alla breve - Sommersemester 2012

towo62

Magazin der Hochschule für Musik Saar

allaBREVE

Magazin der Hochschule für Musik Saar

Nr. 33 Sommersemester

2012


Klaviere & Flügel

Holz- & Blechblasinstrumente

Noten

Musikfachliteratur

CDs - Klassik & Jazz

Sämtliches Zubehör

Musikschule

Meisterwerkstätten

NEU

SR-Shop: Tickets – Bücher – CDs

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Sommersemester 2012

Editorial

Sehr verehrte Leserinnen und Leser der alla breve!

frisch im Amt des Rektors der hfm Saar ist es mir eine große Freude, Ihnen

gemeinsam mit dem gesamten Redaktionsteam die nunmehr 33. Ausgabe unseres

Hochschulmagazins alla breve zu präsentieren. Seit der Gründung im Jahr 1996

durch Prof. Thomas Krämer informiert alla breve umfassend und ansprechend über

das vielschichtige und kreative Leben unserer Musikhochschule.

Anlässlich der feierlichen Amtsübergabe Ende März hatte ich die Gelegenheit,

meinem Amtsvorgänger Prof. Thomas Duis im Namen aller Mitglieder der hfm

Saar für seine erfolgreiche und mit großem Engagement geleistete Arbeit zum

Wohle unserer Hochschule zu danken.

Neue Herausforderungen stehen nun ins Haus. Beispielhaft seien genannt:

• die Konzeption eines längerfristig angelegten Hochschulentwicklungsplanes

• die Evaluation unseres Lehrangebots

• die Ausgestaltung der Promotionsordnung

• die Verbesserung der vertraglichen Situation für unsere Lehrbeauftragten

• die Optimierung des gesamten Lehr-, Lern- und Arbeitsumfeldes

Ich freue mich darauf, im konstruktiven Dialog mit den Kolleginnen und Kollegen

unseres hervorragenden Lehrkörpers, mit unseren begabten und motivierten

Studierenden und mit unseren engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der

Verwaltung gemeinsam das Profil der hfm Saar zu schärfen. Unsere Hochschule

wird sich auch in Zukunft als verlässlicher Partner und kreativer Impulsgeber aktiv

am gesellschaftlichen Prozess beteiligen.

Einer der Höhepunkte der Konzertsaison des Sommersemesters ist die 5. hfm-

Woche der Kammermusik, die unsere Hochschule in Zusammenarbeit mit dem

Saarländischen Rundfunk veranstaltet. Lehrende und Studierende der hfm haben

für Sie ein hochkarätiges Konzertprogramm mit Werken von Johannes Brahms und

Arnold Schönberg zusammengestellt. Begleitet wird die Konzertreihe von einer

Gemälde-Ausstellung zur Musik Schönbergs in der Galerie Besch.

Es freut mich darüber hinaus sehr, dass Wolfgang Rihm, einer der bedeutendsten

deutschen Komponisten der Gegenwart, der Einladung von Prof. Theo Brandmüller

gefolgt ist und am 18. Mai unser Lehrangebot mit einem Meisterkurs

bereichern wird. Am gleichen Abend wird von unserer Hochschule ein Konzert zu

Ehren des Komponisten veranstaltet, der in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag feiert.

Die ganze Vielfalt unserer Konzert- und Veranstaltungsangebote finden Sie wieder

in unserem detaillierten Programmflyer, der diesem Heft beiliegt.

Den festlichen Abschluss des Studienjahres bildet wie gewohnt das Promenadenkonzert

im Juli. Es bietet den Mitgliedern unserer Vereinigung der Freunde und

Förderer traditionell nicht nur einen wunderbaren Konzertabend, sondern auch die

Möglichkeit, sich im Anschluss an den Musikgenuss in gemütlicher Atmosphäre

auszutauschen.

Mein ausdrücklicher Dank gilt neben unserer Vereinigung der Freunde und

Förderer auch allen Stiftungen, Verbänden, Unternehmen und Privatpersonen, die

mit ihrer tatkräftigen Unterstützung ihre Verbundenheit mit der hfm Saar auf

besondere Weise zum Ausdruck bringen.

Ich wünsche Ihnen viel Kurzweil bei der Lektüre von alla breve und freue

mich auf viele persönliche Begegnungen mit Ihnen im Verlauf unserer nächsten

Konzertsaison!

Herzlich

Ihr

Prof. Wolfgang Mayer

Rektor der Hochschule für Musik Saar

3


eurodata GmbH & Co. KG | Großblittersdorfer Str. 257 - 259 | D-66119 Saarbrücken | Telefon +49 681 88 08 - 0 | www.eurodata.de | info@eurodata.de


Sommersemester 2012

Inhalt

Auftakt

Neuer Rektor der hfm Saar: Prof. Wolfgang Mayer 6

Musik = das Andere: Zum 60. Geburtstag von Wolfgang Rihm 8

Mega-Star im Reich der Mitte 9


Veranstaltungen

Hochschule für Musik Saar 12

Saarländisches Staatstheater 17

Deutsche Radiophilharmonie 18

FuF

Grußwort des Vorsitzenden Werner Severin 20

Mit ganzem Einsatz für gesunde FuF-Finanzen 21

FuF-Konzerte Sommersemester 2012 22

Studium

Forschendes Lernen in der Musiklehrerbildung 24

Mehr als Feten und Freizeitprogramm: Der AStA der hfm Saar 26

Kompetenznetzwerk für Qualitäts management und Lehrentwicklung 27

Grenzenlos studieren: Das erasmus-Programm an der hfm Saar 28

Campus

Aus den Klassen 30

Namen & Nachrichten 32

Panorama

Jubiläum: Das ljo wird 30 34

Dreizehn Neujahrskonzerte im Reich der Mitte 35

Walter Glößner: Der Mann im Hintergrund 35

Optimale Licht- und Audiotechnik: Sanierter Sendesaal des sr 36

Maler, Philosoph und Weltenbummler: Zum Tod von Georg Cadora 37

Publikationen 38

Essay

Kritisches Stichwort: Inspiration 42

Claude Debussy: Ahnherr der Neuen Musik 44

IMPRESSUM

allaBREVE Magazin der Hochschule für Musik Saar Herausgeber/V.i.S.d.P.: Prof. Wolfgang Mayer,

Rektor der Hochschule für Musik Saar, Bismarckstraße 1, 66111 Saarbrücken, T 0681/967310, F 0681/9673130,

www.hfm.saarland.de Redaktion: Thomas Wolter, t.wolter@hfm.saarland.de, Redaktionelle Mitarbeit: Anna

Katharina Harz Gestaltung: Ludmilla Schmidt, info@ludmilla-schmidt.de Auflage: 2.000 allaBREVE

erscheint zweimal jährlich zu Semesterbeginn Druck: Fischer Druck Saarbrücken Titelbild: Nikola Dimitrov

© Texte und Fotos falls nicht anders angegeben: Hochschule für Musik Saar

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Auftakt

allaBREVE

»Verlässlicher Partner und kreativer Impulsgeber«

Prof. Wolfgang Mayer: Der neue Rektor der Hochschule für Musik Saar

Amtsübergabe in der HFM:

Prof. Wolfgang Mayer,

Kulturminister Stephan Toscani,

Prof. Thomas Duis (v. l. n. r.)

Im Beisein zahlreicher Ehrengäste aus Politik, Kultur und

Gesellschaft fand am 30. März 2012 die feierliche Amtsübergabe

zwischen Prof. Thomas Duis und Prof. Wolfgang Mayer

statt. Der akademische Festakt wurde von Lehrenden und

Studierenden der Hochschule für Musik Saar mit einem

bunten Programm aus Jazz und Klassik musikalisch umrahmt.

Kulturminister Stephan Toscani dankte in seinem Grußwort

dem scheidenden Rektor Prof. Duis für die Verdienste

seiner Amtszeit: »Sie haben in verantwortlicher Position die

Entwicklung der Hochschule maßgeblich mitgeprägt und

die Modernisierung der Einrichtung vorangebracht.« An den

neuen Rektor, Prof. Mayer, gewandt, sagte der Kulturminister:

»Ihre Wahl erfolgte mit überwältigender Mehrheit, ein Beleg

für die große Anerkennung, die Ihnen von Seiten Ihrer

Kolleginnen und Kollegen zuteil geworden ist. Sie dürfen

dies auch als Zeichen, als einen Vertrauensbeweis werten, der

Sie bei der Bewältigung der vor Ihnen liegenden Aufgaben

beflügeln wird.«

Des Weiteren sprachen der Präsident der Universität

des Saarlandes und Vorsitzende der Saarländischen

Rektorenkonferenz, Prof. Dr. Volker Linneweber, der Leiter

des Musikwissenschaftlichen Instituts der Universität des

Saarlandes, Prof. Dr. Rainer Kleinertz sowie die AStA-

Vorsitzende Ania Konieczny und Benedict Guntermann für

die hfm-Studierendenschaft. Zu seinem Abschied dankte

Prof. Thomas Duis allen Institutionen und Personen, die ihn

während seines Rektorats unterstützt haben. Seinem Nachfolger

wünschte er viel Glück und Erfolg für seine Arbeit an

der Spitze der Hochschule. In seiner Antrittsrede skizzierte

der neue hfm-Rektor Prof. Wolfgang Mayer grundsätzliche

Überlegungen zur Gestaltung seiner Amtszeit. Lesen Sie

nun in Auszügen die wichtigsten Passagen aus der Rede von

Prof. Mayer:

Zum Verständnis der Amtsführung

»Unsere Hochschule verfügt sowohl im künstlerischen als

auch im künstlerisch-pädagogischen Bereich über ein hervorragendes

Lehrpersonal. Die Lehrenden garantieren die hohe

Qualität in der Ausbildung und sind Aushängeschild unserer

Hochschule und damit ein zentraler Grund für junge Menschen,

hier zu studieren. Diese Studierenden kommen gerne

zu uns, aus rund 40 Ländern dieser Erde, und sie erfreuen

uns und unser Publikum mit ihrer Persönlichkeit, ihrer

Begabung und ihrer Leistung. Zusammen mit den motivierten

Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung bilden

Lehrkörper - Studierende - Verwaltung die Seiten eines gleichseitigen

Dreiecks und sind zusammen die Hochschule für

Musik. Mein Amtsverständnis besteht darin, als primus inter

pares innerhalb und zwischen diesen Gruppen dahingehend

zu moderieren, dass jeder Einzelne, der als Spezialist zunächst

auf sein originäres Fachgebiet fokussiert ist, leichter die

Zusammenhänge des Ganzen wahrnehmen kann und im

Sinne eines Ganzen denkt und handelt.«

Leitlinien: Kontinuität und Gestaltungskraft

»Mit jeder Person, die ein Amt übernimmt, verbinden sich

Erwartungen, Hoffnungen, vielleicht auch Skepsis. Eine

Amtsübergabe bedeutet nicht, dass sich das Amt und seine

gesetzlich verankerten Aufgaben verändern. Ein Amt ist

zunächst immer getrennt zu sehen von der Person, die es

inne hat. Gleichzeitig aber gibt ein Amt seinem Inhaber auch

Möglichkeiten, individuelle Akzente zu setzen. Für mich

stehen dabei zwei Begriffe im Vordergrund: Kontinuität und

Gestaltungskraft. Beide Aspekte bilden keinen Gegensatz,

sondern ergänzen sich gegenseitig, denn eine Institution wie

die einer künstlerisch und künstlerisch-pädagogisch ausgerichteten

Hochschule sollte sich mit einer klar erkennbaren

Leitlinie als verlässlicher Partner zeigen und als kreativer

Impulsgeber innerhalb einer sich im stetigen Wandel befindlichen

Gesellschaft eindeutige Positionen beziehen.«

Nähe zu Frankreich

»Wir blicken mit Stolz auf eine fast 65-jährige Hochschulgeschichte

zurück. Im Jahr 1947 konnten kluge und kreative

Köpfe mit Unterstützung der damaligen französischen Verwaltung

das ehrgeizige Vorhaben umsetzen, in Saarbrücken

6


Sommersemester 2012

Auftakt

Fotos Dirk Guldner

eine Hochschule nach dem Vorbild des Pariser Conservatoire

Superieure de musique zu gründen. Aus dem Conservatoire de

Sarrebruck ging im Verlauf einer ereignisreichen Geschichte

die heutige Hochschule für Musik Saar hervor. Die große

Nähe unserer Hochschule zu unseren französischen Nachbarn

ist also nicht nur geographischer Natur, sondern besteht

sozusagen von ‚Geburt’ an. Diese besondere, freundschaftliche

Verbindung möchte ich gerne weiter pflegen und

intensivieren.«

Kernaufgaben der Hochschule

»Zwei Kernaufgaben der Hochschule stehen für mich im

Vordergrund:

1. Die inhaltliche Ausrichtung: wir sind eine Hochschule,

mittlerweile im Rang einer Universität gleichgestellt, die

mit einem mit hervorragenden Lehrkräften auf höchstem

Niveau künstlerische, künstlerisch-pädagogische und wissenschaftliche

Qualität in der Lehre anbietet mit dem Ziel,

Studierende optimal für das Berufsleben auszubilden. Kürzer

formuliert: wir wollen die bestmögliche Ausbildung für

unsere Studierenden.

2. Die strategische Ausrichtung: wir benötigen, um die

bestmögliche Ausbildung der Studierenden zu erhalten,

eine längerfristig angelegte Hochschulentwicklungsplanung,

effiziente Verwaltungsstrukturen, die Pflege der politischen

und kulturellen Verankerung in der Gesellschaft und finanzielle

Planungssicherheit.

Unsere Hochschule ist in diesen Punkten gut aufgestellt.

Der Blick in die Geschichte zeigt uns aber auch den

steten Wandlungsprozess, dem eine Hochschule inhaltlich,

hochschul- und gesellschaftspolitisch unterliegt. Es gilt

daher, wachsam zu sein und zukünftige Weichenstellungen

immer klug, mit eigenen inhaltlichen Visionen und starken

Konzepten zu gestalten.«

Kooperationen

»Das Musikhochschulgesetz betont mit Recht die Wichtigkeit

und Bedeutung von Kooperationen zwischen der hfm Saar

und weiteren Partnern. Unterstreichen möchte ich dabei

die traditionell gewachsenen und erfolgreichen Kooperationen

mit dem Saarländischen Staatstheater, dem Saarländischen

Rundfunk und der Universität des Saarlandes. Ich freue mich

darüber sehr auf die Fortsetzung des Gedankenaustauschs, wie

wir unsere Kooperationen weiter stärken und wenn möglich

noch ausbauen können.

Ebenso am Herzen liegt mir eine intensive Zusammenarbeit

mit der Hochschule der Bildenden Künste Saar,

wo schon allein aus künstlerischer und künstlerischpädagogischer

Sicht ein hohes Potenzial an Möglichkeiten für

eine Kooperation vorgegeben ist. Natürlich gilt es auch unsere

Zusammenarbeit mit weiteren Hochschulen, kommunalen

und staatlichen Institutionen bis hin zum Austausch mit

der freien Szene zu pflegen und bei Bedarf zu intensivieren.

Besonders erwähnen möchte ich mein Bemühen um Ausbau

internationaler Kooperationen insbesondere im europäischen

Kontext. Die geographische und historische Nähe zu Frankreich

habe ich bereits betont. Nicht weniger am Herzen liegen

mir die Kooperationen mit unseren Partnern in Luxemburg

und Belgien. Beispielhaft genannt sei die bereits bestehende

»Coopération Musical de la Grand Region«. Mit der cmgr

sind wir im Verbund mit den Conservatoires de Musique in

Diekirch-Ettelbruck, Esch-sur-Alzette, Liège, Luxembourg,

Metz und Nancy und Teil eines hervorragenden Projektes.«

Schlusswort

»Es ist mir eine persönliche Ehre und Freude die Leitung

der Hochschule für Musik Saar zu übernehmen. Ich freue

mich darauf, die damit verbundenen Aufgaben federführend

und verantwortlich zusammen mit den Mitgliedern des

Senats, den Mitgliedern der beiden Fachbereiche – geleitet

durch die beiden kürzlich gewählten Dekane Prof. Kristin

Merscher und Prof. Manfred Dings –, mit den Vertreterinnen

und Vertretern der Studierenden, der Verwaltung und

insbesondere in enger Zusammenarbeit mit dem bisherigen

und neuen Prorektor, meinem sehr geschätzten Kollegen

Prof. Jörg Nonnweiler, wahrzunehmen.«

7


Auftakt

allaBREVE

Wolfgang Rihm Foto: Bernhard Schmitt

Prof. Dr. Jörg Abbing

Musik = das Andere

Zum 60. Geburtstag von Wolfgang Rihm

»Heute blüht ein Traditions-

Umgang, der die Tradition

nur umgeht, von ihr das

Vestiment leiht und die

Gestalt – auch als Körper –

verschmäht.«

Wolfgang Rihm

Der 60. Geburtstag des

Komponisten Wolfgang

Rihm gibt reichlich Gelegenheit,

über die Situation

der zeitgenössischen

Musik im alltäglichen

Musikleben nachzudenken.

Angesichts der Tatsache,

dass uns mit Rihm

einer der erfolgreichsten Komponisten seiner Generation

in Deutschland begegnet, verwundert es, dass er nun nicht

zu denjenigen Musikschöpfern gehört, die sich im Bereich

epigonaler Kompositionstechniken Gehör in der breiten

Öffentlichkeit verschaffen. Vielmehr besteht das Credo dieses

Künstlers – der mit den Termini der neueren Kompositionsgeschichte

nur schwer zu beschreiben ist – aus einer subtilen

Mischung von Intellektualität und Expressivität.

Das bedeutet, dass sich seine Authentizität stets aus einem

Ringen mit dem Subjekt, dem Topos – sei es eine literarische,

eine dramatische oder gar eine bildnerische Vorlage (wie

etwa die Ungemalten Bilder von Emil Nolde) – ergibt.

Rihm reüssierte bereits früh in großen Formen: Sein Orchesterwerk

Sub-Kontur (1974/75) beispielsweise wurde 1976 bei

den Donaueschinger Musiktagen uraufgeführt, die Kammeroper

Jakob Lenz (1977/78) nur drei Jahre später in der Opera

Stabile der Hamburger Staatsoper. Für einen komponierenden

Menschen Mitte Zwanzig sind das beachtliche Erfolge.

Mittlerweile gehört er nicht nur zu den gefragtesten,

sondern auch produktivsten deutschen Komponisten. Allein:

Es ist nur die Spitze des gedachten Komponisten-Eisbergs,

die aus dem Wasser in die Luft der Musiköffentlichkeit herausragt.

Die meisten der täglich entstehenden Kompositions-

Derivate bleiben ungehört bzw. erklingen in intim besuchten

Kompositionsabenden der Musikhochschulen und verklingen

dann leider oft für immer.

Demnach diffundiert durch die Grenze zwischen den

Komponisten moderner Musik und dem Rest der (Musik-)

Welt nur wenig; belegbar über die Besuchszahlen der Konzerte,

die Einschaltquoten bei Rundfunksendungen, die

sich dieser Musikrichtung verpflichtet fühlen und die Anzahl

der Studierenden dieser Disziplin an den Konservatorien.

