Katalog MAnATURE (PDF) - 48-Stunden-Neukölln

48.stunden.neukoelln.de

Katalog MAnATURE (PDF) - 48-Stunden-Neukölln

MAnATURE

Mensch und Natur

26. Juni – 12. Juli 2009


Impressum

Der Katalog erscheint zur Ausstellung MAnATURE

im Rahmen der 48 STUNDEN NEUKÖLLN.

Ausstellungsdauer: 26.6. – 12.7.2009

Ein Projekt des Kulturnetzwerk Neukölln e.V.

Karl-Marx-Straße 131, 12043 Berlin

www.48-stunden-neukoelln.de

www.kulturnetzwerk.de

© 2009 Kulturnetzwerk Neukölln e.V.

© für die Texte bei den AutorInnen,

für die Abbildungen bei den FotografInnen/KünstlerInnen.

Die Text- und Bildrechte liegen, soweit nicht anders angegeben,

bei den Künstlerinnen und Künstlern.

© 2009 VG Bild-Kunst, Bonn

Gesamtleitung 48 STUNDEN NEUKÖLLN: Dr. Martin Steffens

Kuratierung: Dr. Martin Steffens, Sonia Alvarez

Technische Leitung: Markus Christ

Katalogredaktion: Claudia Simon, www.kultur-propaganda.de

Grafik: Uli Rastetter

Berlin, 2009

Kulturnetzwerk

Neukölln e.V.


MAnATURE

Mensch und Natur

Katalog zur

Ausstellung anlässlich der

48 STUNDEN NEUKÖLLN 2009

herausgegeben vom

Kulturnetzwerk Neukölln e.V.

26. Juni – 12. Juli 2009

Alte Post

Karl-Marx-Straße 97–99 • 12043 Berlin

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Grußwort

11. Festival 48 STUNDEN NEUKÖLLN

Der Mensch und sein Umfeld: Für den einen mag das ein Gegensatz

sein, ein Kampf mit unklarem Ausgang. Für den anderen ist es

vielleicht ein Kräftespiel, das sich zuverlässig immer wieder selbst

ausbalanciert. Viele Blickwinkel auf dieses Thema sind möglich.

Denn wenn zwei das Gleiche sehen, sehen sie noch lange nicht

dasselbe.

Mit den Ausstellungen MAnATURE und NAturBAN bietet das

11. Neuköllner Kunst- und Kulturfestival individuelle Sichten von

Künstlern unterschiedlicher nationaler und kultureller Herkunft.

Als weltweit tätiges Unternehmen mit Neuköllner Wurzeln unterstützen

wir dieses Projekt sehr gern. Auch uns tut ein ungewohnter

Blick auf das Vertraute immer wieder gut. Die Bereitschaft zum Perspektivwechsel

bringt uns voran und nährt unser Wachstum im

Wechselspiel von Mensch und Technik, das wir täglich meistern.

Als Hersteller von Herzschrittmachern und anderen Implantaten

konnten wir uns mit höchster Qualität weltweit einen guten Ruf erarbeiten.

In mehr als vier Jahrzehnten haben wir uns zum pulsierenden

internationalen Unternehmen entwickelt – und behaupten

uns heute mit Spitzentechnologien auf dem internationalen Markt.

In der BIOTRONIK Zentrale nahe der Grenzallee arbeiten heute rund

1600 Mitarbeiter.

In Kontakt mit dem sozialen Umfeld zu sein – das schließt Geben

und Nehmen ein. So kooperieren wir z.B. mit Neuköllner Schulen

und unterstützen das Pilotprojekt HiB (Hauptschüler in den Beruf),

das Neuköllner Jugendliche mit unterschiedlichem kulturellem

Hintergrund in ihren Fähigkeiten, ihrem Selbstvertrauen und ihrer

beruflichen Orientierung fördert. Perspektiven zu wechseln und

das soziale Unternehmensumfeld im Blick zu behalten, ist uns

wichtig.

Wir hoffen auch künftig auf regen Austausch und eine blühende

Kultur in unserem Bezirk und wünschen dem Festival „48 STUNDEN

NEUKÖLLN“ auch dieses Mal viel Erfolg!

Christoph Böhmer

BIOTRONIK Geschäftsführer

Berlin, 26.06.2009

Unsere stabile Entwicklung gibt uns die Möglichkeit, jungen Menschen

eine berufliche Ausbildung anzubieten. In den letzten Jahren

hat sich die Zahl der BIOTRONIK Auszubildenden verdoppelt, in

zehn verschiedenen Ausbildungsgängen lernen sie einen kaufmännischen

oder technischen Beruf.

