Am Ende stand dann

die „Immobilienverwertung“.

Die Maschinen- und Röhrenfabrik Johannes

Haags mit der 1875 erbauten Haag-Villa.


VORDENKER UND WEGBEREITER

Friedrich List (1789 – 1846)

Den Weg ins Industriezeitalter bereiteten große Denker vor. Sie

klärten auf und stürzten religiöse und wissenschaftliche Dogmen.

„Aufklärung“ war die Grundlage für den freien Geist in Philosophie,

Naturwissenschaft, Technik und Ökonomie. Ende des 18. Jahrhunderts

entstand der Begriff „Fortschritt“. Mit ihm verband sich die Erwartung,

Naturwissenschaft und Technik würden die allumfassende

Machbarkeit ermöglichen. Diese Utopie trieb die Industrialisierung

ein Jahrhundert lang an. Aufklärung als kritische Vernunft des Individuums

verlor ihr Ideal an Ideologien: Liberalismus, Nationalismus

und Sozialismus, Kommunismus und Faschismus versprachen eine

„bessere Welt“. Alle sind sie – früher oder später – gescheitert. Zu

den geistigen Wegbereitern der Industrialisierung zählt auch Adam

Smith (1723 – 1790), der die klassische Nationalökonomie begründete.

Immanuel Kant (1724 – 1804) forderte den Menschen zum Handeln

auf – mit dem Ziel des ewigen Friedens. Die Evolutionstheorie von

Charles Darwin (1808 – 1882) verabschiedete sich radikal von der

Schöpfungsgeschichte. Karl Marx (1818 – 1883) begründete den nach

ihm benannten Marxismus und verfasste 1847 mit Friedrich Engels

das „Kommunistische Manifest“. Technische Wegbereiter waren

James Watt (1736 – 1819), der Erfinder der Dampfmaschine, sowie

George Stephenson (1791 – 1848), der die Eisenbahn entwickelte und

in seiner Fabrik die „Adler“, die erste deutsche Dampflokomotive,

baute. Der Ingenieur und Erfinder Werner von Siemens (1816 – 1892)

begründete die Elektrotechnik, Justus von Liebig (1803 – 1873) die

organische Chemie und 1840 die Theorie der künstlichen Düngung.

Der Reutlinger Friedrich List wurde mit 28 Jahren Professor für Verwaltungspraxis

an der Universität Tübingen. 1819 gründete er in

Frankfurt den Deutschen Handels- und Gewerbeverein: ein Meilenstein

auf dem Weg zum Deutschen Zollverein von 1834. Lists freie

Denkweise führte zu seiner Verhaftung. Er emigrierte in die USA, kam

zurück, wurde politisch nicht rehabilitiert und zog daher nach Paris.

Er setzte sich für den Ausbau des Thüringer Eisenbahnnetzes ein,

bekam jedoch keine feste Anstellung, nur den Ehrendoktor der Universität

Jena. Ab 1841 wohnte List am Vorderen Lech 15 in Augsburg,

wo er sein Hauptwerk, „Das nationale System der politischen

Ökonomie“, vollendete. Eine Gedenktafel erinnert dort an den Wirtschaftsdenker.

König Ludwig I. von Bayern verlieh ihm einen Orden,

König Wilhelm I. von Württemberg stellte Lists bürgerliche Ehre

wieder her. Während einer Reise in Südtirol beging List Selbstmord.

35


2

36

INDUSTRIEKULTUR

In Augsburg baute man Fabrikschlösser wie

Schüles Kattunmanufaktur und gab sich –

wie Ludwig August Riedinger – bürgerlich.

Um 1850: Augsburger Fabriken, Münchner Tempel

Zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Augsburg zum „Deutschen

Manchester“. Das nahe München verwandelte sich derweil in ein

„Isar-Athen“. Dank Napoleon war das Königreich Bayern entstanden,

Augsburg hatte 1806 alle Reichsfreiheiten verloren und wurde mit

Teilen des schwäbischen Reichskreises Bayern zugeschlagen. Das

politische Machtzentrum war nun München – und die Künste gehen

zur Macht. Die Augsburger Bibliotheken wurden nach München verschleppt

– Kaufleute bräuchten keine Bücher, ließ der König seine

neuen Untertanen wissen.

In Augsburg gründeten die Pioniere der Industrialisierung eine neue

Stadt, die Industriestadt. Sie lagerte sich an die alte Stadt an und belegte

weite Flächen um die Mauern: Dort entstand eine Vorstadt mit

mächtigen, teils prächtigen Industriekomplexen. Bis 1850 wirkte der

Gründerboom vor den Stadtmauern, die ab 1860 niedergelegt wurden.

In München regierte Ludwig I., König von Bayern. Er verwandelte im

Baurausch mit den genialen Architekten von Klenze und von Gärtner

die Stadt in eine „Weltstadt des Klassizismus“. Die Industrialisierung

ließ auf sich warten. Auch München sollte eine Stadt der Industrie

werden, aber erst viel später, verbunden mit den Namen Justus von


STANDORT AUGSBURG

In München plante man um 1850 antikische,

tempelartige Bauten wie die Alte Pinakothek,

und der König repräsentierte mittelalterlich.

Liebig, Carl von Linde, Joseph Anton von Maffei und anderen. Im Jahr

1890 gründete auch Siemens ein „Technisches Büro“ an der Isar.

Die Industrialisierung Augsburgs war um 1850 weit fortgeschritten:

1770 entstand Schüles Manufakturpalast, 1780 Schöppler & Hartmann

als ein Vorläufer der Neuen Augsburger Kattunfabrik (NAK), 1836

die Augsburger Kammgarn-Spinnerei (AKS), 1837 die Spinnerei und

Weberei Augsburg (SWA), 1840 die Maschinenfabrik Augsburg (MAN),

1846 die Mechanische Weberei am Fichtelbach, 1847 die Färberei und

Druckerei Martini und die Papierfabrik Haindl, 1851 die Röhrenfabrik

Johannes Haag, 1839/40 der Alte Bahnhof und 1846 der Neue Bahnhof.

In München baute man zu dieser Zeit Nachahmungen griechischer

Tempel und Siegestore. König Ludwig I. von Bayern und in seinem

Auftrag Leo von Klenze und Friedrich von Gärtner machten München

zu einer Stadt des Klassizismus – zum Isar-Athen. Um 1850 wurden

ganze Straßenzüge und Plätze im neuen, wenn auch eher rückwärtsgewandten

Stil angelegt: die Brienner Straße und die Ludwigstraße,

der Karolinenplatz, der Königsplatz und der Odeonsplatz. Imposante

Bauten wurden geschaffen: Die Alte Pinakothek, die Universität und

die Staatsbibliothek wurden in den Jahren 1838 beziehungsweise 1840

und 1843 eingeweiht. Bis 1844 entstanden die Feldherrenhalle und die

Ludwigskirche, 1852 das Siegestor und 1860 die Propyläen.

37


Kapitel III: Fünf Wege

durch die Industriestadt

Willkommen. Einige der Perlen der Industriekultur kennen

Sie vielleicht schon. Wenn nicht, dann empfehle ich zur

Einstimmung erst einmal einen Besuch im Textilmuseum,

im Gaswerk oder im MAN-Museum. Auch eine Wanderung

entlang des Lechs beim Hochablass, eine Tasse Kaffee im

Kurhaus in Göggingen oder ein Konzert in der Synagoge

nahe des Hauptbahnhofs sind schöne Erlebnisse. Aber

eigentlich will ich Sie zu fünf ausgedehnten (Rad-)Wanderungen

durch die Industriestadt Augsburg einladen. Das

geht nicht alles an einem Tag. Daher beschreiben die fünf

folgenden Kapitel die große „fremde Stadt“ des 19. Jahrhunderts

in Routen, die Sie zu Fuß oder mit dem Fahrrad

erwandern können. Ich – Karl Ganser – begleite Sie dabei.

39


3

40

INDUSTRIEKULTUR


VOM GASWERK ZUM STADTBAD

Zu Rudolf Diesel und Bertolt Brecht

Eine Tour nördlich und östlich der alten Augsburger Stadt-

mauern führt – unter anderem – in das europaweit einzig-

artige Gaswerk im Stadtteil Oberhausen. Sie leitet auch

zu den Spuren Ludwig August Riedingers, einem der ganz

großen Industriellen jener Zeit. Während an ihn nur wenig

erinnert, sieht man im MAN-Museum den Versuchsmotor,

mit dem Rudolf Diesel den nach ihm benannten Motor zur

Serienreife brachte. Außer Dieselmotoren werden links

und rechts des Wegs Druckmaschinen und Papier produ-

ziert. Diese Tour führt auch in das Arbeiterquartier, in dem

der junge Schriftsteller Bertolt Brecht erwachsen wurde –

und dem der weltberühmte Autor später ein literarisches

Denkmal gesetzt hat. Am Schluss steht ein Jugendstilbad,

das gestiftet wurde, um die hygienischen Bedingungen

der Augsburger Industriearbeiter zu verbessern.

41


3

42

INDUSTRIEKULTUR

Eine Luftaufnahme des Gaswerk-Komplexes

aus dem Jahr 1932. Den 86 Meter hohen

Scheibengasbehälter gab es damals noch

nicht – er entstand erst 1953.

Acht Stationen von Oberhausen bis

zur Altstadt: Leuchtgas und Motoren

Versetzen wir uns gut hundert Jahre zurück. Der Plan der Stadt von

1902 zeigt im Norden vor dem Wertachtor zwischen dem Lech und

der Wertach zwei Spinnereien sowie die Maschinenfabrik und Buntweberei

Riedinger am Senkelbach, die Maschinenfabrik Augsburg

am Stadtbach, die Baumwollspinnerei zwischen Stadtbach und Proviantbach

und die Papierfabrik Haindl, dazu die vorstädtische Wohnbebauung.

Die aus Lech und Wertach abgeleiteten aufgefächerten

Stadtbäche fließen nördlich der Altstadt wieder zusammen.

Westlich der Wertach liegt das kleine Dorf Oberhausen. Danach

kommt nur noch freies Feld. Das große Gaswerk wird erst 1913/14

weiter nordwestlich erbaut werden.

Heute, nach über hundert Jahren, ist dort die wohl größte zusammenhängende

Gewerbezone der Stadt ausgeufert. Die seinerzeitige

klare Struktur ist völlig überformt. Im Gewirr fällt die Orientierung

schwer. Wir machen uns also auf die Suche nach den Bauwerken,

der Kultur und der Geschichte von damals – zu acht Stationen.


1

VOM GASWERK ZUM STADTBAD

Das Gaswerk

Schlossähnliche Industriebauten: das Ofenhaus

und der Behälterturm des Gaswerks.

Das Augsburger Gaswerk ist nicht zu übersehen. Von Weitem und

aus allen Richtungen fällt der Blick auf den Gasometer, eine der drei

höchsten Landmarken der Stadt neben dem Hotelturm am Bahnhof

(107 Meter) und der Basilika St. Ulrich und Afra (93 Meter). Der Gasbehälter

ist „nur“ 86 Meter hoch, dafür aber 45 Meter „dick“. Von

Weitem ist das Gaswerk also gut zu sehen, aus der Nähe dann allerdings

doch schwer zu finden. Sie müssen die August-Wessels-Straße

suchen. Ich erwarte Sie am Torhaus mit der Nummer 30.

Guten Tag! Bitte kurz draußen stehen bleiben. Wo findet man heute

so ein stattliches Entree am Eingang zu einem sogenannten Gewerbepark?

Drehen Sie sich um, da ist der „Deuter Park“, die Nachnutzung

des ehemaligen Deuter-Areals. Sehen Sie den großen Unterschied?

Gehen wir durch den Torbogen, dann leitet eine baumbestandene

Einfahrt zum Mittelpunkt der Anlage, zum „Behälterturm“. Dort sind

mächtige Tanks aus Stahl für die Speicherung von Löschwasser und

chemischen Produkten gestapelt.

Nun wandern wir den Weg der Leuchtgaserzeugung Gebäude für

Gebäude ab. Sie befinden sich auf der einzigen Anlage in Europa,

wo das noch möglich ist. Denn: Alle anderen sind ganz oder bis auf

wenige Reste abgerissen.

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3

1

44

INDUSTRIEKULTUR

2

Von Oberhausen in die Altstadt

1

Gaswerk

2 Schuhfabrik Wessels

3 Maschinen- und Bronzewarenfabrik

Riedinger*

4 Die Riedinger-Buntweberei

5 Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg

(MAN)

6 Baumwollspinnerei am Stadtbach*

7 Papierfabrik Haindl

8 Arbeiterkolonien

9 Altes Stadtbad

*Diese Fabriken sind nicht mehr erhalten.


VOM GASWERK ZUM STADTBAD

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4

5

6

7

9

8

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46

INDUSTRIEKULTUR

Die Teilansicht des Gaswerks, Ende der

1930er Jahre vom Kessel aus fotografiert,

verdeutlicht seine schlossähnliche Anlage.

Das doppelschiffige hohe Ofenhaus beschirmte zwei mal fünf Meiler,

in denen unter Luftabschluss bei 1000 Grad Celsius der Kohle rund

20 Stunden lang das „Gas“ ausgetrieben wurde. Dabei entstanden

Koks, also reiner Kohlenstoff, und Rohgas. Der Koks musste sofort abgelöscht

werden, damit er nicht verbrannte: Er war wertvolles Brennmaterial.

