Haare: Love is in the Hair - Springer GuP

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Haare: Love is in the Hair - Springer GuP

Titel

Love is in

the Hair

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> DAS PTA MAGAZIN - - - Ausgabe 08-2013


Haare sind wichtiger Bestandteil der nonverbalen Kommunikation und nicht

nur tote Anhängsel der Kopfhaut. Haarausfall und Kopfhautprobleme bieten

ein facettenreiches Beratungsthema in der Apotheke.

[ von Petra Schicketanz ]

Das Gesicht hinter den Haaren

verbergen oder die ganze Pracht

mit geübtem Schwung über die

Schulter werfen, ein modischer

Schnitt oder eine freche neue Farbe – die Möglichkeiten, sich

über Haare auszudrücken, werden von beiden Geschlechtern

genutzt. Doch das Thema hat auch seine Schattenseiten, die

sich meist in einem Zuviel oder Zuwenig an Haaren oder Problemen

der Kopfhaut äußern.

Bau und Entwicklung

Fast die gesamte Hautoberfläche des Menschen ist behaart.

Davon ausgenommen sind lediglich die Handflächen und Fingerinnenseiten,

die Fußsohlen, Brustwarzen und Lippen. Für

die Versorgung der Hautanhangsgebilde sind die Haarfollikel

verantwortlich. Dies sind Einstülpungen der Epidermis, denen

die Haarwurzeln entspringen. Über das Hautniveau heraus ragt

der Haarschaft, ein langgezogener Zylinder aus gegeneinander

verdrehten Keratinfasern. Er besteht bei Terminalhaaren

(s. u.) aus Haarmark (Medulla), Haarrinde (Cortex) und der

Schuppenschicht (Cuticula).

Haarmark-- Die Medulla ist ein luftgefüllter Hohlraum und enthält

nur gering verhornte, pigmentierte Zellen. Sie ist nur in

dickeren Haaren vorhanden.

Haarrinde-- Der Cortex setzt sich aus spindelförmigen Hornzellen

zusammen, die in Fibrillenbündeln vorliegen und dem

Haar seine Festigkeit verleihen. Hier sind auch die pigmentbildenden

Zellen (Melanosomen) eingelagert, durch die das

Haar seine jeweilige Farbe erhält.

Schuppenschicht-- Die Cuticula ist eine Schutzschicht aus

dachziegelartig überlappenden, flachen Hornzellen, die mit

einer dünnen Fettschicht überzogen sind. Bei gesunden Haaren

liegen die Zellen glatt an und verleihen den Haaren ein

glänzendes Aussehen. Seifen und andere Laugen führen zu

einer Aufrauung der Struktur. Der fehlende Schutz erleichtert

Haarbruch und Spliss sowie die Absorption von Fremdstoffen.

Drei Typen: Lanugo, Vellus, Terminal

Schon Ungeborene haben einen Bewuchs von Flaumhaaren

(Lanugohaaren), der den ganzen Körper überzieht. Durch ihn

haftet die Käseschmiere besser an der Haut und schützt sie vor

den Einflüssen des Fruchtwassers. Vor der Geburt werden sie

durch Wollhaare (Vellushaare) ersetzt. Diese sind kurz, dünn,

mark- und pigmentlos. An den Augenbrauen und Wimpern bilden

sich Borstenhaare, die als kurze Terminalhaare den Schweiß

von den Augen fernhalten.

Das, was wir üblicherweise als „Kopfhaar“ bezeichnen, sind

lange Terminalhaare. Sie sind dick, markhaltig und meist pigmentiert.

