Reformation und Gegenreformation in Gmunden und Umgebung

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Reformation und Gegenreformation in Gmunden und Umgebung

Reformation und

Gegenreformation

in Gmunden und Umgebung

1


Unterlagen und Quellennachweis

vermutlich für die Dissertation

von

Prof.Dr.Wagner

Bearbeitet und gestaltet

von

Ernst Stadlmayr

Forsthausstrasse 38

4694 Ohlsdorf

3


Die Glaubenserneuerung

in Gmunden und Umgebung.

Zustände beim Klerus.

Die religiösen Verhältnisse waren unmittelbar vor

Eindringen der neuen Lehre wie in anderen Orten so auch

in Gmunden nicht günstig.

Wenn der Stadtpfarrer Paulus Tannstätter auf dem

Predigtstuhl seine Zuhörer häufig mit allerlei

Schimpfereien und ehrverletzenden Worten bedachte, den

4


Pfarrkindern oft ohne genügende Ursache das Sakrament

oder andere christliche Rechte entzog, so hat er sich

dadurch nicht absonderlich beliebt gemacht.

Dass er ohne Wissen der Verwandtschaft letztwillige

Vermächtnisse erwarb und denen, die nicht ordentlich

zahlten oder in ihrem Testament auf die Kirche vergaßen,

das Begräbnis auf dem Friedhof auch dann verweigerte,

wenn sie die Sterbesakramente empfangen hatten, zeigt

von seiner Habgier. Dass die Geistlichen in Gmunden „

mit gewehrter Hand , Püchsen u.dgl.“ in der Stadt

umhergingen, dass sie durch Weinausschank den

Pfarrhof gleichsam zu einem Wirtshaus machten, dass sie

noch spät nachts in den Weinhäusern der Bürger saßen

un dort allerlei Unfug trieben, hat wenig zum Ansehen der

Geistlichkeit und der Kirche beigetragen Es darf daher

nicht absonderlich erscheinen, dass sich viele von der alten

Kirche abwandten und mit Freuden das „neue

Evangelium“ annahmen, so dass schon 1523 die Stadt

„als lutherisches Nest“ galt und im Sommer 1524, da

der Pfarrer Paul Tannstätter nach schweren

Streitigkeiten mit der Bürgerschaft Gmunden verlassen

musste, die Stadt schon stark mit lutherischen

Anschauungen darchsetzt war.

.) Krakowizer F.: Geschichte der Stadt Gmunden, Band

II Seite 127

1) Eder Karl : Studie zur Reformationsgeschichte

Oberösterreich Band I Das Land ob der

Enns vor der Glaubensspaltung Seite

403

5


Verfügung des Magistrates und

Beschwerde der Äbtissin.

Wesentlich hat zur Förderung der neuen Lehre Kaspar

Schilling 2) Fronamter an der Stadtpfarre beigetragen.

Er war ein geborener Gmundner, wurde 1518 zum

Priester geweiht und hatte die angesehene Stelle eines

Fronamters inne. Durch fleißigen Umgang mit den

Lutheranern wurde er von der Wahrheit ihrer Lehre

überwunden.

Er wollte daher nicht mehr an die abergläubischen

Gebräuche der Papisten gebunden sein, beobachtete die

von der römischen Kirche fürgeschriebenen horras

Genonicas nicht mehr ,lies weg , was er bei der Haltung

der Messe Irriges fand, machte sich kein Gewissen an

verbotenen Tagen Fleisch zu essen. Nach dem Beispiel

anderer katholischer Priester trat er in den Ehestand und

6


ewarb sich nachträglich

um Dispens vom Zölibat,

die ihm tatsächlich in

einem sehr fragwürdigem

Instrument 3)

(kirchenrechtlich

jedenfalls ungültig)

erteilt wurde.

Schilling gab 1524 seine Stellung in Gmunden

auf, wurde Koopertor in Purckstale, bewarb sich 1524

um eine Stelle in Enns und wurde dort Sacellanus. 1550

wurde er auf die Stadtpfarre Gmunden invertiert. Somit

stand eine Persönlichkeit der Stadtpfarre vor, die alle

Folgerungen aus der neuen Lehre zog. 4)

Um in Zukunft einen für die Bürgerschaft von

Gmunden geeigneten Mann als Stadtpfarrer zu

bekommen, suchte der Magistrat dem Frauenkloster

Niedernberg in Passau die Inkorporation der Pfarre

und das damit verknüpfte Lehensrecht zu entwinden, zum

mindestens aber die Besetzung der Frauenamterstelle an

sich zu ziehen.

5) (G.St.A.Kirchliche Topographie,XLV.30)

2) Krakowizer II 126 f

Eder S. 405

3) Eder I 406

4) Eder I 406

5) Krakowizer II / 148

7


Beachtliche Mittel die Glaubenserneuerung

zu fördern.

Der Magistrat setzt als Fronamter

Sebastian Khorn ein, der ebenfalls, wie sein Vorgänger

ein Anhänger der Lutherischen Lehre war, ohne die

Äbtissin als „Kirchenfrau“ zu

befragen.

Auf Beschwerde der

Äbtissin wurde die strittige

Angelegenheit vor der

landesfürstlichen Commision

Ende Oktober 1524 dahin

entschieden, dass dem

Niederber Kloster das

Lehens- und Besetzungsrecht

über die Pfarre verblieb, jedoch

verpflichtete man die

Lehensherrin „nur solche

Subjekte von Geschick- und

Geistlichkeit vorzuschlagen, dass die Pfarrleut

„allerdings wohl befriedet sein sollen.“ 1)

Damit war dem Magistrat ein rechtliches

Mittel in die Hand gegeben, durch Verlangen nach einem

lutherischen Geistlichen die Glaubenserneuerung zu

fördern.

Sebastian Khorn behielt seine Stelle, nur sollte er

auf``s neue dieses Amt von der Äbtissin erhalten.

Die Pfarrerstelle erhält ein katholischer Priester.

Im Jahr 1528 erscheint Hans Weitgott urkundlich in

einer Entscheidung der Kaiserlichen Visitations-

8


Kommisare vom 13.Juni als Pfarrer auf. 2) ( K. bair.

R.A.Fasc.62, Orig.,G.Pf.A.Furmerkbuch 35 )

Bevor die Reihe der evangelischen Pfarrer für

etwa 40 Jahre anfängt, scheint noch Benedikt

KHLIEBER als Pfarrer in Gmunden auf. Er tritt

1544 die Pfarre an und hatte sie noch im folgenden Jahre

inne. Er war zugleich Pfarrer von „Sayrlpach“

(Sarleinsbach) , wo er sich einstweilen einen Vicar hielt.

3)

( J.Forstinger A.A.O. II

121.G.St.A.Zechamtsraittung 1545 K.Ritter

a.a.o.I.141)

1) Krakowizer II / 128

2) Krakowizer II / 62

3) Krakowizer II / 62

9


Der erste protestantische Pfarrer

Die Visitatoren konstatierten 1544, dass

der Pfarrer in Gmunden anstatt der sonst notwendigen

zwei Kapläne „keinen einzigen an der Hand habe“ und

dass sich außer ihm nur noch der evangelische

„Fronamter und Predicant“ und der Inhaber des

Jägnrenker`schen Beneficiums, der aber „gar blind und

krank“ sei, hier befinden.

Es konnte auch daher in den Messen der

Spitalskirche nicht entsprechend nachgekommen werden,

auch nach Aurachkirchen war laut Beschwerde der

dortigen Bevölkerung schon lange kein Priester zur

üblichen Wochenmesse hinausgekommen. ( J.Forstinger

a.a.O.II 121 )

Wie stark sich der Protestantismus

ausbreitete, zeigt die Tatsache, dass nun die Pfarrkirche

ganz dem evangelischem Gottesdienste diente, die wenigen

10


Katholiken aber die Annakapelle als Raum für den

Gottesdienst benützten. 4)

1550 aber tritt in der Person des schon

genannten Kaspar Schilling der erste protestantische

Pfarrer sein Amt an. 5) ( J.Forstinger a.a.O.I.87 ) Ob

dies mit Wissen und Willen der Äbtissin von

Niedernberg geschah, ist unbekannt. Sicher jedoch ist,

dass der Konvent mit der Äbtissin Margaretha von

Laymingen den Gmundner Bürgern vom Georgitag 1553

an auf zehn Jahre gegen die Verpflichtung jährlich ein

Pensum von 10 fl. An das Frauenkloster zu zahlen, den

Pfarrhof in gutem Zustand zu erhalten und die darauf

haftenden Steuern zu zahlen, das Recht überließ, die

Stadtpfarre und ihre Filialen nach eignen Ermessen zu

besetzen.

4) Forstinger a.a.O.I.353

5) Forstinger a.a.O.I.87

6) K.bair.R.A.Re.Orig.Revers ddo

Gmunden, 24.April 1553

Reihenfolge der protestantischen Pfarrer

in Gmunden.

11


Kaspar Schilling, 1550 – 1552, auf diesen folgte 1553

Stefan Gschmeidtlinger, Vicar, an seine Stelle trat ein

„Herr Anton“ der diesen Posten aber nur bis Ende Juni

1570 innehatte.

An seine Stelle trat Ulrich Herrnpuecher, 1) auf

ihn folgte 1570 Herr Pankratz Gatrer, der am

14.Nov.1576 starb nachdem er schon lange Zeit

liegerhaftig gewest. 2) Nach ihm kam noch im selben

Jahr Daniel Hoffer.

Dieser hatte bestimmt die Pfarre noch 1583 inne,

da aus dieser Zeit ein Revers datiert, vermöge denen sich

die Bürgereheleute Benedikt und Barbara Khoplhuber

verpflichten, für die ihnen vom Stadtpfarrer Daniel Hoffer

käuflich überlassene Einfriedung eines Gartens am Kogl

jährlich zu Georgi ( 24.April ) 2 in den Pfarrhof zu

geben. 4) Hoffer starb spätestens 1586. Er war

verheiratet und hatte Familie Davon wurde ein

„ehrleiblich nachgelassener“ Sohn Josef am Ostermontag

(5.April) 1591 vom Schneiderhandwerk zu Gmunden nach

zweijähriger Lehrzeit freigesagt. Die Pfarrerwitwe besaß

noch 1592 ein Haus in der Badgasse ( Nr.4) 5)

Hoffers Nachfolger war Urban Engelstorffer. Er

wird unter dem 1.Mai 1586 zuerst als Pfarrer von

Gmunden erwähnt und behauptete seinen Posten bis zur

Vertreibung durch die Commissäre der

Gegenreformation. ( Jänner 1598 ) 6)

1) G.St.A. Zechamtsraitungen 1565,1570

2) G.St.A. Zechamtsraittung 1570, Concept ddo14.1576

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3) G.Pf.A.Urbar und Gultanbuch 1595

4) K.bair.R.A.Pap.Orig.ddo Gmunden,

28.April 1598 G.Pf.A. Fürmerkbuch No 38

5) G.St.A. Urbarium Bürgerspitals 1592

6) G.Pf.A. Urbar-u.Gultenbuch 1595

K.K. R.F.A.Fasc. Salzkammergut 17.824/

1. Bericht der Gmundner an den

Landeshauptmann v.28.Mai1598

Copie G.St.A.Centocoactbuchl 628-1636

Bestellung eines evangelischen Predigers

Die Ausübung der protestantischen Seelsorge lag in den

Händen des Pfarrers und des

Fronamters. Da aber diese beiden

den ansteigenden Bedürfnissen

nicht entsprechen konnten, gewährte

Kaiser Ferdinand I., zur

Bestellung eines Predigers jährlich

40 Pfund aus dem Salzamte, jedoch

dürfte die Aufnahme oder

Entlassung dieses Predicantes nur

mit Wissen der Salzamtsleute geschehen. 7) Weil aber

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die Salzamtsleute insgesamt der evangelischen Lehre

zugetan waren, kam für die Besetzung dieser Stelle nur

ein evangelischer Predicant in Frage. 8) Dieser

Predicant, der meist in der „Salzamtskapelle“

(Spitalskirche) seines Amtes waltete, wurde

„Beneficiatus Salarius“, der Fronamter aber

„Stadtpredicant“ genannt. 9)

7) G.St.A. Copie, ddo Wien, 14.Nov.1560

J.Forstinger A.a. 6.II./ 133

8) Krakowizer II / 131

9) Krakowizer ebenda

Besondere Verordnung

Als Fronamter ( Stadtpredicanten ) wirken:

Um 1544 Georg Aichlberger, 1) seit 1554 Balthasar

Gschwindt, seine Frau hieß Margaretha. Er befindet sich

noch 1565 hier. 2) Sein Nachfolger ist bis Jakobi 1570

ein „Herr Michael“. 3) Der Posten blieb dann

mindestens ein halbes Jahr unbesetzt, denn es füllte

diesen der Stadtpfarrer aus, der dafür auch die

entsprechende Zahlung bis auf Pauli Bekehrung (

25.Jänner ) 1571 erhielt. 4) Als Nächster folgt Jonas

Frank, ein Anhänger flacianischen Lehre bis Paulus

Bekehrung 1575. 5

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Zu Georgi 1575 trat diese Stelle ein gewisser

„Herr Stephan“ an, ihm folgte am 26.März 1578

Fronamter „Herr Georg“, der noch 1580 hier ist. Er war

verheiratet. 6)

Von Georgi 1585 an hatte den Posten des

Fronamtes Hans Weckl inne. Er scheint sich aber mit

dem Stadtpfarrer nicht besonders gut vertragen haben, da

sich die Behörden später genötigt sahen, für beide Teile

„zur Verhütung aller Missverstandts, Widerwillen und

hochschädlicher Kirchenärgernuß, auch zur Erhaltung

christlich- und brüderlicher Liebe, Fried und Einigkeit“

eine besondere Instruktion und Ordnung zu erlassen.

Diese bestimmte, „bei gebührender Strafe“ im

wesentlichen Folgendes: „An allen Festtagen muß der

Stadtpfarrer predigen, wäre er daran wegen dringender

Geschäfte oder aus „Leibschwachheit“ verhindert, so hat

er das mindestens zwei Tage früher dem Stadtpredicanten

anzuzeigen, der

dann für ihn eintreten muß. Dagegen soll der

Stadtpredicant alle Sonntags-Predigten samt der

mittagigen Kinderlehre halten. Wäre er aus einem

ähnlichen Grund wie der Pfarrer hiezu nicht in der Lage,

so hat er es diesem rechtzeitig behufs seiner Vertretung zu

melden. 7)

1) J.Forstinger a.a.O.II/122

2) Zechamtraitungen 1560,1565

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3) St.A.Zechamtsraitung 1570

4) St.A.G. a.a.O.

5) G.St.A. Zechamtsraitung 1575

Raupach, Presbyteriologie Austriaca 39

6) Raupach, Presbyteriologie 35

G.St.A. Zechamtsraitung 1585

7) Instruktionsordnung,

Concept ohne Datum

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Beneficiaten in Gmunden

Ausbreitung des Protestantismus

Der nächste Fronamter ist Hans Mauricius. Er wird

zuerst 1590genannt. Er war noch 1595 in seinem Amte

und dürfte überhaupt der letzte Stadtpredicant gewesen

sein. 8)

Beneficiatus salarium:

Als solcher scheint nur im Jahr 1569 Bernhard Winkler

auf. Vielleicht hatte auch Balthasar Reck, der von 1573 –

1578 hier als Prediger tätig war, dieselbe Stelle inne. 9)

Wie in der Stadt selbst so hat sich der Protestantismus

zunächst im Bereich der Pfarre Gmunden ausgebreitet.

Zu dieser Pfarre gehörten damals Laakirchen, mit

Lindach und Gschwandt, Ohlstorf mit Aurachkirchen als

Filialen. 10) Nach Ohlsdorf brachte den

Protestantismus ein gewisser „Herr Sebastian“, der in

Gmunden Seelsorger war, (wohl der Fronamter

Sebastian Khorn) und von dort auch, wie es üblich war,

excurrendo die Filiale Ohlstorf versah.

Das war vor 1563. 11)

Da in der Folgezeit in Gmunden über vierzig Jahre nur

evangelische Seelsorger tätig waren, ist es

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selbstverständlich, dass sich durch ihre Tätigkeit auch in

der Filiale Ohlstorf das Luthertum immer mehr

verbreitete, da ja auch die Grundherrschaften der neuen

Lehre ergeben waren. Der größte Teil des Landvolkes

zählte, wie aus verschiedenen im Stadtarchiv aufbewahrten

Akten hervorgeht, zu den Anhängern der neuen Lehre. 1)

1) Kr.II 135

G.St.A. Gottesackerraitung

XVII.Jhdt.

8) G.St.A. Zechamtsraittungen 1540,95

9) B.Raupach a.a.O. 147

J.Forstinger, a.a.O.I.97

10) Krakowizer II / 50 f

11) Wimmer, Chronik v. Ohlstorf VI / 1

18


Die Herren von Ort.

Verhalten des

Pflegegerichtes Ort.

In Laakirchen wirkte um 1563 ein „Herr Sebastian“, als

lutherischer Predicant, der früher in Gmunden und

Ohlsdorf gewirkt hatte. 2) Von ungefähr 1530 bis 1599

hatte Laakirchen keine katholischen Seelsorger mehr.

Wohl aber wenigstens teilweise einen lutherischen

Predicanten. 3)

Im Schloß Lindach wurde vom Schlossbesitzer

Helmhardt Hayden ein Predicant angestellt. Viele

Bauern aus der Umgebung begaben sich dorthin, um das

Evangelium zu hören. Der Herr des Freisitzes Weyer

bei Gmunden, damals Pfarre Altmünster, namens

Abraham v. Rohrbach trat in eigener Person gegen Ende

des XVI. Jahrhunderts als Predicant auf, und hatte

starken Zulauf. Vor allem aus den Bewohnern des

Traundorfes. 4)

Die Pfarre Altmünster war mit allen Rechten schon

Mitte des XV. Jahrhunderts vom Nonnenkloster Imbach

in Niederösterreich aus finanzieller Not gegen

Entrichtung einer jährlichen Pension an die Herren von

Ort übergeben worden. 5)

19


Die Besitzer von Ort waren damals Hans, Georg,

Christoph und Wolfgang von Scharfenberg. Diese waren

dem Luthertum zugetan, wie die Vorbehalte in der

Bestätigungsurkunde, in der ein in der

Allerheiligenkapelle in Altmünster für ständig

angestellter Priester bestätigt werden soll, zeigen. 6)

„sofern nicht mit der Zulassung Gottes in der hl.

Christl.Kirche eine Veränderung geschah.“

Aufgabe des Pflegegerichtes Ort wäre es gewesen, der

neuen Lehre entgegenzutreten, aber Pfleger von Ort und

die Herren von Scharfenberg unterschrieben

Rechnungen, auf deren Titelblatt Ausfälle gegen den

Papst und die Katholische Kirche enthalten waren. 7)

2) J.Stüls „Geschichte der Stadt Vöcklabruck“ 64

3) Affenzeller, Laakirchen einst und jetz Salzkammergutzeitung,

4.IV.192620.Fortsetzung

4) Krakowizer II / 136 F.Chr. Kherenmüller

„Annales Ferdinander“ IV.1557

5) Krakowizer II / 136 J.Chmel „Der österreichische

Geschichtsforscher“ I / 539 J.v.Frast „Das

Nonnenkloster Imbach“

6) Eder Karl I. / 68 f

7) Chronik im Pfarrarchiv Altmünster 58 f

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Die protestantischen Seelsorger in

Altmünster.

Ungefähr mit dem Jahr 1550 beginnt die Reihe der

protestantischen Seelsorger in Altmünster. Als erster

war der eifrige Ritter Abraham

Schachner v. Ebenzweyer prot.

