Download als PDF - Evangelische Landeskirche in Baden

kurse.zum.glauben.org

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Gemeinden

auf Kurs

Ergebnisse der empirischen Untersuchung

zur Bedeutung von Kursen

zum Glauben für die Entwicklung

von Gemeinde und Kirche

Jens Monsees, Carla J. Witt, Martin Reppenhagen


Impressum

Herausgegeben vom

Institut zur Erforschung von Evangelisation

und Gemeindeentwicklung (IEEG)

der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Rudolf-Petershagen-Allee 1

17489 Greifswald

Fon: 03834 86-2532

ieeg@uni-greifswald.de

www.ieeg-greifswald.de


Vorwort

3

Vorwort

Das EKD-Projekt ERWACHSEN GLAUBEN, mit

dem die Arbeitsgemeinschaft Missionarische

Dienste (AMD) vom Rat der EKD betraut wurde,

hat eine zentrale Bedeutung für den Reformprozess

der Evangelischen Kirche in Deutschland. Ziel des

Projekts ist es, Kurse zum Glauben als ein wesentliches

Kennzeichen der evangelischen Kirche sowie

der Gemeindeentwicklung zu etablieren. Dazu

sollen Kurse zum Glauben als Regelangebot der

Evangelischen Kirche möglichst flächendeckend

an verschiedenen Lernorten angeboten werden.

Im Rahmen des Projekts wurden deshalb in vielen

Landeskirchen eigene regionale Steuerungsgruppen

eingesetzt und das Handbuch ERWACHSEN

GLAUBEN wurde an viele Pfarrämter ausgegeben.

Kurse zum Glauben stellen ein viel genutztes Format

missionarischer Gemeindearbeit dar. Sie werden

am Institut zur Erforschung von Evangelisation

und Gemeindeentwicklung (IEEG) der Ernst-Moritz-Arndt-Universität

Greifswald seit langem auch

inhaltlich erforscht und bearbeitet.

Mit der empirischen Untersuchung zur Bedeutung

von Kursen zum Glauben für die Entwicklung

von Gemeinde und Kirche verbinden sich die Forschungsinteressen

des IEEG mit den Interessen der

AMD und EKD, die Verortung und Bedeutung von

Kursen zum Glauben in der Gemeindeentwicklung

zu untersuchen, sowie nach ersten Wirkungen des

Projekts zu fragen.

An dieser Stelle danken wir der Arbeitsgemeinschaft

Missionarische Dienste sowie der Steuerungsgruppe

ERWACHSEN GLAUBEN für das

Vertrauen, das nicht nur an dieser Stelle zu einer

Kooperation zwischen dem EKD-Projekt und dem

Institut zur Erforschung von Evangelisation und

Gemeindeentwicklung der Universität Greifswald

führte. Ein ausdrücklicher Dank richtet sich an den

Projektleiter der Initiative ERWACHSEN GLAU-

BEN, Andreas Schlamm, und an die Verantwortlichen

in den beteiligten Landeskirchen, die die

Durchführung der Studie maßgeblich unterstützt

haben. Darüber hinaus danken wir Daniel Hörsch

vom EKD-Zentrum für Mission in der Region

(ZMiR) für die Ersterstellung der Fragebögen und

für seine Beobachtungen bei der Auswertung der

erhobenen Daten.

Greifswald, im Dezember 2012

Jens Monsees

Carla J. Witt

Martin Reppenhagen

Der Erhebung liegt die These zugrunde, dass Kurse

zum Glauben einen wichtigen Beitrag für die Gemeinde

leisten, sich als Kommunikationsschule des

Glaubens und die eigene Arbeit (neu) als missionarisch

zu verstehen. Von ihrem befristeten Charakter

her sind sie gemeindliche Öffnungsstellen und

ein Angebot für Menschen, Kirche auf Zeit zu erleben

in der Hoffnung, dass sie sich auch auf Dauer

in der Gemeinde beheimaten und das „Land des

Glaubens“ erkunden. Damit wird auch ein „Wachsen

gegen den Trend“ für die Gemeinde erhofft.

Mit dem hier vorliegenden Bericht werden die Ergebnisse

der Untersuchung vorgestellt, die nach

der Bedeutung und Verbreitung von Kursen zum

Glauben fragt. Auch die ebenfalls wichtige Befragung

von Kursteilnehmenden und Kursmitarbeitenden

ist bereits erfolgt. An ihrer Auswertung wird

jedoch noch gearbeitet. Darum werden die entsprechenden

Ergebnisse zu einem späteren Zeitpunkt

vorgestellt.


Inhaltsverzeichnis

1. Grundlegende Vorbemerkungen 5

2. Einleitendes zur vorliegenden empirischen Untersuchung über Kurse zum Glauben 6

3. Methodik der Studie 9

4. Ergebnisse – 10 Thesen 16

Kurse zum Glauben – Verbreitung und Motive 16

1. Es gibt inzwischen eine große Vielzahl unterschiedlicher Kursformate, von denen vier besonders häufig

genutzt werden: Alpha, Emmaus, Spur 8, Stufen des Lebens. (16) 2. Motive, die sich auf Glaubensweckung

und –vertiefung beziehen, haben für das Angebot von Kursen zum Glauben eine größere Bedeutung

als Mitgliedschaftsthemen. Dabei geht es im Osten stärker um das „Christ werden“ und im Westen stärker

um das „Christ bleiben“. (19) 3. Wenn sich Gemeinden dagegen entscheiden, Kurse zum Glauben durchzuführen,

überwiegen eher pragmatische und strukturelle als inhaltliche Gründe. (23)

Kurse zum Glauben – Beitrag zur Gemeindeentwicklung 24

4. Es passiert etwas! – Kurse zum Glauben zeigen erkennbare Wirkungen für die Gemeindeentwicklung.

Zudem gibt es einen Zusammenhang zwischen ihrer regelmäßigen Durchführung und der Bewertung ihrer

Bedeutung für die Gemeindeentwicklung, aber zugleich auch eine Diskrepanz zwischen dieser Bewertung

und den Angaben zu Folgeangeboten. (24) 5. Vor allem personenbezogene Aspekte werden für das Gelingen

von Kursen zum Glauben als ausschlaggebend erachtet. (35) 6. Gemeinden, die Kurse zum Glauben

durchführen, haben durchschnittlich mehr Gottesdienstbesucher, mehr ehrenamtliche Mitarbeitende, mehr

Erwachsenentaufen und ein breiteres Veranstaltungsangebot als Gemeinden, die keine Kurse anbieten, ohne

dass daraus ein Ursache-Wirkungs-Verhältnis in die eine oder andere Richtung abgeleitet werden kann. (39)

Kurse zum Glauben – ihre Akteure 43

7. Teilnehmende an Kursen zum Glauben kommen eher aus dem Bereich der ehrenamtlich Mitarbeitenden

und der Kirchennahen, auch wenn Kursanbieter stärker die Kirchendistanzierten und Konfessionslosen

im Blick haben. (43) 8. Pfarrerinnen und Pfarrer sind Schlüsselpersonen für die Initiierung, Kommunikation

und Durchführung von Kursen zum Glauben. (47)

Kurse zum Glauben – Kooperationen und EKD-Initiative ERWACHSEN GLAUBEN 51

9. Wo mit Kursen zum Glauben gearbeitet wird, fördert dies die Kooperation von Gemeinden und anderen

kirchlichen Ebenen (Kirchenkreisen/Dekanaten) bzw. Arbeitsbereichen. (51) 10. Die Initiative ERWACH-

SEN GLAUBEN zeigt erste Wirkungen und bietet zugleich in einer längeren zeitlichen Perspektive weitere

Wachstumsmöglichkeiten. (52)

5. Folgerungen für die Arbeit mit Kursen zum Glauben in Gemeinden 59

und an kirchlichen Orten in der Evangelischen Kirche in Deutschland

Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung (IEEG) 63

der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald


1. Grundlegende Vorbemerkungen 4 5

1. Grundlegende Vorbemerkungen

Seit den 1970er Jahren ist eine Vielzahl von unterschiedlichen

Kursen zum Glauben entstanden, die

kaum mehr überschaubar ist. Als einer der ersten

Kurse ist hier Heribert Mühlens „Einübung in die

christliche Grunderfahrung“ 1 zu nennen, der weit

über den Kontext der katholischen Kirche hinaus

bekannt wurde. Besonders im Rahmen des missionarischen

Gemeindeaufbaus folgten weitere Kurse,

die in die Inhalte des christlichen Glaubens einführen

wollten. Aus dieser Tradition entstammt u.a.

der Kurs Christen werden – Christ bleiben (heute:

Spur 8). Einen besonderen „Schub“ erlebten Kurse

zum Glauben innerhalb der Gliedkirchen der EKD

in den 1990er Jahren, als vermehrt über Bildungsangebote

zum christlichen Glauben nachgedacht

wurde. So schreibt Wolfgang Huber bereits zur

Jahrtausendwende in seinem vielbeachteten Buch

„Kirche in der Zeitenwende“:

„Die Verkündigung des Evangeliums schließt

die Aufgabe ein, dessen Inhalt verständlich

zu machen und Menschen dazu zu befähigen,

von ihrem Glauben Rechenschaft abzulegen.

[...] Sie umfasst die Grundfragen der persönlichen

Lebensführung, der Lebensformen von

Freundschaft, Partnerschaft, Ehe und Familie,

aber auch die Fragen der Verantwortung im Beruf

und im politischen Zusammenleben einer

Gesellschaft. Sie hat ihre Grundlage in der Vergegenwärtigung

der biblischen Botschaft; der

Reichtum biblischer Geschichten ist das kostbarste

Gut, das ihr anvertraut ist.“ 2

Diese Aufgabe erfüllen unter anderem auch Kurse

zum Glauben. Damit war Wolfgang Huber zwar

nicht der Erfinder von Kursen zum Glauben, aber

er verschaffte dem Thema doch eine breite Diskussionsfläche

in der EKD, was u.a. dazu führte, den

Zusammenhang von Bildung und Mission näher

zu erfassen und zu begründen. Das EKD-Projekt

ERWACHSEN GLAUBEN kann hier als eine, wenn

nicht sogar die bedeutendste Frucht dieser Diskussion

und Entwicklung angesehen werden. Und es

kann festgehalten werden, dass sich „Kurse, die

zentrale Inhalte des christlichen Glaubens vermitteln

und Erwachsenen helfen, sich dem Glauben

anzunähern, [...] seit einigen Jahren einer spürbar

wachsenden Beliebtheit“ erfreuen. „Kurse zum

Glauben helfen Menschen, die sich in (Halb-) Di-

1 Heribert Mühlen, Einübung in die christliche Grunderfahrung, Teil I: Gebet und

Erwartung, Teil II: Lehre und Zuspruch, Mainz 1976.

2 Wolfgang Huber, Kirche in der Zeitenwende. Gesellschaftlicher Wandel und

Erneuerung der Kirche, 3. Aufl., Gütersloh 1999, 294f.

stanz zum kirchlichen Leben befinden, Einrichtungen

und besonders die Gemeinden als kommunikativen

Lebens- und Lernort des Glaubens zu

entdecken.“ 3

Der Ausdruck „Kurse zum Glauben“ ist dabei im

Rahmen des EKD-Projekts ERWACHSEN GLAU-

BEN geprägt worden, um die verschiedenen Bezeichnungen

von Kursen und Kursmodellen unter

einem Begriff zusammenzufassen. In der Tradition

des missionarischen Gemeindeaufbaus ist mehrheitlich

von Glaubenskursen die Rede. Daneben

zeigen sich Bezeichnungen wie Theologiekurse,

Glaubensseminare oder Taufkurse. So unterschiedlich

die Kurse in ihren Intentionen auch sein können,

ist ihnen gemeinsam, dass es sich bei ihnen

um ein zeitlich befristetes Angebot handelt, in dem

auf elementare und an die Form des Katechismus

angelehnte Weise über Aussagen des christlichen

Glaubens informiert wird. Gerade die Glaubenskurse

im missionarischen Gemeindeaufbau verbinden

dies mit der Einübung in den christlichen Glauben

und sind daher evangelistisch ausgerichtet. 4

Die EKD-Initiative 5 ERWACHSEN GLAUBEN begann

2009, die Aufnahme der Impulse und die

Einrichtung von Steuerungsgruppen in den verschiedenen

Landeskirchen erfolgte dann in den Folgejahren.

Das Handbuch über Kurse zum Glauben

erfuhr durch den Versand durch die Landeskirchen

an viele Pfarrämter eine weite Verbreitung und damit

die Initiative im Jahr 2011 eine größere kirchliche

Öffentlichkeitswirkung.

3 Arbeitsgemeinschaft Missionarischer Dienste (Hrsg.), Erwachsen glauben. Missionarische

Bildungsangebote. Grundlagen - Kontexte - Praxis, Gütersloh 2011, 8. (nachfolgend

abgekürzt: Handbuch)

4 Vgl. dazu die Ausführungen in Jens Martin Sautter, Spiritualität lernen. Glaubenskurse

als Einführung in die Gestalt christlichen Glaubens, BEG 2, 3. Aufl., Neukirchen-Vluyn

2008,110ff und Götz Häuser, Einfach vom Glauben reden. Glaubenskurse als zeitgemäße

Form der Glaubenslehre für Erwachsene, BEG 12, 2. Aufl., Neukirchen-Vluyn 2010,

90ff. 97f.

5 Im Bericht wird in synonymer Weise von Initiative und Projekt gesprochen. Offiziell

ist von einem EKD-Projekt die Rede, was den faktischen Gegebenheiten entspricht. Im

kirchlichen Sprachgebrauch wird auch von Initiative gesprochen. Hier und da fällt auch

der Begriff Kampagne, der im Rahmen des Fragebogens auch berücksichtigt wurde, aber

ansonsten als Beschreibung von ERWACHSEN GLAUBEN nicht verwendet wird.


2. Einleitendes zur vorliegenden empirischen Untersuchung

über Kurse zum Glauben

„Statistik ist der Kode, mit dem wir die Gedanken

Gottes lesen können.“ 6 – Eine gewagte und sicherlich

auch theologisch interpretationsbedürftige

These, da sich Denken und Handeln Gottes nicht

einfach statistisch abbilden lassen. Das wäre ja so,

als ob eine Umfrage zur Bedeutung von Kursen

zum Glauben und zu Erfahrungen in der Arbeit mit

ihnen unmittelbar zeigte, wie Gott damit in Gemeinden

und an einzelnen Menschen handelt. Das

kann Statistik selbstredend nicht, zumal alle möglichen

Daten über das, was Menschen tun, erhoben

und beschrieben werden können, die mit den Gedanken

Gottes nur wenig zu tun haben – auch in

der Kirche. Und doch gibt es eine Außenseite des

Handelns Gottes, die sich auch in statistisch Wahrnehmbarem

und Beschreibbarem zeigt – auch und

vor allem in der Kirche und auch durch die Arbeit

mit Kursen zum Glauben. So zeigen empirische Daten

zwar nicht die Gedanken Gottes in Reinkultur,

aber doch etwas von dem, was durch sein Handeln

passiert und sich verändert – bei einzelnen und in

Gemeinde und Kirche und auch in der Arbeit mit

Kursen zum Glauben.

Bereits vor Beginn der EKD-Initiative ERWACHSEN

GLAUBEN gab es vielfältige Erfahrungen mit Kursen

zum Glauben. Darum soll die Arbeit mit Zahlen

und Statistik, soll also der empirische Zugang zur

Frage nach der Bedeutung von Kursen zum Glauben

für die Entwicklung von Gemeinde und Kirche

dazu dienen, Erfahrungen sowohl vor und als auch

seit Beginn der EKD-Initiative zu sammeln. Darüber

hinaus sollen Wirkungen der Arbeit mit Kursen

zum Glauben wahrgenommen, beschrieben,

gedeutet und für die Entwicklung von Gemeinde

und Kirche 7 fruchtbar gemacht werden.

Dabei geht es darum, über verschiedentlich gemachte

Erfahrungen und Beobachtungen in der

Arbeit mit Kursen zum Glauben hinauszukommen

und zu fragen, ob diese und die auf die EKD-Initiative

bezogenen z.T. sehr punktuellen Wahrnehmungen

auf eine empirische Grundlage gestellt

werden können. So fragen wir:

»»

Welche Bedeutung haben Kurse zum Glauben

für die Entwicklung von Gemeinde und

Kirche?

»»

Welche Wirkungen sowohl von Kursen zum

Glauben als auch der EKD-Initiative ER-

WACHSEN GLAUBEN zeigen sich?

»»

Und welche Folgerungen können aus den

Ergebnissen der Studie für die Arbeit mit Kursen

zum Glauben in Gemeinde und Kirche

gezogen werden?

Jetzt, wo das Thema Kurse zum Glauben viel

stärker in das kirchliche und hoffentlich auch öffentliche

Blickfeld geraten ist, lohnt es genauer

hinzusehen und unter dem genannten Fokus die

Kursanbieter und dann auch die Teilnehmenden an

und die Mitarbeitenden bei Kursen zum Glauben

ausführlich und methodisch gezielt zu befragen.

Darum hat das Institut zur Erforschung von Evangelisation

und Gemeindeentwicklung im Rahmen

des EKD-Projektes ERWACHSEN GLAUBEN diese

empirische Untersuchung zur Bedeutung von

Kursen zum Glauben für die Entwicklung von Gemeinde

und Kirche durchgeführt, in der zunächst

Verantwortliche in der Leitung von Gemeinden

und anderen kirchlichen Orten 8 (z.B. in Bildungseinrichtungen)

und die Verantwortlichen in den

landeskirchlichen Steuerungsgruppen befragt wurden

und deren Ergebnisse hiermit in einer ersten

Auswertung vorliegen.

Im Vorfeld unserer Untersuchung wurde im Frühjahr

2012 in zwei Kirchenkreisen der Evangelischen Kirche

von Westfalen eine Vorstudie durchgeführt, die

im wesentlichen als Pretest für das Untersuchungsinstrumentarium

der Fragebögen galt. Zugleich

zeigten sich dort jedoch bereits interessante Per-

Vier verschiedene Fragebögen:

B1 - Gemeindeleitungen

B2 - Teilnehmende

B3 - Mitarbeitende

B4 - landeskirchliche Steuerungsgruppen

und Projektverantwortliche

6 Florence Nightingale, zitiert nach John Finney, To Germany with Love, Neukirchen-

Vluyn 2011, 73 (BEG-Praxis).

7 Wenn in der Studie von Gemeindeentwicklung oder der Entwicklung von Gemeinde

und Kirche die Rede ist, dann ist damit kein spezielles Gemeindeentwicklungskonzept

gemeint, das als Maßstab dient, an dem alles zu prüfen wäre. Vielmehr geht es um die

in Gemeinden je eigenen und oft sehr unterschiedlichen Konzeptionen zur immer neuen

Weiterentwicklung der Gemeinde als Teil der großen Sendung Gottes in diese Welt.

8 Mit „kirchlichen Orten“ sind im folgenden solche kirchlichen Arbeitsbereiche gemeint,

die ebenfalls Kurse zum Glauben verantworten und/oder durchführen (können) – etwa

Einrichtungen der Evangelischen Erwachsenenbildung, der Diakonie oder weiterer. Im

Fragebogen B1 selbst sind nicht immer alle dieser möglichen Arbeitsbereiche jeweils

aufgezählt, so dass dort der Begriff „Gemeinde“ diese mit einschließt.


2. Einleitendes zur vorliegenden empirischen Untersuchung über Kurse zum Glauben 6 7

spektiven im Blick auf die Bedeutung der Rolle

von Kursen zum Glauben für die Entwicklung von

Gemeinden und Kirche, die in die nachfolgende

Auswertung der Daten mit eingeflossen sind.

Die vorliegende Präsentation von Ergebnissen

unserer Befragung bezieht sich überwiegend auf

den an die Leitung von Gemeinden und anderen

kirchlichen Orten gerichteten Fragebogen B1. Sie

wird ergänzt durch die Perspektive der regionalen

landeskirchlichen Steuerungsgruppen bzw. Projektverantwortlichen

in den Ergebnissen des Fragebogens

B4. Die Auswertung der Bögen B2 für

Teilnehmende und B3 für Kursmitarbeitende und

ihr Bezug auf die hier vorgelegten Ergebnisse wird

dann in einem zweiten Schritt erfolgen und zu einem

späteren Zeitpunkt veröffentlicht werden.

Zeitpunkt und Fokus der Studie

Die empirische Untersuchung zur Bedeutung von

Kursen zum Glauben für die Entwicklung von Gemeinde

und Kirche erfolgt am Ende des von der

EKD bestimmten Projektzeitraumes für die Initiative

ERWACHSEN GLAUBEN und damit zu einem

sehr frühen Zeitpunkt (etwa 1½ Jahre nach dem

offiziellen Beginn der Initiative im Jahr 2011). Dies

ist um so mehr von Bedeutung als die Initiative

selbst mindestens mittelfristig und auf eine wie

auch immer im Einzelnen gestaltete Verstetigung

des Angebotes von Kursen zum Glauben angelegt

ist und sich darin wesentlich von den verschieden

akzentuierten Themenjahren auf dem Weg zum

Reformationsjubiläum 2017 unterscheidet.

Aus der mittel- bzw. langfristigen Anlage der Initiative

haben sich offenbar nun auch unterschiedliche

bisherige Intensitäten und zeitliche Abläufe in den

einzelnen Landeskirchen ergeben, die somit nicht

in allen von ihnen eine empirische Untersuchung

möglich gemacht hätten. Einige Landeskirchen

haben bereits begonnen, die Impulse der EKD-Initiative

umfassend aufzunehmen, andere arbeiten

eher in kleineren (Modell)Regionen und wiederum

andere haben sich auf einen späteren Beginn in ihrem

Bereich verständigt. Schon aus diesem Grund

ist eine bun-desweite Befragung nicht möglich gewesen,

von der dadurch entstandenen Datenmenge

einmal abgesehen.