Der Wasservorrat dafür wurde im Behälterturm mit 540 000

Litern Fassungsvermögen gespeichert. Das Rohgas aus dem Ofenhaus

wurde nach der Reinigung zum Leuchtgas. Darüber hinaus entstanden

Wertstoffe wie Ammoniak, Benzol und Naphthalin, Schwefel

und Teer. Diese Nebenprodukte waren begehrt und daher gut verkäuflich.

Gehen wir jetzt weiter in das Kühlerhaus: Dort wurde das heiße

Rohgas abgekühlt. Der helle, fast anmutige Raum wirkt nun wie eine

Orangerie. Das langgestreckte Apparatehaus enthält die Pumpen und

Kompressoren, mit denen das Gas angesaugt und ins Netz gedrückt

wurde. In diesem beinahe majestätisch wirkenden Raum mit flachem

Tonnengewölbe sind Maschinen in einer langen Reihe ausgerichtet.

Von da aus gehen wir weiter ins Reinigerhaus. An diesem Gebäude

kann man die Betonskelettbauweise gut studieren. Drei Geschosse

stehen übereinander. Im Obergeschoss wurde eine Reinigermasse

eingefüllt. Im Mittelgeschoss wurde dem Gas mithilfe dieser Masse

der Schwefelanteil entzogen. Im unteren Geschoss wurde die schwefelgesättigte

Masse wieder abgeführt, vom Schwefel „entlastet“


VOM GASWERK ZUM STADTBAD

und im Kreislaufsystem oben wieder eingebracht. In der ehemaligen

Elektrozentrale hat der Verein der Gaswerkfreunde auch ein kleines

Museum mit Kostbarkeiten aus der alten Zeit eingerichtet.

Mit der Ausbreitung des Erdgases ging die Leuchtgaszeit ab 1960 zu

Ende. Im Augsburger Gaswerk endete die Produktion von Leuchtgas

1978 endgültig. Danach wurde allerdings noch bis 2001 Erdgas gespeichert

und in das Netz eingespeist. Jetzt ist auch das vorbei. Nun

können wir das schöne und letzte Denkmal aus der großen Zeit des

Leuchtgases bestaunen. Die Stadtwerke Augsburg haben es bis heute

bewahrt und behütet – dafür gebührt Dank und Anerkennung. Was

daraus werden wird? Die Zukunft ist ungewiss. Wir stehen vor einem

„Industrieschloss“. Also werden „neue Schlossherren“ gesucht, die

ihr Gewerbe nicht in einem der üblichen Gewerbegebiete oder im

„Businesspark“ betreiben wollen. Die Stadtwerke werden weiterhin

eine schützende Hand über diese Perle der Industriekultur halten.

Die tiefsten Eindrücke vermittelt das Gaswerk, wenn man auch noch

die „Wunderwelt der Gasbehälter“ anschaut. Der Aufstieg auf den

hohen Scheibengasbehälter ist aus Sicherheitsgründen nur bei Führungen

möglich. Sie werden an Wochenenden im Sommerhalbjahr

angeboten. Nach telefonischer Vereinbarung kann man eine Führung

„aus erster Hand“ durch den Verein der Gaswerkfreunde buchen.

Wer es beim ersten Mal nicht schafft, kann ja noch einmal kommen.

Der komplette Erhaltungszustand macht das

Augsburger Gaswerk europaweit einzigartig.

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3

48

INDUSTRIEKULTUR

Die Wunderwelt der Gasbehälter

Leuchtgas wurde rund um die Uhr erzeugt. Die Öfen konnten nicht

einfach zurückgefahren oder wieder angefeuert werden. Der Verbrauch

war jedoch großen Schwankungen unterworfen – Tag und

Nacht, warme und kalte Tage. Es musste also zwischengespeichert

werden. Dafür haben die Ingenieure „Gaskessel“ konstruiert. Sie

mussten sicher, gasdicht und immer mit gleichem Druck gefüllt und

entladen werden. Im Gaswerk Augsburg ist eine weltweit einmalige

Ansammlung von vier unterschiedlichen Gasbehältern, die zwischen

1910 und 1953 erbaut wurden, zu bestaunen. Dadurch ist ein „Freilichtmuseum“

der Gasspeichertechnik entstanden. Erhalten sind

· der kleine Teleskopbehälter, entstanden 1910: Durchmesser 40 m –

Gerüsthöhe 32,5 m – Volumen 25 000 m 3 – Gasdruck 10 bis 19 mbar

· der große Teleskopbehälter, entstanden 1913: Durchmesser 53 m –

Gerüsthöhe 34,4 m – Volumen 50 000 m 3 – Gasdruck 10 bis 18 mbar

· der hohe Scheibengasbehälter, entstanden 1953: Durchmesser

45 m – Höhe 86 m – Volumen 100 000 m 3

Und dann der „Schwarze 1er“, der Wassergasbehälter von 1913:

Er ist der weltweit erste Gasbehälter in der Scheibentechnik, ge-

Wirkt wie „Kunst im Gaswerk“ – das Oberlicht

im Inneren des Scheibengasbehälters.


DIE GASKESSEL

Die Teleskopbehälter und der 1953 gebaute

Gasometer des Gaswerks Augsburg.

baut wurde er für die Speicherung von Wassergas. Dieser Stahlbehälter

wurde seinerzeit zur Sicherheit ummauert. Die Ummauerung

ist erhalten, der Stahlkessel entfernt. Der Innenraum wirkt wie eine

Rundkirche. Für diese Erfindung erhielt die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg

am 5. September 1913 das Kaiserliche Patent. Wer

an so viel Technik nicht interessiert ist, oder wer die Funktionsweise

trotz der Erklärungen nicht ganz versteht, kann sich einfach von der

stillen Schönheit dieser Innenräume beeindrucken lassen.

Die Teleskopbauweise funktioniert jedenfalls so: Eine „Tasse“ aus

Stahl ist mit Wasser gefüllt. Wohlgemerkt, der Durchmesser liegt

zwischen 40 und 53 Metern. In diese Tasse ist eine „Glocke“ eingetaucht.

Strömt Gas durch das Wasser von unten ein, hebt sich die

Glocke nach oben, geführt an einem zierlichen Führungsgerüst. Das

Fassungsvermögen der Glocke kann vergrößert werden, wenn zwei

Ringe an sie angehängt sind. Sie bewegen sich dann mit der Glocke

teleskopartig nach oben.

Bei der Scheibenbauweise muss man sich eine Blechdose vorstellen,

in der sich der Deckel je nach Füllung auf und ab bewegt. Die

Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg baute weltweit 500 Scheibengasbehälter

– sie hatte das Weltmonopol. In Europa existieren nur

noch wenige, alle ohne das zugehörige Gaswerk. In Oberhausen

im Ruhrgebiet ist der größte dieser Gasbehälter zu bestaunen.

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3

50

INDUSTRIEKULTUR

Die Schuhfabrik Wessels ist ein Glücksfall

gut erhaltener Industriearchitektur.

2

Die Schuhfabrik Wessels

Wir sind durch den Torbau des Gaswerkes wieder zurück in der

August-Wessels-Straße. Wer war dieser Herr Wessels? Mit einem

Schuster aus Oldenburg und einem Pfarrer aus Wörishofen hat alles

begonnen. Der Schuster war während seiner Lehr- und Wanderjahre

in Augsburg angekommen und erhielt eine Anstellung bei der Zolle’schen

Schuhfabrik in Oberhausen. Beim Studium eines Buches über

die Kneipp’sche Heilkunde blieben seine Gedanken „in der Sandale

stecken“. 1895 machte sich August Wessels in der Kaltenhoferstraße

in Oberhausen selbstständig. Der Schuhmacher fertigte Sandalen in

Handarbeit. Ein Helfer schnitt zu, dessen Frau steppte, Meister Wessels

zwickte und nähte durch. Dann belud er sich und ging mit seinen

Sandalen hausieren. In wenigen Monaten stieg der Absatz steil an. Die

Tagesfertigung lag bald bei 140 Paar Sandalen und 50 Paar Schuhen.

Ein Jahr später erwarb Wessels ein Grundstück an der Feldstraße

und der Anfang für die heutige große Fabrik war gemacht. Nun wurden

moderne Schuhe aller Art maschinell hergestellt. 1902 waren 125

Arbeiter beschäftigt. 1908 war die Schuhfabrik der größte Spezialhersteller

von Sandalen, Leinen- und Sportschuhen im Kaiserreich. Bald

zählte die Belegschaft über 1000 Menschen. Die beiden Weltkriege

brachten Krisen und die Umstellung auf Kriegsprodukte. Danach aber

folgte ein glanzvoller Wiederaufstieg. 1965 beschäftigte das Unter-


VOM GASWERK ZUM STADTBAD

nehmen am Standort in Oberhausen und in zwei weiteren Betrieben

2500 Menschen. 1970 war alles vorbei. Die Schuhfabrik Romika übernahm

die restliche Belegschaft. Das ist eine typische Geschichte vom

atemberaubenden Aufstieg eines Unternehmens im 19. Jahrhundert

und über das jähe Ende nach 1970. Blieben nicht Bauwerke erhalten,

könnten wir die Geschichte nur noch in Schriften lesen – dank sei dem

Denkmalschutz. Während ich das erzähle, sind wir durch die Unterführung

der Bahnlinie in Richtung Nürnberg gegangen und vor dem

Portal der Wessels-Fabrik angekommen. Schranke davor, kein Zutritt.

Wir müssen unsere Köpfe weit in den Nacken legen, um an den

mächtigen Fassaden hochzuschauen. Wenigstens einen Blick in

den Innenhof dürfen wir auf Anfrage werfen. Es herrschen strenge

Sicherheitsvorkehrungen. Was ist das heute für ein Betrieb? Nach

dem Ende erwarb eine Maschinenfabrik aus Friedberg die 16 000 m 2

große Nutzfläche. 1986 ging dieses Objekt an eine Immobilienfirma.

Es wurde außen und innen umfassend saniert. Die hallenweiten Geschosse

teilte man in Büro-, Schul- und Laborräume auf. Auch die

technische Ausrüstung wurde den neuen Anforderungen angepasst.

Die Schuhfabrik Wessels gehört zu den Glücksfällen, die nach ihrem

„Aus“ einen klugen Immobilienverwerter gefunden hat. Der Erhalt der

gesamten städtebaulichen Anlage einschließlich ihrer Architekturqualität

wurde als eine Chance erkannt. Heute ist das Werk voll und

dauerhaft an ein großes Unternehmen der Labordiagnostik vermietet.

Auch eine medizinisch-technische Schule und einige kleinere Firmen

zählen zu den Mietern. Interessant wäre es, wenn der Reisende mehr

sehen könnte als nur die Außenfront und ein bisschen vom Innenhof.

Doch wer auf den Gasometer im Gaswerk nebenan steigt, der kann

die Gesamtanlage von oben betrachten – es lohnt sich. Dieses Werk,

das heute so einheitlich aussieht, hat sich von 1896 bis 1919 in Bauabschnitten

entwickelt. Ein Architekt namens Horle hat mit einem

winkelförmigen Blankziegelbau begonnen. Jean Keller – dem wir auf

unserem Weg zu den Perlen der Industriearchitektur noch häufiger

begegnen werden – hat ab 1904 in moderner Betonskelettbauweise

weitergebaut. 1910/11 wurde das Werk von Philipp Jakob Manz verlängert.

Den letzten Bauabschnitt von 1919 plante Eduard Rottmann.

Dieses alles können wir uns vermutlich nicht merken und ohne eine

Führung im Detail wohl auch nicht begreifen. Doch wir spüren immerhin,

dass hier ein Unternehmer seine Geschäfte über lange Zeit mit

Sinn für die Baukultur geführt hat. Das macht die Einheitlichkeit und

zugleich das Lebendige an der Schuhfabrik Wessels aus.

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3

52

INDUSTRIEKULTUR

Auf einem Briefbogen von 1910 ist das damalige

Werk der Maschinen- und Bronzewarenfabrik

Riedinger abgedruckt.

3

Maschinen- und Bronzewarenfabrik Riedinger

Wir machen uns auf den Weg in das „Reich Riedingers“ in Oberhausen.

Was das Dorf Oberhausen vor der Industrialisierung ausmachte,

ist im alten Ortskern nur noch zu erahnen. Was muss das für ein Überfall

der modernen Zeit gewesen sein, wenn rundherum in wenigen

Jahren solch riesige Fabrikbauten entstanden sind? Die neuen Unternehmer

haben mit ihren Ideen, Produkten und Fabrikationen handwerkliche

Existenzen verdrängt. Das verlief nicht ohne Protest und

soziale Not. Diesen neuen Maßstab haben wir soeben an Wessels

Fabrik gesehen. Auch Ludwig August Riedinger war solch ein ungebändigter

Erneuerer. Am Senkelbach hat er sein Imperium geschaffen.

