nichts über uns ohne uns - bezev eV

bezev.de

nichts über uns ohne uns - bezev eV

nichts über uns

ohne uns

Menschen mit Behinderung

als Akteure in der

Entwicklungszusammenarbeit


1. Vom passiven Wohlfahrtsempfänger zum selbstbestimmt Handelnden.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5

2. Zivilgesellschaft und Entwicklung: Grundlagen deutscher Entwicklungspolitik.. . . . . . . . . . . . . 6

3. Die Rolle von Organisationen von Menschen mit Behinderung in der

Entwicklungszusammenarbeit.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7

4. Empowerment und Capacity Development – Partner stärken, Potenziale entwickeln.. . . . . . . . 8

5. Projektbeispiele aus dem Süden: Organisationen von Menschen mit Behinderung

in der Entwicklungszusammenarbeit .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9

5.1 Selbsthilfe und Selbstvertretung – Zur Situation in Südindien .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9

5.2 Selbstvertretung von Menschen mit Behinderung im südlichen Afrika .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12

6. Ein britisches Beispiel für die Nord-Süd-Zusammenarbeit mit Menschen mit

Behinderung .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14

7. Engagement von Behindertenverbänden in der Entwicklungszusammenarbeit –

Vorbild Finnland .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16

8. Wie können Frauen und Mädchen gleichberechtigt berücksichtigt werden?.. . . . . . . . . . . . . . . 18

8.1 ‚Lelisa Ifadin’ Frauen-Selbsthilfegruppen in Gende Kore, Äthiopien.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18

8.2 Stärkung von Frauen mit Behinderung im südlichen Afrika. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19

9. Empfehlungen für eine gute Zusammenarbeit mit Selbstvertretungsorganisationen .. . . . . . 20

9.1 Herausforderungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20

9.2 Vorteile einer Kooperation .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20

9.3 Empfehlungen.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20

10. Weiterführende Informationen .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22


Vorwort

»Nichts über uns ohne uns«

Menschen mit Behinderung als Akteure

in der Entwicklungszusammenarbeit

D ies war der Titel einer internationalen Tagung, die vom

2. bis 3. Dezember 2008 im Kleisthaus in Berlin stattgefunden

hat. Die vorliegende Broschüre greift diese Thematik

noch einmal auf und möchte mit den folgenden Artikeln

dazu beitragen, die Kooperation mit Organisationen

von Menschen mit Behinderung in der Entwicklungszusammenarbeit

zu fördern. Menschen mit Behinderung

sind Experten und Expertinnen in eigener Sache und können

mit ihrem Erfahrungsschatz dazu beitragen, die Lebensbedingungen

von Menschen mit Behinderung in Entwicklungsländern

zu verbessern.

Voraussetzung dafür ist gleichwohl, dass sie als Partner

von Entwicklungsprojekten und -programmen wahrgenommen

und berücksichtigt werden. „Ja, können die

das denn überhaupt?“ mag manche/r spontan denken.

Tatsächlich spielen Organisationen von Menschen mit

Behinderung bei entwicklungspolitischen Vorhaben

noch eine marginale Rolle. Dies hat jedoch sehr viel mit

Vorurteilen zu tun und weniger mit den tatsächlichen

Möglichkeiten. Wie andere Selbsthilfegruppen und

Selbstvertretungsorganisationen auch benötigen Menschen

mit Behinderung Unterstützung beim Aufbau ihrer

Organisationen und Strukturierung ihrer Arbeit. Wenn

sie diese bekommen, sind sie wertvolle Partner in der

Entwicklungszusammenarbeit.

Die vorliegende Broschüre möchte solche Möglichkeiten

aufzeigen, Herausforderungen benennen und gleichzeitig

Empfehlungen geben, wie die Zusammenarbeit mit Organisationen

von Menschen mit Behinderung verbessert

und gestärkt werden kann.

Die folgenden namentlich gekennzeichneten Kapitel

sind Beiträge von ReferentInnen der Tagung und aus dem

Englischen übersetzt worden.


ezev

Die Tagung im Dezember 2008

Bei der Podiumsdiskussion, v.l.n.r.: Gabriele Weigt,

Sprecherin der VENRO-AG Behinderung und Entwicklung;

Dorothy Musankanya, SAFOD, Simbabwe;

Martin Georgi, Direktor CBM; Hans-Günter Heiden,

Moderation; Sigrid Arnade, Deutscher Behindertenrat;

Hans-Reiner Bönning, BZSL;

Raghavan Ramachandran, ADD Indien, stellt im Plenum

Ergebnisse einer Arbeitsgruppe vor.


1. Vom passiven Wohlfahrtsempfänger zum selbstbestimmt Handelnden

N O T H I N G A B O U T U S

W I T H O U T U S

„Nichts über uns ohne uns“ . . .

i st seit mehr als zwanzig Jahren der Slogan der Behindertenbewegung,

der eine aktive Beteiligung von Menschen

mit Behinderung einfordert. Bereits 1981, dem

Internationalen Jahr der Behinderten, wehrten sich Menschen

mit Behinderung dagegen, nicht an den Angelegenheiten,

die sie betreffen, beteiligt zu werden. Mit dem

darauf folgenden Weltaktionsprogramm und den Rahmenbestimmungen

für die Herstellung der Chancengleichheit

für Behinderte (Standard Rules on the Equalization of

Opportunities for Persons with Disabilities, 1993) der Vereinten

Nationen war die Hoffnung verbunden, die Chancengleichheit

und -gerechtigkeit für Menschen mit Behinderung

zu verbessern.

Obwohl seitens der Vereinten Nationen ein Sonderberichterstatter

ernannt wurde, der über die Lage von

Menschen mit Behinderung in regelmäßigen Abständen

berichtete, konnten die Standard Rules zu keinen entscheidenden

Verbesserungen beitragen, da sie kein völkerrechtlich

verbindliches Übereinkommen waren.

Ein solches verbindliches Dokument liegt nun mit

der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit

Behinderungen vor, die seit dem 26. März 2009 auch in

Deutschland in Kraft getreten ist. Diese beinhaltet einen

Paradigmenwechsel von einer medizinischen, wohlfahrtsgetragenen

Sichtweise von Behinderung hin zu einem

menschenrechtlichen Ansatz. Das Recht auf Selbstbestimmung,

Freiheit von Diskriminierung und gleichberechtigte

gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung

sind darin verbindlich verankert.

Nach der Schaffung der rechtlichen Grundlagen geht es

nun darum, diese mit Leben zu füllen. Die UN-Konvention

bezieht sich in ihrer Reichweite nicht nur auf die Lebenssituation

von Menschen mit Behinderung in Deutschland,

sondern beinhaltet auch internationale Aspekte, die zu

einer gleichberechtigten Berücksichtigung von Menschen

mit Behinderung in der humanitären Hilfe (Art. 11) und

der Entwicklungszusammenarbeit (Art. 32) verpflichten.

Dabei bildet sie nicht nur die rechtliche Grundlage,

sondern beschreibt auch den konzeptionellen Rahmen.

Mit dem Recht auf die selbstbestimmte Gestaltung ihrer

Lebensumstände erhalten Menschen mit Behinderung

auch im Rahmen von humanitären und entwicklungspolitischen

Fragen eine andere Rolle. Auch wenn ihre aktive

Beteiligung bereits im Konzept der gemeindenahen Rehabilitation

gefordert war, das Ende der 70er Jahre von der

Weltgesundheitsorganisation (WHO) eingeführt wurde,

hat sich dies in der Praxis kaum durchgesetzt. Die UN-

Konvention bietet nun auch dafür eine Rechtsgrundlage

und ebnet gleichzeitig den Weg der Anerkennung von

Menschen mit Behinderung und ihren Organisationen als

Teile der Zivilgesellschaft.


2. Zivilgesellschaft und Entwicklung: Grundlagen deutscher entwicklungspolitik

Z ivilgesellschaftliche Organisationen des Südens spielen

in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit eine wichtige

Rolle als Partner von nichtstaatlichen und staatlichen

Organisationen. Bereits im Aktionsprogramm Armutsbekämpfung

der Bundesregierung spielt die Beteiligung von

armen Menschen eine wichtige Rolle. Aufgrund der großen

Mehrzahl von Menschen mit Behinderung, die in Armut

leben, ist ihre aktive Einbindung hier von großer Bedeutung.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit

und Entwicklung (BMZ) hat 2008 den Entwicklungspolitischen

Aktionsplan für Menschenrechte 2008–2010

veröffentlicht. Darin wird die Beteiligung der Zivilgesellschaft

ausdrücklich unterstrichen.

„Mit dem Bezug auf die Menschenrechte unterstreichen

wir das emanzipatorische Potenzial einer Entwicklungszusammenarbeit,

die die Menschen als Subjekte und

Akteure ihrer eigenen Entwicklung sieht und fördert. Der

Menschenrechtsansatz markiert insofern einen Paradigmenwechsel:

Aus Zielgruppen werden Rechtsträger, aus unseren

überwiegend staatlichen Partnern Pflichtenträger. Wir

beziehen uns damit nicht mehr vorrangig auf Bedürfnisse

und Anliegen betroffener Gruppen, sondern auf rechtlich

verankerte Ansprüche auf ein menschenwürdiges Leben,

denen entsprechende Verpflichtungen staatlicher, aber auch

nicht-staatlicher Akteure gegenüberstehen“

entwicklung

In seinem Politikpapier Behinderung und Entwicklung

bezieht sich das BMZ ausdrücklich auf den Entwicklungspolitischen

Aktionsplan für Menschenrechte 2004–2007

und unterstreicht damit die Bedeutung des empowerments

und der aktiven Einbindung von Menschen mit

Behinderung und ihrer Organisationen.

1) Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

(BMZ) (2008): Entwicklungspolitischer Aktionsplan für Menschenrechte

2008–2010, BMZ Konzepte 115, S.3

2) Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

(BMZ) (2006):

Behinderung und Entwicklung – Ein Beitrag zur Stärkung der Belange

von Menschen mit Behinderungen in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit

(Politikpapier)


3. Organisationen von Menschen mit Behinderung in der Entwicklungszusammenarbeit

W eltweit werden Menschen mit Behinderung durch eigene

Organisationen vertreten. Die Aufgaben, die von ihnen

übernommen werden, erstrecken sich über die ganze

Bandbreite zivilgesellschaftlichen Engagements. So vielfältig

wie die Aufgaben sind, so unterschiedlich sind noch

die Begriffe, mit denen sie bezeichnet werden. Manche

nennen sie Selbsthilfegruppen, andere Selbstvertretungsorganisationen.

Im englischen Sprachraum ist für letztere

die Bezeichnung Disabled Peoples‘ Organisation (DPO) üblich.

Gemeinsames Element ist aber, dass sich Menschen

mit Behinderung in den Führungspositionen befinden und

über die Aktivitäten und Vorhaben der Organisation oder

Gruppe entscheiden.

In der Entwicklungszusammenarbeit sind Organisationen

von Menschen mit Behinderung „Schlüsselpartner“, wenn

Entwicklungsvorhaben die Belange von Menschen mit Behinderung

betreffen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen

(wie z.B. Programme zur Aufforstung des Regenwaldes),

trifft dies auf alle Entwicklungsvorhaben zu. Dies bedeutet,

dass fast alle Vorhaben die Belange von Menschen mit

Behinderung zu berücksichtigen haben. Es ist daher von

Vorteil, Organisationen von Menschen mit Behinderung in

diese mit einzubinden, da sie am besten wissen, wie ihre

spezifischen Belange am wirkungsvollsten berücksichtigt

werden können.

Ihre Beteiligung ist in allen Phasen der Projekt- und

Programmdurchführung möglich, idealerweise von

Anfang an, bei der Projektvorbereitung und -planung,

der Durchführung, bis hin zum Monitoring und zur

Evaluation. Dies gilt für Projekte und Programme in allen

politischen, wirtschaftlichen und sozialen Bereichen, mit

dem Ziel, Menschen mit Behinderung gleichermaßen wie

andere Menschen der jeweiligen (Ziel-)Gruppe zu berücksichtigen.

Darüber hinausgehend übernehmen Organisationen

von Menschen mit Behinderung auch andere wichtige

Aufgaben, wenn es um die Einforderung ihrer Menschenrechte,

gesellschaftliche Akzeptanz und Armutsbekämpfung

geht.

Anwaltschaft und Lobbyarbeit

Im Bereich der Anwaltschaft und Lobbyarbeit

kommt ihnen eine besondere Bedeutung zu. So

konnten verschiedene afrikanische Regierungen in

den letzten Jahren überzeugt werden, das Thema Behinderung

in ihre politischen Leitlinien aufzunehmen. Dies

hat dazu geführt, dass Menschen mit Behinderung in

diesen Ländern besser am gesellschaftlichen Leben

teilhaben können. Ein gutes Beispiel ist Südafrika, wo die

Arbeit der Organisationen von Menschen mit Behinderung

dazu geführt hat, dass Südafrika nun die umfangreichste

Gesetzgebung und den politischen Rahmen für die volle

Integration von Menschen mit Behinderung besitzt.

Bewusstseinsbildung

Eine andere Aufgabe ist die Durchführung von

Kampagnen, um die Öffentlichkeit dahingehend

zu sensibilisieren, dass Menschen mit Behinderung

zwar verschieden, aber dennoch in der Lage sind,

einen positiven Beitrag zur Entwicklung ihres Landes zu

leisten. Sie können nicht weiter ignoriert werden, sondern

sie haben – wie jeder andere auch – die Fähigkeit, Veränderungen

herbeizuführen.

Information

Organisationen von Menschen mit Behinderung

können auch eine wichtige Rolle darin einnehmen,

der Öffentlichkeit Informationen über Behinderung

zu vermitteln, zu dokumentieren und zu verbreiten

(z.B. mit webbasierten Datenbanken, Ressource-Zentren,

etc.).

Armutsbekämpfung

Gemäß Schätzungen der Vereinten Nationen gibt

es weltweit ca. 650 Mio. Menschen mit Behinderung,

ca. 80% davon leben in Entwicklungsländern.

Es wird geschätzt, dass ein Fünftel der in absoluter

Armut lebenden Menschen von einer Behinderung

betroffen sind. Sie haben nur sehr beschränkt Zugang zu

Bildung, Transport, kulturellen und sozialen Aktivitäten,

Gesundheitsmaßnahmen und Beschäftigung. Wenn

Menschen mit Behinderung nicht explizit bei den Strategien

zur Bekämpfung der Armut berücksichtigt werden,

wird es nicht möglich sein, die Armut bis zum Jahre 2015

zu halbieren.

Menschenrechte

Die Rechte von Menschen mit Behinderung sind

Menschenrechte und ihre Realisierung ist notwendige

Voraussetzung, um Gerechtigkeit, Gleichheit

und Teilhabe herzustellen. DPOs spielen hier eine entscheidende

Rolle, um sich für die Erreichung dieser Rechte

einzusetzen, wie z.B. für die nationale Umsetzung der UN-

Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung.

Wenn die Regierungen die UN-Konvention ratifiziert

haben, braucht es starke zivilgesellschaftliche Gruppen,

die die Umsetzung der Konvention fordern und begleiten.


4. Empowerment und Capacity Development - Partner stärken, Potenziale entwickeln

O rganisationen von Menschen mit Behinderung können

mit den genannten Aufgaben entscheidend zur Verbesserung

der Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderung

beitragen und ihre Beteiligung an Entwicklungsvorhaben

stärken.

Weltweit sind in den letzten Jahrzehnten Selbstvertretungsorganisationen

und Selbsthilfegruppen entstanden.

Das weltweite Netzwerk von Disabled Peoples’ International

(DPI) umfasst Mitgliedsorganisationen in über 130

Ländern, mehr als die Hälfte davon in Entwicklungsländern.

Wie für andere zivilgesellschaftliche Gruppen auch

kommt den Aspekten des empowerments (Selbstbefähigung)

und des capacity development (Entwicklung von

Fähigkeiten und Kompetenzen) im Bereich Behinderung

eine besondere Bedeutung zu.

Ursprünglich aus den Bereichen der Psychologie und

Sozialpädagogik stammend, hat der Begriff empowerment

entwicklungspolitisch an Bedeutung gewonnen.

Besonders für Menschen, die benachteiligt sind, sind

Prozesse des empowerments wichtig und notwendig,

um in die Lage versetzt zu werden, ihre Belange zu

vertreten und zu gestalten. Sie benötigen Strategien und

Maßnahmen, die ihnen helfen, ein selbstbestimmtes und

unabhängiges Leben zu führen. Dies trifft auf Menschen

mit Behinderung in besonderer Weise zu. Sie gehören

nicht nur zu den am meisten benachteiligten Gruppen,

sondern haben auch die ungünstigsten Voraussetzungen,

um ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen.

Daher kommen dem Aufbau von Kapazitäten bzw. dem

empowerment besondere Bedeutung zu, damit sie in die

Lage versetzt werden, Entwicklung mitzugestalten. Nach

Erfahrungen der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe

(DAHW) besteht ein Bedarf besonders in den folgenden

Bereichen:

Organisationsstruktur

Organisationsführung

Entscheidungsprozesse

Rechte und Anwaltschaft

Einkommensschaffende Maßnahmen

Umgang mit Finanzen

Dabei geht es darum, die Entwicklung der Potenziale der

Menschen mit Behinderung und ihrer Organisationen

zu fördern und diese dadurch zu stärken. So werden sie

Partner, die eine aktive Rolle übernehmen können.

Zur Entwicklung dieser Fähigkeiten sind aber oftmals Kooperationen

mit internationalen Organisationen vonnöten,

um die Ressourcen für Entwicklungsprozesse überhaupt

bereit zu stellen.

nichts über uns ohne uns


5. Projektbeispiele aus dem Süden:

Organisationen von Menschen mit Behinderung in der Entwicklungszusammenarbeit

5.1 Selbsthilfe und Selbstvertretung

– zur Situation in Südindien

Von R. Ramachandran, Geschäftsführender Direktor von

Action on Disability and Development India (ADD India),

Indien

E s ist mittlerweile anerkannt, dass reine Rehabilitationsmaßnahmen

für Menschen mit Behinderung nicht ausreichend

für eine volle gesellschaftliche Inklusion sind. Idealerweise

sollten Menschen mit Behinderung in der Lage

sein, Unterstützung zu erhalten, aber auch andere zu unterstützen.

Sie sollten beteiligt sein, um Rat gefragt und

in die Lage versetzt werden, aktiv in Bereichen zu partizipieren,

die ihre Belange betreffen. Sie sollten mit ihren Fähigkeiten

anerkannt werden.

Menschen mit Behinderung möchten sich, wie viele

andere auch, mit anderen über ihre Sorgen und Nöte

austauschen. Aus diesem Grund haben sie sich zu Selbsthilfegruppen,

in Süd-Indien sangha genannt, zusammengeschlossen.

Womit und wofür diese Gruppen jeweils arbeiten, hängt

auch damit zusammen, in welcher Gegend sie gegründet

wurden. In städtischen Regionen haben sich Eltern und

BetreuerInnen von Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen

zu Vereinigungen zusammengeschlossen,

um gemeinsam mehr über die Bedürfnisse ihrer Kinder

in Erfahrung zu bringen. Außerdem sensibilisieren sie die

Öffentlichkeit und unterstützen andere, die sich in der

gleichen Situation befinden. Diese Gruppen sind meistens

gut informiert und verfügen über ausreichende Mittel,

um die Öffentlichkeit zu erreichen und ihre Sache erfolgreich

zu vertreten.