Der frühe Zeitpunkt der Studie zieht weitere Konsequenzen

nach sich. Er legt zum einen nahe, nach

drei bis fünf Jahren erneut Untersuchungen durchzuführen,

um weitere Einblicke in die Wirkungen

der Arbeit mit Kursen zum Glauben bekommen

und genauere Entwicklungen betrachten zu können,

die sich zeigen, wenn sie in Gemeinden und

an anderen kirchlichen Orten zu einem Regelangebot

geworden sind. Dies gilt insbesondere für solche

Gemeinden und Orte, die nach Beginn der Initiative

ERWACHSEN GLAUBEN begonnen haben,

Kurse zum Glauben anzubieten. 9 Zum anderen

legt der frühe Zeitpunkt der Untersuchung nahe,

nicht im engeren Sinn von einer „Evaluation“ des

Gesamtprojektes ERWACHSEN GLAUBEN zu sprechen

und dies besonders vor dem erwähnten Hintergrund

des unterschiedlichen Sachstandes in den

Landeskirchen.

Wir haben darum für die Studie einen besonderen

Fokus gewählt, der trotz des frühen Zeitpunkts der

Untersuchung auch jetzt schon einen ersten Blick

auf die Erfahrungen in der Arbeit mit Kursen zum

Glauben erlaubt: Es geht um die Bedeutung von

Kursen zum Glauben für die Entwicklung von

Gemeinde und Kirche. So sollen weder einzelne

Kursangebote an einzelnen Orten noch die EKD-Initiative

für sich betrachtet werden. Viel mehr geht

es um die Einbettung von Kursen zum Glauben in

die gemeindliche Arbeit, in eventuelle Konzepte

und Strategien der Gemeindeentwicklung bzw. der

Entwicklung anderer kirchlicher Orte. Darum lässt

sich fragen:

»»

Welche Kursmodelle gibt es und welche kommen

besonders zum Einsatz? (These 1)

»»

Welche Motive sind leitend, dass Kurse zum

Glauben angeboten werden (These 2), und

welche Gründe nennen diejenigen, die keine

anbieten (These 3)?

»»

Welche Wirkungen zeigt die Arbeit mit Kursen

zum Glauben, wie wird ihre Bedeutung

für die Gemeindeentwicklung bewertet und

wie sind sie in einer Gemeinde verankert

(These 4)?

»»

Welche Faktoren beeinflussen positiv bzw.

negativ die Durchführung von Kursen zum

Glauben (These 5)?

»»

Unterscheiden sich Gemeinden, die Kurse

zum Glauben anbieten von denen, die das

nicht tun, und wenn ja, wie lassen sich die

Unterschiede beschreiben (These 6)?

9 Derlei Zusammenhänge sind aber auch jetzt schon in Ansätzen sichtbar. Vgl. dazu die

Ausführungen zu These 4.


»»

Welche Teilnehmenden haben Kursanbieter

im Blick und welche kommen tatsächlich

(These 7)?

»»

Welche Bedeutung haben Hauptamtliche für

Impuls, Kommunikation und Durchführung

eines Kursangebotes (These 8)?

»»

Lassen sich Erfahrungen mit Kooperationen

beschreiben (These 9) und welche Erfahrungen

mit der Initiative und dem zur Verfügung

gestellten Material lassen sich erkennen

(These 10)?

Antworten auf diese Fragen werden nachfolgend

vorgestellt und erlauben einen ersten genaueren

Blick auf die Bedeutung von Kursen zum Glauben

für die Entwicklung von Kirche und Gemeinden.


3. Methodik der Studie 8 9

3. Methodik der Studie

1. Wie wurde gefragt?

Bei der vorliegenden Studie handelt es sich um

eine quantitative, schriftliche Befragung mithilfe

eines strukturierten, standardisierten und damit

innerhalb der jeweiligen Befragtengruppen identischen

Fragebogens.

Wir untersuchen die Bedeutung von Kursen zum

Glauben für die Entwicklung von Gemeinde und

Kirche und erhoffen uns zudem erste Erkenntnisse

zum Verlauf der EKD-Initiative. Dies verbindet sich

mit der Hoffnung, dass sich für die auf unterschiedlichen

kirchlichen Ebenen handelnden Personen

aus den Ergebnissen hilfreiche Erkenntnisse für

Planung, Durchführung, Begleitung und Weiterentwicklung

von Kursen zum Glauben gewinnen

lassen. Darum erfolgte das theoretische Herangehen

an die Konstruktion des Fragebogens zunächst

von zwei Seiten: Zum einen unter dem Aspekt der

Gemeindeentwicklung und zum anderen unter

dem der Durchführung und Wirkung des Projektes

ERWACHSEN GLAUBEN und der Nutzung der in

diesem Rahmen zur Verfügung gestellten Materialien

und Unterstützungsmöglichkeiten. Die Initiative

ERWACHSEN GLAUBEN hat darum in dieser Untersuchung

auch eine besondere Bedeutung.

2. Wer wurde befragt?

Als Partnerkirchen wurden zwei westdeutsche und

zwei ostdeutsche Landeskirchen gewonnen: Die

Evangelische Landeskirche in Baden, die Evangelische

Landeskirche von Westfalen, die Evangelische

Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz

(EKBO) und die Evangelisch-Lutherische Landeskirche

Sachsen. Daraus ergibt sich die Möglichkeit,

an verschiedenen Stellen die Beobachtungen in

westdeutschen und ostdeutschen Landeskirchen

miteinander zu vergleichen und eventuelle Unterschiede

in Verständnis und Durchführung von Kursen

zum Glauben zu beschreiben.

Zunächst war die Studie so angelegt, dass zeitgleich

Fragebögen für die Gemeindeleitung, die

Mitarbeitenden und die Teilnehmenden an Kursen

zum Glauben in eine Gemeinde versandt werden

sollten. Allerdings war eine maßgebliche Erkenntnis

aus der Vorstudie, dass dadurch viele Fragebögen

an Gemeinden versandt wurden, die dafür gar

keine Verwendung hatten, da sie keine Kurse zum

Glauben anbieten und deswegen die Fragebögen

an Teilnehmende und Mitarbeitende nicht weitergeben

konnten. Deswegen wurde das Konzept

für die Hauptstudie umgestellt. Der Fragebogen für

die Gemeindeleitung (B1) wurde erweitert – unter

anderem um einen Teil, in dem Details über einen

konkreten angebotenen Kurs abgefragt werden –

und die Gemeinden wurden gebeten für den Versand

von weiteren Bögen ihre Adresse anzugeben.

Gemeinden, die Kurse zum Glauben anbieten bzw.

angeboten haben und hier ihre Adresse angaben,

bekamen dann Fragebögen für die Teilnehmenden

(B2) und Mitarbeitenden (B3) an Kursen zum

Glauben, mit der Bitte um Verteilung zugesandt.

Diese Bögen fließen zunächst noch nicht in diese

Veröffentlichung ein, werden aber zeitnah ebenfalls

ausgewertet und mit den Ergebnissen dieser

Untersuchung verglichen werden.

In den beiden westdeutschen Landeskirchen wurden

alle Gemeinden und kirchlichen Orte flächendeckend

angeschrieben und um das Ausfüllen der

Fragebögen gebeten. In den ostdeutschen Landeskirchen

ist der Stand der Arbeit mit Kursen zum

Glauben regional sehr unterschiedlich, sodass eine

landeskirchlich flächendeckende Datenerhebung

nicht möglich war. Die Befragung beschränkte

sich hier auf einzelne Kirchenkreise, in denen

an verschiedenen Orten Erfahrungen mit Kursen

zum Glauben vorliegen. Die hier angeschriebenen

Gemeinden sind also Teil einer aufgrund der folgenden

inhaltlichen Überlegungen ausgewählten

Stichprobe:

»»

verschiedene Regionen Deutschlands, die zudem

in ihrem Bereich unterschiedliche Siedlungsformen

aufweisen

»»

verschiedene Umsetzungsstände von ER-

WACHSEN GLAUBEN

Wir halten diese vier Landeskirchen für einen guten

Querschnitt durch die kirchliche und religiöse

Landschaft in Deutschland. Darüber hinaus waren

pragmatische Kriterien für die Auswahl der Erhebungsregion

entscheidend. Besonders ist hier die

Bereitschaft der Landeskirchen zur Beteiligung aufgrund

des aktuellen Standes der Umsetzung von

ERWACHSEN GLAUBEN zu nennen.

In Baden und Westfalen wurden an alle Kirchengemeinden

und viele kirchliche Dienste und Träger

insgesamt etwa 1.500 Fragebögen verschickt. Hier

lief der Versand aus organisatorischen Gründen

über den Pfarrversand der jeweiligen Landeskirche.


In die EKBO und nach Sachsen wurden insgesamt

etwa 150 Fragebögen an Kirchengemeinden und

kirchliche Dienste in vier Kirchenkreisen geschickt.

Insgesamt wurden somit etwa 10% aller evangelischen

Gemeinden in Deutschland 10 angeschrieben

und es wurden von etwa 10% dieser Gemeinden

Fragebögen zurückgeschickt. Dies ist angesichts

der Länge des Fragebogens bei einer nicht angekündigten

Untersuchung mit nur einem Erinnerungsschreiben

ein sehr guter Wert.

Darüber hinaus wurde ein weiterer Fragebogen

(B4) an alle regionalen landeskirchlichen Steuerungsgruppen

bzw. an die Projektverantwortlichen

für ERWACHSEN GLAUBEN in den Gliedkirchen

der Evangelischen Kirche in Deutschland versandt.

11 Er dient in der Auswertung dieser Studie

zum Vergleich der verschiedenen Perspektiven der

Gemeindeleitungen einerseits und der regionalen

landeskirchlichen Steuerungsgruppen bzw. der landeskirchlichen

Verantwortlichen andererseits.

3. Wie passen Methodik und Stichprobe

zusammen?

Das Instrumentarium des Fragebogens ist hilfreich,

weil es eine gute Vergleichbarkeit zwischen den

Antworten ermöglicht. Alle Ausfüllenden haben

die gleichen Fragestellungen und die gleichen Antwortvorgaben.

Gleichzeitig entsteht gerade aus

diesen Antwortvorgaben auch wieder eine Problematik,

weil eventuell ganz andere Ansichten nicht

oder nur sehr schwer dargestellt werden können.

Zwar haben die meisten Fragestellungen auch die

Möglichkeit „anderes“ oder „weiteres“ anzugeben,

diese Möglichkeit wird erfahrungsgemäß jedoch

nur von einem kleinen Teil der Ausfüllenden genutzt.

Für die vorgegebenen Antworten ist aber ein

Vergleich durchaus möglich und auch sinnvoll. Im

Text haben wir diese vorgegebenen Antworten jeweils

kursiv markiert, um dadurch deutlich zu machen,

dass die Formulierungen aus dem Fragebogen

und nicht von den Ausfüllenden selbst stammen.

Mit der Studie ist nicht beabsichtigt, einen vollständigen

oder auch nur einen statistisch repräsentativen

Überblick über die Verbreitung von Kursen

zum Glauben innerhalb der EKD oder über die Umsetzung

der Initiative ERWACHSEN GLAUBEN zu

10 Vgl. Kirchenamt der EKD (Hg): Evangelische Kirche in Deutschland – Zahlen und

Fakten zum kirchlichen Leben, Hannover 2012, 8: 2010 gab es 15.129 evangelische

Gemeinden innerhalb der EKD.

11 Die Liste der angeschriebenen Personen kann unter: https://www.kurse-zumglauben.org/kontakt-landeskirchen/

eingesehen werden.

geben. Da es sich bei den befragten Gemeinden um

eine begrenzte Anzahl aus einem vorgegebenen

Gebiet und somit bei den Angaben um subjektive

Einschätzungen ihrer individuellen Realität handelt,

können einzelne Angaben nicht automatisch

1:1 auf andere Gemeinden in anderen Situationen

übertragen werden. Allerdings rechtfertigen sowohl

die Anzahl der beteiligten Gemeinden als auch ihre

Unterschiedlichkeit (vgl. dazu den Überblick in Abschnitt

3.6) die Annahme, dass die in den beteiligten

Landeskirchen erhobenen und nachfolgend

beschriebenen Daten über sich hinausweisen. Sie

können somit durchaus als Indizien für eine gewisse

Allgemeingültigkeit der Ergebnisse gesehen

werden. Dabei wird manches, was im Blick auf

Kurse zum Glauben bislang eher Empfindung und

Vermutung war, in unseren Thesen aufgenommen

und durch die empirischen Belege auf eine wissenschaftliche

Grundlage gestellt. Anderes hingegen

ist durch unsere Studie und deren Ergebnisse erst

zutage getreten.

4. Womit wurde befragt?

Wie bereits erwähnt, wurden für diese erste Auswertung

zwei verschieden Arten von Fragebögen

verschickt. Die nächsten beiden Abschnitte sollen

einen groben Einblick in den Aufbau dieser Fragebögen

geben.

Beschreibung des Fragebogens an die Verantwortlichen

in den Gemeinden (B1)

Im Fragebogen B1 interessieren uns in einem ersten

Bereich zunächst allgemeine Angaben zur Ausgangslage

der befragten Kirchengemeinde bzw. der

Gemeinde, die ein Kursangebot gemacht hat. Dies

beinhaltet die durchschnittliche Anzahl an Gottesdienstbesuchern

und Erwachsenentaufen, alternative

Gottesdienstangebote (Jugend-, Familien- oder

sogenannte Gästegottesdienste), Anzahl und Art

von Gruppen und Kreisen in der Gemeinde, sowie

die Bereich ehrenamtlicher Tätigkeit und das Angebot

von Projektveranstaltungen wie Freizeiten,

Frühstückstreffen, Konzerten oder auch Evangelisationsveranstaltungen.

In einem zweiten Fragenbereich geht es um bisherige

Erfahrungen mit Kursen zum Glauben in der

Kirchengemeinde. Hier fragen wir explizit nach

den im Handbuch ERWACHSEN GLAUBEN genannten

Kursmodellen. Darüber hinaus eröffnen


3. Methodik der Studie 10 11

wir die Möglichkeit zur Nennung eines anderen

Angebotes. Zudem fragen wir hier nach der Regelmäßigkeit

eines Angebotes, seinem Beginn und

der Anzahl an Kursen, die seit genanntem Beginn

(mit)veranstaltet wurden, sowie nach der Person,

die die Durchführung eines Kurses anregte. Zudem

interessiert uns hier, ob die Initiative ERWACHSEN

GLAUBEN ein Impuls für die Durchführung eines

Kurses war und wie mit der Initiative im Kirchenkreis

bzw. Dekanat umgegangen wurde.

Von besonderer Wichtigkeit ist der folgende Fragenbereich.

Es geht um die Motive, keine Kurse

zum Glauben durchzuführen. Es geht somit nicht

nur um die Befragung von Gemeinden, die Kursangebote

durchgeführt haben, sondern gerade auch

um solche, die sich nicht daran beteiligt haben und

um die Aspekte, die zu einer dahingehenden Entscheidung

geführt haben.

Im folgenden Fragenbereich wird diese Perspektive

dann gewendet, indem gefragt wird, welche

Bedeutung bzw. welchen Stellenwert Kurse zum

Glauben in einer Gemeinde haben. Außerdem soll

hier bewertet werden, welche Motive nun wiederum

für eine Durchführung ausschlaggebend waren.

Hinzu kommt an dieser Stelle die Frage nach den

ins Auge gefassten Personengruppen für ein Kursangebot

bzw. generell für die Arbeit mit Kursen.

Des Weiteren wird danach gefragt, ob es bei der

Durchführung von Kursen zum Glauben eine Kooperation

einer Kirchengemeinde mit anderen

Gemeinden, mit christlichen Einrichtungen (z.B.

CVJM oder landeskirchliche Gemeinschaften), mit

kirchlichen Bildungsträgern oder beispielsweise

in Bezug auf den Veranstaltungsort mit anderen

öffentlichen Einrichtungen wie einer Volkshochschule,

einer KiTa oder auch einem Seniorenheim

gegeben hat. Die kooperierenden Gemeinden werden

daraufhin gebeten anzugeben, ob diese Kooperation

als hilfreich empfunden wurde und ob es

Bereitschaft zu bzw. schon Planungen für weitere

Kooperationen gibt.

Daran schließt sich die Frage nach den Merkmalen

bzw. nach den Faktoren an, die zum einen für das

Gelingen eines Kursangebotes, zum anderen für

dessen Misslingen ausschlaggebend sein können.

Im dann folgenden Fragenbereich geht es schließlich

um die Verankerung von Kursen zum Glauben

in der Gemeindeentwicklung. Zunächst wird nach

der Begleitung und der Kommunikation eines Kursangebotes

gefragt, so dann nach möglichen Folgeangeboten.

Abschließend fragen wir nach möglichem,

wahrnehmbarem Wachstum in bestimmten

Bereichen der Gemeinde. Dabei ist uns bewusst,

dass insbesondere die Angaben an dieser Stelle lediglich

erste Momentaufnahmen sein können.

Abschließend beziehen sich die beiden letzten

Fragenbereiche auf ein konkret durchgeführtes

Kursangebot. Zunächst wird nach dem Veranstalter


und der Bezeichnung des Kursangebotes gefragt,

sodann nach Beginn des Kurses, nach der Zahl sowohl

der ehrenamtlichen als auch der hauptamtlichen

Mitarbeitenden, nach der Art der Einladung

für den Kurs und nach verschiedenen Angaben zu

den Teilnehmenden. Es schließen sich Angaben zu

Umfang, Ort und Art des Kursangebotes an. Abschließend

geht es um die Frage, ob das Handbuch,

das Internetportal und die Werbematerialien der Initiative

ERWACHSEN GLAUBEN bekannt sind und

genutzt wurden.

Beschreibung des Fragebogens für die Steuerungsgruppe

(B4)

Im Fragebogen B4 fragen wir im ersten Block zunächst

nach allgemeinen Angaben zur Steuerungsgruppe.

Dazu gehört, aus welcher Landeskirche

dieser Bogen kommt und wer ihn ausgefüllt hat.

Anschließend fragen wir nach dem Datum der

ersten Sitzung und danach, wie viele Sitzungen

seitdem stattgefunden haben. Die nächstfolgende

Frage ist die umfangreichste in diesem Block. Hier

geht es um die Anzahl der Mitglieder und um ihre

Zusammensetzung „im Hinblick auf ihre sonstigen

kirchlichen Aufgaben“. Dabei wurden einige

Vorgaben gemacht, aber auch Platz für eventuelle

weitere Arbeitsbereiche gelassen.

Im zweiten Block wird nach dem bisherigen Ablauf

der Initiative in der Landeskirche gefragt und zwar

anhand von einigen konkreten Zahlen. So wird zunächst

nach der Anzahl der Kurse gefragt, die seit

Beginn der Initiative (2011) bis September 2012

begonnen wurden. Die nächsten zwei Fragen drehen

sich um die Kursveranstalter, es wird gefragt,

wie viele schon vor Projektbeginn Kurse zum Glauben

durchführten und wie viele erst seitdem damit

begonnen haben. Außerdem wird nach Studientagen

gefragt, wie viele insgesamt stattgefunden haben

und wie viele Personen daran teilgenommen

haben.

Der dritte Frageblock trägt die Überschrift „Einbindung

in die landeskirchlichen Strukturen“, dabei

geht es vor allem darum, ob für das Projekt und

die Umsetzung besondere Vorgaben oder andere

(mittelfristige) Planungen der Landeskirche beachtet

werden mussten und in welcher Art die Umsetzung

des Projektes ERWACHSEN GLAUBEN in

der Landeskirche finanziell unterstützt wurde. Dies

wird in offenen Fragen abgefragt.


3. Methodik der Studie 12 13

„Maßnahmen und konkrete Arbeiten der Steuerungsgruppe“

heißt der vierte Block, in dem wir

zunächst einige mögliche Maßnahmen aufzählen,

bei denen die Steuerungsgruppen dann angeben

können, ob sie diese „durchgeführt“ oder „begleitet“

haben. Am Ende ist dann auch noch Platz, um

Kommentare oder Ergänzungen vorzunehmen. Bei

der nächsten Frage sollen sich die Steuerungsgruppen

auf einer Skala positionieren, die aussagt, wie

sie ihre Aufgabe sehen und zwar, ob sie eher „auf

die Gemeinden zugehen“ oder „auf Anfragen reagieren“

sollen. Diese beiden Aussagen sind die Extremwerte

auf einer 5-stufigen Skala. Die letzte Frage

in diesem Block dreht sich um den Kontakt bzw.

die Zusammenarbeit mit anderen Arbeitsbereichen

und Personen-(Gruppen) auf landeskirchlicher bzw.

EKD-weiter Ebene.

Die nächsten drei Fragen unter der Überschrift

„Beitrag von Kursen zum Glauben zur Entwicklung

von Gemeinde(n) und Kirche“ sind identisch aus

dem Fragebogen B1 übernommen. Die Fragen sind

die nach der Bedeutung von Kursen zum Glauben

in der Gemeinde, nach den Motiven für die Durchführung

von Kursen zum Glauben und nach den

Veränderungen in den Gemeinden seit der Einführung

von Kursen zum Glauben. Dabei werden

die Steuerungsgruppen immer gebeten ihre eigene

Wahrnehmung der Situationen in ihren Landeskirchen

auf einer 5-stufigen Skala anzugeben. Danach

werden sie noch gebeten ihren Beitrag zum Prozess

Erwachsen Glauben bzw. zur Entwicklung

von Gemeinde(n) und Kirche und auch die Grenzen

ihres Auftrags und ihrer Möglichkeiten in offenen

Fragen zu beschreiben.

Im letzten Block geht es in einem kurzen Ausblick

um die Zukunft von ERWACHSEN GLAUBEN.