Und doch findet sie statt, die moderne Musik – die sich

schon in ihrer Ontologie immer mehr abzugrenzen bereit ist:

Neue Musik, der Klang der Avant-Garde, das Unerhörte

bzw. das Ungehörte; dann auch Aktuelle Musik oder Moderne

Musik als akustisches Pendant zur Modernen Kunst, die

vom umstrittenen Kunstkritiker Hans Sedlmayr bereits 1948

u. a. wegen ihrer fehlenden Neigung zur geordneten Symmetrie

geschmäht wurde. Sie findet statt, führt jedoch ein

eher hermetisch abgeriegeltes Kunstleben in der Kommunität

verständiger Menschen, die bereit sind, sich die klanglichen

Ergebnisse der mutigen Komponistinnen und Komponisten

der Gegenwart im Kampf mit dem Problem des Postmodernismus

anzuhören.

Die Begriffsvielfalt der letzten Sätze wird nur eher

mühsam voneinander abzugrenzen sein, aber zur thematischen

Positionierung dieses Artikels sei eine kleine Anekdote

erzählt, die mir tatsächlich nach einem Konzert mit Musik

von John Rutter (oder war es Karl Jenkins?) passierte:

Eine Frau kam freudestrahlend zu mir und sagte »Ich wusste

gar nicht, dass moderne Musik so schön klingen kann!

Wenn es mehr von solcher Musik geben würde, würde ich mir

viel häufiger moderne Musik anhören.«

Dass die in unserer Dekade entstandene und entstehende

E-Musik – und schon wieder haben wir eine diffuse Kategorisierung

gestreift – nicht automatisch Moderne Musik (man

beachte die andere Schreibweise) ist, möchte man der Dame

ganz ohne Polemik oder gar Herablassung zurufen, denn diese

Reaktion ist nahezu symptomatisch für das Konzertleben

unserer Zeit, welches dem Konzertbesucher nur die Happen

hinhält, die er auch ohne Kauen noch verschlingen kann.

In keiner anderen Disziplin wird der Bildungsauftrag

deutlicher, den wir Kunstschaffenden wahrnehmen sollen, als

im Bereich der Modernen Musik. In diesem Zusammenhang

sei an das hervorragende Kinderkonzert mit Musik von

Mauricio Kagel in der hfm erinnert, was von allen Beteiligten

in verdienstvoller Kleinarbeit pädagogisch vorbereitet und

zugeschnitten wurde.

Natürlich sind einige der Kagelschen Themen – also

beispielsweise die Dada-Kunst oder der Surrealismus –

wesentlich Kind-kompatibler als Rihms musikalische Auseinandersetzung

mit dem oft digressivem Sprachphänomen

eines Jean Paul, mit den philosophischen Ambivalenzen

Friedrich Nietzsches oder der Theaterästhetik von Antonin

Artaud; aber um Kulturgeschichte in das außerschulische

Bildungsprogramm einzubringen, darf man Dinge vereinfacht

darstellen – zumal für Kinder.

Denken wir nun an das Konzertpublikum, so stellen

sich die Fragen ganz von selbst: Ist die Musik Rihms,

die – insofern sie nicht absolut ist – auch vom Zuhörer eine

Auseinandersetzung mit ihrem Thema verlangt, überhaupt

für eine derartige Popularität gedacht? Ist sie vorbehaltslos

zu rezipieren? Sucht der Komponist im Gespräch über sein

Werk den Diskurs nur mit einem ebenfalls kompetenten

Redepartner? Oder pocht die Musik ganz besonders stark

an die kulturethische Verpflichtung des Menschen, sich

zu bilden und neugierig aller Kunst zu begegnen?

Ein Glück: Wolfgang Rihm kommt bald an die hfm

und wird zwei Tage lang Interpretationen betreuen, die dann

in einem Konzert in der Stiftskirche St. Arnual erklingen

werden – und er wird am 18. Mai 2012 sicherlich unsere

Fragen beantworten, wenn wir sie denn stellen.

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Sommersemester 2012

Auftakt

Kann sich im Ruhestand wieder mehr seiner

umfangreichen Bibliothek widmen: Max Pommer

Mega-Star

im Reich der Mitte

Max Pommers ehemaliger Schüler

Zhang Yi zählt zu den bedeutendsten

Dirigenten Chinas

Im Kamin prasselt

ein munteres Feuer, auf

dem Tisch steht ein

edler Tropfen neben

bibliophilen Ausgaben

philosophischer

Schriften. »Endlich

kann ich der Angst

begegnen, meine

Bücher nicht gelesen

zu haben!«, sagt ein

selbstironischer älterer

Herr mit der ganzen

Souveränität eines

Menschen, der auf ein

langes erfülltes Leben

zurückblicken kann.

Sechs Enkel zählen mittlerweile zur großen Familienschar

von Max Pommer, wie der frühere Dirigier-Professor der hfm

nicht ohne Stolz berichtet. Weit größer jedoch ist die Anzahl

der ehemaligen künstlerischen Zöglinge, mit denen der vitale

76-Jährige noch immer einen regen Austausch pflegt.

Einer der begabtesten von ihnen ist Zhang Yi. »Der ruft

auch schon mal an Weihnachten an, wenn er einen fachlichen

Rat braucht«, merkt Pommer schmunzelnd an. Er verzeiht

dem Asiaten großzügig die Unkenntnis des westlichen

Kalendariums, denn der Absolvent seiner Klasse ist mittlerweile

zu einem der führenden Dirigenten Chinas aufgestiegen.

Im gigantischen National Centre for the Performing Arts

in Peking leitet Zhang Yi das Nationale Ballett-Orchester

Chinas und ist nebenbei auch noch stellvertretender

Intendant der Ballett-Sparte innerhalb dieses Kunstpalastes

in Ei-Form mit seinen 12 000 Quadratmeter Fläche und 5 500

Zuschauer-Plätzen. Ende letzten Jahres bedankte sich der

Ex-Student bei seinem Lehrer für die intensive dreijährige

Ausbildung und lud ihn zu einem Gast-Dirigat an das

Mega-Konzerthaus, das mittlerweile auch schon Pult-Größen

wie Sir Simon Rattle und Valery Gergiev zu seinen regelmäßigen

Gästen zählt. Damit nicht genug: Im August dieses

Jahres wird sich Pommer erneut auf die Reise nach Peking

machen und mit dem Nationalen Ballettorchester Chinas ein

Repertoire mit Bach, Mozart und Beethoven aufführen. Auch

bei diesem Konzert wird Zhang Yi seinem früheren Meister

wieder hilfreich zur Hand gehen und mit den eingerichteten

Stimmen die Vorproben leiten. Und auch bei diesem

Aufenthalt darf sich der Ehrengast aus Saarbrücken wieder

auf eine überwältigende Gastfreundschaft und eine fürstliche

Rundumversorgung einstellen.

Pommer, der in der Vergangenheit schon mehrfach an

verschiedenen Orten in Japan und China dirigierte, ist

überaus fasziniert von der rasanten Entwicklung der

asiatischen Länder im Bereich der klassischen Musik.

Besonders die Chinesen »sind auf einem sehr guten Weg«,

meint der ehemalige hfm-Professor. »Die haben einen

enormen Nachholbedarf. Aber mit ihren tollen Konzertsälen

und der stetig steigenden Qualität der Orchester können sie

sich allmählich mit europäischen Spitzen-Standards messen.«

Zhang Yi (vorne rechts) mit dem

Chinesischen Nationalballett

Im Gegensatz zu Japan besitzt die westliche Musik in China

keine lange Tradition. Während der Kulturrevolution als

»formalistisch« und »bourgeois« verpönt, ist sie erst vor ein

paar Jahrzehnten salonfähig geworden und konnte sich neben

der traditionellen chinesischen Musik als feste Größe etablieren.

Hochtalentierte und in Europa bestens ausgebildete

Künstlerpersönlichkeiten wie Zhang Yi sollen nun, ganz im

Sinne der Staatsführung, Chinas Klassik-Szene nach und

nach in die Oberliga führen.

Der neue Superstar am chinesischen Dirigentenhimmel

erweist sich indessen auch als treue Seele und erkundigt

sich bei Pommer immer wieder nach dem Werdegang seiner

früheren Kommilitonen. So konnte er beispielsweise mit

Freude vernehmen, dass seine frühere Mit-Studentin Theresia

Renelt mittlerweile zur Studienleiterin an der Staatsoper

Köln aufgestiegen ist und dass sein alter Kumpel Liviu Petcu

als Solorepetitor und Kapellmeister beim Orchester des

Staatstheaters am Gärtnerplatz in München gelandet ist. Ein

weiterer ehemaliger Pommer-Klassenkamerad, der hfm-

Lehrbeauftragte Jonathan Kaell, hat sich mit vielen, teils

innovativen Projekten in der Region einen Namen gemacht

und unlängst auch die Leitung des Homburger Kammersinfonieorchesters

übernommen.

Etwas früher als die Generation von Zhang Yi ist auch

der Saarländer Alexander Mayer aus Pommers Pult-Schmiede

hervorgegangen. Er konnte jüngst seinen Vertrag als Musikdirektor

des Ensemble Symphonique Neuchâtel (Schweiz)

verlängern. »Ich habe mich immer für die außergewöhnlichen

Schüler interessiert«, sagte Pommer zum Geheimnis seines

Lehr-Erfolges, »Persönlichkeiten mit hochfliegenden

Visionen, die ich behutsam auf den Boden des Machbaren

zurückgeführt habe.«

Thomas Wolter

9


Veranstaltungen

allaBREVE

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Sommersemester 2012

Veranstaltungen

Foto Dirk Guldner

11


Veranstaltungen

allaBREVE

»Brahms, der Fortschrittliche«

5. HFM-Woche der Kammermusik widmet sich

Johannes Brahms und Arnold Schönberg

Johannes Brahms

Arnold Schönberg

Die 5. Woche der Kammermusik an der Hochschule für Musik Saar

vom 13. –17. Juni 2012, gestaltet von Professoren und Studierenden

der HFM, widmet sich der Musik zweier Komponisten, die sich

nie begegnet sind, obwohl sich ihre Lebensdaten um immerhin

24 Jahre überschneiden: Johannes Brahms und Arnold Schönberg.

Die Begeisterung für Brahms rührt belegbar aus jungen

Jahren Schönbergs und manifestiert sich kompositorisch

beispielsweise in der 1939 erstellten Orchestrierung des

Klavierquartetts in g-moll op. 25. In einigen aufschluss reichen

Texten, vor allem in dem Artikel von 1947 »Brahms der

Fortschrittliche«, entstanden aus einem Beitrag Schönbergs

für den Rundfunk aus dem Jahr 1933, zeigt sich der jüngere der

beiden Komponisten auch in seinen späteren Jahren

noch immer als glühender Verehrer des älteren. Vergleichsweise

dynamisch verlief Schönbergs erst im Jahre 1913

erwachte Begeisterung für Gustav Mahler, wie er sie 1913 nach

der Uraufführung von Mahlers vierter Symphonie geradezu

überschwänglich notiert »Ich glaube fest und unerschütterlich

daran, dass Gustav Mahler einer der größten Menschen

und Künstler war.« Den ersten drei Symphonien Mahlers war

er noch mit Spott und Unverständnis begegnet.

In welchen Diskurs sich Schönberg mit seinem Artikel

über Brahms begibt, wird deutlich, wenn man die Gegenpositionen

vergleicht, – etwa diejenige des Musikwissenschaftlers

Alfred Einstein, der in einem Text über Liszt und Brahms

beide Komponisten (in diesem Fall in Hinblick auf Wagner)

kontrastierend positioniert: »Brahms: sich der Vorbildlichkeit

der Vergangenheit immer mehr bewusst werdend und immer

weiter in sie zurückgreifend; Liszt der Rhapsode; Brahms,

der Anhänger gegebener fester Form von Anfang bis zum

Ende.« Im weiteren Verlauf der Ausführungen über Brahms

diagnostiziert Einstein dem Werk des Komponisten immer

deutlicher die Lenkrichtung in die stilistische Sackgasse –

er liest dessen Musik als die einer nachempfundenen Klassik,

allerdings mit der Verbindlichkeit »neuer Gefühle«.

Mit diesen teilweise unbelegten Thesen zeichnet Einstein

mitverantwortlich für manches bis ins 20. Jahrhundert

dauernde Klischee über Brahms und seine Musik. Obwohl

Schönbergs Text früher datiert, könnte er auch als Gegenposition

zu Einstein gelesen werden. So erklärt er in Hinblick

auf ungradtaktige Phrasen bei Brahms: »Es ist wichtig, sich

klarzumachen, dass Brahms, ohne auf Schönheit und Gefühl

zu verzichten, zu einem Zeitpunkt, als alle an ‚Ausdruck‘

glaubten, sich auf einem Gebiet als fortschrittlich erwies, dass

seit einem halben Jahrhundert brach gelegen hatte«. Auch

Wilhelm Furtwängler sieht bei Brahms – vor allem in seinem

Alterswerk – die Tendenz zur »Schlichtheit in der Empfindung«

und meint damit wohl nichts anderes, als dass dieser

Komponist sich bestimmte Affekte absparte, um seiner Musik

12


Sommersemester 2012

Veranstaltungen

das Gewand einer vergangenen Zeit anzuziehen.

An diesem Punkte verbinden sich die Kompositionen Brahms’

und Schönbergs auch im Programm: Dessen frühes Streichsextett

»Verklärte Nacht« beispielsweise entstand nur zwei

Jahre nach dem Tod von Johannes Brahms und zeigt inner halb

der jugendlich-hypernervösen und spannungsreichen Faktur

doch in jedem Takt die enge Verbundenheit mit dem alten

Brahms; mit der Idee der »entwickelnden Variation«, mit

den bereits erwähnten ungradtaktigen Phrasenkonstruktionen.

Im Zentrum dieser Woche der Kammermusik stehen

verschiedene repräsentative Werke zweier Komponisten,

die sich jeweils auf der anderen Seite einer imaginären

Trennliniezwischen Romantik und Moderne befinden. Man

könnte Brahms noch Reger und Schönberg noch Berg zur

Seite stellen und hätte die wichtigsten deutschsprachigen

Kammermusikkomponisten dieser ereignisreichen »Fin de

siècle« – Zeit versammelt.

Das Bindeglied zwischen den einzelnen von Professoren

und Studenten der hfm dargebrachten Werken ist die

Verbundenheit und Vertrautheit Schönbergs mit der Musik

Brahms‘ – in der aktuellen Diktion würde man eher von einer

Kompatibilität sprechen. Diese vermag den Zuhörer über

bestimmte stilistische Adaptionen zu erreichen, die man auch

in den später entstandenen, atonalen Werken Schönbergs

wieder finden kann – freilich nicht nach den Kriterien der

Harmonielehre. (Prof. Dr. Jörg Abbing)

Konzert-Programm (Änderungen vorbehalten)

Mi 13. Juni, 18 Uhr (FuF-Konzert*)

Johannes Brahms

p Sonate für Klarinette und Klavier Es-dur op. 120/2

p Zwei Gesänge op. 91 für Altstimme, Viola und Klavier

p Ausgewählte Lieder

p Klarinettenquintett h-moll op. 115

Arnold Schönberg

p »Verklärte Nacht« für Streichsextett op. 4

Rosemarie Bühler-Fey, Mario Blaumer, Johannes M. Gmeinder,

Jone Kaliunaite, Tatevik Mokatsian, Lena Neudauer, Benjamin

Rivinius, Matthias Wierig und Studierende der HFM

Do 14. Juni, 18 Uhr

Johannes Brahms

p Klaviertrio c-moll op. 101

p Streichsextett G-dur op. 36

p Podiumsgespräch: Prof. Dr. Stefan Litwin (hfm)

und die Galeristin Ingeborg Besch über »Pierrot Lunaire«

Arnold Schönberg

p »Pierrot Lunaire« für Sprechstimme und Instrumentalensemble

op. 21

Mario Blaumer, Hans-Peter Hofmann, Jone Kaliunaite, Stefan

Litwin, Tatevik Mokatsian, Lena Neudauer,

Gustav Rivinius und Studierende der HFM

Fr 15. Juni, 18 Uhr

Johannes Brahms

p Klavierquartett c-moll op. 60

p Horntrio Es-dur op. 40

p Klavierquintett f-moll op. 34

Arnold Schönberg

p Streichquartett D-dur (1897)

Mario Blaumer, Hans-Peter Hofmann, Jone Kaliunaite, Kristin

Merscher, Gustav Rivinius, Et Arsis-Quartett und Studierende

der HFM

Sa 16. Juni, 18 Uhr

Johannes Brahms

p Sonate für Klavier und Violine d-moll op. 108

p Sonate für Klavier und Violoncello F-dur op. 99

p Serenade für 14 Instrumente Nr. 2 A-dur op. 16

Arnold Schönberg

p Kammersymphonie op. 9 in der Fassung für Klavierquintett

von Anton Webern

Grigor Asmaryan, Stephane Egeling, Johannes M. Gmeinder,

Wolfgang Harrer, Ainis Kasperavicius, Gaby Pas-Van Riet,

Ludwig Rast, Guilhaume Santana und Studierende der HFM

So 17. Juni. 11 Uhr

Johannes Brahms

p Sonate für Klavier und Violine A-dur op. 100

p Klarinettentrio a-moll op. 114

p Klaviertrio C-dur op. 87

p Klaviertrio H-dur op. 8

Arnold Schönberg

p Fantasie für Violine und Klavier op. 47

Studierende der HFM

Eintrittspreise: 6 € /3 € (ermäßigt) pro Konzert

Für HFM-Studierende ist der Eintritt bei allen Konzerten frei

* FuF-Konzert: für Mitglieder des Fördervereins frei

Ausstellung »Pierrot Lunaire«

Der saarländische Künstler Nikola Dimitrov hat zu der

Musik von Arnold Schönberg und den Gedichten von Albert

Giraud den Bilder-Zyklus »Pierrot Lunaire« geschaffen.

Im Rahmen der Kammermusik-Woche wird der Zyklus

nebst weiteren Bildtransformationen zur Musik Schönbergs

von Nikola Dimitrov vom 7. bis 22. Juni 2012 in der Galerie

Besch (Bismarckstr. 6, 66111 Saarbrücken) ausgestellt. Die

Ausstellung ist in der Kammermusikwoche vor den Abend-

Konzerten ab 16.30 Uhr geöffnet. Weitere Informationen und

sonstige Öffnungszeiten: www.galeriebesch.de.

13


Veranstaltungen

allaBREVE

Grooven, hinhören, mitmachen

Das HFM JazzFest zeigt die ganze Vielfalt aktueller und improvisierter Musik

Das Thomas Siffling-Trio

Ulla Oster

(red). Hausgemachte Musik, renommierte Gast-Stars und Mut

zum Experiment: Das hfm JazzFest wird am Fr 15. Juni 2012,

von 18 Uhr bis tief in die Nacht im Welt kulturerbe Völklinger

Hütte eine beeindruckende Vielfalt von unterschiedlichsten

Varianten des Jazz und der Improvisierten Musik präsentieren.

Die Jazzer der Hochschule für Musik Saar möchten in den

Hallen der ehemaligen Industrieanlage einmal mehr zeigen,

dass Jazz eine lebendige, vielfältige, von Innovation und

Kreativität geprägte Musik ist.

Auf vier Bühnen können Jazz-Begeisterte an diesem

Abend erleben, was sich innerhalb des Hauses und draußen

in der deutschen Szene in Sachen Jazz und Aktueller Musik

ereignet. Viele hfm-Combos und das hfm Jazz Orchestra

(als Gast: Saxophonist Wollie Kaiser) hat die hfm-Jazzabteilung

für das Festival ausgesucht, welche die Originalität

und Vitalität einer der großen Kreativschulen der Großregion

beweisen.

