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Schutzgebühr 3 Euro

1303

Kunstmagazin.de


WWW.SKD.MUSEUM

Editorial

Text: Julika Nehb

Translation: Brian Poole

ALBERTINUM

16.3.–14.7.2013 /GALERIE NEUE MEISTER

Hauptförderer

Gefördert durch die

Bundeskunsthalle

nur hier

sammlung zeitgenössischer kunst

der BundesrepuBlik deutschland

ankäufe von 2007 – 2011

Bis 14. April 2013 in Bonn

Hans-Peter Feldmann, 100 Jahre, (Ausschnitt), 1996 bis 2000, Neuproduktion 2009

Abb.: David Claerbout / The Quiet Shore / 2011 (Still) // Musée d’Art moderne de la Ville de Paris, Paris // © VG Bild-Kunst, Bonn 2013

© VG Bild-Kunst, Bonn 2012, und Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) –

Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland

In dieser Ausgabe – unserer 70sten – werfen wir einen

Blick auf Ausstellungshäuser fernab der größeren Kunstmetropolen

Deutschlands und wagen uns dafür in die

Provinz. Wer dort zeitgenössische Kunst sehen will,

muss in der Regel selbst aktiv werden. Bürgerschaftlich

initiierte Kunstvereine in winzigen Dörfern und kleineren

Städten stellt Inga Oppenhausen, Geschäftsführerin

der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine

(ADKV), im Leitartikel vor und macht deutlich, dass es

dort oft alles andere als provinziell zugeht – ob man

das im Umkehrschluss auch von den Kunstbetrieben in

Berlin, Hamburg, München oder Frankfurt behaupten

kann? Zusätzlich nennt sie einige der diesjährigen Nominierten

für den ADKV-Art-Cologne-Preis für Kunstvereine.

Dieser unterstützt Orte und Institutionen, die auch

noch nicht gesicherten Positionen eine Plattform geben,

Kunst kulturell und gesellschaftlich einordnen und eine

öffentliche Debatte anregen. Oft arbeiten Kunstvereine

noch weitgehend ohne den Legitimationsdruck von

Politik und Gesellschaft, welche Kunst und Kultur gern

unter den Prämissen des Repräsentativen oder Massentauglich-Unterhaltsamen

sehen. 1

„Provinz steht auch für all das, was der Städter vermisst

und wonach er sich sehnt: Überschaubarkeit,

Slow Down, Fleisch vom Bauern aus der Region und

Gemüse aus dem Garten sowie soziale Verbindlichkeiten.

Gleichzeitig löst sie Angst aus vor eben jener Überschaubarkeit,

Enge, sozialen Kontrolle und der eigenen

Bedeutungslosigkeit. Provinz ist also in jedem Falle

eine Konfrontation, zumindest mit sich selbst.“ Barbara

Caveng wurde im Rahmen des Projekts Kunst fürs Dorf

– Dörfer für Kunst der Deutschen Stiftung Kulturlandschaft

ausgewählt, sechs Monate im mecklenburgvorpommerschen

Blankensee – circa 534 Einwohner –

zu leben und zu arbeiten. Ihre bisherigen Eindrücke und

ihr grundsätzliches Misstrauen dem Idyllischen gegenüber

schildert die partizipativ arbeitende Bildhauerin im

Interview.

Weitere Perlen der Provinz – ausgewählte Ausstellungen

auf dem Lande – finden Sie auf den Seiten 28–35.

Ihre KUNST Magazin Redaktion

1

Vgl. Astrid Weges Laudatio auf den Badischen Kunstvereins während der

Preisverleihung 2012

In this edition—our 70th—we’re taking a close look

at the exhibition facilities far from the larger German

art metropolises. We’re off to the provinces. Those

who want to see contemporary art there usually have

to become active themselves. In our lead article, Inga

Oppenhausen, the managing director of the Society of

German Art Associations, offers us an introduction to

the world of community-initiated art associations in

tiny villages and smaller cities. And as her introduction

suggests, there’s often clearly nothing provincial about

what’s happening there. The question is rather whether

one can say the same thing about the art business in

Berlin, Hamburg, Munich and Frankfurt in return. She

also names some of this year’s nominees for the ADKV

Art Cologne Prize for art associations. The prize helps

to support locations and institutions that provide a

platform for as yet unestablished artistic positions

and that also help to assess art culturally and socially

while stimulating a public debate. Often these art associations

still operate largely without the pressures to

legitimize themselves—pressures placed upon art and

culture by politics and society, which like to see things

in terms of representative or potentially mass-market

entertainment. 1

“The province stands for everything the city-dweller

misses and longs for: for comprehensibility, for slowing

down, for meat from the local farmer and vegetables

from the garden, and for social commitments. At the

same time, the province also triggers the fear of precisely

that comprehensibility: the fear of narrowness, of

social control, and of one’s own meaninglessness. The

province is certainly also a confrontation at least with

oneself.” Barbara Caveng, quoted here, was selected as

an artist for the project “Art for the Village—Villages

for Art” funded by the German Foundation for Cultural

Landscapes, and she will thus be spending six months

living and working in the town of Blankensee (population

534) in Mecklenburg-Vorpommern. In our interview,

this interactively working sculptress reports on her impressions

to-date and on her basic mistrust of the pastoral

idyll.

You will find other pearls of the provinces (selected exhibitions

in rural areas) on pages 28-35.

Your KUNST Magazin Team

kunst- und ausstellungshalle der Bundesrepublik deutschland

Museumsmeile Bonn, Friedrich-Ebert-Allee 4, 53113 Bonn, T +49 228 9171-200

www.bundeskunsthalle.de

2

1

See Astrid Wege’s euglogy of the Baden Art Association during

the award ceremony in 2012.

3


Diesen Monat auf www.kunst-magazin.de

1. März 2013

Tierisches in Liesborn

17 Gemälde niederländischer Maler aus dem 17. Jahrhundert

gepaart mit 74 Werken zeitgenössischer Künstler

aus der SØR Rusche Sammlung sind bis Ende April im

Museum Abtei Liesborn zu sehen. Im Mittelpunkt dabei:

das Tier.

Inhalt

Content

Noriko Yamamoto, Alles gehört

nur zur Aufgabe, 2011

6. März 2013

Anweisung für die Welt in Delmenhorst

Die Städtische Galerie Delmenhorst präsentiert die erste

Ausstellung der japanischen Künstlerin Noriko Yamamoto.

Ihre Installationen, Skulpturen, Zeichnungen und

Videos kreisen um das Verhältnis von Innen und Außen,

Plan und Zufall.

11. März 2013

Die Essenz des Lichts in Unna

Das Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna ist

weltweit das erste Museum, in dessen Mittelpunkt ausschließlich

die Lichtkunst steht. Der im Wienand Verlag

publizierte Katalog erschien anlässlich des zehnjährigen

Jubiläums des Hauses.

15. März 2013

Castor & Pollux – Das Schlusswort

Matthias Planitzer ist passionierter Kunstkritiker und

Blogger. Für sein Schlusswort ist er für uns jeden Monat

in der Berliner Kunstszene unterwegs und nimmt eine

aktuelle Ausstellung unter die Lupe.

19. März 2013

Im Mittelpunkt von Bietigheim-Bissingen

Zentral in der Altstadt liegt die Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen.

1989 eröffnet und 2000 um einen

Erweiterungsbau ergänzt, präsentiert sie auf mehr als

1000 Quadratmetern vor allem zeitgenössische Kunst

aus der Region.

25. März 2013

Kunst im Hohen Norden

1827 wurde mit der Eisengießerei Carlshütte das erste

Industrieunternehmen der Herzogtümer Schleswig

und Holstein gegründet. Seit 1999 sind die historischen

Hallen des Kunstwerk Carlshütte Spielfläche für Kultur,

unter anderem die jährlich stattfindende Ausstellung

NordArt.

Auf in die Provinz! Kunstvereine fernab der Metropolen

Off to the Provinces! Art Associations far from the Metropolises

Inga Oppenhausen ............................................................................................................................................................................ 6

„Das Idyll macht mich misstrauisch“

Barbara Caveng über das Projekt „Kunst fürs Dorf – Dörfer für Kunst“

“The idyllic countryside makes me suspicious”

Barbara Caveng about her project: “Art for the Village—Villages for Art”

Interview: Steffi Weiss ..................................................................................................................................................................... 12

Sammlergespräch mit Tobias Gombert und Samuel Leuenberger – Keine definierte Sache

Conversations with Collectors: Tobias Gombert and Samuel Leuenberger – Not a clearly defined activity

Interview: Jan Kage .........................................................................................................................................................................20

Review: Kitty Kraus bei Galerie Neu

Text: Matthias Planitzer ................................................................................................................................................................. 24

Buchvorstellungen

Book Reviews .....................................................................................................................................................................................26

Ausstellungshinweise

Gallery Announcements ................................................................................................................................................................ 28

Ankündigung: Sammlergespräch mit Marc Fiedler ...............................................................................................................50

Impressum

Imprint ................................................................................................................................................................................................50

Bildnachweise

Titelbild: Julius von Bismarck, Benjamin Maus, Richard Wilhelmer: Fühlometer, 2010, Stahl, Aluminium, Kaltkathoden, Motoren, Fotokamera,

Laptop, Gesichtserkennungssoftware, 700 x 500 x 400 cm, Smiley 500 cm Durchmesser. Courtesy Galerie Alexander Levy.

Das „Fühl-o-meter“ (2010), ein überdimensionales Smiley-Gesicht, wurde für die PROVINZ-Ausstellung in Lindau im Sommer 2010 als

Krone des Leuchtturms an der Hafeneinfahrt installiert. Es übertrug verschiedene Gesichtsausdrücke direkt von den Gesichtern der Einwohner

und Gäste Lindaus. Die Emotionen wurden durch eine Fotokamera, die kontunierlich eine bestimmte Stelle am Hafen beobachtete,

aus Gesichtern ausgelesen, analysiert und an die Installation weitergeleitet.

VG Bild-Kunst Bonn 2013

Dietmar Binger, Barbara Caveng, Marc Chagall, Thea Djordjadze, Eva & Adele, Lyonel Feininger, Hans-Peter Feldmann, Gunda Förster,

Francois Morellet, Georg Netzband, Max Regenberg, Robert Rehfeldt, Hansjörg Schneider, Karl Schwarzenberg, Maya Schweizer, Florian Slotawa,

Steffen Volmer, Thomas Wagner

4

5


Auf in die Provinz!

Kunstvereine fernab der Metropolen

Off to the Provinces!

Art Associations far from the Metropolises

In den Räumen des Kunstvereins Langenhagen sind derzeit die Filme „Passing Down Frame One“ (2007)

und „Au dos de la carte postale“ (2010) von Maya Schweizer installiert. (Vgl. Ausstellungshinweis S. 48)

Foto: C. Dootz, Courtesy Maya Schweizer / Galerie Katharina Bittel

Text: Inga Oppenhausen

Haben Sie den Namen Tosterglope schon mal gehört?

Wissen Sie, wo Tosterglope liegt? Waren Sie sogar schon

mal dort?

Tosterglope ist ein Zweihundertfünfzig-Seelen-Dorf im

niedersächsischen Landkreis Lüneburg, gute dreißig

Kilometer von Lüneburg entfernt. Nach Tosterglope gelangt

man weder zufällig noch weil man ohnehin gerade

in der Gegend ist; es gibt keinen Bahnhof, und sogar

die Bundesstraße macht um das Dorf einen Bogen. Tosterglope

ist tiefste Provinz.

Dem Kulturstaatsminister Bernd Neumann ist Tosterglope

spätestens seit dem letzten Jahr durchaus

ein Begriff. Er weiß, dass es dort einen Verein gibt, der

herausragende Kunstvermittlungsarbeit leistet: der

Kunstraum Tosterglope e.V. Denn dieser Kunstverein ist

im Herbst 2012 von Bernd Neumann auf Schloss Genshagen

für das Projekt „AMBULANZ – Kunstvermittlung

auf dem Lande“ mit dem BKM-Preis Kulturelle Bildung

ausgezeichnet worden. Damit ist der Kunstraum Tosterglope

eine von drei Institutionen, die im vergangenen

Translation: Brian Poole

Have you ever heard of Tosterglope? Do you know where

Tosterglope is? Have you ever been there?

Tosterglope is town of some 250 souls in the rural district

of Lüneburg in Lower Saxony, about 30 kilometres

south of the city of Lüneburg. Anyone who gets to

Tosterglope didn’t get there by coincidence or because

they just happened to be in the neighbourhood. There’s

no train station, and even the local highway takes a detour

around the village. Tosterglope is in the middle of

provincial nowhere.

Jahr den mit jeweils 20.000 Euro dotieren Preis für ein

Projekt der kulturellen Bildung erhalten haben, das bundesweit

modellhaft und innovativ ist, sowie bislang unterrepräsentierte

Zielgruppen besonders berücksichtigt.

Mit anderen Worten: Deutschland – schau auf dieses

Dorf, wenn du neue und erfolgreiche Ansätze kultureller

Bildungsarbeit suchst!

Der Bildungsauftrag, das heißt die Vermittlung zeitgenössischer

Kunst, ist neben der Förderung ihrer Produktion,

ihrer öffentlichen Präsentation und ihres Verkaufs

seit jeher selbstgesetzte Kernaufgabe der Kunstvereine,

die auf eine über zweihundertjährige Geschichte zurückblicken

können. In der Folge der Aufklärung – eine

erste Gründungswelle gab es zwischen 1815 und 1850

– entstehen als Ausdruck der Emanzipation der Bürger

gegenüber dem Ständestaat in vielen deutschen Städten

sogenannte Salons, Clubs und Gesellschaften, die

sich zum Ziel gesetzt hatten, zeitgenössische Kunst zu

präsentieren, zu vermitteln, zu diskutieren und auch

anzukaufen und zu sammeln. Zu den ersten noch existierenden

Vereinen dieser Art in Deutschland, die sich

nach wie vor der ganz jungen, aktuellen Kunst widmen,

Since last year at the latest, the state’s Minister of Culture

Bernd Neumann has come to hear of Tosterglope.

He now knows that there’s an association there that

does wonderful work for art and artists: the “Kunstraum

Tosterglope”. At the Genshagen Castle in the fall of 2012

this cultural association received from Bernd Neumann

the BKM-Prize for Cultural Education for their project

“Ambulance—Art Mediation in Rural Areas”. Thus the

Kunstraum Tosterglope is one of just three institutions

to have received the € 20,000 prize for a project in cultural

education that is considered both a federal model

and innovative while at the same time addressing hitherto

underrepresented audiences. In other words: Germany—look

to this town if are looking for new and successful

approaches to cultural education!

Art associations can look back upon a more than twohundred-year-old

history, and their mandate to educate—to

promote contemporary art—has always been

their central goal, in addition to supporting art production,

its public presentation, and sale. In the wake of

the Enlightenment (the first wave of newly founded

associations took place between 1815 and 1850) salons,

clubs and societies arose as an expression of bourgeois

emancipation from the aristocratic and absolutist class

structure; their common goal was to present, promote

and discuss contemporary art, but also to buy it and collect

it. Among the first, and still active, associations of

this kind in Germany, which are still dedicated to young

contemporary art, are: The Art Association in Nurnberg

known as the Albrecht Dürer Society (founded in 1792),

the Baden Art Association (founded in 1818 in Karlsruhe),

and the Art Association in Hamburg (founded in 1822).

6

7


gehören der Kunstverein Nürnberg – Albrecht Dürer

Gesellschaft, gegründet 1792, der Badische Kunstverein,

gegründet 1818 in Karlsruhe, und der Kunstverein

in Hamburg, gegründet 1822. Die Auseinandersetzung

mit zeitgenössischer Kunst sollte dem selbstbewusst

gewordenen Bürgertum zu seiner eigenen, von innen

heraus gestalteten kulturellen Identität verhelfen. Von

großer Wichtigkeit waren in diesem Zusammenhang

der gesellige Aspekt des Vereinslebens und dessen demokratische

Strukturen, also die Gleichberechtigung

aller Mitglieder.

Dieses Feld, das das Bürgertum vor zweihundert Jahren

dem Adel abgerungen hat, ist heute längst nicht

mehr den Kunstvereinen vorbehalten. Die grobe Aufgabenteilung

zwischen Museen, Galerien und Kunstvereinen

sah – neben der obligatorischen Präsentation

der Kunst – für die Galerien die Vermarktung und den

Verkauf, für die Museen die Erforschung, den Ankauf

und die Sammlung und für die Kunstvereine die Vermittlung

und Verhandlung der mit zeitgenössischen

Kunst verbundenen Diskurse vor. Diese Kategorisierung

mochte noch bis vor wenigen Jahrzehnten zutreffend

gewesen sein, ist heute jedoch nahezu vollständig aufgeweicht.

Viele Museen verfügen infolge kommunaler

Sparzwänge heute beispielsweise über keinen oder nur

noch einen geringen Ankaufsetat. Das jedoch, was den

Kunstverein nach wie vor von allen anderen sich im Feld

der zeitgenössischen Kunst tummelnden Institutionen

unterscheidet, ist seine unmittelbare Anbindung an das

Bürgertum: Kunstvereine werden von Bürgern gegründet,

sie werden durch ehrenamtliches Engagement und

bürgerschaftliches Mäzenatentum getragen, sie ermöglichen

grundsätzlich jedem die unmittelbare Teilhabe

an künstlerischen Prozessen und müssen ihr Handeln

und Wirken dem Mehrheitsbeschluss der Mitgliederversammlung,

die aus Bürgerinnen und Bürgern besteht,

unterwerfen.

Gemeinhin herrscht die Auffassung vor, dass künstlerische

Innovation vor allem in den großen Städten,

insbesondere in den Metropolen, entsteht, gedeiht, verstanden

und geachtet wird. Und die Anzahl und Dichte

von Ateliers, namhaften Galerien, Museen von Weltrang

untermauern dies. Kunstvereine sind jedoch Bürgerinitiativen,

sie werden nicht dort gegründet, wo es ökonomisch

und standortpolitisch günstig erscheint, sondern

wo eine gewisse Notwendigkeit von ihren Gründern

empfunden wird. Und das ist oft gerade fernab der Metropolen

in Klein- und Mittelstädten und sogar in ländlichen

Gemeinden der Fall: Knapp 45 Prozent aller Kunstvereine

sind in Städten und Kommunen mit weniger als

50.000 Einwohnern ansässig; bis zur Großstadtmarke

von 100.000 Einwohnern sind es rund zwei Drittel; in

den Millionenstädten Deutschlands – in Berlin, Hamburg,

München und Köln – finden sich gerade einmal

drei Prozent aller Kunstvereine. 1

The interaction with contemporary art was supposed

to help the increasingly confident bourgeoisie develop

their own cultural identity. The convivial aspect of these

associations and their democratic structures, offering

equal rights to all its members, were of great importance

here.

