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Schutzgebühr 3 Euro

1305

Kunstmagazin.de


Editorial

Text: Julika Nehb

Translation: Timothy Jones

photography by_ FRÉDÉRIC LEEMANS

IT’S A SCARF. IT’S A SCULPTURE.

WWW.LRRH.DE/ANSELM_REYLE

Kunst und Kapital befinden sich in einem ziemlich einseitigen

Abhängigkeitsverhältnis – das ist keine Neuigkeit,

und niemand möchte zu den Abgehängten gehören.

Aber reicht es, die Rezeptur, die sich im Westen

bewährt hat, zu übernehmen, der Karawane zu folgen

und in Hongkong, Dubai oder dem Steuerparadies Singapur

die Zelte aufzuschlagen? In dieser Ausgabe stellen

wir fünf der wichtigsten Akteure des noch sehr jungen

Kunstmarks der Südostasienmetropole vor, die wir um

ihre Einschätzung baten.

Für Matthias Arndt sind in der Kunst aus Südostasien

derzeit die interessantesten Entwicklungen zu verfolgen.

Während er in Berlin zum Gallery Weekend in einer

Überblicksschau indonesische Künstler vorstellt, präsentierte

er in seiner Galerie in Singapur erstmal ganz

klassisch Heinz Mack und Otto Piene.

Arndts Faszination wird geteilt – dass man aber von

einer „generellen indonesischen oder chinesischen

Kunst“ nicht sprechen kann, stellt Lorenzo Rudolf klar.

„Es sind einzelne Positionen mit eigenen geschichtlichen

Hintergründen. Es gibt ethnische, mythologische

Einflüsse, das klassische Puppenspiel und sehr politische

Themen. Künstler hatten in der indonesischen Unabhängigkeitsbewegung

eine sehr wichtige Rolle inne.

In den Revolutionen der westlichen Welt waren es eher

die Schriftsteller, welche revolutionäre Ideen weitergetragen

haben, hier waren es die bildenden Künstler. Bis

heute hat zeitgenössische Kunst in der indonesischen

Gesellschaft einen hohen Stellenwert“, so Rudolf, der die

jährliche Kunstmesse Art Stage Singapore verantwortet

und großes Vertrauen in die Zukunft des asiatischen

Marktes hat.

Auch Tan Boon Hwee, Direktor des Singapore Art Museums,

weist auf die interkulturellen Unterschiede hin,

die berücksichtigt werden müssen, um südostasiatische

Kunst – auch in postkolonialen Zeiten – zu verstehen.

„Die Debatte über Identität ist für alle jungen Länder

sehr wichtig. In Singapur verschaffen wir uns eine eigene

Stimme, entwickeln unsere eigene Identität. In der

zeitgenössischen Kunst können solche Debatten ausgedrückt

werden.“

Ihre KUNST Magazin Redaktion

The relationship between art and capital is a rather

one-sided dependency – that’s hardly news, and nobody

wants to be one of those who miss out. But is it enough

to rehash the recipe that has proved so successful in the

West and follow the circus when it pitches its tents in

Hong Kong, Dubai or the tax paradise of Singapore? In

this issue, we feature five of the most important players

in the infant art market in the southeast Asian city state

and ask them for their assessments.

Matthias Arndt sees the most interesting developments

around today in art from southeast Asia. At the same

time as he presents Indonesian artists as part of a general

show during the Gallery Weekend in Berlin, he is

being quite conventional in his gallery in Singapore and

started with a show of Heinz Mack and Otto Piene.

Arndt is not alone in being fascinated – but “you can’t

talk generally about an Indonesian or a Chinese art,”

Lorenzo Rudolf points out. “There are different positions,

all with their own historical backgrounds. There are ethnic,

mythological influences, classical puppetry and very

political topics. Artists played a very important role in

the independence movement in Indonesia; in the revolutions

in the West, the revolutionary ideas were usually

spread by writers, but here, it was the visual artists.

Contemporary art is still valued highly in Indonesian

society,” says Rudolf, who founded and runs the annual

Art Stage fair in Singapore and has a great belief in the

future of the Asian market.

Tan Boon Hwee, director of the Singapore Art Museum,

also draws attention to intercultural differences that

need to be taken into account if Southeast Asian art –

even in the postcolonial era – is to be understood properly.

“The identity debate is very important for all young

states. In Singapore, we’re finding our own voice and

developing our own identity. Contemporary art is where

these debates can find their expression.”

Your KUNST Magazin Team

3


KUNST Magazin

SammlergeSpräcHe

geführt von Jan Kage

Inhalt

Content

Singapur. Eine Momentaufnahme

Singapore. A Snap-Shot .................................................................................................................................................................. 10

Zeitgenössische Kunst aus Südostasien: Ein Ringen um Sichtbarkeit

Contemporary Art from South East Asia: A Struggle for Visibility

Interview mit / with Tan Boon Hwan ..........................................................................................................................................14

KUNST Magazin Sammlergespräche

jetzt als Buch!

„Wenn man die Nummer eins der Welt ist, läuft man Gefahr, abzustürzen“

„When you are number one in the world, make sure you don’t fall”

Interview mit / with Emi Eu ...........................................................................................................................................................18

„Wir werden sehen, wie sich Hongkong mit der Art Basel entwickelt“

„Wait and see how Hong Kong develops with Art Basel”

Interview mit / with Lorenzo Rudolf ........................................................................................................................................... 22

„Ein Goethe-Institut auf eigene Rechnung”

„Like a Goethe Institute that finances itself”

Interview mit / with Matthias Arndt .........................................................................................................................................26

Uhren, Autos, Kunst

Cars, Watches, Art

Interview mit / with Michael Janssen .......................................................................................................................................30

Buchvorstellungen

Book Reviews ..................................................................................................................................................................................... 34

Gallery Weekend Berlin ...................................................................................................................................................................37

Jennifer Becker & Stefan Haupt (Hg.)

Ausstellungshinweise

Gallery Anouncements ................................................................................................................................................................... 38

1

Ankündigung Sammlergespräch Thomas Olbricht und Jonas Burgert ............................................................................ 58

Impressum ......................................................................................................................................................................................... 58

Seit 2010 lädt das KUNST Magazin einmal im Monat zu den Sammlergesprächen in Berlin in der die

Bar Tausend, um Geheimnisse privater Kunstsammlungen zu lüften. Zu den bisherigen Gesprächs-

partnern gehören Nathalie u. a. Nathalie Vranken, Vranken, Thomas Thomas Olbricht, Olbricht, Christiane Christiane zu Salm-Kofler zu Salm-Kofler oder oder das Ehepaar das Ehepaar

Haubrok. Mit welchem Kunstwerk fing es an? Wieviel Leidenschaft und Engagement steckt dahinter,

und wieviel Kalkül? Wo wird gekauft, bei wem und warum? Jan Kage entlockt den Kunstsammlern

unterhaltsame Anekdoten, fachkundige Einschätzungen und intime Geständnisse. Die KUNST Magazin

Magazin Sammlergespräche Sammlergespräche werden nun werden erstmals nun gesammelt erstmals gesammelt in einer Publikation in einer Publikation herausgegeben. herausgegeben. Sie wird von

Jennifer Becker und Dr. Stefan Haupt herausgegeben und erscheint im Offizin Verlag, Zürich.

Das Buch erscheint Ende April im OFFIZIN Zürich Verlag

29.90 24 Euro. Euro. ISBN ISBN 978-3-907496-78-7

www.offizin.ch

Bildnachweise

Titelbild: Nachtansicht der Supertrees in den Gardens by the Bay in Singapore. www.gardensbythebay.com.

Im Fokus der Supertree mit dem Restaurant Indochine in dessen Krone: www.indochine.com.sg. Foto: KUNST Magazin

© VG Bild-Kunst, Bonn 2013 für die Werke von

Serge Clement, George Condo, Henning Eichinger, Valie Export, Hans-Peter Feldmann, Michel François, George Grosz, annette hollywood, Ulrike Hogrebe,

Kerstin Honeit, Franziska Klotz, Birgit Knappe, Edda Krullmann, Klaus Küster, David Schnell, Katharina Schnitzler, Marc von der Hocht, Gisela Weimann,

Sigurd Wendland

5


Diesen Monat auf www.kunst-magazin.de

2. Mai 2013

The future will be... China

Wie sieht die Zukunft aus? Hans Ulrich Obrist bat verschiedene

chinesische Künstler, den Satz „The future will

be...“ zu vervollständigen. Die Ergebnisse hat er in einem

Buch zusammengefasst.

7. Mai 2013

Das Bild hinter dem Bild – Zur Lage der Kunst in China

Die Universität der Künste Berlin setzt sich in einer

mehrmonatigen Veranstaltungsreihe mit den Bedingungen

für Kunst und Künstler in China auseinander. Im

April stehen die Podiumsdiskussion „Öffentlicher Raum

in China – Strategien der Einbeziehung“ sowie das Gespräch

„Kuratieren als Intervention – Ausstellungen machen

in China“ auf dem Programm.

1 June – 24 November 2013

P A L A Z Z O

R O S S I N I

Campo Manin

San Marco 4013

30124 Venice, Italy

(between Accademia

and Rialto Bridge)

Open daily:

10 am – 6 pm

Tuesday closed

15. Mai 2013

Castor & Pollux – Das Schlußwort

Matthias Planitzer, Kunstkritiker aus Leidenschaft,

nimmt jeden Monat eine aktuelle Ausstellung in Berlin

für uns unter die Lupe.

Ken‘Ichiro Taniguchi:

Brunnenstr.10 entrance I,

Berlin, 2011, plastic

22. Mai 2013

Ken‘Ichiro Taniguchi

Der in Japan geborene Künstler Ken‘Ichiro Taniguchi verwandelt

Risse im Straßenpflaster und in Gebäuden in

fragile und lebendige Skulpturen. Die Hamburger Mikiko

Sato Gallery zeigt diese „Hecomi“ ab Mitte Mai.

Huang Yue (1750-1841):

Kalligrafie im Stil des Wang

Xizhi (307-365), datiert 1815,

Fächerblatt, Tusche auf

goldgesprenkeltem Papier,

Qing-Dynastie. Museum für

Asiatische Kunst, Staatliche

Museen zu Berlin, Inv. Nr.

1988-237, Foto: Jürgen Liepe

24. Mai 2013

Koreanische Kunst im globalen Kontext

Franziska Koch forscht an der Universität Heidelberg zu

den Schwerpunkten Kunstgeschichte und Historiografie

in transkulturellen Kontexten wie auch zur Thematik

der modernen Kunst Ostasiens und Europas in wechselseitigen

Austauschprozessen. Im Interview schildert sie

ihre Eindrücke der Kunstszene Südkoreas.

29. Mai 2013

Die Wiedergeburt des Kanons

Seit Jahrhunderten entwickeln chinesische Künstler ihren

eigenen Stil, indem sie zunächst die Werke aus dem

Kanon großer Künstler imitieren und die historische

Malweise erlernen. Das Museum für Asiatische Kunst in

Berlin-Dahlem zeigt ausgewählte Malereien und Kalligrafien,

die diese Praxis verdeutlichen.

T H O M A S Z I P P

Comparative Investigation about the

Disposition of the Width of a Circle

6

www.kaistrasse10.de

Kaistraße 10 ·· 40221 Düsseldorf

7


Der neue boesner-

Katalog ist da!

BASSENGE

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Photographie, Asiatische Kunst

Slg. Rau für UNICEF, Moderne Kunst

Photographien aus der Slg. Teutloff

Podiumsdiskussion

(zum Gallery Weekend Berlin)

„Total Revolution: Wie die digitale

Revolution Sammler verändert“

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Singapur. Eine Momentaufnahme

Singapore: A Snap-Shot

Im tiefen Süden Asiens, westlich von Indonesien, liegt

der Inselstaat Singapur. Der Stadtstaat ist etwas kleiner

als Hamburg. Die Straße von Johor trennt die Halbinsel

Singapur vom nördlich gelegenen malaysischen Festland.

Singapur liegt an der verkehrsträchtigen Schifffahrtsroute

zwischen China und Europa und besitzt

daher einen wirtschaftlich sehr bedeutenden Umschlaghafen.

Der Name „Singapur“ stammt aus dem Sanskrit und

bedeutet „Löwenstadt“. Fast alle Weltreligionen sind in

Singapur vertreten: Mit 42,5 % der Bevölkerung stellen

die Buddhisten den größten Teil dar, hinzu kommen

Muslime (14,9 %), Christen (14,6 %), Taoisten (8,5 %)

und 4 % Hinduisten. Die Staatsangehörigen und Permanent

Residents zählen zu unterschiedlichen ethnischen

Gruppen, die Mehrheit setzt sich aus Chinesen

(76,8 %), Malaien (13,8 %) und Indern (7,9 %) zusammen.

Dementsprechend hat Singapur vier offizielle Amtssprachen,

gesprochen wird aber vor allem Englisch, da

Singapur als ehemalige Kronkolonie des Vereinigten Königreiches

erst 1963 die Unabhängigkeit erlangte. Seitdem

wird die Politik Singapurs von der People’s Action

Party dominiert. Die gesellschaftliche Grundstimmung

wird beherrscht von dem Zusammenspiel aus konfuzianisch

orientierter Ethik und strengen Gesetzen, deren

Einhaltung streng überwacht wird. Die Regierung sieht

darin die Gründe dafür, dass sich in Singapur eine wohlhabende

Gesellschaft mit den niedrigsten Korruptionsund

Kriminalitätsraten der Welt entwickeln konnte. Die

restriktive Gesetzgebung ist jedoch seit einigen Jahren

von Liberalisierungen geprägt. Dennoch gibt es nach

wie vor die Prügelstrafe für erwachsene Männer (z. B. als

Strafmaßnahme bei Vergewaltigern oder Drogenhändlern),

die letzte Hinrichtung wurde 2010 vollstreckt.

Die gesetzlichen Einschränkungen beispielsweise die

Homosexualität betreffend wurden gelockert, sodass

sich in Singapur mittlerweile auch eine überschaubare

Schwulenszene etablieren konnte.

Seit 2003 ist die Bevölkerung Singapurs von 2,7 Millionen

auf 5,2 Millionen Menschen angewachsen. Innerhalb

einer Generation hat sich Singapur von einem Ent-

Translation: Brian Poole

Deep in South Asia, to the west of Indonesia, lies the island

state of Singapore. The city state is slightly smaller

than Hamburg. The Johor Strait divides the peninsula of

Singapore from the Malaysian continent to the north.

Singapore is located close to the busiest shipping routes

between China and Europe, and for that reason it has a

very important port infrastructure.

The name Singapore is derived from Sanskrit and means

“Lion City”. Almost all of the world’s religions have

found a home here. 42.5 % of the population are Buddhists,

the largest religious group in the country, followed

by Muslims (14.9 %), Christians (14.6 %), Taoists

(8.5 %) and Hindus (4 %). The citizens and permanent

residents belong to various ethic groups, the majority

of which are the Chinese (76.8 %), the Malays (13.8 %)

and the Indians (7.9 %). Accordingly, Singapore has four

official languages, but particularly English is spoken because

Singapore was once a crown colony of the United

Kingdom. It achieved independence in 1963. Since

then, Singapore’s politics have been dominated by the

People’s Action Party. The country is ruled by a curious

mixture of Confucian ethics and strict laws, the adherence

to which is strongly monitored. The government

sees in this mixture the reason why Singapore has developed

a rich society with the lowest rates of corruption

and crime in the world. The restrictive laws have been

liberalised somewhat in recent years. But beatings are

still the current punishment for adult men (used, for example,

against convicted rapists and drug dealers). The

most recent execution was carried out in 2010. The legal

restrictions applying to sexuality have been loosened,

and now Singapore has an established gay community.

Since 2003 Singapore’s population has grown from 2.7

million to 5.2 million. In just one generation Singapore

has transitioned from being a so-called developing nation

to an industrialised nation; in 2012 it ranked third in

the world for per capita income.

Asia is divided up into several distinct national cultural

Ansicht der sich ständig verändernden Skyline Singapurs, von den Marina Bay Sands aus fotografiert. Foto: KUNST Magazin

Blick vom Dach des Marina Bay Sands Hotels auf den Freihafen von Singapur. Foto: KUNST Magazin

10

11


Das neu eröffnete Galerienzentrum in Singapur: Gillman Baracks. Foto: KUNST Magazin

Eröffnung des Helutrans Art Space im Freihafen Singapur während der Singapore Art Week 2013. Foto: KUNST Magazin

wicklungsland zur Industrienation gemausert, die 2012

auf der Liste der Länder mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen

den dritten Platz erklommen hat.

Asien unterteilt sich in viele verschiedene nationale

Kulturszenen und Märkte. Singapur ist neben Kuala

Lumpur eine der multikulturell am stärksten geprägten

Städte Asiens und hat daher das Potenzial, zum Zentrum

der gesamten asiatischen Kulturszenen zu werden.

Die Regierung von Singapur investiert erhebliche Summen,

um das Land zum Zentrum der bildenden Künste

in Südostasien und Asien zu entwickeln. Neben den

beiden bereits existierenden Kunsthochschulen wurden

das Singapore Tyler Print Institute (STPI) und das

Singapore Art Museum gegründet. 2006 fand die erste

Singapur-Biennale statt, damals noch als Beiprogramm

des Gipfeltreffens des Internationalen Währungsfonds

und der Weltbank.

Aber auch im privatwirtschaftlich geführten Bereich

wächst die Zahl der Galerien. 2011 fand die Kunstmesse

Art Stage Singapore statt, die der Messeleiter Lorenzo

Rudolf über mehrere Jahre vorbereitet hat und auf der

schwerpunktmäßig Kunst aus Südostasien angeboten

wird. Rudolf hat Anfang der 1990er-Jahre die Art Basel

scenes and markets. Together with Kuala Lumpur, Singapore

is one of the most multicultural cities in Asia, and

for that reason it has the potential to become a centre

for all Asian cultural scenes.

The government of Singapore has invested a sizable

amount of money in order to develop the country as a

centre for fine arts in Southeast Asia and in Asia itself.

In addition to already operating art academies, the Singapore

Tyler Print Institute (STPI) and the Singapore Art

Museum have been founded here. In 2006 the first Singapore

Biennale took place—at the time, it was a recreational

programme for the Summit of the International

Monetary Fund and the World Bank.

But the number of privately operated galleries has also

increased. In 2011 the art fair “Art Stage Singapore” was

added; planned over several years by the art fair manager

Lorenzo Rudolf, it offered art predominately from

Southeast Asia. Rudolf is also the man who, at the beginning

of the 1990s, made the Art Basel into the global

multimillion dollar spectacle it is today. Since 2013 the

ministry of culture has also offered an Art Week parallel

to the art fair. With the founding of the Gillman

Barracks in 2012, a gallery neighbourhood was established

in which already 17 galleries have opened, among

zu jenem globalen Multimillionenspektakel gemacht,

das sie heute ist. Seit 2013 wird vom Kulturministerium

parallel zur Messe eine Art Week veranstaltet. Mit

den Gillman Baracks wurde 2012 ein Galerienviertel

etabliert, in dem bisher 17 internationale Galerien vertreten

sind, darunter z. B. die Sundaram Tagore Gallery

aus New York, die Tomio Koyama Gallery aus Kyoto,

aber auch die Berliner Galeristen Michael Janssen und

Matthias Arndt, die hier Dependancen zu ihren Berliner

Räumen eröffneten.

„Die Kunstwelt ist keine elitäre, kleine, weitgehend geschlossene,

vor allem im geopolitischen Westen lebende

Gemeinschaft mehr, sondern ein millionenschwerer

weltweiter Wirtschaftszweig. Die westlichen Kunstzentren

sind passé, New York und London haben schon

längst Konkurrenz bekommen von Hongkong, Singapur

und Dubai – die Kunstwelt folgt der Finanzwirtschaft.“ 1

Wir bedanken uns bei Singapore Tourism Board für die

Organisation der Pressereise.

1

Sabine Vogel, in: Kunstforum International Bd. 220, Globalkunst.

Eine neue Weltordnung

them the Sundaram Tagore Gallery from New York and

the Tomio Koyama Gallery from Kyoto; the Berlin based

gallerists Michael Janssen and Matthias Arndt have also

opened branches of their Berlin galleries here.

“The art world is no longer a small elitist and largely

closed community living particularly in the geopolitical

West; it is, rather, a worldwide million dollar sector of

the economy. The Western art scenes are passé. New

York and London have long since been faced with competition

from Hong Kong, Singapore, and Dubai. The art

world follows the path of finance.” 1

We We would like to express our gratitude to Singapore

Tourism Board for organizing the press trip.

Weitere Eindrücke aus Singapur/further information on:

www.kunstmagazin.de

12

13


Zeitgenössische Kunst aus Südostasien:

Ein Ringen um Sichtbarkeit

Contemporary Art from South East Asia:

A Struggle for Visibility

Tan Boon Hwee ist seit 2009 Direktor des Singapore Art

Museum (SAM). Er leitet ein kuratorisches Team, das

derzeit eine der wichtigsten öffentlichen Sammlungen

zeitgenössischer südostasiatischer Kunst aufbaut, er

entwickelt internationale Projekte und zeichnet für die

Organisation der Singapur Biennalen 2011 und 2013 verantwortlich.

Ich traf ihn auf dem Dach des Marina Bay

Sands Hotels, 200 m über dem Meeresspiegel.

Herr Hwee, was ist in Ihren Augen einzigartig an der Kunst

aus Südostasien, und besonders an der aus Singapur?

Wenn man sich mit Kunst aus Südostasien und Singapur

beschäftigt, muss man berücksichtigen, dass es sich

hier um eine junge, sich gerade entwickelnde Kunstlandschaft

handelt. Das ist vergleichbar mit der Kunst, die

im mittleren Osten und anderen aufstrebenden Szenen

außerhalb Europas und Amerikas produziert wird. Unsere

Kunstgeschichtsschreibung ist verhältnismäßig jung,

und die zeitgenössische Kunst hat sich in einem sehr

kurzen Zeitraum entwickelt. Wir konnten Künstler beobachten,

die unter allen Auswirkungen der Globalisierung

Kunst schaffen. Die verschiedenen Gattungen und Medien

wie Performance, Installation, Video, Konzeptkunst

– alle sind zur selben Zeit aufgetaucht. Diese Entwicklung

unterscheidet sich wesentlich von der Erfahrung

im Westen, wo sich die Kunstrichtungen nacheinander

entwickelt haben. Die zeitgenössische Kunst in Singapur

ist erst in den späten 1980er-/1990er-Jahren ins öffentliche

Bewusstsein getreten, als die Künstler angefangen

haben, sich zu organisieren und den öffentlichen Raum

zu nutzen. Davon wurde in den Zeitungen berichtet, und

mit einem Mal wurde der Bevölkerung klar, dass es ja so

etwas wie zeitgenössische Kunst gibt. Erst vor Kurzem

traten diese Kunstformen überhaupt in Erscheinung. Die

Kunstszene entwickelt sich in jedem Moment, in jeder

Minute. Schon in fünf Jahren wird Kunst aus Singapur

eine völlig andere sein. Es ist eine ständige Revolution.