Das ist lange noch nicht alles: der Trompeter Thomas

Siffling (Träger des Jazzpreis des Landes Baden Württemberg

und Dozent der hfm-Jazz Abteilung) wird mit seiner Acoustic

& Electronic Groove Music die Jazzfans zum Relaxen,

Grooven, Hinhören und Mitwippen einladen. Im weiteren

Verlauf des Abends stellt dann der Kölner Pianist Georg

Ruby (Leiter der hfm Jazz-Abteilung) zusammen mit dem

renommierten luxemburgischen Bassklarinettisten Michel

Pilz allen Freunden der spontan improvisierten Musik sein

brandneues Programm »Deuxième Bureau« vor (die gleichlautende

cd-Produktion des Duos wurde vom New York City

Jazz Record zum Album des Jahres 2011 gewählt). Und nicht

zuletzt kommt mit der international geschätzten Bassistin

Ulla Oster eine Musikerin zu uns, die dem Festival ihren ganz

eigenen Stempel aufdrücken wird.

Da Jazz-Festivals nicht nur vom Reiz der Hauptbühnen

leben, sondern auch von den Aktionen in den Zwischenräumen

der Genres, in der Zone der kleinen, sehr speziellen

Formate, wird das hfm JazzFest auch Raum bieten für musikalische

Grenzgänge zwischen Stilen und Konzepten. Das

Stichwort heißt hier »Experiment«: Versuchsanord nungen für

Ausgefallenes, Performances und auch Installationen zwischen

Musik, Klängen, Licht und Bild.

Weitere Informationen unter: www.hfm.saarland.de.

14


Sommersemester 2012

Veranstaltungen

»Hörprobe«

mit Deutschlandradio Kultur

Am Di 8. Mai 2012, 20 Uhr, ist Deutschlandradio Kultur mit

der Reihe »Hörprobe« wieder zu Gast in der Hochschule

für Musik Saar. Deutschlandradio Kultur bietet mit der

»Hörprobe« Studierenden aller bundesdeutschen Musikhochschulen

ein deutschlandweites Radiopodium. Hier sind

die Stars von morgen zu erleben. Hier können erste Live-

Erfahrungen vor einem großen Radio-Publikum gesammelt

werden. Die Kunst steht dabei natürlich im Mittelpunkt,

doch interessieren in dieser moderierten Konzertreihe ebenso

aktuelle bildungspolitische Themen und Entwicklungen.

Es musizieren verschiedene Ensembles der hfm; Gesprächspartner

sind neben Vertretern der Hochschulleitung auch

Lehrkräfte und Studierende des Hauses.

Alte Musik zu Christi Himmelfahrt

Das traditionelle hfm-Konzert zu Christi Himmelfahrt am

Do 17. Mai, um 17 Uhr in der Siftskirche St. Arnual gestalten

die Klassen von Mechthild Blaumer, Lutz Gillmann und

Thomas Kügler. Aufgeführt werden Werke von Buxtehude,

Vivaldi, Telemann und anderen. Der Eintritt ist frei

(Kollekte).

Konzert zu Ehren von Wolfgang Rihm

Anlässlich des 60. Geburtstages von Wolfgang Rihm veranstaltet

das Institut für Neue Musik am Freitag, den 18. Mai,

19.30 Uhr in der Stiftskirche St. Arnual ein Konzert zu Ehren

des Komponisten, der bei der Veranstaltung anwesend sein

wird. Es spielen Lehrende und Studierende der Hochschule.

Das Konzert wird vom Saarländischen Rundfunk

mitgeschnitten.

J.A.M.-Sessions auf

der Jazz-Bühne »HFM: Der Club«

Jeden ersten und dritten Donnerstag im Monat veranstalten

die Studierenden der Jazz-Studiengänge in ihrer Spielstätte

»hfm: Der Club« im Saarbrücker Cusanushaus eine Jam-

Sessions. Der Eintritt ist frei.

Adresse: Saaruferstraße 12, 66111 Saarbrücken.

Kooperation für Musik

in der Grossregion (CMGR)

Die CMGR tanzt Tango

Arbeitsphase 2012 mit Musik aus Südamerika

Das Junge Orchester der Großregion 2011 in Völklingen

(red). Nach dem großen Erfolg der Konzerttournee 2011,

die unter dem Motto Jazz meets Classic Jazzklassiker und

bedeutende Werke der Filmmusik präsentierte, setzt das

Junge Orchester der Großregion auch in diesem Jahr wieder

auf Vielfalt. Ausrichter der zweiwöchigen Arbeitsphase vom

28. Oktober bis 7. November 2012 ist das Conservatoire Royal

de Liège (Lüttich). Für die Leitung des Orchesters konnte

der junge argentinische Dirigent Leonardo García Alarcón

gewonnen werden, der sich besonders mit seinen Interpretationen

lateinamerikanischer Barockmusik und italienischer

Opern des 17. Jahrhunderts einen Namen gemacht hat.

Das Konzertprogramm wird voraussichtlich neben einem

klassischen Teil einen deutlichen Akzent auf Musik südamerikanischer

Herkunft setzen. Fest stehen schon die

Konzert-Termine:

2. November 2012, 20 Uhr Liège, Salle Philharmonique

3. November 2012, 20 Uhr Nancy, Salle Poirel

4. November 2012, 17 Uhr Saarbrücken, Funkhaus Halberg

6. November 2012, 20 Uhr Luxembourg, Conservatoire

7. November 2012, 20 Uhr Metz, Arsenal

Die Kooperation für Musik in der Großregion (cmgr) ist

ein Zusammenschluss der Hochschule für Musik Saar

mit den Konservatorien Metz, Nancy, Luxemburg-Stadt,

Esch-sur-Alzette, Diekirch-Ettelbruck und dem Conservatoire

Royal von Lüttich. Mit seinem Jungen Orchester

ermöglicht die cmgr den begabtesten Studierenden der

beteiligten Institutionen, in einem internationalen Ambiente

professionelle Orchester-Erfahrung zu gewinnen.

Anmelde-Flyer für hfm-Studierende werden in den

ersten Semesterwochen in der Hochschule ausgelegt. Anmeldeschluss

für die Teilnahme am Orchester ist der 25. Juni 2012.

Weitere Infos

Nadine Brettar, cmgr Geschäftsstelle/Secrétariat permanent

c /o Hochschule für Musik Saar, Bismarckstr. 1, D-66111 Saarbrücken

(0681)96731-45, n.brettar@hfm.saarland.de, www.cmgr.eu

15


Veranstaltungen

allaBREVE

Saarbrücker Kammerkonzerte

Das Hindemith-Quintett

mit HFM-Professor

Johannes Gmeinder (links)]

So 15. April 2012, 11 Uhr HFM-Konzertsaal

Matinée

Trio Bamberg

Robert Benz, Klavier

Jewgeni Schuk, Violine

Alexander Hülshoff, Violoncello

Werke von Hans Werner Henze, Camille Saint-Saëns/

Franz Liszt und Ludwig van Beethoven

Fr 18. Mai 2012, 19 Uhr HFM-Konzertsaal

Hindemith-Quintett (Bläserquintett)

Werke von Antonín Dvorák, Pavel Haas, Josef B. Foerster

und Leos Janácek

Fr 22. Juni 2012, 19 Uhr HFM-Konzertsaal

Duo Parthenon

Christine Rauh, Violoncello

Johannes Nies, Klavier

Werke von Ludwig van Beethoven, Max Reger,

Johann Sebastian Bach, Ignaz Moscheles und

Felix Mendelssohn-Bartholdy

16


Saarländisches Staatstheater

Veranstaltungen

Opernpremieren

Konzerte

2

7. Sinfoniekonzert

Werke von Beethoven und Bruckner

6. Mai 2012, 11 Uhr/7. Mai 2012, 20 Uhr Congresshalle

Solist: Igor Levit, Klavier

Leitung: Toshiyuki Kamioka

1

Die Eroberung von Mexico

Oper von Wolfgang Rihm zum 60. Geburtstag

des Komponisten in der Reihe ›echtzeit‹

Premiere am 21. April 2012 Staatstheater

Musikalische Leitung: Thomas Peuschel

Inszenierung: Inga Levant

Bei Wolfgang Rihms »Eroberung von Mexico« aus dem

Jahr 1992 steht im Zentrum der musikalischen Aktion

ein historisches Ereignis: die Begegnung des spanischen

Conquistadoren Cortez und des Aztekenfürsten Montezuma.

Auf dem Spielplan bis zum 22.05.12

8. Sinfoniekonzert

Werke von Bernstein, Hensel und Ravel

24. Juni 2012, 11 Uhr/25. Juni 2012, 20 Uhr Congresshalle

Solist: Lothar Hensel, Bandoneón

Leitung: Toshiyuki Kamioka

Jubiläumskonzert

100 Jahre Saarländisches Staatsorchester

Werke von Brahms und Schubert

14. Juni 2012, 20 Uhr Congresshalle

Solist: Christian Tetzlaff, Violine

Leitung: Toshiyuki Kamioka

Eugen Onegin

Oper von Peter I. Tschaikowsky

Premiere am 2. Juni 2012 Staatstheater

Musikalische Leitung: Andreas Wolf

Inszenierung: Immo Karaman

Tschaikowsky vertonte auf virtuose Weise eine

Erzählung von Alexander Puschkin über tragisch

verspieltes Lebensglück.

Auf dem Spielplan bis zum 1. Juli 2012

1 Richard Wagners letzte Oper »Parsifal«, inszeniert von Sebastian

Welker und unter musikalischer Leitung von Toshiyuki Kamioka.

Hier: Hans-Georg Priese (Parsifal), Birgit Beckherrn (Kundry) und

Olafur Sigurdarson (Klingsor)

2 Vincenzo Bellinis Oper »Romeo und Julia« als konzertante

Aufführung. Hier: Olafur Sigurdarson (Lorenzo), Tereza Andrasi

(Romeo), Elizabeth Wiles (Julia), Jevgenij Taruntsov (Tebaldo),

Hiroshi Matsui (Capellio), Saarländisches Staatsorchester unter

Leitung von Thomas Peuschel

17


Deutsche Radio Philharmonie

allaBREVE

Besondere musikalische Momente

mit der Deutschen Radio Philharmonie

DRP-Chefdirigent Karel Mark Chichon

Festkonzert mit Mahlers

»Aufersteh ungssinfonie«

zur Heilig-Rock-Wallfahrt

Das monumentale Festkonzert der drp anlässlich der

Heilig-Rock-Wallfahrt 2012 am 5. Mai in der Trier Arena ist

eine Veranstaltung des Bistums Trier und gleichzeitig der

fulminante Auftakt zum Kultursommer Rheinland-Pfalz. 350

Sängerinnen und Sänger Trierer Chöre interpretieren zusammen

mit der Sopranistin Sibylla Rubens und der Mezzosopranistin

Lioba Braun unter der Leitung von Fabrice Bollon

Gustav Mahlers 2. Sinfonie, die mit dem beeindruckenden

Glaubensbekenntnis schließt: »Auferstehen! Ja, auferstehen

wirst du!«.

Mit Chefdirigent Karel Mark Chichon

in Metz und Saarbrücken

Chefdirigent Karel Mark Chichon hat die argentinische Ausnahmepianistin

und Gewinnerin des Gilmore Artist Award

Ingrid Fliter mit Beethovens 3. Klavierkonzert für Aufführungen

am 18. und 20. Mai in Metz und Saarbrücken eingeladen.

Mit Talent, Charisma und internationaler Erfahrung wird sie

dem vielgespielten Konzert eine ganz persönliche Deutung

verleihen. Außerdem auf dem Programm: Die Ballettsuite

»Romeo und Julia« von Sergej Prokofjew.

»Indianer« – Schülerund

Familienkonzerte

HFM-Student Xiaoliang Zhou (rechts) mit

Mitgliedern der Deutschen Radio Philharmonie

Rund 1500 Schüler erwartet die drp Ende Mai im Großen

Sendesaal auf dem Halberg. »Indianer« ist das Thema der vier

allesamt schon ausgebuchten Schülerkonzerte. Indianer wie

Karl May sie geschaffen hat, Indianer wie sie sich ein Komponist

aus der tschechischen Provinz vorstellt und Indianer aus

Fleisch und Blut, musikalisch zum Leben erweckt von dem

amerikanischen Komponisten Kerry Turner, in dessen eigenen

Adern indianisches Blut fließt.

In seinem spektakulären Tongedicht beschreibt er ein

historisches Ereignis: Französische Siedler landen mit ihren

Schiffen an der mexikanischen Küste und errichten ein Fort

auf dem Gebiet der Karankawa-Indianer. Die Siedler werden

umzingelt, ein mörderischer Kampf beginnt … Illustriert

wird die Musik mit selbstgemalten Bildern von Schülern.

Karten gibt es noch für die beiden moderierten Familienkonzerte

am 3. Juni unter der Leitung des jungen koreanischen

Dirigenten Adriel Kim.

18


Sommersemester 2012

Deutsche Radio Philharmonie

Juni 2012 – Zeit zum Erkunden neuer

sinfonischer Klangwelten

Ganz im Kosmos der Neuen Musik bewegen sich zwei

Konzerte der Deutschen Radio Philharmonie im Juni: Am

8. Juni sind im Großen Sendesaal auf dem Halberg neben

Wolfgang Rihms »Concerto« drei Uraufführungen zu

erlauschen, darunter auch das Auftragswerk an den Gewinner

des »Kompositionspreis Saarbrücker Komponistenwerkstatt

2011« Xiaoliang Zhou. Der Schüler von Theo Brandmüller

überzeugte vor einem Jahr mit einer elegant orchestrierten

dreisätzigen Symphonischen Dichtung, »ein ideenreiches,

intellektuell sorgsam durchgeknetetes Meisterstück«, wie

die Saarbrücker Zeitung schrieb, das Lust auf mehr machte.

Auch die Matinée am 17. Juni in der Saarbrücker Congresshalle

steht ganz im Zeichen der Neuen Musik. Unter

dem Dirigat von Peter Ruszicka ist die von ihm verfasste

Hölderlin-Symphonie zu hören sowie die 5. Sinfonie von

George Enescu – beide Werke in Deutscher Erstaufführung.

Fulminanter Saisonabschluss

mit Elina Garanca

Elina Garanca

Peter Ruszicka

»In Carmen geht es um Sinnlichkeit«, sagt Elina Garanca

zu ihrer Paraderolle. Um die Symbiose aus Sinnlichkeit und

Romantik perfekt zu machen, baut sie bei den Sommerkonzerten

der Deutschen Radio Philharmonie am 3. Juli

in Ingolstadt und am 7. Juli im Open Air »Losheim am See«

auf Chefdirigent Karel Mark Chichon, mit dem sie mehr

als »nur« professionelle Zusammenarbeit verbindet. In

großen Arien von Tschaikowsky, Saint-Saëns und Gounod

zeigt Elina Garanca ihr vielfältiges Repertoire und ihr

Jahrhundert-Talent.

Kostenlose Studententickets

gibt es für alle DRP-Konzerte

in Saarbrücken

www.deutscheradiophilharmonie.de

19


FuF

allaBREVE

Grußwort des Vorsitzenden der FuF

Werner Severin

Liebe Freunde und Förderer der Hochschule für Musik Saar,

liebe Leser, liebe Leserinnen der alla breve,

bald nach seiner Wahl in den Vorstand unserer Vereinigung

in der letzten Mitgliederversammlung erreichte uns die

freudige Nachricht, dass Prof. Wolfgang Mayer zum neuen

Rektor der Hochschule für Musik Saar gewählt wurde. Wir

haben uns darüber sehr gefreut und ihm im Namen unserer

Mitglieder herzlich gratuliert.

Künftig wird Prof. Mayer die wichtigste Bezugsperson für

unsere Arbeit sein. Wir sind sicher, dass wir mit ihm genauso

eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten werden wie mit

seinem Vorgänger, Prof. Thomas Duis, der uns immer ein

engagierter und kreativer Partner und Ideengeber war. Er hat

unserer Arbeit immer eine hohe Wertschätzung entgegengebracht

und uns dabei nie überfordert. Unvergessen bleibt

sein hoher persönlicher Einsatz für unser Jubiläumskonzert

in 2009 mit seinem begeisternden Solo-Auftritt.

Anstelle von Prof. Mayer werden wir in unserer nächsten

Mitgliederversammlung einen anderen Repräsentanten

des Lehrkörpers der hfm zur Zuwahl in unseren Vorstand

vorschlagen, denn bei der Diskussion und der Entscheidung

über Fördermaßnahmen ist neben der Außensicht der

Freunde und Förderer die zusätzliche Innensicht aus dem

Lehrkörper oft hilfreich. Dies hat sich auch in der letzten

Vorstandssitzung gezeigt, in der Prof. Mayer und Prof. Duis

über dramatische finanzielle Notlagen einzelner Studenten

berichtet haben. Diese Schilderungen haben den Vorstand

veranlasst, ab diesem Jahr dem Rektor € 1 000 p. a. für persönliche

Notsituationen von Studenten zur Verfügung zu stellen.

Neben der traditionellen Förderung besonderer Aktivitäten

und Anschaffungen der hfm wollen wir künftig aber auch

stärker als in der Vergangenheit besonders begabte Studenten

auszeichnen und unterstützen. Erfreulicherweise ist die

finanzielle Basis unserer Vereinigung unverändert stabil. Dafür

haben wir immer wieder unseren zahlreichen, oft langjährigen

Mitgliedern für ihre stetigen Beitragszahlungen und die

Spenden bereitschaft im Einzelfall zu danken.

Wir freuen uns auch künftig über Ihr Interesse an der

hfm und dem Besuch unserer FuF-Konzerte.

Es grüßt Sie herzlich

Werner Severin

Vorsitzender des Vorstandes

der Vereinigung der Freunde und Förderer

der Hochschule für Musik Saar e. V.

20


Sommersemester 2012

FuF

Mit ganzem Einsatz für gesunde FuF-Finanzen

Jochen Born

Jochen Born: Der 2. Vorsitzende und Schatzmeister

der Freundesvereinigung

Es sind nicht selten persönliche Begegnungen, die den Weg

in den Kreis unserer Freundesvereinigung bahnen. Ein solches

Schlüsselerlebnis hatte auch Jochen Born, der 2. Vorsitzende

und Schatzmeister der FuF. Am Rande eines Festaktes

zum Walter Gieseking-Wettbewerb lernte der Banker einige

Professoren unseres Hauses kennen. »Das war ein ganz

anderer Menschenschlag als ich ihn vom nüchternen Bank-

Geschäft kannte. Ich war fasziniert von der Spontaneität

und kreativen Unbekümmertheit der hfm-Musiker.«

Die Faszination des Finanzmannes für das Wirken unserer

Musikhochschule wurde geweckt und mündete schließlich

in seiner Mitgliedschaft im Vorstand der Freundesvereinigung.

Als »Vize« und Schatzmeister der FuF verwaltet Born das

Vereinsvermögen mit einem beachtlichen Beitragsaufkommen

von zirka 25.000 Euro jährlich und ist mit seinem ganzen

betriebswirtschaftlichen Knowhow ein Garant für tadellose,

transparente Buchführung.

Es ist die Liebe zur Musik, die den leidenschaftlichen

Konzertbesucher, der viele Jahre in leitender Position für die

SaarLB tätig war, stets aufs Neue für sein Ehrenamt beflügelt:

»Die Musik spiegelt die ganze Bandbreite des Lebens

wieder, die ganze Gefühlspalette des Menschen von heiterem

Optimismus bis zu nachdenklicher Melancholie. Musik kann

heilende Kraft sein und Ausdruck für den Sinn des Lebens«.