Dabei werden sechs teilweise etwas provokante –

Thesen präsentiert und die Steuerungsgruppen gebeten

sich auf einer Skala zu positionieren.

und kann immer nur Aussagen über die tatsächlich

befragten Gemeinden treffen. Bei B4 wurden

die Steuerungsgruppen an einigen Stellen gebeten,

die Situation in ihrer gesamten Landeskirche

einzuschätzen. Dabei kann es sich immer nur um

einen subjektiven Ein-druck handeln und es kann

nicht gesagt werden, ob die Ausfüllenden dabei alle

Gemeinden ihrer Landeskirche vor Augen hatten

oder tatsächlich nur wenige. Bei den identischen

Fragen aus den Bögen B1 und B4 wird die Rolle

von Kursen zum Glauben für die Entwicklung von

Gemeinde und Kirche aus zwei verschiedenen

Blickwinkeln betrachtet.

Ein grundlegender Hinweise noch zu den Skalen:

Die Befragten konnten bei vielen Fragen auf einer

Antwortskala von 1 bis 5 antworten, meistens waren

hier nur die beiden Extremwerte näher erklärt.

Zumeist mit „sehr gering“ oder „sehr wenig“ für 1

und „sehr stark“ für 5. Für die Auswertung wird

davon ausgegangen, dass 2 als „wenig“ bzw. „gering“

und 4 als „stark“ interpretiert wurde, deswegen

werden oft die Ergebnisse der beiden Kategorien

1 und 2 bzw. 4 und 5 zusammen addiert. Für

den mittleren Skalenwert 3 wird in der Interpretation

angenommen, dass hier die Befragten sich nicht

eindeutig einer der beiden Richtungen zuordnen

konnten.

6. Wer hat geantwortet?

Insgesamt bekamen wir 168 Fragebögen zurück.

Dabei wurde vier Mal Block VIII. kopiert, dadurch

stellten uns Gemeinden Informationen über mehrere

konkret durchgeführte Glaubenskurse zur Verfügung.

Aus diesem Grund wird für den Fragenblock

I. von einer Grundgesamtheit von 164 Fragebögen

ausgegangen, die wiederum aus 156 verschiede-

5. Was beim Lesen zu beachten ist

Die Ergebnisse der Studie beziehen sich im Wesentlichen

auf die Aussagen der Gemeinden aus

dem Fragebogen B1. An allen Stellen, wo auf B4

Bezug genommen wird, ist darauf zu achten, dass

B1 und B4 nicht aus derselben Befragtengruppe

stammen und auch nicht Aussagen über dieselbe

Gruppe von Gemeinden machen. B1 beschränkt

sich explizit nur auf die genannten Landeskirchen

Rücklauf:

B1 - 164 Bögen, davon 118 aus Gemeinden

mit Kursen zum Glauben

und 46 aus Gemeinden ohne Kurse

zum Glauben.

B4 - 13 Bögen


14

nen Gemeinden stammen – aus zwei Gemeinden

bekamen wir zwei Mal den kompletten Fragebogen

zurück, vermutlich, weil hier mehrere Pfarrer

den Brief bekamen – und von sechs anderen

kirchlichen Orten, z.B. einem Altenheim, einer Ev.

Studierendengemeinde, einer Landeskirchlichen

Ge-meinschaft und einem Krankenhaus. Sie alle

fließen mit in die Auswertung ein. Im nachfolgenden

Bericht werden aufgrund der sprachlichen Vereinfachung

alle Gemeinden und Institutionen mit

unter das Wort „Gemeinde“ gefasst.

Die nachfolgende Grafik zeigt die Verteilung der beantworteten

Fragebögen nach Landeskirchen, wobei

die beiden Bögen aus Schaumburg-Lippe und

dem Rheinland äquivalent zu den anderen Bögen

in die Auswertungen eingeflossen sind, obwohl diese

Landeskirchen nicht explizit von uns angeschrieben

wurden.

Grafik 1 - B1, Frage I.1_5 Verteilung der beantworteten Fragebögen

nach Landeskirchen (N=164)

Diese 164 Gemeinden können nun anhand der in

Fragenblock I. gemachten Angaben beschrieben

werden. Z.B. aufgrund der gemachten Angaben

zur Anzahl der Gemeindemitglieder und ehrenamtlichen

Mitarbeitenden.

Durchschnittlich haben die befragten Gemeinden

3286,33 Mitglieder, 128,12 Ehrenamtliche und

1,42 Pfarrstellen. Gerade die beiden ersten Zahlen

sind allerdings durch einige sehr starke Ausreißer

bedingt.

Alle 164 Fragebögen wurden danach kategorisiert,

ob in den Gemeinden Kurse zum Glauben durchgeführt

wurden oder nicht. Dadurch entstanden

Grafik 2 - B1, Frage I.1_5 Verteilung der beantworteten Fragebögen nach Landeskirchen und mit oder ohne Kurse zum

Glauben


3. Methodik der Studie 14 15

die folgenden beiden Kategorien: Gemeinden ohne

Kurse zum Glauben (GoKzG) und Gemeinden mit

Kursen zum Glauben (GmKzG). Die Verteilung beträgt

hier etwa ¾ zu ¼ (118 Bögen von Gemeinden

mit Kursen und 46 Bögen von Gemeinden ohne

Kurse). Interessant ist auch hier vor allem wieder

die Aufteilung auf die Landeskirchen:

Von den Fragebögen B4 an die landeskirchlichen

Steuerungsgruppen bekamen wir 14 Bögen zurück,

von denen 13 in diese Auswertung eingehen 12 . Sie

kommen aus den landeskirchlichen Steuerungsgruppen

von: Baden, Bayern, EKBO, Hannover,

Hessen-Nassau, Kurhessen-Waldeck, Pfalz, Pommern,

Rheinland, Sachsen, Schaumburg-Lippe,

Westfalen und Württemberg, also aus drei östlichen

und zehn westlichen Landeskirchen.

12 Der 14. Bogen kam nicht aus einer landeskirchlichen Steuerungsgruppe, sondern

„nur“ aus einer regionalen Projektstelle, weswegen er nicht mit den anderen verglichen

werden kann.


4. Ergebnisse – 10 Thesen

Die Datenmenge, die sich aus den an uns zurückgesandten

Fragebögen erheben lässt, ist immens.

Darum haben wir uns entschieden, die Ergebnisse

unserer Untersuchung in vier thematischen Abschnitten

und in zehn ihnen jeweils zugeordneten

Thesen vorzustellen. Dabei präsentieren und

beschreiben wir zunächst die gewonnenen Erkenntnisse,

nehmen Interpretationen vor und benennen

erste Perspektiven für mögliche oder auch

notwendige Konsequenzen daraus. Diese sollen

dann jedoch im Schlussabschnitt 6 noch einmal

ausführlicher entfaltet werden. Es wird deutlich,

dass wir keine starre Trennung von Präsentation

des Datenmaterials und praktisch-theologischer Interpretation

bzw. der Beschreibung von folgenden

Schritten vornehmen, sondern einer thematischen

Gliederung folgen.

Kurse zum Glauben – Verbreitung und

Motive

1. Es gibt inzwischen eine große Vielzahl

unterschiedlicher Kursformate, von denen

vier besonders häufig genutzt werden: Alpha,

Emmaus, Spur 8, Stufen des Lebens.

Aus der Vielzahl der verschiedenen Kurse zum

Glauben 13 wurden für das Handbuch ERWACH-

SEN GLAUBEN neun Kurse ausgewählt, „die eine

Annäherung an den Glauben ermöglichen“ 14 und

eine gewisse Verbreitung erfahren haben. Sieben

der Kurse gibt es bereits seit vielen Jahren, in denen

sie in der Praxis erprobt werden konnten. Zu den

im Handbuch beschriebenen neun Kursen zählen

(in Klammern ist das Jahr der Veröffentlichung der

ersten deutschen Ausgabe zu finden):

»»

Stufen des Lebens (1981)

»»

Spiritualität im Alltag (1980er Jahre)

»»

SPUR 8 (ehemals Christ werden – Christ

bleiben, 1990)

»»

Alpha (1993)

»»

Emmaus (2002)

»»

Zwischen Himmel und Erde (2003)

»»

Expedition zum Ich (2006)

»»

Kaum zu glauben?! (2009)

»»

Warum glauben? (2009)

Nach dem Angebot von Kursen zum Glauben gefragt,

gaben 71,8% der antwortenden Gemeinden

an, dass sie solche Kurse angeboten haben bzw.

anbieten. Dabei zeigt sich eine Konzentration auf

vier Kurse, die in etwa ¾ der Kurse zum Glauben

durchführenden Gemeinden angeboten werden:

Alpha, Emmaus, SPUR 8 und Stufen des Lebens.

Immerhin in knapp ¼ der Gemeinden werden andere

(mit Anleitung oder selbst entwickelte) Kurse

angeboten. Bei der Fragestellung waren Mehrfachnennungen

möglich, sodass verschiedene Kurse von

derselben Gemeinde angeboten werden konnten.

Für die einzelnen Kurse ergibt sich folgendes Bild:

Bis 2010 wurden in 26,3% der befragten Gemeinden

Stufen des Lebens, in 19,5% SPUR 8, in 17,8%

Emmaus und in 15,3% Alpha angeboten. Zusammen

sind dies 78,9% aller Gemeinden. Andere Kurse

(mit Anleitung) wurden in 12,7 % der Gemeinden

angeboten und andere (selbst entwickelt) in

22%. Von den weiteren im Handbuch vorgestellten

Kursen wurden lediglich Zwischen Himmel und

Erde in 1,7% der Gemeinden und Warum Glauben

in 0,8% angeboten. Alle weiteren Kurse wurden

bei dieser Fragestellung nicht angegeben, was bei

Kaum zu glauben?! und Expedition zum Ich gewiss

am relativ jungen Alter der Kurse liegt. Spiritualität

im Alltag liegt zwar schon länger veröffentlicht vor,

hat aber unter den antwortenden Gemeinden eine

nur begrenzte Verbreitung gefunden.

Mit leichten Verschiebungen ergeben sich für den

Zeitraum seit 2011 ähnliche Verteilungen. So

wurden die vier „Mehrheitskurse“ in 69,5% der

Gemeinden durchgeführt: 22,9% SPUR 8, 19,5%

Stufen des Lebens, 14,4% Emmaus und 12,2%

Alpha. Andere Kurse (selbstentwickelt) wurden in

15,3% und andere Kurse (mit Anleitung) in 5,9%

der Gemeinden angeboten. Es folgen mit 3,4% der

Gemeinden Kaum zu glauben?!, sowie mit jeweils

0,8% Spiritualität im Alltag und Zwischen Himmel

und Erde. Expedition zum Ich und Warum glauben

wurden in unserer Untersuchung nicht angegeben.

Auch hinsichtlich der in den Gemeinden geplanten

Kurse zum Glauben zeigt sich erneut die bereits beschriebene

Verteilung. So werden vor allem Alpha,

Emmaus, SPUR 8 und Stufen des Lebens sowie andere

Kurse geplant.

13 Der Glaubenskursfinder der Ev.-luth. Kirche in Bayern (www.glaubenskursfinder.de)

hat allein rund 50 Kurse aus dem deutschsprachigen Raum zusammengestellt.

14 Vgl. Handbuch, 124.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit sind unter der

Kategorie „anderer Kurs (mit Anleitung)“ folgende

Kurse von jeweils einer oder zwei Gemeinden


4. Ergebnisse – 10 Thesen 16

17

Grafik 3 - B1, Frage II.2 Welche Kurse wurden von den Gemeinden angeboten?

genannt worden: Endlich leben, Werkbuch Erwachsenentaufe,

Christsein angesichts des Islam,

5x7.1 - Frieden schließen mit der eigenen Lebensgeschichte,

Abenteuer Alltag, Farbwechsel,

Glaube hat Gründe, Glaubenskurs von ProChrist,

Vom Glauben leise reden, Leben im Angesicht des

Vater: Der Einkehrkurs, Grundbegriffe des Glaubens

– verständlich erklärt, Taufe, die Kreise zieht.

Drei Taufabende für Eltern, Patinnen und Paten.

Dabei verweisen die genannten Kurse erneut auf

die Vielzahl verschiedener Kurse und Kursmodelle.

Nimmt man hier noch die „anderen Kurse (selbst

entwickelt)“ hinzu, wird die große Vielzahl von

Kursangeboten noch umfänglicher und deutlicher.

Dies gilt es auch mit Blick auf kreative Titel festzuhalten:

Eene, meene Muh und was glaubst du?,

Roter Faden des Glaubens, Vitamin G für Konfis,

Wie geht evangelisch. Zusammenfassend kann gesagt

werden, dass sich neben dem Hauptfeld aus

vier Kursen eine schier unbegrenzte Zahl an Kursen

zeigt, die keine größeren Vor- oder Nachordnungen

in der Häufigkeitsverteilung aufzeigen.

Differenziert man nun zwischen Ost und West,

zeigt sich sehr deutlich, dass im Osten vor allem

„andere Kurse (selbstentwickelt)“ angeboten werden.

Bei den bis 2010 angebotenen Kursen war

dies in fast der Hälfte (47,8%) aller Gemeinden der

Fall. Im Westen waren dies nur 15,8%. Damit übersteigt

die Verbreitung selbstentwickelter Kurse im

Osten die der vier „Marktführer“ im Westen, die

mit insgesamt 43,4% vertreten sind. Dabei ist mit

21,7% der Alpha-Kurs am stärksten verbreitet, der

im Westen nur in 13,7% der Gemeinden angeboten

wurde. Mit jeweils 8,7% wurden Emmaus und

SPUR 8 angeboten. Im Westen geschah dies in 20%

bzw. 22,1% der Gemeinden. Der im Westen stark

verbreitete Kurs Stufen des Lebens (31,6%) ist hier

nur sehr vereinzelt zu finden (4,3%), was auch zu

den „anderen Kursen (mit Anleitung)“ gesagt werden

kann.

Waren hier Mehrfachnennungen möglich, galt es,

in einem späteren Fragenkomplex einen durchgeführten

Kurs zu beschreiben. Hier bestätigen sich

die Grundlinien der obigen Ergebnisse: Neben einer

Hauptgruppe aus vier Kursen gibt es eine große

Vielzahl von anderen Kursen. So wurden die vier

Kurse SPUR 8 (22,7%), Stufen des Lebens (15,1%),

Alpha (13,4%) und Emmaus (10,9%) insgesamt

62,1% Mal aufgeführt. Die auch im Handbuch

erwähnten weiteren Kurse kommen auf 4,1%, sodass

mit 33,6% andere (mit Anleitung) und andere

(selbst entwickelte) Kurse einen weiteren großen

Teil ausmachen. Zu Letzterem zeigt sich erneut ein

deutlicher Ost-West-Unterschied: 71,4% zu 25,5%.

Differenziert man nach den beteiligten Landeskirchen,

ergeben sich bei den Kursen verschiedene

Reihenfolgen, die nicht nur im Ost-West-Vergleich


Grafik 4 - B1, Frage II.2 Welche Kurse wurden von den Gemeinden bis 2010 angeboten? (West/Ost)

Grafik 5 - B1, Frage II.2 Welche Kurse wurden von den Gemeinden seit 2011 angeboten? (West/Ost)


4. Ergebnisse – 10 Thesen 18 19

interessant sind. Mit jeweils 24,10% aller Nennungen

sind der Kurs Stufen des Lebens und andere

Kurse in Baden stark vertreten. Es folgen mit 20,4%

Emmaus, mit 14,8% SPUR 8 und mit 13% Alpha.

In Westfalen ist SPUR 8 mit 39,5% stark vertreten,

gefolgt von anderen Kursen (25,6%) sowie jeweils

mit 11,6% Alpha und Stufen des Lebens. In der

EKBO und in Sachsen kehrt sich die Reihenfolge erneut

um. Mit 60% (3 Kurse) in der EKBO und 75%

(12 Kurse) in Sachsen dominieren andere Kurse das

Angebot. Mit deutlich geringeren Prozentzahlen

folgen Alpha und SPUR 8.

Mit Blick auf die Gesamtzahl jener Gemeinden, die

Kurse zum Glauben anbieten, kann die obige These

nur nochmals wiederholt werden: Trotz einer Vielzahl

unterschiedlicher und z.T. neuer und/oder eigener

Kursformate überwiegen die bereits vielfach

durchgeführten Angebote (Alpha, EMMAUS, Spur

8, Stufen des Lebens). Allerdings zeigen sich teilweise

recht deutliche regionale Unterschiede. Den

größten Unterschied macht hier die starke Verbreitung

von selbst entwickelten Kursen im Osten aus.

Hier werden die Zahlen im Westen regelrecht auf

den Kopf gestellt. Machen im Westen die im Handbuch

erwähnten Kurse ca. 75% des Angebots aus,

sind es im Osten 28,5%.

Die Dominanz der bekannten Modelle, der „Marktführer“,

mag ihren Grund darin haben, dass viele

der befragten Gemeinden schon seit längerem mit

Kursen zum Glauben arbeiten und dabei offenbar

mit diesen Kursmodellen gute Erfahrungen gemacht

haben. Zudem ist das entsprechende Material

aufgrund der Erfahrungswerte im Laufe der Jahre

von den Autoren bzw. den Herausgebern auch verbessert

worden. Gemeinden, die erst seit kurzem

mit Kursen arbeiten und sich dabei an anderen und

ihren Erfahrungen orientieren, greifen dann vermutlich

auch eher auf diese Formate zurück. Ein

weiterer Grund für die häufigere Durchführung

einzelner Kursmodelle mag auch auf deren unterschiedliche

Förderung durch die landeskirchlichen

Ämter für missionarische Dienste zurückzuführen

sein, sodass in Baden Stufen des Lebens stärker

Verwendung findet und in Westfalen Spur 8.

Bei einer weiteren Untersuchung zu einem späteren

Zeitpunkt wäre zu überprüfen, ob diese

Tendenz anhält oder sich zugunsten anderer und

neuerer Kursmodelle verändert und ob der hier

vorliegende deutliche und auffällige Unterschied

zwischen Ost und West bestehen bleibt oder sich

verringert. Zudem wären die offenkundigen Besonderheiten

des weithin nicht publizierten Kursmaterials

ostdeutscher Kursanbieter einer genaueren

Untersuchung wert.

2. Motive, die sich auf Glaubensweckung

und –vertiefung beziehen, haben für das Angebot

von Kursen zum Glauben eine größere

Bedeutung als Mitgliedschaftsthemen. Dabei

geht es im Osten stärker um das „Christ werden“

und im Westen stärker um das „Christ

bleiben“.

In einer Gewinn- und Verlustrechnung führt das

Handbuch ERWACHSEN GLAUBEN unterschiedliche

Erträge durch Kurse zum Glauben auf. So sind

sie „nicht nur ein Gewinn für Außenstehende“,

sondern auch „wichtiges missionarisches Lernfeld“

für die Gemeinde. 15 Hiermit haben Kurse zum Glauben

eine Innen- und Außenwirkung. Außenstehende

und Gemeinde kommen gleichermaßen in den

Blick und wollen gleichermaßen angesprochen

werden. So hat es auch Wolfgang Huber formuliert:

„Der Weg zum Glauben muss ebenso als Bildungsaufgabe

verstanden werden wie das Bleiben und

Wachsen im Glauben. Die verschiedenen Ansätze

müssen heute zusammenwirken in einer Erneuerung

des Katechumenats als einer zentralen Dimension

gemeindlicher Bildungsverantwortung.“ 16

Von daher haben wir gefragt, ob die Einladung

zum, bzw. die Ermutigung im Glauben ein wichtiges

Motiv für die Durchführung von Kursen zum

Glauben darstellt und wie sich andere Motive dazu

gesellen.

Unsere Frage lautete: „Wie sehr waren die folgenden

Motive ausschlaggebend, Kurse zum Glauben

anzubieten?“. Daraufhin gaben über die Hälfte der

Gemeinden an, dass ihre Motive sehr stark von

Glaubenseinladung (55,1%) und Glaubensermutigung

(50,8%) geprägt waren. Nimmt man noch die

starke Zustimmung (Position 4 auf der Skala von

1-5) hinzu, zeigt sich, dass weit mehr als 80% der

Gemeinden, die Kurse zum Glauben durchführten,

dies aus den Motiven „Zum Glauben einladen“

und „Menschen im Erwachsenenalter im Glauben

ermutigen“ heraus taten. Weitere Motive, denen

mehrheitlich stark bzw. sehr stark zugestimmt

wird, waren: „Über den christlichen Glauben in-

15 Handbuch, 14.

16 Wolfgang Huber, Kirche in der Zeitenwende. Gesellschaftlicher Wandel und

Erneuerung der Kirche, 3. Aufl., Gütersloh 1999, 295.


formieren“ (61,9%), „Mission“ (56,8%) und „Neue

Zielgruppen ansprechen“ (51,7%).

Eher im Mittelfeld der Motive liegen Mitarbeitergewinnung

und –förderung, sowie die Gewinnung

von Kirchen- bzw. Gemeindegliedern oder das Erreichen

anderer Milieus. Zu Letzterem ist ergänzend

auf die Ergebnisse der Frage zu verweisen, wie

sehr bei der Entscheidung für einen Kurs die Milieuorientierung

eine Rolle spielte. So gaben 65,7%

der Gemeinden an, dass die Frage nach dem Milieu

in der Kursauswahl nur sehr wenig bzw. wenig bedacht

wurde. Lediglich knapp 10% der Gemeinden

sahen hier eine starke bzw. sehr starke Bedeutung.

Der milieusensible Ansatz des EKD-Projekts, der

gerade zu einer milieuorientierten Auswahl von

Kursen führen soll, wird eher verhalten umgesetzt.