Aber das war schon immer so.

Südostasien blickt auf eine lange Geschichte zurück und

ist – verglichen mit der westlichen Welt – schon seit

Tausenden von Jahren globalisiert, einfach aufgrund der

Tatsache, dass dieser Teil der Welt ein Handelszentrum

ist. Jede der Weltreligionen hat sich zu einem bestimmten

Zeitpunkt hier niedergelassen. Diese besondere Ge-

Tan Boon Hwee has been the Director of the Singapore

Art Museum (SAM) since 2009. He is leading a curatorial

team that is assembling one of the most important

public collections of contemporary Southeast Asian art

in the world; he also develops international exchanges

and is currently in charge of the office responsible for

organising the Singapore Biennale 2011 and 2013. I met

him on the rooftop of the Marina Bay Sands Hotel, 200

meters above sea level.

Interview with Tan Boon Hwee: Jennifer Becker

What do you consider unique about contemporary art

from Southeast Asia and especially from Singapore?

When you look at the art of Southeast Asia and Singapore,

you have to see it in the context that this is an emerging

art scene. We are similar to the art that is being

produced in the Middle East and other newly emerging

scenes outside of Europe and America. We don’t have

that long a history of art. Contemporary art has emerged

in a very short space of time. We have had artists

creating art with the full impact of the globalisation.

All the various forms of art and media, performance,

installation, video, conceptual art—they all appear simultaneously.

This is very different from the Western

experience, when you had one art form introduced after

the other. In Singapore, contemporary art came into the

public imagination in the late 1980/90s, when artists

suddenly began to organise themselves and needed to

perform publically. The papers reported about them,

and suddenly the public knew: Oh, there is a thing

called contemporary art! It was very recent that all the

art forms appeared. The art scene is creating itself every

moment, every minute. In five years the art in Singapore

will be completely different. There´s a constant revolution.

But it has always been like that.

Southeast Asia has had a long history and the region

has been—compared to the western world—globalised

for a thousand years, because this is the point of trade.

Every world religion has been here at some point. You

must understand that kind of history. The Philippines

have the oldest art university in all of Asia. Over hundreds

of years the tradition of image making has changed

from the classical kind of religious art, for example,

Ryf Zaini: Unveil the curtain to the window with no ledge. in der Ausstellung „President‘s Young Talents“ im Singapore Art Museum im Januar 2013.

Foto: KUNST Magazin

schichte muss man berücksichtigen. Die School of Fine

Arts auf den Philippinen ist die älteste Hochschule für

Künste Asiens. In Hunderten von Jahren hat sich die

Tradition der Bildproduktion weg von ihrer klassischen

Aufgabe – repräsentiert etwa durch die Bildhauerei, die

die Funktion hatte, die Herrscher des Landes zu würdigen

– verändert. Durch die Moderne und vor allem die

zeitgenössische Kunst haben sich immens viele neue

Medien und Techniken entwickelt.

Die Vorstellung vom künstlerischen Ausdruck ist schon

sehr alt. Sie geht zurück auf eine Tradition, die kaum

zwischen Kunsthandwerk und freier Kunst unterscheidet.

In der thailändischen Kunstgeschichte wird zwischen

Holzschnitt- und Textilkünstlern und zeitgenössischen

Künstlern, die beispielsweise in Wandmalerei

ausgebildet wurden, aber auch in Acryl malen, nicht unterschieden.

Sie bewegen sich zwischen den Techniken

und Gattungen. Ob sie traditionelles Kunsthandwerk

oder zeitgenössische Kunst machen – diese fließenden

Übergänge sind sehr wichtig in Südostasien. Singapur

unterscheidet sich davon, weil es hier keine Kunsthandwerkstradition

gibt, obwohl Singapur eine sehr

alte Stadt ist. In der zeitgenössischen Kunst aus Singapur

geht es darum, den Blick nach vorne zu richten, es

geht um neue Stilrichtungen, die sich entwickeln. Wir

haben natürlich viele Stilrichtungen, mit welchen etwa

carving to venerate the rulers. This has transitioned into

contemporary art. Modern art was a lot about the introduction

of new mediums.

The idea of making art is very, very old. It came from a

tradition where there is very little distinction between

handcraft and art. In Thai art history it makes no sense

to separate what we would call artisans, who do things

like woodcarving and textile making, from contemporary

artists: artists who, for example, were trained in painting

then went into making tempo murals, and then went

into acrylic painting. You have artists moving in between.

Are they artisans or are they contemporary artists? Or

are they both? That kind of fluidity is very important in

Southeast Asia. Singapore is slightly different from the

rest of Southeast Asia because we don’t have that kind

of artisanal tradition, even though we’re a very old city.

So our art is all about looking forward. It is about new

styles. In a sense we have absorbed a lot of the styles that

people from Europe would be more familiar with. You’ll

notice how fast video installations have progressed. Take

the artist Ming Wong, who lives in Berlin. He used to write

plays about Chinese opera. In his work the transition

and the sophistication of the use of video is very visible.

He deals with the representation of images and culture

and identity. A lot of artists immediately used the tools

of the modern industrial city, of factual production, of in-

14

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Europäer vertraut sind, aufgenommen. Ihnen wird aufgefallen

sein, wie schnell sich die Videoinstallation hier

entwickelt hat. Wenn man etwa Ming Wong betrachtet,

der in Berlin lebt, fällt auf, dass er früher Stücke über

die chinesische Oper geschrieben hat. In seinen Arbeiten

wird die Veränderung und qualitative Verbesserung

des Mediums sehr deutlich. Er bewegt sich im Spannungsfeld

der Repräsentation von Bildern, Kultur und

Identität. Viele andere Künstler wie er bedienen sich der

Mittel und Techniken der modernen Industriestadt – ob

handwerklicher oder industrieller Produktionswege,

neuer Medien oder digitaler Technologien. In Singapur

haben wir zwar nicht die Möglichkeit, wie in traditionellen

künstlerischen Werkstätten zu produzieren, aber wir

machen großartige Videofilme! Von computerbasierter

Kunst bis hin zu Installationen aus Acryl sind wir in der

Lage, sehr komplexe Arbeitsprozesse umzusetzen. Moderne

industrielle Produktionsmethoden definieren die

Kunst, die hier gemacht wird. Amerikaner, die über eine

Arbeit sagen: „Das sieht nach Singapur aus“ meinen damit,

dass sie nicht besonders asiatisch aussieht.

Welche wichtigen Fragen stellen einheimische zeitgenössische

Künstler an ihre Gesellschaft?

Die Debatte über Identität ist für alle jungen Länder sehr

wichtig. Wir sind nicht wie Deutschland. Ihr hattet eine

Reformation, die deutsche Teilung und dann die Wiedervereinigung

– dadurch entwickelt sich eine Identität.

Auch wir schaffen unser eigenes Schicksal, unsere eigene

Identität, unsere eigene Stimme. In der zeitgenössischen

Kunst können solche Debatten ausgedrückt

werden. Im öffentlichen Raum kann man herausfinden,

dass es die Sprache der jungen Leute ist, der Internetgeneration.

Keine Worte, sondern Bilder – so nehmen

wir die Umwelt wahr. Das ist auch der Grund, warum

der Independent Film in Singapur sehr aktiv ist, weil er

ganz nah die Ansichten und Bedürfnisse der Generation

widerspiegelt, die nach 1960 geboren wurde, nach der

Unabhängigkeit, und die sich in der Welt umschaut.

Wir nehmen die Welt durch einen Strudel an Bildern

wahr. Das Publikum für zeitgenössische Kunst in Singapur

ist Teil dieses Generationenwandels. Die Kunst

hier ist am Puls der Zeit und sehr vital. Das Singapore

Art Museum hat ein sehr junges Publikum, die meisten

Besucher sind unter 40 Jahre alt, viele sind alleinstehende

berufstätige Frauen. Sie sind hochgebildet, gehen ins

Museum und verlangen ausführliche Hintergrundinformationen.

Wenn keine Texte an der Wand angebracht

sind, dann muss man für Informationsblätter sorgen.

Unsere Besucher wollen lernen. Sie wissen vielleicht

noch wenig über zeitgenössische Kunst und wie sie an

sie herangehen sollen, aber ihr Verlangen, zu verstehen,

ist sehr stark.

Die erste Singapur Biennale 2006 diente als Rahmenprogramm

für den Internationalen Währungsfonds der

World Bank Group. Was werden Sie 2013 zeigen?

Es ist mittlerweile die vierte Biennale, aber die erste, die

Tan Boon Hwee, Direktor des Singapore Art Museum.

Foto: KUNST Magazin

dustrial production, of new media and of digitally based

technology. We don’t have access to the great handcraft

workshops—but we can make videos! We can do computer

programming; we can make installations out of

acrylic, we can build very complex constructions. Everything

you can find in a modern industrial production

centre defines our kind of art. Americans say “oh, that

thing looks Singaporean”, but what they actually say is:

“it doesn’t look really Asian to me!”

What significant questions do native contemporary artists

raise for their society?

The debate about identity, which is important for all

young countries. We are not like Germany. You fought

for the reformation, the division and then the reunification.

You know the price and what it takes. We are

also creating our own destiny, our own identity, our

own voice. Contemporary art is the place where a lot of

these debates are being expressed. You can go out into

the public arena and discover it’s also the language of

the young. This is the language of this generation, the

internet generation. No words; you show images. It’s

how we absorb the world. It’s why independent film is

very active in Singapore, because it’s got its finger on

the pulse of the generation born after the 1960s, after

independence, it’s looking out at the world. We seize

the world through images, through the flurry of images.

In this case I feel that contemporary art is very, very vital.

Somehow it’s taking the pulse of something that’s

happening now. The audience for contemporary art in

Singapore is also part of a generational change. The Singapore

Art Museum has the youngest audience profile,

the largest proportion of its audiences are people under

40, among them are a lot single professional women.

They’re highly educated, and they go to museums. Our

visitors want quite a lot of information and text. If it

isn’t on the wall, it must be available in handouts. They

want to learn. They are aware of the fact that they may

not be so well informed about the artists, and about

how to look at the art. But their desire to understand is

very, very strong.

das Museum von Anfang an organisiert hat. Sie wird

etwas experimenteller werden. Wir haben uns für den

Fokus auf Südostasien entschieden und Kuratoren eingeladen,

die sich mit den Kunstszenen dieser spezifischen

Region auskennen – Wissen, das wir nicht haben

und das wir uns so beschaffen. Diese Biennale soll eine

Biennale der Entdeckungen sein. Die Kuratoren wissen

über Künstler Bescheid, die niemand außerhalb ihrer

spezifischen Szenen kennt, denn diese sind alle noch

im Kommen. Das sind – eigentlich mag ich dieses Wort

nicht – Untergrundszenen. Sie agieren nicht wirklich im

Untergrund, aber man kann sie so bezeichnen, weil man

sie von außen nicht wahrnimmt. Sogar in Singapur sind

wir eigentlich außen vor. Wir kennen Künstler aus Indonesien,

die Louis Vuitton uns zeigt, aber es ist ein riesiges

Land, wo es noch viel mehr Künstler gibt, und wir

wollen diese großartigen Künstler der Welt zugänglich

machen. Sie agieren nur in ihrem lokalen Umfeld, da sie

nicht mit der internationalen Kunstzirkulation verbunden

sind. Auf dieser Biennale soll man Entdeckungen

machen können. Internationale Kuratoren, die die Biennale

besuchen, werden sie noch nie gesehen haben.

Welche Worte würden Sie an Udo Kittelmann richten,

den Direktor der Nationalgalerie in Berlin?

Schau hierher! Schau dir unsere Kunst an! Wenn man

sich in Deutschland für Südostasien interessiert, ist

unsere Sammlung ein guter Anfangspunkt. Wir haben

viel Geld, Mühe und Energie in die Erforschung, Interpretation

und Präsentation der Sammlung gesteckt.

Sie ist ein guter Anfang, um die Kunst dieses Teils der

Welt kennenzulernen. Deutschland ist sehr multikulturell.

Wenn man da gewisse Variablen weglässt, sind wir

nicht so verschieden. Wir sind Länder, die mit der vollen

Kraft der Globalisierung konfrontiert werden und mit

der Tatsache, dass sich unsere Bevölkerung in alle Welt

verstreut. Wie geht man damit um, dass ein großer Teil

der Landsleute über die ganze Welt verteilt ist? Dieser

Widerspruch ist keine einfache Angelegenheit – wie bei

Ming Wong, der in Berlin lebt. Dies ist das Laboratorium,

in dem Kultur entsteht. Wie werden wir all diese Dinge

bewältigen, die man nicht planen kann? Statistiken

oder Ökonomen werden keine Antwort auf diese Frage

geben können, denn es passiert im Hier und Jetzt. Erst

rückblickend kann man das Geschehene verstehen. In

aufstrebenden Gegenden wie Südostasien drehen sich

die Künste um das Schaffen einer Identität und um das

Ringen um Sichtbarkeit. Es geht darum, zu sagen: „Ich

bin Künstler, ich bin von hier, das ist meine Stimme“. Das

Wunderbare an der Globalisierung ist, dass man gleichzeitig

global und lokal handeln kann. Das muss man sogar.

Was wäre das für ein Kunstmarkt, wenn die Kunst

in allen Ländern gleich aussähe? Warum sollte jemand

dann daran interessiert sein und näher hinschauen?

Dann könnte man auch zu Hause bleiben.

Vielen Dank für das Gespräch!

After the inaugural Singapore Biennale was founded

in 2006 as a framework program for the International

Monetary Fund and World Bank Group, what are you

going to show at Singapore Biennale in 2013?

It’s the fourth Biennale, but the first one that the museum

is organising from the ground up. It will be slightly

more experimental. Instead of having a nomadic curator,

we decided to focus on Southeast Asia, and we

brought in curators who have strong knowledge of

the art scenes of the specific areas—knowledge that

we don’t have and they’re accessing. They’re looking at

artists that nobody knows outside their particular art

scenes, because these are emerging scenes. They are – I

hate to use the word – underground scenes. It isn’t really

underground; it’s underground only because we don’t

see it from outside. Even in Singapore, we’re outside. We

know the artist from Indonesia that Louis Vuitton shows

us, but hell, it’s a really big country, and there are a lot of

artists who aren’t circulating in that way. We want this

Biennale to be a Biennale of discovery. To showcase these

really great artists to the world. They’re creating more

in that kind of locality, because they aren’t connected to

the global circulation of art. International curators who

are going around for two weeks will never see that.

What would you say to Udo Kittelmann, the Director of

the German National Gallery?

Look ahead! look at our art! I suppose, if Germany is interested

in South East Asia, we are a national partner, and

our collection is a good place to begin. We have invested

a lot of money, effort and energy in curating, interpreting

and researching the collection. So it’s a good sort

of opening to introduce. Germany is very multicultural.

Once you take away certain variables, we are not that

different. We are countries that are facing the full force

of globalisation, of the diaspora, of the fact that our citizens

are diasporing. When you speak of being Singaporean,

of being German, how do you deal with the fact

that they live half way around the world? That’s a very

serious issue. Like Ming Wong, who lives in Berlin—that

kind of contradiction. This is the laboratory for how culture

is being created and how we are going to negotiate

all these issues, which planners can’t tell us; and statisticians

and economists will never be able to give you

that answer. Because it’s being created now. Only after

a while you’ll find out what’s happening now. In emerging

regions like Southeast Asia, a lot of art is about the

creation of identity and about this struggle for visibility.

It’s about saying “I’m an artist, I’m from here, this is my

voice.” But the wonderful thing about globalisation is

that you can actually be global and local simultaneously.

That’s what you actually need to be. What kind of art

market would that be, if your art was the same as your

neighbours. Why would anyone want it, why would you

go there, why would you care? You could just sit in your

living room then.

Thank you for the conversation!

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„Wenn man die Nummer eins der Welt ist,

läuft man Gefahr, abzustürzen“

“When you are number one in the world,

make sure you don’t fall”

Das Singapore Tyler Print Institute (STPI), benannt nach

dem amerikanischen Druckgrafiker Kenneth E. Tyler, versteht

sich als antreibende und vermittelnde Kraft für

neue Ideen und Dialoge im Bereich der zeitgenössischen

Druckgrafik. Die Direktorin des STPI, Emi Eu, wurde in

Korea geboren und lebte und arbeitete in New York, bevor

sie 2001 nach Singapur zog. Eine typische Biografie

für zugezogene Einwohner der Stadt – die explosionsartig

gewachsene Bevölkerung ist auch der Einwanderung

geschuldet. Als Direktorin lud sie sowohl etablierte

Künstler wie Donald Sultan, Richard Deacon und Ashley

Bickerton als auch jüngere Künstler aus Singapur und

der umliegenden Region zum STPI-Artist-in-Residence-

Programm ein. Der Aufenthalt ist jeweils nur auf vier bis

sechs Wochen angelegt – eine verhältnismäßig kurze

Zeit, um Kunst zu produzieren. Die Künstler verpflichten

sich in dieser Zeit zu einem Dauereinsatz. Das Institut

ermöglicht ihnen die Zusammenarbeit mit zwölf hochqualifizierten

und spezialisierten Technikern und übernimmt

sämtliche Kosten. Am Ende werden die entstandenen

Kunstwerke über die interne Galerie verkauft. Die

Hälfte des Erlöses fließt wieder in die Unterstützung des

STPI-Künstlerprogramms.

Während der Singapore Art Week stellte die Galerie des

STPI Hiroshi Sugimoto aus – in Kooperation mit Hermès.

Auf der Messe Art Stage Singapore zeigte die Galerie

Arbeiten von Künstlern des Residency-Programms. Die

Kunstwerke reisen um die Welt und werden auf internationalen

Kunstmessen und Biennalen ausgestellt.

2013 wurde die Galerie des STPI erstmals zur Art Basel

eingeladen.

Was ist die Hauptaufgabe des STPI?

Das Institut besteht aus zwei Einrichtungen, der Galerie

und der Werkstatt. Wir können die verschiedensten

Drucktechniken umsetzen und stellen den Künstlern

ein Team von Fachleuten zur Verfügung, um mit ihnen

zu arbeiten. Die Kunst, die hier entsteht, soll die Möglichkeiten

des Mediums Druckgrafik bis an seine Grenzen

erweitern. Den Künstlern wiederum bieten wir die

Möglichkeit, in einem Bereich zu arbeiten, der ihnen

nicht vertraut ist. Das ist ein sehr anregender Prozess

und führt zu spannenden Werken. Es gibt weltweit sehr

viele Orte, die für ihre Residence-Programme bekannt

The Singapore Tyler Print Institute (STPI), named after

the American printmaker Kenneth E. Tyler, functions as

catalyst and advocates for new ideas and dialogues for

contemporary art in print and paper. Emi Eu, the director

of the STPI, was born in Korea. Before she moved to

Singapore in 2001 she was living in New York. It’s a typical

biography for a lot of new residents of the city – the

population explosion is at least partly a result of immigration.

As director, she invited established artists like

Donald Sultan, Richard Deacon, and Ashley Bickerton

as well as younger artists from Singapore and the region

for the STPI residency program. The residency only

lasts four to six weeks – a very short time to produce

art. Therefore, the commitment of the artists has to be

(literally) full time. The program offers them the opportunity

to work alone with a team of 12 technicians with

an impressive range of technical abilities. The STPI pays

for everything. At the end the artists share their works

with the STPI, which sells them during the STPI gallery

exhibition. Half the money goes towards supporting the

STPI program.

During the Singapore Art Week, the STPI gallery presented

an exhibition by Hiroshi Sugimoto – in cooperation

with Hermés. At the ART Stage Singapore they showed

the works of their resident artists. The art works produced

during the program continue to travel the world and

will be exhibited at international art fairs and Biennales.

In 2013 they will be participating at ART Basel for the

first time.

Interview with Emi Eu: Jennifer Becker

What is the primary task of STPI?

The Institute consists of two facilities: the gallery and

the workshop. Our primary activity is the “artist in residency”

program. We have all sorts of different printmaking

and a workshop team to work with the artists.

We want the resulting art to showcase how we push

the boundaries of the medium. The artists, on the other

hand, get the opportunity to venture into an area that is

unknown to them and that stimulates them to be more

creative and to produce works that are very engaging.

There are many, many places that are very well known

for artist in residence programs, like the DAAD (German

Blick in einen Raum der Druckwerkstatt des Singapore Tyler Print Institute. Foto: KUNST Magazin

sind, wie etwa der Deutsche Akademische Austauschdienst

(DAAD) in Berlin. Unseres unterscheidet sich aber

dadurch, dass wir eine komplett ausgestattete Werkstatt

und ein zwölfköpfiges Team zur Verfügung stellen

können.

Nach welchen Kriterien werden die Künstler ausgewählt?

Wir laden interessante, etablierte Künstler aus der

ganzen Welt ein. Die meisten von ihnen verfügen über

Erfahrungen in den verschiedensten Medien, ihr Werk

besitzt Reife. Wir erwarten eine ganze Menge von den

Künstlern: Sie sollen genug Arbeiten produzieren, um

eine Ausstellung in unserer großen Galerie zu füllen.

Daher müssen wir sicherstellen, dass die eingeladenen

Künstler unser Angebot nicht nur wahrnehmen,

sondern auch die Vorteile der Drucktechnik auszunutzen

wissen. Sie müssen über keine Vorkenntnisse auf

diesem Gebiet verfügen. Wenn sie unserer Einladung

folgen, haben sie in der Regel bereits eine Vorstellung

davon, was wir anbieten, und Ideen entwickelt. Oft verändern

sich diese Ideen vor Ort, denn erst dann wird

ihnen die volle Kapazität unserer Unterstützungsmöglichkeiten

bewusst. Unsere diesjährigen Residents sind

Academic Exchange Service) in Berlin. But ours is different:

We have a complete workshop and a team of twelve

people to collaborate with.

What are your criteria for choosing artists?

We invite established artists from around the world—

artists who are doing very interesting things. Most established

artists are experienced in many different media

and they are very mature. We expect a lot from them, we

want them to produce enough works to put on an exhibition

in our big gallery, so we have to make sure that the

invited artist will be able to use, manipulate, and take

advantage of all the resources. But they don’t have to

know printmaking at all. When they agree to come, they

already have an idea of what we do, and they thus have

developed ideas. Often their ideas change when they are

here physically; they understand the capacity of our support.