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Vorwort

MAnATURE – Mensch und Natur

Dem großen Thema Mensch und Natur widmet sich eine Ausstellung

im Erdgeschoss der Alten Post, die zu den 48 STUNDEN NEU-

KÖLLN 2009 eröffnet wird. Die vom Design der 1980er Jahre

bestimmte Schalterhalle des ehemaligen Neuköllner Hauptpostamts

ist ein Ort, der so gar nicht naturhaft anmutet. Doch gerade hier

sind Arbeiten internationaler Künstlerinnen und Künstler versammelt,

die vom Verhältnis des urbanen Menschen zu einer naturhaften

Umgebung handeln. Andere Werke konfrontieren den Besucher

mit unterschiedlichen Konzeptionen von Natur.

In Jeffrey Isaacs achtteiligem Umbrian Walk begegnen wir einem

städtisch gekleideten Menschen, dem Künstler, der sich in einem

grandiosen Landschaftspanorama bewegt und dabei im Zentrum

einer jeden einzelnen Tafel steht. Was hat dieser Mensch aber mit

der Landschaft zu schaffen? Die hier angedeutete Entfremdung

spiegelt sich in zahlreichen weiteren Werken. Susu Grunenberg und

Erick Fakambi bringen in ihrer gemeinsamen Arbeit die Naturreligion

des Voodoo mit Neuköllner Bewohnern in Zusammenhang.

Das nach religiösen Riten bemalte Modell scheint wie ein Naturgeist

in den Alltag der Stadtmenschen einzudringen, ohne von diesen

bemerkt zu werden.

Die Frage nach der Wahrnehmung stellt auch Florian Rexroth. Er

befreit Berliner Straßenbäume durch ein gigantisches weißes Tuch

für Momente von der sie umgebenden Urbanität und bietet uns

damit die Möglichkeit, unser Verhältnis zur Stadtbepflanzung zu relativieren.

Denn wer nimmt sie schon wahr, die Bäume der Stadt?

Sevgi Kaygun widmet sich in ihren Werken dem Thema Picknick,

doch wird dieses rasch zur Metapher für eine ideale Naturverbundenheit.

Anna Genger erschafft ein eigenes Universum aus vegetabilen und

menschlichen Formen, die zueinander im Kontext stehen und sich

transformieren. Die starkfarbigen Zeichnungen und Skulpturen treten

auch mit dem Besucher in einen intensiven Austausch.

Seraphina Lenz dokumentiert im Video-Projekt Filmpark ihre künstlerische

Intervention im Neuköllner Carl-Weder-Park vom Sommer

2008. Der Film schildert die unterschiedlichen Perspektiven der Anwohner

auf den Park, der durch die Überbauung einer Autobahn

entstand.

Carsten Kaufhold malt dichte urbane Szenerien, die ihre eigentümliche

Atmosphäre nicht nur aus dem suggestiven Licht beziehen.

Sie leben auch vom Dialog der Architektur mit der Natur.

Marcus Jansen thematisiert die Revitalisierung von Naturwesen im

städtischen Kontext. Zehn Marder flitzen in seiner Wandarbeit über

Fahrradfelgen und bringen so technische und naturhafte Bewegungsmotive

in Einklang.

Der Umweltproblematik widmet sich die Videoarbeit von Verena

Grimm, die Strandgut einer geradezu visuell-analytischen Untersuchung

unterzieht. Angeschwemmtes Treibholz vermischt sich mit

Plastikmüll zu einem farblich abgestimmten Konglomerat – der Goldenen

Stunde. Jenseits einer ästhetischen Faszination wird eine kritische

Bilanz unseres Umgangs mit natürlichen Ressourcen gezogen.

Enrico Weinert befasst sich in seinen Buntstiftzeichnungen mit Naturdarstellungen,

suburbanen Szenerien. Seine Grafiken wirken

dabei nicht wie das Ergebnis manueller Arbeit, sondern wie ein gestörter

Computerausdruck. Nicht nur formal haben seine Sujets eine

durchaus verunsichernde Dimension.

Die Zusammenschau der gezeigten Kunstwerke verweist auf ein

ambivalentes Verhältnis zwischen Mensch und Natur, das nur in

Einzelfällen aufgelöst werden kann.

Dr. Martin Steffens

Kulturnetzwerk Neukölln e.V.

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Anna Genger

www.upstairs-berlin.com

Dort, wo alles in Bewegung ist, wo organische Formen, Lebewesen

aus Ur- und zukünftigen Zeiten, fest ineinander verschlungen zusammenwachsen,

zeigt sich die unverwechselbare Formensprache

von Anna Genger. Mit kraftvollen Farben und verschiedensten Materialien

kombiniert die Berliner Künstlerin erdachte und gesehene

Elemente zu entfremdeten Metamorphosen.