The field the bourgeoisie managed to wrest away

from the aristocracy two hundred years ago is, today,

no longer reserved to just the art associations. Since

then, museums, galleries and art associations have all

played a role in the obligatory presentation of art. But

there was a general distinction between the functions

they performed. Galleries took on the role of marketing

and sales; museums were responsible for research,

acquisition and collection; and finally, the art associations

played a role in mediating and negotiating the discourses

related to contemporary art. This categorical division

was perhaps still accurate just a few decades ago,

but it has since been almost completely undermined.

Today, due to the fiscal need to reduce municipal budgets,

many museums have very limited resources or no

resources at all to purchase new artworks. But what still

distinguishes the art association from all other institutions

roaming around in the field of contemporary art is

the immediate connection with the citizens—the bourgeoisie.

Art associations are founded by citizens, the are

supported and operated by voluntary involvement and

citizens’ patronage, and they allow everyone to participate

in artistic processes while ensuring that their activities

and influence is subjected to a majority vote of

its members, who are themselves citizens.

It is a widespread and common opinion that artistic innovation

arises and thrives in large cities: above all in

the metropolises, where innovation is both understood

and respected. The number and density of ateliers, renowned

galleries, and internationally acclaimed museums

there support this view. But art associations are

citizen initiatives: they are not founded wherever they

are economically viable or politically advantageous locally,

but where their founders feel a certain need for

them. And that need is felt most poignantly far from the

metropolises, in the small and medium-sized cities, and

even in the rural communities. Almost 45 percent of all

the art associations are in cities and rural towns with

less than 50,000 inhabitants. Indeed, two thirds of all

art associations are in towns with less than 100,000 inhabitants—and

thus below the “big city” bar. Only three

percent of all art associations are located in German

cities with more than one million inhabitants—Berlin,

Hamburg, Munich and Cologne. 1

Art associations fulfil an extremely important function

regionally in Germany’s cultural landscape. One could

say that they secure the necessary cultural blood-flow

nationwide by spreading contemporary art as well as

its discourses and cultural values across all regions,

Maya Schweizer: „A Memorial, A Synagogue, A Bridge and A Church“ (2012), Filmstill

Courtesy Maya Schweizer / Galerie Katharina Bittel

Kunstvereine in der Region erfüllen eine äußerst wichtige

Funktion innerhalb der Kulturlandschaft Deutschlands.

Man könnte sagen, sie sorgen für die notwendige

„kulturelle Durchblutung“ des Landes, indem sie

für eine flächendeckende Verbreitung und Aneignung

aktueller Kunst und der mit ihr verbundenen Diskurse

und kulturellen Werte sorgen – und zwar grundsätzlich

in beide Richtungen: von der Stadt in die Provinz, aber

auch, wie das Beispiel des Kunstraum Tosterglope lehrt,

zurück von der Provinz in die Stadt. Während jedoch

Kunstvereine in Kleinstädten und im Ländlichen oftmals

die einzigen Anbieter zeitgenössischer Kunst, nicht selten

auch Kultur im Allgemeinen, sind und ihnen damit

eine Art „kulturelle Grundversorgung“ obliegt, können

Kunstvereine in Großstädten ein differenziertes Profil

und spezifisches Programm entwickeln, was sie bisweilen

angesichts einer überbordenden konkurrierenden

Angebotsvielfalt auch müssen. Dieses wiederum erhöht

bei entsprechender Qualität die überregionale Sichtbarkeit

der Großstadtvereine und verhilft ihnen mitunter

zu bundesweitem Renommee.

Und dennoch schaffen es Jahr für Jahr auch Kunstvereine

aus der Provinz auf die Liste der Nominierten für

den ADKV-Art-Cologne-Preis für Kunstvereine, der die

innovative Ausstellungs- und Vermittlungsarbeit eines

and in both directions: from the city to the rural areas,

but also from those rural areas back to the city, as the

Kunstraum Tosterglope shows. But whereas art associations

in small towns and rural communities are often

the only purveyors of not only contemporary art, but

also of culture in general—thus obliging them to supply

these areas with something like their “basic cultural

needs”—the art associations in large cities can develop

a more differentiated profile. And in view of the superfluity

of competing options in large cities, they often

have to. This in turn raises the over-regional visibility of

the big-city associations offering corresponding quality,

and that helps them to establish their national renown.

Nevertheless, each year there are also art associations

from rural areas that manage to make the list of those

nominated for the ADKV-Art-Cologne prize: an award

given in appreciation for an art association’s innovative

work in exhibiting and promoting art. Since 2006 the

Society of German Art Associations and the Cologne Art

Fair have been awarding this prize following independent

rules for nominating and selecting prize winners. In

recent years certain associations have been suggested

and nominated by several individuals and on several occasions,

among them: the Art Association Springhornhof

in the Lower Saxon town of Neuenkirchen (popula-

8

9


Kunstvereins würdigt. Der Preis wird seit 2006 jährlich

im Rahmen eines unabhängigen Nominierungs- und

Auswahlverfahrens von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher

Kunstvereine und der Kölner Kunstmesse vergeben.

In den letzten Jahren vorgeschlagen und zum Teil

wiederholt und mehrfach nominiert wurden beispielsweise

der Kunstverein Springhornhof im niedersächsischen

Neuenkirchen (5.700 Einwohner), der Kunstverein

Neuhausen bei Stuttgart (11.000 Einwohner), der Kunstverein

Heppenheim (25.000 Einwohner), der Kunstverein

Schwerte (48.000 Einwohner), der Kunstverein

Lingen (51.000 Einwohner) und übrigens auch der

Kunstraum Tosterglope. Und bereits der erste Preisträger,

die ACC-Galerie Weimar, wurde in einer Stadt ausfindig

gemacht, die sich zwar durchaus als Kulturstadt

begreift und 1999 auch Kulturhauptstadt Europas war,

die mit 65.000 Einwohnern jedoch alles andere als eine

Großstadt darstellt.

Auch in diesem Jahr finden sich einige Kunstvereine aus

sogenannten Mittelstädten zum wiederholten Male auf

der Liste der Preiswürdigen: der Kunstverein Arnsberg,

nach 2007 zum zweiten Mal nominiert (74.000 Einwohner),

der Kunstverein Langenhagen, bereits dreimal nominiert

(53.000 Einwohner), und die Halle für Kunst in

Lüneburg, die nun bereits zum fünften Mal für den Preis

vorgeschlagen wurde (73.000 Einwohner). 2

Paradigmatisch schlägt der Kunstverein Arnsberg den

Bogen von der Hauptstadtmetropole Berlin in die sauerländische

Mittelstadt Arnsberg: Nach der Retrospektive

von Alfredo Jaar im Sommer 2012 in der Neuen Gesellschaft

für Bildende Kunst (NGBK), einem Großstadtkunstverein,

in der Berlinischen Galerie und der Alten

Nationalgalerie in Berlin war der Kunstverein Arnsberg

im Herbst 2012 die vierte Institution in Deutschland, die

Jaar eine Einzelausstellung widmete. Aktuell präsentiert

der Kunstverein Arnsberg die niederländische Künstlerin

Viviane Sassen. In der Ausstellung „Three Magi“, zu

sehen vom 25. Januar bis 10. März 2013, werden Arbeiten

aus ihren Projekten „Parasomnia“ und „Flamboya“

gezeigt, die in verschiedenen Ländern Afrikas entstanden

sind und Kindheitserinnerungen der Künstlerin aus

Kenia mit neuen Erfahrungen verknüpfen.

Der Kunstverein Langenhagen zeigt noch bis zum 31. 3.

in der Ausstellung „Edith Seeshow’s Notes“ vier Filme

der französischen Künstlerin Maya Schweizer, die sich

mit der Frage nach Geschichte und Erinnerung in der

alltäglichen Gegenwart beschäftigen. In drei Filmen

widmet sie sich dem öffentlichen Raum im Heute und

seinen geschichtlichen Bezügen, im vierten Film nähert

sie sich den Holocaust-Erfahrungen ihrer Großmutter.

In Anlehnung an die zweihundertjährige Tradition der

Jahresgaben – das sind Kunstwerke einer geringen Auflage

für die Vergabe oder den Verkauf an die Mitglieder

des jeweiligen Kunstvereins, nicht selten aber auch für

den freien Verkauf – präsentiert die Halle für Kunst in

tion 5,700), the Art Association Neuhausen/Stuttgart

(population 11,000), the Art Assocation Heppenheim

(population 25,000), the Art Association Schwerte

(population 48,000), the Art Association Lingen (population

51,000), and—last but not least—the art Association

Kunstraum Tosterglope. The first prize-winner, the

ACC-Gallery in Weimar, was discovered in a city that

cultivates its image as a cultural centre and that was

selected as one of Europe’s “cultural capitals” although,

with its population of 65,000, it is not even close to being

a large city.

This year there are again art associations from the socalled

mid-sized cities that have repeatedly figured on

the list of prize-worthy contestants: the Art Association

Arnsberg (population 74,000), nominated for the second

time since 2007, the Art Association Langenhagen

(population 53,000), nominated for the third time, and

the Gallery for Art in Lüneburg (population 73,000), here

nominated for the fifth time. 2

The Art Association Arnsberg managed to trace a path

from the capital city and metropolis of Berlin to the midsized

Sauerland city of Arnsberg. In 2012, following the

retrospective on Alfredo Jaar at the New Society for Fine

Art (or NGBK, a large-city art association), at the Berlinerische

Galerie, and at the Old National Gallery in Berlin,

the Art Association of Arnsberg was the fourth institution

in Germany in 2012 to dedicate a solo exhibition to

Jaar. Currently the Art Association Arnsberg is exhibiting

the Dutch artist Viviane Sassen. At the exhibition entitled

“Three Magi” (running from the 25th of January to

the 10th of March, 2013), works from Sassen’s projects

“Parasomnia” and “Flamboya” will be shown; the works

were created in various countries in Africa and they link

the artist’s childhood memories from Kenya with her

later experiences.

Running to the 31st of March, the Art Association Langenhagen

will be showing four films by the French artist

Maya Schweizer at the exhibition “Edith Seeshow’s

Notes”. The films deal with the question of history and

memory in everyday contemporary life. In three of the

films the artist reflects upon contemporary public space

and its historical dimensions, and in the fourth film she

touches upon her grandmother’s holocaust experience.

Following the 200-year-old tradition of annual gifts—

i.e. artworks printed in small numbers as gifts or sold

to members of the corresponding art association, although

they are also often sold publically—beginning

on the 8th of March, the Gallery for Art in Lüneburg will

be presenting for sale editions of those artists who feel

particularly attached to the association: artists who

have been exhibited there in recent years. This benefit

exhibition (50% of the proceeds will be donated to

the Gallery for Art) will thus also give you an overview

of the association’s programme. Here you can expect

Maya Schweizer: „Which Story Would You Prefer Not to Recall? “ (2009/13), Fotoinstallation im Schaufensterraum des Kunstvereins Langenhagen

Foto: C. Dootz, Courtesy Maya Schweizer / Galerie Katharina Bittel

Lüneburg ab dem 8. März käuflich zu erwerbende Editionen

von Künstlerinnen und Künstlern, die sich dem

Verein verbunden fühlen, weil sie beispielsweise in den

letzten Jahren dort ausgestellt haben. So vermittelt

diese Benefiz-Ausstellung (50 Prozent der Einnahmen

gehen an die Halle für Kunst) gleichzeitig einen präzisen

Einblick in das Programm des Vereins: Zu sehen und

zu erwerben sind Arbeiten unter anderem von Michael

Krebber, Josephine Pryde, Jan Timme, Mirjam Thomann,

Wolfgang Breuer, Amelie von Wulffen, Lucie Stahl, Will

Benedict, Nick Mauss, Megan Francis Sullivan, Ulla Rossek,

Michaela Eichwald, Annette Kelm, Birgit Megerle,

Michaela Meise, Sabine Reitmeier, Nora Schulz, Phillip

Zach, Simon Denny und Loretta Fahrenholz.

Klingt das nach „Provinz“?

Möglich.

Klingt das „provinziell“?

Mitnichten.

Inga Oppenhausen (*1973) ist Geschäftsführerin der

Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine (ADKV),

dem Dachverband der Kunstvereine.

www.kunstvereine.de

to see works by Michael Krebber, Josephine Pryde, Jan

Timme, Mirjam Thomann, Wolfgang Breuer, Amelie von

Wulffen, Lucie Stahl, Will Benedict, Nick Mauss, Megan

Francis Sullivan, Ulla Rossek, Michaela Eichwald, Annette

Kelm, Birgit Megerle, Michaela Meise, Sabine

Reitmeier, Nora Schulz, Phillip Zach, Simon Denny and

Loretta Fahrenholz.

Does that sound like it’s from the province?

Perhaps.

Does that sound provincial?

Not at all!

Inga Oppenhausen (*1973) is the director of the Society

of German Art Associations (ADKV), the umbrella organisation

of German art associations.

www.kunstvereine.de

1

Die Zahlen beziehen sich auf die rund 300 Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Deutscher Kunstvereine.

The statistics are based upon the 300 members of the ADKV—

The Society of German Art Associations.

2

Kunstverein Langenhagen: 2006, 2010 und 2012; Halle für Kunst in

Lüneburg: 2006, 2007, 2010 und 2012.

The “Kunstverein Langenhagen” in 2006, 2010 and 2012; and the “Halle

für Kunst” in Lüneburg in 2006, 2007, 2010 and 2012.

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„Das Idyll macht mich misstrauisch“

“The idyllic countryside makes me suspicious”

Interview mit der Künstlerin Barbara Caveng über das

Projekt „Kunst fürs Dorf – Dörfer für Kunst“

Interview with the artist Barbara Caveng about the project:

“Art for the Village—Villages for Art”

Interview: Steffi Weiss

Translation: Brian Poole

Die Deutsche Stiftung Kulturlandschaft engagiert sich

unter dem Motto „Land schafft Zukunft“ für die Vielfalt

und Identität der deutschen Landschaften. Mit dem

Projekt „Kunst fürs Dorf – Dörfer für Kunst“ setzt die

Stiftung auf die Impuls gebende Kraft der Kunst. In drei

Dörfer wird je ein zusammen mit den Dorfbewohnern

ausgewählter Künstler gesandt, der für sechs Monate

mit ihnen lebt, arbeitet und den Alltag mit seinen Impulsen

und Interventionen durchbricht. Von April bis

September 2013 werden Barbara Caveng aus Berlin nach

Blankensee in Mecklenburg-Vorpommern, Frank Bölter

aus Köln nach Sachsenberg in Hessen und Helmut

Lemke aus Bielefeld nach Sehlis in Sachsen ziehen. Aber

nicht nur die Künstler mussten sich um einen Ort, sondern

auch die Dörfer um einen Künstler bewerben.

Barbara Caveng arbeitet ortsspezifisch und bezieht Einheimische

in ihre „sozialen Plastiken“ ein. So reflektiert

sie neben dem eigenen Charakter der Orte auch das

gesellschaftliche Verhalten der Bewohner. Wir sprachen

mit der Künstlerin über persönliche Wunschorte, Konfrontationen

in der Provinz und Erwartungen an das

Projekt.

Frau Caveng, für Ihre vergangenen Projekte arbeiteten

Sie mit Fundstücken und mit Menschen, die zu den von

Ihnen gewählten Orten gehören. Was ist ihr künstlerisches

Anliegen?

Ich würde meine künstlerische Arbeit nicht als Anliegen

formulieren. Der Impetus kommt aus dem täglichen Erstaunen

über Erscheinungen, Vorkommnisse und das

menschliche Tun im Allgemeinen und Besonderen. Ist

die Verwunderung groß genug, bildet sich daraus eine

Frage, die ich dann in der künstlerischen Arbeit untersuche.

Under their motto of “Landscaping the Future,” the German

Foundation for Cultural Landscape is dedicated to

the diversity and identity of German landscapes. With

its project “Art for the Village—Villages for Art” the foundation

is setting its sights on the impulse-giving power

of art. Three artists have been chosen to live and work in

three villages for six months, permeating the villagers’

day-to-day life with their ideas and initiatives. From April

to September 2013 the Berlin-based artist Barbara Caveng

will move to Mecklenburg-Vorpommern; the Cologne-based

artist Frank Bölter will move to Sachsenberg

in Hessen; and the Bielefelt-based artist Helmut Lemke

will move to Sehlis in Saxony. But not only did these artists

have to apply to the programme—the villages also

had to apply for an artist.

Barbara Caveng works specifically on location, and she

involves the local population in her “social sculptures”.

Thus she manages to reflect not only the particular character

of places but also the social behaviour of their

inhabitants in her work. We spoke with the artist about

her own favourite places, her encounters in the provinces,

and her expectations for the project.

Barbara Caveng, for your past projects you’ve worked

with the artefacts and people that belong to the locations

you’ve chosen. What is your artistic concern in all

of this?

I wouldn’t refer to my artistic work as my own concern.

My motivation comes from the astonishment I experience

every day at the phenomena, the events, and,

more generally and particularly, the human activities

I encounter. When one’s sense of wonder is large

enough, a question arises that I then investigate in my

artistic work.

Blankensee fotografiert von Olaf Lesener

Auf welche Fragen sind Sie bisher gestoßen?

Im Jahr 2003 realisierte ich mein erstes partizipatives

Kunstprojekt mit dem Titel „Ready Now“. Auslöser war

ein Foto im Tagesspiegel, unmittelbar vor dem Ausbruch

des Irakkrieges. Die Luftaufnahme zeigt die fünfhundert

Mann starke Besatzung des amerikanischen Flugzeugträgers

Abraham Lincoln auf Deck. Die Soldaten

bilden den Schriftzug „Ready Now“ mit ihren Körpern.

Das war für mich eine große Frage, der ich ein Jahr gewidmet

habe: Was heißt „Ready Now“? Fertig – wofür?

Es war die Zeit, als der damalige US-Präsident George

W. Bush mit der Formulierung von der „Achse des Bösen“

die Welt gespalten hat. Die zweite Frage, die ich

mir stellte, war: Was bedeutet kulturelle Identität? Aus

diesen beiden Fragen entstand über einen Zeitraum von

sechs Monaten ein elf Quadratmeter großer Teppich

mit 330.000 Knoten, der von über 250 Menschen aus 55

Nationen geknüpft wurde. Teil der Installation ist eine

Soundbibliothek der Gespräche, die die Teilnehmer zu

dieser Frage führten. Identität und Zugehörigkeit sind

Themen, die in unterschiedlichen Aspekten immer wieder

in meinen Arbeiten auftauchen. So zum Beispiel in

der Trilogie der „Sozialen Bodenbeläge“. Die Frage, wer

sich in welcher Form als Teil der Gesellschaft versteht,

wurde durch die ausufernden Formationen von ausrangierten

Möbelstücken im öffentlichen Raum ausgelöst.

