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ARCHITEKTUR+TECHNIK SAI Schleburg Generalplanungsgesellschaft mbH

Metamorphose

Sanierung des Sparkassen-Hochhauses in Rosenheim

Bauherr

Sparkasse Rosenheim-Bad

Aibling

Architekt

SAI Schleburg Generalplanungsgesellschaft

mbH,

Rosenheim

Bauzeit:

Januar 2008 bis

Dezember 2010

Bruttogeschossfläche:

8400 m 2

Umbauter Raum:

28 000 m 3

Primärenergieverbrauch:

Vorher: 400 kWh/m 2 a

Nachher: 100 kWh/m 2 a

Fotos

Jens Weber Fotodesign,

München

Eingebettet in das Inntal und umrahmt vom oberbayerischen

Alpenvorland liegt die Stadt Rosenheim inmitten einer der bedeutendsten

(Holz-)Wirtschafts- und Kulturregionen Deutschlands. Im

Herzen der historischen Altstadt, in unmittelbarer Nachbarschaft zu

Parkanlagen und Plätzen, steht seit 1969 das Sparkassen-Hochhaus.

Bereits vor über 40 Jahren wurde mit dem Bau des Sparkassen-Hochhauses

von der Architektur die Aufgabe übernommen,

erforderliche Funktionen wirtschaftlich übereinander anzulagern

und damit der Ausdehnung in die Peripherie vorzubeugen.

Fusionsbedingt beschäftigte sich die Sparkasse Rosenheim-Bad

Aibling im Jahr 2006 erstmals als Thema mit dem vorhandenen

Hochhaus. Hierbei ging es erstmals um die Fragestellung Sanierung

oder Abbruch. Der zentralen und bedeutenden Lage geschuldet,

bedurfte es im Zuge der Revitalisierung einer intensiven Analyse

diverser Aspekte.

Die grundlegende Abwägung, ob es wirtschaftlich und ökologisch

sinnvoll sei, das bestehende Gebäude zu erhalten und eine Sanierung

einem Abbruch und Neubau vorzuziehen, war die Ausgangsbasis

für alle darauffolgenden Planungen. Durch intensive Forschungsarbeit,

Gutachten, Modellrechnungen, Simulationen und

Kostenbetrachtungen konnte nachgewiesen werden, dass eine

Sanierung einen hohen Flächenertrag erwirtschaften wird. Neben

veränderten Bedürfnissen und Vorschriften wurde stets dem Ziel

Rechnung getragen, den Eingriff in die Umwelt so gering wie möglich

zu halten und ein zukunftsweisendes Energiekonzept zu entwickeln,

welches den Ansprüchen des 21. Jahrhunderts gerecht

werden kann.

In den folgenden Jahren ist in Rosenheim ein einmaliges und beispielhaftes

Gebäude entstanden, welches mit seinem stimmigen

Gesamtkonzept zu überzeugen vermag.

Architektur

Erster Preisträger des 2007 ausgelobten Wettbewerbs wurde SAI-

Schleburg Generalplanung. Essentieller Teil des Entwurfes ist die

Doppelfassade, deren Primärfassade zum ersten Mal bei einem

Hochhaus aus Holz besteht. Bereits hier war erkennbar, dass dem

Energiekonzept im Zusammenspiel mit der Architektur des Gebäudes

in Zukunft eine große Bedeutung zufallen würde.

Das „alte“ Sparkassen-Hochhaus hatte sich bei der Bevölkerung,

wenn auch nicht von jedermann geliebt, über die Jahrzehnte seines

Bestehens als Landmarke etabliert. Ursprünglich mit einer

Natursteinfassade versehen, weckt die neue Fassade durch die

Verwendung heimischer Materialien sowie deren Formensprache in

Nah- und Fernwirkung heute Assoziationen zu Nachhaltigkeit,

Regionalität und Wertbeständigkeit. Das Gebäude kommuniziert

über seine unmittelbare Kontur hinaus mit seiner Umgebung,

nimmt städtebauliche Fluchten und Höhen auf und wirkt dabei

selbst eher zurückhaltend als nach Bedeutung heischend.