Die Ladies of Leisure beschreiben den Zustand zwischen Anspannung

und Zerrissenheit, diesen besonderen Moment zwischen Disziplin

und Hemmungslosigkeit, Gefahr und Erregung (noch)

verborgen unter der Oberfläche der Etikette. Sie sind Phantasmen,

Wanderer zwischen der realen und imaginierten, der erstarrt körperlichen

und entfesselt geistigen Wunsch-Welt. Sie manifestieren

sich in organischen Formen, Maschinenteilen, in Wesen aus anderen

Sphären, die unaufhaltsam in die unsere drängen, während ihre

Formen auf eine starke Erotik verweisen und hunderte Kügelchen

aus Fimo wiederum in eine längst vergessene Kindheit zurückführen.

Es ist der Versuch eines „Verstehens des Äußeren durch ständigen Austausch

mit dem Inneren. Eine Chaosordnung der komplizierenden Umstände.“

(Anna Genger)

Geboren 1978 in Hamburg

Anna Genger lebt und arbeitet in Berlin.

2005-2007 MA Painting, Royal College of Art, London, GB

2001-2005 BA Fine Art (Sculpture), Slade School of Fine Art,

London, GB

2000-2001 Foundation Diploma in Art and Design, Central

Saint Martins College of Art and Design, London, GB

Einzelausstellungen

2009 Trick or Treat, upstairs berlin, Berlin

2008 Out of tune, cherries and prune, The Agency,

London, GB

2007 Blood, sweat ‘n tears, upstairs berlin, Berlin

Gruppenausstellungen (Auswahl)

2008 Anna Genger: Broken Heart's Tango for Two in

ARTRMX COLOGNE VOL.01, Köln

Tales of Flames, Projektraum, Künstlerhaus Bethanien,

Berlin

paper8, upstairs berlin, Berlin

2007 Decadence, Decay & the Demimonde, Home House,

London, GB

The Great Exhibition 2007, Royal College of Art

Summer Show, Royal College of Art, London, GB

2006 Painting Interim Show 2006, Royal College of Art,

London, GB

The World State, Galleri Erik Steen, Oslo, Norwegen

Matches + Petrol, Royal College of Art, London, GB

solitude. London Artists Today, upstairs berlin, Berlin

2005 Slade Degree Show, Slade School of Fine Art,

London, GB

Frequency, The Atrium, MTV Networks, London, GB

Morpho Eugenia, Galleria d’Arte Contemporanea

della Repubblica di San Marino

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Ladies of Leisure, Rauminstallation, Mixed Media, 2009

© Anna Genger / Courtesy of upstairs berlin

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Verena Grimm

www.verenagrimm.com

Eine Zusammenstellung des neuen Landschaftsbildes aus Treibholz

und Plastikresten, welche an der mexikanischen Veracruz-Küste angespült

wurden.

Eine Videomontage, die das Zusammenleben „eigentlicher Gegensätze”

zwischen Natur und Menschen-Abfall als ein Gleichnis für

die sich neu etablierende Weltanschauung darstellt.

Eine visuelle anthroplogische Analyse, wie sich unsere Weltanschauung

mit neuen Bildern befasst, abfindet, diese integriert bzw.

auch akzeptieren muss.

Geboren 1971 in Mexiko Stadt

Verena Grimm lebt und arbeitet seit 2007 in Berlin.

Einzelausstellungen (Auswahl)

2007 Tiempo de Respuesta, Sala de Arte Público Siqueiros,

Mexico Stadt

Valle del Silencio, Video Installation, Museo Tamayo,

Mexico Stadt

2005 Develando la Urgencia, Casa del Lago, Mexico Stadt

Guana-code 23 Zonas, INAH, Guanajuato, Mexico

2003 Midiendo mis pasos, Videoinstallation im Laboratorio

Alameda, Mexico Stadt

2002 Ahora caigo, Videoinstallation, Caja Negra, MUCA

UNAM, Mexico Stadt

1997 Ad Libitum, Installation, Torre de Los Vientos,

Mexico Stadt

Intervalo, Galeria de Arte Contemporaneo,

Mexico Stadt

1996 Aislamiento y Abandono en el Fuerte de San Juan

de Ulúa, Veracruz, Mexico

Gruppenausstellungen (Auswahl)

2008 Stadtwandler in Mexico Stadt, DAZ Zentrum, Berlin

2007 Aequatortaufe, Städtische Galerie, München

2005 In the Air, Projections of Mexico, New York, USA

Pase Ud, Verena Grimm und Diego Toledo,

Guggenheim Museum, New York, USA

2004 Sólo los Personajes Cambian, Museo Marco,

Monterey, USA

Eco, Museo Reina Sofía, Madrid, Spanien

2003 Mexico Illuminated, Kutztown Gallery,

Pennsylvania, USA

2002 Realidad-Simulacro, Hecho en México LA Fabrica,

Spanien; Washington, USA; Rom, Italien; BID Bank

Develando la Urgencia, CD-ROM X CanariasMedia-

Fest, Gran Canaria, Spanien

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Die Goldene Stunde - The Golden Hour, Videoinstallation, 2009