Our current artists in residence are Rirkrit Tiravanija,

Eko Nugroho, Wu Shanzhuan & Inga Svala Thorsdottir,

and Haegue Yang. I met Rirkrit in 2007 when he was in

Singapore doing a project. Since then I have been asking

him to come. He is here now in 2013. That´s the thing

about established artists: It is very difficult, not because

they don’t want to, but because it is harder for them to

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Rirkrit Tiravanija, Eko Nugroho, Wu Shanzhuan & Inga

Svala Thorsdottir und Haegue Yang. Rirkrit traf ich 2007,

während er hier in Singapur ein Projekt hatte. Schon damals

habe ich ihn eingeladen. Jetzt, 2013, ist er hier. Es ist

schwieriger, etablierte Künstler hierherzuholen – nicht,

weil sie nicht wollen, sondern weil es für sie schwer ist,

einen geeigneten Zeitpunkt zu finden. Es gibt noch eine

Menge Künstler, die wir gerne einladen würden, mit uns

zu arbeiten.

Hat die Einladung zur Art Basel Ihren Erwartungen entsprochen?

Es fühlt sich schon sehr gut an, eingeladen zu sein. Es

ist eine Bestätigung seitens des kommerziellen Kunstmarkts,

dass Südostasien extrem interessant ist. Immerhin

reden wir über die 300 internationalen Top-Galerien,

ein sehr konkurrenzstarkes Umfeld! Für uns ist die Art

Basel die wichtigste Gelegenheit, die Arbeit des STPI zu

präsentieren. Sie ist eine der besten Messen der Welt,

die nicht nur von vielen Sammlern besucht wird, sondern

auch von Kuratoren internationaler Museen ... Deren

Anerkennung ist uns sehr wichtig, denn wenn unsere

Arbeiten für internationale Sammlungen angekauft

werden, ist das für uns die beste Bestätigung, dass wir

qualitativ hochwertige Werke produzieren. Wir wollen

zwar auch Kunstwerke verkaufen, um mit dem Gewinn

die Arbeit des Instituts fortzusetzen, aber natürlich auch

unserem Förderer, der Regierung, bestätigen, dass wir

gute Arbeit leisten. Darüber hinaus demonstriert unsere

Teilnahme das außergewöhnliche Umfeld, das wir

anbieten, und dies wird weitere Künstler dazu anregen,

mit uns zu arbeiten. Künstler aus Europa, Asien oder

Südamerika müssen einen weiten Weg zurücklegen, nur

um einige Wochen nach Singapur zu kommen. Wenn sie

einen guten Grund haben, werden sie trotzdem kommen.

Rückblickend auf die letzten zehn Jahre war es nicht immer

einfach ...

Nein, es war von Anfang an schwierig. Niemand hat

verstanden, was es mit Druckgrafik auf sich hat. Die

allgemeine Öffentlichkeit setzt künstlerische Druckerzeugnisse

mit Reproduktionen aller Art gleich, und die

sind simpel und günstig. Wir wurden gefragt, wozu wir

dieses Grundstück benötigen, das von der Regierung finanziert

wurde. Wofür das alles? Wenn ich ein Ziel hätte

nennen müssen, dann die Teilnahme an der Art Basel,

denn das ist ein sichtbarer, greifbarer Markt. Daher

mussten wir zunächst unsere Qualität beweisen, zum

einen durch die Kooperation mit international anerkannten

Künstlern, zum anderen natürlich auch mit lokalen

Künstlern. So konnten wir vermitteln, wie Produktion

und Galeriearbeit im Institut funktionieren. Aber

wir haben noch Jahre voller Herausforderungen vor uns.

Wir fahren zur Art Basel und haben damit den Status erreicht,

den wir angestrebt hatten, doch werden wir diesen

Status aufrechterhalten? Wenn man die Nummer

eins der Welt ist, läuft man Gefahr, abzustürzen.

Emi Eu, Direktorin des Singapore Tyler Print Institute und

Resident Artist Rirkrit Tiravanija. Foto: KUNST Magazin

find the right time. There are quite a number of artists

we would still like to have work with us.

Did the invitation to Art Basel meet your expectations?

It is a really important event. Art Basel is one of the best

fairs in the world, not only because of the collectors, but

also because most of the international museum curators

and directors who come to Art Basel. We want to

sell works and make money to continue the program,

but we also want the recognition of the industry. If the

curators see our work, like it, and buy it for their collections,

then that is a great confirmation that we are doing

high quality work. In turn, our government will say,

“You’re doing a good job”. That is our primary goal. At the

same time, the participation demonstrates our exceptional

creative environment to other artists who will then

be able to consider coming and working with us. For

artists from America, Europe, and maybe even South-

America, it is really far to come to Singapore for a few

weeks, but if they have a good reason, they will come.

Galleries from Southeast Asia are a small minority. Just

being invited is a confirmation from the commercial art

world that South East Asia is very interesting. I mean, we

are talking about the top 300 Galleries of the world, and

that is a competitive field, right? It is a very good feeling.

Looking back over the last ten years, it was not always

easy.

No, it was very difficult from the very beginning. People

did not understand what print was all about. For the general

public, printing is the same as reproduction—easy

and cheap—so why, they ask, do you need this real estate

that the government spent money on? Why do you

need all that? We started on a difficult path. If I had to

set a target, it was going to be attending Art Basel because

it is a visible, tangible target. So we had to prove

our quality: first, by working with internationally acclaimed

artists, but at the same time by working with local

artists as well, because that kind of injects a different

Drängt die Regierung Sie zu bestimmten Entscheidungen?

Nein. Natürlich trägt sie Verantwortung, denn 30 %

unseres Budgets stammen aus Steuergeldern, darüber

muss die Regierung Rechenschaft ablegen können, und

auch wir kooperieren mit ihr, indem wir regelmäßig

Berichte einreichen. Aber uns wird nicht vorgeschrieben,

mit wem wir zusammenzuarbeiten haben. Das

ist eine einzigartige Situation und ein einmaliger Ort –

wir schätzen uns deshalb sehr glücklich. Ich glaube, die

Menschen in Singapur realisieren die Bedeutung des

STPI überhaupt nicht, und das sage ich nicht nur, weil

ich für das Institut arbeite. Bei den traditionellen Drucktechniken

handelt es sich um eine vom Aussterben

bedrohte Kunstform, die nur dadurch geschützt und

bewahrt werden kann, dass man sie weiterhin ausübt.

Man kann lernen, aus einem Holzblock heraus zu schnitzen,

einen Lithografiestein zu behandeln. Das ist immer

noch ein Teil der künstlerischen Ausbildung, aber wie

macht man daraus eine dem Medium gerechte Kunstform?

Drucktechnik wird immer benachteiligt sein. Wir

haben eigenhändig einen Markt für Arbeiten auf Papier

geschaffen – ich wage sogar zu behaupten: auf internationalem

Niveau. Natürlich wurden Radierungen,

Holzschnitte oder Kupferstiche schon immer produziert

und gesammelt. Doch bei den Arbeiten, die von uns produziert

werden, handelt es sich nicht notwendigerweise

einfach nur um Druckgrafiken. Es sind zwar Papierarbeiten,

doch besitzen sie auch skulpturale und multimediale

Eigenschaften. Eine ganze Reihe von Sammlern ist

dieser Kategorie zugetan. Ich denke, unsere Einrichtung

hat diesen Sammlern sehr gute Dienste erwiesen.

Vielen Dank für das Gespräch!

standard into the way we operate in the gallery and the

production. But we still have challenging years ahead of

us. We are going to Art Basel, and we now have obtained

the stature we wanted, but how are we going to maintain

it? How are we going to continue to push forward,

and what is our next target? That is the more difficult

challenge. When you are number one in the world, make

sure you don’t fall.

Is the government imposing any targets on you?

No. They do have the responsibility and the accountability,

because 30% of our budget is tax-payers’ money. They

ensure that we cooperate properly with the government

in our practices, and we have to hand in a report every

quarter. But the government does not dictate to us

who we have to work with. So we’re very lucky. This is

really a unique place. I think Singaporeans don’t even

realize what it means to have something like the STPI,

and not just because I work here. This particular form of

art—print-making, traditional printmaking—is a dying

art which can only be preserved and maintained when

you continue to practice it. You can learn about how to

carve a woodblock, how to treat a lithography stone. Artists

still learn this at school. But how are you going to

use it to make a mainstream form of art? It will always

be inferior. We single-handedly created the market for

works on paper. I would even dare to say internationally,

because people have always had prints, prints at chainwoodblocks,

or whatever. But the works we produce

are not necessarily straightforward print. People realise

that the prices range between sculptures, paintings, and

drawings. Print is like paper, but it does have sculptural

elements: it has mixed media. There is a market of collectors

who want to address this category. And I do think

that this organisation has done a good job of providing

services to that niche of collectors.

Thank you for the conversation!

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„Wir werden sehen, wie sich Hongkong mit

der Art Basel entwickelt“

“Wait and see how Hong Kong develops

with Art Basel”

Das Interview mit Lorenzo Rudolf führte

Jennifer Becker

Zehn Jahre war Lorenzo Rudolf Direktor der Art Basel. Als

er diese im Jahr 2000 verlassen hat, war die Art Basel

die wichtigste Kunstmesse der Welt. Nach einigen Projekten

in Amerika folgte das erste große Projekt in Asien,

die Kunstmesse ShContemporary in Shanghai. Rudolf ist

fasziniert von der asiatischen Kunstszene, an deren Zukunft

er glaubt. Er hat sich in einem Markt ein Netzwerk

aufgebaut, in dem es viele Spezialisten für regionale

Märkte, aber keinen für ganz Asien gibt. Seit 2011 findet

jährlich im Januar die Kunstmesse Art Stage Singapore

statt. Die Messe ist seine Firma, in Singapur registriert

und ansässig.

Auf die Präsenz welcher Galerien sind Sie besonders

stolz?

Es gibt nicht viele Messen, die schon im zweiten Jahr

mit globalen Marktführern wie White Cube starten, es

sei denn, man ist ein Brand wie die Art Basel, welche

die Aussteller mitbringt. Allein damit ist es hier nicht

gemacht. Wir leben auch in der Kunst in einer Zeit der

Brands, aber es geht ebenfalls um Inhalte. Eine Messe

in Asien agiert in einem emerging market, in dem es etwas

aufzubauen gilt. In Singapur, also im Zentrum von

Südostasien, hat eine Messe in gewissem Sinne eine

Verpflichtung und Verantwortlichkeit. Südostasien ist

eine Region mit unheimlich spannenden Kunst- und

Künstlerszenen, bisher aber ohne starke Strukturen. Das

klassische Prinzip der Kunstmesse ist der Verkauf von

Quadratmetern an Galerien. Wer eine Kunstmesse machen

und Kunstszenen zeigen will, aber nicht genügend

professionelle Galerien hat, lässt es entweder sein oder

versucht neue Wege zu gehen. In diesem Jahr zeigen wir

im indonesischen Pavillon 30 der besten indonesischen

Künstler und runden damit das Bild einer Region ab. Es

geht mir darum, etwas mit Sinn und Inhalt aufzubauen,

eine Marke zu bilden und damit profitabel zu sein.

Was ist das Alleinstellungsmerkmal der Art Stage Singapore?

Es gibt hier zwar massenweise nationale Messen, doch

Hongkong und Singapur sind, wie auch im Finanzwesen,

die einzigen internationalen Orte. Wir werden sehen,

Translation: Timothy Jones

For ten years, Lorenzo Rudolf was director of Art Basel,

transforming it into the world’s premier art fair by the

time he left in 2000. He followed up with several projects

in America before taking on his first major challenge

in Asia, the ShContemporary in Shanghai. Rudolf is

fascinated by the art scene in Asia and believes it has

a bright future; he has set up a network in a market in

which there are many people specialising in one region

but where nobody really knows the whole Asian story.

Art Stage has been held in Singapore every January since

2011. Rudolf owns the fair, which is registered and headquartered

in the island city-state.

Which galleries are you particularly proud of attracting

to Art Stage?

There aren’t many fairs that can boast global market

leaders like White Cube in their second year, not unless

you’re a brand which attracts exhibitors like Art Basel

does. But that isn’t enough here. Even though we’re living

in an era of brands in the art world as well, content

still matters. A fair in Asia takes place in an emerging

market where things still need to be established. A fair

in Singapore is at the heart of Southeast Asia and so it

carries a sort of obligation and responsibility. Southeast

Asia is a region with incredibly interesting art and artists’

scenes, but there aren’t any stable structures yet.

The classic principle behind art fairs is to sell square metres

of wall covering to galleries. If you want to show art

and art scenes but you don’t get enough professional

galleries to come, either you give up or you’re going to

have to think of another way of doing it. We’re showing

30 of the best artists from Indonesia in the Indonesian

Pavilion this year, and that means we’re giving a round

impression of the region. I want to build something with

meaning and content, to establish a brand and be profitable

with it.

What is Art Stage Singapore’s USP?

There are masses of national fairs in Asia but, like in

banking, the really international locations are Hong

Kong and Singapore. We’ll see how Hong Kong develops

with Art Basel, though that emphasises the international

aspect more, and probably more from the Western

Der Indonesische Pavillion der Art Stage Singapore. Rudi Mantofani: The Earth and the World (series), 2009-2012, Aluminium, 150 x 360 x 150 cm

wie sich Hongkong mit der Art Basel entwickelt, die vielmehr

den internationalen Aspekt hervorruft, und das

sicher von einer westlichen Position aus. Mit der Art Stage

versuche ich nicht, den Westen nach Asien zu bringen,

sondern Asien aufzubauen und in den Westen zu

bringen. Wir unterstützen und schützen die asiatischen

Kunstszenen und Galerien. Es gibt einen starken Trend,

dass westliche Galerien nach Asien kommen, um ihre

westliche Kunst zu verkaufen und ihre Märkte zu erweitern.

Sie greifen asiatische Künstler auf, um sie im Westen

und in Asien zu verkaufen, womit sie Konkurrenten

für einheimische Galerien werden. Westliche Galerien

sind stärker und arbeiten professioneller als asiatische

Galerien. Wir möchten, dass asiatische Kunst auf der

ganzen Welt in asiatischen Galerien vertreten ist, daher

müssen die asiatischen Galerien und Szenen eine

gewisse Protektion erhalten. Das kann kein geschütztes

Getto für ewig sein, aber in den nächsten Jahren. Mit

nur 30 % an westlichen und 70 % an asiatischen Galerien

mit südostasiatischem Schwerpunkt hat die Art Stage

von Anfang an eine asiatische Identität. Zum Glück

ist der Zeitpunkt gekommen, zu dem südostasiatische

Szenen, allen voran die indonesische, einer der nächsten

Trends sein werden.

Was zeichnet indonesische Kunst inhaltlich aus?

Man kann nicht von einer generellen indonesischen oder

chinesischen Kunst sprechen. Es sind einzelne Positiopoint

of view. What I’m trying to do with Art Stage is not

to bring the West to Asia, but to build Asia up and bring

it to the West. We’re working with and protecting Asian

scenes and galleries. There’s a definite trend where we’re

seeing western galleries coming to Asia to sell western

art and to expand their markets. They’re picking up Asian

artists to market them in the West and in Asia itself,

and that puts them in direct competition with local galleries.

But western galleries are stronger and work more

professionally than the Asian ones. We want to see Asian

art being represented around the world by Asian galleries,

and that means that Asian galleries and scenes

need a little protection. They can’t stay behind fences for

ever, but they should be sheltered for a couple of years

yet. Art Stage has had an Asian identity right from the

beginning, as we had only 30% western galleries; the

other 70% were Asian with a focus on southeast Asia. So

it’s great that southeast Asian art, especially Indonesian,

is emerging as one of the next big things.

What characterizes Indonesian art?

You can’t really talk generally about an Indonesian or a

Chinese art. There are different positions, all with their

own historical backgrounds. There are ethnic, mythological

influences, classical puppetry and very political

topics. Artists played a very important role in the independence

movement in Indonesia; in the revolutions in

the West, the revolutionary ideas were usually spread

22

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nen mit eigenen geschichtlichen Hintergründen. Es gibt

ethnische, mythologische Einflüsse, das klassische Puppenspiel

und sehr politische Themen. Künstler hatten in

der indonesischen Unabhängigkeitsbewegung eine sehr

wichtige Rolle inne. In den Revolutionen der westlichen

Welt waren es eher die Schriftsteller, welche revolutionäre

Ideen weitergetragen haben, hier waren es die bildenden

Künstler. Bis heute hat zeitgenössische Kunst in der

indonesischen Gesellschaft einen hohen Stellenwert.

Mit hunderten Sammlern ist es der größte und stärkste

Kunstmarkt für Zeitgenössisches innerhalb Asiens, in

dem zeitgenössische Maler in Millionenhöhe gehandelt

werden. Ein Binnenmarkt, der sich jetzt öffnet.

Was zieht westliche Galerien nach Asien?

In Asien entstehen mit dem ökonomischen Wachstum

und sozialen Liberalisierungen völlig neue Märkte und

Kunstszenen. Der Kunstmarkt ist global geworden, und

darin spielt Asien eine immer größere Rolle. Jeder überlegt,

welche Rolle er spielen will, ob in einer Nische oder

im globalen Markt. Es ist ein junger, noch limitierter

Markt. Die asiatische zeitgenössische Kunstgeschichte

ist sehr kurz, und an den Schulen wird noch das Traditionelle

vermittelt. Künstler, die sich verwirklichen wollten,

gingen vor 10 bis 15 Jahren in den Westen nach New

York, Paris, Berlin. Heute sind sie hier.

Wie Europäer zuerst eher europäische Kunst sammeln,

entscheiden sich Asiaten am Anfang lieber für asiatische

Kunst. Erst dann wird westliche Kunst gekauft, und zwar

die großen Namen. Mit konzeptionellen jungen Künstlern

wird eine deutsche Galerie in Asien Schiffbruch

erleiden. Wer im Westen in einer schlechten wirtschaftlichen

Situation auf einem angespannten Markt agiert,

sollte sich dreimal überlegen, ob der Schritt nach Asien

richtig ist. Wer nach Asien geht, muss investieren. Wer

aus Europa kommt, muss enorme Kosten für Transporte,

Unterbringung etc. tragen. Der richtige Zeitpunkt, sich

hier zu positionieren, ist wichtig. Wer zu früh kommt,

schießt ins Kraut, wer lange wartet, bekommt es mit

starker Konkurrenz zu tun. Obwohl die Konjunktur im

Moment gedämpft ist, entwickelt sich Asien stark. Es ist

eine spannende Zeit mit vielen Chancen.

Wo ist die Art Stage in fünf Jahren?

Entwickeln sich viele gute asiatische Galerien, kann ich

wachsen. Neben dem quantitativen Wachstum muss

ein einmaliges und interessantes Produkt für strategische

Partner entwickelt werden. Banken und Luxusindustrie

können ein Wachstum in eine andere Richtung

möglich machen und die Kunst in neue Kreise tragen.

Dann kann der richtige Zeitpunkt sein, in Richtung Design

oder Architektur zu denken. Hinsichtlich der Relevanz

sollten die Art Stage und die Art Hong Kong die

beiden wichtigsten Kunstmessen in Asien werden.

Hongkong ist eine direkte Konkurrenz. Vergessen Sie

nicht, Hongkong ist jetzt gekauft von der Art Basel. Das

ist die Weltmesse, die Rolex. Wir sind die Swatch, und

die ist kreativ.

by writers, but here, it was the visual artists. Contemporary

art is still valued highly in Indonesian society, and

Indonesia is the biggest and richest market in Asia today.

There are hundreds of collectors, and works by contemporary

painters are sold for millions. It’s an internal

market that’s just beginning to open up.

What is attracting western galleries to Asia?

Economic growth and social liberalisation in Asia are

creating completely new markets and scenes. The art

market is global now, and Asia is becoming a more and

more important player. Everybody is thinking about

what role they want to play, whether it’s in a niche or

on the global stage. But it’s still a young, limited market.

The history of contemporary art in Asia is still short,

and schools still teach the traditions. Ten or fifteen years

ago, artists who wanted to develop went to the West, to

New York, Paris or Berlin; nowadays, they’re here.

Just like Europeans tend to collect European art primarily,

Asians generally go for Asian art first. Then they

look for western art, meaning the big names. If a German

gallery comes to Asia with works by young concept

artists, it’s going to fail. Anyone struggling in a difficult

market in the West really needs to think very hard about

whether venturing into Asia is a good idea. Breaking

into Asia means investing. Coming from Europe entails

huge costs for transport, accommodation and so on. It’s

very important to find the right time to position yourself

here. Come too early and things can get out of hand,

come too late and you face stiff competition. Although

the economy is subdued at the moment, Asia is developing

fast. It’s an exciting time and there are lots of

opportunities.

Where will Art Stage be in five years?

If a good number of good Asian galleries develop, I can

grow. Apart from offering quantitative growth, we need

to develop a unique and interesting product for strategic

partners. Banks and the luxury goods industry can

open up different directions for growth and take art to

new audiences. Then it might be the right time to think

about design or architecture. In terms of relevance, Art

Stage and Art Hong Kong should become the two most

important fairs in Asia.

Hong Kong is your direct competitor. Don’t forget that

Hong Kong has been bought by Art Basel. It’s the global

fair, the Rolex. We’re Swatch, and that’s the creative one.

What would you recommend to collectors wanting to

familiarize themselves with the Asian market?

Just throw your preconceptions overboard and jump

in, follow your emotions and forget European norms. In

the future, art and culture won’t be judged be western

standards alone. An increasingly dominant part of the

world won’t have had the French Revolution or the Enlightenment

and won’t know anything about western

individualism. Asian artists have a different background

and that means they have positions that are different to

Was würden Sie Sammlern zur Orientierung auf dem

asiatischen Markt empfehlen?

Sich einfach vorurteilslos ins kalte Wasser zu stürzen,

sich emotional leiten zu lassen und die europäischen

Normen zu vergessen. Kunst und Kultur werden in

Zukunft nicht mehr nur nach westlichen Maßstäben

beurteilt. Eine zunehmend dominierende Seite dieser

Welt wird keine französische Revolution, keine Aufklärung

gehabt haben und den westlichen Individualismus

nicht kennen. Asiatische Künstler haben einen anderen

Hintergrund und entsprechend eine andere Position als

die Europäer. Wer sich darauf einlässt, kommt zu ganz

anderen Diskussionen und Fragen um die Kunst. Da beginnt

die Faszination.