Schon als Jugendlicher hat ihn die Gefühlstiefe der klassischen

Musik, insbesondere die der Sinfonien Beethovens,

nachhaltig beeindruckt. Neben einer gehörigen Portion

Selbstironie schwingt auch ein bisschen Bedauern mit, wenn

der verhinderte aktive Musiker über sich sagt: »Innerhalb

der FuF kann ich eine gute Sache unterstützen, für die ich

selber nicht begabt bin.«

Als passionierter Wanderer begeistert sich der 60-Jährige

nicht nur für musikalische Höhepunkte, sondern auch für

die Höhenzüge des heimatlichen Bliesgaus und weiter

entferntere Trekking-Routen. Für die Zukunft der Freundesvereinigung

wünscht sich Jochen Born eine »kontinuierliche

Weiterentwicklung und weiterhin viele gute Konzerte, die

alle Altersgruppen ansprechen.« Er freut sich auch schon sehr

auf die Zusammenarbeit mit dem neuen Rektor, um in einer

»ruhigen und vertrauensvollen Arbeits-Atmosphäre sinnvolle

und nachhaltige Fördermaßnahmen auf den Weg

zu bringen«.

Thomas Wolter

21


FuF

allaBREVE

FuF-Konzerte Sommersemester 2012

Mi 25. April 2012, 19 Uhr

Liederabend

Franz Schubert: »Die Winterreise«

Thilo Dahlmann, Gesang

Matthias Wierig, Klavier

Mi 16. Mai 2012, 19 Uhr

Kammermusik

Eduard Brunner, Klarinette

Jone Kaliunaite, Viola

Tatevik Mokatsian, Klavier

Werke von Mozart, Bruch, Reger und Stockhausen

Im Trio mit den hfm-Professorinnen Jone Kaliunaite (Viola)

und Tatevik Mokatsian (Klavier) gestaltet der weltbekannte

hfm-Emeritus Eduard Brunner (Klarinette) diesen Kammermusik-Abend

für die Freunde und Förderer der Hochschule.

Das Ensemble interpretiert Werke von Mozart, Bruch, Reger

und Stockhausen.

Der berühmte Liederzyklus, »Die Winterreise« besteht aus

24 Liedern für Singstimme und Klavier. Franz Schubert hat

den Zyklus im Herbst 1827 vollendet. Die Texte stammen

von Wilhelm Müller (1794– 1827). Müller kam aus Dessau

und verkehrte im schwäbischen Dichterkreis um Ludwig

Uhland, Justinus Kerner, Wilhelm Hauff und Gustav Schwab.

Beeinflusst wurde er von den Romantikern Novalis, Clemens

Brentano und Achim von Arnim. Franz Schubert fühlte

sich von den Texten unmittelbar angesprochen und vertonte

sie im Todesjahr Wilhelm Müllers – ein Jahr vor seinem

eigenen Tod.

Neben seiner national wie international gefragten künstlerischen

Tätigkeit als Bariton ist Thilo Dahlmann Dozent für

Gesang an der Musikhochschule Köln, Standort Wuppertal.

Matthias Wierig wurde 2002 als Professor an die Hochschule

für Musik Saar berufen und leitet dort eine Klasse für

Liedgestaltung, aus der schon mehrfach Preisträger nationaler

und internationaler Wettbewerbe hervorgegangen sind.

Franz Schubert

Eduard Brunner wurde 1939 in Basel

geboren, studierte in seiner Heimatstadt

sowie bei Louis Cahuzac in

Paris. Bevor er an die Hochschule

für Musik Saar als Professor für

Klarinette und Kammermusik

berufen wurde, war er war viele Jahre 1. Soloklarinettist im

Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Rafael

Kubelik. Inzwischen unterrichtet er Kammermusik an den

Hochshulen in Karlsruhe und Madrid (Escuela Superior

de Musica Reina Sofia).

Seine Konzerttätigkeit umfasst seit über 50 Jahren

weltweite Verpflichtungen als Solist mit Orchester sowie

Kammermusikkonzerte.

Brunner setzt sich intensiv für zeitgenössische Musik ein,

indem er an führende Komponisten Aufträge erteilt, für

ihn zu schreiben. Dank seiner Initiative sind bedeutende

Kompositionen der modernen Klarinettenliteratur entstanden.

Eduard Brunner hat über 250 Werke der Solo- und Kammermusikliteratur

für Klarinette bei verschiedenen Labels

aufgenommen.

22


Sommersemester 2012

FuF

Mi 13. Juni 2012, 18 Uhr

Kammermusik

Werke von Johannes Brahms und Arnold Schönberg

Fr 13. Juli 2012, 19 Uhr

Promenadenkonzert

Operngala

Das Hochschulorchester und Studierende der HFM-Gesangsklassen

Künstlerische Leitung Gesang: Yaron Windmüller

Gesamtleitung: Toshiyuki Kamioka

Das traditionelle Promenadenkonzert am Ende des Sommersemesters

lädt alle Freunde und Förderer der hfm zum

festlichen Ausklang des Studienjahres. In diesem Jahr haben

die Gesangsklassen und das Orchester der hfm für ihr Publikum

eine spritzige Operngala zusammengestellt. Nach dem

Konzert unter der Leitung von Yaron Windmüller (Gesang)

und Toshiyuki Kamioka (Gesamtleitung) findet im Atrium der

Hochschule wie gewohnt eine kleine Abschlussfeier statt.

Arnold Schönberg im Selbstportrait

Dieses Konzert für die Freunde und Förderer der Hochschule

findet innerhalb der 5. hfm-Woche der Kammermusik statt

(s. Rubrik »Veranstaltungen«.) Aufgeführt werden Instrumental-

und Gesangswerke von Johannes Brahms sowie »Verklärte

Nacht« für Streichsextett von Arnold Schönberg.

Es musizieren: Rosemarie Bühler-Fey, Mario Blaumer, Johannes

Gmeinder, Jone Kaliunaite, Tatevik Mokatsian, Lena Neudauer,

Benjamin Rivinius, Matthias Wierig und Studierende der HFM.

23


Studium

allaBREVE

Prof. Dr. Christian Rolle

Forschendes Lernen in der Musiklehrerbildung

Beispiele aus der Lehre in den Schulmusik-Studiengängen an der Hochschule für Musik Saar

Ein Lehramtsstudium in einem künstlerischen Fach steht auf mehreren Säulen: Neben der künstlerischen Praxis und einer fundierten

fachwissenschaftlichen Ausbildung stehen die pädagogischen Anteile des Studiums.

»Bildung durch Wissenschaft« lautet die Idee, die auf Humboldts

Forderung nach der Einheit von Forschung und Lehre

zurück geht. Ein Hochschulstudium muss die Teilhabe an

Forschung ermöglichen. Im Sinne dieser Forderung wurden

seit den 1970er Jahren eine ganze Reihe von hochschuldidaktischen

Konzepten zum »Forschenden Lernen« entwickelt.1

Auch in der Lehrerbildung gibt es entsprechende Diskussionen.

Lehramtsstudierende sollen die Gelegenheit bekommen,

in überschaubaren Forschungsvorhaben eigenständig

Entdeckungen zu machen. Das müssen keine spektakulären

Neuigkeiten sein, die einen Fortschritt der Wissenschaft

bedeuten, nicht unbedingt; es geht um aussichtsreiche Formen

des Lernens.

Ein Lehramtsstudium in einem künstlerischen Fach steht

auf mehreren Säulen. Neben der künstlerischen Praxis und

einer fundierten fachwissenschaftlichen Ausbildung stehen die

pädagogischen Anteile des Studiums. Das Prinzip forschenden

Lernens kann auch die erste dieser Säulen betreffen. Die

aktive Teilhabe der Studierenden an Kunstpraxis kann dabei

die Form künstlerischer Forschung annehmen. Der Schwerpunkt

der folgenden Ausführungen liegt allerdings auf der

wissenschaftlichen Erforschung musikpädagogischer Praxis.

Lehre, die forschendes Lernen ermöglicht, gehört u. a. zu den

Aufgaben der Fachdidaktik an künstlerischen Hochschulen.

»Jeden Tag müssen Lehrerinnen und

Lehrer in komplexen Situationen Entscheidungen

treffen und verantworten.«

Seit mehreren Jahren orientieren sich die Lehramtsstudiengänge

in Deutschland stärker als zuvor am späteren Berufsfeld,

etwa durch die zusätzliche Einführung von Praxisphasen.

Doch die Lehrtätigkeit an Schulen ist kein Handwerk.

Wer unterrichten will, braucht (auch) wissenschaftliche

didaktische Kompetenz. Jeden Tag müssen Lehrerinnen und

Lehrer in komplexen Situationen Entscheidungen treffen

und verantworten. Sie sollten dafür jederzeit in der Lage sein,

in kritische Distanz zu gehen zu ihrem eigenen Handeln, zu

ihren Vorurteilen und ihrem gewohnten Blick auf Schule.

Wissensbasierte Reflexionsfähigkeit ist gefordert. Zu einer

Verbesserung des Schulmusikstudiums tragen Praktika und

Praxissemester nur dann bei, wenn sie durch wissenschaftliche

Veranstaltungen begleitet werden.

Studierende müssen die wissenschaftlichen

Anteile und die berufs-praktischen

Momente ihrer Ausbildung aufeinander

beziehen können.

Auf der anderen Seite reicht es nicht aus, den künftigen

Musiklehrern im Studium erziehungswissenschaftliche,

fachdidaktische und musikwissenschaftliche Kenntnisse auf

Vorrat zu vermitteln und zu hoffen, dass sie diese in ihrer

24


Sommersemester 2012

Studium

späteren Berufspraxis zur Anwendung bringen. So funktioniert

der Übergang von Theorie zur Praxis nicht. Damit

das im Studium erworbene wissenschaftliche Wissen später

tatsächlich nachhaltig (und nicht nur selektiv) wirksam werden

kann für die eigene musikpädagogische Tätigkeit, müssen

die Studierenden die wissenschaftlichen Anteile und die

berufs-praktischen Momente ihrer Ausbildung aufeinander

beziehen können. Nur so lassen sich tiefsitzende, verborgene

Überzeugungen verflüssigen und mit den neuen Kenntnissen

in Verbindung bringen. Das kann durch Forschendes Lernen

gelingen.

Den Zielen forschenden Lernens im Lehramtsstudium

entspricht der Wandel beruflicher Anforderungen. Wer

heutzutage an einer allgemein bildenden Schule unterrichtet,

ist aufgerufen, sich an Prozessen der Schul- und Unterrichtsentwicklung

zu beteiligen, und sollte in der Lage sein,

empirische Vergleichsstudien wie PISA kritisch zu rezipieren.

Grundlegende Voraussetzungen dafür müssen im Studium

geschaffen werden.

»Die Studierenden sollen in die Lage

versetzt werden, ihren Beitrag zur

Verbesserung von Schule zu leisten.«

Im forschenden Blick auf die musikpädagogische Praxis an

Schulen lernen die künftigen Schulmusiker mehr als das

Unterrichten. Sie lernen Wege und Methoden, Unterricht

kritisch zu beobachten und auszuwerten und daraus

Konsequenzen zu ziehen. Sie lernen, fremde Forschungen

besser zu verstehen und in ihrer Relevanz und Reichweite

einzuschätzen. Sie machen sich ihre oftmals unbewusst

wirkenden Alltagstheorien von Musikunterricht bewusst und

reflektieren die eigenen handlungsleitenden Prinzipien. Die

Studierenden sollen in die Lage versetzt werden, ihren Beitrag

zur Verbesserung von Schule zu leisten.

»Als fruchtbar hat sich in allen

Fällen die Arbeit im Team erwiesen.«

Forschendes Lernen soll Neugier wecken und Forschergeist.

Eine fragende, kritisch-reflexive Haltung soll erzeugt werden,

um langfristig Innovationsbereitschaft, Reformfähigkeit

und Weiterbildungskompetenz zu fördern. Durch welche

Aktivitäten im Studium das gelingen kann, soll im Folgenden

anhand einiger Beispiele aus der Lehre an der Hochschule für

Musik Saar erläutert werden. Als fruchtbar hat sich in allen

Fällen die Arbeit im Team erwiesen. Forschendes Lernen

bedeutet, dass sich die Beteiligten intensiv mit empirischen

Forschungsmethoden und relevanten Theorien beschäftigen

müssen und dass sie – oft über einen längeren Zeitraum – mit

viel Fleiß und Sorgfalt Daten erheben und auswerten.

Wenn Gruppen von Studierenden selbständig Fragestellungen

generieren und gemeinsam auf die Suche nach

Problemlösungen gehen, entsteht die dafür notwendige

Lernmotivation. Ganz entscheidend ist, die forschende

Vorgehensweise und die damit verbundenen Intentionen

explizit zu thematisieren und transparent zu machen. Erst

dadurch entsteht reflexive Teilhabe an Forschung.

»Mit fremden Ohren hören«

An der hfm Saar sind Momente forschenden Lernens in

mehreren aufeinander aufbauenden Stufen im Curriculum der

Lehramtsstudierenden verankert (an anderen Hochschulen

gibt es ähnliche Angebote).

1) Forschendes Lernen ist Teil des Praktikumskonzeptes,

das in Kooperation mit dem Zentrum für Lehrerbildung und

dem erziehungswissenschaftlichen Institut der Universität

des Saarlandes realisiert wird. Im Rahmen eines vierwöchigen

dem Musikunterricht gewidmeten Schulpraktikums, das in

der Mitte des Studiums stattfindet, erhalten die Schulmusiker

Arbeitsaufträge zur systematischen Beobachtung von fremdem

und eigenem Unterricht. Der Schwerpunkt liegt auf der

Analyse von Unterrichtsgesprächen, die aufgenommen und

zur Auswertung transkribiert werden müssen. In zwei begleitenden

Lehrveranstaltungen werden relevante qualitative

empirische Forschungsmethoden thematisiert und Ergebnisse

präsentiert.

2) Im anschließenden Studienjahr findet im Rahmen

von Hauptseminaren zu wechselnden musikpädagogischen

Fragestellungen ein kleines kollektives Forschungsprojekt

statt, das in individuellen Seminararbeiten fortgeführt wird.

In einer Veranstaltung, die in Kooperation mit Studierenden

aus Bremen und Köln durchgeführt wurde 2, entwickelten

die Teilnehmer einen Vergleichstest zur Leistungsmessung

im Fach Musik für 6.-Klässler verschiedener Schulen. In

einem späteren Seminar wurden Instrumente zur Lehrevaluation

für verschiedene Fächer des Musikstudiums entwickelt.

Wieder in hochschulübergreifender Perspektive, diesmal

in Absprache mit Schulmusikern der hmt Leipzig, führten

Studierende ein anderes Mal unter dem Titel »Mit fremden

Ohren hören« ein qualitatives (Selbst-) Experiment durch, das

der Frage nach dem inneren Zusammenhang von (jugend-)

kulturellen Ausdrucksformen mit dem zugehörigen Musikgeschmack

gewidmet war.3

Im Rahmen eines Hauptseminars zum Thema »Sprechen

über Musik« wurden unter verschiedenen Gesichtspunkten

Unterrichtsgespräche und schriftliche Dokumente von

Schülern analysiert und ausgewertet. In allen Fällen war das

empirisch forschende Lernen eingebettet in musikpädagogische

Theoriediskussionen und umrahmt von Angeboten

zur methodischen Schulung zum Beispiel zum Umgang mit

Software zur qualitativen Datenanalyse, zur Fragebogenkonstruktion

oder zur Interviewführung. Dort wo es um

schulischen Unterricht oder Hochschullehre ging, wurden

die Ergebnisse – so weit sie aussagekräftig waren – anschließend

den Betroffenen zur Verfügung gestellt.

3) Im Rahmen von wissenschaftlichen Abschlussarbeiten

finden individuelle Untersuchungen statt, die in vielen Fällen

an ein musikpädagogisches Hauptseminar anschließen und

eine Fragestellung vertiefen. Evaluationen, Interviewstudien,

Unterrichtsforschungen oder die Entwicklung von Tests,

die in gemeinsamer Arbeit im Seminar begonnen wurden,

werden fortgesetzt und entweder fokussiert oder ausgeweitet.

Bemerkens werte Ergebnisse werden innerhalb oder auch

außerhalb der Hochschule präsentiert.

25


Studium

allaBREVE

Forschende Lernen im Schulmusikstudium

soll künftig in drei Richtungen

weiter entwickelt werden

In diesem Rahmen wurde beispielsweise eine Maßnahme

zur Ausbildung jugendlicher Musikmentoren an der

Landes akademie für musisch-kulturelle Bildung in Ottweiler

untersucht; die Evaluation konnte für Verbesserungen im

nächsten Durchgang genutzt werden. Die Ergebnisse der

forschenden Begleitung von zwei Musikvermittlungsprojekten,

die im Rahmen des Netzwerks Neue Musik stattfanden,

wurden von den Studierenden auf einer Tagung an der

hfm Saar vorgestellt. Dort, wo es den Studierenden gelingt,

einen echten Beitrag zur Forschung zu leisten, sind die

Ergebnisse entsprechend zu würdigen.

In drei Richtungen soll das forschende Lernen im Schulmusikstudium

an der hfm Saar künftig weiter entwickelt

werden:

• Dort, wo es um schulischen Unterricht geht, gilt es die

kooperierenden Lehrkräfte stärker in den Forschungsprozess

einzubeziehen und schon an der Entwicklung und Formulierung

von Fragestellungen zu beteiligen.

• Um hochschuldidaktische Lehrkonzepte weiter entwickeln

zu können, gilt es das forschende Lernen zu erforschen

und seine Wirksamkeit zu untersuchen. In die begleitende

Evaluation können Studierende eingebunden werden.

• Weil dort, wo es um ästhetische Bildung geht, wo Kunst,

Wissenschaft und Pädagogik zusammenkommen, ist es

wünschenswert, die bislang etablierten Formen forschenden

Lernens um Momente künstlerischer Forschung zu erweitern.

Forschendes Lernen in der (Musik-) Lehrerbildung bedeutet

ein Stück Emanzipation. Wer bislang Objekt empirischer

Bildungsstudien war, wird zum Subjekt musikpädagogischer

Forschung.

1 Einflussreich war die Publikation der Bundesassistentenkonferenz von 1970 mit

dem Titel »Forschendes Lernen – Wissenschaftliches Prüfen«. Bielefeld: UVW 2009

2 Die korrespondierenden Lehrveranstaltungen wurden geleitet von Andreas

Lehmann-Wermser (Bremen) und Anne Niessen (Köln).

3 Vgl. Rolle, Christian & Wallbaum, Christopher: Forschendes Lernen mit fremden

Ohren. Wie Studierende Erfahrungen mit erfahrungsorientierter Musikdidaktik

machen. In: Diskussion Musikpädagogik 39/2008, S. 35– 44

Der Beitrag erscheint Ende 2012 in einer Publikation der

deutschen Hochschulrektorenkonferenz (HRK).

Mehr als Feten und Freizeitprogramm

Der AStA der Hochschule für Musik Saar

AStA-Vorsitzende

Ania Konieczny

Immer mal wieder sind

Wahlen zum Studierendenparlament,

hängen Plakate

aus, wer im AStA ist, und

dass bald wieder irgendeine

Fete steigt. Aber was steckt

dahinter?

