Wupper VII - Kunstwanderungen

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Wupper VII - Kunstwanderungen

BL 19

An der Wupper

Haasenmühle – Leichlingen – Haus Vorst

– Opladen – Küppersteg – Rheindorf

Streckenwanderung

4 Stunden und 28 Minuten reine Wanderzeit

Bus 253

Rheindorf, Pützdelle Mo-Fr 7.17,8.17+stündl. Sa 9.22+stdl. So 11.22+stdl. bis 20.22

Leichlingen, Busbf. Mo-Fr 7.54,8.54+stündl. Sa 10.06+stdl. So 12.06+stdl. bis 21.06

Bus 250

Leichlingen, Busbf. Mo-Fr 7.58,9.15+stündl. Sa 10.07+stdl. So 12.25+stdl. bis 21.25

Soling.-Haasenmühle Mo-Fr 8.04,9.21+stündl. Sa 10.13+stdl. So 12.31+stdl. bis 21.30

Wir steigen in Haasenmühle aus, gehen Richtung haltend weiter, sofort rechts

auf „Wipperaue“, links auf „Ölmühle“, dann links auf den Schotterweg durch

Haasenmühle.

***** Historisches Ortsbild aus Fachwerk, teilweise verschiefert

und idyllisch am Bach erbaut, macht den Weiler zu einem

einzigen Bergisch-Land-Museum.

3 Minuten später wandern wir auf der Landstraße links bergab.

Scheidt,

*** Gut Scheidt, ein Fachwerkensemble,

danach auf einen *** Romantikweg oberhalb von Teichen.

20 Minuten später wandern wir auf der Durchfahrtsstraße in Hülstrung links,

kurz darauf rechts und folgen der Rhombe.

8 Minuten später wandern wir hinterm Baum mit dem Rhombenzeichen links

und über die Landstraße. – Später geht es vorbei an erster Sehenswürdigkeit in

Leichlingen.

Leichlingen wird 973 erstmals als Leigelingon erwähnt. Im 10. Jh. ist auf der Wupperinsel

die erste Kirche am Ort nachweisbar. Im 15. Jh. entsteht der Marktplatz Leichlingen

mit einer Gerichtswiese. Um 1850 entwickelt sich hier bedeutende Textilindustrie.

1956 erhält der Ort Stadtrecht, ist allerdings bis ins 19. Jh. hinein Streusiedlung. Der

seit dem Mittelalter bezeugte Obstanbau hat der Stadt den Beinamen „Blütenstadt“ gegeben.

– Leichlingens berühmtester Sohn ist der Philosoph Friedrich Überweg (1826-

1871).

*

*** Eicherhof, das Herrenhaus von 1763, besitzt Remisengebäude

um eine Gartenanlage herum.

5 Minuten später wandern wir hinter links erbautem Kindergartenparkplatz

rechts, zwischen Tennisplätzen her und vor der Wupper links.

7 Minuten später wandern wir in die

*** Ev. Kirche. An Stelle eines Vorgängerbaues hat man zwischen

1753 und 1756 das bestehende Kirchenschiff hochgezogen.

Der ehemals romanische Turm, 1853 nach Blitzschlag abgetragen,

wurde Jahre 1877 im neoromanischen Stil mit Spitzhelm

errichtet.

Das Innere. Die Einrichtung entspricht der Bauzeit: barocke

Kanzel von 1760 und Rokokodeckenmalerei.

Wir gehen aus der Kirche hinaus, queren linksversetzt den „Marktplatz“ und

gelangen in den historischen Kern der Stadt mit Gasthof sowie

*** Fachwerkhäusern, teils noch aus dem 16. Jh., meistens jedoch

aus dem 19. Jh., bisweilen verschiefert.

3 Minuten später wandern wir rechts aufs „Märzgässchen“.

3 Minuten später wandern wir in die Kirche

*** St. Johannes Baptist. Der neugotische Bau von 1903 besitzt

Ausstattung und Glasgemälde der Bauzeit.

Der Chor. In den Fenstern befinden sich Glasgemälde; Geschehnisse

des Neuen Testaments (die Großen Gläser oben)

werden Geschehnissen des Alten Testaments (die kleinen Gläser

unten) gegenüber gestellt; von links nach rechts: Geburt

Linker Querschiffarm. Frontwand, in den Fenstern: Markus und

Matthäus; darunter: Elisabeth mit dem Johannesknaben. Außenwand:

Fenster mit der Krönung Mariens.

Rechter Querschiffarm. Frontwand, in den Fenstern: Lukas und

Johannes Evangelist; darunter: Johannes der Täufer. Außenwand:

Fenster mit Jesus, dem Kinderfreund.


Mittelschiff. Kanzel des 18. Jhs., Rokoko, mit Michael auf dem

Schalldeckel und den vier Evangelisten auf dem Korb.

Wir gehen aus dem Turmportal der Kirche hinaus, auf der Querstraße links

und halten uns rechts.

2 Minuten später wandern wir auf dem Busbahnhof links, rechtsversetzt über

die Querstraße in die Anlage, die wir rechtsdiagonal durchschreiten.

10 Minuten später wandern wir links durchs Tor.

3 Minuten später wandern wir in die Burg

*** Haus Vorst. Vermutlich wurde die Burg auf dem Bergsporn

von Dietrich von Forst (Voirste) im 13. Jh. erbaut. Nach

1400 finden wir hier die Geschlechter von Quadt, von Nideggen,

von Gahlen, von Velbrück und von Mirbach.

Von der mittelalterlichen Befestigung sind heute noch vorhanden

das Torwächterhaus mit betagter Linde, der Bergfried mit

einem spätgotischen Portal, ein Rundturm und die Ringmauer.

Das Herrenhaus mit dem Treppengiebel entstammt den Jahren

1832/33.

Der Maler Werner Peiner erwarb die Burg im Jahre 1948.

Werner Peiner

Der Maler wird 1897 in Düsseldorf geboren und ist an der

Kunstakademie dort Schüler von W. Döringer. Ebenfalls in

Düsseldorf gründet er 1920 mit Fritz Burmann und Richard

Gessner jr. den „Dreimann-Bund“. Es entstehen Bildteppiche,

Wandgemälde, Mosaiken im Verwaltungsgebäude der

Rhenania-Ossag in Hamburg, Glasmalereien in den Fenstern

des Shell-Hochhauses in Berlin und im Verwaltungsgebäude

des Deutschen Versicherungskonzerns in Berlin. In der Marienkirche

zu Mühlheim-Ruhr entsteht das Gemälde: Segnender

Christus. Nach Reisen in die Niederlande, nach Italien, Spanien

und Österreich erhält er 1933 eine Professur an der Düsseldorfer

Kunstakademie, einen Lehrauftrag für Monumentalmalerei.

Seit 1936 leitet er eine Meisterschule in Kronenburg/Eifel. Bis

zu seinem Tode 1984 lebt Peiner auf Haus Vorst. – Seine Werke

aus den 20er Jahren werden der Neuen Sachlichkeit zugerechnet.

Die Entwürfe zu seinen Gobelins Deutsche Schicksalsschlachten

für die Neue Reichskanzlei sind im Landesmuseum

Bonn ausgestellt.

*

Wir gehen aus dem Burginnenhof hinaus auf gekommenem Weg zurück.

*** Eiche. Dieser Baum hier ist auf Grund seines Alters, das an

die zweihundert Jahre reicht, ein Naturdenkmal.

Die Eiche

(Quercus) zählt zu den Buchengewächsen. Sie kommt in den

nördlichen Zonen in rund 550 Arten vor. Am meisten verbreitet

ist sie in Nordamerika. Eichen können bis zu 50 m hoch wachsen

und über 700 Jahre alt werden. Die Feme-Eiche von Erle in

Westfalen allerdings ist über 1500 Jahre alt. Der knorrige,

starkastige Baum mit unregelmäßiger Krone und tief rissiger

Borke bringt als Frucht Eicheln hervor.

Hier handelt es sich um eine Stieleiche. Sie kommt in Europa

am häufigsten vor. Der Stamm ist oft über zwei Meter dick. Die

Lebensdauer dieser Sommereiche reicht über 500 Jahre.

Das Holz der Eiche ist wegen seiner Härte als Bauholz außerordentlich

beliebt und – wenn es das gäbe – ewigkeitsüberdauernd.

Die Eiche, der Baum des germanischen Gottes Donar, wurde in

heidnischen Zeiten für heilig gehalten. Sie galt als Sinnbild

deutscher Kraft und spielt noch heute im Volksaberglauben ihre

Rolle. Ihr Laub ist Zeichen des Sieges.

*

20 Minuten später wandern wir hinterm Bolzplatz links und beginnen am

Fachwerkhäuschen die Besichtigung von

138 Min.

Opladen.

Opladen ist 1168 erstmals als Upladhin belegt. 1264 ist ein Jacob von Ophoven in Opladen

Truchsess des Grafen Adolf von Berg. 1380 ist der Ort Sitz des Ritter-, Hoch- und

Hauptgerichts. 1628, im 30jährigen Krieg wird die Wupperbrücke, Hauptverbindungsglied

zwischen Köln und Düsseldorf zerstört und 1636 wieder aufgebaut. 1795 liefern


sich französische und deutsche Truppen erbitterte Kämpfe an dieser Brücke. 1816 wird

der Landkreis Opladen gegründet. 1858 erhält der Ort Stadtrecht und wird 1914 Sitz der

Kreisverwaltung des Rhein-Wupper-Kreises. 1975 wird die Stadt mit der Stadt Leverkusen

Großstadt Leverkusen vereinigt

*

*** Waldhaus Römer. Der wupperauf stehende Teil des kleinen

Fachwerkbaus wurde 1915 als Sommerhäuschen der Familie

Römer errichtet. Der Verbindungstrakt und der wupperab

stehende Anbau kamen als Erweiterung später hinzu, so dass

eine kleine zweihöckrige Anlage mit Sattel entstand.

Wir kehren um, queren den Hauptweg, wandern auf dem Querweg links und

halten uns rechts.

3 Minuten später wandern wir auf dem gekrümmten Querweg links, an der

Kreuzung links auf die „Haus-Vorster-Straße“ und halten uns stets links.

4 Minuten später wandern wir zum

*** Friedenberger Hof. Im Jahre 1168 ist hier eine Familie

von Upladhin nachweisbar, auf die der Name „Opladen“ zurückgeht.

Danach bewohnt den Sitz ein Ritter Gottschalk Starke,

später eine Familie von Quadt. 1620 wird die Anlage nach

dem hier sesshaften Geschlecht der „Wreden“ bereits „Vredenberg“

genannt, 1715 „Fredenberg“ und 1825 „Friedenberg“.

Der Name der kleinen Burg rührt also nicht von Wort und Begriff

Frieden her.


Der über sechshundert Jahre alte mittelalterliche Bau zeigt sich

nach baulichen Veränderungen der Jahrhunderte im Kleid des

16. Jhs. als verputzter zweigeschossiger Backstein-Bruschsteinbau

mit Treppengiebel und rundem Turm, der von einer geschweiften

Haube bekrönt wird. Im Inneren des Hofes befindet

sich eine kunstvoll gewundene Eichenholztreppe. Die Küche

des Burghauses ist mit einer „Kölner Decke“ versehen; das sind

mit Ovalen überzogene Balken, eine Besonderheit die kaum

noch anzutreffen ist. Das Innere der Burg ist nicht zu besichtigen.

Wir kehren um und bleiben Richtung haltend auf der Straße „Am Kreispark“.

3 Minuten später wandern wir auf dem Querweg im Park links, kurz darauf

bei den Stufen rechts bergauf und auf dem Querweg links. Links steht eine

*** Blutbuche, die an die zweihundert Jahre alt ist.

Die Buche

Buchen können 30 Meter hoch und bis zu 300 Jahren alt werden.

Allerdings wird nur 1% älter als 150 Jahre.

Die Blutbuche (Fagus sylvatica „Purpurea“) ist in Mitteleuropa

weit verbreitet. Sie ist dicht verzweigt mit herabhängenden Ästen

und, falls sie frei steht, ausladend.

Sie besitzt im Austrieb glänzend dunkelrote, später matt

schwarzrote Blätter, die 5 bis 10 cm lang werden und 5 bis 9

Seitennervenpaare bekommen. Für die Färbung sorgt Anthocyan,

ein wasserlöslicher Pflanzenfarbstoff, der im Zellsaft des

Blattabschlussgewebes gelöst ist. Die schwarzrote Farbe entwickelt

sich im Zusammenwirken mit dem Blattgrün der darunter

liegenden Zellen. Vollblüte und Fruchtbildung geschieht nur alle

4 bis 5 Jahre. Die kleinen dreikantigen Bucheckern sind ab

September und dann in Maßen essbar.

*

Kurz darauf wandern wir an der Treppenkreuzung bei der Platane nach rechts.

*** Platane. Dieses Naturdenkmal ist weit über 150 Jahre alt.

Der prächtige hohe Baum hier bildet, was sein Ausmaß angeht,

eine, allerdings häufig vorkommende, Ausnahme.

Die Platane

Die Herkunft der gewöhnlichen Platane (Platanus x acerifolia)

ist unbekannt. Vermutlich ist sie ein Bastard zwischen der morgenländischen

und der amerikanischen Platane. Sie wächst auf

tiefgründigem, frischen Boden, ist anspruchslos, stadtklimagewohnt

und, vor allem, abgasverträglich.

Die Platane ist meistens kurzstämmig, mit breiter Krone und

herabhängenden Zweigen. Ihre Borke ist gelb bis graubraun.

Sie löst sich in größeren Lappen ab. Die 15 bis 25 cm breiten


ahornartigen Blätter, drei- bis fünflappig, sind nur bis zur Mitte

eingeschnitten. Die Blüten der Platane sind unscheinbar und in

lang gestielten, kugeligen Ständen. Die Fruchtkugeln, an langem

Stiel, treten meist zweisam auf. – Im Möbelbau ist sie gut

verwendbar.

2 Minuten später wandern wir in die

*** Villa Römer, Museum mit Wechselausstellungen (Sa 14-17

Uhr, So 11-17 Uhr). Der Fabrikant Albert Römer, der aus einer

Fuhrmannsfamilie stammt und gegen seinen Willen Färber

wird, errichtet im Jahre 1865 an der Wupper eine Färberei, die

sich schnell ausdehnt. Als Albert Römer 1915 stirbt hat sein

Sohn Max bereits die Färberei übernommen. Max Römer beauftragt

im Jahre 1905 den Architekten Paul Linder, ihm eine Villa

oberhalb der Wupper, auf dem Frankenberg zu erbauen. Der

dort bestehende Bau des Freiherrn von Hauer wird dazu abgetragen.

Entsprechend dem Geschmack der Gründerzeit, der

Bauten mit Türmen, Erkern, Fachwerk, Balkonen usw. bevorzugt,

entsteht eine Villa eben dieses Stils mit reicher Dachlandschaft.

Das Innere ist großräumig genutzt: Flurhalle, Salon,

Wintergarten usw. – Ihrer Lage wegen wird die Villa Römer in

der Bevölkerung „Haus Frankenberg“ genannt.


Von 1933 bis 1939 ist die Villa Römer Rathaus von Opladen,

gerät dann an den Rhein-Wupper-Kreis.

Nach 1945 residiert hier die britische Militärregierung. Heute

ist der Patrizierbau Stadtgeschichtliches Museum. Im Treppenaufgang

befindet sich seit dem Jahre 2002 eine Gravur in Glas.

Es zeigt acht Motive der Textilverarbeitung. Das Glas wurde

Mitte der 50er Jahre des 20. Jhs. graviert, und zwar für eine

mittlerweile stillgelegte Textilfabrik.

Der Fabrikant Albert Römer

stellt ein Musterbeispiel sozialen Verhaltens dar. Kommerzienrat

Albert Römer, evangelischer Christ, vielfacher Millionär,

münzt seine Überzeugung in Mitmenschlichkeit um. Viele Stiftungen

und Schenkungen gehen aus seiner Arbeit hervor, an

denen besonders Arbeiter partizipieren. Er baut Häuser für sie,

und richtet Kleingärten ein. Eine Einkaufsgenossenschaft geht

auf seine Initiative zurück.

Zudem setzt er sich auf dem Wege der Politik für seine Wahlheimat

Opladen ein. Er ist Gründungsmitglied im Gemeinnützigen

Bauverein. Er ist jahrelang Erster Beigeordneter, er ist

Stadtverordneter in Opladen, Schöffe, und sitzt im Kreistag sowie

im Provinziallandtag. 1893 lässt er sich für die Fortschrittliche

Volkspartei im Reichstag aufstellen.

Im religiösen Bereich ist er im Kirchenvorstand der ev. Kirche.

*

Wir gehen aus dem Museum hinaus und nach rechts.

1 Minute später wandern wir zum

*** vom Stein-Brunnen. Der Brunnen zu Ehren des Freiherrn

vom Stein wurde 1914 vom Fabrikanten Max Römer gestiftet.

Der Obelisk trägt eine Platte mit dem Bildnis des Gelehrten.


Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein.

Stein, 1757 in Nassau geboren, studierte in Göttingen Rechtswissenschaft

und praktizierte anschließend im Reichskammergericht

in Wetzlar. 1780 trat er in preußischen Staatsdienst und

wurde 1796 Oberpräsident der Westfälischen Kammern. 1804

wurde er zum preußischen Finanz- und Wirtschaftsminister ernannt.

Er half, Preußen gegen Napoleon zu rüsten. 1807 wurde

er von Kaiser Wilhelm III. entlassen, aber schon im selben Jahr

als Staatsminister berufen. Er beseitigte nun alle ständischen

Beschränkungen und führte die Selbstverwaltung der Städte ein.

Selbstverwaltung der Landgemeinden, Kreistage, Provinziallandtage

waren weitere Reformen. 1808 bat vom Stein um Entlassung.

Er wurde von Napoleon geächtet und lebte als Flüchtling

in der Tschechei. Als Berater des russischen Kaisers Alexander

I. trägt er zur Niederlage Napoleons bei. 1813 initiiert er

das russisch-preußische Bündnis und leitet die von französischer

Herrschaft befreiten Gebiete. 1818 zieht er sich nach

Westfalen zurück, wo er 1831 auf Schloss Cappenberg stirbt.

*

Hinter dem Brunnen steht das

*** Landratsamt. Der zweigeschossige Putzbau wurde 1914

in neobarocken Formen als Landratsamt errichtet. An die Ecke

hat man einen Treppenturm mit Kegeldach eingestellt. Mittelrisalit

und Säulenportikus, der einen Balkon trägt, geben dem

Bau unter verschieferten Mansardwalmdächern ein herrschaftliches

Aussehen. Heute ist im Gebäude das Stadtarchiv Leverkusen

untergebracht.

Die bis zum Jahre 1975 freie Kreisstadt Opladen war als Mittelpunkt

des Rhein-Wupper-Kreises Sitz eines Landrats, der in

diesem Gebäude sein Domizil hatte.


Das Landratsamt

Das Amt ist der Sitz des Landrats. Es gibt den Landrat als

Hauptverwaltungsbeamten des Landkreises sowie Behördenleiter

der Kreisverwaltungsbehörde; als solcher ist er Vorsitzender

des Kreistages oder Kreisausschusses. Es gibt ihn aber auch als

ehrenamtlichen Vorsitzenden des Kreistages. In seiner Funktion

als Behördenleiter fasst der Landrat die kommunale und staatliche

Verwaltung auf der Kreisstufe zusammen. Begriff und Institution

des Landrats gehen auf die frühere preußische Verwaltungsorganisation

zurück, die dem Landrat, entsprechend dem

Kreisordnungsentwurf des Freiherrn vom Stein, eine fest umrissene

Stellung für die staatliche Verwaltungseinheit Kreis zuweist.

*

Wir kehren um, gehen in den Park,

hinterm Parkplatz rechts und vorbei am

*** Kutscherhaus, das 1905 als Gesindebau zur Villa Römer

erbaut wurde und stilistisch mit der Villa identisch ist.


2 Minuten später wandern wir linksversetzt über den Querweg beim

*** Brunnenhäuschen aus derselben Zeit, in der die Villa Römer

erbaut wurde, also 1905, ein romantisches Relikt mit großem

Ziehrad.

Wir gehen kurz darauf bei der Platane über den Querweg, danach hinter der

Buche rechts bergab und auf dem Asphaltquerweg abermals rechts, bergab.

*** Platanenallee

rechts durch die Unterführung auf die

*** Kastanienallee von 800 Metern Länge.

Die Kastanie

Die Weiße Rosskastanie oder auch Gemeine Rosskastanie oder

auch Aesculus hippocastanum, kurzstämmig unter hoch gewölbter

Krone, ist ein bis zu 25 m hoher Baum mit weißen, rot

und gelb gefleckten, in aufrechten Rispen stehenden Blüten,

fünfzählig gefingerten Blättern und gestachelten Kapselfrüchten.

Sie ist als rasch wachsender Allee- und Parkbaum beliebt.

Extrakte aus den Blüten werden in der Medizin verwendet. Der

braun glänzende Samen mit großem, hellem Nabel ist im Herbst

ein beliebtes Bastelzubehör.

*

7 Minuten später wandern wir an der Gabelung kurz vor Ende der Allee rechts

auf den Pfad und folgen stets der Rhombe.

*** Mühlengraben. Der Graben wird 1839 vom Freiherrn

Franz Egon von Fürstenberg-Stammheim auf Schloss Reuschenberg

errichtet. Der Graben versorgt die Weiher rings ums

Schloss, treibt aber auch die Mühlräder an. Die Reuschenberger

Mühle bezieht ihr Wasser ursprünglich von der Wupper. Gestaut

wird das Wasser auf Höhe des Wiedereintritts des Mühlbachs

in den Fluss. Erst ab 1839 speist sie der Mühlengraben.

Durch den Stau des Oberspiegelwassers und durch die Vertiefung

des Unteren Grabens wird das Gefälle erhöht. War das

vormalige Gefälle für die alte Mühle noch 1,5 Meter, so beträgt

das Gefälle nun 5,5 Meter.


Später kommen wir vorbei an einer ** Schleuse der Zeit um 1900, deren romantisch

von Ranken bewachsene Mäuerchen von einem Jugendstilgitter geziert

werden.

10 Minuten später wandern wir links zum „Wildpark“ in 190 Min.

Küppersteg.

Küppersteg ist ursprüngliche Posthaltestelle an der Dhünn. 1845 wird der Ort Bahnstation.

Im 19. Jh. gehört der Ort zur „Sammtgemeinde“ Opladen. Heute ist Küppersteg ein

Teil der Großstadt Leverkusen.

*

An der Ecke hier steht eine Stehle. Sie erinnert ans

Schloss Reuschenberg.

Burg Reuschenberg wird erstmals im 13. Jh. erwähnt. 1477 bewohnt

es die Familie Eller. Nach 1595 wird das Wohnhaus

stark verändert. Es folgen daraufhin mehrere Herren unterschiedlichen

Namens, darunter 1767 Kaspar Josef Karl Freiherr

von Mylius, der Obrist und Kommandant der stadtkölnischen

Truppen ist. Später wird er österreichischer Generalmajor werden.

Seine Nachfahren verkaufen das Schloss 1831 an den Baron

von Fürstenberg-Stammheim, der im Kriegsjahr 1870 dort

ein Lazarett einrichtet. 1885 fällt das Schloss Flammen zum

Opfer. Nach schmuckloserem Wiederaufbau des Schlosses zieht

ein Restaurant in die Räume, das an Sommertagen überlaufen

ist. 1968 erfolgt der Abriss.

*

5 Minuten später wandern wir beim Friedhof auf den ersten Weg rechts.

1 Minute später wandern wir in den

*** Wildpark Reuschenberg. Im Tierpark werden auf 44.000

qm 400 Tiere aus 64 Tierarten artgerecht gehalten. Darunter befinden

sich Mufflons, Damwild, Fischotter und Luchs sowie

Vögel aller Arten, u. a. Störche. Mehr als drei Viertel des Bestandes

zählt zu den bedrohten Arten. Kinder dürfen nicht nur

staunen sondern manche der Tiere auch streicheln. Erwachsene

informieren sich auf dem Vogelschutzlehrpfad und dem Waldschadenslehrpfad.

Führungen werden angeboten.

Wir gehen aus dem Wildpark hinaus.

1 Minute später wandern wir an der Kreuzung links.

6 Minuten später wandern wir auf dem Querweg vor dem Mühlenbach links.

3 Minuten später wandern wir an der Gabelung bei der Mühle links. Es ist die

*** Reuschenberger Mühle. Der Vorgängerbau dieser Mühle

wurde 1477 von Herzog Wilhelm von Berg der Familie Eller zu

Burg (Bürrig) als Schrot- und Ölmühle überlassen. Den heutigen

Bau hat 1846 der Grafen von Fürstenberg-Stammheim errichtet.

Während eines Manövers im Jahre 1857 auf Schloss

Reuschenberg besichtigte Kaiser Wilhelm I. die moderne Mühle.

Ab 1863 wurde die Ölmühle nicht mehr betrieben, die

Schrotmühle ab 1872 nicht mehr. 1881 hat man die Mühle zu

einem Holzschleifereibetrieb umfunktioniert; hergestellt wurde

Holzstoff zur Papiererzeugung. Ab 1896 diente sie zur Herstellung

von Papierstoffen aus Lumpen. – Stilistisch ist die Anlage

dem Klassizismus zuzurechnen. Heute befindet sich Kleinindustrie

in diesem Industriedenkmal.

1 Minute später wandern wir zum

*** Wegkreuz von 1699 unterm Kirschbaum. Es zeigt ein Allianzwappen

der adeligen Familien Diepental und Cronenberg,

in deren Besitz Schloss Reuschenberg war. Das Wappen schildert

auf der rechten Schauseite im unteren Feld einen Berg und

im oberen, durch einen Querbalken getrennten Feld eine Krone.

Man wird das wohl als Cronenberg deuten dürfen. Die linke

Schauseite zeigt ein durch einen Schrägbalken geteiltes Wappen;

hier im Oberfeld eine Pilgermuschel. Die Deutung ist nicht

klar und mag symbolisch sein. Das untere Feld ist leer.

Wir kehren um und gehen durch die Unterführung.

3 Minuten später wandern wir links auf der Brücke übern Mühlengraben, halten

uns stets links, aber immer auf festem Weg und folgen der Rhombe.

Wir befinden uns seit Erreichen des Friedenberger Hofes – und nun noch bis

zur Mündung der Dhünn in die Wupper in geschichtlich interessantem Raum.

Der Heerweg

Wir befinden uns im Raum des frühmittelalterlichen Heerweges

nach Soest, der hier begann, zwischen der Wuppermündung

und der Dhünn, die bis ins 19. Jh. noch unweit von hier in den


Rhein mündete. Hier, an der seichtesten Stelle des Rheins wird

in fränkischer Zeit eine Fähre über den Strom geführt haben.

Für Heerwege zieht man Höhenzüge den Flussniederungen vor.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Kein Sumpf wie in den Niederungen,

fester Boden, Wasserquellen am Wege, gerader und

ebener Verlauf über weite Strecken, freie Übersicht und weniger

Hinterhalt, kein Brückenbau. Der kleine Nachteil des Aufsteigens

und Abfahrens ist für Pferd und Karren kein Problem.

Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio, 1845: „Aus dem

Park von Reuschenberg führen mehrere Pfade durch die reizende

Wupperau nach dem nicht über eine Viertelstunde entlegenen

Opladen. Das eigentliche alte Dorf Opladen zieht sich von

der Heerstraße, der Wupper entlang, während der neuere Flecken

des Namens an der Stelle um die Heerstraße drängt, wo

diese den Wuppergrund durchschneidet.“

*

durch *** Auenwald, bleiben nächst dem Wasser und haben *** Ansichten

von der anderen Rheinseite mit dem Ort Rheinkassel. Dort steht die Kirche

*** St. Amandus. Die dreischiffige spätromanische Pfeilerbasilika

mit starkem Westturm stammt im Kern aus dem 11. und

12. Jh. Der Anblick von St. Amandus auf der anderen Rheinseite

zählt zu den wenigen überaus malerischen am Niederrhein.

Wir befinden uns in geschichtsträchtigem Raum, der bei den Römern, aus bestimmten

Gründen aber auch im frühen Mittelalter große Bedeutung hatte.

Das Nibelungenlied.

Wenn das Nibelungenlied teilweise auf wirklichem Geschehen

beruht, so darf man vermuten, dass diese in Leverkusen, das es

damals natürlich noch nicht gab, im 5. Jh. über den Rhein gesetzt

haben. Denn hier war die niedrigste Stelle am gesamten

Rhein. Somit war die Furt bevorzugter überging über den

Strom. Vermutlich meint der römische Geschichtsschreiber Tacitus,

jene Übergangsstelle über den Rhein, wenn er zwischen

65 und 70 v. C. schreibt: Der Rhein war infolge einer im dortigen

Klima unbekannten Trockenheit nicht schiffbar. Entlang

des gesamten Ufers waren Wachtposten verteilt, welche die

Germanen von den Furten fernhalten sollten. Man kann annehmen,

dass sich Dietrich von Bern (Bern, wie es auf einer erhaltenen

Münze im Rheinischen Landesmuseum steht, = Bonn,

das im Mittelalter noch Verona diesseits der Alpen genannt

wurde, auf nordisch: Bern) auf dem Weg nach Soest, ins Bertangaland

befand. Er reiste über Köln, das damals Babilonia

genannt wurde, entlang dem Strom. An der Mündung der Duna

(= Dhünn) in den Rhein setzten Dietrich und die Nibelungen

über, deren Namen sich von Niflungen ableitet, die im Niflungaland

am Neffelsbach am Niederrhein lebten.

(entnommen dem Buch: Rheinromantik).


*

6 Minuten später wandern wir auf dem Schrägquerweg auf Höhe des rotweißen

Signalmasts im Rhein bei der

Wuppermündung

rechts in Gegenrichtung, also zurück.

Die Wupper.

Die Wupper bildet sich aus mehreren Rinnsalen und tritt

schließlich ganz unscheinbar als kleiner Bach in einem Feld zu

Tage. Sie nimmt auf ihrem Lauf nur unbedeutende Flüsschen

und Bäche auf. Im Einzugsgebiet der Wupper befinden sich

mehr als zehn Stauseen. Von Hückeswagen bis vor Wuppertal

ist der Fluss selbst (25,9 Mio qm auf einer Seefläche von 2,2

km) gestaut.

Die Wupper ist als größter der Fluss des Bergischen Landes.

Sie entspringt südwestlich von Meinerzhagen im Sauerland und

heißt zunächst Wipper. Die erste Stadt, die sie durchfließt ist

Wipperfürth, das mit seinem historischen Ortsbild aus Schieferhäusern

gleichzeitig die älteste Stadt des Bergischen Landes ist.

Danach streift der Fluss Hückeswagen, das mit seinen hübschen

Schiefer- und Fachwerkbauten Wipperfürth um nichts nachsteht.

Danach ist der Fluss zur Wuppertalsperre gestaut. Daraufhin

taucht der Ort Beyenburg auf, dessen hochsehenswerte

Kreuzbrüderkirche sich mit alten Schieferhäusern im kleinen

Stausee spiegelt. Schließlich wird die Wupper in Wuppertal, der

größten Stadt des Bergischen Landes, von der in der Welt einmaligen

Schwebebahn „überfahren“. Im weiteren Verlauf, flankiert

von Mühlen, Schleif- und Hammerwerken, trennt sie zunächst

die Städte Remscheid und Solingen und wird dort von

der Müngstener Brücke, einer einmaligen, 107 m hohen Bogenbrücke

aus Stahl, überspannt. Nun ragt über ihrem Ufer die berühmteste

Festungsanlage des Bergischen Landes auf, Schloss

Burg. Und immer noch stehen Kotten am Ufer. Danach durchfließt

die Wupper die Blütenstadt Leichlingen unter Burg Haus

Vorst her und danach unterhalb des Friedenberger Hofes durch

Opladen. Schließlich ergießt sie sich nach 114 km langem Rauschen

in Rheindorf in den Rhein.

*

5 Minuten später wandern wir hinter der Autobahnunterführung links treppauf,

dann dammab und halten Richtung durch

Rheindorf.

Rheindorf wird wohl die älteste Besiedlung Leverkusens sein, wiewohl andere Leverkusener

Orte auf urkundlich frühere Daten verweisen können. Die Kirche Aldegundis, die

im engen Zusammenhang mit der Kirche Amandus auf der anderen Rheinseite in

Rheinkassel steht, belegt eine gewisse Bedeutung des Fleckens im Mittelalter. Über die

Jahrhunderte hinweg geben lediglich die zum Teil noch erhaltenen Bauten Auskunft.

Heute ist der Ort eine der drei Rheingemeinden von Leverkusen.

*

Wir kommen vorbei an links erbauter Nr. 1, ** Zollhaus von 1705.

2 Minuten später wandern wir in die Kirche

*** St. Aldegundis. Der Bau des romanischen Vorgängerhauses

steht im engen Zusammenhang zur Kirche St. Amandus auf

der anderen Rheinseite in Rheinkassel. Auch die Namen Rheindorf

und Rheinkassel weisen auf Verwandtschaft hin. Zudem

nahm die heilige Aldegundis, die zwischen 684 und 700 starb,

den Schleier aus der Hand des heiligen Amandus, der um 680

starb.


Die jetzige Kirche begann man im Jahre 1775 auf Fundamenten

jenes romanischen Vorgängerbaues zu errichten. 1787 wurde

die sie geweiht. Den Turm hat man vom romanischen Vorgängerbau

übernommen. Allerdings befindet sich in ihm ein spätgotisches

Portal von 1477.

Das Innere. Die Rokoko-Ausstattung stammt aus der Bauzeit

des Hauses. Auf dem Hauptaltar stehen die Figuren der Muttergottes,

der Aldegundis (links) und des Sebastian. – Linker Seitenaltar:

Josef. – Rechter Seitenaltar: Mutter Anna.

Wir gehen aus der Kirche hinaus, auf der Querstraße rechts, vorbei, an Haus

Nr. 6, ** Bergerhof, von 1784, kurz darauf rechts auf die „Felderstraße“,

vorbei an vereinzelt stehenden ** Fachwerkbauten. Gasthof.

5 Minuten später wandern wir am Kreisverkehr rechts zur Haltestelle Pützdelle.

268 Min.

Haasenmühle – Leichlingen; Leichlingen – Opladen; Opladen – Rheindorf

BL 19

Ende

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