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DIE BEDEUTUNG DER GOHLISER MÜHLE FÜR GOHLIS

Der nachfolgende Beitrag ist keine unmittelbare

chronologische Fortsetzung des Beitrages im

Gohlis-Forum Nr. 4/2010 (richtig 2011) – dieser

wird zu einem späteren Zeitpunkt erscheinen - ,

sondern gibt einen Überblick über die Geschichte

der Mühle vom Anfang bis zu ihrem Ende zu Beginn

des 20. Jahrhunderts.

Das ehemalige Mühlengelände gehört zum ältesten

bebauten Teil von Gohlis. Das Dorf ist bekanntlich

erstmals in einer Urkunde von 1317 erwähnt. Sehr

früh muss es eine Mühle gegeben haben, vermutlich

Abb. Alte Gohliser Mühle

Zeichnung von Georg Drescher, 1884

(Original im Stadtgeschichtlichem Museum)

schon seit Bestehen der Ansiedlung. Denn aus dem

gleichen 14. Jahrhundert gibt es einen Nachweis für

eine Müllerin namens Katharina, die 1392 gestorben

ist. Diese ist damit sogar die erste namentlich nachgewiesene

Einwohnerin von Gohlis.

4 Gohlis-Forum 01/2012

Das Gebäude, das einstmals als Mühlengebäude diente,

ist in seiner heutigen Gestalt um 1880 gebaut.

Vorgängerbauten sind nicht mehr erhalten. Von den

anderen das heutige Gohlis prägenden Gebäude sind

einige früher entstanden wie das Gohliser Schlösschen

1755/56, das Schillerhaus nach 1700 als Bauernhaus

(heute Museum), die anderen etwa zur gleichen Zeit

wie das ehemalige Mühlengebäude: die Friedenskirche

1871/73, die Schokoladenfabrik Felsche nach 1870

(heute Wohnanlage), die Aromafabrik Oehme &

Beier nach 1870 (heute Seniorenheim), die Brauerei

Gohlis 1870 (2008 abgerissen, heute Einkaufszentrum,

die Firma Adolf Bleichert & Co. 1881 (heute leerstehend).

Die Bauten anderer Industriezweige wie der

Musikautomatenindustrie sind verschwunden. Bauten

des 20. Jahrhundert, die ebenfalls den Ortsteil prägen,

bleiben hier unberücksichtigt.

Der Mühlenbetrieb hat über 500 Jahre am gleichen

Ort existiert. Das Gelände zeichnet sich durch eine

exponierte Lage aus. Ursprünglich stellte es das

südwestliche Ende des Langgassendorfes Gohlis dar.

Zugleich war es früher wie heute der Ein- und Ausgang

zwischen Dorf und Rosental. Das ist deutlich zu

erkennen am Modell im Schillerhaus, das das Dorf

Gohlis um 1750 darstellt.

Durch die Ausdehnung der Bebauung nach 1870 um

das Gebiet um die Stallbaumstraße hat das Gelände

die genannte Funktion nicht verloren. Diese wurde

noch verstärkt durch den Bau der Waldstraße und die

Umwandlung des Poetenweges in eine breite Straße

nach 1900. Die Straßenkreuzung Platnerstraße/Stallbaumstraße/Poetenweg

erhielt damit die Funktion eines

Knotenpunktes für den modernen Straßenverkehr

(Auto und Straßenbahn).

Die Mühle gehörte zu den großen Gütern von Gohlis.

Sie umfasste das Mühlengebäude mit der Mühlanlage,

Wohnhaus und Wirtschaftsgebäude. Zum Grundstück

gehörten auch Äcker und die Mühlwiese.

Die Mühle war ein starker Wirtschaftsfaktor für

das Dorf Gohlis. Sie soll zeitweilig eine Bann- oder

Zwangsmühle gewesen sein. Der Zeitraum dafür ist

unbekannt. Bann bedeutete, dass die Bauern der umliegenden

Dörfer (Eutritzsch, Möckern) ihr Getreide in

der Gohliser Mühle mahlen lassen mussten. Zu diesem

Zweck wurde extra ein Mühlweg als Zufahrt zur

Mühle angelegt, den die Mühlgäste benutzen mussten.

Allerdings hatten die eingesessenen Bauern, die sog.

Nachbarn, den Vortritt beim Mahlen lassen.

Der Besitz der Mühle wechselte öfter zwischen der

Stadt Leipzig und privat. Der Rat der Stadt verpachtete

die Mühle zur Nutzung an einen Müllermeister. Der

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