Dass der AStA, die Allgemeine

Studierendenvertretung,

ein fester Bestandteil

der hfm ist und viel mehr

als nur Feten veranstaltet, erklärt die Vorsitzende Ania

Konieczny: »Eines unserer wichtigsten Ziele ist auf lange

Sicht die Verbesserung der Überaum-Situation an der hfm.«

Dabei sieht der AStA die neue Spielstätte Alte Kirche als

einen Zugewinn nicht nur in Sachen Konzertveranstaltungen:

»Wir hoffen, dass dort mehr Unterricht stattfinden kann, so

dass noch mehr Überäume im Hauptgebäude zur Verfügung

stehen.« Ihr Wunsch für die Zukunft: »Die Möglichkeit, rund

um die Uhr üben zu können, wie an anderen Hochschulen.«

Gespräche mit der Hochschulleitung sind geplant.

Darüber hinaus setzt sich der AStA ein für längere Bibliotheksöffnungszeiten,

für Deutschkurse, die den ausländischen

Studierenden zu Gute kommen, und für eine Ausweitung

der Auftrittsmöglichkeiten: »Wir bemühen uns um eine

Etablierung weiterer Konzertreihen, da bei den Studierenden

ein großer Bedarf an öffentlichen Auftritten besteht.«

Neben diesen Zielen darf aber auch das studentische

Miteinander an der hfm nicht zu kurz kommen. Neben

der Party am 25. Mai 2012 als eine von zwei bisher geplanten

(also doch Feten …), stehen verschiedene Aktionen für

Erstsemestler und die gesamte Studierendenschaft auf dem

Programm.

Aber wer ist jetzt eigentlich »der AStA«? Ania: »Wir

sind eine bunt gemischte Truppe aus allen Studienbereichen

der Musikhochschule; aus Orchestermusik, Musikpädagogik,

Oper und Jazz. Dieses Semester konnten wir uns über viele

Neuzugänge im ersten Semester freuen. Die meisten von

ihnen sind über die sogenannte »Ersti-Woche«, die wir zum

ersten Mal veranstaltet haben, auf unsere Arbeit aufmerksam

geworden und waren motiviert, mitzumachen. Der Rest

von uns ist größtenteils schon seit ein paar Semestern dabei

und wurde irgendwann von anderen AStA-Mitgliedern

angeworben.«

Was die Strukturreform der Fachbereiche angeht, zeigt

sich Ania, die als Studierendenvertreterin auch einen Sitz

im hfm-Senat hat, zwiegespalten: »Die Umstrukturierung der

alten Fachbereiche in die zwei neuen, übergreifenden Fachbereiche

mit den einzelnen Dekanaten vereinfacht sicherlich

die Arbeit in den Gremien. Allerdings bedeuten weniger

Gremien auch weniger Studierendenvertreter, das heißt, statt

26


Sommersemester 2012

Studium

der früheren sechs Vertreter in den einzelnen Fachbereichen,

gibt es jetzt nur noch jeweils zwei in den beiden großen,

somit sind verhältnismäßig mehr Professoren vertreten als

Studierende. Dies bedauern wir, versuchen aber weiterhin,

aktiv in den Fachbereichen wie auch im Senat im Sinne der

Studenten zu arbeiten.«

Über die Zusammenarbeit mit der Hochschulleitung

in der Vergangenheit äußert sich die AStA-Vorsitzende

positiv: »Die Hochschulleitung hatte bei unseren bisherigen

Ersuchen dankenswerterweise immer ein offenes Ohr und

dank dieser Zusammenarbeit konnten wir bereits die verschiedensten

Projekte realisieren.«

Begrüßt wird auch, dass die hfm neuerdings am internationalen

Austauschprogramm erasmus teilnimmt: »Speziell

als Musiker sind wir auf die Erweiterung unseres Horizontes

in künstlerischer und menschlicher Hinsicht angewiesen

und profitieren von einem Unterricht durch andere Lehrer, an

die man bisher nur durch recht kostspielige Meisterkurse

gelangt wäre.«

Anna Katharina Harz

(Praktikantin der hfm-Pressestelle)

Kompetenznetzwerk für Qualitätsmanagement

und Lehrentwicklung

Das neue Kompetenznetzwerk sucht nach Wegen, um die Ausbildungs-

und Unterrichtssituation an den Musikhochschulen zu

verbessern

Die 24 deutschen Musikhochschulen genießen weltweit

einen exzellenten Ruf. Dass diese Qualität nicht nur im

Konkurrenzprinzip gründet, belegen zwölf der renommierten

Institutionen ab sofort in spektakulärer Weise: Die Musikhochschulen

in Bremen, Detmold, Düsseldorf, Frankfurt,

Freiburg, Hamburg, Hannover, Köln, Lübeck, Saarbrücken,

Weimar und Würzburg haben sich zu einem Kompetenznetzwerk

für Qualitätsmanagement und Lehrentwicklung zusammengeschlossen,

um in einem zunächst auf vier Jahre angelegten

Prozess Erfolgsrezepte professioneller Musikausbildung

zu analysieren und Antworten auf die aktuellen Fragen in

der täglichen Ausbildungs- und Unterrichtssituation einer

Musikhochschule zu finden. Dabei werden sie von einem

aus insgesamt vier Wissenschaftlern bestehenden Expertenteam

(u. a. bei methodischen Analysen wie z. B. Befragungen,

aber auch vielen weiteren Themenfeldern) begleitet.

Die Ressourcen und Kompetenzen in den Musikhochschulen

sind zudem nicht darauf ausgerichtet, entsprechende Verfahren

zu entwickeln.

Die Allianz von 12 Kunst- und Musikhochschulen zum

Aufbau eines »Kompetenznetzwerks der Musikhochschulen«

soll ermöglichen, eine auf qm und le gerichtete Kooperation

von 12 über das Bundesgebiet verteilten Kunst- und

Musik hochschulen zu installieren mit dem verbindenden

Merkmal der Musikausbildung und dem gemeinsamen Ziel,

Verfahren, Angebote und Instrumente des qms und der le

bereitzustellen, die zur spezifischen Situation der Kunst- und

Musikhochschulen passen und durch den Netzwerkcharakter

eine gemeinschaftliche Nutzung ermöglichen. Dies sind:

1. Entwicklung, Aufbau und Umsetzung eines

gemeinschaftlichen lehrbezogenen qms sowie der personen-,

veranstaltungs- und studiengangsbezogenen le für die

am Netzwerk teilnehmenden Kunst und Musikhochschulen,

2. Aufbau von Kompetenz im Netzwerk sowie

Schaffung systematischer Gelegenheiten zum themen- und

lösungs orientierten Austausch, zur kollegialen Beratung und

gegenseitigen Unterstützung der Netzwerkmitglieder sowie

Durchführung von Tagungen und Schulungen zu qm und le,

3. Aufbau und Bündelung von Expertise in Themenbereichen

zur bedarfsorientierten Beratung und Projektbegleitung

der einzelnen am Netzwerk teilnehmenden Hochschulen

sowie zur Bereitstellung ergänzender externer Beratungskompetenz

für darüber hinausgehende Problemfelder im

Bereich qm und le,

4. Stärkung der länderübergreifenden Kooperation

und institutionellen Vertretung der Kunst- und Musikhochschulen

sowie Moderation und Begleitung bei der Entwicklung

von Stellungnahmen innerhalb sowie gegenüber weiteren

Akteuren. Grundgedanke ist die Überzeugung, dass sich

Querschnittsfunktionen im Bereich von qm und le mit

Gewinn netzwerkartig organisieren lassen. Der hiermit

einhergehende Aufwand liegt, insbesondere wenn zu Beginn

eine Fokussierung der Aufgaben auf Kernbereiche vereinbart

wird, deutlich unterhalb der zu erwartenden Synergieeffekte.

Weitere Informationen:

www.hfm-detmold.de/portrait/institutionen/kompetenznetzwerk

Motivation und Ziel

Verfahren zum Qualitätsmanagement (qm) und zur Lehrentwicklung

(le) wie z. B. klassische hochschuldidaktische

Angebote zur Veranstaltungsplanung, zu E-Learning oder

zur Präsentationsgestaltung lassen sich nur schwerlich in

geeigne ter Weise an Kunst- und Musikhochschulen einsetzen

und tragen wenig zu einer Weiterentwicklung des künstlerischen

Einzelunterrichts bei. Eine wissenschaftliche Didaktik

für den Einzel- und auch Gruppenunterricht fehlt bislang.

27


Studium

allaBREVE

Grenzenlos studieren

Das ERASMUS-Programm an der hfm Saar

ERASMUS baut

Brücken für ein

Studium im Ausland

(red). An der hfm

besteht neuerdings

die Möglichkeit,

dass längere Auslandsaufenthalte

von Hochschulangehörigen

zu

Studien- oder Forschungszwecken durch das eu-Programm

erasmus gefördert werden können.

erasmus unterstützt die grenzüberschreitende Mobilität von

Studierenden, Dozenten und anderem Hochschulpersonal.

Finanziell unterstützt werden verschiedene Mobilitätsmaßnahmen,

z. B. der Austausch von Studierenden und

Dozenten sowie die Fort- und Weiterbildung von sonstigen

Mitarbeitern der Hochschule. In Deutschland nimmt der

Deutsche Akademische Austauschdienst (daad) im Auftrag

des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (bmbf )

als »Nationale Agentur für eu-Hochschulzusammenarbeit«

die Aufgaben einer Nationalen Agentur für erasmus

(na-daad) wahr.

Voraussetzung zur Förderung im Rahmen von erasmus

ist der Abschluss eines bilateralen Abkommens mit einer

erasmus-Partnerhochschule. Falls Mitglieder der hfm

eine erasmus-Mobilitätsmaßnahme durchführen möchten,

wird sich die Hochschule für Musik Saar darum bemühen,

mit der betreffenden Hochschule ein bilaterales Abkommen

abzuschließen. Folgende Länder sind derzeit im Rahmen

des erasmus-Programms förderfähig (in alphabetischer

Reihenfolge): Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland,

Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien,

Irland, Island, Italien, Kroatien, Lettland, Liechtenstein,

Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Norwegen,

Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Schweiz,

Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechische Republik, Türkei,

Ungarn und Zypern.

Studentenmobilität (Hinweise für Studierende, die

einen erasmus-Aufenthalt im Ausland durchführen möchten)

Neben Deutschen und Staatsangehörigen eines am

Programm teilnehmenden Landes können auch Staatsangehörige

von Drittstaaten am erasmus-Programm teilnehmen,

die ein (vollständiges) Studium an der Hochschule

für Musik Saar absolvieren, welches zu einem anerkannten

Abschluss führt. Austausch- und Gaststudierende können

keinen erasmus-Zuschuss in Anspruch nehmen.

Studierende im ersten Hochschul-/Studienjahr können

nicht gefördert werden (gilt nicht für Master-Studierende).

Eine wiederholte Förderung ist grundsätzlich möglich,

jedoch werden vorrangig Zuschüsse an Personen vergeben,

die noch keinen erasmus-Aufenthalt durchgeführt haben.

Mobilitätszuschüsse für Studierende können für einen

Zeitraum von mindestens 3 Monaten bis maximal 12 Monaten

vergeben werden. Einzige Ausnahme hiervon sind die in

manchen Teilnehmerländern angebotenen Trimester oder

Terms, die oft die Mindestförderdauer von 3 Monaten

unterschreiten.

Welche Vorteile bietet ERASMUS?

• vereinfachtes Bewerbungsverfahren an der Gasthochschule

(es muss in der Regel keine Eignungsprüfung an der

Partnerhochschule abgelegt werden, verlangt wird lediglich

eine Demo-Aufnahme mit ca. 15–20 Minuten Musik. Ein

persönliches Vorspiel beim gewünschten Professor ist in manchen

Fällen zusätzlich möglich und kann die Chancen für eine

erfolgreiche Bewerbung deutlich erhöhen. Die Entscheidung

über die Aufnahme liegt letztlich bei der Gasthochschule).

• Befreiung von eventuellen Studiengebühren

• ein monatlicher Zuschuss zu den Unterhaltskosten

im Ausland

• es kann Auslands-BaföG beantragt werden, das nicht

zurückgezahlt werden muss

• ein Zuschuss für einen vorbereitenden Intensivsprachkurs

kann beantragt werden, wenn man in ein Land mit einer

weniger verbreiteten Sprache geht.

• die gegenseitige Anerkennung von Studienleistungen ist

zwischen den Hochschulen, die ein bilaterales Abkommen

abgeschlossen haben, gewährleistet (soweit dies vor Studienbeginn

im »Learning agreement« festgelegt wurde).

Dozentenmobilität (Hinweise für Dozenten, die einen

erasmus-Aufenthalt im Ausland durchführen möchten)

Zuschüsse können nur für Lehraufenthalte von wenigstens

5 Unterrichtsstunden und maximal 6 Wochen vergeben

werden. Dringend empfohlen wird ein Minimum von

5 Arbeitstagen, um effektiv einen Beitrag zum Lehrplan und

dem akademischen Leben der Gasthochschule leisten zu

können. Deshalb sollten kürzere Aufenthalte die Ausnahme

sein.

Personalmobilität (Hinweise für sonstige Angehörige des

Hochschulpersonals, die einen erasmus-Aufenthalt im

Ausland durchführen möchten).

In der Personalmobilität liegt die Förderdauer zwischen einer

(= 5 Tage) und sechs Wochen. Ausnahmsweise kann von der

Mindestdauer abgewichen werden, wenn z. B. die Abwesenheit

des Personals für einen längeren Zeitraum schwierig ist.

Weitere allgemeine Informationen zum Hochschulprogramm

ERASMUS finden Sie im Internet unter http://eu.daad.de.

Bewerbungsfristen Studierende, Dozenten sowie Angehörige

des sonstigen Hochschulpersonals, die im Studienjahr

2013/2014 innerhalb des erasmus-Programms im Ausland

lernen, lehren bzw. arbeiten möchten, können sich ab

sofort bis spätestens Ende Januar 2013 bei den erasmus-

Koordinatoren der hfm melden.

Beratung und Betreuung für ERASMUS

Prof. Jörg Nonnweiler, Thomas Wolter, ERASMUS-Koordination

T (0681) 96731-29 E t.wolter@hfm.saarland.de

28


Sommersemester 2012

Studium Rubrik

100 Sänger beim

Praxistag Chorpädagogik

Teilnehmer des

Praxistages

Chorpädagogik

Domkantor

Thomas Kiefer

lud die Studierenden

seiner

Lehrveranstaltung

»Chorpädagogik«

im Oktober letzten Jahres zu einem Praxistag nach Trier ein,

um mit drei verschiedenen Chorgruppen der Dommusik Trier

zu arbeiten. Über 100 Sängerinnen und Sänger machten sich

für uns die Mühe, an einem Samstag in die Domsingschule

zu kommen, und boten uns so die Möglichkeit, unsere chorleiterischen

Fähigkeiten praxisbezogen zu erweitern.

Im abschließenden Konzert hatten wir die Möglichkeit,

die zuvor erarbeiteten Stücke in der voll besetzten Jesuitenkirche

in Trier zu Gehör zu bringen. Wir waren sehr erfreut

über das gute musikalische Ergebnis, welches auch durch die

positive Resonanz des Publikums bestätigt wurde und somit

für uns diesen gelungenen Praxistag abrundete.

Für uns Studierende sowie für die Chöre war es eine

völlig neue, aber für beide Seiten bereichernde Erfahrung. Wir

freuen uns, dass Domkantor Thomas Kiefer uns unter seiner

fachkundigen Anleitung diese Möglichkeit gegeben hat und

somit ein Praxisbezug hergestellt wurde, welcher im regulären

Studienalltag nur selten zustande kommt.

Marcus Adams, Kathrin Rolfes, Timo Uhrig

Meisterkurs Kammermusik

mit Eduard Brunner

(red). Der international renommierte Klarinettist und hfm-

Emeritus Eduard Brunner wird vom 14. bis 20. Mai 2012 an

der Hochschule für Musik Saar einen Meisterkurs im Fach

Kammermusik geben. Der Kurs richtet sich an alle Studierende

der hfm. Die Teilnahme ist frei. Anmeldungen bitte

an Prof. Tatevik Mokatsian (E-Mail: t.mokatsian@web.de).

Am 16. Mai gibt Eduard Brunner im Trio mit Jone Kaliunaite

und Tatevik Mokatsian ein Konzert in der hfm (s. Rubrik

»FuF«).

Meisterkurs mit Jean-Pierre Leguay

(red). Jean-Pierre Leguay, der Organist von Notre-Dame

(Paris), gibt am 12. Juni 2012 im HFM-Konzertsaal einen

ganztägigen Meisterkurs zum Thema »Orgel-Improvisation«.

30. SEPTEMBER –

7. OKTOBER 2012

ANMELDESCHLUSS

15. JULI 2012

SEMIFINALE + FINALE

ÖFFENTLICH –

EINTRITT FREI

PREISTRÄGERKONZERT

7. OKTOBER 2012

WEITERE

INFORMATIONEN

WWW.LIED-WETTBEWERB.DE

WWW.IHWA.DE

HOCHSCHULE

FÜR MUSIK UND

DARSTELLENDE

KUNST STUTTGART

JURY

PETER SCHREIER

GUNDULA JANOWITZ

BIRGID STEINBERGER

GRAHAM JOHNSON

WOLFRAM RIEGER

KURT WIDMER

FRANZ SCHUBERT

HUGO WOLF

29


Campus

allaBREVE

Aus den Klassen

Kompositionsklasse

Prof. Theo Brandmüller

Kathrin Denner hat beim diesjährigen

Kompositionswettbewerb der Stadt

Homburg den 1. Preis gewonnen. Mit

ihrem preisgekrönten Werk »Merkaba«

setzte sie sich gegen zahlreiche internationale

Mitbewerber durch. Denners

Preisträger-Stück wurde zum Abschluss

des Festivals vom Homburger Kammersinfonieorchester

unter der Leitung von

Markus Korselt uraufgeführt.

Die Absolventin

der Kompositionsklasse

Zeynep

Gedizlioglu ist

als eine von drei

Preisträgern mit

dem diesjährigen

Ernst von

Siemens-Komponistenförderpreis

ausgezeichnet

worden. Die Preisverleihung findet am

22. Juni in München statt.

Info: www.evs-musikstiftung.ch/aktuell/

Violinklasse

Prof. Ulrike Dierick

Sophia Scheuer und Anne Doster

erhielten Praktikantenstellen im

Orchester des Saarländischen

Staatstheaters.

Die Absolventin der Violinklasse

Prof. Dierick, Ji-So Lee, ist als Professorin

an die Chung Ang-Universität

von Seoul berufen worden.

Leoni Seiler, Violinklasse Prof. Dierick

und Violaklasse Prof. Kaliunaite,

wurde ein Stipendium für die Orff-

Sommerakademie des Bayrischen

Rundfunks zugeteilt.

Klarinettenklasse

Prof. Johannes M. Gmeinder

Martin Brunet ( Jungstudent/Vorklasse)

hat mit 24 von 25 Punkten den

1. Preis im Regionalwettbewerb »Jugend

musiziert« mit Weiterleitung zum

Landeswettbewerb gewonnen.

Nathalie Ludwig hat das Deutschland-

Stipendium der Studienstiftung Saar

erhalten. Darüber hinaus erhielt sie

eine Praktikantenstelle am Orchestre

Philharmonique du Luxembourg.

Simone Weber ist vom Richard-

Wagner-Verband Saar als Stipendiatin

aufgenommen worden.

