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K u n s t z e i t u n g

HARTMUT TRACHE IN DER GALERIE LATERNE

LaTerne

AUSSTELLUNG VOM 18.10. - 08.12. 2010 Karl -Liebknecht Str. 19 - MO - FR 10-16 Uhr

Nr. 4 2010


Abb.: „Assoziation-Tabak 3“ - Foto: Hartmut Trache


Die Chemnitzer Galerie LATERNE würdigt ein Arbeitsleben

im Dienste der Bildenden Kunst, das sowohl von beachtlicher

gestalterischer Qualität als auch von menschlicher

Haltung geprägt ist.

Die Galerie zeigt Hartmut Traches malerisches Schaffen,

als auch sein druckgrafisches Werk. Dabei hatte der Dresdner,

wie viele Künstler auch, seine Existenz zwischen Broterwerb

und Kunst geteilt und erst in den letzten 20 Jahren den

endgültigen Weg gefunden.

Im Augenblick redet ja alle Welt von gegenständlicher

Malerei. Hartmut Trache zeigt sich völlig unbeeindruckt. Im

Gegenteil, hat er sich doch vor reichlich 10 Jahren davon befreit.

Dabei spielt schon das unmittelbare Erlebnis von der

Natur eine wesentliche Rolle. So z.B. beobachtet er auf seinen

frühmorgendlichen Elbspaziergängen die Wirklichkeit,

um Organisches in seinem ständig mitgeführten Skizzenblock

festzuhalten. Es entstehen schlichte, fast kalligrafische

Blätter, oft mit nur wenigen gezogenen Strichen. Diese bilden

mal abstrakte Figuren, mal Konturen von Landschaften.

Dabei setzt er die kurzen senkrechten und waagerechten

Linien eben nicht geometrisch, sondern unruhig bewegt ein.

Später, bei der Umsetzung werden diese Linien kräftiger und

fügen sich zu immer größeren Flächen zusammen.

Hartmut Trache nimmt sich also Zeit, er beobachtet die

Vielfältigkeit der Natur. Erst nach langer innerer Auseinandersetzung

findet er zu einer bildnerischen Lösung, ob als

Acrylmalerei, als Pastell oder in der Druckgrafik. Dabei findet

sich nichts Spektakuläres, aber aus tiefstem Herzen heraus

entstehen wunderbare, ehrliche Arbeiten ohne heroischen

Gestus. Das Ergebnis sind großflächige, in sich ruhende,

harmonisch abgestimmte, von geistiger Spannung geprägte

Arbeiten. Auf Dunkel folgt Helligkeit, leise Töne gehen in

volle über. Stilles Ruhen wechselt mit temporären Farbklängen.

Dabei entstehen die besten Arbeiten, die anfangs am

meisten verunsichern. Also ist für Hartmut Trache die bildnerische

Auseinandersetzung ein Prozess, kein Zustand. Nicht

das Motiv als solches ist ihm wichtig, sondern die Neugierde,

mit Farbe, Pinsel, Spachtel oder mit der Radiernadel zum eigentlichen

Tun zu gelangen. Er möchte auf keinen Fall Realität

abbilden, sondern eine eigene Bildwelt schaffen, die den

Betrachter anregen, vielleicht aber auch etwas nachdenklich

machen sollte.

Hartmut Trache hat sich gerade in den letzten 15 Jahren

Reputation erworben mit Einzel- und Gruppenausstellungen

in verschiedenen Galerien in und um Dresden. Regelmäßige

Teilnahme am Dresdner Graphikmarkt beweist, was gut

funktionierende Graphik zu leisten imstande ist.

Über viele Jahre ist er Mitglied im Sächsischen Künstlerbund.

Die vom Künstler mit Bedachtsamkeit ausgewählten Arbeiten

sind nur ein kleiner Ausschnitt aus seinem umfangreichen

Lebenswerk.

Die Freundschaft zu dem Künstler und seiner Frau Gislinde

ist für mich eine wertvolle Bereicherung. Dafür und dass

ich Hartmut Trache auch ein Stückchen auf seinem künstlerischen

Weg begleiten durfte, bin ich froh und dankbar.


Abb.: H.Trache in seinem Atelier und beim Drucken

Im Vorfeld des 70.

Geburtstages von

Hartmut TRACHE

von Dieter Weise, Medingen

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Hartmut Trache ist ein Landschaftsmaler!

Dieser Satz birgt von vornherein die Gefahr des Missverständnisses

in sich, denn die hier gezeigten Arbeiten

verweigern sich zunächst einmal dem Klischee und damit dem tradierten

Begriff von Landschaft.

Deshalb möchte ich mit Ihnen meine Damen und Herren in den

nächsten Minuten ein wenig über das Phänomen Landschaft und

damit über die hier versammelten Arbeiten Hartmut Traches nachdenken.

Die Abbildung von Natur bzw. die Darstellung von Landschaftsformen

als umfassende Ansicht oder ausschnitthafte Teilwiedergabe

gehört neben den Inszenierungen derselben in Form

von Stillleben und Sujet, der Arbeit am Menschenbild in Form von

Porträt oder beispielsweise Akt zu den klassischen Ausbildungsund

Arbeitsfeldern der Bildenden Kunst. Bei der künstlerischen

Arbeit vor der Natur wird die visuelle und sinnliche Wahrnehmung

in verdichteter Form auf eine Fläche oder Form gebracht, es werden

von objektiven Gegebenheiten individuelle Sichtweisen, deren

räumliche, d.h. perspektivische und zeitliche Situation dargestellt.

Ohne das Phänomen Landschaft konnte und kann die Bildende

Kunst nicht auskommen. Auch die Kunst des 20. Jahrhunderts ist

geprägt von der Auseinandersetzung mit dem Thema Landschaft,

wobei mir selbst bei dem Begriff Landschaftsmalerei zuerst immer

Bilder der Romantik oder impressionistische Werke und Künstler

einfallen. Aber wir brauchen nur daran zu denken, welch wunderbare

Arbeiten uns Kirchner und seine „Brücke“-Kollegen aus unserer

unmittelbaren Umgebung (der Moritzburger Teichlandschaft)

hinterlassen haben.

Die Malerei des Informel mit ihrem suptiven emotionalen Gestus

und ihrem suggestiven Verständnis von Abstraktion hat. m. E.

sehr viel mit der Auseinandersetzung um Natur und Landschaft zu

tun. Auch Joseph Beuys, der große Magier und Mystiker, hat sich in

vielen seiner Arbeiten immer wieder diesem Thema gestellt. Aber

Künstler wie Christo oder Richard Long seien hier beispielhaft für

eine Kunst genannt, die Natur als Form thematisieren.

Damit sind wir bei den Pastellen und Radierungen von Hartmut

Trache angelangt. Die hier gezeigten Arbeiten entziehen sich wie

schon oben gesagt und wie unschwer zu erkennen zunächst einmal

unseren Seh- und Wahrnehmungsgewohnheiten von Landschaft.

Sie sind bestimmt von einer intensiven, ja leidenschaftlichen Suche

nach einer schlüssigen Abstraktion der Naturform. Die Abstraktion,

d.h. die Verallgemeinerung realer Natur- und Lebensbetrachtungen

ist das Thema, alles Abbildhafte bleibt zurück zugunsten

des allegorischen und der Metaphern, kurz gesagt, das Thema

lautet „ Natur als Form“.

Die Akademien des Hartmut Trache waren zunächst nicht die

alten, würdigen Gebäude mit den göldenen Zinnen und eher neuen

Lettern, auf deren Gängen es nach Ölfarbe riecht. Nein, Traches

Akademien waren die Dächer dieser Stadt, wo man den Blick

ins Weite schweifen lässt, großzügig und gelassen, wo aber auch

ein harter und kalter Wind um die Nase wehen kann. Dort oben

auf den Dächern dieser Stadt hat Hartmut Trache wohl das Gehen

gelernt, Wichtiges von Unwichtigen zu unterscheiden. Dort, wo

aus Landschaft plötzlich Form und Fläche werden, aus Wegen grafische

Linien, die das Land durchziehen, es durchschneiden oder

optisch zusammenführen. Dort wurden nicht nur Dachstühle gesetzt

oder Schindeln gedeckt, dort oben wurde der Blick geschärft,

den man braucht im Ringen um die eigene künstlerische Position.

Später hat der Künstler tatsächlich noch im ehrwürdigen Gebäude

Hartmut Trach

der Dresdner Akademie seine Studien getrieben, neben der schöpferischen

Unruhe war es wohl der Hang zur Genauigkeit, er wollte

die künstlerischen Techniken einfach beherrschen.

Das Ringen um eigene künstlerische Positionen hat Hartmut

Trache immer vorwärts gedrängt, spielten am Anfang noch reale

Naturformen und Inhalte in seinem Arbeiten eine große Rolle, so

sind diese im Laufe der Zeit durch Experimentierfreude und der

Suche nach neuen Ausdrucksformen Arbeiten gewichen, die sich in

hohem Maße durch Flächen, Farben, Farbräume, Linien, Schraffuren,

Kontrapunktik, strichhafte Zeichen, Konturen charakterisieren

lassen.

Dies trifft sowohl auf die Pastelle als auch auf die Radierungen

zu, wobei bei den letzteren eine große Lust am Experiment zu


e ist ein Landschaftsmaler!

erkennen ist. Die künstlerischen Ergebnisse seiner Arbeit lassen

erahnen, wie intensiv sich der Künstler mit der Natur beschäftigt

und auseinandersetzt. Es ist aber auch zu erkennen mit welcher

Leidenschaft um ein inneres Gleichgewicht, eine Mitte, gerungen

wird. So ist die Malerei Hartmut Traches auch Ausdruck von Reflexion

und Meditation des Lebens an sich.

Farbflächen werden durch Linien scheinbar geschnitten, andererseits

durch Bündelungen wieder verstärkt und zusammengeführt.

Schraffuren bilden eine fast räumliche Struktur, es entstehen

Innenräume, Farbexplosionen bilden einen merkwürdigen Gegensatz

zu kühlen zeichenhaft wirkenden Linien und Schnittstellen.

Poetisches schwingt zu uns herüber. Man denkt bei diesen Bildern

sofort an mediterrane Landschaften (und eventuelle Titelungen geben

dem dann auch recht) oder an vom Zahn der Zeit gezeichnete

Häuserfassaden. Andererseits haben die Blätter oft auch etwas

von Klängen – Klangstrukturen, etwas Musikalisches.

Auf jeden Fall wirken sie auf mich wie Allegorien auf Vergänglichkeit,

ein wenig Melancholie schwebt im Raum. Es ist, wie wenn

man von einer Reise zurückkommt und sich den Gewesenen gern

erinnert. So möchte ich Sie jetzt sozusagen auf die Reise schicken,

auf eine Reise durch die Farbstruktur- und Bildwelt von Hartmut

Trache. Gehen Sie auf Spurensuche von Allegorien, Klang, hellwachen

Tagträumen und Melancholie und entdecken Sie das Ihrige.

(H. Trache in der Galerie Sillack; Text: G.Schöttner / H.Weißflog)

Abb.grau: Hartmut Trache; Abb.farbig: „Impression - 07“


Hartmut Trache im Gespräch mit Fritz Schönfelder

Fritz Schönfelder: Beinahe fünfzig Jahre beschäftigt Dich schon das

Abenteuer Bildkunst. Vielleicht kannst Du diese Wegstrecke mit ihren

Höhen und Tiefen etwas beschreiben?

Hartmut Trache: Abenteuer Bildkunst ist wohl das richtige Stichwort.

Seit Kindheit an beschäftige ich mich mit der Malerei, die mich

neben meiner beruflichen Entwicklung nie losgelassen hat. Ich bin

Autodidakt und obwohl sich mir einige Bildungsmöglichkeiten geboten

haben, die ich auch genutzt habe, bleibt die Malerei für mich

ein Abenteuer. Da gibt es für mich auch noch viel zu entdecken, dabei

blieben Höhen und Tiefen nicht ausgeschlossen. Ich unterliege

in meiner Malerei großen Stimmungsschwankungen und wer mich

kennt, wird das auch bemerkt haben. Wenn ich mal schlecht drauf

bin, so hat mich die Malerei, aber besonders die Druckgrafik wieder

aufgefangen. Da ist man in einem anderen Element, da sind Farbklänge,

Harmonie, Bildaufbau, Formen usw. gefragt, man denkt

über nichts anderes mehr nach und man hofft höchstens, dass das

der Betrachter nicht mitbekommt.

F.S.: Jahrzehntelang warst Du neben der künstlerischen Arbeit auch

als Dachdecker tätig. Ein Beruf, der Selbstsicherheit, Balance, Übersicht

und Draufsicht fordert. Gibt es da eine ursächliche Verbindung

zwischen diesem Handwerk und Deiner Kunst?

H.Trache: Ich habe nie darüber nachgedacht eine ursächliche

Verbindung zwischen Beruf und der Malerei zu haben und wenn,

dann im Unterbewusstsein. Meine Sehnsucht ist schon die Stimmigkeit,

das Ausbalancieren, die Übersicht. Den Beruf eines Dachdeckers

musste ich erlernen, habe das auch nie bereut, da ich die

Lehrstelle eines Grafikers nicht bekam. Daran waren sicher meine

Schulnoten Schuld. Der Beruf hat mich aber nicht gehindert, bei der

Ausübung mich malerisch zu betätigen. Die Balance zwischen Beruf

und Kunst bestand immer, und die Malerei sicher ein Ausgleich zur

meiner schweren körperlichen Arbeit. Das Handwerkliche kommt

vielleicht in der Druckgrafik am stärksten zum Ausdruck.

F.S.: In einem Vorwort zu einer Deiner Ausstellungen wirst Du als

Erzähler bezeichnet. Wie siehst Du diese Rolle in einer Zeit, die Bildgeschichten

favorisiert?

H.Trache: Ist mir ehrlich gesagt noch gar nicht aufgefallen, dass

heute Bildgeschichten favorisiert sind. Mir fällt auf, dass die Fotografie

und die Digitalisierung sehr im Vormarsch sind und da eher zu

Bildgeschichten neigen, wobei Bildgeschichten zu jeder Zeit mehr

oder weniger in den Vordergrund rückten. Ich habe sicher auch meine

erzählerische Zeit gehabt und habe sie noch, jetzt allerdings auf

eine andere Weise. Letztendlich haben viele Ereignisse um einen

herum auch irgendwo Einfluss auf meine Malerei und verstärkt


in der Kunstszene gehabt. Immer auf der Suche nach neuen

Ausdrucksmöglichkeiten kann ich mir noch spannende Zeiten

vorstellen.

F.S.: Ebenfalls in einem Vorwort findet sich die Bezeichnung

–„Landschaftsmaler“. In der Tat erinnern Deine Arbeiten, sei

es Acrylmalerei, sei es Pastell oder Radierung an Landschaftsgebilde.

Wie sind bei Dir die Wichtungen von realer Landschaft

und Seelenlandschaft verteilt?

H.Trache: Kann sein, dass ich sogar Landschaftsmaler bin,

vielleicht ein „Impressionistischer oder Formeller Landschaftsmaler“.

Auf alle Fälle beeinflusst mich die Natur in meinem

Schaffen ganz bewusst. Ich zeige die Landschaft nicht als reelle

Abbildung sondern bestimmte Elemente, dabei bezieht sich die

Grundidee immer auf einen Teil der Natur, hauptsächlich ist es

aber eine Farbe und Strukturen. Die Farbe, einmal im Auge lässt

sie mich nicht mehr los und ich versuche, sie auf die Leinwand

oder Radierplatte zu bringen. Dann beginnt der Kampf, die

reale Farbe mit ihren harmonischen Formen der realen Landschaft

in Einklang zu meinem Seelenfrieden zu bringen. Etwas

Bildhaftes in ein Bild zu bringen, den Betrachter zufrieden zu

stellen, hängt meiner Meinung nach sehr mit der Harmonie

der Farbenzusammenstellung zusammen die man dabei wählt,

natürlich auch mit den daraus entstehenden Formen die richtige

Balance der Farben im Bild zu finden. Mitunter entsteht

ein wochenlanger Dialog mit dem Bild und es kommt vor, dass

ich den Weg einschlage, den das Bild mir weist. Ich führe auch

nochmals Gespräche mit mir und lass die gesehene Natur Revue

passieren. Ich stelle auch vieles wieder in Frage, was auch

zwangläufig passiert, allerdings nicht immer zum gewünschten

Resultat führt.

F.S.: Viele Deiner Arbeitszyklen werden im Nachklang als Impressionen

angekündigt (Canarenimpression, Triebischtalimpression,

südliche Impression, Rügenimpression). Verstehst Du

darunter einen vorübergehenden verdichteten Eindruck von

einem Ort oder beinhaltet die Bezeichnung weit mehr?

H.Trache: Das ist richtig, viele meiner Arbeiten sind Eindrücke

(Impressionen), die oftmals nur von entstandenen Skizzen

umgesetzt wurden. Farbanmerkungen in Skizzen und neuerdings

auch Fotos, selbst gefilmte Videos sind mir dabei sehr

behilflich. Reisen bildet, wie man so schön sagt und so war und

sind für mich die daraus entstandenen Impressionen richtungsweisend

gewesen. Studienreisen nach Dänemark, in die Toska-

Abb.: Hartmut Trache; Variationen zum Thema Hochland


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Abb.: Arbeiten von Hartmut Trache

- unten links: „Impressionen -

10“; rechts oben: „In den Beskiden“;

Abb. unten: „Elbland“


jahrelang ein wichtiger Wegbegleiter ist, nicht nur als Mensch

sondern auch als Künstler. Seit 1974/75 sind wir befreundet, er

stand mir immer beratend zur Seite, ob als Anreger für meine

künstlerische Arbeit oder zum Mutmachen. Von da an habe ich

auch das Umgehen mit dem Abstrakten besser verstanden. Die

Arbeiten wurden immer gelöster, aber leider nicht besser, so

hatte ich den Eindruck. Erst die Reisen haben bei mir eine gewisse

Hemmschwelle gelöst und auch wesentlich beeinflusst.

F.S.: In Deinen Landschaften spielen menschliche Figuren eher

eine untergeordnete Rolle. Sie begegneten mir nur einmal in

der Radierung unter dem Titel „Strandläufer“. Ich empfand dies

als eine gelungene Bereicherung Deiner Arbeitswelten. Verzichtest

Du sonst bewusst auf die Einbeziehung von Personen oder

haben diese einfach keinen Platz im Gefüge Deiner abstrakten

Kompositionen?

na und Tschechien waren dabei, wo ich mich direkt vor der Natur

habe austoben können und versuchte, die Vielfalt der Natur

nachzuempfinden. Die unterschiedlichen Länder, die Menschen,

der Wind, das Meer, die Berge und vielleicht auch die Gerüche

haben auch viel dazu beigetragen. Ich komme von der realistischen

Malerei und habe erst ab 1986 während meines Studium

an der Spezialschule durch Ralf Schwedewsky mehr und

mehr zur Abstraktion gefunden. Auch Dieter Weise, der schon

H.Trache: Klar, das Figürliche fehlt in meinen Arbeiten,

wobei schon in meinen frühen realistischen Arbeiten Figürliches

und sehr viel Porträts zu finden sind. Einige sind auch

auf Radierplatte entstanden und es sind einfach auch Selbststudien,

die man auch Interessehalber gemacht hat oder machen

musste, aber nicht mehr der Rede wert sind. Heute erscheint

hin und wieder Figürliches als Schatten - Schemenhaftes zum

abstrakten Bild passend in meinen Arbeiten. Bewusst verzichte

ich darauf nicht, außer es wäre ein Ereignis, ich denke darüber

nach. Da fällt mir noch ein, nach einer Kunstreise durch Südfran-

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kreich gab es eine Erscheinung in Rot vor einem riesigen Hotel

in Nizza. Daraus ist das Bild „Duft“ entstanden und zeigt doch

etwas Figürliches, oder?

F.S.: Dein Künstlerkollege und Freund Dieter Weise bezieht sich

immer auf die direkte Natur, aus der er die Kraft schöpft. Wie

ist es bei Dir? Welche Quellen der Inspiration sind für Dich wichtig?

H.Trache: Nun wie ich schon erwähnt habe, geht es mir wie

den meisten Menschen, Kraft zu schöpfen in Verbindung mit

und aus der Natur. Also nicht nur den Künstlern geht es so,

aber die Künstler bringen da noch etwas zum Klingen, sie teilen

sich mit ihren Bildern von der Vielfalt der Natur, den Menschen

mit. Es ist einfach das Schönste und ohne die Kunst, sei

es Musik, Architektur, Theater usw. geht es nicht. Wie sagte

Christine Weise – Kunst ist dem Leben nah, ich möchte hinzufügen

- Kunst ist Leben. Daraus beziehe ich auch meine Quellen

und Inspirationen wie Strukturen, Formen, Harmonien und vor

allem die Farben. Die Natur gibt uns alles vor, man muss es

nur sehen und wir sehen eh daraus nur einen Bruchteil, weil

wir auch zu flüchtig hinschauen. Wir sehen und denken nicht

bewusst und irgendwer hat einmal gesagt: wir sehen nur das,

was wir kennen. Stimmt ja möglicherweise und der Punkt bei

dem Betrachten von abstrakten Bildern ist, man versteht - sieht

oder kennt die Dinge nicht.

F.S.: In diesem Jahr nun gab es einen Vulkanausbruch, der das

weltweite Fliegen erschwerte, gab es einen Erdölausbruch, der

im Meer das Schwimmen erstickte. Spielen solche oder ähnliche

globale Ereignisse als Erfahrung in Deiner Kunstwirklichkeit eine

Rolle?

H.Trache: Eigentlich weniger, dazu habe ich nicht die Zeit

mich bildgedanklich damit auseinanderzusetzen. Hätte ich aber

die Möglichkeit gehabt, so einen Ausbruch von nah zu sehen

und davon betroffen zu sein, dann wäre ich mit Sicherheit davon

inspiriert worden. Die Frage zielt aber sicher in eine andere Richtung

und da muss ich sagen, nein. Ich bin kein in dieser Richtung

Denkender, der sich diesen oder politischen Themen aussetzt.

Das Spannungsfeld des Gesellschaftlichen und Politischen überlasse

ich dann doch anderen. Es gab da mal ansatzweise Versuche,

aber das machte mir keinen Spaß, man verfällt da schnell

in Zorn. Den kann man auch so in der heutigen Zeit bekommen,

wenn man das ganze Theater sieht und die Menschen sich immer

mehr in Widersprüche verstricken.

F.S.: Gehörst Du eher zu den Saisonarbeitern oder ist Dein künstlerisches

Programm an einen regelmäßigen Tagesrhythmus gebunden?

Wie gestaltet sich so ein normaler Tagesablauf?

H.Trache: Ich glaube weder noch. Gedanklich bin ich immer

bei der Kunst bzw. bei meiner Arbeit und sei es nur der Dialog.

Wie kann ich an der gerade entstehenden Arbeit weitermachen

oder ändern. Dann gibt es Phasen, wenn der Punkt erreicht ist,

wie ich weiter arbeiten werde, dass ich einige Wochen hintereinander

arbeite. Es fließt dann gewissermaßen und da gebe ich

mich dem auch hin. Danach gönne ich mir eine Schaffenspause

und der Dialog mit dem Entstandenen beginnt. Fast jeden

Mittwochvormittag ist Drucktag, wo ich noch einige Räume in

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ins Abstrakte zu verfallen. Ach, hätte ich fast vergessen, natürlich

viel zeichnen, zeichnen - Formatskizzen anfertigen und sich

damit ins Gesehene hineinarbeiten. Alles Weitere findet sich

dann von selbst, na ja auf einen guten Rat sollte man sich dann

auch verlassen können.

F.S.: Vom Realismus der Vorwendezeit bis zur jetzigen erzählerischen

Realismuskonjunktur war es ein langer aber überschaubarer

Schritt. Wie siehst Du diese Entwicklung und hat sie für

Dich künstlerisch aber auch menschlich gesehen irgendwelche

Konsequenzen?

H.Trache: Nun, ich denke, dass sich nach der Wendezeit so

einiges für mich geändert hat. Wie schon beantwortet, waren

es zum einen die Reisemöglichkeiten und die neu entstandenen

Sichtweisen. Die wiederum benötigten ein anderes Herangehen

und ich bin von der Öl-, Pastellmalerei zur Acrylmalerei gewechselt

oder habe alles miteinander verbunden. Ich war schon

auf dem Weg zu abstrakten Bildern oder mittendrin, die Wende

hat dann alles beschleunigt. Bekanntschaften mit Künstlern aus

dem Hamburger Raum wurden geschlossen und haben nicht

nur mir deutlich gemacht, dass wir malerisch wie grafisch eine

sehr gute Ausbildung hatten, trotz des Realismus, den wir über

uns ergehen lassen mussten.

Abb.: Arbeiten von Hartmut Trache links: „Am Elberadweg“ Abb.

rechts oben: „Südliche Impression“ Abb rechts unten: „Morgenlicht“

meiner ehemaligen Firma nutzen kann. Nachmittags finden da

auch die Zirkelstunden statt, mit einer kleinen Malgruppe, die

ich noch betreue. Was dann noch bleibt, verbringe ich in Museen

und bei Vernissagen in Galerien. Also rundherum künstlerisches

Flair.

F.S.: Dresden als weltbekannte Kunststadt hat neben der Akademie

eine dichte Konzentration an bildenden Künstlern, die

gleichzeitig auch eine historisch gewachsene hervorragende

Qualität demonstrieren. Wie fühlt man sich in dieser Gemeinschaft

und wie ist das Klima der Künstler untereinander?

H.Trache: An sich gehöre ich nicht in die vordere Reihe, aber

mit der nötigen Hartnäckigkeit wird man doch irgendwann

wahrgenommen. Ich hoffe es jedenfalls. Zu den wenigen mir

bekannten Künstlern habe ich aber ein gutes Verhältnis, man

respektiert sich und den einen oder anderen Rat nehme ich

schon an.

F.S.: Du selbst hast Kunstschulen besucht und bist bis zum heutigen

Tage Leiter von Mal- und Zeichenkursen. Was hat für Dich

Priorität bei der Vermittlung der inzwischen weitgefächerten

Inhalts- und Ausdrucksformen?

H.Trache: In erster Linie lässt sich nur das Vermitteln, was

an Gesetzmäßigkeiten richtig ist, wie Perspektive und Proportionen.

Dabei möchte ich auch meine Erfahrungen und Kenntnisse

auf meine Art weiter geben. Danach sollte jeder frei arbeiten

und das auch und unbedingt vor der Natur. Dabei ist

auch die Farblehre sehr wichtig, da gibt es wohl die größten

Probleme. Es darf auch kein Zwang entstehen, nun unbedingt

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Abb.: „Assoziation Tabak 2“- Foto: Hartmut Trache

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F.S.: Als Künstler ist man in der Regel Einzelkämpfer und die

Arbeit verleiht einem die Kraft, Höhen und Tiefen zu bewältigen.

Schwieriger ist es schon für die unmittelbaren Angehörigen, mit

diesen Wechselfällen umzugehen. Welchen Zuspruch erfährst

Du diesbezüglich durch Deine Familie, Deinen Freundeskreis?

H.Trache: Hier würde ich gern einen Dank an meine Frau

loswerden, die mich in meiner künstlerischen Tätigkeit immer

unterstützt hat. Man kann sich das nicht vorstellen, wenn es

nicht so wäre. Ansonsten sind alle anderen Familienangehörigen

nicht so begeistert und sie haben Probleme bekommen

mit meinen Bildansichten. Es kommen da schon mal Meinungsverschiedenheiten,

Unverständnis und Kopfschütteln auf. Da

ich nur ein kleines Atelier habe, muss ich mich schon mal bei

längeren Malprozessen für kurze Zeit im Wohnraum ausbreiten.

Jeder kann sich das vorstellen, dass da schon mal kleine

Malheure vorkommen, die nicht immer im Guten ausgehen. Im

Freundeskreis sieht das entspannter aus, wobei die meisten aber

auch malerisch tätig sind.

F.S.: Wenn man über so lange Zeit sein Kunstfeld bestellt hat

und die verschiedensten Möglichkeiten für sich ausloten konnte,

bleiben dann noch Wünsche oder Visionen für die Zukunft oder

lässt Du Dich von der jeweiligen Situation überraschen?

H.Trache: Ja natürlich bleiben noch Wünsche offen, leider

behindert mich vor allem mein zu kleines Atelier daran. Noch

kann ich auch einige Räume, vor allem einen Druckraum in

meiner ehemaligen Firma nutzen. Bei der vor kurzem zu Ende

gegangenen Malwoche mit Dieter Weise und weiteren Kunstfreunden

ist mir schon eine Vision erschienen. Das werde ich

sicher demnächst versuchen umzusetzen, genau gesagt werde

ich mit mehr Materialien experimentieren und hoffen, dass es

meinen Vorstellungen entsprechen wird. Wenn die Kraft reicht,

wird auch in der Druckgrafik noch so einiges zu erwarten sein.

Gerade die Radierung lässt für mich noch vieles offen und ich

versuche, sie noch mehr an meine malerische Sicht anzupassen.

F.S.: Wie unterscheiden sich Deine neueren Arbeiten von den

früheren und welches Spektrum umfasst die Ausstellung in der

Galerie „Laterne“?

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H.Trache: Einige meiner letzten Arbeiten, die komplexer Art

sind, werden bei Euch in der Laterne zu sehen sein und etwas

ältere Arbeiten. Daran wird man sicher einige, aber keine wesentlichen

Veränderungen erkennen. Die neueren Arbeiten beziehen

sich auf Sizilien, wo wir im Frühjahr auf einer Bildungsreise

waren, also wieder Impressionen. Wenn es kälter wird, geht

es auch wieder an die Druckgrafik wo schon einige Entwürfe

entstanden sind. Ich werde also auch ein paar druckgrafische

Blätter bei Euch vorstellen. Was ich nicht hoffe, ist, dass es für

Euch keine Abenteuerausstellung mit mir wird, sondern eine Erfolgreiche

für beide Seiten. Ich Bedanke mich für die Möglichkeit

in der Galerie LATERNE ausstellen zu können - ein Dankeschön

an Herrn Andreas Schüller, Fritz Schönfelder sowie Frau Stiegler.

Großen Dank an meinen Freund Dieter Weise der mir freundlicherweise

wie immer beratend zur Seite stand. Ich freue mich

auch, wieder einmal in Chemnitz präsent zu sein, und auf die

Ausstellung selbst.

Abb.: links „Sizilianisches Flair“ Abb. rechts H. Trache bei der Arbeit

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Abb.: „Vision 2“- Foto: Hartmut Trache

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