Welches sind die bedeutendsten asiatischen Galerien?

Das sind die, die bereits in Basel oder auf der Frieze zu

sehen sind. In China ist das ShanghArt, sie gehört Lorenz

Helbig. Der Schweizer hat eine der ersten westlichen Galerien

in China aufgemacht. Dann gibt es Galerien wie

Pearl Lam, vielleicht die einzige Galerie in Asien, die die

Macht hat, langfristig so zu spielen wie die großen westlichen

Brands wie z. B. White Cube, Gagosian. Eine der

wunderbarsten japanischen Galerien ist Koyanagi. Die

führende Galerie der jüngeren Generation ist Tomio Koyama.

In Korea sind es Kukje und Hyundai. In Indonesien

gibt es sicher viel weniger Galerien wie Nadi oder Gajah.

In Basel kommen von den ca. 300 Galerien maximal

zwölf aus Asien. Das steht im Missverhältnis zu dem,

was derzeit Realität wird. Der westliche Kunstmarkt arbeitet

sehr protektionistisch. Es ist interessant, das zu

suchen, was man in Basel nicht zu sehen bekommt.

Gibt es eine Empfehlung für Deutschland?

Wir haben die Schweiz, Singapur und Hongkong, wo es

steuerlich sehr interessant ist. Hongkong ist steuerfrei,

Singapur sehr niedrig versteuert und wie die Schweiz

das Zentrum des Private Banking. Da der Kunstmarkt

ein Kapitalmarkt ist, spielen Steuern eine gewaltige

Rolle. Nach dem zweiten Weltkrieg war die Schweiz

das Eldorado des Kunstmarkts, das hatte geschichtliche

Gründe. In Europa verlagert sich das immer mehr

in die angloamerikanische Ecke, also nach England, das

die besten Steuern hat, und Amerika, das die niedrigsten

hat. Deutschland oder Frankreich kann noch so gute

Galerien haben, die leiden unter dem Druck. Neben den

Steuern sind Stabilität, Sicherheit und eine hohe Lebensqualität

wichtige Faktoren für die Entscheidung,

Investitionen in einem Land zu tätigen, und genau diese

bietet Singapur.

Vielen Dank für das Gespräch!

Ein Messestand kostet pro m² 650 Singapore Dollar, umgerechnet

ca. 400 Euro.

www.artstagesingapore.com

Europeans’. If you engage with that, very different discussions

and questions about art come up. That’s when

it begins to get really interesting.

Which are the most important Asian galleries?

The ones that are already in Basel or at the Frieze. In

China, there’s ShanghArt, owned by Lorenz Helbig. He’s

Swiss and opened one of the first western galleries in

China. Then there are galleries like Pearl Lam, which is

probably the only gallery in Asia with the weight to play

along with the big western brands like White Cube or

Gagosian in the long term. One of the best Japanese

galleries is Koyanagi, while the leading gallery for the

younger generation is Tomio Koyama. In Korea, there’s

Kukje and Hyundai. There aren’t that many galleries in

Indonesia like Nadi or Gajah.

Of the roughly 300 galleries in Basel, twelve at most

come from Asia. That’s not a reflection of what’s really

happening. The western art market is very protectionist.

What’s interesting is to look for what you don’t see in

Basel.

Can you make any recommendations for Germany?

We have Switzerland, Singapore and Hong Kong, which

are interesting from a tax point of view. Hong Kong is

tax-free, Singapore has very low taxes and like Switzerland

is a centre for the private banking industry. The art

market is a capital market, and so taxes are a critical

factor. After the Second World War, Switzerland was an

Eldorado for art collectors, which had historical reasons.

But in Europe now, everything is moving more and more

towards the Anglo-American camp, to England in other

words, which has the best tax regime, and to America,

which has the lowest taxes. No matter how good the

galleries in Germany and France are, they’re all suffering

from that pressure. Apart from taxes, other factors like

stability, security and a high standard of living are important

in deciding whether to invest in a country, and

that’s exactly what Singapore offers.

Thank you for the conversation!

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„Ein Goethe-Institut auf eigene Rechnung”

“Like a Goethe Institute that finances itself”

Das Interview mit dem Berliner Galeristen Matthias

Arndt führte Jennifer Becker

Matthias, war es ein großes Wagnis, eine Dependance

in Singapur zu eröffnen?

Man braucht Vertrauen und darf die Dinge nicht zu

Ende denken, denn sonst würde man es nicht machen.

Wenn ich mich frage, ob sich die Galeriearbeit oder

das unglaublich aufwendige Projekt hier auszahlen

wird, lautet die Antwort: „ja und nein“. Eine erfolgreiche

Industrie bietet den Kunden die Produkte, die sie

gerne haben möchten. In der Kunst ist es immer noch

anders. Wir bauen Märkte auf, leisten viel Förder- und

Vermittlungsarbeit. Wir sind gewissermaßen eine Art

Goethe-Institut auf eigene Rechnung. Ich habe mich für

Berlin, Singapur und Australien entschieden. Wir haben

in Australien schon spannende Projekte realisiert. Aber

das neue Zentrum ist Asien, vor allem China, aber auch

Indonesien. Ich erlaube mir den Luxus, jetzt auch hier in

Singapur etwas aufzubauen. Ich habe nur einen ungefähren

Plan für die nächsten zwei Jahre hier. Berlin ist

bis 2015 durchgeplant.

Ist Hongkong nicht viel spannender?

Im Westen denken alle, dass Hongkong am spannendsten

ist, und es ist ja auch eine sehr interessante Stadt. Man

hat dort sehr viel Konkurrenz, all die großen Namen sind

dort. Der Kunstmarkt ist nun generell ein sehr intransparenter

Markt. Die Kollegen aus Hongkong erzählen,

dass sie genauso im Dunkeln tappen wie wir hier. Mich

persönlich interessiert die Kunst in Südostasien sehr,

also Indonesien, Vietnam, Kambodscha, die Philippinen.

Das ist für mich momentan die spannendste asiatische

Kunstlandschaft. In Singapur gefällt mir die Infrastruktur.

Ich fühle mich im Viertel der Gillman Barracks sehr

wohl. Schon 14 Galerien gibt es hier, da können Besucher

davon ausgehen, dass sie mindestens eine gute

Ausstellung zu sehen bekommen. Diese Clusterbildung

ist wichtig.

Welche Strategie verfolgst du hier in Singapur hinsichtlich

der Galeriearbeit?

Ich mache traditionelle Ausstellungen und Verkaufsausstellungen.

Ich kann hier außerdem mit Künstlern arbeiten,

für die ich kein permanentes Mandat habe, da wenige

Künstler eine Galerievertretung in Singapur haben.

Translation: Brian Poole

Was opening a branch of your gallery in Singapore a

great risk?

You need to have some trust, and you can’t think about

all the consequences; otherwise you wouldn’t do it.

When I ask myself whether the gallery work or the

unbelievably costly project here is going to pay off, the

answer is always yes and no. A successful industry offers

its customers the products they want to have. In

the arts it’s still different. We develop markets and put

considerable effort into support and communication.

So it’s something like a Goethe Institute that finances

itself. I chose Berlin, Singapore, and Australia. The new

centre is Asia—particularly China, but also Indonesia.

And I’m now allowing myself the luxury of developing

something here, too. The plans for Berlin are complete

up to 2015.

Isn’t Hong Kong even more exciting?

Everyone in the West thinks that Hong Kong is the most

exciting place. And it is a very interesting city. There’s

lots of competition there. All the great names can be

found there. The art market is, broadly speaking, a very

intransparent market. Colleagues in Hong Kong tell me

that they feel just as lost in the dark as we do here. I am

personally very interested in the art of Southeast Asia—

of Indonesia, Vietnam, Cambodia, and the Philippines.

That, for me, is the most exciting Asian art environment

right now. The infrastructure in Singapore also appeals

to me. I feel entirely at ease in the neighbourhood of

the Gillman Barracks. There are already 14 galleries here,

and so visitors can be sure that they will see at least one

good exhibition. Building such clusters is important.

What is your strategy in regard to gallery work here in

Singapore?

I offer both traditional exhibitions and sales exhibitions.

Here I can work with artists with whom I don’t have any

permanent contractual affiliation.

You opened a ZERO Exhibition with Otto Piene and

Heinz Mack. Do people in Asia know these artists?

In the West, Piene, Mack and Uecker have recently been

rediscovered, although—by comparison with Fontana

and Klein—they are still rather undervalued. Here

Agus Suwage: Waiting for Godot, 2013, Öl und Acrylfarbe auf Leinwand, 250 x 200 cm, Courtesy: ARNDT Berlin & Singapore and the artist.

Suwage ist Teil der Ausstellung ‚Sip! Indonesian Art Today‘ bei ARNDT in Berlin

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Rodel Tapaya: ‚The ladder to somewhere‘ - Solo Show at ARNDT Singapore. Installationsansicht.

Courtesy: ARNDT Berlin & Singapore and the artist

Mella Jaarsma: Animal Has No Religion -

Indra 1 & Indra 2, 2012, Silkscreen on cow

leather, 200 x 100 cm, Courtesy: ARNDT

Berlin & Singapore and the artist

Diese Arbeit wird in der kommenden

Ausstellung ‚Sip! Indonesian Art Today‘

bei ARNDT Berlin gezeigt.

Du hast mit einer ZERO-Ausstellung mit Otto Piene und

Heinz Mack eröffnet. Kennt man diese Kunst in Asien?

Im Westen sind Piene, Mack und Uecker, die im Vergleich

zu Fontana oder Klein immer noch sehr unterbewertet

sind, inzwischen wiederentdeckt worden. Hier in

Singapur ist Piene kaum bekannt, daher zeigen wir ihn

mit den hier sehr etablierten Künstlern Mack und Fontana.

Viele unserer vorrangig indonesischen Kunden besitzen

bereits Werke von Fontana und von Klein und sehen

jetzt den Kontext. In Indonesien gibt es einige große

Sammlungen, die vor drei, vier Jahren die ersten internationalen

Werke kauften, etwa von Picasso, Basquiat und

Fontana. Die Ausstellung ist eine historische Show. Anschließend

zeigen wir Rodel Tapaya von den Philippinen

und danach die Ausstellung „Wahlverwandtschaften“.

Wir zeigen Arbeiten für 10.000 bis 20.000 Dollar, die

übliche Preisklasse, in der hier gekauft wird. Ich werde

bekannte asiatische Künstler zusammen mit international

etablierten Künstlern zeigen. Der Inder Jitish Kallat

ist hier in der Region relativ bekannt. Ich fragte ihn,

mit wem er gerne mal ausstellen würde, mit wem er

sich verwandt fühlt. Er mag Gilbert & George sehr gern,

und da wir die beiden vertreten, werden wir zwei ihrer

Arbeiten gemeinsam mit zwei Arbeiten von Kallat zeigen.

Bestimmte Namen wirken sowohl im Westen als

auch hier. In Indonesien beispielsweise ist Eko Nugroho

ein Popstar. Wenn Eko mit Keith Haring ausstellt, funktioniert

das, weil Haring ein Statussymbol ist – das ist

hier sehr wichtig. Asien ist Marktkultur. Gleichzeitig

in Singapore Piene is almost unknown, and that’s why

we are showing him together with artists who are very

established here—with Mack and Fontana. Many of

our predominantly Indonesian customers already own

works by Fontana and Klein, and so they see the context.

In Indonesia there are some large collections that have

bought their first international works over the last three

or four years: works by Picasso, Basquiat, and Fontana.

The exhibition is a historical show. Thereafter we’ll be

showing Rodel Tapaya from the Philippines and, after

that, the exhibition “Elective Affinities”. We’re exhibiting

works for 10,000 to 20,000 dollars—the normal price

class for the art bought here. I will be showing wellknown

Asian artists together with internationally established

artists. The Indian artist Jitish Kallat is relatively

well-known in the region. I asked him who he would like

to exhibit with, and who he felt in some way connected

to. It turns out that he particularly likes Gilbert & George;

and since we represent both of them, we are going to

exhibit two of their works together with two works by

Kallat. Certain names already have a ring to them both

here and in the West. In Indonesia, for example, Eko

Nugroho is a pop star. When Eko exhibits with Keith

Haring, it works because Haring is a status symbol, and

that is very important here. Asia is a market culture. So

I’m simultaneously trying to establish a name here as

an art consultant. I develop concepts for collections and

operate an Artist’s Agency. Artists can be represented

and supported in many ways. As a gallerist, I can sell

versuche ich hier eine Präsenz als Kunstberatung aufzubauen,

ich entwerfe Sammlungskonzepte und betreibe

eine Künstleragentur. Künstler kann man vielseitig betreuen.

Als Galerist kann ich für sie verkaufen. Aber ich

kann sie auch strategisch beraten und ihnen den Markt

zum Westen hin öffnen.

Wie ist es hier um die Entwicklung des Kunstmarktes

und die ökonomische Kraft bestellt?

Das Potenzial ist riesig, wie auch in Australien. In Singapur

wird sehr strategisch gehandelt. Seit der Staatsgründung

wird in Bildung investiert, Bildung sorgt für

Wohlstand, und Wohlstand erlaubt den Luxus, Kultur

zu fördern. Von Heinz Mack oder Otto Piene etwa wurde

bisher noch keine Arbeit verkauft, aber ein Kunde

kommt demnächst zum vierten Mal hier vorbei, und

anschließend zu unserer Mack-Ausstellung nach Berlin.

Er wird mindestens eine Arbeit kaufen, und dann geht

es weiter. Bei der Eröffnung im Singapore Art Museum

ist mir die große Neugier der Menschen aufgefallen,

die Texte werden ganz genau gelesen. Das SAM ist ein

Spitzenmuseum, es hat bereits bei uns gekauft. Gemeinsam

mit der Gallery of Modern Art in Brisbane und

demnächst dem M + Museum in Hongkong werden das

die wichtigsten Museen sein, die auf einem mit dem

Westen vergleichbaren Niveau sammeln, ausbilden und

Ausstellungen machen.

Vielen Dank für das Gespräch!

their works. But I can also advise them strategically and

open the Western markets for them.

How is the art market currently developing here? And

how would you assess its economic potential?

Its potential is enormous, just as it is in Australia. People

act very strategically here in Singapore. Since the state

was founded they have invested in education. Education

creates wealth, and wealth allows you the luxury of

supporting culture. A work by Heinz Mack or Otto Piene

has not yet been sold here. But a customer will soon be

dropping by for the fourth time, and he’ll also be visiting

our Mack exhibition in Berlin. He’ll buy at least one

work, and that’s good for starters. At the opening of the

Singapore Art Museum (SAM) I noticed the immense

curiosity of the people. The SAM is a top-notch museum

that has already bought works from us. Together with

the Gallery of Modern Art in Brisbane and, soon, the M

+ Museum in Hong Kong, these three museums will be

the most important ones creating exhibitions, educating

people and collecting with standards comparable

to those in the West.

ARNDT Fine Art Singapore Pte. Ltd.

Gillman Barracks, BLK 22 Lock Road #01-35

Singapore 108939, Rodel Tapaya: until 30.6., Wed–Sun 11–19h

Arndt Berlin, Potsdamer Str. 96, 10785 Berlin-Tiergarten

SIP! INDONESIAN ART TODAY, 26.4.–30.5., Di–Sa 11–18h

www.arndtberlin.com

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Uhren, Autos, Kunst

Cars, Watches, Art

Das Gespräch mit dem Berliner Galeristen

Michael Janssen führte Jennifer Becker

Herr Janssen, aus welchen Gründen haben Sie sich entschieden,

eine Dependance in den Gillman Barracks in

Singapur zu eröffnen?

Ich hatte grundsätzlich Interesse an Asien. Per Zufall hörte

ich von dem Projekt der Gillman Barracks und nahm

Kontakt zum Economic Development Board in Singapur

auf, der das Projekt federführend betreut. Ursprünglich

war es nur für südostasiatische Galerien konzipiert worden,

man hat sich eher auf die asiatischen Regionen konzentriert

und nicht auf Europa oder Amerika. Das EDB

hat Eugene Tan als Kurator engagiert, der heute Abend

unten in der Kunsthalle sein erstes Ausstellungsprojekt

mit Künstlern aus Singapur vorstellt. Bisher sind 15 Galerien

auf dem Gelände, weitere sollen hinzukommen.

Kann man hier von Kunst leben?

Wir werden sehen. Wenn man sich an die Preise ein

bisschen gewöhnt hat, bleibt man schlank. Taxifahren

ist noch das Preiswerteste hier. Die Mieten in Singapur

sind heftig, aber günstiger als beispielsweise irgendwo

in den Staaten. In den Gillman Baracks zahlen alle denselben

Mietzins, aber es gibt spezielle individuelle Vereinbarungen

und Sponsorings.

Wie steht es denn um die Verlässlichkeit?

Bis jetzt ganz gut, aber Gelder sind noch keine geflossen.

Wie das mit der finanziellen Verlässlichkeit ist, wird sich

zeigen, aber ich habe den Eindruck, dass man in Singapur

sehr gewillt ist, das Ganze zu unterstützen.

Wie groß ist der bürokratische Aufwand, wenn man von

außerhalb hier etwas aufbauen möchte?

Das ist kompliziert. Ich habe die Firma mit einem einheimischen

Freund gegründet, denn sonst wäre es zu

kompliziert geworden.

Sehen Sie sich als Botschafter für deutsche Kultur und

Kunst in Singapur?

In den Galerieräumen stelle ich derzeit mit Baldessari und

Cranston zwei amerikanische Künstler aus und zeige in

den nächsten beiden Ausstellungen Peter Zimmermann

und Christoph Steinmeyer, also Künstler aus dem Westen.

Ich denke, dass dies von mir auch erwartet wird.

Dann werde ich aber asiatische Kunst zeigen, und zwar

Translation: Brian Poole

Mr Janssen, what were your reasons for opening a

gallery in the Gillman Barracks in Sinapore?

I was already fundamentally interested in Asia. By chance

I heard about the project of the Gillman Barracks, and

so I got in touch with the Economic Development Board

(EDB) in Singapore, which had a leading role in the project.

Initially the project was only conceived for Southeast

Asian Galleries, focusing largely on Asian regions,

and not on Europe or America. The EDB engaged Eugene

Tan as curator; tonight at the gallery he’ll be presenting

his first exhibition project with artists from Singapore.

Already 15 galleries have been set up on the grounds.

Others are due to arrive.

Can you live from art here?

We’ll have to see. Once you become better acquainted

with the prices, you learn to keep a trim ship here. Taking

a taxi is the most affordable thing about the place.

The rents are exorbitant, but still less expensive than in

some places in the United States. At the Gillman Barracks,

everyone pays the same rent , but there are special

individual conditions and sponsoring.

How reliable are things here?

Up till now it’s been very good, but we haven’t received

any money yet. We still have to find out how financially

reliable things are here. But I have the impression that

the officials in Singapore have every intention of supporting

the entire project.

How large is the bureaucratic battle for those who come

from outside the country and want to develop something

here.

It’s complicated. I founded the company with a local

friend of mine. Otherwise, it’s just too complicated.

Do you see yourself as an ambassador for German culture

and art in Singapore?

Presently I’m exhibiting Baldessari and Cranston at the

gallery—two American artists. And at the next two exhibitions

I’ll be showing Peter Zimmermann and Christoph

Steinmeyer, two Western artists. I believe that’s

also what’s expected of me. But then I’m going to exhibit

Asian art, not only in Singapore, but in Berlin as well.

I only found out in August of 2012 that I was going to

Meg Cranston & John Baldessari - „Keep it Simple. Keep it Fresh.“ Installationsansicht, Michael Janssen Singapore, 2013

© Farn Dharma

nicht nur in Singapur, sondern auch in Berlin. Ich weiß

erst seit August 2012, dass ich die Räume hier haben

kann, und schon im September wurden die Gillman Barracks

offiziell eröffnet. Man bat mich, eine Eröffnungsausstellung

zu machen. Die Räume waren noch nicht renoviert,

und alles war noch im Rohzustand. Ich bat Rifky

Effendy – er ist einer der Kuratoren für den indonesischen

Pavillon auf der diesjährigen Biennale in Venedig –, eine

Ausstellung mit indonesischen Street-Art-Künstlern zu

kuratieren. Das Ergebnis war eine wirklich überaus spannende

Ausstellung mit dem Titel „Blended by Desire“.

Zusätzlich zeigten wir erstmalig den Film „Stereomongrel“

von Luis Gispert, den er 2005 in Zusammenarbeit

mit Jeffrey Reed produziert hat. Das war in vier Wochen

machbar, alles andere wäre zu kompliziert gewesen. Unter

den rund 100 bis 120 Besuchern an den Wochenenden

sind ein paar Interessierte, die sich auskennen, aber

viele sind einfach neugierig. Was hier gezeigt wird, kennen

die meisten Menschen nicht. Es gibt das Singapore

Art Museum, in dem viel Wert auf den erzieherischen

Auftrag gelegt wird, den Leuten Kunst nahezubringen. In

diesem Fahrwasser bewegen wir uns.

Welches Konzept verfolgen Sie mit der aktuellen Ausstellung?

Bei Baldessari geht es nicht zuletzt um den Namen. Meg

have these rooms here, but already in September the

Gillman Barracks were officially opened. They asked me

to offer an opening exhibition. The rooms had not yet

been renovated and the interior was still unfinished. I

asked Rifky Effendy, one of the curators of the Indonesian

pavillion of this year´s Venice Biennale, to curate an

exhibition with Indonesian “street artists”. The result

was a really fascinating exhibition with the title “Blended

by Desire”. Furthermore, I showed Luis Gispert´s

film “Stereomongrel” that he had produced with Jeffrey

Reed in 2005 for the first time. That’s what we managed

to do in four weeks; anything else would have been too

complicated. Among the 100 to 120 visitors during the

weekend there were a few who were very well informed,

but many were just curious. Most people don’t know the

art we exhibit here. There’s the Singapore Art Museum

where they place great emphasis on their educational

mission of bringing art to the people. These are the

kinds of currents we have to navigate here.

What concept are you pursuing at your present exhibition?

With Baldessari it’s also simply a question of the name.