Carina Stamm hat am Staatstheater

Mainz einen Zeitvertrag 2. Klarinette

mit Verpflichtung zur Bassklarinette

erhalten.

Kontrabass-Klasse

Prof. Wolfgang Harrer

Die Absolventin der Kontrabassklasse

Maria Teresa Molina hat nach mehrjährigem

Engagement als Solobassistin

in Concepcion/Chile die Solostelle

im Philharmonischen Orchester von

Santiago de Chile erhalten.

Trompetenklasse

Prof. Robert Hofmann

und Prof. Peter Leiner

Der 19-jährige Felix Schauren, Student

im Hauptfach Trompete, wurde nach

der hochschulinternen Auswahl und

seiner erfolgreichen Vorstellung an

der Musikhochschule Detmold als

Stipendiat in die »Studienstiftung des

Deutschen Volkes« aufgenommen.

Feng Lin-Ge hat sich nach bestandenem

Probespiel für das »Asia Youth

Orchestra« qualifiziert.

Gitarrenklasse

Stefan Jenzer

Die Studentin Svenja Beuren erhielt

eine Einladung zum »Festival Internacional

Maracay en Guitarra 2012«

(Venezuela). Zudem erhielt sie ein

Stipendium der »Studienstiftung Saar«.

Gianna de Fazio hatte im Dezember

in der sr-Spendengala »Herzenssache«

einen Auftritt mit dj Bobo.

30


Sommersemester 2012

Campus

Violaklasse

Prof. Jone Kaliunaite

Ji Soo Park hat eine Praktikantenstelle

an der Deutschen Radiophilharmonie

Saarbrücken-Kaiserslautern erhalten.

Perkussion-Klasse

Prof. Thomas Keemss

Wolfram Stifel konnte sich am Saarländischen

Staatstheater die Praktikantenstelle

für Orchesterschlagzeug sichern

und hat dort im Februar seinen Dienst

angetreten.

Kammermusik-Klasse

Prof. Tatevik Mokatsian

Katharina Schröter (Flötenklasse Britta

Jacobs) und Stefan Bone (Klavierklasse

Prof. Kristin Merscher) haben beim

»Concours artistique d`Epinal« (F) den

1. Preis in der Kategorie Kammermusik

gewonnen. Die Studierenden wurden

von Prof. Tatevik Mokatsian auf den

Wettbewerb vorbereitet.

Flötenklasse

Prof. Gaby Pas-Van Riet

Heike Bodesohn hat bei den Düsseldorfern

Symphonikern für die Dauer

von zwei Jahren eine Akademiestelle

erhalten.

Violoncello-Klasse

Prof. Gustav Rivinius

Ole Hansen war beim Probespiel

für ein Praktikum beim Saarländischen

Staatsorchester erfolgreich und

wird bis zum Ende dieser Spielzeit ein

Cellopraktikum absolvieren.

Natania Hoffman war bei zwei Probespielen

erfolgreich und wurde sowohl

vom Gustav-Mahler-Orchester als

auch von der Jungen Deutschen

Philharmonie aufgenommen. Mit Anna

Hennig und Ole Hansen ist sie bereits

die dritte Cellistin aus der Klasse

von Prof. Rivinius, die in der Jungen

Deutschen Philharmonie mitwirkt.

Claire Minjung Suh war erneut

beim Probespiel erfolgreich und wird

neue Vorspielerin der Cellogruppe

der Deutschen Radio Philharmonie

Saarbrücken Kaiserslautern.

Gesangsklasse

Prof. Yaron Windmüller

Die Projektgruppe »Hauptsache Musik«

unter der Leitung von Prof. Wolfgang

Mayer hat gemeinsam mit Schülern der

Montessori-Gesamtschule Saarbrücken

einen Improvisationskurs durchgeführt.

Das Ergebnis der Arbeit, die Improvisation

»Willkommen 2012«, ist Ende Januar

innerhalb der Revue »Ensuite goes Radio«

live auf SR2-Kulturradio vorgestellt

worden.

An der Hochschule für Musik Saar wurde

ein neues Ensemble gegründet: das

HFM-Zupforchester. Im November letzten

Jahres hatte die Formation ihren ersten

Auftritt im Rahmen der langen Kagel-

Nacht. Das 20-köpfige Ensemble wird

vom HFM-Lehrbeauftragten Stefan Jenzer

geleitet.

Fjölnir Ólafsson hat ein Stipendium

der »Studienstiftung des Deutschen

Volkes« erhalten.

31


Campus

allaBREVE

Namen & Nachrichten

Ulrich Voss (links)

Andreas Arand

Wilhelm Ohmen, Lehrbeauftragter der hfm, ist auch

seit vielen Jahren als Herausgeber von Klaviereditionen im

Verlag Schott Music in Mainz tätig. Zahlreiche Einzelausgaben

und Sammelbände mit Werken von Pachelbel, Händel,

Debussy, Satie, Liszt, Sinding u. a. sind bisher erschienen. Des

Weiteren liegen Etüdensammlungen von Czerny, Heller und

Moscheles vor. In der Schott Piano Collection erschienen

ausgewählte Werke von Scriabin, Debussy, Satie und jüngst

ein umfangreicher Band mit Klavierstücken von Anton

Rubinstein. Alle Ausgaben sind in der Hochschulbibliothek

auszuleihen.

Der hfm-Lehrbeauftragte Stefan Jenzer wurde in

den Musikbeirat des Bundes Deutscher Zupfmusiker (bdz)

gewählt.

Mit dem Trio »Duende« hat hfm-Professor Oliver

Strauch ein neues Projekt ins Leben gerufen, das sich

der Umsetzung mediterraner und in besonderem Maße

iberisch inspirierter Musik widmet. Der spanische Ausdruck

duende ist schwer zu übersetzen und steht für ein ganz

besonderes Feeling. Das Projekt möchte die Zuhörer

entführen in die geheimnisvolle Welt zwischen Orient und

Okzident. Pianist Murat Öztürk bringt mit seiner türkischfranzösischen

Herkunft ganz besondere Ausdrucksformen

in das Trio ein und Bassist Jens Loh schafft mit seinem sonoren

Sound Räume und Landschaften von großem Groove.

Der Drummer Oliver Strauch setzt mit duende einen lang

gehegten Traum in die Tat um. Das Trio geht im Oktober

2012 an den Start. 2013 wird »Duende« eine cd und eine dvd

herausbringen.

Der Organist und hfm-Absolvent Christian Schmitt

wird in der Konzertsaison 2012 unter anderem als Solist bei

der Stuttgarter Bachwoche auftreten. Des Weiteren feiert

er im Duo mit der Sängerin Magdalena Kožená sein Debüt

bei den Salzburger Festspielen. Erstmalig wird Schmitt auch

32

mit den Berliner Philharmonikern in einer Aufführung von

Beethovens »Missa Solemnis« auftreten.

Unter der Leitung des hfm-Lehrbeauftragten Joachim

Fontaine wird die Kantorei Saarlouis im Herbst dieses Jahres

das dramatische Oratorium »Oedipus auf Kolonos« von Théodore

Gouvy aufführen. Nach dem großen Erfolg der früheren

Gouvy-Produktion »Iphigenie auf Tauris« wird die Stiftung

Palazzetto Bru-Zane (Paris-Venedig) eine cd-Produktion des

Konzert-Mitschnitts von »Oedipus auf Kolonos« ermöglichen.

Prof. Dr. Christian Rolle hat seit September 2011 eine

(Teilzeit-) Gastprofessur für Musikpädagogik an der Musikhögskola

der Universität Örebro in Schweden. Den Schwerpunkt

der Tätigkeit bilden gemeinsame Forschungsprojekte

mit skandinavischen Kollegen und die Betreuung

von Doktoranden.

Neu berufen

Der Bass-Bariton Frank Wörner ist zum 1. April 2012 auf

eine halbe Professur für Gesang an die Hochschule für Musik

Saar berufen worden.

Wir gratulieren

Aufgrund seiner herausragenden Verdienste in der

musikalischen Ausbildung ist der langjährige Lehrbeauftragte

für Violine Ulrich Voss vom ehemaligen hfm-Rektor Prof.

Thomas Duis zum Ehrenprofessor der Hochschule ernannt

worden.

Der Lehrbeauftragte Andreas Arand kann in diesem Jahr

auf eine 25-jährige ununterbrochene Lehrtätigkeit an der hfm

zurückblicken.

Foto Jean m. Laffitau


Sommersemester 2012

Panorama

33


Rubrik Panorama

allaBREVE

Jubiläum

Das Landes-Jugend-Symphonie-Orchester Saar wird 30

Das LJO: Seit 30 Jahren Botschafter des Saarlandes und

Repräsentant der musikalischen Jugendarbeit

(red). Das Landes-Jugend-Symphonie-Orchester Saar wurde 1982

vom saarländischen Landesmusikrat gegründet und hat sich

seither einen festen Platz im Musikleben des Saarlandes gesichert.

Seit Februar 2007 liegt die künstlerische Leitung in den Händen

von Britta Lahnstein. Von Beginn an ist die Arbeit des ljo-Saar

eng mit unserer Hochschule verknüpft. Viele Orchestermitglieder

nahmen später an unserem Haus ein Studium auf, als Solisten des

ljo treten häufig hfm-Professoren auf, die derzeitige künstlerische

Leiterin und der Erste Gastdirigent sind Absolventen unserer

Hochschule.

Das ljo-Saar ist die älteste und wichtigste Fördermaßnahme

seiner Art in unserem Bundesland. Es dient vor allem

der Förderung des musikalischen Nachwuchses, indem es

begabte Jugendliche zum Orchesterspiel heranführt und die

Teilnehmer entsprechend ihrer musikalischen Fertigkeiten

und Fähigkeiten weiterbildet.

Unter der Anleitung von erfahrenen Orchestermusikern

Zu den beiden mehrwöchigen Arbeits- und Konzertphasen im

Jahr – in der Regel in den Oster- und Herbstferien – werden

junge Instrumentalisten im Alter von 14 bis etwa 20 Jahren

eingeladen, die sich zuvor innerhalb eines Aufnahmevorspiels

für das ljo qualifiziert haben. In den Registerproben erhalten

sie Anleitung von erfahrenen Orchestermusikern, bevor das

ganze Orchester zu einem Intensivtraining für eine Woche in

einer Jugendherberge zusammenkommt.

Als Dirigenten werden junge Künstlerinnen und Künstler

aus Deutschland und dem Ausland eingeladen. Dabei stehen

neben jungen Talenten auch erfahrene Kapellmeister und

Generalmusikdirektoren am Dirigentenpult.

Viele Ehemalige haben ihren Weg

als professionelle Musiker gemacht

So leitete beispielsweise Günther Herbig im Herbst 2005 die

Aufführung der 10. Sinfonie von Schostakowitsch mit mehr

als 130 Musikern des ljos und des rso-Saarbrücken, und im

Frühjahr 2007 spielten die jungen Musikerinnen und Musiker

zusammen mit dem Saarländischen Staatsorchester die Musik

zu Strawinskys Ballett »Der Feuervogel«, das von Royston

Maldoom im Rahmen eines Schülertanzprojektes choreographiert

wurde. Auch im Sommer 2009 wirkten junge

Musikerinnen und Musiker des ljo im Rahmen der »Musikmaschine«

an einem weiteren Projekt des Saarländischen

Staatstheaters mit.

2008 hat das Orchester in dem jungen saarländischen

Dirigenten Alexander Mayer einen Ersten Gastdirigenten

gefunden, der die für ein solch junges Orchester notwendige

Kontinuität gewährleisten soll.

Als Solisten berücksichtigt das ljo vorzugsweise ehemalige

Orchestermitglieder. Mehr als 120 ljoler haben ihren

Weg als professionelle Musiker gemacht und sind heute

Musikstudenten, Orchestermusiker, Musiklehrer, Lehrbeauftragte

oder Professoren an Musikhochschulen. Daneben

begleitet das ljo-Saar aber auch immer wieder berühmte

Solisten, wie die Pianisten Paul Badura-Skoda, Kristin

Merscher, Thomas Duis und Benedetto Lupo – oder im

Herbst 2008 die international bekannte Klezmer formation

Kolsimcha. Im Jubiläumskonzert 2012 wird das ljo Saar,

wie bereits im Gründungsjahr, gemeinsam mit dem Cellisten

Gustav Rivinius konzertieren.

Konzertreisen in alle Welt

Das Programm umfasst sinfonische Werke aller Epochen.

Konzertreisen dienen darüber hinaus der Repräsentation

musikalischer Jugendarbeit in unserem Bundesland und

der Begegnung mit Gleichgesinnten. Auftritte im Saarland

und der Bundesrepublik, Konzertreisen nach Holland,

Italien, England, Frankreich, Russland oder Chile, wie im

Herbst 2007, bildeten die Höhepunkte der letzten Arbeitsphasen.

Im Herbst 2010 ging es in den Osten Kanadas. Dabei

sieht sich das ljo nicht nur als Botschafter des Saarlandes,

sondern auch als Repräsentanten der musikalischen Jugendarbeit

in Deutschland.

Die Konzerte im Saarland dienen auch dazu, der klassischen

Musik ein neues Publikum zu erschließen. In letzter Zeit

wurde deshalb die Zusammenarbeit mit örtlichen Schulen

aktiviert. Die rasch gestiegenen Besucherzahlen bescheinigen

den Erfolg dieses Ansatzes und belegen die Bedeutung

des ljo Saar als unverzichtbaren Teil der saarländischen

Musikszene. Für seine Arbeit und sein Engagement wurde das

Landes-Jugend-Symphonie-Orchester Saar von »Jeunesses

musicales« ausgezeichnet und gehört zu den Preisträgern des

Deutschen Jugendorchesterpreises 2010/2011.

Jubiläumskonzert des LJO am 21. April 2012, 20 Uhr

Congresshalle Saarbrücken

Antonin Dvorak Sinfonie Nr. 9

Edward Elgar Cellokonzert, Enigma-Variationen

Erster Gastdirigent ist Alexander Mayer und Solist wird wie im

Gründungsjahr Gustav Rivinius sein.

34


Sommersemester 2012

Panorama

Dreizehn Neujahrskonzerte

im Reich der Mitte

Fünf hfm-Studenten auf Tournee in China

mit den Mannheimer Philharmonikern

Unvergessliche

Erlebnisse: junge

HFM-Musiker unterwegs

in China

»Wer sich auf seinen

Lorbeeren ausruht,

trägt sie an der

falschen Stelle«. Mit

diesem und ähnlich weisen Sprüchen Mao Tse-tungs wurden

wir in China mehrfach konfrontiert. Aber natürlich wollten

wir uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen, sondern zuerst

einmal Lorbeeren verdienen. Zur Vorbereitung trafen wir

fünf Saarbrücker Studenten – Liu Luda (Trompete), Matthias

Heyne (Posaune), Luis Borten (Viola), Maksym Malkov

(Oboe) und Stephanie Schwartz (Oboe/ Englischhorn) –

uns mit den anderen Tourneeteilnehmern kurz vor Weihnachten

in Mannheim, um unter Leitung unseres Dirigenten

Boian Videnoff ein anspruchsvolles Programm für dreizehn

Neujahrskonzerte in China zu erarbeiten.

Am 19. Dezember ging es los. Auf dem zehnstündigen

Flug war reichlich Gelegenheit, sich gegenseitig kennenzulernen

und Kontakte zu knüpfen. Nach der Landung in

Peking stand direkt eine Besichtigung der großen Mauer

auf dem Programm – ein tief beeindruckendes Erlebnis.

Oben angelangt, erwartete uns eine weitere Weisheit Maos:

»Nur wer auf der großen Mauer stand, ist ein richtiger Mann«.

Noch am gleichen Tag ging es wieder zum Flughafen.

Die nächste Station war Harbin im Norden des Landes.

Hier erwarteten uns minus 30 Grad Celsius, aber dafür

auch wunderschöne Eisskulpturen. Die Chinesen errichten

in diesen Regionen ganze Städte aus Eis, die nachts bunt

angestrahlt werden.

Am 23. Dezember fand unser erstes Konzert in Harbin

statt. Doch es lief nicht alles ganz nach Plan. Da wir Celli,

Kontrabässe, Harfe und Schlagwerk nicht aus Deutschland

mitgenommen hatten, sondern an jedem Konzertort gestellt

bekommen sollten, mussten wir uns jedes Mal überraschen

lassen, ob die Instrumente auch wirklich zur Verfügung

standen bzw. überhaupt funktionsfähig waren.

Unsere chinesischen Orchestermitglieder, unter anderen

auch Liu Luda aus Saarbrücken, führten uns in einige

chinesische Bräuche und vor allen in die Esskultur ein.

So lernten wir mit Stäbchen essen und machten Bekanntschaft

mit dem chinesischen Feuertopf, eine Delikatesse,

die in geselliger Runde genossen wird. Weihnachten ist ja

in China kein offizielles Fest, und so feierten wir Heiligabend

in einer Karaoke-Bar!

Wir verbrachten drei Tage in Harbin, das war der längste

Aufenthalt in einer Stadt auf dieser Tournee. Insgesamt

waren wir 16 Tage in China unterwegs, hatten neun Inlandsflüge

und fast jeden Tag ein Konzert. Die Unterbringung

in durchweg sehr guten Hotels und die Verpflegung waren

fantastisch und wir hatten viele positive Erlebnisse. Allerdings

war der Organisationsplan der chinesischen Veranstalter sehr

eng bemessen, die langen Flüge und Busfahrten hinterließen

bei den Orchestermitgliedern ihre Spuren.

Dieses faszinierende Land, mit all seinen Licht- und

Schattenseiten, hat bei uns einen tiefen Eindruck hinterlassen.

Der Höhepunkt war das letzte Konzert in Peking. Vor

ausverkauftem Haus gab es standing ovations. Vor allem als

wir chinesische Stücke spielten, gab es kein Halten mehr.

Stephanie Schwartz

Der Mann im Hintergrund

Walter Glößner feierte in der hfm

seinen 80. Geburtstag

Walter Glößner

spielte bei seiner

Geburtstagsfeier

im Duett mit dem

früheren HFM-

Rektor Thomas Duis

(red). Er ist einer

jener Persönlichkeiten,

die

ehrenamtlich Großes für die saarländische Kulturszene leisten

und dabei am liebsten im Hintergrund bleiben: Im Beisein

vieler Freunde und Ehrengäste feierte Walter Glößner im

Konzertsaal unserer Hochschule seinen 80. Geburtstag.

Der ehemalige Bankdirektor, der während seines Berufslebens

überwiegend für französische Geldinstitute tätig war,

absolvierte neben seinem betriebswirtschaftlichen Studium an

der Universität des Saarlandes auch ein Studium im Fach Violine

an unserer Hochschule. 1987 gründete Glößner den Verein

der Saarbrücker Kammermusiktage, dessen Vorsitzender er ist.

Die Konzerte des Vereins genießen nicht nur in Fachkreisen

hohe Anerkennung. Im Förderverein »Netzwerk Musik Saar

e.V.« engagiert sich Walter Glößner unter anderem für die

Spitzenförderung junger Musikerinnen und Musiker.

Zur Pflege der deutsch-französischen Beziehungen auf

kulturellem Gebiet setzte sich der Träger des Bundesverdienstkreuzes

22 Jahre lang für die Marcel Proust Gesellschaft

Köln ein.

Im Förderverein des Deutsch-Französischen Hochschulinstituts,

den er 1990 mitgründete, machte er sich in herausragender

Weise als Schatzmeister und Sprecher des Vorstands

besonders um die Mitgliederwerbung verdient.