Am anderen Ende der Motive für Kurse zum Glauben

zeigt sich, dass für etwa die Hälfte der Gemeinden

Motive wie die Mitgliederbindung (46,6%),

das Ausprobieren von Neuem (55,9%), die Öffentlichkeitsarbeit

(55,9%) oder die Taufvorbereitung

(66,1%) nur wenig oder sehr wenig eine Rolle spielen.

Besonders bei der Taufvorbereitung fällt auf,

dass 50,8% angaben, dass dies bei der Durchführung

von Kursen zum Glauben faktisch keine Rolle

spielte.

Es zeigt sich: Bei Kursen zum Glauben steht das

Glaubensthema im Zentrum des Interesses. Ob es

um die Einladung zum oder um die Ermutigung im

Glauben geht – mit diesen Kursen werden die zentralen

Themen des missionarischen Gemeindeaufbaus

und der Diskussion um eine missionarische

Kirche seit Mitte der 1990erJahre aufgenommen.

Mit Kursen zum Glauben wurde eine geeignete

Methode gefunden, den christlichen Glauben für

Menschen in der Kirche, an ihrem Rand und darüber

hinaus zu thematisieren und dies mit einer

Einladung und Ermutigung zu verbinden. Dabei

fällt auf, dass Kirchenmitgliedschaftsfragen bei den

Motiven eine untergeordnete Rolle spielen. Die Institution

Kirche kommt weniger in Blick.

Interessant ist hier erneut der Ost-West-Vergleich,

der gerade mit Blick auf die Taufvorbereitung signifikante

Unterschiede aufzeigt. Auf einer Skala von

Grafik 6 - B1, Frage IV.3 Wie sehr waren diese Motive ausschlaggebend Kurse zum Glauben anzubieten?


4. Ergebnisse – 10 Thesen 20 21

1 bis 5 nach der Bedeutung von Motiven gefragt,

ergibt sich für das Motiv der Taufvorbereitung im

Osten eine um das Doppelte höhere Bedeutung als

im Westen. So liegt der Mittelwert im Westen bei

1,73 und im Osten bei 3,67. Anders formuliert,

gaben 80,2% der Gemeinden im Westen an, dass

die Taufvorbereitung wenig bzw. sehr wenig von

Bedeutung war, während es im Osten nur 23,8%

waren. Dies zeigt sich dann auch auf Seiten einer

starken bzw. sehr starken Motivation: West 11%,

Ost 61,9%.

Dies muss zunächst aufgrund der sehr unterschiedlichen

Verteilung der Konfessionslosen in Ost und

West nicht verwundern. Auch hier zeigen sich reziproke

Verteilungen. Liegt der Anteil der Konfessionslosen

in den neuen Bundesländern bei etwa

75%, bewegt er sich in den alten Bundesländern

bei etwa 25%. Hinzu kommt, dass im Osten Konfessionslosigkeit

bereits in der dritten oder vierten

Generation besteht, im Westen hingegen sind die

Mehrzahl der Konfessionslosen selbst aus der Kirche

ausgetreten. Allerdings wird Konfessionslosigkeit

auch zu einem zunehmenden Phänomen im

Westen. So hat auch die Praxis der Erwachsenentaufe

zugenommen, für deren Vorbereitung sich

Kurse zum Glauben besonders eignen.

Wenn auch nicht mit dieser Deutlichkeit zeigen

sich auch an anderen Stellen Unterschiede in der

Bewertung der Motive. So liegt das Motiv der Mitgliedergewinnung

im Osten höher (2,74/3,29),

dafür das der Mitgliederbindung im Westen

(2,56/2,15). Die Förderung von Ehrenamtlichen

ist im Westen ausgeprägter (2,93/2,4). Die Bedeutung

der Gewinnung von neuen Mitarbeitern ist

etwa gleich (2,68/2,57). Auch zeigt sich an zwei

Antwortkategorien, dass die Bildungsaspekte im

Osten stärker gewichtet werden: „Über den christlichen

Glauben informieren“ (3,75/4,14) und

„Ein Bildungsangebot machen“ (2,66/3,48).

Gerade für die Gemeinden im Osten sind dies

wichtige Motivationen für Kurse zu Glauben, während

im Westen der Aspekt der Glaubensermutigung

stärker hervortritt. Man wird hier nicht etwa

Binnen- und Außensicht gegeneinander ausspielen

können, aber doch festhalten dürfen, dass im Osten

das „Christ werden“ stärker in den Blick kommt

als das „Christ bleiben“. Im Westen ist es eher um-

Grafik 7 - B1, Frage IV.3 Mittelwertvergleich der Motive nach West- und Ost-Landeskirchen


Grafik 8 - B1, Frage IV.2 Wie sehr hatten Sie folgende Personengruppen im Blick?

Grafik 9 - B1, Frage IV.2 Wie sehr hatten Sie bei der Einführung von Kursen zum Glauben folgende Personengruppen im

Blick?

gekehrt. Die stärkere Gewichtung von Bildungsaspekten

mag auch an der DDR-Geschichte liegen,

da aufgrund des fehlenden Religionsunterrichts die

Gemeindekatechese eine bedeutendere Rolle spielte

als im Westen.

Hier ist nun zu prüfen, wie die Motive mit den Personengruppen

korrespondieren, die bei der Einführung

von Kursen zu Glauben von Bedeutung waren.

Von den Gesamtzahlen ausgehend kann der

Personenkreis der Kirchendistanzierten 17 genannt

17 An dieser Stelle stellt sich natürlich die Frage der Einteilung der Gruppen bzw.

danach, ob nicht genauere Unter-teilungen nötig wären. So lässt sich unter den Begriff

Kirchendistanzierte ein breites Spektrum von Untergruppen subsummieren: Etwa die

werden, der hier besonders auffällt. Immerhin über

¾ der Gemeinden meinten, dass Kirchendistanzierte

stark bzw. sehr stark im Blick waren. Mit

44,3% folgen Kirchennahe, mit 42,6% Konfessionslose

und mit 41,6% Ehrenamtliche. Dies korrespondiert

mit den genannten Motiven der Glaubenseinladung

und –ermutigung, wobei aufgrund

der stärkeren Fokussierung auf Konfessionslose

treuen Kirchenfernen, die kritisch Distanzierten, die Austrittswilligen und die bereits

Ausgetretenen, neben denen die Konfessionslosen aber auch bei genauerer Unterteilung

eine eigene Gruppe bilden. Mit den Kirchennahen sind diejenigen gemeint, die sich über

die Teilnahme an Kasualien und an gelegentlichen Gottesdiensten an Festtagen hinaus an

kirchlichen oder gemeindlichen Veranstaltungen und Angeboten beteiligen, die aber nicht

regelmäßig ehrenamtlich mitarbeiten.


4. Ergebnisse – 10 Thesen 22 23

und Kirchendistanzierte das Motiv der Glaubenseinladung

durchaus hätte stärker ausfallen können.

Im Ost-West-Vergleich fällt nun deutlich auf, dass in

knapp der Hälfte aller Gemeinden im Westen Konfessionslose

nur wenig bzw. sehr wenig im Blick

sind. Dies sagt im deutlichen Kontrast dazu keine

Gemeinde im Osten. Dafür sind es dann über 85%

der Gemeinden im Osten, für die Konfessionslose

stark bzw. sehr stark im Fokus sind. Angesichts der

Unterschiede im Anteil der Konfessionslosen in der

Gesellschaft zwischen Ost und West verwundert

dies nicht.

Betrachtet man jedoch den mittlerweile ebenfalls

gestiegenen Anteil der Konfessionslosen an der

westdeutschen Bevölkerung, dann müssten diese

für die Planung von Kursen zum Glauben in westdeutschen

Gemeinden zukünftig stärker in den

Blick genommen werden.

Mit Blick auf die Kirchendistanzierten und Kirchennahen

liegen die Zahlen zwischen Ost und

West wieder näher beieinander, wobei der Fokus

auf die Kirchennahen im Westen ausgeprägter ist

als im Osten. Letzteres gilt auch für die ehrenamtlich

Mitarbeitenden, von denen immerhin fast die

Hälfte der Gemeinden in Ostdeutschland sagen,

dass diese wenig oder sehr wenig im Blick waren.

3. Wenn sich Gemeinden dagegen entscheiden,

Kurse zum Glauben durchzuführen,

überwiegen eher pragmatische und

strukturelle als inhaltliche Gründe.

Im Fokus der Untersuchung lagen nicht nur jene

Gemeinden, die Kurse zum Glauben durchführten,

sondern gerade auch Gemeinden, die keine Kurse

durchführten. Von allen Gemeinden, die einen Fragebogen

ausgefüllt haben, machen diese Gemeinden

immerhin 28,2% aus. Dies ist umso bemerkenswerter,

da es sich um eine Untersuchung zu

Kursen zum Glauben handelt. Hinzu kommt, dass

zu dieser Gruppe auch einzelne Gemeinden gehören,

die zwar selbst keine Kurse anbieten, die aber

nach Absprache im Kirchenbezirk ein Kursangebot

in der Nachbargemeinde bewerben.

Hier sollten die Gemeinden auf einer Skala von 1

bis 5 verschiedene Begründungen werten, die dazu

führten, keine Kurse zum Glauben anzubieten. Auffällig

ist, dass es hier weder grundsätzliche Vorbehalte

gegenüber Mission oder Kursen zum Glauben

noch gegenüber einer groß angelegten Kampagne

gibt. Selbst das eigene Gemeindeprofil oder die vorhandenen

Milieus sprechen nicht gegen Kurse zum

Grafik 10 - B1, Frage III. Entscheidung für das Nicht-Angebot von Kursen zum Glauben. (N=64 Gemeinden, die keine Kurse

durchführen; sortiert nach absteigenden Mittelwerten)


Glauben. Über die Hälfte der Gemeinden stimmten

diesen Gründen nicht bzw. gar nicht zu.

Am deutlichsten sind hier die Rückmeldungen zur

Frage nach Mission. So stimmen 58,7% der Gemeinden

der Aussage „Wir sind gegen Mission“

gar nicht zu und weitere 19,6% nicht zu. Gerade

mal 4,3% der Gemeinden stimmen zu und keine

der Gemeinden stimmt sehr zu. Ähnliches zeigt

sich bei möglichen Vorbehalten gegenüber einer

groß angelegten Kampagne. Mit 45,7% der Gemeinden

ist der Wert zu „stimme gar nicht zu“ erneut

recht hoch; weitere 32,6% stimmen nicht zu,

wobei auf der Zustimmungsseite gerade mal 4,4%

der Gemeinden zu finden sind. 18 Vergleichbares

gilt für eine grundlegende Ablehnung gegenüber

Kursen zum Glauben. Dem Satz „Kurse zum Glauben

sind uns nicht wichtig“ stimmen nur 6,5% der

Gemeinden zu, keine Gemeinde stimmt ihm sehr

zu. Dagegen sind 28,3% der Meinung, dass dies

nicht stimmt, und sogar 47,8%, dass dies gar nicht

stimmt. Auch das eigene Gemeindeprofil stellt in

der Regel keinen Hinderungsgrund für Kurse zum

Glauben dar. So fällt für 43,5% der Gemeinden die

Entscheidung sehr deutlich aus, da sie dieser Begründung

gar nicht zustimmen.

Der Blick in den Kontext der Gemeinde macht

auch deutlich, dass die vorhandenen Milieus in

der Regel nicht gegen Kurse zum Glauben sprechen.

Nur in 13,1% der Gemeinden ist dies der Fall

gegenüber 52,2%, die dem nicht bzw. gar nicht

zustimmen. Hier positionieren sich 21,7% in der

Mitte.„Es hat niemand nachgefragt“ – exakt die

Hälfte der Gemeinden stimmen dieser Aussage zu

bzw. sogar sehr zu.

Und dies bedeutet, so banal es klingen mag: Kurse

zum Glauben werden nicht angeboten, da es dazu

keine entsprechende Nachfrage gab. Hier zeigt sich

ein durchaus reaktives Verständnis von Gemeindearbeit,

indem auf religiöse Bedürfnisse entsprechend

geantwortet wird. Ein proaktives Handeln

für Kurse zum Glauben ist nicht vorgesehen. Rein

praktische Erwägungen zeigen sich in den drei folgenden

Gründen.

So spielte die fehlende Zeit der Pfarrerin bzw.

des Pfarrers eine nicht unerhebliche Rolle, keine

Kurse anzubieten. 28% der Gemeinden sehen das

18 Ein Ost-West-Vergleich zeigt hier keine nennenswerten Unterschiede, sodass diese

unberücksichtigt bleiben können. In Ost und West gibt es gleichermaßen nur in geringem

Maße Vorbehalte gegen Kampagnen.

so, dem stehen allerdings 41,3% der Gemeinden

gegenüber, die das nicht so sehen. Auch die Frage

nach geeigneten Mitarbeitenden kann zu einem

Hinderungsgrund für Kurse zum Glauben werden,

sodass dies 28% bestätigten. Allerdings sehen

39,1% der Gemeinden dies nicht so. Bei den Fragen

nach anderen gemeindlichen Schwerpunkten oder

Bildungsangeboten fällt auf, dass viele Gemeinden

mit 30,4% bzw. 28,3% den Mittelwert wählten. In

schriftlichen Ergänzungen zu dieser Frage wurden

weitere Aspekte genannt: Mehrfach wurde auf die

Vakanz der Pfarrstelle oder auf Angebote von Kursen

zum Glauben in der Region verwiesen. Außerdem

gaben die Verantwortlichen in den Gemeinden

an, dass es sich hier nicht um prinzipielle, sondern

um momentane Entscheidungen gegen Kurse zum

Glauben handelt.

Daraus sowie aus den oben aufgezeigten Zahlen

kann geschlossen werden, dass es auch bei Gemeinden,

die bislang keine Kurse zum Glauben

durchgeführt haben, durchaus eine Offenheit für

Kurse zum Glauben gibt, sodass die Tatsache, dass

bislang keine Kurse zum Glauben durchgeführt

wurden, keine Entscheidung für die Zukunft darstellt.

Das Ziel der EKD-Initiative, Kurse zum Glauben als

ein kirchliches Regelangebot zu etablieren, ist daher

durchaus mittel- oder langfristig zu erreichen.

Dafür bedarf es dann aber auch weiterhin einer

Begleitung z.B. durch landeskirchliche Steuerungsgruppen

und ebenfalls der weiteren Schulung von

Kursanbietern und Mitarbeitenden.

Kurse zum Glauben – Beitrag zur

Gemeindeentwicklung

4. Es passiert etwas! – Kurse zum Glauben

zeigen erkennbare Wirkungen für die

Gemeindeentwicklung. Zudem gibt es einen

Zusammenhang zwischen ihrer regelmäßigen

Durchführung und der Bewertung ihrer

Bedeutung für die Gemeindeentwicklung,

aber zugleich auch eine Diskrepanz zwischen

dieser Bewertung und den Angaben zu Folgeangeboten.

Bevor es nun um Wirkungen der Arbeit mit Kursen

zum Glauben geht, zunächst zwei Hinweise: Zum

einen sind Auswirkungen der Arbeit mit Kursen

zum Glauben bei Teilnehmenden und sicher auch


4. Ergebnisse – 10 Thesen 24

25

bei Mitarbeitenden zu erwarten. Nach diesen haben

wir jedoch explizit in den Fragebögen B2 für

Teilnehmende und B3 für Mitarbeitende gefragt.

Im Fragebogen B1 fragen wir in VII.3 zwar auch

nach Veränderungen, tun dieses jedoch auf der

überindividuellen Ebene der Gemeinde und vor allem

aus der Perspektive der Gemeindeleitung. Zum

anderen ist die Arbeit mit Kursen zum Glauben

grundsätzlich eher mittel- bis langfristig angelegt,

sodass sich manche Auswirkungen dann eben auch

erst innerhalb längerer Zeiträume zeigen – etwa

nach einigen Jahren. Wenn wir nun aber zu diesem

frühen Befragungszeitpunkt dennoch danach fragen,

tun wir das einerseits, um das, was sich schon

jetzt zeigt, wahrzunehmen und andererseits, um

Wirkungen und Veränderungen in den Gemeinden,

die schon seit längerem mit Kursen zum Glauben

arbeiten, in den Blick zu nehmen.

Grafik 11 - B1, Frage II.4 Wann fand in der Gemeinde der erste Kurs statt?

Dauer der Arbeit mit Kursen zum Glauben

und Häufigkeit von Kursangeboten

Um einen ersten Blick auf Wirkungen der Arbeit

mit Kursen zum Glauben zu bekommen, lohnt es

wahrzunehmen, dass diese eine z.T. schon lange

Geschichte hat. Wir haben gefragt „Wann fand der

erste ‚Kurs zum Glauben’ statt?“ und haben festgestellt,

dass die Anfänge im Einzelfall bis an den

Beginn der 1950er Jahre zurückreichen. 4,1% der

Gemeinden, in denen Kurse angeboten wurden,

haben bereits vor 1990 mit solchen Kursen gearbeitet.

Danach steigen die Zahlen rapide an, sodass

von 1991 bis 2010 in 74,3% der Gemeinden der

erste Kurs stattfand und somit in diesem Zeitraum

mindestens ein Kurs zum Glauben durchgeführt

wurde. Nach 2011, also mit dem offiziellen Beginn

der EKD-Initiative, hat in 14,4% der Gemeinden

der erste Kurs stattgefunden.

Um an dieser Stelle eine Wirkung von Kursen zum

Glauben beschreiben zu können, muss man nach

der Häufigkeit von Kursangeboten seit dem jeweiligen

Beginn der Arbeit mit ihnen fragen. Es zeigt

sich folgendes Bild: 26,2% der Gemeinden haben

im Zeitraum seit Beginn ihrer Arbeit mit Kursen

zum Glauben ein- bis zweimal einen Kurs angeboten,

52,3% 3 bis 10 mal, 15,9% 11 bis 20 mal und

5,6% sogar häufiger als 20 mal.

So lässt sich eine erste Wirkung der Arbeit mit Kursen

zum Glauben so formulieren: Gemeinden, die

einmal einen Glaubenskurs durchgeführt haben,

haben dies mindestens einmal, in mehr als 80% der

Grafik 12 - B1, Frage II.5 Wie viele Kurse hat Ihre Gemeinde (mit)veranstaltet?

Fälle jedoch auch häufiger wiederholt. Oder anders

gesagt: Die Erfahrungen, die bei der Durchführung

von Kursangeboten gemacht werden , führen offenbar

zu einer erneuten und dann vielfach auch häufigeren

Durchführung von Kursen zum Glauben.

Betrachtet man zudem die Angaben zur Regelmäßigkeit

von Kursangeboten, bestätigt sich dieses

Bild. „Wurden/werden Kurse zum Glauben regelmäßig

angeboten?“ haben wir gefragt: Zwei Drittel

(68,7%) der Gemeinden bieten jährlich (49,6%)

oder sogar halbjährlich (19,1%) Kurse an. 24,3%

geben hier seltener als jährlich an, verstehen ihre

Angabe aber offensichtlich auch als regelmäßig, da

sie nicht die Antwortmöglichkeit „Nein“ gewählt

haben. 19

19 An dieser Stelle darf nicht aus dem Blick verloren werden, dass alle diese Gemeinden,

die eine Angabe bei der Frage nach der Regelmäßigkeit von Kursangeboten gemacht

haben – auch die, die hier seltener oder nein angegeben haben – auf die Frage „Wurden/

werden in ihrer Gemeinde ‚Kurse zum Glauben’ angeboten?“ mit Ja geantwortet haben,

also grundsätzlich zu der Gruppe von Gemeinden gehören, die Kurse anbieten.


Gegensatz verstanden werden, als es auf anderen

Diskussionsebenen der Fall ist.

Kurse zum Glauben als Instrument zur Gemeindeentwicklung

Grafik 13 - B1, Frage II.3 Wurden/werden Kurse regelmäßig

angeboten?

Die Regelmäßigkeit der Durchführung von Kursen

zum Glauben in Gemeinden und die Bewertung

ihrer Bedeutung sollen nun aber nicht nur nebeneinander

betrachtet werden, da sie einen wahrnehmbaren

Zusammenhang aufweisen. Denn von

den Gemeinden, die halbjährlich Kurse anbieten,

stimmen 55% der Aussage, dass Kurse Instrument

zur Gemeindeentwicklung sind, stark oder sehr

stark zu. Von denen, die jährlich Kurse anbieten

Die Wirkung der Arbeit mit Kursen zum Glauben

zeigt sich aber auch darin, welchen Stellenwert sie

in einer Gemeinde haben bzw. welche Bedeutung

ihnen für die Gemeindeentwicklung beigemessen

wird. So haben wir gefragt „Welche Bedeutung

haben ‚Kurse zum Glauben’ in Ihrer Gemeinde?“.

Im Ergebnis stimmen 81,3% der Gemeinden stark

oder sehr stark der Aussage zu, dass Kurse zum

Glauben eine Bereicherung des Gemeindelebens

sind und 77,1% meinen, dass sich durch Kurse

Menschen zum Glauben ermutigen lassen. Deutlich

weniger, aber immerhin noch 53,4% stimmen

der Aussage stark bzw. sehr stark zu, dass Kurse ein

Instrument zur Gemeindeentwicklung sind. Die

bisweilen geäußerte Vermutung, dass Kurse zum

Glauben weithin nicht oder noch nicht als Instrument

zur Gemeindeentwicklung gesehen werden,

etwa weil sie eher ein vielleicht seltenes und sporadisches

Angebot sein könnten, bestätigt sich somit

in der hier gemachten Angabe zur Bedeutung von

Kursen zum Glauben für die Gemeindeentwicklung

zunächst nicht. 48,3% sehen in Kursen eine

Möglichkeit, Menschen für die Kirche zu gewinnen

und 44,9% stimmen in gleicher Weise zu, dass

sie ein fester Bestandteil des Gemeindelebens geworden

sind. 20 Mit 53,4% wieder deutlich stärker

fällt die Zustimmung zu der Aussage „Sie sind ein

evangelisches Bildungsangebot“ aus. Dies kann

als Hinweis verstanden werden, dass in den Gemeinden

Mission und Bildung weitaus weniger als

Grafik 14 - B1, Frage IV.1_1 KzG sind Instrument zur Gemeindeentwicklung

20 Hier könnte man kritisch fragen, ob Kurse zum Glauben nur durchgeführt werden,

weil man sie zum einen grundsätzlich für wichtig und zum anderen mittlerweile für

selbstverständlich hält, ohne dass sie in den größeren Kontext aktueller Arbeitsfelder

und gemeindlicher Erfordernisse eingeordnet sind. Vermutlich werden Kurse auch

dann Wirkung entfalten, wenn auch wahrscheinlich nur in geringerem Maß für die

Gemeindeentwicklung.