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Susu Grunenberg

Erick Fakambi

www.susugrunenberg.de

www.ahoi-kultur.de/ahoi/listing/alt/doudey.htm

Voodoo in Neukölln

Eine interkulturelle Berührung in Neuköllner Wohnzimmern

Voodoo ist eine Religion, ist eine Lebensart und Lebensweise. Die

Anhänger des Voodoo verehren ein oberstes Wesen, den Schöpfer

alles Existierenden. Die Voodoo-Götter sind unsichtbare Kräfte. Sie

sind Mittler zwischen MAHU und dem Menschen. Diese Kräfte sind

verantwortlich für diverse Zustände, die wir sehen, spüren, erfahren

und erleben. Diese Kräfte sind überall vorhanden, im Wasser, in der

Luft, den Bäumen, den Steinen, im Wald, im Sand und vor allem

auch im Menschen.

Bokpe v. Allada

Ich schöpfe, vibriere und fühle in meiner Tradition, vor allem in meinem

Nago, Guin, Gan und Fon Traditionen. Eine Welt voller Schwingungen

– deren Vorbote ich bin. Es gibt Dinge, die das

ausgesprochene Wort nicht ausdrücken kann. Es gibt Dinge, die

das geschriebene Wort nicht beschreiben kann. Dinge, die nicht

einmal durch Zeichen ausgedrückt werden können. Es gibt Dinge,

deren einzige/r Herr/in und Meister/in der Geist und das Denken

sind.

Susu Grunenberg

Lebt und arbeitet als Medienkünstlerin und Kamerafrau in Berlin.

Susu Grunenberg inszeniert Begegnungen, Berührungen mit

Menschen, die sie ortsbezogen und thematisch sucht, und verwandelt

diese kommunikativen Erlebnisse medial in performative

Installationen, Fotografien und Videoarbeiten.

Doudey Erick Fakambi

Malerei, Bodypainting Performance

1969 in Lomé, Togo, geboren

Doudey Erick Fakambi lebt und arbeitet lebt und arbeitet seit 11 Jahren

in Berlin.

In seinen Werken vereint er zahlreiche Voodoo-Traditionen mit

eigenen Visionen.

D. Erick Fakambi

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Voodoo in Neukölln, OSHUMARE, 3 c-prints, 40 x 30 cm, 2009

links oben Arbeitsfoto, E. Fakambie mit Model

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Jeffrey Isaac

www.jeffreyisaac.com

Jeffrey Isaac lebt als gebürtiger New Yorker in Umbrien. Seine Kindheit

verlebte er in der Schweiz, später führte ihn eine intensive Ausstellungstätigkeit

in verschiedenste Länder der Welt.

In seinen Arbeiten zeigt sich eine starke Neigung zu bissigen und satirischen

Kommentaren. Er liebt das Spiel mit der Ironie. Für die

jährliche Festprozession der Stadt Foligno malte er den im Galopp

vor der Muttergottes fliehenden Jesse Owens auf ein Banner, denn

die italienischen Stadtoberen hatten zuvor das Werk eines Riefenstahl-Jüngers

als zentrale Standarte benutzt. Der Titel des Gemäldes

ist Cavalierte O.

Der Umbrian Walk zeigt Jeffrey Isaacs zweite große Neigung, das

Zitat. 1872 begründete der Dokumentarfotograf Eadweard James

Muybridge die Serienfotografie, um die exakte Beinstellung eines

trabenden Pferdes zu bestimmen. In derselben Zeit ist die Kolonialisierung

des amerikanischen Westens in vollem Gange. Claims werden

täglich neu abgesteckt. 124 Jahre später, im Jahr 1996, greift

Jeffrey Isaac im Land der Italowestern auf diese beiden Ereignisse

zurück. Mit Umbrian Walk dokumentiert er die Umgebung, in der

seine Gemälde in Zukunft entstehen. Wichtig ist dabei die Größe

des Gemäldes von nahezu elf Metern. Es ist die maximale Breite seiner

neuen Atelierwand.

Geboren 1956 in New York City, USA

Studium an der Rhode Island School of Design, USA

Studium an der Camberwell School of Art, London, GB

Ausstellungen seit 1976

Jeffrey Isaac lebt und arbeitet in Umbrien, Italien.

Einzelausstellungen seit 2006

2009 Manifest Destinies, 53. Biennale d Arte, Venedig,

Italien

...Where Angels Fear to Tread, Galleria Civica d’Arte

Moderna, Spoleto, Italien

2008 I diavoli di Jeffrey Isaac, Villa Fabri o Boemi, Trevi,

Italien

2007 Dogs, Devils & Disasters, Kunstverein Schwetzingen

Videosanti, c.a.l.m.a., Perugia, Italien

2006 Profane & Sacred, Auditorium della Stella, Spoleto,

Italien

Gruppenausstellungen seit 2006

2008 l’Arca, Galleria Bonomo, Bari, Italien

Dalla città proibita alla città eterna, Galleria Marino,

Rom, Italien

2007 Terra di Maestri, Villa Fidelia, Spello, Italien

Videofusion, Studio.ra, Rom, Italien

2006 arte: espressione di solidarietà, Palazzo dei Sette,

Orvieto, Italien

Le Stanze delle Fiabe, Galleria Civica d’Arte Moderna,

Spoleto, Italien

LIBEROLOBROdARTISTALIBERO, Museo Archeologico

Statale, Spoleto, Italien

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Umbrian Walk, Teil 1 von 8, 1996, Öl auf Leinwand, 80 x 130 cm (Gesamtgröße: 80 x 1048 cm)

Foto: Lea Gryze

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Marcus Jansen

Alles fing damit an, dass ich einen überfahrenen Marder in unserer

Straße fand. Ein Marder in unserer Straße, mitten in der Stadt! Natürlich

hatte ich schon von Marderbissen gehört (wofür gibt’s denn

den ADAC). Aber ich glaube, in Fahrradkabel verbeißen sich die

Marder nicht, nur in Autokabel. Auf jeden Fall war dieser tote Marder

hier wunderschön, mit einem langen, seidigen Fell in lebhaften

Braun- und Schwarztönen. In freier Wildbahn habe ich noch nie

einen lebenden Marder gesehen. Leider mussten wir ihn dann wegräumen,

einen Kadaver kann man ja nicht einfach auf dem Bürgersteig

liegen lassen.

Der Ausgangspunkt für die Skulptur mit den Mardern waren dann

Marder – oder Iltisse – als Stofftiere von IKEA. Davon gab’s dort

ganze Drahtcontainer voll. Sonst sind Marder ja eher Einzelgänger.

Geboren 1962 in Köln

Studium an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, der

Kunstakademie Düsseldorf und dem Goldsmiths College, London, GB

Lehrtätigkeiten an mehreren Hochschulen

Ausstellungen seit 2005 (Auswahl)

2009 Delikatessenhaus, Leipzig

6komma19kubik mit doppel-de, Galerie k4, München

6,19sprinter[lang], copyright projektraum, Berlin

2008 Galerie FilippRosbach, Leipzig

2007 Fahrt ins Blaue, Kunstverein Baruth

7 x 100, Kulturgut Poggenhagen

2005 Kaleidoskop, Oktogon Brühlsche Terrassen, Dresden

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Schutzgebiet: Marder, Aluminiumräder, Epoxid über Stofftieren, ca. 110 x 270 x 30 cm, 2008

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Carsten Kaufhold

info@artserver.de

Der 1967 in Berlin geborene Carsten Kaufhold ist in seinem Werk

auf das Engste einer urbanen Thematik verpflichtet. Seine fein nuancierten

Gemälde spielen mit einem Bild von Großstadt, das von

spannungsvollen Gegensätzen bestimmt ist. Unter zumeist strahlendem

Himmelsblau entwickelt sich eine Architektur, die zugleich

Nähe zulässt und Weite eröffnet. In statischen, aber nicht aseptisch

wirkenden Szenerien entwickelt der Maler eine spürbare Stille, die

nichts vom Getöse Berlins weiß. Gleichwohl ist der Bildaufbau von

einem geheimnisvollen Sog in die Tiefe des Raums geprägt. Nie

sind die Kompositionen banal oder kühl kalkuliert.

Stille Seitenstraßen scheinen ebenso wie die Hauptverkehrsadern

der Metropole in einem geheimnisvollen Schlummer zu liegen. Ein

Sonnenglast liegt über den stillen Darstellungen. Die eher kleinformatigen

Arbeiten haben denn auch stets einen intimen Charakter.

Es sind Straßenszenen, die weit über ein bloßes Abbild hinausgehen.

In großstädtischen Straßenfluchten gerät die Spiegelung auf

glänzendem Fahrzeuglack zum abstrakten Spiel. In anderen Szenerien

entwickelt sich die Rückeroberung des Stadtraums durch die

Vegetation zum stillen Ringen.

Dabei sind die Darstellungen im Werk Carsten Kaufholds in den letzten

beiden Jahren immer detaillierter geworden, nicht ohne die

Gesamtwirkung aus den Augen zu verlieren. Die einzelnen, ausgesuchten

Farbwerte werden immer mehr zum Gesamtbild verwoben,

das neben der virtuos eingesetzten Technik eine durchaus

bewusste Annäherung an romantische Vorbilder erahnen lässt.

