Das Kunstgewerbe des Jugendstils

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Das Kunstgewerbe des Jugendstils

Das Kunstgewerbe des Jugendstils


Kathryn Blum-Hiesinger, Die Meister des

Münchener Jugendstils, München 1988

Corona Hepp: Avantgarde. Moderne

Kunst, Kulturkritik und Reformbewegung

nach der Jahrhundertwende, München

1987


Pianino aus

Schloss Linderhof,

1872

Carl Leistler, Bücherschrank, 1851


Hermann Obrist, Hat das Publikum ein Interesse, das Kunstgewerbe

zu heben? 1896/98

“Gehen wir z. B. in ein Warenlager von Möbeln billigen Genres, so

finden wir viele unbequeme Sofas, Chaiselonguen, schwere

Polstermöbel, Zimmereinrichtungen in jener entsetzlichen

mißverstandenen Schreinerrenaissance mit aufgeleimten

Ornamenten. Gehen wir in ein besseres Möbelgeschäft, so finden wir

teuere Einrichtungen im schwersten Architekturmöbelstil oder

von goldstrotzenden Barockmöbeln, alles schwerfällige,

unbewegliche, unbehagliche Stücke.”

“Treten wir in ein Lampengeschäft, so ist es fast

unmöglich, eine einfache Lampe zu entdecken. Die

Hängelampen sind mit Zierat bedeckt, alles ist vergoldete

oder imitierte Bronze. Die Stehlampen sind

überall mit Buckeln, Köpfen, Festons, Gekringel aller

Art verziert”


Visionär ...

Wilhelm Wagenfeld, Leuchte WG 24, 1924


August Endell, Die Schönheit der großen Stadt, 1908

“Mit Surrogaten müssen wir uns begnügen, mit Imitationen, mit

verfälschtem Altertum. Man nimmt uns die Einheit des Lebens,

sucht unsere Sehnsucht, die einem durchaus gesunden

Arbeitsleben entsprießt, mit hohlen Worten, mit süßlichen Phrasen

und schalen Fälschungen zu betäuben und raubt uns so das

Höchste: die Wahrhaftigkeit des Empfindens, die Reinheit.”

“Es gibt nur eine gesunde Grundlage für alle Kultur, das ist die

Ieidenschaftliche Liebe zum Heute und Hier, zu unserer Zeit, zu

unserem Lande.”

“Die Kenntnis fremden und vergangenen Wollens hilft nicht weiter.

Gotische Marktplätze und barocke Platzanlagen sind heute eine

Maskerade. Nur wer den Rhythmus der heutigen Stadt fühlt, kann

eine Stadt bauen so, wie wir sie brauchen.”


“Die große Masse dieser Ware

stammt aus

Fabriken und leider nur zu

viele Kunstgewerbetreibende

arbeiten direkt oder

indirekt mit oder für Fabriken.”

Bernhard

Pankok,

Vitrine, 1899

“Sie wissen, daß sie ewig

dieselben Formen wiederkäuen,

daß sie nicht aus dem

Kreislauf der Stile

herauskommen.”

“Jedes Möbel muß in erster

Linie seinem Zwecke

entsprechend gebaut sein und

alle Verzierung muss sich der

Konstruktion und der

zweckmäßigen Form

unterordnen, darf niemals, wie

bei den Renaissance- und

Barockmöbeln üppig werden

und nur als Selbstzweck

existieren.”

Richard

Riemerschmid,

Schrank aus

Haus Thieme,

Rüster, 1902


Hermann Obrist, Wozu über Kunst

schreiben, 1899

Das also wäre Kunst:

gesteigertes, verdichtetes

Leben? So einfach wäre das?

Gewiß, so einfach

ist das.”

“Kunst gibt gesteigerte, intensive

Empfindungen,

Kunst ist kondensiert

empfundenes, kondensiert gegebenes

und intensiv nachgefühltes

Leben.”

Obrist, Bewegung, 1895


“Die Versuche, mit der „reinen Linie

und deren Bewegung" alles zu sagen,

was ornamental zu sagen ist, sind

zweifellos nicht nur berechtigt und

optisch sehr interessant, sondern

waren auch zugleich fast notwendig

geworden bei der alles

überwuchernden

Tapeziererornamentik, unter der wir

seit dem Wiederaufblühen unserer

Kunstgewerbeschulen fast erdrückt

wurden.”

“Der Künstler soll den Beschauer

gesteigert lebend, gesundend

entlassen, gesundend vom Katarrh

des bürgerlichen Lebens. Das sei das

Losungswort.”