35


Panorama

allaBREVE

Heilig-Rock-Wallfahrt Trier

Schola Saraviana singt Vesper aus dem

Jahr 1512

Optimale Licht- und Audiotechnik

Großer Sendesaal des SR nach

Sanierung wiedereröffnet

Initiale der Trierer

Kirchweih-Vesper

Quelle: Bistumsarchiv Trier

Die Schola Saraviana der

Hochschule für Musik

Saar wird im Rahmen der

Heilig-Rock-Wallfahrt am

Mo 30. April, 21 Uhr im Trierer Dom eine einzigartige Liturgie

gestalten. In dem von Erzbischof Balduin von Luxemburg

veranlassten Liber Ordinarius der Trierer Domkirche aus

dem Jahre 1345 findet sich die detaillierte Beschreibung der

Ersten Vesper zur Domkirchweihe in Trier, wie sie bis 1887

gefeiert wurde – so auch im Jahre 1512, als der Heilige Rock

im Zusammenhang mit dem Reichstag zu Trier erstmals

gezeigt wurde.

Im frommen Wettstreit sangen die Domherren im

östlichen Kapitelchor und die Stiftsherren von St. Paulin und

St. Simeon im Westchor Psalmen, Hymnus und Responsorien.

Peinlich genau wurde darauf geachtet und im Liber ordinarius

Vers für Vers festgehalten, wer anstimmen durfte und dass

jeder Solist einen gleichwertigen Part der Soloverse übernehmen

durfte, so dass keine Schola Vorrang vor der anderen

hatte.

Die Melodien entstammen mittelalterlichen Trierer

Codices, die im späten 19. Jahrhundert von Michael Hermesdorff

zusammen geführt wurden und in denen sich spezifische

Eigenheiten des »germanischen Choraldialekts« finden.

Interessant sind auch die Anweisungen zur Ausführung von

Hymnus und Magnificat alternatim mit einer Orgel, deren

Existenz im Trierer Dom schon im 14. Jahrhundert belegt ist.

Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von

Prof. Dr. Andreas Heinz (Liturgiewissenschaft) und Christine

Pfeifer-Huberich (Gregorianik). Ausführende sind die Schola

»Misericordias« aus Luxemburg (Ltg. Marc Dostert), das

Vokalensemble Dom zu Trier (Ltg. Thomas Kiefer) und die

Schola Saraviana (Ltg. Christine Pfeifer-Huberich) sowie

Domorganist Josef Still.

Christine Pfeifer-Huberich

Der runderneuerte Große Sendesaal des Saarländischen Rundfunks

(red). Mit einem Studiokonzert der Deutschen Radio Philharmonie

Saarbrücken Kaiserslautern (drp) ist nach ein einhalb

Jahren Umbau der Große Sendesaal des Saarländischen Rundfunks

wiedereröffnet worden. Mitwirkende des Gala-Konzertes

vor vollbesetztem Haus waren auch zwei hfm-Absolventen:

der junge Cellist Julian Steckel als Solist im 1. Cellokonzert

von Dmitrij Schostakowitsch und die Komponistin Lin Wang,

deren Werk » ... to be sung in the wood« uraufgeführt wurde.

Nach der Modernisierung des Hörfunk- und des Fernsehgebäudes

ist nun auch das dritte Gebäude auf dem Saarbrücker

Halberg, der so genannte Hörfunk B-Bau, vollständig

saniert. Die Mitte des Gebäudes – im direkten

und im übertragenen Sinne – bildet der Große Sendesaal.

Insgesamt kostete die Modernisierung des Hörfunk B-Baus

7,4 Millionen Euro. Ein 14-köpfiges Team aus Architekten,

Technikern und Einkauf hat den Umbau geleitet und umgesetzt.

Konzertbesucher erwartet nun ein neuer, barrierefreier

Haupteingang, daran anschließend das neu gestaltete Foyer mit

Catering-Bereich und nicht zuletzt der Große Sendesaal selbst.

Mit der Wiedereröffnung hat der Saarländische Rundfunk

zugleich das 50-jährige Jubiläum des Konzertsaals gefeiert.

Das erste Konzert fand dort am 1. Juni 1962 statt.

Im Konzersaal wurde die gesamte Lichtanlage erneuert,

einerseits um ein angemessenes Arbeitslicht auf der Bühne

zu erzeugen und andererseits um eine stimmungsvollere

Atmosphäre im Zuschauerraum zu erreichen. Hinzu kommt

eine Teilerneuerung der Wandbekleidung. Außerdem erhielt

der Saal ein neues Parkett. Investiert wurde auch in die gesamte

Hörfunktechnik und die Tonregie im Hinterbühnenbereich.

Diese ermöglicht Aufnahmen und Live-Übertragungen der

Konzerte der drp in optimaler cd-Qualität. Schließlich wurde

auch der Brandschutz auf den neuesten Stand gebracht.

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Sommersemester 2012

Panorama

»Quartett Divers« begeistert Peruaner

für klassische Musik

Maler, Philosoph und Weltenbummler

Zum Tod von Georg Cadora

Das »Quartett Divers« in Peru

(red). Anfang dieses Jahres fuhr

das »Quartett Divers«, bestehend

aus Theresa Clauberg, Daniel

Stoll, Tamara Maul und Jakob

Spogis, zu einer Konzertreise

nach Peru. Während des vierwöchigen

Aufenthalts gaben

sie Konzerte im Goethe-Institut

Lima, in der evangelischen und katholischen Kirche in

Lima, im Rathaus von Chiclayo, im deutsch-peruanischen

Kultur institut Cuzco (acupari) und im Kloster Santa

Cathalina in Arequipa. Des Weiteren fand ein Treffen zum

Kulturaustausch und gemeinsamen Musizieren mit dem

Jugend orchester Limas statt. Ziel des jungen Streichensembles

war es, die den Peruanern noch sehr fremde, klassische

Musikkultur vorzustellen. Trotz der geringen Erfahrung des

peruanischen Publikums mit klassischer Musik wurden

die hfm-Musiker begeistert aufgenommen.

Saarbrücker Komponistenwerkstatt

erstmals mit Gouvy-Preis

(red). Die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken

Kaiserslautern, der Saarländische Rundfunk und die

Hochschule für Musik Saar werden im Mai 2013 zum achten

Mal die »Saarbrücker Komponistenwerkstatt« ausrichten. Die

gemeinsame Initiative soll Komponistinnen und Komponisten

deutschsprachiger Musikhochschulen die Möglichkeit geben,

ihre Orchesterwerke durch die Deutsche Radio Philharmonie

Saarbrücken Kaiserslautern unter der künstlerischen Leitung

von Brad Lubman einstudieren zu lassen.

Eine Auswahl der Werke wird am 17. Mai 2013 in Saarbrücken

uraufgeführt. Das Konzert wird vom Saarländischen

Rundfunk aufgezeichnet. Erstmalig verleihen die Musiker der

Deutschen Radio Philharmonie den Théodore-Gouvy-Preis

der Landeshauptstadt Saarbrücken an einen der teilnehmenden

Komponisten. Der Preis besteht aus einem Auftrag

für ein Orchesterwerk, das 2014 von der Deutschen Radio

Philharmonie uraufgeführt wird.

Die »Saarbrücker Komponistenwerkstatt« ist kein

Wettbewerb, sondern ein Workshop, in dem Komponistinnen

und Komponisten an der Einstudierung ihrer Werke aktiv

mitarbeiten und sie in einem öffentlichen Seminar vorstellen.

Eine Jury von drei Komponisten und je einem Vertreter

der Hochschule für Musik Saar und der Deutschen Radio

Philharmonie sowie dem künstlerischen Leiter der Komponistenwerkstatt,

trifft aus den eingereichten Kompositionen

eine Auswahl von bis zu fünf Partituren.

Die von Georg Cadora gestaltete

Titelseite von »alla breve«

Ein Gemälde, das einen nachdenklichen,

schreibenden Robert Schumann

in ungewohnter Pose zeigt:

Im Schumann-Jahr 2010 zierte ein

ganz besonderes Titelbild die alla

breve-Ausgabe im Wintersemester.

Das eindrucksvolle Porträt hatte der

Künstler Georg Cadora auf Wunsch

der hfm geschaffen; es war Bestandteil seiner Werkschau

»Gustav Mahler und seine Zeit«, die Ende 2010 mehrere

Wochen lang in unserer Hochschule zu sehen war. Um die

Jahreswende ist der Weltenbummler, Philosoph und Maler

Georg Cadora im Alter von 72 Jahren nach langer schwerer

Krankheit verstorben.

Georg Cadora wurde im Jahr 1939 in Darmstadt geboren.

Den rastlosen Geist zog es immer wieder hinaus, zunächst

durch viele deutsche Städte, danach folgten Aufenthalte

in Frankreich: von Paris Richtung Süden nach Marseille

und Aix-en-Provence. Studienreisen, auf denen Reisebilder

entstanden, führten ihn rund um die Welt. Ein Leben wie

ein Abenteuerroman, das den Künstler und Globetrotter nicht

nur mit bekannten Köpfen des 20. Jahrhunderts zusammenführte,

sondern ihm auch einige ungewöhnliche Rollen zuwies

wie Straßenmaler, Hafenarbeiter, Tierfänger, Militärkoch

und Totengräber. Im Laufe der Jahre entwickelte Cadora

einen ganz eigenen pointillistischen Malstil, die so genannte

»Schleifentechnik«. Ein vom Leben und Lesen geprägter

Homme de Lettres verfügte Georg Cadora überdies über

ein enormes Wissen von geradezu lexikalischen Ausmaßen.

Die Hochschule für Musik Saar trauert um einen großen

Künstler und Gelehrten, dessen tiefe Leidenschaft für die

Kunst ausdrücklich die Musik und die großen Musiker

und Komponisten einschloss. Das Wirken und Wesen von

Georg Cadora wird an unserem Haus unvergessen bleiben.

Thomas Wolter

37


Panorama

allaBREVE

Publikationen

Kontrapunkt. Polyphone Musik

im Selbststudium und Unterricht

Das neue Lehrbuch von Thomas Krämer

Thomas Krämers neuer »Kontrapunkt«:

umfassende Satzlehre mit methodisch

durchdachten Arbeitsschritten zum Anfertigen

von Musik

Wozu benötigt man im Jahre 2012 ein

neues Lehrbuch des Kontrapunktes?

Hat nicht die »Berufsrealität« erwiesen,

dass eine »verkopfte und regulative

Handwerkslehre« nicht mehr zeitgemäß und somit weitgehend

verzichtbar ist? Sind nicht Studierende und Lehrende

beglückt, dass diese musiktheoretische Disziplin in den

Hochschulcurricula zu Gunsten anderer Inhalte häufig

minimiert wurde?

Beeindruckende Fülle von Beispielen und Übungen

Seit der musiktheoretischen Innovation von Diether de la

Motte mit seinen Lehrbüchern zur Harmonielehre und

zum Kontrapunkt vor nun mehr als 30 Jahren sind eine

Reihe wichtiger Werke entstanden, die dem Beispiel de la

Mottes folgend analytisch-historisierend einen begrenzten

stilistischen oder gattungsspezifischen Aspekt beleuchteten.

Sie grenzten sich damit ab von den Lehrwerken früherer Zeit,

die vorrangig das kontrapunktische Regelwerk und satztechnische

Übungen im Fokus hatten. In diesen Zeitgeist tritt

nun dieses umfangreiche neue Buch zum Selbststudium und

Unterricht, das durch die Fülle der Beispiele und Übungen,

die Mannigfaltigkeit der erfassten Stile und Gattungen und

den Horizont im Betrachten und Begreifen satztechnischer

Erscheinungsformen von der franko-flämischen Schule bis zu

den »Vollendern der dur-moll-tonalen Epoche« beeindruckt.

Thomas Krämer spannt den Bogen von Josquin Desprez

bis Max Reger, von der Einstimmigkeit bis hin zur Sechzehnstimmigkeit

und beschäftigt sich mit den handwerklichen

Grundlagen ebenso wie mit den stil- und epochenspezifischen

Charakteristika in Vokal- und Instrumentalmusik. Er bietet

satztechnische Übungen in Fuxscher Manier ebenso wie

Lückentexte und Aufgaben zur Selbstkontrolle an. Es finden

sich stilistisch und satztechnisch orientierte Analysebeispiele

und Analyseübungen neben Einblicken in die Personalsprachen

der bedeutendsten Vertreter polyphon orientierter

Kompositionskunst von 1450 bis 1900.

Anregungen zum eigenständigen Forschen und Erfinden

Der Autor bleibt sich hierbei konsequent treu: Die einzelnen

Kapitel sind thematisch abgeschlossen, sie beinhalten – insbesondere

in den Kapiteln zur Zwei- bis zur Vierstimmigkeit –

ausführliche Darstellungen und Übungen zum grundlegenden

Regelwerk, sie berücksichtigen die wesentlichen Kompositionsformen

und Gattungen, sie regen darüber hinaus zum

eigenständigen Forschen und Erfinden, zum Reflektieren und

Kritisieren, zum Vergleichen und Erkennen an.

Der Kontrapunkt wird aus der Tradition heraus als Methode

zur Erstellung mehrstimmiger Musik verstanden, als

gewissermaßen »neutrale Kompositionslehre«, die die vielfältigen

Erscheinungsformen polyphoner Musik hervorbringt.

Polyphonie meint somit Musik, die in den stilistischen

Grenzen eines jeweiligen Zeitraumes Stimmen in einem

gleichberechtigten Nebeneinander selbständig führt und

miteinander verwebt. Dieses Verständnis geht über die tatsächlich

oftmals auf die Musik des 16. Jahrhunderts begrenzte

gelehrte Handwerkslehre hinaus. Gleichwohl legt gerade

dieser Zeitraum Grundlagen zum Verstehen allen linearen

Denkens. Die Betrachtung kontrapunktischer Strukturen

bestimmter Stimmendichten oder bestimmter Zeiträume setzt

jedoch immer auch die Beschäftigung mit Harmonik und

Generalbass, mit der Einstimmigkeit und den Gesetzen der

Textierung voraus.

Die Kunst der didaktischen Reduktion verbindet

sich mit einem weit gespannten Überblick

Doch was ist neben dieser eher allgemeinen Beschreibung

das Charakteristische an dem Lehrwerk von Thomas Krämer?

Es ist aus meiner Sicht die Kunst der didaktischen Reduktion,

die sich mit einem weit gespannten Überblick glückhaft

verbindet. Es sind die für ihn so typischen Zusammenfassungen

von Kernsätzen und Regeln, in die die auf das

Wesentliche beschränkten Erläuterungen münden; es sind

die überschaubaren, daher effektiven Übungen, die teilweise

mit Lösungen versehen sind und daher zum Selbststudium

anregen; es ist auch die Verbindung von analytischer Reflexion

mit satztechnischen Übungen, die, auf unterschiedliche

Gattungen und Formen angewandt, einen größtmöglichen

Einblick gewähren.

Dieses Buch führt in das »Zentrum der Musik«

Dieses Buch ist von einem Lehrer geschrieben, der von

der Einsicht geleitet wird, dass Transfer erst möglich ist, wenn

Grundlagen erfasst worden sind. Daher versteht es sich als

»umfassende Satzlehre mit methodisch durchdachten Arbeitsschritten

zum Anfertigen von Musik«, deren wesentliche

Schwerpunkte die Linearität und polyphone Strukturen sind.

Daher geht es über einen eng verstandenen Kontrapunktbegriff

hinaus und versucht, Zusammenhänge und Vernetzungen

aufzuzeigen. Es bezeugt das Credo eines Lehrers,

dass es einer »methodisch strengen Schulung«, die »Lernen,

Üben, Kontrollieren und Wiederholen« bedarf, damit ein

»gesicherter und freier Blick« möglich wird. Es führt in das

»Zentrum der Musik«, das nach Krämers Verständnis »Lesen,

Verstehen, Analysieren, Empfinden, Nachahmen, Schreiben,

Singen, Kritisieren und Korrigieren« bedeutet.

38


Sommersemester 2012

Panorama

Nur wer kennt und weiß, begriffen und verstanden hat,

kann Qualität erkennen und erfahren. Die Zeitlosigkeit

von Qualität widersteht zuletzt der Zeithaftigkeit von

Gegenwartsakzeptanz.

Daher bedarf es gerade jetzt eines solchen Lehrwerkes.

Es legt den Finger in die Wunde des Verzichtbaren und

Nichtzeitgemäßen. Es postuliert, dass Berufspropädeutik

allein verengend wirkt und reagiert auf den von Lehrenden

und Studierenden zunehmend erkannten Mangel an handwerklicher

Kompetenz und erfahrenen Grundlagen, der einen

kompetenten Transfer innerhalb Vermittlung und Interpretation

unmöglich macht.

Prof. Jörg Nonnweiler

Das Buch ist bei Breitkopf & Härtel erschienen.

ISBN: 9783765103155. Preis: 38 €

New Yorker Fachmagazine loben

CDs der HFM-Jazzer

(red). Gleich zwei neue cds der

hfm-Jazzabteilung sind von New

Yorker Fachmagazinen mit

Auszeichnungen bedacht worden.

Die cd »under-stand-art« des

Jazz-Trios »Krassport«, mit dem

hfm-Lehrbeauftragten Manuel

Krass am Piano, ist vom »New York

Cadence Magazine«, eines der wichtigsten Jazz-Magazine

der Welt, sehr positiv rezensiert worden. »If the unexpected

is what the listener is looking for then one need look no

further than piano trio Krassport«, schreibt das amerikanische

Fachmagazin. Und weiter: »Krass demonstrates a solid

understanding of the modern jazz piano. But he never takes

the obvious route, peppering his solos with sharp rumbling

stabs and fleet crystalline upper register passages«.

»under-stand-art« ist im Label JazzHausMusik (jhm 193)

erschienen.

Die Duo-Produktion »Deuxième

Bureau« von hfm-Professor Georg

Ruby (p) und Michel Pilz (bcl)

hat das »New York City Jazz

Record« zu seinem Album des

Jahres 2011 gewählt. Georg Rubys

aktuelles Duo-Projekt widmet sich

auf kompromissloser Weise

»Instant Composings«, spontanen,

auf der Bühne oder im Studio entstehenden Improvisationen

ohne Vorgaben und Absprachen. Sein Partner dafür

ist Bass klarinettist Michel Pilz, einer der versiertesten und

phantasievollsten Musiker im Bereich der Improvisationsmusik

weltweit. Im Zentrum der musikalischen Interaktionen

des Duos steht die pure Lust an intensivem, manchmal auch

rein geräuschorientiertem Zusammenspiel; ob groovend,

freitonal oder harmonisch gebunden: Die Musik von Michel

Pilz und Georg Ruby fasziniert durch ihren außergewöhnlichen,

kommunikativen Farbenreichtum und durch einen

unbändigen musikalischen Humor. Die cd ist erschienen bei

JazzHausMusik (jhm 205). Info: www.jazzhausmusik.de

Gaby Pas-Van Riet spielt Mozarts

Flötenkonzerte

(red). Die hfm-Professorin

Gaby Pas-Van Riet hat mit

dem Württembergischen

Kammer orchester Heilbronn

unter der Leitung von Ruben

Gazarian (Christina Bianchi,

Harfe) die Flötenkonzerte

von W. A. Mozart eingespielt.

Die cd ist bei Bayer Records

erschienen (br 100 374).