Seelsorger. Seine Frau war Dorothea

von Rohrbach. 9) Doch war die

Bevölkerung noch nicht ganz dem

Protestantismus ergeben, da im Jahr

1563 Prozessionen und Wallfahrten

stattfanden, auch noch Ämter gehalten

wurden. Doch schon im nächsten Jahr

(1564) ist von eben genannten religiösen Übungen keine

Rede mehr.

Folgende Prediger scheinen in den nächsten Jahren auf:

Johann Reisinger, dessen Gattin Rosina hieß, Christoph

Wagner, war vermählt mi einer gewissen Maria.

Wolfgang Kammerer, er nennt sich im Zehentbuch

Pastor und führt den Spruch: „Auxilium meum a

Domino“. Er kam im Jahre 1567 nach Altmünster, wie

er selbst schreibt: „1568, das erste Jahr, so ich

eingestanden“ 10)

Valentin Stauderbüchl, (um 1579) 11)

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Mathias Heiser, dessen Frau Ursula war, 1580

Bartholomäus Riser, dessen erste Frau Margareta,

dessen zweite Frau Sarah hieß (1585)

Als protestantischer Gsellpriester wird uns Willibald

Steirer genannt.

9) Ahamer „ Das Münster am Traunsee“ 43 f

10) Chronik im Pfarrarchiv Altmünster 57

11) Ahamer „ Das Münster am Traunsee“ S. 44

Krakowizer II / 136 nennt in Staudenhecht

12) Ahamer „Das Münster am Traunsee“ S.44

22


Kirchenrechnungen mit Bibelsprüchen und

Schimpfereien am Titelblatt

Gewiß werden auch manche den kathol. Glauben treu

geblieben sein,doch ist es sicher, dass der größere Teil der

Pfarre sich der neuen Lehre hingegeben hatte. In den

Achtziger Jahren des16. Jahrhunderts scheint es in

Altmünster besonders eifrige Lutheraner gegeben zu

haben. In dieser Zeit hatte man die Gepflogenheit auf das

Titelblatt der Kirchenrechnungen Bibelsprüche und

Schimpfereien gegen den Papst und den kathol. Glauben

anzubringen. So lautet der Spruch in der

Kirchenrechnung vom Jahre 1581:

23


„Si Deus pro nobis, quis contra nos ?“

„Wo Gott mit seinem Wort nicht ist,

da ist gewiß des Babst betrug und Lyst,

oder anders Sekten dabay,

Als da ist: Wiedertauft und Sakramentiererei,

Diese alle sindt das Teuffels potten,

die mitt den falsch Propheten umbter Zotten.

Dafür bewar uns Herr Jesu Christ

Womit ab ieren Betrug und list

Stürtz sie selber in die gruab hinein,

die sie bauen den Christen dein,

Mach iner (schnell ?) ein endt

Herr Jesu mit dem Jüngsten Tag behendt.“

Georg Schiempl, Mesner u. Schulmeister 1)

Roitham ?

Wimsbach ?

St. Konrad ?

1) Pfarrchronik Altmünster 57

24


Befehl des Landeshauptmann.

Gegenvorstellung der Gmundner.

( Auslieferung des Predicanten )

Am 7. Jänner 1598 hatte der Landeshauptmann dem

Magistrat von Gmunden bei einem Pönfall von 2000

Dukaten befohlen, die beiden Predicanten innerhalb 8

Tagen entweder aus dem Lande zu schaffen oder in

Verwahrung zu nehmen und auf Begehren auszuliefern.

1)

Löbl zitierte aber mittels Schreiben vom 12. Jänner aus

Lambach für den nächsten Tag den Stadtrichter, zwei

Ratsherren, den Stadtschreiber und drei Bürger zu sich

nach Vöcklabruck. Dort schärfte er den

Ausweisungsbefehl nochmals so nachdrücklich ein, dass

der Magistrat die Predicanten tatsächlich aus der Stadt

und aus dem Lande brachte. 2)

25


Um ein weiteres Erscheinen und Eingreifen der

Visitationskommisäre zu verhindern, verfasste die

Bürgerschaft Gmundens eine Gegenvorstellung, in der

sie folgende Gedanken ausdrückte: „Von ausdrücklichen

bannszeiten sei beim ganzen Salzwesen keine ander, als

die Augspurgische Confession und derselbe Exercitium in

Brauch und Übung gewest“. Eine zwangsweise

Glaubensänderung, würde größten Unwillen hervorrufen.

Ja, es wäre sogar ein offener Aufstand mit Zerstörung

der Wasserbauten u. Soleleitungen, Brandstiftung auf

den Holzplätzen, ja die Vernichtung des Hallstätter

Salzbaues zu befürchten, es drohe dem Salzwesen die

allergößte Gefahr. 3)

1) Krakowizer II / 140

2) K.u.k. R.F.A.Fasc. Salzkgt.

17.824 / b Orig.Gmunden,

5.August, Eingabe des Magistrats an den Kaiser.

F.Chr.Kherenhutter a.a.O.

V./ 2071

3) Krakowizer II / 141

Sgt. 18.481 / a

Orig.Gmunden, 15. Jänner 1598

Dr. Scheichl, a.a.O.17-21

26


Pfarrer Hans Has weiht Kirche ein und

feiert die hl. Messe.

( 40 Jahre kein hl. Opfer )

Mit diesem Schreiben wurden drei Unterbeamte des

Salzwesens den beiden Comissären entgegengeschickt,

wurden aber sehr ungnädig empfangen. Das Schreiben

machte nicht den geringsten Eindruck. So kamen die

Comissäre tatsächlich am 17. Jänner in Gmunden an,

und verblieben bis zum 22. Jänner. Zunächst wurde der

Magistrat scharf verhört, dann wurde der bisherige

Pfarrer Engelstorffer abgesetzt.

Als Pfarrer wird Hans Has eingesetzt, den die

Comissäre mitbrachten, am nächsten Tag, 18. Jänner,

hat er die Pfarrkirche eingeweiht und die hl. Messe

gefeiert, die seit mehr als 40 Jahren unterlassen worden

war.

27


Auch weiterhin versprach der Magistrat das evangelische

Exerzitium anzugeben, keine Predicanten ohne

Bewilligung in die Stadt aufzunehmen, auch den neuen

Pfarrer in Verrichtung des kathol. Gottesdienstes, in

Aufnahme eines Schulmeisters, Organisten, Cantors und

Messners kein Hindernis in den Weg zu legen. 4)

Der Hauptförderer der A.C. im Kammergut, der

Salzamtmann Christoph Haydn, wurde ebenfalls von den

Commissären zur Verantwortung gezogen, konnte sich

aber gegen den Widerspruch seiner eigenen Beamten

nicht rechtfertigen und bekam einen scharfen Verweis. 5)

4) F.Stieve a.a.O. II / 140

K.Riker a.a.O. III / 20

J.Forstiger a.a.O. I / 113

5) Kher a.a.O.V.2072 / 73

28


Verhalten des Pfarrers Hans Has.

Auch die Ausschüsse des oberen Salzflecken wurden am

20. Jänner vor die Commissäre geladen. Man forderte

ihnen einen Revers ab, dass sie bis auf weiteres die

Anwerbung der evangelischen Religion einstellen werden.

Diese aber überreichten den Commissären eine Bittschrift

an den Kaiser, er möge sie bei ihrem Glauben belassen.

1)

Schliesslich wird den Ausschüssen eine Bedenkzeit von

14 Tagen gegeben, mit der sie sich zufrieden geben. 2)

Der neue Pfarrer Hans Has war nicht der Mann, in

dieser aufgewühlten Zeit seinen Posten richtig

auszufüllen. „War aber ein beschwerliches, unruhiges

Gemüth“. Besaß dadurch nicht die Zuneigung seiner

Pfarrkinder,zu gewinnverlangte überspante

Stolgebühren, war grob in seinen Äußerungen, vertrug

keinen Widerspruch und drohte gleich mit Anzeige bei der

Landeshauptmannschaft. 3)

29


Im Herbst 1599 mußte er seinen Posten verlassen, weil

er dem Zölibat untreu geworden war. 4)

Sein Nachfolger war Philipp Khegel, der aber schon

Mitte Mai 1600 vom Landeshauptmann im

Einvernehmen mit der Äbtissin von Niedernberg aus

„erhöblichen Ursachen“ seines Amtes enthoben wurde.An

seine Stelle trat Dr, Sachs. Der sich aber „als Theologe

und Person sehr unpriesterlich aufführte, und sonst nicht

gar tüchtig war.“

Der Salzamtmann Veit Spindler machte zu Anfang

September daher den vom bischöflichen Offizialamt in

Passau nachträglich genehmigten Vorschlag, Dr. Hans

Sachs zum Pfarrer von Thalheim zu bestellen und den

dortigen Pfarrer Marcissus Rothwanger nach Gmunden

zu berufen. 5)

Als Pfarrer von Gmunden jedoch zeigte er seine

Hinneigung zum Luthertum, so dass er Anfang 1601 die

Stadt verlassen musste. Sein Nachfolger wurde

Leonhard Althamer, ein Mann, der die Sache der Kathol.

Kirche vertrat. 6)

1) Fersc. 18.141 / a Salzkammergut, Copie betrffend d.

oberen Salzflecken, Hallstatt, Ischl, Lauffen und die

Pfarrg.Goisern. Wegen Beibehaltung ihrer Relig.u.

Predicanten

2) Khev.a.a.O.V./2073

3) 17.824 / b ori.Gmunden Die Salzamtleute a.d.

Kaiser 26.i.99

30


Öffentliche Abhaltung und Feier der

Fronleichnamsprozession.

Man findet um 1600 schon wieder Äusserungen des

kathol. Lebens, wenngleich die Anzahl der Katholiken

noch sehr gering war. So wird 1600 zum ersten mal

wieder die Fronleichnamsprozession gefeiert, allerdings

in der Pfarrkirche und nicht öffentlich, weil einerseits die

Zahl der Katholiken noch sehr gering war, andererseits

von Seiten der Protestanten nicht die erforderliche

Sicherheit gewährleistet war. 7)

Um Platz zu gewinnen wurden „unnötige Stühle

ausgebrochen, weiters die Schrägen zu allen fünfen

(Fahnen) und das Postativ für das hl.

Sakramentausgebessert, die Monstranz ausgesotten, der

Himmel repariert, dieWände geschmückt und der

Fußboden mit Gras bestreut.“

Erst im Jahre 1603 wurde auf Befehl des

Landeshauptmann die Fronleichnamsprozession öffentlich

gefeiert, es sollte sich die ganze Bevölkerung bei Strafe

beteiligen. Auch der Magistrat sollte in coperativ

mitgehen. Ja es sollte auch die Bürgerschaft angehalten

und eine Liste der Teilnehmer und fern Gebliebenen an

den Landeshauptmann eingeschickt werden. „So haben

sich bei der Prozession die meisten ausgenommen, etlich

wenige Bürger so noch derzeit Bedenken (haben),

eingestellt und sind absonderlich die (Handwerker) Zechen

in guter Ordnung mitgegangen“. 8)

7) Kr.II / 160 f

8) G.St.A. Ratsprotokoll vom 7.Juni 1603

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Strenge Verordnung für Beicht u.

Kommunionempfang und Einhaltung des

Fastengebotes.

Anfangs April 1604 war der Befehl der

Landeshauptmannschaft ergangen, der dem Magistrat, die

Bürger und Inwohner „bei ihrer kaiserlichen Majestät

Straff und Ungnad“ zur österlichen Beicht und

Kommunion aufforderte.Der Rat ist schließlich bei der

Meinung verblieben, „Wer in die Kirche gehen will, dem

sei es unverwehrt.“

Doch wurde verfügt, dass die Leute die während des

Gottesdienstes müssig auf dem Stadtplatz stenden, vom

Stadtrichter hinweggeschafft und wenn nötig, ins

Gefängnis geleget werden sollten. 1)Der deutsche

32


Schulmeister Gaspar Udalrich Redacher verlor seinen

Posten wegen seiner lutherischen Religion, erhielt in

aber „nachdem er sich zur Beicht und Kommunion

eingestellt hatte“ im Oktober desselben Jahres wieder. 2)

Auf die Beachtung der Fastengebote wurde mit großer

Strenge geachtet. Der Landeshauptmann erließ durch den

Magistrat an die Fleischhauer den Befehl, die ganze

Fastenzeit die Schlachtung von Vieh jeder Art, und den

Verkauf von Fleisch zu unterlassen.

Auf Betreiben des Stadtrichters Veit Ziepel wurden den

Fleischhauern während der Fastenzeit die Bank gesperrt.

3)

Doch hielt sich der Schlossbesitzer auf Schloss Weyer

Abraham Rorbach, da er sich außerhalb der

Jurisdiktionsbereichen der Stadt befand, einen

Fleischhauer, bei dem sich die Stadtbewohner „auch in

den Fasten zuwider der christl. Kirchenordnung“ Fleisch

kaufen konnten. Allerdings wurden auf der Traunbrücke

Gerichtsdiener aufgestellt, die auf diejenigen, „so Fleisch

hereinbrachten, fleißiges Aufsehen halten und ihnen

dasselbe abnahmen und vor das Stadtgericht bringen

sollten“. 4)

1) Kr.II./ 151 f

2) G.St.A. Ratsprotokoll 2.Okt.1506

3) G.St.A. Ratsprotokoll

14.II.1603, 4.III.1604

4) G.St.A. Ratsprotokoll v. 24.III.1604

33


Religiöse Zustände in Ohlsdorf.

Bauern erschlagen Pfarrer Ackerle.

In Ohlstorf hielt das Landvolk am Protestantismus fest,

auch wenn in Gmunden ein kathol. Pfarrer eingesetzt

wurde. In einem Schreiben an den Kaiser beklagt sich

der neue Pfarrer, dass die Ohlstorfer Bauern ihre

Kinder selbst taufen und die Toten eigenmächtig

begraben. Die Bauern hielten sich vom kathol.

Gottesdienst fern und beteiligten sich um so eifriger an

der protestantischen Religionsausübung der Umgebung.

5)

In Laakirchen war von ungefähr 1530 bis 1599 kein

kathol. Vicar, wohl aber zeitweise ein lutherischer

Predicant. 6)

34


Die Commission, die mit Militär oder Begleitung

erschienen war,setzte Anfang 1599 Sebastian Akherle

zum Vicar ein (Leonhard Ackers, Leonhard Agkerl) 7)

Vielleicht hatte die grobe Haltung des Gmundner

Pfarrers HAS auch ACKERLE angenommen,

vielleicht hat er irgendwelche Forderung für Kirche oder

Pfarrhof gestellt, vielleicht hat er ein Tatent des

Landeshauptmannes verloren, vielleicht durch

Wiedereinführung der etwa 50 Jahre unterbliebenen

Messe die aufgewühlten Gemüter gereizt, jedenfalls hatte

der lutherische Predicant auf Schloss Lindach durch seine

aufreizenden Predikten zur ablehnenden Haltung gegen

die kathol. Lehre und Kirche beigetragen, Tatsache ist,

dass der Vicar Sebastian Ackerle bald nach Ostern 1599

von einigen Bauern, einer unter ihnen hieß Forstinger,

erschlagen wurde. Vielleicht am 2. Sonntag nach

Pfingsten. 8)

In Laakirchen war dann als Vicar (1600 – 1612 )

Wolfgang Lidstaller, der langwierige Streitigkeiten

gegen den Predicanten auf Schloss Lindach zu führen

hatte. 9)

5) Chronik, Wurm VI./1

6) Salzkgt.7,18.IV.26 Laakirchen einst und jetzt

7) Eder Karl II/354 Fußnote

8) Offenzeller

9) Eder II,355

35


Flauer Kirchenbesuch – Kirchenrechnung

In Altmünster erschienen am 19. Jänner 1598 die

Commissäre und setzten den kathol. Priester Hans

HASSER ein 1)

Unter ihm wurden wieder Prozessionen abgehalten, aber

schon im Jahre 1602 folgte ihm Arsatius Schmidt.

Dieser war auch nur einige Jahre Pfarrer in Altmünster,

da er schon im Jahre 1606 starb. Auf seinem Grabstein

stehen die Worte: „Pio catholica in Domino obit.“ 2)

Wenn auch kathol. Pfarrer tätig waren, so war doch

keineswegs die ganze Pfarre dem Kathol. Glauben

zugetan. Die Anzahl derjenigen, die an Festtagen die

Kirche besuchten, war noch sehr gering. Doch die Bauern

begannen allmählich wieder gegen Entrichtung des

„Stuelgeltes“ ihre Kirchensitze einzunehmen. 3)

Als in Gmunden sich die evangelische Gemeinde wieder

aufschwang, wurde das Glaubensleben in Altmünster

wieder lauer. Freilich wird die Prozession nach Gmunden

noch 1608 ohne Störung gehalten, doch die freiwilligen

Gaben in der Kirche wurden immer geringer.

36


Auf Arentius Schmidt folgt der kaiserliche Priester

Kaspar Heinitz, aber auch nur einige Jahre als Pfarrer.

Vom Jahre 1609 – 1614 läßt sich nicht genau

bestimmen,wie es in Altmünster ausgesehen haben mag,

es wurde die ganze Zeit hindurch keine Kirchenrechnung

satifiziert, sondern sämtliche Rechnungen über die

genannte Zeit wurden erst am 10. April 1915 von Pfarrer

Christoph Merk satifiziert. Dieser Pfarrer war bestimmt

katholisch, wie die Spindlersche Messstiftung zeigt,

1) Krakowizer II/142

Khevenh.V.2072

Raupach IV.128

Dr.F.Scheichl a.a.O. 25, 26

2) Chronik Altmünster 60

3) Ahamer 47 f

37


Das evangelische Religionsexercitium.

Am 21. Juni 1600 erfloß die kaiserliche Resulution, dass

jeder, „der die katholischen Priester und Kirchen nicht

dulden wolle“, ohne weiteren Gewissenszwang unbehelligt

auswandern könne. 4)

Doch wurde mit 1. August 1600 vom Landeshauptmann

von den Auswandernden Bürgern eine Nachsteuer

(Abgabe)verlangt. 5)

Die Zahl der Katholiken blieb noch sehr gering und im

Jahre 1606 waren es nicht mehr als „Fünf bis Sechs“ 6)

Viele zogen es vor, lieber auszuwandern, als zu

convertieren. Schon 1603 standen mehrere

Salzfertigerhäuser verlassen. Im Jahre 1606 klagte der

Magistrat, „dass die Mannschaft allhier von Tag zu Tag

abnimmt“, auch viele Häuser leer stehen und sich das

zum Nachteil des Stadtwesens auswirke. 7)

38


Man bemühte sich die leerstehenden Häuser wieder mit

Salzfertiger und zwar an katholische zu bringen, wie ein

Dekret des Salzamtmannes besagt. 8)

Obwohl die sogenannte Gegenrefomation in Gmunden

scharf eingesetzt hatte, (17.-22.Jänner 1598) öffneten die

Gmundner Bürger noch im Frühling 1598 das Schloß

Ort, das damals zur Stadt gehörte, ihren vertriebenen

Predicanten zur Abhaltung des Gottesdienstes. Der

Gmundner Stadtpfarrer Hans HAS zeigte dies sofort

beim Passauer Bischof URBAN an, 9) dieser leitete die

Anzeige gleich an den Landeshauptmann weiter u. dieser

verlangte durch seinen Sekretär Jordan, das sektische

Exercitium und die Person des Predicanten Joachim

Schärtl so wenig in der Stadt als im Schloß oder irgend

unter ihnen zu verstatten und zu dulden. wahrh.

Kapitulation 1604.