Meg Cranston has been working on colour forecasts

for several years now. Pantone also makes predictions

about what colours will be the season’s hits over the

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Meg Cranston & John Baldessari - „Keep it Simple. Keep it Fresh.“ (African Violet), 2013, Acrylic and enamel on canvas, 106,7 x 91,4 cm

© Angela Guo, Courtesy: Galerie Michael Janssen Berlin/Singapore

gearbeitet hat. Ihm schien diese neue Erfahrung aber

zu gefallen. Der Satz auf den gezeigten Bildern ist von

Baldessari, es handelt sich um einen seiner 25 Ratschläge

aus dem Jahre 1969, die er jungen Künstlern gibt. Dem

an Figuration gewöhnten Publikum ist das natürlich zu

spröde. Peter Zimmermann promote ich seit mehreren

Jahren in Asien, ich habe ihn auf verschiedenen Messen

gezeigt. Er ist inzwischen bekannt und kommt in Asien

an, darauf kann man aufbauen. Nachdem ich 2007 auf

der Messe in Shanghai Arbeiten von Zimmermann präsentiert

habe, gab es ein Jahr später die ersten Kopisten,

die wie Zimmermann gemalt haben. Das war auch eine

interessante Erfahrung.

Ist das hier erst mal ein Experiment für Sie?

Das ist ein für drei Jahre konzipiertes Experiment. Das

sehen alle so, die den Vertrag unterschrieben haben.

Danach wird entschieden, ob man weitermachen will.

Bisher gehen die Geschäfte eher schleppend, es gibt hier

noch zu wenig Leute, die sich auskennen, um die Sache

am Laufen zu halten. Viele gehen zur Affordable Art Fair

Singapore, kaufen sich ein Foto oder ein Bild und denken,

sie hätten wunderschöne Sachen erworben. Haben

sie auch, aber eben mit einem anderen Anspruch. In Singapur

geht es eigentlich um Uhren und Autos. Um ein

Auto zu kaufen, muss man erst mal eine Lizenz für ca.

40.000–50.000 Singapur Dollar erwerben. Die ist aber

nicht so teuer wie das Auto, das im Vergleich zu europäischen

Preisen ungefähr das Vierfache kostet.

Gibt es eine Kunstszene in Singapur?

Es gibt natürlich Künstler in Singapur, aber ich persönlich

kenne nur Ming Wong. Er lebt in Berlin und ist das

Aushängeschild der Singapurer Künstlerszene. Er wird

oft auf Biennalen und Triennalen eingeladen. Ich bin gespannt,

was hier noch zu entdecken ist. Mit der Kunstszene

in Berlin ist Singapur nicht vergleichbar. Es gibt

das Museum, einige gute Galerien, aber es hält sich bisher

noch in Grenzen. Zu den Vernissagen gehen schon

viele Leute. Hier wird Pionierarbeit geleistet.

Was wird in Singapur richtig gemacht?

Hier wird für Kultur Geld ausgegeben. Die Verantwortlichen

haben auch eine genaue Vorstellung, einen Plan.

Die Gillman Barracks sind ein gutes Beispiel: Da hatte

wahrscheinlich irgendjemand in der Regierung eine

schlaue Idee, dann holten sie sich Rat bei Experten, und

dann wurde das mit den Galerien initiiert. Alles wird zügig

organisiert und geregelt, bis hin zum Parkplatzservice.

Es ist eigentlich relativ einzigartig.

young artists. For an audience more accustomed to figuration,

that’s all a bit too aloof. I’ve been promoting Peter

Zimmermann for several years in Asia. I’ve shown his

works at various art fairs. Now he’s a well-known artist

who has also caught on in Asia—and that’s something

you can build on. After I exhibited Zimmermann at the

art fair in Shanghai in 2007, the first copyists who painted

like Zimmermann appeared just one year later. That

was also an interesting experience.

Is this, at least for the time being, an experiment for you?

It’s an experiment that I’ve planned to engage in for

three years. That’s how everyone here who has signed

a contract thinks about it. After those three years are

over people will decide whether they want to continue.

For the moment, business is progressing slowly. There

are still too few people here who are familiar enough

with the terrain to keep things running. Many go to the

Affordable Art Fair in Singapore; they buy a photo or a

painting there and think that they’ve just acquired something

wonderful. And they have, but its something

with a different status. In Singapore, it’s all about watches

and cars. In order to buy a car, you first have to acquire

a licence for 40,000 to 50,000 Singapore dollars.

That’s not as expensive as the car itself, which costs

about four times as much here when compared to European

prices.

Is there an art scene here?

Of course there are artists in Singapore, but from my

experiences so far I only know Ming Wong. He lives in

Berlin, but he’s the public figure most closely associated

with the Singapore art scene. He’s often been invited to

biennials and triennials. I’m looking forward to seeing

what else there is to discover here. Singapore cannot be

compared with the art scene in Berlin. There’s the museum

here in Singapore, and a few good galleries, but

otherwise the options are rather limited. Lots of people

attend the gallery openings. That alone is pioneering

work.

What do they do well in Singapore?

Here they spend money on culture. Those responsible

also have a precise idea of what they’re doing—they’ve

got a plan. The Gillman Barracks are a good example. Someone

in the government appears to have gotten this

good idea; they consulted with experts, and then they

launched their gallery initiative. Everything was swiftly

organised and laid out—even the parking service. That

is actually relatively unique.

Cranston arbeitet seit einigen Jahren über Farbvoraussagen.

Pantone trifft Vorhersagen, welche Farben in den

kommenden Jahren die Farben der Saison sein werden.

Daran richten Firmen der Mode- oder Automobilindustrie

die Farbgebung ihrer Produkte aus. Meg Cranston

hat die Farben gemeinsam mit Baldessari ausgesucht,

der eigentlich bei seinen Bildern immer schwarz-weiß

next three years. And companies in the fashion and

automotive industries choose the colours for their products

accordingly. Meg Cranston selected the colours

together with Baldessari, who actually always works

in black and white, but he seems to have enjoyed the

experience. The text on the exhibited paintings is from

Baldessari: 25 pieces of advice from 1969 he offers to

Galerie Michael Janssen Berlin

Potsdamer Str. 63, 10785 Berlin-Tiergarten

Rose Wylie – Works on paper

27.4.–1.6., Di–Sa 11–18h

Galerie Michael Janssen Singapore

Gillman Barracks

9 Lock Road #02-21, Singapore 108937

Peter Zimmermann – crystal & fruits, 18.5.–7.7.

www.galeriemichaeljanssen.de

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33


Alles andere als eintönig

Hongkong ist eine Weltmetropole und Mittelpunkt der asiatischen Kunstbranche.

Mit dem Ziel, einen Einblick in die Vielfalt zeitgenössischer künstlerischer

Positionen Hongkongs zu bieten, stellt die Publikation 20 ausgewählte Künstler

vor. Essays hinterfragen nicht nur die Idee und die Intention der einzelnen

Werke, sondern legen mit Hintergrundinformationen deren Entstehungsprozess

offen. Werke mit performativem Charakter oder Installationen wie

die interaktive Arbeit „Face Hack“ (2005) von Eric Siu, bei der die Rezipienten

eine Figur in einem vorgespielten Film übernehmen, sind nur eines von vielen

Ausdrucksfeldern der Künstler.

Cordelia und Christoph Noe (Hg): Hong Kong Artists/20 Portraits. Verlag für moderne

Kunst, Nürnberg 2012. Engl., 224 S., Softcover, 35 €. ISBN: 978-3-86984-322-3

Sand im Getriebe

Zur Ausstellung der Reihe „connect“ veröffentlicht das Institut für Auslandsbeziehungen

ifa ein reichhaltiges Handbuch. Arbeiten aus den Bereichen Performance,

Malerei, Fotografie und Skulptur illustrieren die zeitgenössische

Kunstszene der Hauptstadt Kambodschas, Phnom Penh. Thematisch weiterführende

Essays und Künstlerinterviews runden das Bild ab. Viele der Künstler

und Künstlerinnen, darunter der documenta-(13)-Teilnehmer Sopheap Pich,

thematisieren, ausgehend von sozialpolitischen und ökologischen Fragen,

die in der Urbanisierung begriffene Stadt. Mit seinem breiten Ansatz konzentriert

sich der Katalog auf einen Diskurs über Kambodschas Kultur, der abseits

von eingefahrenen westlichen Vorstellungen stattfindet.

Institut für Auslandsbeziehungen (Hg.): connect: Phnom Penh. Das Verschwinden

verhindern. Berlin 2013, Dt./Engl., 192 S., Hardcover, 17 €.

Verhandlungen über Chinas zeitgenössische Kunst

Seit dem Ende der Kulturrevolution haben sich im zeitgenössischen Kunstwesen

Chinas weitreichende Entwicklungen vollzogen. Einen Anfang der wissenschaftlichen

Aufarbeitung leistet dieser Sammelband, der u. a. die moderne

Landschaftsmalerei, Konzepte von Körper und Gender oder den chinesischen

Kunstmarkt untersucht. Die 20 Autoren betrachten die Entwicklung abseits

der Versuche, eine „chinesische Identität“ zu erfinden. Sie nehmen Abstand

von einer Auseinandersetzung, die sich an der westlichen Vorstellung von

Kunst orientiert, und schaffen so globale und transkulturelle Perspektiven.

Birgit Hopfener, Franziska Koch, Jeong-hee Lee-Kalisch, Juliane Noth (Hgg.):

Negotiating Difference. Contemporary Chinese Art in the Global Context.

VDG Kromsdorf, Weimar 2012. Engl., 374 S., 139 S/W-Abb., 29 farbige Abb., Broschur.

59 €. ISBN: 978-3-89739-717-0

Schildkrötenpanzer als Accessoire

Eine opulente ethnografische Sammlung trifft auf die Designer von vier internationalen

Modelabels. Was passiert? Der Katalog zur Ausstellung im

Weltkulturen Museum Frankfurt dokumentiert den Dialog zwischen vergangenen

und zukünftigen Modewelten in der ungewöhnlichen Produktionsumgebung

des Museums. Archivfotos oder Objekte des Museums werden den

Aufnahmen von Arbeiten zeitgenössischer Designer gegenübergestellt und

vermischt. Es sind spannende Entsprechungen in Kleidung, Pose und Haltung

zu entdecken – die Kommunikation zwischen den Zeiten und Kulturen wird

durch Mode möglich.

Clémentine Deliss, Teimaz Shahverdi (Hg.): Trading Style – Weltmode im Dialog.

Weltkulturen Museum Frankfurt, Kerber Verlag, Bielefeld 2011. Dt./engl., 264 S.,

175 farbige und 73 S/W-Abbildungen, Klappenbroschur, 25 €. ISBN: 978-3-86678-774-2

Chinesische Kunst revisited

Die umfangreiche zweibändige Publikation ist mit ihren auffällig gestalteten

Einbänden ein wahrer Blickfang im Bücherregal. Der erste Band stellt die

ambivalenten Inhalte der Ölmalerei Wang Xiaosongs vor. Zahlreiche Abbildungen

und ausführliche Essays zeigen seine Anklänge an die westliche Moderne

in Verbindung mit systemkritischen Ansätzen auf. Ebenso umfassend

widmet sich der zweite Teil Xiao Hui Wangs Arbeiten wie Fotografie, Malerei

und Video. Spannend erscheint ihr Spiel mit Moderne und Tradition in Nanofotografien

von Aluminium, Kohle oder Krustentierschalen, die sich wie traditionelle

chinesische Tuschemalerei ausnehmen.

Beate Reifenscheid (Hg.): IntroSpection. Abstrakte Positionen zeitgenössischer Kunst

aus China – Xiao Hui Wang, Wang Xiaosong. Hirmer, München 2012. Dt./engl./chin.,

472 S., 244 Abb., 39,90 €. ISBN: 978-3-7774-5991-2

Zu Hause ist es am schönsten

„Heimat“ ist ein Wort, das jedermann mit Geborgenheit, Identität und Akzeptanz

verbindet. Doch viele Menschen haben andere Assoziationen, z. B.

Migranten, die aus ihrer Heimat fliehen mussten und kein Zuhause mehr kennen.

Shah Rizzla, ein junger Künstler aus Singapur, möchte mit seiner Arbeit

„This is Home“ auf die Situation dieser Menschen aufmerksam machen. Ein

kleines Zelt aus Pappe, Kleidungsresten und Bindfaden steht mitten auf einer

freien Fläche, und darin sitzt Shah Rizzla, der auf Reaktionen des Publikums

wartet. Arbeiten, die den Staat auf politischer, sozialer und kultureller Ebene

hinterfragen, sind bezeichnend für Singapurs zeitgenössische Künstler.

34 Werke werden im Katalog beleuchtet.

Singapore Art Museum (Hg): The Singapore Show: Future-Proof. Singapore Art

Museum, Singapur 2012. Engl., 112 S., Hardcover, 30 €. ISBN: 978-981-07-1093-4

www.kremer-pigmente.de

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Imperial Pomp

Post-Soviet High-Rise

Frank Herfort

Für sein langjähriges Fotoprojekt reiste Frank Herfort

quer durch Russland, wo er Gebäude, die nach dem

Zerfall der Sowjetunion aus dem Boden gestampft wurden,

fotografierte. In ihrer Wucht und Größe erscheinen

diese skurril, pompös, exotisch und erinnern zugleich

an überdimensionierte sowjetische Denkmäler. Sie

drücken Sehnsucht nach vergangener Größe aus und

den Ehrgeiz, diese noch zu übertreffen.

www.kerberverlag.com

24,3 x 32,3 cm, 176 Seiten,

100 Abbildungen,

Hardcover, gebunden,

Goldprägung,

Schutzumschlag

Deutsch | Englisch

isbn 978-3-86678-798-8

1 44,–

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Die KUNST Magazin Sammlergespräche –

Buchpräsentation am 27.4. in Berlin!

Gallery Weekend Berlin

SammlergeSpräcHe

KUNST Magazin

KUNST Magazin

SammlergeSpräcHe

geführt von Jan Kage

Auch in diesem Jahr wird Berlin wieder für drei Tage

internationales Publikum anziehen, wenn vom 26.–28.

April das Gallery Weekend zum 9. Mal stattfindet. Neuzugänge

im Vergleich zum letzten Jahr sind die Galerien

Kraupa-Tuskany Zeidler, Nature Morte Berlin, Galeria

Plan B und Sommer & Kohl, die den Blick auf die Kunstszene

der Hauptstadt erweitern. Gleich drei verschiedene

Ausstellungen beleuchten das Werk Hans-Peter

Feldmanns mit unterschiedlichen Schwerpunkten. 2012

eröffnet, gibt das Eigen + Art Lab in diesem Jahr einen

Einblick in die interdisziplinäre Arbeit des Architekten

Jürgen Mayer H.s, indem es eine speziell entwickelte

Rauminstallation aus Skulptur und Wandmalereien

zeigt. Wer es gerne etwas klassischer mag, wird bei

Moeller Fine Art fündig, wo man Holzschnitte und Malereien

von Vater Lyonel und Sohn T. Lux Feininger zueinander

in Beziehung setzt. Auch Wolfgang Werner

konzentriert sich auf den modernen Diskurs und bringt

zwölf seltene Skulpturen von Medardo Rosso mit Zeichnungen

der letzten 40 Jahre von Gotthard Graubner in

einen Dialog. Das Galerienwochenende für Kunstschaffende,

den Kunstmarkt und Interessierte sollte man sich

also nicht entgehen lassen.

Jennifer Becker & Stefan Haupt (Hg.)

Bitte beachten Sie die Sonderöffnungszeiten der Galerien!

Valie Export: Fragmente der Bilder einer Berührung, 1994

Courtesy: Charim Galerie Wien, Galerie ZAK | BRANICKA, Berlin

Zu sehen bei ZAK | BRANICKA, Berlin

Restaurant-Tipps Gallery Weekend:

Drei Jahre, 29 Gespräche, zahllose Anekdoten, Hintergründe,

Erlebnisse. Die KUNST Magazin Sammlergespräche

sind nun auch als Buchpublikation erhältlich und

laden zum Schmökern, Schmunzeln und Staunen ein.

Seit 2010 entlockt Jan Kage Kunstsammlern wie Thomas

Olbricht, Nathalie Vranken, Christiane zu Salm-Kofler,

Heiner Wemhöner, Siegfried Grauwinkel, Sabine Brunkhorst,

Thomas Rusche, Juerg Judin oder dem Ehepaar

Haubrok Geschichten über die Objekte ihrer Begierde.

Die inhaltlichen Schwerpunkte der Sammlungen sind

so verschieden wie die Motive des Sammelns selbst, die

vom persönlichen Bildungsauftrag über frühe Prägungen

bis hin zum unstillbaren Jagdinstinkt oder schlicht

Idealismus reichen.

Die Gespräche decken auf, welche unterschiedlichen

Perspektiven und Ansätze sich hinter dem sozialen Mythos

des Kunstsammlers verbergen. Nach welchen Kriterien

und wo werden die Werke erworben? Ändert sich

der eigene Geschmack im Laufe der Zeit? Braucht man

wirklich das ganz große Geld? Und was passiert, wenn

die Wände und Räume voll sind? Viele Sammler haben

eine eigene Plattform geschaffen, um ihre Schätze der

Öffentlichkeit zugänglich zu machen, andere erfreuen

damit im privaten Raum Freunde und Familie oder Angestellte

im Büro. Die Fachkenntnisse der Sammler und

deren oft sehr persönliche Einblicke in die Schaffenswelten

der Künstler machen das Buch zu einer informativen

und anregenden Lektüre – und vielleicht auch Lust

darauf, selbst in die Welt des Sammelns einzutauchen.

Fazit: Den typischen Kunstsammler gibt es nicht!

KUNST Magazin Sammlergespräche, geführt von Jan

Kage, herausgegeben von Jennifer Becker und Stefan

Haupt, erschienen Ende April 2013 im Offizin Verlag,

Zürich. 24 €, ISBN: 978-3-90749678-7

Die Buchpräsentation findet am 27.4. um 17h im

Rahmen des Sammlergesprächs mit Thomas Olbricht

und Jonas Burgert, moderiert von Jan Kage, im me

Collectors Room / Stiftung Olbricht, Auguststr. 68, statt.

Bitte um vorherige Anmeldung unter

sammler@kunstmagazin.de

Kimchi Princess –

Korean Restaurant

Skalitzer Str. 36/

Manteuffelstraße

10999 Berlin- Kreuzberg

Tel.: +49 (0)163-45 80 203

Lokal

Linienstraße 160

10115 Berlin-Mitte

Tel.: +49 (0)30-28 44 95 00

Kopps- Bar und Restaurant

finest vegan food and drinks

Linienstraße 94

10115 Berlin-Mitte

Tel.: +49 (0)30-43 20 97 75

The Grand

Hirtenstraße 4

10178 Berlin-Mitte

Tel.: +49 (0)30-27 89 09 95 55

KaterHolzig

Michaelkirchstr. 23

10179 Berlin-Mitte

Tel.: +49 (0)30-51 05 21 34

Long March Canteen

Wrangelstr. 20

10997 Berlin-Kreuzberg

Tel.: +49 (0)178-88 49 599

Pauly Saal

Auguststraße 11

10117 Berlin-Mitte

Tel.: +49 (0)30-33 00 60 70

Tausend Backroom Cantina

Schiffbauerdamm 11

10117 Berlin-Mitte

Tel.: +49 (0)30- 27 58 20 70

Restaurant Tim Raue

Rudi-Dutschke-Straße 26

10969 Berlin-Kreuzberg

Tel.: +49 (0)30-25 93 79 30

Michel François: 2013, Foto: Jens Ziehe, Courtesy: carlier | gebauer

Zu sehen in der Galerie carlier | gebauer

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Borderline Something – Toby Ziegler

Anna K.E.

Toby Ziegler: Monitor, 2013

Öl auf Aluminium, 180 x 258,5 cm

Courtesy: Toby Ziegler & Galerie Max Hetzler, Berlin

© Todd-White Art Photography, London

Die Arbeiten des britischen Künstlers Toby Ziegler bewegen

sich zwischen Abstraktion und Figuration. Skulpturen

und Gemälde erschafft Ziegler u. a. mithilfe von

Computersoftware, indem er Formen erzeugt und die

Muster ihrer Oberflächen manipuliert. Seine Motive verweisen

auf Ausschnitte flämischer und spanischer Stillleben,

die bei ihm jedoch zu etwas Neuem werden – der

Prozess des Deformierens, Beschädigens und Peinigens

seiner Materialien verursacht bei der physischen Umsetzung

seiner digitalen Vorlagen Fehler und typische

Eigenheiten, die für weitere Interpretationsmöglichkeiten

sorgen.

Galerie Max Hetzler

Oudenarder Str. 16–20, 13347 Berlin-Wedding

bis 1.6., Di–Sa 11–18h, Gallery Weekend: 26.–28.4.

www.maxhetzler.com

Anna K.E.: Cultural Catalyst That Drives the Popular Dialogue Globally

Video, 2012

Courtesy: Anna K.E. und Galerie Barbara Thumm

Im Zentrum der Ausstellung stehen in diesem Jahr neue

Arbeiten der georgischstämmigen Künstlerin Anna K.E.,

die mit den Medien Zeichnung, Skulptur, Installation,

Performance und Video arbeitet. Ihre Objekte sind vielschichtige

und formenreiche Konstruktionen, die mit

dem Raum interagieren. Auch die Installation „Two whores

in the same dress“ basiert auf Multimedialität. Im

Zentrum stehen zwei korrelierende Skulpturen, die für

Interpretationen offen sind, als Podium aber auch zur

Interaktion einladen. Damit verweist die Künstlerin auf

Fragen zu privater und öffentlicher Handlung.

Galerie Barbara Thumm

Markgrafenstr. 68, 10969 Berlin-Kreuzberg

bis 31.5., Di–Sa 11–18h

Gallery Weekend: 26.4.,18–21h, 27.+28.4.,11–19h

www.bthumm.de

Condo / Artschwager / Kosuth

Roswitha Hecke / Erik Steinbrecher

Drei namhafte Positionen präsentiert Sprüth Magers

zum Gallery Weekend. Dem „Vater der Konzeptkunst“,

Joseph Kosuth, widmet die Galerie eine Retrospektive

seiner Neonarbeiten von 1960 bis heute. Auch der

kürzlich verstorbene Richard Artschwager setzte sich

mit den Beziehungen zwischen Materialität, Raum und

Wahrnehmung auseinander. Die Ausstellung zeigt seine

jüngste Porträtserie neben „Exclamation Point“ (2010).

Mit subtilem Witz bildet die Skulptur den Übergang zur

Kunst George Condos. Zu sehen sind Arbeiten von 2012,

die Malerei und Bronzeskulpturen umfassen.

Das Buch „Liebes Leben“ der Hamburger Fotografin

Roswitha Hecke feierte 1978 einen Welterfolg. Bekannt

geworden mit einfühlsamen Porträts gesellschaftlicher

Außenseiter, widmete Hecke ihr Fotobuch der Zürcher

Prostituierten und Künstlermuse Irene. Am Gallery

Weekend kann der Besucher nun mit Vintage-Prints

wieder eintauchen in die Entstehungszeit des Buchs.