What questions have you already encountered?

In 2003 I completed my first participatory art project,

entitled “Ready Now”. It was inspired by a photo in the

newspaper Tagespiegel that appeared just before the

beginning of the war in Iraq. The aerial photo showed

the five-hundred-member crew of the aircraft carrier

Abraham Lincoln standing on the deck. The soldiers

formed the words “Ready Now” with their bodies. This

raised a large question that preoccupied me for one

year: What does “Ready Now” mean? Ready for what?

This was a time when the then acting American president

George W. Bush had divided up the world with his

notion of the “axis of evil”. The second question I asked

myself was: What does cultural identity mean? Based

on these questions, over a period of six months an 11

cubic metre carpet was assembled containing 330,000

stitches linked together by more than 250 people from

55 different nations. Part of the installation is a sound

library with recordings of the conversations the participants

had on this subject. Identity and ‘belonging’ are

topics that reoccur in my work in various ways—for example,

in the trilogy “Social Floor Surfaces”. The question

who considers themselves a part of society, and in

what form was triggered by the sprawling accumulation

of discarded pieces of furniture in public space.

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Wählen Sie die Orte nach bestimmten Kriterien aus,

oder können Sie überall arbeiten?

Es kommt eigentlich nie vor, dass ich die Orte bewusst

auswähle. Es gibt eine Liste, unbeschriebene Gebiete

auf meiner inneren Landkarte, welche plötzlich an Kontur

gewinnen und mich zur Erforschung des Unbekannten

einladen. Russland stand achtzehn Jahre auf dieser

Liste, bevor ich durch ein Stipendium einige Monate

nach Moskau kam. Bei Syrien waren es acht Jahre. Ich

möchte nach Albanien, Rumänien, Ulan Bator, Baku und

Myanmar.

Der Locus amoenus lässt sich an diesen Orten nicht vermuten

– sie werden durch politische und soziale Umwälzungen

bestimmt. Suchen Sie unbewusst nicht die

Idylle, sondern Orte im Umbruch?

Für mich waren das Orte, die ein Geheimnis haben – ob

es sich dabei um eine Bedrohung oder um eine freudvolle

heitere Überraschung handelt, bleibt verborgen.

Ich mag Orte, zu denen es noch keine festgelegten beschreibenden

Adjektive gibt. Oft ist es der Klang, der

diese sehnsüchtige Neugier auslöst. Deswegen bin ich

auch gerne an Flughäfen. Das physische Erleben ist mir

die liebste Art des Lernens, auch wenn das zuweilen mit

Schwierigkeiten verbunden ist. Es ist für mich eine Möglichkeit,

überhaupt etwas innerhalb der Komplexität

der Welt zu verstehen. Das Idyll macht mich immer eher

misstrauisch. Ich weiß nicht, was ich da soll. Das Leben

in seiner brüchigen Schönheit reizt mich mehr.

Entwickeln Sie ein Konzept, bevor der Aufruf zur Teilhabe

folgt?

Ja, das kann man so sagen. Wichtig ist mir das Wort

„Teilhabe“ in Ihrer Formulierung. Es geht mir nicht um

das Ausführen von etwas, sondern eben um die Teilhabe

des Einzelnen. Ich bin eine Vertreterin des Individualansatzes:

Ich spreche die Menschen einzeln an und lade

zur Teilhabe an der Idee ein. Das hilft den Angesprochenen

zu verstehen, wonach ich suche. Nach Blankensee

gehe ich ohne bestehendes Konzept. Das ist für mich

neu, eine Idee ganz von null vor Ort – und in diesem

Falle natürlich zusammen mit den Menschen – zu entwickeln.

Seit 2003 sind partizipative Kunstprojekte zu

einem Schwerpunkt meiner Arbeit geworden. Sie folgen

einer einfachen Regel: ohne Partizipation kein Werk. Das

gilt auch für Blankensee.

Sie leben und arbeiten größtenteils in Berlin. Welchen

Bezug haben Sie zur Provinz?

Provinz steht ja auch für all das, was der Städter vermisst

und wonach er sich sehnt: Überschaubarkeit,

Slow Down, Fleisch vom Bauern aus der Region und

Gemüse aus dem Garten sowie soziale Verbindlichkeiten.

Gleichzeitig löst sie Angst aus vor eben jener Überschaubarkeit,

Enge, sozialen Kontrolle und der eigenen

Bedeutungslosigkeit. Provinz ist also in jedem Falle

eine Konfrontation, zumindest mit sich selbst. Es ist ein

wichtiges Anliegen. Ich finde es fatal, wenn die Stadt

Do you choose the locations according to certain criteria,

or can you work anywhere?

Actually I’ve never consciously chosen the locations.

There is a list—unwritten areas in my inner map that

suddenly acquire contours, inviting me to study the unknown.

Russia was on the list for 18 years before I received

a stipend that allowed me to travel to Moscow for a few

months. Syria was on the list for eight years. I’d like to

go to Albania, Rumania, Ulan Bator, Baku, and Myanmar.

The locus amoenus is not something you’d expect to find

at these locations; they are more characterised by poli -

tical and social upheavals. Do you unconsciously search

not for idyllic places, but places caught up in change?

For me, these places held a secret, and it was impossible

to tell whether it was a threat or a pleasurable and

cheerful surprise. I like places for which there are still no

established descriptive adjectives. Often it’s the sound

of the name that triggers the longing curiosity. That’s

why I also like to be at airports. Physical experience is

my favourite way of learning something, even when

that brings with it its own difficulties. It offers me the

opportunity to understand something about the complexity

of the world. Idyllic places have always made me

suspicious. I’m not sure why I should be there. I’m more

intrigued by life in its fragile beauty.

Do you develop a concept before others are called upon

to participate?

Yes, that’s one way you can look at it. For me, the word

you used, “participate”, is important. I’m not interested

in carrying something out, but rather in the participation

of the individual. I’m an advocate of the individual

approach: I speak to people individually and invite

them to participate in an idea. That helps those I speak

with to understand what I’m looking for. But I’m going

to Blankensee without a pre-existing concept. For me,

that’s something new: developing, on site, an idea from

the ground up, in this case of course together with the

people there. Participatory art projects have been the

focus of my work since 2003. They follow a simple rule:

without participation there’s no work. That will also be

the case in Blankensee.

You live and work largely in Berlin. What relationship do

you have to the “province”—to rural areas?

The notion of the “province” also stands for whatever

the city-dweller misses and longs for: for comprehensibility,

for slowing down, for meat from the local farmer

and vegetables from the garden, and for social commitment.

At the same time, there is a fear of precisely that

comprehensibility: the narrowness, the social control,

and one’s own meaninglessness. The province is certainly

also a confrontation at least with oneself. That’s

an important concern. I think it’s terrible when the city

is presumed to be the only possible space to live in, filled

with promises that turn into chimeras for most people,

and with hopes that remain unfulfilled.

Barbara Caveng im Salon Fiona Bennett, Foto: Joachim Gern

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Barbara Caveng: Neuköllner Sozialparkett, Begehbare Bodeninstallation, 125qm, 4000 Teile, Materialien aus dem Bezirk Neukölln, 2010, Foto: Christian Reister

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zum vermeintlich alternativlosen Lebensraum wird, mit

Verheißungen, die sich für viele Menschen in Schimäre

verwandeln und Hoffnungen, die sich nicht erfüllen.

Wie stellen Sie sich Ihr Leben und Arbeiten in den sechs

Monaten auf dem Dorf vor?

Das Gute ist ja, dass ich mir mein Leben und meine Arbeit

in Blankensee nicht vorstellen kann. Bei meinem

Erstbesuch im Dorf führten mich die letzten Kilometer

über eine komplett vereiste Landstraße. Das ist vielleicht

eine ganz gute Metapher für die vorsichtige Annäherung

an ein fremdes Gebiet. Später kann man dann auf

dem Eis Pirouetten drehen. Ein Gefühl der Erwartung

habe ich nicht – eher die Hoffnung, dass aus dem Unerwarteten

ein Wunder wird. Ich vermisse auf Mission

selten etwas. Abwesenheiten gehören dazu.

Welchen Eindruck hat Blankensee beim ersten Besuch

hinterlassen?

Am meisten hat mich beeindruckt, welchen Wert und

welche Bedeutung die Bewohner von Blankensee und

dem Ortsteil Pampow diesem Projekt und meiner bevorstehenden

Anwesenheit beimessen. Die Neugier,

Offenheit und Herzlichkeit, mit welchen ich von den

Bewohnern in den beiden Ortsteilen empfangen wurde,

haben mich sehr berührt. Die Bewohner haben mir die

Ehre erwiesen, mir jeweils den Platz an der Stirnseite der

langen Kaffeetafeln in den Gemeindesälen von Pampow

und Blankensee zuzuweisen. Dann haben sie mir Fragen

gestellt, die den Ihrigen gar nicht unähnlich sind. Das

fand ich sehr schön. Dieses Dorf hat ein Anliegen, ich

weiß nur noch nicht genau welches. Möglicherweise ist

es auch in den beiden Ortsteilen nicht dasselbe. Natürlich

ist Sprache ein Thema. Wie viele Menschen sowohl

auf der einen als auch der anderen Seite der Grenze die

Sprache des Nachbarn nicht sprechen, hat mich überrascht.

Es sind weniger Fragen, die ich im Kopf habe,

als die Bilder dieses ersten Besuches und viel positive

Spannung auf dieser Reise. Es ist ja für beide Seiten ein

Abenteuer.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Die Gemeinde Blankensee mit dem Ortsteil Pampow hat 534 Einwohner

und befindet sich direkt an der deutsch-polnischen Grenze. Nur 25 Kilometer

entfernt liegt die nächstgrößere Stadt Stettin. Auf die Frage der

Dorfbewohner beim Erstbesuch der Künstlerin, was Frau Caveng in Blankensee

plant, stellte diese ihre interaktive Vorgehensweise vor und fügte

hinzu, dass sie damit begonnen habe, Polnisch zu lernen. Die Dorfbewohner

zeigten sich zunächst erstaunt, griffen jedoch dieses Vorhaben auf und

schmiedeten Pläne für eine Initiative – wir lernen Polnisch! Ein erster Impuls

mit Auswirkung. Was folgt, wird im ZDF und bei ARTE zu sehen sein.

www.doerfer-fuer-kunst.de

What do you anticipate your life and work to be like during

the six months in the village?

The good thing is that I can’t imagine what my life and

work will be like in Blankensee. During my first visit to

the village, the last kilometres of the trip there led me

through a completely ice-covered country road. Perhaps

that’s a good metaphor for the cautious approach to a

strange area. Later you can turn pirouettes on the ice.

I don’t have the feeling of expectation—it’s rather a

feeling of hope that from this unexpectedness a wonder

will arise. Whenever I’m on a mission I rarely miss

anything. Absences are part of it all.

What impression were you left with after your first visit

to Blankensee?

I was most impressed by the value and significance the

inhabitants of Blankensee and the community of Pampow

attribute to this project and to my future presence

there. The curiosity, open-mindedness and warmth with

which I was received by the inhabitants in both communities

touched me deeply. The inhabitants gave me the

honour of seating me at the head of the long coffee table

in the community centres of Pampow and Blankensee.

Then they asked me questions that are not much

different from the ones you’ve asked me. I thought that

was beautiful. This village is showing an interest, although

I’m not yet sure what that interest is. Perhaps it

will be different in each community. Of course language

will be a topic. I was surprised by just how many people

on one side of the border and on the other don’t

speak the language of their neighbours. These are not

so much questions in my mind as images of my first visit

and of the positive excitement for the forthcoming trip.

It will be an adventure for both sides.

Thank you for the conversation!

The Blankensee community, which includes the community of Pampow,

has 534 inhabitants and is located on the German-Polish border. The next

large city, Stettin, is located just 25 kilometres away. When the village inhabitants

asked Barbara Caveng what she planned for Blankensee, she

introduced her interactive approach, adding that she had begun to learn

Polish. The inhabitants were at first astonished, but they soon adopted the

idea and constructed plans for the initiative “We’re learning Polish!” This

first initiative has already borne fruit. What follows will be televised by the

stations ZDF and ARTE. www.doerfer-fuer-kunst.de

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Sammlergespräch mit Tobias Gombert und Samuel

Leuenberger – Keine definierte Sache

Conversations with Collectors: Tobias Gombert and

Samuel Leuenberger – Not a clearly defined activity

Interview: Jan Kage

Text: Alexandra Panzert

Translation: Brian Poole

Im ersten Sammlergespräch 2013 erzählen Tobias Gombert,

der hauptberuflich in einer Bank arbeitet, und Samuel

Leuenberger, der in Basel den Kunstraum SALTS

leitet und freiberuflich als Kurator tätig ist, was sie zum

Sammeln bewegt und welche Erfahrungen ihre Leidenschaft

prägen. In ihren Sammlungen befinden sich

unter anderem Werke von Christian Awe, Beni Bischof,

Wade Guyton, William Kentridge, Sara Masüger, Kenneth

Noland, Ned Vena, Michael Sailstorfer und Karsten

Födinger.

Sammlerfreunde, gibt es das? Geht ihr zusammen auf

Messen – oder gibt es da Konkurrenz?

TG: Die gibt es nicht, vielmehr ergänzen wir uns. Wir

lernen unheimlich viel voneinander – wir verfolgen dasselbe

Interesse und Ziel. Natürlich freut man sich, wenn

man etwas entdeckt, was der andere noch nicht kennt.

Die Menge der Leute, die sich in Basel für junge zeitgenössische

Kunst interessiert, ist sehr überschaubar.

Tobias, du hattest mit 16 Jahren ein prägendes Erlebnis

in der Sammlung Beyeler.

TG: Ich war noch Schüler, als ich in Riehen das neu eröffnete

Museum besuchte. Ein älterer Herr hatte mich angesprochen

und gefragt, wie mir Museum und Sammlung

gefallen. Wie sich im Nachhinein herausstellte, war

dieser Mann Ernst Beyeler – das habe ich aber erst nach

seinem Tod herausgefunden. Er hat mich durch das Gebäude

geführt. Es war eine sehr interessante Stunde, die

ich dort verbrachte, da ich mit einer verhältnismäßig naiven

Grundeinstellung die Bilder betrachtete. Erst zehn

Jahre später habe ich den Stellenwert dieser Person

begriffen. Es war ein Schlüsselerlebnis und mein erster

Kontakt mit Kunst.

In the first of our Conversations with Collectors for 2013

Tobias Gombert, who works in a bank, and Samuel Leuenberger,

who is the director of the art gallery SALTS in

Basel and is also a freelance curator, talk about what

got them started in collecting art and what experiences

have roused their passions. In their collections the have

works by Christian Awe, Beni Bischof, Wade Guyton,

William Kentridge, Sara Masüger, Kenneth Noland, Ned

Vena, Michael Sailstorfer and Karsten Födinger.

Do collector-friendships exist? Do you go to art fairs together,

or is there competition between you?

TG: There isn’t. In fact we tend to complement each

other. We learn a lot from each other—we pursue the

same interests and goals. Of course it’s pleasing to discover

something the other person doesn’t know yet. The

number of people in Basel who are interested in contemporary

art is rather limited.

Tobias, you had a formative experience while taking in

the Beyeler Collection.

TG: I was still going to school when I visited the recently

opened Museum in Riehen. An old man approached me

and asked how I liked the museum and the collection.

It turned out that that man was Ernst Beyeler—something

I discovered only after his death. He guided me

through the building. I spent a highly engaging hour

there—I had a comparatively naïve approach to the

pictures. I finally understood the status of this person

ten years later. That was a key experience and my first

contact with art.

Samuel Leuenberger (links) und Tobias Gombert (im Vordergrund)

Foto: Daisy Loewl

Samuel, was hast du in den acht Jahren im Kunstbetrieb

gelernt, während du andere beraten hast, ihre Sammlung

aufzubauen? Was waren die Grundlehren, wenn es

denn welche gibt?

SL: Es gibt sie nicht wirklich. Ich habe gelernt, dass jeder

Sammler eine andere Herangehensweise hat, aber ich

denke, es ist wichtig, sich auf irgendeine Art und Weise

einzugrenzen. Entweder gleich am Anfang – man beschließt

beispielsweise, nur Werke auf Papier, nur jüngere

Künstler oder nur preislich günstige Arbeiten zu

sammeln. Oder man macht es genau umgekehrt: Am

Anfang kauft man, was immer einem ins Auge sticht,

und die Qualitätsbeurteilung kommt dann später im

Rückblick. Das Sammeln von Kunst ist keine definierte

Sache. Ich wusste zunächst nicht, dass ich eine Vorliebe

für abstrakte Malerei habe, bis ich anfing, sie zu kaufen.

Man muss einfach offen genug sein und sich auch Fehler

eingestehen – denn daraus kann man lernen.

Tobias, hast du irgendwann einen Sammlungsschwerpunkt

festgelegt?

TG: Ich will mich nicht festlegen. Er dreht sich um Grenzgebiete

in der zeitgenössischen Malerei und Skulptur im

Hinblick auf die Abstraktion – immer mit zeitgeschichtlichem

Hintergrund. Ich habe auch Bilder des deutschen

Informel und des abstrakten Expressionismus erworben,

die mich angesprochen und diese Schnittmenge

ergänzt haben. Grundsätzlich ist mein Interesse jedoch

zeitgenössisch ausgerichtet.

Samuel, what have you learned during the past eight

years in the art business while advising others on how

they should build up their collections? What were the

fundamental precepts—or are there any?

SL: There really aren’t any. I learned that every collector

has a different approach. But I think it’s important

to limit yourself in some manner. Either right from the

start: for example, you decide to collect only works on

paper, only young artists, or only inexpensive works. Or

you go at it the other way around: you start by buying

whatever appeals to your eye, and allow the judgement

of quality to come later, retrospectively. Collecting art

is not a clearly defined activity. When I started I didn’t

know that I had a preference for abstract painting until

I began to buy it. You simply have to be open enough

and you have to admit your mistakes—the mistakes are

what you learn from.

Tobias, did you establish a focus for your collection at

some point?

TG: I don’t want to tie myself down. My focus lies somewhere

on the frontier of contemporary painting and

sculpture—abstract works that are rooted in the background

of contemporary history. I also have pictures

from the German art informel movement and from abstract

expressionism that appealed to me, and I’ve added

works with complementary features. But basically my

interest is aimed at contemporary art.