Wir stehen auf der Brücke über der Wertach. Tief unten der Fluss,

seit der Regulierung schnurgerade und eingetieft. Hier beginnt die

Riedingerstraße. Südlich dieser Straße zwischen Wertach und

Senkelbach hat anno 1857 Ludwig August Riedinger die „Mechanische

Werkstatt am Senkelbach“ begründet. 1850 hatte er dort schon

eine Hammerschmiedegerechtsamkeit gekauft. Zuvor war Riedinger

technischer Direktor der Mechanischen Baumwoll-Spinnerei und

Weberei (SWA), von der wir noch Großes sehen und hören werden.

Gleichzeitig war er auch ein Pionier der Gasbeleuchtung und Planer

von Gaswerken in ganz Deutschland.


VOM GASWERK ZUM STADTBAD

Es lag nahe, dass er am Senkelbach anfing, Gasapparate im großen

Stil zu bauen. Bald war die Maschinenfabrik „universal“: Gasometerglocken,

Gasuhren, Brauereieinrichtungen, Bierkühler, Feuerwaffen,

Dampfmaschinen … Die Maschinenfabrik hatte 1893 drei Turbinen,

zwei Dampfmaschinen, 195 Drehbänke, 28 Hobelmaschinen, 69 Bohrund

Fräsmaschinen und etliche andere Maschinen. Ab 1875 wurden

durch die Gasabteilung 180 Gasfabriken erbaut und 5000 Eisenbahnwagen

mit rund 20 000 Gasflammen ausgerüstet. Riedinger leuchtete

acht fürstliche Schlösser, 40 Staatsgebäude, 16 Theater, zwölf Bahnhöfe,

zwölf Kirchen und über 100 Vergnügungsetablissements aus.

1884/85 entstand im Zentrum der Anlage eine rund 110 Meter lange,

dreischiffige Maschinenbauhalle mit palastartiger Stirnfront, ein

Höhepunkt des Industriehallenbaus in Augsburg. Der großzügig verglaste

Obergaden machte diese Halle strahlend hell. Mitten in dieser

Maschinenfabrik stand auch das Direktorenhaus, erbaut 1865. Von

dieser Pracht ist leider nichts erhalten.

1927 erfolgte nach dem Ableben des Gründersohns August Riedinger

die Fusion der Maschinenfabrik mit der MAN. Das Unternehmen wurde

als „L. A. Riedinger’sche Bronzewarenfabrik für Lampen“ bis 1967

fortgeführt. In das Fabrikareal ist längst der Druckmaschinenhersteller

„manroland“ hereingewachsen. manroland ist heute selbstständig

und der wohl bedeutendste Hersteller von Druckmaschinen weltweit.

Bronzewaren und Beleuchtungskörper: ein

Werbedruck von L. A. Riedinger in Augsburg.

53


3

54

INDUSTRIEKULTUR

Die kunstgewerbliche Sparte der Maschinenbaufabrik kreierte Beleuchtungskörper

und Bronzewaren, die europaweit begehrt waren.

Zu den viel bewunderten Unikaten in prominenten Bauwerken gehörten

der mit Elektrolampen bestückte Leuchter in der Fürstenherberge

„Drei Mohren“ in Augsburg, 1894 die riesigen Bronzeleuchter für den

Reichstag in Berlin (jede Leuchte mit einem anderen Entwurf) und

eine drei Tonnen schwere Deckenleuchte aus Muranoglas mit 250

Lampen im Zuschauerraum des Theaters Augsburg.

Karl Riedinger war kreativ und rastlos wie sein Vater August. Ab 1894

wurden auf dem Gelände der Maschinenbaufabrik am Senkelbach

„Fluggeräte“ entwickelt. Es begann mit einem „Lenkballon“ für militärische

Zwecke. Bald wurde ein Flugzeug konstruiert. Es kam aber nur

zu einem Versuchsexemplar. Ein windstabiler Drachenballon folgte.

Diese Entwicklungen fanden in der stilvollen Halle statt, die ursprünglich

die Kunstgewerbesammlung Karl Riedingers aufnehmen sollte.

1897 wurde auf dem Firmengelände eine Ballonfabrik gegründet. Der

Major von Parseval war ein erfahrener Konstrukteur und der Partner

Riedingers. Bis 1931 wurden 28 zusammenlegbare Parseval-Luftschiffe

gebaut, die meisten für das Militär. Auf einer Reise nach Süddeutschland

landete die „Parseval III“ im Oktober 1909 in Augsburg. Dieses

75 Meter lange, zigarrenähnliche Luftschiff mit 5600 m 3 Volumen wollten

damals Tausende sehen. Aus der Ballonfabrik Riedinger von 1897

ging die Ballonfabrik Augsburg hervor, die bis 2009 existierte und sich

auf See- und Luftausrüstungen spezialisiert hat.

4

Die Riedinger-Buntweberei

Ludwig August Riedinger hatte reichlich Erfahrung im Textilbereich,

war er doch schon 1842 zum technischen Direktor der Mechanischen

Baumwoll-Spinnerei und Weberei Augsburg (SWA) berufen worden,

dem damals größten Textilbetrieb in Bayern. Dort schied er 1852 aus

und gründete 1857 seine große Maschinenfabrik südlich der heutigen

Riedingerstraße. Anno 1865 folgte – ebenfalls am Senkelbach – eine

Weberei nördlich der Riedingerstraße. Anfänglich firmierte sie unter

dem Namen „Mechanische Baumwollweberei“ und produzierte mit

200 Webstühlen. Sie wurde bald in eine Buntweberei umgewandelt.

1869 zählte man 430 Webstühle mit knapp 600 Arbeitern. Die Weberei

war ein integrierter Betrieb mit Spinnerei, Bleicherei, Färberei und

Appretur. Für diesen komplexen Betrieb standen anfänglich kein geeignetes

Führungspersonal und auch nur wenig geschulte Arbeiter

zur Verfügung. Doch Ludwig August Riedinger überwand alle Hindernisse.

Ein Drittel seiner Produktion bestand aus Artikeln in Türkisch


VOM GASWERK ZUM STADTBAD

Rot – damals eine Modefarbe – und farbigem Bettzeug, aus Futterstoffen,

Kleidern und Blusen, Barchenten und Trikots. Das Garn dafür

wurde teilweise in England hergestellt.

Die Buntweberei Riedinger war eine Anlage im Fabrikschlossstil.

Nach ihrer weitgehenden Zerstörung im Krieg entstand ein Websaal

in Schalenbeton. Anfang der 1950er Jahre kamen ein Hochbau für ein

Weberei-Vorwerk und ein Kraftwerk dazu. Die Fabrikansicht wird von

einem überlangen Betonskelettbau mit eng gestellten Vertikalstützen

bestimmt, der 1958 für eine Kleiderfabrik entstand. Die Kleiderfabrik

ist nun ein Schulgebäude. Die Buntweberei Riedinger (zuletzt gehörte

sie zum Dierig-Konzern) wurde nach ihrer Stilllegung (1982) zunächst

zum „Riedinger-Park“ und – in jüngerer Zeit – zum „Augsburg-Park“.

Als wir dort waren, war es gar nicht einfach, den Eingang zu finden.

Unter vielen Firmenschildern hing auch ein kleines in Weiß mit der

Aufschrift „Riedinger-Park“. Einen Augenblick lang hofften wir, dass

aus der stillgelegten Fabrik ein schöner Park geworden ist. Denn nicht

viel weiter nördlich, am Zusammenfluss zwischen Lech und Wertach,

erstreckt sich das Landschaftsschutzgebiet „Wolfzahnau“. Doch kein

Park weit und breit: nur ein heterogen genutztes gewerbliches Land –

teilweise auch „Un-Land“ – mit einer Einfahrt, in die man sich kaum

hineintraut. Sich in diesem „Park“ aufzuhalten lohnt nur dann, wenn

das Interesse an der Geschichte dieses Werks überwiegt.

1865 entstand Ludwig August Riedingers

Buntweberei am Senkelbach.

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3

56

INDUSTRIEKULTUR

Ludwig August Riedinger (1809 – 1879)

Ludwig August Rüdinger wurde 1809 in Württemberg geboren. Sein

Vater war Landwirt und Schneider. Der junge Riedinger, wie er sich

dann später nannte, machte eine Schreinerlehre und wurde in einer

Baumwollspinnerei in Heidenheim Modellschreiner. 1837 erhielt er

einen Preis für Verbesserungen an einer Vorspinnmaschine. Wohl

mit diesem Ruf wurde er nur wenig später von der Mechanischen

Baumwoll-Spinnerei und Weberei in Augsburg (SWA) als Karderiemeister

eingestellt. Vier Jahre später war er technischer Direktor.

1852 verließ er die SWA aus Zorn über die Blockaden der alteingesessenen

Augsburger Wirtschaftskreise. Ausgestattet mit einem

Vertrag des Chemikers Max von Pettenkofer widmete er sich 1852

dem Bau von Gasanstalten und der Einrichtung von Gasbeleuchtungen

in ganz Deutschland. Von seiner 1857 gegründeten Maschinenfabrik

am Senkelbach und der Weberei (der späteren Buntweberei)

von 1865 am Senkelbach war schon die Rede.

Riedinger war Schreiner, Erfinder, Textilingenieur, Maschinenbauer,

Pionier des Leuchtgaswesens, Lichtdesigner – so würde man heute

sagen. Er gehörte am Ende seines Lebens zu den reichsten Unternehmern

Bayerns. Im Jahr vor seinem Tod erwarb er noch das erste

Haus am Platz, das Hotel „Drei Mohren“. 1879 verstarb der ebenso

bedeutende wie erfolgreiche Augsburger Industrielle.

Ludwig August Riedinger war „ein guter Patriarch“, sorgte für den

wirtschaftlichen Erfolg seiner Unternehmen und umsorgte die zugehörigen

Belegschaften. In einem Porträt von Peter Fassl, Bezirksheimatpfleger

für das bayerische Schwaben, steht geschrieben:

„… Trotz dieses Aufstiegs zum Großindustriellen blieb Riedinger

als ‚der Mann aus dem Volke’ … in engem und unmittelbarem Kontakt

zu seinen Arbeitern, bei denen er höchstes Ansehen besaß.

Stolz auf seinen Werdegang aus eigener Kraft waren ihm ‚Treu und

Glauben’ … die Grundpfeiler der menschlichen Gesellschaft, wie

er in seiner Autobiografie schrieb .“

Fassl weiter: „Über die inneren Gründe seiner rastlosen Arbeit gibt

er in dem 1875 von Ferdinand Wagner gemalten Porträt (heute im

Hotel ‚Drei Mohren’) in seiner Autobiografie Auskunft. Riedinger

steht vor einem Kartentisch mit den Plänen der Gaswerke von Coburg

und Mantua (beide Städte verliehen ihm das Ehrenbürger-


DER GUTE PATRIARCH

recht), im Hintergrund sieht man zwei Bücher mit den Titeln ‚Die

Schule des Lebens’ und ‚Ueber Wissenschaft und Arbeit als Quelle

des Wohlstands für Alle’. Riedinger hatte die Nöte und Mühen des

kleinen Mannes am eigenen Leib verspürt, er sah seine Arbeit als

eine Pflicht, seinen Aufstieg als Ansporn und Aufgabe, sein Schaffen

letztlich als Dienst am Fortschritt und damit am Menschen.

Der vitale und bis zuletzt energiesprühende Mann wurde am 20. April

1879 nach einem Schlaganfall mitten aus seiner Arbeit gerissen.

10 .000 Menschen begleiteten den Toten zum protestantischen Friedhof.

Kein anderer Augsburger Wirtschaftsführer genoss im 19. Jahrhundert

beim einfachen Arbeiter ein vergleichbares Ansehen. Sein

wirtschaftliches Werk mutet eher ‚amerikanisch’ an und blieb in

dieser Spannweite in Bayern einmalig. Auf dem abgebildeten Gemälde

schaut Riedinger bärbeißig und mit einer Andeutung von

Schmunzeln in die Ferne. Er hat gerade einen Brief gelesen, gelassen

überlegt er die weiteren Schritte. Reiche Erfahrung, Selbstsicherheit

und Tatkraft strahlt das markante Gesicht aus, ein Unternehmer,

der mit Stolz auf seine Leistung schauen kann.“ (Zitate aus:

„Schauplätze der Industriekultur in Bayern“, Hrsg. Werner Kraus,

S. 39/40) Beim Weggehen aus dem „Riedinger-Park“ sind wir uns

einig: Ludwig August Riedinger hätte zu beiden Seiten des Senkelbachs

wirklich große Architektur im Park verdient.

Der Augsburger Ludwig August Riedinger

zählte zu den bedeutendsten bayerischen

Großindustriellen des 19. Jahrhunderts.

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3

58

INDUSTRIEKULTUR

Eine Postkarte aus der Zeit vor 1898 zeigt

die Maschinenfabrik Augsburg und ihre

Lage am Stadtbach.

5

Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN)

Wir stehen an der Ecke Riedinger-/Wolfzahnaustraße vor der MAN.

Mit großen Buchstaben steht an diesem Tor „MAN Diesel & Turbo“.

Wie machen wir uns dieses riesige Werk begreifbar, wenn es in

Betrieb und somit – außer bei Führungen – nicht begehbar ist?

Ich schlage vor, wir umlaufen den Komplex über die Sebastianstraße

in die Stadtbachstraße und danach hinauf bis zur MAN-Brücke über

den Lech. Rund 3000 Mitarbeiter sind hier vorrangig mit dem Bau von

Dieselmotoren beschäftigt. In den Hallen der MAN Diesel & Turbo SE

entstehen im Jahr 2010 Schiffsmotoren mit einer Leistung von bis zu

29 368 PS. Der Versuchsmotor von Rudolf Diesel hatte damals 20 PS.