4) Kr.II / 157

18.481 / b

5) Scheichl 31

6) Krakowizer II/158

G.St.A.Orig.Wahlakte

1603 – 1606

7) G.St.A. Ratsprotokoll

21.April 1606

G.St.A. Ratsprotokoll

22.Dez.1602

8) 22.Dez.1604 (siehe 7)

9) J.Forstinger a.a.O.I.113

K.Ritter a.a.O. III.,21

39


Die Bürgerleute wollen Stillstand der

Gegenreformation.

Die Herrschaft Ort war damals an die Maria Saloma

Hofmannin Pfandweise verschrieben, und auch diese

weigerte sich, der Abschaffung des Predicanten

zuzustimmen. Der war noch im August 1598 im Schloße

Ort, wurde aber doch schließlich abgesetzt mit dem

Hinweis, die Hofmannin sei nicht Eigentümerin des

Schlosses, die Stadt Gmunden habe aber trotz des

Eigentumsrechtes keine Befugnis einen Predicanten dort

zu halten. 1) Sicher ist jedoch, dass sich schon 1599 ein

Georg Thiel als „Hofprädteanz“ zu Ort 1601 tätig war.

2)

Im Sommer 1598 versuchten die Bürger von Gmunden

von Kaiser Rudolf II. einen Stillstand in der

40


Gegenreformation zu erreichen. Sie wiesen in ihrer

Eingabe ihre die Forderung des Salzwesens hin. Sie

mussten oft mit höchster Gefahr an Leib und Leben dem

Salzamt gehorsam sein, es sei da „kein Mensch

vorhanden, der nicht in Exercitio der christl. Augsburg.

Religion geboren und auferwachsen.“

Das Salzwesen sei dabei zu hoher Blüte gelangt, u.s.w.

3) Selbstverständlich fruchteten diese Eingaben nichts.

Eine Hauptstütze des Protestantismus in Gmunden war

der Salzamtmann Christoph Haydn, der es mit seinem

Einnehmer Zacharias Khuttner unternommen hatte, den

Kaiser auf die Gefahr der Gegenreformation für das

Salzwesen aufmerksam zu machen.

1) Krakowizer II/ 147

KKRFA 17.824/b

Orig.Gm. 5.August 1598, Magistrat des

Kaisers

Orig.Gm. 26. Jänner 1599 Salzamtsleute an

den Kaiser

Kev.V.2075

J.Strnadt „Peurbach“ 502

2) G.St.A. Inventaribuch 66

3) 17.824 / 6 Orig.Gm. 5. August 1598

41


Schloß Lindach

Stützpunkt des Protestantismus.

Ein Hauptstützpunkt für den Protestantismus war auch

das Schloß Lindach. Dorthin hatte der Schlossherr

Helmhardt Hayden einen protestantischen Predicanten

berufen. Dieser betrieb in der ganzen Umgebung

Seelsorge. Für den 21. Jänner 1600 war Haydn nach

Linz vorgeladen, dort hat er sich anscheinend durch

Versprechungen herausgeredet. Am 3.April 1600 wird im

aber vonErstersy Mathias durch den Landeshauptmann

eine strenge Verwarnung gegeben.

Er durfte die Religionskozession nicht überschreiten und

den Predicanten nicht die geringste Seelsorge an

Katholiken gestatten, sonst würde er exemplarisch

bestraft. Dem Predicanten aber wurde mit Leibesstrafe

und Verhaftung gedroht, wenn er an den Bauern dieser

Gegend irgendwelche Seelsorge ausübe. Trotzdem blieb

42


die Schlosskirche von Lindach auch weiterhin ein

Mittelpunkt für „Zugang“ und „Auslauf“. 4)

Als am 30. August 1608 die evangelischen Stände im

Lande ob der Enns (Herren, Ritter), (landesfürstliche

Städte) beschlossen hatten, das freie Exercizium von nun

an in derselben Ausdehnung zu gebrauchen, wie es zur

Zeit des Todes Kaiser Max II. der Fall gewesen war,

5) traten gleich am nächsten Tag ( einem Sonntag) die

Protestanten unter der Führung des größtenteils evang.

Rates offen hervor, und wollten die Spitalkirche zu ihrem

Gotteshaus machen. Der Salzamtmann mit seinem

geringen kathol. Anhang konnte dies jedoch verhindern

und so wurde das Gottesackerhaus zum Raum ihrer

gottesdienstlichen Veranstaltungen ausersehen.

Sie sorgen auch für die rasche Herbeibringung eines

Predicanten. 6)

4) Eder II/355

5) Krakowizer II/161

6) Raupac IV.173-177

Waldau II,68-70

Pritz II,327

Forstinger,I 129

Concept ddo 4.Sept.1608,18.481/a

Salzamtmann an den Erzherzog Mathis.

Scheichl 104

L.Edelbacher “Landeskunde” 217

Ritter III,31

43


Kapitulationsresolution des

König Mathias.

Am 6.September wurde wohl der Magister Andreas

Staininger als Predicant feierlich vom ganzen Stadtrat

empfangen, die Bürgerschaft und Gmain begleitete ihn im

festlichen Zug mit Fackeln und Windlichtern zum

Gottesackerhäusl, wo er alsogleich seine Predigt hielt.

Nachher wurde ihm „eine große Ehrenbezeugung

Gasterey“ gehalten. 2)

Auf den Bericht des Salzamtmannes an König Mathias

wurde ihm die Weisung gegeben, die gewalttätige

Einführung des evangelischen Gottesdienstes den Bürger

zu verweisen, und den Predicanten abzuschaffen. 2)

Den Evangelischen wurde eine Anzahl von Truppen des

Erzbischofs von Salzburg ins Quartier gelegt, aber auch

die Landstände schickten am 29. Oktober eine Abordnung

von 100 Mann nach Gmunden unter der Führung des

44


Hauptmannes Schäfer, denen die Truppen des

Erzbischofs aus der Stadt und dem Schloße Ort weichen

mussten. 3)

Schließlich hat König Mathias am 19.März zu Linz durch

die Capitulationsresolution dem Adel und den

landesfürstlichen Städten die freie Ausübung der evang.

Religion und die Gleichstellung der Confessionen bei der

Wahl öffentlicher Ämter gewährt. Die Bürgerschaft von

Gmunden hat am 24.Jänner 1610 von diesem Rechte

ausgiebig Gebrauch gemacht.

Die evangelische Gemeinde umfasste die evangel.

Glaubensgenossen der alten Pfarre Gmunden, mit

Filialen Laakirchen (mit Gschwandt und Lindach) und

Ohlstorf mit Aurachkirchen. Auch die Protestanten aus

Altmünster, Traunkirchen, Pinsdorf schlossen sich der

evangel. Gemeinde in Gmunden an. 4) Zu Ostern,

Pfingsten, Weihnachten empfingen jedes Mal ungefähr

3000 das Abendmahl. 1623 wurden 10.000 Stück

Oblaten gebraucht und an Speiswein brauchte man

jährlich vier bis fünf Eimer. 5)

1) Forstinger I.130, Ritter,III.32

Stieve II/40

2) J.Forstinger a.a.O.II31

G.v.Waldau a.a.O.II 70

Ritter III,32

3) Krakowizer II/162

4) G.St.A. Gottesackerraittungen 1616 – 1624

Kontraktbücher 1623,1624

5) G.St.A. Gottesackerraittungen 1616 – 1624

45


Das Gottesackerhäusl und der evangel.

„Freythof“

Als Gottesdienstlicher Raum diente den Evangelischen

das sogenannte „Gottesackerhaus“. Dieses Gebäude hatte

ein gemauertes Erdgeschoß und einen hölzernen Überbau.

Es wurde im Jahre 1609 bedeutend vergrößert und als

Bethaus eingerichtet. 6) Es muß ein großer Raum

gewesen sein, denn die die Nummer der Sitzplätze allein

war 1176. 7) Dieses Gebäude wurde 1617/18 bedeutend

vergrößert, es erhilt einen Hofraum, und wurde das „neue

Gottesackergebäu“ genannt.

Das Gebäude hatte im Erdgeschoß zwei Stuben, darüber,

im ersten Stock den großen, heizbaren Betsaal. 1619

wurden auch im Hofraum Bänke aufgestellt und eine

Galerie für die Gläubigen. Der an das Bethaus

anstoßende Theil des Friedhofes wurde als

Begräbnisplatz der Evangelischen benützt und hieß „der

lutherische Freythof“. 8)

Als protestantische Prediger sind in dieser Zeit in

Gmunden tätig: 1609 – 1610 Andreas Steininger, auf

46


diesen folgte Daniel Thanner, der als Prediger für

Lindach ord. Worden war, dann in Schwanenstadt

wirkte, und 1610 nach Gmunden kam. Seine Ehefrau

hieß Katharina. Er bekam Anfang 1620 einen Helfer, den

gebürtigen Augsburger Johann Georg Wolfmüller, der

sich „Diacon“ oder auch „evangel. Stadtprediger“ nannte.

9)

6) G.St.A. Kammeramtsraittung 1609

7) G.St.A. Gottesackerraittung 1610

8) Krakowizer II / 163 f

9) G,St,A. Gottesackerraittung 1620

Orig. Quittung Gmunden 18.Sept. 1624

Dr.Wiedemann I. 649

Raupach 207

Ritter I. 179

47


Das kaiserliche Patent vom 4. Oktober

1624

Die evangelische Gemeinde in Gmunden aber war von

keinem langen Bestand, Kaiser Ferdinand II. betrieb

mit starkem Arm die Gegenreformation. Das kaiserliche

Patent vom 4.Oktober 1624 befahl, innerhalb von 8

Tagen alle evangel. Prediger und Schulmeister

abzudanken. Diesen aber wurde unter strenger Strafe

auferlegt, mit all ihrer Habe das Land zu verlassen und

nicht mehr zurückzukehren. 1) Am 13.Oktober wird im

„Gottesacker die letzte Predikt und Communion vereicht“,

und dann verlassen die beiden Stadtpredicanten und der

Stadtschulmeister die Stadt. Daniel Thomas sprach dabei

das Wort: „Wir gehen zwar, aber wir kommen wieder.“ 2)

Das Reformationspatent vom 16.Oktober 1625 verlangte

von allen Bewohnern die Annahme des katholischen

48


Glaubens oder die Auswanderung. So musste sich bis

Ostern 1626 jeder entscheiden, ob er katholisch werden

oder auswandern wolle. Der Adel konnte privat beim

Augsburger Bekenntnis bleiben. 3) Dieser Befehl war

durchaus ernst, ließ Kaiser Ferdinand seinen politischen

Gegner gegenüber Nachsicht walten, bei der religiösen

Reformation jedoch war er unnachgiebig. 4)

1) Krakowizer II/ 167

Khev. X. 496

Pritz II 370

Strunerdt 515

Raupach I. 278

IV. 424

Waldau II 289

Forstinger I. 155

2) G.St.A. Gottesackerraittungen 1624

Koch: Einleitung

3) Eder, Absolutismus 345

4) Hantsch I. Bd.356

49


Graf Gottfried Heinrich von Pappenheim

kauft die Grafschaft Ort.

Auch in Gmunden wurde nun die Gegenreformation

gründlich durchgeführt. Kräftig gefördert wurde sie durch

Herberstorff, der sich die Herrschaft Ort und Traundorf

erwarb. 5) Adam Herberstorff wurde 1585 geboren, legte

seine Studien zu Leuringen an der Donau und der

Universität Straßburg ab. Da er überzeugter Protestant

war, kehrte er nach Beendigung seiner Studien nicht in

seine Heimat (Südsteiermark) zurück, weil dort vom

damaligen steir. Erzherzog Ferdinand

(später Kaiser Ferdinand II. 1619 – 1637) das Land

wieder der kathol. Kirche zugeführt wurde. 1616

gewannen die Jesuiten Herberstorff für den kathol.

Glauben, den er mit großem Nachdruck vertrat. Er

heiratete die Witwe des Reichsmarschalles Veit von

Pappenheim. Dessen Sohn ist der berühmte Feldherr

50


Gottfried Heinrich von Pappenheim. Auch dieser trat zur

kathol. Kirche über. Nach Besitznehmen des Landes

O.Ö. durch den Herzog Maximilian von Bayern, wurde

er Statthalter, 1623 in den Grafenstand erhoben, 1625

kaufte er vom Kaiser die Grafschaft Ort um 100.000

Gulden.

Dem Charakter nach war er stolz, rechthaberisch,

jähzornig, strafte oft sehr streng, duldete keinen

Widerspruch, er war aber auch wohlwollend und

wohltätig.6)

Im März 1626 erschien Herberstorff mit militärischen

Assistenz in Begleitung des Prälaten von Göttweig,

zitierte seine Unterthanen aus Traundorf in das Schloß

Ort und befahl ihnen bei strenger Straf, die kathol.

Religion anzunehmen. Tatsächlich wurde scheinbar noch

im selben Monat die Gegenreformation in Gmunden

durchgeführt. 7)

5) Krakowizer II / 168

6) Ahamer 48 f

7) Krakowizer II / 169

G.St.A. Prozeßact

51


Anweisung: Auswandern oder katholisch

werden!

Der kathol. Glaube in Altmünster.

Viele bekehrten sich, viele aber wanderten aus. Jeder

musste die für die Auswandernden festgesetzten Abgaben

zahlen. Vor allen waren es die reichen Bürger, die

auswanderten, während die Armen im Lande verblieben.

Nochmals wies der Kaiser Ferdinand II. im Jänner

1627 die Evangelischen von Gmunden durch den

Statthalter

52


An, katholisch zu werden oder auszuwandern. Die

bestellten Religionscommissäre stellten im Mai 1627 den

Protestanten einen Termin von 4 Wochen. Es blieben in

Gmunden nur noch 300 Bürger, 290 Mitbürger und

Inwohner, Weiber und Kinder nicht mitgerechnet, zurück.

65 Häuser der Emigranten standen leer und öde. 8)

In Altmünster stand es 1623 um den kathol. Glauben

schlecht. Der Pfarrer von Altmünster beschwert sich bei

Herberstorff, dass seine Pfarrkinder und Unterthanen

der Herrschaft Ort ihr Pfarrgefallen nicht mehr leisten

wollen. Es werden wohl auch in diesem Jahr die

Einnahmen ausgeblieben sein, weil 1623 keine

Kirchenrechnung besteht. Es wurde auch der Stadt

Gmunden bei ernstlicher Androhung von Strafen

verboten, dem Prediger irgenwelche Eingriffe in

Altmünster zu gestatten. Es wurde allerdings von den

Gmundnern an die weltl. Stände in Linz eine Bittschrift

überreicht, dass es dem Prediger erlaubt sein möge,

gegen Entrichtung der Stolgebühren an den Pfarrer von

Altmünster, in Ort, und Münster Taufen und

Trauungen vorzunehmen. Der Statthalter gab dem aber

keine Erlaubnis. 1)

8) Krakowizer II / 170

G.St.A. Magistratsbericht v. 6.Juli 1628 Copie

1) Ahamer 50

53


Starker Protestantismus in Altmünster.

Schreiben des Pfarrers an die

Salzverweser in Ebensee.

Viele in Altmünster nehmen nach dem

Reformationspatent vom 10. Oktober 1625 aus Liebe zur

Heimat wieder das Kathol. Glabensbekenntnis an. 2)

Daß aber Der Protestantismus in Altmünster sehr stark

war, beweist ein Verzeichnis des Hofamtes Ebenzweyer,

das unter 210 Unterthanen nur 6 Katholiken aufweist. 3)

Der damalige Pfarrer von Altmünster Kaspar Mayr war

ein wahrhaft tapferer Mann. Er schreibt am 26. Mai 1626

an den Salzverweser in Ebensee Benedikt Fasold: „Die

Bauern kamen in großen Haufen gegen Gmunden, es sei

keine Hoffnung, dass die Besetzung des Landes

genügend Widerstand leisten könne.

Mein Theils suach ich nicht die Flucht, der ich überall die

Hand des Herrn über mir weiß und wird als getreuer

Hirt meine Herde nicht verlassen. Weib und Kind und

was wehrlos, ist von Stund an zur Flucht bereit und die

Mannschaft der Pfarrleut mit genügsamen Waffen auf

Notwehr versehen, auch mit Verkack und Schlagzeug

ausgerüstet, davon ich ein ziemlich Anzahl Schützen mit

Büchsen und Hellebarden in mein Kaplanhaus postiert“.

4)

54


Am 28. Mai berichtet Pfarrer Mayr wiederum an

Fasold: „kann vermelden, dass der Anfall glücklich

überstanden. Aber des Statthalters Leute würden übel

angekommen sein, wenn sie sich nicht bei Zeit auf die

Flucht gemacht und das Schloß verlassen, das die

Bauern schändlich zugerichtet und ausgeplündert, so dass

sie die Fenster eingeschossen und alles Eisen, Gitter und

Rüst weggetan, etliche Feuerschlünde und Büchsen,

Pulver und Luntenstricke und andere Munition, so da

vorgerichtet gewest, aufgepackt und das Vorgefundene

zerissen sie (Pagage) und angezündet und die Pechfunzel

auf das Dach geworfen.

2) Ahamer 50/51

3) Ahamer 50/51

4) Chronik 65 f

55


Luthertum breitet sich in Altmünster aus.

Bauernschlacht bei Pinsdorf.

So zum Glück das entsetzlich grobe Wetter, das

eingefallen war, sie endlich vertrieben und das Feuer

gelöscht hat.

Schließlich hat der Pfarrer die Rotte der Bauern mit 2

Faßl Bier und ein Faß Wein zufrieden gestellt. Auch die

Gmundner haben sich diese gottlosen Gäste mit guter

Manier vom Halse geschafft. 5)

Das Luthertum lebte aber in Altmünster doch noch fort,

denn in einem Brief an Fasolt beklagt sich Pfarrer

Mayr: „...denn zu meiner großen Betrübnis muß ich

erfahren, dass von Tag zu Tag sich die Lehre der

Seelenmörder weiter ausbaut und dass ungeachtet aller

56


Müh, in allen Orten der räudigen Schafe ein beständiges

Zunehmen ist. Die Ursache dieser leidigen Abfälle

vomwahren Glauben ist aber nicht der Irrtum, in der

Lehre, als vielmehr die Hoffnung auf zeitlichen Profit,

und obwohl da und dort noch der alte Zunder noch heimlich

fortgloßt, so besuchen doch meine Leut fleißig den

Gottesdienst in der Pfarre allda. ....“ 6)

Ein Ereignis muß noch erwähnt werden, das wohl auch

die spätere hartnäckige Haltung des Bauernvolkes der

Umgebung in etwa erklären kann: Die Bauernschlacht

bei Pinsdorf. Am 9. November hatte Pappenheim die

Bauern bei Emling in der Nähe von Eferding

geschlagen. Ein Teil der Bauern flüchtete nach Gmunden,

sammelten neue Kräfte. ( Aus der Herrschaft Ebenzweyer

leisteten 207 dem Aufruf der bauern Folge.) 7)

Am 15. November, einen Sonntag, kam es zur Schlacht,

zwischen den Bauern und den verbündeten Truppen.

5) Chronik 66

6) Ahamer 53/54

7) Ahamer 55

57


Bauernschlacht bei Pinsdorf

Die Bauern eroberten zunächst Munition, Kanonen und

machten große Beute. Für die Kaiserlichen stand die

Sach` gar nicht gut. Eine andere Abteilung der Bauern

kämpfte gegen die Truppen des Generals Pappenheim so

heftig, dass die Soldaten schon etwa 200 Schritt

zurückgewichen waren. Da kamen aber Musketiere, aus

dem Hinterhalt der Bauern, und Lanzenreiter durch ein

Tal, in den Rücken, sodann sie umzingelt wurden, und

nach vierstündigem Kampf die Flucht ergriffen

Auch jene Bauern, die bis Gmunden vorgerückt waren,

rückten wieder an. Pappenheim nahm ihnen wieder alle

Beute ab, und errang einen vollständigen Sieg. 1)

Der Pfarrer Kaspar Mayr gibt Fasold ehesten Bericht:

„Eilends vermelde ich dem Herrn, dass das Lager der

Bauern nach entsetzlich hart angewandter Gewalt

gesprengt und sie zu Haufen in die Flucht geschlagen

58


wurden, da sie in grausamer Verwirrung von Pinsdorf

auf dem Rückweg nach Regau sich reteriert und ihrer

mehr als Halber gar erschlagen worden sind. Mein Bub,

den ich heimlich unter die Rebellen gesteckt, hat mit Noth

sein Leben davongebracht, und nicht genug Wunder sagen

können, was für Blut geflossen, also, dass seine Socken,

wie ich selbst mit eigenen Augen besehen, als er in den

Fahrtweg im Pourholz behend durchgloffen und die

Schuh verschmeißn gehabt, bis bis an die Glieder und ein

Drumb darüber von Blut angeflossen seind. Die Die

Pappenheimschen Musquetiere haben also gewirtschaftet,

dass sie die, so sich auf die Bäume resolieret, wie die

Dohlen herabgeschossen und ohne Pardon niedergemacht,

was noch auf den Füssen gestanden.“ 2)

1) Chronik A. 70

2) Chronik A. 71

59


Der „Bauernhügel“ bei Pinsdorf.

Manche geben die Zahl der gefallenen Bauern auf 4000,

manche auf etwa über 2000 an. Auch gab es viele

Verwundete. Auch die Soldaten hatten starke Verluste.

Die gefallenen Bauern wurden liegengelassen. Nach

Abzug des Kriegsvolkes wurden sie von den Bauern der

Umgebung mit Erde und Schotter überdeckt, ein Hügel,

„Bauernhügel“ genannt, kennzeichnet den Ort, wo die

Gebeine der gefallenen Bauern ruhen. Ein Obelisk auf

dem Grabmal, den J.E. Forstinger 1883 aus eigenen

Mitteln vom Steinmetzmeister Franz Moser in

Altmünster aus Granit hat herstellen lassen, trägt die

Inschrift: „Zum Gedächtnis der Bauern, welche am 15.

November 1626 vom Pappenheim hier geschlagen und

unter diesem Hügel begraben worden sind, ist dieser

Grabstein von J.E. Forstinger, Privat und Verfasser

60


einer Chronik von Gmunden, gestiftet und im Jahre 1883

errichtet worden.“

Der Student, Anführer der Bauern, soll dem See

zugeflohen sein, ein kroatischer Reiter soll ihn eingeholt

und mit einer Lanze durchstochen haben. Nach der

Behauptung anderer soll er bei dieser Schlacht noch

entkommen sein, er sei aber in der Schlacht bei Wolfsegg,

am 30. November, gefallen. Sein Hengst soll mit

demjenigen seines Leutnants Eckerl (Becher) von einem

Soldaten dem General Pappenheim übergeben worden

sein. Hernach aber soll er auf der Donaubrücke in Linz

auf einen Spieß gesteckt und zur Schau ausgestellt

worden sein. 3)

3) Chronik A.70

61


Verordnung zur Aufrechterhaltung der

kathol. Religion.

Im Salzkammergut herrschte von nun an Grabesstille.

Niemand wagte den Bezwinger des Aufstandes

Herberstorff, der im Schloß Ort seinen Sitz hatte, zu

widerstehen. Aber Herberstorff starb schon am 11.

September 1629, abends zwischen 6 – 7 h im Alter von 44

Jahren im Arm seines Beichtvaters als letzter seines

uralten Geschlechtes. 4)

Am 5. Mai 1628 fiel das Land wieder an Ferdinand

zurück. Es beginnt die Zeit des Kryptoprotestantismus. 5)

62


Die Geistlichkeit bemühte sich, die bisher evangelische

Bewohnerschaft auch innerlich zum Glauben zu bringen.

Ein Jesuit, Pater Reinaldus, unterstützte hierin die

Pfarrgeistlichkeit. Der Salzamtmann Georg Bruglacher

stellte sich in den Dienst der Kirche. Er stellte im

Einvernehmen mit dem Magistrat am 2. Dezember 1627

den Großkuferhandler Hans Adolf Götz und den

Salzfertiger Georg Vogl „als Strafherrn und

Inspectoren“ zur Aufrechterhaltung der kathol. Religion

auf. Er erließ die Verordnung: „Jeder Hausvater, seine

Familie und Dienstleut, sie mögen mit „alt oder

neukatholisch“ sein, haben an Sonn- und Feiertagen den

vormittägigen Gottesdienst rechtzeitig zu besuchen, und

diesen bi zum Schlusse andächtig beiwohnen.“

4) Ahammer 54

5) Eder, Absolutiones 346

63


Strenge Verordnung zur Einhaltung der

kathol. Pflichten.

„Wer sich ohne genügende Entschuldigung oder

Erlaubnis davon fernhält, dessen Haus ist mit Soldaten

schwer und umso länger zu belegen, je mehr sich seine

Angehörigen gleichfalls ungehorsam erwiesen. Überdies

hat er bei sonstiger Execution für sich und jeden

Hausgenossen 7 kr. Als Strafe zu zahlen, die teilweise zu

frommen Zwecken dienen sollen. Des Machmittags sind

Kinder und Dienstboten zum Besuch der Kinderlehre

anzuhalten, widrigenfalls dem Hausvater die nämlich

Geldstraff trifft. Dieser verfällt auch, wer während des

Gottesdienstes auf der Strasse oder in einem Wirtshaus

angetroffen wird.“ 1)

Durch die kaiserliche Resolutionen vom 16. März 1629

und 20. Oktober 1633 wird Georg Prugglaster die

64


Oberaufsicht in Gmunden und im Salzkammergut in

Religionssachen übertragen

.

Schon anfangs Juli 1628 berichtete der Magistrat den

kaiserlichen Kom isären, dass „die Bürgerschaft und

Gmain, sowohl Manns – als Weibspersonen, Kindt und

Gesindt in und außer der Stadt durch das jüngst und

propagierte heilsame Reformationswerk der allein

seligmachenden kathol. Religion in allen Gehorsam

wieder völlig accommodiert sei.“ 2)

1) Krakowizer 170 f

K.Ritter, „ Chronik von Gmunden“ III. 37

2) Krakowizer, II/ 172

G.St.A. Magistratsbericht v.6.Juli 1628 Copie

65


Genaue Anweisungen zum 40 stünd.

Gebet.

Teilnahme an der Osterbeichte.

Um den kathol. Glauben rein zu erstellen,verfügte

Ferdinand II., im Jänner 1629, keiner dürfe zum

Bürger, keiner dürfe als Stadtschreiber, oder als

städtischer Diener aufgenommen werden, der von seiner

geistl. Obrigkeit kein sicher Zeugnis seiner römischkathol.

Religion aufweisen könne. Die

Reformationskommisäre schärften am 20. Oktober 1634

und nochmals am 24. März 1635 dem Magistrat ein, dass

Emigranten, die ohne Erlaubnis wieder zurückgekehrt

seien, sofort in Verhaft genommen werden müssten und

sofort ein Beri(ht darüber an die Kommissäre zu(schicken

sei. 3)

Vom Magistrat wersen im Jahre 1634 zum

vierzigstündigen Gebet genaueste Weisungen gegeben

und die Betstunden für die Bewohner der einzelnen

Stadtteile angegeben. Zum Schluß dieser Anordnung

heißt es: „ ...da einer oder der andere.. sein annotierte

66


Betstund nachlässig versäumen würde, solcher Deliquent

soll das vierzigstündige Gebet in der Custodi und

wohlverdienter Gefängnuß verrichten“. 4)

Ebenfalls wurde streng auf die Beobachtung der

kirchlichen Fastengebote gesehen. Nur die in der Stadt

anwesenden Truppen waren über Ansuchen des

Magistrates dispensiert worden, da die meisten evangel.

Waren und nicht genugsam mi Fastenspeisen hätten

versorgt werden können. 5)

Allgemein beteiligte man sich wieder an der Osterbeichte.

Die Teilnahme an dieser wurde vom Salzamtmann

Pouglacher 1634 zuerst eingeführt., „Beicht- und

Communionzettel“ kontrolliert. Ein Kaplan sammelte sie

in Begleitung des Messners und eines Viertelmeisters

von Haus zu Haus ein. 6)

3) Die Reformationscommissäre an d. Magistrat, Copie

ST.A.G.

J.Forstinger a.a.O. II.207

Krakowizer II / 173

4) Krakowizer II/ 174

G.St.A. Contractbuch 1634

5) G.St.A. Contractbuch Schreiben d. Magistrats an

den Stadtpfarrer

ddo 13.II.1632

6) G.St.A. Kaiserl. Dekret a.d. Salzamtmann Wien

6.Mai 1634 Copie

J.Forstinger a.a.O.II / 204

G.St.A. Concept 1656

67


Errichtung des Kapuzinerklosters in

Gmunden.

Von großer Bedeutung für die Erhaltung des kathol.

Glaubens war die Gründung des Kapuzinerklosters in

Gmunden und die Errichtung einer Jesuitenresidenz in

Traunkirchen. Das Kapuzinerkloster in Wels (gebaut

1929) wurde zum Ausgangspunkt für das

Kapuzinerkloster in Gmunden. Der Monarch erklärten

sich Mitte Jänner 1630 bei seiner Anwesenheit in Wels

bereit, in Gmunden auf eigene Kosten ein

Kapuzinerkloster zu bauen und für seine Bewohner

Sorge zu tragen. Auf abermaliges Bitten der

Ordensleitung und des Salzamtmannes Georg

Pruglacher, gestattete der Kaiser, die Erbauung des

Kapuzinerklosters in Gmunden und erklärte sich als

dessen Gründer und Förderer.

68


Der Salzamtmann und der Magistrat wurden vom

Kaiser aufgefordert, den Kapuzinern in jeder Weise beim

Bau möglichst behilflich zu sein. Auch des Kaisers Sohn,

Erzherzog Leopold Wilhelm, Bischof von Passau,

äußerte sich im gleichen Sinn. 1)

1) Kr.II / 114

Historia.dom.Capocinorum, I.67 – 79

A.Klein, a.a.O.V.163

Stillwein a.a.O.II.306

F.Pritz a.a.O.II. 306

F.Pritz a.a.O.II.418

G.St.A. Big ddo Ebersdorf 24.Sept. und 1.Okt.

1635

Copie eines kaiserl. Schreibens ddo Linz 14.Juni

1636

J.Forstinger a.a.O.I.207, 208

III.40

IV.260

J.Lechner a.a.O.

K.Ritter a.a.O.I.281

69


Grundsteinlegung zum Kapuzinerkloster

und dessen erster Novize.

Seit 1633 war in Gmunden ständig ein Kapuziner

anwesend gewesen, Pater Carolus Trauner aus Lanaus

Landshut. Da aber der Klosterbau beschlossen war,

kamen nun auch andere Kapuziner aus Wels und wohnten

gemeinsam im heutigen Gesellenhaus Gmunden,

Marktplatz 13. 2)

Die Grundsteinlegung des Klosters erfolgte am 5.Okt.

1636 unter ungeheurem Zulauf der Volkes. 1639 wurde

Kloster und Kirche, einige Nebengebäude und die

Umfassungsmauer des großen Garten fertiggestellt. Die

Kirche wurde aber erst 25.Nov.1645 mit Genehmigung

des Bischofs von Passau durch Ernst Albert Graf

70


Harrach eingeweiht. Am nächsten Tag wurden in der

neugeweihten Kirche 500 Firmlinge gefirmt. 3)

Der erste Novize dieses Klosters Johann Anton Sinell,

mit dem Ordensnamen Emmerich, Fleischhauersohn aus

Komorn, wurde ein ausgezeichneter Prediger und wirkte

im Dienste der Gegenreformation durch viele Jahre und

wurde 1659 Vorsteher der kathol. Missionen im Bereich

der Wiener Nuntiatur, wurde 1680 vom Kaiser Leopold

I. zum Bischof von Wien, 1681 zum Konferenzminister

ernannt. Er starb am 23.Februar 1685. 4)

2) Histor.d.Capuz.I.79.81

3) Krakowizer II / 115

Klein a.a.O.V.163

Billwein a.a.O. II. 306

Theol. Prackt. Quartalschrift 1873,443.

4) Kr.II./115

H.d.Cap. I/155,277,279,293

J.Klein a.a.O. I.216, VI./51

J.Forstinger a.a.O., I.216,226

J.Steiner a.a.O.110

J.Solterer a.a.O.80

71


Jesuiten kommen nach Traunkirchen.

Die Jesuiten die das ehemalige Nonnenkloster

Traunkirchen zugewiesen bekamen 14.Feb. 1622,

betätigten sich eifrig „die verlorenen Schaff“ widerumb zu

den rechten Hirten und Schaffstall der wahren, reinen und

alleinseligmachenden kathol. Religion zu bringen.“ 5)

Durch ihre Missionstätigkeiten sind Salzbeamte und

Kammergutsarbeiter wider Erwarten ohne Rumor eifrig

katholisch geworden. 6)

Trotz aller Vorschriften des Kaisers, der

Reformationscommissäre, des Magistrates, trotz der

Arbeit der Kapuziner und Jesuiten und der ordentlichen

72


Seelsorger, in den einzelnen Orten, konnte eine volle

innere Hinkehr und Bekehrung zur kathol. Kirche und

Lehre nicht erreicht werden, manche blieben in ihrem

Inneren der luth. Lehre zugetan. Es war zwar in

Gmunden und der näheren Umgebung gelungen, die

meisten auch innerlich für die kathol. Kirche zu gewinnen,

in den einzelnen Teilen des Pfarrgebietes war jedoch die

innere Bekehrung vielfach nicht gelungen.

Altmünster: Nachtrag

Auch in Altmünster ging es im Sinne der Katholiken

rasch aufwärts. Im Jahre 1632 kauft der Pfarrer 1200

kleine Oblaten, 1628 und 1629 fand auch wieder die

Fronleichnamsprozession statt. 7)

5) Kr.II/175

L.Edlbacher, a.a.O. 292 Copialbuch v. Traunkirchen

Confirmation der alten Privilegien des Klosters

Traunkirchen

Ddo. Wien 12.Juli 1624 zu Gunsten der Jesuiten

6) Khevenhüller a.a.O. XII.300

7) Ahammer 56

73


Geheimes Luthertum. Begräbniszustände.

Dennoch erhielt sich das Luthertum im geheimen. Als

Gründe dafür können angeführt werden: weite Entfernung

mancher Gebiete , von der Pfarrkirche. Es ist Tatsache,

dass in der Nähe der Kirchen und Seelsorgestationen

das Luthertum nicht so stark hervortrat. Dass man es

verstand, Behelfe für die evangelische Glaubensstellung

und Glaubensübung sich zu erhalten. Sie verstanden es,

in schlau ausgesonnenen Verstecken ihre luther. Bibel,

Postillen, Gesangs – und Erbauungsbücher vor den

Spähern der Regierung und Geistlichkeit zu verbergen.

So stärkten sie sich selbst,durch lesen dieser Bücher im

evangel.. Glauben, und gaben ihn auch ihren

Nachkommen weiter. 1)

Wenn es zum Sterben kam, verweigerten manche von

ihnen den Empfang der Sterbesakramente und zeigten

sich so gut lutherisch. Am Beginn des 2. Totenbuches von

Ohlstorf steht folgende Bemerkung: „Mit Beginn der

Häresie haben die Ohlstorfer Bauern durch die

Zaghaftigkeit der Katholiken ermutigt, die Toten dem

Pfarrer gar nicht mehr angezeigt und auch nicht um das

Begräbnis gebeten. 2)

74


Anstatt 12 kr. Leichenstola für Erwachsene und 7

Pfennig für Kinder, gaben gaben sie nur mehr 3 kr. Für

Erwachsene und 5 Pf für ein Kind.

Im August 1631 wurde wieder angeordnet und geregelt,

dass die Bauern die Leichen ansagen und die

entsprechende Stola entrichten sollen. 3)

1) Krakowizer II/176

A.Klein a.a.O.VI:20, 53

F.Stieve a.a.O.I.343

2) Pf.A.Gmunden

3) Chronik Ohlstorf VI/2

Ein weiterer Grund des versteckten Fortbestehens des

Luthertums lag darin, dass man die früher erschienenen

Reformationspatente nicht so streng anwandte; man

wollte weitere Verluste an Einwohnern vermeiden. 3)

Ausserdem hatten die Bauern in Laakirchen und Ohlstorf

keinen religiösen Eifer und waren daher allerlei

Einflüssen nicht zugänglich. 4)

Ferner lagen in der Gmundnerstadt und in deren

Umgebung kaiserliche Truppen, unter denen sich viele

75


Protestanten befanden. Diese suchten ihren Glauben zu

verbreiten und andere zu gewinnen. 5)

Bemerkungen aus dem Totenbuch.

Kurze Bemerkungen im Totenbuch geben Aufschluß über

die Religionszugehörigkeit. So heißt es:

1.Dezember 1639: (67)

Margarethe Marth. Kehlen Vebellis rustici as rustico

Bello intertecti vidum relida zu Ehrendorf.

10.Dezember 1639 (69)

Ein maydl bey 3 Jahren. Hansens Kainzmüllers, eines

Emigranten, so aber wieder im Landt bleiben und sich

accommodieren wollen.

14.Mai 1640 (707)

Adam Martin Stelzer, Pauren zu Klein Raith, Bruader,

bey 30 Jahren, hat mit Beicht gehabt zu Ostern...

11.Februar 1644:

Maria Hansens Hittmayrs Zu Puendorff, uxor. 70

annosum nunquam catholica.

7.Oktober 1647 (86)Anna Balthasars Sturmben zu

Kleinreith, 90 annosum, so nie auf kathol. Gebeichtet u.

ist dafür mi 6 Taler bestraft worden.

6.Mai 1650

Wolf Enser zu Hafendorff, der Alte guat lutherisch.

9. März 1653 (95)

76


Georg Neuhauser, gewester Teil am Pelnguet zu

Ohlstorf, 60 annosum, ein loser Mensch, guet lutherisch.

4)

Am 17.Mai 1671, es war der hl. Pfingsttag, starb in der

Frühe, gerade vor Sonnenaufgang, das das Weib des

Christoph Kößl, Häuslers in der Edt, Pfarre Ohlstorff.

Weder sie noch ihr Mann waren trotz vielfacher

Ermahnung nicht zur österl. Beicht- und Kommunion

gegangen. Auf dem Sterbebett wies sie den priesterlichen

Beistand zurück. Sie meinte: „Was soll ich mit dem

Pfaffen, ich werde nicht sterben.“ Gegen ihren Willen

kam der Priester, da war sie aber schon tot. Zum

abschreckenden Beispiel für andere, wurde ihr die

geweihte Erde versagt, und ihr Leib am 20. Mai 1671 um

6h früh auf der Gasse zwischen der Friedhofmauer und

der Strasse bei dem Pölln begraben.

Von ihrem Mann der im gleichen Jahr gestorben war,

sagt das Totenbuch: „... ist selig im Herrn entschlafen.“

5)

4) Pf.A.Gm.II.Bd.Sterbb u.Trauungsbuch.

5) Chronik Ohlstorf, VI./3

77


Anhänger der lutherischen Lehre in

Laakirchen.

Auch in Laakirchen gab es noch viele Anhänger der luth.

Lehre. Besonders in den bergigen Gegenden der späteren

Pfarre Gschwandt waren die Bauern im Glauben

verwildert und hatten grobe Sitten. Sie lebten freien

Sinnes und glaubten, was ihnen beliebte. Die Eltern

hielten die Kinder nicht zu den Christenlehren an, in den

wenigeren Häusern war irgend ein Zeichen christl.

Glaubens vorhanden. Die wenigsten kannten den

Rosenkranz und wussten ihn noch viel weniger zu beten.

1) Ja, manche trieben ihren Spott damit, so dass „einige

gar aus Muethwill und Bosheit die Rosenkränz denen

Schweinen anhenkten.“ 2)

1) Chronik Ohlstorf VII./4

2) G.St.A. Protokoll Herackt. Benefici 554 Krakowizer

II / 178

3) A. Klein a.a.O. V.143

4) G.Pf.A. Concept

78


5) G.St.A. Ratsprotokoll 27.Mai 1682

Khevenhüller a.a.O.XII.293

Cerny a.a.O.174,1

Tüchtige katholische Seelsorger.

Die Grundobrigkeiten haben auch vielfach den strengen

Standpunkt der Gegenreformation nicht vertreten und

duldeten es, wenn mancher der einstens Ausgewanderten

wieder zurück kam. 6)

In dieser Zeit waren in Gmunden und Umgebung

tüchtige Seelsorger, die mit allem Nachdruck für die

kathol. Kirche arbeiteten. Vor allem verdienen aus der

Familie Herakh einige besonderer Erwähnug. Im Archiv

des Benefiziums Ohlstorf finden sich genaueste

Aufzeichnungen zur Familiengeschichte der Herakhs, ein

genau ausgearbeiteter Stammbaum der Familie,

Dokumente über Diplome und Weihe der Geistlichen aus

dieser Familie. Eine kleine Familienchronik des Vaters

der nachmaligen Gmundner Pfarrer Johann Ferdinand

Herakh und Abraham Franz Herakh ist mir im Archiv

des Benefiziums in Ohlstorf in die Hände gefallen, in der

ganz kurz Geburt, Hochzeit, Studium, erstes Messopfer,

Tod der einzelnen Mitglieder eingetragen ist.

79


So heißt es zum Beispiel: 7)

Anno 1633 Jahr

den 7 marzij ist mein sun

Johannes geboren wordten

um zway Uhr des morgens

fru des Zeichen im Schietzen

der Mondt im letzten firdtell.

Oder:

Anno 1661 Jahr

Den 15 Junij am S. Veidtsdag

Hadt mein Herr Sun Johannes

Ferdinandus Herakh zu Sirning

Bei S.Stephan Sein Erste

Mes gehalten, godt geb

Im Gnadt und langes

Leben dar zu.

6) Gm.Pf.A. Concept 1656

7) Archiv d. Benefizium Ohlstorf

8) Chronik Ohlstorf VII/3

80


Aus der Familienchronik Herakh.

Abraham Herakh, der Schreiber der kleinen

Familienchronik, zog aus Ruland in der Oberlausitz nach

Sirning. Er fand hier schon verschiedene Verwandte, die

ebenfalls aus Böhmen gekommen waren, auf deren

Unterstützung er rechnen konnte. Nachdem er in Steyr

das Bäckerhandwerk gelernt hatte, ließ er sich in

Sierning, im Bäckerhäusl am Eck, nächst der Kirche

häuslich nieder. Er heiratete am 28.Juli 1631 die

siebzehnj. Margareta (Familienchronik) Pauhofer aus

Steinbach in der Steyr, die einem alten

Mauerergeschlecht entstammte. Sie nahmen Wohnung in

der Wahlmühle bei Sierning. 11 Kindern schenkte die

Frau das Leben.

81


Der erstgeborene war Johann Ferdinand, geb. am

7.März 1633. Er studierte zunächst in Kammer, ging

dann ins Jesuitenkolleg nach Wien (anno 1649 Jahr hab

ich meinen Sun Johannes auff Wien in die Schull

geschickt.) 1)

Dort vollendete er die Philosophie und andere höhere

Studien da er sich aber zum Priestertum nicht berufen

fühlte, ging er nach Padua, um dort Medizin zu studieren.

Dort trat er zur Theologie über, erlangte das Dr. Diplom

der beiden Rechte, kehrte nach Österreich zurück und

erhielt auf dem Tischtitel Kremsmünster die

Priesterweihe.

Aus der Familienchronik Herakh:

Er wurde Kanonikus im Kollegiatstuhl Spital am

Phyrn. Am 24. November 1666 wurde er Pfarrer in

Gmunden. Er war in seinen priesterlichen Verrichtungen

genau und führte einen bescheidenen Lebenswandel.

Seine alten Eltern, die bei ihm wohnten, bereitete er die

Jubelhochzeit. Beim Ehrenmahl waren 88 Gäste zugegen.

1693 resignierte er zu Gunsten seines Bruders Franz.

Er wollte eine ganz neue Stiftung, hatte dazu auch schon

18.000 fl. Bereitgestellt, da starb er am 9.August 1701.

1) Familienchronik v. Benefizium Ohlstorf

82


Die Priesterbrüder Herakh.

Am 26.Oktober 1665 wurde die Pfarre Gmunden Johann

Ferdinand Herakh durch den Passauer Bischof

Wenzeslaus verliehen. 3)

Ein echter Volkspriester war Abraham Franz Herakh.

Geboren am 6.März 1647 4)

studierte in Krummau, im Jahre 1668 wurde er Magister

der Philosophie, und Lizentiert der Theologie, und beider

Rector. Am 24.März 1674 wurde er zum Priester

geweiht, feierte sein erstes hl. Messopfer in Gmunden,

war dann drei Jahre Kooperator bei seinem Bruder in

Gmunden. Drei Priesterbrüder wirkten damals

nebeneinander. Johann Ferdinand als Stadtpfarrer in

83


Gmunden, Abraham Franz als Kooperator in Gmunden,

Gregorius ( geb. 3. Mai 1637) als Vicar in Laakirchen.

Dieser war Magister der Philosophie, wurde Kanonikus

zu Spital am Phyrn, dann Vicar von Laakirchen, und

starb im Alter von 40 Jahren am 20.Mai 1677. 5) An

seiner Stelle wurde Abraham Franz Vicar in Laakirchen.

Noch ein vierter Bruder war Priester und zwar Johann

Christoph. Er war Chorherr von St.Florian. 6)

2) Chronik Ohlstorf VII./4

3) Urkunde im Benefizium Ohlstorf

4) Familienchronik

5) Familienchronik

6) Chronik v. Ohlstorf VII./4

Familienchronik

84


Verdienstvolles Wirken eines Priesters.

Die relig. sittl. Verhältnisse.

Abraham Franz wirkte in Laakirchen ausserordentlich

eifrig, hielt Christenlehren, kaufte Kruzifixe gleich

kraxenweise, und Rosenkränze metzenweise und verteilte

sie unter das Volk. Während der Pestzeit betreute er die

Pestkranken und spendete ihnen die Sakramente. Er

wurde selbst angesteckt, überwand jedoch, dank seiner

kräftigen Natur die Krankheit. Er war ein Mann von

mittlerer Größe, breiter Brust und starken Schultern. 16

Jahre wirkte er höchst segensreich in Laakirchen, am 2.

März 1693 wird er Pfarrer von Gmunden, nach dem sein

Bruder zu seinen Gunsten verzichtet hatte. 7)

Die religiösen und sittlichen Verhältnisse im Lande ob

der Enns waren gegen Ende des VII. Jahrhunderts

schlecht. Weltliche Herrschaften waren geneigt, die relig.

Sittl. Verwilderung dem niederen Klerus zur Last zu

85


legen und es sind wohl derartige Beschwerden dem

Bischof von Passau vorgebracht worden. Dechant hat ein

Schreiben in 22 Punkten verfasst, und es im Namen des

ganzen Ob.Österr. Klerus dem Bischof von Passau zur

Verdeidigung überreicht. 8)

Er schreibt darin: „Vor einigen Jahren seien drei

fränkische Kompanien.....völker nach Gmunden ins

Winterquartier verlegt worden. Sie hatten auch ihren

lutherischen Predikanten mitgehabt. Zu seinen

öffentlichen Predigten eilten viele Bauern herbei und

priesen Gott, dass sie wieder die alte Lehre hören durften.

Der Landeshauptmann stellte zwar die öffentlichen

Vorträge ab, dem Befehl an die Herrschaften, die

Teilnehmer an diesen Predigten ausfindig zu machen,

kamen nur wenige nach. Es halten sich wohl versteckte

Predikanten auf. Viele Katechismen und Postillen u. dgl.

Sind vorhanden. Für einen Soldaten, der zum

Spießrutenlaufen zu Linz wegen einer Schmähung der

Jungfrau Maria verurteilt worden war, haben sich

Katholiken eingesetzt.

7) Ernennungsurkunde ddo Passau 2.März 1693

8) Chronik v. Ohlstorf

Beschwerdeschrift Benefizium Ohlstorf

86


Aus der Verteidigungsschrift des

Dechants.

Der Knabe Philipp.

Kinder führt man, anstatt sie ein ordentliches Kreuz

machen zu lehren , nimmt man zu Tänzen mit, schön

aufgeputzt zur Freude der Eltern. An Sonn – und

Feiertagen sind die Tanz- und Wirtshäuser mehr

besucht, als die Kirchen. Die Leute klagen über die

Stola, zur Lustbarkeit aber haben sie Geld.

Die Herrschaften haben am wenigsten Grund, sich über

die Saumseligkeit des Weltklerus zu klagen. Sie sehen

ihre Unterthanen auch lieber in der Taferne, als in der

Kirche, und doch haben sie die Kühnheit den Klerus für

die Unwissenheit des Volkes anzuklagen. Er beklagt sich

87


auch über den Mangel an Achtung, dem Priesterstand

gegenüber. Er bittet auch den Bischof, den Klerus zu

schützen, und den kaiserlichen Hof unwahren Angaben

gegenüber richtig zu informieren.

In den ersten Jahren des XVIII. Jahrhunderts lenkte

ein „mitter gewachsener Bub namens Philipp, der

vielleicht ein Predicantensohn aus dem Reich May

gewesen sein und die Bibelsprüche vielfältig daher zu

sagen gewusst hat“ in der Pfarre Ohlstorf die

Aufmerksamkeit der lutherischen Bauern auf sich und

unterwies und bestärkte sie. Dafür bedachten sie diesen

„gesandten Engel“ mit Krapfen und Apfelradln.

Schließlich wurde er so keck, dass er sich verlauten ließ,

„der Stadtpfarrer möge nur nach Aurachkirchen kommen,

er werde ihm das Maul schon stopfen und bald mit ihm

fertig sein.“ Der Pfarrer nahm die Herausforderung an.

Er ließ dem Jungen sagen, er werde ihn durch den

Landesgerichtsdiener fangen und Strafen lassen, falls er

am bestimmten Tage nicht erscheinen würde. Der junge

Mann fand sich ein, und mit ihm viele Bauern, die

gesinnt waren, den Pfarrer zu verjagen oder gar zu

erschlagen, wenn er in Glaubenssachen überwunden

würde. Der Pfarrer setzte Philipp mit Fragen über die

wahre Kirche so zu, dass sich der Jüngling ergeben

musste und zu weinen anfing. Der Pfarrer nahm sich

seiner an, da er sich bereit erklärte katholisch zu werden,

nahm in der Pfarrer mit und machte ihn zu seinem

Diener. Als er einmal Beichtgeld einkassieren sollte,

verschwand er mit 30 fl. Reitende Boten holten ihn ein

und brachten ihn zum Pfarrer zurück. Dieser versetzte im

88


eine ziemliche Maultasche und entließ ihn. Dieser junge

Mensch war dann immer nur bei Spiel und Trunk zu

sehen und hat in der Zeit kaum mehr u etwas gutem

getaugt. 1)

Der Pfarrer Abraham Herakh

nimmt sich besonders um Ohlstorf an.

Abraham Herakh, der viele ahre in Ohlstorf gewirkt

hatte, bei Jung und Alt beliebt war, musste auch am Ende

seines Lebens einen teilweisen Misserfolg feststellen.

Als er einst in Ohlstorf im Hinblick auf die geheimen

Lutheraner die Worte des hl. Paulus I.Kor.XI., 22 :

89


„Quid dicem vollis Laudo vos ?“ auslegte und sagte:

„Soll ich euch loben oder tadeln?“ Da entgegnete ihm

einer der Kirchenbesucher: „Loben Herr Pfarrer, nur

loben !“ 2)

Ohlstorf hatte der Pfarrer in besonderer Weise seine

Aufmerksamkeit erwiesen. Wenn ein neuer Kaplan kam

und das erste Mal in Ohlstorf predigte, begab er sich

heimlich ebenfalls dorthin, setzte sich rückwärts in eine

Bank und gab wohl acht, ob das Wort Gottes recht

gepredigt werde. Während der Messe setzte er sich in der

mitten unter die Bauern und sang mit ihnen die

gebräuchlichen Kirchenlieder. Wenn er nach Ohlstorf

hinausging kamen ihm Männer, Weiber und Kinder

entgegen. Er fragte um Glaubenswahrheiten, teilte

Salzburgerpfennige und Kreuzer unter sie aus und

wusste manche zur Bekehrung zu bringen. Ja, auch in

Gmunden gelang es ihm, einige ketzerische Soldaten zu

bekehren. In Ohlstorf feierte Herakh auch das goldene

Priesterjubiläum. 1715 resignierte er auf die Pfarre und

verbrachte seine alten Tage Zuhaus(?) beim Pfarrhof.

1) Chronik v. Ohlstorf VI/4

Krakowizer II/177

2) Chronik O. VI/4

90


Abraham Herakh – Gründung des

Benefiziums in Ohlstorf.

Eine Tat setzte Abraham Herakh, die ganz dem Sinne

seines Bruders Johann Ferdinand entsprach: Die

Gründung des Benefiziums in Ohlstorf.

Das Benefizium sollte „zu gänzlicher Ausrottung des

leider annost vilfältig glosenden Luthertums und desto

festerer Einlassung der wahren Glaubenslehr“ dienen.

Johann Ferdinand hatte zu solchem Zweck 18.000 fl.

Hinterlassen. Durch Zinsen und weitere Zuwendungen

von Seite Abrahams war das Stiftungskapital 24.000 fl.

Das prächtige Benefiziatenhaus ließ er auf eigene Kosten

bauen. Auch Grundstücke wurden dazu gestiftet. Mit

Kaufbrief, 1.Juli 1715 erwarb Abraham Herakh vom

Inhaber der Herrschaft Ebenzweier, Hildprechting, usw.

91


Grafen Johann Ehrenreich, Seran Stadtpfarrer in

Gmunden, zwei Güter in Ohlstorf, die Mörtenhub und

das Ennergütl. (Herrschaft Hildprechting) Diese Güter

gingen mit sämtlichen Rechten und Pflichten in den

Besitz des Abraham Herakh und der künftigen

Nachfolger im Benefizium über. ....

Vom Hans Kemptner, Besitzer des Langganglgutes, in

Peiskham, kaufte der Stifter einen Waldstrich in der

Länge von 400 Schritten und in der Breite von 60

Schritten um 200 fl. 4)

3) Krak.II/17/4

G.St.A. Protokoll Herackt Benefici.

4) Kaufbrief Benefizium Ohlstorf 1715 August 20

92


Benefiziumsrechte in Ohlstorf.

Das Benefizium sollte dem Zweck dienen, dass die immer

häufiger eintreffenden Wallfahrer entsprechend betreut

werden könnten, der Benefiziat sollte in der pfarrlichen

Seelsorge mit Beichthören, Predigen, Christenlehre

aushelfen, jedoch war er nicht berechtigt, sich in die

pfarrliche Seelsorge einzumischen.

Der jeweilige Beneficiat konnte per actum inter vivo saut

ultimar voluntatis einen tauglichen Priester aus der

Verwandtschaft ( aus der Herakh`schen, Ruhandischer

oder Patofer`schen Familie) auswählen. Im

Unterlassungsfalle sollte dieses Recht dem Ordinariat

anheim fallen.

Die Einkünfte des Beneficiaten bestanden aus einem

Anteil des Interessenertrages des Stiftungskapitales und

aus dem Ertrag des Grundbesitzes.

Aus dem Stiftungsfond bezog der Beneficiat jährlich 630

fl. Mit der Verpflichtung, wöchentlich 4 hl. Messen für die

Stifter zu lesen.

840 Gulden sollten nach dem Willen des Stifters für 12

Knaben als Stipendium zu je 70 fl verwendet werden.

Von den 12 Knaben sollen sieben aus den drei

verwandten Familien, 5 aus den Familien der

Salzbeamten aus Gmunden gewählt werden. 1)

93


Am 26. Juli 1726 wird die Stiftung von Kaiser Leopold

I. bestätigt. 2)

Da der Beneficiat monatlich eine Messe für das

Kaiserhaus zu lesen hatte, sollte er auf Grund der

Verfügung im Bestätigungsbrief jährlich 20 Klafter

Buchenholz erhalten.

Für seinen Haushalt bekam der Beneficiat auch jährlich

pro Kopf 17 kg

Muaßsalz. 3)

1) Stiftungsbrief Ohlstorf Benefizium, Copie

2) Bestätigungsschreiben der Stiftg.v.26.VII.1726 ?

3) Chronik Ohlstorf VII./ 7

94


Erstes Benefizium in Ohlstorf.

Missionsbenefizium.

Der Beneficiat von Ohlstorf hatte eine einflussreiche

Stellung.

Er verlieh die 12 Stipendien. Er hatte auch das

...(Verfügungsrecht ?) auf das 1721 gestiftete Benefizium

in Laakirchen. Im Jahre 1754 wurde vom Pfarrer Arres

ein Missionsbenefizium gegründet. Das Patronat und

Präsentativrecht erhielt der Beneficiat von Ohlstorf.

Abraham Herakh hatte vom Stift Niedernberg gegen

Erlassung einer Schuld von 1200 fl. Das Dominertium

und Präsentationsrecht auf Laakirchen erworben. Das

Präsentationsrecht übertrug er der Stadtpfarre

Gmunden, das Denominationsrecht behielt der Beneficiat

von Ohlstorf.

Der erste Beneficiat war der Stifter selbst. Im Jahre

1725 setzte dieser den Kooperator in Gmunden, Johann

Nicolaus Schoiswohl als Verwalter des Benefiziums ein.

Schoiswohl stammte aus der Herakh`schen

Verwandtschaft, war zu Windischgarsten geboren, hatte

im Ferdinandeum in Graz wegen seiner musikalischen

Kenntnisse Aufnahme gefunden und hat dort seine

Studien beendet. Nachdem er Kooperator in

Waizenkirchen geworden war, kam er in gleicher

Eigenschaft nach Gmunden. Im Jahr 1714 hat er sich mit

95


den Badergesellen im Siechenhaus am Kranabittl zur

Pflege der Pestkranken einschließen lassen. Als im

Jahre 1728 Herakh starb, wurde er wirklicher Beneficiat.

4)

Auf seinem Epithaphium neben dem Sakristeieingang der

Pfarrkirche Ohlstorf stehen die Worte:

Aeterno Patri

Animam

Terrae matri

Hasce veddo eauvias

Johannes Nicolaus Schoiswohl

Primis Herakhiamus Beneficiatus in

Ohlstorf.

Sic visum superis

Pas vivis

Requies Defundis.

Disce Mori quicunque legas haec Marmore nostro

Scripte: Velis animo verbo notare tuo:

Una salus servire Deo, sunt catara frandes.

Fac es, quos morieus basta fuisse voles.

Obuit 20.Sept. anno 1741 aetat.63

4) Chronik Ohlstorf VII /8

96


Blitzschlag in gottlose Häuser.

Der jetzige ist der fünfzehnte in der Reihe des Beneficiat.

Wer nicht in meiner Pfarr Ohlstorf Wurzel fasse und den

Weizen des wahren, allein seligmachenden Glaubens auch

in den Herzen gut cathol. Christ ersticktet.

Er bittet die Obrigkeit und die Plegerbeamten Obsicht zu

halten, ob keine unzulässige Korrespondenz mit den

serlsberger Bauern geführt werde, sie sollten Visitation

wegen verbotener Bücher vornehmen und ihm Nachricht

zukommen lassen. Sie mögen auch darauf dringen, dass

die Untertannen an Sonn und Feiertagen zur

Christenlehr und Predigt nach Ohlstorf kommen mögen.

Es wurde dem Stadtpfarrer aber kaum etwas über die

Anhänger der lutherischen Lehre hinterbracht, noch

wurden ihm lutherische Bücher überbracht. Da erhielt er

über Passau über die lutherischen Bauern in Ohlstorf

Kenntnis.

97


Der Pfleger auf Schloß Stahrnberg bei Haag am

Hausruck, berichtet an den Bischof von Passau am 20.

August 1732, was ihm die Besitzerin der Schmiede zu

Ohlstorf erzählte. Es war ihr Haus mit noch vier anderen

vor einigen Tagen durch Blitzschlag abgebrannt. Diese

Schmiede und andere Nachbarshäuser seien seit etwa 12

Jahren schon zum dritten Male abgebrannt. Das sei aber

eine augenscheinliche Strafe Gottes, weil die Leute dort

ein gottloses, ketzerisches Leben führen, dass sie nicht

nur Tag und Nacht den Tänzen, dem Fressen und

Saufen und anderen Luderleben nachhangen, sondern

auch am Frei- und Samatag, ohne Scheu Fleisch essen,

dass nur die wenigsten dem Gottesdienst in der Kirche

beiwohnen, sondern „schüplweis in denen Schlupfwinkeln

zusammen kommen, ihnen alldorten die häufig beyhanden

habenden lutherischen Bücher verlesen lassen....“

Man könnte auch den Amtsleuten nicht recht trauen.

Die Bücher seien sehr schwer zu finden, weil sie unter

den Bettstätten verborgene Laden machen ließen, wo sie

ihre Bücher versteckten.

Der Bericht des ehrlichen Weibes hat den Pfleger

bewogen, diese Aussagen nach Passau zu melden. 1)

1) G.P.A. Schreiben des Pflegers Jota Erasmus

Lebersorg

an den Bischof v. Passau, Stahrnberg 20. August

1733

98


Schreiben aus Passau.

Das Ordinariat Passau schickte gleich nächsten Tag ein

Schreiben an den Stadtpfarrer von Gmunden, dem der

Bericht des Pflegers von Stahrnberg beigelegt wurde,

und trägt dem Pfarrer auf, nicht allein diese wankenden

und zum Teil verführten auf den Weg der allein

seligmachenden Glaubens zurückzuführen, die Verstockten

aber der Reformationskommission in Linz anzuzeigen,

sondern auch die ketzerischen Bücher wegzunehmen. 2)

Das Ausforschen der Lutherischen und vor allem der

Rädelsführer war durchaus nicht leicht. Darum bediente

sich der Stadtpfarrer einiger Freien, die die religiösen

Verhältnisse heimlich auskundschaften sollten. Diese

waren Wolf Adam Großrücker, Weißgärber, Georg

Flahberger kaiserl. Groß....? und Tobias Hansmayr,

Hafnermaler. Sie suchten diese bei conventiceln auf und

verkehrten in der Stadt mit ihnen freundschaftlich, als ob

sie auch ihrer Lehr ergeben wären.

Der Bericht sagt aus:

2) G.P.A. Passau 21.VIII.1733

99


Die erste Aussage über lutherische Reden.

Die erste Aussage macht Flahberger. Am 25. Dezember

1736 ist er von Wolf Kottmayr (Kirchgatterer)

angewiesen worden zu ihnen nach Ehrendorf zu kommen.

Ausser ihnen waren noch der Pfleger von Ehrendorf und

noch 12 Personen zugegen, auch junge Leute beiderlei

Geschlechtes. Kottmayr hat aus lutherischen Büchern eine

„recht közerische Lehr“ gehalten. Er las aus der

sogenannten „lutherischen Hauspostill“. Er hat wider

kathol. Religion und die hl. Kirche, gegen die Pfarrer

und Seelsorger höchst schimpflich gelehrt. Er nannte die

„Katholische Pabisten, Nachtaffen, Abendtheurer,

Deufelsapostel.…“ Dann ging Kirchgatterer, der Pfleger

und auch Flahberger in den sogenannten Sternberg. Dort

wurde ebenfalls eine Zusammenkunft und Lehre gehalten.

100


Zugegen waren noch:

Der Krenneder, Leuthner Nigl, der Adam in Sternberg,

noch andere Bauern und sehr viel junge Leute, die der

Berichterstatter nicht kannte. Kottmayr (Kirchgatterer)

nannte den Papst einen Teufel, die Geistlichen

Teufelsapostel. „Ihre Pabstliche Heyligkeit gehet ein

ganzes Jahr Schwan….. und wann derselbe gelt nötig

hat, kombt er allzeit nieder und lasset eine Ablaß

fahlen…“

„Diese lutherischen guten Christen erkennen die

Pabistischen Pfaffen bay ihren Deufelszeichen, den in

Kopf ausgeschorenen Blatln, diese hat ihnen der Deufel

auf getruckt…..weil Judas Christum mit einem Kuß

verraten hat, deswegen küsse der Papiste bey der Meß

das Evangelium….“

Krenneder hat ausgesagt, dass er schon einige Jahre

herum 28 lutherische Bibeln erkauft, sie aber alle, bis auf

die letzte wieder weiter gegeben hat.

So die 1. Aussage.

Zweite Aussage, die Lutherischen

betreffend.

101


Zweite Aussage, gemacht von Hansmayr und Flaberger.

Am 6.Jänner hatten diese beiden den Wolf Kottmayr in

Flabergers Wohnung eingeladen. Dort hat er sie die

Bibel aufschlagen gelehrt, ihnen einige Psalmen

vorgesagt, besonders den Gesang Martin Luthers: „Nun

treiben wir den Pabsten heraus.“

Er drückte sich über den Pabst, die Priester, die

Heiligenbilder in der Kapuzinerkirche höchst unschön aus.

Am 8. Jänner 1737 kam er wieder mit dem Stelzer zu

Reith und dem sogenannten Seeholzer in die Wohnung

Flabergers. Diese vier sangen zwei Stunden hindurch

Psalmen. Auf die Frage, wie viele lutherischer

Confession wären, antwortete Kottmayr: „wür sein viel

tausend und solch guete Christen.“

Dritte Aussage, gemacht von Hansmayr und Flahberger.

Beide waren am 24.März 1737 in die Behausung des

Schmied zu Ehrendorf gegangen der ihnen sechs Bücher

zu lesen gegeben:

1.) Das große Predigtbuch 136 Jahre alt

2.) Der lutherische Katechismus 147 Jahre alt

3.) Das wahre Christentum 2.Teil

102


4.) Der Rosengarten

5.) Menschenspiegel

6.) Ein uraltes Gesangbüchlein

7.) Ein lutherisches Psalmbüchl, dieses hat der

Schmied ausgeliehen.

8.)

Der Bruder dieses Schmied aus Röger (Regau).(Hat

Bücher nach Wahl)

In Ungenach sei ein Erzbüchertrag. Er der Wolferl in

Pfaffenberg bringt auch Bücher herzu, Knoll im Moos,

ein Maurer, gehe in 14 Tagen wieder um Bücher fort…..

Es wurde ihnen noch genannt, der Schallermühlner,

unweit Schöndorf.

Heimliches Luthertum. Kaiserliche

Resolution.

Der Tischler zu Regau, sei ein höchst gelehrter Mann.

Er wisse zu reden, zu lesen,das Wort Gottes zu erklären.

Am 30. April war Kottmayr wieder bei Flahberger und

erzählte, dass er seine geistliche Beicht in Ohlstorf bei

Kaplan Kölbl abgelegt habe. Dieser habe ihn drei

Viertelstunden in seiner Stuben aufgehalten. Kottmayr

nannte ihn einen „langen Toifl, kein so schlimmer und

letzer Toifl say noch niemals hier gewesen.

103



Diese Aussage ist bestätigt vom Stadtrichter. Gmunden

2.May 1738 1)

Da es dort und da Spuren des heimlichen Luthertums

gab, haben die Religionskommissäre am 20.August 1712

an den kaiserlichen Hof darüber berichtet. Anfang Jänner

erging eine kaiserliche Resolution folgenden Inhaltes:

Wenn von zwei Eheleuten „eine katholisch, der andere

aber widriger Religion beygetan“, so können solche

Personen im Lande verbleiben, „dass sie ihre Eheholden,

Khinder und Hausgenossen von katholischen

Gottesdiensten, Predigen und Kinderlehren nicht

abhalten, die Khinder an khaine als kathol. Verheyrathen,

die widrige Lehr nicht ausstreuen, noch anderen die

geringste Argnuß geben. ..“ Man soll sie mit „Güete und

Glimpf“ behandeln, sie mit aller Bescheidenheit zur

wahren Glaubenslehr zu bringen trachten, widrige

Glaubenspostillen und „derley Bücher mit Glimpf

abforder“, bei den Grenzen soll die richtige Obsicht

beachtet werden, dass solche Bücher nicht hereinkommen,

eifrige Seelsorger sollen aufgestellt werden. 1.)

1) G.P.A. Original

1.) Krakowizer II./178 Gm.Pf.A.2.I.1713 Copie

104


Unkatholische Bauern.

Passauer Fürstbischof

plant Firmungsreise nach Gmunden.

Die Reformationskommissäre ordneten im September

1715 an, dass alle unkathol. Bücher den Seelsorgern

ausgefolgt werden sollen. Dafür sollen die sich

Unterthanen mit kathol. Büchern versehen. 2)

Auf Bitten des Stadtpfarrers von Gmunden wurde eine

unverhoffte Visitierung wegen lutherischer Bücher

angeordnet, unter allen confiszierten Büchern, befand sich

nur ein lutherisches. Die anderen dürften wohl schon in

Sicherheit gebracht worden sein. In Ohlstorf wurde auf

Betreiben des Stadtpfarrers ein katholischer

Schulmeister eingestellt und die Grundherrschaften

verhielten die Bauern unter Strafe ihre Kinder zu diesem

zu schicken. 4)

In diesem Jahr werden werden in Ohlstorf folgende

Bauern als unkatholisch ihrer Grundherrschaft gemeldet:

105


Khassl zu Aichhamb, (Wagrein), Pangerl zu Roith,

(Puchheimb), Moser zu Aurach (Pfarrhof Vöcklabruck),

Schallmeiner zu Peißkham (Traunkirchen), Adam

Reider zu Hafendorf (Almegg), 5

Sie wurden ihrer Grundherschaft anezeigt, haben sich

aber doch so herausgeredet, dass ihnen keine Strafe

gegeben wurde. 6)

Der Passauer Fürstbischof Josef Dominicus Graf

Lamberg hat wohl auch von den Anzeichen des noch

vorhandenen Luthertums in der Gegend um Gmunden

erfahren, und rüstete sich zu einer Firmungsreise nach

Gmunden. Er schickte aber den Kapuziner P. Marthians

voraus, mit einem Begleitschreiben an den Stadtpfarrer

Gmundens, er soll sich „vorleiffig erkundigen und sodan

mit den christl. Lehre,wo es der etwan eingeschlichene

Irrtum am ersten erfordert, die Lehre verkünden.“ 7)

Kr.II/1787 5)

G.Pf.A. 20. April 1716

G.St.A.ddo.Linz 20.9.1715

6) Pfleger von Traunkirchen

J.Forstinger, V.41 (Anhang)

an den Stadtpfarrer G.P.A.

4) Kr.II./179 G.St.A.Concept 1716

21.April 1716 G.P.A.5.V.1716

Pfleger von Almegg an….

7) Passau 12. August 1728

106


Irrglaube schwindet nicht.

Mochte von Seite der geistlichen und weltlichen

Obrigkeiten jeder Verdächtige vorgenommen und

examiniert werden, mochte man nach Büchern suchen,

mochte man das Wort Gottes nach kathol. Lehr verbreiten,

der Irrglaube verschwand nicht.

Aus dem geistlichen Fürstentum Salzburg hatte man in

den Dreißigerjahren des XVIII. Jahrhunderts die

Protestanten vertrieben. Ein solcher Emigrant hatte sich

das kleine Gut „Rotenstein“ im hinteren Winkel der

Viechtau käuflich erworben. Seine zahlreichen

erwachsenen Kinder hat er nur an kathol. Personen in der

Pfarre Altmünster und in der Filiale Ohlstorf

verheiratet. Die haben nicht wenig zur Ausbreitung und

Belebung der lutherischen Lehre beigetragen. Um dieser

Gefahr zu begegnen, schickt der Stadtpfarrer ein

Schreiben an die Pfarrer und Pflegebeamten. 9)

„.. nicht allein vermöge des vom hochfürstlichen

Ordinariat ergangenen Befehls, sondern auch aus seiner

pfarrlichen Pflicht trägt er möglichst Obsorge, damit „

das Unkreutt verführerischer Lehr, nicht in meiner Pfarr

Ohlstorf Wurzel fasse.“

Er bittet die Obrigkeiten und deren Pflegebeamten

Obsicht zu halten,ob keine unzulässige Korrespondenz mit

den Salzburger Bauern geführt werde. Si sollten

Visitationen wegen verbotener Bücher vornehmen, und

ihm Nachricht zukommen lassen. Sie mögen auch darauf

107


dringen, dass die Untertanen an Sonn und Feiertagen

zur Christenlehre und Predigt nach Ohlstorf kommen

mögen.

9) Schreiben des Stadtpfarrers an die Pflegebeamten v.

10.I.1733

Vicarius Josephus Antonius Stocker

berichtet:

Der Vicarius Josephus Antonius Stocker, dem eine

etwas rasche Art eigen war, macht am 23.XI.1751 einen

Bericht an den Bischof von Passau. Er beklagt sich

darüber, dass die weltlichen Herrschaften bei der

Zurückdrängung des Irrglaubens gar nicht helfen.

Manche benehmen sich in der Kirche wie Blochhölzer,

lassen wenig Andacht anscheinen, manche werden ein

ganzes Jahr, ausser den hl. Zeiten nicht gesehen,

vernachlässigen oft die Messe. Es gibt in seinem Bereich

20-30 verdächtige Häuser. Er hat die verdächtigen

Häuser visitiert. Ein „lödiges Mensch“ ist schon

apostasiert und nach Ostenburg gewandert. Einen

behausten Müller hat er schon 10 lutherische Bücher

abgenommen.

108


Sonst kommen die Pfarrkinder der österl. Beicht zu den

bestimmten Tagen nach, wohnen Predigt und Amt bei,

halten die vierzigtägigen Fasten und Quatemberzeiten. In

der Winterszeit gehen manche nach Gmunden, weil die

Strasse besser ist, und manche nicht so weit haben.

Einige sind als lutherisch anzugeben:

Johann Eder, Amtmann der Herrschaft Leonstein, ein

Erzketzer.

Mathias Feichtenberger, auf der Hamstockmühle,(Ort)

Sebastian Heidecker, Gutsbesitzer (Traunkirchen )

Wolf Paumgartinger, Besitzer der Lukasleiten (Burg

Wels) disputiert gern über den Glauben, ein dem Trunk

und der Sauferei sehr ergebener Mensch,

Philipp Paumgartinger, Gutsbesitzer und Müller auf der

Premmühle (Leonstein)

Von diesen diesen sind Eder und Hamstockmüller bei der

Herrschaft denunziert worden. Der Vicar klagt, dass die

Herrschaften nicht zugreifen, während die Lutherischen

lachen.

Die Anzeige des Vicars hat doch gefruchtet, und alle die

Angeklagten müssen sich ungefähr einen Monat später

vor dem Dechant zu Gmunden zur Glaubensprüfung

einstellen, wie man aus den Prüfungsprotokollen im

Pfarrarchiv Gmunden ersehen kann.

109


Glaubensprüfungen

Am 29.Dezember 1751 werden im Pfarrhof Gmunden auf

ihren Glauben geprüft:

1) Hans Eder, am Stög, Laakirchner Pfarre

(Leonstein), hat 4 erwachsene Kinder, eine

Tochter ist an der Stoibermühle, die anderen sind

zu hause. Bei 46 Jahr alt, Sagmeister.

2) Susanna Ederin, Besitzerin am Stög,

Laakirchner Pfarre (Leonstein)

Hans Eder gibt auf die Fragen ziemlich gut kathol.

Antwort. Er hat Kirchfahrten mitgemacht, hat auch die

Jubiläumsböaß (1750) gewonnen… Vom Rosenkranz

hat ihm sein Ändl (Großvater) gesagt, dass er einen

wohl 100 Jahre alten Fischer hat sagen hören: „Der

Rosenkranz ist erst bei seinem Gedenken aufgebracht

worden, der Pabst bringt halt alleweil was Neues

auf.“

Er bekennt sich katholisch, nachher hat er aber erklärt,

er bleibe auf der anderen Seiten, ….lutherisch, wollte

es in Gottes Namen wagen. 1)

Auch das Weib bekennt sich zunächst katholisch. Zwölf

Tage später aber, widerruft sie und erklärt, sie bleibe

mit ihrem Mann auf der lutherischen Seite, habe nur

aus Verzagtheit sich katholisch bekannt.

110


Am 30.Dezember erscheinen im Pfarrhof Gmunden

zur Glaubensexaminierung:

1.) Mathias Eder, ledigen Standes, am Stög, bei 24

Jahre alt.

2.) Hans Eder, ledigen Standes, am Stög bei 20

Jahre alt.

3.) Andreas Eder, ledigen Standes, am Stög, bei 17

Jahre alt.

Diese drei bekennen sich als durchaus lutherisch.

4.) Philipp Paumgartinger, Müllermeister auf der

Premmühle, (Leonstein), Laakirchnerpfarre, 38

Jahre alt. Er ist durchaus lutherisch,

andascissima in omnibus respondet.

5.) Katharina Paumgartinger, Müllerin auf der

Premmühle, von Kleinschlag gebürtig, aus der

Kirchhamer Pfarre, 17 Jahre alt, 2 Jahre

verheiratet, Laakirchner Pfarre. Bekennet sich

durchaus als lutherisch.

Am 3. Jänner 1752 werden folgende wegen ihres

Glaubens im Pfarrhof Gmunden geprüft:

Mathias Feichtenberger verheirateter

Glatzmüllersohn auf der Hamstockmühle, Pfarre

Laakirchen (Ort). Bekennet sich als lutherisch

und ist hartnäckig.

Sarah Feichtenberger, des Hamstockmüllers

Eheweib, 28 Jahre alt, Laakirchner Pfarre. Sie

ist durchaus lutherisch. Bekennet, dass sie noch

einige lutherische Bücher zum Trost in ihrem

111


lutherischen Glauben habe. Sie beklagt sich, dass

der Vicar zu Laakirchen gesagt habe: „Wür haben

einen Sau- oder Hundtsglauben.“ 2)

Am 3. Jänner 1752 sind folgende wegen ihres

Glaubens im Pfarrhof Gmunden vorgenommen

worden:

Wolf Paumgartinger, Gutsbesitzer an der

Lukasleiten, 33 Jahre alt, (Burg Wels) des

Loidlmüllers Gevatter und des Glazmüllers

Schwager.

MariaPaumgartinger, Besitzerin an der

Lukasleitn, 28 Jahre alt. Sie ist eigentlich

katholisch, muß sich aber wegen ihres Mannes

evangelisch geben. „Mit dieser Person ist ein

Mitleiden zu haben wegen ihres groben und

unartugen Mannes“. 1)

Colmann Paumgartinger, 1.St. in der Lukasleitn

in Diensten, bei 40 Jahre alt. Lebt und stirbt auf

die Bekenntnis zum lutherischen Glaubens.

1) Verhandlungsschrift P.A.G., 3.Jänner 1752

2) Verhandlungsschrift P.A.G., 3.Jänner 1752

Weitere Glaubensprüfung.

112


Ein Lutherischer Sterbefall.

Sebastian Heydecker, Pauer in der Hamstockedt,

(Traunkirchen) Pfarre Laakirchen, bei 30 Jahre

alt, Gevatter des Hamstockmüllers. Bekennet sich

als lutherisch.

Barbara Heydecker, Bäuerin in der Hamstockedt,

Gevatterin zum Hamstockmüller, bei 30 Jahre alt.

Bekennet sich lutherisch.

Sebastian Leitner, 1. Knecht und in Diensten

durch 6 Jahre bei dem Hamstockedter, Pf.

Laakirchen, alt bei 25 Jahre, gebürtig in der

Vorchdorfer Pfarre, (Schlierbach) 2) Bekennet

sich durchaus katholisch.

Aus diesem Protokoll kann man ersehen, wie

verschiedene angesehene Familien in der

Kirchhamer Pfarre und in der Pfarre Laakirchen

der katholischen Lehre entfremdet waren, und mit

welcher Hartnäckigkeit und Unbelehrbarkeit sie

an ihrem lutherischen Glauben festhielten.

Bald nach dieser Examinierung, trat ein Ereignis

ein, das zeigte, wie stark der lutherische Glaube

wieder im Aufleben begriffen war. In äusserster

Bestürzung berichtet der Stadtpfarrer an das

Ordinariat über folgenden Fall: 3)

113


Sara Feichtenbergerin, des Mathias

Feichtenberger, Hamstockmüllers in der Pfarre

Laakirchen (Ort) Eheweib, kam bei der Geburt

eines Kindes in Todesgefahr. Der Vicar bemühte

sich, sie auf einen guten, christkatholischen Tod

vorzubereiten, sie aber blieb verstockt und ist „in

ihrer neulich bekannten lutherischen Irrlehre in die

Ewigkeit gefahren“. Das neugeborene Kind

wurde christkatholisch getauft und im Friedhof zu

Laakirchen begraben.

2)Verhandlungsschrift Pf.A.G. 4.I.1752

3)Pf.A.G. 26.1.1752

114


Anwesende beim lutherischen Begräbnis

Da der Mutter die geweihte Erde nicht gestattet

werden konnte, hat die gesamte Glazmüllersche

Verwandtschaft und andere ihres Gewissens bis 41 an

der Zahl aus verschiedenen Pfarren,… „gestern

abend, bei etlich und zwanzig Schritt weit von der

Hamstockmühle in ihrem Grund begraben.“ Das

lutherische Singen ließen sie sich trotz Verbot der

Herrschaft Ort nicht nehmen. Sie sangen öffentlich

am Grab, und dann auch im Haus. Sie ließen sich

auch die Bücher nicht nehmen. Dieser Fall wurde von

Ort aus gleich der K.K. Präsentation in Linz und

vom Salzamtmann der K.K. Deputation nach Wien

berichtet.

Ein Gerichtsschreiber von Ort konnte die Sache nicht

verhindern, schrieb sich alle Anwesenden mit Namen

au. Aus diesen Namen kann man ersehen, von

welchen Pfarreien das Luthertum wieder lebendig

wurde:

115


Mathias Amering, Tischler zu Oberweis, L.P. ein

alter Mann und allzeit berüchtigter Ketzer.

Andreas Feichtenberger der alte Glazmüller,

Schwiegervater der Verstorbenen.

Hans Feichtenberger, auf der Loidlmühl, K.P. ist

mit seinem Weib und größerem Kind anwesend

Martin Feichtenberger, ledig ein Sohn des

Glazmüllers. K.P. Als diesen der

Landesgerichtsdiener befragt, wie er heiße? Sagte er:

„Martin“ Der Diener sagte wiederum er mochte bey

der Beerdigung der Hamstockbeistund (?) u. sich dann

dem Landesgericht und als lutherisch sich angegeben,

wie folgt auch seinen „Zunahm angeben. Darauf gab

er infamer Mensch“ die Antwort: „ Ich heiße Martin

Luther“.

N.Mathias Feichtenberger, Besitzer der

Hamstockmühle, und gewester Ehemann der

Verstorbenen mit seinem Kind. Ein Sohn des alten

Glazmüllers.

N. Feichtenberger, Müller zu Mühlbach, mit seinem

ganzen Hausgesind, ein Sohn des Glazmüllers, aus

der Pfarre Münster. „Hat vor Zeiten die

Glaubensbekantnus schon abgelegt.

Alle Geschwister der verstorbenen Hamstockmüllerin.

Hans Eder am Stög, ein Amtmann unter Leonstein,

L.P. u. auf der Pfarre Kirchham. Dieser,

welcher bei 20 Jahren herum sich bei Stiftung der

heiraten (?) gebrauchen lässt und so viele Häuser mit

seiner lutherischen Freundschaft in unterschiedlichen

Pfarren mit unersetzlichen Schaden der Seelen

sowohl als der hl. Kath. Kirche besetz

116


Mathias Eder, Sohn des Amtmann.

Hans Eder, Sohn des Steyer Amtmann.

Elisabeth Mistelbergerin, ein Dienstmensch am

Höslberg, in Laakirchner Pfarr. Hat ein Buch bei

sich gehabt. Auf dem Höselberg hauset eine

Schwester des Stöger Amtmann. Ist Wittib.

Paneratius Pachmayr am Höslberg

Judith Pachmayrin, am Höslberg.

Hans Kaltenbrunner zu Reidt, Pf. Vöcklabruck.

Wolf Baumgartinger in der Thalpoint, Pf.L.

Totengraber welcher die Verstorbene eingescharrt.

Hans Kottmayr, Pauerssohn auf dem Kottmayrgut,

in Ohlstorf, (Puchheim)

Adam Födinger, Pauerssohn auf dem Huebnergut zu

Ehrendorf, Ohlstorfer Pfarr. (Spital Gmunden)

Georg Striger in der Hütten, ein Dienstknecht. Es

ist dieser knecht ungezweifelt zur Begräbnis von

seinem Bauer oder Bäuerin geschickt worden, als

welcher Bauer des

Stögeramtmann Vaters Bruder sein Weib aber des

Glazmüllers Schwester ist.

117


Sebastian Heydecker, in der Edt, Gevatter der

Verstorbenen.

Wolf Heydecker in der Steig, L.K.

Hans Georg Schobesberger, in der Hamstockedt

L.P.(Traunkirchen)?

Barbara Heydecker in der Hamstockedt L.

.

Urban Gandlmayr, im Saurießl, L.P. (Puchheim),

Erzaufwiegler, und Me…Eingeber zu Regensburg,

durch den Predicanten. Ortenburg…..

Hans Michael Kößler, zu Paumgarten, ein

Webersohn. L.P.

Hans Kößler, zu Paumgarten L.Pf.

Peter Baumgartinger am Schacherhof. L.Pf.

Rosina Schacherbäurin, sambdt ihren Hausgesind,

L.P. Wittib, Erzketzerin.

Andreas Oberndorfer, Schuehmacher zu Traidt,

(Traunkirchen)

Wolf am Pichl. (Lambach)

Simon Edtwanger, ein Dienstknecht beim Wastl am

Weg.

118


Katharina Dannerin in Maribach (Ebenzweyer)

Maria Heydeckerin, in der Steig, L.P.

Regina Schachingerin, in Holzfeldt, L.P. Eine

abgehauste Person.

Schmiedknecht, in der Steig , L.P. ist ein Sohn von

d. Schmiedhaus Voitsdorf in der Wartberger

Pfarr…..

Johann Führer zu Kirchham, Dieser arme, sonst

gute Mann, musst unter der Herrschaft seines Weibs,

nolens volens, ihren hartnäckigen Irrtum anfangs

auch von ihr die 10 Kinder….gottlos…erzogen….

(Schlierbach)

Eva Pichlerin im Häusl hinterm Wald.

Maria Grassingerin, ein Dienstmensch beim

Hinterfellner.

Michael Schobesberger in Holzfeldt.

Hans Meininger und Elisabeth Meiningerin,

Inwohner bei dem Weinberger in der Steig. L.P.

Wolf Födinger, Bauernsohn auf dem Reschengut zu

Ehrendorf, O.P. (Puchheim)

Simon……auf dem großen Gundlhof, ausser der

Stadt Gmunden, Münsterer Pfarre.(Puchberg)

119


Eruketzer und …. Feind aller Catholischen u. des

Glaubens…………wenn er 14 Tag aufschreiben

würde, so könnten sie ihm genugsam Leute ansagen,

in dem wohl ihresgleichen 18.000 in diesem Land

wären. 1)

1) Aus der Verdeidigungsschrift des Pfarrvikars v.

Kirchham. Pater Ägidius Feichtinger v. 28.II.1752

Ohlstorf, Benefiziaten-Archiv.

120


Hausdurchsuchungen und Verhör.

Auf grund der Anzeige wurden bei den Verdächtigen

Hausdurchsuchungen veranstaltet. Die beim

„Kirchgaderer“ unter dem Fußboden gefundenen Bücher

wurden auf dem Friedhof in Ohlstorf durch die

Geistlichkeit verbrannt. Kichgaderer äußerte sich, er

würde gegen die Geistlichen tätlich vorgehen,wenn sie

noch einmal Bücher verbrennten. 1) Kirchgaderer und

einige seiner Genossen, die vor der

Reformationscommission in Linz erschienen, wurden aber

unbegreiflicher Weise bald wieder entlassen.

Einige Verdächtige wurden von der geistlichen Behörde

zur Verantwortung gezogen, wie im Pfarrarchiv

Gmunden vorliegende Untersuchungsprotokolle zeigen.

Am 23.Juli 1737 wird Daniel Kibler, Schmiedknecht im

Pfarrhof Vöcklabruck, im Beisein des

Pfarrhofverwalters Michael Leithner, und

Grundamtmannes Bernhard Hutterer examiniert. 2)

Dieser Kibler ist es, der den vom Pfarrer in Gmunden

aufgestellten Spionen gesagt hatte, bei wem allen er

lutherische Bücher bekommen kann.

Er hat zunächst alle die Angaben über die Büchertrager

geleugnet, hat aber zugegeben, dass er den Büchertrager

aus Ungenach gut kenne, er sei ein Löffltrager, dermalen

in Ortenburg, haussässig. Den Namen wisse er nicht.

121


Im übrigen drückte er sich sehr vorsichtig aus.

Schließlich bekennet er, dass er lutherische Bücher habe.

1) Ohlstorf Chronik, VI/7

2) G.P.A.23.VII.1737

122


Der neue Pfarrer Mathäus Arres.

Am 29.Juli 1737 wurde Mathias Enser, Leinenweber

und Bauer zu Aurach, im Beisein des R.D. Georg Heiß

und des Schulmeisters Franz Adam Ganslmayr

examiniert.

Er gibt sich als gut katholisch aus, das lutherische Buch

„Die Prauquell“ gehört seinem Weib.Er wird eingehend

über Glaubenswahrheiten ausgefragt und antwortet

durchaus rechtgläubig.

Am 9.August wurde Paul Thallberger (Dollberger)

Stelzer in Kleinreith im Pfarrhof Gmunden im Beisein

des Kooperators Georg Heiß und des Schulmeisters

Franz Adam Ganslmayr in Ohlstorf vernommen.

Er sei gut katholisch, das bei der Visitation gefundene

lutherische Gesangsbüchlein habe sein erstes Weib vom

Emigranten Enser zu Hafendorf zu schenken bekommen,

er habe das Buch nicht für unrechtlich gehalten, weil er

nicht lesen könne. Er erweist sich im übrigen

rechtgläubig.

Am 21. März 1738 erklärten beide, Mathias Enser und

Paul Thallberger, sich bereit, das Glaubensbekenntnis

abzulegen.

Am 26.Mai 1738 starb Stadtpfarrer Graf Johann Josef

Ehrenreich von Seran. Auf ihm folgte Franz Mathäus

Arres. Er war ein durch und durch Sanguinischer

123


Mann.und ließ sich durch die äußere Ruhe über den

wahren Sachverhalt täuschen, sodass er in einem

Schreiben an den Religionskommissar Schwinghaimb in

Linz, optimistisch äußert: „...Daß in meiner, unter die

Stadtpfarr Gmunden gehörigen Filial Ohlstorf alleund

jede alldasige Pfarrkinder, der allein seligmachenden,

wahren christkathol. Kirche zugetan.

„Bericht des Pfarrers.“

Sie enthalten sich zu Fasttagen der Fleischspeisen, legen

die österl. Beicht ab und empfangen die hl. Kommunion,

keiner geht ausser Land, um die Beicht lutherisch zu

verrichten. Bei Prozessionen und Kranzgängen

erscheinen sie in grosser Zahl und singen und beten

auferbaulich. Sie finden sich aufmerksam an Sonn und

Feiertagen ,wohnen der hl. Meß, Predigt und

Kinderlehren ein. Er führt an, dass sie noch zahlreicher

kämen, wenn nicht durch die Jahrmärktein den

umliegenden Orten manche abgezogen würden.

Da sich da und dort Äußerungen des Luthertums zeigten,

zögerte die geistliche und weltliche Obrigkeit nicht länger,

um gegen den Irrglauben anzukämpfen und die

Glaubenseinheit zu erlangen. Schon Ende des Jahres

1751 hatte ein Missionarius vagus des Bischofs von

Passau mit seinem Bedienten im Benefizium zu Ohlstorf

auf ein Vierteljahr Wohnung genommen. Er ging mit dem

124


Benefiziaten von Haus zu Haus, hat aber wenig bei den

Lutheranern ausgerichtet, doch konnten die

Gutgebliebenen gestärkt werden. (Chronik Ohlstorf)

Äußerungen der Lutheraner und eine

einzige Bekehrung.

Da kam für den Stadtpfarrer eine Überraschung. Für

den 27.II.1752 hatte dieser einige Verdächtige aus der

Ohlstorfer Pfarre vorgeladen, um sie zu examinieren, da

erschienen aber 26 Ohlstorfer Pfarrkinder, die sich „ganz

keck und freiwillig“ zur luther. Irrlehre bekannten. Sie

seien froh, sich endlich einmal öffentlich zu ihrem Glauben

bekennen zu dürfen.

Bisher hätten sie nur geheuchelt, sie bereuten ihren

Fehler und es täte ihnen leid, Gott dadurch beleidigt zu

haben. 5)

Der Stadtpfarrer bemühte sich den kathol. Glauben zu

erhalten, jedoch nur ein einziger konnte mit vieler Mühe

gewonnen werden, sich zur kathol. Kirche hinzukehren,

Hans Strassler, Häusler zu Irresberg.

Sie sagen vielmehr:“Es mag sein, wie es will! Sie

müssen hinreisen oder emigrieren, wie es immer sei, sie

wollen lutherisch leben und sterben!“

125


Ihrem Pfarrherren konnten sie keine Schuld geben, weil

er ihnen alles erklärt und vorgesagt habe.5)

5) Pf.A.Gmunden 29.2.1752, Copie

Folgende erklärten sich als Lutheraner:

Martin Schaumberger, Weber am Berg, Unterthalham

Wolf Födinger, Resch zu Ehrendorf

Mathias Kottmayr, Hanslmichl zu Ehrendorf

Wolf Kottmayr, Kirchgaderer zu Ehrendorf

Adam Födinger, Huemer zu Ehrendorf

Hans Kottmayr, Kottmayr zu Ehrendorf

Adam Ebner, Födinger zu Ehrendorf

Wolf Födinger, Galler zu Ehrendorf

Paul Preysinger, Steinlackerhansl, Ehrendorf

Adam Felleitner, Pfleger Ehrendorf

Michael Forstinger, Schmied, Steinlackerhansl,

Ehrendorf

126


Wolf Baur, Enser, Steinlackerhansl,Ehrendorf

Martin Schimpl, Binder in der Thalhamer Au

Adam Puschinger, Peter zu Irresberg

Leopold Wenig, Schneiderpoint

Paul Kastenhuber, Häusler, Thalhamer Au,

Schneiderpoint

Hans Mayr, Häusler, Schneiderpoint, Irresberg

Hans Strasser, Häusler, Schneiderpoint Irresberg

Mathias Peißkamer, Weber in der Reib

Balthasar kastenhuber, Riebl Pennestorf

Mathias Obermayr, Weber

Tobias Neuhofer, Kölbl, Aichham

Thomas Hoffer, Pangerl, Großreith

Thomas Hoffer, Wenig

Wolf Reiter, Hofer, Aurachkirchen

Wolf Preinerstorfer, Edlach

127


Adam Wenig, Neuhauser, Riedham

Balthasar Hitmayr, Häusler in der Edt 1)

1

) Chronik Ohlstorf, VI./11

Die Bauern kommen zum

Pfarrer,...derPfarrer berichtet......

Kaum hatte der Stadtpfarrer seinen Bericht an den

Pfleger von Puchheim als weltlichen

Religionskommissär über den offenen Abfall der

Ohlsdorfer Bauern verfasst, da kamen zwei Bauern aus

Ehrendorf und berichteten ihm, dass das Weib des Adam

Felleitner auf dem Pflegergut zu Ehrehdorf in der Nacht

in Kindsnöten lutherisch verstorben sei. Der Kaplan der

sie zum Empfang der Sterbesakramente wollte, hat gar

nichts ausgerichtet. Die geweihte Erde musste ihr versagt

werden. So bittet der Pfarrer die Herrschaft, dass wo

immer sie auch begraben wird, das öffentlich lutherische

Begräbnis mit Singen und Beten verboten möge werden,

damit die Guten kein Ärgernis nehmen und nicht zum

Abfall von der wahren Lehre gezogen werden. 2)

Der Pfleger von Puchheim verspricht in seinem

Antwortschreiben, 3) er werde sich heute noch dahin

128


egeben und das Möglichste zur Abwendung der etwa

geplanten lutherischen Beerdigung in Güte tun.

Die Tote wurde tatsächlich ohne alles Gepränge im

Hausgarten bei den Kasten und der Lacken beerdigt.

Am 10.März ließen sich abermals 15 Bauern mit ihren

Angehörigen, 66 Personen, aus dem Beichtregister

ausstreichen, da sie nur zur österl. Beicht gehen wollten,

wenn ihnen auch der Kelch gereicht würde. 4)

Am 21.März berichtet der Stadtpfarrer an den Pfleger

von Ort, mit Schmerzen, dass sich die unter die

Herrschaft Ort gehörenden Pfarrkinder in Ohlstorf,

deren Liste er dem Pfleger schicke, sich freiwillig und

frech zur lutherischen Lehre bekennen und sich zur österl.

Beicht keineswegs vom Ohlstorfer Schulmeister

aufschreiben lassen wollen. 5)

2) P.A.G. 7.III.1752

3) P.A.G. 7.III.1752

4) Chr. Ohlst.VI.12

5) P.A.G. 21.III.1752

129


Der Pfarrer berichtet nach Traunkirchen.

Und wiederum klagt der Pfarrer in einem Schreiben an

die Jesuitenresidenz Traunkirchen vom 26.März, dass

beim Tobias Neuhofer auf dem Kölblgut zu Aichham

Zusammenkünfte der Irrgläubigen gepflogen werden,

dass z.Bsp. am 20. Februar dort eine Menge von 200

zusammengekommen ist. Im gleichen Schreiben werden

der Schuster zu Traich, Kibler, Maurermeister zu

Obernathal, Georg Pergthaller, Bauer zu Obernathal,

der Schwager des genannten Maurermeisters als

Verführer genannt. 1)

1) P.A.G. 26.III. 1752

130


Das Ordinariat ordnete an.....

Auf die Meldung über das Begräbnis der Sara

feichtenberger, ordnete das Ordinariat an, es soll der

Stadtpfarrer mit seinem Vikar in Laakirchen und dem

Benefiziaten in Ohlstorf alle Sorgfalt, Fleiß, Eifer und

Mühe anwenden, um die Rechtgläubigen in der Einheit

der Kathol. (Kirche) Lehre zu erhalten, und die

Irrgläubigen nach Möglichkeit auf den rechten Weg zu

bringen.

Zu Laakirchen und Ohlstorf soll an Sonn und

Feiertagen eine nachmittägige Andacht mit Abhaltung des

Rosenkranzes und der laurethanischen Litanei angeordnet

werden.

Die Kinder und Christenlehren zu Ohlstorf soll laut

Herrack. Stiftung forthin der Benefiziat halten.

Der Stadtpfarrer soll alle Vierteljahr über den Fortgang

und Religionsstand untertänigst berichten.

131


Fall Susanne Kalterin

Durch Susanna Kalterin war die Glaubensgemeinschaft

in der Pfarre Ohlsdorf gefährdet. Vor 26 Jahren war sie

nach Ortenburg, nächst Passau heimlich ausgewandert.

Sie war auf der Bauernsölde in Traich geboren.

Da die Grafen von Ortenburg es verstanden haben, die

Reichsunmittelbarkeit zu erlangen, konnte sie auch die

protestantische Religion in ihrer Grafschaft einführen. 1)

Ortenburg wurde so ein Asyl für Protestanten. Susanna

Kalterin wurde Hofwirtin in Ortenburg. Sie suchte in

ihrer alten Heimat für das Luthertum zu werben. Sie

wurde, wie aus dem Schreiben des Ordinariates vom

13.November 1751 hervorgeht, schon früher wegen des

Verdachtes, lutherische Bücher in das Land gebracht zu

haben, in Schwanenstadt festgenommen. Sie kehrte nach

der Freilassung zu ihrem Bruder Wolf, Bauer zu

Traich, Pfarre Ohlsdorf, zurück, schenkte dessen

Töchterlein Rosina ein luth. Gebetbuch, den Habermann.

Auf ihrer Rückreise kehrte sie beim „Thofferl im Hof“

ein und sang mit dessen Sohn auf lutherische Art aus

einem Gesangsbuch.

Davon hatte das Ordinariat erfahren, und beauftragte den

Stadtpfarrer in Gmunden, nachzuforschen, ob die

Hofwirtin noch andere Bücher hereingebracht habe, und

den Wolf von Traich in Glaubessachen examinieren. So

wurde Wolf mitsamt seinem Weib und seiner Tochter in

den Pfarrhof berufen, hat geantwortet, dass Susanna

132


Kollerin das Betbüchlein, Habermann genannt, dem

Mädl geschenkt hat zum Gedächtnis. 2)

Durch eine von der Grundobrigkeit Traunkirchen

veranstaltete Visitation, die sich auch auf die Häuser der

Verwandtschaft Franz Reiter, Loderbauer zu Nathal,

Hans Holzleitner, Niedermeier zu Hildprechting,

erstreckte, wurden beim Wolf noch 4, bei den übrigen noch

9 verbotene Bücher gefunden. Das Examen das sie beim

Stadtpfarrer ablegen mussten, haben sie alle gut

bestanden, und besuchten dann auch fleißig nach dem

Zeugnis der Pfarrleute und Kooperatoren den

Gottesdienst.

Die heimlich gepflogene Irrlehre trat aber beim

Begräbnis der jungen Hamstockmüllerin am 25. Jänner

1752 offen zutage. Sie verweigerte die Sterbesakramente

und es wurde ihr daher die geweihte Erde versagt.

Sie wurde im eigenen Hausgarten begraben. Von allen

Seiten eilten Leute herbei.

Unter den 41 Teilnehmern waren auch Ehrendorf, Pf.

Ohlstorf vertreten. Hans Kottmayr auf dem Kottmayrgut,

Adam Födiger, Bauernsohn aus dem Huebnergut zu

Ehrendorf,

Wof Födinger, Bauernsohn auf dem Reschengut zu

Ehrendorf.

1) Chronik Ohlstorf VI/8

2) Pf.A.G. 13.1.1751

3) Benefiz.Archiv v. Ohlstorf, 28.II.1752

133


Ohlsdorf

als Missionare wirkten:

Zuerst P. Ignatius Hein S.J.

dann P.Eugenius Carm. D. discalceatus

und P. Apollinarius Carm.

dann P. Broscardus Carm.

Glaubensauffassung:

Diese ist sehr verschieden. Manche lassen nur ein

Sakrament gelten, manche zwei, sind aber in der

Bezeichnung sehr verschieden:

Taufe und Ehe,

Taufe und große Hostie,

Taufe und Kelch,

Taufe und Abendmahl.

Wenn einige 7 Sakramente annehmen, sagen sie, dass

Christus die anderen 5 nicht eingesetzt habe und dass man

daher zwei zu glauben nur schuldig sei. (23.VI.1752)

Manche sagen, man sei nur schuldig, folgendes zu halten:

An einen Gott und die heiligste Dreifaltigkeit zu glauben,

134


dass Christus für uns gestorben ist, dass er zwei

Sakramente, Taufe und Abendmahl, eingesetzt hat und

dass er allzeit wird barmherzig sein. Sie glauben an das

Evangelium, fragen nicht viel nach dem alten Testament,

weil Christus ohnedem in dem Evangelium genug gelehrt.

Sie sagen, das erteilte Gebot Gottes könnten sie

unmöglich halten, doch müsse man bisweilen ein gutes

Werk tun. Von der Anrufung der Heiligen will man gar

nichts hören, noch weniger von der Jungfrau und

Gottesmutter MARIA.

Das Abendmahl soll in zwei Gestalten gereicht werden,

man will in keine kathol. Kirche gehen, weder beichten

noch Predigt anhören. Wenn einer zur österlichen

Beichtzeit nach dem Gesetz der heiligen Kirche gebeichtet

und das hochwürdigste Gut empfangen, der kann nicht

mehr selig werden.(23.VI.1752)

P. Eugenius teilt die Irrgläubigen in drei Gruppen ein.

(10.IX.1752)

1. Gruppe: Die Leute um Pennestorf und Aichham. Sie

fragen nicht mehr viel um

Sakramente, sie

sagen es ist schon genug, wenn man an GOTT glaube

und hoffe. (Führer dieser Gruppe ist der Schindlauer zu

Obernathal)

2. Gruppe: Sie nehmen nur zwei Sakramente an und

sagen, dass, wer gebeichtet und kommuniziert hat,

135


unmöglich selig werden könne. (Weber-Jodl, Binder zu

Holzhäusl, Geiger in Aupointen, sind Führer in dieser

Richtung.)

3.Gruppe: Die lassen zwar öfter sieben Sakramente zu,

doch habe Christus nur zwei eingesetzt. Es sind diese die

aller gefährlichsten, weil sie alle Augenblicke umsatteln.

Sie stellen sich, als ob sie katholisch wären, doch ist bei

ihnen keine Hoffnung zu machen, dass sie sich zum

wahren Glauben bekehren werden. Sie sind lauter

Heuchler.

Als besonders verstockt und verführerisch gelten:

Der Zöcher zu Eck,

Pfleger zu Ehrendorf,

Schneider zu Hildprechting,

Schneider zu Nathal,

Gall zu Traich,

Plankin zu Pennestorf, (P.Eugenius, 8.I.1753)

Mathias Mayrhofer, Zimmermann zu Aupointen

Saxlmannweber „Hans Stelzer“

Söllner zu Traich.

136


Mathias Haßlberger, ledig am Helmwirtgut, zu

Ehrendorf,

Wolf Kottmayr, am Kirchgatterergut zu Ehrendorf, mit

ihren Hausleuten.

Mathias Kottmayr, am Hanslmichlgut zu Ehrendorf mit

ihren Hausleuten

Sie geben den Kirchfahrten nach Maria Ohlsdorf ein

Ärgernis, weil sie diese verhöhnen und ausspotten.

Franz Reiter, am Loderbauerngut zu Unternathal, nennt

sich „altapostolisch“

Adam Puchinger, am Petergut zu Irresberg, hat einem

kranken lutherischen Mann einen Gulden gegeben, damit

er lutherisch verbleibend leben und sterben wollte.

(2.XI.1753)

Zusammenkünfte werden gehalten :

Bei Schneiderbauer zu Oberthalham

Zu Aichlham

Zu Obernathal, bei Schindlauer (21.X.1752)

137


Ferner:

Bei Thomas Hofer, am Pangerlgut zur großen Reith,

Wolf Reitter, am Hofergut zu Aurachkirchen,

Mathias Hofer, am Weniggut zur großen Reith

Wolf Födinger, am Gallergut zu Ehrendorf

Bei der Hanslmichlin zu Ehrendorf im Kirchgatterischen

Haus, man hört sie auf die Gassen hinaus.

Bei der alten Födingerin zu Ehrendorf, die alte Vettel

gibt einen Predikanten ab, sie hat auch einige große

Bücher.

Bei Pangerl zu Reith,

bei Gallern zu Traich, dort haben sie neulich bis 1h früh

gesungen.

Bei Sebastian Stiegler in der Bergpoint, kommen einige

zusammen und sagen, sie wollen nur „Toback trinken,“

das ist aber nicht nur eine „Tobackbruderschaft“ sondern

eine gefährliche Zusammenkunft.

Ferner:

Bei Söllner zu Traich

138


Bei Haubner zu Obernathal

Bei Gruber zu Traich

Abgenommene Bücher:

In Ohlstorf bei Barbara Staucherin, Pöllin in Ohlstorf

12, wurden zwei lutherisch und ein katholisches Buch

abgenommen.

Bei Katharina Plankin, Grubergut hat man drei

lutherische Bücher entdeckt.

Bei Andreas Oberndorfer, Schuster zu Traich, drei

kathol. Bücher, die nicht unterschrieben waren.

Bei Barbara Ebnerin, Witwe am Födinger gut, zu

Ehrendorf, 2 Kathol. Bücher und ein lutherisches.

Bei Georg Resch zu Ehrendorf, ein lutherisches Buch.

Die alte Pöllin soll noch einige Bücher versteckt haben.

Der Sippenschuster soll ein Verschlögl gemacht und im

Mist versteckt haben.

Am 29.VIII. berichtet der Missionär, dass er ungefähr

50 lutherische Bücher abgenommen hat. Darunter waren

verschiedene, luther. Gesangs und Betbücher,

139


Spangenberger von verschiedenem Format, einige luth.

Catechismi und Lehrbüchl. Bei den meisten war der

Anfang und das Ende herausgerissen.

P.Eugenius bekam ( 8:I.1753) zwei Bücher in die Hand,

und zwar, die Hauspostill des Martin Luther in zwei

Editionen, eine No 1535, die andere 1575. Es besteht

aber ein so großer Unterschied, zwischen diesen beiden,

dass man kaum ersehen kann, dass sie vom selben Autor

sind.

Dem Adam Puchinger zu Irresberg wurden

abgenommen: Eine Hauspostille von Spangenberg, dem

Hans Gall, auf dem Gallengut zu Traich, Hauspostille

von Mrtin Luther de anno 1574, Sendbrief, Wasserquell,

ein Gesangsbuch v. Georgio Supili.

Beim Strohschneider beim Gallen zu Traich, namens

Schobesberger ein „Habermann“. (10.Dez.1752)

Am 2.VIII.1753 wird von der Abnahme folgender

Bücher berichtet:

1.) Neuvermehrte Schriftstellen durch Andreas Unglantl,

Prediger bey St. Lorenz, gedruckt anno 1711 zu

Niernberg.

2.) Geistliche Psalmen, Hymni und Lieder, vermehrt und

verbessert durch Martin Luther.

3.) Geistliches Handbüchlerin, vor die Reisenden,

wiederumb geschrieben v. Martin Luther.

140


4.) Neuvermehrter Sendbrief durch Josef Schaistberger,

gedruckt zu Niernberg.

5.) Betbüchlein mit dem Kalender und Passional von M.

Luther.

Bekehrungen:

Nach dem Kommunikantenbericht von Ohlstorf haben

1772 die hl. Kommunion in der österl. Zeit empfangen,

331 aber nicht. Zu Ostern sind über 100 Irrgläubige

wieder zur Kirche zurückgekehrt, doch sind nachher wieder

55 zum Irrglauben zurückgefallen. (23.VI.1752)

Folgende Bekehrungen werden namentlich angeführt:

(29.VIII.1752)

Michael Forstinger, Schmied zu Ehrendorf,

Mathias Peißkamer, Weber zu Reith, mit seinem

Stiefsohn Wolf Enser.

Weiters:

Georg Pöll am Holzbauernhäusl zu Aichham mit seinem

Weib (16. VIII.!752).

141


Vier haben beim Missionär zu Ohlstorf das

Glaubensbekenntnis abgelegt und 8 beim Stadtpfarrer in

der St.Anna Kapelle. (31.XII.1752)

Ferner:

Balthasar Stiegler im Häusl zu Ehrenfeld, sein Weib

Katharina und seine Tochter Maria.

Catharina Schaumbergerin, auf Perg zu Unterthalham,

Hans Holzleithner, Bauer am Niedermayergut zu

Hildprechting, sein Weib Rosina, seine Tochter

Katherina.

Es werden noch 11 Personen angeführt, die demnächst

das Glaubensbekenntnis ablegen werden. (4.V.1752)

Manche sind nach der Bekehrung wieder rückfällig

geworden, so zum Beispiel Paul Preisinger im

Steinlackerhäusl zu Ehrendorf und sein Weib Sabina.

Martin Geal, ledigen Standes, Dienstknecht zu Traich

am Gallengut.

Sebastian Stügler, Bergpointner, dessen Weib Sophia

und dessen Stiefsohn Hans Georg Pachmayr.

Acht haben am 4.IX.1753 bei Franz Kögl das

Glaubensbekenntnis abgelegt. 4.IX.1753

142


Der P. Eugenius scheint ein energischer Mann zu sein.

Er berichtet, dass er ein halbes Hundert Bücher mit...

(oder auch mit) Gewalt abgenommen, er hat selbst die

Truhen aufgemacht und visitiert. Er sieht nicht ein,

warum er es nicht tun soll, bittet aber um „Weisung“

(19.IX.1752).

Er wünscht, dass die Irrgläubigen von den weltlichen

Herrschaften gezwungen werden, zu parieren.

Er aber klagt: Der weltliche Arm leistet wenig oder gar

keine Assistanz. Es hat auch die Katholischen wenig

geärgert, dass man diejenigen, die hinweggeschickt

worden waren, singend und jubelnd hat durch die Stadt

gefahren lassen .(21.X.1752)

Bei den Kinderlehren waren anfänglich manchmal nur 20

bis 30 erschienen, schließlich besuchten ungefähr 200 die

Kinderlehren. Einige kamen dabei auch aus anderen

Pfarren. Der Missionär schreibt sie jedes Mal auf und

fragt sie aus, das trägt viel zum zahlreichen Besuch bei.

52 Kinder aber erschienen nie. Auf Befragen sagen die

Eltern: „ Was sollen wir sie schicken! Sie sind wie wir,

sie brauchen eure Lehre nicht!“

143


Die Glaubensbewegung im Großen:

Nach einer Spezifikation haben sich im Jahre 1752

freiwillig als irrgläubig erklärt:

Weggeschickte 1752

40 Häuser unter Traunkirchen...............139 Personen,

100

16 Häuser unter Puchheim......................67

30

9 Häuser unter Ebenzweyer..................39

10

7 Häuser unter Ort................................29

5

4 Häuser unter Wagrain..........................8

3

3 Häuser u. Pfarrhof Vöcklabruck........14

--

2 Häuser u. Pfarrhof Altmünster...........15

14

144


1 Haus unter Vicedom............................6

--

1 Haus unter Würting.............................4

4

1 Haus unter Spital Gmunden................8

8

1 Haus unter Gotteshaus Ohlstorf..........2

-

____________________________________

331

174

In der Universaltabelle für den Gmundner

Missionsdistrikt werden am 10. September 1753 aus

Ohlstorf noch 111 Irrlehrige angegeben.

In Aurachkirchen gab es noch 23 Irrlehrige, zusammen

also 134. Am 6. September 1753 wurden 49 Personen

zur Translosierung abgeschickt. 18 bekehrten sich zur

kath. Kirche, blieben also noch 67 Irrlehrige zurück.

Am 2. November 1753 berichten die Missionäre, dass in

Ohlstorf noch 15 hartnäckige Familien seien, und einige

Einzelpersonen.

145


Ohlstorf Schluß

Als der Pater den Sturmknecht zur Rede stellte, wegen

der Zusammenkünfte, sagte dieser: „Wir müssen ja auch,

weil wir in keine Kirche gehen, untereinander singen und

beten, sonst lebten wir ja gar wie das liebe Vieh.“

Er sagte auch: „Pater ihr wisst nicht einmal, wie viel wir

sind, es lassen sich die wenigsten noch sehen, wenn alle

das Glaubensbekenntnis ablegen und schwören müssten,

dann würdet ihr es sehen.“

Die Katholiken getrauen sich kaum noch zum Gnadenbild

MARIA Ohlstorf zu gehen. Und wenn sie auch öfter

einen anderen Weg gehen, befinden sich diese auf ihren

Feldern, und stoßen grausame Worte gegen die

Herausgehenden hervor.

Die Missionare sehen auch eine Gefahr für den rechten

Glauben in den Dienstboten, die aus fremden Pfarreien

kommen. Umgekehrt besteht eine große Gefahr für kathol.

Dienstboten, wenn sie bei luther. Dienstgebern sind. So

berichtet Pater Eugenius (19.IX.1752): Arme

Katholiken sind angewiesen ihre Kinder zu Irrgläubigen

in den Dienst zu geben. In vier bis fünf Wochen wollen

sie schon nichts mehr von ihren Eltern wissen und können

nicht mehr zurecht gebracht werden.

146


Es werden in Ohlstorf Tänze aufgeführt, die für die

christliche Sitte sehr schädlich sind. Um die kaiserlichen

Dekrete kümmern sich die Herrschaften, besonders aber

auch der Wirt in Ohlstorf nicht. Die Mädchen und die

Dirnen tanen mit 11 oder 12 jährigen Buben frei und

ohne Scheu und tragen sie mehr herum, als dass sie

tanzen. Die Hartnäckigen richten schon ihren Hausrat

zusammen, und gehen lieber fort, als dass sie sich zur

kathol. Kirche bekehren. (2.XI.1753)

Es werden auf einer Liste der Irrgläubigen aus dem

Jahre 1572 am Schluß vier Peronen erwähnt, denen die

geweihte Erde versagt wurde:

1) Am 22. März Elisabeth Felleitnerin, Pflegerin am

Pflegergut zu Ehrendorf, in dessen Hausgarten bei den

Kasten und der Lacken begraben.

2) Am 3. Juli ist Sabina Haßlbergerin, junge

Schneiderbäuerin zu Oberthalham gestorben, und gegen

die Holzhäusl begraben worden.

3) Am 3. September ist Wolf Reither am Hofergut zu

Aurachkirchen gestorben und ist auch in dem

Leitenwinkel begraben.

4) Am 9. September ist Hans Hofer, Auszügler am

Wenigergut zu Großreith gestorben und im Kleegarten

begraben worden.

___________________________________

147


148

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