Antagonistisch zu Heckes Fotografie wirkt die Arbeit des

Schweizers Erik Steinbrecher, der den Treppenturm und

den Garten der Galerie bespielt. Mit seinen hybriden

Plastiken thematisiert der Künstler Männlichkeit.

George Condo: Downtown New York, 2012

Acryl, Kohle & Pastell auf Leinen, 228,6 x 330,2 cm

© George Condo / ARS, New York, 2013

Courtesy: Sprüth Magers Berlin London

Sprüth Magers Berlin

Oranienburger Str. 18, 10178 Berlin-Mitte

27.4.–22.6., Di–Sa 11–18h and by appt.

Gallery Weekend: 27.+28.4., 11–19h

www.spruethmagers.com

Roswitha Hecke: Irene, 1978

Silbergelatine-Vintageprint (1978)

Courtesy: Sassa Trülzsch, Berlin

Sassa Trülzsch

Blumenthalstr. 8, 10783 Berlin-Schöneberg

26.4–22.6., Mi–Sa 11–18h

Gallery Weekend: 26.4.,18–21h, 27.+28.4.,11–19h

www.sassatruelzsch.com

Michael E. Smith

Schonungslos porträtiert der Detroiter Künstler Michael

E. Smith die geschundene US-amerikanische Seele des

21. Jahrhunderts. Seine Umgebung bietet ihm die notwendigen

Materialien: Blechdosen, Verpackungen oder

Kleidungsstücke verwandelt er in Skulpturen, Bilder,

Installationen oder Videoloops. Amorphe Werke entstehen,

die er mithilfe von Lack, Harz und Öl in streng

formale Ordnungen zwingt, sodass die ursprünglichen

Fundstücke nicht mehr erkennbar sind. Dabei geht

Smith respektvoll und behutsam vor und erweckt die

leb- und nutzlosen Dinge zu autonomen Wesen.

Ugo Rondinone – Primal

Ceal Floyer – Untitled (Dotted Line)

Es scheint, als würde die Zeit stillstehen. Kahl und leer

ist der Ausstellungsraum. Ein brauner Boden aus Verlegeplatten,

die Fenster sind geweißt. Doch genau das ist

das Konzept des Schweizer Künstlers Ugo Rondinone:

Zeitlosigkeit. Den steril erscheinenden Raum bevölkern

59 kleine Pferdeskulpturen, die zunächst von Hand in

Ton geformt und anschließend in Bronze gegossen wurden.

Mit der eigenartigen Atmosphäre der Ausstellungspräsentation

will der Künstler Arkadien heraufbeschwören.

Ceal Floyer zeigt parallel dazu im „Studio Space“

eine Installation.

Michael E. Smith: Untitled, 2012

Courtesy: Michael E. Smith und KOW, Berlin

© Alexander Koch

KOW Berlin

Brunnenstr. 9, 10119 Berlin-Mitte

bis 21.7., Mi–So 12–18h, Gallery Weekend: 26.–28.4.

www.kow-berlin.info

Ugo Rondinone: The wind, 2013

© Andrea Rossetti Esther Schipper

Schöneberger Ufer 65, 10785 Berlin-Tiergarten

bis 30.5., Di–Sa 11–18h, Gallery Weekend: 26.–28.4.

www.estherschipper.com

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Anselm Kiefer. Der Rhein.

Anselm Kiefer: Der Rhein, 1982/2013

Holzschnitt auf Leinwand, 330 x 330 cm

Aus einem Brief von Anselm Kiefer an Henri Loyrette:

„Der Rhein ... Wandernd durch eine Allee von hohen

Bäumen sah man schon von Weitem das silbern schimmernde

Band des Flusses, das zugleich Ziel, Ende der

Wanderschaft und Verheißung auf ein geheimnisvolles

Land am anderen Ufer des Flusses war. Der deutsche

Strom war Gegenstand so vieler Gedichte und Lieder:

das Rheingold der Nibelungen, die Rheintöchter „Woglinde,

Floßhilde, Wellgunde“, da ist das Gedicht von

Brentano „Die Loreley“, die Sage von dem zauberhaft

schönen Mädchen. Außerdem die schöne Rheinhymne

Hölderlins, bei der er Griechenland quasi an den Rhein

versetzt, und „Das versunkene Schloss“ von Schlegel.

Diese verschiedenen Schichten eines mehrstimmigen,

oft gegensätzlichen Gesanges versuchte ich nun in Holz

zu schneiden. Das widerspenstige Material Holz und

das einfache Schwarz-Weiß scheinen im Gegensatz zu

stehen zur Eigenart des Flusses, diesem Schillernden, in

tausend Farben Oszillierenden.“

Werner Pawlok: London Street

Galerie A E A im Parterre des von Jürgen Mayer H entworfenen Gebäudes

Open House

Anlässlich des Gallery Weekend veranstaltet die Galerie

A E A – Art et Architecture ein „Open House“. Die Galerie

öffnet die Türen zu drei noch verfügbaren Wohnungen

des von dem Architekten Jürgen Mayer H. entworfenen

Gebäudes, darunter eine 8-Zimmer-Wohnung mit

ca. 308 m 2 Größe. Das Haus vermittelt mit seiner organisch

anmutenden Fassade aus dreidimensional arrangierten

Aluminiumlamellen zugleich eine Idee der

schöpferischen Verwandtschaft von Kunst und Architektur,

die das Programm der Galerie bestimmt. Die Galeristen

bringen die Architektur renommierter Büros wie

J. MAYER H., Muck Petzet oder Claus Schuh Architekten

in Verbindung mit Werken so namhafter Künstler wie

Rebecca Horn, Dennis Oppenheim und Kyoeng Sub Yue.

Metro-Pole – Fotografien von Werner Pawlok

Werner Pawlok ist häufig unterwegs, seine Projekte

führen ihn in Städte auf der ganzen Welt. Das flüchtige,

zuweilen fast traumhafte Erleben der fremden Umgebung,

aber auch die Anonymität moderner Stadtbilder

wird in Pawloks Bildserien zum Thema.

Wie häufig in seinem Werk wird das Ausgangsmaterial

einer vielstufigen Bearbeitung unterzogen, die eine

komplexe Bildtextur erzeugt.

Medardo Rosso: Carne altrui, 1883, Bronze, 24,4 x 39,6 x 29,8 cm

Foto: Kunsthandel Wolfgang Werner

Galerie Bastian

Am Kupfergraben 10, 10117 Berlin-Mitte

bis 14.9., Do/Fr 11–17.30h, Sa 11–16h

Medardo Rosso – 12 Skulpturen

Gotthard Graubner – Zeichnungen

Zum Berliner Gallery Weekend 2013 zeigt der Kunsthandel

Wolfgang Werner Skulpturen des italienischen

Bildhauers Medardo Rosso (1858–1928), von seinen Zeitgenossen

als „Bildhauer des Lichts“ gefeiert. Die in der

Bildhauerei traditionell geschlossene, lineare Kontur

bricht Rosso auf, um ein ganzheitliches Bildnis zu erfassen,

das sowohl den Umraum als auch die emotionale

Wirkung des Betrachters einbezieht. Mit farbig getönten

Wachsausformungen, die ein weiteres Modellieren

ermöglichen, gelingt es ihm, das Wechselspiel von Licht

und Schatten in die auf Einansichtigkeit hin konzipierten

Werke einzubringen.

Graubners bisher unbekannte, erstmals 2011 publizierte

Zeichnungen sind so gewählt, dass sie in ihren schwarzen

Schraffuren das zeichnerische Werk Rossos wachrufen.

Galerie A E A

Johannisstr. 3, 10117 Berlin-Mitte

Open House: 27.+28.4., 13–18h

Metro-Pole: bis 27.4., Mi–Fr 13–18h, Sa 11–16h

030 - 30 88 24 84, www.galerie-aea.de

Gotthard Graubner:, 1970, Kohle auf Papier, 28,3 x 26,2 cm

Foto: Kunsthandel Wolfgang Werner

Kunsthandel Wolfgang Werner

Fasanenstr. 72, 10719 Berlin-Charlottenburg

Opening: 26.4., 18–21h, 27.4.–29.6., Di–Fr 10–18h, Sa 11–15h

Gallery Weekend: 27.+28.4., 11–19h

www.kunsthandel-werner.de

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Martin Butler: Alice through the keyhole, 2013

begehbare Installation, © Martin Butler

Olympus OM-D: Photography Playground

Gruppenausstellung

Der OM-D: Photography Playground ist eine Gruppenausstellung

mit interaktiven Installationen, die sich dem

Thema „Kunst und Raum“ auf unterschiedliche Weise

nähern und die Opernwerkstätten zu einem riesigen

Spielplatz werden lassen. Dieser lädt die Besucher zu einer

Entdeckungsreise ein. Mit der Systemkamera OM-D

von Olympus lässt sich die Ausstellung ganzheitlich erfahren.

Neue Wahrnehmungsformen oder dem bloßen

Auge verborgene Ebenen können so perfekt festgehalten

werden. Zu den beteiligten Künstlern gehören u. a.

die Koreanerin Jeongmoon Choi, die mit der Installation

„Drawing in Space“ neue Konturen und Grenzen schafft.

Bei dem Briten Martin Butler wird der Besucher Teil seiner

Installation „Alice through the keyhole“ und erlebt

darin Raumillusion und optische Täuschung. Starstyling

widmet sich der Mode. In ihrem Konzept sind Besucher

Model, Fotograf oder beides zugleich.

Yujin Lee – Chronos und Kairos

Die Art und Weise, wie unterschiedliche Kulturen auf

Naturkatastrophen reagieren, gibt Aufschluss über ihre

Beziehung zur Natur. Der Umgang mit vom Menschen

verursachten Katastrophen führt in ein noch viel weiteres

Feld konstituierender gesellschaftlicher Zusammenhänge.

Die in Berlin lebende Südkoreanerin Yujin

Lee visualisiert in akribisch angefertigten Bleistiftzeichnungen

gigantische Wolken- und Rauchformationen.

Die Frage nach ihrem Ursprung ist hochbrisant – ob ihre

Motive ein tatsächliches Ereignis abbilden, bleibt jedoch

ungewiss. Im Hochformat von 216 x 110 cm entfalten die

Zeichnungen eine extrem plastische Wirkung; als Figurationen

werden sie dem Betrachter zum Gegenüber.

Namensgeber der Ausstellung sind zwei mythologische

Gottheiten: Chronos herrscht über die Zeit, Kairos über

den idealen Augenblick. Rauchwolken sind ungreifbar

und ephemer, werden aber durch Yujin Lees künstlerische

Vergegenständlichung in der Zeichnung dauerhaft

festgehalten. Druckgrafiken und Kreidezeichnungen,

die sich mit demselben Themenkomplex beschäftigen,

ergänzen die Ausstellung.

Opernwerkstätten Berlin

Zinnowitzer Str. 9, 10115 Berlin-Mitte

26.4.–24.5., tgl. 11–19h, Eintritt frei

www.createyourownworld.de

Yujin Lee: Telescope Series, 2011

Kohle und Pastellkreide auf Papier, je 40 x 40 cm

© Yujin Lee, Berlin

MORGEN CONTEMPORARY

Ackerstr. 162, 10115 Berlin-Mitte

Opening: 24.4., 19h, 25.4.–1.6., Di–Sa 12–18h

Gallery Weekend: Sa+So 11–19h

www.morgen-contemporary.com

Dreimal Hans-Peter Feldmann

Franziska Klotz

Hans-Peter Feldmann, Lichtfleck, Lampe, Haken, 68 x 62 cm

Courtesy Mehdi Chouakri, Berlin

Reproduktion: Katharina Kritzler, Berlin

In seinem vielfältigen Werk hinterfragt Feldmann seit

den 1970er-Jahren humorvoll und mit Biss den etablierten

Kunstmarkt. Nach Auftritten in New York oder auf

der Venedig-Biennale würdigen derzeit die Hamburger

Deichtorhallen sein Oeuvre mit einer umfassenden

Schau. Zum Gallery Weekend sind Werke, die verschiedene

Aspekte seiner Kunst offenbaren, gleich an drei unterschiedlichen

Orten in Berlin zu sehen. Die Johnen Galerie

lässt den Besucher in die klassische Arbeitsweise

des Künstlers mit Bildern und Objekten aus dem 19./20.

Jahrhundert eintauchen, während die Galerie Mehdi

Chouakri seine jüngste Arbeit zeigt – eine Installation

mit Spotlights, die auf gestrichene und mit Bilderhaken

vorbereitete Wände gerichtet sind. Für Kenner seines

Werks bietet sich ein Besuch bei Wien Lukatsch an, die

seine vielfältigen Künstlerbücher umfassend präsentiert.

Franziska Klotz: Krater, 2013

Öl auf Leinwand, 165 x 210 cm

Courtesy: Galerie Kornfeld, Berlin

Eigene oder gefundene Fotografien und Bilder dienen

Franziska Klotz (*1979 in Dresden) als Anregung für ihre

gegenständlichen Kompositionen. In den Gemälden

der Künstlerin kommt der Materialität der Farbe eine

tragende Rolle zu. Bereiche, in denen die pastos aufgetragene

Farbmasse beinahe skulpturale Qualitäten

aufweist, stehen neben lasierend-fließenden Partien.

Das Unfertige, Vorläufige ist bei Franziska Klotz Teil des

Bildes, und so finden sich detailliert ausgearbeitete Bereiche

neben skizzenhaften Partien.

Mehdi Chouakri, Invalidenstr. 117, 10115 Berlin-Mitte

bis 1.6., Di–Sa 11–18h

Johnen Galerie, Marienstr. 10, 10117 Berlin-Mitte

bis 22.6., Di–Sa 11–18h

Wien Lukatsch, Schöneberger Ufer 65, 10785 Berlin-Tiergarten

bis 20.7., Di–Fr 13–18h, Sa 12–18h

Gallery Weekend: 26.4., 18–21h, 27.+28.4., 11–19h

Galerie Kornfeld

Fasanenstr. 26, 10719 Berlin-Charlottenburg

bis 18.5., Di–Sa 11–18h

Book launch Katalog Franziska Klotz 27.4., 11–14h

Gallery Weekend: 25.4.–28.4., 9–21h

www.galeriekornfeld.com

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Anselm Reyle – Untitled 2008

Reyle ist unter anderem für seine skulpturalen, glänzenden Folienbilder im Stil

der „low culture“ bekannt. Das LRRH, ein Werkstudio für textile Editionen zeitgenössischer

Künstler, ist darauf spezialisiert, Kunstwerke mithilfe elaborierter

Techniken in textile Form umzusetzen, und stellt nun die Edition von Anselm

Reyle vor.

Klaus Küster – Miniretro

Die Ausstellung zeigt Arbeiten aus vier Jahrzehnten bzw. verschiedene Werkblöcke

des Künstlers: Fotografien, Fotoskulpturen, luminoplastische Fotogramme,

Malerei und Zeichnungen.

Sonderöffnungszeiten zum Gallery Weekend: Sa+So 14–19h.

Ab dem 23.5. zeigt die Galerie Arbeiten von Björn Achilles und Oliver Scharfbier.

Anselm Reyle: Untitled, 2008

Digital bedrucktes Seidentuch, 110 x 110 cm

Magasin Souvenir x LRRH, Torstr. 76, 10119 Berlin-Mitte

Gallery Weekend: 27.+28.4., 13–18h

www.magasinsouvenir.com

Klaus Küster: Tor, Tor, Tor

zone B, Brunnenstr. 149, 10115 Berlin-Mitte

bis 8.5., Di–Do 9–16h und nach Vereinbarung

01704 - 63 09 53, www.zone-b.info

annette hollywood – The Art Song Collection

Für ihren neuen Werkkomplex „The Art Song Collection“ hat annette hollywood

auf Vinyl-Singles erschienene „Love Songs“ zu Liedern über die Kunst umgearbeitet.

Neben der Präsentation von „Art Songs“ mit Cover sowie biografischem

Archivmaterial zum Thema Sammeln erklingen gegen Münzeinwurf in die

Installation der „Top 80 Jukebox Edition“ 80 Art Songs.

Sutures: Berlin 2000–2003

„,Sutures’ heißt so viel wie ,Nähte’ oder ,Narben’. Die Bilder des kanadischen

Fotografen Serge Clément sind voller Nahtstellen im Sinne von Einblicken,

Durchblicken, Schatten, Begrenzungen, Übergängen und Spiegelungen. Clément

fand diese in Berlin, der (ehemaligen?) Hauptstadt aller Grenzen.“

(Thomas Wiegand).

annette hollywood: The Art Song Collection.

Top 80 Jukebox Edition, 2013

Umgebaute Jukebox, 80 Art Songs auf

7’’-Vinyl-Singles, 127 x 100 x 65 cm

© annette hollywood

Galerie Thore Krietemeyer, Großbeerenstr. 83, 10963 Berlin-Kreuzberg

Opening: 26.4., 18h, 27.4.–15.6., Di–Sa 11–18h and by appt.

Eröffnung im Rahmen des Gallery Weekend Berlin

www.thore-krietemeyer.com

Serge Clément: Station, 2001

Silbergelatineabzug, 1/15, 37,5 x 56 cm

Unterwegs Antiquariat & Galerie M.-L. Surek-Becker

Torstr. 93, 10119 Berlin-Mitte

Opening: 25.4., 19h, 26.4.–23.5., Di–Fr 15–19h, Sa 12–15h and by appt.

Gallery Weekend: Sa 12-19h, So 12-17h, 030 - 44 05 60 15, www.berlinbook.com

Hanns Zischler: Hummelflug, meerwärts

2012, © Hanns Zischler

Hanns Zischler – Nach der Natur (camera obscura)

Der Schauspieler und Autor Hanns Zischler fotografiert seit über 20 Jahren mit

einer Rigby-Lochbildkamera, die es ihm ermöglicht, das dem Auge Unsichtbare

greifbar zu machen. Es geht dem „Autor-Fotografen“ darum, die Wirkung der

Zeit im Naturraum festzuhalten. Seine farbintensiven, subtilen Bilder entfalten

eine Wirkung, die niemanden unberührt lässt.

Alfred Ehrhardt Stiftung

Auguststr. 75, 10117 Berlin-Mitte

Opening: 24.5., 19–21h, 25.5.–30.6., Di–So 11–18h, Do bis 21h

www.alfred-ehrhardt-stiftung.de

Konstantin Batynkov: o. T.

aus der Serie „Secret Order“, 2013

Acryl auf Venylpapier, 100 x 140 cm

Konstantin Batynkov – Secret Order

Die Gemälde und Zeichnungen des Moskauer Künstlers Konstantin Batynkov

laden zu einem Ausflug in die Geschichte der geheimen Gesellschaften auf

der ganzen Welt ein. Batynkov sucht nach künstlerischen Antworten auf das

globale Interesse an Verschwörungstheorien und Konspirationen. Dabei spielen

seine Sujets auf die europäisch-romantische Tradition, aber auch auf das

heutige Russland an.

Galerie pop/off/art Moskau-Berlin, Mommsenstr. 35, 10629 Berlin-Charlottenburg

Opening: 25.5., 18h, 26.5.–29.6., Di–Fr 10–19h, Sa 11–15h and by appt.

www.popoffart.de

Philip Grözinger: Schöner Wohnen für

Fortgeschrittene, 2013, Acryl, Öl, Ölkreide

auf Leinwand, 50 x 40 cm, Courtesy: Galerie

Christian Ehrentraut, Berlin, © Uwe Walter

Philip Grözinger – Sunny Side Up

Nach abstrakten Landschaften von 2011 ist in Grözingers post-apokalyptische

Landschaften wieder Leben zurückgekehrt: martialische Männchen und groteske

Mischwesen arbeiten mit sichtbarem Vergnügen an der Zerstörung.

Doch ist die Gewalt in den Bildern nicht ohne Humor und spiegelt sich im lustvollen

Umgang mit Farbe und Leinwand.

Galerie Christian Ehrentraut, Friedrichstr. 123, 10117 Berlin-Mitte

Opening: 16.5., 17–21h, 17.5.–29.6., Di–Sa 11–18h

www.christianehrentraut.com

Silke Grossmann: aus der Werkgruppe

„Entfernungsverschiebung“

Annette von Dewitz, Silke Grossmann, Ann Provan

Durchscheinende Dinge – Translucent Matters

Drei Künstlerinnen, Vertreterinnen einer Generation, aber dreier unterschiedlicher

Medien, haben sich mit Installationen und Objekten, S/W-Fotografien und

farbigen Aquarellen und Gouachen zu einer Gast-Ausstellung im Verborgenen

Museum zusammengefunden. In allen Arbeiten tragen Licht und Schatten zu

einem spürbaren Widerstreit zwischen geheimnisvoll Verborgenem und erkennbarer

Realität bei.

Das Verborgene Museum, Schlüterstr. 70, 10625 Berlin-Charlottenburg

bis 16.6., Do/Fr 15–19h, Sa/So 12–16h, www.dasverborgenemuseum.de

Streitobjekt Arbeit.

Kunstwerke aus der Sammlung im Willy-Brandt-Haus

Die Ausstellung präsentiert Zeichnungen, Grafiken und Gemälde der 1910erbis

1930er-Jahre über arbeitende Menschen und Arbeitsorte, über Arbeitselend

und Heroisierung der industriellen Arbeit und diskutiert, welche Relevanz die

Bilder von untergegangenen Arbeitswelten noch haben.

Im falschen Traum – Katharina Schnitzler

Katharina Schnitzler, eine Forscherin im Dazwischen, konfrontiert uns mit der

Wahrnehmung, unseren angenommenen Realitäten. Sie schafft Bildwelten,

die auf subjektive Weise das menschliche Bedürfnis nach Lösungen erfüllen. In

ihrer Arbeit überlagert sie unzählige Texturen, Farbschichten, Zeichnungen und

Text. Es entstehen Gemälde – installiert, poetisch, tief, witzig, eng verwoben

und dabei brutal und schön zugleich.

