Persönliches Dialogbuch von Herrn Berg - bei der Spastikerhilfe ...

spastikerhilfe.berlin.eg.de

Persönliches Dialogbuch von Herrn Berg - bei der Spastikerhilfe ...

Inhalt

Allgemeine Beschreibung

Grundsätze des Dialogbuchs 6

Idee, Ziel und Zweck des Dialogbuchs 7

Für wen ist das Dialogbuch gedacht ? 7

Wie ist das Dialogbuch inhaltlich aufgebaut ? 8

Wie ist das Dialogbuch zu verstehen ? 9

Kategorien 9

Basiskategorien 9

Weitere Kategorien 9

Konkrete Beschreibung der Kategorien und Visualisierung

Befragte Lebensbereiche und Erhebungsdaten 11

Kategorien - Basiskategorien

Kontaktaufnahme 12

Reaktion/en auf Kontaktaufnahme 14

Wohlbefinden 16

Unwohlsein 20

Zustimmung 22

Ablehnung 28

Weitere Kategorien

Schmerzen 31

Wunsch / Bedürfnis 32

Aufmerksamkeit 34

Freude 35

Ärger 36

Langeweile 37

Impressum 39


6

Allgemeine Beschreibung

Grundsätze des Dialogbuchs

Wir folgen dem Ansatz des Philosophen, Kommunikationswissenschaftlers und

Psychotherapeuten Paul Watzlawick:

„Verhalten hat vor allem eine Eigenschaft, die so grundlegend ist, dass sie oft übersehen

wird: Verhalten hat kein Gegenteil, oder, um es noch simpler auszudrücken: Man kann

sich nicht nicht verhalten. Wenn man also akzeptiert, dass alles Verhalten in einer

zwischenpersönlichen Situation Mitteilungscharakter hat, d. h. Kommunikation ist, so

folgt daraus, dass man, wie immer man es auch versuchen mag, nicht nicht

kommunizieren kann. Handeln oder Nichthandeln, Worte oder Schweigen haben alle

Mitteilungscharakter: Sie beeinflussen andere, und diese anderen können ihrerseits

nicht nicht auf diese Kommunikation reagieren und kommunizieren damit selbst.“ 1

Verhalten an und für sich hat demnach noch keinen „Mitteilungscharakter“, ist noch

nicht „Kommunikation“, weil es auf niemanden „wirken“, niemanden „beeinflussen“

kann. Nur das zwischen Personen von ihnen jeweils gezeigte und für sie wechselseitig

wahrnehmbare Verhalten 2 hat „Mitteilungscharakter“, ist „Kommunikation“, kann

gegenseitig wirken, beeinflussen d.h. sie „stehen im Dialog“, womit nicht gleichzeitig

ausgesagt ist, ob und in welchem Maße dies den Beteiligten jeweils bewusst wird, sie

sich daraufhin bewusst zueinander verhalten.

1 P. Watzlawick et al: Menschliche Kommunikation (1980) S. 51

2 Verhalten ist hier der Sammelbegriff für alle erdenklichen konkreten unmittelbar mit den Sinnen

wahrnehmbaren hörbaren, sichtbaren und fühlbaren Verhaltensweisen einer Person.


Allgmeine Beschreibung

7

Idee, Ziel und Zweck des Dialogbuchs

Herr Berg hat an verschiedenen Lebensbereichen teil (Wohnen, Lernen / Beschäftigung,

Freizeit). Überall dort gibt es Menschen, die Herrn Berg verstehen, auf ihn eingehen

und auf Grund gemeinsamer Erlebnisse und Erfahrungen die Beziehungen zu ihm

gestalten, beleben und vertiefen.

Dieses Wissen und die Erfahrungen sind im Dialogbuch zusammengetragen und in

Wort und Bild (so möglich auch auf Video) dargestellt und sollen bei Bedarf aktualisiert

werden: Welche Verhaltensweisen von Herrn Berg werden von anderen überhaupt

wahrgenommen, wie interpretiert und wie darauf reagiert? Welche Veränderungen

gibt es ?

Das Dialogbuch soll stellvertretend für Herrn Berg, der keine Selbstauskünfte geben

kann, Auskunft geben.

Das Dialogbuch soll anderen helfen, das Verhalten von Herrn Berg seiner / seinen

möglichen Bedeutung/en nach zu verstehen:

>um Irritationen oder Missverständnisse zu vermeiden,

>um Herrn Berg bewusster, umfassender und differenzierter wahrnehmen zu können,

>um das Interesse zu wecken, selbständig auf gemeinsame „Entdeckungsreise“

mit Herrn Berg zu gehen und miteinander Erfahrungen zu sammeln.

Für wen ist das Dialogbuch gedacht ?

Für Herrn Berg, dessen hörbare, sichtbare, fühlbare Verhaltensweisen (die unter

Umständen Personen, die mit ihm noch nicht vertraut sind, befremdlich und / oder

unerklärlich anmuten) bewusst und verstanden 3 werden sollen.

Für diejenigen, die Herrn Berg noch nicht kennen.

Für diejenigen, die Herrn Berg schon kennen und noch Fragen zum Verständnis seines

Verhaltens oder zur Gestaltung der Kontaktaufnahme haben.

Für diejenigen, die Herrn Berg nur aus einem Lebensbereich kennen und ihn darüber

hinaus kennen lernen möchten.

Für diejenigen, die Herrn Berg gut kennen und verstehen und ihr Wissen, ihre Erfahrungen

für andere festhalten wollen.

Das Dialogbuch soll den Menschen in den unterschiedlichen Lebensbereichen, in denen

jeweils vielleicht nur ein ausschnitthaftes Wissen über Herrn Berg besteht, helfen,

nachhaltig zu einem umfassenderen gemeinsamen Wissen über Herrn Berg zu gelangen.

3 Verstehen ist hier in einem weiter gefassten Sinn gemeint: einfühlen, sich der Wirkung und des Eindrucks,

die Herrn Bergs Verhaltensweisen hervorrufen, gewahr werden, sie als Ausdruck und Bedeutung von etwas

begreifen, würdigen und aufzuklären versuchen und in diesem Sinn sich einlassen und „Antwort geben“.