2008 feierte die MAN ihr 250-jähriges Bestehen. Das Augsburger

Werk entstand erst 1840 als Sander’sche Maschinenfabrik. Es gibt

in der MAN also noch eine wesentlich ältere Wurzel. Sie steckte im

Boden des nördlichen Ruhrgebietes. Die „St.-Antony-Hütte“ wurde

1758 in Oberhausen-Osterfeld gegründet. Damals sah eine Eisenhütte

noch aus wie ein Bauernhof in einer idyllischen Landschaft. Wasserkraft

wurde aus angestauten Teichen bezogen, weil der kleine Bach

nicht genug Kraft hatte. Das Raseneisenerz kam auch von nebenan.

Auch die Maschinenfabrik in Augsburg sah 1857 noch nicht aus wie


VOM GASWERK ZUM STADTBAD

eine „richtige“ Fabrik, obwohl sie seit 1857 „Maschinenfabrik Augsburg

hieß. Die von Ludwig Sander gegründete Firma war zuvor gemeinsam

von ihm und Carl August Reichenbach als „C. Reichenbach‘sche

Maschinenfabrik“ geführt worden.

Von da an dauerte es noch fast 40 Jahre bis zur Erfindung des Diesel-

Motors. Aber schon die ersten Produkte aus den 1850er Jahren genossen

im Gebiet des Zollvereins einen guten Ruf – Turbinenräder

mit hohem Wirkungsgrad, Transmissionen, Dampfmaschinen, Schriftgießereimaschinen

und Schnelldruckpressen mit bestem Farbwerk

gehörten zum Programm. Damals waren 500 Arbeiter beschäftigt. Mit

ihren Druckmaschinen erwarb sich die Maschinenfabrik Augsburg

Weltgeltung. Das Unternehmen entwickelte 1873 die deutschlandweit

erste Rotationsdruckmaschine für Zeitungsdruck. Von MAN Roland –

heute manroland AG – wird später noch die Rede sein.

Die MAN hat noch eine dritte Wurzel. Sie geht auf die „Maschinenfabrik

und Eisengießerei Klett & Comp.“ von 1841 in Nürnberg zurück.

Dieser Zweig der MAN hat sich früh auf Waggons, Tragwerke, Hallen

und Brücken ausgerichtet. Ein berühmtes, heute wieder aufgestelltes

Bauwerk war die Schrannenhalle in München. Die Eisengießerei in

Nürnberg war der wichtigste Wegbereiter des Eisenbahnwesens. Der

Brückenbau zeugte eine Seitenwurzel in Mainz, wo ab 1860 das Werk

Gustavsburg aus einer Brückenbaustelle hervorging. An dieser Stelle

drängt sich eine Rückblende zum Augsburger Gaswerk auf: Denn die

„Gustavsburger“ haben zu Beginn des 20. Jahrhunderts nahezu alle

Scheibengasbehälter gebaut.

Die Reichenbach’sche Maschinenfabrik und

Eisengießerei war ein Vorläufer der MAN.

Das Unternehmen sah noch eher nach einer

ländlichen Idylle als nach einer Fabrik aus.

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60

INDUSTRIEKULTUR

2010 beschäftigte die MAN-Gruppe weltweit rund 48 000 Arbeitskräfte.

In Augsburg ist mit MAN Diesel & Turbo SE und dem Getriebebauer

RENK AG noch ein starker Zweig beheimatet, zusammen 4000 Arbeitsplätze.

Wie entstand die MAN-Gruppe? Augsburg und Nürnberg vereinten

sich 1898. Die Nürnberger brachten das Werk Gustavsburg

mit. Der Name MAN entstand 1908. Im Ruhrgebiet ist aus der kleinen

Antony-Hütte die große Gutehoffnungshütte, Aktienverein für Bergbau

und Hüttenvertrieb, geworden. Sie übernahm 1921 die Aktienmehrheit

bei der MAN. Der Name MAN ist geblieben. Heute wird der

Konzern in München verwaltet. Druckmaschinen werden seit 2008

bei der manroland AG gebaut: Der zweitgrößte Hersteller von Drucksystemen

und Weltmarktführer im Rollenoffset zählte 2010 in Augsburg

2700 Mitarbeiter. Das ist die 250-jährige Erfolgsgeschichte von

Eisenhütte, Gießerei, Maschinenbaufabrik und Fahrzeugbau.

Bevor wir nun an der MAN entlanglaufen, bietet sich ein Abstecher

in die gegenüberliegende Heinrich-von-Buz-Straße an. Dort machen

wir einen Kurzbesuch beim MAN-Museum. Im Blick auf das Gegenüber

bekommen wir ein Gefühl von der Größe des Werks manroland

AG. Wieder zurück am Buz-Tor gehen wir an der Sebastianstraße

entlang. Dort hat sich die Kapuzinerkirche St. Sebastian gegen die

Ausweitung des MAN-Werks behauptet. Beinahe ohne Trennfuge

gehen die Mauern von Konzern und Kloster ineinander über. An der

Ecke Stadtbachstraße steht das imposante Verwaltungshochhaus,

vom MAN-Baubüro in den Jahren 1960/61 errichtet.

Die Maschinenbaufabrik hatte ihre Anfänge am Stadtbach und erweiterte

sich von da aus nach Westen und Norden mit Gießereien und

mehrschiffigen Montagehallen, die unter anderem von den Architekten

Johann Hosp und Jean Keller entworfen wurden. In diesen recht

betagten Hallen wird heute noch effizient produziert – davon können

wir jedoch nichts sehen. An der MAN-Brücke drängt sich ein anderes

Großunternehmen mit langer Tradition vor Augen: Die Haindl-Papier

GmbH. Genau genommen: die ehemaligen Haindl-Werke. Denn 2001

wurde das traditionsreiche Familienunternehmen an den finnischen

Konzern UPM Kymmene Group veräußert.

Das MAN-Museum

Das MAN-Museum, ein langgestrecktes Bauwerk in der Heinrich-von-

Buz-Straße, ist äußerlich wie im Inneren von gediegener Eleganz.

Das Gebäude wurde 1938 als „Forschungsanstalt für Gestaltfestigkeit“

nach neuesten Erkenntnissen gebaut. Dies war eine Prüfanstalt


Heinrich von Buz (1833 – 1918)

TREIBENDE KRAFT

Heinrich von Buz war eine der Persönlichkeiten,

denen die Entwicklung Augsburgs

zur führenden Industriestadt zu verdanken

war. Sein monumentales Denkmal steht vor

dem Verwaltungshochhaus der MAN.

Heinrich Buz studierte an der Polytechnischen Schule in Augsburg.

Vater Carl Buz holte den Sohn 1857 in die Maschinenfabrik Augsburg,

die der Sohn in den Jahren zwischen 1864 und 1913 mit außergewöhnlichem

Erfolg führte. Anno 1898 betrieb er die Vereinigung

mit der Maschinenbau-Aktien-Gesellschaft Nürnberg. Heinrich Buz

gab dem jungen Rudolf Diesel die Werkstatt und die Freiräume für

die Entwicklung des Dieselmotors. Unter seiner Führung entstanden

aber auch die erste deutsche Rotationsdruckmaschine und die erste

Linde’sche Kältemaschine. Heinrich Buz war überdies die treibende

Kraft bei der Gründung der Augsburger „Localbahn“.

Man nannte von Buz einen „Bismarck der deutschen Maschinenbauindustrie“.

1907 wurde er geadelt. Heinrich Ritter von Buz starb

1918 als einer der reichsten Unternehmer Bayerns. Buz war eine

zentrale Persönlichkeit bei der Entwicklung Augsburgs zu einer

führenden Industriestadt des 19. Jahrhunderts. Ein monumentales

Steindenkmal vor dem MAN-Hochhaus an der Stadtbachstraße ehrt

den großen Augsburger Unternehmer. Das MAN-Museum liegt an

der nach dem Firmenlenker benannten Heinrich-von-Buz-Straße.

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62

INDUSTRIEKULTUR

Ab 1845 wurden bei MAN Druckmaschinen

gebaut. 1873 entstand die erste Rotationsdruckmaschine

für den Zeitungsdruck.

für originalgroße Teile in Hochleistungs-Dieselmotoren. Nach Kriegsende

wurde diese technisch wegbereitende Prüfanstalt von den

Besatzungsstreitkräften demontiert. In der einen dadurch frei gewordenen

Halle wurde das Werksmuseum mit etwa 700 Quadratmetern

Ausstellungsfläche eingerichtet. Der unbestrittene „Star“ in dieser

Ausstellung ist der Versuchsmotor von Rudolf Diesel. Bei Führungen

kann dieser Motor wieder in Gang gesetzt werden. Davon ausgehend

wird hier die Entwicklung des Dieselmotors dargestellt.

Die andere Linie der Exponate beginnt mit einer handbetriebenen

Schnellpresse, Baujahr 1846, die 1000 Bogen pro Stunde druckte. Die

ausgestellte Schnellpresse wurde bis 1974 in der Justizvollzugsanstalt

in Amberg zum Druck von Formularen eingesetzt. 1873 entstand bei

der Maschinenfabrik Augsburg die erste Rotationsdruckmaschine für

Zeitungsdruck, die man 1873 auf der Weltausstellung in Wien zeigte.

Mit einer im MAN-Museum ausgestellten Druckmaschine dieser Bauart

wurde in Leipzig das Meyer’sche Konversationslexikon gedruckt.

Ein besonders schönes Schaustück ist der Ackerschlepper AS325H,

Baujahr 1951. Dieser wurde von 1949 bis 1952 insgesamt 1450-mal

produziert. Ein Blickfang ist auch das Modell der MS Mozart, eines

Luxus-Flusskreuzfahrtschiffs, das auf der Deggendorfer Werft für die

Donauschifffahrt gebaut wurde. Die Antriebsleistung betrug zweimal

1622 PS. Das großzügig gestaltete MAN-Museum bietet einen reprä-


VOM GASWERK ZUM STADTBAD

Das MAN-Museum steht an

der Heinrich-von-Buz-Straße.

Das bekannteste Exponat

dieses Werksmuseums ist

der Versuchsmotor Rudolf

Diesels. Noch immer kann

dieser Motor zum Laufen

gebracht werden.

sentativen Rahmen für Veranstaltungen. Die „Augsburg-Halle“ mit

200 Sitzplätzen kann angemietet werden. Das MAN-Museum wird von

manroland betrieben, ist aber ein Gemeinschaftswerk der manroland

AG, der MAN SE und MAN Diesel & Turbo SE.

Von der Hochdruck-Rotation zu „manroland“

Die lange und erfolgreiche Linie der Druckmaschinen bei MAN nahm

mit der ersten handbetriebenen Schnelldruckpresse ab 1845 ihren

Anfang. Die große Innovation war dann die Hochdruck-Rotationsmaschine

von 1873. Woher kommt der Name Roland? Im Jahr 1871

gründeten Louis Faber und Adolf Schleicher eine Gesellschaft zur

Produktion von lithografischen Schnellpressen in Offenbach. Im Jahr

1911 wurde vom Unternehmen „Faber & Schleicher AG“ die erste

Bogenoffsetpresse mit der Bezeichnung „Roland“ gebaut. Die Druckmaschinenbereiche

der MAN und der „Rolandoffsetmaschinenfabrik

Faber & Schleicher“ schlossen sich 1979 zur „MAN Roland Druckmaschinen

AG“ zusammen. 2008 entstand aus der MAN Roland die

manroland AG.

Wir sind die Heinrich-von-Buz-Straße entlanggelaufen und haben so

eine oberflächliche Vorstellung von diesem Werk gewonnen. An der

Ecke zur Ottostraße sind noch einige alte Gebäude aus der Zeit der

Riedinger’schen Maschinenbaufabrik erhalten. Bis zur Eingliederung

in die MAN 1927 lag auf dem Areal zwischen der Wertach und der

Heinrich-von-Buz-Straße die erfolgreiche Maschinenbaufabrik von

Riedinger, angetrieben von der Wasserkraft des Senkelbachs.

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190

INDUSTRIEKULTUR


AM LECH ENTLANG

Stromgewinnung und reines Wasser

Die Gebirgsflüsse Lech und Wertach erleichterten nicht

nur seit jeher den Warentransport nach Augsburg, sondern

waren auch eine wichtige Kraftquelle für das Handwerk.

Ab dem 19. Jahrhundert profitierten dann auch die Fabriken

der Textil- und Metallindustrie an den Augsburger Stadt-

bächen von der Stromgewinnung aus Wasserkraft. 1901

entstand am Lechkanal in Gersthofen am nördlichen Stadt-

rand von Augsburg das erste große Kraftwerk am neuen

Lechkanal. Von ihm ging die Elektrifizierung der Region

aus. Dank des Wasserreichtums des Lechs ist aber auch

Augsburgs Trinkwasser bis heute besser als anderswo.

Um es zu gewinnen, schuf man 1878 ein Wasserwerk, das

europaweit als technische Sensation bestaunt wurde.