George Grosz: Der Kapitalist, 1932

Federzeichnung

Sammlung im Willy-Brandt-Haus, Berlin

Haus am Lützowplatz, Lützowplatz 9, 10785 Berlin-Tiergarten

bis 30.6., Di–So 11–18h

www.hausamluetzowplatz-berlin.de

Katharina Schnitzler:

Bild+Bild=Doppelbett, 2012

Öl-Zeichnung auf Leinwand, 160 x 175 cm

mianki Gallery, Kalckreuthstr. 15, 10777 Berlin-Schöneberg

bis 16.6., Di–Fr 15–19h, Sa 11–16h

030 - 36 43 27 08, www.mianki.com

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Xu Jiang: Sunflower Lamp Installation im Ludwig Museum Koblenz, 2013

© Helmut Beier

Flourishing Spirits

„Blüten des Geistes“ heißt die erste gemeinsame Ausstellung

der beiden Künstler Xu Jiang und Shi Hui. Zum

zentralen Fokus wird die Auseinandersetzung mit der

Natur. Dabei thematisiert Xu Jiang Sonnenblumen, für

ihn ein Symbol der Generation, die nach den großen

Kriegen des 20. Jahrhunderts und nach der Kulturrevolution

aufgewachsen ist. Damit drückt er die Loslösung

von der Vergangenheit und die Notwendigkeit

der Neuorientierung aus. Im Gegensatz dazu stehen

die eher zerbrechlichen Werke Shi Huis. Sie arbeitet mit

Pflanzen- und Fasermaterialien, die für sie die Ideale der

Synergie von Natur und menschlichem Leben darstellen.

Verena Waldmüller

the m[ech]anic | gadgets – Sondervorrichtungen

Ihre Plastiken wie auch ihre Installationen sind Behauptungen

über das Funktionieren unserer Welt. Kupferrohre,

Zylinder, pneumatische Einrichtungen und massive

Sockel lassen keinen anderen Schluss zu, als dass es sich

bei den Vorrichtungen um funktionierende Apparaturen

handelt. Wann sie sich in Bewegung setzen werden,

wann sie uns darüber aufklären, zu welchem Zweck sie

hier errichtet wurden, geben sie nicht preis. Wir aber

nehmen förmlich die Geräusche wahr, die die maschinellen

Vorrichtungen in Betrieb von sich geben werden.

Ludwig Museum

Danziger Freiheit 1, 56068 Koblenz

bis 16.6., Di–Sa 10.30–17h, So 11–18h

www.ludwigmuseum.org

Verena Waldmüller: PN 1637-2, 2013

Stahl, Kunststoffe, Gummi, Kupfer, Messing, 8 x 13 x 16 cm

oca GALLERY, Potsdamer Str. 53–55, 10785 Berlin-Schöneberg

26.4.–15.6., Mi–Fr 13–19h, Sa 12–18h and by appt.

Gallery Weekend: 26./27.4.: 11–21h, 28.4.: 11–17h

www.oca-gallery.com

Tal R: The Navigator, 2012, Bronze, 83 x 115 x 33 cm

© Tal R, Foto: Lena Kienzer

Tal R: Sailaway – Zeichnungen und Installationen

In einer eigens für die Räume der Städtischen Galerie

entwickelten Ausstellungsarchitektur präsentiert Tal R

ein „Konzentrat“ seiner jüngsten Arbeiten. Ausgangspunkt

für die Zeichnungen, Bronzen, Keramiken und aus

Segeltuch geschaffenen Leinwände ist eine im Jahr 2011

unternommene interdisziplinäre Grönlandexpedition.

Außerdem wird Tal R in der Druckwerkstatt von Schloss

Wolfsburg eine Edition herstellen.

Tal R, 1967 in Tel Aviv geboren, lebt und arbeitet in Kopenhagen.

Seit 2009 lehrt er als Professor an der Kunstakademie

Düsseldorf.

Städtische Galerie Wolfsburg

Schlossstr. 8, 38448 Wolfsburg

bis 24.11., Di 13–20h, Mi–Fr 10–17h, Sa 13–18h, So 11–18h

www.staedtische-galerie-wolfsburg.de

© Erik Olofsen, courtesy. AANDO FINE ART

Erik Olofsen: A Distorted Reality Is Now A Necessity

To Be Free

In seiner Ausstellung reflektiert Erik Olofsen über die

Folgen des rasanten technologischen Laufes einer Welt,

in der nicht wahrnehmbare Algorithmen unser Leben

massiv beeinflussen. Diese technologischen Instrumente

sind sehr sensible Indizes, um unsere kompliziert gewordene

Realität auf virtuellem Wege zu ordnen und zu

erfassen. Mittels konkreter Installationen deckt Olofsen

unsere versteckte, omnipräsente virtuelle Welt hinter

dieser Realwelt auf. Seine Aufgabe sieht er darin, den

schmalen Grat zwischen realer und virtueller Welt darzustellen,

ohne unsere Wahrnehmung zu entzaubern.

AANDO FINE ART, Tucholskystr. 35, 10117 Berlin-Mitte

Opening: 26.4., 18–21h, 27.4.–21.6., Di–Sa 12–18h

030 - 28 09 34 18, www.aandofineart.com

John Bock: Unzone/Eierloch, 2012, Performance

Foto: David Schultz

John Bock – Der Pappenheimer

Mit der Präsentation im Kunstverein Hamburg erhält

John Bock (*1965, lebt in Berlin) die erste institutionelle

Ausstellung in der Stadt, in der er viele Jahre bei Franz

Erhard Walther studierte – eine längst überfällige Würdigung

seines vielseitigen Schaffens. Bock verwandelt

die erste Etage des Kunstvereins in eine Gesamtinstallation,

die die unterschiedlichen Aspekte seines Werkes

vereint und auch als Geruchsstation fungiert, deren

Ursprünge aber im Verborgenen bleiben. Durch Gänge

geleitet, verlieren die Besucher das Gefühl für den Raum

und müssen sich so auf diese ungewohnte Wahrnehmungssituation

einstellen.

Der Kunstverein, seit 1817

Klosterwall 23, 20095 Hamburg

1.5.–30.6., Di–So 12–18h

www.kunstverein.de

Malte Bartsch/Markus Hoffmann: expansion retractraction, 2013

Skulptur 1000 x 1000 x 450mm plus Videodokumentation

interferenz_en 013 – Eine Ausstellung mit

KünstlerInnen der Klasse Olafur Eliasson, Institut für

Raumexperimente, Universität der Künste, Berlin

Der Begriff „Interferenzen“ definiert „Überlagerungserscheinungen

beim Zusammentreffen von Wellen“. In

der Ausstellung treffen künstlerische Arbeiten aufeinander,

die in den Medien Film, Fotografie, Zeichnung

und Installation verortet sind. Interferenzen – zwischen

den einzelnen Werken, aber auch zwischen den ausgestellten

Arbeiten und dem Betrachter – spielen hier eine

zentrale Rolle, angefangen von der künstlerischen Bildproduktion

bis hin zur Rezeption der künstlerischen Arbeit.

Frei nach dem Motto: „Was nicht zu sehen ist, kann

dennoch wahrgenommen werden.“ Die Ausstellung

wurde kuratiert von Marisa Maza.

EnBW Showroom Berlin, Schiffbauerdamm 1, 10117 Berlin-Mitte

bis 31.5., Mo–Fr 11–19h, Sa 11–16h, Eintritt frei, www.enbw.com

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Holger Bär – Glück

Reverso

Holger Bär arbeitet seit vielen Jahren mit selbst entwickelten

Malmaschinen, die aufbereitete Vorlagen auf

die Leinwand übertragen. Dabei benutzt Bär Zahlen zur

Codierung seiner Bilder. So kam er darauf, abstrakte Bilder

auf der Grundlage von Lottozahlen zu generieren. Er

erweiterte die „Glücksserie“ mit Bildern von Lottogewinnern

und -gewinnen und chemischen Glücksprozessen

zu einer inhaltlich tiefer gehenden Auseinandersetzung

mit unserem Verständnis von Glück. Die Serie kann als

beißende Kritik an einer konsumorientierten Kultur gelesen

werden.

In den Gemälden der Ausstellung „Reverso“ arrangiert

Donata Benker ineinander übergehende Formen von

Zivilisation und Pflanzenwelt. Dabei ist es weder Technik,

die die Natur überwältigt, noch Natur, die die Welt

zurückerobert und verschlingt. Die teilweise durchsichtigen

Formen von Zivilisation und Pflanzenwelt

in Benkers Bildern scheinen sich vielmehr versöhnlich

zu kombinieren. Dem Betrachter wird hier mithin der

Durchblick auf die gemeinsame zugrunde liegende Matrix

nahegelegt.

Holger Bär: Lottogewinner, 2013, Acryl/Leinwand

150 x 200 cm, Courtesy: Galerie Deschler

Galerie Deschler, Auguststr. 61, 10117 Berlin-Mitte

Opening: 26.4., 19–21h, 27.4.–8.6., Di–Sa 12–18h

Sonderöffnungszeiten Gallery Weekend: Sa+So 12–18h

www.deschler-berlin.de

Donata Benker: Scholle, 2013

Öl, Acryl, Lack auf Leinwand, 200 x 240 cm

janinebeangallery

Torstr. 154, 10115 Berlin-Mitte

Opening: 25.4., 18–21h, 26.4.–25.5., Di–Sa 12–18h

Gallery Weekend: 26.–28.4. 11–19h

www.janinebeangallery.com

Urbanfuse

Takehito Koganezawa – Über den Wolken schweben

Engelbär, 2013, Fusein, Collage, 70 x 100 cm

Die Ausstellung präsentiert Malerei, Zeichnung, Installation

und Skulptur von Studenten sowie Absolventen

der New York Academy of Art und der Kunsthochschule

Weißensee. In einem thematischen Austausch der Studenten

der beiden Kunsthochschulen entstanden Werke,

die von Einflüssen der beiden Städte New York und

Berlin geprägt sind und eine Verbindung eingehen – ein

Urbanfuse.

Im Ground Floor des Ausstellungspavillons sind unter

dem Titel „kaléidoscope d‘images“ Fotografien von René

de Sein zu sehen.

Urbanfuse

Pavillon Gertrud-Kolmar-Str. 14, 10117 Berlin-Mitte

Opening: 26.4., 18–21h, 27.4.–18.5., Do–So 11–18h

Gallery Weekend: 26.–28.4. 11–20h

www.urbanfuse.org / www.rene-de-sein.de

Takehito Koganezawa, 2013, Courtesy: Loock Galerie, Berlin

Der in Tokyo geborene Künstler Koganezawa bestrebt

in seinen Arbeiten den Fluss der Zeit zu visualisieren –

nicht aber die Zeit festzuhalten. Dabei greift er neben

Zeichenstift und Papier zu elektronischen Medien, die er

als Utensil der Zeichnung nutzt. Bunte, abstrakt- bewegte

Zeichen und Bilder durchfluten den Raum und lassen

„Luftlinien“ entstehen, die an die Op-Art und den Informel

erinnern. Indem die Zeit zum Medium wird – und

nicht etwa die Videoinstallation, erlebt der Betrachter,

während er den bespielten Raum betritt den Moment

der Zeit. Koganezawas Werke leben von der Leere, dem

Nichts und der Zeit.

Loock Galerie

Potsdamer Strasse 63, 10785 Berlin-Tiergarten

Opening: 26.4., 18–21h, bis 13.7., Di–Sa 11–18h

www.loock.info

© Alle Rechte bei den Autoren

Künstler und die Literatur

YOU GOT TO BURN TO SHINE – John Giorno

John Giorno ist eine Schlüsselfigur der New Yorker Beat

Generation. Im Jahr 1965 gründete er „Giorno Poetry

Systems“, ein Label und Künstler-Network, das sich auf

den Einsatz neuer Technologien in Musik und Poetry

Performances fokussierte. Eine der bekanntesten Aktionen

war „Dial-A-Poem“, bei der täglich wechselnde Gedichte

auf Anrufbeantwortern Tag und Nacht abgefragt

werden konnten. Mit 30 Aquarellen und einer Poetry

Performance zur Eröffnung bietet die Ausstellung einen

Einblick in das aktuelle Schaffen des Künstlers.

Henning Eichinger: Porträt Mark Twain, 2013

Öl/Lack/Kreide/Collage auf Fabriano-Bütten, 50 x 35 cm

© Henning Eichinger

In dieser Ausstellung rücken wir thematisch an den ursprünglichen

Bewohner des Luftraums, den Berliner Theaterkritiker

Friedrich Luft, heran und präsentieren zeitgenössische

Arbeiten zum Thema Kunst und Literatur u. a.

von Andreas Amrhein, Jan Muche und Filip Zorzor. Die

Beziehungsgeflechte der ausgestellten bildenden Künstler

zu ihren Autorenkollegen sind vielschichtig: Inspirationsquellen

bestimmter Bücher, Denkanstöße von und

die Faszination an den Schreibenden, die Auseinandersetzung

mit ihren Werken, Vorbildcharakter, Parallelen

zur eigenen Biografie oder zum eigenen Werk.

C & K unterwegs zu Gast im Luftraum

Maienstr. 4, U-Bhf. Nollendorfplatz, 10787 Berlin-Schöneberg

Opening: 26.4., 14–21h, Einführung ca. 18.30h

Gallery Weekend: 27./28.4. 11–19h and by appt.

0172 - 184 33 11, www.cundkunterwegs.de

John Giorno: YOU GOT TO BURN TO SHINE, 2013

permanent red light, 24,5 x 24,5 cm

Kit Schulte Contemporary Art

Winterfeldtstr. 35, 10781 Berlin-Schöneberg

Opening + Performance: 17.5., 19h, 18.5.–6.7., Mi–Fr 14–19h,

Sa 12–16h and by appt. 030 - 21 00 52 37, www.kitschulte.com

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Bo Christian Larsson – A hole in the empire

Renata Camaro – Frühe Werke

„A hole in the empire“ ist die erste Soloausstellung von

Bo Christian Larsson in Berlin. Das Oeuvre, bestehend

aus Übermalungen, Papierarbeiten, Objekten sowie

dem ersten Ölgemälde des Künstlers, führt den Betrachter

auf eine ungewisse Reise in eine obskure Welt,

erschaffen von einem mystischen Geschichtenerzähler.

Vertraute Alltagsgegenstände werden verfremdet und

erscheinen im neuen Gewand. Sie verweisen auf Risse

in einem funktionalen System der Wahrnehmung und

fordern den Betrachter zur Inventarisierung konventioneller

Werte auf. Bo Christian Larsson schafft eine neue

Ebene, in der es sich zurechtzufinden gilt.

In der bisher ersten Ausstellung zum Frühwerk Renata

Camaros entdeckt der Betrachter eine Auswahl jener

Werke, die den Aufbruch zur künstlerischen Freiheit im

Leben der Künstlerin nachzeichnen und so bislang nicht

gezeigt wurden. In den Werken der 1960er- und 1970er-

Jahre finden sich Leichtigkeit wie Dichte, denen man

kaum die Mühe ihres Entstehungsprozesses anmerkt.

Hier erscheinen Farbe und Materie selbst als ein Gegenstand,

der den Kriterien der Gleichgewichtsempfindung

folgt, in der ein kleines Rot das große Grau aufwiegen

kann.

Bo Christian Larsson: Finding The New World With An Old Boat Part 1, 2011

mixed media, 140 x 100 x 65 cm

TS art projects, Oranienburger Str. 45, 2 OG, 10117 Berlin-Mitte

Opening: 25.4., 18–21h, 26.4.–30.6., Di–Sa 13–18h and by appt.

Gallery Weekend: Fr+Sa 12–20h

0151 - 22 94 66 38, www.toresuessbier.com

Renata Camaro: Herbst, 1966, Öl auf Leinwand, 125 x 100 cm

Foto: Katharina Eglau, Berlin

© Alexander und Renata Camaro Stiftung, Berlin

Alexander und Renata Camaro Stiftung

Potsdamer Str. 98a, Camaro-Haus, 10785 Berlin-Tiergarten

bis 13.7., Di–Sa 13–17h and by appt.

www.camaro-stiftung.de

Katja Strunz – Drehmoment (Viel Zeit, wenig Raum)

Vattenfall Contemporary 2013

Die in Berlin lebende Künstlerin Katja Strunz (*1970 in

Ottweiler) ist Preisträgerin des Vattenfall Contemporary

2013. Ihre minimalistischen Skulpturen und Installationen

beschäftigen sich auf unterschiedliche Weise mit

der Verbindung von Raum, Geschichte und Zeit. Unter

dem Titel „Drehmoment (Viel Zeit, wenig Raum)“ hat

Katja Strunz eine Raumkomposition entworfen, die aus

zwei unterschiedlich gefalteten monumentalen Metallobjekten

besteht.

Yasam Sasmazer | Ismail Necmi

Hintergrund von Yasam Sasmazers Doppelgänger-Serie

ist die literarische Vorlage derselben. Modell ist die

Künstlerin selbst. Ihre aus Holz geschnitzten „Doubles“

stehen dem Betrachter lebensgroß gegenüber; verstörend,

unheimlich und unmittelbar.

Ismail Necmis Filmdebüt „Should I really do it?“ erzählt

die Geschichte von Petra, einer in Istanbul lebenden

Deutschen – und kehrt damit das Muster türkischer Migranten

ironisch um. Beide Künstler leben und arbeiten

in Istanbul und Berlin.

Katja Strunz: Viel Zeit, wenig Raum, 2013

Arbeitsmodell Epoxydharz, verschiedene Metalle

Courtesy: Katja Strunz

Berlinische Galerie

Alte Jakobstr. 124–128, 10969 Berlin-Kreuzberg

bis 2.9., Mi–Mo 10–18h, Eintritt: 8 €, erm. 5 €

www.berlinischegalerie.de

www.facebook.com/berlinischegalerie

Yasam Sasmazer: Der Mann, der jetzt Herrn Goljadkin gegenübersaß,

war das Entsetzen Herrn Goljadkins, war die Schmach Herrn Goljadkins,

war der gestrige Alpdruck Herrn Goljadkins, mit einem Wort, es war Herr

Goljadkin selber - ..., 2012, Lindenholz, von Hand bemalt

Berlin Art Projects

Mehringdamm 33, 10961 Berlin-Kreuzberg

Öffnungszeiten am Gallery Weekend:

Opening: 27.4., 14–16h, 26.4., 18–21h

27.4.–29.4., 11–19h

www.berlinartprojects.de

Ernst Baumeister: Großes Gesicht, 2010, Holz, 120 cm

Anja Steinmann, Katrin von Lehmann,

Ernst Baumeister

Die präzisen und detailreichen Fotografien architektonischer

Prozesse von Anja Steinmann lassen Rohbauten

als künstlerische Skulpturen erscheinen.

Katrin von Lehmann schneidet ihre fotografischen Motive

in Streifen, um sie anschließend zu objektartigen

Tableaus zu verweben.

Ernst Baumeisters große Bildhauerarbeiten aus Holz

changieren zwischen Abstraktion und Figuration und

ihre Oberflächen sind vielfältig perforiert, während Baumeister

die Miniaturskulpturen aus Nägeln und Blechstreifen

formt.

Deutsche Wohnen AG – GEHAG Forum

Mecklenburgische Str. 57, 14197 Berlin

bis 30.5., Mo–Fr 9–19h

www.deutsche-wohnen.com

Shoshanah´ Ci: Variation, 2013, Porzellanrelief/Aquarell, 45 x 51 cm

Shoshanah´ Ci (Israel) – Robert Thiele (USA)

In der aktuellen Ausstellung präsentieren sich die internationalen

Künstler Shoshanah´ Ci und Robert Thiele

erstmalig gemeinsam und doch wie Geschwister im

Geiste. Die in der amerikanischen Tradition stehenden

konzeptuellen Skulpturen Robert Thieles (er war früher

das Modell von Duane Hanson) treffen auf außergewöhnliche

Porzellanreliefs und Videos der israelischen

Künstlerin Shoshanah´ Ci, deren Werkschau den Titel

„Tempus“ trägt.

Galerie Tammen & Partner

Hedemannstr. 14, 10969 Berlin-Mitte

bis 5.5., Di–Sa 12–18h

Gallery Weekend: 26./27.4. 12–21h, 28.4. 15–18h

030 - 22 50 27 91-0, www.galerie-tammen-partner.de

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„Daumier ist ungeheuer!“

Die Stiftung Brandenburger Tor widmet sich in einer

umfangreichen Ausstellung dem Lebenswerk des französischen

Künstlers Honoré Daumier (1808–1879).

Erstmalig werden in Deutschland über Hundert selten

gezeigte Arbeiten des vielseitigen Künstlers ausgestellt.

Max Liebermann verehrte Daumier als den „größten

Künstler des 19. Jahrhunderts“ und war ein leidenschaftlicher

Sammler seiner Werke. Er fand ihn „ungeheuer“.

Die Leihgaben für die Sonderschau im Max–

Liebermann-Haus wurden von zahlreichen europäischen

und amerikanischen Museen sowie Privatsammlern

zur Verfügung gestellt.

Stiftung Brandenburger Tor

Pariser Platz 7, 10117 Berlin-Mitte

02.03.–02.06.; Mo, Mi, Do, Fr 10–18h, Sa 11–18h

www.brandenburgertor.de

Inna Levinson: Sieben, 2013

Plastiline unter Glas, 200 x 66 cm

museumFLUXUS+studis 2013 – Kunststudenten stellen aus!

Anja Spitzer, Diana Sprenger, Eriko Yamazaki, Inna Levinson, Kristin Albrecht,

Michi Schneider und Valeska Rein wurden in einem Juryverfahren für die Gemeinschaftsausstellung

in Potsdam ausgewählt. Gezeigt werden Werke der

Malerei, Grafiken und Skulpturen.

Ab 8. Juni präsentiert Johnny Amore sein einzigartiges Fotoprojekt „Performers“

(2010–2013).

museum FLUXUS+, Schiffbauergasse 4f, 14467 Potsdam

Opening: 4.5., 19h, 5.5.–2.6., Mi–So 13–18h

www.fluxus-plus.de

Erika Stürmer-Alex – Spiel ohne Grenzen

Zum 75. Geburtstag der Künstlerin zeigt das Museum Junge Kunst Malereien

und Objekte von 2003 bis 2013. Die Besonderheit des Schaffens von Stürmer-Alex

ist der spielerische Umgang mit Dekor und Figur sowie die Lust am Seriellen. Sie

nutzt Fundstücke, Farbwalzen, Werbefolien oder Fototapeten. Zudem entdeckte

sie ihre Vorliebe für Plastikspielzeug und Gerätschaften vom Baumarkt.