8

Allgmeine Beschreibung

Wie ist das Dialogbuch inhaltlich aufgebaut ?

Im Dialogbuch werden die miteinander im Zusammenhang stehenden

Verhaltensweisen von Herrn Berg,

Interpretation/en dieser Verhaltensweisen,

Situation/en, in der / denen er diese Verhaltensweisen zeigt und

Handlungsmöglichkeiten (Aktionen / Reaktionen) der mit Herrn Berg in Kontakt

kommenden / befindlichen Person/en aufgeführt und beschrieben.

Das Verhalten

Beschrieben werden die unmittelbar mit den Sinnen wahrnehmbaren sichtbaren,

hörbaren, fühlbaren individuellen Verhaltensweisen. Es kann sein, dass manche für

sich allein stehend schon als bedeutungshaft interpretiert werden oder eben erst in

unterschiedlichen Kombinationen.

Besonderheiten, die für das Verständnis des Verhaltens unerlässlich erscheinen, sind

an dieser Stelle aufgeführt.

Die Interpretationen

Das Verhalten von Herrn Berg wird immer von Anderen in seiner / seinen Bedeutung/en

interpretiert werden, da Herr Berg keine Selbstauskünfte zu geben vermag. Somit gibt

es keine Aussage erster Person über die Richtigkeit der Interpretation/en seines

Verhaltens. Die Interpretationen lassen sich nicht „beweisen“, sondern sind

erfahrungsgeleitet und gut begründet.

Besonderheiten, die für die Nachvollziehbarkeit der Interpretation/en unerlässlich

erscheinen, sind an dieser Stelle aufgeführt.

Die Situation/en

Verhaltensweisen und deren Interpretation/en können situationsübergreifend, aber

auch teilweise stark situationsgebunden sein. Dementsprechend sind Situationen mit

beschrieben.

Besonderheiten, die für das Verständnis der Beziehung/en zwischen Situation/en,

Verhalten und Interpretation/en unerlässlich erscheinen, sind an dieser Stelle aufgeführt.

Die Handlungsmöglichkeiten

Handlungsmöglichkeiten sind als mögliche konkrete Aktionen und / oder Reaktionen

in Bezug auf gezeigtes Verhalten zu verstehen. Im Dialogbuch sind einige bewährte

Handlungsmöglichkeiten mit Herrn Berg aufgezeigt.

Besonderheiten, die dabei zu beachten sind, sind an dieser Stelle aufgeführt.


Allgmeine Beschreibung

9

Wie ist das Dialogbuch zu verstehen ?

Das Dialogbuch dient ausschließlich als Orientierungshilfe; es spiegelt nachvollziehbar

ausgewiesene subjektive und intersubjektive Erkenntnisse und Erfahrungen mit

Herrn Berg wider.

Das Dialogbuch ersetzt nicht den persönlichen Austausch derer untereinander, die

Herrn Berg kennen, vor allem aber nicht die eigene Auseinandersetzung, Beobachtung

und Erfahrung mit Herrn Berg.

Alle Informationen bilden den zusammengetragenen Wissens- und Erfahrungsstand

zum Zeitpunkt der Befragungen / Beobachtungen. Deshalb muss geprüft werden, ob

und wann das Buch vervollständigt bzw. aktualisiert werden muss.

Kategorien

Die Interpretationen von Verhaltensweisen mit bestimmten voneinander eindeutig

abgrenzbaren Bedeutungen werden in Kategorien zusammengefasst.

Basis-Kategorien 4

Kontaktaufnahme - Reaktion / en auf Kontaktaufnahme

Wohlbefinden - Unwohlsein

Zustimmung - Ablehnung

Zu Beginn des Dialogbuchs werden folgende sechs grundsätzliche Fragen beantwortet:

Welche Verhaltensweisen zeigt Herr Berg,

> die als Kontaktaufnahme interpretiert werden könnten ?

> die als Reaktion / en (aufmerken, sich orientieren) auf Kontaktaufnahme

zu ihm interpretiert werden könnten ?

> die den Eindruck erwecken, dass er sich wohl fühle ?

> die den Eindruck erwecken, dass er sich unwohl fühle ?

> die als Zustimmung interpretiert werden könnten ?

> die als Ablehnung interpretiert werden könnten ?

Die Beantwortung dieser Fragen soll jeder Person möglichst schnell und unkompliziert

einen Zugang zu Herrn Berg ermöglichen und vielleicht anfängliche Ratlosigkeit und

/ oder Missverständnisse vermeiden oder verringern helfen.

Weitere Kategorien

Darüber hinaus findet man im persönlichen Teil des Dialogbuchs weitere Kategorien

und Auskünfte über andere Verhaltensweisen von ihm und deren mögliche Bedeutung/en.

Ebenso werden ähnliche oder gar gleiche Verhaltensweisen von ihm, die unter

Umständen unterschiedliche Bedeutungen haben könnten, genannt und erläutert.

4 Die Kategorien „Kontaktaufnahme“ - „Reaktion/en auf Kontaktaufnahme“, „Wohlbefinden” - „Unwohlsein”,

„Zustimmung“ - „Ablehnung“ werden hier wegen ihrer Wichtigkeit als „Basis“-Kategorien bezeichnet.


Herr Berg

11

Konkrete Beschreibung der Kategorien und Visualisierung

Befragte Lebensbereiche und Erhebungsdaten

Befragt wurden Angehörige und professionelle Bezugspersonen von Herrn Berg*

aus der Wohneinrichtung und der Tagesförderstätte, sowie Therapeutinnen aus

den Bereichen Physio-, Ergo-, und Musiktherapie aus der Tagesförderstätte.

Elternhaus im Januar, Februar und März 2011

Wohneinrichtung im Februar und März 2011

Tagesförderstätte im Februar, März und April 2011

*Der Name der im Dialogbuch beschriebenen Person wurde aus datenschutzrechtlichen Gründen

geändert. Der richtige Name der Person ist dem Herausgeber bekannt.