Was sie besonders gegenüber der restlichen Körperbehaarung

auszeichnet, ist ihr Längenwachstum. Pro Jahr

kann es zwischen 36 und 180 Millimeter betragen. Bei raschem

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Wachstum und einem langen Wachstumszyklus können Terminalhaare

eine Länge von 80 bis 144 Zentimetern erreichen.

zierte, konsequent abrasierte. Doch nicht jeder Mann geht so

selbstbewusst mit Haarausfall um. Und Frauen schon gar nicht.

hormoneller einfluss

Sowohl bei Männern als auch bei Frauen wachsen in der Pubertät

die Haare im Bereich der Achselhöhlen und des Genitalbereichs.

Ursache ist eine Umwandlung von Vellushaaren

zu Terminalhaaren, die schon durch niedrige Androgenspiegel

ausgelöst wird und demnach auch bei Mädchen stattfindet.

Hohe Androgenspiegel beim Mann führen

zum Bartwuchs und einer Sexualbehaarung bis

zum Nabelbereich. Aber auch an Brust, Rücken

und Beinen kann die androgenbedingte Haarumwandlung

stattfinden.

Die wachstumsphasen

Jedes Haar unterliegt einem zyklischen Wachstum. Dieses

beginnt mit der Anagenphase, in der das Haar aktiv produziert

wird. Sie kann zwei bis sechs Jahre dauern. In der sich

anschließenden Katagenphase schrumpfen die Haarwurzeln,

und die Haarzwiebel verhornt. Dadurch stellt sich die Produktivität

im Verlauf von zwei Wochen ein. In der folgenden

Telogenphase, einem Ruhezustand, verweilt das Haar noch

rund zwei bis vier Monate. In dieser Zeit wandert der Haarfollikel

zur Hautoberfläche, bis das Haar seinen Halt verliert

und schmerzfrei ausfällt.

Anders als bei Tieren, deren Fellwechsel an die Jahreszeiten

angepasst sein muss, entwickeln menschliche Haarfollikel jeweils

ihren eigenen Zyklus. Dadurch ergibt sich ein Gleichgewicht

von nachwachsenden zu ausfallenden Haaren.

Haarausfall

„Der beste Schutz gegen Haarausfall ist eine Glatze“, sagte

einmal Telly Savalas, der als lollilutschender Lieutenant Kojak

in den 1970er-Jahren Filmgeschichte schrieb und sich den

schwindenden Haarkranz, der in den 1950ern noch seinen Kopf

untersuchungen

Täglich lösen sich bis zu 100 Haare von der Kopfhaut. Das ist

normal und entspricht dem üblichen Phasenverlauf im Haarwachstum.

Bei einem gesteigerten Haarausfall (Effluvium) gehen

täglich 200 und mehr Haare verloren. Die Ursachen dafür

können sehr vielfältig sein, ebenso die Erscheinungsweise. Um

eine gründliche Diagnostik kommen Betroffene

daher nicht herum.

Ein Dermatologe wird zunächst das Erscheinungsbild

der Haare begutachten. Handelt

es sich um eine lokal begrenzte Erscheinung

(Alopezie), oder verteilt sich der Haarausfall

diffus über den ganzen Kopf? Sind Hautkrankheiten

oder ein Parasitenbefall nachweisbar?

Oder ist das Gewebe durch Narbenbildung

„verödet“? Liegen vorzeitige

Alterungszeichen vor? Gibt es Hinweise seitens

der Haarkosmetik? In der Anamnese

werden Stresssituationen und vorangegangene

Krankheiten (insbesondere Hormonund

Stoffwechselstörungen sowie Blutkrankheiten),

Schwangerschaft, Medikamente und

Belastungen mit Chemikalien,

Zytostatika

und anderen Giften

abgefragt.

Trichorrhizogramm-- Das

Haarwurzelmuster

gibt Auskunft darüber,

in welchem Verhältnis

Anagen- zu Telogenhaaren

vorliegen.

Auch dystrophische (geschädigte) Haare werden erfasst. Dafür

wurden früher 50 und mehr Haare ausgerissen und in frischem

Zustand mikroskopisch auf ihre Phasenzugehörigkeit

untersucht.

