Linz – Bad Honnef - Kunstwanderungen

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Linz – Bad Honnef - Kunstwanderungen

UMR 20

LinzBad Honnef

Linz – Ockenfels – Kasbach – Erpel – Unkel

– Bruchhausen – Scheuren – Bad Honnef

Streckenwanderung

6 Stunden und 13 Minuten reine Wanderzeit

Zug

Bad Honnef tägl. 7.49 + stündlich bis 23.49 werktags 8.26 + stündl. bis 19.26

Linz tägl. 8.01 + stündlich bis 24.01 werktags 8.34 + stündl. bis 19.34

Wir gehen aus dem Bahnhof in Linz hinaus und nach links.

3 Minuten später wandern wir links in die Unterführung, halten uns rechts und

gehen fortan immer nächst den Gleisen und stets auf dieser Seite.

5 Minuten später wandern wir in die Kirche von 13 Min.

Linz.

Die bunte Stadt am Rhein, wird zuerst im Jahre 1198 erwähnt, als während der Kämpfe

zwischen den Gegenkönigen Philipp von Schwaben und dem Welfen Otto IV. Kirche

und Ort verwüstet werden. Jedoch reichen frühere Besiedlungen im Raume bis in die

Frühgeschichte zurück, wie die Ringwallanlage auf dem Hummelsberg belegt. Im 7.

Jahrhundert hat das Kloster Nivelles hier Besitztümer, im 9 Jahrhundert das Stift

Gerresheim. Der Ort wird also aus einer fränkischen Siedlung hervorgegangen sein. Die

Bewohner haben bereits damals vom Weinbau gelebt, denn schon im 12. Jh. besitzt der

Kölner Erzbischof Arnold von Wied hier Rebenhänge. Im Jahre 1206 wird der Grundstein

für die Kirche St. Martin gelegt. Wie es dem Linzer Ritter Gerhard von

Rennenberg erging, wird in

in dem Buch

erzählt. Im 13. Jahrhundert gehört der Ort zunächst den Herren von Say n, ehe

Mechthild von Say n ihn dem Kölner Erzstift überlässt. 1320 erhält Linz Stadtrechte.

1365 beginnt man mit dem Bau der Burg; gleichzeitig wird die Stadt bewehrt. 1391

brennt Linz teilweise nieder. 1474 besetzt Karl der Kühne – im Zuge der Auseinandersetzungen

zwischen den Ständen des

Kölner Erzstifts und dem Kölner Kurfürsten

Ruprecht von der Pfalz – die Stadt, wird aber vom Reichsheer wieder hinausgeworfen.

Im 16. Jahrhundert bestimmen Religionsfehden das Geschick der Bürger, die sich

zunächst zum reformierten Glauben bekennen, sich dann aber wieder von ihm abwenden.

Erneute Reformationsbestrebungen enden am Schluss des Kölnischen Krieges,

auch Truchsessischer Krieg genannt, mit der Rekatholisierung. 1597 ist die Stadt Haupt

der Linzer Union, einer Verbindung mittelrheinischer Städte, die sich in Kriegszeiten

Hilfe leisten. Im Dreißigjährigen Krieg fällt die Stadt an die Schweden. Es beginnt ein

beispielloser Niedergang, an dessen Ende sich noch 197 Bürger zählen lassen. Nach

weiteren Kriegswirren setzt 1697 Friede ein. 1803 gerät Linz an das Fürstentum Nassau-Usingen

und wird 1815 preußisch.

Linz ist ein Kapitel für sich. Die Bunte Stadt erfüllt dieses Prädikat im negativen wie im

positiven Sinne. Die Stadt verfügt über hervorragend restaurierte historische Bauten,

allerdings künden genaue Blicke in die Hinterhöfe, in die nicht an der Besuchermeile

liegenden Straßen und auf die Hausrückwände von einiger Verwahrlosung. Zwischen

Marktplatz und Rheinufer gibt es Straßenzüge, die an blühende DDR-Verhältnisse

erinnern, so heruntergekommen sind manche Häuser.

Außerdem scheinen die Stadtväter – von denen wir annehmen, dass sie fähig sind –, was

Planungen in einer von historischen Bauten geprägten Stadt angeht, mehr als eine

unglückliche Hand gehabt zu haben. Vor Jahren hat man es zugelassen, dass der Bau

der hässlichsten Kirche Deutschlands die S tadt verschandeln darf. Allerdings läu ft das

Gebäude wohl kaum Gefahr, als Gotteshaus betrachtet zu werden, da es eher einem

Getreidesilo oder einer Betonscheune gleicht.

Die nahe dem Stadtarchiv angelegte Garage mit sterilem Plattendach trägt auch nicht

gerade zum Romantischen Rhein bei, dessen Perle Linz sein möchte. Die Sparkasse hat,

wie andernorts auch, ihren schlechten Anteil ebenfalls beigesteuert. Wie man einen

historischen Ort in der heutigen Zeit mit den heutigen Erkenntnissen noch so zupflastern

kann, wird dem Beschauer ein Rätsel bleiben.

*

***** St. Martin.

Der Grundstein zu der spätromanischen, in spätgotischer Zeit

veränderten Emporenbasilika mit dem Westturm wurde im Jahre

1206 gelegt; die Weihe der Kirche fand im Beisein des Kölner

Erzbischofs und des Grafen Heinrich von Sayn bereits 1214

statt; die Innenausmalung war 1230 abgeschlossen. Die Basilika

ist ein vortreffliches Beispiel des so genannten Rheinischen

Übergangsstiles von der Romanik zur Gotik. Um 1512 wurde

das Mittelschiff sterngewölbt, Gleichzeitig hat man das linke

Seitenschiff doppelstöckig verlängert, wodurch oben die Katharinenkapelle

und unten die Chorkapelle entstanden sind. Zur

selben Zeit wurde das rechte Seitenschiff als Sebastianuskapelle

erweitert und die Kapelle ins Turmuntergeschoß eingebaut. Das

Westportal ist mit 1512 bezeichnet.


Das Chorhaus, spätromanisch, von 1214 besteht aus einem

zweigeschossigen Aufbau: im niedrigen Sockelgeschoß befinden

sich Vierpassfenster mit romanischen Glasmalereien des

13. Jhs., im hohen Obergeschoß schlanke Spitzbogenfenster;

Das linke Seitenschiff ist von spätromanischen Kreuzrippengewölben

gedeckt, die mit hängenden Schlusssteinen verziert

sind. – Wandbild der Elisabeth, um 1250.

Das rechte Seitenschiff ist von spätromanischen Kreuzrippengewölben

gedeckt. – Frontwand: Das Gemälde des Gnadenstuhls

mit Johannes dem Täufer, Andreas sowie Papst Clemens

und Florinus ist aus dem 15. Jh.

Die linke Empore: Wandbild des Samson, um 1250.

Die rechte Empore: Wandbild des Nikolaus, um 1300.

Das Mittelschiff. Zum spätgotischen Gewölbe von 1512 führen

rechts wie links je ein dreigeschossiger Wandaufbau hinauf;

sind Heilige von 2,20 m Höhe, Pilger und Kerzen tragende Engel;

links: Ursula, Margaretha, Katharina; rechts: Jakobus, Petrus,

Martin. – An der Rückwand: Szenen aus dem Leben Mariens:

Verkündigung (oben), Geburt Christi (unten) und Erscheinung

des Herrn. – Der Taufstein, ist spätgotisch. – Das

Wir gehen aus dem linken Seitenausgang der Kirche hinaus, wenden uns nach

links treppab, wandern vorbei am

*** Fachwerkensemble mit Häusern des 17. Jhs. (1621 steht

an der kleinen Pforte Kirchplatz Nr. 7),


und halten Richtung. Kurz darauf wandern wir rechts in die moderne, die

Stadt verunstaltende Pfarrkirche und betrachten das

**** Hochaltarbild aus der Kölner Malerschule.

Es ist von einem uns unbekannten Meister um 1462 gemalt

(linker Flügel),


Marienkrönung und Pfingstfest (rechter Flügel);

zugeklappt wird noch einmal die Verkündigung (linker Flügel)

und die Kreuzigung (rechter Flügel) gezeigt; auf der Rückseite

des Retabels befindet sich das Gemälde des Sch weißtuchs der

Veronika.

Wir gehen aus der Kirche hinaus, nach rechts, entlang * Kreuzwegstationen,

neugotisch, später auf der » Strohgasse« links, sofort rechts treppab und halten

uns links. – Später wandern wir auf der Querstraße vor Gleisen und hinterm

*** Pulverturm, Wehr der ehemaligen Stadtbefestigung,


echts und gehen vorbei an den Häusern Nr. 7 bis 1,

*** Bürgerhäuser, von denen besonders die Nr. 4 von 1671

und die Nr. 3 von 1737 auffallen.

Später biegen wir rechts ab durchs

*** Rheintor von 1329, dem westlichen Stadttor der einstigen

Stadtbefestigung des 14. Jhs.,

mit vorgekragten spätgotischen Podesten für die Ecktürme,


laufen richtunghaltend über den

**** Burgplatz mit noch einheitlichem historischen Kolorit, z.

B. die Nr. 1, Doppelhaus von 1638; Nr. 12, Haus der Zeit um

1500,

die Halle war einst Kirche

*** Mariä Verkündigung, ein tonnengewölbter Saal von 1639

des 1626 gegründeten und 1813 aufgelösten Kapuzinerklosters,

mit Rundbogenfenstern und einer Muttergottesfigur über dem

Eingang,

und wandern linkshaltend über den

*** Marktplatz mit Fachwerkhäusern des 16./18. Jhs., z. B. die

Nrn. 16, 17, 18, und einer neugotischen Mariensäule von 1878


sowie dem

*** Rathaus des 14. bzw. 15. Jhs., dessen Mansarddach und

bekrönende Laterne von 1707 sind. Der Spitzbogenfries mit

Maßwerk unter dem Gesims ist gotisch. Im Mittelalter war dem

Bau eine Freitreppe vorgelagert, das Untergeschoß war eine

Halle, deren Portale heute noch sichtbar sind.

Später wandern wir auf der Quergasse hinter der Mariensäule rechts auf die

» Mittelstraße« , beachten die schön restaurierten

*** Fachwerkhäuser

und schauen im Vorbeigehen rechts in die » Vogtsgasse« , mit ihrem

*** Fachwerkwinkel.

Später wandern wir richtunghaltend über den

*** Buttermarkt, mit historischer Bebauung,

auf die » Klosterstraße« und vorbei an der ehemaligen

*** Servitessenkirche von 1692, der Kloster- und Krankenhauskapelle

der Franziskanerinnen von 1854 bis 1979, seit 1983

Stadtarchiv.

Wir wandern hinter Haus Nr. 8a rechts, auf der Neustraße links, beachten die

*** Fachwerkbauten.

und gelangen später zum

*** Neutor von 1329, östliches Stadttor der ehemaligen Stadtbefestigung,

dessen Obergeschoss von einem Spitzbogenfries

getragen wird. Der Torturm ist aus Basalt und Schieferbruchstein

erbaut.

**** Fachwerkbauten, z. B. Nr. 31, Nr. 25, Nr. 23, Nr. 22, Nr.

18, Nr. 16, Nr. 17, Nr. 15, Nr. 13, Nr. 1 Haus des 17. Jhs.

Später wandern wir auf dem Buttermarkt links und an der Gabelung rechts auf

die »Hundelsgasse« . – Später wandern wir auf der » Mühlengasse« links und

gehen richtunghaltend weiter. Später wenden wir uns auf dem Burgplatz nach

rechts treppauf in die

*** Kurfürstliche Burg des Kölner Erzbischofs. 1365 erbaut,

besteht sie aus vier Gebäudeflügeln, die sich um einen rechteckigen

Hof gruppieren. Der Brunnen im Hof ist aus demselben

Jahr.


Die Anlage wurde vielfach umgebaut, so stammt der zum Rhein

hin gelegene Trakt von 1707. Der Komplex dient heute merkantilen

Zwecken. Die Anlage bewehren der Westturm der ehemaligen

erzbischöflichen Burg und die Stadtmauer, ein Stück der

zwischen 1302 und 1329 erbauten Befestigung, die 1861 abgerissen

wurde.

Den Linzern schreibt Karl Simrock das unten wiedergegebene

Gedicht ins Stammbuch. Wer noch mehr und Genaueres darüber

wissen will, lese die Sage von den

in dem Buch

nach.

Die Andernacher Bäckerjungen

von

Karl Simrock

Die Andernacher schlafen lange:

Im Schlafe schlägt man keinen tot;

Doch vor den Linzern weicht ihr bange

Zur Seite, weil euch Totschlag droht.

Einst hatte zwischen Andernachern

Und Linzern lange Krieg getobt:

Ihr wisst, dass mit den Widersachern

Noch heut kein Mädchen sich verlobt.

»Gesegnen wir’s den Siebenschläfern«,

Hieß es zu Linz beim Morgenschein.

»Wohlauf, so soll den faulen Schläfern

Das letzte Brot gebacken sein.«

Die Rechnung ohne Wirt zu machen,

Das widerrät ein altes Wort.

Denn, wenn auch alles schläft, so wachen

Die Bäcker doch am faulsten Ort.

»Den Bäckern dürfen wir vertrauen:

Sie steh’n das Brot zu backen auf:

Wenn sie den Feind von fern erschauen

So wecken sie uns in den Kauf.«

Hierbei blieb eins nur unerwogen:

Dass Bäcker auch und Bäckerskind

Nicht aus der Ferne hergezogen,

Nein, selber Siebenschläfer sind.


Wenn sie das Brot gebacken haben,

So liegen sie davor gestreckt

Am Morgenschlummer sich zu laben,

Wenn schon der Feind die Zähne bleckt.

Den Linzern wär’ der Streich gelungen,

Sie äßen Andernacher Brot,

Wenn nicht zwei fremde Bäckersjungen

Den Meistern halfen aus der Not.

Sie waren auf den Turm gelaufen

Und standen frischen Honig satt:

Da sahen sie der Linzer Haufen

Der überrumpeln will die Stadt.

Doch als sie jetzt ans Stadttor rücken

Was war der Bäckersknaben Gruß?

Die Bienenkorb’ in tausend Stöcken

Schleudern sie ihnen vor den Fuß.

Da stechen ungezählte Summer,

Und hundert töten einen Mann:

Gewiss, da zog die beste Nummer,

Wer noch mit heiler Haut entrann.

Die Jungen zerren an den Glocken,

Auf steh’n die Andernacher Herrn:

Sie finden in die Milch zu brocken,

Doch keinen Feind mehr nah und fern.

»Wir hatten trefflich uns gebettet:

Ja, solche Wacht empfahl Vernunft,

Und hat kein Bäcker uns gerettet,

So tat’s die junge Bäckerzunft."

Kommt Ihr ins Tor, Ihr seht inwendig

Noch heut die Bäckersjungen steh’n.

Und halten sie die Wacht beständig,

Kein Linzer lässt sich leicht mehr sehn.

*

Wer noch mehr und Genaueres darüber wissen will, lese die

Sage von den

in dem Buch

nach.


Bernhard Steinacker Sagen vom Rhein

ISBN 3-9801588-3-7 15 €

30 Minuten später wandern wir, so lange währt die reine Gehzeit durch die

Stadt, aus dem kleineren Ausgang im Osten der Burg hinaus, wenden uns

nach links, gehen durch den Mauerdurchlass und haben, nach links schauend,

*** Ansichten vom Westturm der Burg und halten Richtung.

den Rhein hinweg

bis zum Radom im Norden über der Eifel und bald darauf *** Ansichten vom

Rheintal mit der Burg Ockenfels im Vordergrund.


8 Minuten später wandern wir auf dem Schrägquerweg rechts, vom » R« fort

und gelangen auf einen Weg durch beispielhafte *** Mischkultur einer

Stadtrand-Wald-Zone.

4 Minuten später wandern wir schließlich an der Kreuzung links auf einem

*** Romantikhohlweg bergauf.

3 Minuten später wandern wir am Straßenstern »In der Mark« auf den ersten

Weg rechts und bleiben auf dem Hauptweg in artenreicher *** Vegetation.

10 Minuten später wandern wir auf dem Querweg vor den Häusern links.

2 Minuten später wandern wir an der Kreuzung im Wasserschutzgebiet beim

Schilderpfahl links.

5 Minuten später wandern wir an der Tobelgabelung unterm hoch aufragenden

Hügel und vor geradeaus vor uns quer liegenden Bäumen links.

5 Minuten später wandern wir rechtsversetzt über die Querstraße zur

»Ockenfelser Grillhütte« .

2 Minuten später wandern wir links auf den Weg mit Reitverbot.

9 Minuten später wandern wir an der Kreuzung mit der gekrümmten Querstraße

beim Bachübergang rechts und biegen sofort links ab auf „In der

Schießheck“ , vorbei an Blumengärten stets bergab durchs

*** O ckenfelser Bachtal mit Streuobstwiesen.

11 Minuten später wandern wir auf der Ortsstraße links in 114 Min.

Kasbach.

Dieses Rheindörfchen wird schon im 9. Jahrhundert in einer Urkunde der Abtei Prüm

genannt, entwickelte sich also wohl aus einer fränkischen Ansiedlung und hat den

Charakter eines Straßendorfes bis auf den heutigen Tag behalten. Nahe dem Ort, auf

dem St. Severinsberge wurde die Hexenkönigin, eine Schwägerin des Hexenanwalts

Friedrich Spee von Langenfeld, verbrannt, wie man der Geschichte

des Buches Rheinromantik entnehmen kann.


*

3 Minuten später wandern wir vorbei an

*** St. Michael. Das Gotteshaus wurde von 1905 bis 1906 im

neugotischen Stil erbaut.

Der Chor. Die neugotischen Glasmalereien der Fenster zeigen

von links nach rechts: Bergpredigt, Eucharistiefeier, Barbara

und Katharina.


Auf dem neugotischen Altar ist, außer dem Kruzifix, die Salbung

Christi (links) dargestellt sowie Michael (rechts).

Linkes Querhaus: Pietà aus Kalkstein, Anfang des 15. Jhs.


Das Langhaus. Rechte Wand: Akademisches Muttergottesgemälde,

19. Jh.

Wir gehen aus der Kirche hinaus, auf der Querstraße rechts und auf gekommenem

Weg zurück.

Pilgerweg nach Bruchhausen mit artenreicher *** Vegetation. Auf dem Weg

kommen wir vorbei am ** Basaltsteinkreuz von 1734, ein so genannter

Schöpflöffel, davon es in am anderen Rheinufer beginnenden Eifel viele gibt.

Der Platz lädt ein zur stimmungsvollen Rast in einer meistens blühenden

Wiese.

linkshaltend entlang der abgesperrten Hangkante und vorbei am Hochkreuz

auf der

Erpeler Ley.


Der 191 m hohe Fels ist der einzige Prallhang des Unteren Mittelrheins,

der den Strom zum Abweichen von seinem Süd-Nord-

Kurs zwingt. Zu der Einbuchtung nach Osten hat allerdings

auch der Schwemmkegel der Ahr beigetragen, deren Mündungswasser

die Rheinfluten nach Osten abgedrängt haben.

Die Ley, dieser schroff zum Rhein abfallende Felsen, ist ein

Naturschutzgebiet von ganz besonderem Rang und stellt extreme

Lebensbereiche dar, die ihre Zusammensetzung aus den

Unterschieden zwischen der warmen Rheinnähe und den zugigen

Westerwälder Höhen beziehen. Die für eine solche Zone

charakteristische Pflanzenwelt liefert Gesellschaften der

Steppenheide genauso wie die einer mediterranen Flora. Am

Berg erkennt man den Basaltstock, der zum einen durch Erosion,

zum anderen durch Steinbrucharbeiten freigelegt wurde.

Zu unseren Füßen sehen wir den

Brückenkopf der Ludendorffbrücke, Dieser letzte, von den

Amerikanern, und zwar am 7. März 1945, genommene Rheinübergang

stürzte zehn Tage später wegen Überlastung ein und

riss achtundzwanzig Amerikaner mit in den Tod. Viele Menschen

wurden verletzt.


Zudem eröffnet sich uns eine

**** Panorama-Ansicht vom Rheinlauf – vom Süden, Rheinbrohl,

bis nach Norden, Bonn, sowie gegenüber von Remagen

mit den zwei bedeutenden Kirchen.

Zwischen den Basalten der Erpeler Ley gedieh einst ein köstlicher

Wein, der in der Legende der Rose von Jericho eine herausgehobene

Rolle spielt. Die Rose, welk und dürr geworden,

wird in der Christnacht, in der sich nach altem Glauben alles

Wasser in Wein verwandelt, in ein Glas Erpeler Weines gestellt.

Ferdinand Freiligrath dichtet in der „Rose von Jericho“:

Ferdinand Freiligrath

… Und wie die Zwölfe tönen feierlich,

Und wie durchs Land der Mette Stimmen wehen,

Da öffnet still die Wunderblume sich,

Die heil’ge Nacht, die Christnacht zu begehen.

Ein neues Leben hat sie jäh durchzückt,

Sie tut sich auf, die eben noch erschlaffte,

Und wie vom Pilger gestern noch gepflückt

Wiegt sie den Kelch auf dem geweihten Schafte.

In dunkler Röte lodert sie und flammt

Wie sie geflammt auf ihrer Heimat Triften,

Und um der Blätter königlichen Samt

Weht als ein Opfer ihrer Krone Düften.

*

9 Minuten später wandern wir dann auf dem gekrümmten Asphaltweg beim

Gasthof links.

1 Minute später wandern wir an der Kreuzung mit der Bezeichnung „RV“ am

Baum links.

6 Minuten später wandern wir auf der Querstraße hinter dem Stromhäuschen

rechts, sofort links auf der Brücke über die Gleise auf die zweite Straße rechts

auf „Am Schleidentor“.

2 Minuten später wandern wir durch 160 Min.

Erpel.

Der Ort ist alter Grund und Boden des Kölner Erzstifts, im 12. Jh. villa genannt, und

wird 1130 erstmalig erwähnt. Befestigung erhält das Weinbaudörfchen im 14. Jh.

Gleichzeitig beginnen Ansätze städtischen Lebens; indes bekommt Erpel nie Stadtrechte

verliehen, lediglich im Jahre 1420 Marktrecht. 1666 wird das Dorf verstärkt befestigt.

1753 fängt man an, hier ein Karmelitenkloster zu errichten, das allerdings 1803 wieder

aufgelöst wird. Bis in dasselbe Jahr hinein bleibt Erpel in der Hand des Kölner Domkapitels.

Die Geschichte vom Hexenanwalt Friedrich Spee von Langenfeld und der

ist in dem Buch

nachzulesen.


Wir gelangen beim Gasthof auf den

**** Marktplatz am Unteren Mittelrhein, mit herrlicher Platane

und, seit ein paar Jahren leider nicht mehr einheitlicher, historischer

Bebauung, wobei die Häusergruppe (Nr. 20) des 17.

Jhs., Haus (Nr. 24) mit Torbogen und Schwebegiebel auf spätgotischen

Konsolen sowie das gegenüberliegende (Nr. 27) mit

Teilen des 17. wie 18. Jhs. vom ehemals noch malerischeren

Winkel zeugen. Der Brunnenpfeiler, ähnlich jenen in Unkel und

Heister, stammt aus dem Jahre 1753.

Wir biegen rechts ab, wandern danach sofort links auf die »Kirchgasse« mit

** Fachwerkbauten, gehen auf der Rheinuferstraße rechts und nach wenigen

Schritten wieder rechts durch das

*** Rheintor aus dem 13. Jh.; die Zahl 1388 weist auf die

Herrlichkeit Erpel hin; das romanische Tor wurde eingebaut in

den einstigen

*** Fronhof des Kölner Domkapitels, bestehend aus einem mit

einem Rundbogenfries geschmückten Gebäudeflügel von 1718

mit Fachwerk und Giebel sowie einem Rokoko-Gartenhäuschen

von 1725.

Wir gelangen in die Kirche

*** St. Severin. Die dreischiffige Emporenbasilika wurde im

zweiten Viertel des 13. Jhs. errichtet und gibt nach den von

Veränderungen befreienden Baumaßnahmen von 1960 bis 1967

einen guten Eindruck eines spätromanischen Gotteshauses wieder,

dessen Turm des Vorgängerbaues seit der Zeit um 1230 in

eine Glockenstube mit zweiteiligen hochgezogenen Kleeblattbögen,

ein Obergeschoss mit dreiteiligen Rundbogenfenstern

und ein Sockelgeschoss mit Rundbogenfriesen gegliedert ist.


Der Turm wurde 1751 mit einem neuen Dach versehen, die

Turmhalle im 15. Jh. rippengewölbt; gleichzeitig hat man die

Chorfenster vergrößert.

Im Chorhaus steht ein barocker Altaraufbau des 18. Jhs. mit

dem Gemälde der Himmelfahrt Mariens und dem Bild Johannes

des Täufers darüber.

Im linken Seitenschiff die drei Skulpturen aus dem 18. Jh. sind:

Johannes der Täufer (Frontwand); Büste des Nikolaus (auf dem

Beichtstuhl); Josef (Rückwand).

Im rechten Seitenschiff: Muttergottesfigur (Frontwand), klassizistisch;

Figur der Katharina, 18. Jh. (Außenwand).


Im Mittelschiff: Severinsfigur (links) und Antonius-Eremit-

Figur (rechts), beide 18. Jh. An der Rückwand: vorzüglicher

Orgelprospekt des 18. Jhs.

In der Turmeingangshalle steht ein Pendant zum Hauptaltar, aus

derselben Zeit, mit dem Gemälde Mariens zwischen Joachim

und Anna sowie der Hl.-Geist-Taube. An den Wänden hier

befinden sich zwei große Gemälde: Jesus vor dem Hohen Rat,

17. Jh., und Anbetung Jesu durch die drei Weisen, 18. Jh. sowie

die Holzstatue des Michael, 15. Jh.

Wir gehen aus dem Turmausgang der Kirche hinaus, auf der „Frongasse“

rechts und kommen nun vorbei am

*** Rathaus von 1780 mit Mansarddach, Dachreiter und

übergiebeltem Mittelrisalit.

Wir wandern auf der Kölner Straße links und passieren einige ** Fachwerkhäuser,

unter denen Nr. 29, die so genannte Burg des 17. bzw. 18. Jhs. mit

drei Giebeln ist,


sowie einen weiteren ** Brunnenpfeiler, den ein Zapfen krönt. Wir wandern

durchs

*** Neutor der Stadtmauer des 15. Jhs., unter sehr hohem Satteldach.

Wir kehren durchs Tor auf die Kölner Straße zurück, biegen rechts ab auf die

»Unterstegasse« , wenden uns in der Lindenallee vor dem Rhein nach rechts.

28 Minuten später wandern wir beim Stadtturm rechts in 198 Min.

Unkel.

Unkel, das einmal eine Insellage hatte, also ein Werth im Rhein gewesen ist, wird im

Jahre 886 erstmals bezeugt. Der Name rührt vermutlich vom lateinischen Wort uncus

her, dem Haken, den der Rhein an dieser Stelle seines Laufes schlägt. Erzbischof Anno

II. von Köln schenkt den Ort 1057 der Kirche St. Maria ad gradus zu Köln. Danach

gelangt das Gebiet an die Grafen von Say n und 1246 an deren Erben, die Grafen von

Eberstein und Sponheim. Von einem

am Junker zur Leyen

weiß die Sage in dem Buch

zu berichten. Unter Erzbischof Engelbert

fällt Unkel 1265 an Kurköln zurück und erhält um 1578 Stadtrechte. Die Mauern des

bereits im Mittelalter bewehrten Fleckens werden 1604 erneuert. Bis 1803 ist Köln Vogt

und Landesherr.

Die Rheingräfin Sibylle Mertens-Schaaffhausen erhielt 1828

Besuch von der Mutter des großen Philosophen Schopenhauer.

Die Dame lebte zwar bis 1837 am Rhein, weilte jedoch nur bis

1829 in Unkel. Lesen wir, was ihr in Unkel aufgefallen war.

Johanna Schopenhauer


»Auch Pferde sind hier selten, zum Fuhrwerk kann man, der

Nähe des Rheines wegen, sie entbehren, der Weinbauer bedarf

ihrer nicht, und die Feldarbeit wird meistens durch Zugochsen

betrieben, deren Anzahl unglaublich gering ist, weil ein Nachbar

sie vom andern borgt, wenn er ihrer bedarf. In einzelnen

Dörfern und kleinen Städtchen, wie zum Beispiel in Unkel, ist

oft nur ein einziges Pferd anzutreffen.«

*

*** Gefängnisturm, im 16. Jh. als Teil der Stadtbefestigung

errichtet; die Dachhaube wurde im Jahre 1700 aufgesetzt.

Dass der vom Wein volltrunkene Ludwig van Beethoven hier

eingekerkert gewesen sein und seinen Rausch ausgeschlafen

haben soll, bewegt die Zecher noch heute. Ist dies auch nicht

verbrieft, so ist gewiss, dass ein anderer Geist in Unkel gelebt

hat, der Schriftsteller

Stefan Andres.

Er schrieb: »Dieser Ort ist voll Frieden, sogar die Vögel scheinen

mir zutraulicher als anderswo. Und wie ausgewogen ist das

Land, das zwischen dem Siebengebirge und der Erpeler Ley

liegt. In den Häusern lebt ein Völkchen, das die Kunst versteht,

es sich auf dieser Erde bequem zu machen.«

*

Wir wandern nun linkshaltend und auf dem „Corneliaweg“ hinter Nr. 1,

*** Neues Pfarrhaus, von 1714,

links, passieren einen ** Torbogen zum ehem. Zehnthof, wandern vorbei am

nächsten Torbogen; dahinter steht ein

*** Altes Pfarrhaus von 1522, doch 1696 und 1807 umgebaut,

Wir gelangen in die Kirche

**** St. Pantaleon, die dreischiffige und vierjochige, spätgotische

Halle mit polygonalem Chor sowie drei parallelen Walmdächern

wurde um 1500 unter Verwendung von Mauerteilen

eines spätromanischen Vorgängerbaues des 13. Jhs. an den erhaltenen

spätromanischen Turm jener Zeit angefügt.


Im Chorhaus befinden sich in den Fenstern neugotische Glasgemälde.

– Der gewaltige Hauptaltaraufbau von 1705 zeigt in

Evangelisten auf dem Korb sowie Christus, Paulus und den vier

Kirchenvätern auf dem Schalldeckel.

Im linken Seitenschiff steht an der Frontwand ein Kalksteinaltar

der Zeit um 1630 mit dem Tempelgang Mariens im Hauptrelief.

Außerdem ist die Geburt Christi dargestellt, neben den

Figuren der Anna Selbdritt und des Pantaleon; über all dem

erhebt sich die Kreuzgruppe.


An der Außenwand hängt ein Gemälde mit den Vierzehn Nothelfern

von 1714, steht, wie gegenüber im anderen Seitenschiff,

In der Vierzehn-Nothelfer-Kapelle hinten (Lichtschalter) hängen

diese Heiligen gleich zweimal, als nahezu lebensgroße Figuren,

von 1728, und als Relief, von 1714; außerdem befinden

sich hier ein Reliquienschrein, um 1460. Der spätromanische v

Im rechten Seitenschiff ist an der Frontwand ein Marienaltar der


An der Außenwand hängt ein Antependium von 1601 mit der

Darstellung der Wurzel Jesse und ein Ecce-Homo-Bild, um

1618.

Im Mittelschiff hängt ein spätgotischer Leuchter von 1527 vom

Gewölbe herab, steht an der vorderen Säule links eine Mutter

Anna aus spätgotischer Zeit, ist an der vorderen Säule rechts

Wir gehen aus dem rechten Ausgang der Kirche hinaus und linkshaltend übern

*** Friedhof, mit seinen alten Bäumen einer der schönsten am

Rhein, samt steinernen Grabkreuzen, deren Alter sich bis ins

16. Jh. zurückdatieren lässt.

Von diesem Kirchhof aus muss man einst eine vorzügliche

Sicht auf das Siebengebirge gehabt haben, wie geschrieben

steht:

Karl Simrock

»Auf dem Kirchhofe zu Unkel muss man stehen, um die edeln,

reinen und mannigfaltigen Formen dieser wunderbaren Berggruppe

zu bewundern. Mehr in der Nähe werden ihre Umrisse

eckiger und rauer und verlieren an wohlgefälliger Zurundung,

gleich oder ähnlich, jeder bewahrt seine eigentümliche Schönheit

und doch bilden sie zusammen das reizendste Ganze. Sie

dulden auch keine Lücke unter sich: wo der Eine sich in die

Ebene gesenkt hat, da steigt schon der Andere wieder empor.

Und nun die Beleuchtung, die sich keinen Augenblick gleich

bleibt, denn sie wechselt nicht bloß nach Jahres- und Tageszeiten,

sondern mit jedem Wölkchen, jedem Sonnenstrahl. Wenn

sie am Abend rosenrot wie die Alpen glühen, so versprechen sie

uns morgen einen heitern Tag; oft aber treten sie uns ganz nahe

und heben sich noch einmal so hoch als gewöhnlich: dann lass

sich nur niemand von ihrer Herrlichkeit blenden, denn es gibt

einen Platzregen oder ein Ungewitter.«

*

Wir wandern stets links, also das Gotteshaus umkreisend, kommen vorbei an

*** Heiliges Grab des 16. Jhs.,

*** Herresdorfer Haus, auch »Burg Unkel« genannt (s. u.) im

Kern 17. Jh., im 18 Jh. ausgebaut, dessen dem Rhein zugekehrter

Flügel von 1781 mit dem Wappen des Kölner Bürgermeisters

Franz Caspar von Herresdorf geschmückt ist.


links, vorm Rhein rechts und auf die

**** Rheinpromenade, die man rühmen darf, mit ihren herrlichen

Lindenbäumen und der historischen Bebauung die

schönste am Rhein zu sein.

Unkelsteine

Der Begriff Unkelsteine, das sind Säulenbasaltklötze, stammt

hierher. Um 1800 werden Unkelsteine aus dem Rhein herausgesprengt,

um gefahrlosere Schifffahrt zu garantieren. Auf der

anderen Seite des Stromes existiert ein Basaltsteinbruch in dem

Unkelsteine gewonnen werden. Ebenfalls dort gibt es den Ort

Unkelbach sowie einen Wasserlauf desselben Namens.

*

Wir wandern vorbei am

*** Freiligrathhaus, ein Herrenhaus der Zeit um 1760, mit

pilastergegliederter Rheinfront und schmiedeeiserner Balkonbrüstung.

Es ist das Heim des 1810 in Detmold geborenen

Wir haben – zurückblickend – eine *** Ansicht vom Drachenfels, die aufgrund

der übermächtigen Restaurantanlage nicht mehr denselben Reiz verströmt,

den Freiligrath noch ausmachen konnte.

Ferdinand Freiligrath

»Und so sitz’ ich denn hier in Unkel, hab’ ein Belvedere hart

am Rhein, um das mich ein Fürst beneiden würde. Die Gegend

ist ein Paradies, die Menschen, so weit ich sie kennen gelernt

habe, sind gut und freundlich, und das Nest ist so still und einsam

und dabei durch Dampfer und Flöße und Segler doch so

mitten in der Welt, dass mir ungeheuer wohl drin ist.«

dafür eintrieb, ihm wird es eine innere Genugtuung gewesen

sein, fortfahren zu können:

»Drachenfels und Rolandseck schauen durch den Duft der Frühe

auf meinen Schreibtisch, der Rhein rauscht mir seinen ersten

Morgengruß, und ein Prozessionsnachen mit roter Kirchenfahne

gleitet singend unter meinem Fenster den Strom hinab.«

Im benachbarten Hause, beim Oberst von Steinäcker, lebt die

Erzieherin Ida Melos. Freiligrath verliebt sich heftig in Ida, die

später seine Frau wird. Wen wundert es, wenn dem Dichter

Freiligrath (hier im Gefieder des Falken) die Verehrung seiner

Liebsten derart gerät, dass sie an mittelalterliche Minne erinnert:

Grüße

von

Ferdinand von Freiligrath

Ich schritt allein hinab den Rhein,

Am Hang die Rose glühte,

Und wundersam die Luft durchschwamm

Der Duft der Rebenblüte.

Cyan und Mohn erglänzten schon,

Der Südwind bog die Ähren.

Über Rolandseck, da ließ sich keck

eines Falken Lustschrei hören.

Und es kam das Lied mir ins Gemüt:

Wär’ ich ein wilder Falke!

O du Melodei! wie ein Falk’ so scheu,

Und so dreist auch wie ein Falke!

Singe mit, wer kann! zu Sonne hinan

Soll mich selbst die Weise tragen,

An ein Fensterlein, an ein Riegelein

Mit den Flügeln will ich schlagen.

Wo ein Röslein steht, wo ein Vorhang weht,

Wo am Ufer Schiffe liegen,

Wo zwei Augen braun übern Strom hinschauen,

O, da möcht ich fliegen, fliegen!


Da mit scharfem Fang und mit Wildgesang

Möcht ich sitzen ihr zu Füßen,

Möchte stolz und kühn ihre Stirn umziehn,

Möchte grüßen, grüßen, grüßen.

*

Auf dem Drachenfels

von

Ferdinand von Freiligrath

Hoch stand ich auf dem Drachenfels,

Ich hob die Hand, ich biss die Lippen,

Mein Jagdhund, freudigen Gebells,

Schlug an im Widerhall der Klippen.

Er flog hinab, er flog hinan,

Er flog, als ob ein Wild ihm liefe;

Ich aber stand, ein froher Mann,

Und bog hinab mich in die Tiefe.

In seiner Trauben lust’ger Zier,

Der dunkelroten wie der gelben,

Sah ich das Rheintal unter mir

Wie einen Römer grün sich wölben.

Das ist ein Kelch! - Die Sage träumt

An seinem Rand auf moos’ger Zinne;

Der Wein, der in dem Becher schäumt,

Ist die Romantik, ist die Minne.

Ha, wie er sprüht: - Kampf und Turnier!

Die Wangen glühn, die Herzen klopfen!

Es blitzt der Helm und das Visier,

Und schöne, frische Wunden tropfen!

Und hoch im Erker sinnend steht,

Vor der sich senken alle Fahnen; -

Was bin ich so bewegt? - Was weht?

Durch meine Brust ein sel’ges Ahnen?

*

*** Pützgasse mit schönem Fachwerkensemble der Häuser Nr.

4, 6, 3, 8, 5, 10, 14.


Wir wandern hinter dem ** Brunnenpfeiler mit bekrönendem Pinienzapfen

von 1759, vergleichbar mit jenen in Erpel, links, biegen vor dem

*** Unkeler Hof, Hof des Kölner Ursulinenklosters von 1732,

links ab auf die » Vogtsgasse.« , kommen vorbei am

*** Lehnhaus, um 1600, mit späteren Erweiterungen,

gehen auf der Uferpromenade rechts, vorbei am an die Mauerpforte erbauten

*** Eschenbrender’scher Hof, 17. Jh.,

und biegen vor dem ehemaligen

*** Fronhof des Kölner Stiftes »Maria ad Gradus«, 1075 bis

1803, mit dem im 19. Jh. in neuromanischen Formen umgebauten

Westturm der ehemaligen Stadtbefestigung,

rechts ab auf die » von-Werner-Straße« , biegen auf der » Frankfurter Straße«

rechts ab. – Später wandern wir an versetzter Kreuzung „Kirchgasse“ rechts

und halten uns links über den » Carl Trimborn Platz« mit rechts erbauter Nr. 6,

*** Paxheim, im Kern 18. Jahrhundert, mit späteren Umbauten.

In diesem Erholungshaus hat der erste Kanzler der Bundesrepublik

Deutschland, Konrad Adenauer (er war von den Nazis

aus politischen Gründen aus dem Regierungsbezirk Köln ausgewiesen

worden), vom September 1935 bis zum Sommer 1936

gelebt.

Ein späterer Kanzler lebte längere Zeit in Unkel: Willy Brandt,

und zwar von 1979 bis zu seinem Tode 1992.

*

Wir wandern danach vorbei an links erbauten Nrn. 7, 11 und 13,

*** Fachwerkensemble (Nr. 7, 11, 13) des 18. Jhs.

und haben diesen Fachwerkhäusern gegenüber nun die *** Ansicht von der

Rückseite der Burg Unkel, dem ehemaliger Wohnsitz der Familie von

Herresdorf, mit dem Südtrakt von 1673 und dem Nordbau von 1838. – Wir


iegen hinterm Fachwerkhaus Nr. 13 und vor frontal stehendem ** Christinenstift

des 19. Jhs. links ab auf die »Prälat Schwamborn Straße« und

*** Winzerhöfe und andere historische Häuser.

Unkeler Funkeler

Der Weinbau in Unkel bringt unter anderem den so genannten

Unkeler Funkeler hervor, der außerordentlich geschätzt wird.

*

15 Minuten später wandern wir, so lange währt die reine Gehzeit durch den

Ort, vor Haus Nr. 15 rechtsversetzt über die Querstraße auf »Am Hohenweg«,

auf dem wir bleiben. – Später wandern wir links auf die „Simon-Levy-

Straße“, queren beim ** Wegkreuz von 1672 rechtsversetzt die »Linzer

*** Ansichten vom Stuxberg. Nirgends vermag man besseren

Einblick in die Devonschichten zu bekommen als hier und selten

trifft man auf derart waagerecht liegende Ausschnitte.

10 Minuten später wandern wir hinter Landstraße und Gewerbehalle rechts

und folgen dem gelben Rheinsteigzeichen durch artenreiche *** Vegetation.

2 Minuten später wandern wir an erster Abzweigung rechts und vorbei an

einer Bank.

4 Minuten später wandern wir auf dem Querweg unter der Landstraße rechts

und wandern nun immer nächst der Landstraße durchs

einem Romantikweg. – Auf einer der Bänke, die am Bache

stehen, bleibt uns Zeit in dem Buch

nachzuschlagen,

was sich beim

zutrug.

25 Minuten später wandern in den Feldern auf der Höhe links über die Landstraße

auf die „Orsberger Straße“ in

259 Min.

Bruchhausen.

Der Ort, an der Schnittstelle zwischen Siebengebirge und Naturpark Rhein-Westerwald,

hoch über dem Rhein gelegen, ist eine fast tausendjährige Wallfahrtsstätte zu Ehren der

Muttergottes. Die Legende erzählt, dass, als die hölzerne Vorgängerkirche gebaut

werden soll, das benötigte Material immer wieder auf geheimnisvolle Weise verschwindet.

Eines Tages vernehmen die Bauern den Gesang eines Vögelchens, dessen süßes

Lied gar nicht enden will. Wie sie nun ins Dickicht eindringen, um der Ursache des

unaufhörlichen Gezwitschers nachzugehen, gewahrt man unter dem Gebüsch, in dem

das Vögelchen singt, ein Marienbild sowie eine Quelle. Und gleich dabei entdeckt man

auch das verloren gegangene Bauholz, was den Dörflern deutet, dass die Kirche an

dieser Stelle erbaut werden soll.

*

Die Geschichte weiß eine ganz andere Begebenheit zu berichten,

welche Sinnlosigkeit und Hoffnung in gleicher Weise dokumentiert.

Nämlich das Leben der Anna Katharina von

Nuerberg, Herrin auf Schloss Bruchhausen, die ihr Leben auf

dem Scheiterhaufen hat lassen müssen; nachzulesen im Buch

unter .

*

Ausgangs der Straße fallen uns auf die Nrn. 12, 10, 6, 4, 2 und 1,


*** Fachwerkensemble und Steinfachwerkbauten des

17./18. Jhs., darunter Altes Pastorat, (Nr. 1) stattlicher Fachwerkbau

des 18. Jhs. mit Mansarddach und Dachgauben.

3 Minuten später wandern wir aus der „Orsberger Straße“ hinaus, halten

Richtung und wenden uns kurz vor dem rechts an der Straßenecke stehenden

** Kelterhaus des Winzervereins, ein Backsteinbau klassizistischer Art, von

1 Minute später wandern wir in die Kirche

**** St. Johannes Baptist. Der dreigeschossige, mit Lisenen

und linkes Seitenschiff netzgewölbt, das rechte zweijochige

Seitenschiff mit seinem Frontchörlein kreuzgratgewölbt. Der

südliche Vorbau kam 1682 hinzu. Infolge der Um- und Anbauten

verrät der Bau noch heute einen für spätgotische Zeit typischen

Charakter und darf als das malerischste Gotteshaus im

gesamten Westerwald gelten.

Im Inneren sind unter vielem Anderen beachtenswert die

Schlusssteine und figürlichen Gewölbekonsolen.


Im Chorhaus befinden sich in den Fenstern Glasmalereien aus

Ende des 18. Jhs. eine Muttergottes aus Kalkstein von 1420.

Am letzten Pfeiler: Putzige barocke Figur des Erzengels Michael.


Im rechten Seitenschiff befindet sich im Frontchor eine neue

Figur des Auferstandenen und an der Außenwand die des Sebastian,

18. Jh.

Im Mittelschiff grenzt eine mit eucharistischen Symbolen beschnitzte

Kommunionbank des 18. Jhs. den Raum zum Chor ab.

– Am Chorbogen rechts befindet sich das Gnadenbild der Muttergottes,

kölnisch, um 1350.

Am ersten Mittelpfeiler links ist eine Votivtafel der Sieben

Schmerzen Mariens, angebracht; sie wurde von Johann Jakob

Spee, seiner Schwester Agnes und deren Mann 1636 gestiftet,

zum Gedenken an die Mutter Anna Katharina, geb. Nuerberg,

die zu Unrecht als Hexenkönigin von Bruchhausen verschrien

war. – Am hinteren linken Pfeiler steht die Figur des Ignatius,

18. Jh.

Die Turmhalle birgt den Bruchhausener Totentanz der Zeit

um 1600 (Lichtschalter). Er ist ein Katechismus für die Armen

und jene, die nicht lesen können, wenngleich erläuternde Texte

darunter stehen. (oben): 1. Papst, Kardinal und Bischof (rote

Farbe); 2. Abt, Domherr und Prediger (schwarzes Gewand mit

weißem Rochett); 3. Mönch, Nonne und Stiftsfräulein (braune

Ordensfarbe); Christus (unten): 4. Kaiser, König und Herzog

(rote Mäntel); 5. Graf, Edelmann und Ritter (blaue Rüstung und

Gewänder); 6. Arzt und Richter (Quacksalber und Rechtsverdreher);

7. Der Vierte Stand (Krämer, Bauer und Bettler).


Wir gehen aus der Kirche hinaus

und halten Richtung, Gasthof, vorbei am

*** Fachwerkensemble Nr. 1, Nr. 3, Nr. 7 Gasthof, Nr. 12,

sämtlich aus dem 17./18. Jh.,

und folgen dem » RV« . Wir kommen vorbei an einem ** Wegkreuz von

1747. – Viel später, außerhalb des Ortes, wandern wir dann durch artenreiche

*** Vegetation, passieren auf der freien Ebene eine *** Kastanienallee und

haben von dort auch *** Ansichten von der Siebengebirgskette.

Hauptweg, wandern an folgender Gabelung links, halten uns fortan rechts,

haben auf diesem *** Romantikweg *** Ansichten vom Stuxberg und steigen

an aufgelassenen Weinbergen durch artenreiche *** Vegetation bergab.

10 Minuten später wandern wir beim * Heiligenhäuschen von 1719 mit dem

Weg in den Linksknick auf die Bergstraße mit den Nrn. 12, 5, 1, 8 und 2,

*** Fachwerkensembles des 17./18. Jhs.

1 Minute später wandern wir in die Kirche von 296 Min.

Scheuren.

Der Name des Ortes rührt von Scuren=Beil her. Im 19. Jh. heißt das Dorf noch Scheuern.

Heute gehört das Fachwerkdorf zu Unkel.

*

Scheuren kommt in einem Buch von Wolfgang Müller vor, in

dem er von einem Besuch bei Karl Simrock, dem großen Romantiker

am Rhein, erzählt, der im Haus Parzival des dem Weiler

Scheuren benachbarten Menzenberg wohnte. Lesen wir


Sommertage im Siebengebirge

von

Wolfgang Müller

»Der Weg führt mich durch Scheuern und Breitbach. Da öffnet

sich rechts ein Tal in das Gebirge. An dem Bache hin schlängelt

sich ein Pfad, ich schlage ihn ein, um mich nach Menzenberg zu

wenden. Ich lasse den Hagenhof, ein im gotischen Stil restauriertes

Gebäude mit seinem Park und mit seinen Teichen zur

Rechten liegen. Nach einer Weile klopfe ich links an die Tür

eines schlichten Sommerhauses. Ich bin wieder an einer Dichterwohnung

angelangt, denn hier weilt in schönen Frühlingsund

Herbsttagen Karl Simrock. Bedarf er der Erholung, so

macht er sich auf die Wanderschaft und besucht sein liebes

Menzenberg. Ich bin so glücklich, ihn an Ort und Stelle zu finden.

Da er der Besitzer der vortrefflichsten Weinberge des Tales

ist, lässt er eine Flasche Eckenblut aus dem Keller holen.«

*

Nennt sich der Rotwein am Fuße des Drachenfelses Drachenblut,

so ist Eckenblut die Bezeichnung des noch im 19. Jh. hier

angebauten Weines. Zur Namensgebung für diese Lage weiß

die Sage Dietrichs Kampf bei Honnef (Dietrich von Bern =

Bonn) zu berichten, dabei der Hüne Eck in Menzenberg sein

Blut verströmte. Im 19. Jahrhundert noch hat Karl Simrock –

wie wir oben gelesen haben – seinem Dichterkollegen Wolfgang

Müller von diesem Wein eingeschenkt.

*

***** Historische Bauten machen Scheuren zu einem einzigen

Rheintalmuseum.

Wir beginnen die Wanderung also in der Kirche

*** St. Josef. Der mit einem barocken Dachreiter bekrönte

einschiffige spätgotische Bau entstand 1500, wurde im Kölnischen

Krieg 1583 zerstört und 1683 renoviert.


Das Innere. Die ehemalige Flachdecke ersetzt seit 1910 ein

gotisierendes Gewölbe. Außerdem befindet sich im Raum ein

prächtiger Barockaltar des 18. Jhs., vom Bildhauer Peter Sasse

aus Attendorn, sowie eine Muttergottesfigur des 17. Jhs. nebst

einer Altartafel aus der Mitte des 15. Jhs., auf der Szenen des

Leidens Jesu dargestellt sind.

Wir gehen aus der Kirche hinaus, queren linksversetzt den *** romantischen

Dorfplatz mit Linde, ** Wegkreuz von 1843 und Brunnen,

wandern auf die » St. Josef Straße«, durchwandern ein Fachwerkensemble

des 17./18. Jhs. mit rechts stehenden Häusern Nr. 2, 10, 18. Wir kehren um

und wandern vorbei an rechts erbauten Häusern Nr. 17, 15, 13, 9, 7, 3, 1. Wir

danach links in » Im Winkel« mit schönem Fachwerk des 17./18. Jhs. und

durchwandern ein weiteres Fachwerkensemble, überwiegend des 17./18.

Jhs., mit den Hausnummern 15, 16a (von 1661), 9+7 (Weingut Stumpf mit

Hauptgebäude von 1572) sowie Nr. 12.

8 Minuten später wandern wir, so lange währt die reine Gehzeit durch den

Ort, auf der Brücke über die Landstraße, hinter dem ** Wegkreuz von 1636

rechts ab und halten uns fortan links.


Gasthof. Danach ist der Weg bestanden mit artenreicher *** Vegetation.

Von diesem Weg haben wir dann auch *** Ansichten vom Drachenfels.

Auf der anderen Rheinseite eröffnet sich uns der Anblick der Insel Nonnenwerth

mit dem Rolandsbogen darüber.

durch artenreiche *** Vegetation auf die Insel

347 Min.

Grafenwerth.

Das der Stadt vorgelagerte Wörth taucht als in frühen Zeiten als

insula media auf, das heißt, als in der Mitte zwischen einer östlichen,

schon lange verschwundenen Insel und der Insel Nonnenwerth

liegend. 1936 wird auf der Insel Grafenwerth die einzige

Thermalquelle des Siebengebirges erschlossen, zwei Jahre

später die Stadt Honnef als Bad anerkannt.


Die Gegend von Bad Honnef ist schon im frühen Mittelalter Ort

heftiger Auseinandersetzungen ums Überleben gewesen und

gab der Thidrek-Saga Stoff zu einer Erzählung, nämlich

, die wir in dem Buch Rheinromantik

nachschlagen können und wozu auf einer der Bänke

auf der Insel Zeit ist, sie zu lesen.

9 Minuten später wandern wir unter der Fußgängerbrücke her und halten uns

nun rechts in

364 Min.

Bad Honnef.

Der Badeort, von Alexander von Humboldt als das Rheinische Nizza bezeichnet, ist

erstmals im Jahre 922 als Hunepha = Ort an vielen Wassern erwähnt, was auf die ehemaligen

Rheinarme zu beziehen ist, die einst die an dieser Stelle breite Talebene durchflossen

haben. Das im 11. Jh. erwähnte Honnefe wird im 12. Jh. Hauptort und Gerichtsstätte

der Herren zu Say n. Da das Erzstift Köln den Herren von Say n das Gebiet streitig

macht, kommt es im 13. Jh. zu heftigen kriegerischen Auseinandersetzungen. 1451

gelangt Honnef durch Heirat der Say ner Erbin mit Herzog Wilhelm von Jülich-Berg an

die Bergischen. 1689 vernichtet ein Brand den Ort nahezu vollständig.

Dreihundert Jahre lang beeinträchtigen Kriege und Wirren die Stadt, ehe sie 1808 an

Königswinter kommt. Nach der Loslösung von Königswinter im Jahre 1863 entwickelt

sich die Stadt zunehmend zum Kur- und Badeort.

*

1 Minute später wandern wir auf der Brücke über den Arm und halten Richtung.

4 Minuten später wandern wir auf der Rheinpromenade rechts, haben von dort

*** Ansichten von der anderen Rheinseite mit der Insel Nonnenwerth und

dem Rolandsbogen darüber. Gasthof.

Childe Harolds Pilgerfahrt

(Auszug)

von

George Gordon Lord Byron

Weit droht ins offne Rheingefild

der turmbezinnte Drachenstein…

*

8 Minuten später wandern wir auf dem Hauptweg auf breiter Brücke übers

Altwasser, mit einer **** Ansicht vom Drachenfels …


und an der Kreuzung direkt hinter der Brücke rechts auf die „Lohfelder Straße“

, auf der wir bleiben.

2 Minuten später wandern wir links über die Gleise und sofort rechts bergab.

2 Minuten später wandern wir in den Bahnhof von Bad Honnef. 373 Min.

LinzBad Honnef

UMR 20

Ende

*

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