Obrist, Denkmalentwurf, ca. 1900


Vorläufer England

William Morris,

The Bullerswood

carpet, 1889

Seite aus dem „Kelmscott

Chaucer“, Illustration

Edward Burne-Jones,

Typographie William

Morris, 1896

Charles Voysey,

Forster House,

1890


August Endell: "Formen und Farben lösen in uns

ohne Vermittlung, wie alles andere, das uns zu

Bewusstsein kommt, eine bestimmte

Gefühlswirkung aus. Wir müssen lernen, sie uns

auch wirklich zu Bewusstsein kommen zu lassen.

Wer es aber gelernt hat, sich seinen visuellen

Eindrücken völlig ohne Assoziationen, ohne

irgenwelche Nebengedanken hinzugeben, wer nur

einmal die Gefühlswirkungen der Formen und

Farben verspürt hat, der wird darin ein nie

versiegende Quelle außerordentlichen und

ungeahnten Genusses finden."


Hermann

Obrist,

Serviertisch,

1898


Bernhard Pankok,

Armlehnstuhl, 1899


Hermann Obrist 1902 zu den Arbeiten der

Schülerin Elisabeth Erber:

Bei der “Glockenblume im Welken” ist die

“Kurve nicht eine beliebig moderne gebogene

Linie; sondern sie sagt etwas aus; sie ist die

Senkung einer welkenden Pflanze im Herbste,

wo jedes Blatt im Welken sich fast qualvoll

krümmt. Die Spinngewebe ziehen den Stengel

vollends zu Boden” (zur “Welkenden Pflanze

mit Motte”) “Jeder Strich drückt intensiv auch

hier das müde Welken, das Sterben, das

Leiden der Pflanze aus, und bis zur Motte

hinab, die nächtig darüber kriecht, wird alles

zum Symbol unserer eigenen leidenden

Menschenseele”


Vincent van Gogh, Sonnenblumen, 1887


Endell spricht von “boshaften,

heimtückischen Ästen, keuschen

Gräsern und furchtbaren

grausenerregenden Blumen.”


Egon Schiele,

Kleiner Baum

im Spätherbst,

1911


Die wundervollen Wandlungen

des Pflanzenlebens

Hermann Obrist, Verschiedene

Stickereien der späten 1890er Jahre


Ernst Haeckel,

Kunstformen der

Natur, 1899 ff.


August Endell, Tisch, ca.

1899

August Endell, Tisch,

ca. 1900


Richard

Riemerschmid,

Musikzimmer, 1898/99


R. Riemerschmid, Haus Thieme, Wohn-und Speisezimmer, 1902/03


Bernhard Pankok, Rauchsalon (1900)

und Bücherschrank von 1899


Carl

Strathmann,

Entwurf für

einen Teller,

1897

Hans Eduard

von Berlepsch-

Valendas,

Schüssel, 1905

Hermann Gradl, Stücke aus dem

Fischervice1899


Riemerschmid, Steinkrug mit

Zinndeckel 1900

Riemerschmid,

Krug, 1902


Friedrich Adler,

Halskette,

1906

Ernst Riegel,

Kelch, 1903

Riemerschmid,

Kerzenhalter,

1897


Hans Eduard von Berlepsch-Valendas, Gittertür, ca. 1900


Otto Eckmann, Fünf

Schwäne-Teppich,

1896/97


Riemerschmid, Teppich 1902

Margarete von Brauchitsch,

Kissenbezug, 1904


Julius Diez,

Plakat, 1901

Bruno Paul, Plakat für

Kunst im Handwerk, 1901


Retour à

l'ordre

Hans Eduard von

Berlepsch-

Vallendas, Vase,

1905

Bruno Paul,

Kommode, 1908

Paul Haustein,

Vase, 1902


Josef Hoffmann,

Sitzgarnitur, 1904

Bruno Paul, Stuhl,

1905

Charles Rennie Macintosh,

Stuhl, 1904


Riemerschmid,

Maschinenmöbel,

Typ 1: Einrichtung

für 570 Mark


Hans

Schmithals,

Komposition in

Blau, 1902


Adolf Hölzel, Birken im Moos, 1902


Adolf Hölzel: „Die Natur ist ja in Wirklichkeit nicht

einfach. Aber dem künstlerischen Gefühl wird es

vorbehalten bleiben, die Natur auf eine

zweckentsprechende Einfachheit

zurückzuführen. Man wird deshalb nicht vom

Gegenständlichen ausgehen dürfen, sondern

das Gegenständliche muß, um künstlerisch zu

erscheinen, aus den künstlerischen Mitteln

entwickelt werden.“

Das Bild ist eine Welt für sich, die eigens und

gründlich erforscht werden will.”


Ludwig Dill,

Pappeln am

Wasser, 1904

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