Phototrichogramm-- Die modernere Vorgehensweise ist zugleich

deutlich patientenfreundlicher, da keine Haare ausgerissen

werden müssen. Stattdessen wird eine kleine, markierte Stelle

der Kopfhaut kurz geschoren und der Haarstatus fotografiert.

Danach wird die Stelle rasiert, um sie nach drei Tagen

erneut zu fotografieren. Leerbleibende Follikel stehen für das

vorherige Vorhandensein eines Haares im Telogenstadium,

während nachwachsende Haare einen Follikel in der Anagenphase

anzeigen.

Haaranalyse-- In der Wachstumsphase werden Haare auf der

Kopfhaut täglich um 0,1 bis 0,5 Millimeter verlängert. Dem

liegt ein hochaktiver Stoffwechsel zugrunde. In diesem Rahmen

werden auch Fremdstoffe in den Haaren abgelagert. Neben

metallischen Giften wie Blei, Quecksilber, Kupfer und anderen

sind auch Dopingmittel und psychoaktive Substanzen

bei entsprechender Haarlänge noch Jahre später nachweisbar.

Wie sehr Haare die Persönlichkeit verändern, zeigen

die Bilder der Sophie van der Stap: Während

ihrer Krebsbehandlung trägt sie verschiedene Perücken

und nimmt dadurch unterschiedliche Identitäten

an; hier im Bild Daisy, Stella und Lydia

(v.l.n.r.). Mehr über sie und ihre Geschichte finden

Sie auf der Seite 86.

© Droemer (3)

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titel

Detail

Generalisierte Hypertrichose: Ein fellähnlicher

Bewuchs am ganzen Körper führt

in der Regel zu psychosozialer Traumatisierung.

Früher wurden solche bedauernswerten Menschen

oft als Wolfs-, Affen- oder Löwenmenschen auf Jahrmärkten

ausgestellt. Doch auch das Guiness Buch der

Rekorde schmückt sich mit solch zweifelhaften Trophäen.

Der dort benannte haarigste Mann der Welt, Yu Zhenhuan,

trat 2004 mit seinem Problem die Offensive an. Als chinesischer

Rocksänger zwang er sich, in die Öffentlichkeit zu

gehen, um seine Isolation zu überwinden.

Zur Diagnostik eines Effluviums wird

die chemische Haaranalyse in der Regel

nicht herangezogen, außer es besteht ein

Vergiftungsverdacht. In anderen Körperregionen

besitzen die Haare einen deutlich

langsameren Metabolismus, wodurch

sie weit weniger empfindlich auf Stoffwechselgifte

reagieren als Kopfhaare.

Blutuntersuchung-- Die Erhebungen von

Blutbild und Blutsenkung, die Spiegel

von Sexual- und Schilddrüsenhormonen

sowie von Immun- und Nierenfunktionsparametern

können bei der Suche der

Auslöser eines Haarausfalls große Dienste

leisten. Wichtig sind auch die Eisen-

machen kann.

werte, Zink, Selen und Calcium.

Haarstruktur-- Eine licht- oder rasterelektronenmikroskopische

Untersuchung des

Haarschafts kann Schädigungen der Cuticula

aufzeigen, aber auch genetische

oder ernährungsbedingte Störungen oder die Folgen einer

falschen Haarpflege, die sich durch Aufsplitterung oder Knötchenbildung

bemerkbar macht.

Formen des haarausfalls

Prinzipiell wird unterschieden, ob der Haarausfall nur auf eine

oder mehrere kahle Stellen beschränkt ist oder sich diffus

über den ganzen Kopf verteilt. Im Fall des diffusen Haarausfalls

wird berücksichtigt, in welcher Entwicklungsphase sich

die Haare befinden und ob dystrophe Haare vorliegen, die aufgrund

einer Versorgungsstörung des Follikels dünne Stellen

im Haarschaft aufweisen, an denen das Haar später abbricht.