Anders sieht es in ländlichen Regionen aus. Die

meisten Menschen sind nicht gut über ihre Behinderung

informiert, außerdem fehlen Ihnen Mittel und Möglichkeiten

und sie wissen nicht, woher sie die notwendige

Unterstützung bekommen können. In solchen Situationen

können Selbsthilfegruppen sehr hilfreich sein.

UWas ist eine Selbsthilfegruppe?

Selbsthilfegruppen sind Vereinigungen von ehrenamtlich

Tätigen, die sich demokratisch und verantwortlich für das

Erreichen gemeinsamer Ziel einsetzen. Wenn Menschen

mit Behinderung sich in solchen Gruppen organisieren,

treten sie auch gesellschaftlich stärker in Erscheinung.

Die Mitglieder solcher Gruppen tauschen Information

über die Verfügbarkeit von Dienstleistungen und

Berufliches Training für Menschen mit

Behinderung in Kerala, Südindien.

Ressourcen aus, beraten sich bei Entscheidungen über

familiäre oder persönliche Angelegenheiten und helfen

sich gegenseitig. Die Mitglieder können sich als Gruppe

besser für ihre Rechte einsetzen, um Unterstützungs- und

Dienstleistungen von der Regierung zu bekommen. Auch

gesellschaftliche Anerkennung und Teilhabe erlangen sie

eher als Gruppe.

UDie Funktionsweise von Selbsthilfegruppen

Ziele und Zweck der Selbsthilfegruppe sollten klar sein.

Sie sollte die Wünsche ihrer Mitglieder repräsentieren

und transparent sein. Eine Selbsthilfegruppe wird länger

bestehen, wenn alle Mitglieder in irgendeiner Weise zu

ihrer Entwicklung beigetragen haben und auch weiterhin

beteiligt bleiben. Ein externer Moderator kann die Entstehung

der Gruppe unterstützen. Ihre Funktionsweise und

die Entscheidungsprozesse sollten aber von den Mitgliedern

bestimmt werden. Die Größe der Selbsthilfegruppe

kann zwischen etwa fünf und zwanzig Mitgliedern

variieren. Diese ist abhängig von der Zahl der Menschen

mit Behinderung in der Region.

In ländlichen Regionen haben Menschen mit Behinderung

solche Selbsthilfegruppen gegründet. Kinder und

Menschen mit intellektuellen oder schweren Behinderungen

werden durch ein Elternteil oder eine/n BetreuerIn

in der Gruppe vertreten. Die Führungspersonen der

Gruppe, wie Vorsitzende, Schriftführer und Kassenwart

werden von den Gruppenmitgliedern gewählt.

Die Gruppen führen ganz unterschiedliche bewusstseinsbildende

Aktionen durch, um auf ihre Rechte aufmerksam


5.1 | Projektbeispiele aus dem Süden | Selbsthilfe und Selbstvertretung – zur Situation in Südindien

zu machen und darin sollten sie auch geschult werden.

Ein Beispiel wäre, ihre Beteiligung an Entscheidungsgremien

der lokalen Behörden einzufordern. Die Inanspruchnahme

von staatlichen Leistungen kann durch

gemeinsame Anstrengungen erreicht werden.

In den letzten Jahren sind in den vier südlichen Ländern

Indiens tausende solcher Gruppen auf lokaler Ebene

entstanden. Ihnen ist es gelungen, Zugang zu den staatlichen

Leistungen der Regierung und zu den Programmen

auf lokaler Ebene zu erlangen.

UVon Selbsthilfegruppen zu Selbstvertretungsorganisationen

Während Selbsthilfegruppen eher auf der lokalen Ebene

agieren, braucht es auf regionaler Ebene größere Organisationen,

die Menschen mit Behinderung repräsentieren

und für ihre Rechte eintreten. Verbände bzw. Selbstvertretungsorganisationen

von Menschen mit Behinderung

werden von den VertreterInnen der Selbsthilfegruppen

gebildet. Sie wählen die Führungspersönlichkeiten aus ihren

eigenen Reihen und greifen ihre eigenen Themen auf.

Auch wenn nicht alle von ihnen gute Bildungsabschlüsse

haben, sind ihre Einsatzbereitschaft und ihr Verständnis

von behinderungsrelevanten Fragen dennoch sehr hoch.

Die DPOs spielen in ihren jeweiligen Regionen eine aktive

Rolle bei der Integration von Menschen mit Behinderung

in die Entwicklungsprogramme, die in ihren Regionen

implementiert wurden. Beispiele:

*

*

*

*

*

3%-ige Zuweisung von Maßnahmen aus Armutsbekämpfungs-

und Entwicklungsprogrammen

Bildung für Kinder mit Behinderung

Thematisierung der Gestaltung einer barrierefreien

Umgebung

Sicherstellen, dass die Belange von Frauen mit Behinderung

berücksichtigt werden

In Tamil Nadu nahmen 52 Menschen mit Behinderung

an den „Panchayat”-Wahlen teil. Diese sind

Entscheidungsgremien für eine Gruppe von Dörfern.

18 Personen wurden als VertreteterInnen ihrer Blocks

gewählt.

Karnataka

Andhra Pradesh

Vertretungen von Menschen mit Behinderung

auf verschiedenen Ebenen:

Kerala

Tamil Nadu

AAD India arbeitet in vier südlichen

Bundesstaaten Indiens.

Disabled Peoples

Organizations(DPO’s)

Federations

Self Help Groups

Aktuell gibt es 26 Selbstvertretungsorganisationen oder

DPOs in Süd-Indien. Sie bieten ihren Mitgliedern ein

Sprachrohr, um ihre Meinungen und Anliegen zu äußern,

setzen sich für deren Rechte ein und ermöglichen ihnen,

Teil des allgemeinen Entwicklungsprozesses zu werden.

ADD India hat in Kooperation mit Misereor die Bildung von

solchen Selbstvertretungsorganisationen in ländlichen

Regionen direkt und durch die Zusammenarbeit mit

anderen gemeindenahen Organisationen in Südindien

unterstützt.

Was ist notwendig, um Selbsthilfegruppen und Selbstvertretungsorganisationen

langfristig zu erhalten? Zu

guten Rahmenbedingungen gehören:

@

@

@

@

Treffen an gemeinsamen Plätzen, wie eine Gemeinschaftshalle,

eine Schule oder nur unter einem Baum.

Wichtig ist, dass diese für Menschen mit Behinderung

zugänglich sind.

Diskussion von Themen und Ansichten, die die Mitglieder

direkt betreffen.

Die Gruppe sollte ihre eigenen Führungspersonen

wählen. Diese sind für die Arbeit der Gruppe von hoher

Bedeutung. Daher ist es wichtig, dass fähige Personen

gewählt werden.

Anstehende Aufgaben so abstimmen, dass sie von

Gruppenmitgliedern übernommen werden können.

10


5.1 | Projektbeispiele aus dem Süden | Selbsthilfe und Selbstvertretung – zur Situation in Südindien

Die Herausforderungen sind:

H

H

H

sicherzustellen, dass die Führungspersonen sich für den

Zweck der Organisation einsetzen,

Konflikte lösen können, die häufig zwischen Mitgliedern

entstehen können,

die Gruppen zu befähigen, finanzielle Abläufe zu bewältigen

und bezüglich allen finanziellen Fragen transparent

zu sein.

Viele Gruppen neigen dazu, sich zu sehr auf wirtschaftliche

Programme zu konzentrieren. Tatsächlich zeigen

verschiedene Studien, dass ein zu starker Fokus auf

wirtschaftliche Programme ohne Verbindung zur Entwicklung

von Wertehaltungen und sozialer Verantwortlichkeit

nicht zu Gerechtigkeit und Gleichheit beiträgt. Es ist

daher wichtig, dass Selbstvertretungsorganisationen

auch andere Problemfelder angehen, die Menschen mit

Behinderung diskriminieren und Aktivitäten entfalten, die

zur Würde von Menschen mit Behinderung beitragen.

@

@

Treffen einer Selbsthilfegruppe

Weiterbildungsmaßnahmen für die Gruppenmitglieder

bezüglich ihrer Rechte, über die Ressourcen und Dienstleistungen

der Regierung und anderer Institutionen

und wie diese erlangt werden können.

Die Treffen sollten protokolliert werden, ebenso die

getroffenen Entscheidungen, um diese Vorgänge allen

Mitgliedern zugänglich zu machen.

UHerausforderungen in der Arbeit mit Selbstvertretungsorganisationen

Die Einbeziehung und die Entwicklung von Fähigkeiten

von Menschen mit Behinderung, um Verantwortlichkeiten

zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen, sind

wichtige Elemente im Prozess des empowerments. Dies

ist nur durch Weiterbildung möglich. DPOs müssen

geschult werden bezüglich des Managements von

Selbsthilfegruppen und Selbstvertretungsorganisationen,

darin wie Treffen durchgeführt werden können und

wie Entscheidungen auf demokratischem Wege gefällt

werden. Außerdem brauchen sie Trainings zur Entwicklung

ihrer Kommunikationsfähigkeit und der Lösung von

Konflikten. Sie müssen lernen, gut zu planen und sicher zu

gehen, dass Aktivitäten der Gruppe und die Interessen der

Mitglieder übereinstimmen.

In Andhra Pradesh erreichte eine Organisation, dass

Menschen mit Behinderung bei einem Wohnungsbauprojekt

380 Häuser zugeteilt wurden.

11


5.2 Selbstvertretung von Menschen mit

Behinderung im südlichen Afrika:

Southern Africa Federation of the

Disabled (SAFOD)

Von Dorothy Musankanya, Southern Africa Federation of the

Disabled (SAFOD), Simbabwe

Hintergründe zur

Entstehung

A nfang der 60er Jahre gab es

in einigen Ländern im südlichen

Afrika bereits Einrichtungen oder

Rehabilitationszentren, die darauf

ausgerichtet waren, für Menschen

mit Behinderung zu sorgen.