12

Kontaktaufnahme

Definition und Beobachtungsgrundlage

Das Kapitel Kontaktaufnahme beschreibt das beobachtbare Verhalten von Herrn Berg,

welches von der ihn beobachtenden Person als Kontaktaufnahme zu jemandem

interpretiert wird.


Herr Berg

Kontaktaufnahme

13

Verhalten von Herrn Berg aus der Distanz zur / zu anderen Person/en

Es ist auch für mit Herrn Berg gut vertrauten Personen zumeist nicht erkennbar, ob er

aus der Distanz heraus ein Verhalten zeigt, welches als Kontaktaufnahme zu jemandem

interpretiert werden könnte.

Verhalten von Herrn Berg im Nahraum zur / zu anderen Person/en

Herr Berg sitzt neben einer Person oder ihr gegenüber; er wendet sich der Person zu

(Hinwendung des Rumpfes und /oder Kopfes zur anderen Person und / oder Ausrichtung

des Blickverhaltens auf die andere Person; Blick ins Gesicht, Blickkontakt - flüchtig,

wiederholt abreißend, haltend).

Herr Berg sitzt neben einer Person oder ihr gegenüber; er neigt den Kopf und / oder

Rumpf der anderen Person zu und / oder berührt sie (lehnt sich an die Schulter der

anderen Person an, oder er fasst sie an - die körperliche Kontaktaufnahme kann mit

unterschiedlicher Intensität erfolgen: sanft, fest, „grob“). (Video: Kontaktaufnahme)

Kontaktaufnahme

Herr Berg steht vor oder neben einer Person; er wendet sich der Person zu (Hinwendung

des Rumpfes und /oder Kopfes zur anderen Person und / oder Ausrichtung des

Blickverhaltens auf die andere Person; Blick ins Gesicht, Blickkontakt - flüchtig, wiederholt

abreißend, haltend).

Herr Berg steht vor oder neben einer Person; er neigt den Kopf und / oder Rumpf der

anderen Person zu und / oder berührt sie (lehnt sich an die Schulter der anderen Person

an, oder er fasst sie an - die körperliche Kontaktaufnahme kann mit unterschiedlicher

Intensität erfolgen: sanft, fest, „grob“).

Handlungsmöglichkeit

Kontaktaufnahme beantworten und - wenn es die Situation erlaubt - etwas mit ihm

unternehmen.


14

Reaktion / en auf Kontaktaufnahme (Ansprache)

Definition und Beobachtungsgrundlage

Das Kapitel Reaktion auf Kontaktaufnahme beschreibt das beobachtbare Verhalten

von Herrn Berg, welches von der ihn beobachtenden Person als Reaktion/en auf

Ansprache an ihn (aufmerken, sich orientieren) interpretiert wird.


Herr Berg

Reaktion auf

Kontaktaufnahme

15

Situation

Herr Berg wird aus der Distanz verbal angesprochen.

Verhalten

Es ist auch für mit Herrn Berg gut vertrauten Personen zumeist nicht erkennbar, ob er

aus der Distanz heraus ein Verhalten zeigt, welches als Reaktion auf die an ihn gerichtete

Ansprache interpretiert werden könnte.

Situation

Herr Berg wird im Nahraum verbal angesprochen, ggf. auch an Schulter / Arm leicht

berührt.

Verhalten

Herr Berg sitzt oder steht; er hält in seinen Bewegungen inne (z. B. Schaukelbewegung

oder Drehen des Kopfes u. a.).

Herr Berg sitzt neben einer Person oder ihr gegenüber; er wendet sich der Person zu

(Hinwendung des Rumpfes und /oder Kopfes zur anderen Person und / oder Ausrichtung

des Blickverhaltens auf die andere Person; Blick ins Gesicht, Blickkontakt - flüchtig,

wiederholt abreißend, haltend).

Herr Berg sitzt neben einer Person oder ihr gegenüber; er neigt den Kopf und / oder

Rumpf der anderen Person zu und / oder berührt sie (lehnt sich an die Schulter der

anderen Person an, oder er fasst sie an - die körperliche Kontaktaufnahme kann mit

unterschiedlicher Intensität erfolgen: sanft, fest, „grob“).

Herr Berg steht vor oder neben einer Person; er wendet sich der Person zu (Hinwendung

des Rumpfes und /oder Kopfes zur anderen Person und / oder Ausrichtung des Blickverhaltens

auf die andere Person; Blick ins Gesicht, Blickkontakt - flüchtig, wiederholt

abreißend, haltend).

Herr Berg steht vor oder neben einer Person; er neigt den Kopf und /oder Rumpf der

anderen Person zu und / oder berührt sie (lehnt sich an die Schulter der anderen Person

an, oder er fasst sie an – die körperliche Kontaktaufnahme kann mit unterschiedlicher

Intensität erfolgen: sanft, fest, „grob“).

Herr Berg steht in kurzer Entfernung vor einer Person; er bewegt sich ganz oder teilweise

auf die Person zu.

Handlungsmöglichkeit

Information geben, was man von ihm möchte und dann durchführen (z.B. aufstehen,

um zu laufen).

Situation

Herr Berg wird im Nahraum verbal angesprochen, ggf. auch an Schulter / Arm leicht

berührt.

Verhalten

Herr Berg zeigt Verhaltensweisen, welche sich nicht als Reaktion / en auf Ansprache

an ihn interpretieren lassen.

Handlungsmöglichkeit

Wiederholung der Ansprache (Reaktion abwarten)

Bei wiederholt gleicher Reaktion versuchen, die beabsichtigte / notwendige Aktivität

mit ihm durchzuführen.

Die darauf folgenden Reaktionsmöglichkeiten (Verhaltensweisen) sind aller Wahrscheinlichkeit

unter den Basiskategorien „Zustimmung“ oder „Ablehnung“ aufgehoben und

dort beschrieben.