Grafik 15 - B1, Frage IV.1_2 Es lassen sich dadurch Menschen

zum Glauben ermutigen


4. Ergebnisse – 10 Thesen 26

27

sind es sogar 69,1%. Ein wenig erstaunlich ist,

dass auch die Gemeinden, die bei der Frage nach

der Regelmäßigkeit seltener oder nein angegeben

haben jeweils zu etwa 38% der Aussage zustimmen,

dass Kurse zum Glauben ein Instrument zur

Gemeindeentwicklung sind. Eine weitgehende

Übereinstimmung gibt es in allen vier Gruppen bei

der Zustimmung zu der Aussage „Es lassen sich

dadurch Menschen zum Glauben ermutigen“

(halbjährlich 81%, jährlich 83,9% , seltener 76%

und nein 85,7%). Wenig überraschend ist, dass der

Aussage „Sie [die Kurse] sind ein fester Bestandteil

des Gemeindelebens geworden“ von den beiden

Gruppen seltener und nein nahezu gar nicht zugestimmt

wird. Anders jedoch in den anderen beiden

Gruppen, in denen dieser Aussage mehrheitlich

stark oder sehr stark zugestimmt wird (halbjährlich

76,2%, jährlich 57,7%).

Abschließend an dieser Stelle noch ein Blick auf die

Zustimmungswerte zu der Aussage „Sie sind eine

Bereicherung des Gemeindelebens“, die durchaus

ein wenig überraschend ist, weil sie in allen vier

Gruppen eine hohe, z.T. sogar sehr hohe Zustimmung

erfährt (nein 85,7%, seltener 65,4%, jährlich

89,3% und halbjährlich 95,2%). Hier zeigt sich,

dass auch Gemeinden, die nicht regelmäßig oder

seltener als jährlich Kurse anbieten, Kursen zum

Glauben eine Bedeutung für die Gemeindeentwicklung

beimessen können. Sie sehen in ihnen durchaus

eine Bereicherung des Gemeindelebens, mit

ähnlich hohen Zustimmungswerten eine Möglichkeit,

Menschen zum Glauben zu ermutigen und

auch – wenn auch mit geringeren Zustimmungswerten

– ein zumindest denkbares Instrument

für die Gemeindeentwicklung. Hinzu kommt,

dass eine starke positive Korrelation zwischen der

Aussage „Sie sind ein Instrument zur Gemeindeentwicklung“

und mehreren Motiven besteht, die

ausschlaggebend dafür waren, Kurse zum Glauben

anzubieten. Besonders zu nennen sind hier die Motive

„Zum Glauben einladen“, „Neue Zielgruppen

ansprechen“, „Mission“, „Gewinnung von neuen

Mitarbeitenden“ und „andere Milieus erreichen“.

Oder anders formuliert: Die Gemeinden, denen die

genannten Motive besonders wichtig waren und

die damit eine Außenorientierung ihrer Arbeit und

ein missionarisch-evangelistisches Profil aufweisen,

stimmen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch

der Aussage zu, dass Kurse zum Glauben ein Instrument

zur Gemeindeentwicklung sind.

Grafik 16 - B1, Frage IV.1_3 Die Kurse sind fester Bestandteil

des Gemeindelebens geworden

Grafik 17 - B1, Frage IV.1_6 Sie sind eine Bereicherung des

Gemeindelebens

So bleibt vor dem Hintergrund dieses Befundes

festzuhalten, dass Kursen zum Glauben eine Bedeutung

für die Gemeindeentwicklung beigemessen

wird und dies um so mehr, je regelmäßiger sie

durchgeführt werden. Damit zeigt sich ein Zusammenhang

dieses Ergebnisses mit dem Grundanliegen

der EKD-Initiative, Kurse zum Glauben zu

einem Regelangebot in Kirchengemeinden zu machen

und die Arbeit mit ihnen zu verstetigen.

Daran anschließend stellt sich jedoch die Frage,

wie es von einer z.T. zunächst nur benannten und

somit vielleicht eher theoretischen Bedeutung von


Kursen zum Glauben für die Gemeindeentwicklung

(etwa in den beiden Gruppen nein und seltener

in der Frage nach der Regelmäßigkeit) zu einer

für die tatsächliche praktische Arbeit relevanten

Bedeutung kommen und wie die EKD-Initiative dafür

möglicherweise eine Hilfe sein kann.

Es gibt nun aber auch eine Korrelation zwischen

der Bewertung von Kursen zum Glauben als Instrument

zur Gemeindeentwicklung und der Frage

nach ihrer Verankerung darin. Dies gilt im Grunde

für den ganzen ersten Fragenbereich zum Thema

Verankerung der Kurse zum Glauben in der Gemeindeentwicklung.

Wir haben gefragt „Wie werden

‚Kurse zum Glauben’ in der Gemeinde begleitet?“

Die prozentuale Verteilung der Ja-Antworten

zur Frage der Begleitung von Kursen zum Glauben

in der Gemeinde zeigt die folgende Grafik.

Besonders signifikant ist der Zusammenhang der

Bewertung von Kursen zum Glauben als Instrument

für die Gemeindeentwicklung mit der Begleitung

in der Gemeinde durch Berichte/Informationen

im Kirchengemeinderat/-vorstand /

Ältestenkreis, durch Begleitung in Gruppen und

Kreisen und durch verschiedene Kommunikationswege

(Gottesdienst, Gemeindebrief, Homepage,

Lokalpresse).

Das bedeutet, dass in den Gemeinden, die der

Aussage sie sind ein Instrument zur Gemeindeentwicklung

stark oder sehr stark zustimmen, Kurse

zum Glauben mit hoher Wahrscheinlichkeit durch

die genannten Formen begleitet werden. Und das

bedeutet weiter, dass somit nicht nur einfach Kurse

stattfinden, sondern dass sie in einer Gemeinde

verankert sind und die Wirkung für die Gemeindeentwicklung

auch darin sichtbar wird.

Zudem macht die Grafik deutlich, dass die klassischen

Kommunikationswege Gemeindebrief

(84,7%) und Gottesdienst (z.B. durch Abkündigung)

(81,4%) für die Begleitung und damit für die

Verankerung von Kursen zum Glauben in einer Gemeinde

und für ihre Entwicklung die größte Rolle

spielen. Aber auch die gemeindeeigene Homepage

(73,7%), die für viele Gemeinden mittlerweile vermutlich

zu den üblichen Kommunikationswegen

gehört, ist von großer Bedeutung. Es folgen zwei

Wege direkter persönlicher Kommunikation: Das

auf verschiedenen Wegen sich äußernde persönliche

Interesse einzelner Gemeindeglieder (65,3%)

und die regelmäßigen Berichte/Informationen in

den Gremien der Gemeindeleitung (63,8%).

Folgeangebote und Veränderungen

Wir haben aber auch direkt nach Folgenangeboten

und nach Veränderungen in der Gemeinde

gefragt: „Welche Folgeangebote zu ‚Kursen zum

Glauben’ werden in ihrer Gemeinde angeboten?“

und „Was hat sich in Ihrer Gemeinde verändert,

seitdem Sie ‚Kurse zum Glauben’ anbieten?“ In

den Daten bzw. den gegebenen Antworten zeigen

sich signifikante Zusammenhänge mit der Bewertung

der Bedeutung von Kursen zum Glauben für

die Gemeindeentwicklung. Allgemein formuliert:

Je höher die Bedeutung von Kursen zum Glauben

für die Gemeindeentwicklung bewertet wird, um

so höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass zumindest

einzelne Folgeangebote angeboten werden und

dass Veränderungen für den Zeitraum, in dem Kurse

zum Glauben angeboten werden, benannt werden.

21 Darum soll der Blick jetzt auf die Frage nach

etwaigen Folgeangeboten von Kursen und nach

Veränderungen in der Gemeinde seit dem Beginn

von Kursangeboten gerichtet werden. 22

Sieht man sich die Angaben der Gemeinden zu

der Frage „Welche Folgeangebote zu ‚Kursen zum

Grafik 18 - B1, Frage VII.1 Wie werden Kurse zum Glauben in der Gemeinde

begleitet?

21 Dies hat die Berechnung der Korrelation zwischen den Angaben zur Bedeutung von

Kursen zum Glauben für die Gemeindeentwicklung und den genannten Folgeangeboten

bzw. den Veränderungen mittels eines Signifikanztests ergeben.

22 Hinsichtlich der abgefragten Veränderungen verzichten wir bewusst auf die Abfrage

konkreter Zahlen, die sich zum einen nur schwer und zum anderen nur mit einem

weiteren Frageinstrument hätten erheben lassen. Deshalb geht es uns hier um die Frage

nach der Wahrnehmung von Veränderungen, die sich z.T. auch in Zahlen abbilden ließe,

etwa bei der Frage nach einer Veränderung bei der Anzahl der Gottesdienstbesucher, bei

der wir hier aber nur das ‚ob’ einer Veränderung abfragen und nicht die konkrete Zahl.


4. Ergebnisse – 10 Thesen 28

29

Folgeangebote:

Nachtreffen zum Kurs für Kursteilnehmende

und Kursmitarbeitende

Wird durchgeführt

Ist bereits in

Planung

Nicht in Absehbarer

Zeit

geplant

33,90% 5,90% 38,10% 22,00%

Keine Angabe

Neue/andere Gottesdienstformate 28,00% 11,00% 35,60% 25,40%

In Gruppen, Hauskreisen, Kreisen

wird darüber gesprochen

49,20% 5,90% 23,70% 21,20%

Weitere „Kurse zum Glauben“ 39,80% 30,50% 14,40% 15,30%

Freizeiten 19,50% 4,20% 51,70% 24,60%

Seminare zu theologischen Fragen des

Kurses

9,30% 5,10% 53,40% 32,20%

Weitere persönliche Begleitung der

Teilnehmenden

48,30% 10,20% 22,90% 18,60%

Kurse zur Vorbereitung der Taufe 10,20% 6,80% 52,50% 30,50%

Schulung zur Mitarbeit in der Gemeinde

16,10% 10,20% 44,10% 29,70%

Weitere 8,50% 0,80% 4,20% 86,40%

Tabelle 1 - B1, Frage VII.2 Welche Folgeangebote zu Kurse zum Glauben werden in Ihrer Gemeinde angeboten?

Glauben’ werden in ihrer Gemeinde angeboten?“

an, so fällt zunächst der z.T. sehr hohe Antwortausfall

auf (zwischen 15,3% und 32,2% und sogar

bis zu 86,4% bei der Antwortmöglichkeit Weitere).

Möglicherweise hängt dies damit zusammen, die

Antwort bei Fehlen von Folgeangeboten nicht eindeutig

geben zu wollen. Des Weiteren relativiert

sich hier die Bedeutung von Kursen zum Glauben

für die Gemeindeentwicklung in gewisser Hinsicht.

Denn es fällt weiter auf, dass zwar Folgeangebote

gemacht werden und z.T. auch zu einem erheblichen

Prozentsatz zum Zeitpunkt der Befragung aktuell

durchgeführt werden bzw. bereits in Planung

sind, dass aber andere Folgeangebote nur in einem

wesentlich geringeren Maß angeboten werden

oder in Planung sind. Somit zeigen sich hier zwei

Gruppen von Folgeangeboten:

Zum einen solche, die entweder auf den Kurs

(und ggf. auf seinen positiven Verlauf) oder auf

die einzelnen Teilnehmenden bezogen sind. Den

höchsten Wert (49,2%) bei Wird durchgeführt

zeigt In Gruppen, Hauskreisen, Kreisen wird darüber

gesprochen (dazu kommt, dass dies in 5,9%

der Gemeinden in Planung ist). Auch die Weitere

persönliche Begleitung der Teilnehmenden weist

mit 48,3% (10,2% in Planung) einen hohen Wert

auf. Es folgt Weitere ‚Kurse zum Glauben’ (39,8%,

aber 30,5% in Planung!). Dies bedeutet, dass ein

wesentliches Element für Folgeangebote, für die

Verankerung in der Gemeindeentwicklung und offenbar

auch für die Nachhaltigkeit von Kursen zum

Glauben schlicht in erneuten Kursangeboten gesehen

wird. Ebenfalls einen recht hohen Wert zeigt

das Nachtreffen zum Kurs für Kursteilnehmende

und Kursmitarbeitende (33,9%, 5,9% in Planung).

Betrachtet man an dieser Stelle beide Zahlenwerte

zusammen, so fällt auf, dass in einer längeren

zeitlichen Perspektive als Folgeangebot eigentlich

nur ein erneutes Kursangebot eine erhebliche Rolle

spielt.

Das aber bedeutet: Es gibt eher eine Verstetigung

der einzelnen Kursangebote als eine Kette von

glaubensfördernden und vor allem den Glauben

vertiefenden Maßnahmen für den einzelnen Teilnehmenden.

Dies zeigen die überwiegend geringeren Werte in

einer zweiten Gruppe von Folgeangeboten: Neue/

andere Gottesdienstformen reichen noch am ehesten

an die anderen Werte heran (28% wird durchgeführt,

aber immerhin 11% in Planung), gefolgt von

Freizeiten (19,5% durchgeführt, 4,2% in Planung),

Schulung zur Mitarbeit in der Gemeinde (16,1%

durchgeführt, 10,2% in Planung) und Seminare

zu theologischen Fragen des Kurses (9,3% durchgeführt,

5,1% in Planung). Ähnliche Werte zeigen


Grafik 19 - B1, Frage VII.2 Welche Folgeangebote zu Kursen zum Glauben werden in Ihrer Gemeinde angeboten?

Kurse zur Vorbereitung der Taufe (10,2% durchgeführt,

6,8% in Planung). Dies könnte seinen Grund

darin haben, dass Teilnehmende, zumindest in den

westdeutschen Landeskirchen, vielfach aus dem

kirchlichen Bereich kommen und in erheblicher

Zahl bereits getauft sind.

In den Gemeinden aus den ostdeutschen Landeskirchen

ist die Tendenz als Folgeangebot einen Kurs

zur Taufvorbereitung anzubieten zwar deutlich höher,

liegt aber weniger hoch als vielleicht erwartet.

So geben von den ostdeutschen Gemeinden 21,7%

an, dass ein entsprechendes Folgeangebot zur Taufvorbereitung

bereits durchgeführt wird und 4,3%,

dass ein solches Angebot bereits in Planung ist. Die

westdeutschen Gemeinden geben zu jeweils 7,4%

an, dass Kurse zur Vorbereitung der Taufe durchgeführt

werden bzw. geplant sind. 23

Sieht man sich die Angebote der zweiten Gruppe

genauer an, so fällt auf, dass es eher Angebote sind,

die der Vertiefung des Glaubens und/oder dem Hineinfinden

in die christliche Gemeinschaft dienen.

Damit dienen sie aber auch der Gemeindeentwicklung

insgesamt – im Miteinander ihrer individuellen

und gemeinschaftlichen Aspekte. Was heißt es

aber für die Bedeutung von Kursen zum Glauben,

wenn gerade diese Aspekte in den einem Kurs folgenden

Angeboten nur einen eher geringeren Stellenwert

haben? Es könnte zum einen bedeuten,

dass Kurse zum Glauben wirken, indem sie zu Wiederholungen

des Angebotes motivieren. Es könnte

zum anderen aber bedeuten, dass Gemeinden

Kursen zum Glauben zwar eine Bedeutung für die

Gemeindeentwicklung zuschreiben, die sich aber

zugleich in vielen Fällen nicht in vertiefenden und

glaubensfördernden Folgeangeboten niederschlägt.

23 An dieser Stelle sind die fehlenden Angaben zur Antwortkategorie Nicht in absehbarer

Zeit geplant hinzugerechnet. Würde man an dieser Stelle die fehlenden Angaben

in den Prozentwerten gar nicht berücksichtigen, dann läge der Wert für das Folgeangebot

von Kursen zur Taufvorbereitung mit 50% fast doppelt so hoch (41,7% wird durchgeführt,

8,3% ist bereits in Planung). Die jeweils fehlenden Angaben zur Antwortkategorie

Nicht in absehbarer Zeit geplant hinzuzunehmen ist aus dem Grund gerechtfertigt, dass

eine fehlende Angabe nur den Schluss zulässt, dass ein Angebot weder geplant ist noch

durchgeführt wird.


4. Ergebnisse – 10 Thesen 30

31

starke

negative

Veränderung

negative

Veränderung

keine

Veränderung

positive

Veränderung

starke

positive

Veränderung

keine

Angaben

Mittelwert

Anzahl der Gottesdienstbesucher 0,0% 0,8% 44,9% 42,4% 3,4% 8,5% 3,53

Anzahl der Kreise und Gruppen 0,0% 0,0% 54,2% 32,2% 5,1% 8,5% 3,46

Anzahl der Erwachsenentaufen 0,0% 0,0% 68,6% 22,9% 0,8% 7,6% 3,27

Atmosphäre in der Gemeinde 0,0% 0,0% 19,5% 25,4% 4,2% 50,8% 3,69

Anzahl der Mitarbeitenden 0,0% 0,0% 46,6% 43,2% 2,5% 7,6% 3,52

Engagement in der Gemeinde 0,0% 0,0% 40,7% 50,0% 1,7% 7,6% 3,58

Offenheit für andere 0,0% 0,0% 34,7% 54,2% 1,7% 9,3% 3,64

Perspektivisches Denken in der

Gemeindeleitung

0,0% 0,0% 45,8% 44,1% 0,8% 9,3% 3,5

Anzahl der Kircheneintritte 0,0% 0,0% 66,1% 25,4% 0,0% 8,5% 3,28

Wahrnehmung von Kirchendistanzierten/

Konfessionslosen

0,0% 0,8% 39,8% 46,6% 3,4% 9,3% 3,58

Bereitschaft für Veränderungen 0,0% 0,8% 45,8% 43,2% 1,7% 8,5% 3,5

Bewusstsein für eine missionarische

Kirche

0,0% 0,0% 33,9% 51,7% 6,8% 7,6% 3,71

Weitere Veränderungen: 0,0% 0,0% 11,0% 3,4% 1,7% 83,9% 3,42

Tabelle 2 - B1, Frage VII.3 Was hat sich in Ihrer Gemeinde verändert, seitdem Sie Kurse zum Glauben anbieten?

Zuletzt noch ein Blick auf die Veränderungen, 24 die

sich in der Wahrnehmung der Gemeindeleitungen

seit dem Beginn der Arbeit mit Kursen zum Glauben

zeigen. Wir haben gefragt: „Was hat sich in

ihrer Gemeinde verändert, seitdem Sie ‚Kurse zum

Glauben’ anbieten?“

Zunächst fällt positiv auf, dass (von drei einzelnen

Ausnahmen abgesehen) keine negativen oder stark

negativen Veränderungen benannt werden. Dann

aber fallen auch die hohen Prozentwerte in der

mittleren Antwortkategorie auf, die keine Veränderung

benennt. Sie reichen von 33,9% (Bewusstsein

für eine missionarische Kirche) bis 68,6% bei der

Anzahl der Erwachsenentaufen. Die ostdeutschen

Gemeinden unterscheiden sich besonders in diesem

Punkt erheblich von den westdeutschen, da

sie bei den Erwachsenentaufen zu 80% (!) eine

positive und noch zu 5% eine sogar sehr starke

24 Der sehr hohe Wert von 50,8% Antwortausfall bei der Antwortmöglichkeit „Atmosphäre

in der Gemeinde“ beruht vermutlich auf einem Layout-Fehler im Fragebogen. In

dieser Zeile fehlten leider die Kästchen, sodass diese von vielen Befragten möglicherweise

übersehen wurde. Dies berücksichtigt zeigt der Wert von 29,6% für eine positive oder

sogar starke positive Veränderung der Atmosphäre in der Gemeinde eine beachtliche

Tendenz, da hier bei geringerem Antwortausfall wahrscheinlich noch höhere Werte zu

erwarten gewesen wären. Mehr als eine Vermutung darüber lässt sich an dieser Stelle

jedoch nicht äußern.

Veränderung wahrnehmen. 25 Einen ähnlich hohen

Wert an dieser Stelle weisen die Kircheneintritte

auf (66,1%), gefolgt von der Anzahl der Kreise und

Gruppen (54,2%). Dies legt den Schluss nahe, dass

Kurse zum Glauben eher weniger zu institutionell

bestimmten oder Kasualien betreffenden Veränderungen

führen, wie obige Tabelle zeigt.

Bei den anderen Antwortmöglichkeiten zeigen sich

auch hier wieder zwei tendenziell unterschiedliche

Gruppen: Zum einen die Veränderungen, die sich

prinzipiell auch in Zahlen ausdrücken ließen und

daher zumindest vordergründig numerisch wahrnehmbar

sind. Dazu zählen neben der bereits erwähnten

Anzahl der Gruppen und Kreise (32,2%

positive, 5,1% stark positive Veränderung) die Anzahl

der Mitarbeitenden (43,2% positiv, 2,5% stark

positiv) und die Anzahl der Gottesdienstbesucher

(42,4% positiv, 3,4% stark positiv). Zum anderen

zeigt sich eine andere Gruppe von Veränderungen,

die nicht ohne Weiteres zählbar wären und bei denen

es sich eher um Wandlungen in Haltung und

Bewusstsein handelt. Gerade diese sind es aber

25 Dass es insgesamt einen hohen Wert für keine Veränderung gibt, liegt daran, dass

die Grundgesamtheit ostdeutscher Gemeinden erheblich geringer ist und sich darum die

hohen Prozentwerte an dieser Stelle nur wenig auf den Gesamtwert auswirken.