Dorothy Musankanya

Diese Einrichtungen wurden geleitet, ohne Menschen mit

Behinderung selbst einzubeziehen. Da sie sich nicht repräsentiert

fühlten, entschied sich eine Gruppe der damaligen

Bewohner, die in einer der Einrichtungen in

Bulawayo lebte, sich aus dieser als Unterdrückung empfundenen

Situation zu befreien.

Somit wurde der Rat für die Wohlfahrt der Behinderten

(Council for the Welfare of the Disabled, CWD) Anfang

1970 gegründet, der zur Stimme für Menschen mit

Behinderung in Simbabwe wurde. Der CWD wurde 1984

umbenannt in Nationaler Rat für Menschen mit Behinderung

(National Council of Disabled Persons of Zimbabwe,

NCDPZ) und wurde im April 1975 als Wohlfahrtsverband

eingetragen.

Die Unabhängigkeit Simbabwes 1980 brachte gewisse

Freiräume mit sich, in denen die Idee der Selbstvertretung

von Menschen mit Behinderung an Bedeutung gewann.

Dies blieb nicht nur auf den neu entstehenden Staat

begrenzt, sondern ereignete sich parallel im ganzen

südafrikanischen Raum. Die Gründungen von Selbstvertretungsorganisationen

und anderen Selbsthilfegruppen

verbreiteten sich in der Region wie ein Lauffeuer.

1986 wurde die Southern Africa Federation of the Disabled

(SAFOD) von Menschen mit Behinderung für Menschen

mit Behinderung gegründet, als Zusammenschluss von

NROs der Länder der Southern Africa Development Coordinating

Conference (SADC).

Die Abschaffung der Apartheid in Südafrika 1994 und

die Erlangung der Unabhängigkeit in Namibia 1990 gaben

den Bemühungen von SAFOD, eine starke Bewegung für

Menschen mit Behinderung in der Region des südlichen

Afrika aufzubauen, neue Kraft.

Gemeinsame Philosophie all dieser Organisationen ist

die Überwindung der Diskriminierung von Menschen mit

Behinderung. Zentrales Anliegen ist es, sie in die Lage zu

versetzen, an Entscheidungsmacht zu gewinnen, Rechte,

Würde und Kontrolle wiederzuerlangen. Außerdem geht

es um Selbstorganisation und Selbstbestimmung sowie

Selbstvertretung. Folgende nationale Dachorganisationen

gehören zu SAFOD:

*

*

*

*

*

*

*

*

*

*

Angola – Federation of Organisations of Disabled People

in Angola (FAPED)

Botswana – Botswana Society of People with Disabilities

(BOSPED)

Lesotho – Lesotho National Federation of the Disabled

(LNFOD)

Malawi – Federation of Disability Organizations of

Malawi (FEDOMA)

Mozambik – Forum of Associations of Disabled People

in Mozambique (FAMOD)

Namibia – National Federation of People with Disabilities

in Namibia (NFPDN)

Südafrika – Disabled People South Africa (DPSA)

Swaziland – Federation of Organizations of Disabled

People in Swaziland (FOSDWA)

Sambia – Zambia Federation of the Disabled (ZAFOD)

Simbabwe – Federation of Organisations of Disabled

People in Zimbabwe (FODPZ)

Angola

Namibia

Botswana

Südafrika

Programme

Sambia

Simbabwe

Mozambik

Swaziland

Lesotho

Malawi

SAFOD Mitgliedsländer

D iese nationalen Organisationen und deren Grassroot-

Mitglieder haben in ihren Ländern die Bedarfe von Menschen

mit Behinderung ermittelt. Auf dieser Grundlage

entwickelte SAFOD eine Reihe von Entwicklungsprogrammen:

U Menschenrechtsprojekte

Aktive Maßnahmen (affirmative action), um gesetzmäßig

gegen soziale Benachteiligung vorzugehen und Rechtsvorschriften

zum Schutz von Menschen mit Behinderung

durchzusetzen. Führungspersonen mit Behinderung

erhalten Schulungen, in denen sie ihre juristischen

Kenntnisse erweitern und einsetzen können. Die Gesetzgebung

für die Gleichberechtigung von Menschen mit

Behinderung wurde ebenso vorangetrieben.

12


5.2 | Projektbeispiele aus dem Süden | Selbstvertretung von Menschen mit Behinderung im südlichen Afrika

USAFOD Forschungsprogramm (SAFOD Research Programme,

SRP)

Ausbau der Fähigkeiten von SAFOD und den Mitgliedsorganisationen,

Forschung zu entwickeln, durchzuführen

und sich zu eigen zu machen. Diese können die Organisationen

dazu nutzen, eine argumentative Grundlage

aufzubauen und die politischen Entscheidungsträger zu

sensibilisieren.

UProgramm für Bewusstseinsbildung und öffentliche

Bildung (Conscientisation and Public Education Programme,

COPE)

Schärft das Bewusstsein von Anführern und Aktivisten

der Behindertenbewegung über die erschwerten Entwicklungsbedingungen

und die Ausgrenzung von Menschen

mit Behinderung. Die Organisation sensibilisiert die

allgemeine Öffentlichkeit über die Notlage von Menschen

mit Behinderung.

URessourcen-Zentrum für Menschen mit Behinderung

im südlichen Afrika (Disability Resource Centre for

Southern Africa, DCR-SA)

Sammeln, Zusammenstellen und Verbreiten von Informationen

über Behinderung. SAFOD gibt den Rundbrief

„Disability Front Line“ und andere Informationsmaterialien

heraus. Schulungen anderer SAFOD-Programme

werden unterstützt.

UStrategien zum Kapazitäts- und institutionellen

Aufbau (Capacity and Institutional Building Strategy,

CIBIS)

Beinhalten die Ausbildung von Führungspersonen und

Aktivisten der Behindertenbewegung im Management

von Organisationen, Fundraising und Einfordern der

Rechte von Menschen mit Behinderung in ihren Ländern

und Regionen.

UStrategieprogramm zur Armutsverminderung

(Poverty Alleviation Strategy Programme, PAST)

Unterstützt Menschen mit Behinderung, sich in Selbsthilfeprogrammen

zu engagieren, indem ihnen entsprechende

Schulungen in Businessmanagement angeboten

werden.

URegionales Frauen-Entwicklungsprogramm (Women’s

Regional Development Programme, WDRP)

SAFOD und die nationalen Mitgliedsorganisationen haben

einen eigenen unabhängigen Frauen-Sektor mit einem

regionalen Frauenkomitee und einem Koordinator für

die Frauenprogramme. Die Ziele der regionalen Frauen-

Entwicklungsprogramme sind die Verbesserung der

Führungsqualitäten von Frauen mit Behinderung in der

Region durch Seminare und Workshops zur Entwicklung

von Führungseigenschaften.

Das Programm arbeitet darauf hin, in jedem Land die

Einsatzfähigkeit und die Mitgliederbasis von Frauenaktionsgruppen

(WAGs) zu verbessern. Das Komitee bietet

einen Rahmen zu Fragen der Führung und Aktivitäten

bzgl. der Bedürfnisse behinderter Frauen (siehe auch 8.1).

UKinder- und Jugend-Programm

Thematisiert die Situation von Kindern und Jugendlichen

mit Behinderung und die Einhaltung ihrer Rechte.

Ermutigt und berät die Eltern von Kindern mit Behinderung

dabei, Selbsthilfe-Gruppen und Organisationen

zu gründen. Regt Jugendliche dazu an, sich in DPOs zu

engagieren.

UHIV/AIDS-Informations- und

Präventionsprogramm (HIV/AIDS

Information and Prevention Programme,

HIPP)

Sensibilisiert für die HIV/AIDS-Thematik

und andere gesundheitsbezogene

Fragen wie Sexualität,

Schwangerschaft und Familienplanung,

Hygiene, Ernährung und

gemeindenahe Unterstützung

unter der Leitung von Menschen

mit Behinderung und ihrer Organisationen.

Alle haben das Recht in geeigneter Form Informationen zu erhalten.

13


6. Ein britisches Modell für die Nord-Süd Zusammenarbeit

mit Menschen mit Behinderung

Von Shikuku Obosi, Action on Disability and Development

(ADD), Großbritannien

A ction on Disability and Development (ADD) ist eine britische

Organisation, die Entwicklungsarbeit mit Menschen

mit Behinderung in Afrika und Asien unterstützt.

ADD folgt einem entwicklungspolitischen Menschenrechtsansatz

und setzt sich gegen die Ausgrenzung von

Menschen mit Behinderung ein.

Der Arbeit von ADD liegt das soziale Modell von Behinderung

zu Grunde, also ein Verständnis von Behinderung,

das die sozialen Folgen einer Beeinträchtigung in den

Vordergrund stellt. Die Gesellschaft trägt demnach die

Verantwortung für notwendige Veränderungen, um die

gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung

sicherzustellen. Kinder und Erwachsene mit Behinderung

haben das Recht, an Gesellschaft und Entwicklungszusammenarbeit

teilzuhaben – und damit zur Gestaltung

einer inklusiveren Welt beizutragen.

ADD ist in elf der ärmsten Länder in Afrika und Asien tätig.

Die Vision der Organisation ist eine Welt, in der alle Menschen

mit Behinderung ihre Rechte genießen können und

die Möglichkeit haben, in allen Bereichen der Gesellschaft

teilzuhaben. ADD ist die einzige britische Entwicklungsorganisation,

die ausschließlich Gruppen von Menschen mit

Behinderung in Afrika und Asien unterstützt.

Sie wurde 1985 gegründet und unterstützte anfangs

Selbstvertretungsorganisationen und Selbsthilfeprojekte.

In den letzten zwanzig Jahren hat die Organisation

einen Lernprozess durchlaufen, bezüglich der Frage, wie

möglichst langfristige Verbesserungen für Menschen mit

Behinderung erreicht werden können.