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Was ist für dich der signifikante Unterschied zwischen

den Kunsträumen Basel und Berlin?

TG: Es sind sehr viele Künstler hier, auch viele Schweizer

Künstler. Es gibt ein reichhaltiges kulturelles Angebot,

Sammlungen und Museen, die ein sehr gutes Programm

machen. Wenn man den Vergleich zu Basel zieht, ist da

immer die Frage, was Berlin wiederum für seine Künstler

übrig hat und inwiefern die Stadt ihre Künstler unterstützt.

Man schmückt sich gerne mit diesem Logo, aber

gibt relativ wenig dafür. In der Schweiz ist die Förderpolitik

der Kunst und die Identifikation mit der Kunst aus

meiner Sicht eine andere. Kulturelle Belange werden in

größerem Rahmen unterstützt, die Förderung wird auch

sichtbarer nach außen getragen

Samuel, du hast Mitte der 1990er-Jahre in London gelebt.

Das war die Zeit der Young British Artists. Gemeinsam

mit anderen jungen Galeriearbeitern habt ihr Listen

gemacht und dann Tipps abgegeben, wer in zehn

Jahren noch ein großer Name sein wird. Wen hast du

aufgeschrieben? Wie oft habt ihr richtig gelegen?

SL: Wir lagen fast immer daneben. Die Kunstszene Londons

dieser Jahre war sehr spannend, als ich ankam. Die

Young British Artists feierten gerade ihren Höhepunkt.

Vor ein paar Jahren haben ein Freund und ich die Listen

gefunden: Es ist beängstigend, dass nur so wenige

Künstler einer ganzen Generation Bestand haben. Allein

schon bei den Young British Artists, der damals bekanntesten

Gruppe, war es für uns nicht vorstellbar, dass

lediglich Tracey Emin, Jake und Dinos Chapman, Damien

Hirst, vielleicht noch Liam Gillick und Angela Bulloch

und wenige andere weiterhin so erfolgreich arbeiten

werden. Das zeigt, wie wir grundsätzlich in unserer

Wahrnehmung von Zeitgeist und Zeitgeschmack gefangen

sind. Im Hinblick auf den eigenen Sammlungsstil

sind solche Erfahrungen wichtig, um nicht nur einem

Mainstream hinterherzulaufen.

Ist die abstrakte bildende Kunst, auf die ihr euch momentan

konzentriert, davor gefeit, einem ähnlichen

Hype zu unterliegen?

SL: Es ist alles eine Welle. Die Leipziger Maler und die figurative

deutsche Malerei waren noch bis vor ein paar

Jahren wahnsinnig erfolgreich. Mittlerweile muss man

diese Art von Malerei suchen.

Es ist ja nicht nur der Sammler, der etwas Neues entdecken

möchte. Es ist auch Populärkultur, unsere Gesellschaft,

die nach acht Jahren Young British Artists

einfach die Nase voll hat: Man schaut sich nach Neuem

um, und das ist auch gut und gesund.

Du betreibst den Kunstraum SALTS in Basel. Was wird

dort gezeigt?

SL: SALTS ist eine umgebaute ehemalige Metzgerei, ein

loftartiger Raum, den ich seit drei Jahren bespiele und

der den Zweck hat, junge internationale Kunst zu fördern.

Es ist natürlich für mich auch eine Möglichkeit,

meine eigenen Interessen, auch im Sinne des Sam-

Kasper Sonne: Borderline (new territory) No. 14, 2013, Industriefarbe, Feuer

und Wasser auf Leinwand, 150 x 120 cm, Foto: Gunnar Meier

What, for you, is the significant distinction between the

galleries in Basel and in Berlin?

TG: There are a lot of artists here, also a lot of Swiss artists.

There is a rich array of cultural activities to choose

from—collections and museums that offer great programmes.

If you compare that with Basel, you always

have to raise the question of what Berlin actually does

for its artists and to what extent the city supports its

artists. The city of Berlin likes to wear the logo of an art

haven, but it actually does relatively little for it. In Switzerland

the state subsidies for art and the identification

with art are, in my view, different. Cultural affairs are

supported on a larger scale, and this patronage is also

communicated more visibly beyond the borders.

Samuel, you were in London during the mid-90s. That

was the age of the Young British Artists. Together with

other young gallerists, you created lists and offered tips

on who would become a big name in ten years. Who did

you add to the list? How often were you right?

SL: We were almost always wrong. The London art scene

of those years was very exhilarating; when I arrived, the

Young British Artists had just then reached their peak.

A few years ago, a friend of mine and I found those lists

again. It’s terrifying that only so few of the artists of

an entire generation managed to survive. Among the

Young British Artists alone (then the best known group)

melns, zu hinterfragen. Durch die Zusammenarbeit mit

einem Künstler beim Aufbau einer Ausstellung entwickelt

sich eine enge Beziehung. Ich glaube, das Wissen

hinter dem Bild und hinter der Skulptur – was leider die

meisten Leute, wenn sie eine Ausstellung anschauen,

nicht sehen oder erfahren können – ist eigentlich das,

was mir das Werk näherbringt.

Was macht für dich das Sammeln aus?

SL: Die entscheidende Frage ist nicht, was du sammelst,

sondern auf was du verzichtest. Für mich ist Sammeln

vor allem eine Frage des Editierens und der richtigen

Auswahl. Es ist eine Passion. Man will immer etwas

entdecken und weiterentwickeln, neu erfragen, und vor

allem reizt die Herausforderung, Werke zu entschlüsseln.

Man ist an einem Prozess, an einer Denkweise, die

gerade aktuell ist, interessiert, vielleicht auch an einer

Szene, einer Stadt oder einer Gruppe von Künstlern.

Bei einer Sammlung ist es fast egal, was du dir als Ausgangspunkt

setzt. Jeder muss selbst einen Weg finden,

ein Qualitätsurteil zu fällen.

Vielen Dank für das Gespräch!

we could not have imagined that only Tracey Emin, Jake

and Dinos Chapman, Damien Hirst, and perhaps also

Liam Gillick and Angela Bulloch and very few others

would continue to work so successfully. That just shows

you how we are basically trapped in our perception by

the spirit and the taste of the age we live in. As far as

one’s own style of collecting is concerned, such experiences

are important in order to prevent one from just

following the mainstream.

Is the abstract fine art you are both currently focused

on protected against falling prey to comparable hype?

SL: Everything is just a wave. The Leipzig painters and

figurative German painting were still successful just a

couple of years ago. But now you have to search for it if

you still want to find this type of painting.

And it’s not only the collector who wants to discover something

new. It’s also pop culture and our society. And

after eight years of Young British Artists, they’d simply

had enough. So you start looking for something new—

and that’s good, and healthy.

You operate the gallery SALTS in Basel. What’s being exhibited

there?

SL: SALTS is located in a former butcher’s shop that’s

been renovated into a loft-like space where I’ve been

exhibiting art for three years. The goal of the gallery is

to support young international art. Of course it also offers

me the opportunity to call into question my own

interests as a collector. Thanks to the cooperation with

artists during the construction of an exhibition, a close

relationship develops. I believe that the knowledge lying

behind the picture and behind the sculpture—something

that, unfortunately, most people who visit an

exhibition cannot see or experience—is actually what

makes art more accessible to me.

What does collecting ultimately mean to you?

SL: The decisive question is not what you collect, but

what you can do without. For me, collecting is above all

a question of editing and of making the right choices. It

is a passion. You always want to discover something and

develop it, and raise new questions, and the challenge

of deciphering works is most stimulating. You get interested

in a process, a manner of thinking that is currently

topical—perhaps a scene, a city or a group of artists.

When you’re collecting, it almost doesn’t matter what

you’ve taken as your point of departure. Each collector

has to find his own way of judging quality.

Thank you for the conversation!

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Review: Kitty Kraus bei Galerie Neu

Text: Matthias Planitzer

Auf der Pilgerschaft zur vergangenen Kitty-Kraus-Schau

musste der entschlossene Besucher einige Hürden nehmen.

Schließlich stellte die Künstlerin ihre neusten Arbeiten

an einem von der Außenwelt abgeschotteten Ort

aus. Zunächst war der Weg zu den Räumen der Galerie

Neu in der Philippstraße zu bewältigen, die sich dort

abseits der großen Kunst-Hotspots an den Campus der

Charité schmiegt. Dieser Weg ist auf der Berliner Kunstkarte

ein besonderer, denn an der Galerie Neu spaziert

man nicht einfach vorbei, wie man es bei einem Bummel

durch die Potsdamer Straße pflegt, wo man auf diese

Weise immer wieder eine Überraschung erlebt. Nein,

den Weg zur Galerie Neu geht man stets nur festen

Entschlusses. In den vergangenen Wochen war es Kitty

Kraus, die zur Pilgerschaft in die Philippstraße lockte.

Dort angekommen, blieb die Tür jedoch versperrt. Man

möge den Seiteneingang nehmen. Auch dort: klopfen

und warten.

Dann wurde einem die schwere Tür in den hermetisch

abgeriegelten Bunker geöffnet, in den Kraus das zierliche

Gebäude verwandelte. Durch das Büro gelangte

man in den Ausstellungsraum, wo sich das Geheimnis

um diese penible Isolation lüftete. Wo einst Fenster und

Türen waren, schlossen sich nun die kalten Wände um

den kleinen Raum und nahmen in sich schützend das

Sanktuarium auf, das Kraus den Besuchern eröffnete.

Hier inszenierte die Künstlerin abgeschottet von der Außenwelt

die strenge, aber fragil vibrierende Kühle ihres

bekannten, reduzierten Formeninventars. Foucault hätte

an diesem Ort sicherlich seine Freude gehabt.

Das selbstgewählte Exil war jedoch gewiss kein Selbstzweck.

Ebenso wie sich Mönche auf ihrer Peregrinatio

vom Lärm ihrer profanen Umwelt ab- und dem Geist

zuwenden, braucht auch Kraus’ Kunst einen stillen Ort,

um sich darin behutsam entfalten zu können. Im Trubel

der hektischen Metropole ginge sie hinter der Glasfront

jedes gewöhnlichen Ausstellungsraumes unter. Schließlich

sind ihrer Arbeiten als das schwache Licht, das erst

im Dunkeln funkelt, bekannt – hier, in der Galerie Neu,

war dies durchaus wörtlich zu nehmen.

Materialität hat einen großen Stellenwert in Kraus’

Installationen, ist oftmals sogar der Schlüssel zu einer

stummen Dramatik. Dieses Mal war es Licht, ein für die

Kitty Kraus: Untitled, 2012, Painted plywood, painted glass, 1000W light bulb, 127 x 35.5 x 29cm

Courtesy the Artist and Galerie NEU, Berlin

tung unter dem Schlagwort „Autofaschismus“ in einer

kuratierten Ausstellung auf den Prüfstand gestellt wurde.

Unter dem Titel „UEBERMODELS“ legten die Kuratoren

den Fokus „auf eine Strategie der Reduktion, die zu

einer Steigerung der Komplexität führt. Der Ausgangspunkt

ist ein intellektueller Prozess und kein formaler

Ansatz, der nur zu einem sterilen Minimalismus führt.“ 1

Diehl und Prokop sehen in dem Überfluss an Informationen,

Bildern, Einflüssen und Wahlmöglichkeiten und

dem daraus entstehenden Entscheidungszwang eine

Scheinfreiheit die das „Bedürfnis nach etwas Scharfen

und Klaren, nach einem ästhetischen Felsen in der Brandung“

begründet. Sie konstatieren, dass die Positionen

der autofaschistischen Kunst „von einer Sehnsucht nach

einer genuinen und zeitgemäßen Form von Authentizität

gesteuert zu sein [scheinen], … und sie bringen dabei

eine Art von Ironie zum Einsatz, die ein Ausdruck von

gleichzeitigem Kommitment und Detachiertheit ist.“

Zwar war Kitty Kraus in der Ausstellung bei der Galerie

Program nicht vertreten, doch hätten sich ihre leuchtenden

Stelen gut dort eingereiht.

Das unerwartete Verhalten des Materials Licht führt zu

eben einer solchen Steigerung der Komplexität, auf die

der forschende Betrachter mit dem Versuch reagiert,

Künstlerin ungewöhnliches Medium. Zwei gleichartige

Stelen, ihrer Natur nach eher etwa einen Meter hohe

Sockel quadratischen Querschnittes, die mit hellem Linden-

oder Ahornholz ringsum verkleidet und oben mit

einer getrübten Glasplatte abgeschlossen waren, standen

je mittig in einem der Räume. Zwischen Stele und

Glas drang durch einen schmalen Spalt nach allen Seiten

ein helles, weißes Licht hervor. Als einzige Beleuchtung

in dem sonst von allem künstlichen und Tageslicht

abgeschotteten Raum beschien es die umliegenden

Wände, aber so schwach, dass die Stelen wie Leuchttürme

in der Dunkelheit standen. Jedoch, ein schwarzer

Streifen blieb frei. Auf Höhe der Stele zog er einmal rings

über die Wände, von einem Raum in den anderen, und

teilte sie in ein lichtbeschienenes Oben und Unten –

aber warum blieb er selbst im Schatten?

Diese Frage beschäftigt den ratlosen Besucher, sie bohrt

in ihm, und so erkennt er auch bald handwedelnd, dass

sein eigener Schatten sich nur dann scharf abzeichnet,

wenn er seine Hand unmittelbar vor den Spalt hält.

Ein Hindernis muss hinter dem Spalt eingebracht sein,

so vermutet er drängenden Forschens – aber nein, berühren

verboten. Es scheint bald, dass die Stele gar kein

Licht ausstrahle, sondern, im Gegenteil, das gesamte

Licht des Raumes in sich aufsauge. Die undurchdringlichen

Wände schützen demnach nicht den Raum, den

sie umfangen, sondern schirmen die Umwelt vor der

Gefahr ab.

Im Kontakt mit den Installationen von Kitty Kraus entstehen

oftmals solche lebhaften Fantasien. Das braucht

die Künstlerin nicht zu kümmern, denn die kühle Strenge

ihrer bis aufs Äußerste reduzierten Formen und die

stumme Dramatik ihrer bis an ihre Grenzen gebrachten

Materialien sprechen mit beeindruckender Gewalt

und doch wortlos für sich. Dies als minimale Kunst zu

bezeichnen, würde ihre Essenz verfehlen, denn dieses

Destillat, das langsam tröpfelnd aus der Reduktion der

Formen gerinnt, ist weder Objektivität noch Entpersönlichung,

sondern die heiße Wallung eines brodelnden

Gemüts, das nicht der Künstlerin, sondern dem Material

entspringt. In diesem Sinne entsprechen die Stelen Kitty

Kraus’ einem wilden Konzept, das 2010 von Niels Betori

Diehl und Barbara K. Prokop nach eingehender Beobachsie

mit Gehalt aufzuladen. In der Verweigerung solcher

Erklärungsmuster (der Detachiertheit) entsteht jene

magische Ästhetik, die bereits in vielen anderen Arbeiten

Kraus’ den Betrachter fesselt. Er ist es gewohnt, dass

der Alltag im Überfluss an Informationen, Bildern und

Einflüssen solche Deutungsmuster anbietet. Wenn nun

aber das Wesen der Dinge hinter einem Rätsel versteckt

wird, zumal einem solch geschickten Rätsel wie Kraus’

Schattenstreifen, und seine Lösung zurückgehalten

wird, entsteht daraus eine starke Anziehung.

Das Prinzip ist kein neues, man kennt es schon von anderen

Installationen der Künstlerin, die die Besucher vielerorts

verwundert zurückließen: Wie kann Glas sich so

stark biegen? Warum kann es so starr und der Schwerkraft

zum Trotz im Raum haften bleiben? Wie kann ein

Eisblock schwarze Tinte bluten und damit den Raum besudeln?

Auf diese Fragen gibt Kitty Kraus keine Antwort.

So hält schließlich die Begeisterung über diese fragile,

stille Ästhetik an.

1

aus: „UEBERMODELS” (Katalog zur gleichnamigen Ausstellung bei

PROGRAM e.V.), Berlin 2010, aus dem Vorwort (ohne Seitenangabe)

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Farbe bekennen – Was Kunst macht

Wie kann Kunst zu gesellschaftspolitischen Themen Stellung beziehen? Mit

den Mitteln der Kunst verwehren sich die elf internationalen ausgestellten

Künstler und Künstlerinnen gegen jede Form von Ideologie. Sie konzentrieren

sich dagegen auf Widersprüche in bestehenden Systemen und verweisen

auf grundsätzliche Fragestellungen. Ausgehend von der Vorstellung der

vielfältigen Werkauswahl, die unter anderem Beiträge von Sam Durant, Claire

Fontaine und Thomas Hirschhorn umfasst, beschäftigen sich die Essays mit

dem Verhältnis von Kunst und Politik, Form und Wirkung. Statements der

Künstler runden den Ausblick auf die Möglichkeiten einer politisch engagierten

Kunst ab.

Marta Herford (Hg.): Farbe bekennen – Was Kunst macht. Kettler, Bönen 2013, Dt.,

240 S., 90 farb. Abb., Klappenbroschur, gebunden, 29, 90 €. ISBN: 978-3-86206-222-5

Grenzgänger – die Sammlung Reydan Weiss

Die Sammlung der Immobilienmanagerin Reydan Weiss vereint Werke von

amerikanischen, asiatischen, europäischen und islamischen Künstlern und

Künstlerinnen. Der Katalog führt die Heterogenität der Sammlung vor Augen

und damit auch Reydan Weiss` persönliches Interesse an einem weiten Blickwinkel

auf die Welt. Mit Fragen zu den Themen Identität, Heimat und Kultur

setzen sich die Werke provokant und aggressiv wie bei Olaf Metzel oder auch

ruhig und sinnlich wie bei Rosilene Luduvico auseinander. Der Fokus liegt auf

Fragestellungen der Interkulturalität. Auch feministische und postkoloniale

Positionen werden aufgenommen und runden den Einblick ab.

Karin Pernegger (Hg.): Überall und Nirgends. Kerber, Bielefeld/Berlin 2013, Dt., ca. 208 S.,

ca. 170 farb. Abb., Softcover, 38 €. ISBN 978-3-86678-805-3

Das Gewebe als Skulptur

Jan Albers ist ein Grenzgänger zwischen dem Zwei- und dem Dreidimensionalen.