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INDUSTRIEKULTUR

Im Jahr 1907 wurde das Wasserkraftwerk in

Langweid errichtet. 2008 entstand dort das

Lechmuseum Bayern – Strom aus Wasserkraft

wird hier noch immer gewonnen.

Im Lech und am Lech:

Trinkwasser und Wasserkraft

Auf die Gesundheit!

Wir haben uns heute im „Alten Wasserwerk“ der Stadt Augsburg

verabredet. Dort werden wir mit einem Glas des allerbesten Trinkwassers

in Mineralwasserqualität begrüßt. Reiner und natürlicher

geht es nicht. Es wird aus den Quellen im umgebenden Schutzgebiet

gewonnen. Warum gibt es für das gemeinsame Trinken von Wasser

keinen Trinkspruch? „Auf die Gesundheit“ sollte nur dafür reserviert

sein. Unsere anschließende (Rad-)Wanderung ist dem Lech gewidmet.

Dieser Fluss „bewässert“ Augsburg seit Jahrhunderten.

Große Bewässerungsanlagen vermutet man ja eher in Trockengebieten.

Die großen Wasserbaukulturen waren in der Geschichte

im Orient, in Ostasien oder in Mittelamerika zu finden. Die Anfänge

der Gesetzgebung gehen auf die Kodifizierung der Wasserrechte

zurück. Die Römer wurden berühmt durch „Überlandleitungen“ für

Wasser und die zugehörigen Aquädukte. Der Islam hat im frühen

Mittelalter mit dem Vordringen nach Spanien die Wasserbaukultur


AM LECH ENTLANG

zur Blüte gebracht. Die Baumeister der Renaissance haben die Baukultur

des Wassers wieder aufgenommen und weiterentwickelt.

Augsburg war in der Geschichte immer nahe an Italien. Man nenne

eine andere Stadt nördlich der Alpen, die so früh und so meisterlich

die Versorgung mit Trinkwasser und Wasserkraft in die ummauerte

Stadt gebracht hat. Bildhaft ausgedrückt könnte man sagen, Augsburg

ist eine große Bewässerungsanlage.

Andere große Städte sind am Strom gebaut. Ihre Dome spiegeln sich

in Donau, Main, Rhein oder Elbe. Augsburg steht auf einem Sporn

vor dem Zusammenfluss von Lech und Wertach, sicher vor Hochwasser,

aber eben abseits der Flüsse. Daher musste mit einem ausgeklügelten

Kanalsystem vom Hochablass im Süden bis zum Kraftwerk

Wolfzahnau im Norden das Wasser in die Stadt geholt werden.

Am Hochablass schwärmen die Lechbäche aus, in der Wolfzahnau

werden sie wieder eingefangen. Dieses Wasserbausystem hat ganz

erheblich zur Blüte des Gewerbes in der Freien Reichsstadt und dem

darauf gegründeten Handel beigetragen. Stattliche Wassertürme

und die Prachtbrunnen in der Maximilianstraße sind bauliche und

kunsthistorisch bedeutende Symbole dafür.

Die Kraft der Lechbäche war in der Industriezeit eine maßgebliche

Attraktion für die Zuwanderung von Industriegründern. Denn Kraft

aus Dampfmaschinen erforderte in einer Zeit ohne Eisenbahn den

teuren Transport aus fernen Kohlerevieren.

Flöße auf dem Lech brachten Holz aus den Alpen. Die ergiebigen

Wassermengen blieben schon in der vorindustriellen Zeit Mühlen,

Sägewerken und Kattunmanufakturen vorbehalten oder bewässerten

die Bleichen im Vorfeld der Stadt. Darüber legte sich im 19. Jahrhundert

die energiehungrige Industrie.

Das riesige Schotterfeld, das den Lech vor und durch Augsburg begleitet,

führt aber auch reichlich Grundwasser als Quelle für bestes

Trinkwasser. Die Quellen liegen allerdings tiefer als die Stadt. Das

Wasser musste also in Wassertürme gepumpt werden, um mit Gefälle

in die Leitungen zu drücken. Dies verband die Wasserbaukunst

mit der Kunst von Triebwerken.

Wir werden heute aus dem „Wunderwerk“ des Wassers in dieser

Stadt nur den industriell bedeutsamen Ausschnitt sehen. Das ganze

kunstvolle System kann auf dem „Augsburger Wasserpfad“ mit einer

Führung der Regio Augsburg Tourismus GmbH erwandert werden.

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INDUSTRIEKULTUR

Der 1. Oktober 1879 war der offizielle Beginn

der neuen Wasserversorgung für die Stadt

Augsburg. Der „Urbau“ ist erhalten. Heute

ist er ein Wasserkraftwerk und ein Museum.

1

Das Wasserwerk am Hochablass

Unser Treffpunkt ist der Festsaal für die drei Zwillingspumpen, die

Trinkwasser in das Leitungsnetz der Stadt drückten. Ja – drückten!

Denn bis zur Inbetriebnahme des Wasserwerks am Hochablass im

Oktober 1879 wurde in Augsburg das Trinkwasser in die Wassertürme

hochgepumpt, um es (wie anderswo auch) mit „natürlichem“ Gefälle

zu verteilen. Unter anderen topografischen Bedingungen liegen die

Quellhorizonte aber so hoch, dass Hochspeicher in Türmen nicht nötig

waren. In Augsburg liegen die Quellen jedoch tiefer als die alte Stadt.

1871 nahm die Stadt Augsburg die Planungen für einen radikalen

technischen Systemwandel auf. Im „neuen Wasserwerk“ saugten

Pumpen das Grundwasser aus Bassins und drückten es über Druckleitungen

bis zum Endverbraucher. Der Druck entsprach der Wasserturmhöhe

von 50 Metern (5 bar). Dafür musste in kürzester Zeit fast

überall in der Stadt ein neues Leitungsnetz verlegt werden.

Diesen Druck erzeugten die drei imposanten Pumpen, die wir im

Maschinenhaus sehen, gefertigt von der Maschinenfabrik Augsburg,

der späteren MAN. Die Stadt Augsburg hatte so eine viel bewunderte

„technische Sensation“ geschaffen und dafür auch mit stattlicher


AM LECH ENTLANG

Architektur den passenden Rahmen gebaut. Der Maschinenraum

wurde stilvoll ausgemalt und mit einem ornamentalen Terrazzoboden

belegt. Die Mechanik der Pumpen ist nicht nur gut ablesbar, sondern

auch eine formschöne Installation. Die Halle ist sieben Meter hoch,

17,5 Meter breit und 37 Meter lang. Es wurde Platz gelassen für eine

vierte Zwillingspumpe, der dann aber nicht gebraucht wurde. Die

Halle ist der Schönheit wegen viel größer als es für einen schlichten

Wetterschutz für Maschinen notwendig gewesen wäre.

Wir gehen nach draußen. Die Stirnseite des Bauwerks ist der Haupteingang

mit zwei Ecktürmen und einem Mittelportal. Die Architektur

ist schlicht-schöne Neorenaissance. Wir wechseln auf die vordere

Längsseite. Vier Rundbogenfenster markieren die darunterliegenden

Einläufe für das Treibwasser aus dem Neubach. 12 m 3/s werden aus

dem Lech ausgestaut für den Antrieb von drei Jonval-Turbinen zu jeweils

70 PS, ebenfalls von der Maschinenfabrik Augsburg gebaut. Im

Interesse der Betriebssicherheit kam 1885 auch eine Dampfmaschine

mit einem Kesselhaus dazu, um Wasserschwankungen bei Eis oder

Niedrigwasser auszugleichen. Wie es sich damals gehörte, wohnte

der Direktor in einer standesgemäßen Villa am Werk.

Das damals sensationell innovative Wasserwerk ist heute ein Technikmuseum.

Aber nicht nur: Denn das Wasser des Neubachs lässt seine

Bei seiner Inbetriebnahme im Jahr 1879 galt

das turmlose Wasserwerk am Hochablass

europaweit als technische Sensation.

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INDUSTRIEKULTUR

Kraft nicht einfach laufen, sondern erzeugt jetzt als „Kleinkraftwerk“

Strom aus Wasserkraft. 1992 kehrten die generalüberholten Francis-

Turbinen für diese Aufgabe in das Technikmuseum zurück.

Die Stadt Augsburg hat 1879 ein Bauwerk geschaffen, das längst ein

Denkmal ist. Der Architekt war (sehr wahrscheinlich) Karl Albert Gollwitzer.

Die Stadt verkündete damals stolz, dass „alle Maschinen und

Gewerke“ von Augsburger Firmen stammen. Die Stadtwerke pflegen

und betreiben nun dieses Museum der modernen Wasserversorgung.

Mit ähnlicher Wertschätzung bewahren die Stadtwerke Bauten und

Industriegeschichte beim stillgelegten Gaswerk in Oberhausen und

beim Straßenbahndepot am Alten Bahnhof vor dem Roten Tor.

2

Der Hochablass

Der Hochablass im Süden der Stadt ist der Ursprung aller Wasserkraft,

so wie das Wasserwerk die Quelle der modernen Trinkwasserversorgung

ist. Es sind nur 300 Meter vom Wasserwerk-Museum zum

Hochablass. Dieses Lechwehr geht vielleicht schon auf die Zeit um

das Jahr 1000 zurück. Es ist 1346 erstmalig beurkundet, weil für den

Bau eine auf drei Jahre begrenzte Sondersteuer erhoben wurde.

Es ist schon ein großes Schauspiel: Das spiegelglatt gestaute Oberwasser

und der rauschende Ablauf unten am Wehr. Hier muss man

einmal bei Hochwasser gestanden haben, um die Kraft des Wassers

eindringlich auf sich wirken zu lassen. Bei Hochwasser kommen vor

dem Wehr etwa 1000 m 3/s an, bei Niedrigwasser nur 50 m 3/s.

Vor diesem Wehr ist immer ein „Stauziel“ von 484,5 Metern über dem

Meeresspiegel einzuhalten. Die Entnahme für die Lechbäche ist auf

36 m 3/s konzessioniert. Diese Wassermenge wird in den Hauptstadtbach

ausgeleitet. Bei schwacher Wasserführung wird dem Lech also

mehr als die Hälfte „gestohlen“ – entsprechend rinnsalig sieht der

„reißende Alpenfluss“ dann auch aus.

Auch heute steht das Wasser im Flussbett eher, als dass es fließt.

Große Kiesbänke sind aufgetaucht. Das Wasser ist glasklar und die

Schotterbänke laden zum Lagern und Sonnen ein. Niedrigwasser

ist im Spätsommer und im Herbst häufig. Mittleres Hochwasser hat

der Lech vom Frühjahr bis zum Frühsommer, wenn im Hochgebirge

der Schnee schmilzt – vorausgesetzt, die Füllung der 21 Lechstaustufen

oberhalb des Hochablasses – der Forggensee bei Füssen ist

der Kopfspeicher – ist im Vorjahr nicht defizitär verlaufen.


AM LECH ENTLANG

Eine historische Postkarte zeigt den nach

der Hochwasserkatastrophe vom Juni 1910

anstelle des gesprengten Wehrs erbauten

neuen Hochablass. Die Stahlbetonkonstruktion

ersetzte ein Wehr aus Holz und Stein.

Wir überqueren das Wehr bis zum Kuhsee im Osten und während wir

wieder zurückgehen, lese ich aus dem „Ruckdeschel“ vor. Wilhelm

Ruckdeschel hat ein lesenswertes Buch über die Industriekultur in

Augsburg verfasst und im ersten Abschnitt die Wasserversorgung sowie

die Wasserkraft in Augsburg ausführlich und zugleich anschaulich

beschrieben. Sie werden staunen, an wie vielen Wehren wir

vorbeikommen, wie kunstvoll die Technik ist und dass wir das Ganze

wohl nur in Ansätzen verstehen: „Bewerkstelligt wird dies durch eine

ganze Reihe von festen sowie beweglichen, teils automatischen

Wehren. Von Ost (Hochzoller Ufer) nach West folgen:

· Der Aus- und Überlauf des Kuhsees.

· 2 feste Wehre mit 6,3 m Fallhöhe.

· 3 Wehre mit selbstregulierenden Gegengewichtsklappen …

· Das große Walzenwehr: Länge 20 m, Verschlusshöhe 3 m,

Durchlassmenge 154 m 3/s …

· Ein Wehr mit Doppelschütz: Länge 12 m, Verschlusshöhe 2,5 m,

Durchlassmenge 55 m 3/s. …

· Ein Wehr mit ‚Fischbauchklappe’

· Die Fischtreppe.

· Die Kiesschleuse mit Doppelschütz; gebaut von der M.A.N.