Heute ist es Schwerpunkt der Arbeit, darauf hinzuwirken,

dass Menschen mit Behinderung die Gesetze nutzen

können, die ihnen Zugang zur Chancengleichheit sichern

und gesetzlich gegen Diskriminierung, die Menschen

aufgrund ihrer Beeinträchtigung erleiden, vorzugehen.

ADD ist davon überzeugt, dass anhaltender sozialer

Wandel hin zu mehr Gleichberechtigung von Menschen

mit Behinderung am ehesten dadurch erreicht werden

kann, dass dynamische und repräsentative Selbstvertretungsorganisationen

der Behindertenrechtsbewegung

gefördert werden. Menschen mit Behinderung sind die

kraftvollsten Aktivisten, die eine entscheidende Rolle im

Kampf um Gleichheit in ihren Ländern spielen und sind

sehr wirkungsvoll bei der Beseitigung von Barrieren in

der Umgebung und gesetzlichen, institutionellen sowie

einstellungsbedingten Barrieren.

Das Vorkommen dieser Barrieren ist auf ein Phänomen

zurückzuführen, das disablism, genannt wird, nämlich der

Vorstellung, dass Menschen mit Behinderung minderwertig

seien.

Das Ziel von ADD ist es daher, Organisationen von Menschen

mit Behinderung in Afrika und Asien dahingehend

zu unterstützen, dass diese Einfluss auf Politik und Praxis

nehmen und so die soziale Ausgrenzung und Armut

beseitigen. Die Unterstützung dieser Organisationen

umfasst Aufklärungsmaßnahmen über ihre Rechte,

Schulungsmaßnahmen, finanzielle Unterstützung und

Ermutigung. Dadurch gewinnen die DPOs die Fähigkeiten

und das Selbstvertrauen, sich für positive Veränderungen

auf allen Ebenen einzusetzen. Diese Verbesserungen

reichen von barrierefrei erreichbaren Brunnen bis hin zu

Gesetzesinitiativen.

Um dies zu erreichen arbeitet ADD mit verschiedenen

Gruppen zusammen: einerseits mit Organisationen von

Menschen mit verschiedenen Behinderungen, andererseits

mit Gruppen von Menschen, die dieselbe Behinderung

haben oder Menschen, die die gleichen Erfahrungen

teilen, wie z.B. gehörlose Menschen oder Frauen mit

Behinderung.

Die Bandbreite der Organisationen erstreckt sich von

kleinen Gruppen in Dörfern – oder auf lokaler Ebene - bis

hin zu nationalen Verbänden oder Vereinigungen, die

wiederum mit regionalen und internationalen Netzwerken

verbunden sind.

Wie ADD Capacity Building mit DPOs

angeht

„Für Menschen mit Behinderung bedeutet ‚Capacity

Building‘ ein Prozess, der es Ihnen ermöglicht, sich ein Bein

anzueignen, mit dem sie laufen können”

A DD bildet Partnerschaften mit Organisationen von

Menschen mit Behinderung, um ihre Fähigkeit zu stärken,

sich für die Bedürfnisse ihrer Mitglieder einzusetzen und

diese zu repräsentieren.

1) DPO: Disabled Peoples’ Organisation, Organisation von Menschen mit

Behinderung

2) Disabled people conceive capacity building as a process that enables

them to acquire “legs with which to walk”– Ncube J., 2006

14


Dies kann durch Kampagnen oder andere Aktivitäten

geschehen. Wenn Organisationen ihre Planungs- und

Organisationsfähigkeit verbessern und ihre Kenntnisse in

Anwaltschaft, Fundraising und Management erweitern,

dann werden sie selbstständiger.

DPOs werden darin unterstützt:

* die Fähigkeit zur Selbsterhaltung der Organisationen zu

fördern durch die Stärkung ihrer organisatorischen Fähigkeiten

und der Ausbildung von Führungsqualitäten,

um Demokratie und Mitbestimmung zu fördern und

ihre Mitglieder zu vertreten. Außerdem wird mit den

DPOs ein vertieftes Verständnis von Menschenrechtsthemen

erarbeitet, damit sie auch in diesem Bereich

aktiv werden können.

* sich für gleiche Rechte, für Strategien zur Lobbyarbeit

und das Entwickeln von Aktionsplänen einzusetzen.

* Teil der Armutsbekämpfungsstrategie-Prozesse zu werden

durch ihre Inklusion in allgemeine Entwicklungsvorhaben.

* zur sozialen Gerechtigkeit beizutragen durch Einflussnahme

auf Entscheidungsträger und durch Information

der allgemeinen Öffentlichkeit über die Verletzung der

Rechte von Menschen mit Behinderung. Die Organisationen

werden dabei unterstützt, Berichte der Regierung

und Nichtregierungsorganisationen zu bewerten und

zu beurteilen.

Zur Finanzierung von DPOs

W o immer es möglich ist, arbeitet ADD mit bereits existierenden

Organisationen für Menschen mit Behinderung

zusammen und ist bemüht, sowohl Frauenorganisationen

als auch gemischte Gruppen zu unterstützen.

Bei der Partnerauswahl ist ein wichtiges Kriterium, ob die

Organisation sich für eine langfristige Verbesserung der

Situation von allen Menschen mit Behinderung einsetzt

oder nur die Interessen der bestehenden Mitglieder

vertritt.

Die gesamten Unterstützungsmaßnahmen werden in

einem vereinfachten Vertrag festgelegt, in dem sowohl

die gegenseitigen Erwartungen als auch die Laufzeit

der Förderung festgehalten sind. Das Wort „vereinfacht“

bezieht sich hierbei nicht nur auf den Förderungsvertrag,

sondern auf alle Verfahren der Mittelvergabe. Unnötig

komplizierte Verträge sind der sicherste Weg, Menschen

mit Behinderung, von denen viele keine gute Bildung

genossen haben, zu verunsichern und sich „unfähig“

fühlen zu lassen, Gelder zu verwalten. Darum sollten die

Verträge so einfach wie möglich sein.

Die Finanzierung sozialer Bewegungen ist eine langfristige

Investition, die auch langfristiges Engagement, konkrete

Analysen und Risikobereitschaft erfordert. ADD hält

bei der Kooperation mit DPOs langfristiges Engagement

für unabdingbar. Wenn DPOs durch capacity building

effektiver werden sollen, so brauchen sie eine solche

Perspektive und eine verbindliche Zusage von Ressourcen.

Die Arbeit von ADD soll langfristige Veränderungen

ermöglichen. Dabei müssen DPOs die führende Rolle

einnehmen, selbst wenn dies mehr Zeit kostet. Wenn

nicht, ist die Arbeit nicht nachhaltig. ADD finanziert die

Führung, den Arbeitsprozess und Aktivitäten, was auch

die Kernkosten der DPOs beinhaltet. Diese Finanzierung

ist jeweils abgestimmt auf den Entwicklungsstand der

Organisation und auf den Kontext.

Um nachhaltig wirken zu können, konzentriert sich

ADD ausschließlich auf Initiativen, die von Menschen

mit Behinderung selbst geplant, ausgeführt, organisiert

und bewertet werden und nach dem Rückzug von ADD

fortgeführt werden können. Um in der Lage zu sein, sich

selbst zu erhalten, müssen diese DPOs zur Verantwortung

gezogen werden können und über die organisatorischen

Fähigkeiten verfügen, um Fundraising zu betreiben, zu

planen, managen und ihre eigene Arbeit zu überprüfen.

Auf diese Weise geht die Finanzierung einher mit der

Stärkung der Kapazitäten von DPOS, Gelder der Geberorganisation

effektiv zu handhaben und zu verwalten. Die

Überwachung der Finanzierung darf aber nicht zu Lasten

der partnerschaftlichen Beziehungen gehen. Die Schaffung

eines Gleichgewichts zwischen der Rechenschaftspflicht

auf der einen Seite und dem Aufbau und der Pflege

von guten Beziehungen ist hier eine Schlüsselfrage.

Menschen mit Behinderung einstellen

A DD wurde in der Vergangenheit überwiegend von

nicht-behinderten Menschen geleitet. Erst vor kurzem

wurde die strategische Entscheidung getroffen, auch Führungspositionen

mit Menschen mit Behinderung zu besetzen.

ADD hat neun Büros mit 200 Angestellten (178 in Übersee,

22 in Großbritannien), wovon 43% der Belegschaft

eine Behinderung haben und 35% Frauen sind. Es wird

eine Politik der positive action verfolgt, um das Ziel zu

erreichen, diese Quote auf 50% Frauen und 50% Menschen

mit Behinderung im Bereich der Arbeitskräfte und

der Führungsebene zu erhöhen. Die meisten Menschen

mit Behinderung sind in den Programmen in Übersee

beschäftigt. Die Quote wird im Vorstand schon erfüllt: vier

der neun Vorstandsmitglieder haben eine Behinderung.

15


7. Engagement von Behindertenverbänden in der Entwicklungszusammenarbeit

– Vorbild Finnland

Von Tuija Halmari, Finnish Disabled People‘s International

Development Association (FIDIDA), Finnland

I n Skandinavien sind Organisationen von Menschen mit

Behinderung seit langem in der Unterstützung von Organisationen

behinderter Menschen in Entwicklungsländern

aktiv. Anders als in Deutschland pflegen viele Behindertenverbände

eigene Partnerschaften mit DPOs im

Süden und führen mit ihnen Projekte durch. Wie hat sich

dieses Engagement in Finnland entwickelt und was kann

man davon für die deutsche Situation lernen?

Hierzu haben in den letzten 30 Jahren vor allem folgende

Umstände beigetragen:

1.

2.

3.

In den 80er Jahren wurde die UN-Dekade von Menschen

mit Behinderung ausgerufen. Innerhalb der

internationalen Behindertenbewegungen wurde man

sich stärker der Solidarität untereinander bewusst, es

entstanden Organisationen wie z.B. Disabled Peoples‘

International (DPI) oder World Federation of the Deaf

(WFD).