Ein Katalog anlässlich einer Einzelschau zum Werk des Künstlers in

der Kunsthalle Gießen gibt nun Einblick in sein Œuvre und zeigt Bilder und

Skulpturen, die man nicht eindeutig einer der beiden Gattungen zuordnen

kann. Aus Holz, Metallgestängen, alter Keramik, Sprühfarben und Wolle ergeben

sich reliefartige Werke, die mit kunsthandwerklichen Traditionen und

klassischen Positionen des 20. Jahrhunderts korrespondieren. Zwei Aufsätze

analysieren Jan Albers’ Werk in Hinblick auf kunsthistorische Referenzen, den

materiellen, gewebeartigen Aufbau der Bricolagen und veranschaulichen das

Spektrum seiner Werke.

Kunsthalle Gießen, Ute Riese: Jan Albers – Up & Down. Distanz Verlag, Berlin 2013, Dt./

Engl., 64 S., ca. 65 farb. Abb., Softcover, 24,90 €. ISBN 978-3-95476-013-8

Von Idealbildern, Wunschbildern und Wahlverwandtschaften

Die Sammlung Würth stellt verschiedene Aspekte des modernen und zeitgenössischen

Menschenbildes in 13 Kapiteln vor: Von menschlichen Idealbildern

in Form von Skulpturen von Jaume Plensa über Selbstbildnisse und abstrakte

Porträts von Dieter Roth hin zu allegorischen Darstellungen von Anselm Kiefer

gibt der Ausstellungskatalog Einblick in den künstlerischen Umgang mit

dem Körper und untersucht die Wechselwirkungen oder Konstanten, die sich

dabei ergeben. Die Ausstellung in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall ist

noch bis zum 2. Juni 2013 zu sehen.

Sylvia Weber (Hg.), Beate Elsen-Schwedler: Von Kopf bis Fuß. Menschenbilder im Fokus

der Sammlung Würth. Swiridoff Verlag, Künzelsau 2012, Dt., 256 S., über 200 Farbtafeln,

Leinenband mit Schutzumschlag, 38 €. ISBN 978-3899292565

Provinz im Spiegel

Was ist Provinz? Was ist eine Metropole? Angesichts des zunehmenden Rückzugs

ins Private in den Städten und der Möglichkeit, sich auch in der Provinz

mit der Welt vernetzen zu können, stellen sich solche Fragen heute neu. Diese

Entwicklung aufgreifend, distanzierte sich Lindau mit der Ausstellung im Jahr

2010 von seinem provinziellen Etikett, indem es sich selber in den Werken von

16 europäischen Künstlern und Künstlerinnen spiegelte. Die eigens für die

Ausstellung entwickelten Positionen unter anderem von Julius von Bismarck

und Thilo Frank setzen sich im öffentlichen Raum mit Perspektiven der Provinz

und Provinzialität auseinander. Drei Essays führen tiefer in die Thematik.

Arne Fehmel, Korbinian Kainz, Felix Rundel (Hg.): PROVINZ – Eine Ausstellung im

Sommer 2010. Verlag Robert Gessler, Friedrichshafen 2010, Dt., 95 S., farb. Abb.,

Softcover, 19,80 €. ISBN 978-3-86136-142-8

Malerei als Schaufenster

Leere Schaufenster in den Straßen werden von leuchtenden monochromen

Leinwänden in Regenbogenfarben ausgefüllt. Im Jahr 2009 bot sich Bewohnern

und Besuchern der Stadt Loitz in Vorpommern dieser ungewöhnliche

Anblick: „Window Shopping“ zeigt die fotografischen und zeichnerischen

Ergebnisse des gleichnamigen Projekts der Künstlerin Barbara Camilla Tucholski,

die ihre Heimatstadt Loitz in früher Kindheit verließ und erst 36 Jahre

später zurückkehrte. Die Bilder erinnern an den Wandel, dem Städte unterworfen

sind: War Loitz einst eine belebte Einkaufsstadt, so ist sie heute von

Landflucht und schrumpfender Bevölkerung geprägt. Das Künstlerbuch lenkt

den Blick auf dennoch Sehenswertes.

Barbara Camilla Tucholski: Window Shopping. Ein Künstlerbuch. Wienand Verlag,

Köln 2012, Dt./Engl., 192 S., 135 farb, 2 S/W-Abb., ca. 29,80 €. ISBN 978-3-86832-123-4

www.kremer-pigmente.de

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Otto Modersohn

Landschaften der Stille

Die Natur subjektiv sehen, sie beseelen,

ist meine Art., Otto Modersohn, 1895

Zahlreiche Gemälde und Zeichnungen Otto

Modersohns versammelt der retrospektiv

angelegte Band und würdigt damit die stillen

Landschaften des Malers, die auf eindrückliche

Art und Weise Blicke durch die Augen

des Künstlers auf eine gesehene und doch in

erster Linie gefühlte Wirklichkeit gewähren.

www.kerberverlag.com

26 x 23 cm, 208 Seiten,

164 Abbildungen,

Hardcover, gebunden

Deutsche Ausgabe

isbn 978-3-86678-754-4

Englische Ausgabe

isbn 978-3-86678-755-1

1 38,–

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Plakate, Plakate

Das Museum Bautzen beherbergt eine bedeutende

kultur- und kunstgeschichtliche Sammlung in der Oberlausitz,

die unter den Aspekten Region, Stadt und Kunst

präsentiert wird. Die 1000-jährige Geschichte der Stadt

Bautzen wird durch Kunstwerke von der Renaissance

bis zur Gegenwart bebildert. Anlässlich des 100-jährigen

Jubiläums des Gebäudes am Kornmarkt – damals

eines der modernsten seiner Zeit – werden begleitend

zur Schau „Ein Haus voller Schätze und Geschichten“ in

einer Kabinettausstellung Plakate gezeigt, die Einblicke

in ein Jahrhundert Plakatgestaltung zu Ausstellungen

des Museums geben.

Franz Gertsch: Schwarzwasser I (Detail 8), 1992, Holzschnitt,

Handabzug auf Kumohadamashi-Japanpapier von Heizaburo Iwano

48 x 42 cm / 36 x 40 cm

Franz Gertsch: Natascha II, 1986, Holzschnitt,

Handabzug auf Hanga-Shi-Japanpapier,

Auflage: VIII 7/7, 116 x 94 cm / 105 x 90,5 cm

Bautzener Künstler von hüben und drüben, 1956, Hölzel, Steindruck farbig

84,5 x 59 cm, Foto: Museum Bautzen

Museum Bautzen

Kornmarkt 1, 02625 Bautzen

bis 28.4.13, Di–So 10–18 Uhr

www.bautzen.de/museum-bautzen.asp

Don Van Vliet

Franz Gertsch

Holzschnitte. Aus der Natur gerissen

Der Schweizer Künstler Franz Gertsch (*1930) gab 1986

für einige Jahre die Malerei auf und wandte sich dem

Holzschnitt zu. Gertsch, der Ende der 1970er-Jahre zunächst

mit hyperrealistischen Gemälden bekannt wurde,

fand in den Holzschnitten das Medium, das ihm die

serielle Bearbeitung eines Motivs mit unterschiedlichen

Farben ermöglichte. Die Ausstellung im Museum

Sinclair-Haus zeigt eine repräsentative Auswahl der

Holzschnitte von Franz Gertsch, die überwiegend aus

großformatigen Drucken und Serien mit Natur- und

Landschaftsdarstellungen besteht. Gertsch nimmt in

den fein gearbeiteten Holzschnitten seichte Bewegungen

an der Wasseroberfläche auf, lässt auf dem Papier

Waldwege entstehen und lenkt den Fokus auf Gräser in

Nahsicht. Durch fotografische Vorlagen zunächst aus

der realen Umwelt gegriffen, verwandeln sich die Motive

im Laufe eines mehrstufigen Entstehungsprozesses

in die faszinierende Immaterialität eines atmosphärischen

Farbraums. Gertsch überträgt während dieses

Prozesses die Bildvorlage in ein filigranes Schema aus

Lichtpunkten und treibt mit dem Hohleisen das Motiv

Punkt für Punkt in eine Holzplatte. Hinter dem durchlässigen

Vorhang monochromer Farbe entsteht eine völlig

neue Sicht auf vertraute Naturmotive und Porträts. Die

in Zusammenarbeit mit Franz Gertsch konzipierte Ausstellung

führt die drei entscheidenden Werkkomponenten

Zeit, Motiv und Farbe zusammen.

Museum Sinclair-Haus

Löwengasse 15, Eingang Dorotheenstr.

61348 Bad Homburg v. d. Höhe

10.3.–26.5., Di 14–20h, Mi–Fr 14–19h, Sa, So, Feiertage 10–18h,

geschl.: montags und 18.-20.4., www.altana-kulturstiftung.de

VLZ 160/00, Don Van Vliet, Ohne Titel, 1986, Tusche, Gouache

50,9 x 35,6 cm © Estate of Don Van Vliet

Courtesy Galerie Michael Werner Märkisch Wilmersdorf, Köln & New York

Im August 2009 verlagerte die Galerie Michael Werner

ihre Berliner Geschäftsstelle nach Märkisch Wilmersdorf,

einem Ortsteil der Stadt Trebbin südlich von Potsdam

und zeigt seither verschiedene Künstler aus ihrem

Programm wie Markus Lüpertz, A.R. Penck, Per Kirkeby

und Jean Fautrier. Don Van Vliet (1941-2010), wohl eher

unter dem Pseudonym Captain Beefheart als Autor und

Sänger experimenteller Rock- und Bluesmusik bekannt,

ist noch bis Ende März mit Gouachen in der Galerie vertreten.

In gedeckten Farben schafft er assoziative Werke,

die sich zwischen Abstraktion und Figuration bewegen.

Galerie Michael Werner

Märkisch Wilmersdorf, Alte Parkstr. 3c, 14959 Trebbin

bis 22.3. Mo–Fr 11–16h, www.michaelwerner.de

28 Thema Provinz

Thema Provinz 29


Thea Djordjadze, our full, Installationsansicht Kunsthalle Malmö, 2012

Foto: Helene Toresdotter

Thea Djordjadze – our full

Seit die Kunsthalle Lingen im Jahr 1997 in einem Gebäude

auf dem Gelände des ehemaligen Reichs- und später

Bundesbahn-Ausbesserungswerks eröffnet wurde, widmet

sie sich in vier Ausstellungen pro Jahr regionalen,

nationalen und internationalen Kunstpositionen. Träger

des Ausstellungsraumes ist der örtliche Kunstverein

mit seinen zahlreichen Mitgliedern. Zurzeit wird eine

Einzelschau von Thea Djordjdaze –„our full“ – gezeigt

sowie „Von gelb bis Mitternacht“, eine experimentelle

Ausstellung bestehend aus Werken angewandter und

bildender Kunst, die versucht, den Blick des Betrachters

jenseits kultureller Voreinstellungen zu führen.

Kunst am See

Das Buchheim Museum der Phantasie, vom Architekturbüro

Behnisch, Behnisch & Partner entworfen, beherbergt

die Sammlung des Malers, Fotografen, Verlegers

und Autors Lothar-Günther Buchheim. Diese umfasst

deutsche Expressionisten, Kunsthandwerk, volkskundliche

Gegenstände aus aller Welt sowie Buchheims eigene

Werke und wird in dem Gebäude, das beinahe zwölf

Meter in den Starnberger See hineinreicht, in wechselnden

Ausstellungen präsentiert. Noch bis April kann man

japanische Farbholzschnitte aus der Sammlung von

Kitagawa Utamaro, Utagawa Kunisada oder Utagawa

Kuniyoshi bewundern.

Kunsthalle Lingen

Kaiserstr. 10a, 49809 Lingen

bis 28.4., Di–Fr 10–17h, Sa–So 11–17h

www.kunsthalle-lingen.de

Buchheim Museum © Müller-Naumann

Buchheim Museum der Phantasie / Sammlung Buchheim

Am Hirschgarten 1, 82347 Bernried

bis 7.4.13, Di–So 10–17h, www.buchheimmuseum.de

Appropriated Landscapes

Zeitgenössische afrikanische Fotografie

Das bewachsene Wohnhaus in Burlafingen, das sogenannte

grüne Haus, lässt auf den ersten Blick nicht vermuten,

dass es einen Teil der bedeutendsten privaten

Sammlungen zeitgenössischer Fotografie beherbergt.

Die Sammlung Walther integriert sich in die ländliche

Umgebung und ermöglicht einen Austausch zwischen

internationalen und lokal ansässigen Kunstinteressierten.

In ihrer Architektur greift sie so die Auseinandersetzung

mit dem sozialen Aspekt der Raum- und

Landschaftsnutzung auf, der auch der thematische

Schwerpunkt der Sammlung ist. Die zweite Ausstellung,

„Appropriated Landscapes“, zeigt zeitgenössische afrikanische

Landschaftsfotografie und Videokunst. Die Zusammenstellung

der Positionen der 14 Künstler eröffnet

eine erweiterte Perspektive auf Landschaft im Kontext

von Erfahrung, Ideologie und Erinnerung.

Florian Slotawa, Atelier (Raum 5/Raum 4), 2009, Schwarz-Weiß-Fotografie

Courtesy Galerie Nordenhake, Berlin/Stockholm; Galleria Suzy Shammah,

Mailand, Sies+Höke, Düsseldorf

Florian Slotawa – Andere Räume

Der Bahnhof Rolandseck, ein Zeugnis des frühen deutschen

Eisenbahnbaus, wurde nach seiner Stilllegung

nach dem Zweiten Weltkrieg seit den 1960er-Jahren zu

einem Zentrum kulturellen Lebens. Seit 2004 befindet

sich dort das Arp-Museum, in dessen Zentrum die Kunst

von Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp steht und das in

Wechselausstellungen Werke zeitgenössischer Künstler

präsentiert. Die momentane Ausstellung „Florian Slotawa

– Andere Räume“ zeigt minimalistische Schwarz-

Weiß-Fotografien seines Berliner Ateliers, die den Fokus

auf den gegenstandslosen Baukörper legen: Details wie

Rohre und Steckdosen werden so zu skulpturalen Elementen.

David Goldblatt: In Boksburg: Flag-raising ceremony for Republic Day

at Christian Brothers College, Boksburg, 1979- 1980

Fotografie © David Goldblatt

Courtesy the artist and Goodman Gallery, Johannesburg

The Walther Collection

Reichenauer Str. 21, 89233 Neu-Ulm/Burlafingen

bis 12. 05., Do–So, 11–17 Uhr

nur nach Voranmeldung und mit Führung

www.walthercollection.com

Arp-Museum Bahnhof Rolandseck

Hans-Arp-Allee 1, 53424 Remagen

bis 1.4.13, Di–So 11–18h, www.arpmuseum.org

30 Thema Provinz

Thema Provinz

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When Violence becomes Decadent

Die auf nachhaltige Kulturarbeit und die fundierte Auseinandersetzung

mit gesellschafts- und kunstkritischen

Fragen ausgerichtete Perspektive des ACC-Weimar

kommt dem experimentellen Konzept des Kurators der

aktuellen Ausstellung, Shaheen Merali, sicher entgegen.

Verschiedene Ansätze der künstlerischen Bearbeitung

von Aspekten der indischen Kultur werden gezeigt und

lenken in der Diskussion mit dem Werk des Poeten und

Sozialreformers Rabindranath Tagore den Blick auf die

Probleme und Widersprüche der zeitgenössischen indischen

Nation. Mit den tagesaktuell hochbrisanten

Themen der sexuellen Ausbeutung und Unterdrückung

setzen sich Leena Kejriwal und Simit Raveshia in großen

Rauminstallationen auseinander. Aber auch schwelende

Konflikte wie die Schattenseiten der Billiglohnarbeit

und des Lebens als Wanderarbeiter werden von Binu

Bhaskar künstlerisch bearbeitet.

Karl Schwarzenberg, Numerischer Horizont, 2001, Öl auf Leinwand

100 x 110 cm, © Karl Schwarzenberg

Karl Schwarzenberg – Numerische Bilder und Objekte

Der 1999 gegründete Kunstverein Vieringen versteht

sich als Experimentierfeld, in dem sich primär junge MedienkünstlerInnen

präsentieren können. Viele der bisherigen

Ausstellungen wurden eigens für den großen

Gewölbekeller, den hauptsächlichen Ausstellungsraum

des Kunstvereins, entwickelt. Im Kunstraum Viernheim,

der seit 2006 als zusätzlicher Ausstellungsraum dient,

werden derzeit Karl Schwarzenbergs sogenannte numerische

Bilder gezeigt, bei denen die Zahl 1 als bildnerisches

Element eine zentrale Rolle spielt. Dabei arbeitet

er mit leuchtenden Farben auf Ölpapier oder Leinwand,

mit Farbfeldern, Fotorissen und Nummernschildern.

ACC Weimar e.V.

Burgplatz 1+2, 99423 Weimar

bis 5.5., Mo–So 12–18h, Fr–Sa 12–20h

www.acc-weimar.de

Kunstverein Viernheim / Kunsthaus Viernheim

Rathausstr. 36, 68519 Viernheim

bis 17.3., Do–Fr 15–18h, Sa 10–13h and by appt.

www.kunsthaus-viernheim.de

Dietmar Binger: Erinnerte Jetzt-Zeit, 2000-2012

Fotografie © B&K St. Wendel

Dietmar Binger

Fein sortiert – aus den Werksätzen 2000-2012

Neben Objekten der regionalen Kunst- und Kulturgeschichte

zeigt das Stadtmuseum St. Wendel in wechselnden

Ausstellungen Werke der nahe gelegenen

„Straße der Skulpturen“, die vom Bildhauer und Maler

Otto Freundlich initiiert wurde. Die aktuelle Ausstellung

widmet sich dem Schaffen des im Saarland ansässigen

Künstlers Dietmar Binger. Präsentiert werden zwei jüngere

Werksätze des Künstlers: „Erinnerte Jetzt-Zeit“ und

„Idole“, in denen er sich mit fotografischen Techniken

auseinandersetzt. Großformatige Momentaufnahmen

und Porträts werden in Quadrate zerlegt und wieder zu

Rasterstrukturen zusammengefügt. Während die Fotografien

aus der Nähe betrachtet auseinanderfallen und

erst aus einer gewissen Entfernung ein geschlossenes

Motiv ergeben, verweisen sie auf Fragen der Wahrnehmung,

Erinnerung und Zeit.

Hella Gerlach – Ein gedanklicher Stretch

Der Kunstverein Schwerin wurde im Jahr 2002 gegründet

und zeigt zeitgenössische Kunst in einem ehemaligen

Schweriner E-Werk. Ab März ist dort die erste institutionelle

Einzelausstellung Hella Gerlachs zu sehen:

eine installative und performative Arbeit, die explizit

für diesen Ort entstand. Gerlach entwickelte ein Raumkonzept,

bei dem Stoffbahnen die sieben Meter hohen

Räume des Kunstvereins unterteilen und so ein neues

Raumerleben schaffen. Dabei befinden sich in den

Trennwänden Objekte aus Keramik und Porzellan, die

von den Besuchern angefasst oder zu zweit als Kommunikationsmodul

genutzt werden können.