Senkrecht dazu liegt das Einlaufbauwerk des Hauptstadtbaches. Die

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7

198

INDUSTRIEKULTUR

Zwei Steinfiguren am östlichen Ende des

Hochablasses symbolisieren die Bedeutung

des Lechwassers für das Gewerbe und die

einst äußerst umfangreiche Flößerei.

optimale Regulierbarkeit der ‚konzessionierten’ Wassermenge von

36 m 3/s gewährleisten 4 Einfachschütze … sowie 7 Doppelschütze,

sämtlich elektromotorisch – und im Notfall von Hand – betätigt über

Getriebe und Triebstock-Zahnstangen.“ (Zitat Wilhelm Ruckdeschel

aus: „Industriekultur in Augsburg“, S. 43/44)

1910 gab es eine große Hochwasserkatastrophe, die das alte Wehr

zerstörte. Es war nicht die erste. Der Chronist berichtet von Überschwemmungen

im Jahr 1501, 1721 bricht der Hochablass durch, 1789

wird das Wehr erneut zerstört, und auch 1816, 1824 und 1831 sind

bedeutende Überschwemmungen verzeichnet. 1836 war der Lech im

Gegensatz dazu so „trocken“, dass das gesamte Lechwasser in die

Kanäle eingeleitet werden musste, um den Betrieben die Wasserkraft

zu erhalten. Bis zur Katastrophe im Jahr 1910 war der Hochablass

spitzwinkelig auf die Stadt zugeführt, um dem aufgestauten Wasser

und den Flößen mehr „Schwung“ zu geben. Das Wehr war 210 Meter

lang, zwölf Meter breit und aus Holz gebaut.

Sollten Sie einmal nach Landsberg kommen, dann steht dort noch

heute ein solch schräg gestelltes Streichwehr in traditioneller Bauweise

aus dem Jahr 1390. Bei einem Espresso an der Ufermauer bietet

sich ein munteres und zugleich anmutiges Wasserschauspiel. Ich


AM LECH ENTLANG

Der Hochablass am Lech ist seit Jahrhunderten

ein beliebtes Ausflugsziel

der Augsburger Bevölkerung.

kann einen Besuch des „Karolinenwehrs“ nur empfehlen. Der alte

Hochablass in Augsburg muss noch malerischer gewesen sein. Als

Hauptdurchlass diente eine 87 Meter lange und 17 Meter breite Floßschleuse

auf der Stadtseite. Nach dem Hochwasser von 1910 hat

man das neue Wehr in kürzester Zeit in Stahlbetonbauweise gebaut.

Es steht seit 1911/12 quer im Lech. Im Unterwasser des neuen Wehrs

sind noch immer Pfahlstümpfe des hölzernen Vorgängers zu sehen.

Über die Jahrhunderte hinweg war der Hochablass stets ein beliebtes

Ausflugsziel. Sogar Herrscher kamen zu Besuch, auch das bayerische

Königspaar im Juni 1914. Deshalb stand dort auch immer eine

renommierte Hochablass-Gaststätte. Die alte versank in den Fluten

von 1910, mit dem neuen Wehr wurde eine größere und stattlichere

gebaut. Sie wurde im Juli 1940 eingeweiht. Bis zu 1000 Gäste fanden

hier Platz. 1979 wurde diese denkmalwürdige Gaststätte abgetragen.

Es wurde eine Gefährdung des Trinkwassers befürchtet. Lediglich das

Dachtürmchen wurde abgenommen, gelagert, restauriert und nun als

Pavillon am Wehrzugang aufgestellt.

Wir haben eine Pause verdient und setzen uns zum Frühschoppen in

die neu gebaute Gaststätte mit dem Ausblick auf die Kanustrecke, die

zu den Olympischen Spielen 1972 in München gebaut wurde. Bilden

Sie sich selbst ein Urteil zur Frage der Gemütlichkeit.

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200

INDUSTRIEKULTUR

Eine historische Kreuzung im mitunter verwirrenden

System der Stadtbäche: Seit 1848

leitet eine gusseiserne Kanalbrücke sogar

den Brunnenbach über den Stadtbach.

3

Die Lechbäche

Wann immer wir in Augsburg vor einer Textilfabrik, einer Papierfabrik

oder einer Maschinenbaufabrik gestanden haben, immer war

ein Lechbach (oder ein Kanal voll Wertachwasser) dabei. Das galt

selbst dann, wenn von der Fabrik nichts mehr übrig war. Die „Kraftprotze“

unter diesen Stadtbächen heißen Proviantbach, Schäfflerbach,

Stadtbach und Senkelbach.

Es ist allmählich an der Zeit, den Ursprung und auch das Ende dieses

Bachsystems zu besichtigen und seine Verzweigungen zu erklären.

Am Ursprung haben wir gerade gestanden, am Hochablass mit dem

Einlaufbauwerk für den Hauptstadtbach. Die Wassermenge ist dort

auf die schon erwähnten 36 m 3/s beschränkt.

Die erste Verteilung erfolgt am Damaschkeplatz (die Kreuzung Friedberger

Straße/Spickelstraße). Dort besorgt die „Pulvermühlschleuse“

die Aufspaltung in Kaufbach in Richtung Westen und Herrenbach in

Richtung Norden. Dem Herrenbach werden 24 m 3/s, dem Kaufbach

12 m 3/s zugeteilt. Diese Verzweigung ist bereits in den Karten des

späten 17. Jahrhunderts verzeichnet. Ab 1774 wurde in der Nähe eine

Pulvermühle betrieben, die von 1785 bis 1816 dreimal in die Luft flog.


AM LECH ENTLANG

Die Regulierung der Verschlüsse geschieht bis heute durch einfache,

gleitgeführte Schütztafeln. Die Betätigungsmaschinerie dazu steht

in bescheidenen Schleusenhäuschen – sie sind quer über die Kanaleinläufe

gebaut. Die Pulvermühlenschleuse ist äußerlich schlicht,

doch im Inneren ist der technische Fortschritt im Schütztafel-Windenbau

über zwei Jahrhunderte hinweg sichtbar. Diese Schleuse ist im

städtischen Besitz. Mal sehen, ob sie zugänglich ist?

Wir bewegen uns jetzt zurück in Richtung Lech über die Eichendorffstraße,

queren die Berliner Allee und gehen hinunter zum Lechufer.

Dort sehen wir von der Unterwasserseite her das Kraftwerk Eisenbahnerwehr.

Das fünf Meter hohe Wehr wurde als Schwelle gegen

die weitere Eintiefung des Lechs gebaut. Es erzeugt Strom für etwa

5000 Haushalte. Als Ausgleichsmaßnahme gegen den Eingriff in den

Fluss wurde eine Fischtreppe gebaut. Dieses Kraftwerk erhielt 2007

einen Innovationspreis der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau.

Wir laufen am Lechufer entlang abwärts bis vor die OSRAM-Werke,

gehen hoch auf die Berliner Allee und biegen dann umgehend in die

Reichenberger Straße ein. Dort steht das „Fabrikschloss“, das dritte

Werk der Spinnerei und Weberei Augsburg (SWA). Dieses Fabrikschloss

ist uns bereits von einem früheren Rundgang bekannt. In der

Reichenberger Straße liegt vor dem Hanreiweg eine weitere Lechbachabzweigung:

Der Herrenbach teilt sich hier in den Proviantbach,

der weiter nach Norden fließt, und in den Hanreibach, der Wasser

ins Zentrum des Textilviertels leitet.

Beim Versuch, den Hanreibach abzulaufen, kommen wir nicht weit.

Der Weg ist durch den „Martini-Park“ – die frühere Färberei und

Bleicherei Martini – versperrt. Dort gibt es eine weitere Abzweigung:

Hier „entspringt“ der Fichtelbach. Also gehen wir weiter entlang der

Reichenberger Straße bis zur Augsburger Kammgarn-Spinnerei (AKS).

Hier treffen wir erstmals auf den Schäfflerbach. Er gehört zu den

„berühmten“ unter den Lechbächen. Sein Ursprung liegt weiter im

Süden, wo er an der Friedberger Straße aus dem Kaufbach gespeist

wird. Am Schäfflerbach entstand die AKS: Wegen seiner Wasserkraft

kam 1836 der Kaufmann Merz aus Nürnberg nach Augsburg.

Würden wir auf der Prinzstraße weiter stadteinwärts laufen, dann

könnten wir auch auf den Sparrenlech treffen, eine weitere Abzweigung

aus dem Kaufbach. Auch der Sparrenlech war der Antrieb für

große Werke, so vor allem für die Spinnerei und Weberei am Sparrenlech

in Fabrikschlossbauweise, von der leider nichts mehr existiert.

201


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202

INDUSTRIEKULTUR

Weiter nördlich ist die bekannte Kattunfabrik Schöppler & Hartmann,

die spätere Neue Augsburger Kattunfabrik (NAK), entstanden.

Wir aber setzen unseren Weg am Schäfflerbach fort, folgen der

Schäfflerbachstraße nach Norden bis zur Johannes-Haag-Straße.

Hier lagen die Weberei am Fichtelbach, die Messingfabrik Beck und

das Röhrenwerk von Johannes Haag – alle zwischen Schäfflerbach

und Fichtelbach.

Die Johannes-Haag-Straße stadtauswärts führt uns zurück an den

Proviantbach. In der Proviantbachstraße gehen wir in Richtung

Süden und treffen so auf den Augsburger Schlacht- und Viehhof.

Mit einigen Umwegen verfolgen wir nun den Proviantbach nach

Norden. Jenseits der Lechhauser Straße rücken der Schäfflerbach,

der Hanreibach und der Proviantbach wieder eng zusammen. In

diesem „Drei-Strom-Land“ ist seinerzeit die berühmte Baumwoll-

Feinspinnerei entstanden. Auch davon ist nichts mehr erhalten. Stattdessen

treffen wir auf das schon erwähnte Wohngebiet mit der irreführenden

Bezeichnung „Klein-Venedig“.

Von da geht der Schäfflerbach noch eine Zeit lang einen eigenen

Weg. Der Hanreibach aber wird vom Proviantbach vereinnahmt.

Als letzter Zeuge der frühen Textilfabrikation an diesem Standort ist

das „Kraftwerk am Schäfflerbach“ in der Berliner Allee F 22 erhalten.

Es erzeugt wirtschaftlich rentabel – dank Einspeisevergütung – für

600 Privathaushalte Strom.

Ein schattiger Weg führt uns entlang der Berliner Allee und einer

Trasse der Localbahn bis zur Einmündung der Brückenstraße weiter

nach Norden. Dort bummeln wir durch das „Stadtbachquartier“ am

Rand der Papierfabrik Haindl, heute UPM-Kymmene. Innerhalb des

Werks schluckt der größere Stadtbach den kleineren Schäfflerbach.

Der nunmehr stattliche Stadtbach wird gleich jenseits der Stadtbachstraße

zur „Kraftquelle“ der einstigen Reichenbach’schen Maschinenfabrik,

also der späteren MAN.

Wir lassen den Stadtbach unbesichtigt weiterlaufen. Nördlich hinter

der MAN gerät er in die Nähe des Senkelbachs, der aus der Wertach

abgeleitet wird. Dort wurde die ehemalige Buntweberei Riedinger gegründet.

Noch weiter im Norden der Stadt treffen die drei Lechkanäle

Senkelbach, Stadtbach und Proviantbach zusammen und münden in

die Wertach. Das auf den ersten Blick verwirrende System der auch


AM LECH ENTLANG

Das Wasserkraftwerk Wolfzahnau wurde

1903 als Blankziegelbau errichtet. Es sieht

genauso aus wie vor 100 Jahren. Heute wird

dort Strom für 15 000 Haushalte gewonnen.

Lech- oder Wertachkanäle genannten Stadtbäche und ihr Zusammenspiel

zwischen dem Lech am Hochablass, der Wertach und der Wolfzahnau

verstünde man mit Blick auf eine Schemakarte.

Wir aber verfolgen den Proviantbach von der MAN-Brücke aus entlang

der Franz-Josef-Strauß-Straße. Dort arbeitete im 19. Jahrhundert

die größte Baumwollspinnerei auf dem Gebiet des 1834 offiziell

gegründeten Deutschen Zollvereins. Heute erstreckt sich auf dem

einstigen Areal der Baumwollspinnerei am Stadtbach die PM 3 (die

dritte Papiermaschine der Haindl-Werke, die jetzt zu UPM aus Finnland

gehören). Zur Erinnerung an vergangene Zeiten liegt quer im

Proviantbach etwa auf halber Höhe der 400 Meter langen Papierstraße

das Kraftwerk Proviantbach. Es versorgt 5000 Privathaushalte

mit Strom. Die Architektur stammt aus dem Jahre 1920.

Allmählich führt uns der Weg in die „Natur“ zurück. Wir machen uns

auf den Weg zum „Gegenstück“ des Hochablasses: In der Wolfzahnau

werden alle ausgeleiteten Bäche von Lech und Wertach wieder zusammengeführt.

Dort treffen wir auf ein Kraftwerk in einem denkmalwerten

Bauwerk. Es bezieht seine Wasserkraft aus den Kanälen und

nicht aus dem Lech, der etwas östlich davon deutlich tiefer eingeschnitten

fließt. Flusskraftwerke waren seinerzeit bautechnisch noch

203


7

204

INDUSTRIEKULTUR

Im Kraftwerk Wolfzahnau ist ein Schwungrad

zu sehen, das anno 1900 bei der Weltausstellung

in Paris gezeigt wurde.

nicht möglich. Die Kraftwerke dieser Zeit liegen allesamt an ausgestauten

Kanälen.

Am Hochablass haben wir davon gehört, dass die vorgeschriebene

Stauhöhe 484,5 Meter ist. Der Gesamthöhenunterschied zwischen

dem Lech-Spiegel am Hochablass und dem Lech-Spiegel in der nördlichen

Wolfzahnau beträgt 26 Meter. Das beträchtliche Gefälle nutzen

die Lechbäche mit einer potenziellen Wasserkraft von 9000 kW, von

der heute aber in Kleinkraftwerken nur 4500 kW genutzt werden.