16

Wohlbefinden

Definition und Beobachtungsgrundlage

Das Kapitel Wohlbefinden beschreibt das beobachtbare Verhalten von Herrn Berg,

welches bei der ihn beobachtenden Person den Eindruck erweckt, dass er sich innerhalb

des gegenwärtigen Umfeldes und / oder vorgängigen Ereigniszusammenhanges in

einem von ihm subjektiv befriedigend erlebten körperlichen und psychischen Zustand

befinde. Die zwischenpersönliche Situation ist dabei interaktionsfrei.

Die beobachtende Person nimmt Herrn Berg aus der räumlichen Distanz wahr.


Herr Berg

Wohlbefinden 17

Verhalten

Herr Berg sitzt im Sessel (Stuhl, Couch, ggf. Rollstuhl). Er wirkt in sich gekehrt; sein

Körper ist ruhig und wirkt entspannt. Er schließt ab und zu kurzzeitig seine Augen oder

hält sie geschlossen, öffnet sie jedoch umgehend, sobald er etwas hört, das in seiner

näheren Umgebung vor sich geht (Stimmen, Geräusche). Seine Mimik wirkt neutral

bzw. entspannt.

Wohlbefinden

in Ruhe

Wohlbefinden

schaukelnd

Handlungsmöglichkeit

Dem Grunde nach besteht in dieser Situation kein Handlungserfordernis für die ihn

beobachtende Person, d. h. die Situation muss für Herrn Berg nicht verändert werden.

Eine Kontaktaufnahme zu Herrn Berg ist aber im Allgemeinen gut möglich.

Verhalten

Herr Berg sitzt im Sessel (Stuhl, Couch, ggf. Rollstuhl). Er wirkt seinem Umfeld gegenüber

offen; er schaut umher, sein Oberkörper ist aufgerichtet und zumeist in Ruhe,

gelegentliche Bewegungen von Kopf, Rumpf, Armen und Händen wirken ruhig und

entspannt. Herr Berg kann mit seinem Oberkörper aber auch mit einer leichten bis

mittleren Intensität rhythmisch vor und zurück schaukeln. Manchmal klatscht er dabei

in die Hände. Seine Mimik wirkt neutral bzw. entspannt.

(Videos: Wohlbefinden- „in Ruhe“; -„schaukelnd“; -„schaukelnd und klatschend“)

Handlungsmöglichkeit

Dem Grunde nach besteht in dieser Situation kein Handlungserfordernis für die

beobachtende Person; die Situation muss für Herrn Berg nicht verändert werden.

Die Kontaktaufnahme zu Herrn Berg ist aber im Allgemeinen gut möglich. Herr Berg

reagiert oft positiv auf Kontakt und Aktivitäten wie z.B. gemeinsam mit ihm zu laufen.

Andere Interpretationsmöglichkeiten

Aufmerksamkeit


18

Wohlbefinden

Verhalten

Herr Berg sitzt im Sessel (Stuhl, Couch, ggf. Rollstuhl). Er ist motorisch sehr aktiv und

begleitet seine Bewegungen gelegentlich mit Lautierungen. Herr Berg bewegt Rumpf,

Kopf, Arme und Hände mit unterschiedlicher Intensität; er schaut dabei umher und

seine Augen wirken wach. Gelegentlich lächelt er oder lacht sogar. Sein Lachen mutet

vielleicht mit ihm noch unvertrauten Personen befremdlich an. Seine Mimik wirkt

neutral bzw. entspannt.

Wohlbefinden

Händewringen Lachen

Bewegungen, die Herr Berg einzeln oder in Kombination (z.B. Schaukeln mit dem

Oberkörper und „Ineinanderwringen“ der Hände) ausführt:

> in die Hände klatschen (Video: Wohlbefinden „Hände klatschen“)

> Hände „ineinander wringen“ (Video: Wohlbefinden „Händewringen Lachen“)

> mit den Fingern schnipsen

> die Finger an / in den Mund führen (Video: Wohlbefinden „Klopfen auf Sofa“)

> den Kopf ruckartig von einer Seite auf die andere drehen, kurz pausieren, was

wie „Lauschen“ wirkt

> mit dem Oberkörper rhythmisch vor und zurück schaukeln

> an Gegenständen (Toilettendeckel) manipulieren

> rhythmisch mit beiden Händen auf erreichbare Gegenstände schlagen - „trommeln“,

„hämmern” (z.B. Tisch, Stuhllehne, Haltestange auf der Toilette) (Video: Wohlbefinden

„Klopfen auf Tisch“)

Das kann von ihm sehr kräftig ausgeführt werden und daher sehr laut sein.

Wohlbefinden

Klopfen auf Sofa

Lautierungen, die dabei zu hören sein können:

> kurze Lautierung in mittlerer Tonlage

> länger anhaltende und kräftige Lautierung in tiefer Tonlage („Brummen“)

> Lachen oder Juchzen in hoher Tonlage und manchmal sehr laut


Herr Berg

Wohlbefinden

19

Handlungsmöglichkeiten

Wenn Herr Berg motorisch so aktiv ist wie beschrieben, ist es ratsam, ihn zu beobachten,

um eingreifen zu können, weil er mitunter so stark auf die Gegenstände schlägt

(„hämmert“, „trommelt“), dass die Gefahr besteht, dass er etwas beschädigen und

sich dabei verletzen könnte. Außerdem kann er mitunter sehr laut sein, was sich dann

störend auf andere Menschen in seiner unmittelbaren Umgebung auswirkt.

Ruhige Ansprache und sanfter Körperkontakt (z. B. berühren der Schulter) können

hilfreich sein, damit er wieder ruhiger wird.

Da Herr Berg motorisch schon so aktiv ist, ist das in der Regel eine gute Voraussetzung

für gemeinsame Aktivitäten, auf die er zumeist sehr positiv reagiert wie gemeinsam

laufen, Beschäftigung im Werkstattbereich oder anderweitige Aktivitäten, Musiktherapie

usw.