Die aktive Rolle skandinavischer Behindertenaktivisten

auf UN-Ebene bei den Vorbereitungsprozessen der

Standard Rules und der UN-Konvention.

Die skandinavischen Regierungen haben Mechanismen

entwickelt, wie sie Gelder für Entwicklungskooperationen

an NROs vergeben. Das Hauptkriterium und der

Ansatzpunkt dieser Finanzierung ist das Zusammenwirken

von Zivilgesellschaften im Norden und Süden.

In allen nordeuropäischen Ländern haben DPOs sich zu

Kooperationsorganisationen zusammengeschlossen,

bei denen sie gemeinsame Ziele der DPO-orientierten

Entwicklungsarbeit verfolgen.

Finnland: FIDIDA

Schweden: SHIA

Norwegen: Atlas Alliansen

Dänemark: DDPO

Sie haben sich auch gemeinsam bei ihren Ministerien für

Themen wie z.B. Mainstreaming eingesetzt oder dafür,

dass DPOs einen geringeren Eigenanteil bei der Finanzierungen

ihrer Projekte leisten müssen. Diese Organisationen

kooperieren in den skandinavischen Ländern und

machen dort mit einigem Erfolg Lobbyarbeit dafür, dass

Behinderung Querschnittsthema wird.

Dieser Finanzierungsmechanismus steht allen in Finnland

registrierten NROs offen. Eine NRO sollte sowohl über die

notwendigen Kapazitäten als auch über Glaubwürdigkeit

verfügen, und das eingereichte Projekt

sollte gewisse Kriterien erfüllen. Eine

Bedingung ist, dass die NRO 15% Eigenanteil

einbringt.

DPOs in Finnland und in anderen nordeuropäischen

Ländern ist es gelungen, beim Ministerium einen geringeren

Eigenanteil durchzusetzen. In Finnland beispielsweise

beträgt der Prozentsatz, den eine DPO bei der Projektfinanzierung

tragen muss, nur 7,5 %. Dies hat zur Folge,

dass viele DPOs Projekte in Entwicklungsländern durchführen.

Üblicherweise schließt eine finnische DPO eine

Partnerschaft zu einer Schwester-Organisation im Süden.

Auf diese Weise fördert der finnische Gehörlosenverband

ähnliche Organisationen in mehr als 10 Ländern, arbeitet

mit Gebärdensprache und dem Aufbau von Kapazitäten

der Organisationen; die finnische Blindenvereinigung

unterstützt ihre Schwesterorganisationen in Namibia und

Ecuador und die Vereinigung der Menschen mit Mobilitätsbeeinträchtigung

fördert die Rollstuhlproduktion

in Sambia und arbeitet mit der Schwesterorganisation

zusammen. Gerade in Sambia und Mosambik kooperieren

zahlreiche finnische DPOs mit ihren Schwesterorganisationen

und FIDIDA unterstützt die dortige Dachorganisation

der DPOs. Dänische und norwegische DPOs

haben ähnliche Strukturen in Uganda und zahlreiche

schwedische DPOs in Tansania.

Projekte im Bereich Behinderung, die von finnischen DPOs

durchgeführt werden, gehören zu folgenden Kategorien:

A.

B.

C.

D.

E.

F.

Organisatorische Entwicklung: Projekte, die sich auf

den Kapazitätsaufbau einer DPO konzentrieren

Bewusstseinsbildung und Anwaltschaft: Projekte, die

zum Ziel haben, die Menschenechte von behinderten

Menschen zu verbessern: Kampagnen, Lobbyarbeit,

Zusammenarbeit mit Medien, empowerment von Menschen

mit Behinderung

Barrierefreiheit: Projekte, die das Ziel haben Barrieren

zu überwinden, Entwicklung von Gebärdensprache,

Veröffentlichungen in Brailleschrift, Produktion von

Prothesen, Rollstühlen und anderen technischen- und

Mobilitätshilfen

Rehabilitation

Schaffung von Einkommen: Projekte, die vor allem die

Förderung von Fähigkeiten voranbringen, Berufsausbildung,

Marketing, Kenntnisse die man braucht, um

kleine Unternehmen zu führen, Mikrokredite

Erziehung: Projekte, die auf Grundbildung ausgerichtet

sind, in inklusiver Bildung und Sondererziehung

16


FIDIDA arbeitet seit 2004 auch mit dem finnischen

Außenministerium an einem Pilotprojekt, bei dem die

Projektplanung im Bereich Behinderung beurteilt wird

und die jährlichen Berichte von Projekten im Bereich

Behinderung überprüft werden. Das Ziel dieses Vorhabens

ist es, die Qualität von Projekten im Bereich Behinderung

durch Lernen und durch gegenseitigen Austausch zu

verbessern.

Afrika ist der Kontinent, auf dem die meisten Aktivitäten

finnischer und nordeuropäischer DPOs ausgeführt werden.

In Afrika gibt es eine Reihe von Netzwerken, die die

Rechte von Menschen mit Behinderung und die Arbeit von

DPOs stärken, namentlich die African Decade of Persons

with Disabilites mit ihrer Hauptverwaltung in Kapstadt

und SAFOD in Simbabwe, als regionale Vertretung von

Disabled Peoples International im südlichen Afrika.

Seit der UN-Dekade von Menschen mit Behinderung in den 80er

Jahren finden am 3. Dezember weltweit Aktionstage zur globalen

Bewusstseinsbildung statt.

17


8. Wie können Frauen und Mädchen gleichberechtigt berücksichtigt werden?

N ach Schätzungen der Vereinten Nationen leben weltweit

300 Millionen Frauen und Mädchen mit Behinderung.

Diese erleben oft eine doppelte Benachteiligung, da

sie als Frau bzw. Mädchen und wegen der Behinderung

mehrfachen Diskriminierungen ausgesetzt sind.

Mädchen und Frauen mit Behinderung haben seltener

Zugang zu Bildung, Gesundheitsdiensten, Beschäftigung

und anderen Lebensbereichen. Ihr Selbstbewusstsein

ist oft geringer und sie verfügen über einen niedrigen

Bildungsgrad. Häufiger als Mädchen und Frauen ohne

Behinderung sind sie unterschiedlichen Formen von

Gewalt ausgesetzt. Man traut ihnen auch nicht die Rolle

einer Ehefrau und Mutter zu.

Wie kann die Situation von Mädchen und Frauen mit

Behinderung verbessert werden? Weltweit haben sich

in den vergangenen Jahren Frauen mit Behinderung zu

Gruppen und Organisationen zusammengeschlossen, um

für ihre Rechte einzutreten und um für ihre wirtschaftliche

und gesellschaftliche Teilhabe zu kämpfen. Neben

der Gründung von spezifischen Organisationen fordern

Frauen mit Behinderung von allgemeinen Frauenorganisationen,

dass diese sich öffnen sollen, um auch ihre

Anliegen mit zu vertreten.

Im folgenden Beispiel wird anhand einer Frauenselbsthilfegruppe

aus Äthiopien vorgestellt, wie Frauen mit

Behinderung zur eigenen Existenzsicherung beitragen

können.

zu ändern, hat die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe

(DAHW) den Aufbau von drei Selbsthilfegruppen mit

insgesamt 100 Frauen unterstützt, viele von ihnen mit

Behinderung. Lelisha bedeutet „blühend“ und Ifadin ist

ein umgangssprachlicher Ausdruck für die Gegend, in

der die Frauen leben. Ziel war es, Kapital anzusparen und

damit kollektive Einkommen schaffende Maßnahmen für

die Beteiligten zu finanzieren.

Erstes Projekt war die Anschaffung von Hühnern, dazu

zahlte jede Frau pro Woche den Gegenwert von 0,25 Euro

ein. Der rasche Erfolg ermutigte die Frauen, die wöchentliche

Sparleistung zu verdoppeln, um damit Ziegen zu

kaufen; innerhalb von 36 Wochen war das Ziegen-Projekt

abgeschlossen. Nächster Plan war die Anschaffung von

Kühen zur Milchversorgung und von Ochsen zu Feldbearbeitung.

Um die dafür eigentlich benötigte Ansparzeit

von 5 Jahren zu verkürzen, stellte die DAHW Mittel für

zusätzliche Kredite zur Verfügung. Weitere Projekte wie

8.1 ‚Lelisa Ifadin’

Frauen-Selbsthilfegruppen in

Gende Kore, Äthiopien

Von Ernst Hisch, Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW)

L epra ist eine chronische Infektion der Haut, der peripheren

Nerven und selten auch anderer Organe durch das

Mycobacterium Leprae, die unbehandelt zu Nervenschäden

und Behinderung führt. Eine wirksame medizinische Therapie

steht erst seit ca. 1980 zur Verfügung, daraus lassen

sich die frühere, große Angst vor Leprakranken, ihre Stigmatisierung

und daraus resultierend Selbststigmatisierung

erklären, die in vielen Ländern für die Betroffenen zu sozialer

Ausgrenzung, Isolation und Armut führten.

In Äthiopien bestehen ca. 40 Ansiedlungen von leprabetroffenen

Menschen, eine davon ist Gende Kore in

der Nähe des Leprareferenzhospitals Bisidimo. Dort

leben mehr als 4.000 Menschen unter sehr einfachen

Bedingungen. In den Familien dominieren die Männer,

Frauen haben – auch im ökonomischen Bereich – nur

geringe Entscheidungsbefugnis. Um dies nachhaltig

bewässerter Gemüse- und Obstanbau und der Bau eines

Gemeindezentrums mit einer Kantine für Dorfbewohner

und Durchreisende folgten und führten zu ökonomischer

Existenzsicherung. Das Treffen mit Bundespräsident Köhler

während seiner Äthiopienreise 2004 und sein Interesse

für die Aktivitäten der Gruppe wirkten sehr motivierend

auf die Frauen.

Beobachtungen über 10 Jahre

* Die Frauen hatten klare Vorstellungen über die Einkommen

schaffenden Maßnahmen.

* Frauen lernten, sich und ihre Bedürfnisse zu artikulieren.