Grafik 20 - B1, Frage VII.3 Was hat sich in Ihrer Gemeinde verändert, seitdem Sie Kurse zum Glauben anbieten?

oft, die für die Gemeindeentwicklung von großer

Bedeutung sind. 44,9% 26 benennen eine positive

Veränderung im perspektivischem Denken in der

Gemeindeleitung und in der Bereitschaft für Veränderungen

(in der Gemeinde). 50% nehmen eine

positive Veränderung in der Wahrnehmung von

Kirchendistanzierten und Konfessionslosen wahr

und 51,7% im Engagement in der Gemeinde. Bei

der Wahrnehmung der Veränderung in der Offenheit

für andere liegt der Wert bei 55,9% und bei

der Veränderung im Bewusstsein für eine missionarische

Kirche sogar bei 58,5%.

So zeigt sich, dass durch die Arbeit mit Kursen zum

Glauben gerade im Bereich der Fragen von Haltung

und Bewusstsein in nicht unerheblichem Maß „etwas

passiert“, dass Gemeindeleitungen zumindest

aber in diesen Fragen deutlich stärker sensibilisiert

worden sind.

Ob man diese Werte zur Angabe von Veränderungen

seit dem Beginn der Arbeit mit Kursen zum

Glauben nun eher positiv oder doch eher ernüchternd

zur Kenntnis nimmt, weil sie nicht deutlicher

ausgefallen sind, ist sicher eine Frage der Perspektive.

Fragen muss man dann aber zumindest,

welches andere kirchliche Angebot oder welche

gemeindliche Veranstaltungsform überhaupt dazu

führt, dass Verantwortliche von Gemeinden die

wahrnehmbaren Veränderungen, hinter denen

z.T. ja auch tatsächliche numerische Veränderungen

stehen, mit Werten zwischen knapp 40% und

58,5% angeben.

26 Im Folgenden sind die Werte für positive und starke positive Veränderungen jeweils

addiert.

Die Perspektive der landeskirchlichen Steuerungsgruppen

Analog zur Befragung der Gemeindeleitungen haben

wir auch die landeskirchlichen Verantwortlichen

bzw. die entsprechenden Steuerungsgruppen

gefragt „Welche Bedeutung haben ‚Kurse zum

Glauben’ in den Gemeinden?“ und haben sie

ebenfalls um die Angabe ihrer Zustimmung auf einer

Skala von 1 (sehr gering) bis 5 (sehr stark) gebeten.

Dabei fällt zunächst auf, dass der Anteil der

Antworten in der neutralen Spalte 3 hier im Durchschnitt

höher ausfällt (18,93% in B1 und 36,06%

in B4). Man könnte vermuten, dies hätte seinen

Grund darin, dass sich die Steuerungsgruppen aus

ihrer Perspektive nicht auf eindeutig negative oder

positive Einschätzungen festlegen möchten. Sieht

man jedoch genauer hin, dann wird deutlich, dass

die Prozentwerte bei 4 Aussagen in etwa denen

der Gemeinden im Fragebogen B1 entsprechen. So

stimmen 53,9% der Steuerungsgruppen der Aussage

stark oder sehr stark zu, dass Kurse zum Glauben

ein Instrument zur Gemeindeentwicklung

sind (zum Vergleich: 53,4% beträgt der Wert bei

den Gemeindeleitungen in B1). Der Wert für die

Zustimmung zu Es lassen sich dadurch Menschen

für die Kirche gewinnen fällt mit 46,2% bei den

Steuerungsgruppen in B4 etwas geringer aus als bei

de Gemeindeleitungen in B1 (48,3%). In beiden

Gruppen von Befragten fällt die Zustimmung ebenfalls

mit nur geringen Unterschieden im Einzelnen

hoch aus bei den Antwortmöglichkeiten Sie sind

eine Bereicherung des Gemeindelebens (81,3%

in B1, 77% in B4) und Es lassen sich dadurch

Menschen zum Glauben ermutigen (77,1% in B1,

84,6% in B4).


4. Ergebnisse – 10 Thesen 32

33

Sie sind Instrument zur Gemeindeentwicklung

Es lassen sich dadurch Menschen

zum Glauben ermutigen

Sie sind ein fester Bestandteil des

Gemeindeslebens geworden

Sie sind ein evangelisches Bildungsangebot

Es lassen sich dadurch Menschen

für die Kirche gewinnen

Sie sind eine Bereicherung des

Gemeindelebens

Sehr

gering

(1)

2 3 4

Sehr

stark (5)

keine

Angabe

Mittelwert

0,0% 0,0% 46,2% 30,8% 23,1% 0,0% 3,77

0,0% 0,0% 15,4% 61,5% 23,1% 0,0% 4,08

7,7% 61,5% 23,1% 0,0% 0,0% 7,7% 2,17

0,0% 15,4% 62,5% 15,4% 7,7% 0,0% 3,15

0,0% 0,0% 53,8% 30,8% 15,4% 0,0% 3,62

0,0% 7,7% 15,4% 30,8% 46,2% 0,0% 4,15

Tabelle 3 - B4, Frage V.1 Welche Bedeutung haben Kurse zum Glauben in den Gemeinden?

Erhebliche Unterschiede in der Einschätzung der

Bedeutung von Kursen zum Glauben in der Gemeinde

bzw. den Gemeinden zeigen sich aber, und

das durchaus überraschend, zum einen bei der

Frage, ob Kurse zum Glauben ein evangelisches

Bildungsangebot sind. Stimmen dieser Aussage

noch 53,4% der Gemeinden in B1 zu, so findet diese

Aussage in den Angaben in B4 nur noch 23,1%

Zustimmung. Möglicherweise kommt diese unterschiedliche

Gewichtung daher, dass Gemeindeleitungen

hier in ihrer allgemein abgefragten Aussage

deutlich machen, dass in ihrer Wahrnehmung ein

eher missionarisches Interesse und der Bildungsaspekt

sich gut verbinden lassen. 27 Zum anderen

und noch deutlicher – man könnte geradezu sagen,

noch dramatischer – ist der Unterschied bei

der Aussage Sie sind ein fester Bestandteil des

Gemeindelebens geworden, die in B4 keinerlei (!)

starke bzw. sehr starke, wohl aber zu 69,2% nur

geringe bzw. sehr geringe Zustimmung findet. Die

befragten Gemeindeleitungen in B1 haben dieser

Aussage im Gegensatz dazu zu 44,9% stark bzw.

sehr stark zugestimmt. Wie ist dieser auffällige

Unterschied der Prozentwerte zu erklären, der ja

zumindest an eines der großen Ziele der EKD-Initiative

rührt, nämlich Kurse zum Glauben zu einem

Regelangebot in Kirchengemeinden und kirchli-

27 Darauf deutet hin, dass Gemeindeleitungen in B1 bei der Frage nach den Motiven für

ein Kursangebot neben Zum Glauben einladen und Menschen im Erwachsenenalter im

Glauben ermutigen das Motiv Über den christlichen Glauben informieren als stark oder

sehr stark ausschlaggebend angegeben haben, auch wenn das Motiv Ein Bildungsangebot

machen mit 28,8% stark bzw. sehr starker Zustimmung nicht so hoch ausfällt. Vergleicht

man diesen Wert mit der Angabe von 7,7% starker Zustimmung in B4, so bestätigt dies

die Tendenz, die sich in den Angaben zur Einschätzung der Bedeutung von Kursen zum

Glauben zeigt eindrücklich.

chen Orten zu machen oder, mit anderen Worten,

zu einem festen Bestandteil des Gemeindelebens?

Zunächst ist hier erneut der Hinweis wichtig, dass

die Einschätzung der Bedeutung von Kursen zum

Glauben aus völlig unterschiedlichen Perspektiven

erfolgte: Im einen Fall lediglich auf die eigene Gemeinde

(vielleicht auch auf eine Region) bezogen,

im anderen Fall jedoch auf die Gesamtheit von Kursen

in einer ganzen Landeskirche, zu der auch eine

Vielzahl von erstmaligen Kursangeboten gehört,

die selbstredend noch kein fester Bestandteil des

Gemeindelebens geworden sein können. Vielleicht

beruhen die unterschiedlichen Werte aber auch darauf,

dass die Steuerungsgruppen Kursangebote in

Gemeinden mit ihrem Blick von außen nüchterner

und darum ihre Bedeutung als festen Bestandteil

des Gemeindelebens auch geringer einschätzen.

Auf Grund der unterschiedlichen Bezugsgruppen,

die den Einschätzungen in B1 und in B4 jeweils

zugrunde liegen, lassen sich jedoch, das sei noch

einmal betont, keine direkten Verbindungen beschreiben

oder gar Kausalitäten herstellen.

Aber die beschriebenen unterschiedlichen Werte

können zum Anlass genommen werden der Frage

verstärkte Aufmerksamkeit zu schenken, ob und

in welchem Maß Kurse zum Glauben tatsächlich

zu einem festen Bestandteil des Gemeindelebens

geworden sind und wenn nicht, wie sie es ggf. werden

könnten.


Neben der Bedeutung von Kursen zum Glauben in

den Gemeinden und den für ihre Durchführung

bestimmenden Motiven haben wir die Steuerungsgruppen

analog zum Fragebogen B1 in einem dritten

Bereich ebenfalls nach der Wahrnehmung von

Veränderungen an den Stellen gefragt, an denen

Kurse zum Glauben durchgeführt wurden: „Welche

Veränderungen haben Sie in Gemeinden/an

kirchlichen Orten, die Kurse zum Glauben durchgeführt

haben, wahrnehmen können?“ Auch hier

ist wichtig zu betonen, dass zwar die Fragestellung

gleich gewählt worden ist, um die entsprechenden

Ergebnisse nebeneinanderstellen zu können, dass

aber auch hier gilt, dass es sich im einen Fall um die

Summe einzelner Wahrnehmungen in Gemeinden

als Kursveranstalter handelt, die sich in Prozentwerten

ausdrücken lässt, im anderen Fall aber auch

hier um Beobachtungen weniger, die sich aber zugleich

auf einen anderen und zudem ungleich größeren

Bereich beziehen.

Betrachtet man nun die Prozentwerte aus B4 und

hält sie neben die Ergebnisse zur dieser Frage aus

B1 dann zeigt sich auf diesen ersten Blick zunächst

einmal ein ziemlich ähnliches Bild. Auch hier in

B4 gibt es keine Angaben zu negativen oder sogar

stark negativen Veränderungen in Gemeinden,

die Kurse zum Glauben anbieten. Dann aber fällt

auf, dass in B4 der Antwortausfall an dieser Stelle

durchschnittlich höher ist, die Nennungen in

der mittleren Kategorie (keine Veränderung) aber

durchschnittlich geringer sind. Die Angaben zu

den einzelnen Antwortmöglichkeiten zeigen nun

an den meisten Stellen ein ähnliches Bild mit z.T.

ähnlich hohen Werten bei lediglich geringen Abweichungen

von wenigen Prozent. Das bedeutet,

dass auch die Steuerungsgruppen für den größeren

Bereich, den sie überblicken, zu ähnlichen Wahrnehmungen

kommen wir die Gemeindeleitungen

in B1 für ihren sehr eingegrenzten Bereich der eigenen

Gemeinde.

Bei zwei Aussagen aber weichen die Werte z.T.

deutlich ab. So nehmen die Steuerungsgruppen in

ihrem Bereich mit 69,2% (im Vergleich zu 37,3%

in B1) demnach mehrheitlich als eine Veränderung

der Arbeit mit Kursen zum Glauben eine Steigerung

der Anzahl von Gruppen und Kreisen und

damit in dieser Hinsicht eine Vergrößerung der

Partizipationsmöglichkeiten in Gemeinden und an

kirchlichen Orten wahr. Zudem sehen sie in etwas

größerem Maß positive oder stark positive Veränderungen

in der Anzahl der Erwachsenentaufen

(23,7% in B1, 30,8% in B4).

starke

negative

Veränderung

negative

Veränderung

keine

Veränderung

positive

Veränderung

starke

positive

Veränderung

keine

Angaben

Mittelwert

Anzahl der Gottesdienstbesucher 0,0% 0,0% 46,2% 30,8% 0,0% 23,1% 3,4

Anzahl der Kreise und Gruppen 0,0% 0,0% 7,7% 61,5% 7,7% 23,1% 4

Anzahl der Erwachsenentaufen 0,0% 0,0% 46,2% 30,8% 0,0% 23,1% 3,4

Atmosphäre in der Gemeinde 0,0% 0,0% 0,0% 30,8% 0,0% 69,2% 4

Anzahl der Mitarbeitenden 0,0% 0,0% 38,5% 38,5% 0,0% 23,1% 3,5

Engagement in der Gemeinde 0,0% 0,0% 23,1% 53,8% 0,0% 23,1% 3,7

Offenheit für andere 0,0% 0,0% 23,1% 53,8% 0,0% 23,1% 3,7

Perspektivisches Denken in der

Gemeindeleitung

0,0% 0,0% 23,1% 46,2% 7,7% 23,1% 3,8

Anzahl der Kircheneintritte 0,0% 0,0% 53,8% 23,1% 0,0% 23,1% 3,3

Wahrnehmung von Kirchendistanzierten/

Konfessionslosen

0,0% 0,0% 38,5% 38,5% 0,0% 23,1% 3,5

Bereitschaft für Veränderungen 0,0% 0,0% 23,1% 53,8% 0,0% 23,1% 3,7

Bewusstsein für eine missionarische

Kirche

0,0% 0,0% 23,1% 46,2% 7,7% 23,1% 3,8

Weitere Veränderungen: 0,0% 0,0% 7,7% 15,4% 0,0% 76,9% 3,67

Tabelle 4 - B4, Frage V.3 Welche Veränderungen haben Sie in Gemeinden, die Kurse zum Glauben durchgeführt haben, wahrnehmen können?


4. Ergebnisse – 10 Thesen 34

35

Grafik 21 - Vergleich B1 und B4, Frage: Was hat sich in den Gemeinden verändert?

Von besonderem Interesse mit Blick auf die Gemeindeentwicklung

sind die unterschiedlichen

Werte bei folgenden drei Aspekten: Wird das Ausmaß

von Veränderungen hinsichtlich der Wahrnehmung

von Kirchendistanzierten/Konfessionslosen

mit einem Wert von 38,5% (im Vergleich 50% in

B1) geringer eingeschätzt, so ist es zum einen bei

der Frage nach dem Perspektivischen Denken in

der Gemeindeleitung mit einem Wert von 53,9%

in B4 im Vergleich zu 44,9% in B1 als auch hinsichtlich

der Bereitschaft für Veränderungen mit

53,8% in B4 im Vergleich zu 44,9% in B4 umgekehrt.

Gerade diese beiden Aspekte und möglichen

Veränderungen durch die Arbeit mit Kursen zum

Glauben hängen mit Blick auf die Gemeindeleitung

eng zusammen.

Dieser Blick auf die Angaben und Werte der Steuerungsgruppen

zur Frage nach wahrnehmbaren

Veränderungen in Gemeinden und an kirchlichen

Orten, die Kurse zum Glauben durchgeführt haben,

lässt vorsichtig vermuten, dass die Ergebnisse

unserer Befragung in den beteiligten Landeskirchen

über sich hinausweisen auf andere Orte und

Gemeinden in Deutschland, die mit Kursen zum

Glauben arbeiten – auch wenn man kaum genug

betonen kann, dass die Bereiche, in denen die jeweiligen

Wahrnehmungen gemacht wurden, sehr

unterschiedlich waren.

5. Vor allem personenbezogene Aspekte

werden für das Gelingen von Kursen zum

Glauben als ausschlaggebend erachtet.

Wenn es insgesamt um die Frage nach der Bedeutung

von Kursen zum Glauben für die Gemeindeentwicklung

geht, dann ist auch die Frage nach

Faktoren von Interesse, die entweder negativen

oder positiven Einfluss auf die Durchführung von

Kursen zum Glauben haben. Wir haben bewusst

aus diesen beiden Richtungen gefragt. Wir haben

jedoch in beiden Fragenbereichen unterschiedliche

Antwortmöglichkeiten verwendet, da sich z.B.

nicht alle positiven Faktoren einfach ins Negative

wenden lassen und umgekehrt.

Betrachtet man zunächst die positiven Faktoren,

fällt auf, dass nahezu allen genannten Antwortmöglichkeiten

ein positiver, stark positiver oder

sehr stark positiver Einfluss für eine gelingende

Durchführung eines Kursangebotes zugesprochen

wird. In der Summe dieser drei Ausprägungen liegt

fast keine unter 72%, jedoch mit einer Ausnahme,

denn dem externen Referenten im Kurs wird nur

zu 34,7% ein positiver, aber sogar zu 32,2% kein

Einfluss beigemessen. Hier zeigt sich vermutlich

zum einen, dass andere Faktoren als die Person

eines etwaigen Referenten mit Abstand wichtiger

bewertet werden. Zum anderen ist dies ein Hinweis

auf die Entwicklung der letzten Jahre, dass


Authentizität des/der Kursleitenden

Keinen

Einfluss

Geringen

positiven

Einfluss

Positiven

Einfluss

Starken

positiven

Einfluss

Sehr

starken

positiven

Einfluss

Keine

Angabe

0,0% 1,7% 6,8% 39,0% 48,3% 4,2% 4,4

Mittelwert

Gastfreundliche Atmosphäre des

Kurses

0,0% 3,4% 17,8% 36,4% 38,1% 4,2% 4,14

Vorbereitung des Kurses 0,0% 2,5% 24,6% 39,0% 28,8% 5,1% 3,99

Mitarbeiterteam 2,5% 8,5% 11,9% 33,9% 35,6% 7,6% 3,99

Werbung für den Kurs 0,8% 8,5% 29,7% 42,4% 13,6% 5,1% 3,63

Gemeindliche Unterstützung 2,5% 11,9% 29,7% 33,9% 13,6% 8,5% 3,48

Kursmaterialien 4,2% 9,3% 33,9% 32,2% 13,6% 6,8% 3,45

Zeit des Kursangebotes 2,5% 11,9% 37,3% 32,2% 11,0% 5,1% 3,39

Raum des Kursangebotes 3,4% 13,6% 50,0% 22,9% 4,2% 5,9% 3,12

Ort des Kursangebotes 2,5% 18,6% 51,7% 15,3% 5,9% 5,9% 3,04

Externe Referenten im Kurs 32,2% 21,2% 24,6% 5,9% 4,2% 11,9% 2

Tabelle 5 - B1, Frage VI.1 Wie sehr sind die folgenden Merkmale nach Ihren bisherigen Erfahrungen für eine gelingende Durchführung von

Kursen zum Glauben ausschlaggebend?

Kursmodelle externe Referenten zunehmend weniger

vorsehen.

Wenn man sich nun trotz der insgesamt hohen Bewertungen

die einzelnen Faktoren noch einmal genauer

ansieht, fallen doch einige Unterschiede auf.

Denn es scheint eine klare Reihenfolge zu geben,

in der die eher personenbezogenen Merkmale als

am meisten ausschlaggebenden angesehen werden.

Am höchsten wird die Authentizität des/der Kursleitenden

bewertet (94,1%), gefolgt von der Vorbereitung

des Kurses (92,4%) und, nahezu gleichauf,

der gastfreundlichen Atmosphäre (92,3%) in einem

Kursangebot. Auch die Werbung für den Kurs

wird mit insgesamt 85,7% hoch bewertet und stellt

einen sowohl personenbezogenen als auch, z.B.

hinsichtlich des Werbematerials, einen nicht personenbezogenen

Faktor dar. Es folgt das Mitarbeiterteam

mit 81,4% für einen positiven Einfluss auf das

Angebot eines Kurses zum Glauben. Die anderen

Faktoren, wenngleich wie bereits gesagt ebenfalls

durchweg positiv bewertet, liegen knapp über 80%

(Zeit des Kursangebotes mit 80,5%) oder darunter:

Raum des Kursangebotes (77,1%), Ort des Kursangebotes

(72,9%) und Gemeindliche Unterstützung

(77,2%), so dass Zeit, Raum und Ort eines

Kursangebotes (in dieser Reihenfolge) zwar durchaus

wichtige Faktoren für die Durchführung von

Kursen zum Glauben sind, in ihre Bedeutung aber

nicht an die erstgenannten heranreichen. Abschließend

ist aber auch das Kursmaterial zu erwähnen,

dem mit 79,7% ebenfalls eine wichtige Bedeutung

gegeben wird, die jedoch auch hinter den personenbezogenen

Einflussfaktoren zurückbleibt.

So kann man sagen, dass zwar auch die anderen genannten

Faktoren wichtig für ein Kursangebot sind,

dass aber die erstgenannten interpersonalen Aspekte

Authentizität, Vorbereitung und gastfreundliche

Atmosphäre die wichtigsten sind. 28 Sie werden aus

Sicht der Verantwortlichen als besonders förderlich

für die erfolgreiche Durchführung von Kursen zum

Glauben empfunden. Oder anders gesagt: Persönliche

Beziehungen werden als wesentlicher für das

Gelingen eines Kursangebotes wahrgenommen als

äußere Gegebenheiten und Materialien. Da aber

gerade der Faktor Authentizität den Zusammenhang

von Person und Inhalt in einem Kursangebot

bezeichnet und die Werte für die anderen Faktoren

ebenfalls hoch sind, kann aus diesem Ergebnis

28 Zu ganz ähnlichen Ergebnissen zur Frage nach gelingenden Faktoren für die Durchführung

von Kursangeboten kommt die Auswertung des Modellprojekts zum milieusensiblen

Marketing für Kurse zum Glauben in den badischen Kirchenkreisen Heidelberg und

Ladenburg-Weinheim. Vgl. dazu Aufbruch in neue Lebenswelten. Milieusensibles Marketing

für Kurse zum Glauben in der Modellregion Heidelberg/Ladenburg-Weinheim. Hrsg.

von der Ar-beitsgemeinschaft Missionarische Dienste (AMD), Projektbüro „Erwachsen

glauben“ und dem EKD-Zentrum Mission in der Region, Berlin/Dortmund 2012, 62f.