Mitunter scheint es so, als ob er sich in dem jeweiligen Bewegungsmuster sehr wohl

fühlt. Dann reagiert er eher ablehnend auf eine ihn unterbrechende Kontaktaufnahme.

Wohlbefinden

Klopfen auf Tisch

Andere Interpretationsmöglichkeiten

Freude


20

Unwohlsein

Definition und Beobachtungsgrundlage

Das Kapitel Unwohlsein beschreibt das beobachtbare Verhalten von Herrn Berg, welches

bei der ihn beobachtenden Person den Eindruck erweckt, dass er sich innerhalb des

gegenwärtigen Umfeldes und / oder vorgängigen Ereigniszusammenhanges in einem

von ihm subjektiv unbefriedigend erlebten körperlichen und psychischen Zustand

befindet. Die zwischenpersönliche Situation ist dabei interaktionsfrei.

Die beobachtende Person nimmt Herrn Berg aus der räumlichen Distanz wahr.


Herr Berg

Unwohlsein

21

Verhalten

Herr Berg sitzt im Rollstuhl (Sessel, Stuhl, ggf. Couch), oder er liegt auf der Couch (Bett).

Er bewegt Kopf, Rumpf, Arme, Hände zunehmend ruckartiger und mit mehr

Kraftaufwand. In Ruhe ist eine hohe körperliche Anspannung zu beobachten.

Das mimische Verhalten wirkt „angespannt“ oder „verzerrt“.

Lautierungen sind dabei selten zu hören. Er knirscht bisweilen sehr stark mit den Zähnen.

Bewegungen, die Herr Berg einzeln oder in Kombination (z.B. Schaukeln mit dem

Oberkörper und ineinander wringen der Hände) ausführt:

> in die Hände klatschen (bei sehr hoher Intensität wird das als starke Verärgerung

interpretiert)

> Hände sehr kräftig ineinander wringen

> Hände mit Kraft ineinander gefaltet (wirkt wie verkrampft bzw. wie mit hohem

Druck gegeneinander gepresst)

> Hände fest gefaustet und eng an der Brust haltend

> kratzen oder nesteln an für ihn erreichbaren Objekten (wie Wand, Sitzlehne, Kissen,

eigene Kleidung)

> klopfen mit dem Handrücken oder mit den Fingerknöcheln zum Teil heftig gegen

Stuhl, Tisch oder andere erreichbare Objekte

> den Kopf ruckartig von einer Seite auf die andere drehen, dazwischen kurz pausieren

> heftige Bewegung der Schultern / des Rumpfes (sich „winden“)

> starkes rhythmisches Schaukeln mit dem Oberkörper vor und zurück, dabei immer

intensiver werdend (im Sitzen)

> ruckartige Bewegung des Oberkörpers von einer Seite auf die andere (wie „Zucken“)

> Wechsel von liegender in aufrechter Stellung des Rumpfes hin und her (im Liegen)

> stellt abwechselnd die Beine an und streckt sie wieder von sich (im Sitzen)

Handlungsmöglichkeit

Dem Grunde nach besteht in dieser Situation Handlungserfordernis für die beobachtende

Person, d.h. die Situation muss mit und / oder für Herrn Berg verändert werden.

Herr Berg sollte zuallererst ruhig angesprochen werden, woraufhin er sich manchmal

beruhigt. Reicht Ansprache allein nicht aus, so kann zusätzlich eine Berührung an der

Schulter hilfreich sein, um ihn zu beruhigen. Sollte auch damit das Verhalten nicht zu

beeinflussen sein, so muss die gesamte Situation verändert werden z.B. mit ihm

gemeinsam laufen, andere Aktivitätsmöglichkeiten anbieten oder eventuell auch die

Toilette aufsuchen.

Andere Interpretationsmöglichkeiten

Wunsch / Bedürfnis

Langeweile


22

Zustimmung

Definition und Beobachtungsgrundlage

Das Kapitel Zustimmung beschreibt das beobachtbare Verhalten von Herrn Berg in

interaktiven Situationen, in denen die ihn beobachtende Person 5 den Eindruck gewinnt,

dass er auf die jeweilige Situation als Ganzes bzw. auf bestimmte Momente positiv

reagiere (tendenzielle bzw. eindeutige „Hin-zu-Reaktion“).

5 Es wird hier nicht unterschieden zwischen teilnehmender - die beobachtende Person ist selbst am

Interaktionsgeschehen beteiligt - und nicht teilnehmender Beobachtung - die beobachtende Person nimmt

selbst nicht am Interaktionsgeschehen teil.


Herr Berg

Zustimmung

23

Situation

Anziehen der Bekleidung

Verhalten

Herr Berg hält seine Arme so (z.B. nach oben gestreckt beim Anziehen eines Pullovers)

und hebt abwechselnd seine Beine so weit an oder streckt die Füße vor (z.B. beim

Anziehen von Hose, Strümpfen und Schuhen), dass man ihm die Kleidungstücke leicht

anziehen kann.

Handlungsmöglichkeiten

Die Aktivität kann begonnen bzw. fortgeführt werden.

Situation

Herr Berg sitzt im Sessel (Stuhl, Couch, ggf. Rollstuhl). Seine Beine hat er lang nach vorn

ausgestreckt. Die Betreuerin spricht ihn an und berührt mit einem leichten Druck seine

Oberschenkel als Signal für ihn, dass er aufstehen möge.

Verhalten

Herr Berg winkelt seine Beine an und stellt beide Füße auf den Boden, oder er lässt

dazu Hilfestellung zu.

Aufstehen Laufen

Handlungsmöglichkeit

Damit er aufstehen kann, benötigt er Unterstützung, indem man ihm eine oder beide

Hände reicht.

(Video siehe: Wunsch/Bedürfnis - „Laufen“)


24

Zustimmung

Situation

Mittagessen. Die Unterstützungsperson sitzt während des Essens neben Herrn Berg

und füllt den Löffel bzw. nimmt die Speise mit der Gabel auf und hält dann ihren Arm

so, dass Herr Berg ihn anfassen und festhalten kann.