Otmar Alt und Zoppe Voskuhl

Zweihändig – Malerei

Erika Stürmer-Alex: Turm Nr. 1, 2008

Plastikspielzeug, 155 x 44 x 36 cm

Foto: H. Mildner

Museum Junge Kunst, Rathaushalle, Marktplatz 1, 15230 Frankfurt (Oder)

bis 16.6., Di–So 11–17h

www.museum-junge-kunst.de

„Beide Künstler bringen kraft ihrer Imagination Welten

voller Phantastik hervor, reich blühend und spielerisch,

aber auch grotesk und surreal, bevölkert von Wesen in

Menschengestalt, von Tieren und Pflanzen, deren Anatomien

metamorphotisch gemischt sein können... Die Gemeinsamkeiten

Alts und Voskuhls sind demnach größer

als erwartet. Gäbe es jedoch nicht auch offene Fragen,

unterschiedliche formale und inhaltliche Auffassungen,

bestünden keine Reibungsflächen, wäre das Experiment

überflüssig.“ (Dr. Angelika Steinmetz-Oppelland)

Der im gemeinsamen Arbeitsprozess erarbeitete 17-teilige

Bilderzyklus ist nun erstmals in der Galerie zu sehen.

Kerstin Honeit: Videostil – Joint Property,

2013 © Galerie cubus-m/Kerstin Honeit

Kerstin Honeit – say it like it is

Unter dem sloganhaften Titel „say it like it is“ zeigt Kerstin Honeit drei raumgreifende

Videoarbeiten, die sich mit Aneignung und Identitäten im Zusammenhang

mit Gentrifizierungsprozessen in Berlin, persönlichem Besitz und Erinnerungen

auseinandersetzen. Durch Verfahren wie dem Lipsynching koppelt

sie diese Themen an Fragen nach der medialen Verkörperung und Genderperformanz

von Stimme.

Galerie cubus-m, Pohlstr. 75, 10785 Berlin-Tiergarten

Opening: 26.4., 19h, 27.4.–1.6., Mi–Fr 14–19h, Sa 11–19h and by appt.

Gallery Weekend: 26.–28.4.: 11–20h, www.cubus-m.com

Otmar Alt und Zoppe Voskuhl: Der Rabenmaler, 2011

Acryl/Öl auf Leinwand, 60 x 50 cm

Galerie ICON Berlin, Veteranenstr. 22, 10119 Berlin-Mitte

Opening: 26.4., 19h, 27.4.–25.5., Mi–Fr 14–19h, Sa 13–18h

www.galerie-icon.de

Astrid Bathe und Tilman Küntzel – Stadtaffen

Am 3.5.2013 eröffnet die EICHBLATT GALLERY in neuen

Räumen am Hamburger Platz die Ausstellung „Stadtaffen“

mit Werken von Astrid Bathe und einer Installation

von Tilman Küntzel.

Birgit Knappe: Gibarians Raum, 2013

Terrakotta, Acryl, 21 x 35 x 30 cm

Birgit Knappe – „Insomnium“

Plastiken und Zeichnungen

„Insomnium“ – Schlaflosigkeit – bezieht sich auf den Titel eines Musikstücks

des Komponisten Detlev Glanert. Birgit Knappes Zeichnungen und Terrakotta-

Plastiken erzählen vom Rhythmus und der Atmosphäre dieser Musik. Zerbrechlichkeit

und Verletzlichkeit unserer Welten, die in der Musik präsent sind, finden

in ihren Arbeiten überraschenden Ausdruck.

Galerie Förster, Schröderstr. 2, 10115 Berlin-Mitte

Opening: 19.4., 19h, 20.4.–1.6., Di–Fr 16–19h, Sa 12–18h u. n. V.

www.galerie-foerster.de

Astrid Bathe: Angesagter Affe, 2012

Acryl und Lack auf Leinwand, Tondo 100 cm

EICHBLATT GALLERY – contemporary art

Am Hamburger Platz, Pistoriusstr. 100

13086 Berlin-Prenzlauer Berg

Opening: 3.5., 18h, 4.5.–8.6., Mi–Fr 16–19h, Sa 10–14h

www.eichblatt.eu

Gisela Weimann: Oper für vier Busse, 2001

Gisela Weimann: Multimediale Projekte, Klanginstallationen, Fotografie, Video

Die Ausstellung zeigt eine Video-Dokumentation und vielfältige Exponate aus

der Fülle des Werkes von Gisela Weimann. Als sensible Zeitzeugin bezieht sie

gleichermaßen Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges in ihr Schaffen

mit ein. Ein bei ihr allgegenwärtiges Thema ist die Spiegelung, wofür die „Oper

für vier Busse“ steht, 2001 mit großer öffentlicher Resonanz uraufgeführt.

Kunsthalle Brennabor, Geschwister-Scholl-Str. 10–13, 14776 Brandenburg a. d. Havel

Opening: 26.4., 18h, 27.4.–24.5., Mi–So 13–19h, Finissage 24.5., 18h, Eintritt frei

www.kunsthalle-brennabor.de

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oredomresearch – Fragments

Das britische Künstlerpaar boredomresearch lässt sich vorwiegend von der

Natur inspirieren und simuliert am Computer natürliche Muster, Verhaltensweisen

und komplexe Formen, die sich im Laufe der Zeit verändern. Die Ausstellung

zeigt poetische computerbasierte Kunstwerke und Prints, die dennoch

jede indexikalische Verbindung zur Natur verweigern.

Belle Donne – Giovanni Maranghi

Die von Giovanni Maranghi (*1955 in Florenz) porträtierten Frauen sind sinnlich

und bezaubernd. Es sind Schauspielerinnen aus dem großen Drama bzw. der

Komödie des Lebens, ihre Rollen sind nie gleich. Maranghi arbeitet mit verschiedenen

Techniken wie der Öl-, Tropf- oder Enkaustik-Malerei und der Collage.

boredomresearch:

Lost Flight Fragment #D925BB83, 2013

Print (Detail)

Dam Gallery, Neue Jakobstr. 6, 10179 Berlin-Mitte

Opening: 26.4., 19–21h, 27.4.–8.6., Di–Fr 12–18h, Sa 12–16h

030 - 280 98 135, www.dam.org

Giovanni Maranghi: Refolo Notturno, 2013

Mischtechnik auf Holz

de freo gallery, Auguststr. 85, 10117 Berlin-Mitte

Opening: 26.4., 18–22h, 27.4.–25.5., Di–Fr 13.30–18h, Sa 12.30–17.30h

Gallery Weekend: Sa+So 11–19h and by appt.

0151 - 55 37 25 30, www.defreogallery.com

Auktions-Highlights im Frühling

Neben erstklassigen Werken wichtiger Künstler wie Emil Nolde und Alexander

Calder, die am 8. Juni versteigert werden, begeistern am 14. und 15. Mai Alte

Meister wie Dürer und Rembrandt, ebenso wie Künstler der Düsseldorfer und

der Skandinavischen Schule. Die Sonderauktion „Sammlung Harry Beyer“ wartet

mit Asiatika, Porzellan und russischen Silberwaren auf.

connect: Phnom Penh: Das Verschwinden verhindern

Mit „Phnom Penh: Das Verschwinden verhindern“ präsentiert die ifa-Galerie

Berlin erstmalig in Europa zeitgenössische KünstlerInnen aus Kambodscha, die

sich in ihren Arbeiten mit dem Erfassen und Bewahren der Stadt im Wandel

beschäftigen. Ausgangspunkt ist das einflussreiche Schaffen des kambodschanischen

Architekten Vann Molyvann, der die „Neue Khmer Architektur“ in den

60er-Jahren in Kambodscha bestimmte.

David Schnell: Kollision in der Baumschule

2003, Acryl auf Leinwand, 185 x 286 cm

Schätzpreis: 50.000–70.000 €

Ketterer Kunst, Fasanenstr. 70, 10719 Berlin-Charlottenburg

Vorbesichtigungstermine in Düsseldorf, Hamburg, Berlin, Frankfurt und München.

Alle Informationen unter www.kettererkunst.de/kunst

Khvay Samnang:

aus der Serie „Human Nature“, 2011

C-Print, 80 x 120 cm

ifa-Galerie Berlin, Linienstr. 139/140, 10115 Berlin-Mitte

bis 16.6., Di–So 14–19h, www.ifa.de

Works on paper – Aurelia Gratzer, Jens Hanke, Philipp Hennevogl,

Rebecca Michaelis, Carsten Nicolai, Neo Rauch

Die Ausstellung „Works on paper“ verbindet verschiedene künstlerische Ansätze

von Arbeiten auf Papier und vermittelt damit neben traditionellen Techniken

eigenständige Methoden zur Bearbeitung des Materials.

Brandenburger Kunstpartie

Zum Auftakt der Atelierhofsaison Werenzhai stellt Edda Krullmann neue Arbeiten

aus. In ihren Malereien und Installationen dominiert die Farbe Blau;

Gewebe, Gespinste und Verbindungen finden neue Ausdrucksformen. Am Tag

der offenen Ateliers laden Künstlerinnen aus Japan und Berlin zu ihren Ausstellungen,

Vorträgen und Aktionen ein.

Jens Hanke: o. T. (No two minds think alike)

Collage auf farbig grundiertem Papier

39 x 55 cm

Galerie Hunchentoot, Choriner Str. 8, 10119 Berlin-Mitte

bis 18.5., Mi–Fr 16–19h, Sa 10–18h

www.galerie-hunchentoot.de

Edda Krullmann: Schwestern, 2012

Mischtechnik auf Leinwand, 140 x 140 cm

Atelierhof Werenzhain, Werenzhainer Hauptstr. 76, 03253 Doberlug-Kirchhain

Opening: 1.5., 15h, 2.5.–30.6., So 14–18h and by appt., Offene Ateliers: 5.5., 11h–18h

Programm unter www.atelierhof-werenzhain.de

Gisela Bullacher: Luftballon, (gelb), 1998

Play – The Frivolous and the Serious

Die Ausstellung kreist um das Phänomen des Spielens. Als omnipräsentes

Thema findet das Spiel, in seinen unterschiedlichen Facetten, auch Ausdruck

in der Kunst und in Werken der Olbricht Collection. Zum zweiten Mal lädt die

Stiftung junge Kuratorinnen ein, ihren eigenen Blick auf die Olbricht Collection

zu entwickeln und im Rahmen ihrer Abschlussarbeit eine Ausstellung im me

Collectors Room zu kuratieren.

me Collectors Room Berlin/Stiftung Olbricht, Auguststr. 68, 10117 Berlin-Mitte

16.5.–25.8., Di–So 12–18h

www.me-berlin.com

Sigurd Wendland: Strandbild, Ausschnitt

Sigurd Wendland – Den Sommer im Blick

Ausstellung von Pleinairarbeiten,

Nordwijk, Katwijk und Heringsdorf

Galerie Fahrradbüro

Crellestr. 48/Hauptstr. 146, 10827 Berlin-Schöneberg

25.4.–12.6. nach Vereinbarung unter berlinkunst@arcor.de oder 0176 - 25 54 49 91

www.galerie-fahrradbüro.de, www.sigurdwendland.de

Marc von der Hocht: Abol Tabol – Malerei, Collage, kinetisches Objekt

Das Aufeinandertreffen von monochromen Farbflächen und subtilen Farbräumen

zieht den Betrachter in einen Bildraum, der statisch ausgerichtet und doch

voller Dynamik ist. Die Kraft und die Eleganz der Malereien von Marc von der

Hocht sind Ergebnis spannender Farb- und Formkompositionen und ihrer eigenwilligen

Brechungen. Die Collagen und kinetischen Objekte führen seinen

Anspruch in einem weiteren Medium fort.

Ulrike Hogrebe – Malerei 2012/2013

Auf Ulrike Hogrebes oft lichtgrauen Leinwänden tauchen Rehe aus dem Dickicht

auf, ein Wolfsrudel heult den Mond an, Boote überlassen sich der Strömung.

Diesen sanft-melancholischen Bildern stehen Farbfeld-Kompositionen mit

grafischen Elementen in reduzierter Formensprache gegenüber; sie ähneln in

ihrer Farbigkeit Ulrike Hogrebes großen Keramikschalen und von ihr gestalteten

Tischen mit Keramikfliesen.

Marc von der Hocht: Impasse, 2012

Lack auf Baumwolle, 200 x 200 cm

Semjon Contemporary, Schröderstr. 1, 10115 Berlin-Mitte

Opening: 26.4., 19–21.30h, 27.4.–1.6., Di-Sa 13-19h, Gallery Weekend: Sa+So 13–19h

www.semjoncontemporary.com

Ulrike Hogrebe, Malerei

Galerie Horst Dietrich, Giesebrechtstr. 19, 10629 Berlin-Charlottenburg

bis 11.5., Mi–Fr 14–19h, Sa 11–15h u. n. V.

www.GalerieDietrich.de

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Ida Bagus Putu Purwa:

Untitled, 2013

mixed media (oil paint) on paper

Marianne van Heeswijk:

Catwoman, 2012

mixed media

Fascination

Ida Bagus Putu Purwa & Marianne van Heeswijk

Die Galerie Berlin Avantgarde und Gallery Lukisan präsentieren

die Gruppenausstellung „Fascination“:

Purwas Bilder zeigen menschliche Körper bei der Suche

und dem Sehnen nach wahrer Freiheit – anmutige Zusammensetzungen,

verwundbare Kraft und leichtfüßige

Haltung, z. T. spielerisch tanzend, jedoch immer

tragend unter dem Druck der geistigen Last. Bewegung

bis zum Rand des Bildes oder über den beschränkenden

Rahmen hinaus, als ob die Körper auch außerhalb der

gegebenen Grenzen nach ihrer Freiheit suchen.

Van Heeswijk sammelt alle Arten von Objekten und

Materialien als Ausgangsmaterial für ihre Kunstobjekte.

Die Stilepochen der ursprünglichen Objekte ignorierend,

mischt sie verschiedene kulturelle Einflüsse, indem sie

die Materialien zerlegt, verbiegt und zerbricht, bevor sie

wieder als neue Objekte zusammengesetzt werden.

Werner Büttner – Gemeine Wahrheiten

Mit der Retrospektive „Werner Büttner – Gemeine Wahrheiten“

präsentiert das ZKM | Museum für Neue Kunst

– in Kooperation mit dem Museum Weserburg | Museum

für moderne Kunst, Bremen – die bislang umfangreichste

Schau mit Werken des Hamburger Künstlers.

Zusammen mit Martin Kippenberger und Albert Oehlen

prägte er seit den frühen 1980er-Jahren nachhaltig die

deutsche Kunstszene. Bilder, Zeichnungen, Collagen,

Grafiken und Skulpturen zeugen von Büttners Einfallsreichtum

und Ironie, aber auch von beißendem Spott

gegenüber den gesellschaftlichen Realitäten, der Kunst

und auch der eigenen Person. Die Ausstellung und die

begleitende Publikation demonstrieren Büttners Bedeutung

für die Entwicklung der deutschen Malerei im

ausgehenden 20. Jahrhundert und präsentieren ihn als

Vordenker und als eine ihrer zentralen Figuren.

Berlin Avantgarde

Nollendorfstr. 11–12, 10777 Berlin-Schöneberg

Opening: 2.5., 19h, 3.5.–12.6., Di–Fr 12–19h, Sa 10–17h

030 - 27 57 59 08, www.berlin-avantgarde.com

Gallery Lukisan

spezialisiert auf indonesische Modern Art mit Fokus auf

figurativen Stil (Sitz in den Niederlanden).

www.lukisan.nl

Werner Büttner: Der romantische Imperativ, 2007

Öl auf Leinwand, 240 x 190 cm, Courtesy: Galerie Grässlin

© Werner Büttner, Foto: Egbert Haneke

ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie

Lorenzstr. 19, 76135 Karlsruhe

bis 22.9., Mi−Fr 10−18h, Sa/So 11−18h

Eintritt 6 €, erm. 4 €, Fr ab 14h Eintritt frei

www.zkm.de

Maike Gräf: Einzweisam, 2012, Linde, 85 x 65 x 50 cm

Courtesy: Stern-Wywiol Galerie

Foto: Wolfgang Selbach

© Stern-Wywiol Galerie

Maike Gräf – Weder schwarz noch weiß

In klassischer Bildhauertradition nähert sich die Berliner

Künstlerin Maike Gräf dem Holzstamm zunächst mit

der Kettensäge, bevor sie in letzten Schritten mit Messer

und Schleifpapier dem Holz die angestrebte Form

abringt. In diesem Prozess entstehen grafische, teils

kubistische Figuren, denen nun ihre erste Einzelausstellung

gewidmet wird. Von roboterähnlichen Maschinenwesen

über zeichenhafte und ästhetisch einnehmende

Frauenfiguren bis zu totempfahlartigen Formationen

und Reliefs bietet die Ausstellung alles, was die Fantasie

zulässt. Ähnlich den Arbeiten von Zeitgenossen wie Jeff

Koons oder Wim Delvoye spielt Gräf mit der Spannung

zwischen Material und Inhalt. So verbindet sie in ihrer

Kunst ein modernes Menschenbild mit dem traditionellen

Werkstoff Holz und macht sie so zu einem spannungsreichen

Erlebnis.

Emil Nolde: Farben heiß und heilig

100 Jahre Moderne in der Moritzburg

Emil Nolde provozierte einst mit einer neuen, radikalen

Bildsprache. So auch 1913 in Halle, als sein religiöses Gemälde

„Abendmahl“ (1909) für das Museum angekauft

wurde und einen Skandal auslöste, der die Moritzburg

als Wegbereiter der Moderne und Nolde als Erneuerer

der Kunst berühmt machte. 2013 ist der Ankauf 100

Jahre her. Aus diesem Anlass werden drei von Noldes

großen Themen beleuchtet: die frühen Gartenbilder, die

frühen religiösen Gemälde sowie nachfolgende orientalische

Themen, die voller erotischer Klänge sind, und

exotische Stillleben wie auch Werke, die auf seiner Reise

durch Sibirien und in der Südsee entstanden. Unter den

80 Exponaten, entstanden zwischen 1908 und 1922, befinden

sich fünf Gemälde, die bis 1937 zum Bestand des

Museums gehörten.

Stern-Wywiol Galerie

An der Alster 81, 20099 Hamburg

bis 14.9., Di–Fr 10–18h, Sa 12–16h

www.stern-wywiol-galerie.de

Emil Nolde: Akte und Eunuch, 1912, Öl auf Leinwand, Indiana University

Art Museum, Jane and Roger Wolcott Memorial, Gift of Thomas T. Solley

© Nolde Stiftung Seebüll, Foto: Michael Cavanagh and

Kevin Montague/IUAM Bloomington, Indiana

Stiftung Moritzburg (Nordflügel)

Friedemann-Bach-Platz 5, 06108 Halle (Saale)

bis 28.7., Di–So 10–18h

www.kunstmuseum-moritzburg.de

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Sammlergespräch mit Thomas Olbricht und

Jonas Burgert und Buchpräsentation

Drei Jahre me Collectors Room Berlin / Stiftung Olbricht:

2010 eröffnete Thomas Olbricht das Haus in der Auguststraße

68 in Berlin-Mitte und damit die erste Ausstellung,

die Wunderkammer und das Café mit Shop.

Seitdem wurden neun Ausstellungen aus der eigenen

Collection und Einblicke in die Sammlungen von

Antoine de Galbert (Paris) und Selim Varol (Türkei/Düsseldorf)

präsentiert. In den zahlreichen Veranstaltungen

des Rahmenprogramms hatten die Besucher die

Möglichkeit mit Experten, Künstlern und Sammlern ins

Gespräch zu kommen. Insbesondere die jungen Besucher

sind immer mehr in den Fokus der Vermittlungsarbeit

der Stiftung Olbricht gerückt. Allein im Jahr 2012

waren über 3.000 Kinder und Jugendliche in Workshops

und Führungen im Haus unterwegs.

Anlässlich des Gallery Weekends 2013 zieht Thomas

Olbricht im Gespräch mit Jonas Burgert nach drei Jahren

Bilanz. Olbricht hat das Werk des Künstlers Jonas

Burgert von Beginn an begleitet. Zusammen berichten

sie über die Sammler-Künstler-Freundschaft, über die

Arbeit Burgerts und erzählen wundersame Geschichten.

Im Rahmen der Veranstaltung präsentiert das KUNST

Magazin seine neu erschienene Publikation „KUNST

Magazin Sammlergespräche. Geführt von Jan Kage“,

herausgegeben von Jennifer Becker und Stefan Haupt

(Offizin Verlag).

Die Sammlergespräche finden in Kooperation mit dem

KUNST Magazin und den Independent Collectors statt.

WONDERFUL – Humboldt, Krokodil & Polke

Installationsansicht mit Besuchern hinter Liza Lou

© me Collectors Room Berlin, Foto: pr-bild.de

Wir freuen uns auf das Sammlergespräch mit Thomas

Olbricht und Jonas Burgert, moderiert von Jan Kage in

deutscher Sprache, am Samstag, den 27.4., Beginn ca.

17h im me Collectors Room Berlin/Stiftung Olbricht,

Auguststraße 68, 10117 Berlin-Mitte

Um Anmeldung wird gebeten unter

sammler@kunstmagazin.de

Impressum | Imprint

KUNST Magazin / KUNST Verlag, Berlin

Wrangelstr. 21, 10997 Berlin

Tel.: 030 - 61 20 23 24 und 030 - 43 92 58 29

Fax: 030 - 61 20 23 17 und 030 - 43 91 70 59

info@kunstmagazin.de | ISSN 1862 - 7382

Herausgeberin: Jennifer Becker (v. i. S. d. P.)

Chefredaktion: Julika Nehb

Redaktion & Texte: Susanne Erichsen, Isabella Hammer,

Katharina Helwig, Alexandra Panzert, Agathe Power, Stefanie

Raupach, Sarah Weckert, Steffi Weiss, Sonja Wunderlich

Übersetzungen: Brian Poole, Timothy Jones

Lektorat: Dagmar Tränkle

Gestaltung: Laura Holdack

Onlineredaktion: Julia Schmitz

Webdesign: Marius Bruns, www.robinson-cursor.de

Druck: Druckerei Conrad GmbH, www.druckereiconrad.de

Distribution: DHL GoGreen – wir versenden klimaneutral,

Deutsche Post Pressevertrieb

Erscheinungsweise: 40 000 Exemplare, 10-mal im Jahr,

Doppel ausgaben: Jul./Aug. und Dez./Jan. Es gelten die Mediadaten

2013.1

Alle Ausstellungshinweise im KUNST Magazin sind für

Galerien, Museen und Ausstellungshäuser kostenpflichtig.

Eine tagesaktuelle Übersicht zu allen Veranstaltungen im

KUNST Kontext in Deutschland finden Sie im Kalender auf

www.kunstmagazin.de

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FONDATION BEYELER

8. 6. – 6. 10. 2013

RIEHEN / BAsEl

Untitled, 2001, Photo: Attilio Maranzano, Courtesy Maurizio Cattelan’s Archive

Maurizio

Cattelan

www.fondationbeyeler.ch

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