Kreisrunder Haarausfall-- Eine Alopecia areata tritt mit einer

weltweiten Inzidenz von 0,1 bis 0,2 Prozent auf. Kinder unter

16 Jahren sind besonders häufig betroffen. Haare im Randbereich

des scharf umgrenzten Herdes sehen unter dem Mikroskop

aus wie ein Ausrufezeichen: Über einem punktförmigen

Wurzelansatz beginnt ein zu dünner Haarschaft, der sich nach

> Zu wenige Haare oder gar keine;

auch das ist für Viele ein Problem,

wenn auch die Glatze manche

Menschen durchaus attraktiv

oben hin verdickt und schließlich spaltet. So lange die Follikel

zu erkennen sind, besteht Grund zur Hoffnung auf eine Wiederherstellung

des vollen Haarbildes, die spontan eintritt, aber

häufig Rezidive nach sich zieht. Sterben die Follikel jedoch ab,

ist der Haarverlust irreversibel.

Die Ursachen des kreisrunden Haarverlusts sind bislang ungeklärt,

eine genetisch bedingte Neigung ist nur zum Teil vorhanden.

Diskutiert wird eine autoimmune Veranlagung, die sich

gegen das haarbildende System richtet und über eine lokale

Entzündung die Versorgung der Haarwurzel blockiert. Eine

psychische Belastung begünstigt das Geschehen.

Androgenetische Alopezie-- Mehr als die Hälfte aller Männer und

ein Viertel der Frauen leiden unter dieser hormonvermittelten

Form des diffusen Haarausfalls, die auf einer genetischen

(anlagebedingten) Fehlprogrammierung der Haarfollikel beruht.

Durch diese reagiert die Haarwurzel empfindlich auf

Dihydrotestosteron (DHT). Bezeichnend sind eine verkürzte

Wachstumsphase und eine verlängerte Latenzzeit zwischen

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*beispielhafte Nennungen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit

Haarausfall und Bildung eines neuen

Haares. Eine Schrumpfung der

Haarfollikel hat die Bildung feinerer,

dünnerer Haare zur Folge. Im

Spätstadium verliert der Follikel

seine Funktionsfähigkeit komplett.

Bei Männern zeigt sich eine androgenetische

Alopezie typischerweise

durch zunehmende Geheimratsecken

und Tonsurbildung. Sie beginnt

bereits mit der Pubertät bei

ganz normalem Androgenspiegel.

Frauen sind üblicherweise erst in

den Wechseljahren betroffen, wenn

die nachlassende Östrogenproduktion

zu einer relativen Zunahme von Androgenen führt. Das

Effluvium beginnt diffus im Scheitelbereich und ist nur unscharf

begrenzt. Die Stirn-Haar-Grenze bleibt im Gegensatz

zum männlichen Erscheinungsbild unbeeinträchtigt.

Diffuser Haarausfall vom Frühtyp-- Aids, schwere Vergiftungen oder

eine Chemotherapie sowie andere drastische Noxen (Schock,

Operationen) schädigen die Haarwurzeln massiv. Infolgedessen

brechen die neugebildeten Haare unmittelbar nach Erreichen

der Hautoberfläche ab. Vermehrt können dystrophe

Haare auftreten.

Diffuser Haarausfall vom Spättyp-- Bei dieser Art des Effluviums

nimmt der Anteil der Haare im Telogenstadium zu. Alle Krankheiten,

die eine Minderversorgung der Haarfollikel bewirken,

führen zu einem Haarausfall dieses Typs. Dazu zählen

unter anderem Resorptionsstörungen, Diäten, Nikotinmissbrauch,

Vergiftungen, Immunerkrankungen, chronische Infekte,

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titel

Diabetes mellitus, höheres Lebensalter, Stress und

konsumierende Erkrankungen (Tumoren).