Verhalten

Herr Berg ergreift und führt den Arm der Unterstützungsperson in einer Weise, dass

der Löffel seinen Mund erreicht und er die Speise aufnehmen kann. Hat er die Speise

aufgenommen, lässt er den Arm wieder los. (Video: Zustimmung „Essen“)

Zustimmung Essen

Handlungsmöglichkeit

Die Aktivität kann weitergeführt werden.

Situation

Darreichen eines Getränks. Herrn Berg wird Becher oder Tasse so hingehalten, dass er

sie ergreifen kann.

Verhalten

Herr Berg ergreift den Becher oder die Tasse, führt sie selbständig zum Mund und trinkt.

(Video: Zustimmung „Trinken“)

Zustimmung Trinken

Handlungsmöglichkeit

Da Herr Berg in der Regel Gegenstände nicht lange in der Hand behält, er also den

Becher leicht wieder loslassen kann, muss die Unterstützungsperson dabei bleiben,

damit Becher oder Tasse nicht herunter fallen.


Herr Berg

Zustimmung 25

Situation

Werkstattbereich Holz: Schleifen mit einer elektrischen Handschleifmaschine.

Herr Berg sitzt an seinem Arbeitsplatz. Die Unterstützungsperson berührt seine Hand,

mit der er den Griff der Schleifmaschine anfasst und gibt ihm leichte Halte- und

Führungshilfe zur Ausführung des Schleifvorganges.

Verhalten

Herr Berg lässt die Handführung zu. (Video: „Zustimmung zur Handführung schleifen“)

Zustimmung Handführung

Handlungsmöglichkeit

Die Unterstützungsperson sollte Herrn Bergs Hand so berühren und führen, dass er

jederzeit die Möglichkeit hat, seine Hand wegzuziehen. Das ist wichtig, weil er in der

Regel Gegenstände nicht lange in der Hand behält. Nachdem er losgelassen hat, kann

er erneut angesprochen und zur Fortführung der Arbeit ermuntert werden, die in der

beschriebenen Form wiederholt durchgeführt werden kann.

Situation

Dies ist eine spielerische Interaktion und Kommunikation.

Herr Berg und eine Betreuungsperson sitzen nebeneinander. Entweder nimmt Herr

Berg zur Betreuungsperson oder diese zu ihm Kontakt auf (zuwenden, anblicken,

berühren).

Verhalten

Herr Berg nimmt die Kontaktaufnahme an (wendet sich der anderen Person zu, blickt

sie an oder berührt sie) oder nimmt von sich aus auf diese Weise Kontakt zum andern

auf bzw. beginnt leicht vor und zurück zu schaukeln. (Video: „Zuszimmung zur Kontaktaufnahme“)

Zustimmung

Kontaktaufnahme

Handlungsmöglichkeit

Herrn Bergs Verhalten aufgreifen und offen spielerisch mit ihm gestalten.


26

Zustimmung

Situation

Herr Berg und eine andere ihm gut vertraute Person sitzen nebeneinander; diese Person

streichelt / massiert Herrn Berg an Kopf und Rücken.

Verhalten

Herr Berg lässt diese Berührungen “gern“ zu, wirkt ruhig, entspannt (Video: „Zustimmung

zur Kopfmassage“).

Herr Berg lässt diese Berührungen zu, nimmt gelegentlich Blickkontakt auf (welcher

auch immer wieder abbrechen kann), schaukelt mit dem Oberkörper leicht vor und

zurück, reibt die Hände ineinander. Seine Mimik wirkt entspannt (Video: „Zustimmung

zur Berührung“).

Zustimmung Berührung

Handlungsmöglichkeit

Die begonnene Aktivität kann fortgesetzt werden.


Herr Berg

Zustimmung

27

Situation

Werkstattbereich Holz: Sägen mit einer am Tisch fixierten Gehrungssäge.

Herr Berg sitzt an seinem Arbeitsplatz und wird aufgefordert, die Säge anzufassen.

Die Unterstützungsperson sitzt ihm gegenüber.

Verhalten

Herr Berg langt entweder von sich aus oder auf Aufforderung zum Sägegriff hin und

umfasst diesen (Video: „Zustimmung zur selbstständigen Arbeit“) , oder er lässt die

Führung seines Armes zum Sägegriff hin zu (Video: „Zustimmung zur Arbeit nach

Hilfestellung“).

Zustimmung zur

selbstständigen Arbeit

Handlungsmöglichkeit

Hat Herr Berg den Sägegriff umfasst, kann die gemeinsame Arbeit beginnen; die

Unterstützungsperson hilft am anderen Ende der Säge. Da Herr Berg in der Regel

Gegenstände nicht lange in der Hand behält, lässt er auch den Sägegriff nach kurzer

Zeit wieder los. Eine erneute verbale Ansprache ist dann erforderlich. Er benötigt etwas

Zeit zum Reagieren. Reicht die verbale Ansprache allein nicht aus, kann er durch eine

leichte Führung (die er zulässt) zum Werkzeug hin unterstützt werden.

Die Arbeit kann fortgeführt werden.


28

Ablehnung

Definition und Beobachtungsgrundlage

Das Kapitel Ablehnung beschreibt das beobachtbare Verhalten von Herrn Berg in

interaktiven Situationen, in denen die ihn beobachtende Person den Eindruck gewinnt,

dass Herr Berg auf die jeweilige Situation als Ganzes bzw. auf bestimmte Momente

darin negativ reagiere (tendenzielle bzw. eindeutige „Weg-von-Reaktion“).


Herr Berg

Ablehnung 29

Situationen

Dem Grunde nach können es alle interaktiven Situationen sein.

Verhalten

Herr Berg dreht seinen Kopf seitlich weg (Video: „Ablehnung Essen“); dreht er dabei

auch den Oberkörper noch weg, wird das als Ausdruck starker Ablehnung interpretiert.