Die Doppelfassade, mit ihrer äußeren Klimaschutzhülle, wurde als

vollkommen transparente Glasfassade ausgeführt, hinter welcher

eine Lochfassade mit Holzverkleidung angeordnet ist. Auf der

Basis integrierter Planung konnte ein „atmendes“, auf äußere

Umwelteinflüsse reagierendes und flexibles Gebäude entstehen.

Das Material Holz in seiner Optik, Oberfläche und Farbigkeit verleiht

dem Äußeren einen warmen Grundton, der bis dato mit einem

Gebäude dieser Dimension nicht in Verbindung gebracht wurde.

Im Süden wurde ein neuer Eingangsbereich geschaffen, der den

gesamten Sparkassen-Komplex – inklusive Hochhaus – mit dem

öffentlichen Straßenraum verbindet und die lange angestrebte

fußläufige Durchwegung komplettiert.

Der sanierte Bereich versteht sich als städtebauliches Bindeglied

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Eingangsbereich Immobiliencenter

Hochhaus vor der

Sanierung

und Kopfbau, dessen Erdgeschoss die dahinterliegende Kundenhalle

mit der südlichen Innenstadt verbindet. Das erste und zweite

Obergeschoss gibt dem Haus in seinem Kontext Halt und übernimmt

städtische Dominanten wie Traufkanten und Fluchten.

Vom dritten bis zum zwölften Obergeschoss erstreckt sich der

eigentliche Hochhausbaukörper, welcher um eine Etage aufgestockt

wurde. Bereits ab der vierten Etage genießt man uneingeschränkte

Weitsicht auf das der Stadt vorgelagerte Alpenpanorama.

Die beiden obersten Etagen beherbergen die Veranstaltungsund

Besprechungsebenen, welche mit der aufgesetzten Technikzentrale

den oberen Gebäudeabschluss bilden. Die zurückgesetzte

zwölfte Etage – das sogenannte „Skydeck“ – mit auskragendem

Sonnenschutz trägt zum weithin sichtbaren und gleichzeitig zurückhaltenden

Gesamtbild bei.

Fassade

Die ursprüngliche Fassade des Sparkassenhochhauses war energetisch

wie bautechnisch obsolet und zeigte grundlegende Alterserscheinungen.

Formuliertes Ziel der Fassadensanierung war daher

eine ökologische und wirtschaftliche Ausführung, unter Berücksichtigung

eines möglichst hohen Grades an Individualisierung, der

Integration dezentraler Technik und einer effizienten Regelbarkeit in

Abhängigkeit zur Jahreszeit. Die außergewöhnliche Ausstrahlung

der neuen Fassade resultiert aus der gezielten Kombination von

Holz mit einer zurückhaltenden, hochtransparenten Stahl-Glas-

Konstruktion. Die Fassadenhülle aus Glas vermittelt hierbei zwischen

Innen- und Außenraum.

Die Primär- und Sekundärfassade sind synergetisch aneinander

gekoppelt. Das Glas bietet dem Holz den gewünschten UV-Filter,

um das Vergrauen zu verhindern und Dauerhaftigkeit zu sichern.

Temperatur- und Druckgefälle vor der Fassade können gezielt

abgebaut werden. Die Holzfassade absorbiert ihrerseits durch den

präzisen Einsatz von Fugen den Schall innerhalb des Fassadenkorridors.

Die Schallimmissionen werden drastisch gemindert. Durch

die Verwendung des Holzes wird zudem eine Gewichtsreduzierung

erzielt, welche der lastäquivalenten Sanierung Rechnung trägt.

Der elektrische Energieaufwand für Kunstlicht wird durch gezielte

Tageslichtlenkung deutlich reduziert. Hierbei spielt die zweischalige

Hochhaus-Fassade mit windgeschütztem Fassadenzwischenraum

und integriertem, hochreflektierendem Sonnenschutz eine sehr

wichtige Rolle. Die leichte Zugänglichkeit über den Korridor der

Fassade vereinfacht die Wartungs- und Reinigungsarbeiten. Alle

Steuerungseinheiten sind im Brüstungskanal gut erreichbar angeordnet

und einzelne Einheiten können bei Bedarf problemlos ausgetauscht

werden.

Die beweglichen Glas-Klappen vermeiden im Sommer eine Überhitzung

des Fassadenkorridors. Durch den vorgeschalteten Pufferraum

sind an der Holzfassade somit geringe Temperaturschwankungen

zu erwarten. Der generierte „Wintergarteneffekt“ optimiert

die Heiz- und Kühlkostenersparnis. So wird die Fassade im Winter

nachts als Wärmepolster geschlossen bleiben, während sie sich im

Sommer zum Hinterlüften und Auskühlen komplett öffnen lässt.

Niederschläge werden durch die Glashülle vom Gebäudekörper

ebenfalls abgehalten. In allen Ebenen können die Büros über die

Holzfenster individuell belüftet werden. Dies ist für ein Hochhaus

untypisch, durch die Doppelfassade jedoch komfortabel.

Haustechnik

Die Versorgung eines Gebäudes dieser Typologie erfordert nach

heutigen Standards hinsichtlich Heizung, Lüftung, Kühlung sowie

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Grundriss 12. Obergeschoss

Grundriss 11. Obergeschoss

Grundriss Regelgeschoss


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Fassadenkorridor

Die Primär- und Sekundärfassade

sind synergetisch aneinander

gekoppelt. Das Glas

bietet dem Holz den gewünschten

UV-Filter, um das

Vergrauen zu verhindern und

Dauerhaftigkeit zu sichern.

Die Holzfassade absorbiert

ihrerseits durch den präzisen

Einsatz von Fugen den Schall

innerhalb des Fassadenkorridors.

Schnitt

Belichtung und Beleuchtung in konventioneller Ausführung enorme

Versorgungsschächte, welche einer optimierten Nutzung der Flächen

gegenüberstehen. Durch Vermeidung vertikaler Schächte

wird weniger der kostbaren Nutzfläche verbraucht. Die horizontale

Verteilung der Medien erweist sich unter der Decke oder im Fußbodenbereich

ebenfalls als schwierig, da die durchschnittliche Geschosshöhe

hier mit 3,07 m sehr niedrig ist. Integraler Bestandteil

der Konzeption wurde deshalb eine dezentrale Haustechnik, welche

in ihrer Form und Lage eine maximale Flexibilität in der Nutzung

und im Komfort gewährleistet.

An der Unterseite der Stahlbetondecke wurden Kapillarrohrmatten

eingeputzt, die in Verbindung mit der Nutzung natürlicher Kältequellen

über Grundwasserbrunnen und Verdunstungskühlung sowie

Niedertemperaturbeheizung über ein Wärmepumpensystem

betrieben werden. Die Rasterung von Kapillarrohrmatten im Intervall

von 1,25 m ermöglicht eine flexible und im Nachgang reversible

Raumaufteilung. Freie Deckenoberflächen, die tagsüber große

Wärmemengen aufnehmen können, welche nachts aktiv wieder

entzogen werden, sichern eine optimale thermische Behaglichkeit

in den Räumen. Die intelligente Verquickung von Doppelfassadensystem

mit den Kühl-, Heiz- und Lüftungssystemen reduziert die

Energiekosten auf einen Bruchteil des Ausgangswertes. Der Primärenergiebedarf

wird deutlich gesenkt und erreicht so einen Idealwert

von nahezu 100 kWh/m²a. Durch eine effiziente Fassadensteuerung

stellt sich das Gebäude optimal auf die jeweilige Wettersituation

ein und maximiert zudem den Nutzerkomfort.

Statik

Der Grundgedanke, die vorhandene Substanz zu erhalten und zu

sanieren, wurde nach umfangreichen Untersuchungen auch kon-

struktiv als realisierbar bestätigt. Der Beton hatte seine Qualität

durch Alterung sogar verbessert, sodass ein umfassendes Sanierungskonzept

entwickelt werden konnte.

Das Tragwerkskonzept zur Umbaumaßnahme sah im Ansatz eine

lastäquivalente Sanierung vor. Im Detail beinhaltete dies unter anderem

die Entfernung der massiven Betonbrüstungen unterhalb

der Fenster sowie den Abbruch der obersten zwei Etagen, welche

als Veranstaltungs- und Konferenzebenen neu aufgebaut wurden.

Außerdem wurde das Hochhaus bis auf die tragenden Bauteile

entkernt.

Durch mikroinvasive Eingriffe in die bestehende Tragstruktur des

Bestandes konnte das Gebäude erhalten werden. Mit Verstärkung

der Bauteile an den statisch entscheidenden Stellen ist es gelungen,

die Standsicherheit und auch den Brandschutz der Bauteile

nach heutigen Normen und Richtlinien nachzuweisen. Die Fundamente

konnten unangetastet bleiben, was bei den vorhandenen

Grundwasserverhältnissen von großer Bedeutung war.

Brandschutz

Der Brandschutz im Gebäude wurde unter Berücksichtigung des

Bestandes an heutige Standards angepasst. Die Rettungswegsituation

wird durch die Ergänzung des vorhandenen Sicherheitstreppenraums

mit einer Druckbelüftungsanlage in allen Geschossen

verbessert. Einer der beiden vorhandenen Aufzüge wurde in

der Art modifiziert, dass er der Feuerwehr für eine schnellere vertikale

Erschließung zur Verfügung steht. Damit werden die Angriffsmöglichkeiten

für die Feuerwehr im Brandfall optimiert.

Das Hochhaus stellt einen eigenen Brandabschnitt dar, der im

Bestand von den weiteren angrenzenden Bauteilen durch Brandwände

abgetrennt ist.

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Lärchenholzfächen in Glas gehüllt

Die Außenwand setzt sich aus drei Elementen

zusammen: (1.) Brüstungen, (2.) pfeilerartige,

45 cm tiefe und geschosshohe Fassadenelemente

sowie (3.) Holzfenster. Sämtliche Elemente

sind auf ein Raster von 2,50 m abgestimmt,

wurden in großen Serien werkseitig

vorgefertigt und vor Ort schnell montiert. Die

Brüstungs- und Fassadenelemente bestehen

aus einer gedämmten Konstruktion aus Stahlprofilen,

die mit Lärchenholz-Lamellen bzw.

-Platten bekleidet sind.

Die Glasfassade ist über Stahlschwerter an die

Stahlbeton-Geschossdecken „angehängt“.

2,50 m lange Zuglaschen verankern sie in den

Decken, wobei die Verankerungspunkte genau

dort angeordnet sind, wo die Deckenplatten

ihre größte Durchbiegung nach unten aufweisen.

Die Lasten aus der Glasfassade wirken

der Durchbiegung entgegen und entlasten die

Deckenplatten.

Doppelfassade als Temperaturpuffer

Primär- und Sekundärfassade sind synergetisch

aneinandergekoppelt. Mithilfe einer effizienten

Fassadensteuerung stellt sich das Gebäude

auf die jeweilige Wettersituation ein:

Bewegliche Glas-Klappen sind im Sommer

geöffnet, sorgen für eine gute Hinterlüftung

und verhindern eine Überhitzung des Fassadenkorridors.

Im Winter sind die Glas-Klappen

teilweise oder ganz geschlossen, sodass sich

die Luft erwärmt und ein Wärmepolster entsteht.

Die Klappensteuerung ermöglicht den Gebäudenutzern

auch, jederzeit die Fenster zu öffnen

und die Büros individuell zu belüften. Selbst an

kalten Tagen sorgt der „Wintergarteneffekt“ im

Fassadenzwischenraum dafür, dass bei offenen

Fenstern kaum Wärme verloren geht. Wärmeschutztechnisch

entspricht das Gebäude der

Energieeinsparverordnung (EnEV) 2009, was

sich vor allem an der Senkung des Primärenergiebedarfs

festmachen lässt, ohne der Doppelfassade

als Gesamtkonstruktion einen U-Wert

zuzuordnen. Zusammen mit dem Einsatz regenerativer

Energien und der Verbindung der

Doppelfassade mit dezentralen Kühl-, Heizund

Lüftungssystemen reduziert sich der jährliche

Primärenergiebedarf auf ein Viertel des

ursprünglichen Werts: von 400 auf knapp 100

kWh/m 2 a.

Holzlamellen gegen Schallimission

Die mit Akustikvlies hinterlegten Holzlamellen

fungieren auch als Schallabsorber und -brecher.

Sie dämpfen den Verkehrslärm und wirken

dem sog. „Telefonie-Effekt“ entgegen, der

bei Doppelfassaden typisch ist: einer Schallübertragung

innerhalb des Fassadenkorridors,

wenn bei geöffneten Fenstern gesprochen

wird, wie das z. B. beim Telefonieren unvermeidlich

ist.

Die Glashülle schützt die Holzfassade nicht nur

vor Schnee und Regen, sondern auch vor der

Sonne und damit vor Vergrauung: Die im Verbundsicherheitsglas

(VSG) eingelegte Folie

filtert mehr als 90 % der UV-Strahlung heraus,

sodass die Zersetzung des Lignins, was die

Ursache der Vergrauung ist, weitestgehend

unterbunden wird. Das Holz dunkelt lediglich

im Lauf der Zeit etwas nach, behält aber seine

typische Farbe.


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Kopfende

Die obersten zwei Etagen,

welche heute als Veranstaltungs-

und Konferenzebenen

genutzt werden, wurden neu

aufgebaut.

Die zurückgesetzte zwölfte

Etage, das sogenannte „Skydeck“,

mit auskragendem

Sonnenschutz trägt zum weithin

sichtbaren und gleichzeitig

zurückhaltenden Gesamtbild

bei.

Außerdem wurde im Gebäude eine umfassende Brandmeldetechnik

installiert, die eine Brandentstehung sehr zeitnah der Feuerwehr

melden kann.

Die neue Holzfassade hinter der äußeren Glasfront der Doppelfassade

stellt eine grundsätzliche Abweichung von den Anforderungen

des Baurechts dar. Diese Abweichung wurde in Abstimmung

mit der Genehmigungsbehörde ermöglicht, da der Fassadenzwischenraum

mit einer hochwirksamen Hochdrucknebel-Anlage ausgestattet

ist. Diese Anlage erzielt eine dreidimensionale Löschwirkung

und kann daher im Fassadenzwischenraum effektiv eingesetzt

werden. Im Brandfall kann bei dieser Anlage mit sehr hoher

Wahrscheinlichkeit von einer automatischen Brandlöschung ausgegangen

werden. In Verbindung mit einer Brandfallsteuerung für

die Glasklappen der Sekundärfassade kann eine gezielte Rauchableitung

aus der Fassade gewährleistet und der Brandüberschlag

in andere Geschosse ausreichend behindert werden.

Nachhaltigkeit

Das Ziel des nachhaltigen Bauens ist in erster Linie Qualität. Derartige

Gebäude sind effizient, umweltfreundlich, ressourcensparend

und behalten auch langfristig ihren hohen Wert. Für ihre Nutzer

sind diese vor allem behaglich und gesund.

Der spezifische Entwurf des Hochhauses hatte eine vorgehängte

Fassadenkonstruktion aus einer statisch und bauphysikalisch optimierten,

transparenten Klimaschutzhülle mit dem dahinter liegenden

Raumabschluss zum Ergebnis. Diese Kombination ist so geplant,

dass sie ökologisch und sehr wirtschaftlich umgesetzt werden

konnte. Da die Primärfassade optimal vor Witterungseinflüssen

geschützt ist, konnte hier auf kostspielige, schon in der Herstellung

sehr energieintensive Materialien verzichtet werden.

Als vorherrschendes Fassadenmaterial in Konstruktion und Brüstungselementen

konnte Lärchenholz bewusst verwendet werden.

Holz muss als Werkstoff im Gegensatz zu anderen Baustoffen für

die Herstellung des Rohmaterials keinerlei Energie zugeführt werden.

Die einzelnen Fassadenteile konnten zudem in heimischen

Schreiner-Betrieben angefertigt und auf der Baustelle zusammengesetzt

werden.

Lärchenholz stellt unter den europäischen Nadelnutzhölzern ein

sehr dauerhaftes Holz dar. Die hervorragende Verfügbarkeit nachwachsender

Rohstoffe, kurze Transportwege, in die Region passende

Haptik und erhebliche Gewichtsvorteile bestärkten diese

Materialwahl.

Innenarchitektur

Das Konzept der Innenraumgestaltung strebte stets nach Räumen

der Arbeit – statt nach Arbeitsräumen. Die Holzverkleidung, als

Reflexion der äußeren Fassade, ist zum Leitmotiv für den gesamten

Innenausbau geworden. Das horizontale Motiv der Holzlamellen

an der Fassade wurde in sämtliche Räumlichkeiten, wie zum

Beispiel Küche, Pausentreff, Aufzugsvorraum, Treppenhaus und so

weiter projiziert, sowie als „Diskretionsstreifen“ aufgegriffen. Die

beweglichen Wände ermöglichen ein flexibles Raumgliederungssystem

für typgerechte und mitarbeiterfreundliche Arbeitsplätze. Das

neue Beleuchtungssystem, die bewusst angewandte harmonische

Farbzusammenstellung, die Holzfenster, hochwertige Bodenbeläge

wie Kunststein oder Teppich und die ausgewählte Möblierung tragen

als Gesamterscheinung zu einer behaglichen Raumatmosphäre

bei.

Die das Raumklima beeinflussenden Faktoren wie Heizung, Kühlung,

Lüftung, Licht, Geruch und so weiter wurden akribisch nach

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neuesten Standards untersucht und dem Konzept zugrunde gelegt.

Komplettiert wird die Innenraumkonzeption zudem durch ein

ausgefeiltes Begrünungskonzept.

Um hohe Nutzerzufriedenheit zu erzielen, ist die gesamte Gebäudetechnik

darauf ausgerichtet, ein „sick-building-syndrom“ zu vermeiden

und ein raumbedingtes Unwohlbefinden auszuschließen.

Fazit

Mit dem sanierten Sparkassen-Hochhaus in Rosenheim ist ein Gebäude

entstanden, welches durch seine intelligente Fassade auf

die ganz spezifische Tages- und Wettersituation reagiert, sowie

den Nutzer die Raumkonditionen individuell beeinflussen lässt. Aufgrund

einer integrativen Planung konnte ein „atmendes“, auf äußere

Umwelteinflüsse reagierendes und flexibles Gebäude entstehen.

Die eindrucksvolle Komposition der Glashülle in Verbindung mit der

primären Fensterkonstruktion überzeugt als positiver Faktor hinsichtlich

Energiebilanz, Gebäudetechnik, Nachhaltigkeit und architektonischem

Ausdruck.

SAI SCHLEBURG Generalplanung, Rosenheim

online

www.schleburg.de

www.duschl.de

www.spk-ro-aib.de

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