Frauen lernten Probleme zu analysieren und nach

*

Hilfe zur Selbsthilfe. Frauen erwirtschaften

die Lebensgrundlage ihrer Familien.

18


Betende Frauen von Lelisa Ifadin

*

*

*

Lösungen zu suchen. Dabei verstärkte sich der soziale

Zusammenhalt und Frauen halfen sich gegenseitig bei

Krisen in den Familien.

Entwicklung solider Organisationsstruktur und Gruppenleitung.

Anerkennung durch regionale Behörden und positives

Beispiel für andere Frauengruppen.

Die Gruppe hat Potenzial für andere Aktivitäten in den

Bereichen Frauen- und Menschenrechte.

Notwendige externe Unterstützung

@ Intensive Begleitung durch erfahrene Sozialarbeiter

während der Anfangsphase.

@ Begleitung und Monitoring.

@ Zusätzliches Kapital für Kredite

@ Intensives und wiederholtes Training in Organisationsführung

und zum Aufbau einer Organisationsstruktur.

Klare Definition des Endpunktes der Zusammenarbeit.

@

Lelisa Ifadin hat derzeit 78 Mitglieder, ist nach äthiopischem

Recht als Kooperative registriert und hat damit

Zugang zu Beratung und Unterstützung durch lokale

Behörden. Der legale Status vereinfacht die Expansion

der Geschäfte und den Zugang zu Bankdarlehen. Ein

öffentliches Förderprogramm für Kooperativen ermöglicht

administrative Beratung und den Erfahrungsaustausch

zwischen verschiedenen Kooperativen.

8.2 Stärkung von Frauen mit

Behinderung im südlichen Afrika

Von Dorothy Musankanya, Southern Africa Federation of the

Disabled (SAFOD), Simbabwe

Der Verband von Menschen mit Behinderung im südlichen

Afrika (SAFOD) ist eine Dachorganisation nationaler

Behindertenverbände verschiedener Länder im südlichen

Afrika (siehe auch 5.2). Einer ihrer Schwerpunkte ist die

Förderung von Frauen mit Behinderung. Die Ziele ihres

Frauenprogramms Gender und Entwicklung sind:

H

H

H

H

H

H

H

Eine Strategie für Entwicklungsaktivitäten zu entwerfen,

die umsetzbar ist, zum Nutzen von behinderten

Frauen im südlichen Afrika.

Planung einer Initiative, die die Stimmen von Frauen

mit Behinderung zu einer starken Stimme vereinen soll,

die weltweit gehört werden kann.

Vertretung von Frauen mit Behinderung in nationalen

Regierungsstrukturen fördern, z.B. im Parlament oder in

anderen Entscheidungsgremien.

Erfahrungen austauschen und Fähigkeiten entwickeln,

Lobbyarbeit für die Rechte von Frauen mit Behinderung

zu betreiben.

Wege und Möglichkeiten für Frauen mit Behinderung

schaffen, sich besser untereinander zu vernetzen. Die

Vernetzung von Organisationen von Frauen mit Behinderung

auf örtlicher und regionaler Ebene voranbringen.

Mehr über die Afrikanische Dekade zu lernen und mit

Strategien aufzuwarten, die Frauen mit Behinderung in

Afrika stärken.

Eine klare Vorstellung zu haben und strategische Ziele

festzulegen, wie die Arbeit von Frauen mit Behinderung

momentan und in Zukunft begleitet werden kann.

Das Gender- und Entwicklungsprogramm, geleitet von der

Frauenkommission und dem/r regionalen Gender-KoordinatorIn,

beabsichtigt, bei SAFOD Kapazitäten zu schaffen,

um in der Behindertenbewegung Frauengruppen zu

initiieren, zu organisieren und zu stärken. Weiterhin sollen

Entwicklungsprozesse angestoßen und die Befreiung

von Frauen aus der Armut, aus Unterdrückung und

Abhängigkeit gefördert werden; sie sollen Unterstützung

bekommen, um an der allgemeinen Entwicklung und der

Durchführung von Projekten voll teilhaben zu können.

19


9. Empfehlungen für eine gute Zusammenarbeit mit Selbstvertretungsorganisationen

W o liegen die Herausforderungen in der Zusammenarbeit

mit Organisationen von Menschen mit Behinderung?

Folgende Schwierigkeiten, die aus praktischen Erfahrungen

des DAHW und von TeilnehmerInnen der Tagung

zusammen getragen wurden, können auftreten: 1

9.1 Herausforderungen

*

*

*

*

*

*

*

*

*

*

*

*

Es können starke Abhängigkeiten zwischen Behindertenorganisationen

und Geldgebern entstehen.

Die Zusammenarbeit zwischen DPOs kann dadurch

erschwert werden, dass diese um Verluste bei ihren

eigenen Spendeneinnahmen besorgt sind.

Die Mitglieder von DPOs sind sich ihrer Rechte nicht

immer bewusst.

Bei manchen DPOs steht der Eigennutz der Gründer /

Geschäftsführer zu stark im Vordergrund.

Manche DPOs scheitern auf Grund von Misswirtschaft

der Kapitalmittel.

Alle DPOs benötigen capacity building und brauchen

hierin dauerhafte Unterstützung.

Es kann Konflikte zwischen Führungskräften geben,

häufig wegen Mangel an Transparenz, Vorteilsnahme

und der Vorherrschaft Einzelner etc. Solche Konflikte

brauchen lange, um bereinigt zu werden und binden

erhebliche Energien der DPOs und ihrer Partner.

Interessenskonflikte können zum Problem werden.

DPOs haben wegen des starken wirtschaftlichen

Wettbewerbs oft ungünstige Voraussetzungen, um

Geschäfte zu machen.

DPOs, die sich für Gleichberechtigung, Chancengleichheit

und empowerment einsetzen und dabei zu rigoros

auf besonderen Zugeständnisse und Zuwendungen

insistieren, gehen ein Risiko ein, gesellschaftlich ausgegrenzt

zu werden.

Organisationen von Menschen mit einer bestimmten

Behinderung neigen dazu, Menschen mit derselben

Behinderung zu bevorzugen und andere Behinderungen

außer Acht zu lassen

Selbsthilfegruppen tendieren dazu, sich zu sehr auf Ersparnisse,

Kredite und Einkommen schaffende Maßnahmen

zu konzentrieren.

1) Auf Grundlage der Präsentation von Ernst Hisch, DAHW

9.2 Vorteile einer Kooperation mit DPOs

@

@

@

@

@

@

Gut entwickelte DPOs bieten sehr gute Ansatzpunkte

für Rehabilitationsmaßnahmen.

DPOs können sehr wirkungsvoll Einfluss auf politische

Entscheidungsträger nehmen.

DPOs haben gute Netzwerke für Anwaltschaft und

Lobbyarbeit und treten sehr wirkungsvoll für ihre eigenen

Rechte ein. Sie sind authentisch.

DPOs verstehen die Nöte und Bedürfnisse von Menschen

mit Behinderung unmittelbarer als Fachleute

ohne Behinderung.

Durch die Arbeit von DPOs verändert sich die Wahrnehmung

von Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft.

DPOs sind stärker engagiert und effizienter bei der

Rehabilitationsarbeit als Organisationen, die von Nicht-

Behinderten geführt werden.

9.3 Empfehlungen

„DPOs have to make sure that the leader is competent.

good leader = good DPO“

H

H

H

H

H

H

H

Für DPOs ist eine kontinuierliche und langfristige Unterstützung

wichtig.

Die Zusammenarbeit beginnt häufig bei Null – DPOs

entwickeln im Lauf der Zeit ihre institutionellen Qualitäten.

Trainingsmaßnahmen mit inklusiven Gruppen sind

effizienter als gesonderte Einheiten für Menschen mit

Behinderung.

Effizientes Monitoring und Beratung sind erforderlich,

um die Qualität der Arbeit von DPOs langfristig zu

verbessern.

Im Sinne der Nachhaltigkeit ist es wichtiger, ein starkes

Team zu bilden, als sich nur auf die Beschaffung von

Mitteln zu konzentrieren. Dazu gehört auch die Ausbildung

von administrativen Fähigkeiten und Konfliktmanagement.

Es ist wichtig, erst die Kapazitäten einer Organisation

aufzubauen, bevor man mit Einkommen schaffenden

Maßnahmen beginnt.

Bevor neue Programme eingeführt werden, ist es unerlässlich,

die grundlegenden Daten (baseline data) zu

beschaffen und auszuwerten.

20


H

H

H

H

H

H

H

Bei den DPOs sollte das Gefühl von ownership entstehen.

Daher ist es wichtig, Eigenleistung und eigene

Beteiligung zu fordern, anstatt lediglich Mittel bereit zu

stellen.

Für eine nachhaltige Entwicklung ist es sinnvoller, lokale

MitarbeiterInnen (auch mit Behinderung) im Süden

auszubilden, um langfristig unabhängiger von Expert-

Innen aus dem Norden zu werden.

Menschen mit Behinderung sollten stärker sichtbar

werden, zum Beispiel, indem sie auf Veranstaltungen,

in der Öffentlichkeit und den Medien auch als Sprecher-

Innen auftreten. Nur so kann die Wahrnehmung von

Behinderung in der Bevölkerung langfristig verändert

werden.

Eigene Programme zur Förderung von Frauen mit

Behinderung sind notwendig, da sie in vielen Ländern

mehrfacher Diskriminierung ausgesetzt sind (siehe

auch Kapitel 8).

Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen (auch

geistig behinderte Menschen genannt) sind bei den

DPOs kaum bis gar nicht vertreten. Um diese Gruppe

mit einzubeziehen, sollten Informationsmaterialien

auch in einfacher Sprache bereitgestellt werden. Außerdem

erfordert die Zusammenarbeit mit Menschen aus

dieser Gruppe eine stärkere Beteiligung der Familienmitglieder.