Unter diesen Kraftwerken ist das Kraftwerk Wolfzahnau das größte.

Es versorgt heute rund 15 000 Privatpersonen mit Strom. Es wurde

1903 als Blankziegelbau errichtet. Von Süden her hat man den Eindruck,

es würde hier ein Wasserschloss aus dem Wasserspiegel auftauchen.

Seit 1996 speist das Kraftwerk Strom in das Netz der Stadtwerke

ein. Vorher gehörte es dem Dierig-Konzern.

Natürlich möchten wir nun auch noch gerne das Innere dieses Kraftwerks

bestaunen. Im Maschinensaal sind mehrere Turbinen erhalten.

Die große Attraktion ist das mächtige Schwungrad mit gut vier Metern

Durchmesser, das im Jahr 1900 bei der Weltausstellung in Paris zu

den Repräsentanten von Technik und Baukunst aus Deutschland gehörte.

Eine Besichtigung geht aber nicht ohne Voranmeldung.


4

AM LECH ENTLANG

Im Lechmuseum Bayern werden neben

der Stromgewinnung Geschichte und wirtschaftliche

Bedeutung des Flusses erklärt.

Das Lechmuseum Bayern in Langweid

Der Lech hat von der Quelle bis zur Mündung eine aufregende Naturund

Kulturgeschichte. Dieser Geschichte ist eine Dokumentationsstätte

in einem „leibhaftigen“ Lechkraftwerk gewidmet, das Lechmuseum

Bayern in Langweid. Dieser Ort ist etwa 20 Autominuten vom

Augsburger Stadtzentrum entfernt. Das Lechmuseum im Langweider

Wasserkraftwerk liegt etwa 20 Kilometer nördlich von Augsburg. Das

Kraftwerk ist mit der Industriestadt Augsburg eng verbunden.

„Das Lechmuseum Bayern in Langweid ist die multimediale Inszenierung

des Lechs – jenes Flusses, der seit Jahrtausenden das Leben

der Menschen zwischen den Alpen und der Donau prägt. Das Lechtal

war Siedlungsraum und auch Grenze, Handelsroute und Schlachtfeld.

Der Fluss nahm bei der Elektrifizierung Südbayerns eine

Schlüsselrolle ein. 1901 ging das erste Wasserkraftwerk am Lech

in Gersthofen in Betrieb.

Das Lechmuseum befindet sich im historischen Wasserkraftwerk

Langweid, das seit 1907 Strom produziert und bis heute Energie für

die Region liefert. Das Kraftwerk – ein Historismusbau mit einer begehbaren

historischen Turbinenkammer – ist das ‚Hauptexponat’ des

Museums.

205


7

206

INDUSTRIEKULTUR

Eine original erhaltene Wasserkraftturbine

(im Bild die Auslaufkammer) zeigt in Langweid

als technisches Denkmal imposante

Ingenieursleistungen aus der Zeit um 1907.

Auf drei Ebenen des Wasserkraftwerks und im Außenbereich

werden der Lech und das Lechtal den Besuchern aus den unterschiedlichsten

Blickwinkeln nahegebracht. Themen sind nicht nur

Wasserkraft und Energieerzeugung sowie die Entstehung und über

hundertjährige Geschichte der Lechwerke als regionaler Energieversorger,

sondern vor allem auch Natur, Kultur, Geschichte und

Wirtschaftsgeschichte.“ (Zitat aus einem Prospekt des Betreibers

des Lechmuseums Bayern, der Lechwerke AG)

Das Lechmuseum erklärt auf natur- und kulturgeschichtlicher Grundlage

den Fluss, der zum bestimmenden Standortfaktor der Industrie in

Augsburg wurde. Der Strom der Lechwerke war wegbereitend für die

Energieversorgung nach 1900, als Wasserkraft und Leuchtgas an Bedeutung

verloren. Es lohnt sich also, dem Kraftwerk und dem Museum

im Kraftwerk einen eigenen Besuchstag zu widmen.

Gleichermaßen eindrucksvoll ist die Schauseite des Kraftwerks vom

Oberwasser und vom Unterwasser her. Zwischen beiden Pegeln liegt

ein Gefälle von mehr als sieben Metern.

Das erste Lechkraftwerk in Gersthofen erzeugte schon ab 1901 Strom.

Es entstand in erster Linie zur Versorgung eines Chemiewerks der


Bernhard Salomon (1855 – 1942)

GRÜNDER DER LEW

Prof. Dr. Bernhard Salomon war der Unternehmensgründer der

Lechwerke AG in Augsburg. Die Elektrische Actien-Gesellschaft

vormals W. Lahmeyer & Co. (EAG) wurde von Bernhard Salomon

geführt. Durch seine engen geschäftlichen Beziehungen zu Walter

vom Rath, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der späteren Farbwerke

Hoechst, war die Ansiedlung eines Chemiewerks in Gersthofen zustande

gekommen. Dieses Chemiewerk war der Hauptabnehmer

des ersten – ab 1901 Strom produzierenden – Kraftwerks am Lech.

1903 wurde die Lech-Elektrizitätswerke Aktiengesellschaft (LEW)

gegründet. Sie löste die EAG als Eigentümer und Betreiber des

Gersthofer Kraftwerks ab, Bernhard Salomon wurde Aufsichtsratsvorsitzender.

Er blieb es bis 1933. Unter seiner Leitung wuchs die

LEW rasch. Zur Absicherung der Stromproduktion bei Wasserknappheit

und als Stromreserve wurde neben dem Lechkraftwerk eine

Dampfkraftanlage errichtet. 1905 erhielt die LEW die Konzession

für das zweite Kraftwerk in Langweid. Dazu musste der Lechkanal

verlängert werden. Außerdem wurde eine Schleuse für die Flößerei

gebaut und damit Vorsorge für eine spätere Schifffahrt getroffen.

Schon im Jahr 1913 wurde eine 50 000-Volt-Leitung von Gersthofen

nach Memmingen geführt. Sie war möglicherweise die erste dieses

Ausmaßes in Bayern.

Ab 1918 wollte Bernhard Salomon den gesamten Lech weiter abwärts

bis zur Donau für die Stromgewinnung nutzen. Dabei geriet

er mit den Interessen der Rhein-Main-Donau-Kanal AG in Kollision.

Es reichte aber immerhin noch zu einem dritten Lechkraftwerk in

Meitingen, das 1922 in Betrieb ging. Weitere Konzessionen waren

für die LEW am Lech nicht mehr zu erreichen. Die LEW verlegte

ihre Aktivitäten unter Salomon deshalb an die Obere Iller.

Ab dem Jahr 1923 begann der Verbundbetrieb mit der Kraftwerk

Altwürttemberg AG in Ludwigsburg, ab 1932 der mit der Rheinisch-

Westfälischen-Elektrizitätsaktiengesellschaft (RWE) in Essen. Die

Nationalsozialisten entfernten Bernhard Salomon aufgrund seiner

jüdischen Abstammung 1933 aus dem Aufsichtsratsvorsitz. Wegen

seiner fachlichen Kompetenz blieb er jedoch weiter unverzichtbar:

Immerhin bis 1936 war er Mitglied des Aufsichtsrats. Mit 87 Jahren

verschied Salomon 1942 in Frankfurt am Main. Seine Ehefrau Meta

starb kurz darauf im Konzentrationslager Ravensburg.

207


7

208

INDUSTRIEKULTUR

späteren Hoechst AG. Ab 1907 produzierte das zweite Lechkraftwerk

weiter stromabwärts in Langweid mit Francis-Turbinen der MAN eine

Leistung von 6300 PS. Diese Turbinengeneration wurde später ausgebaut

und durch modernere Turbinen ersetzt. Eine Turbine mit Turbinen-

und Auslaufkammer wurde erhalten und begehbar gemacht.

Sie ist eine wichtige Attraktion im Lechmuseum, weil nur durch sie

tatsächlich eine Vorstellung von den Ausmaßen derartiger Anlagen,

von der Fallhöhe und von der Gewalt des Wassers und der Schönheit

technischer Architekturen entsteht. Allein die Turbine lohnt den Weg.

Die andere große Attraktion ist eine filmische Reise am Lech von der

Quelle hoch in den Lechtaler Alpen bis zur Mündung in die Donau.

Dieser Film ist nicht irgendein Video, wie man sie in Museen häufig

darbietet. Es wird eine informative und kurzweilige Geschichte mit

einer gekonnten Kameraführung erzählt.

Anfänglich hatte die Stadt Augsburg ein gespaltenes Verhältnis zur

Elektrifizierung. Einerseits waren die findigen Unternehmen in der

Stadt durchaus führend in den Bereichen Turbinen, Generatoren und

Stromversorgung, Beleuchtung und Leuchtmittel. In diesem Zusammenhang

muss der Name Riedinger genannt werden. Pioniertaten der

Festbeleuchtung waren unter anderem die „feenhafte Illumination“

im Hessing’schen Kurhaus-Theater in Göggingen und – schon 1886

oder noch früher – der mit elektrischem Licht bestückte Kronleuchter

im Festsaal des Drei-Mohren-Hotels.

Andererseits wehrte sich die Stadt aber gegen die Elektrifizierung

der Unternehmen und der privaten Haushalte sowie der Straßenbeleuchtung.

So waren die umgebenden Gemeinden wie Lechhausen

oder Oberhausen schon eher „verstromt“. 1895 kaufte die E-Gesellschaft

Schuckert & Co. aus Nürnberg das gesamte Tramnetz und

baute dafür ein E-Werk am Senkelbach, durfte aber ausschließlich

Strom für die Straßenbahn liefern. Dafür wurde 1901 ein Vertrag mit

Augsburg – und zwar ausschließlich über Kraftstrom – geschlossen.

Ein Grund für diese Zurückhaltung soll gewesen sein, dass schon um

die Jahrhundertwende beschlossen wurde, in Oberhausen ein neues

großes Werk für die Leuchtgaserzeugung zu errichten. Das Gaswerk

wurde 1913/14 auch gebaut – und die Stadt wollte offenbar keinen

Wettbewerb zwischen Leuchtgas und Strom. Bis 1915 wurde deshalb

die Straßenbeleuchtung in Augsburg ausschließlich mit Gas aus

städtischer Eigenproduktion befeuert. Erst ist diesem Jahr schloss

die Stadt mit den Lechwerken einen Stromlieferungsvertrag.


AM LECH ENTLANG

In den Jahren davor hatten die großen Augsburger Textilfabriken

und metallverarbeitenden Unternehmen allerdings schon längst ihre

eigene Stromversorgung – angetrieben von den Turbinen der Lechbäche

oder durch Dampfmaschinen in großen Kesselhäusern – eingerichtet.

Ein solcher Gedankenausflug wird durch die Besichtigung

des Lechmuseums in Langweid angeregt.

Augsburg und das elektrische Licht

„… Die Augsburger kamen relativ spät in den Genuss elektrischen

Lichtes. Sie waren beileibe keine ‚Spätzünder’ oder gar technikfeindlich,

die Industriefirmen waren in den 1880er Jahren sogar

Vorreiter in der Elektrifizierung ihrer Betriebe. Doch wer nicht

bereit war, Strom mit einer ‚Hausanlage’ zu erzeugen, musste

lange auf Strom aus dem Netz warten. Der stand erst 1902 zur

Verfügung.

Die Stadtverwaltung stand der allgemeinen ‚Elektrifizierung’ eher

bremsend gegenüber, denn sie räumte dem Gas eine Vorrangstellung

ein. Das hatte triftige finanzielle Gründe: Schon 1890 stand

fest, dass die Kommune 1907 die Gasherstellung und das Gasnetz

von Privatunternehmern übernehmen würde und sie wollte mit

Gas Geld verdienen. Schon 1892 unterbreiteten Unternehmer dem

Magistrat den Vorschlag, auf Stadtgebiet mit Lechwasser in größerem

Maße Strom zu erzeugen und ein Netz aufzubauen. Sehr zögerlich

erteilten die Ratsherren anno 1896 die Konzession dazu an

die Maschinenfabrik Augsburg und an einen Ingenieur Huber. Als

ihnen jedoch die Pläne vorgelegt wurden, bezeichneten sie das

Projekt als puren Schwindel und lehnten es ab. Gleichzeitig stand

jedoch die Elektrifizierung der bislang von Pferden gezogenen

Straßenbahn an …

Dass man in Augsburg keineswegs rückständig war, dafür gibt es

viele Belege. Als man zum Sängerfest im Juli 1900 im Stadtgarten

eine 6000 Personen fassende hölzerne Festhalle aufstellte, war

das E-Werk in Gersthofen noch im Bau. Die leicht entzündbare

Halle wurde dennoch nicht mit Gas beleuchtet, sondern mit zwölf

Bogenlampen und 150 Glühlampen ‚elektrifiziert’ . Bis zum Anschluss

ans Fernnetz – der dauerte noch zwei Jahre – erzeugte vor

Ort eine ‚Lokomobile’ (fahrbare Dampfkraftmaschine) den Strom …“

(Zitat aus einem Beitrag von Franz Häußler, Augsburger Allgemeine,

Nr. 118/2008)

209


210

LITERATUR

Burgner, Willfried: Karl Albert

Gollwitzer 1839 – 1917, Augsburg

2004

Dierig Holding AG (Hrsg.):

Dierig Weber seit 1805 – 200

Jahre, Heidelberg 2005

Dey, Wolfgang: Die Entstehung

und Entwicklung der Augsburger

Textilindustrie unter besonderer

Berücksichtigung der weltwirtschaftlichen

Beziehungen,

München 1947

Grassmann, Josef von: Die

Entwicklung der Augsburger

Industrie im neunzehnten Jahrhundert.