Andere Reaktionsformen, die Herr Berg einzeln oder in Kombination zeigt:

> Hand gefaustet vor der Brust gehalten

> mit der Hand Gegenstände (Tasse, Löffel, Werkzeug … ) wegschieben

(Video: „Ablehnung Trinken“)

> mit der Hand die Hand der Person wegschieben, die versucht, mit Herrn Berg in

Kontakt zu treten oder sich bereits im Kontakt mit ihm befindet

> Arm wird bei Berührung zurückgezogen (Video: „Ablehnung Schleifen“)

> mit dem Arm eine „Abwehrbewegung“ machen und Körper seitlich wegdrehen

(Video: „Ablehnung Körperkontakt“)

> mit der Handaußenfläche oder den Fingerknöcheln gegen Gegenstand (Stuhllehne,

Tisch) schlagen

Ablehnung Essen

Ablehnung Trinken

Die Intensität des Verhaltens kann Auskunft über die Stärke der Ablehnung geben.


30

Ablehnung

Handlungsmöglichkeit

Die Reaktionen auf ablehnendes Verhalten von Herrn Berg hängen von der jeweiligen

konkreten Situation ab. Es gibt Situationen wie z.B. die Pflegesituation, die abgeschlossen

werden muss und auf ablehnendes Verhalten nicht unmittelbar durch Abbruch der

Situation entsprochen werden kann.

Das gilt auch für weitere Situationen wie z.B. die physiotherapeutischen Behandlung,

den Beginn einer Arbeitssequenz oder bei anderen Aktivitätsangeboten, die für die

individuelle Förderung oder den Erhalt von Kompetenzen, Körperfunktionen und die

Teilhabe notwendig oder sinnvoll erscheinen. Es sollte bei ablehnendem Verhalten

zuallererst immer versucht werden, beruhigend auf Herrn Berg einzuwirken, ihn

anzusprechen und darüber aufzuklären, was, warum getan werden soll, um ihn damit

zur Kooperation zu motivieren, ehe man eine Situation abbricht.

Bricht man ab, so kann man entweder nach Alternativen suchen und diese anbieten

oder man kündigt an, die abgelehnte Aktivität nach einer Pause noch einmal durchführen

zu wollen. Erfahrungsgemäß lässt sich Herr Berg darauf ein.

In Situationen, die es zulassen, wird die Ablehnung natürlich umgehend akzeptiert

(z. B. wenn Herr Berg es ablehnt weiter zu essen, weil er aller Wahrscheinlichkeit nach

satt ist) oder eine Alternative angeboten (z. B. wenn er die Speise ablehnt, könnte er

Durst haben und man bietet ihm zu trinken an).

Ablehnung Sägen

Ablehnung Schleifen

Andere Interpretationsmöglichkeiten

Wunsch / Bedürfnis


Herr Berg

Weitere Kategorien

Schmerzen

31

Weitere Kategorien

Schmerzen

Situation

Es ist auch für mit ihm gut vertraute Personen schwierig zu erkennen, ob Herr Berg

Schmerzen hat. Er hat häufig Beschwerden am Fuß (Hammerzeh) und ist dort

berührungsempfindlich, was sich z. B. beim Anziehen von Strümpfen und Schuhen,

beim Aufstehen und Laufen bemerkbar macht.

Handlungsmöglichkeit

Beruhigende mitfühlende Ansprache und erklären, dass man schauen wolle, ob z.B. die

Einlage der Stiefel drücke oder er eventuell Hausschuhe angezogen bekommen sollte.

Gegebenfalls sollte ein Rollstuhl zur Fortbewegung benutzt werden.

Verhalten

Herr Berg zieht den Fuß bei Berührung zurück. (Anziehen von Strümpfen und Schuhen).

Mimisch sind keine Anzeichen zu erkennen, die als Ausdruck von Schmerz gedeutet

werden können. (Video: „Schmerzen am Fuß“)

Schmerzen am Fuß

Handlungsmöglichkeit

Beruhigende mitfühlende Ansprache und erklären, dass man schauen wolle, ob z.B. die

Einlage der Stiefel drücke und er deshalb eventuell Hausschuhe angezogen bekommen

sollte.

Verhalten

Herr Berg sitzt und lehnt es ab, aufzustehen oder zu laufen bzw. er läuft sehr langsam,

„schleppend“, nachdem er aufgestanden ist.


32

Weitere Kategorien

Wunsch / Bedürfnis

Wunsch / Bedürfnis

Situation

Mittagessen

Verhalten

Herr Berg zieht wiederholt die Hand der Unterstützungsperson, die den Löffel mit Essen

hält, zu sich an den Mund und schiebt sie dann wieder weg. Dabei dreht er auch öfter

den Kopf zur Seite. (Die beobachtende Person interpretiert das als „Wunsch nach etwas

Anderem als nach dem, was gerade angeboten wird“).

(Video: „Wunsch - Etwas Anderes“)

Wunsch - Etwas Anderes

Handlungsmöglichkeit

Man kann als Alternative etwas Anderes zu essen oder etwas zu trinken anbieten.

Situation

Herr Berg sitzt am gedeckten Tisch. Neben ihm sitzt eine Person.

Verhalten

Herr Berg berührt (Video: „Kontaktaufnahme Essen“) oder kratzt leicht die Hand oder

den Arm der Person (Video: „Bedürfnissäußerung Essen“), die neben ihm sitzt.

Handlungsmöglichkeit

Ansprechen, dass man verstanden habe, dass er mit dem Essen beginnen bzw. es

fortsetzen wolle und dementsprechend Unterstützung geben.

Kontaktaufnahme Essen


Herr Berg

Weitere Kategorien

Wunsch / Bedürfnis

33

Wunsch / Bedürfnis

Situation

Herr Berg liegt in seinem Bett, oder er sitzt im Sessel (auf Couch oder Stuhl).

Verhalten

Er richtet sich aus liegende Position abwechselnd auf und legt sich wieder nieder.

Er zieht in sitzender Position abwechselnd seine Beine an, stellt sie auf und streckt

sie wieder von sich.