(nachfolgend abgekürzt: Aufbruch in neue Lebenswelten).


4. Ergebnisse – 10 Thesen 36

37

Grafik 22 - B1, Frage VI.1 Wie sehr sind die folgenden Merkmale für eine gelingende Durchführung von Kursen ausschlaggebend?

keinesfalls geschlossen werden, dass der Inhalt und

damit auch das entsprechende Material eines Kurses

völlig egal ist solange nur die Leitenden nett

sind.

Interessant ist noch ein Blick auf die Dinge, die unter

der Kategorie Weiteres genannt wurden: Hier

wurde mehrmals von gemeinsamem Essen gesprochen,

von der persönlichen Art der Einladung, die

hier als positiver Einflussfaktor verstanden wurde

und vom Gebet und zwar sowohl für den Kurs als

auch im Kurs.

Betrachtet man die Einflussfaktoren nun noch einmal

von der negativen Seite, fragt man also „Wie

sehr schränken die folgenden Merkmale nach

Ihren bisherigen Erfahrungen eine gelingende

Durchführung von ‚Kursen zum Glauben’ ein?“,

fällt zunächst einmal auf, dass hier der Antwortausfall

im Durchschnitt doppelt so hoch ist. Das heißt,

dass doppelt so viele Befragte an dieser Stelle keine

Angabe gemacht haben. Möglicherweise hat dies

seinen Grund darin, dass es im eigenen Verantwortungsbereich

allgemein schwerer fällt, Negatives

zu benennen.

Sieht man sich die Angaben zu den einzelnen Aspekten

genauer an, so zeigt sich hier an einigen

Stellen sozusagen die negative Seite der positiven

Faktoren. Den höchsten Wert erhält hier die nun

unzureichende Vorbereitung mit 85,8%. Hoch bewertet

als Negativ-Faktor wird aber auch ein Aspekt,

der ebenfalls personenbezogen ist, aber auch eine

strukturelle Komponente hat, die Überlastung der

Kursmitarbeitenden (71,1%). Und auch der Faktor

Werbung taucht negativ gewendet hier auf, wenn

der Unzureichenden Öffentlichkeitsarbeit/Werbung

für den Kurs mit 65,2% ein negativer, stark

negativer oder sogar sehr stark negativer Einfluss

zugeschrieben wird. Es folgen mit der mangelnden

gemeindlichen Unterstützung (63,5%), den theologischen

Vorbehalten gegenüber Kursangeboten in

der Gemeinde (49,2%) und den Schwierigkeiten

bei der Akquise von Kursmitarbeitenden (45%),

der jedoch 39,9% nur einen geringen oder keinen

negativen Einfluss zuschreiben, weitere personenbezogene

Faktoren. Den Mangel an nachhaltiger

Wirkung des Kurses für die Gemeindeentwicklung

halten hingegen 43,2% für einen negativen oder

stark negativen Einflussfaktor. 44,1% sehen dies

dagegen nicht so. Die auf Seiten der Teilnehmenden

liegenden genannten Antwortmöglichkeiten

spielen als negative Faktoren für die Durchführung

von Kursen zum Glauben eine eher nur untergeordnete

Rolle. 36,2% sehen einen negativen bis

sehr stark negativen Faktor darin, dass sich nur wenige

Teilnehmende zum Kurs anmeldeten (56,7%

sehen dies nicht so) und nur 18,6% erachten es

als negativen bis sehr stark negativen Faktor, dass

Teilnehmende den Kurs abbrachen (für 69,5% hingegen

hat dies nur geringen oder keinen negativen


Keinen

Einfluss

Geringen

negativen

Einfluss

Negativen

Einfluss

Starken

negativen

Einfluss

Sehr

starken

negativen

Einfluss

keine

Angabe

Mittelwert

Unzureichende Vorbereitung 4,2% 8,5% 26,4% 37,7% 21,7% 10,2% 3,62

Überlastung der Kursmitarbeitenden

Unzureichende Öffentlichkeitsarbeit

/ Werbung

Mangelnde gemeindliche Unterstützung

Schwierigkeiten bei der Akquise

von Kursmitarbeitenden

6,8% 14,4% 38,1% 25,4% 7,6% 7,6% 3,14

6,8% 17,8% 35,6% 25,4% 4,2% 10,2% 3,03

9,3% 16,9% 35,6% 20,3% 7,6% 10,2% 3

13,6% 26,3% 26,3% 13,6% 5,1% 15,3% 2,65

Theologische Vorbehalte 21,2% 18,6% 27,1% 15,3% 6,8% 11,0% 2,64

Mangel an nachhaltiger Wirkung 15,3% 28,8% 32,2% 10,2% 0,8% 12,7% 2,46

Wenige Teilnehmende meldeten

sich an

18,6% 38,1% 18,1% 8,6% 9,5% 11,0% 2,43

Teilnehmende brachen den Kurs

ab

28,8% 40,7% 11,0% 5,9% 1,7% 11,9% 1,99

Tabelle 6 - B1, Frage VI.2 Wie sehr schränken die folgenden Merkmale nach Ihren bisherigen Erfahrungen eine gelingende Durchführung

von Kursen zum Glauben ein?

Grafik 23 - B1, Frage VI.2 Wie sehr schränken die folgenden Merkmale eine gelingende Durchführung von Kursen ein?


4. Ergebnisse – 10 Thesen 38

39

Einfluss auf die Durchführung von Kursen zum

Glauben).

Abschließend bleibt festzuhalten, dass es also offensichtlich

in erster Linie die personenbezogenen

Einflussfaktoren sind, die entweder einen positiven

oder im umgekehrten Fall einen negativen Einfluss

auf die Durchführung von Kursen zum Glauben

haben. Besonders im Blick auf die Mitarbeitenden,

hier zunächst unabhängig davon, ob es sich um

Haupt- oder Ehrenamtliche handelt, ist den in hohem

Maße negativ bewerteten Faktoren Unzureichende

Vorbereitung und Überlastung der Kursmitarbeitenden

sicher besondere Aufmerksamkeit

in der Planung und Durchführung von Kursangeboten

zu schenken. Daraus ergeben sich dann weitere

Folgerungen für Notwendigkeit von Mitarbeitenden

und ihre Auswahl, Schulung und Begleitung,

die wir im Schlusskapitel etwas näher beleuchten

wollen. Zudem werden die Mitarbeitenden und

auch ihr Verhältnis zu den Hauptamtlichen in der

Auswertung von B3 noch einmal besonders in den

Blick genommen.

6. Gemeinden, die Kurse zum Glauben

durchführen, haben durchschnittlich mehr

Gottesdienstbesucher, mehr ehrenamtliche

Mitarbeitende, mehr Erwachsenentaufen

und ein breiteres Veranstaltungsangebot als

Gemeinden, die keine Kurse anbieten, ohne

dass daraus ein Ursache-Wirkungs-Verhältnis

in die eine oder andere Richtung abgeleitet

werden kann.

Wenn man danach fragt, ob Kurse zum Glauben

eine Bedeutung für die Entwicklung von Gemeinde

und Kirche haben, ist ein Vergleich zwischen Gemeinden,

die Kursangebote machen, und solchen,

die das nicht tun, interessant – an dieser Stelle

zunächst unabhängig von der Frage, wie lange in

einer Gemeinde oder an einem kirchlichen Ort

bereits Kursangebote gemacht werden. Im Wesentlichen

haben wir uns dazu die jeweiligen Mittelwerte

in beiden Vergleichsgruppen angesehen und

festgestellt, dass es z.T. deutliche Unterschiede in

Bezug auf die abgefragten Bereiche kirchlicher Arbeit

gibt. Dies legt die Vermutung nahe, dass es hier

Zusammenhänge gibt. Es lassen sich aus den Daten

jedoch keine kausalen Verknüpfungen herstellen,

auch wenn der Befund auffällig bleibt.

Dabei war es unerheblich, ob die jeweiligen Gemeinden

Teil eines Pilotkirchenkreises der EKD-

Initiative sind. Der Anteil von Gemeinden, die zu

einem solchen Kirchenkreis gehören, ist in beiden

Gruppen nahezu gleich. Auch lassen sich kaum

Unterschiede in den kirchendemographischen Angaben

feststellen. Die Anteile der Gemeinden, die

sich in einem Dorf (weniger als 5.000 Einwohner),

in einer Kleinstadt (5.000 bis 20.000 Einwohner,

in einer mittelgroßen Stadt (20.000 bis 100.000

Einwohner) oder in einer Großstadt mit mehr als

100.000 Einwohnern befinden, sind insgesamt

sehr ähnlich. Innerhalb der Gruppe von Gemeinden,

die Kurse anbieten, fällt jedoch auf, dass mehr

als 60% von ihnen sich in einem Dorf oder in einer

Kleinstadt befinden (35,6% im Dorf, 25,4% in einer

Kleinstadt). Der geringste Anteil von Gemeinden

findet sich in mittelgroßen Städten (14,4%), in

Großstädten hingegen befindet sich ein knappes

Viertel der Gemeinden (23,7%).

Als Ergebnis ist zunächst einmal festzuhalten: Gemeinden,

die Kurse zum Glauben durchführen,

und Gemeinden, die dies nicht tun, unterscheiden

sich in vielen Aspekten des Gemeindelebens statistisch

bedeutsam voneinander.

Wir haben zunächst nach der Anzahl ehrenamtlich

Mitarbeitender gefragt und festgestellt, dass sich

die Mittelwerte der beiden Gruppen deutlich unterscheiden:

Gemeinden, die keine Kurse zum Glauben

durchführen (GoKzG), haben durchschnittlich

88,11 ehrenamtlich Mitarbeitende. Bei den

Gemeinden, die Kurse anbieten (GmKzG), beträgt

der Mittelwert dagegen 127,5. Dieser Wert könnte

von der jeweiligen Gemeindegröße abhängen und

lediglich darauf beruhen, dass GmKzG große Gemeinden

sind, die eher über entsprechende auch

Grafik 24 - B1, Frage I.4 Wo befindet sich Ihre Gemeinde?


Grafik 25 - Frage I.1_8 und I.7 Anzahl und Arbeitsfelder der Ehrenamtlichen (Mittelwertvergleich nach Gemeinden mit und

Gemeinden ohne Kurse zum Glauben)

personelle Ressourcen verfügen, ein Kursangebot

zu machen. Doch auch der Vergleich des jeweiligen

prozentualen Anteils Ehrenamtlicher an der

Gemeindegliederzahl in beiden Gruppen bestätigt

diese Tendenz: In GmKzG beträgt der durchschnittliche

Anteil der Ehrenamtlichen an der Gemeindegliederzahl

5,2%, in GoKzG dagegen durchschnittlich

4,3%. Folglich lässt sich nicht sagen, dass die

oben genannten Mittelwerte, die durchschnittliche

absolute Zahlen wiedergeben, allein von der Gemeindegliederzahl

und damit von der Größe einer

Gemeinde abhängen.

Über die reine Anzahl hinaus haben wir dann auch

nach den kirchlichen Arbeitsfeldern gefragt, in denen

die ehrenamtlich Mitarbeitenden tätig sind.

Dabei hat sich das Bild bestätigt und weiter ausdifferenziert.

GmKzG weisen einen höheren Mittelwert

bei Ehrenamtlichen in Leitungsaufgaben auf

(28,71 zu 21,56) und auch bei Teilnehmenden in

Chören und Musikgruppen (59,35 zu 47,55), was

ein wenig überraschend ist, weil gerade die Kirchenmusik

ein traditionelles kirchliches Arbeitsfeld

ist. So kann man vorsichtig formulieren, dass das

Angebot von Kursen zum Glauben die Arbeit in traditionellen

Arbeitsfeldern in einer Gemeinde nicht

ausschließt und umgekehrt. Darum ist ein Denken

in „entweder – oder“ auch nicht angezeigt. Auch

in der Frage ehrenamtlicher Mitarbeit in Kitas oder

auch in der Hausaufgabenhilfe (3,98 zu 2,53) und

in sozialen Brennpunkten (2,38 zu 1,66) liegt der

Mittelwert in GmKzG höher. 29 In der allgemeinen

29 In der Frage der Mitarbeit in sozialen Brennpunkten ist der Prozentsatz der

Gemeinden, die hier keine Angabe gemacht haben, in beiden Gruppen sehr hoch. Aber

auch hier bestätigt sich das Bild, da GmKzG mit 70,5% einen geringeren Wert aufweisen

als die GoKzG (82,9%). Demnach ist dies ein Hinweis darauf, dass die verbreitete

Ver-mutung möglicherweise nicht stimmt, dass Gemeinden, die evangelistisch arbeiten

und z.B. Kurse zum Glauben anbieten, sich weniger für soziale Fragen interessieren als

Gemeinden anderen Typs.

Frage nach der Mitarbeit bei kirchlichen Veranstaltungen

hingegen gibt es keinen signifikanten Unterschied

(15,84 in GoKzG und 16,86 in GmKzG)

und bei der Frage der Mitarbeit im Bereich andere

(kranke) Menschen zu besuchen zeigt sich bei den

GoKzG ein höherer Mittelwert (14,72 zu 11,32). 30

Vergleicht man die durchschnittliche Anzahl der

Gottesdienstbesucher in beiden Gruppen miteinander,

so zeigt sich auch hier ein deutlich höherer

Mittelwert bei den Gemeinden, die Kurse zum

Glauben durchführen (66,79 zu 105,39). 31 Zum

Thema Gottesdienste haben wir an dieser Stelle

jedoch nicht nur nach der Anzahl der Besucher

gefragt, sondern auch nach dem Angebot alternativer

Gottesdienstformen. Zwei Werte lassen sich

vergleichen: Zum einen der prozentuale Anteil an

Gemeinden in beiden Gemeindetypen, die unterschiedliche

Gottesdienstformen anbieten, zum anderen

der Mittelwert der tatsächlich im Bezugsjahr

2011 durchgeführten Gottesdienste der jeweiligen

Gottesdienstform. 32 So führen 62,4% der GmKzG

Jugendgottesdienste durch, aber lediglich 52,4%

der GoKzG, auch wenn der Mittelwert der tatsächlich

durchgeführten Jugendgottesdienste in 2011

30 Auf den Zusammenhang von ehrenamtlicher Arbeit in der Kirche und dem Angebot

von Kursen zum Glauben weist auch die Broschüre des Sozialwissenschaftlichen Instituts

der EKD „Evangelische engagiert – Tendenz steigend (SI, Hannover 2012, 16) hin, auch

wenn sich die dort erhobenen Daten auf den Zeitraum vor Beginn der EKD-Initiative

ERWACHSEN GLAUBEN beziehen: „...wäre zu prüfen, ob nicht auch die verschiedenen

Aktivitäten der evangelischen Kirche zur Stärkung der Kirchenbindung – wie etwa das

breitgefächerte Angebot von Glaubenskursen – Ziel führend waren.“

31 Auch W. Härle, Wachsen gegen den Trend, Leipzig 2008, 319-325, verweist auf den

Zusammenhang der Durch-führung von Kursen zum Glauben und dem Gottesdienst.

Zudem wird das konstatierte Wachstum in den dort un-tersuchten Gemeinden u.a. an

den Gottesdienstbesucherzahlen festgemacht.

32 Bei einzelnen Items scheinen sich die Prozentwerte und die Mittelwerte zu widersprechen,

etwa dann wenn in einem Gemeindetypus durchschnittlich mehr Gemeinden

z.B. einen Jugendgottesdienst anbieten, ausgedrückt durch den Prozentwert, der besagt,

dass ein Jugendgottesdienst durchgeführt wurde. Wenn dann aber der Mittelwert an dieser

Stelle im anderen Typus höher ist, ist dies kein Widerspruch, sondern besagt lediglich,

dass die durchschnittliche Anzahl tatsächlich durchgeführter Jugendgottesdienste im

Bezugsjahr 2011 hier höher ist. In diesem Fall haben also weniger Gemeinden des einen

Typus mehr Jugendgottesdienste tatsächlich durchgeführt.


4. Ergebnisse – 10 Thesen 40

41

Grafik 26 - B1, Frage I.5 Welche alternativen Gottesdienstformen werden in Ihrer Gemeinde durchgeführt? (Mittelwertvergleich

nach Gemeinden mit und Gemeinden ohne Kurse zum Glauben)

geringfügig höher ist in den Gemeinden, die keine

Kurse anbieten (3,95 zu 3,67). Bei den Familien-

bzw. Krabbelgottesdiensten ist der Anteil der

Gemeinden, die solche anbieten, in beiden Gruppen

beinahe gleich hoch, auch wenn die GmKzG

auch hier leicht überwiegen (95,7% zu 99,1%) und

der Mittelwert der tatsächlichen in 2011 durchgeführten

Gottesdienste in den Kurse durchführenden

Gemeinden wieder deutlich höher ist (6,55

zu 5,02). 33 Besonders auffällig ist der Unterschied

dann wieder bei den Gottesdiensten in anderer

Gestalt, den sogenannten Gästegottesdiensten.

Diese Gottesdienstform findet sich in 74,5% der

Gemeinden, die Kurse anbieten, gegenüber 47,5%

in Gemeinden ohne Kurse zum Glauben. Auch der

Mittelwert der tatsächlich durchgeführten Gottesdienste

dieses Formats entspricht dem (6,44 zu

4,94). Abschließend haben wir an dieser Stelle

nach weiteren Gottesdienstformen gefragt, die von

Abendgottesdiensten über Feierabendmahl und

Kunstgottesdiensten bis zu Taizé-Gottesdiensten

reichten. Auch hier ist der Anteil der Gemeinden

mit Kursen höher als der der anderen Gruppe

(48,3% zu 39,1%), wobei jedoch der Mittelwert

der tatsächlich durchgeführten weiteren Gottesdienste

in GoKzG höher ist (8,94 zu 7,37).

33 Dass an dieser Stelle die Zahlen in beiden Gruppen beinahe gleich groß sind, hat

seinen Grund vermutlich auch darin, dass Familiengottesdienste eines der klassischen

Formate in Gemeinden über alle Profile und Prägungen hinweg sind.

Auch in der Frage nach der Anzahl weiterer Angebote

in der Gemeinde überwiegen in allen abgefragten

Bereichen (Kinder- und Jugendgruppen,

Kreise/Gruppen für Zielgruppen, Bibel- und Hauskreisen,

Weitere) die Mittelwerte in den Gemeinden,

die Kurse zum Glauben anbieten wobei der

Unterschied bei Bibel- und Hauskreisen (4,49 zu

1,05) besonders auffällig ist.

Ein differenzierteres Bild zeigt sich bei der Frage

nach besonderen jährlich angebotenen Projektveranstaltungen:

Hier zeigt sich besonders bei

Bildungsveranstaltungen kein nennenswerter Unterschied

(80,4% in GoKzG, 78,8% in GmKzG;

Mittelwert 7,15 zu 7,19). Ein nur geringer Unterschied

besteht bei der Bibelwoche, bei der GoKzG

mit 60,9% zu 53,4% einen höheren Wert aufweisen

(Mittelwert 1,07 zu 1,12). Ähnlich verhält es sich

bei Konzerten, die aber in beiden Gemeindetypen

sehr hohe Werte zeigen (95,7% in GoKzG, 85,6%

in GmKzG, Mittelwert 5,70 zu 5,46). Davon unterscheidet

sich das Angebot von Frühstückstreffen/

Stammtischen, das Gemeinden mit Kursen zum

Glauben durchschnittlich häufiger durchgeführten

(51,7% zu 43,5% in GoKzG). Gerade an dieser

Stelle sticht jedoch der Mittelwert der tatsächlich

in 2011 durchgeführten Frühstückstreffen/

Stammtischen hervor, der in GoKzG mit 17,35 zu

10,34 deutlich höher ausfällt. Genau anders herum

verhält es sich bei Kirchenführungen, die durchschnittlich

etwas häufiger in GoKzG angeboten


Grafik 27 - B1, Frage I.8 Welche Projektveranstaltungen bieten Ihre Gemeinden an? (Vergleich der Ja-Angaben nach Gemeinden

mit und Gemeinden ohne Kursen zum Glauben)

werden (54,3% zu 44,1%), die aber in GmKzG einen

höheren Mittelwert aufweisen (7,81 zu 5,33).

Eindeutig verhält es sich dann, vielleicht wenig

überraschend, bei Lobpreisabenden (27,1% in

GmKzG zu 4,3% in GoKzG; Mittelwert 6,87 zu 1),

Evangelisationsveranstaltungen (25,4% in GmKzG

zu 10,9% in GoKzG; Mittelwert 1,63 zu 0,88).

Aber auch, durchaus überraschend, bei Freizeiten/

Rüstzeiten liegen beide Werte in GmKzG eindeutig

über denen in GoKzG (83,9% zu 67,4%; Mittelwert

2,56 zu 2,19).

Nicht zuletzt zeigt sich auch bei der Zahl Erwachsenentaufen

34 ein höherer Mittelwert in den Gemeinden,

die Kurse zum Glauben anbieten (4,11

zu 2,44).