Stadtmuseum St. Wendel

Mia- Münter- Haus

Wilhelmstr. 11/ In der Mott , 66606 St. Wendel

bis 10.3., Di–Fr 10–13 h, 14–16.30 h

Do 14–18 h, Sa 14–16:30 h, So 14–18 h

www.museum-wnd.de

Hella Gerlach, Teil für Einen, zum Luftmelken, 2011

Keramik, glasiert, 18,5 x 19 x 5 cm, Courtesy the artist

Copyright Linda Fuchs

Kunstverein Schwerin e.V.

Spieltordamm 5, 19055 Schwerin

Mi–Do, Sa–So 15–18h, Fr 16.30–19.30h und auf Anfrage

www.kunstverein-schwerin.de

32 Thema Provinz

Thema Provinz 33


Alles golden. Die 20er-Jahre

Als eines der größten Museen Schleswig-Holsteins richtet

der Museumsberg Flensburg mit der kommenden

Ausstellung einen weiten Blick auf die goldenen 1920er-

Jahre. In diesem Rahmen wird die ständige Sammlung

im Hans-Christiansen-Haus, die unter anderem Werke

von Emil Nolde zeigt, mit einer Sonderausstellung ergänzt.

Diese thematisiert den Blick auf das frühe Jahrhundert

aus der Perspektive von Künstlern des Expressionismus,

der neuen Sachlichkeit und Art Déco wie

Erich Heckel, Nikolaus Wöhlk und Heinrich Stegemann.

Gesellschaftspolitische Fragen werden außerdem in einem

dokumentarischen Ansatz aufgegriffen, indem das

Augenmerk auf das Stadtbild und die zeitgenössischen

tagesaktuellen Ereignisse von Flensburg und Schleswig-

Holstein in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg gerichtet

wird.

ROTesque

„Alles über eine Farbe“ lautet das Motto der neuen

Ausstellung im SCHAUWERK Sindelfingen. „ROTesque“

umfasst eine große Vielfalt künstlerischer Positionen,

bei denen Rottöne die Hauptrolle spielen. Die Farbe Rot

verweist auf zentrale Bereiche der menschlichen Existenz,

und mit ihr verbinden sich viele Emotionen. Durch

die Fülle an Bedeutungen und Mate rialien der Werke

ergibt sich eine spannende vergleichende Betrachtung.

Zu sehen sind 56 Arbeiten von 45 Künstlerinnen und

Künstlern – unter ihnen Martin Creed, Lucio Fontana,

Katharina Grosse und Anish Kapoor.

Tim Noble und Sue Webster: Fucking Beautiful Beautiful Fucking

2000, Neoninstallation, 163 x 156 x 6 cm

© Tim Noble und Sue Webster

Heinrich Stegemann: Cinthia, 1928, Öl auf Hartfaser, 107 x 67 cm

© Museumsberg Flensburg

Museumsberg Flensburg

Museumsberg 1, 24937 Flensburg

bis 18.8., Di–So 10–17h, www.museumsberg-flensburg.de

SCHAUWERK Sindelfingen

Eschenbrünnlestr. 15/1, 71065 Sindelfingen

bis 12.1.2014, Sa u. So 11–17h, Di u. Do. 15–16.30h (Führung)

www.schauwerk-sindelfingen.de

Bruno Goller: Große Tasse, 1957

Aus den Beständen der Insel Hombroich.

Bruno Goller – Bilder und Zeichnungen

Karl-Heinrich Müller schuf mit seiner Stiftung einen

vielgestaltigen Kulturraum, eingebettet in die Landschaft

an der Erft. In dieser einzigartigen Umgebung

wird Kunst und Kultur von der Frühgeschichte bis ins

20. Jahrhundert zugänglich gemacht. Gefördert durch

den Stifter ist die Insel Hombroich mit Künstlerateliers

und Ausstellungsgebäuden ein Ort geworden, an dem

sich sowohl Kunstinteressierte als auch Kunstschaffende

verschiedener Nationen begegnen. Die aktuelle

Ausstellung auf der ehemaligen Raketenstation stellt

den Bezug zu Karl-Heinrich Müller her. Denn sie zeigt 39

Zeichnungen und Ölgemälde aus 70 Jahren Schaffenszeit

von Bruno Goller – aus dem Besitz des Sammlers.

Die eigenen Bildwelten Gollers, die sich zwischen expressiver

und surrealistischer Formensprache bewegen,

werden in der offenen Architektur des Siza-Pavillons

präsentiert.

Steffen Volmer.

Herz – Grafische Arbeiten – Künstlerbücher

In historischen Gebäuden des 16. Jahrhunderts, direkt

am Marktplatz in Wernigerode, zeigt der Kunst- und

Kulturverein Werke des Chemnitzer Künstlers Steffen

Volmer. Mit feinen Linien und leicht verlaufenden Farbflächen

erschafft Volmer fantastische Bildwelten. Die

lyrische Wirkung seiner Grafik entfaltet sich in der Verbindung

von vereinzelten Figuren in nicht zu definierenden

Räumen. Mit seiner Kunst geht Volmer essentiellen

Fragen wie der Vereinzelung des Individuums und der

Verbindung von Mensch und Welt nach. Die Wirkung

von Hoffnung und Würde ist dabei jedoch immer ein

Grundton seiner Kompositionen.

Stiftung Insel Hombroich

Raketenstation Hombroich 4, 41472 Neuss

bis 07.04., Sa–So 12–17 h, www.inselhombroich.de

Steffen Volmer

Wernigeröder Kunst- und Kulturverein e. V.

Galerie im ersten Stock, Marktstr. 1, 38855 Wernigerode

Di–So 14–17h, Sa 11–17h, www.kunstverein-wernigerode.de

34 Thema Provinz

Thema Provinz 35


Hommage à Cy Twombly

Vater und Sohn: Lyonel und T. Lux Feininger

Andy Warhol: Car Crash, 1978, Siebdruck, Unikat, 89 x 114 cm

© The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts Inc./ ARS, New York

Cy Twomblys Werk hat durch die Verbindung von Bild

und Schrift und die Vergegenwärtigung der Geschichte

und Mythenwelt des Mittelmeerraumes zahlreiche

Künst ler unserer Zeit nachhaltig beeinflusst. Twombly

selbst war am intellektuellen Austausch mit anderen

Künstlern ebenso interessiert wie an der Kunst- und

Kul turgeschichte. Die Ausstellung vereint Werke von

Vorgängern, Zeitgenossen und Freunden Twomblys

mit Arbeiten jüngerer Künstler, die sich mit seinem

Werk auseinandergesetzt haben. Sie umfasst sowohl

historisch bedeutende Arbeiten wie ein Drip Painting

von Jackson Pollock als auch neue, eigens für die Ausstellung

„Hommage à Twombly“ konzipierte Arbeiten

wie ein Wandbild von Richard Long. Vertreten sind Joseph

Beuys, Georg Baselitz, Anselm Kiefer, Richard Long,

Brice Marden, Gerhard Merz, Jackson Pollock, Robert

Rauschenberg, Emma Stibbon und Andy Warhol.

Lyonel und T. Lux Feininger, New York, 1951

Foto: Andreas Feininger

Gezeigt werden 20 Aquarelle und Zeichnungen von

Lyonel Feininger (1871-1956) aus den Jahren 1909 bis

1919. Daneben sind 60 Holzschnitte sowie geschnitzte

und handbemalte Holzzüge, -figuren und -häuser aus

der persönlichen Sammlung von Lyonel Feininger und

erstmals in Deutschland 15 Gemälde seines jüngsten

Sohnes T. Lux Feininger (1910-2011) zu sehen.

Moeller Fine Art

Tempelhofer Ufer 11, 10963 Berlin-Kreuzberg

bis 12.4., Mo–Fr 11–18h, www.moellerfineart.com

Jim Rakete – Vertigo

Ausstellungsansicht

© Roman März

Galerie Bastian

Am Kupfergraben 10, 10117 Berlin-Mitte

verlängert bis 6.4., Do–Fr 11–17.30h, Sa 11–16h

Tue Greenfort. GASAG Kunstpreis 2012

Tue Greenfort (*1973 in Holbæk, Dänemark) ist Träger des

GASAG Kunstpreises 2012 und erhält in diesem Rahmen

eine Einzelpräsentation in der Berlinischen Galerie. Der

international tätige Künstler mit Wahlheimat Berlin war

zuletzt auf der dOCUMENTA (13) vertreten. In der Ausstellung

konzentriert sich Greenfort auf die Elemente

Gas und Glas und führt diese in raumgreifenden Installationen

zusammen. In der Kombination aus neuen

Arbeiten und Archivmaterialien untersucht er dabei sowohl

die künstlerische als auch die soziale Bedeutung

von Glas und (Gas-)Licht.

Jim Rakete: Lulu (Aenne Schwarz), 2012, Archival Pigment Print auf Baryt

100 x 100 cm (Ausschnitt), Ed. 6

Drei Schauspielerinnen in Rollen, denen sie ihre Engagements

verdanken. Figuren wie Lulu von Wedekind oder

Albertine von Proust, die sie beim Vorsprechen spielen,

aber später nicht umsetzen können. Die ungespielten

Rollen sind lebendig im Leben der Darstellerinnen: Sie

markieren Wegbiegungen einer Künstlerlaufbahn und

Momente, in denen man einen anderen Weg nehmen

musste. Jim Rakete schaut mit der Kamera auf die Rollen,

die sich ein Schauspieler zutraut, und die Gedanken,

die in den Texten dazu stecken. Die Ausstellung wird

durch einen Kurzfilm ergänzt.

MÜNZING CLAASSEN GALERIE

Holsteinische Str. 29 (am Hohenzollernplatz)

10717 Berlin-Wilmersdorf, bis 13.4. (29.3.–1.4. geschlossen)

Di–Fr 12–18h, Sa 11–15h, www.muenzingclaassen.de

Sharon Back – I trust my image

Weltweit hat die israelische Fotografin Sharon Back bereits

herausragende Persönlichkeiten aus Politik, Modeund

Filmwelt porträtiert. Erstmals stellt sie nun in Berlin

aus. Ihre neuen Arbeiten zeigen deutsche Frauen, deren

Stärke und Präsenz Back beeindruckt haben: Katja Riemann,

Anna Thalbach, Sahra Wagenknecht, Magdalena

Neuner, Julia Jentsch, Jeanette Hain, Bettina Zimmermann

u.a.

Berlinische Galerie

Alte Jakobstr. 124-128, 10969 Berlin-Kreuzberg

bis 8.4., Mi–Mo 10–18h, Eintritt: 8 €, erm. 5 €

www.berlinischegalerie.de

www.facebook.com/berlinischegalerie

Sharon Back: Jeanette Hain, 2013

Print auf Acryl-Glas/Alu-Dibond, 80 cm x 110 cm

Temporary Gallery Berlin (tgb)

Mommsenstr. 42, 10629 Berlin-Charlottenburg

Opening: 2.3., 19h, 28.2.–26.3., Mi–Fr 15–18h and by appt.

0160-9027454, www.temporary-gallery-berlin.com

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Avantgarde für den Alltag

Jüdische Keramikerinnen in Deutschland 1919–1933

Im Rahmen des Berliner Themenjahrs „2013 – Zerstörte

Vielfalt“ zeigt das Bröhan-Museum eine Sonderausstellung

mit etwa 180 Exponaten zu drei jüdischen

Keramikerinnen der Avantgarde: Marguerite Friedlaender-Wildenhain,

Margarete Heymann-Marks und Eva

Stricker-Zeisel. In der angewandten Kunst vor 1933 waren

es gerade Frauen, die großen Anteil an der Entwicklung

einer „Avantgarde für den Alltag“ in Deutschland

hatten. Exemplarisch soll dies anhand der Werke und

Biografien der genannten Keramikerinnen gezeigt werden.

Alle drei schufen wegweisende Formen und Dekore

für Objekte des täglichen Gebrauchs.

Max Regenberg – Der Gebrauch der Landschaft

Seit den 1970er-Jahren dokumentiert der Kölner Fotograf

Max Regenberg Großflächenplakate im öffentlichen

Stadtraum. Den Künstler interessieren dabei vor

allem die zufälligen Konstellationen von Architektur,

Plakatinhalt und Umgebung, da diese seiner Ansicht

nach Auskunft über die Zeit geben, in der die Aufnahmen

entstanden sind. Sie sind gleichzeitig Zeitzeugen

und Gedächtnisspeicher und zeigen das kulturelle und

politische Bewusstsein der Gesellschaft. Die Städtische

Galerie Wolfsburg widmet dem 1951 in Bremerhaven geborenen

Regenberg nun eine umfangreiche Ausstellung

und stellt damit das wichtige Œuvre erstmals in einer

großen Museumsschau vor.

Teeservice, Entwurf Margarete Heymann-Marks, Ausführung Haël-

Werkstätten für künstlerische Keramik, Marwitz, um 1925/30, Steingut mit

Mattglasur, Bröhan-Museum, Berlin, Foto: Martin Adam, Berlin

Bröhan-Museum, Schloßstr. 1a, 14059 Berlin-Charlottenburg

28.2.–20.5., Di–So 10–18h, Eintritt: 6 €, erm. 4 €,

jeden ersten Mi im Monat frei, www.broehan-museum.de

Max Regenberg, Lichtung # 2005, L.B. System Köln, C-Print

© Max Regenberg, Courtesy Galerie Thomas Zander, Köln

Städtische Galerie Wolfsburg, Schlossstr. 8, 38448 Wolfsburg

Opening: 9.3. 18h, 10.3.–27.10., Di 13–20h, Mi–Fr 10–17h,

Sa 13–18h, So 11–18h, www.staedtische-galerie-wolfsburg.de

François Morellet figuratif – Gunda Förster konkret

im Kunst-Raum des Deutschen Bundestages

Amélie Grözinger – elapsed Utopia

Skulpturen, Installation

© François Morellet

François Morellet – Wandelbare Wand

im Mauer-Mahnmal des Deutschen Bundestages

Weiße Neonröhren und farbige Glaskugeln lassen den

Kunst-Raum erstrahlen und stellen ironisch den Mythos

vom Künstler infrage – ebenso die „Wandelbare Wand“

im Mauer-Mahnmal, deren bewegliche Elemente wechselnde

geometrische Bilder gestalten.

Kunst-Raum und Mauer-Mahnmal des Deutschen Bundestages

Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, Schiffbauerdamm

16.1.–5.5., Eintritt frei

Kunst-Raum: Di–So 11–17h, Mauer-Mahnmal: Di–So 11–17h

www.kunst-im-bundestag.de, www.mauer-mahnmal.de

Amélie Grözinger: Ailantery, 2013, Fotografie, 30 x 30 cm

Courtesy Wendt+Friedmann, Berlin

Amélie Grözingers Werk ist von Fragen der Transformation

und der plastischen Umdeutung beherrscht. Sie

schafft Objekte, die ihre Künstlichkeit nicht verleugnen,

aber zugleich als Hervorbringung einer pulsierenden

Vitalität bezeichnet werden können. Wiederholt verwendet

sie Äste, Stämme und andere organische Fundstücke

in Kombination mit glatten, durchgearbeiteten

Oberflächen in Verweis auf die fließenden Grenzen

zwischen Natur und Kunst. Ihre Skulpturen bestehen

aus armen Materialien wie Gips, Epoxidharz oder Beton,

wobei der Zusammenhalt der Teile mitunter bewusst

provisorisch gehalten wurde.

WENDT+FRIEDMANN, Heidestr. 54, 10557 Berlin-Mitte

Opening: 1.3., 28–21h, 2.3.–13.4., Mi-Fr 12-18h, Sa 12-17h

www.wendt-friedmann.com

Helmut Newton: Amica, Mailand 1982

Helmut Newton: World without Men/ Archives de Nuit

François-Marie Banier: Portraits

Lange vor seinen ersten Publikationen arbeitete Helmut

Newton im Auftrag von renommierten Modemagazinen

und -häusern. Manche dieser Aufnahmen veröffentlichte

er 1984 unter dem ironischen und programmatischen

Titel „World without Men“. In dem Buch finden sich

pointierte Selbstäußerungen Newtons sowie zahlreiche

Bildikonen, aufgenommen in Paris, Saint-Tropez, Los

Angeles, Berlin und London zwischen den 1960er- und

1980er-Jahren – und gelegentlich doch schon mal einen

Mann. Das Buch wird nun erstmals in einer Ausstellung

präsentiert.

Helmut Newton Stiftung im Museum für Fotografie

Jebensstr. 2, 10623 Berlin-Charlottenburg

bis 13.10., Di–So 10–18h, Do 10–20h

www.helmutnewton.com

Ralf Peters: Baum 3, 2011, C-Print auf Aludibond (Diasec), 110 x 101 cm

Courtesy Galerie Kornfeld, Berlin

Ralf Peters

In einer Zeit, in der die digital gestalteten, virtuellen Welten

der Filme, Videospiele und der Werbung zum Alltag

gehören und vielfach realer als die Wirklichkeit selbst erscheinen,

spielt der deutsche Künstler Ralf Peters (*1960,

Lüneburg) geschickt mit unseren Erwartungen an das

Medium Fotografie. Seine konzeptuellen Fotografien

lassen bewusst offen, ob der Künstler eine beobachtete

Szene unverfälscht wiedergibt oder ob seine Bilder nicht

doch eine raffinierte digitale Manipulation des Sichtbaren

sind. Die nüchtern registrierende Fotografie kann

dabei fremder wirken als das digital veränderte Bild –

und genau aus diesem Paradoxon beziehen die Werke

ihre Spannung.

Galerie Kornfeld, Fasanenstr. 26, 10719 Berlin-Charlottenburg

Opening: 1.3., 18–21h, 1.3.–6.4., Di–Sa 11–18h

www.galeriekornfeld.com

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Hans-Peter Feldmann – Kunstausstellung

Die Ausstellung in den Deichtorhallen Hamburg ist den

zentralen Serien, Installationen, Skulpturen und Bildern

aus über vier Jahrzehnten gewidmet, die Feldmanns

wunderbare Fähigkeit aufzeigen, humorvoll wie intellektuell

den Trubel des Lebens in seinen Werken einzufangen.

Von geisterhaften Schattenspielen über die für

500 Euro von Passantinnen erstandenen Handtaschen,

deren Inhalt in der Ausstellung präsentiert wird, bis zu

dem künstlerischen „Funkturm“ der Ausstellung auf

dem Deichtorplatz – Michelangelos „David“, in schriller

Farbigkeit und neun Meter groß – findet sich alles in der

Schau, was das Werk des Künstlers ausmacht.