Laufen

Handlungsmöglichkeit

Aufstehen lassen (ihm zur Unterstützung eine Hand oder beide reichen) und mit ihm

laufen oder eine andere Aktivität durchführen. (Video: „Laufen“)

Situation

Eine Betreuungsperson sitzt neben Herrn Berg und spielt einige Zeit auf der Gitarre,

unterbricht oder beendet das Spiel. (Video: „Musik weiterspielen“)

Verhalten

Herr Berg lauscht, schaut dann auf das Instrument und klatscht in die Hände. Gelegentlich

klopft er auch gegen das Instrument, wenn es in Reichweite ist. (Die beobachtende

Person interpretiert das Verhalten als „Aufforderung“ zum Weiterspiel).

Musik - weiterspielen

Handlungsmöglichkeit

Wenn möglich, das Gitarrenspiel fortsetzen, anderenfalls erklären, dass und warum es

beendet werden müsse und welche andere Aktivität folge.


34

Weitere Kategorien

Aufmerksamkeit

Aufmerksamkeit

Situation

Die Situation ist nicht interaktiv, aber es geschieht etwas in der unmittelbaren Umgebung

(z.B. betritt eine Person den Raum, oder es findet dort zwischen anderen ein Gespräch

oder ein andere Aktivität statt, oder es entsteht ein Geräusch durch eine angeschaltete

Maschine im Werkstattbereich u.ä.). (Videos: „Aufmerksamkeit“)

Verhalten

Herr Berg sitzt und schaut umher. Sein Blick wirkt wach und er schaut gerichtet auf

das Umgebungsgeschehen. Dabei wirkt er ruhig und entspannt.

(Videos: „Aufmerksamkeit im Gespräch“)

Aufmerksamkeit

Handlungsmöglichkeit

Man kann Herrn Berg ansprechen, ihm die Situation erläutern oder auch versuchen,

der Situation entsprechend, ihn mit einzubeziehen.

Aufmerksamkeit

im Gespräch


Herr Berg

Weitere Kategorien

Freude

35

Freude

Situation

Herr Berg sitzt am gedeckten Tisch zu Kaffee und Kuchen (Elternhaus, WE).

Situation

Herr Berg nimmt wahr, dass sein Vater zu den Musikinstrumenten geht (Bratsche,

Cello) diese stehen in der sog. Musikecke im Elternhaus.

Verhalten

Herr Berg bewegt Rumpf, Kopf, Arme und Hände mit unterschiedlicher Intensität, klatscht

in die Hände, lächelt auch oder lacht.

Handlungsmöglichkeit

Wenn es die Situation erlaubt, eines der Instrumente hervorholen und musizieren.

Verhalten

Herr Berg lächelt oder lacht und / oder bewegt Rumpf, Kopf, Arme und Hände mit

unterschiedlicher Intensität, klatscht in die Hände. (Video: „Freude auf Kaffee“)

Handlungsmöglichkeit

Freundliche Ansprache und Kaffee und Kuchen darreichen.


36

Weitere Kategorien

Ärger

Ärger

Situation

Dem Grunde nach können es alle interaktiven bzw. nicht interaktiven Situationen sein.

Ein auslösendes Moment ist nicht erkennbar, kann nur vermutet werden.

Verhalten

Herr Berg wirkt insgesamt sehr angespannt und unruhig. Er dreht seinen Kopf hin und

her, oder er „wackelt“ mit dem Kopf und bewegt dabei heftig seine Schultern. Seine

Mimik wirkt angespannt.

Die Bewegungen können intensiver werden. Zusätzlich können seine Hände mit Kraft

ineinander gefaltet, oder eng an der Brust gefaustet sein. Ebenso könnte er mit hoher

Intensität in die Hände klatschen, oder er klopft mit dem Handrücken bzw. den

Fingerknöcheln zum Teil sehr heftig gegen den Tisch, Stuhl oder andere erreichbare

Objekte.

Handlungsmöglichkeit

Herr Berg wird beruhigend angesprochen. Da es unklar ist, worüber er sich ärgert, wird

versucht, die jeweilige Situation zu verändern.


Herr Berg

Weitere Kategorien

Langeweile

37

Langeweile

Situation

Herr Berg liegt in seinem Bett (Couch), oder er sitzt im Sessel (auf der Couch).

Verhalten

Er wechselt von einer liegenden in eine aufrechte Stellung hin und her.

Er zieht abwechselnd seine Beine an und streckt sie wieder von sich. Dabei schaukelt

er mit dem Oberkörper vor und zurück. Seine Mimik wirkt grimassierend. Gelegentlich

kratzt er an für ihn erreichbaren Objekten, wie Wand, Kissen, Seitenbrett der Couch,

oder er reibt die Hände ineinander.

Handlungsmöglichkeit

Herr Berg wird angesprochen und ihm wird angeboten, etwas aktiv mit ihm zu

unternehmen wie Laufen oder ihm Musik vorzuspielen. Man führt das durch, was ihm

zu gefallen scheint.


39

Spastikerhilfe

Berlin eG

Danksagung

Wir danken der Conterganstiftung für behinderte Menschen, Stiftung des öffentlichen Rechts,

und dem Bundesverband für Mehrfach- und Körperbehinderte e.V. herzlich für die freundliche,

zukunftsweisende und unbürokratische Förderung des Projektes: „Verbesserung von

Kommunikation und Information zugunsten behinderter Menschen, Unterstützte Kommunikation

- Information - Bildung“.

Rechte

Nachdruck - auch auszugsweise - oder Fotokopien dürfen nur mit Quellenangaben und

ausdrücklicher Genehmigung des Herausgebers erfolgen.

*Der Name der im Dialogbuch beschriebenen Person wurde aus datenschutzrechtlichen Gründen

geändert. Der richtige Name der Person ist dem Herausgeber bekannt.

Unser Dank gilt auch denen, die in vielfältiger Weise dazu beigetragen haben, dass das Projekt

in der vorliegenden Art und Weise umgesetzt werden konnte.

Weitere Magazine dieses Users