Auch wenn Kaufhold inzwischen zunehmend innerstädtische Sujets

für sich entdeckt, sind es weiterhin nicht exakte Umsetzungen

von vorgefundener Architektur. Zugunsten einer spannungsvollen

Bildgestaltung wird hier und da schon einmal das Berliner Stadtbild

geändert und zurechtgerückt. Es sind eher innere Bilder, die

hier auf die Leinwand gebannt werden: Träger einer intensiven

Stimmung, die mit großer Sorgfalt und mit ausgesuchter Kennerschaft

von der unvermuteten Stille im Getriebe der großen Stadt

berichten.

Geboren 1967 in Berlin

Studium an der Hochschule der Künste (HdK), Berlin

Carsten Kaufhold lebt und arbeitet als bildender Künstler in Berlin.

Ausstellungen seit 2005

2009 Orte, Galerie Stefan Westphal, Berlin

2008 Kunstverein Heidenheim

Flora, kunstraum t27, Berlin

2007 open gallery I & II, Galerie Malerei und Grafik, Berlin

Berliner Stadtimpressionen heute in der Bildenden

Kunst, GEHAG-Forum, Berlin

Nachtstücke, Galerie im Haus, Amelinghausen

Urlaub in Neukölln, Galerie R31, Berlin

An Sichten, Kulturstiftung Potsdam

zeichnen Zeichnung ZEICHEN, kunstraum t27, Berlin

2006 Momentaufnahmen, Galerie R31, Berlin

Imitatio II, kunstraum t27, Berlin

Berlin-Sichten, kunstraum t27, Berlin

2005 galerie temporaire, heimelig!, Galerie R31, Berlin

Rathaus Zehlendorf – Galerie im Foyer, Berlin

Profanierte Momente, kunstraum t27, Berlin

Dr. Martin Steffens

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Straße Nr. 15, Acryl auf Leinwand, 70 x 90 cm, 2007

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Sevgi Kaygun

www.kaygunart.de

Die in der Türkei geborene und in Berlin lebende Künstlerin Sevgi

Kaygun richtet ihren Blick auf ein spezielles Phänomen der „Natureroberung“

urbaner Menschen: das Picknick.

Im Grünen, speziell in den Parks, finden sich an Wochenenden und

lauen Sommerabenden Familien und Freunde zusammen, um gemeinsam

zu schlemmen, zu trinken, zu spielen und zu einem unbeschwerten

Miteinander zu finden.

Die Künstlerin bannt arkadisch-bukolische Szenen auf die sattsam

bekannten Pappteller. Hier folgen die Protagonisten einem geradezu

naturhaften Lustprinzip. Unbeschwert und eins mit der eigenen

Sexualität entstehen so Visionen eines Lebens jenseits gesellschaft-licher

Konventionen.

Dr. Martin Steffens

Ausstellungen und künstlerische Aktivitäten (Auswahl)

Künstlerische Aktivitäten

2008/09 Ausstellungsorganisatorin für das Kulturamt Berlin-

Neukölln

2008 Realisation des Puppentheaterstücks Der Fröhliche

Garten

2003-2007 Verschiedene Kunstprojekte in Berlin, darunter

Picknick-Projekt, Kunstdesign und Produktionen

1999/2000 Realisation des Puppentheaterprojekts Arche Noah,

Berlin

1999 Miniatur Biennale, Quebec, Kanada

1990-1995 Gründung und Leitung des Kunstprojekts Art Express

1987 Tanzvorstellung im Haus Ruppenhorn, Berlin (Choreographie

und Tanz)

Der Tod in Stromboli, Kurzfilm, Super8, Italien

(Regie und Schauspiel)

Einzelausstellungen

1996 Galerie Aufzeit, Berlin

Droysen Keramik Galerie, Berlin

Galerie Mönch, Berlin

1995 Galerie im Saalbau, Berlin

Gruppenausstellungen

2002 Mathematik und die Keramik, Urania, Berlin

2000/2001 BERLINAPOLI - Luminart, Lichtinstallationen, Berlin

und Neapel, Italien

1999 Droysen Keramik Galerie, Berlin

1997/1998 Galerie Kyra Maralt, Berlin

1995 Galerie 68 Elf, Köln - Förderkreis für Junge Kunst

Kunst in der Westentasche, Wanderausstellung

durch Deutschland, Belgien und Frankreich

Art Cologne 95 - WDR Internet Galerie

1985 Berliner Kulturplätze, NGBK, Berlin

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Picknick, Acryl und Lack auf Pappteller, 1997

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Seraphina Lenz

www.oqbo.de

Filmpark ist ein Projekt der Werkstatt für Veränderung. Das interaktiv-partizipatorische

Gestaltungskonzept wurde von Seraphina Lenz

2002 für den Carl-Weder-Park entwickelt. Es tritt seither alljährlich

mit temporären Interventionen in Erscheinung. Im Sommer 2008

wurde der Park Drehort für einen Film über den Park und seine Besucher.

Diese konnten Inhalte und Bilder des Films gestalten.

Lothar Wittich vollzieht mit seinem Blick vom Balkon die Veränderungen

des Ortes über mehrere Jahrzehnte nach. Der sechzehnjährige

Mohamed el Moustapha erklärt, wie er und seine Freunde

sich dort treffen, um Spaß zu machen, und dass dieses anderen

manchmal Angst macht. Iris Rogoll, Mitarbeiterin des Amtes für

Stadtplanung, berichtet über die Bemühungen des Bezirks, für den

Park eine angemessene Pflege zu erwirken. Besucher äußern Wünsche

und Ideen zur Gestaltung der Anlage.

Über die Ortsbeschreibung hinaus erzählt der Film, wie man den

Park verwandeln und ihm neue Bedeutung geben kann. Ein Klettergerüst

wird zum Strandhaus, aus Langeweile auf der Mauer entsteht

eine Choreografie, eine Tanzperformance unter der Brücke

macht den Ort zum großstädtischen Spielplatz. In den Spielszenen

zeigt sich der Park als Bühne und Aktionsraum für mögliches kollektives

Handeln.

Seraphina Lenz wurde in Münster geboren und studierte Bildhauerei

an der Kunstakademie Münster. Ein Thema ihrer künstlerischen

Arbeit ist die Herstellung von Stadträumen. 2008 gründete

sie gemeinsam mit anderen Künstlern den Projektraum oqbo.

Einzelausstellungen und Projekte (Auswahl)

2009 cut, Galerie oqbo, Berlin

Eintopf inklusive, Werkstatt für Veränderung, Berlin

2008 tätigkeiten, Arp-Museum Bahnhof Rolandseck,

Remagen

Filmpark, Werkstatt für Veränderung, Berlin

2007 verborgene Talente, Werkstatt für Veränderung, Berlin

2006 zarte Pflanzen, Werkstatt für Veränderung, Berlin

2005 bewegende Besucher, Werkstatt für Veränderung,

Berlin

2004 cocooning de luxe, Städtische Galerie, Bergkamen

über uns die Sterne und unter uns die Autobahn,

Werkstatt für Veränderung, Berlin

diario de lo encontrado, First View, Buenos Aires,

Argentinien

2003 platz nehmen, Werkstatt für Veränderung, Berlin

2001 Jagdfieber, Karl-Marx-Straße, Berlin

die grüne Nacht, Areale Neukölln, Berlin

Gruppenausstellungen (Auswahl)

Filmpark

Idee, Buch, Produktion, Regie: Seraphina Lenz

Künstlerische Mitarbeit, Setfotografie, Casting: Michael Bause

Kamera, Schnitt: Daniel Kunle

Musik: Jan Tilman Schade

Choreographie: Joe Parkes

Werkstatt für Veränderung wird initiiert und finanziert durch das

Bezirksamt Neukölln, Fachbereich Stadtplanung

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2009 Haischaimai Erzeuger #2, Galerie oqbo, Berlin

2008 PÖPP68ff Privat Öffentlich Persönlich Politisch:

Tagung in der Akademie der Künste, Gruppenausstellung

und Projekte in der NGBK, Berlin

backstop - #1 Erzeugermarkt, Galerie oqbo, Berlin

2007 die Tür aufmachen für eine neue Zukunft, Galerie

neues Problem, Berlin

2006 Glück auf, Galerie neues Problem, Berlin

2005 von mir aus, Kulturamt Friedrichshain, Berlin

Der Lohn der Arbeit, Westdeutscher Künstlerbund,

Städt. Museum Mülheim

2002 Inkonferenz3, Charité, Berlin

Wächserne Identitäten, Kolbe Museum, Berlin


Filmpark, 2008, Stills: Daniel Kunle

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Florian Rexroth

www.florianrexroth.de

Freigestellter Baumraum

Bäume der Stadt – Der Akt

Das Projekt Bäume der Stadt entstand im Frühjahr 2008 als Abschlussarbeit

am Lette-Verein Berlin. In der Fotoarbeit setzt sich Rexroth

mit dem Stadtbaum als Individuum und dessen unmittelbarem

Umfeld auseinander. Als markantes Stilmittel wählt der Fotograf die

Verhüllung und isoliert durch Zuhilfenahme eines weißen Tuches

den Baum aus seiner urbanen Umgebung. Im Rahmen des Festivals

führt der Künstler – neben einer Präsentation von Fotoabzügen –

diesen Akt als Performance vor der Postfassade aus.