ARTE POSTALE

Bilderbriefe, Künstlerpostkarten und Mail Art

Die Akademie zeigt mit „ARTE POSTALE“ erstmals Künstlerpost

aus den hauseigenen Archiven, der Akademie-

Kunstsammlung sowie der Sammlung Staeck. Neben

Briefen und Karten unter anderem von George Grosz,

Max Pechstein, Else Lasker-Schüler, von Mail-Artisten

wie Ray Johnson, Robert Rehfeldt und Clemente Padín

werden auch Korrespondenzen von Joseph Beuys, Diter

Rot oder Hanne Darboven mit Klaus Staeck präsentiert.

Hans-Peter Feldmann: David

Deichtorhallen Hamburg, Deichtorstr. 1-2, 20095 Hamburg

Opening: 28.2., 19.30h, 1.3.–2.6., Di–So 11–18h,

1. Do im Monat 11–21h, Eintritt: 9 €, erm. 6 €,

bis 18 Jahre frei, www.deichtorhallen.de

Robert Rehfeldt: Kunst ist, wenn sie trotzdem entsteht

Mail-Art-Postkarte mit Stempelaufdrucken, 1990

Akademie der Künste

Pariser Platz 4, 10117 Berlin-Mitte

Opening: 29.8., 19h, 30.8.–8.12., Di–So 11–19h, www.adk.de

EVA & ADELE: Tides, 2012-12, Aquarell, Graphit auf Bütten, 14 Werke

38 x 56 cm, Foto: Hans Schröder © Marta Herford

EVA & ADELE – Obsidian

EVA & ADELE kommen aus der Zukunft. Seit 1991 erscheinen

sie stets gemeinsam, stets gleich gekleidet

und verwandeln die Orte ihres Auftretens: „Wo immer

wir sind ist Museum“. Neben ihrem umfassenden Performance-

und Medien-Werk und dem breiten malerischen

Œuvre ist das in großen Zyklen entstehende

zeichnerische Werk kaum bekannt. Erstmals reißen EVA

& ADELE Löcher in die perfekte Hülle ihrer Zwillingsidentität.

„Obsidian“ bezeichnet schwarzes, vulkanisches

Glasgestein und ist der Titel der ersten Ausstellung,

die die andere Seite von EVA & ADELE zeigt. Sie führt in

eine Welt zwischen rosafarbenem Licht und schwarz getränkten

Schatten.

Marta Herford, Goebenstr. 2-10, 32052 Herford

10.3.–26.5., Di–So, feiertags 11–18h, jeden 1.Mi im Monat 11–21h,

www.marta-herford.de

Philippe Starck: Marie Coquine, 2011, Baccarat © Baccarat

Isn’t it romantic? Zeitgenössisches Design zwischen

Poesie und Provokation

Die Ausstellung „Isn’t it romantic?“ versucht, das gegenwärtige

Verständnis von Romantik sowie die neue

Sehnsucht nach Romantik zu ergründen. Romantische

Tendenzen zeigen sich zum Beispiel an Mustern, Materialien

und Verarbeitungsmethoden, aber auch an Konzepten,

die poetische, ironische und sogar abgründige

Prinzipien aufgreifen oder widerspiegeln. Die präsentierten

Positionen sind durch 40 international bedeutende

Designer vertreten wie Philippe Starck, Ronan

und Erwan Bouroullec, Patricia Urquiola, Hella Jongerius,

Formafantasma und Robert Stadler.

MAKK – Museum für Angewandte Kunst Köln

An der Rechtschule, 50667 Köln

bis 21. 4. Di-So 11-17 Uhr, 1. Do im Monat 11-22 Uhr, www.makk.de

Deutsche Wohnen – GEHAG Forum

K. H. Hödicke – Malerei, Skulptur, Film

Im GEHAG Forum werden drei in Berlin arbeitende

Künstlerinnen mit Werken außerordentlicher Techniken

vorgestellt.

Die fantastisch-absurden „Kitchenplastics“ von Anke

Eilergerhard aus Silikon und Geschirrteilen erscheinen

als humorvoller Kommentar zur Geschlechterfrage.

Heike Jeschonneks Bilder aus Öl- und Paraffin zeigen

Szenen der Wirklichkeit traumhaft entrückt, während

Tatjana Schülkes Skulpturen aus Kappaplatten und gefundenen

Objekten zwischen Abstraktion und Figuration

pendeln.

K.H. Hödicke: Der Europäische Reisekoffer, 1967/1976

Sammlung Berlinische Galerie, Berlin

Seit mehr als einem halben Jahrhundert ist das Schaffen

von K. H. Hödicke fest mit der Stadt Berlin verknüpft.

Der 1938 in Nürnberg geborene Künstler schuf in seiner

Wahlheimat von 1957 bis heute ein vielseitiges, gattungsübergreifendes

Werk, das mit zahlreichen Gemälden,

Skulpturen, Objekten und grafischen Arbeiten in

der Sammlung der Berlinischen Galerie repräsentativ

vertreten ist. In seiner Offenheit gegenüber zahlreichen

Medien, die neue Formen von Malerei und Skulptur

ebenso umfassen wie Objekte und Film, prägte K. H.

Hödicke nachhaltig die Berliner Kunstszene. Die Berlinische

Galerie zeigt zentrale Werkgruppen mit einem

Schwerpunkt auf den 1960er- und 1970er-Jahren.

Anke Eilergerhard: Annuschka und Annegretchen, 2012

Deutsche Wohnen AG – GEHAG Forum

Mecklenburgische Str. 57, 14197 Berlin-Wilmersdorf

bis 22.3., Mo–Fr 9–19h, www.deutsche-wohnen.com

Berlinische Galerie, Alte Jakobstr. 124-128, 10969 Berlin-Kreuzberg,

bis 27.5., Mi–Mo 10–18h, www.berlinischegalerie.de

www.facebook.com/berlinischegalerie

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Karl Schmidt- Rottluff: Beim Torfstechen, 1922, Aquarell

Sammlung Hermann Gerlinger, Foto: Archiv Gerlinger

Karl Schmidt-Rottluff: Starke Farben – Klare Formen

Aquarelle und Zeichnungen. Sammlung Hermann

Gerlinger

Karl Schmidt-Rottluffs Schaffen in der Zeichnung und

im Aquarell ist durch eine knappe Formensprache und

rhythmische Bewegtheit gekennzeichnet. Bereits in

seinen frühen Jahren erreicht der junge Künstler in

seinen Werken eine künstlerische Gültigkeit, die von

Spontaneität und Leichtigkeit geprägt ist. Ab Mitte der

1920er-Jahre steht das Aquarell nahezu gleichberechtigt

neben dem Gemälde und wird in der Folge zu seinem

bevorzugten künstlerischen Ausdrucksmittel. Für den

sinnbildhaften Ausdruck seiner Arbeiten entwickelt er

eine eigene Bildsprache, die von den Themenkomplexen

der Landschaft und dem Stillleben beherrscht wird. Das

Schaffen Schmidt-Rottluffs ist bis zum Spätstil von Kontinuität

geprägt und zeigt sein meisterliches Können im

kompositorischen Aufbau wie im Zusammenspiel der

Farben.

„Daumier ist ungeheuer!“

Die Stiftung Brandenburger Tor widmet sich in einer

umfangreichen Ausstellung dem Lebenswerk des französischen

Künstlers Honoré Daumier (1808–1879).

Erstmalig werden in Deutschland über Hundert selten

gezeigte Arbeiten des vielseitigen Künstlers ausgestellt.

Max Liebermann verehrte Daumier als den „größten

Künstler des 19. Jahrhunderts“ und war ein leidenschaftlicher

Sammler seiner Werke. Er fand ihn „ungeheuer“.

Die Leihgaben für die Sonderschau im Max–Liebermann-Haus

wurden von zahlreichen europäischen

und amerikanischen Museen sowie Privatsammlern zur

Verfügung gestellt.

Stiftung Brandenburger Tor

Pariser Platz 7, 10117 Berlin-Mitte

2.3.–2.6., Mo, Mi, Do, Fr 10–18h, Sa 11–18h

www.brandenburgertor.de

Marc Chagall – Poesie & Traum

Eske Kath: Blackboard Sunset, 2012

Acryl und Kreide auf Schiefertafel, 122 cm x 122 cm

Tom Anholt: The Insomniac, 2013

Öl auf Leinwand, 130 cm x 150 cm

Stiftung Moritzburg

Friedemann-Bach-Platz 5, 06108 Halle (Saale)

bis 20.5., Di–So 10–18h, www.kunstmuseum-moritzburg.de

Eske Kath – Blackboard Sunset

Tom Anholt – Man Made

Der dänische Künstler Eske Kath zeigt erstmals in Europa

seine Gemälde auf Tafeln. Das an Schulzeit erinnernde

Präsentationsmedium ist normalerweise temporärer

Informationsträger. Neben üblicher Kreide benutzt Kath

auch haftendes Acryl und nimmt der Tafel somit das

Flüchtige, macht sie zum dauerhaften Bildträger. Die

an hyperbolische Geometrie erinnernden leuchtenden

Linien und Kreisformen sind Wiedererkennungsmerkmale

des Künstlers.

Die Ausstellung „Man Made“ präsentiert neue Arbeiten

des jungen Engländers Tom Anholt. In seinen großformatigen

Bilderwelten ist der Betrachter Beobachter, der

die Gleichzeitigkeit der unbeständigen Perspektiven zu

durchdringen versucht. Denn der Bildinhalt ist oft mit

persönlichen Erinnerungen behaftet und liegt jenseits

des sinnlich Erfahrbaren.

Galerie Mikael Andersen

Pfefferberg Haus 4, Christinenstr. 18/19, 10119 Berlin-Mitte

Opening: 22.3., 18–21h, 23.3 –11.5., Di–Sa 12–18h

www.mikaelandersen.com

Marc Chagall: Cirque (M.522), 1967, Lithografie, 51,5 x 37,5 cm

© Galerie Lessenich

Georg Netzband: Der Sieger, Mai 1939, Öl auf Leinwand, 59,9 x 68,8 cm

Sammlung Gerhard Schneider, Olpe, Foto: Fotoatelier Sasch Fuis, Köln

Dank hochkarätiger Leihgaben bedeutender Sammlungen

zeigt die Ausstellung eine Auswahl von über 140

Werken: Neben dem zentralen Ölgemälde „Die Nacht“

aus der Sammlung Würth und Gouachen wie „Der

Strassenkehrer und der Wasserträger“ aus der Sammlung

Rosengart, Luzern, präsentiert die Kunsthalle mit

handkolorierten Radierungen, Lithografien und seltenen

Monotypien auch ausgewählte Arbeiten aus dem

druckgrafischen Werk. In Riegel erhält der Besucher

damit die einmalige Möglichkeit, die ganze Vielfalt von

Chagalls künstlerischem Schaffen zu erleben und in seine

märchenhafte Welt abzutauchen.

kunsthalle messmer

Grossherzog-Leopold-Platz 1, 79359 Riegel am Kaiserstuhl

bis 30.6., Di–So 10–17h, www.kunsthallemessmer.de

verfemt, verfolgt – vergessen?

Mit der NS-Aktion „entartete Kunst“ wurden Künstler

ausgegrenzt, verfolgt, teilweise in KZs deportiert und

eine ganze Reihe von ihnen, vor allem Juden und politisch

kritische Gegner, ermordet. Die Ausstellung mit

Werken aus der Sammlung Gerhard Schneider entreißt

diese Menschen dem Vergessen und rekonstruiert den

Facettenreichtum ihres bildnerischen Schaffens vor

dem Hintergrund der politischen Ereignisse. Das Berliner

Themenjahr 2013 ist eine Initiative des Landes Berlin,

in Koordination durch die landeseigene Gesellschaft

Kulturprojekte Berlin und in Kooperation mit der Humboldt-Universität

zu Berlin. Weitere Infos unter kulturprojekte-berlin.de.

Ephraim-Palais | Stadtmuseum Berlin

Poststr. 16, 10178 Berlin-Mitte, 16.3.–28.7., Di, Do–So 10–18h,

Mi 12–20h, Eintritt: 5 €, erm. 3 €, www.stadtmuseum.de

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Cristina Barroso – Locating

Hansjörg Schneider – Tunnel

„Landkarten und topografische Städtefotografien bilden

in Cristina Barrosos Arbeiten den Untergrund für

Farben und Texturen in ihrer Malerei. … Geografische

Texturen und malerische Strukturen interpretieren sich

gegenseitig als Systeme und Muster. Namen und Zahlen

unterstreichen die konzeptuelle Idee, die Malerei wiederum

zu vermessen und mit Bedeutungen dem Bildraum

Orientierungen zu geben und imaginäre Territorien zu

schaffen. In den Bildern findet man das Staunen des

Reisenden, das Gedächtnis der Geschichte, literarische

Anspielungen und die abstrahierende, malerische Gegenwart

der Künstlerin.“ (Werner Meyer)

In der Ausstellung widmet sich Hansjörg Schneider dem

Tunnel als gesellschaftsrelevantes, architektonisches

Ge bilde. Bekannt ist er für meist großformatige Papierschnitte

von beeindruckender Präzision und Klarheit.

Zwischen dynamischer Räumlichkeit und komplexer

Flächenorganisation changierend, deformiert und verflüssigt

der Künstler starre Gittersysteme zu raumgreifenden

Formationen. Die Erfahrung des sich zum Tunnel

verengenden Raumes durchzieht die Ausstellung wie

ein roter Faden. Der virtuelle Sog in die Tiefe des Raumes

wird zum Gegenentwurf der beherrschenden Architektur

des rechten Winkels.

Cristina Barroso: From here to there, 2012, Acryl auf Leinwand, 80 x 110 cm

TS art projects

Oranienburger Str. 45, 2 OG, 10117 Berlin-Mitte

bis 21.4., Di–Sa 13–18h and by appt., 0151 - 22 94 66 38

www.toresuessbier.com

Hansjörg Schneider: Maelström XL 1, 2011, Papierschnitt/-riss, Grafit

250 x 205 cm, gerahmt

AANDO FINE ART

Tucholskystr. 35, 10117 Berlin-Mitte

Opening: 15.3., 18–21, 16.3.–19.4., Di–Sa 12–18h

030-28 09 34 18, www.aandofineart.com

Tung-Wen Margue

Onsen – Heiße Quelle

Seine Bilder charakterisiert der freie Farbverlauf, der in

Anlehnung asiatischer Maltechniken Präsenz und Ausdruck

erfährt. Abstrahierte Formen wirken assoziativ,

lassen Landschafts- oder Naturdarstellungen ahnen.

Tung-Wen Margue, geboren in Luxemburg, offeriert metaphorische

Bildwelten, die ein spannendes Seherlebnis

garantieren.

different lines

Die Ausstellung nähert sich dem Raum auf besondere

Weise: greift den Raum neu, sichtbar, unsichtbar. Führt

vorbei am fragilen Oberflächengerüst alltäglicher Wahrnehmungen

und öffnet den Raum dahinter. Klangräume

entstehen. Die Positionen eint das Basiselement: die

Linie. Werke von Silke K. Hahn, Claudia Kallscheuer, Lisa

Mayerhofer, Ev Pommer und Rebekka Uhlig mit dem Performance

Chor für Experimentellen Gesang.

Tung-Wen Margue: Mondlicht, 2012, Acryl auf Leinwand, 40 x 40 cm

GALERIE PETRA LANGE

Pestalozzistr. 4, 10625 Berlin-Charlottenburg

Opening: 13.3., 19:30h , 14.3.–14.4., Di–Fr 12–19h, Sa 11–16h

geschl.: 29.3.–1.4., www.galerielange.de

Ev Pommer: Feld V 2009, Holz/Pigment, 140 x 62 x 10 cm

mianki. Gallery

Kalckreuthstr. 15, 10777 Berlin-Schöneberg

bis 13.4., Di–Fr 15–19h, Sa 11–16h

030-36 43 27 0, www.mianki.com

Norbert Schwontkowski – Blind Man’s Faith

Songwen Sun-von Berg – Das Werden der Formen

Norbert Schwontkowski (*1949, lebt in Bremen und Berlin)

hält in seinen Arbeiten die Welt und die scheinbaren

Nichtigkeiten des Alltags fest. Melancholie und

Sehnsucht bestimmen vieler seine Bilder, die er aber

durch seinen Humor zu brechen weiß. Dieser entsteht

vor allem im Zusammenspiel zwischen Bildidee und

Werktitel. Neben Ölfarbe, Kreide, Wasser oder Pigmenten

fügt er seinen Bildern oft Metalloxyde zu, was zu

unvorhersehbaren Veränderungen der Farbe führt. Der

Kunstverein Hamburg präsentiert 30 ausgewählte Arbeiten

aus den Jahren 1999 bis 2013, neben großformatigen

Leinwandarbeiten auch zahlreiche Skizzenbücher.

In drei verschiedenen Serien zeigt Sun-von Berg auf

überraschende Weise die gegensätzliche Einheit von

menschlichen Empfindungen und deren Dialog mit

dem Werden und Vergehen der Natur. Dem Betrachter

begegnen Seelenlandschaften, die emotionale Bilder

hervorrufen. Ihre Tuschzeichnungen schaffen eine Verbindung

zwischen der traditionellen chinesischen Malkunst

und Elementen der westlichen Moderne.

Norbert Schwontkowski: Surrealistenstammtisch, 2009

Öl auf Leinwand, 150 x 131 x 2cm, Courtesy Contemporary Fine Arts, Berlin

Kunstverein Hamburg

Klosterwall 23, 20095 Hamburg

bis 14.4., Di–So 12–18h, www.kunstverein.de

Songwen Sun-von Berg: Ginkgo biloba, 2013

Tusche auf China-Papier, 100 x 100 cm

gallery yumachi

Knaackstr. 80, 10435 Berlin-Prenzlauer Berg

Opening: 1.3., 19h, 2.3.–30.3., Mi–Sa,12–18h,

Finissage: 30.3., 16–20h, www.gallery-yumachi.com

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Fabian Knecht/Andreas Greiner: Entladung, 2012/2013

Fotografie von Intervention

interferenz_en 013 –

Eine Ausstellung mit KünstlerInnen der Klasse Olafur

Eliasson, Institut für Raumexperimente, Universität der

Künste, Berlin

Der Begriff „Interferenzen“ definiert „Überlagerungserscheinungen

beim Zusammentreffen von Wellen“. In

der Ausstellung treffen künstlerische Arbeiten aufeinander,

die in den Medien Film, Fotografie, Zeichnung

und Installation verortet sind. Interferenzen – zwischen

den einzelnen Werken, aber auch zwischen den ausgestellten

Arbeiten und dem Betrachter – spielen hier eine

zentrale Rolle, angefangen von der künstlerischen Bildproduktion

bis hin zur Rezeption der künstlerischen Arbeit.

Frei nach dem Motto: „Was nicht zu sehen ist, kann

dennoch wahrgenommen werden.“ Die Ausstellung

wurde kuratiert von Marisa Maza.

Eelco Brand (NL), BL.movi, 2012, digital animation 40”HD / 2 x steel

sculpture ø 800 mm – ø 600 mm

The Act of Bringing to Life –

25 frames per second and more

Der Wille zur Imitation der Natur ist ein klassischer

Topos der Kunstgeschichte. Eelco Brand nimmt diesen

Nachahmungs- und Schöpfungswillen in ironischer

Weise auf und schafft teils absurde 3D-Arbeiten und

Objekte. Die Natur entzieht sich in seinen animierten

Loops der Kontrolle des Menschen und schlägt im Bild

zurück.

DAM GALLERY

Neue Jakobstr. 6, 10179 Berlin-Mitte

bis 13.4., Di–Fr 12–18h, Sa 12–16h, www.dam.org

Olaf Bastigkeit

EnBW Showroom Berlin

Schiffbauerdamm 1, 10117 Berlin-Mitte

Opening: 28.2., 19h, 1.3. –31.5., Mo–Fr 11–19h, Sa 11–16h

Eintritt frei, www.enbw.com

Bietz & Calò | Discoveries = Entdeckungen

In der Rauminstallation konfrontiert Olaf Bastigkeit

(*1978) skulpturale Collagen mit unsichtbaren Spuren

einer früheren Nutzung der Galerieräume. Sein Umgang

mit dem Material als Objekt und Farbe untersteht

einer übergeordneten künstlerischen Idee von einer

dreidimensionalen bildhauerischen Form, die ihren

eigenen Gesetzmäßigkeiten folgt. Den zweiten Raum

bestimmen malerische Kompositionen auf recycelten

Offsetplatten.

Christa Bietz: CUT, Mischtechnik, 50 x 64 cm, gerahmt

Christa Bietz (Malerin) nimmt in ihren neuen Arbeiten

vor allem Baumrinden, Steine und Mauerwerk unter

präzise Beobachtung. Es reizt sie, im Alltäglichen das

Besondere, Sinnliche und Erregende zu entdecken. Fantasievoll

legt sie Formen und Strukturen frei. Der Betrachter

wird eingeladen, sich auf Entdeckungsreise zu

begeben, in den Bildern „spazieren zu gehen“ und dabei

eigene imaginäre Bildwelten ausfindig zu machen.

Die Werke von Alessandra Calò (Fotografin) führen den

Menschen an seine Ursprünge zurück, an die Geschichte,

die ihn mit seinem Land verbindet und an seine familiären

Wurzeln.

Olaf Bastigkeit: Sketch for softmaschine installation in situ

2013, digital image Galerie Thore Krietemeyer

Großbeerenstr. 83, 10963 Berlin-Kreuzberg

Opening: 1.3., 18–21h, 2.3.–20.4., Di–Sa 11–18h and by appt.

www.thore-krietemeyer.com

Tina Beifuss, 2013, © Galerie cubus-m/Tina Beifuss

Tina Beifuss – Optic Echo

Im Mittelpunkt der zweiten Einzelausstellung von Tina

Beifuss bei cubus-m steht ihre neue Serie „Of Shadow

and Projection“. Beifuss verbindet skulpturale und bildhafte

Ansätze, ihre Bildkompositionen entstehen unter

Einbeziehung des Raumes. Im Fokus stehen der Zeichenbegriff

und Produktionsformen von Sichtbarkeit. Es entstehen

Bilder, die zwischen formaler Komposition und

erzählerischen Momenten oszillieren.

Alessandra Calo: NDT 01, Berlin Edition

print on hahnemuehle, 100% cotton paper, gerahmt

Berlin Avantgarde

Nollendorfstr. 11-12, 10777 Berlin-Schöneberg

Opening: 1.3., 19h, 2.3.–10.4., Di–Fr 12–19h, Sa 10–17h

030-27575908, www.berlin-avantgarde.com

Galerie cubus-m

Pohlstr. 75, 10785 Berlin-Tiergarten

Opening: 15.3., 19h, 16.3.–20.4.

Mi–Fr 14–19h, Sa 11–19h and by appt., ww.cubus-m.com

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Frank Darius – Das Paradies ist hier

Frank Darius präsentiert Bilder der Leere, in denen die Natur auf minimale Spuren

reduziert ist: Er geht das Wagnis ein, seinen Beitrag zur Wiederverzauberung

der Welt in Bildern von unverbrüchlicher Schönheit zu leisten. Er zeigt auf,

dass sich das Paradies im Innersten eines jeden von uns findet, versteckt unter

vielen Schichten der Wahrnehmung.

Gerhard Altenbourg (1926-1989)

Die Ausstellung mit über 40 Zeichnungen sowie zahlreichen druckgrafischen

Blättern und originalen Holzreliefs von Gerhard Altenbourg gewährt einen Einblick

in das vielschichtige und detailreiche Werk des Thüringer Künstlers, in seine

„geisterhaft schwebenden Dämmerzonen, oszillierenden Zwischenreiche

und verwunschenen Traumgefilde“.

Frank Darius: Hopfen I, 2011, 70 x 82 cm

© Frank Darius

Alfred Ehrhardt Stiftung, Auguststr. 75, 10117 Berlin-Mitte

Opening: 22.3., 19h, 23.3.–17.5., Di–So 11–18h, Do 11–21h

www.alfred-ehrhardt-stiftung.de

Gerhard Altenbourg:

März: Dolmar-Vorland, 1974, Aquarell u.

Farbkreiden auf Japanpapier, 62 x 92,5 cm

Galerie Dr. Irene Lehr

Sybelstr. 68, 10629 Berlin-Charlottenburg

bis 28.3., Mo–Fr 11–18h, www.irene-lehr.de

Francesco Jodice: What We Want, Aral, T51

2008, C-Print, 100 x 200 cm

Francesco Jodice – What We Want

In seiner Arbeit nimmt Francesco Jodice geopolitische Themen in den Blick und

erforscht mittels Fotografie, Film, Texten und performativen Interventionen die

Veränderungen der zeitgenössischen Landschaft. Die ausgestellten Fotoarbeiten

aus der Serie „What We Want“ zeigen einen „geografischen Atlas“ landschaftlicher

Modifizierungen, die auf menschlichen Einwirkungen beruhen. Er

arbeitet seit 1995 an diesem Projekt.

Podbielski Contemporary, Koppenplatz 5, 10115 Berlin-Mitte

Opening: 22.3., 19h, 23.3.–18.5., Di–Sa 12–18h

www.podbielskicontemporary.com

Beytrag zur Naturgeschichte der Vögel,

Joachim Johann Nepomuk Spalowsky, Wien,

1791-1792 © Kunstkammer Georg Laue,

München

WONDERFUL – Humboldt, Krokodil & Polke

Die Wunderkammer ist seit der Eröffnung des me Collectors Room im Jahr 2010

fester Bestandteil des Ausstellungshauses in der Auguststraße und die einzige

ihrer Art in Berlin. Mit „WONDERFUL – Humboldt, Krokodil & Polke“ werden

spektakuläre Neuzugänge der Wunderkammer und zeitgenössische Werke aus

der Olbricht Collection, die ebenfalls um die Thematik der Wunderkammer kreisen,

präsentiert.

me Collectors Room Berlin / Stiftung Olbricht

Auguststr. 68, 10117 Berlin-Mitte

bis 28.4., Di–So 12–18h, www.me-berlin.com

Irreführung – Malerei von Thomas Wagner

Auf großformatigen Leinwänden lässt Wagner durch das Überlagern verschiedener

Bildebenen und Materialien eine ganz eigene räumliche Tiefe entstehen.

Er, der Linien fließen und sich zu Gegenständen, Figuren und Zeichen entwickeln

lässt, die er mit Farbschichten überdeckt, um sie erneut mit Linien zu bedecken,

experimentiert auch mit Fotografien, die er übermalt. Als T. W. Blum ist

er zugleich als Musiker bekannt.

Schachspiel

Die Geschichte des Schachspiels begann vermutlich im Fernen Osten und ist

seit Jahrhunderten Thema für Künstler. Das Ausstellungchen zeigt Malerei,

Zeichnungen, Grafiken und Skulpturen alter und neuer Meister rund um das

Thema. In Reproduktionen werden alte Werke und Objekte zu sehen sein, die

bis ins Jahr 1275 zurückgehen. Daneben finden sich Originale aus dem 20. Jahrhundert

von Künstlern aus Afrika, Asien, Europa und Amerika.

Thomas Wagner: Hellersdorf, 2009

Tusche, Acryl, Kreiden auf Leinwand

150 x 250 cm

198 Galerie in Tempelhof, Tempelhofer Damm 198, 12099 Berlin-Tempelhof

Opening: 2.3., 16–20h, 3.–30.3., Finissage: 30.3., 14–18h, Mi–Fr 15–19h, Sa 14–18h u. n. V.

www.198Galerie.de

Tomasz Zielinski (*1954): Ein drolliger Zug,

1999, Öl auf Leinwand, 190 x 120 cm

Scorpion Galerie für Kunst + Objekte

Mansteinstr. 56, 20253 Hamburg-Eppendorf

1.3.–30.4., Di–Fr 10–16h and by appt. 0173-4579459, www.scorpion-galerie.de

One-Artist-Show: Alexandra Huber

Auf der Art Karlsruhe präsentiert die Galerie Horst Dietrich die Künstlerin Alexandra

Huber in einer One-Artist-Show. Gezeigt werden neue großformatige Arbeiten

in Mischtechnik sowie Collagen, Malerei und Zeichnungen, die kürzlich

in der Galerie in der Ausstellung „Sich täglich neu begegnen“ die unbändige

Schöpfungskraft, bildnerische Fantasie und kluge Poesie von Alexandra Huber

eindrucksvoll demonstrierten.

Andrey Grositsky – Materie und Materialien

Andrey Grositsky ist ein Revolutionär der Bildsprache. In seinen Werken erwachen

Stoffe zum Leben, und Formen und Farbenspiel werfen Fragen auf. Ist

es ein Tuch, eine eben erblühte Rose oder eine Flüssigkeit, die im Nichts verschwindet?

Grositsky ist ebenso ein „Poet der Dinge“ wie ein Kämpfer für die

Freiheit der Kunst. Auch seine Bilder verlangen, wie der Künstler, kraftvoll nach

ihrer Freiheit und ziehen den Betrachter so in ihren Bann.

Alexandra Huber: enjoy it, 120 x 120 cm

Galerie Horst Dietrich, Stand-Nr. H3/J25, Art Karlsruhe

Messegelände, Messeallee 1, 76287 Rheinstetten

0172-321 26 61, www.GalerieDietrich.de

Andrey Grositsky: Faltenwurf und

Bilderrahmen, 2010, Öl auf Karton und Holz

98 x 110 cm

Galerie pop/off/art Moskau-Berlin

Mommsenstr. 35, 10629 Berlin-Charlottenburg

bis 30.3., Di–Fr 10–19h, Sa 11–15h and by appt., www.popoffart.de

Maya Schweizer: Die Fassade (des

ehemaligen Palais de la Porte Dorée, Paris),

Filmstill, 2011, Courtesy Maya Schweizer /

Galerie Katharina Bittel

Maya Schweizer - Edith Seeshow’s Notes

In vier Filmen nähert sich Maya Schweizer der Geschichte abseits des historischen

Faktenwissens. Die Künstlerin bedient sich in ihren

Filmessays verschiedener Techniken, um Spuren der Vergangenheit mit dem

Alltag in Austausch zu bringen. Geschichte und Erinnerung wird anhand von

Denkmalen und Architektur im öffentlichen Raum sowie an der Lebensgeschichte

von Schweizers Großmutter thematisiert.

Kunstverein Langenhagen

Walsroderstr. 91 A, 30851 Langenhagen

bis 31.3., Mi/Fr 14–15h, Do 10–18h, Sa 15–17h, www.kunstverein-langenhagen.de

Neonilla Medvedeva: Sisters, 2009, Öl auf

Leinwand, 25 x 25,5 cm

Neonilla Medvedeva und Sebastian Rudko – Zeichnung und Malerei

Die Arbeiten beider Künstler sind inspiriert vom täglichen Leben, von den

Menschen, der Natur und der Kultur ihres jeweiligen Heimatlandes. Sebastian

Rudko aus Krakau fängt Augenblicke ein, in denen Reflexion und Brechung des

Lichts innere und äußere Welt vereinen. Neonilla Medvedeva aus Riga konzentriert

sich auf menschliche Figuren und deren Beziehung zur Umgebung, Vergangenheit

und universalen Werten.

Galerie Förster, Schröderstr. 2, 10115 Berlin-Mitte

bis 6.4., Di–Fr 16–19h, Sa 12–18h u. n. V., www.galerie-foerster.de

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Ankündigung: Sammlergespräch mit Marc Fiedler

Marc Fiedler ist Gründer der Berliner Ausstellungs- und

Sammlungsinstitution Epicentro art. Vor dem Hintergrund

seiner eigenen Kunstsammlung zeigt der Creative

Director hier seit 2007 wechselnde Ausstellungen

zeitgenössischer Kunst. Zum Kunstsammeln kam der

Hamburger Inhaber der Werbe- und Kommunikationsagentur

Gruppo del Café Palermo über den intensiven

Austausch und gemeinsame Reisen mit eng befreundeten

Künstlern. Die hieraus geschöpfte Inspiration und

Dynamik brachte den Impuls, über das Sammeln hinaus

eigene Ausstellungsräume zu eröffnen und diese einem

breiten Publikum öffentlich zugänglich zu machen.

In Einzel- und Gruppenausstellungen zeigt und fördert

das Epicentro art neben etablierten Namen junge,

aufstrebende Künstler. Einen Schwerpunkt im Ausstellungsprogramm

wie in der Sammlung Fiedler bilden die

Medien Fotografie, Malerei und Video. Darüber hinaus

versteht sich das Epicentro art als Plattform, die in Kooperationen

mit Künstlern, Institutionen sowie Galerien

und anderen Kunstsammlungen Raum für neue Ausstellungskonzeptionen

und deren Umsetzung bietet.

Ein feststehendes Profil gibt es daher ausdrücklich nicht,

was ein Blick in den Ausstellungskalender bestätigt:

Hier finden internationale Namen wie Imi Knoebel oder

Christian Boltanski ihren Platz neben politischen und

diskursorientierten Ausstellungen wie beispielsweise

„GVOON – 2000 inhaftierte Zeichnungen“ – eine Zusammenarbeit

mit der Gedenkstätte Hohenschönhausen

für Gefangene der Stasi-Untersuchungshaftanstalt.

Bis zum 2. März sind aktuell Schwarz-Weiß-Fotografien

von Kai Bornhöft zu sehen.

Foto: Roberto Hegeler

Ähnlich differenziert äußert sich auch Marc Fiedlers Interesse

als Sammler: Neben Nam June Paik, H.P. Adamski,

Marc Séguin, Steve Schapiro oder Wolfgang Staehle

kauft er auch Werke zahlreicher junger, noch weitläufig

unbekannter Künstler.

Wir freuen uns auf das KUNST Magazin Sammlergespräch

mit Marc Fiedler, moderiert von Jan Kage, am

MITTWOCH, den 27. Februar, in der Bar Tausend.

Einlass ab 20h, Beginn ca. 20.30h. Wir bitten um Anmeldung

unter sammler@kunstmagazin.de

Impressum | Imprint

KUNST Magazin / KUNST Verlag, Berlin

Wrangelstr. 21, 10997 Berlin

Tel.: 030 - 61 20 23 24 und 030 - 43 92 58 29

Fax: 030 - 61 20 23 17 und 030 - 43 91 70 59

info@kunstmagazin.de | ISSN 1862 - 7382

Herausgeberin: Jennifer Becker (v. i. S. d. P.)

Chefredaktion: Julika Nehb

Redaktion & Texte: Susanne Erichsen, Isabella Hammer,

Katharina Helwig, Alexandra Panzert, Agathe Power,

Stefanie Raupach, Sarah Weckert, Steffi Weiss

Gastautoren: Inga Oppenhausen, Matthias Planitzer

Übersetzungen: Brian Poole

Lektorat: Sina Gesell

Gestaltung: Carola Büscher

Onlineredaktion: Julia Schmitz

Webdesign: Marius Bruns, www.robinson-cursor.de

Druck: Druckerei Conrad GmbH, www.druckereiconrad.de

Distribution: DHL GoGreen – wir versenden klimaneutral,

Deutsche Post Pressevertrieb

Erscheinungsweise: 40 000 Exemplare, 10-mal im Jahr,

Doppel ausgaben: Jul./Aug. und Dez./Jan. Es gelten die Mediadaten

2013.1

Alle Ausstellungshinweise im KUNST Magazin sind für

Galerien, Museen und Ausstellungshäuser kostenpflichtig.

Eine tagesaktuelle Übersicht zu allen Veranstaltungen im

KUNST Kontext in Deutschland finden Sie im Kalender auf

www.kunstmagazin.de

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TANGENTE

In der Tradition von Eames: GOOD DESIGN Award für Tangente Datum. Wie bereits im Vorjahr

ging der weltweit angesehenste Preis für Produktdesign auch diesmal an NOMOS Glashütte.

Der GOOD DESIGN Award, von Charles und Ray Eames, Eero Saarinen und Edgar Kaufmann, Jr.

1950 erstmals vergeben, schmückt bis heute nur weltbeste Formen. Mit entsprechenden

inneren Werten: allerfeinsten Kalibern aus Glashütter NOMOS-Manufaktur.

Tangente-Modelle gibt es ab 1180 Euro etwa bei: Augsburg: Bauer & Bauer; Berlin: Brose, Christ KaDeWe, Leicht, Lorenz; Bielefeld: Böckelmann;

Bonn: Hild; Bremen: Meyer; Darmstadt: Techel; Dortmund: Rüschenbeck; Dresden: Leicht; Düsseldorf: Blome; Erfurt: Jasper; Hamburg: Becker;

Kiel: Mahlberg; Koblenz: Hofacker; Köln: Berghoff, Kaufhold; Lübeck: Mahlberg; Ludwigsburg: Hunke; München: Bucherer, Fridrich, Kiefer;

Münster: Freisfeld, Oeding-Erdel; Trier: Hofacker; Ulm: Scheuble. Überall: Wempe. www.nomos-store.com und www.nomos-glashuette.com

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