Sonderfall Schwangerschaft-- In der Schwangerschaft

wird die Anagenphase der Haare verlängert. Wenn

sich nach der Entbindung der Hormonhaushalt

wieder normalisiert, kommt es nach drei bis fünf

Monaten zu einem Effluvium, das jedoch keine

schütteren oder kahlen Stellen hinterlässt und

nach wenigen Wochen von selbst wieder aufhört,

da nur Haare im Telogenstadium ausfallen.

Hormonelle effekte-- Ein telogener Haarausfall wie

nach der Entbindung kann beim Absetzen östrogenhaltiger

Kontrazeptiva (Pille) auftreten.

Gestagenhaltige Präparate können bei genetischer

Veranlagung zu einem androgenen Haarausfall

führen. Betroffene Frauen profitieren in

diesem Fall von einem Antiandrogen anstelle

eines Gestagens.

Eine Schilddrüsenüberfunktion führt zu einer

Vermehrung weicher, dünner Haare, während

eine Schilddrüsenunterfunktion die Haare trocken und brüchig

werden lässt. Eine Entfernung der Nebenschilddrüsen

kann einen starken Haarverlust nach sich ziehen.

Eine Störung im Bereich des Regelkreises von Hypophyse

und Hypothalamus betrifft vor allem Frauen. Sie reagieren

auf erhöhte Prolaktinspiegel mit diffuser Alopezie und bei erniedrigten

Spiegeln mit Hirsutismus (u. a. Vermännlichung

der Genitalbehaarung).

Bei Nebenniereninsuffizienz (Morbus Addison) reduziert sich

die Achsel- und Genitalbehaarung. Der umgekehrte Effekt

(Morbus Cushing) resultiert dagegen in einer Hypertrichose.

einfluss von medikamenten-- Ein symptomatischer Haarausfall

(meist vom Spättyp), mitunter auch mit dystrophen Haaren,

kann durch verschiedene Medikamente hervorgerufen werden.

Dazu zählen unter anderem: Analgetika (NSAR), Antikoagulanzien,

antiretrovirale Substanzen, Aromatasehemmer,

Betablocker, Lipidsenker, Methylphenidat und Zytostatika.

tipp

haarausfallbehandlung

Oberstes Gebot bei der Behandlung des Haarausfalls ist das

Behandeln oder Ausschalten der Ursache. Egal, ob darüber

> Bei bestimmten Zytostatika

kann die topische

Applikation von

zweiprozentigem Minoxidil

den Haarverlust

verringern oder zumindest

verzögern. Die Anwendung

sollte bis vier

Monate nach Abschluss

der Chemotherapie erfolgen.

Eine Kältetherapie

vor Infusionsbeginn

schützt ebenfalls.

hinaus der Haarwuchs

mithilfe lokaler Therapeutika

oder Nahrungsergänzungsmittel

gefördert

werden soll, bereiten

Sie Ihre Kunden stets darauf

vor, dass die Anwendung

erst nach einigen Wochen

bis Monaten zu einem

spürbaren Resultat führen

kann. Die nachfolgenden

Wirkstoffe werden bei anlagebedingtemHaarausfall

(androgenetische Alopezie)

eingesetzt.

Alfatradiol-- Durch Hemmung

des Enzyms 5-Reduktase

wird die Umwandlung von

Testosteron zum haarwurzelschädigenden

Dihydrotes-

tosteron direkt in der Kopfhaut unterbunden. Damit fehlt

der Auslöser des androgenetischen Haarausfalls (z. B. Ell-

Cranell®, Pantostin®).

finasterid-- Ausschließlich für erwachsene Männer zwischen

18 und 41 Jahren zugelassen ist der verschreibungspflichtige

5-Reduktase-Hemmer Finasterid (z. B. Propecia®, Finapil),

der als systemisches Antiandrogen die leichte bis mittelgradige

Glatzenbildung bremst.

Aminexil-- So lautet der Markenname des Wirkstoffs Kopexil,

der ursprünglich als Mittel gegen Bluthochdruck auf den Markt

kam und als Nebenwirkung eine Zunahme der Körperbehaarung

verursacht. Bei topischer Anwendung (z. B. in Vichy Dercos

Aminexil Pro wirkt er einer vorzeitigen Erschöpfung der

Haarwurzeln entgegen, indem er die Verhärtung des Kollagens

um die Haarfollikel verhindert.

minoxidil-- Die Substanz

ist ein Derivat

des Kopexils. In

der Lokaltherapie

des Haarausfalls fördert

sie die Blutzufuhr

und Zellteilung

der Haarfollikel. Dadurch

werden mehr

Haare aktiviert und

zu dichterem Wachstum

angeregt. Zur

äußerlichen Anwendung

erhalten Frauen

die zweiprozentige

Lösung (Regain

Frauen Lösung),

Männer die fünfprozentige

(Regain

Männer Lösung).

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Haare im Überfluss

Nicht am ganzen Körper sind Haare erwünscht. Je nachdem, ob

eine androgenetische Überempfindlichkeit beteiligt ist, werden

allgemeine Hypertrichosen und Hirsutismus unterschieden.

Hypertrichose

Treten abnorm dicke, dicht stehende oder lange Haare an

normalerweise nicht behaarten Körperstellen auf, handelt es

sich um eine Hypertrichose. Im Extremfall kann sie angeboren

und generalisiert sein (s. Detail S. 24). Eine mildere Form

ist die konstitutionelle generalisierte Hypertrichose, die vor

allem bei Männern auftritt und ab der Geschlechtsreife zu einer

dunklen Terminalbehaarung am ganzen Körper führt. Auf

kleine, umschriebene Flächen begrenzt sind dagegen behaarte

Muttermale (Naevi pigmentosi et pilosi). Eine ursächliche

Behandlung gibt es nicht.

Erworbene Hypertrichosen-- Sie können durch hormonelle Störungen

(auch Konsum von Anabolika), Allgemein- oder Stoffwechselerkrankungen,

lokale Entzündungen, Infektionen, Vergiftungen

und Gewebeentartungen hervorgerufen werden.

Medikamente spielen ebenfalls eine Rolle, so zum Beispiel

das orale Antihypertensivum Minoxidil, verschiedene Antiepileptika,

Antidepressiva (Typ selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer),

Glaukommittel, Glukokortikoide, Zytostatika,

Hemmstoffe des EGF-Rezeptors und das HIV-Mittel

Zidovudin.

Hirsutismus

Etwa zehn Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter leiden

unter einem vermännlichten Behaarungsmuster. Ursache ist

eine androgenbedingte Umwandlung von Lanugohaaren zu

Terminalhaaren an Oberlippe, Kinn und den Oberschenkelinnenseiten

sowie zwischen Nabel und Schamregion, selten

auch an Brust, Rücken, Armen und Beinen.

Meist ist eine ererbte Überempfindlichkeit der Haarfollikel

auf Androgene die Ursache, Störungen der Eierstöcke oder

Nebennieren sowie klimakterische Veränderungen. Aber auch

Medikamente spielen eine Rolle, wie Diazoxid, Glukokortikoide,

Minoxidil und Ciclosporin.


Titel

Sammeln Sie Fortbildungspunkte

Hyperandrogenämie-- Hirsutismus und androgenetischer Haarausfall

können bei ein- und derselben Patientin auftreten. Besonders

bei jüngeren Frauen sollte dabei an einen androgenbildenden

Tumor der Eierstöcke oder Nebennieren gedacht

werden.