Ein wirkungsvoller und nachhaltiger Ansatz ist es, DPOs

darin auszubilden, andere NGOs in Belangen von Menschen

mit Behinderung zu beraten und weiterzubilden.

Dabei ist die Bereitschaft von NGOs und DPOs voneinander

zu lernen wichtig.

DPOs sollten sich nicht nur für Ihre eigenen Belange

engagieren, sondern auch Interesse für allgemeine

Entwicklungsthemen aufbringen.

21


10. Weiterführende Informationen

Relevante Literatur

D DPI

Disabled Peoples‘ International (Menschen mit Behinderung

International) ist ein Netzwerk nationaler Organisationen

oder Verbänden von Menschen mit Behinderung,

das gegründet wurde, um Menschenrechte von Menschen

mit Behinderung zu verwirklichen durch volle Teilhabe,

Gleichstellung, Chancengleichheit und Entwicklung.

D FIDIDA

Finnish Disabled People‘s International Development

Association (Finnischer Verband der Internationalen

Entwicklungszusammenarbeit von Menschen mit Behinderung)

wurde 1989 in Helsinki in Finnland gegründet.

Gründungsmitglieder waren sieben finnische Organisationen

von Menschen mit Behinderung, die sich außer dem

Behinderungsbereich in Finnland für die Zusammenarbeit

mit Organisationen von Menschen mit Behinderung in

Entwicklungsländern einsetzen.

D SHIA

Swedish Organisations‘ of Persons with Disabilities

International Aid Association (Verband der Internationalen

Hilfe Schwedischer Organisationen von Menschen mit

Behinderungen) – eine Nichtregierungsorganisation mit

28 Mitgliedern – Schwedische Organisationen von Menschen

mit Behinderungen, die sich aktiv in der globalen

Entwicklungszusammenarbeit engagieren. SHIA steht für

Solidarität, Human Rights (Menschenrechte), Inklusion,

Accessibility (Barrierefreiheit).

D NORAD

Norwegian Agency for Development Cooperation (Norwegische

Agentur für Entwicklungszusammenarbeit) ist die

Abteilung des Norwegischen Außenministeriums, die für

Entwicklungszusammenarbeit zuständig ist. NORAD ist

bekannt für seine vorbildlichen Leitlinien, Behinderung als

Mainstreaming-Thema in alle Bereiche der Entwicklungszusammenarbeit

einzubringen.

bezev: Entwicklung ist für Alle da.

Menschenrechte für Menschen mit Behinderung

umsetzen – Inklusive Entwicklung gestalten (2009).

www.bezev.de

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit

und Entwicklung (BMZ) (2006):

Behinderung und Entwicklung – Ein Beitrag zur Stärkung

der Belange von Menschen mit Behinderungen in der

deutschen Entwicklungszusammenarbeit. (Politikpapier)

www.bmz.de/de/zentrales_downloadarchiv/Presse/

Politikpapier_Behinderung.pdf

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit

und Entwicklung (BMZ) (2008):

Entwicklungspolitischer Aktionsplan für Menschenrechte

2008–2010, BMZ Konzepte 115.

www.bmz.de/de/service/infothek/fach/konzepte/

konzept155.pdf

Dr. Jahn, C., Prof. Dr. Degener, T.:

Umsetzung der VN-Konvention über die Rechte von

Menschen mit Behinderungen im Rahmen der deutschen

Entwicklungszusammenarbeit, Zusammenfassung (2008),

(Umsetzungsstudie):

www2.gtz.de/dokumente/bib/

gtz2009-0406de-menschen-behinderung-ez.pdf

Handicap International und CBM: Make PRSP Inclusive.

Handbuch und CD-ROM (2005):

www.making-prsp-inclusive.org

IDDC (International Disability and Development Consortium)

und CBM (Christoffel-Blindenmission) (2008):

Make Development Inclusive – How to include the

perspectives of persons with disabilities in the project

cycle management guidelines of the EC.

www.inclusive-development.org

w Project Cycle Management Guidelines:

www.make-development-inclusive.org/

toolslist.php?nb=8&spk=en

w Online-Toolbox for Project Cycle Management

(including checklists):

www.inclusive-development.org/cbmtools/

United Nations, 2006: UN-Konvention über die Rechte

von Menschen mit Behinderung: Convention on the Rights

of Persons with Disabilities, USA. (Dt. Übersetzung, 2008).

22


H bezev

Behinderung und Entwicklungszusammenarbeit

bezev engagiert sich für eine gerechte und soziale Welt,

in der alle Menschen die gleichen Entwicklungs- und

Teilhabechancen haben.

bezev fördert eine inklusive Entwicklung und stärkt eine

gleichberechtigte Beteiligung von Menschen mit Behinderung

bei entwicklungspolitischen und humanitären

Initiativen mit Schwerpunkten in Asien, Afrika und

Lateinamerika.

Neben Projekten im Ausland und einem Freiwilligendienst

ist bezev im Bereich der entwicklungspolitischen Informations-,

Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit aktiv. Ein

weiterer wichtiger Schwerpunkt ist die politische Arbeit,

mit der dazu beigetragen werden soll, dass Menschen

mit Behinderung an allen entwicklungspolitischen

Projekten und Programmen teilhaben können.

H CBM

Christoffel-Blindenmission

I. Vision

Wir möchten gemeinsam mit den Menschen in Entwicklungsländern

den Kreislauf von Armut und Behinderung

durchbrechen und eine Welt schaffen, in der Menschen

mit Behinderung dieselben Chancen und Rechte bekommen

wie alle anderen und frei von Krankheit und Armut

leben können.

II. Mission

Die CBM ist eine internationale Entwicklungshilfeorganisation,

die auf Basis christlicher Werte dafür kämpft,

die Lebensqualität derjenigen Menschen zu verbessern,

die behindert oder von Behinderung bedroht sind und

in den ärmsten Regionen der Welt leben. In Deutschland

begeistern wir Unterstützerinnen und Unterstützer für

dieses Ziel.

Die CBM unterstützt weltweit derzeit rund 1000 Projekte

in 100 Ländern.

H DAHW

Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW)

DAHW fördert Gesundheitsprogramme und Aufklärung

über stigmatisierende Krankheiten.

Einen Schwerpunkt

bildet die Rehabilitation von

Menschen mit Behinderung.

Dabei vergibt die DAHW verstärkt

Mikrokredite, um den betroffenen Menschen eine

selbstbestimmte Existenz in ihrem gewohnten Umfeld

zu ermöglichen. Seit ihrer Gründung hat die DAHW mehr

als vier Millionen Menschen helfen können. Derzeit

unterstützt das Hilfswerk weltweit 281 Projekte und

Programme in 32 Ländern.

H ISL e.V.

Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in

Deutschland

Die ISL ist eine von behinderten Menschen selbst getragene

bundesweite Organisation mit dem Anspruch, die

Interessen von Menschen mit Behinderungen auf allen

Ebenen zu vertreten. Um entmündigende Strukturen und

Verhaltensweisen zu überwinden, haben wir uns folgende

Ziele gesetzt:

z Uneingeschränkte Teilhabe statt ausgrenzender Fürsorge

z Gleiche Bürgerrechte statt gesellschaftlicher Ausgrenzung

z Selbstbestimmung und Emanzipation statt Anpassung

und Normalisierung

In den Mitgliedorganisationen der ISL den Zentren für

selbstbestimmtes Leben (ZsL) arbeiten Menschen mit

unterschiedlichen Behinderungen haupt- oder ehrenamtlich.

Wichtige Arbeitsgebiete sind neben der Beratung von

Menschen mit Behinderung die Öffentlichkeitsarbeit und

politische Interessensvertretung.

H Misereor

MISEREOR ist das katholische Hilfswerk für Entwicklungszusammenarbeit.

Es tritt für die Ärmsten der Armen ein

– ungeachtet ihrer Religion, Herkunft, Hautfarbe und ihres

Geschlechts. MISEREOR verzichtet auf jede missionarische

Tätigkeit.

Seit 1958 hat MISEREOR mehr als 97.000 Entwicklungsprojekte

in Afrika, Asien, Lateinamerika und Ozeanien mit

über 5,7 Milliarden Euro gefördert. MISEREOR bekämpft

nicht nur Armut, Hunger und Unrecht, sondern auch ihre

Ursachen. Als politische Lobby der Benachteiligten setzt

sich MISEREOR gegen unfaire Handelsbedingungen auf

dem Weltmarkt ein, hinterfragt die Wirtschaftspolitik

westlicher Staaten auf ihre Folgen für die Armen und

prangert ungerechte Gesellschaftsstrukturen in Entwicklungsländern

an.

23


Herausgegeben von:

Behinderung und Entwicklungszusammenarbeit

e.V. (bezev)

Wandastr. 9, 45136 Essen

Tel.: 0201/17 88 963

www.bezev.de

Christoffel-Blindenmission

Deutschland e.V. (CBM)

Nibelungenstr. 124

64625 Bensheim

Tel.: 06251/131-131

Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V.

(DAHW)

Mariannhillstr. 1c, 97074 Würzburg

Tel.: 0931/79480

www.dahw.de

Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben

in Deutschland e.V. (ISL)

Hermann-Pistor-Str. 1, 07745 Jena

Tel.: 03641/23 47 95

Bischöfliches Hilfswerk MISEREOR e.V

Mozartstr. 9, 52064 Aachen

Tel.: 0241/442-0

www.misereor.de

Redaktion: Gabriele Weigt, Mareike Bübl

Layout: Christian Bauer

www.das-gestaltungsbuero.de

Druck: Nolte Iserlohn

zukunft

Bildnachweis:

Cover: HANDICAP International,

S.3 u. 5: Disabled Peoples’ International

Asia Pacific DPI/AP, S.4: bezev,

S.9 –11: AAD India, S.12–13: SAFOD,

S.17: FIDIDA, S.18–19: DAHW

Auflage 1000

Essen, Oktober 2009

Gefördert von:

Heidehof

Stiftung

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine