Nr. 11 / November 2011 - Die Pause (PDF, 5016 kb) - KV Schweiz

kvschweiz.ch

Nr. 11 / November 2011 - Die Pause (PDF, 5016 kb) - KV Schweiz

28. 11. 2011

Heft 11

Das Magazin für Bildung und Beruf

Daniel Jositsch

Welche Ziele dem neuen

KV-Präsidenten wichtig sind

Pause

Wer die Arbeit unterbrechen

darf und wer nicht

Aufstieg

Wie praktisch die höhere

Berufsbildung ist


Nach einem Unfall am Arbeitsplatz leidet

auch Ihr bester Freund.

Stoppen Sie bei Gefahr die Arbeit. Auch Ihren Freunden zuliebe. Keine Arbeit ist so wichtig,

dass man dafür sein Leben riskiert. Beachten Sie deshalb die lebenswichtigen Regeln der Suva zur

Unfallverhütung. Denn alle haben das Recht, nach der Arbeit gesund nach Hause zu kommen.

www.suva.ch


Editorial

Inhalt

Im Büro Taipeh, Taiwan 5

Unbürokratisch 6

Leserbriefe, KV in den Medien, Webrating 7

Politik und Wirtschaft 8

«Ich bin dann mal weg» – das Buch des

deutschen Entertainers und Komikers

Hape Kerkeling habe ich mit grossem Interesse

und mit Begeisterung gelesen. Da

macht sich einer auf den Jakobsweg, dem

ich eine solche Art der Pause oder des temporären

Aussteigens nicht wirklich zugetraut

hätte. Ganz besonders gefällt mir der

Titel «Ich bin dann mal weg». Da nimmt

sich einer die Freiheit, für eine kurze oder

auch längere Zeit weg zu sein – nicht erreichbar

und frei von den täglichen beruflichen

und privaten Herausforderungen.

Die deutsche Psychoanalytikerin

Maja Storch beschreibt in ihrem Buch

«Die Mañana-Kompetenz» die Entspannung

als Schlüssel zum Erfolg. Im letzten

Februar hatte ich die Möglichkeit, durch

ein sehr anregendes Referat von Maja

Storch an der Tagung «Zukunft der Arbeit»

des KV Zürich und des KV Bern meine persönlichen

Schlüssel-Orte oder Schlüssel-

Momente für die Entspannung zu suchen.

Entspannen, Pause machen, Ausgleich

finden zu all den beruflichen Herausforderungen

ist von grösster Bedeutung.

Bewusst Pausen einzulegen ist

gerade in einem Umfeld von ständiger Erreichbarkeit

sehr wichtig.

Die Betriebskultur ist in Fragen der

Pausengestaltung und der Wertung von

Pausen entscheidend. Ist es betriebsüblich

und normal, dass alle regelmässig

Überstunden generieren und auch noch

an den Wochenenden ihre Mails abarbeiten?

Wird jemand schräg angeschaut, der

sich regelmässig die Freiheit nimmt, eine

kurze Pause einzulegen? Oder schaut der

Betrieb, dass seine Mitarbeitenden die

Möglichkeit haben, Arbeit und Freizeit in

ein gesundes und sinnvolles Mass zu

bringen? Lesen Sie ab Seite 18 unser Dossier

zum Thema Pause.

Auftakt Mindestzinssatz/Swissmem-Umfrage/Buchtipp/Swica

Kolumne Von Claude Meier 9

Compliance Wie Unternehmen ihre Regeln einhalten 10

Führung Aus- und Weiterbildungen sind wichtig 12

Monatsinterview Daniel Jositsch über die Perspektiven des Verbands 14

Dossier Pause 18

Von der Mikro-Unterbrechung zur Auszeit

Babypause Herausfordernder Wiedereinstieg 20

Sabbatical Abschalten und neu auftanken 23

Powernapping Neue Energie dank Kurzschlaf 25

Beruf und Bildung 26

Auftakt Ausstellung Kommunikation/Buchtipp/Prävention

Kolumne Von Stefanie Grob 27

Höhere Berufsbildung Absolventen geben Tipps 28

Leben Thuy Thuy Anh Huynh-Le, ausgezeichnet für Weiterbildung 34

Ratgeber Büroalltag/Bildung/Recht/Jugend 38

KV-Aktuell/Sektionen Veranstaltungen und Informationen/Personen im KV 40

Impressum 44

Rätsel SBB-Tageskarten zu gewinnen 45

Cartoon Von Ruedi Widmer 46

Peter Kyburz – Generalsekretär des KV Schweiz

peter.kyburz@kvschweiz.ch

Titelbild: Pause auf der NEAT-Baustelle bei Faido, 27.Juli 2010 (Roland Schmid/Pixsil)

context 11 – 2011


Bachelor of Science

in Business Administration

Im St.Galler Betriebsökonomie-Studium wirst du auf deinem Weg begleitet und lernst in einer unserer Studienrichtungen

General Management, International Management oder Wirtschaftsinformatik deine Fähigkeiten anzuwenden.

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Im Büro

5

Taipeh, Taiwan

Tina Yang arbeitet seit viereinhalb Jahren

in der Verwaltung des Kosmetikartikelund

Pharma-Produzenten Maywufa.

Interview und Fotos Klaus Bardenhagen

Hatten Sie als Kind einen Traumberuf?

Ich wollte ursprünglich Lehrerin werden,

weil man da viel zu sagen hat und Respekt

geniesst. Oder Krankenschwester,

weil die ein grosses Fachwissen haben.

Welchen Beruf üben Ihr Vater und Ihre

Mutter aus?

Meine Mutter ist Hausfrau. Mein Vater

war Klempner- und Elektrikermeister,

aber er ist schon im Ruhestand.

Was arbeiten Sie?

Ich gebe die täglichen Bestellungen

ins System ein. Ausserdem kümmere ich

mich um Zahlungsanträge und offene

Rechnungen.

Welche Ausbildung haben Sie gemacht?

Nach zwölf Jahren Schule habe ich bei

einem Medizinartikel-Hersteller in der

Buchhaltung gearbeitet und gleichzeitig

drei Jahre lang die Abendschule besucht,

weil ich eine bessere Fachausbildung

wollte. Nun habe ich einen Abschluss in

internationalem Handel.

Was produziert Ihre Firma?

Ausser Kosmetik und Haarpflege-Produkten

stellen wir auch Diabetes-Medikamente

und Mittel gegen Magen-Darm-

Beschwerden her. Wir haben knapp 300

Mitarbeiter. Unsere Fabrik liegt etwa eine

Stunde von Taipeh entfernt.

Wie lange brauchen Sie von Ihrem

Wohn- zu Ihrem Arbeitsort?

Mit dem Bus von unserer Wohnung,

die in einem Aussenbezirk liegt, zum

Büro in die Innenstadt etwa 40 Minuten.

Welche Qualitäten sind in Ihrem Beruf

gefragt?

Ich muss Daten schnell eingeben, mit

unseren Produkten vertraut sein und dabei

gewissenhaft und exakt arbeiten.

Woran stören Sie sich in Ihrem Beruf?

Unnötige Konferenzen, bei denen

kein Ergebnis herauskommt, kann ich

nicht ausstehen.

Wie viele Stunden pro Woche arbeiten Sie?

40 Stunden. Anders als viele Angestellte

in Taiwan muss ich zum Glück

keine Überstunden machen. Die würden

nicht bezahlt, sondern mit Freizeit abgegolten.

Aber das Prozedere ist sehr umständlich,

deshalb ist es mir so lieber.

Wie oft machen Sie Ferien?

Nach vier Jahren in der Firma bekomme

ich nun endlich zehn Tage Urlaub.

Das reicht, um zweimal pro Jahr drei Tage

innerhalb von Taiwan zu verreisen. In

meinem ersten Jahr in der Firma hatte ich

gar keinen Urlaub, danach zunächst nur

sieben Tage.

Wie viel verdienen Sie pro Jahr?

Umgerecht etwa zehn- bis zwölftausend

Franken.

Können Sie Geld auf die Seite legen?

Mit unserem zweijährigen Sohn ist

das jetzt nicht mehr möglich.

Wie viele Personen müssen von Ihrem

Einkommen leben?

Ausser unserem Sohn leben bei uns

noch meine Schwiegermutter und ein

arbeitsloser Schwager. Und vorübergehend

meine Schwägerin, die gerade ein

Kind zur Welt gebracht und dafür ihre

Stelle gekündigt hat.

Sind Sie gegen Krankheit versichert?

Für unsere staatliche allgemeine Krankenversicherung

zahle ich pro Monat 22

Franken. Das finde ich ganz schön teuer!

Haben Sie eine Altersvorsorge?

Ich habe eine Lebensversicherung

und ein paar Fondsanteile.

Was möchten Sie beruflich noch erreichen?

Eigentlich nichts. Nur ein bisschen

mehr Gehalt wünsche ich mir.

Reden Sie mit Ihrem Partner über die

Arbeit?

Ja, über das Gute und das Schlechte,

alles muss er sich anhören.

Steckbrief Taiwan

Taipeh liegt im Norden der Insel. Im

Ballungsgebiet der Hauptstadt leben

insgesamt 6–7 Millionen Menschen.

Einwohner Mehr als 23 Millionen

Einwohner bedeuten für Taiwan die

zweithöchste Bevölkerungsdichte

aller Flächenstaaten nach Bangladesch.

Fast alle leben auf der Küstenebene

im Westen der Insel.

Arbeitslosenquote 4,3%, viel höher

als in Taiwans goldenen 1980er- und

90er-Jahren

Durchschnittseinkommen umgerechnet

1200 Franken pro Monat

Gewerkschaftlicher Organisationsgrad

38%

Wichtigste Exportartikel Elektronikprodukte

(z.B. Notebooks, Speicherchips,

Mobiltelefone), Optoindustrie

(u.a. Displays), Maschinen, Kunststoffteile,

Chemikalien

Steckbrief Person

Name Tina Yang

Alter 31

Zivilstand verheiratet

Wohnform lebt mit Mann, Sohn,

Schwieger mutter, Schwager und

Schwägerin in einer 115-Quadratmeter-Wohnung

Wohnort Xinzhuang, eine Vorstadt von

Taipeh

context 11 – 2011


6

UnbÜrokratisch

Samichlaus René Berset und Schmutzli Jean-Marc Berset der Nikolaus-Gesellschaft Bülach geben Bestellungen auf. Foto: Atelier MFM/Ex-Press

context 11 – 2011


Leserbriefe

«Context ist gut und ich lese die Zeitschrift

meistens von A bis Z.» Hans Forrer, Guayaquil, Ecuador

context 10 – 2011

«Vorsorgedampfer steuert auf Eisberg zu»

Dass sich bei der Kontroverse um die Pensionskassen

kein Experte getraut, in der

KV-Zeitschrift die für schlechte Zeiten

schon wiederholt propagierten Kürzungen

von laufenden PK-Renten offen zu

vertreten, war zu erwarten. Oder meint

Wirtschaftsprofessor Martin Janssen mit

«Die viel zu hohen Renten der Vergangenheit

vergessen,…» eine erste von ihm formulierte

Massnahme, um den Vorsorgedampfer

wieder in Fahrt zu bringen, etwa

doch Rentenkürzungen? Solche wären

nicht bloss ein Tabu- sondern ein Vertragsbruch

und mit unserem Rechtsverständnis

niemals zu vereinbaren. Schliesslich

hat ein Arbeitnehmer (mit gütiger Mithilfe

des Arbeitgebers) bis zur Pensionierung

seine Leistungen erfüllt. Dann wird

beim Kapitaldeckungsverfahren aus dem

individuell angesparten Alterskapital mit

dem aktuellen und jetzt wieder heiss diskutierten

Umwandlungssatz die Rente berechnet

– und die Pensionskasse hat nun

ihre vertraglichen Leistungen zu erbringen,

d.h. bis zu seinem Lebensende (mindestens)

die damals zugesagte Rente – wie

bei einer Leibrente einer Versicherung –

auszuzahlen. PK-Versicherte und ‐Vertreter,

die heute noch für Rentenkürzungen

sind, müssen sich bewusst sein, dass auch

sie (hoffentlich) später einmal Rente beziehen

werden. Können die Experten und

Berater belegen, dass ihre Leistungen

wirklich die von den Pensionskassen bezahlten

Entschädigungen wert sind oder

wollen sie mit solchen Vorschlägen einfach

nur ihre horrenden Honorare retten?


Paul Jäger, Zürich

Webrating

Wird Teamarbeit überschätzt?

Es ist höchste Zeit und somit erfreulich,

dass sich auch der KV dieser Problematik

annimmt. In der bestehenden Finanzkrise

ist der obligatorische Teil des BVG

besonders unsicher geworden. Gründe

dafür sind bekannt: Senkung des Mindestzinssatzes

und des Umwandlungssatzes

und die privaten Verwaltungshändchen,

die oft mehr Hand als treu gewesen

sind. Da müsste man doch logischerweise

zum Schluss kommen: Ausbau der AHV –

dort wird das Schinkenbrot noch frisch

gegessen und nicht erst nach 30 bis 40

Jahren Lagerung. Mit anderen Worten,

das Umlageverfahren der AHV ist zudem

verwaltungsmässig viel einfacher und

billiger als das Kapitaldeckungsverfahren,

das nun ins Schleudern geraten ist.

Warum nicht den obligatorischen BVG-

Teil in den Ausbau der AHV stecken, der

angesichts der demografischen Entwicklung

so oder so erfolgen muss. Den überobligatorischen

BVG-Teil kann man dann

den Privatkassen überlassen. Dazu

braucht es natürlich eine politische Akzeptanz

und Arbeitnehmerorganisationen

müssten sich im Parlament dafür

härter einsetzen. Und wer weiss, in der EU

wird bereits (ungern) über die Tobin-Tax

diskutiert, weil alle Länder leere Kassen

haben. Die Umverteilung muss endlich

beginnen.


Otto Tobler, Rüschlikon

Context freut sich über Ihren Leserbrief!

Bitte mit Vor-/Nachnamen sowie Wohnort an:

context@kvschweiz.ch, oder an

Context, Postfach, 8027 Zürich

KV in den Medien

Der Zürcher Strafrechtsprofessor und

SP-Nationalrat Daniel Jositsch ist

neuer Präsident des Kaufmännischen

Verbands Schweiz (KV). Er wurde am

Mittwochabend an der Delegiertenversammlung

in Bern gewählt und

tritt nun die Nachfolge von Mario Fehr

an. […] In seiner Rede würdigte Jositsch

die Arbeit der kaufmännischen

Sektionen und verwies auf die Verdienste

des Verbandes in der beruflichen

Aus- und Weiterbildung.

10.11.2011

Der Bundesrat ist gegen ein Recht auf

Weiterbildung. Sich weiterzubilden,

liege in der Verantwortung eines jeden

Einzelnen, schreibt er zu seinem

ausgearbeiteten Entwurf des Weiterbildungsgesetzes.

Dieses schickte er

gestern in die Vernehmlassung. Ein

Recht auf Weiterbildung wurde insbesondere

von gewerkschaftlicher Seite

gefordert. Aber auch der Kaufmännische

Verband Schweiz verlangte ein

Recht auf fünf Weiterbildungstage

pro Jahr.

10.11.2011

Die Gesamtlohnsumme der Migros

Schweiz wächst 2012 um rund 20 Millionen

Franken. Das Verhandlungsergebnis

beweise, was eine «konstruktive

und faire Sozialpartnerschaft

auch unter schwierigen wirtschaftlichen

Bedingungen» zu leisten vermöge,

schreiben der Migros-Genossenschaftsbund,

der Metzgereipersonal-Verband,

die Landeskommission

der Migros-Gruppe und der Kaufmännische

Verband Schweiz in der gemeinsamen

Mitteilung.

10.11.2011

7

Ja: 31 %

Jetzt abstimmen:

www.context.ch

Nein: 34 %

Teilweise: 35 %

Machen Sie genügend

Pausen?

> Ja

> Nein

> Weiss nicht

Die Angestellten des Kantons Zürich

sollen künftig mindestens fünf Wochen

Ferien erhalten. Dies verlangt

die Volksinitiative «Für faire Ferien»,

lanciert von VPOD und Kaufmännischem

Verband Zürich.

28.10.2011

context 11 – 2011


8

Politik und Wirtschaft

Vorsorge

Renten werden gesenkt

Der Bundesrat hat den Mindestzinssatz

der 2. Säule von 2 auf 1,5 Prozent gesenkt.

Die Reaktionen darauf sind sehr unterschiedlich.

Mit der negativen Entwicklung an den Finanzmärkten

begründete der Bundesrat

Anfang Monat die Senkung des Mindestzinssatzes.

Sozialdemokraten und Gewerkschaften

reagierten konsterniert, die

Arbeitgeber befriedigt. Experten hatten

im letzten Context davon abgeraten und

andere «Sparszenarien» skizziert. Für die

Pensionskassenbranche selber geht dieser

Schritt nicht weit genug.

Für den Schweizerischen Pensionskassenverband

ist die Senkung «notwendig».

So kämen die Vorsorgereinrichtungen

nicht in Ertragszwang. Das heisst, sie

müssen bei der Anlagepolitik weniger Risiken

eingehen. Der Schweizerische Versicherungsverband

fordert allerdings einen

noch tieferen Zinssatz. Damit würde

der Bundesrat «ein klares Zeichen für die

finanzielle Sicherheit der beruflichen

Vorsorge setzen».

Der Gewerkschafts-Dachverband

Travail Suisse warnt davor, dass mit der

tiefen Verzinsung die 2. Säule an Attraktivität

und damit an Rückhalt in der Bevölkerung

einbüssen könnte. Der Schweizerische

Gewerkschaftsbund (SGB) meint,

solange Sparkapitalien in der Säule 3a

weiterhin Zinssätze zwischen 2 und 3 Prozent

erzielten, müssten für die 2. Säule 2

Prozent möglich sein. Er bezeichnet die

Senkung, die ohne Not erfolgt sei, als «Geschenk

an die Versicherungswirtschaft».

Die SP Schweiz sieht die Senkung im

Rahmen eines allgemeinen Angriffs auf

die Renten und bedauert, dass «die Zeche

die künftigen Rentnerinnen und Rentner

bezahlen, die mit weniger Geld auskommen

müssen». Wie viel das sein wird, lässt

sich nicht sagen. Es hängt davon ab, ob

die Pensionskassen auch tatsächlich den

Zinssatz senken oder (noch) nicht. Gut finanzierte

Kassen mit höherer Rendite

dürften eine Verzinsung über dem gesetzlichen

Minimum festlegen.

Die Debatte um die Rentenhöhe geht

aber schon bald in die nächste Runde.

Wie im letzten Context bereits vorhergesagt,

wird nun der Umwandlungssatz zu

einem Thema. Im Nationalrat ist ein Vorstoss

der FDP-Fraktion hängig, der eine

«Entpolitisierung des Umwandlungssat-

Zukunft DER 2. SäULE

In der kommenden Dezembersession

hätte der Bundesrat dem Parlament

einen Bericht zur Zukunft der 2. Säule

vorlegen sollen. Das geschieht nun

aber erst im nächsten Jahr. Im Bericht

wird gezeigt, ob die einseitige Belastung

der Arbeitnehmer und Arbeitgeber

auf Dauer sachgerecht ist. Und

präsentiert werden mögliche Massnahmen

zur Abfederung von Renteneinbussen.

Rechtzeitig auf den 1. Januar jedoch

nimmt die neue Oberaufsichtskommission

über die 2. Säule ihre Tätigkeit

auf. Präsidiert wird das Gremium

von alt Nationalrat Pierre Triponez

(FDP). Die weiteren Mitglieder sind

Ökonomie-, Versicherungs- und Pensionskassenexpertinnen

und -experten

wie auch Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter.

zes» fordert. Das würde jedoch bedeuten,

auch das Volk könnte nicht mehr mitreden.

Dieses hat letztes Jahr eine Senkung

des Umwandlungssatzes verworfen. ajm

Umfrage

Franken weiter schwächen

Die Lage in der Schweizer Maschinen-,

Elektro- und Metall-Industrie hat sich in

den vergangenen Monaten aufgrund der

anhaltenden Frankenstärke weiter verschärft.

Gemäss einer Umfrage von Swissmem,

dem Verband der MEM-Branche,

schreiben 36% der Mitgliedfirmen operativ

Verluste. Zudem verringern sich seit

dem zweiten Quartal die Auftragseingänge.

Die Gegenmassnahmen der Unternehmen

und das gegenwärtige Wechselkursniveau

reichten nicht aus, um die

Situation nachhaltig zu verbessern, kommentiert

der Verband. Er sieht deshalb

den Bedarf gegeben, den Franken weiter

zu schwächen.

Zwar ist die Bilanz über die gesamten

ersten neun Monate betrachtet noch positiv.

Die Umsätze stiegen um 3,9% und

die Auftragseingänge um 6,4%. Das ist die

Folge der guten Bestellungseingänge am

Ende des letzten Jahres und im ersten

Quartal 2011. Ab dem zweiten Quartal 2011

jedoch drehte die Entwicklung ins Negative.

Der Rückgang der Bestellungseingänge

erhöhte sich im dritten Quartal auf

-4,9%.

Allerdings ging das Volumen der Exporte,

die für rund 75% der Aufträge in der

MEM-Industrie verantwortlich zeichnen,

um 2,2% gegenüber dem Vorjahr zurück.

Die gesamthaften Exporte der Branche

betrugen im dritten Quartal gemäss

Swissmem rund 16,3 Milliarden Franken.

Während beim für die Schweiz wichtigsten

Handelspartner Deutschland ein

Plus von 5,2% auszumachen war, ist der

Handel mit Frankreich, Italien, den Niederlanden

oder Belgien massiv eingebrochen.

Pessimistisch sind deswegen die Erwartungen:

Aktuell rechnen über 35% der

befragten Unternehmen in den nächsten

zwölf Monaten mit einer negativen Entwicklung

der Aufträge aus dem Ausland.

Der Branchenverband fordert daher weitere

Massnahmen von Bund und Nationalbank.

Ein Mindestkurs zum Euro von

1,20 Franken reiche der Mehrheit der Unternehmen

nicht, um die Lage nachhaltig

zu verbessern. Swissmem verlangt darum

von der Nationalbank eine weitere Schwächung

des Frankens, damit der Eurokurs

in einem Bereich zwischen 1,35 und 1,40

stabilisiert werden könnte.

Vom Bund verlangt der Verband den

raschen Abschluss der Freihandelsabkommen

mit Indien und China, bessere

Innovationsförderung, tiefere Steuern

und weniger Regulierung. Swissmem

weist auch auf die Bedeutung der Personenfreizügigkeit

für die Industrie hin. Die

Sozialpartner werden aufgefordert, für

zukunftsgerichtete Lösungen Hand zu

bieten. pd

context 11 – 2011


Swica

Das tut weh

Im Oktober wurde bekannt, dass die Mitarbeiter

und Mitarbeiterinnen der Swica-

Gesundheitszentren länger arbeiten müssen,

und das bei gleichem Lohn.

Vorgesehen ist, dass die 170 medizinischen

Praxisangestellten neu 42,5, und

die 130 Ärzte 45 Stunden arbeiten müssen,

statt der im Gesamtarbeitsvertrag vereinbarten

40 Stunden, und das bei gleichem

Lohn. «Dies entspricht einer Lohnsenkung

von 6,25 beziehungsweise 12,5 Prozent»,

sagt Benedikt Gschwind vom KV

Schweiz. Das neue Modell soll bereits

2012 in Kraft treten, was laut Gschwind allerdings

eine Verletzung des Gesamtarbeitsvertrags

bedeutet.

Der Verband verlangte von der Swica,

dass die für den GAV geltende Kündigungsfrist

von einem Jahr eingehalten

werde. Dann wäre die Arbeitszeiterhöhung

erst ab Januar 2013 gültig. Laut Benedikt

Gschwind sind entsprechende

Verhandlungen aber gescheitert. Swica

hält an ihrem Standpunkt fest und will

die Vertragsänderungen wie geplant per

1. Januar 2012 umsetzen. «Wir bedauern,

dass keine Einigung zustande gekommen

Ein soeben erschienenes Buch geht auf

die Hintergründe der weltweiten Finanzkrise

ein.

Im Herbst 2008 führten die Grossbanken

die Welt an den wirtschaftlichen Abgrund.

Es spricht nicht viel dafür, dass aus

dieser Krise Lehren gezogen worden sind.

Die Welt ist nicht stabiler geworden, ganz

im Gegenteil: Sie ist bereits wieder auf

«Crash-Kurs», wie der Titel eines kürzlich

erschienen Buches besagt.

Der Wirtschaftsjournalist Markus

Diem Meier geht auf die Hintergründe der

weltweiten Finanzkrise ein. Einer der

Schwerpunkte des Buches ist die Frage,

warum die Politik so unfähig ist, die wichtigsten

wirtschaftlichen Probleme anzugehen.

Laut Diem Meier hat sie sich bis

zur Krise am falschen Kompass – am Neoliberalismus

– ausgerichtet, der in den

letzten 30 Jahren die Handlungsanweisungen

für die praktische Wirtschaftspolitik

lieferte.

Das Buch ist eine Bestandesaufnahme

der gegenwärtigen Situation. Der

Autor zeigt Hintergründe auf und führt

ist», sagt Benedikt Gschwind. Der Verband

will ein Gutachten über die Anwendbarkeit

des GAV im konkreten Fall

in Auftrag geben. «Wir sind überzeugt,

dass unsere Haltung rechtlich korrekt ist»,

sagt Gschwind.

In einem Schreiben hat sich der Verband

nun an alle Teilnehmenden der Informationsversammlung

gewandt, die

der KV Schweiz am 26. Oktober durchführte.

Die Betroffenen werden darauf

aufmerksam gemacht, dass sie eine Änderungskündigung

in Kauf nehmen müssen,

falls sie das Angebot der Swica für einen

neuen Anstellungsvertrag nicht unterzeichnen.

Die Beschreitung des Rechtsweges

könne eine Kündigung des Arbeitsverhältnisses

zwar nicht rückgängig machen,

aber bei Gutheissung einer Klage Entschädigungszahlungen

für die Betroffenen

zur Folge haben. «Damit werden hoffentlich

immerhin in der Zukunft

Arbeitgeber davon abgehalten, in vergleichbaren

Fällen einen bestehenden

GAV zu missachten», sagt Benedikt

Gschwind. tj

Buchtipp

Der Crash ist denkbar

die Leserinnen und Leser zu erhellenden

Erkenntnissen, dann etwa wenn er aufzeigt,

dass die Krise der Europäischen

Währungsunion nicht mit der Überschuldung

Griechenlands einsetzte, sondern

schon viel früher in den Regeln der Währungsunion

selbst angelegt ist. Diese

stammen aus dem Jahr 1992 und halten

fest, dass die Mitgliedsländer praktisch

keine Möglichkeiten mehr zu einer ausgleichenden

Stabilitätspolitik haben,

wenn sie in konjunkturelle Schwierigkeiten

geraten. In diesem Licht betrachtet

sind Wortschöpfungen wie «Pleite-Griechen»

völlig deplatziert. tj

Markus Diem Meier:

Auf Crash-Kurs. Die

grossen Baustellen der

Weltwirtschaft. Orell

Füssli, 2011, CHF 29.90

KoLUMne

Für innovatives

Bildungs system

Von Claude Meier

Die nationalen Wahlen haben das Parlament

wieder mehr «eingemittet», sagen

die Kommentatoren. Was das für die Berufsbildung

bedeutet, steht in den Sternen.

Smartvote? Fehlanzeige. Politologinnen

und Politologen orakeln über andere

Fragen. Atomausstieg. Bundesratswahlen.

Frankenkurs.

Im Windschatten solcher Themen stehen

wichtige Fragen für die Berufswelt an. Erreicht

die Schweiz eine internationale

Anerkennung ihrer Berufsbildungsabschlüsse?

Wird der Wert berufspraktisch

erworbener Erfahrung anerkannt, auch

im Vergleich zu akademischen Qualifikationen?

Und dies ohne Gegeneinander,

sondern als wechselseitige Stärkung von

Theorie und Praxis?

Für eine Schweiz, die international in

mancher Hinsicht unter Druck steht, gilt

es in der kommenden Legislatur, ihre Erfolgsfaktoren

zu sichern. Dazu gehört

ganz zentral die Aus- und Weiterbildung

umsetzungsstarker Profis in unserem bewährten,

arbeitsmarktorientierten Berufsbildungssystem

– und die Sicherung

seiner Attraktivität, auch finanziell.

Denn unsere Profis sind – zusammen mit

exzellenten Forschungsleistungen und einer

offenen Politik gegenüber qualifzierten

Arbeitskräften – hauptverantwortlich

für ein vergleichsweise krisenresistentes

Modell Schweiz. Ob die anlaufende Legislatur

erfolgreich ist, entscheidet sich

für den KV Schweiz nicht zuletzt daran,

wie die Frage nach der dringend benötigten

Bildungsoffensive für unser Land beantwortet

wird. Ein zukunftsgerichtetes,

leistungsfähiges und innovatives Bildungssystem

darf uns etwas wert sein.

Bitte auch in Bundesbern. Ob alte, neue

oder gar nicht Mitte, ist dabei sekundär.

Claude Meier ist Leiter Bildungspolitik beim

KV Schweiz.

9

context 11 – 2011


10

Nicht nur Juristenfutter

Politik und Wirtschaft

Compliance Unternehmen müssen Gesetze und Normen einhalten, das bestreitet

niemand. Aber neben Leitplanken brauchen die Angestellten auch Entscheidungsfreiraum.

Von Kristin Kranenberg

Justiz und Markt bestrafen, wenn man sich wie dieser UBS-Banker nicht an Regeln hält.

Ob Banken, Pharmaunternehmen

oder Baukonzerne: Sie alle haben

eine Compliance-Abteilung. Der aus dem

Angelsächsischen stammende Begriff

Compliance – «to comply with the rules»

heisst die Regeln einhalten – steht in erster

Linie für das Bestreben der Firma,

Rechtsverstössen vorzubeugen. Dabei

sind die gesetzlichen Vorgaben in der

Wirtschaft vielfältig: Sie reichen von

Massnahmen gegen die Geldwäscherei

über Antidiskriminierungsgesetze bis zu

Vorschriften für einen fairen Wettbewerb.

Darüber hinaus legt die Gesellschaft

den Unternehmen auch gewisse Normen

auf, beispielsweise für eine nachhaltige

Produktion. Wer diese Erwartungen

missachtet, dem droht der Kundenverlust.

Der Markt bestraft, auch das ist eine

Grundlage für die Compliance.

Interdisziplinäres Vorgehen

Aber die Angst vor Sanktionen sollte für

eine Firma nicht der einzige Grund sein,

sich regelkonform zu verhalten, betont

die Anwältin und Compliance-Spezialistin

Monika Roth von der Kanzlei Roth

Schwarz Roth in Binningen (BL): «Man

erwartet heute von den Unternehmen

eine bewusste und gewollte Einhaltung

der Regeln.» Roth ist Studienleiterin des

Lehrgangs DAS Compliance Management

an der Hochschule Luzern. Unter den

Studierenden, die sich bei ihr zum Compliance-Officer

weiterbilden lassen, sind

Juristen und Ökonomen, aber auch Leute

mit einer höheren Fachprüfung und

mehrjähriger Berufserfahrung.

«Compliance ist eine interdisziplinäre

Arbeit, wo verschiedene Berufsgattungen

zusammenkommen», so Roth.

Gerade die Erfahrung zähle. Denn wer

könne zum Beispiel die Börsenhändler in

einer Bank besser überwachen als einer,

der einst selbst im «Dealing Room» tätig

war.

Überwachung aus den USA

Apropos Finanzmarkthändler: Im September

wurde bekannt, dass ein einzelner

Händler in der Londoner Abteilung der

UBS mit unerlaubten Transaktionen einen

Milliardenverlust verursacht hatte. Mit

der Affäre rückte einmal mehr die interne

Kontrolle bei Finanzinstituten in den

Fokus. Wachsamkeit ist jedoch überall gefragt.

Thomas Scheiwiller, Partner und

Compliance-Experte bei der Beratungsfirma

PricewaterhouseCoopers, weist auf

das Risiko für international tätige Firmen

hin, sich den Vorwurf der Bestechung einzuhandeln.

Besonders die amerikanische

Justiz sei hellhörig, wenn es um das

Thema Korruption gehe, so Scheiwiller.

Die Amerikaner würden nicht zögern, mit

ihrem Foreign Corrupt Practices Act –

kurz FCPA – auch Firmen ausserhalb der

USA anzugreifen.

So musste das Schweizer Logistikunternehmen

Panalpina 2010 dem amerikanischen

Justizministerium in einer Vereinbarung

eine Millionenbusse bezahlen.

Der Anlass für das Verfahren war ein

Korruptionsverdacht in Nigeria. Wer im

Ausland tätig sei, habe seine Geschäftspartner

jeweils genau zu überprüfen, so

Scheiwiller. Denn bereits die kleinste

Geschäftsverbindung zu den USA könne –

auch über einen Umweg – dazu führen,

dass man ins Blickfeld der Amerikaner gerate.

context 11 – 2011


11

Wo fängt die Bestechung an?

Korruptionspraktiken werden oftmals

in der Buchhaltung aufgedeckt. Denn

Firmenvertreter, die sich die Gunst der

Klientel erkaufen, müssen die Ausgaben

dafür irgendwie verbuchen. Die Aufarbeitung

eines Verdachts – ein heikles Unterfangen

– verlaufe meist firmenintern, so

Scheiwiller. Externes Whistleblowing

komme in der Schweiz viel seltener vor als

in den USA. Dort könnten Personen, die

mit Erfolg einen Korruptionsfall bei den

Behörden anhängig machen, 18 bis 30

Prozent der Busse in die eigenen Taschen

stecken. Scheiwiller: «Eine solche Belohnung

widerspricht dem Rechtsempfinden

vieler Europäer.»

Dabei lässt sich Schmiergeldzahlung

längst nicht immer eindeutig definieren.

Scheiwiller kennt Beispiele: Erlaubt man

es dem Lastwagenfahrer, bei einem Zoll

in Osteuropa einige Zehnernoten hinzulegen,

damit er zügig weiterfahren kann?

Denn die Alternative könnte sein, dass der

Lastwagen drei Tage am Grenzübergang

warten muss. Oder was ist mit dem Kundengeschenk

im Wert von 100 Franken? In

der Schweiz wird dies wohl bloss als nette

Geste aufgefasst. In einem Land wie Vietnam

dagegen – einem vielversprechenden

Wachstumsmarkt – bedeutet ein Betrag

von umgerechnet 100 Franken für

manche Leute einen Monatslohn. Compliance-Richtlinien

könnten helfen, solche

Dilemmas zu lösen, so Scheiwiller. «Viele

Menschen haben eigentlich ein gutes

Bauchgefühl für saubere oder unsaubere

Praktiken.»

Ethik ist mehr als Multiple-Choice

An das Entscheidungsvermögen der Angestellten

appelliert auch Florian Wettstein,

Direktor des Instituts für Wirtschaftsethik

an der Universität St. Gallen. «Ethik

braucht Regeln», sagt Wettstein. Aber ein

allzu engmaschiges Regelwerk verhindere

das eigenständige Denken. Wer nur noch

nach Vorlagen handle, verliere das Gefühl

für Eigenverantwortung. Wettstein: «Dann

geht der Schuss nach hinten los.»

Dass es zu Regelverstössen komme,

hänge auch mit dem zunehmenden Leistungsdruck

zusammen. Denn um die

hochgesteckten Erwartungen und Rendi-

teziele zu erfüllen, dürften die Mitarbeitenden

sich eher auf unerlaubte Strategien

einlassen.

Für Wettstein ist klar: «Ein Unternehmen

darf das moralische Leitbild nicht

auf Compliance verkürzen. Die Mitarbeitenden

brauchen einen gewissen Freiraum,

um ihre Entscheidungen zu treffen.»

Aber Verantwortung will auch

gelernt sein. Der St. Galler Professor, der

selbst in den USA unterrichtet hat, lobt die

Bedingungen wie sie an einigen amerikanischen

Universitäten herrschen. Dort sei

Ethik in Wirtschaftslehrgängen nicht selten

Pflichtstoff und es stehe genügend

Lehrpersonal zur Verfügung, um die Themen

ausführlich mit den Studierenden zu

besprechen.

Einen Wunsch für den Wirtschaftsethikunterricht

in der Schweiz – ob an der

Hochschule oder an KV-Bildungsinstituten

– hegt Wettstein dennoch: «Bitte keine

Multiple-Choice-Tests». Denn mit dieser

Art von Fragestellung werde man dem

komplizierten Thema nicht gerecht.

SoufflEUR dER BanKER

Eine Bank hat die Herkunft der Kundenvermögen

abzuklären, auch wenn das bedeutet,

dass man bei der Klientel hartnäckig

nachfragen muss: Dürfen wir den Vertrag

über den Liegenschaftsverkauf sehen, der

Ihnen so viel Geld eingebracht hat? Oder:

Übergeben Sie uns doch bitte das Testament,

aus dem Sie als Erbe hervorgehen.

Ein Compliance-Officer stellt diese Fragen

nicht selbst, sondern souffliert dem Banker

im Hintergrund. Die Ausbildung und Aufklärung

der Kundenberater, welche die Bank

nach aussen vertreten, sei eine Hauptaufgabe

der Compliance, sagt Markus Affolter,

Head Legal und Compliance bei der Bank

Sarasin in Basel. «Man muss sehr gut mit

den Frontleuten kommunizieren können.»

Das gelinge nur, wenn man selbst über eine

mehrjährige Bankerfahrung verfüge.

Auch mit den Richtlinien der nationalen

und internationalen Finanzaufsichtsbehörden

muss sich ein Compliance-Manager

bestens auskennen. Bei Sarasin arbeiten

etwa 40 Personen in der Compliance, dies

Ihr Ergonomie-Fachgeschäft

www.sitz.ch

Weitere Informationen:

www.berufsberatung.ch

Stichwort Compliance Officers

www.complianceofficers.ch

Kristin Kranenberg ist Journalistin

im Basler Pressebüro Kohlenberg.

kranenberg@kohlenberg.ch

bei einem Personalbestand von 1600. Neben

den Juristen, die traditionell in diesem

Bereich tätig sind, brauche es auch Spezialisten

«mit einem anderen Blick auf die

Dinge», so Affolter. Eine kaufmännische

Bankenlehre sei durchaus eine Grundlage

für eine Laufbahn in Compliance.

Zu den weiteren Aufgaben des Compliance-

Officers gehören die Organisation regelkonformer

Abläufe und Arbeitsprozesse sowie

die interne Kontrolle. Zum Beispiel

überwacht Compliance die Einhaltung der

Vorschriften zum eigenen Kauf und Verkauf

von Wertschriften, die gelten für das ganze

Personal der Bank – vom Portier bis zum

CEO.

Die Hochschule Luzern (www.hslu.ch) bietet

mit dem DAS Compliance Management

eine berufsbegleitende Weiterbildung von

10 Monaten. Zugelassen werden Studierende

mit einem Hochschulabschluss oder

dem Diplom einer höheren Fachprüfung sowie

mindestens drei Jahren Berufserfahrung

im Bank- oder Finanzwesen.

context 11 – 2011


12

Führen, aber richtig

Politik und Wirtschaft

Leadership Die Anforderungen an Führungskräfte haben sich in den letzten Jahren

deutlich verändert. Die fachgerechte Begleitung eines Teams trägt zum Geschäftserfolg

bei, deshalb sind Aus- oder Weiterbildungen unerlässlich. Von Helen Weiss

«

In jedem Unternehmen gibt es eine eigene

Kultur der Personalführung»,

sagt Werner Finck von Human Resources

Management Consulting in Chur. Der

ehemalige oberste Leiter Human Resources

bei der EMS-Chemie bietet Management

Schulung, Beratung und Coaching

im Bereich Personalführung an. Grundsätzlich

muss für Finck ein Personalleiter

ehrlich sein und offen kommunizieren

können. Mut zu kalkulierbarem Risiko,

Gradlinigkeit und Berechenbarkeit zeichnen

eine Führungskraft ebenfalls aus.

Laut Finck hat sich die Personalführung

in den letzten Jahren stark verändert:

«Früher war der Personalchef

Dienstleister. Heute trägt er zunehmend

AUFGABEN IN DER PERSONALFÜHRUNG

Um in der Personalführung erfolgreich

zu sein, gilt es, einige Punkte zu beachten.

Wie man zu einer guten Führungskraft

wird und welche Fehler man vermeiden

sollte, zeigen die nachfolgenden

«Gebote» auf.

> Definieren Sie klare Verantwortungsbereiche

und Prioritäten für Ihre Mitarbeitenden.

Beziehen Sie Ihr Team in

Entscheidungsprozesse ein und fördern

Sie eine offene und unkomplizierte

Zusammenarbeit.

> Ein Unternehmen entwickelt sich beständig

weiter – führen Sie mit Ihrem

Team notwendige Veränderungen herbei

und unterstützen Sie so aktiv den

Verbesserungsprozess.

> Schaffen Sie Freiräume für Initiative

und Selbstständigkeit Ihrer Mitarbeitenden.

Fördern Sie dadurch die Eigenverantwortung.

> Achten Sie auf eine gute Zusammenarbeit

unter den Mitarbeitenden, indem

sie die individuellen Stärken der Einzelnen

zu einem erfolgreichen Team

zusammenführen.

Mitverantwortung bei der Wertschöpfung.»

Fällt das Unternehmensergebnis

schlecht aus, merkt auch die Human-Resources-Abteilung,

was eine misslungene

Rekrutierung kostet. Gute Führungsqualifikationen

sind jedoch nicht nur im Personalwesen

gefordert, sondern auch im

Management. Häufig werden Chefs aufgrund

ausgezeichneter fachlicher Qualifikationen,

fundierter Erfahrung in der

Branche, guter Netzwerke oder langer Betriebszugehörigkeit

in ihre Führungsposition

ernannt. Fachspezifisches Wissen

und selbst jahrelange Betriebszugehörigkeit

qualifizieren jedoch noch lange nicht

ausreichend zum Führen von Betrieben,

von Abteilungen oder von Teams.

> Als Führungskraft müssen Sie ein Vorbild

für Ihre Mitarbeitenden sein.

> Drohung, Einschüchterung und Blossstellung

sind ungeeignete Motivationsmittel.

Nehmen Sie Ihre Mitarbeitenden

ernst und schaffen Sie ein

Klima des gegenseitigen Vertrauens.

> Spannungen lösen sich nicht von

selbst. Erkennen Sie Konflikte frühzeitig

und schlichten Sie Auseinandersetzungen

mit Ihren Mitarbeitenden in einem

klärenden Gespräch.

> Nehmen Sie Ihre Aufgabe als Führungskraft

ernst: Halten Sie Entscheidungen

und Zusammenhänge transparent, indem

Sie Ihr Team offen und umfassend

über aktuelle Projekte aufklären.

> Reagieren Sie nicht ungehalten auf Kritik

seitens Ihrer Mitarbeitenden. Denn

wer Kritik austeilt, muss auch bereit

sein, Kritik einzustecken.

> Vermeiden Sie Zwang, um die Leistung

Ihres Teams zu steigern. Geben Sie Anreize

und anerkennen Sie gute Leistungen.

Wo nötig, üben Sie konstruktive

Kritik.

Verantwortung ist wichtig

Nicht selten erlebt man, dass solche Führungskräfte

alles selbst erledigen wollen:

Angeblich fehlt die Zeit für lange Diskussionen

oder die Mitarbeiterin hat nicht

genügend Fachkenntnisse um eigene Entscheidungen

zu treffen. Nicht verwunderlich

ist in solchen Situationen, dass die

Mitarbeitenden unmotiviert sind und nur

ihren Aufgaben nachkommen, ohne Bereitschaft,

Verantwortung zu übernehmen.

Doch ein Team, das nichts verantwortet,

leistet nicht nur weniger, sondern

schadet auch der Produktivität. Von der

guten Führung eines Teams hängt somit

ein grosser Teil des Erfolgs einer Firma ab.

Entsprechend wichtig ist für Führungskräfte

eine gute Aus- oder Weiterbildung.

Das Angebot ist breit und reicht

vom mehrtägigen Coaching-Kurs bis hin

zum Zertifikatskurs zur Entwicklung von

Führungskompetenzen an Fachhochschulen.

Zu den Inhalten zählen Prozessgestaltung

sowie Führungstechniken

und -methoden. Neben dem Erlernen von

Techniken zur Personalselektion oder Potenzialbeurteilung

der Mitarbeitenden

wird auch an der Persönlichkeitskompetenz

der künftigen Führungskräfte gearbeitet.

Soft-Kompetenzen unerlässlich

Ob und inwieweit Führungsqualitäten

durch Schulungen erlernbar oder in früher

Kindheit erworben werden, wird laut

Rolf Wunderer, emeritierter Professor und

Gründer des Instituts für Führung und

Personalmanagement an der Uni St. Gallen,

auch in der Psychologie breit diskutiert.

Der Anteil früh geprägter Eigenschaften

ist relativ hoch. «Sicher ist, dass

man gerade als Führungskraft eine Vorbildrolle

hat», sagt Wunderer. Werner

Finck ist überzeugt, dass man den technischen

Teil der Kompetenzen – Handwerk

und Methoden des Führens – durchaus

lernen kann. «Hingegen entwickeln sich

die sogenannten Soft-Kompetenzen wie

Intuition oder Menschenkenntnis bei den

einen mit der Zeit und der Erfahrung, bei

den andern dagegen nie», sagt Finck.

context 11 – 2011


Dabei machen gerade solche Kompetenzen

einen guten Chef aus. «Eine Führungskraft

sollte die Grundmotivation

seiner Teammitglieder möglichst schon

bei der Auswahl und später beim Einsatz

erkennen können und entsprechend darauf

reagieren», sagt Rolf Wunderer. Dabei

ist Voraussetzung, dass der Chef selbst

motiviert ist. Zudem sollte man die Mitarbeiter

möglichst individuell führen und

motivieren. Wunderer: «Durch Beobachtung

von Arbeitsverhalten und -leistung

sowie durch Qualifikationsgespräche

kann man individuell beurteilen und die

einzelnen Mitarbeitenden mit den entsprechenden

Massnahmen motivieren.»

Defizite ausgleichen

Viele Verhaltensweisen, über die man

nicht einmal nachdenkt, da sie einem so

selbstverständlich erscheinen, führen bei

Mitarbeiterinnen zur Demotivation. Launenhaftes

oder willkürliches Verhalten,

fehlendes Verständnis für persönliche Probleme

einzelner Teammitglieder oder aber

mangelndes Vertrauen können Mitarbeiter

verletzen und die Lust an der Arbeit

nehmen. Demotivierende Verhaltensweisen

muss man selbst erkennen – Selbstkritik

sollte man gerade als gute Führungskraft

bestens beherrschen. «Man muss stetig

an sich arbeiten», rät Wunderer.

Dabei geht es jedoch nicht nur um das

berufliche Können, also die Fachkompetenz,

sondern auch um die Verbesserung

der Methodenkompetenzen. Planungsoder

Entscheidungsschwächen lassen

sich jedoch nicht so einfach kompensieren.

«Auch wenn man sich ernsthaft bemüht,

fällt man immer wieder in alte Verhaltensmuster

zurück», weiss Wunderer.

«Deshalb ist es wichtig, die eigenen Defizite

auch organisatorisch, etwa durch einen

Stellvertreter mit komplementären

Fähigkeiten, auszugleichen.»

Helen Weiss ist Journalistin im Basler

Pressebüro Kohlenberg. weiss@kohlenberg.ch

«Persönliche Gespräche

sind unersetzlich»

Die ehemalige Lehrerin Nadine Gembler

arbeitet seit 13 Jahren in der Personalführung

bei Coop. Sie liess sich zur eidgenössisch

diplomierten Personalfachfrau ausbilden

und absolvierte 2008 den Executive

Master of Business Administration.

Context: Sie arbeiten seit über zehn Jahren

im Personalbereich. Wo sehen Sie die Herausforderungen

in Ihrem Arbeitsalltag?

Nadine Gembler: Oftmals wird die

Führung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

unterschätzt. Ein Team fachgerecht

zu leiten und zu begleiten, ist sehr

anspruchsvoll. Dabei gilt es manchmal

auch, ein unangenehmes Gespräch zu

führen. Gerade eine gute Kommunikation,

nämlich Probleme rechtzeitig und in

einem guten Ton anzusprechen, gehört

aber meiner Meinung nach zu den wichtigsten

Aufgaben und grössten Herausforderungen.

Wie beschreiben Sie Ihren persönlichen

Führungsstil?

Ich versuche, meine Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter möglichst selbstständig

arbeiten und entscheiden zu lassen. Begleitung

in den unterschiedlichen Prozessen

sowie regelmässige Rückmeldungen

sind dabei jedoch unerlässlich; das Team

darf sich nicht allein gelassen fühlen.

Auch persönliche Gespräche sind unersetzlich:

Es lohnt sich, Zeit dafür zu investieren.

Wichtig ist mir zudem, mich ständig

selbst zu reflektieren, indem ich aktiv

ein Feedback von meinem Team einfordere.

Die Führung der Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter ist bei Coop in zehn Regeln

festgelegt, die der ehemalige CEO

und aktuelle Verwaltungsratspräsident

Hansueli Loosli selbst verfasst hat. Die

erste Regel lautet: Führung durch Vorbild.

Oftmals wird behauptet, dass Kaderleute

zwar fachlich äusserst kompetent sind,

aber Führungsqualitäten vermissen

lassen. Teilen Sie diese Einschätzung?

Das ist tatsächlich oft so. Die Personalführung

hat sich jedoch in den letzten

Jahren stark gewandelt. Bei Coop wird

heute in sogenannten Assessments für

höhere Kaderstellen nicht mehr ausschliesslich

auf fachliche Qualitäten, sondern

auch auf Punkte wie Sozialkompetenz

und Selbstkompetenz geachtet. Die

Anforderungsprofile haben sich deutlich

verändert. Zudem ist bei Coop ab einer gewissen

Kaderstufe eine regelmässige Weiterbildung

Pflicht.

Nadine Gembler ist als Leiterin Personal und Ausbildung

national bei Coop tätig.

13

› Rechnungswesen,

Treuhand, Vermögen

Zum Beispiel: hkvaarau.ch/rw-treuhand

context 11 – 2011


14

Monatsinterview

«Ich trage gerne Verantwortung»

Daniel Jositsch will als neuer Präsident des KV Schweiz die Anliegen des Verbands

in der Öffentlichkeit vertreten, und er setzt sich zum Ziel, dass es mit den Mitgliederzahlen

wieder aufwärts geht. Interview Therese Jäggi/Foto Reto Schlatter

Context: Daniel Jositsch, wer sind Sie?

Daniel Jositsch: Ich bin Strafrechtsprofessor

an der Universität Zürich, das

ist meine Haupttätigkeit, ausserdem engagiere

ich mich als Nationalrat und seit

kurzem bin ich Präsident des KV Schweiz.

Mit diesen drei Tätigkeiten beschäftige

ich mich, je nach Anforderungen, mit unterschiedlicher

Intensität. Ich würde

mich als aktiven Menschen bezeichnen,

der gerne Verantwortung trägt, aber auch

gut in Teams arbeit. Ich kann sehr gut loslassen

und in gewissen Phasen gar nichts

tun und nichts und niemanden repräsentieren.

Warum haben Sie sich für das Amt des

Zentralpräsidenten beworben?

Weil mich Bildungsthemen interessieren

und ich mich insgesamt mit den

Zielen des Verbands identifizieren kann.

Auch hat es sich aus meinem langjährigen

Engagement für den Verband praktisch

so ergeben. Ich bin 2003 in den Vorstand

des KV Zürich gewählt worden. Zuvor war

ich schon einige Jahre Mitglied des Verbands,

und seit 2009 bin ich im Zentralvorstand.

Für das Präsidium haben sich ausser

Ihnen noch drei andere Kandidaten und

Kandidatinnen interessiert. Warum

haben Sie die Delegierten am meisten

überzeugt?

Entscheidend war wohl, dass die Delegierten

wissen, wer ich bin. Man kennt

mich im Verband mit meinen Stärken und

Schwächen. Ich habe mich nicht einfach

von aussen für dieses Amt beworben, sondern

bin wegen meines langjährigen Engagements

vertraut mit dem KV Schweiz

und den Herausforderungen, denen er

sich stellen muss.

Warum sind Sie als Jurist eigentlich

damals dem KV beigetreten?

Ich war als Geschäftsführer der

schweizerischen Handelskammer in Ko-

context 11 – 2011


Daniel Jositsch (46) ist Strafrechtsprofessor an der Universität

Zürich und SP-Nationalrat. Am 9. November ist er zum neuen

ZV-Präsidenten gewählt worden. Jositsch ist in Zürich aufgewachsen

und hat an der Hochschule St. Gallen studiert. Er lebt

in Winterthur und ist Vater eines siebenjährigen Sohnes.

15

lumbien. Wir haben dort mit Schweizer

Unternehmen Gespräche geführt und dabei

wurde schnell einmal klar: In diesem

Land fehlt ein Berufsbildungssystem. Es

gab zwar sehr viele Uniabsolventen, aber

keine ausgebildeten Berufsfachleute. So

nahmen wir uns vor, dort mit der kaufmännischen

Lehre das duale Bildungssystem

zu implementieren.

Warum gerade mit dem KV?

Es war insofern naheliegend, als es

Kaufleute in allen Branchen braucht, und

weil man später das System auch auf

diese anderen Branchen übertragen

konnte. Jedenfalls nahm ich dann Kontakt

mit dem KV Zürich auf und bin dort

mit meinem Anliegen auf Interesse gestossen.

Wir haben ein Konzept ausgearbeitet,

welches wir interessierten Firmen

in Kolumbien vorlegten. Zurück in der

Schweiz bin ich dann dem KV Zürich beigetreten.

Einfach auch weil ich fand, dass

es eine gute Organisation ist.

Sie waren in den vergangenen Wochen

mit zahlreichen Sektionen und Regionen

in Kontakt. Was ist Ihnen dabei aufgefallen?

Die Vielfalt. Von der grossen städtischen

Organisation bis zur kleinen Sektion

in ländlichem Umfeld. Unterschiede

gibt es aber nicht nur in der Grösse, sondern

auch in der Kultur, in der Professionalität

und in den regionalen Eigenheiten.

Ich glaube, die Kunst besteht darin, den

Mitgliedern trotz dieser unterschiedlichen

Voraussetzungen überall die gleichen

Dienstleistungen anzubieten. Das

Mitglied einer Kleinstsektion soll zu den

genau gleichen Dienstleistungen Zugang

haben wie ein Mitglied in der Stadt. Wenn

diese Voraussetzung erfüllt ist, spielt es

nicht so eine grosse Rolle, ob die Strukturen

bleiben, wie sie gewachsen sind, oder

ob sich einzelne Sektionen zusammenschliessen.

Das müssen diese am besten

selber wissen.

Der Verband engagiert sich für Bildungsanliegen

und setzt sich für Angestelltenpolitik

ein. Was liegt Ihnen näher?

Es sind beide wichtig und notwendig.

Diese beiden Bereiche ergänzen sich in

idealer Weise.

Kürzlich gab es im «Tages-Anzeiger» eine

Debatte über den Stellenwert der dualen

Bildung beziehungsweise der akademischen

Bildung. Ihre Meinung dazu?

Auch hier gilt: Es braucht beides. Das

eine gegen das andere auszuspielen halte

ich für falsch. Ich bin ja die personifizierte

Vereinigung von beiden Konzepten: Ich

lehre an der Universität und setze mich

für duale Bildung ein. Es müssen entsprechend

ihren Fähigkeiten die richtigen

Leute an den Hochschulen sein, und genau

dasselbe gilt für die Berufspraxis.

Hier haben sich mit den Fachhochschulen

viele neue und attraktive Perspektiven

eröffnet. Viele Leute glauben noch

immer, eine akademische Karriere sei

besser als eine nicht-akademische, oder

Universitäten seien mehr wert als Fachhochschulen.

Aber das sind Vorurteile

mangels besseren Wissens. Das wird sich

in absehbarer Zeit ändern.

In Ihrer Laufbahn scheint alles wie am

Schnürchen zu laufen. Ist Ihr beruflicher

Weg von langer Hand geplant?

Nein, so würde ich das nicht sagen. So

etwas funktioniert doch sowieso nicht.

Wichtig ist, dass man seinen Neigungen

nachgehen kann und weiss, was man will.

Das war bei mir der Fall. Es gibt aber auch

Dinge, die nicht unbedingt zum Image

eines sozialdemokratischen Parlamentariers

passen.

Was zum Beispiel?

Dass ich an der Hochschule St. Gallen

studiert und im Militär Karriere gemacht

habe. Ich war Major.

Wie sind Sie aufgewachsen?

In einer klassischen Mittelstandsfamilie.

Mein Vater war Ingenieur.

War es immer klar, dass sie ins

Gymnasium gehen würden?

Nein, gar nicht. Ich habe die Primarschule

in Altstetten besucht und bin dann

erst nach der zweiten Sekundarklasse ins

Gymnasium. Ausbildung war zwar schon

wichtig, aber Leistung beruhte immer auf

Freiwilligkeit.

«Es braucht beides, die Berufsbildung und

die akademische Bildung. Man sollte sie nicht

gegeneinander ausspielen.»

Sind Sie auch schon einmal gescheitert?

Ja, mit dem ersten Versuch im Gymnasium.

Ursprünglich ging ich nach der

sechsten Klasse ins Gymnasium und

musste dann abbrechen. Wenn es beim

zweiten Versuch nicht geklappt hätte,

wäre ich vermutlich auch in eine KV-

Lehre eingetreten, da sich meine handwerklichen

Fähigkeiten in Grenzen hielten.

Welchen Stellenwert hat Arbeit in Ihrem

Leben?

Arbeit ist für mich etwas sehr Wichtiges.

Ich habe das Glück, verschiedenen

Tätigkeiten nachzugehen, die mich wirklich

interessieren. Wobei, Glück ist es

nicht nur. Ich habe mir das auch ganz bewusst

so eingerichtet. Mein Ziel ist es, am

Morgen aufzustehen und mit Freude an

die Arbeit zu gehen.

Haben Sie neben Ihrer Tätigkeit als

Strafrechtsprofessor und Nationalrat

genügend Zeit für das Engagement im

KV Schweiz?

context 11 – 2011


16

Monatsinterview

Ich habe mein Pensum an der Universität

reduziert. So verfüge ich über genügend

Kapazität, um das mit 30 Prozent

dotierte Amt wahrzunehmen.

Sie üben drei völlig verschiedene Funktionen

aus. Warum ist das für Sie attraktiv?

Weil ich so immer mal wieder einen

Wechsel machen kann. Ich muss nie das

Gefühl haben, festgefahren zu sein. Ich

könnte ja einfach Lehre und Forschung an

der Universität betreiben, aber das wäre mir

zu eintönig. Berufsparlamentarier wollte

ich nie werden. Dass das KV-Präsidium

nicht vollamtlich ist, liegt auf der Hand.

Welche Aufgaben kommen im KV auf

Sie zu?

Man ist in diesem Amt ja primär Präsident

des Zentralvorstands, dem Gremium

also, welches sowohl eine strategische

Funktion als auch eine Überwachungsfunktion

ausübt. Für mich als

Präsidenten kommt dann als zusätzliche

Aufgabe noch hinzu, dass ich die Anliegen

des KV Schweiz in der Öffentlichkeit

und in der Politik vertreten werde. Ich bin

der Meinung, dass der Verband zu wenig

wahrgenommen wird.

Was können Sie in Bundesbern für den

KV Schweiz ausrichten?

Ich bin seit Frühling als Nachfolger

von Mario Fehr in der Kommission Wissenschaft,

Bildung, Kultur. Dort bringe

ich die Anliegen des KV Schweiz ein beziehungsweise

der Angestellten, die er

vertritt. Man kann zum Bundesrat mit einem

Anliegen, oder man kann ein Bundesamt

aufsuchen und dort seine Position

einbringen. Als Parlamentarier stehen einem

viele Türen offen.

Wir hören täglich von Entlassungen.

Wie soll der Verband darauf reagieren?

Nun, wir befinden uns in einer Krise.

Und in einer Krise kommt es zu Entlassungen.

Das ist eine Tatsache. Allein daran

kann ein Verband praktisch nichts

ändern. Das Engagement des Verbandes

setzt dort ein, wo es um die Frage geht,

wie eine Entlassung abläuft. Gibt es einen

Sozialplan? Oder ganz grundsätzlich:

Welche Form der Unterstützung können

wir betroffenen Mitgliedern bieten?

Der KV Schweiz unterhält zahlreiche Gesamtarbeitsverträge.

Sind GAV noch zeitgemäss?

«Der Finanzplatz muss sauber bleiben.

Alles andere ist nicht mehr zeitgemäss.»

Ja, davon bin ich überzeugt. Es gibt

Branchen, die sich mehr dafür eignen als

andere. Gesamtarbeitsverträge machen

dort einen Sinn, wo es eine grosse Zahl

von vergleichbaren Arbeitsverträgen gibt

und die Löhne tief sind, zum Beispiel im

Verkauf. Im Kollektiv erreicht man mehr

als der oder die Einzelne. Gesamtarbeitsverträge

sind nicht zuletzt auch im Interesse

der Arbeitgeber.

Was halten Sie von der Occupy-Paradeplatz-Bewegung?

Mir ist die Forderung «Menschen helfen,

nicht Banken» auf einem an den Mauern

des Lindenhofs angebrachten Transparent

aufgefallen. Das sollte wohl eine

Anspielung auf die Rettung der UBS vor

drei Jahren sein. Und es stimmt: Wir haben

der UBS geholfen, aber damit auch den

Menschen. Banken – das bedeutet auch Arbeitsplätze,

und zwar gute. Grundsätzlich

finde ich es sinnvoll, dass im Zusammenhang

mit der Finanzkrise ein Diskurs geführt

wird. Dass der Finanzplatz Probleme

hat, ist ja nicht von der Hand zu weisen.

Der KV Schweiz hat sich bisher eher

zurückhaltend zur Finanzkrise geäussert.

Wie ist Ihre Haltung dazu?

Zunächst einmal muss klar festgehalten

werden: Wir stehen zu den Bankangestellten,

und somit selbstverständlich

auch zu den Banken. Und wir pflegen ein

konstruktives Verhältnis zu den Banken

als Arbeitgeber. Grundsätzlich gilt: Der

Finanzplatz muss sauber sein. Alles andere

ist nicht mehr zeitgemäss. Und er

muss seriös sein und das auch ausstrahlen.

Denn das hat unseren Finanzplatz

gross und erfolgreich gemacht. Im Management

sind Fehler passiert, das ist unbestritten.

Aber wenn man die Banken

kritisiert, muss man aufpassen, dass es

nicht zu pauschal ausfällt. Die Angestellten

können weitgehend nichts dafür. Sie

müssen die permanente Kritik der Öffentlichkeit

ertragen. Dass sie auch intern unter

grossem Druck stehen, kommt noch

hinzu. Es sind denn auch nicht wenige

Klienten, die den Rechtsdienst aufsuchen,

in Banken tätig.

Was wollen Sie mit dem KV Schweiz

erreichen?

Ich möchte, dass es wieder aufwärts

geht mit den Mitgliederzahlen. Die sind

seit einigen Jahren rückläufig. Diesen

Trend gilt es zu brechen. Das ist das grosse

Ziel. Es muss uns gelingen, den Verband

wieder zu einer Organisation zu

machen, die für die kaufmännischen Angestellten

so attraktiv ist, dass die Mitgliedschaft

eine Selbstverständlichkeit

ist. Früher war das so. Man hat die Lehre

absolviert und trat danach fast automatisch

dem Verband bei. Heute ist das nicht

mehr der Fall, und auch bei anderen Verbänden

ist dies längst nicht mehr selbstverständlich.

Welche Massnahmen braucht es dazu?

Das Angebot muss noch attraktiver

und um neue Dienstleistungen ergänzt

werden. Zwar bietet der Verband schon

heute so viele Vergünstigungen, dass sich

allein dadurch der Mitgliederbeitrag

mehr als bezahlt macht, aber allein damit

kann man noch keine neuen Mitglieder

gewinnen. Potenzial sehe ich in der Beratung

und bei den Weiterbildungen, die

teilweise zu wenig aufeinander abgestimmt

und zu wenig spezialisiert sind.

Eine weitere Chance sehe ich darin, dass

der Verband Netzwerke anbietet, vergleichbar

mit den Alumni-Organisationen

der Hochschulabgänger. Denn diese

sind erfolgreich. Etwas Entsprechendes

sollte es auch für Absolventen von Berufsprüfungen

und Diplomen im kaufmännischen

Bereich geben: Regelmässige Anlässe,

wo sie sich treffen, austauschen und

vernetzen können.

Was ist Ihnen ausser der Arbeit sonst

noch wichtig?

Ich arbeite gern und viel, aber nie zu

viel. Ich habe mir die Fähigkeit angeeignet,

sehr ungestresst zu sein. Schlaflose

Nächte kenne ich überhaupt nicht. Auch

wenn ein Problem auftaucht, kann ich

mich eine Weile damit beschäftigen,

dann mich aber auch wieder völlig davon

lösen und mich etwas anderem zuwenden.

Das hat wohl auch damit zu tun, dass

ich meine Zeit weitgehend frei einteilen

und auch einfach mal sagen kann: so

Schluss, jetzt gehe ich eine Stunde an die

frische Luft.

Therese Jäggi ist Context-Redaktorin.

therese.jaeggi@kvschweiz.ch

Reto Schlatter ist Fotograf im Zürcher Presseladen.

mail@retoschlatter.ch

context 11 – 2011


WeihnachTSSammlung

Ein Zeichen der Solidarität

17

Glaubt man den Wirtschaftsprognosen,

dann steuern wir wieder auf kältere Zeiten zu.

Die Arbeitslosigkeit dürfte steigen, und die sozialen

Sicherungsnetze sind grobmaschiger

geworden. Auch Angestellte aus dem kaufmännischen

Berufsfeld werden deshalb wieder

vermehrt unter Druck kommen.

Darum haben wir uns entschieden, die

Hälfte des Erlöses aus unserer diesjährigen

Weihnachtssammlung unserem Sozialfonds

gutzuschreiben. Dessen Mittel sind reserviert

für die Unterstützung notleidender Mitglieder

und für Projekte, welche die Förderung sozial

Benachteiligter zum Inhalt haben. Wir können

zwar nichts gegen eine globale Wirtschaftskrise

ausrichten, aber immerhin können

Sie mit Ihrer Spende einen Beitrag leisten,

um deren Auswirkungen zu mildern.

Die zweite Hälfte des Erlöses wollen wir

einem Helvetas-Projekt in Burkina Faso spenden.

Das westafrikanische Land gehört zu

den ärmsten Ländern der Erde, was auch mit

dem tiefen Bildungsstand zusammenhängt

(die Alphabetisierungsrate beträgt nur gut 20

Prozent). Dies hat die Helvetas dazu bewogen,

vier Berufsbildungszentren aufzubauen, in

denen Jugendliche eine non-formale Berufsausbildung

geniessen können. Bis zu 160

Lehrlinge sollen dort ausgebildet werden.

Diese Ausbildung hilft nicht nur ihnen, ein

selbstbestimmtes Leben führen zu können,

sie leistet auch einen Beitrag, das ganze Land

voranzubringen. Denn Bildung ist die wichtigste

Grundlage für Wohlstand, das weiss

niemand besser als wir in der Schweiz.

Ich danke Ihnen schon jetzt ganz herzlich

für Ihre Spende und wünsche Ihnen eine besinnliche

Adventszeit!

Daniel Jositsch, Zentralpräsident

PC-KONTO

Weihnachtssammlung des KV Schweiz

8002 Zürich, PC-Konto 87-682166-8

Stichwort: Weihnachtssammlung 2011

context 11 – 2011


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Dossier Pause

Pausenlos

Context macht nicht Pause, sondern arbeitet sich von der Mikro-

Unterbrechung bis zur Auszeit vor. Dabei wird festgestellt, dass die Arbeitgeber

ihren Angestellten insbesondere Kaffeepausen gönnen.

Von Andrea Mašek

Über die zweite und dritte Tasse Kaffee

hinweg fliegen Finanz- und Politik-Affären,

Klatsch und schlechte Witze.

So wurde in der «New York Times» im Jahr

1949 eine Pause beschrieben. An diesem

Bild hat sich nicht viel geändert. In Arbeitspausen

wird auch heute Kaffee getrunken

und mit Kolleginnen und Kollegen

über das Geschäft, Gott und die Welt

geredet, das Znüni verdrückt oder das

Zvieri genossen.

Dabei ist den meisten Arbeitnehmenden

wohl nicht bewusst, dass diese Pausen

ein Privileg sind. Die Mehrheit der

Angestellten hat gesetzlich gesehen keinen

Anspruch auf solche Arbeitsunterbrüche.

Und dennoch werden sie von den

meisten Unternehmen gewährt.

Fest geregelt

Pausen im Allgemeinen sind in der

Schweiz gesetzlich geregelt. Berechnet

werden sie nach Dauer der Arbeit. Ab 5,5

Stunden Arbeit pro Tag hat der Arbeitnehmer

Recht auf eine Pause. Diese erhöht

sich sukzessive mit längerer Arbeitszeit:

> 15 Minuten Pause, wenn mehr als 5,5

Stunden gearbeitet wird

> 30 Minuten Pause, wenn die Arbeitszeit

über 7 Stunden beträgt

> 60 Minuten Pause, wenn mehr als 9

Stunden gearbeitet wird

In der Verordnung zum Arbeitsgesetz

heisst es: «Die Pausen sind um die Mitte

der Arbeitszeit anzusetzen.» Mit anderen

Worten, den Arbeitnehmenden steht –

ausser sie arbeiten Schicht – eine Mittags-

pause zu. Da in der Schweiz die 42-Stunden-Woche

verbreitet ist, haben demzufolge

die meisten Angestellten ein Anrecht

auf einen 30-minütigen Arbeitsunterbruch.

Die halbe Stunde muss laut Gesetz an

einem Stück genommen werden. Nur

Pausen von mehr als einer halben Stunde

dürfen aufgeteilt werden. Weiter besagt

das Gesetz: «Entsteht vor oder nach der

Pause eine Teilarbeitszeit von mehr als 5,5

Stunden, so ist für diese eine zusätzliche

Pause gemäss Artikel 15 des Gesetzes zu

gewähren.»

Normalerweise unbezahlt

Das sind aber nur Mindestansätze. Jeder

Betrieb kann auch längere Pausen gewäh-

context 11 – 2011


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Paradebeispiel bei Stadler: Gesundheitsexperten empfehlen, für einen Moment völlig abzuschalten

context 11 – 2011


20

Dossier Pause

ren. Für schwangere Frauen, die einer stehenden

Beschäftigung nachgehen, gelten

besondere Regeln. Ab dem vierten

Schwangerschaftsmonat können diese

Arbeitnehmerinnen zusätzlich zu den

rechtlich vorgeschriebenen Pausen alle

zwei Stunden eine Pause von zehn Minuten

machen. Diese Unterbrüche sind jedoch

nicht bezahlt.

Da eine Pause nicht als Arbeitszeit gilt,

ist sie im Normalfall unbezahlt. Es wird

dafür ausgestempelt oder der Unterbruch

wird in der Arbeitszeiterfassung vermerkt.

Eine Ausnahme sind Pausen, in denen

Mitarbeitende ihren Arbeitsplatz nicht

verlassen dürfen. Oder wenn Angestellte

via Pager erreichbar bleiben müssen.

Je nach Branche

Andere Pausen, das heisst zum Beispiel

Kaffee-, Znüni- oder Zvieripausen, wie

immer sie genannt werden wollen, sieht

das Gesetz nicht vor. Arbeitgeber in der

Schweiz sind also nicht dazu verpflichtet,

ihren Mitarbeitenden solche zu gewähren.

Trotzdem machen es die meisten.

In der Industriebranche sind sie

grundsätzlich geregelt. Je grösser die

Firma, je komplexer die Arbeit und die Arbeitssituation,

desto strukturierter ist die

Pausenregelung. «Wenn ein Maschinenpark

involviert ist, wenn die Angestellten

sich umziehen und lange Wege bis zum

Pausenraum oder bis ins Freie zurücklegen

müssen, braucht es dies», sagt Barbara

Gisi, Leiterin Angestelltenpolitik

beim KV Schweiz.

Im Handel sind es die grösseren Arbeitgeber,

die eine Pausenregelung kennen.

Sie stellen jeweils auch Pausenräume

zur Verfügung. «Bei den kleineren

ist es manchmal schwierig», weiss Barbara

Gisi. Sie denkt etwa an Geschäfte mit

nur einer Handvoll oder weniger Angestellten.

Diese haben oft keine Pausenräumlichkeiten

und im Prinzip muss ein

Laden ja immer besetzt sein, um die

Kundschaft zu bedienen.

Besser haben es die Mitarbeitenden in

Dienstleistungsbetrieben. Laut Barbara

Gisi wird ihnen oft eine Viertelstunde

Kaffeepause gewährt und bezahlt. Es gibt

Linda Kisch (32) pausierte nach der Geburt

ihres Sohnes Mark vier Monate. Familie

und Job unter einen Hut zu bringen erlebt

sie als anstrengend und bereichernd.

«Es war für mich klar, dass ich nach der

Babypause wieder arbeiten würde. Ich

hatte eine gute Ausbildung und einige

Jahre Berufserfahrung. Das wollte ich

nicht einfach aufgeben. Plötzlich nur mit

einem Kind zu Hause zu sein, war für

mich unvorstellbar. Ich wollte beides, Familie

und einen anspruchsvollen Job. Natürlich

war mir auch bewusst, dass dies

nur möglich sein würde, wenn das Kind

mitspielt. Zudem ist es mir wichtig, finanziell

unabhängig zu sein.

Ich bin ausgebildete Tourismusfachfrau.

Nach der Matur und einem Praktikum

absolvierte ich von 2002 bis 2004 die

Ausbildung an der höheren Fachschule

für Tourismus in Zürich. Danach zog ich

nach Genf und baute dort die Südamerika-Abteilung

von Travelhouse auf. 2008

kam ich zurück nach Zürich an den

Hauptsitz, wo ich eine Stelle als Teilprojektleiterin

im Prozessmanagement übernahm.

Bald wurde ich mit Mark schwanger.

Ich arbeitete bis kurz vor der Geburt

und pausierte dann für vier Monate. Ich

stieg mit einem 60-Prozent-Pensum wieder

ins Berufsleben ein. Ich hatte alles gut

vorbereitet, so zum Beispiel schon vor der

Geburt einen Krippenplatz organisiert

und mit Mark vor meinem Wiedereinstieg

die neue Betreuungssituation langsam

eingeübt.

Auch wenn ich nur für kurze Zeit nicht

erwerbstätig war , erlebte ich den Wiedereinstieg

teilweise als schwierig. Ich

machte die gleiche Erfahrung wie viele

Mütter von Kleinkindern. Ich musste

mich daran gewöhnen,

nicht Tag und

Nacht mit meinem

Sohn zusammen zu

sein. Zudem hatte ich

am Anfang Schwierigkeiten,

mich ganz

auf die Arbeit zu konzentrieren. Ich war

mit meinen Gedanken bei Mark. Geht es

ihm gut in der Krippe? Schläft er? Klappt

es mit dem Essen? Und ich musste meinen

Arbeitsstil an die neue Situation anpassen.

Früher blieb ich am Abend so lange

im Büro, wie es mir passte. Das war nicht

mehr möglich. Ich musste um halb sechs

in der Krippe sein, um meinen Sohn abzuholen.

Hinzu kam ein grosses Schlafmanko.

Mark wachte im ersten Jahr bis zu

vier Mal auf pro Nacht.

Mit der Zeit gelang es mir immer besser,

Job und Kinderbetreuung unter einen

Hut zu bringen – dank Krippe und meinem

Vater, der bei «Notfällen» immer wieder

spontan den Hütedienst übernahm.

Anfang 2010 wechselte ich die Stelle.

Ich strebte einen Branchenwechsel an

und fand einen Job bei der Migros-Bank

im Dienstleistungszentrum der Privatkunden-Abteilung.

Gleichzeitig begann

ich die Weiterbildung zur diplomierten

Organisatorin. Das war erneut eine sehr

intensive Zeit. Ich arbeitete zwischen 50

und 100 Prozent und besuchte am Freitag

und am Samstag die Prüfungsvorbereitungskurse.

Ohne die Unterstützung meiner

Eltern wäre das nicht möglich gewesen.

Nachdem ich den

«Ich wollte beides, Fachausweis Organisatorin

erlangt hatte,

eine Familie und einen

fand ich eine spannende

Stelle bei der

anspruchsvollen Job.»

ZKB. Seit Juni dieses

Jahres arbeite ich dort als stellvertretende

Teamleiterin im Bereich Mieterkautionen.

Und das Glück, das mich im Job begleitet,

habe ich auch in der Liebe gefunden.

Seit einigen Monaten bin ich mit

meinem neuen Partner zusammen, der

ebenfalls einen Teil der Kinderbetreuung

übernimmt. Die letzten Jahre waren für

mich eine anstrengende Zeit mit vielen

psychischen und körperlichen Belastungen.

Aber der Effort hat sich gelohnt. Es ist

für mich eine grosse Bereicherung, Familie

und Job unter einen Hut zu bringen.»

mur

context 11 – 2011


21

Teamgeist bei Victorinox: Pausen gelten als wirksames Instrument zur Teamentwicklung.

sogar Unternehmen, die lassen ihre Angestellten

zweimal 15 Minuten pro Tag in

die Pause. So sind auch die Regelungen in

den öffentlichen Verwaltungen.

Selbstständig organisieren

Context hat in verschiedenen Betrieben

aus unterschiedlichen Branchen eine

kleine Umfrage gemacht, wie sie es mit

den Kaffeepausen halten. Bei der Baumer

Electric AG sind Arbeitspausen eine «gute

Tradition» wie Alfred Dumelin, Leiter

Personal und Ausbildung, sagt. Dort treffen

sich die Teams wenn immer möglich

zu einer Znüni-Pause um 9 Uhr.

Im Technologiekonzern Bühler werden

die Pausen in den verschiedenen

Funktionsbereichen individuell geregelt.

Wichtig sei, so Mediensprecherin Corina

Atzli, dass der Betrieb reibungslos laufe

und etwa der Service für die Kundschaft

jederzeit gewährleistet sei. Angestellte im

Verkauf oder Kundenservice von Siemens

richten ihre Pausen nach der Kundschaft.

In den Dienstleistungsteams organisieren

die Mitarbeitenden ihre Arbeitsunterbrüche

selbstständig. In der Produktion

muss die Kontinuität und Überwachung

der Anlagen sichergestellt sein.

Die Devise bei Siemens lautet jedoch:

lieber öfter eine kurze Pause als wenige

lange Pausen. Kommunikationsmann

Eray Müller sagt: «Wer ab und zu eine

Pause macht, wahrt einen klaren Kopf.»

Und noch besser als eine Kaffeepause

seien ein paar Schritte an der frischen

Luft. Wobei hier anzumerken ist, dass

Pausen nicht dazu berechtigen, das Betriebsareal

zu verlassen.

Im Vertrag festgehalten

Beim KV Schweiz ist Kaffee und frische

Luft gleichzeitig möglich, auf der grossen

Dachterrasse. Der Verband gewährt seinen

Mitarbeitenden offiziell eine Viertelstunde

bezahlte Pause. Dies ist in den allgemeinen

Anstellungsbedingungen wie

folgt geregelt: «Am Morgen ist eine Kaffeepause

von 15 Minuten innerhalb des Hauses

gestattet. Beginn und Ende sind nicht

UNVergeSSLIche PaUSen

Das kostenlose Online-Tool Workrave

sorgt dafür, dass Pausen nicht vergessen

gehen. Entstanden ist es als

Präventionsprojekt: Personen, die

am PC arbeiten, können das RSI-Syndrom,

auch Mausarm genannt, entwickeln.

Das sind Beschwerden im Nacken-

und Schulterbereich und/oder

in Armen und Händen. Dagegen helfen

Arbeitsunterbrüche.

Bei Workrave können Pausen verschiedenster

Länge programmiert

werden. Steht eine an, erscheint ein

Pausenbildchen auf dem Bildschirm

und eine Uhr beginnt zu ticken. Ignorieren

die Benutzer den Hinweis, erscheint

er immer häufiger. Das Pausenfenster

kann auch so konfiguriert

werden, dass es den Bildschirm blockiert.

Das Programm merkt zudem,

ob der Benutzer länger abwesend ist,

eventuell an einer Sitzung ist, und unterlässt

dann den Hinweis.

context 11 – 2011


22

RauchpaUSen sorgen

für dicke LUFt

Dossier Pause

Rauchpausen bergen immer wieder

Konfliktpotenzial, vor allem wenn sie

sich häufen – und weil sich Nichtraucher

benachteiligt fühlen können.

Grundsätzlich haben Menschen das

Recht zu rauchen. Dies können ihnen

die Arbeitgeber nicht streitig machen.

Gemäss Artikel 8 der Bundesverfassung

darf niemand aufgrund seiner

Lebensform diskriminiert werden. Artikel

10 hält zudem die persönliche

Freiheit des Individuums fest. Dies

gilt auch in Bezug auf Nikotinkonsum.

Raucher argumentieren, sie brauchten

ihre Dosis Nikotin, damit ihre

Konzentration und damit die Leistung

nicht nachlassen. Extra-Pausen muss

der Arbeitgeber aber nicht dulden. Er

kann verlangen, dass die Raucher nur

in den offiziellen Pausen ihrer Sucht

nachgehen, oder er kann darauf bestehen,

dass die Rauchzeit nachgeholt

wird. Sonderregelungen sind gesetzlich

möglich.

festzuhalten.» Kaffee, Tee und andere Getränke

dürfen aber auch ungeniert zwischendurch

geholt werden.

Bei der Graubündner Kantonalbank

sieht es ganz ähnlich aus mit der Pausenregelung.

Dort haben die Mitarbeitenden

via Personalkommission sogar ein Mitspracherecht.

Auf einen permanenten Dialog

legt man dort grossen Wert, laut Tho-

mas Müller, Leiter Medien. Bei Manor

pflege man eine Kultur des offenen Dialogs,

betont Mediensprecherin Elle Steinbrecher.

Mit dem Ziel, «möglichst alle

Wünsche von Mitarbeitenden und Vorgesetzten

in Einklang zu bringen. Dies beinhaltet

auch Wünsche bezüglich Kaffeepausen.»

Anders gelöst

Es zeigt sich jedoch, unter anderem bei

Bühler oder Schindler, dass in Mitarbeiterkommissionen

andere Themen wichtiger

sind und kaum Diskussionsbedarf

besteht, so Michael M. Schmidt, stellvertretender

Kommunikationschef bei

Schindler. Und dies, obwohl bei Schindler

zwar morgens und in weiten Teilen

auch nachmittags eine Pause gemacht

werden darf, dies jedoch unbezahlt.

Firmen, die keine Pausen gewähren,

wie etwa das Beratungsunternehmen

Grant Thornton AG, erlauben ihren Mitarbeitenden

jedoch, sich jederzeit mit Kaffee,

Tee oder Mineralwasser einzudecken. Die

Kosten dafür übernimmt der Arbeitgeber.

Gesund und motivierend

«Wer perfekt arbeiten will, muss sich auch

perfekt erholen.» Nur so blieben die Arbeitnehmenden

fit. Dies sagt Gesundheitspsychologin

Anne Katrin Maytssek.

In ihrem Buch «Mensch, mach’ mal

Pause» erklärt sie, dass Pausen «die Arbeitsfähigkeit

und -qualität erhalten.»

Damit steht sie nicht alleine. Mediziner

und Arbeitspsychologen sind sich einig:

Pausen sorgen für Erholung, beugen

Burnouts vor und erhöhen die Produktivität

der Angestellten. Studien zeigen,

wer kurze Pausen einlegt, dem fällt die

Arbeit leichter und sie sind besser dran

als jene, die durcharbeiten, früher Feierabend

machen, aber dann völlig ausgelaugt

sind.

Für die Experten wären Pausen alle

zwei Stunden optimal. Dazwischen könnten

sich die Angestellten selber noch eine

Unterbrechung verordnen. Manchmal genügen

nämlich schon Pausen von einer

Minute. Denn der Erholungseffekt ist offenbar

in den ersten Minuten am grössten.

Es gibt auch Untersuchungen, die zeigen,

dass nach zu langen Pausen der Einstieg

in die Arbeit schwerer fällt. Festgestellt

wurde zudem die motivierende Wirkung

von Mini-Unterbrechungen: Die Mitarbeitenden

freuen sich unbewusst darauf

und arbeiten deswegen effektiver.

Gewusst wie

Maytssek lobt einerseits, dass die Menschen

bis zu sechsmal täglich Pausen machen,

nebst der Mittagspause. Andererseits

bemängelt sie das Wie. Eben mal die

Mails checken, sei keine Pause. Ebenso

wenig Surfen, Multitasking oder über die

Arbeit reden. Für die Zeit der Pause müsse

die Arbeit komplett aus dem Kopf verschwinden.

Es brauche Abstand und Ge-

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context 11 – 2011


23

nuss. Sie rät: «Körperhaltung, Ort, Kopfinhalte

und Tätigkeit ändern.»

«Pausen sind wichtig für das Zwischenmenschliche

im Betrieb», sagt

Maytssek ausserdem. In Pausen wird

kommuniziert. Experten bezeichnen sie

deshalb heute als wirksames und kostengünstiges

Instrument zur Teamentwicklung.

Wobei dies nur wirkt, wenn alle mitmachen,

und zwar regelmässig respektive

angeordnet. Dadurch wird der Informationsfluss

verbessert, kleinere Entscheidungen

können ohne viel Bürokratie getroffen

werden und man lernt sich besser

kennen, was eine Grundlage für ein erfolgreiches

Team ist.

Ideale Räume

Die Qualität einer Pause hängt auch von

den Örtlichkeiten ab. Wenn es keinen ansprechenden

Treffpunkt gibt, sind Kommunikation

und Erholung nicht unbedingt

gewährleistet. Wie schon für Pausen

gibt es für Pausenräume allerdings keine

gesetzlichen Bestimmungen. Im Prinzip

gilt, was auch für Arbeitsräume zu beachten

ist: Sie müssen ansprechend ausgestattet

sein in Bezug auf Bau, Beleuchtung,

Klima, Akustik, Gesundheit und Lärm.

Sie sollten Sicht aufs Freie bieten.

Nicht überall kann dies umgesetzt

werden. Unsere Bildstrecke gibt einen

Eindruck von unterschiedlichsten Pausenräumen

verschiedener Branchen.

Auszeit nehmen

Während Kaffee- und Mittagspausen in

Bezug auf Räumlichkeiten und vor allem

Zeit begrenzt sind, gibt es eine Art Pause,

eine Auszeit, die zwischen zwei und

zwölf Monate dauern kann: Die Rede ist

vom Sabbatical. Der Ausdruck stammt

vom hebräischen Wort Schabbat ab. Dieses

bezieht sich auf die biblische Überlieferung,

dass selbst Gott am siebten Tag

seines Schöpfungsprojekts geruht hat respektive

sich eine Auszeit davon genommen

hat.

Mitarbeitende machen ein Sabbatical,

um sich persönlich um- oder neu zu orientieren.

Manch einer stellt für diese Zeit

die Familie oder ein Projekt in den Vordergrund.

Andere wollen sich schlicht erholen.

«Die Kunst des Ausruhens ist ein Teil

der Kunst des Arbeitens.» – John Steinbeck

Genaue Planung

Auf eine solche Pause besteht kein Rechtsanspruch.

Die Chancen darauf steigen

aber, je länger jemand in einem Betrieb

arbeitet. Und wenn gute Gründe angeführt

werden. Es gilt hervorzuheben, dass

man sich im Anschluss besser, ungeteilter

und motivierter aufs Erwerbsleben

konzentrieren kann und wird. Zudem erwirbt

man sich je nach Sabbatical Sprachkenntnisse,

interkulturelle Kompetenzen,

Fach- und Sozialkompetenzen.

Eine Auszeit bedingt jedoch von beiden

Seiten eine genaue Planung. Eine

Firma braucht sechs bis achtzehn Monate

Vorlaufzeit, um die Absenz respektive Vertretung

zu organisieren. Vorgängig geklärt

werden muss überdies die Finanzierung.

Es gibt Betriebe, wo Überstunden verwaltet

werden und im Rahmen von Sabbaticals

bezogen werden können. Im Normalfall

ist eine Auszeit jedoch unbezahlt. AHV,

IV und Pensionskassen müssen aber einbezahlt

werden. Abzuklären gilt auch, wie

Lea Bärlocher (25) hat bereits zwei

drei monatige Sabbaticals genossen.

Die Angestellte einer Grossbank kann

solche Auszeiten nur empfehlen.

«2005 habe ich die kaufmännische Lehre

mit Berufsmatura bei einer mittelgrossen

Bank abgeschlossen. Heute bin ich in einer

Grossbank tätig und absolviere berufsbegleitend

ein Bachelor-Studium Betriebsökonomie

an der Zürcher Hochschule

für Angewandte Wissenschaften.

Dazwischen liegen zwei Sabbaticals, je

drei Monate Auszeit, zu denen ich mich

aus unterschiedlichen Gründen entschlossen

habe.

2007 nahm ich unbezahlten Urlaub,

um während eines Sprachaufenthalts in

Kanada meine Englischkenntnisse zu

verbessern. Ein Jahr später fasste ich mit

dem Fachhochschul-Studium eine grössere

Weiterbildung ins Auge. Es war absehbar,

dass vier strenge Jahre auf mich

zukommen würden. Bevor es losging,

wollte ich mir ein paar Wochen ohne jede

Verpflichtung gönnen. Die Idee war, dass

ich während dieser

Zeit gleichzeitig abschalten

und neu

auftanken konnte.

Während einigen

Monaten legte ich

Geld auf die Seite.

Ich wohnte noch bei

meinen Eltern und

konnte deshalb sparsam

leben. Da ich nicht allein herumreisen

wollte, besuchte ich eine Freundin in

Australien und gemeinsam reisten wir

dann der Küste entlang. Anschliessend

verbrachte ich noch gemeinsam mit meiner

Mutter einen Monat in Thailand. Insgesamt

habe ich es sehr genossen, einmal

ein ganz anderes Leben zu führen. Nur

manchmal fragte ich mich, ob ich zurück

«Die Idee war, dass

ich während dieser Zeit

gleichzeitig abschalten

und neu auftanken

konnte.»

in der Schweiz wieder eine Stelle finden

würde, denn inzwischen machten sich

die Auswirkungen der Finanzkrise bemerkbar.

Nach meiner Rückkehr schrieb ich ein

paar Bewerbungen, doch sehr schnell

hörte ich von einer Vakanz bei meinem

früheren Arbeitgeber. Ich bewarb mich

und bekam eine Zusage.

Nur wenige Monate

danach – wieder

über private Kontakte

– wurde ich auf eine

Stelle bei einer Grossbank

aufmerksam,

die vom Tätigkeitsgebiet

her wie auf mich

zugeschnitten war.

Wiederum bewarb ich mich erfolgreich.

So begann ich im Sommer 2009 fast

gleichzeitig mit dem Studium beim neuen

Arbeitgeber. Ob nach meiner Rückkehr

alles so gut lief, weil ich von meiner Auszeit

her über viel neue Energie verfügte,

kann ich nicht sagen. Schon möglich. Jedenfalls

kann ich eine solche Auszeit jedem

nur empfehlen.» tj

context 11 – 2011


24

Dossier Pause

Ein Druckmittel

Ich drücke Pause – nichts passiert. Vielleicht

ist die Taste eingerostet. Ich kann

mich nämlich nicht erinnern, in den bald

20 Jahren als Benutzerin je die Pause-

Taste bewusst gedrückt zu haben.

Ich bin aber nicht nur eine lausige Anwenderin,

sondern auch eine schlechte

Arbeitgeberin. Seit Jahren muss mein

Computer meist mehr als 42 Stunden pro

Woche arbeiten. Oft ist er sogar an sieben

Tagen im Einsatz. Nie habe ich ihm

also in dieser Zeit eine Pause gegönnt.

Als sarkastische Natur werfe ich ein, ein

Computer verdiene keine Pause, er sei ja

nur eine Maschine. Oder ich argumentiere,

dass diese Taste offenbar überflüssig

ist, sonst hätte ich sie längst einmal

gebraucht.

Die Wikipedia-Gemeinde gibt mir recht,

sie sei ein Relikt, dem heute in den meisten

PC-Anwendungen keine oder nur geringe

Bedeutung zukomme. Unser IT-

Mann sagt, selbst fürs Programmieren

oder Spielen sei die Taste nicht mehr nötig.

Er brauche sie nur (zusammen mit der

Windowstaste), um auf schnellem Weg

die Systemeigenschaften anzusehen.

Das will ich sehen. Tatsächlich, ein Fenster

poppt auf, das mit User überschrieben

ist. Mir bringt das nichts. Ich klick’ es

weg.

Nach einer Weile stelle ich fest, dass

mein PC nicht mehr so langsam läuft wie

vorher. Vielleicht ist die Pause-Taste

doch zu etwas gut? Macht der PC etwa Mikro-Pausen,

während die Taste gedrückt

wird? Nur zu, wenn er nachher produktiver

arbeitet! Das ist fast menschlich. Halt,

das kann und darf nicht sein. Sonst tritt

er bald in den Streik wegen der schlechten

Arbeitsbedingungen. Ich beschliesse,

nie mehr Pause zu drücken. ajm

es mit Kranken- und Unfallversicherungen

durch den Arbeitgeber steht.

Spezielle Stillpause

Ein ganz anderer Fall ist die Babypause.

Offiziell beginnt der Mutterschaftsurlaub

mit der Geburt des Kindes. Als letztes europäisches

Land hat die Schweiz 2005

eine Mutterschaftsversicherung eingeführt.

Während 14 Wochen (98 Tagen)

wird 80 Prozent des Lohns ausbezahlt.

Wenn eine Branche einen Gesamtarbeitsvertrag

(GAV) hat, der einen besseren

Mutterschaftsurlaub vorschreibt, gilt die

Regelung des GAV.

Beim Wiedereinstieg gibt es spezielle

Regelungen zur «Stillpause» zu beachten:

Wenn eine Mutter ihr Kind im Betrieb

stillt, gilt im ersten Lebensjahr das Stillen

als Arbeitszeit. Wenn das Kind ausserhalb

des Betriebs gestillt wird, wird nur die

Hälfte der Zeit als Arbeitszeit angerechnet.

Andrea Mašek ist Context-Redaktorin.

andrea.masek@kvschweiz.ch

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context 11 – 2011


Zweimal Vormittag

Die Vorteile von Powernapping sind einleuchtend. Trotzdem gibt es nur wenige

Firmen, die ihren Mitarbeitenden ein kurzes Nickerchen über Mittag zugestehen.

25

Früher sagte man Mittagsschlaf. Das war

zu einer Zeit, als die Erwerbstätigen fixe

Arbeitszeiten hatten, über Mittag nach

Hause gingen und sich nach dem Essen

für eine halbe Stunde aufs Ohr legten.

Dann änderten sich die Arbeitszeiten und

damit auch die Gewohnheiten. Mit dem

Nine-to-Five-Job wurde die Mittagspause

kürzer, die Berufstätigen verliessen den

Arbeitsplatz nur noch kurz oder gar nicht

mehr, und damit blieb auch das Nickerchen

nach dem Essen auf der Strecke.

Seit einigen Jahren ist von Powernapping

die Rede und damit von der Rückkehr

des Mittagsschlafs. «Powernapping über

Mittag», lautet denn auch ein Kurs, der im

nächsten Frühjahr vom KV Zürich angeboten

wird. Durchführen wird ihn Lars

Sonderegger, Unternehmensleiter von

IKAMED, einem Ausbildungsinstitut für

Kinesiologie und Komplementärmedizin.

«Wer über Mittag eine Viertelstunde

schläft, verfügt am Nachmittag nochmals

über ebenso viel Energie wie am Vormittag»,

meint er. Es sei ein weit verbreiteter

Irrglaube, dass man am Nachmittag wegen

des Essens müde sei, vielmehr entspreche

der Spannungsabfall einem natürlichen

Rhythmus. Gestärkt mit einem Kurzschlaf

verfüge man nicht nur über mehr Konzentrations-

und Leistungsfähigkeit, sondern

könne auch besser mit Stress umgehen

und habe eine bessere Laune.

Die Argumente sind schlagend und

dementsprechend müsste sich Powernapping

längst in den Unternehmen als feste

Grösse etabliert haben. So ist es aber

nicht. Zwar gibt es in manchen Firmen

Ruheräume mit ein paar Liegen, die von

den Angestellten aber kaum je aufgesucht

werden. Sie befürchten, dass es ihnen als

Schwäche ausgelegt würde, wenn sie sich

dorthin zurückziehen.

Auch Sonderegger beobachtet, dass es

ein weit verbreitetes Vorurteil gebe, wonach

Schlafen während des Tages mit

Faulheit oder Schwäche gleichgesetzt

wird. «Immer mehr Firmen aber entdecken

die Vorzüge des Powernapping.» Sie

erklären den Kurzschlaf als Teil der Unternehmenskultur

und stellen den Mitarbeitenden

entsprechende Räumlichkeiten

zur Verfügung. «Sie tun damit etwas

für die Gesundheit und das Wohl ihrer

Angestellten, und sie profitieren gleichzeitig

selber davon.»

Laut Sonderegger ist Powernapping

Übungssache. Man solle keinen Stress daraus

machen, sich einfach hinlegen und

ruhig atmen. Wenn man nicht einschlafen

könne, sei auch mit ein paar Minuten

vor sich hindösen schon viel gewonnen.

Falls Gedanken rund um den Berufsstress

auftauchten, solle man diese akzeptieren

und vorüberziehen lassen. Ob man vorher

oder nachher etwas esse, müsse jeder und

jede individuell herausfinden. tj

www.kvz.ch: «Powernapping über Mittag».

6. und 13. März 2012

Ausgekocht in Peking: Wer eine Viertelstunde schläft, ist leistungsfähiger.

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26

Schadlos kommunizieren

Beruf und Bildung

Die Informationsflut überfordert uns. Das Museum für Kommunikation zeigt in

einer Ausstellung auf, wie man die Datenflut bewältigt und besser kommuniziert.

Von Rolf Murbach

Wir sind der Datenflut ausgeliefert.

Das ist schon länger ein Thema.

Wir sind immer häufiger online, besuchen

unablässig Facebook, twittern, bloggen

und halten uns auf Newsplattformen

auf. Im Büro lassen wir uns von Mails terrorisieren.

Im Bus, Zug und auf der Stras se

sind es die Smartphones, die unsere Aufmerksamkeit

beanspruchen.

Wir haben längst erfahren, dass dieses

Informationsverhalten nicht unbedingt

gesund ist. Wir sind zerstreut, können

uns nur schlecht konzentrieren und

sind, obwohl so gut informiert wie noch

nie, nicht wirklich zufrieden. Und wir lesen

von Internet-Süchtigen und denken,

dass wir nicht dazugehören.

«Warnung: Kommunizieren gefährdet»

heisst die neue Ausstellung des Museums

Wer online Dokumente verschickt

und sichergehen möchte, dass die

Empfängerinnen und Empfänger diese

originalgetreu lesen können, der erstellt

ein PDF. Das Portable Document

Format ist ein Dateiformat für Dokumente,

das unabhängig vom ursprünglichen

Anwendungsprogramm, vom

Betriebssystem oder von der Hardwareplattform

ist. Damit entfallen

typische Konvertierungsprobleme wie

etwa ein veränderter Seitenumbruch

oder falsche Schriftarten. Entwickelt

wurde das PDF vom Unternehmen

Adobe Systems, das 1993 damit auf

den Markt ging. Anfänglich waren

Adobe Acrobat und Adobe Reader –

die Programme zur Erstellung und

zum Lesen der PDF – kostenpflichtig.

Immer online: verbunden mit der Welt draussen.

für Kommunikation in Bern. Die Schau

beschäftigt sich mit der alltäglichen Kommunikationsflut

und will aufzeigen, wie

der Überfluss an Kommunikation ohne

Stress und ohne Überforderung zu bewältigen

ist. Kommunikation ist ja grundsätzlich

etwas Positives; sie ist lebenswichtig.

Es ist wie beim Essen: Wenn wir uns übermässig

und einseitig ernähren, fühlen wir

uns schlecht. «Ausgewogene Kommunikation

fördert das Wohlbefinden und

macht Spass», liest man auf der Website

des Museums für Kommunikation.

In der Klinik

Wie findet man sich im Informationsüberfluss

zurecht? Das Museum für Kommunikation

bietet dafür als Therapie einen

Klinikaufenthalt an. Einen Teil der

Ausstellungsräumlichkeiten hat es zu diesem

Zweck in eine Klinik für Kommunikation

verwandelt – mit eigener Direktorin.

Über ein Foyer betreten die Besucherinnen

und Besucher die Klinik, wo sie

von der Direktorin Sana van Belkom begrüsst

werden. Eine Bibliotheksinstallation

mit rund 12 000 Büchern veranschaulicht

die tägliche Kommunikationsflut:

Die Menge an Information und Kommunikation,

die weltweit täglich verbreitet

wird, beträgt 7 355 Milliarden Gigabytes,

das entspricht umgerechnet etwa 72 500

Milliarden Büchern.

Der erste Schritt zu einer Verbesserung

des Kommunikationsverhaltens führt laut

Ausstellungsmachern über eine sorgfältige

Anamnese. Die Besucherinnen und

Besucher sind daher aufgefordert, in

einem Check-up ihr Kommunikationsverhalten

und ihren Medieneinsatz zu

reflektieren und zu dokumentieren. Das

computergestützte Programm basiert auf

einem wissenschaftlich fundierten Katalog

von 20 Fragen und wurde zusammen

mit dem soziologischen Institut der Universität

Bern für die Ausstellung entwickelt.

Resultat des Check-ups ist der sogenannte

persönliche Kommunikations-

Index PKI, der Nutzen, Spass und Leiden

jedes Klinikbesuchers ausweist. Steht der

PKI auf grün, gelb, orange oder gar rot?

Die Kommunikationstrainer an der Empfangstheke

wissen es und halten passende

Wellness-Packages bereit, die sich hinter

farbig leuchtenden Türen verbergen.

Wellness und Beratung

Nach dem Aufenthalt in den Wellness-

Oasen dürfen sich die Besucher beraten

lassen, wie sie künftig massvoll und lustvoll

kommunizieren können. Dazu gehören

mehrere interaktive Stationen, wo sie

erfahren, wie Kommunikation ohne

Stress möglich ist. Fachleute und Betroffene

äussern sich zudem zu Online-Sucht

und Burnout und zeigen auf, wie das persönliche

Verhalten optimiert werden

kann.

Museum für Kommunikation in Bern: Kommunizieren

gefährdet. Bis 15. Juli 2012

context 11 – 2011


Zukunft

Umsteigen, nicht aussteigen

«The Age of Less» von David Bosshart bietet

eine spannende Lektüre.

Wir haben Anlass zur Sorge. Finanzund

Eurokrise, überschuldete Länder,

Hungersnöte, Umweltkatastrophen, Bevölkerungsexplosion

und Wirtschaftssysteme,

die unsteuerbar geworden sind:

Das ist die Welt, wie sie sich präsentiert.

Wie hilflose Feuerwehrsleute versuchen

wir den einen oder anderen Brand einzudämmen,

meist mit wenig Erfolg. Und der

Zwang, überall und immer mehr Wachstum

zu generieren, bleibt unangetastet.

Obwohl wir wissen, dass gerade diese

Wachstumsmanie vielen Katastrophen

zugrunde liegt.

«So kann es nicht weitergehen»,

schreibt David Bosshart in seinem neuen

Buch «The Age of Less». Der Leiter des renommierten

Gottlieb-Duttweiler-Institutes

zeigt auf, wie das Zeitalter des Zahlwachstums

zu Ende geht. Er demonstriert

anhand vieler Beispiele, dass die Logik

des Immer-Mehr abgewirtschaftet hat.

Und er plädiert für eine substanzielle Veränderung

der wirtschaftlichen Verhältnisse.

Nur so könnten wir unseren Wohlstand

einigermassen erhalten. Bosshart

fordert: umsteigen statt aussteigen, und

zwar in das Age of Less, ein Zeitalter des

Immer-Weniger, das uns aber gleichzeitig

Aktionsräume für ein neues, robusteres

Wachstum biete.

David Bosshart skizziert entscheidende

Zukunftstrends aus Wirtschaft,

Gesellschaft, Konsum und Arbeit, die

neuen Lebensstile, die uns prägen werden,

und die Revolution von Social Media

und Internet, die unsere Welt radikal verändert.

Bosshart gibt einen umfassenden

Überblick über die Systeme unserer

Welt, wie sie aufeinander einwirken, wie

Stress und Angst viele Lebens- und Wirtschaftsbereiche

durchdringen und wie

alles immer schneller, grösser, höher sein

muss. mur

David Bosshart: The Age

of Less. Die neue Wohlstandsformel

der westlichen

Welt. Murmann

Verlag 2011. CHF 28.50

Prävention

Sicherheit am Arbeitsplatz

Das Risiko eines Unfalls in einem Bürobetrieb

wird stark unterschätzt. Tatsache ist,

dass 55 Prozent aller Berufsunfälle in Unternehmen

im Dienstleistungssektor erfolgen.

Mit wenig Aufwand könnte man die

Arbeitsplatzsicherheit deutlich erhöhen.

Wenn Mitarbeitende nicht zur Arbeit

erscheinen, sind oft Rückenschmerzen

oder Stolperunfälle der Grund. Hinzu

kommen im Büro auch Beschwerden, die

spezifisch mit der sitzenden Tätigkeit,

dem Bildschirmarbeitsplatz und der

Arbeit in klimatisierten Räumen zu tun

haben: Rückenschmerzen, Verspannungen,

Sehnen- und Muskelleiden sowie

Erkrankungen der Atemwege und Augenprobleme.

Die unfall- und krankheitsbedingten

Kosten sind für die Unternehmen

enorm. Allein wegen Muskel-Skelett-

Schmerzen gehen in der Schweiz jedes

Jahr rund 1.6 Millionen Arbeitstage verloren.

Die Kosten beziffern sich auf durchschnittlich

600 Franken pro Tag.

Mit wenig Aufwand könnten die Betriebe

die Arbeitsplatzsicherheit markant

erhöhen. Prävention bedeutet in den

meisten Fällen nicht die Anschaffung von

neuen und teuren Geräten. Wichtig wäre

vielmehr die richtige Nutzung beispielsweise

von ergonomischen Stühlen und

Bildschirmen. So sind etwa viele Bürotische

zu hoch eingestellt.

Die Eidgenössische Koordinationskommission

für Arbeitssicherheit EKAS

unterstützt Betriebe in ihren Präventions-

Anstrengungen. Auf der Webseite www.

praevention-im-buero.ch stellt sie Informationsbroschüren

und Online-Lernmodule

zur Verfügung. Wer bis am 31. Dezember

eines der Online-Module absolviert,

profitiert nicht nur von Informationen,

sondern kann attraktive Preise rund um

das Thema Sicherheit und Gesundheit am

Arbeitsplatz gewinnen. pd

www.praevention-im-buero.ch

KOLUMNE

Jobhüpfen

Mit Stefanie Grob

Ich war auch mal Pro-Juventute-Marken-

Verkäuferin. Als 8-Jährige. Wie fast alle

Kinder in der Schweiz. Auch jetzt klingeln

sie wieder mit ihren Kartonbauchläden.

Ich habe es nicht ungern gemacht.

Abwechslung im Schulalltag.

Ein Jahr später, in der 3. Klasse, gab es

eine Projektwoche, Zigeunerwoche genannt,

damals durfte man noch Zigeuner

sagen. Die Schriftstellerin Mariella Mehr

erzählte, wie sie aus ihrer Familie gerissen

und in Kinderheime und psychiatrische

Anstalten gesteckt wurde. Aktion

«Kinder der Landstrasse». Geplant und

durchgeführt von Pro Juventute.

Kurz darauf sollten wir wieder deren

Marken verkaufen. Ich weigerte mich.

Und das Theater ging los. Strafaufgaben,

Nachsitzen, Elterngespräche. Der Lehrer

panisch, dass die ganze Klasse auf den

Streikzug aufspringt. Ich verständnislos,

warum ich diesen Job nicht aufgeben

durfte. Ich wurde weder angestellt noch

bezahlt, hatte also keinerlei Verpflichtungen

und konnte ihn nicht mit meinem

Gewissen vereinbaren. Lehrer Bärtschi

redete von vergessen und verzeihen.

Zu diesem Zeitpunkt war es erst 13 Jahre

her. Das «Hilfswerk» Pro Juventute traumatisierte

bis 1972 systematisch Familien.

Wieso sollte ich das vergessen, während

wir alle uns, ebenfalls laut Bärtschi, immer

an die Gräuel des 2. Weltkrieges erinnern

müssen, um aus der Geschichte zu

lernen?

Meine erste Berührung mit der Arbeitswelt

endete mit unentschuldigten Absenzen

in meinem Drittklässler-Zeugnis,

obwohl der Verkauf in der Freizeit hätte

stattfinden müssen (Logik war wirklich

nicht Bärtschis Stärke) und mit unüberbrückbaren

Differenzen zu Lehrern und

anderen Autoritätspersonen. Das hält bis

heute an. Und noch immer kaufe ich

meine Briefmarken nur auf der Post.

Stefanie Grob ist Autorin und Spokenword-Performerin.

27

context 11 – 2011


28

Im Zentrum die Praxis

Beruf und Bildung

Spezialisierung Die höhere Berufsbildung richtet sich an Leute, die praktische

Fähigkeiten mit theoretischem Wissen verbinden wollen und eine Laufbahn mit

einer verantwortungsvollen Fach- oder Führungsfunktion anstreben. Von Rolf Murbach

Die höhere Berufsbildung ebnet den Weg für spannende Laufbahnen.

Die höhere Berufsbildung ist ein Erfolgsmodell.

Wer über einen Fachausweis,

eine höhere Berufsprüfung oder

einen Abschluss an einer höheren Fachschule

verfügt, erhöht seine Chancen auf

dem Arbeitsmarkt markant. Zudem verdient

er mehr. Die so genannte Bildungsrendite

ist bei der höheren Berufsbildung

so gross wie kaum bei einer anderen Ausbildung.

Das heisst: Das Geld und die Zeit,

die man investiert, zahlen sich aus.

Die höhere Berufsbildung zeichnet

sich durch einen starken Praxisbezug aus.

Die Absolventinnen und Absolventen

wälzen nicht einfach Theorien, sondern

eignen sich ein Wissen an, das ihnen in

ihrem beruflichen Alltag nützlich ist.

«Man lernt das, was man in der Praxis

wirklich braucht», sagt die diplomierte

Kommunikationsleiterin und Werberin

des Jahres 2011 Nadine Borter. «Ich würde

die höhere Berufsbildung jedem Mitarbeiter

empfehlen, der eine Karriere anstrebt.»

Das findet auch der diplomierte

Tourismusfachmann HF Thomas Exposito:

«Noch während der Ausbildung erhielt

ich die Möglichkeit, die Leitung der

Infostelle in Amden für Heidiland Tourismus

und somit auch die Geschäftsführung

der lokalen Tourismusorganisation

zu übernehmen.»

Gefragte Spezialisierungen

28 200 Frauen und Männer erlangen pro

Jahr einen Abschluss der höheren Berufsbildung.

13 100 absolvieren die Berufsprüfungen

(eidgenössischer Fachausweis).

3200 bestehen die höheren Fachprüfungen

(eidgenössisches Diplom). Und 7300

besuchen die Bildungsgänge an höheren

Fachschulen. Dabei ist die Anzahl der verschiedenen

Abschlüsse immens. Es gibt

context 11 – 2011


29

240 unterschiedliche Berufsprüfungen,

170 höhere Fachprüfungen und 72 Richtungen

an den höheren Fachschulen –

alles Spezialisierungen, die in der Arbeitswelt

gefragt sind. Die konsequente

Orientierung an den Bedürfnissen der Berufspraxis

zeigt sich auch dadurch, dass

die Prüfungsverordnungen und Rahmenlehrpläne

von den Organisationen der

Arbeitswelt, den Branchenverbänden, definiert

werden. Der KV Schweiz zum

Beispiel ist engagiert in den Bereichen

Arbeitsagogik, Betriebswirtschaft, Detailhandel,

Direktionsassistenz, Human

Resources, Marketing/Verkauf, Organisatoren,

Rechnungswesen und Controlling,

Steuerexperte sowie Treuhänder. In einigen

Bereichen führt der Verband zusammen

mit anderen Organisationen der

Arbeitswelt die Berufs- und höheren

Fachprüfungen durch.

Zu den am häufigsten gewählten Berufsprüfungen

gehören (2010): Polizist

(811 Abschlüsse), HR-Fachfrau (757), Ausbilder

(729), Marketingfachfrau (604) und

Fachmann Finanz- und Rechnungswesen

(583). Bei den Höheren Fachprüfungen

sind dies: Arbeitsagogin (367), Wirtschaftsprüfer

(302), Informatikerin (169),

Elektroinstallateur (169) und Expertin in

Rechnungslegung und Controlling (154).

An den höheren Fachschulen werden am

meisten Diplome verliehen in Pflege

(1676), Betriebswirtschaft (840), Sozialpädagogik

(420) und Hotellerie-Gastronomie

(411).

Massgeschneiderte Laufbahnen

Die höhere Berufsbildung erlaubt massgeschneiderte

Laufbahnen. Schritt für

Schritt können sich Berufsleute weiterbilden,

sich spezialisieren und die Karriereleiter

erklimmen. Ein Beispiel: Nach der

kaufmännischen Grundbildung erlaubt

das Zertifikat Personalassistentin den

■ Als Koch und Diätkoch ist Roger Kissling

weit herumgekommen, in der ganzen

Schweiz und auch im Ausland. Er war

Koch auf diversen Kreuzfahrtschiffen.

Dann hatte er Lust auf einen markanten

Jobwechsel; er heuerte als Küchenchef bei

Nestlé an, in der Abteilung Forschung und

Entwicklung von Aromen. Und er hatte

Lust sich weiterzubilden. Roger Kissling

besuchte wieder die Schule und erlangte

den Fachausweis Technischer Kaufmann.

«Ich wollte auch

«Ich wollte auch weg von

der Küche, den Einstieg

in einen ganz anderen

Bereich schaffen.»

weg von der Küche,

den Einstieg in einen

ganz anderen Bereich

schaffen», sagt Roger

Kissling. Organisation

und Projektmanagement

faszinierten

ihn, die ganzheitliche Herangehensweise

an komplexe Aufgaben. Die

Weiterbildung zahlte sich aus. Roger Kissling

konnte innerhalb der Firma ins technische

Marketing der Aroma-Entwicklung

wechseln.

2006 war die nächste Weiterbildung

angesagt. Er ergänzte den Technischen

Kaufmann mit einem Semester Organisation.

Im Anschluss besuchte der Aroma-

Spezialist Kurse, die auf die höhere Fachprüfung

zum eidgenössisch diplomierten

Organisator vorbereiteten. Nun ging es

darum, die Fächer seiner bisherigen Weiterbildungen

zu vertiefen und zu vernetzen.

Betriebswirtschaft, Recht, Datenschutz

Projekt- und Prozessmanagement

oder Facility Management gelangten in

komplexen Fallbeispielen zur Anwendung.

Wie führt man in einem Betrieb

eine umfassende IT-Lösung ein oder wie

optimiert man in einem Spital das Verteilersystem

des Essens? Das waren die Fragen,

mit denen sich die Studierenden auseinandersetzen

mussten. «Die Weiterbildung

war intensiv», erinnert sich Kissling.

«Zwei- bis dreimal

Schule pro Woche,

Prüfungen vorbereiten

und eine umfassende

Diplomarbeit

schreiben. Alles neben

einem 100-Prozent-Job.»

Geschätzt

hat Roger Kissling auch den Praxisbezug

der Ausbildung. In seiner Diplomarbeit

zum Beispiel befasste er sich mit der Einführung

von neuen Aroma-Kreationsregeln

in Europa.

Eine solche Weiterbildung fordert

nicht nur zeitlich einiges, sondern auch finanziell.

Für Kurse, Prüfungsgebühren

und Spesen zahlte Roger Kissling für die

zwei Semester rund 15 000 Franken. Die

Hälfte davon übernahm sein Arbeitgeber.

Unterdessen ist Roger Kissling als

Senjor Projektmanager verantwortlich

für einen Teil der Aromenentwicklung bei

Givaudan (Givaudan hat 2002 das Nestlé-

Roger Kissling (44) – Senior Projektmanager

bei Givaudan. Absolvent der

höheren Fachprüfung Experte in

Organisationsmanagement.

Aromengeschäft übernommen). Und, das

erstaunt wenig, wieder in einer Weiterbildung.

Die höhere Fachprüfung Organisator

wurde zum Experten in Organisationsmanagement

aufgewertet. Roger

Kissling besucht zurzeit Vorbereitungskurse

und wird bald die Upgrade-Prüfungen

absolvieren. «Da ich unterdessen Prüfungsexperte

für den Fachausweis bin,

schadet es nicht, wenn ich mein Wissen in

Organisationsmanagement laufend erweitere.

Auch im alltäglichen Job kann ich

das Aufgefrischte wieder vermehrt sinnvoll

ein- und umsetzen.»

All die Weiterbildungen haben sich

für Roger Kissling im Rückblick gelohnt.

«Ich bin Generalist, verstehe von vielen

Bereichen etwas und könnte sicherlich

Jobs in ganz unterschiedlichen Branchen

finden.» mur

context 11 – 2011


30

Beruf und Bildung

Einstieg ins HR. Die Berufsprüfung HR-

Fachmann befähigt zusammen mit einiger

Zeit Berufspraxis zur selbstständigen

Übernahme anspruchsvoller Aufgaben

im Personalwesen. Der Leiter Human Resources

schliesslich ist mit der höheren

Fachprüfung prädestiniert für die Übernahme

der Leitung HR in mittleren und

grossen Unternehmen. Zur Prüfung zugelassen

wird er, wenn er vier Jahr im HR gearbeitet

hat und über einen Abschluss einer

höheren Fachschule, einer Hochschule

oder des HR-Fachmanns verfügt.

Wie anspruchsvoll die höhere Berufsbildung

ist, zeigt auch die Tatsache, dass

sich viele höhere Fachprüfungen ebenfalls

an Hochschulabsolventen richten.

Die Steuerexpertin Danielle Wenger,

Partnerin in einer grossen Wirtschaftskanzlei,

sagt: «Nach meinem Studium der

Rechtswissenschaften habe ich mich mit

dem Steuerexpertendiplom auf hohem

Niveau spezialisiert.»

Teure Weiterbildung

Bei all dem Positiven, was die höhere

Berufsbildung auszeichnet, bleibt ein

Wermutstropfen: die Finanzierung. Im

Gegensatz zu den Hochschulen subventioniert

der Bund die höhere Berufsbil-

dung nur wenig. Das bedeutet für die Absolventinnen

und Absolventen, dass sie

ihre Weiterbildung selber finanzieren

müssen – manchmal übernimmt auch der

Arbeitgeber einen Teil der Kosten. Und

das ist nicht wenig Geld. Für die Vorbereitungskurse

und Prüfungsgebühren zahlt

man schnell einmal zwischen 15 000 und

25 000 Franken. Dies können sich längst

nicht alle leisten.

Schliesslich sollte in den nächsten

Jahren ein zweites Manko der höheren

Berufsbildung behoben werden. Unsere

Abschlüsse sind im Ausland und in internationalen

Firmen wenig bekannt, weil

die meisten Länder keine hochwertige

praktische Berufsbildung kennen. Vor allem

im kaufmännisch-administrativen

Bereich werden Titel und Qualifikationen

nur auf akademischem Weg erworben. Es

braucht daher eine internationale Anerkennung

der Schweizer Berufsabschlüsse,

damit Absolventen einer höheren Berufsbildung

im globalisierten Arbeitsmarkt

die gleichen Chancen haben wie Bewerber

mit Bachelor- oder Masterabschluss.

Der KV Schweiz macht sich seit Jahren für

eine solche Anerkennung stark. Claude

Meier, Leiter Bildungspolitik, sagt: «Wir

fordern eine rasche Einführung eines

nationalen Qualifikationsrahmens und

von Diplomzusätzen, mit welchen der

Wert unserer schweizerischen Berufsbildungsabschlüsse

im In- und Ausland verständlicher

und dadurch vergleichbarer

gemacht werden können.»

Weitere Informationen:

www.examen.ch

Prüfungsportal des KV Schweiz

www.berufsbildungplus.ch

Berufliche Grundbildung, Berufsmaturität, höhere

Berufsbildung

www.kvbildungsgruppe.ch

Grösster Anbieter für Aus- und Weiterbildung im

kaufmännisch-betriebswirtschaftlichen Berufsfeld

Rolf Murbach ist Context-Redaktor.

rolf.murbach@kvschweiz.ch

Tanja Scheidegger (35) – Direktionsassistentin

bei Burckhardt Compression. Absolventin

der Ausbildung zur Direktionsassistentin

mit eidgenössischem Fachausweis.

■ Tanja Scheidegger hat eine erste Lehre

bei der damaligen PTT als Betriebsassistentin

absolviert. Sie arbeitete noch einige

Zeit bei der Post und machte anschliessend

das KV bei der Firma sia Abrasives in

Frauenfeld. Mit zwei Abschlüssen im Gepäck

brachte sie gute Voraussetzungen

mit für eine anspruchsvolle Arbeit. Sie

kehrte wieder zur Post zurück und stieg

bald auf zur Leiterin Annahme Geschäftskundenschalter

Paketpost.

«Die Arbeit war zwar spannend», sagt

Tanja Scheidegger, «aber ich merkte, dass

«Die Zeit war intensiv,

aber es war machbar.

Ich arbeitete nach wie vor

in einem Vollpensum.»

ich auf die Dauer keinen Führungsjob machen

wollte.» Und doch war es ihr wichtig,

nicht einfach Sachbearbeiterin zu sein. «Ich

wünschte mir eine Aufgabe mit Verantwortung

und spannenden Inhalten. Also entschied

ich mich für die Weiterbildung zur

Direktionsassistentin.»

Sie arbeitete weiter in ihrer Führungsfunktion

und besuchte jeweils am Mittwochabend

und teilweise

auch am Samstagmorgen

die Kurse

an der Wirtschaftsschule

KV Winterthur.

«Die Zeit war

intensiv, aber es war

machbar. Ich arbeitete

nach wie vor in einem Vollpensum.»

Die Weiterbildung erlebte Tanja Scheidegger

als anregend, auch wenn in den

Veranstaltungen der eine oder andere KV-

Stoff wiederholt wurde. Besonders profitiert

habe sie vom Business Englisch, von

der Informatik und dem Kommunikationsunterricht.

2006, zwei Jahre nach ihrem Abschluss,

wechselte die Direktionsassistentin

zu Burckhardt Compression, einem

Hersteller von Kolbenkompressoren

in Winterthur. «Ich bin die Assistentin des

CEOs», erklärt sie. «Meine Hauptaufgaben

liegen in der Administration; ich organisiere

interne Anlässe, Sitzungen sowie

mehrtägige Meetings und Reisen für

einen Teil der Geschäftsleitung. Zudem

bin ich zuständig für die Mitarbeiterzeitschrift,

ich führe Korrespondenz

in

Deutsch und Englisch.»

Mit ihrem Job ist

Tanja Scheidegger

rundum zufrieden.

Sie arbeitet selbstständig,

kann Ideen einbringen, wendet

täglich ihr Englisch an und übernimmt

immer anspruchsvollere Aufgaben – auch

dank der Weiterbildung, die sie unterdessen

begonnen hat. Sie studiert an der Zürcher

Hochschule für Angewandte Wissenschaften

ZHAW berufsbegleitend

Betriebsökonomie. «Nach dem Bachelor

möchte ich in der Unternehmenskommunikation

Fuss fassen.» mur

context 11 – 2011


31

Michelle Altoè (26) – Sachbearbeiterin HR

am Kinderspital Zürich. Absolventin der

Ausbildung zur HR-Fachfrau.

■ Michelle Altoè ist auf Umwegen ins Personalwesen

gekommen. Nach einer kaufmännischen

Lehre auf einer kleinen Bank

hatte sie die Möglichkeit, dort im Compliance

and Risk Control weiterzuarbeiten.

Das gefiel ihr soweit, aber Feuer und

Flamme war sie für diese Tätigkeit doch

nicht. «Auf die Länge wollte ich etwas anderes»,

erinnert sie sich. «Während der

Lehre erhielt ich einmal einen kurzen Einblick

ins HR. Das hat mich angesprochen.»

Sie informierte sich, welche Möglichkeiten

sie hatte, ins Personalwesen einzusteigen.

Und wurde fündig. Bei der Schule

NbW (Netzwerk für betriebswirtschaftliche

Weiterbildung) in Zürich bildete sie

sich weiter zur Personalassistentin und sie

fand eine Stelle als Sachbearbeiterin in der

Personalabteilung des Kinderspitals Zürich.

Sie begann 2010 die berufsbegleitende

Weiterbildung zur Human-Resources-

Fachfrau. Diesen Herbst hat sie erfolgreich

abgeschlossen.

«Das war eine tolle

Ausbildung», sagt Michelle

Altoè. «Wir erhielten

Einblick in die

ganze Palette der HR-

Aufgaben: zum Beispiel

in Personalentwicklung,

Arbeits recht, Sozialversicherung,

Kommunikation, Psychologie und internationales

HR. Und die Ausbildung war sehr

praxisbezogen.» Die HR-Fachfrau erlebte

die Zeit als intensiv. Sie arbeitete zwischen

80 und 90 Prozent, besuchte am Freitag von

15 Uhr bis 21.30 Uhr die Kurse und musste

neben Job und Präsenzzeit auch einiges an

Vor- und Nachbereitungsarbeit leisten.

«Das HR hat mich angesprochen,

weil man

mit verschiedenen

Menschen zu tun hat»

Am Kinderspital ist sie zwar immer

noch als Sachbearbeiterin angestellt.

Aber sie hat auch einige HR-Aufgaben

übernommen. So selektioniert und betreut

sie zum Beispiel die Pflegepraktikantinnen

und -praktikanten. Zudem ist

sie Ansprechperson für die KV-Lernenden.

Sie macht Einsatzpläne und ist in

Kontakt mit dem Mittelschul- und Berufsbildungsamt.

Das HR gefällt

ihr, «weil man mit so

vielen unterschiedlichen

Menschen zu

tun hat». Da sie bei

ihrem jetzigen Arbeitgeber

keine qualifizierte

HR-Stelle in Aussicht hat,

kündigte Michelle Altoé auf Ende Februar.

Sie wird Südamerika bereisen und

eine Sprachschule besuchen. Danach

will sie sich in einer Personalabteilung

bewerben. Sie ist zuversichtlich, dass sie

einen Job findet. «Ich bin offen und gespannt,

wo mich mein Weg hinführen

wird.» mur

■ Vor drei Jahren entschloss sich Michel

Eichenberger für eine Weiterbildung als

Wirtschaftsinformatiker an der höheren

Fachschule für Wirtschaftsinformatik

(HFWI). Nach rund 20-jähriger Tätigkeit

in der Telekombranche wollte er einen

konkreten Richtungswechsel in den Bereich

ICT unternehmen. Dazu hatte er

eine geeignete Weiterbildung gesucht und

in diesem berufsbegleitenden Studium

gefunden. «In der Überzeugung, dass unser

Leben zukünftig noch stärker von der

Informatik geprägt sein wird, wollte ich

eine fundierte Ausbildung

und keine

Schnellbleiche in Angriff

nehmen.» Heute

nun ist er frisch diplomiert

und mehr

noch: Er hat als Ältester

seiner Klasse mit

dem besten Ergebnis abgeschlossen. Das

habe ihn schon ziemlich erstaunt, sagt er

und schliesst daraus, dass man offensichtlich

auch in dieser Generation durchaus

zu solchen Leistungen fähig ist.

Während der ersten Phase der sechssemestrigen

Weiterbildung war er in

einem Grosskonzern tätig. Gerne hätte

er sein Arbeitspensum reduziert. Dies

wurde zwar bewilligt aber nicht wirklich

«Ich freue mich sehr,

nun möglichst vieles aus

der Theorie in die Praxis

umzusetzen.»

unterstützt. Und so kam es denn auch,

dass sein Job rund ein Jahr später einer

Umstrukturierung zum Opfer fiel. Nicht

zum ersten Mal in seiner beruflichen

Laufbahn stellte er fest, dass in den Unternehmen

zwar viel von Weiterbildung die

Rede ist, aber nicht viel geboten wird,

wenn es um konkrete Unterstützung geht.

Aus dieser Einsicht hat er die Konsequenzen

gezogen und bezahlt mittlerweile

seine Weiterbildungen konsequent

selber. «Dies hat den Vorteil, dass man

sich unabhängig und ohne Erwartungsdruck

auf eine Weiterbildung

konzentrieren

kann.»

Es dauerte nicht

lange bis zu seiner

nächsten Anstellung.

Bei seinem neuen Arbeitgeber

konnte er

problemlos 80 Prozent arbeiten und er

spürte, dass da eine Kultur herrschte, die

dem Anspruch an die Work-Life-Balance

endlich gerecht wurde. Den freien Tag investierte

er ins Lernen. Klar verzichtete er

auch auf manches: unabhängige Ferienplanung,

praktisch kein freies Wochenende

ohne Prüfungsdruck oder einen unbeschwerten

Abend im Ausgang. All das

empfindet er aber als unbedeutend. «Die

Michel Eichenberger (46) – Projektleiter in

einem Informatikunternehmen. Absolvent

der Ausbildung zum diplomierten Wirtschaftsinformatiker

HF.

grosse Herausforderung ist, dass es in der

Partnerschaft trotzdem gut weiterläuft,

wenn einer der beiden Partner so stark absorbiert

ist.»

Michel Eichenberger hat eine technische

Grundausbildung, bildete sich danach

kaufmännisch weiter, besuchte einen

Kaderkurs und absolvierte den

Marketingplaner. In nächster Zeit will er

sich voll auf sein Engagement im ICT-Bereich

an seinem Arbeitsplatz konzentrieren.

«Ich freue mich sehr, nun möglichst

vieles aus der Theorie in die Praxis umzusetzen.»

Als krönender Abschluss seines

Ausbildungsspektrums wäre ein entsprechendes

Nachdiplomstudium an einer

Fachhochschule Teil seines Ehrgeizes. tj

context 11 – 2011


32

Beruf und Bildung

■ Im Mai hat Martin Niederberger die höhere

Fachprüfung für Experten in Rechnungslegung

und Controlling mit der

Bestnote 5.5 abgeschlossen. «Es war

schon auch etwas Glück dabei», kommentiert

der 34-Jährige das Resultat bescheiden,

der die Weiterbildung bei der Controller

Akademie gemacht hatte. Dass er

diese Prüfung absolvieren wollte, war

schon klar, als er sich

vor ein paar Jahren

auf die Berufsprüfung

im Finanz- und

Rechnungswesen vor -

bereitete. Im Unterschied

zur Berufsprüfung,

wo es mehr um

das Handwerk der Buchhaltung ging,

hätten jetzt bei der höheren Fachprüfung

die praktischen Erfahrungen einen viel

grösseren Stellenwert eingenommen.

«Das breite Wissen, das ich mir in den

vergangenen Berufsjahren angeeignet

hatte, kam mir dabei zugute», sagt er.

Niederberger ist seit elf Jahren bei

fenaco tätig, einem genossenschaftlich

organisierten Unternehmen der Schweizer

Landwirte. Der Arbeitgeber hat ihn

«Es war einfach ein

glückliches Zusammenspiel

von Weiterbildung

und Karriere.»

grosszügig unterstützt. Er übernahm 80

Prozent der Kosten und stellte ihm im

Laufe der fünf Semester 15 Tage fürs Lernen

zur Verfügung. Bereits im letzten

Herbst wurde klar, dass er befördert

würde. Das wirkte sich positiv auf seine

Motivation aus, eine Beförderung sei

ursprünglich aber nicht ausschlaggebend

gewesen, diesen Effort auf sich zu

nehmen. «Es war einfach

ein glückliches

Martin Niederberger (34) – Leiter LANDI-

Treuhand bei fenaco. Absolvent der höheren

Fachprüfung für Experten in Rechnungslegung

und Controlling.

Zusammenspiel von

Weiterbildung und

Karriere.» Am 1. Mai

übernahm er in seiner

neuen Funktion

als Leiter LANDI-

Treuhand ein 7-köpfiges Team. Da sei ihm

bewusst geworden, dass er sich zwar mittlerweile

sehr viel Fachwissen angeeignet

habe, aber keine Führungsqualitäten.

Dies holte er in einem 10-tägigen internen

Lehrgang nach.

Niederberger ist verheiratet und hat

zwei kleine Kinder. Eigentlich hätte er vorübergehend

sein 100-Prozent reduzieren

wollen, doch liess sich das nicht realisieren.

Dass neben Beruf, Familie und Weiterbildung

nichts anderes mehr Platz

hatte, versteht sich von selbst. Hin und

wieder traf er sich mit einer Kollegin und

einem Kollegen, um sich mit dem Lernstoff

zu befassen und sich auf die Prüfungen

vorzubereiten. Doch mehr noch als

um den Lerninhalt ging es bei diesen Treffen

um gegenseitig moralische Unterstützung.

Freude an der Materie, einen starken

Willen und Motivation bezeichnet

Niederberger als wichtige Voraussetzungen

für diese anspruchsvolle Weiterbildung.

tj

Ursina Thöni (32) – zuständig für das Customer

Relationship Management beim KV

Schweiz. Absolventin der Ausbildung zur

Betriebswirtschafterin HF.

■ Ursina Thöni hat auf einer Gemeinde das

KV gemacht. Dies bot ihr ein breites Tätigkeitsfeld,

von der Einwohnerkontrolle

über verschiedene administrative Arbeiten

bis zu Steueraufgaben. Danach wechselte

die Bündnerin in eine Produktionsfirma

für Verpackungs- und Büromaterial.

Dort war sie zuständig für die Auftragsbearbeitung,

die Pflege des Kundenstamms

und die telefonische Kundenbetreuung.

Nach einigen Jahren suchte Ursina

Thöni eine neue Herausforderung. Über

die SKS Schweiz AG suchte sie eine neue

Stelle. Offenbar hat die Bewerberin damals

einen überzeugenden Eindruck hinterlassen.

«Sie haben mich gleich als Sekretariatsleiterin

eingestellt», erinnert sie

sich. Zu ihren Aufgaben gehörte das Führen

der Buchhaltung, die Fakturierung

der temporär vermittelten Personen wie

auch alle anfallenden administrativen

Arbeiten.

Bevor sich Ursina Thöni für eine Weiterbildung

entschied, wechselte sie nochmals

die Stelle. Sie ging zu den Woodtli

Schulen, wo sie verantwortlich war für die

Ausbildungslehrgänge für Medizinische

Praxisassistentinnen. «Ich unterstützte die

Rektorin bei der Ausarbeitung der Stundenpläne,

organisierte Prüfungen, übernahm

sämtliche Sekretariatsarbeiten und

betreute Lernende

und Dozierende.»

Nun wollte die

Kauffrau ihr breites

praktisches Wissen

vertiefen. «Ich hatte

in meinen Jobs viel

Erfahrung in ganz

unterschied lichen

Bereichen gesammelt

und entschied mich für eine Generalistenausbildung.»

Ursina Thöni schrieb

sich am Schweizerischen Institut für Betriebsökonomie

SIB ein und bildete sich

berufsbegleitend zur Betriebswirtwirtschafterin

HF weiter. Gleich zu Beginn

der Weiterbildung wechselte sie ins Marketing

von KV Schweiz.

«Meine Aufgaben haben

sich verändert, vom eher

Administrativen zu

mehr konzeptioneller

und Projektarbeit.»

Das Studium am SIB hat sie in guter

Erinnerung. «Die Ausbildung vermittelt

ein breites und umfassendes betriebswirtschaftliches

Wissen. Die Handlungsfelder

wie Unternehmensführung, Personalwesen,

Marketing oder Finanzierung

und Investition werden sehr praxisbezogen

unterrichtet und durch Reflexionsarbeiten

laufend mit den eignen Erfahrungen

im geschäftlichen Alltag verknüpft.

Während der Weiterbildung hatte ich die

Gelegenheit, Personen aus verschiedenen

Branchen kennen zu lernen und mich

auszutauschen.»

Ursina hat ihre

Weiterbildung vor einem

Jahr abgeschlossen.

Die erworbenen

Kompetenzen

kann sie an

ihrer jetzigen Stelle

im Marketing gut anwenden.

«Meine Aufgaben

haben sich

verändert, vom eher Administrativen zu

mehr konzeptioneller und Projektarbeit.»

Sie ist zuständig für das Customer Relationship

Management CRM – und motiviert

für das nächste Studium. Im Februar startet

sie mit einem MAS CRM an der Zürcher

Hochschule für Angewandte Wissenschaften

in Winterthur. mur

context 11 – 2011


Alle KV-Mitgliedervorteile auf einen Blick

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34

Leben

context 11 – 2011


Vorbildliche Fernstudentin

35

Thuy Thuy Anh Huynh-Le, 28, ist für ihre vorbildliche Weiterbildungsbiografie

ausgezeichnet worden. Die Vietnamesin hat in der Schweiz das KV gemacht, arbeitet

als Sachbearbeiterin im Rechnungswesen und studiert momentan Betriebsökonomie.

Text Andrea Mašek/Foto Elena Monti

Eigentlich wollte Thuy Thuy Anh

Huynh-Le ursprünglich Elektroingenieurin

werden. Die Vietnamesin – 1983

geboren und aufgewachsen im Süden des

Landes – nahm nach dem Gymnasium

deshalb ihr Studium an der Universität

auf. «Dieses Fach hat mich fasziniert»,

sagt sie, «obwohl es total in Männerhand

ist.» An der Universität seien sie nur eine

Handvoll Frauen auf circa hundert Männer

gewesen.

Doch dann kam ein Mann dazwischen

– ihr heutiger Ehemann. Er ist

ebenfalls gebürtiger Vietnamese, aber in

der Schweiz aufgewachsen. Für ein Praktikum

weilte der angehende Arzt zu Beginn

des Jahrtausends allerdings in seiner

Heimat. Den Stage absolvierte er in

derselben Universität, wo Thuy Thuy Anh

Huynh-Le studierte. So haben sie sich

kennengelernt. «Das Lustige daran ist, es

hat sich später herausgestellt, dass meine

beste Freundin seine Cousine ist», meint

Huynh-Le schmunzelnd.

Zuerst Kulturschock

Bald einmal sah sich die junge Vietnamesin

vor die Entscheidung gestellt: In ihrem

Land bleiben, die Ausbildung fertig

machen oder ihrem Freund in die Schweiz

folgen. Sie hat es sich lange überlegt.

«Doch die Liebe war grösser als alle Bedenken»,

sagt sie und: «Ich habe alles rosa

gesehen.» So folgte Thuy Thuy Anh

Huynh-Le ihrem Ehemann im Jahr 2005

in die Schweiz, nachdem das junge Paar

noch «inoffiziell» in Vietnam geheiratet

hatte.

Anfangs wohnten die beiden in Reinach

im Kanton Baselland – und heirateten

dann auch standesamtlich. Später zügelten

sie nach Münchenstein, etwas näher

an die Stadt Basel heran.

Für die junge Vietnamesin, sie war damals

erst 22 Jahre alt, waren die ersten

Monate sehr schwer. Die Schweizer Kultur

unterscheide sich enorm von der vietnamesischen,

erklärt sie: «Vietnam ist viel

offener. Dort lebt man förmlich auf der

Strasse. Abends geht man spazieren, und

die Restaurants und Cafés sind immer

voll.» Hier in der Schweiz, unter anderem

bedingt durch das andere Klima, gehe

man nicht so viel in den Ausgang und sei

in jeder Beziehung viel privater.

Exaktes Arbeiten

An das Wetter und völlig fremde Klima

musste sich Thuy Thuy Anh Huynh-Le

auch erst gewöhnen. «Bei uns in Vietnam

ist es immer warm, selbst in der Regenzeit.

Hier in der Schweiz erlebte ich zum ersten

Mal vier Jahreszeiten. Und ich sah

zum ersten Mal Schnee. Der war superschön»,

schwärmt sie.

Was ihr sonst noch gut gefällt? Die

Pünktlichkeit der Schweizerinnen und

Schweizer, antwortet sie, ohne gross

überlegen zu müssen. Sie lobt weiter, dass

alle Arbeiten sehr exakt ausgeführt werden

und sich die Menschen an Prinzipien

halten. «Sie geben gute Vorbilder für ihre

Kinder ab.»

Ganz am Anfang hatte Thuy Thuy Anh

Huynh-Le furchtbar Heimweh. Sie vermisste

ihre Familie sehr. Sie habe sich

völlig alleine gefühlt. Sie kannte niemanden

– ausser ihren Mann und dessen Familie.

Sie hatte keine Ausbildung und keinen

Beruf. «Wie sagt man bei Ihnen so

treffend: Aller Anfang ist schwer», sagt

Huynh-Le lächelnd.

«Als Kauffrau stehen mir sehr viele Wege und

Möglichkeiten offen. Inbesondere in einem Land

der Dienstleistungen, wie es die Schweiz ist.»

Sofort Deutsch lernen

Schnell realisierte sie, dass das Wichtigste

ist, Deutsch zu lernen. Nur wer die

Sprache beherrsche, könne sich richtig

integrieren, sagt sie. Also belegte sie

Deutschkurse an der Deutschschule SKK

und danach am NSH Bildungszentrum in

Basel. Inzwischen spricht sie nicht nur

sehr gut Deutsch, sie versteht auch

Schweizerdeutsch.

Dies hat ihr den Weg zu den Schweizerinnen

und Schweizern geebnet. Die

junge Frau berichtet: «Man sagte mir, die

Schweizer seien sehr verschlossen. Ich

finde, dies trifft nicht zu. Ich habe sehr

viele gute Freunde gewonnen.»

Nur Deutsch zu lernen, genügte Thuy

Thuy Anh Huynh-Le jedoch nicht. Die Vietnamesin

wollte gerne weiterstudieren.

Sie musste jedoch erfahren, dass ihre Matura

in der Schweiz nicht anerkannt

wurde. Sie hätte das Gymnasium nachholen

müssen. Dies wollte sie jedoch nicht.

Da entdeckte sie, dass es an der NSH auch

eine Ausbildung zur Kauffrau gibt. «Für

mich war schnell klar, das ist etwas für

mich. Als Kauffrau stehen mir sehr viele

Wege und Möglichkeiten offen. Insbesondere

in einem Land der Dienstleistungen,

wie es die Schweiz ist.»

Sie sah sich damals auf einer Bank

oder im Handel. Und landete bei einer sozialen

Institution, beim K5, dem Basler

Kurszentrum für Deutsch- und Integrationskurse.

Das war jedoch kein Zufall.

Dort hatte sie vor ihrer KV-Ausbildung einen

Verkaufskurs besucht und anschlies-

context 11 – 2011


36

Leben

send ein Praktikum in einer Coop-Filiale

in Basel gemacht. Als es darum ging, eine

Praktikumsstelle für ihre KV-Ausbildung

zu suchen, klopfte sie deshalb beim K5 an

– und erhielt die gewünschte Stelle.

«Junge Leute in meinem Alter gehen oft in den Ausgang,

amüsieren sich. Ich bleibe halt zu Hause und lerne.»

insgesamt neun Semester. Grösstenteils

absolviert sie die Ausbildung im Selbststudium,

ist im Online-Kontakt mit den

Dozierenden. Alle zwei Wochen muss sie

aber zum Präsenzunterricht: Zu ihrem

Glück in Basel – und wieder einmal an der

NSH.

Vergleichen mit ihrem Studium in Vietnam

möchte Thuy Thuy Anh Huynh-Le

dies nicht. Damals sei es ein Vollzeitstudium

gewesen, jetzt ein Fernstudium, das

sei schwierig zu vergleichen. Sie bestätigt

allerdings, es sei hart zu arbeiten – sie hat

im K5 einen 80-Prozent-Job – und gleichzeitig

daneben zu studieren. «Junge Leute

in meinem Alter gehen oft in den Ausgang,

amüsieren sich. Ich bleibe halt zu Hause

und lerne. Ich muss zwar auf vieles verzichten,

aber es lohnt sich.»

Vorliebe für Zahlen

Obwohl sie zu dieser Zeit schon einigermassen

gut Deutsch konnte, hatte sie in

der Schule ein paar Schwierigkeiten. «Die

Lehrer waren aber sehr nett und verständnisvoll.

Ich konnte immer nach dem Unterricht

zu ihnen und Sachen klären, die

ich nicht ganz verstanden hatte.» Probleme

hatte sie vor allem mit den Sprachen.

Deutsch war nach wie vor eine Fremdsprache

für sie. Und Französisch war für

sie absolutes Neuland. Sie hatte nie vorher

Lektionen gehabt. Aber auch hier

konnte sie auf ihre Lehrerin zählen. Viel

besser lief es Thuy Thuy Anh Huynh-Le in

den Rechnungs- und Wirtschaftsfächern.

«Ich kann es gut mit Zahlen», sagt sie.

Glücklich fühlte sich die Vietnamesin

im Praktikum im K5. «Mir gefiel es, für einen

sozialen Verein zu arbeiten.» Anfangs

wurde sie am Empfang eingesetzt. Dort

musste sie auch Kundinnen und Kunden

am Telefon beraten und die richtigen

Kurse für sie aussuchen. Danach arbeitete

sie im Rechnungswesen: Sie schrieb

Rechnungen und Mahnungen, erledigte

Kontierung und Verbuchungen und half

ihrer Chefin jeweils am Monatsende mit

den Abrechnungen und bei der Jahresrechnung.

Gute Unterstützung

Dieser zweite praktische Teil der KV-Ausbildung

hat ihr viel besser gefallen. Sie

mochte den Kundenkontakt. «Es waren ja

alles Ausländerinnen und Ausländer wie

ich. Ich verstand ihre Anliegen.» Einerseits

handelte es sich dabei um Privatpersonen,

die sich für Kurse anmeldeten. Andererseits

schickten Kantone, Gemeinden

und Arbeitsämter Personen ins K5.

Während des Praktikums habe sie ihr

Deutsch enorm verbessert, blickt Thuy

Thuy Anh Huynh-Le zurück. Im Juni dieses

Jahres machte sie dann ihren KV-Abschluss

– und konnte im K5 bleiben.

Heute arbeitet sie als Sachbearbeiterin im

Finanz- und Rechnungswesen. «Im Prinzip

mache ich das Gleiche wie während

des Praktikums, doch habe ich mehr Verantwortung

und arbeite selbstständiger.»

Im Team von rund 15 Personen fühlt

sie sich sehr wohl. Dazu sind beim K5

noch rund 50 Dozierende und Betreuerinnen

der Kinderkrippe tätig. «Wir sind

ein Superteam», sagt die junge Frau. Sie

habe sich immer gut unterstützt gefühlt

von ihren Kolleginnen, meint sie. Gleiches

sagt sie von den Behörden.

Auf viel verzichten

Noch während der KV-Ausbildung hat die

rührige Vietnamesin ein Studium aufgenommen:

An der Fernfachhochschule

studiert sie Betriebsökonomie, nun ist sie

bereits im dritten Semester. Sie peilt einen

Bachelor-Abschluss an. Das bedeutet

Die Familie fehlt ihr

Hin und wieder nimmt sie sich dennoch

einen Kinobesuch heraus. «Die 3D-Filme

gefallen mir besonders gut», sagt sie begeistert.

Gerne erinnert sie sich an den

Film «PS: Ich liebe dich». Das sei auch das

erste Buch gewesen, das sie auf Deutsch

gelesen habe, auf Empfehlung ihrer Lehrerin.

Überhaupt ist Thuy Thuy Anh Huynh-

Le eine eifrige Leserin. «Alle ein bis zwei

Jahre fliege ich einmal nach Vietnam in

die Ferien und kaufe dort viel vietnamesische

Literatur. Vor allem Romane.»

Die Besuche in der Heimat stimmen

sie meist etwas traurig. Der Abschied fällt

ihr jeweils schwer. «Beim ersten Mal, als

ich nach einem Jahr zurückkehrte, war es

besonders schlimm.» Jetzt fahre sie aber

gerne in die Schweiz zurück. Trotzdem,

ihre Familie, die Eltern und die zwei

Schwestern fehlen ihr sehr. «In Vietnam

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context 11 – 2011


37

leben wir als Familie eng zusammen.

Wir sind uns sehr nahe. Man sieht sich

praktisch täglich und am Wochenende

kocht meine Mutter immer für die ganze

Familie.»

Traum von Selbstständigkeit

Auch Thuy Thuy Anh Huynh-Le liebt es zu

kochen. Bei ihr kommen in erster Linie vietnamesische

Spezialitäten auf den Tisch.

Allen voran gibt es bei ihr Nudelsuppe, ein

traditionelles Gericht in ihrer Heimat, sowie

Sommerrollen. Die seien nicht zu verwechseln

mit den hier besser bekannten

chinesischen Frühlingsrollen. Sommerrollen

werden aus Glasnudeln hergestellt,

gekocht und nicht frittiert. Gefüllt sind sie

mit Crevetten, Gemüse oder fein geschnittenem

Fleisch. «Ich bereite auch viele

Wok-Gerichte zu, dazu gehört immer Gemüse

und Fleisch.» Die Fischsauce ist in

der vietnamesischen Küche sehr wichtig.

Sie zählt noch viele weitere exotische Zutaten

auf, die das vietnamesische Essen

besonders schmackhaft machen. Nicht

alle allerdings bekommt sie hier.

Vielleicht ist das der Grund, wieso

Thuy Thuy Anh Huynh-Le davon träumt,

ein Geschäft mit vietnamesischen Delikatessen

zu eröffnen. Oder ein Restaurant.

Nein, doch eher einen Laden, sagt sie.

Vorerst aber sieht die junge Vietnamesin

ihre Zukunft im K5. So ist es logisch, dass

sie für ihren Bachelor höchstwahrscheinlich

die Fachrichtung Banking/Controlling/Rechnungswesen

wählen wird. Sie

zieht dies den Human Resources und

dem Marketing vor.

Obwohl, als eine ihrer Stärken bezeichnet

sie die Kontaktfreudigkeit. Doch

sie gibt auf der anderen Seite zu, etwas

empfindlich zu sein. Sie sagt dazu: «Ich

muss lernen, nicht alles persönlich zu

nehmen.» Menschen wie sie brauchten

dann auch länger, um sich von Verletzungen

zu erholen.

Ehemann als Vorbild

Hat sie es je bereut, ihr Land, ihre Familie

und ihr Studium verlassen zu haben

und in die Schweiz gezogen zu sein?

«Nein, es war die richtige Entscheidung.

Genau wie die kaufmännische Ausbildung.»

Sie möchte deshalb anderen Immigranten

und Immigrantinnen Folgendes

auf den Weg geben: «Es braucht Mut,

Fleiss, Motivation und viel Herzblut, dann

schafft man es.» Thuy Thuy Anh Huynh-

Le überlegt einen Moment und sagt, wenn

man etwas unbedingt wolle, erreiche

man es. «Selbst wenn nicht, soll man es

auch nicht bedauern, denn man hat sein

Bestes gegeben.»

Sie selber könne sich sehr gut motivieren,

meint sie. Dies dank ihrer Familie,

ihrem Mann und dessen Familie. Letztere

hätten die Probleme von Immigranten bereits

gekannt und ihr helfen können, aber

auch als Vorbilder gedient. «So dachte ich

mir, was mein Mann kann, kann ich auch.»

Für ihren Fleiss, Ehrgeiz und ihre Motivation

sowie für ihre Bemühungen, ihre

Ziele zu erreichen, ist Thuy Thuy Anh

Huynh-Le kürzlich vom Lernfestival geehrt

und mit einem Award ausgezeichnet

worden. Ihre Weiterbildungsbiografie sei

beispielhaft, befand die Jury. Sicher hat

der jungen Vietnamesin dabei auch geholfen,

dass sie gerne alles sorgfältigst

plant.

Somit ist sie schon fast eine Schweizerin.

Und sie liebt Schoggi und zählt Raclette

zu ihren Lieblingsspeisen. Sie lacht

laut, als sie dies erzählt. «Als Vietnamesin

kannte ich Käse nicht und Raclette schon

gar nicht. Anfangs mochte ich deshalb

weder Käse noch Raclette.» Schwer beeindruckt

war sie aber von Beginn weg von

den sauberen Strassen. Und obwohl sie

das Meer vermisst – sie ist am Wasser

gross geworden – sind ihr die «schönen

Schweizer Landschaften» inzwischen

auch sehr ans Herz gewachsen.

Andrea Mašek ist Context-Redaktorin.

andrea.masek@kvschweiz.ch

Elena Monti ist Fotografin in Basel.

moel@moel.ch

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context 11 – 2011


38

Ratgeber

Büroalltag

Wie kann ich mein Ziel

erreichen?

Bildung

Kann ich mich ohne Lehrabschluss

weiterbilden?

Mein erklärtes Ziel ist: Ich will einfach nicht

mehr diesen Stress im Beruf haben! Wie kann

ich das erreichen?

Bei der Formulierung eines Zieles gilt es

zu unterscheiden zwischen einer Idee oder

einem Wunsch und einem wirklichen Veränderungsziel.

> Um eine Veränderung zu erreichen, sollten

Sie SMART vorgehen.

> SMART steht dafür, wie Sie Ihre Ziele setzen

sollten:

> Spezifisch: Das Ziel sollte möglichst genau

formuliert sein. Nicht was Sie nicht mehr

wollen, sollten Sie festhalten, sondern was

genau Sie erreichen möchten.

> Messbar: Wie werden Sie erkennen, dass

Sie das Ziel erreicht haben? Je überschaubarer

und messbarer das Ziel, desto grösser

ist das Erfolgserlebnis. Mit einer Skala

von 1 bis 10 könnten Sie einschätzen, wie

hoch ihr Stresspegel gerade ist. Wohin auf

der Skala zielen Sie? Was wäre für Sie gut

genug?

> Ausführbar: «Einfach weniger Stress haben»

ist ein Wunsch, auf den Sie wenig

Einfluss haben. Besser wäre ein Ziel, das

Sie mit konkreten Massnahmen selbstständig

und ohne auf andere angewiesen

zu sein erreichen können.

> Realistisch: Was ist schon realistisch? Darf

man nicht träumen? Doch, aber dann

sollte man klare realistische Pläne fassen

und dadurch die Träume wahr machen.

> Terminiert: Machen Sie einen realistischen

Zeitplan mit Zwischenschritten,

also mit möglichst kleinen Teilzielen. Einige

davon sollten am besten schon am

nächsten Tag erreichbar sein.

Vorschläge für smarte Teilziele:

> Morgen werde ich zweimal 10 Minuten

Pause einschalten.

> Morgen nehme ich mir über Mittag mindestens

60 Minuten arbeitsfreie Zeit.

> Morgen erstelle ich mir als Erstes eine realistische

To-Do-Liste und streiche alles

Erledigte ab.

> Morgen nehme ich keine Arbeit nach

Hause.

Sie können darauf vertrauen: Kleine Verhaltensänderungen

setzen einen Prozess in

Gang. Der Weg beginnt mit den ersten

Schritten.

Carla Weber

arbeitet als

Psychologin beim

KV Schweiz.

Von Arbeitskolleginnen im Büro habe ich

gehört, dass Leute ohne Lehrabschluss keine

Weiterbildungen machen können, die zu

einem «richtigen» Titel führen. Stimmt das?

Diese Meinung ist nur halbwegs korrekt.

Richtig ist: Wer ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis

(EFZ) in der Tasche hat (zum

Beispiel mit dem Lehrabschluss Kaufmann/

Kauffrau oder früher kaufm. Angestellte/r),

dem stehen die Türen zu den eidgenössisch

anerkannten Abschlüssen wie Fachausweis

und Diplom offen. Auch mit dem EFZ wird

allerdings immer einschlägige Praxis vorausgesetzt.

Das heisst, dass Sie sich im

jeweiligen Bereich (Personal- oder Rechnungswesen,

Marketing usw.) bereits über

berufliche Erfahrung ausweisen können.

Richtig ist aber ebenso: Auch ohne Lehrabschluss

sind die Weiterbildungswege

nicht verbaut. Die «Bildungsphilosophie» ist

glücklicherweise zunehmend bestimmt von

der sogenannten «Durchlässigkeit» und der

Anerkennung von Lernleistungen, für die

sich der KV Schweiz stark einsetzt. Ausserhalb

des Hochschulbereichs bedeutet das

etwa, dass nicht nur formale Abschlüsse wie

ein Fähigkeitszeugnis, sondern auch berufspraktisch

erworbene Erfahrungen ihren

Wert erhalten, wenn es um den Zugang zu

weiterführender Bildung mit eidgenössisch

anerkannten Abschlüssen und geschützten

Titeln geht.

Gerade im kaufmännischen Bereich

gibt es darum zahlreiche Berufsprüfungen

(Fachausweise), die auch mit einem Berufsattest

(fürs KV: Büroassistent/in) oder ganz

ohne schulische KV-Vorbildung zugänglich

sind – mit entsprechender Berufserfahrung

(und teilweise mit Zulassungsprüfungen).

Ohne EFZ sind bespielsweise die Fachausweise

in Marketing, PR, Kommunikation

oder Verkauf zugänglich (3 Jahre Facherfahrung),

im Immobilienbereich (4 Jahre,

davon 2 im Fachgebiet), in Logistik, Organisation

usw. Im Laufbahn-Standardwerk

«KV – was nun?» sind die Voraussetzungen

detailliert aufgelistet (für KV-Mitglieder

zum Vorzugspreis zu beziehen). Mehr dazu

erfahren Sie auch über die Trägerschaften

dieser Prüfungen.

www.kvschweiz.ch/weiterbildung

Ralf Margreiter

Stabsstelle

Bildungspolitik

KV Schweiz

context 11 – 2011


Recht

Habe ich im Konkursfall

Anspruch auf Lohn?

Jugend

Was ist eine

Bestätigung wert?

39

Der Betrieb, für den ich in den vergangenen

Jahren gearbeitet habe, ist am 1. Oktober dieses

Jahres in Konkurs geraten. Bereits im Juli

wurde der Belegschaft auf Ende September

gekündigt. Da die Arbeitnehmer seit August

kein Salär mehr erhalten haben, möchte ich

wissen, ob ich noch die Möglichkeit habe,

etwas vom August- und Septemberlohn zu

bekommen. Ausserdem haben wir jeweils

Ende Jahr einen 13. Monatslohn erhalten.

Wie steht es um diesen Anspruch?

Felix Kuster

arbeitet beim

Rechtsdienst

des KV Schweiz.

Ich habe eine mündliche Zusage bekommen

für eine Lehrstelle ab Sommer 2012. Jetzt

muss auch ich noch sagen, ob ich die Lehrstelle

möchte. Die Firma schickt mir dann

eine schriftliche Bestätigung. Den Lehrvertrag

werde ich aber erst im nächsten Jahr erhalten.

Meine Kollegen, die schon eine Lehrstelle

gefunden haben, sind bereits im Besitz

des schriftlichen Vertrags. Muss ich Angst haben,

dass die Firma mich dann doch nicht

nimmt?

Andrea Ruckstuhl

ist Ressortleiter

Jugend beim

KV Schweiz.

In einem Konkurs entscheidet die Konkursverwaltung

über die angemeldeten

Forderungen und erstellt einen sogenannten

Kollokationsplan. Dieser enthält eine

Rangordnung, die sich nach Art. 219 SchKG

(Bundesgesetz über Schuldbetreibung und

Konkurs) richtet. Gemäss dieser Bestimmung

werden aus den im Konkursverfahren

angemeldeten Forderungen drei Gläubigerklassen

gebildet, wobei mit dem

Konkurserlös zuerst die Forderungen der

Gläubiger der ersten Klasse gedeckt werden.

Können alle Forderungen der Erstklassgläubiger

befriedigt werden, kommen die

Gläubiger der zweiten Klasse zum Zug, zuletzt

die Gläubiger der dritten Klasse.

Die Forderungen des Arbeitnehmers,

die in den letzten sechs Monaten vor der

Konkurseröffnung entstanden sind, werden

der ersten Klasse zugeschrieben. Man nennt

sie deshalb privilegierte Forderungen. Die

übrigen Forderungen des Arbeitnehmers

sind der dritten Klasse zuzuordnen.

Innerhalb der sechsmonatigen Frist vor

der Konkurseröffnung sind in Ihrem Fall die

Lohnforderungen für die Monate August

und September entstanden. Diese sind deshalb

in die erste Klasse aufzunehmen. Was

den 13. Monatslohn anbelangt, geht man

davon aus, dass mit jedem gearbeiteten

Monat 1/12 des gesamten Anspruchs entsteht.

Für Ihre Forderung bedeutet dies,

dass innerhalb der sechsmonatigen Frist vor

der Konkurseröffnung 6/12 des Anspruchs

entstanden sind. Die entsprechende Lohnsumme

wird der ersten Klasse zugerechnet.

Der anteilmässige Anspruch am 13. Monatslohn

für die Monate Januar bis März gehört

hingegen in die 3. Klasse, da dieser vor Beginn

der sechsmonatigen Frist entstanden

ist.

Üblicherweise erhält man den Vertrag

entweder bereits bei der mündlichen Zusage

im Betrieb oder unmittelbar danach per

Post zugeschickt. Du bist jetzt zwar unter

den Glücklichen, die eine Lehrstelle in Aussicht

haben, aber du hast noch nichts Definitives

in der Hand.

Eine schriftliche Bestätigung ist zwar

eine Absichtserklärung. Sie bestätigt den

Willen des Betriebs, den Vertrag einzugehen.

Aber mehr ist es nicht. Für alle dreioder

vierjährigen Lehren gibt es in der

Schweiz nämlich einen einheitlichen Lehrvertrag.

Dieser muss von der Firma, der/dem

Lernenden und der gesetzlichen Vertretung,

also in den meisten Fällen von Mutter oder

Vater unterschrieben werden. Schliesslich

wird er vom kantonalen Berufsbildungsamt

offiziell genehmigt. Dann gilt er.

Warum also in deinem Fall nur eine

schriftliche Bestätigung? Will sich da die

Firma eine Hintertür offen lassen und sich

zum Beispiel je nach Auftragslage oder

finanzieller Situation kurzfristig noch zurückziehen?

Vielleicht. Vielleicht gibt es

aber auch einen viel einfacheren Grund.

Darum empfehle ich dir, bei der Firma

direkt nachzufragen. Sag am besten ganz

offen, dass du dir Sorgen machst. Du hast

nichts zu verlieren. Je nach Antwort weisst

du dann, woran du bist. Entweder wird klar,

dass die Firma es wirklich ernst meint und

du die Stelle auf sicher hast. Oder dass du

weitersuchen musst, damit du schliesslich

nicht noch ohne Lehrstelle dastehst.

context 11 – 2011


40

KV Aktuell

Kultur geniessen und online einkaufen

Neue Vergünstigungen: Pünktlich zur Vorweihnachtszeit

haben wir unsere Angebotspalette

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profitieren Sie bei unseren neuen

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statt und verzeichnete rund 200 000 Besuchende.

Auf der Bühne standen Schweizer

Unterhaltungsgrössen wie Massimo

Rocchi, das Duo Fischbach oder La Famiglia

Dimitri. Auch im kommenden Jahr hält

DAS ZELT wieder ein kunterbuntes Unterhaltungsprogramm

bereit, das für jeden

Geschmack etwas zu bieten hat.

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bei einem dieser Shops wird Ihnen auf

Ihrem Benutzerkonto der entsprechende

Geldbetrag gutgeschrieben. Diesen kann

man sich anschliessend auf das Bankkonto

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All meetings will be held on Tuesdays

at 8 pm at the KV building. For

any suggestions contact Gaby Felix:

phone 061 228 90 34 or Felix

Schurter: phone 062 868 74 00

Zieglerstrasse einige Schritte weiter

in das alte «Stuckerhaus» an der

Schlösslistrasse 29, gleich hinter

dem heutigen Gebäude gezogen.

Die Telefonnummern und alle

E-Mail-Adressen bleiben unverändert.

RegiON MittellAND

KV AARgau West

Telefon 062 837 65 15

Fax 062 837 65 19

info@kvagwest.ch

www.kvagwest.ch

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Das «Steuerseminar» gibt kurz über

Wichtiges zu den Steuern in Basel-

Stadt und Basel-Landschaft Auskunft

und bietet Gelegenheit, um

Fragen zu stellen. Referenten:

Martin Werdenberg und Anita Kunz,

Steuerverwaltung Basel-Stadt sowie

Erika Thommen, Steuerverwaltung

Basel-Landschaft.

Teil 1: Kurzreferat über Steuersystem,

Steuerpflicht sowie Wichtiges

zur Steuererklärung in den beiden

Kantonen.

Teil 2: Fragerunde.

Kosten: CHF 30.– für KV-Mitglieder,

CHF 80.– für Nichtmitglieder.

Dienstag, 14. Februar im KV Basel,

Aeschengraben 15, Saal 6. Stock,

von 19 bis ca. 21 Uhr.

Pensioniertengruppe

Einladung zum gemütlichen Adventsnachmittag

mit Zvieri. Mittwoch,

7. Dezember um 14 Uhr, im KV

Basel, Saal (6. Stock)

Kosten: KV-Mitglieder CHF 20.–,

Nichtmitglieder CHF 40.–

RegiON BeRN

KV BeRN

Telefon 031 390 60 30

Fax 031 390 60 20

info@kvbern.ch

www.kvbern.ch

Neue Adresse

Die KV-Geschäftsstelle ist an einem

neuen Standort. Wir sind von der

Neue Adresse: Kaufmännischer Verband

Bern, Schlösslistrasse 29,

3008 Bern, Postfach 6976, 3001

Bern.

Vergünstigungen SBB

Die SBB werden die Vergünstigung

für verbilligte Gutscheine auf Ende

2012 streichen. Beachten Sie bitte,

dass wir den Rabatt von 5% letztmals

für Bestellungen gewähren,

die bis spätestens am 30. November

bei uns schriftlich eingehen.

Für Bestellungen, die nach dem

30. November eintreffen, erhalten

Sie nur noch den Rabatt von 2,5%.

Diese Regelung gilt bis Ende 2012.

Danach entfällt die Vergünstigung

ganz.

Weihnachtsferien

Das Sekretariat ist von Freitag, 23.

Dezember bis Freitag, 6. Januar

geschlossen.

Vergünstigungen

SBB-Gutscheine mit 5% Vergünstigung

können bis zum 30. November

bestellt werden und müssen bis am

15. Dezember bezahlt und abgeholt

sein.

Reka-Guthaben 2011 sowie nicht abgeholte

SBB-Gutscheine verfallen.

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Führungsakademie

Telefon 062 837 97 29

www.hkvaarau.ch

context 11 – 2011


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Letzter Bestelltermin für SBB-Gutscheine

mit 5% Rabatt ist Mittwoch,

30. November – der Versand erfolgt

am 14./15. Dezember.

Letzter Bestelltermin für Reka-

Schecks ist Montag, 19. Dezember –

der Versand erfolgt am 21./22. Dezember.

Reka-Guthaben können

nicht auf das nächste Jahr übertragen

werden. Bis 22. Dezember nicht

bezogene Guthaben verfallen ausnahmslos.

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Telefon 032 622 31 21

Fax 032 622 31 56

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Die Seniorinnen und Senioren treffen

sich einmal im Monat zu einem

Anlass mit anschliessendem gemütlichem

Zusammensein. Infos: Kurt

Müller, Telefon 032 622 23 43,

Mobile 079 794 58 04, E-Mail:

kurta.muellerhugi@bluewin.ch

SFW Forum für Weiterbildung,

Solothurn

Telefon 032 624 90 50

Fax 032 624 90 59

info@sfw.ch

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Seminare

> > «Briefe, E-Mail & Co.» mit Thomas

Hilfiker; Mittwoch, 7. Dezember

> > «Die Kunst der konstruktiven

Kritik» mit Joachim Hoffmann;

Freitag, 9. Dezember

> > «Arbeitsplatzorganisation»

mit Darya Haller; Montag,

12. Dezember (1 Vormittag)

> > «Gelassen und selbstbewusst –

im Beruf und privat» mit Joachim

Hoffmann; Freitag, 16. Dezember

(2 Tage)

> > «Outlook – Schaltzentrale Ihrer

Arbeit» mit Willy Knüsel; Dienstag,

17. Januar

> > «Arbeitsplatzorganisation» mit

Darya Haller; Freitag, 27. Januar

(1 Vormittag)

> > «Mit PEP an die Arbeit» mit Willy

Knüsel; Dienstag, 31. Januar

> > «Zielorientierte Mitarbeitergespräche»

mit Peter Bösiger;

Freitag, 24. Februar und

12. März (2 Tage)

> > «Effizienter arbeiten mit MS

Word» mit Lilly Anselmetti;

Mittwoch, 29. Februar

> > «E-Mail Flut – kein Problem » mit

Willy Knüsel; Donnerstag, 1. März

> > «Gelassen und selbstbewusst –

im Beruf und privat» mit Joachim

Hoffmann; Freitag, 2. und 27. März

(2 Tage)

RegiON OstSCHWeiz

KV Ost

Telefon 071 274 36 50

Fax 071 274 36 56

info@kvost.ch

www.kvost.ch

Bewerbungscheck

Ein perfektes Bewerbungsdossier

steigert die Chancen auf dem

Arbeitsmarkt. Der Kaufmännische

Verband Ost bietet neu mit dem Bewerbungscheck

Soforthilfe für Lehr-

41

context 11 – 2011


42

SektiONen

abgänger/innen und junge Berufsleute

in Büro und Verkauf an.

Fachpersonen prüfen das Bewerbungsdossier

und geben Tipps

zur Verbesserung.

Anmeldung für das Einzelgespräch

unter www.kvost.ch/Beratung/Laufbahnberatung

Seminare

Das Seminarprogramm 2012 ist

eingetroffen und kann ab sofort

über seminare@kvost.ch oder per

Tel. 071 274 36 50 bestellt werden.

Freizeitclub 60+

Jahresabschluss-Essen im Aussichtsrestaurant

Scheitlinsbüchel in

St. Gallen; Mittwoch, 14. Dezember

Weitere Infos: telefonisch, E-Mail:

info@kvost.ch oder unter

www.kvost.ch/Veranstaltungen/

Freizeitclub

CelARIS

eine Schule des KV Ost und des

SIB Schweizerisches Institut für

Betriebsökonomie Zürich

Lehrgang

«Personalassistent/in Zertifikatsprüfung»

Start: Montag, 9. Januar

Infoanlässe

> > «Personalassistent/in Zertifikatsprüfung»;

Mittwoch, 18. Januar

> > «HR-Fachfrau / HR-Fachmann mit

eidg. FA»; Mittwoch, 18. Januar

> > «dipl. Leiter Finanzen & Dienste

NDS HF»; Mittwoch, 8. Februar

> > «Fachausweis Rechnungswesen»;

Mittwoch, 8. Februar

Weitere Infos: Telefon 071 272 66 00

oder www.celaris.ch

KV-Ost-Mitglieder erhalten

Vergünstigungen!

RegiON SüDOStSCHWeiz

KV Chur

Telefon 081 254 14 94

kv-sks@spin.ch

www.kvchur.ch

Weiterbildung

KV Chur Mitglieder erhalten 10%

Rabatt für Seminare und Sprachkurse

an der ibW Höhere Fachschule

Südostschweiz. Infos: Daniela

Heinz, Telefon 081 254 14 74

RegiON ZentRAlSCHWeiz

KV LuzeRN

Telefon 041 210 20 44

Fax 041 210 78 50

info@kvluzern.ch

www.kvluzern.ch

Tagesseminare in Luzern

> > «Protokollführung» mit Ignaz

Wyss; Donnerstag, 1. Dezember

> > «Mikropausen» mit Claude Weill,

Montag, 27. Februar, 18 bis 21 h

> > «Rechtliche Probleme rund um die

Beendigung des Arbeitsverhältnisses»

mit Claudia Eugster;

Dienstag, 28. Februar, 8.30 bis

12.30 h

> > «Ablagemanagement» mit

Fabienne Simmen; Montag,

5. März, 8.30 bis 12.30 h

> > «Powernapping über Mittag» mit

Lars Sonderegger; Dienstag,

6. und 13. März, 12.15 bis 13.45 h

> > «Ihrer Stimme Kraft geben» mit

Dana Stratil; Mittwoch, 7. März

> > «Erfolgreich führen» mit Verena

Portmann; Donnerstag und

Freitag, 8. und 9. März

> > «Weniger Stress – Mehr Lebensqualität»

mit Evi Giannakopoulos;

Donnerstag, 8. und 15. März,

18 bis 20.30 h

> > «Einführung in die Motivationspsychologie»

mit Gabriela

Straubinger; Mittwoch, 13. März






























> > «Arbeitszeugnisse – Grundlagen»

mit Edi Class; Freitag, 3. Februar

> > «Selbstbewusst auftreten»

mit Mona Ziegler; Mittwoch,

8. Februar

Abendseminar in Luzern

«Wie ich das Qualifikationsverfahren

erfolgreich bestehe!» mit Mona

Ziegler; Montag, 6. Februar, 18 bis

21.30 h

RegiON

ZüriCH-StADt

KV ZüriCH

Telefon 044 211 33 22

Fax 044 221 09 13

info@kvz.ch

www.kvz.ch

Öffentliche Seminare

Jeweils von 9 bis 17 Uhr, Ausnahmen

werden speziell vermerkt. Weitere

Informationen auf www.kvz.ch.

> > «Mindmapping» mit Barbara

Stauffer; Freitag, 27. Januar

> > «Leben lernen live» mit Rolf Butz

und Henry Goldmann; Donnerstag,

23. Februar, 18 bis 20.30 h

> > «Auftrittskompetenz» mit

Susanne Mouret;

Freitag, 24. Februar

Cercle Français

Notre cercle nous permet de cultiver

le français littéraire et quotidien,

d’approfondir le vocabulaire et la

grammaire, d’apprendre davantage

sur la France géographique, politique,

culturelle et touristique. Toute

personne intéressée à améliorer

ou à entretenir «son français» est

bienvenue dans notre cercle. Chaque

mercredi 18.45 bis 20 h, KVZ,

Kurierstube, Talackerstrasse 34,

8001 Zurich. Contact: hugo.schnurrenberger@tele2.ch,

ou erika.salzmann@gmx.ch,

téléphone 044 462

16 74

Öffentliche Veranstaltung für

Frauen

Klug entscheiden mit Kopf und

Bauch – Wer gute Entscheidungen

trifft, hat mehr vom Leben. Das

wichtigste Hilfsmittel hierzu ist der

eigene Körper. Denn um kluge Entscheidungen

im Alltag treffen zu

können, braucht es mehr als einen

klaren Kopf. Maja Storch, Diplom-

Psychologin und Psychoanalytikerin,

erklärt auf unterhaltsame und

verständliche Art die wissenschaftliche

Theorie und die praktischen

Konsequenzen für den Alltag.

Montag, 12. Dezember, 19 Uhr,

Kaufleutensaal, Pelikanstrasse 18,

8001 Zürich.

Anmeldung an KV Zürich.

context 11 – 2011


FrauenNetz

Grundsätzlich Ganzheitlich – Eine

Fülle von Arzneimitteln stehen uns

heute in der Apotheke zur Verfügung:

von der Homöopathie über

anthroposophische zur chinesischen

Medizin sowie die Phytotherapie

und klassische Schulmedizin.

Welches Mittel ist nun das Richtige?

Dieser Herausforderung stellt sich

Elfi Seiler von der St. Peter Apotheke,

Zürich. Mittwoch, 18. Januar,

18.30 Uhr, Verbandshaus Kaufleuten,

Talacker 34, 8001 Zürich.

Anmeldung an KV Zürich.

Tagesseminare

> > «Effiziente Protokollführung» mit

Daniel L. Ambühl, Praxis für Unternehmenskommunikation;

Dienstag, 28. Februar

> > «Mental- und Intuitionstraining

(6. Sinn)» mit Thomas Frei, Mental-

und Intuitionstrainer;

Donnerstag, 1. März

> > «Rhetorik – selbstbewusst und

sicher auftreten» mit Mona Ziegler,

Mentalcoach und Rhetoriktrainerin;

Dienstag, 6. März

PeRSONen im KV

Carmen Miracola, 41, Leiterin Sekretariat KV Solothurn

43

Ladies’ English Club

All meetings will be held on

Mondays at 6.45 p.m. in the Kurierstube,

First Floor, Talacker 34,

Kaufleuten Building, 8001 Zürich.

Erika Weibel, Phone 044 362 96 13,

www.raccourci.ch/ladies.

Guests are welcome.

Programme December

> > 5 – Christmas Party

No separate notice will be sent!

> > 12 – Christmas Dinner at Restaurant

Glogge-Egge, Glockenhof,

Sihlstrasse 31, 8001 Zurich

Men’s English Club

Meetings held tuesdays at 7 pm unless

otherwise indicated. Meeting

Place: Talacker 54 (First Floor) –

Kaufleuten Building – 8001 Zürich.

Guests are most welcome.

Web page: http://mec.ch.to

Programme December

6 – Tolstoy – the story of a bear

13 – The Stone Spheres of Costa Rica

16 – (Friday) Christmas Dinner

Veteranen- und Senioren-

Vereinigung, KVZ

Einladung zur VSV-Jahresendfeier

am Montag, 19. Dezember um

14.30 Uhr im Kaufleutesaal, Zürich.

(Anmeldung erforderlich)

RegiON ZüriCH-lAND –

SCHAFFHAusen

KV SCHAFFHAusen

Telefon 052 630 78 78

Fax 052 630 78 77

info@kv-sh.ch

www.kv-sh.ch

Sprachkurse und Seminare

Angebote auf der Homepage

igKG SH - Interessengemeinschaft

kaufmännische Grundbildung

«Update für KV-Lehrmeister und

Ausbildungsbeauftragte»;

Freitag, 2. Dezember, 8 bis 17 h

Frauennetz

«Besuch und Führung in der Stadtbibliothek

Münsterplatz»:

Donnerstag, 23. Februar

Senioren Club Kaufleute

«Wasser – Abwasser – Kanalsystem»:

März (Datum folgt)

KV Winterthur

Telefon 052 269 09 09

Fax 052 269 09 08

info@kv-winterthur.ch

www.kv-winterthur.ch

Reka­guthaben

Zur Erinnerung: Reka-Guthaben

können nicht auf das nächste Jahr

übertragen werden. Bis am

23. Dezember nicht bezogene

Guthaben verfallen ausnahmslos.

Weihnachtsferien

Unser Büro bleibt ab Freitag,

23. Dezember ab 15.30 Uhr bis

Dienstag, 3. Januar geschlossen.

Seminare

> > «Besser schreiben – pfiffig und

stilsicher formulieren» mit

Gabriela Baumgartner; Freitag,

9. und 30. März

> > «Schwierige Mitarbeitende –

Herausforderung für Führung

und Team» mit Felix Kobelt;

Freitag 16. März

Was machen Sie für den KV?

Meine Hauptaufgabe als Sekretariatsleiterin

beim KV Solothurn

besteht in der Führung der Mitgliederverwaltung.

Ich erfasse

alle Mutationen, also Eintritte,

Austritte und Adressänderungen.

Daneben beantworte ich telefonische

Anfragen und erledige den

Mail-Verkehr. Zur Sekretariatsarbeit

gehören auch der Verkauf von

Reka-Checks und SBB-Gutscheinen

sowie der Versand von Info-

Schriften an unsere Mitglieder. In

Zusammenarbeit mit dem KV-Vorstand

organisieren wir für unsere

Mitglieder Informationsveranstaltungen

zu aktuellen Themen.

Auch der Versand von Werbebriefen

an alle Lernenden ist ein Teil

meiner Tätigkeit.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Tätigkeit

am besten?

Vor allem die Selbstständigkeit.

Es ist immer spannend, was an

meinen Bürotagen jeweils auf

mich zukommt. Ich arbeite Teilzeit,

und jeder Arbeitseinsatz hat

seine eigene Dynamik. Ich schätze

den Kontakt zu den Mitgliedern.

Oft lerne ich sie sogar persönlich

kennen. Freude bereitet mir die

Arbeit im KV-Vorstand. Wir sind

ein junges Team, das viele gute

Ideen hat.

Was haben Sie vorher gemacht?

Nach der KV-Lehre absolvierte ich

einen dreimonatigen Aufenthalt

in einer Sprachschule in England.

Im Anschluss habe ich in der Uhrenbranche

gearbeitet, meist in

Exportabteilungen. Nach rund 20

Jahren fand ich es an der Zeit,

Neues anzugehen; ich suchte

eine neue Herausforderung. Zu

diesem Zeitpunkt wurde diese

Stelle frei. Dies erfuhr ich von

meiner Schwägerin, die im Vorstand

engagiert ist. Gereizt hat

mich an dieser Stelle, dass ich dadurch

im kaufmännischen Bereich

immer auf dem Laufenden bin.

Davon können dann vielleicht einmal

meine Kinder profitieren.

«Freude bereitet mir die Arbeit im KV-Vorstand.

Wir sind ein junges Team, das gute Ideen hat.»

Was ist Ihnen im Leben sonst

noch wichtig?

Mein Mann und meine acht- und

elfjährigen Kinder. Dann auch

meine Eltern und Geschwister. Ich

gebe viel auf ein harmonisches Familienleben.

Zudem liebe ich unser

Haus und den Garten – für Ersteres

sind mein Mann und ich

zuständig, um letzteren kümmert

sich nur mein Mann. Wichtig ist mir

weiter, gute Freunde zu haben und

diese Freundschaften pflegen zu

können. Mit grösstem Vergnügen

unternehme ich mit meiner Familie

kurze Reisen. Oft zieht es uns in

Richtung Heimat: Ich komme aus

Neapel, mein Mann aus Sizilien.

Aber wir lernen auch gerne andere

Regionen Italiens kennen.

Über wen im Verband möchten

Sie mehr wissen?

Über Christine Mangold, Geschäftsführerin

KV Baselland.

Sie wird in der nächsten Ausgabe vorgestellt

(die Red.).

context 11 – 2011


SektiONen

ImpreSSum

44

> > «Effiziente Protokollführung» mit

Daniel L. Ambühl;

Donnerstag 22. März

KV BildungsgruPPe

SCHWeiz AG

Telefon 079 388 53 40

peter.rueegger@kvbildung.ch

www.kvbildung.ch

Facebook: KV Bildungsgruppe

Schweiz

Standorte

Aarau, Baden, Basel, Bern, Luzern,

Winterthur, Zürich. Über 100 verschiedene

Lehrgänge auf der Informations-

und Buchungsplattform

www.kvbildung.ch. Neu in der Gruppe

ist das zB. Zentrum Bildung –

Wirtschaftsschule KV Baden.

Infoveranstaltungen

Auf www.kvbildung.ch oder

entsprechende Schulwebsite.

Aktuelle Angebote

> > Aarau: Siehe Einträge bei «Region

Mittelland, Aargau West»

> > Baden: Neue Kurse; «Gesundheitsmanagement

für Führungskräfte»

und «Betriebliches Gesundheitsmanagement

für HR

Management» mit Michelle Hofmann;

Montag, 16. Januar, Donnerstag,

19. Januar, Montag, 23.

Januar und Donnerstag, 26. Januar.

Weitere Informationen und Anmeldung

unter

www.zentrumbildung.ch.

> > Basel: Wer verdient im Internet

wie Geld? Wie werden User-Daten

gesammelt und was kann das für

Nutzerinnen und Nutzer bedeuten?

In individuellen Seminaren

erfahren Personalverantwortliche

und weitere Interessierte, wie die

«andere» Seite des Internets funktioniert.

Details: www.dermarc.ch

> > Bern: Im neuen Bildungsgang

«Business Coach» entwickeln Sie

eine professionelle Coachinghaltung

und erweitern Ihre Methoden,

um Coaching in der täglichen

Arbeit einzusetzen und Menschen

in herausfordernden Situationen

gewinnbringend zu begleiten.

Beginn: Freitag, 19. Oktober

> > Luzern: Die Weiterbildungspalette

der KV Luzern Berufsakademie

wird in attraktivem Format und leserfreundlichem

Aufbau vorgestellt.

Bestellen Sie jetzt Ihr Exemplar

des neuen Katalogs

«Karriere»: www.kvlu.ch

> > Winterthur: Unser privater Träger,

der Kaufmännische Verband Winterthur,

fördert mit eigenen Seminarangeboten

die Fähigkeit seiner

Mitglieder, sich vorausschauend

den Herausforderungen der heutigen

Berufswelt zu stellen. Details:

www.kv-winterthur.ch

> > Zürich: Neu mit gratis iPhone App.

Wie steht es um Ihre Fremdsprachenkenntnisse?

Liegen Ihre Interessen

und Neigungen bei Finanzdienstleistungen,

HR, Informatik,

Leadership, Marketing/Verkauf,

Organisation, Projektmanagement

oder Rechnungswesen? Unser App

bringt Sie weiter: Jetzt im iTunes

Store mit dem Suchbegriff

«Selbsttest» oder «KV Zürich»

Angebotsvergleiche und Lehrgangsdaten

auf www.kvbildung.ch.

Besuchen Sie die KV Bildungsgruppe

Schweiz auch auf Facebook.

SIB SCHWeizeriSCHes

iNStitut für BetrieBS-

ÖKONOMie

Telefon 043 322 26 66

Fax 043 322 26 51

info@sib.ch

www.sib.ch

Öffentliche Seminare

Beginn jeweils um 18 h

> > «Karriere und Umgangsformen»

mit Praline E. Kubli-Adunka; Donnerstag,

1. Dezember

> > «Protokollführung» mit Matthias

Frey; Dienstag, 6. Dezember

> > «Berufliche Vorsorge und Pensionskassen»

mit Bruno Ern; Dienstag

und Mittwoch, 6. und 7. Dezember

> > «Führungsworkshop für neue

Führungskräfte» mit Stephan

Kissling; Mittwoch und Donnerstag,

7. und 8. Dezember

> > «Sich selber besser verkaufen»

mit Ellen M. Schaad; Donnerstag,

8. Dezember

> > «Verhandlungs- und Verkaufstechnik»

mit Jacqueline Steffen; Montag,

12. Dezember

> > «Perfekte Briefe schreiben» mit

Angelika Ramer; Dienstag und

Mittwoch, 13. und 14. Dezember

> > «Sitzungen leiten» mit Matthias

Frey; Mittwoch, 14. Dezember

Infoveranstaltungen

Beginn jeweils um 18 h

> > «Dipl. Controller/in NDS HF»;

Montag, 12. Dezember

> > «Dipl. Betriebswirtschafter/in

HF»; Montag, 12. Dezember

> > «Dipl. Marketingmanager/in HF»;

Mittwoch, 14. Dezember

> > «Dipl. Leiter/in Finanzen & Dienste

NDS HF»; Donnerstag,

15. Dezember

> > «Dipl. Personalleiter/in NDS HF»;

Donnerstag, 15. Dezember

> > «Dipl. Business Engineer NDS

HF»; Mittwoch, 11. Januar

> > «Dipl. Betriebswirtschafter/in

HF»; Montag, 16. Januar

> > «Dipl. Marketingmanager/in HF»;

Dienstag, 17. Januar

> > «Dipl. Controller/in NDS HF»;

Dienstag, 17. Januar

> > «Dipl. Leiter/in Finanzen & Dienste

NDS HF»; Mittwoch, 18. Januar

> > «Dipl. Personalleiter/in NDS HF»;

Mittwoch, 18. Januar

> > «Management-Diplom SIB»;

Mittwoch, 25. Januar

Studiengänge

> > «Management Diplom SIB»;

Beginn März

> > «Dipl. Leiter/in Finanzen & Dienste

NDS HF»; Beginn April

> > «Dipl. Betriebswirtschafter/in

HF»; Beginn April

> > «Dipl. Marketingmanager/in HF»;

Beginn April

> > «Dipl. Schulverwaltungsleiter/in

SIB/VPZS»; Beginn Mai

> > «Certified Online Marketing Expert

bsw/SIB»; Beginn Mai

> > «Dipl. Personalleiter/in NDS HF»;

Beginn August

> > «Dipl. Betriebswirtschafter/in

HF»; Beginn Oktober

> > «Dipl. Marketingmanager/in HF»;

Beginn Oktober

> > «Certified Innovation Manager

SIB»; Beginn Oktober

KV-Mitglieder erhalten eine

Ermässigung!

Nr.11November 2011

ISSN 1424-5345

Herausgeber

KV Schweiz

Telefon 044 283 45 45

www.kvschweiz.ch

Verlagsleitung

Ingo Boltshauser (ibo),

ingo.boltshauser@kvschweiz.ch

Redaktion

Therese Jäggi (tj)

therese.jaeggi@kvschweiz.ch

Andrea Mašek (ajm)

andrea.masek@kvschweiz.ch

Rolf Murbach (mur)

rolf.murbach@kvschweiz.ch

Redaktionsadresse

Kaufmännischer Verband Schweiz

Context

Hans-Huber-Strasse 4

Postfach 1853, 8027 Zürich

Telefon 044 283 45 33

context@kvschweiz.ch

www.context.ch

Sekretariat: Andrea Stoop

Bildnachweise

S. 9: zvg.; S. 10: AP Photo/Matt Dunham/

Keystone; S. 13/17: zvg.; S. 19: Tomas Wuethrich/

Pixsil; S. 20/23: zvg.; S. 21: Gaetan Bally/

Keystone; S. 25: Karl-Josef Hildenbrand/

Keystone/DPA; S. 26: Martin Ruetschi/

Keystone; S. 27: zvg.; S. 28: Context/Marion

Nitsch; Portraits S. 29–32: zvg.; S. 43: zvg.

Adressänderungen

KV Schweiz

Mitgliederadministration

Telefon 044 283 45 30

mitgliederadmin@kvschweiz.ch

oder im Mitgliederbereich:

www.kvschweiz.ch/login

Erscheinungsweise

Monatlich (11 Ausgaben)

115. Jahrgang

Auflage: 45 307 Exemplare

(WEMF-beglaubigt 2011)

Abonnemente

12 Monate CHF 48.–

Anzeigen

Creative Media GmbH

Zürichstrasse 135

8910 Affoltern am Albis ZH

Telefon 043 322 60 30

context@c-media.ch

Druckerei

Vogt-Schild Druck AG

4552 Derendingen

Konzeption, Layout, Druckvorstufe

Partner & Partner AG

8400 Winterthur

www.partner-partner.com

Context bekennt sich zum «Code of Conduct»

der Schweizer Presse. Werbung und

redaktioneller Teil sind klar getrennt.

Context wurde vom Verband

SCHWEIZER PRESSE für das Jahr

2010 mit dem Gütesiegel

«Q-Publikation» ausgezeichnet.

context 11 – 2011


äTSel

Tal

Fluss

Berg

Stadt

Kapelle

Dorf

See

Region

Pass

45

Die Kapelle

Vielleicht wissen Sie noch nicht, wohin Ihr nächster Ausflug

führen soll. Wir hätten da einen interessanten Tipp. Wohin es geht,

müssen Sie allerdings selber herausfinden. Wenn Sie uns die

Lösung schicken, nehmen Sie an der Verlosung von drei Tageskarten

der SBB (gültig mit Halbtax) im Wert von CHF 64.– teil.

3 SBB-Tageskarten

zu gewinnen!

Eine wunderbare Landschaft. Im Herbst

sind die Laubbäume in den Hängen golden,

es scheint zu glühen. Die Aussicht

von der Terrasse der kleinen Gaststätte,

wo wir sitzen, ist lieblich und grossartig

zugleich. Man sieht weit ins Tal hinauf,

von dem wiederum viele kleine Täler abzweigen.

Rechts und nicht weit erkennt

man den Pizzin, in der Ferne den Monte

Rosa, und wenn der Blick auf die andere

Talseite schwenkt, so staunt man über das

kleine Dorf, das einsam auf einem Hügel

liegt. Ein paar Häuser, eine Kirche. Eine

Seilbahn führt steil hinauf.

Eigentlich wollten wir dahin. Wir kamen

von einem Ort am See. Die Stadt ist

bekannt für ihren grossen Platz, und man

denkt hier gerne an Leoparden. Wir entschieden

uns für dieses sich lang hinziehende

Tal, das nach Italien führt, machten

zuerst Halt in einem kleinen Dorf, wo

sich viele junge Leute tummelten. Sie wollen

alle Schauspieler, Gaukler, Clowns

und Bewegungskünstler werden. Es war

gerade Tag der offenen Tür und so sahen

wir unverhofft eine Aufführung. In einer

Palestra gab ein Mann am Schlagzeug

den Takt. Die jungen Leute bewegten sich

zu den Rhythmen und erzählten mit ihren

Körpern Geschichten.

Dann gings also weiter, wir waren mit

dem Auto unterwegs. Die Strasse schlängelte

sich talaufwärts. Ab und zu überquerten

wir die Geleise der Bahn, die

durch hundert Täler fährt. Nach etwa

zwanzig Minuten kamen wir zu einer Art

Mini-Verkehrsknotenpunkt: ein kleiner,

einsamer Bahnhof und zwei Bergbahntalstationen.

Die Fahrt zum besagten

Dorf hatten wir knapp verpasst, also entschieden

wir uns für die Alternative und

schon sassen wir in den knallgelben Vierergondeln

und schwebten in die Höhe.

Oben angekommen fanden wir einen

idealen Ausgangspunkt für kürzere und

längere Wanderungen: weiter hinauf zu

einem Monte oder auf alten Säumerpfaden

in Täler oder eine Rundtour über

Wiesen, durch Wälder, vorbei an herausgeputzten

Rustici und Bächen. Wir entschieden

uns für den Rundweg und

machten, kurz bevor wir zur Kapelle kamen,

einen Abstecher ins Hochmoor. Fast

magisch war hier das Herbstlicht. Wären

wir weiter gelaufen, steil hinunter, wir

hätten ein Tal erreicht und später ein Dorf.

Hier spielt Max Frischs Erzählung «Der

Mensch erscheint im Holozän».

Nun bogen wir rechts ab und kamen

nach einer Senkung zu einer kleinen romanischen

Kapelle. Wir waren sehr überrascht,

hier einen Ort der Stille zu finden.

Es war fast unwirklich, ein Ort wie aus einer

fernen Zeit. Später, als wir in dem besagten

Garten sassen und die hausgemachte

Torta di pane assen, ins Tal und

eben zum gegenüberliegenden einsamen

Dorf blickten, sprachen wir nochmals

über die Kapelle, wie schön sie sei. mur

Wie heisst die Kapelle?

Schicken, faxen oder mailen Sie das

Lösungswort bis spätestens 06.12.2011 an:

Redaktion Context

Postfach 1853, 8027 Zürich

Fax 044 201 50 95

raetsel@kvschweiz.ch

Gewinnerin des letzten Georätsels

(einer Übernachtung für zwei Personen):

Nicole Roser-Bernath, Basel

Lösungswort Nr. 10: Birrwil

context 11 – 2011


46

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Zürich

20.03. – 19.04.2012

Lugano

26.04. – 28.04.2012

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