Mozart komponierte seine Solokonzerte stets für bestimmte

Interpreten, er schneiderte sie ihnen gleichsam auf den

Leib. Die Klavierkonzerte schrieb er vor allem für seine eigenen

Auftritte, die Violinkonzerte für sich und den Salzburger

Konzertmeister Antonio Brunetti, die Hornkonzerte für

Joseph Leutgeb, das Klarinettenkonzert für Anton Stadler.

Er gestaltete den Solopart so, dass die Vorzüge der jeweiligen

Musiker möglichst gut zur Geltung kamen, und er beachtete

ihre Grenzen. Die meisten Werke des konzertanten

Genres waren für Berufsmusiker gedacht, für anerkannte

Virtuosen ihres Fachs. Die Flötenkonzerte machen – neben

einigen Klavierkonzerten – eine Ausnahme, denn Auftraggeber

und Adressaten waren Amateure, »Dilettanten«, wie

man damals ohne abschätzigen Unterton sagte.

39


Panorama

allaBREVE

Krassport: »The Planets – Discovering

Gustav Holst«

(red). Nachdem sich Krassport

mit seiner ungewöhnlichen

Trio-Besetzung die verschiedensten

Jazz-Standards auf

dekonstruktionistische Art und

Weise vorgeknöpft hat, dringt

es nun in die Gefilde der

Spätromantik vor. Thema ist die

Orchestersuite »The Planets«

von Gustav Holst. Dekonstruieren heißt Verfremden, völliges

Auseinandernehmen des Ursprungsmaterials, es heißt »das

sagen, was das Original nicht gesagt hat«.

So wird aus dem großorchestralen »The Planets« ein

Stück Musik, das sowohl das feingeistig Ausgeklügelte des

Originals beinhaltet, als auch jazztypisch frei agiert.

Ungewöhnliche Klänge, große Formen, Grooves und Teile,

die mal an Neue Musik, mal an Free Jazz erinnern; all das

findet zusammen, ohne eklektisch zu wirken.

»Krassport: The Planets – Discovering Gustav Holst« ist

beim renommierten Kölner Label JazzHausMusik (jhm 206)

erschienen (www.jazzhausmusik.de).

Orgelromantik entlang der Saar

(red). Joachim Fontaine hat

bislang noch nicht vertonte

regionale romantische Orgelmusik

eingespielt. Die cd

»Orgelromantik entlang der

Saar« beinhaltet Werke des

ehemaligen Ludwigskirche-

Organisten Hermann Küster

sowie Kompositionen von

Johann Joseph Veith, Ludwig Boslet, Friedrich Gernsheim

und Karl Roeder. Die cd, aufgenommen an der Führer-

Skrabl-Orgel in Saarlouis, entstand in Koproduktion des

Saarländischen Rundfunks mit der Akademie für Alte Musik

und ist im Label querstand records erschienen (vkjk 1125).

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Rubrik Essay

allaBREVE

Prof. Dr. Klaus Velten

Kritisches Stichwort: Inspiration

Inspiration: »Gott bedient sich des Menschen als eines Instruments

zur Hervorbringung des Vollkommenen.«

Bekannt ist die Abneigung vieler Künstler, etwas über

den Entstehungsprozess ihrer Werke auszusagen. Das gilt

im Besonderen für Komponisten. Von neugierigen Kritikern

und Hörern gefragt nach dem Ursprung eines Werkes

reagieren sie zurückhaltend, nicht selten gar unwirsch. Sie

verweigern den Einblick in die musikalische Werkstatt,

weil für sie das Komponieren im Wesentlichen durch Kräfte

gesteuert wird, die im Bereich des Unbewussten wirken.

Die romantische Genieästhetik benannte die Wirksamkeit

solcher Kräfte mit dem Begriff »Inspiration«.

Der Bedeutungshorizont verweist auf

die Annahme eines göttlichen Ursprungs

künstlerischen Tuns

Der Begriff wird allerdings schon im 17. Jahrhundert in der

Bedeutung von »schöpferischem Einfall« gebraucht. Etymologisch

leitet er sich her von dem lateinischen »Inspiratio«,

einem Abstraktum zu »inspirare« = »einflößen«, »hineinblasen«,

dieses wiederum abgeleitet von »spirare« = »blasen,

wehen, hauchen«. Als gängiges Verb gilt das Wort

»inspirieren«; im ästhetischen Schrifttum häufig reflexiv »sich

inspirieren lassen« oder passivisch »inspiriert sein von«.

Der Bedeutungshorizont verweist auf die Annahme

eines göttlichen Ursprungs künstlerischen Tuns: Gott bedient

sich des Menschen als eines Instruments zur Hervorbringung

des Vollkommenen. Diese Vorstellung klingt nach in der

umgangssprachlichen Wendung vom »begnadeten« Künstler.

Nicht erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts

wird die Vorstellung der

Inspiration als der alleinigen Quelle

musikalischen Schaffens relativiert

Noch in Hans Pfitzners Oper »Palestrina« (uraufgeführt 1917

in München) wird am Schluss des ersten Akts der Komponist

von Engeln zur musikalischen Schöpfung inspiriert. In seiner

ästhetischen Streitschrift (»Die neue Ästhetik der musikalischen

42


Sommersemester 2012

Essay

Impotenz«, 1926) verteidigt Pfitzner seine Inspirations ästhetik

gegenüber zeitgenössischen Positionen, die der Dominanz

der Wirksamkeit unbewusster Kräfte im Schaffensprozess

den partiellen Einfluss rationaler Kräfte entgegensetzen»

Beispielhaft für diesen ästhetischen Diskurs ist die Auseinandersetzung

zwischen Hans Pfitzner und Alban Berg über

die Anlage von Schumanns Charakterstück »Träumerei«.

Nicht erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wird die Vorstellung

der Inspiration als der alleinigen Quelle musikalischen

Schaffens relativiert. Schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts

gibt es gewichtige Stimmen, die das Musikwerk

weniger als das Ergebnis der Wirksamkeit einer inspirativen

Kraft erklären als mehr durch einen Prozess intensiver

»Arbeit«.

Brahms betrachtet die Ausarbeitung

des Einfalls als das Zentrum des

kreativen Akts

So erklärt Johannes Brahms zu diesem Thema: »Das, was

man eigentlich Erfindung nennt, also ein wirklicher Gedanke,

ist sozusagen höhere Eingebung, Inspiration, d. h. dafür kann

ich nichts. Von dem Moment an kann ich dies ›Geschenk‹

gar nicht genug verachten, ich muss es durch unaufhörliche

Arbeit zu meinem rechtmäßigen, wohlerworbenen Eigentum

machen. Und das braucht nicht bald zu sein.« (Zitiert bei:

H. A. Neunzig, Brahms. Hamburg 1973, S. 100)

Brahms betrachtet die Ausarbeitung des Einfalls als

das Zentrum des kreativen Akts; der Einfall selbst als das

inspirative Moment wird in seiner Bedeutung herabgemindert.

Brahms knüpft mit diesem Verständnis der Beziehung von

Einfall und Ausarbeitung an ein traditionelles Erklärungsmodell

an, das in der älteren Poetik durch die Begriffe

»inventio« (Erfindung) und »elaboratio« (Ausarbeitung)

repräsentiert wurde. So strebt J. S. Bach in seinen Inventionen

unter anderem das Ziel an, »gute Inventionen nicht allein zu

bekommen, sondern auch selbige wohl durchzuführen«, um

dadurch »einen starcken Vorgeschmack von der Composition

zu überkommen«. (Einleitung zum Manuskript von 1723).

wiederum Phantasie und Rationalität in Wechselbeziehung

zueinander stehen. So ist das vom Komponisten erlernte

Handwerk durchsetzt mit rationalen Elementen, die auf

phantasievolle Weise zu beleben sind. Die prozesshafte

Formung des musikalischen Gedankens vollzieht sich im

Zusammenspiel von Einbildungskraft und Verstand.

Das Verhältnis von Erfindung und Ausarbeitung

stellt sich bei großen Komponisten

stets als wechselwirksam dar

Diese Sicht entspricht sowohl der klassischen Ästhetik,

wie sie von Kant und Schiller vertreten wurde, als auch

späteren philosophisch-ästhetischen Erklärungen. Beispielhaft

dafür ist die schaffensästhetische Position, die Th. W. Adorno

in seiner »Ästhetischen Theorie« (1973) bezieht: »... der angeflogene

musikalische Einfall, als Moment nicht zu leugnen,

(bleibt) so lange kraftlos, wie er nicht durch das, was aus ihm

wird, sein pures Vorhandensein überflügelt«. (Th. W. Adorno,

Ästhetische Theorie, suhrkamp tb 1973, S. 258)

Das Verhältnis von Erfindung und Ausarbeitung stellt

sich bei großen Komponisten stets als wechselwirksam dar.

Der spontane Einfall wird im Hinblick auf seine Eignung

als Träger eines kompositorischen Prozesses überprüft und

gegebenenfalls verändert. Dieser Vorgang spiegelt sich häufig

in den Skizzenbüchern der Komponisten, in besonderer

Weise in denen L. v. Beethovens. Die Wertigkeit des Einfalls

bestimmt sich durch das Ausarbeitungspotential, das in

ihm steckt. Die Fähigkeit des Künstlers, eine solche Wertigkeit

einzuschätzen, ist allerdings an eine Begabung gebunden,

die nicht rational zu erklären ist.

Die prozesshafte Formung des musikalischen

Gedankens vollzieht sich im

Zusammenspiel von Einbildungskraft

und Verstand

Den Kontrapunktstudien Bachs liegt ein poetisches Konzept

zugrunde, das die musikalische Produktion als Ergebnis

des Zusammenwirkens von Erfindungsgabe und kombinatorischem

Kalkül erscheinen lässt. Der der unmittelbaren

Empfindung entspringende Einfall wird im Prozess seiner

Ausarbeitung von einem Kräftepotential gesteuert, in dem

43


Essay

allaBREVE

Prof. Dr. Klaus Velten

Claude Debussy: Ahnherr der Neuen Musik

Zum Gedenken an den Komponisten, der vor 150 Jahren geboren wurde

Es ist der »kolorierte Klangzauber«,

der das ungewohnte Zeitempfinden

auslöst, das die Komposition als neuartig

erscheinen lässt.

Die Musik Debussys ist »raffiniertes

Idyll, gemalt und gestaltet mit den

zugleich sparsamen und verwickelten

Mitteln neuester Kunst«

Der Autor charakterisiert Debussys Komposition als ein

»raffiniertes Idyll, gemalt und gestaltet mit den zugleich

sparsamen und verwickelten Mitteln neuester Kunst, …

mit allen Wassern moderner Klangtechnik gewaschen und

klüglich danach angetan, die Seele in Traum zu spinnen.«

(Fischer-Ausgabe,Fft/M 1965, S. 593) Hans Castorp liebt diese

Musik, weil sie ihm ermöglicht, sich dem »abendländischen

Aktionskommando« zu entziehen und sich dem Zustand

eines anders gearteten Zeitgefühls zu überlassen.

Gestaltungszüge und Wirkungsweise der Musik Debussys

werden von Thomas Mann meisterhaft geschildert. Es ist der

»kolorierte Klangzauber«, der das ungewohnte Zeitempfinden

auslöst, das die Komposition als neuartig erscheinen lässt.

Die Romanschilderung trifft ins Zentrum des Musikverständnisses

Debussys: »La musique est de couleurs et temps rhythmés.«

So umschreibt der Komponist seine Musikauffassung in

einem Brief vom 3. September 1907 an seinen Verleger Jaques

Durand. (Claude Debussy à son éditeur, publiées par C. Durand,

Paris 1927, S. 55) In dieser konzentrierten Aussage spiegelt sich

das für seine Kompositionspraxis essentielle Zusammenwirken

von Klang- und Zeitgestaltung. Die Neuartigkeit dieser

kompositorischen Strategien um die Wende der Jahrhunderte

sei hier kurz beleuchtet.

In seinem 1924 vollendeten großen europäischen Bildungsroman

»Der Zauberberg« bietet Thomas Mann eine schwerlich

zu übertreffende Charakterisierung der Musik des sechs Jahre

zuvor verstorbenen Komponisten Claude Debussy.

Er lässt seinen Romanhelden während eines Sanatoriumsaufenthalts

im Hochgebirge von Davos die Musik des

symphonischen »Prélude a l›après-midi d’un faune«, entstanden

zwischen 1892 und 1894, erleben.

»Mit allen Wassern moderner Klangtechnik

gewaschen und klüglich danach

angetan, die Seele in Traum zu spinnen.«

Hans Castorp, das »Sorgenkind aus dem Flachland«, das

im Sanatorium einem Bildungsprozess mit hohen, einander

widerstreitenden Herausforderungen ausgesetzt ist (Settembrini

und Naphta), wird durch die Begegnung mit der

neu artigen Musik Debussys in einen Traum versetzt, in dem

»das Vergessen selbst, der selige Stillstand, die Unschuld

der Zeitlosigkeit« herrscht.

»Glauben Sie mir, der alte Bach, der

die gesamte Musik in sich fasst, schert

sich wenig um harmonische Formeln.«

Das Erneuerungsbestreben richtet sich zunächst auf die

Harmonik. Im Jahre 1902 wird Debussy mit der Frage des

Schriftleiters der Zeitschrift »Musica« konfrontiert: »Lässt

sich voraussehen, wie die Musik von Morgen beschaffen sein

wird?« Der Komponist antwortet: »Was der französischen

Musik am dringlichsten zu wünschen wäre, ist die Abschaffung

des Studiums der Harmonielehre, wie man es an den

Musikschulen betreibt: »Eine pompösere und lächerlichere

Art, Klänge zusammenzufügen, lässt sich nicht denken.«

(Claude Debussy: Monsieur Croche. Sämtliche Schriften und

Interviews, hrsg. von Francois Lesure. Aus dem Französischen

übertragen von Josef Häusler. Reclam Stuttgart 1974, S. 69)

Wie versteht sich dieses rigorose Diktum? Debussy selbst

bietet die Erklärung, indem er sich auf das harmonische

Konzept J. S. Bachs zurückbezieht: »Glauben Sie mir, der alte

Bach, der die gesamte Musik in sich fasst, schert sich wenig

um harmonische Formeln. Er zog ihnen das freie Spiel der

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Sommersemester 2012

Essay

klanglichen Kräfte vor, aus deren parallelen oder entgegengesetzten

Kurvenverläufen jenes unerwartete Aufblühen

hervorbricht, das mit unvergänglicher Schönheit noch das

geringste seiner unzählbaren Werke schmückt.« (ebenda

S. 69/70)

Debussy plädiert für eine Kompositionsweise des »freien

Spiels der klanglichen Kräfte«. Er spricht sich für die Lösung

aus der Funktionsgebundenheit der Klänge aus, die das

harmonische Geschehen der traditionellen Musik weitgehend

bestimmte. Ihrer tonalen Funktion entbunden treten die

Harmonien als reine Klangphänomene auf. Verknüpft werden

sie durch ein lineares Empfinden, für das Debussy den emphatisch

klingenden Ausdruck »anbetungswürdige Arabeske«

wählt. Die im Tonsatz Bachs zu erlebenden »Kurvenverläufe«

sind ihm Vorbilder für die »arabeske«, lineare Satzgestaltung

der Zukunft. Voraussetzung für die von Debussy geförderte

Entfunktionalisierung der Harmonien ist ein sich wandelndes

Tonalitätsempfinden.

Vorstellung von einer

»schwebenden« Tonalität

Die vom Prinzip der Leittönigkeit geprägte Dur-Moll-

Tonalität weicht allmählich leittonlosen Materialordnungen

in Gestalt der Ganztonleiter, der Pentatonik und der alten

Kirchentonarten. Diese Ordnungen steuern sowohl die

Klangbildung als auch die Klangverknüpfung. Das tradierte

Terzenschichtungsprinzip der Akkordbildung führt dabei

zu Klangtypen, die – wie z. B. dem übermäßigen Dreiklang

oder dem doppelt alterierten Terzquartakkord – nur noch

äußerlich solchen der traditionellen Harmonielehre entsprechen,

durch ihre kettenartige Verknüpfungsweise hingegen

ihren Funktionswert einbüßen und in reine Klangwerte

verwandelt werden.

Der Prozess der Entfunktionalisierung der Harmonik

in der Kompositionsweise Debussys kann nachvollzogen

werden durch eine vergleichende Gegenüberstellung von zwei

Fassungen der Vertonung des Verlaine-Gedichts »Clair de

Lune« von 1882 (1. Fassung) und 1891 (2. Fassung). Während

die Satzweise der frühen Fassung noch weitgehend funktionsharmonisch

bestimmt ist, setzt sich in der späteren Fassung

eine modale Harmonik durch, deren Klangbildung und

Klangverknüpfung von der Vorstellung einer »schwebenden«

Tonalität geleitet wird. (Vgl. dazu: Klaus Velten: in »Musica« 45

(1991) Heft 1,5. S. 18–22)

Mit der Lösung aus den Bindungen der dur-moll-tonalen

Funktionsharmonik einher geht eine Lockerung des metrischrhythmischen

Gefüges. Die Musik wird aus der Herrschaft

des Akzentstufentaktes befreit. Betonungen erfolgen nicht

mehr in reglementierten Abständen; der Rhythmus löst sich

aus den Fesseln des Taktes und bewirkt dadurch den Fluss,

der die »arabeske« Linienbildung ermöglicht.

Dies führt auch zur Lösung aus den Schemata der musikalischen

Periodenbildung. Schon Richard Wagner bemühte

sich um die Überwindung der »Quadratur des Tonsatzes«.

»Reinigen wir unsere Musik, entlasten

wir sie vom hohen Blutdruck. Versuchen

wir, zu einer hüllenloseren Musik zu

finden.«

Debussy – ansonsten ein heftiger Kritiker des Bayreuther

Meisters – setzt diesen Weg fort, allerdings motiviert durch

andere ästhetische Voraussetzungen. »Ich strebte für die

Musik eine Freiheit an, die sie vielleicht mehr als jede andere

Kunst in sich birgt, eine Freiheit, welche nicht mehr auf die

mehr oder weniger getreue Wiedergabe der Natur eingeengt

bleibt, sondern auf den geheimnisvollen Entsprechungen

zwischen Natur und Phantasie beruhen sollte.« (April 1902.

In: Monsieur Croche, a. a. O. S. 66).

In diesem schaffensästhetischen Rückblick deutet sich

eine Haltung an, die der Philosoph Ortega y Gasset in seiner

Würdigung Debussys als »Wendung vom Subjektiven zum

Objektiven« beschreibt. (In: La deshumanizacion del arte, 1925,

zitiert in: Jean Barraque, Debussy, Hamburg 1964)

Der gefühlsbetonenden Subjektivität des romantischen

Künstlers tritt eine Kunsthaltung entgegen, die der einundfünfzigjährige

Komponist fünf Jahre vor seinem Tod in einen

Appell fasst: »Reinigen wir unsere Musik, entlasten wir sie

vom hohen Blutdruck. Versuchen wir, zu einer hüllenloseren

Musik zu finden. Hüten wir uns davor, das Gefühl unter

der Anhäufung von Motiven und aufgetürmten Mustern zu

ersticken, … die das arme Gefühl in die Beine beißen, dass

dieses alsbald sein Heil in der Flucht sucht! Als Generalregel

gilt allemal: Wer in der Kunst eine Form oder ein Gefühl

kompliziert, weiß nicht, was er sagen will.« (Monsieur Croche,

a. a. O. S. 247)

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