Auf Seite 74 finden Sie 10 Fortbildungsfragen zu diesem Beitrag. Bei zu 80

Prozent richtiger Beantwortung können Sie einen von der Bundesapothekerkammer

anerkannten Fortbildungspunkt erhalten. Die richtigen Antworten

finden Sie ab dem 01.10.2013 unter www.das-pta-magazin.de/haare

Schuppen

Neben den Haaren sind es oftmals Kopfhautprobleme wie

Schuppen, zu denen die PTA beraten soll. Grundlage des rieselnden

Problems ist zunächst eine unangemessene Talgproduktion

der Kopfhaut. Diese führt zu einer Überwucherung

mit dem Hefepilz Malassezia furfur, der die im Talg enthaltenen

Fettsäuren enzymatisch herauslöst und für seinen Stoffwechsel

verwendet. Die dabei abgegebenen Exotoxine reizen

die Kopfhaut und regen die Produktion der Talgdrüsen an. Die

Kopfhautreizung veranlasst den Patienten zum Kratzen, das

begünstigt die Infektion mit weiteren Keimen, und der Teufelskreis

hält sich von selbst in Gang. Oftmals fördert verkehrte

Haarpflege, die das biologische Klima der Kopfhaut zusätzlich

belastet, das Problem.

Schuppenmittel

Die erste Maßnahme in der Schuppenbehandlung sollte darauf

abzielen, den Kunden von zu häufiger Haarwäsche abzubrin-

Konzentrat

> > Haare unterliegen einem zyklischen Wachstum, das Anagen-, Katagen- und

Telogenphase durchläuft.

> > Dystrophe Haare entstehen durch eine Versorgungsstörung des Follikels.

Dadurch wird der Haarschaft verdünnt, und das Haar kann leichter abbrechen.

> > Haarausfall kann lokal begrenzt sein oder sich diffus über den ganzen Kopf

verteilen. Es gibt vielfältige Ursachen.

> > Eine Hypertrichose zeichnet sich durch deplatzierte, abnorm dicke, dicht stehende

oder lange Haare aus. Liegt eine hormonelle Überempfindlichkeit vor, ist von

Hirsutismus die Rede.

gen. Mindestens fünf Tage sollten der Kopfhaut zur Erholung

gegönnt werden – und das nach jeder normalen Wäsche. Bei

der Anwendung medizinischer Schuppenmittel sind gelegentlich

andere Intervalle genannt, die gegebenenfalls für die Dauer

der Therapie maßgebend sind.

Antimykotika-- Eine spezifische Wirkung gegen Malassezia furfur

zeigen pilzhemmende Substanzen wie Ketoconazol (z. B. in

Terzolin®, Ket® med), Ciclopirox und Zinkpyrithion (als Kombination

z. B. in Ducray Kelual DS), Climbazol und Pirocton-

Olamin (als Kombination z. B. in Eucerin® Dermocapillaire

Anti-Schuppen-Shampoo) sowie Selendisulfid (mit Ichthyol-

Zusatz in Ducray Squanorm).

Antipruriginosa-- Juckreizstillend wirkt das Oberflächenanästhetikum

Polidocanol. Harnstoff, synonym Carbamid genannt,

wirkt befeuchtend und löst die Schuppen von der Kopfhaut

(als Kombination z. B. in Widmer Remederm Shampoo). Den

letztgenannten Effekt hat auch Salicylsäure (z. B. in Ducray

Squanorm Shampoo trockene Schuppen).

Haar und Psyche

Stress und neurologische Störungen

können vorübergehend zu einem

Haarausfall führen. Umgekehrt

gibt es psychische Störungen, die zu

einem Haarverlust führen, wie die

Trichotillomanie, bei der aufgrund

verminderter Impulskontrolle Haare

ausgerissen werden.

Wir haben unsere konkreten Vorstellungen,

wie eine normale Behaarung

auszusehen hat. Dementsprechend

können Abweichungen – egal

ob dadurch zu viele oder zu wenige

Haare oder andere Kopfhautprobleme

auftreten – zur seelischen Belastung

werden.

© Ron Chapple Studios / Thinkstock

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