Geboren 1981 in Frankfurt am Main

Florian Rexroth lebt und arbeitet seit 2003 in Berlin.

1997 – 2000 Tischlerausbildung

2005 – 2008 Fotografieausbildung am Lette-Verein Berlin

Ausstellungen

2009 gute aussichten - junge deutsche fotografie 2008/09

Haus der Fotografie/Deichtorhallen, Hamburg;

vhs Fotogalerie, Stuttgart; Art Foyer DZ Bank, Frankfurt

a. M.

2008 Epson Art Photo Award 2007/08, Art Cologne, Köln;

Kunstakademie Almaty, Kasachstan

Punktum, Abschlussausstellung Lette-Verein, Berlin

Visual Gallery, Photokina, Köln

gute aussichten - junge deutsche fotografie 2008/09

Buchmesse, Frankfurt a. M.

Haus am Kleistpark, Fotoförderpreis 2007, Berlin

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#4, High Gammut Pigmentdruck, 53 x 67 cm, 2008

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Enrico Weinert

enricoweinert@yahoo.de

Die Zeichnungen von Enrico Weinert erinnern an unfertige Tintenstrahldrucke,

Holzschnitte oder Radierungen. Der von Hand gezeichnete

Strich behält trotz der Verwendung eines Lineals seine

Unmittelbarkeit und subtile Befindlichkeit. Die Arbeit an der Oberfläche

ist für ihn genauso wichtig wie die Arbeit am Motiv selbst.

Beides balanciert sich gleichmäßig aus. Weinert entwickelt ambivalente

Bilder. Er spielt mit Unschärfen, widersprüchlichen Stimmungen

und Auffassungen.

Es ist, als ob die Figuren und die Darstellungen in einer Zwischenwelt

gefangen sind. Es geht Enrico Weinert nicht um Definitionen

von Gut oder Böse. Ihn interessiert der Grenzbereich, der Moment

des Kippens und Auflösens solcher Begriffe.

Marie Mannheimer, 2008

Geboren 1976 in Räckelwitz, Deutschland

Enrico Weinert lebt und arbeitet seit 2006 in Zürich.

1996-2001 Studium an der HfbK Dresden bei Prof. Ralf Kerbach

2001 Meisterschüler bei Prof. Max Uhlig

2002 Umzug nach Berlin

Einzelausstellungen

2009 ZÄHLE ZÄHLE ZÄHLE, kunstraumwinterthur, Winterthur,

Schweiz

2008 tummeln, Galerie im Hirschengraben, Zürich,

Schweiz

2004 Asspora, Carl-Lohse-Galerie, Bischofswerda

2003 Zock, Werkstatt der Kulturen, Berlin

Gruppenausstellungen

2009 kunstraum t27, Berlin

2006 Racing, Galerie Wälsch, Berlin

2002 Natur und Mensch, Sankt Andreasberg

OMU, Dresden

2001 Diplomausstellung, Dresden

Zitadelle Spandau, Berlin

2000 Masken, SAB-Bank, Dresden

24


Scratch V, Buntstift auf Papier, Holz, 57 x 50 cm, 2008

25


Dank

Wir danken den ausstellenden Künstlerinnen und Künstlern für ihr Engagement und ihre Bereitschaft, Arbeiten in der

Alten Post zu zeigen.

Markus Christ und Sonia Alvarez gilt der Dank für die Betreuung des Aufbaus und der Hängung. Moritz Wermelskirch

sorgte für die Beleuchtung im temporären Ausstellungsraum.

Beim Bezirksamt Neukölln und der [Aktion! Karl-Marx-Straße] bedanken wir uns dafür, dass die Alte Post erneut für eine

kulturelle Zwischennutzung zur Verfügung steht. Ebenso danken wir den Eigentümern des Gebäudes. Die temporäre

Wiedereröffnung der Alten Post ist eines der Leuchtturm-Projekte der [Aktion! Karl-Marx-Straße], bei der die Akteure der

Karl-Marx-Straße gemeinsam die Zukunft des Neuköllner Geschäfts-, Verwaltungs- und Kulturzentrums gestalten. Mehr

Informationen unter www.aktion-karlmarxstrasse.de.

Der BIOTRONIK GmbH & Co. KG, dem privatwirtschaftlichen Hauptsponsor der 48 STUNDEN NEUKÖLLN, ist die Realisierung

der Ausstellung und des Katalogs zu verdanken.

Mit freundlicher Unterstützung des Jobcenter Neukölln


Ein Projekt von:

Kulturnetzwerk

Neukölln e.V.

Mit freundlicher Unterstützung von:

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