Eine gewerbegeschichtliche

Studie, Augsburg 1894

Grünsteudel, Günther; Hägele

Günter; Frankenberger, Rudolf

(Hrsg.): Augsburger Stadtlexikon,

Augsburg 1998

Kraus, Werner (Hrsg.): Schauplätze

der Industriekultur in

Bayern, Regensburg 2006

Loibl, Richard; Murr, Karl Borromäus:

Staatliches Textil- und

Industriemuseum Augsburg,

Augsburg 2010

MAN Diesel: Katalog zur

Sonderausstellung 150 Jahre

Rudolf Diesel, Augsburg 2008

Nerdinger, Winfried (Hrsg):

Industriekultur mit Zukunft?

Augsburg und das Erbe des

Industriezeitalters, (Architekturmuseum

Schwaben, Heft 21),

Augsburg 2003

Nerdinger, Winfried (Hrsg):

Industriearchitektur in Bayerisch-Schwaben

1830 – 1960.

Teil 1. Augsburg (Architekturmuseum

Schwaben, Heft 13),

Augsburg 1999

Roeck, Bernd: Die Geschichte

Augsburgs, München 2005

Ruckdeschel, Wilhelm:

Industriekultur in Augsburg,

Augsburg 2004

Sanierungszweckverband

Kurhaus Göggingen: Vergangenheit

für die Zukunft entdeckt. Das

Kurhaus in Augsburg-Göggingen,

Augsburg 1996

Schütze, Christian: Das weiße

Band – 150 Jahre Papier von

Haindl, Stuttgart 1999

Schwäbischer Architekten-

und Ingenieurverein (Hrsg.):

Architektur in Augsburg 1900 bis

2000, Augsburg 2000

Stadt Augsburg: Industriebauten

und technische Bauwerke. Tag

des offenen Denkmals 2003,

Augsburg 2003

Stadtwerke Augsburg:

Technik-Museum und

lebendiges Wasserwerk am

Hochablass, Augsburg 1999

Eine wichtige Quelle für viele

Passagen dieses Buchs waren

die Beiträge der Zeitungsserie

Augsburg-Album“ von Franz

Häußler in der Augsburger

Allgemeinen (2008/2009).


LECHMUSEUM BAYERN

IN LANGWEID

Das Lechmuseum Bayern im Wasserkraftwerk Langweid ist

die multimediale Inszenierung des Flusses, der seit Tausenden

von Jahren das Leben unserer Region prägt und der die

maßgebliche Rolle bei der Elektrifizierung Südbayerns spielte.

Gegen Voranmeldung unter Telefon 0821 328-1658 erhalten

Sie eine fachkundige kostenlose Führung durch das Museum.

Darüber hinaus ist das Museum an jedem 1. Sonntag im Monat

von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

An den geöffneten Sonntagen bieten wir keine Führungen an.

www.lechmuseum.de

LECH MUSEUM

Bayern


212

BILDNACHWEIS

Bahnpark Augsburg: S. 163

Buchert, Hanna: S. 119

concret/Archiv: S. 93, S. 127 (1)

Baumgartner, Thomas: Titel (1),

Rücktitel (1), S. 10/11, S. 13, S. 15,

S. 18, S. 21, S. 22, S. 48, S. 49,

S. 50, S. 61, S. 63, S. 65 (1), S. 75,

S. 76, S. 89, S. 113 (1), S. 115,

S. 116, S. 117 (1), S. 121, S. 123,

S. 124, S. 128 (1), S. 129 (2), S. 133,

S. 134, S. 140, S. 150/151, S. 153,

S. 158, S. 160, S. 162, S. 165, S. 167,

S. 168/169, S. 171, S. 173, S. 174,

S. 188, S. 189, S. 199, S. 203

Kleiner, Wolfgang B.: Titel (1),

Rücktitel (2), S. 16, S. 17, S. 19,

S. 23, S. 26/27, S. 28, S. 30,

S. 38/39, S. 40/41, S. 79, S. 102,

S. 108, S. 117 (1), S. 159, S. 178 (1),

S. 179, S. 180, S. 190/191, S. 198,

S. 200, S. 204, S. 205, S. 206

Kluger, Martin: Titel (1), Rücktitel

(1), S. 2/3, S. 14, S. 20, S. 43,

S. 57, S. 65 (1), S. 80/81, S. 111 (1),

S. 113 (1), S. 127 (1), S. 132,

S. 136, S. 139, S. 157, S. 185,

S. 187, S. 195

Kunstsammlungen und Museen

Augsburg: S. 12, S. 36 (1),

S. 127 (1), S. 130, S. 152

Lechwerke AG: S. 192

Lehnerl, Manfred: S. 62, S. 125

MAN AG/Historisches Archiv

(MAN): S. 59

Martini GmbH & Co. KG: S. 126,

S. 128 (1)

Privat: S. 5

Sammlung Häußler: S. 29, S. 31,

S. 33, S. 34, S. 36, S. 37 (1), S. 52,

S. 53, S. 55, S. 58, S. 66, S. 68,

S. 69, S. 70, S. 72, S. 73, S. 78,

S. 82, S. 88, S. 91, S. 94, S. 95,

S. 96, S. 99, S. 100, S. 104, S. 105,

S. 110, S. 111 (1), S. 114, S. 118,

S. 120, S. 122, S. 135, S. 144,

S. 148/149, S. 156, S. 164, S. 166,

S. 170, S. 176, S. 178 (1), S. 181,

S. 182, S. 184, S. 186, S. 197

Schnyder, G.: S. 42, S. 46

Staatliches Textil- und Industriemuseum

Bayern (tim): S. 97, S. 98,

S. 106, S. 138 (2)

Stadtarchiv Augsburg: S. 112,

S. 194

Stadtwerke Augsburg/Wolfgang

Riß: S. 47, S. 103

Untere Denkmalschutzbehörde

der Stadt Augsburg: S. 101

Wikipedia/Bibliothek des

US-Kongress: S. 37 (1)

Karten und Pläne

concret Werbeagentur: S. 24/25

Stadt Augsburg,

Stadtvermessungsamt: S. 44/45,

S. 86/87, S. 154/155, S. 172 (2)


EINE DER FASZINIERENDSTEN STÄDTE DEUTSCHLANDS:

AUGSBURG

Augsburg ist das Top-Ausflugsziel im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben.

Sehenswürdigkeiten gibt es hier in Hülle und Fülle: Der Goldene Saal im Rathaus,

die Fuggerei und das Mozarthaus, der Dom, eine glanzvolle Museumslandschaft

und „Perlen“ der Industriekultur sind lohnende Stationen. Die Augsburger

Puppenkiste und ihr Museum sowie der Zoo begeistern junge Familien.

Infos zu Augsburg und den Landkreisen

Aichach-Friedberg und Augsburg:

www.augsburg-tourismus.de

Regio Augsburg Tourismus GmbH

Rathausplatz 1

86150 Augsburg

Telefon 08 21/5 02 07-0

REGIO

AUGSBURG

www.augsburg-tourismus.de TOURISMUS

concret Werbeagentur GmbH Augsburg · www.concret-wa.de · Foto: Wolfgang B. Kleiner

Industriekultur vom Feinsten

Augsburgs historisches Wasserwerk

Ein einzigartiges Technikmuseum

Das innovative Wasserwerk von 1879 wurde lange Zeit von der

Fachwelt bewundert. Franz Häußler beschreibt die Geschichte,

Architektur und original

erhaltene Wassertechnik

dieses Denkmals.

Franz Häußler

Hrsg. Stadtwerke Augsburg

96 S., 94 Abb., 9,80 €

context

m e d i e n u n d

verlag

www.context-mv.de


214

IMPRESSUM

Industriekultur in Augsburg

Pioniere und Fabrikschlösser

Karl Ganser

Herausgeber:

Regio Augsburg Tourismus GmbH

ISBN 978-3-939645-26-9

1. Auflage, November 2010

Redaktionelle Bearbeitung:

Martin Kluger,

Candida Sisto, Hanna Buchert,

Kathrin Schmidl, Sandra Riedmiller, Julia Schade

Grafik und Produktion:

concret WA GmbH, Augsburg

Historische Aufnahmen und Karten:

Sammlung Franz Häußler

Fotografie:

Thomas Baumgartner,

Wolfgang B. Kleiner u. a.

Alle Rechte vorbehalten.

Bibliografische Information

der Deutschen Bibliothek.

Die Deutsche Nationalbibliothek

verzeichnet diese Publikation in

der Deutschen Nationalbibliografie,

detaillierte bibliografische Daten

sind im Internet über

http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN 978-3-939645-26-9

© context verlag, Augsburg 2010

www.context-mv.de


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216

DANK

Für ihre Informationen danken wir

· Robert Allmann,

Staatliches Textil- und

Industriemuseum Augsburg (tim)

· Oliver Frühschütz,

Verein der Gaswerkfreunde

· Wolfgang Geißler,

Martini GmbH & Co. KG

· Franz Häußler

· Kurt Idrizovic

· Dr. Richard Loibl,

Haus der Bayerischen

Geschichte

Für ihre Unterstützung danken wir

· Dr. Werner Lutz,

Architekturmuseum Schwaben

· Dr. Karl Borromäus Murr,

Staatliches Textil- und

Industriemuseum Augsburg (tim)

· Dr. Sebastian Priller,

Brauerei S. Riegele

· Bernhard Schad,

Dierig Holding AG

· Dr. Benigna Schönhagen,

Jüdisches Kulturmuseum

Augsburg

· Gerlinde Simon, MAN-Museum

und Historisches Archiv (MAN)


Die Kongresshalle wurde 1972 als eine der modernsten Hallen

Europas eröffnet. Seit Mai 2010 wird der in die Jahre gekommene

Bau, der fast 40 Jahre lang neben Kongressen und Tagungen auch

Konzerten, Bällen, Sportveranstaltungen das passende Ambiente

bot, rundum erneuert. Ab Mai 2012 soll das Kongresszentrum

dann – nach modernsten Maßstäben auf den neuesten Stand der

Technik und Energieeffizienz gebracht – wieder für Veranstaltungen

aller Art zur Verfügung stehen.

Das Baujuwel aus den 70er Jahren wird künftig den Namen

„Kongress am Park Augsburg“ tragen. Das Gebäude steht unter

Denkmalschutz. Die spannende Architektur, die Kontraste von

hartem Beton und weichem Holz, klaren Linien und verspielten

Lichtelementen geben einen einzigartigen Rahmen für Veranstaltungen.

Die zentrale Lage, umgeben vom Wittelsbacher Park und das

direkt angrenzende Hotel „Dorint An der Kongresshalle Augsburg

mit 180 Zimmern, sind weitere Gründe, die für dieses Kongresszentrum

sprechen.

Kongress am Park

Kongresshalle Augsburg Betriebs GmbH

Gögginger Straße 10 | 86159 Augsburg

Telefon 0821-324 2348 | Telefax 0821-324 2363

www.kongress-augsburg.de | info@kongresshalle-augsburg.de


Industriekultur in Augsburg

„Deutsches Manchester“ nannte man Augsburg

im 19. und 20. Jahrhundert wegen seiner vielen

Textil- und Maschinenfabriken. Hier entstanden

einige der frühesten Industrien Deutschlands:

Im Augsburger Textilviertel reihte sich ein Fabrikschloss

ans nächste. In Augsburg wurden Innovationen

wie Flugdrachen und die erste Zentralheizung

Deutschlands, die früheste deutsche

Zeitungsrotationsdruckmaschine und der von

Rudolf Diesel entwickelte Motor geschaffen. Das

Augsburger Wasserwerk war eine europaweit

bestaunte technische Sensation, das ehemalige

Gaswerk ist heute in ganz Europa einzigartig.

Vom Lech bei Augsburg ging die Elektrifizierung

der Region mit Strom aus Wasserkraft aus.

Sehenswert sind noch immer viele Bauten, die

nicht nur den Glanz der Fabrikschlösser, sondern

auch die Bedürfnisse der Bewohner einer großen

Industriestadt widerspiegeln: Direktorenvillen,

Arbeiterquartiere und eine Gartenstadt, das

prächtige Kurhaustheater, ein Jugendstilvolksbad,

eine einzigartige Jugendstilkirche und eine

der schönsten Synagogen Europas. Karl Ganser,

„der Architekt des neuen Ruhrgebiets“, erklärt

die Geschichte der Industriemetropole Augsburg

und führt zu „Architektur-Perlen“ und Museen.

Der international bekannte und ausgezeichnete

Experte verbindet damit ein ebenso persönliches

wie leidenschaftliches Plädoyer für die Erhaltung

und sensible Nutzung der Zeugnisse einer innovativen,

häufig jedoch unterschätzten Epoche.

216 Seiten, 169 Abbildungen

EUR 14,80

ISBN 978-3-939645-26-9

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