Nimmt man die Ergebnisse zusammen, dann zeigt

sich, dass Gemeinden, die Kurse zum Glauben

anbieten, durchschnittlich mehr ehrenamtliche

Mitarbeitende, mehr Gottesdienstbesucher und

mehr Erwachsenentaufen haben, dass sie zudem

eine größere Vielfalt an Gottesdienstformen und

ein breiteres Spektrum an Veranstaltungsformen

aufweisen und sich dabei auch nennenswert in

klassischen und nicht allein in evangelistischen

Arbeitsfeldern betätigen. Über die Beschreibung

der hier genannten Zusammenhänge und Korrelationen

hinaus lässt sich jedoch nicht – das sei ausdrücklich

betont – ein Ursache-Wirkungs-Verhältnis

beschreiben, weder in die eine, noch in die andere

Richtung. Vermuten könnte man zudem, dass es

einen Zusammenhang zwischen der Gemeindegröße,

der Vielfalt des gemeindlichen Angebots und

des Angebots von Kursen zum Glauben gibt. Mit

34 Unter Erwachsenentaufen fallen alle Taufen ab dem vollendeten 14. Lebensjahr.

anderen Worten: Da in großen Gemeinden die Zahl

ihrer Mitglieder und vor allem ihrer haupt- und vermutlich

auch der ehrenamtlichen Mitarbeitenden

höher ist, haben diese Gemeinden auch größere

personelle Ressourcen, Kurse zum Glauben durchzuführen.

35 Jedoch führen mehr Pfarrstellen nicht

automatisch zu mehr Kursangeboten, woraus man

somit nicht folgern kann, dass Gemeinden ohne

Kurse tendenziell kleine Gemeinden sind. 36

Auch wenn sich eindeutige Verhältnisbestimmungen

von Ursache und Wirkung weder in die eine

noch in die andere Richtung vornehmen lassen,

legt sich aus dem erhobenen Befund doch nahe,

Gemeinden und andere kirchliche Orte zu ermu-

Grafik 28 - B1, Frage I.4_3 Anzahl Erwachsenentaufen

(2011) (Vergleich Gemeinden mit und Gemeinden ohne

Kursen zum Glauben)

35 In diese Richtung weist ebenfalls, dass bei der Frage nach den Gründen für das Nicht-

Angebot von Kursen zum Glauben häufiger die Überlastung der Hauptamtlichen bzw. ein

hohes Maß anderer Aufgaben genannt wurde. Ein weiterer Hinweis auf die Bedeutung

vorhandener personeller Ressourcen findet sich darin, dass bei der Frage nach negativen

Einflussfaktoren für die Durchführung von Kursen zum Glauben die Überlastung der

Kursmitarbeitenden hoch bewertet wird.

36 Vgl. dazu These 8 zur Bedeutung der Hauptamtlichen.


4. Ergebnisse – 10 Thesen 42

43

tigen, viel, regelmäßig und lange mit Kursen zum

Glauben zu arbeiten und ihnen dafür so viel Unterstützung

wie möglich anzubieten. Die primäre

Ebene dafür wird zunehmend die der einzelnen

Landeskirchen sein, ohne jedoch die Bedeutung

zentraler Aufgaben für Ermutigung und Unterstützung

von Gemeinden und anderen kirchlichen Orten

auf der Ebene der EKD zu vernachlässigen.

Kurse zum Glauben – ihre Akteure

7. Teilnehmende an Kursen zum Glauben

kommen eher aus dem Bereich der ehrenamtlich

Mitarbeitenden und der Kirchennahen,

auch wenn Kursanbieter stärker die

Kirchendistanzierten und Konfessionslosen

im Blick haben.

Auch wenn die Teilnehmenden an Kursen zum

Glauben mit dem Fragebogen B2 eigens befragt

wurden und sie in der zu einem späteren Zeitpunkt

erfolgenden Auswertung stärker ins Blickfeld der

Betrachtung rücken werden, lassen sich doch auch

schon jetzt mit den Angaben aus dem Gemeindeleitungs-Fragebogen

einige Aussagen zu Teilnehmenden

in Kursangeboten machen. Dabei soll es an

dieser Stelle nur um zwei Perspektiven gehen: Zum

einen um die Angaben zur Anzahl der Teilnehmenden,

zu ihrer Alters- und Geschlechterverteilung

und zu ihrer Verteilung in unterschiedlichen Personengruppen

in einem konkreten Kursangebot im

Fragenbereich VIII. Dazu ist jedoch der Hinweis

wichtig, dass es hier lediglich um Tendenzen gehen

kann, da wir die Verantwortlichen an dieser Stelle

jeweils um die Angabe der geschätzten Anzahl an

Teilnehmenden gebeten haben. Zum anderen fällt

ein Licht auf die Gruppe der Teilnehmenden aus

der Sicht der Verantwortlichen, insofern wir diese

gefragt haben, welche Personengruppen sie als

potenzielle Teilnehmende primär im Blick hatten.

Oder anders gefragt: Welches Bild haben Verantwortliche

in Gemeinden und Gemeindeleitungen

von potenziellen Teilnehmenden? 37 Diese Frage

spielt selbstverständlich auch eine Rolle in der Angabe

von ausschlaggebenden Motiven für das Angebot

von Kursen zum Glauben. 38

37 Ein bestimmtes Bild von potenziellen Teilnehmenden zeigt sich, negativ gewendet,

auch in den Angaben zu den Gründen für das Nichtangebot von Kursen in den

Gemeinden, die keine Kurse zum Glauben anbieten. Denn der Einschätzung, dass sich

aus dem Bereich der Gemeinde oder ihres Umfeldes ohnehin niemand angemeldet hätte,

stimmen 50% der befragten Gemeinden zu, bzw. sehr zu.

38 Vgl. dazu auch die Ausführungen zur These 2, die sich ausführlicher mit den

Motiven beschäftigt.

Die Teilnehmenden aus der Sicht der Gemeindeleitungen/Kursanbieter

Wirft man nun einen Blick auf die Aussagen zur Bedeutung

von Kursen zum Glauben in der Gemeinde

und auf einzelne Motive für das Angebot von

Kursen, zeigen sich verschiedene Aspekte des Bildes,

das Gemeinden/Kursanbieter von möglichen

Teilnehmenden haben. Etwa die Hälfte der befragten

Gemeinden (48,3%) geben an, dass sie der

Aussage, es ließen sich dadurch Menschen für die

Kirche gewinnen, stark bzw. sehr stark zustimmen.

Etwas mehr als die Hälfte (53,4%) sehen darin stark

bzw. sehr stark zustimmend ein evangelisches Bildungsangebot

und sogar 77,1% eine Möglichkeit,

um Menschen zum Glauben zu ermutigen. Bei der

Frage nach den Motiven spielt die Ermutigung im

Glauben (hier von Menschen im Erwachsenalter)

ebenfalls eine große Rolle, die 86,4% der Befragten

als stark, bzw. sehr stark ausschlaggebend angeben.

In gleicher Weise geben 84,8% das Motiv „zum

Glauben einladen“ als stark bzw. sehr stark ausschlaggebend

an und 61,9% das Motiv „über den

christlichen Glauben informieren“.

Welches Bild von Teilnehmenden im Blick von Gemeindeleitungen

zeigt sich hier? Es sind also Menschen

im Blick, die potenziell ansprechbar sind

und offenbar auch den Bedarf haben, im Glauben

ermutigt zu werden. Zudem sind es Menschen, die

sich möglicherweise zum Glauben einladen lassen

könnten und die ein Interesse an evangelischen Bildungsangeboten

bzw. an Informationen über den

christlichen Glauben haben. Und es sind solche,

die sich möglicherweise für die Kirche gewinnen

lassen. Es sind also Menschen im Blickfeld, die

eine gewisse Offenheit gegenüber kirchlichen Angeboten

haben. Wie verhält sich dieses Bild nun

aber zu der Frage, welche Personengruppen bei der

Einführung von Kursen zum Glauben konkret im

Blick waren?

Die Befragten hatten die Wahl zwischen den vier

verschiedenen Personengruppen Ehrenamtliche

Mitarbeitende, Kirchennahe, Kirchendistanzierte

und Konfessionslose und waren gebeten, zu jeder

Gruppe auf einer Skala von 1 bis 5 eine Angabe zu

machen. Dabei gaben 63,7% der Befragten an, dass

sie die Gruppe der Kirchendistanzierten stark oder

sehr stark im Blick hatten. Angesichts dessen kann

man zumindest fragen, ob sich hier eine gewisse

Diskrepanz zum Vorhergehenden zeigt. Denn ob

in der Gruppe der Kirchendistanzierten von einem


Grafik 29 - B1, Frage IV.1 Welche Bedeutung haben Kurse zum Glauben in Ihrer Gemeinde?

Bedürfnis nach Einladung zum Glauben oder sogar

nach Ermutigung im Glauben auszugehen ist, steht

zumindest nicht von vornherein fest. Geht man

die Gruppen weiter durch, so ergibt sich folgendes

Bild: 42,4% der Befragten geben an, dass sie die

Kirchennahen stark bzw. sehr stark im Blick hatten.

Es schließen sich die Ehrenamtlichen Mitarbeitenden

mit 39,9% und schließlich die Konfessionslosen

mit 39% an. Betrachtet man die Angaben nun

noch einmal zusammen, so zeigt sich eine Tendenz

der Verantwortlichen für Kurse zum Glauben hin

zu den Kirchendistanzierten und Konfessionslosen

und damit weg von den der Kirche ohnehin schon

verbundenen Personengruppen.

In Spannung dazu steht dann jedoch, dass bei der

Frage nach Begleitung und genauer nach der Begleitung

durch verschiedene Kommunikationswege

von Kursen in der Gemeinde die eher klassischen

und binnenkirchlichen Kommunikationswege Gemeindebrief

(84,7%) und Gottesdienst (z.B. durch

Abkündigung) (81,4%) die höchsten Werte aufweisen,

auch wenn die Homepage der Gemeinde

(73,7%) und die Lokalpresse (62,7%) eine nicht

unbedeutende Rolle spielen. Schließlich ist an dieser

Stelle auch die recht hohe Bedeutung des persönlichen

Interesses einzelner Gemeindeglieder

(65,3%) der Erwähnung wert, da dies anzeigt, dass

knapp zwei Drittel der Gemeinden bereit ist, sich

auch persönlich der Teilnehmenden anzunehmen

und sie nicht nur auf anderen allgemeinen Kommunikationswegen

anzusprechen, egal ob diese eher

nach außen oder nach innen gerichtet sind.

Anzahl und Alter der Teilnehmenden

und ihre Nähe

bzw. Distanz zur Kirche

Nachfolgend geht es nun (Fragenbereich

VIII im Fragebogen)

um die geschätzten Angaben

39 zu Teilnehmenden, die

sich auf ein konkretes Kursangebot

beziehen. Betrachtet

man die Anzahl der Kursteilnehmenden,

dann zeigt

sich, dass in 24,6% der Kurse

zwischen 2 und 10 Teilnehmende

dabei waren, in 37,7%

zwischen 11 und 20, in 16,7%

zwischen 21 und 30, in 10,5%

zwischen 31 und 40 und in 10,6% der Kurse mehr

als 40 Teilnehmende dabei waren. Das bedeutet,

dass mehr als die Hälfte der Kursangebote (54,3%)

zwischen 11 und 30 Teilnehmende hatte. Sieht

man sich die Altersverteilung an, zeigt sich ein

eindeutiger Schwerpunkt der Teilnahme aus den

mittleren Altersgruppen, die man am Vergleich der

prozentualen Mittelwerte sehen kann. So gehören

lediglich 2% der Teilnehmenden in den konkreten

Kursen zur Altersgruppe der unter Zwanzigjährigen

(u20). 11% gehören zur Gruppe u30 (21 – 30 Jahre),

16% zur Gruppe u40 (31 – 40 Jahre), 23% zu

u50 (41 – 50 Jahre), 21% zu u60 (51 – 60 Jahre)

und 18% zu u70 (61 – 70 Jahre). Lediglich 7% gehören

demnach zur Gruppe der über Siebzigjährigen.

40

Hier zeigt sich eine deutliche Tendenz dahingehend,

dass Kurse zum Glauben zumindest in den

derzeit am meisten verbreiteten Formen und Modellen

41 in den mittleren Altersgruppen zwischen

dreißig und sechzig Jahren am meisten Zuspruch

finden (60%). Der Anteil der unter Dreißigjährigen

beträgt insgesamt nur 13%, wobei die unter Zwanzigjährigen

einen nur verschwindend geringen Anteil

ausmachen. Der Anteil der Altersgruppe der

über Sechzigjährigen insgesamt macht dann 25%

39 Wir haben nach geschätzten Angaben gefragt, weil diese von Verantwortlichen in

Gemeindeleitungen im Rückblick und im Einzelfall möglicherweise schon mit einigem

zeitlichen Anstand gemacht wurden. Zudem wird kein Verantwortlicher von Kursen zum

Glauben die Teilnehmenden etwa mit einem Statistikbogen genau befragen wollen. Auch

hier verweisen wir noch einmal auf die Auswertung des Teilnehmenden-Fragebogens

B2, der jeweils genauere, von den Teilnehmenden selbst gemachte Angaben enthält.

Dennoch wollten wir auch schon an dieser Stelle nicht völlig auf Angaben über Teilnehmende

verzichten.

40 Vgl. Johannes Zimmermann/Anna-Konstanze Schröder (Hg.): Wie finden Erwachsene

zum Glauben? Einführung und Ergebnisse der Greifswalder Studie, Neukirchen-Vluyn

2010 (BEG-Praxis, abgek. WfEzG), 58-62, wo sich bei den Befragten eine ähnliche

Altersverteilung findet.

41 Vgl. dazu die Ausführungen zu These 1.


4. Ergebnisse – 10 Thesen 44

45

aus. 42 Auch die Geschlechterverteilung der Teilnehmenden

fällt eindeutig aus: In den hier befragten

Gemeinden und den entsprechenden Kursangeboten

beträgt der Anteil der Männer lediglich 30%,

der der Frauen hingegen 69%. Weiterer Bewertungen

dieses Befundes enthalten wir uns jedoch an

dieser Stelle und verweisen auf die genaueren Angaben

im Fragebogen B2 für Teilnehmende.

Grafik 30 - B1, Frage VIII.3_1 Anzahl der Kursteilnehmenden

am konkreten Kurs (gesamt)

Grafik 31 - B1, Frage VIII.3_2-8 Anteil der Teilnehmenden

am konkreten Kurs nach Alter (geschätzt)

Grafik 32 - B1, Frage VIII.3_11-14 Anzahl der Kursteilnehmenden

am konkreten Kurs nach Personengruppen (geschätzt)

N=119 konkrete Kurse

Schließlich soll nun noch einmal ein Blick auf die

unterschiedlichen Personengruppen geworfen werden,

von denen schon einmal die Rede war: Die

Ehrenamtlich Mitarbeitenden, die Kirchennahen,

die Kirchendistanzierten und die Konfessionslosen.

Waren sie zuvor eher im Blick hinsichtlich der

Frage nach allgemein beabsichtigten Zielgruppen

aus der Sicht der Anbieter von Kursen zum Glauben,

geht es nun um die Einschätzung, wie sich die

Teilnehmenden eines konkreten Kursangebotes auf

die genannten Personengruppen verteilen. 43 Auch

wenn man die Angaben an den unterschiedlichen

Stellen des Fragebogens somit nicht direkt vergleichen

kann, zeigt sich doch eine Tendenz, die beachtenswert

ist. Denn in den durchschnittlichen

Angaben zu den konkret durchgeführten Kursen

(Fragenbereich VIII) verschiebt sich der Schwerpunkt

deutlich in den Bereich der Kirchennahen

und der Ehrenamtlichen Mitarbeitenden (zusammen

70,2%). Der Anteil der Kirchendistanzierten

(19%) und der Konfessionslosen (10,8%) beträgt

somit zusammen weniger als ein Drittel der Teilnehmenden.

Wie lässt sich dies nun bewerten? Das ist, und zwar

in mehrfacher Hinsicht, eine Frage der Perspektive.

Zunächst einmal zeigt sich hier ein deutlicher Unterschied

zwischen dem Anspruch und der Absicht

von Kursanbietern hinsichtlich der beabsichtigten

Zielgruppen und der Wirklichkeit im konkreten

Kursangebot. Zudem scheinen die Daten hier eine

vielfach geäußerte Erfahrung von Kursverantwortlichen

und –veranstaltern zu bestätigen, dass – zumindest

zunächst, also am Beginn der Arbeit mit

Kursen – tendenziell eher Menschen erreicht werden,

die Gemeinde und Kirche nicht sehr fern stehen.

Man könnte in diesem Unterschied zwischen

Anspruch und Wirklichkeit des Weiteren die Vermutung

bestätigt sehen, dass Kurse zum Glauben

42 Die Summe der Prozentwerte ergibt nicht 100%, was hier und auch bei den Angaben

zur Geschlechterverteilung der Rundung der einzelnen Prozentwerte zuzuschreiben ist.

43 Da in der Abfrage nach potenziellen Personengruppen in B1 IV.2 auch Mehrfachnennungen

möglich waren, kann die Summe der Prozentwerte dort auch nicht 100 ergeben,

im Unterschied zu B1 VIII.3, wo es ja um die Einschätzung der tatsächlichen Verteilung

der verschiedenen Personengruppen geht.


primär ein Format für den binnenkirchlichen Bereich

sind und somit vielleicht nur ein weiteres in

der vielfältigen Palette kirchlicher Angebote.

Und weiter: Da der Schwerpunkt tendenziell bei

den Kirchennahen und Mitarbeitenden liegt, wären

Kurse zum Glauben demnach eher kein missionarisches

Format. Aber: Das würde nur unter der

Voraussetzung stimmen, dass zum einen die Kirchennahen

der Mission nicht mehr bedürften und

dass zum anderen ein Wert von knapp 30% für das

Erreichen von kirchenfernen Personengruppen ein

schlechter Wert sei. Dann aber ist zu fragen: Welches

andere kirchliche Angebot erreicht denn zu

fast 30% Menschen aus diesen Personengruppen?

Zumal es sich hier nicht um ein lediglich punktuelles

Angebot handelt, sondern um eines, das zwar

zeitlich begrenzt ist, das aber dennoch gewisse Anforderungen

an Teilnehmende stellt, etwa hinsichtlich

Zeitaufwand und Verbindlichkeit.

So kann man in diesem Zusammenhang fragen:

Welche Schlüsse sind wir daraus zu ziehen bereit

oder auch gezwungen? 44 Haben wir auf den richtigen

Wegen eingeladen? Haben wir das passende

Kursangebot ausgewählt oder gab es das vielleicht

gar nicht? Wollten wir wirklich die Fernstehenden

erreichen und waren wir bereit uns auf sie einzulassen,

etwa auf ihre Lebenswelt und ihre Kommunikationswege?

Und weiter, besonders mit Blick auf die Gemeindeentwicklung:

Können wir uns freuen über die, die

jetzt schon gekommen sind und zwar aus beiden

Bereichen und können wir sie vielleicht in die weitere

Arbeit mit Kursen zum Glauben integrieren?

Eine entscheidende Frage ist aber: Was bedeutet

es eigentlich für unsere Kirche, wenn mit Kursen

zum Glauben ein Veranstaltungsformat, das dem

(anfänglichen) Verstehen des Glaubens, der Information

darüber und der Einübung in einige seiner

Grundvollzüge Raum gibt, zu einem hohen Prozentsatz

bei denen auf Interesse stößt, die der Kirche

und dem gemeindlichen Leben nicht fern stehen?

Offenbar haben gerade diese Menschen einen

Bedarf nach einer Möglichkeit, den Glauben neu

44 Dies kann dann ziemlich negativ ausfallen wie in einem Beispiel in Fragebogen B1,

wo unter Motiven für die Durchführung (!) eines Kurses genannt wird: „Es einmal zu

machen, damit deutlich wird: Es melden sich doch nur die Hochverbundenen an, eben

keine ‚Chance zu Mission’.“

oder besser kennen zu lernen und das mit einem

Format, das eben auch missionarisch ist.

Die Daten lassen jedenfalls nicht den Schluss zu,

dass Kurse zum Glauben in den beiden Personengruppen

der Kirchendistanzierten und Konfessionslosen

nahezu bedeutungslos sind. So lässt sich

mit Blick auf die tatsächlichen Teilnehmer formulieren:

Kurse zum Glauben sind offenbar nicht in

erster Linie ein missionarisches Format, mit dem

kirchenferne Menschen in einen möglicherweise

ersten Kontakt mit dem Glauben und der Gemeinde

kommen. Sie können aber sehr wohl auf verschiedenen

Ebenen ein wichtiges Element eines

missionarischen Prozesses sein, das für Menschen

in unterschiedlichen Phasen ihres persönlichen

Glaubensweges wichtig sein kann. 45

Und nicht zuletzt ergibt sich hier eine weitere

Forschungsfrage, die jedoch erst in einer erneuten

Untersuchung in einigen Jahren bearbeitet werden

kann: Erhöht sich der Anteil der Kirchendistanzierten

und der Konfessionslosen unter den Teilnehmenden,

je regelmäßiger Kurse zum Glauben

angeboten werden? Und ist dies möglicherweise

besonders da der Fall, wo kontinuierlich mit einem

Kursmodell gearbeitet wird? 46

45 Vgl. WfEzG, 129-139, wo zum einen auf die Bedeutung von Kursen zum Glauben

(dort als ‚Glaubenskurse’ bezeichnet) für unterschiedliche Phasen von Glaubenswegen

hingewiesen wird: „Dabei sind sie für die Befragten weniger eine Kontaktmöglichkeit

(hier von 23% der Befragten als bedeutsam angegeben) als dass sie die Möglichkeit

zu vertieftem Bezug (40%) oder zum Festmachen einer Glaubensveränderung (30%)

bieten. [...] Glaubenskurse sind insbesondere dann hilfreich, wenn Menschen erreicht

werden, weniger, um sie zu erreichen.“ Zum anderen spielen sie für alle drei Typen

der „Greifswalder Konversionstypologie“ eine Rolle, die für Menschen auf Wegen der

Glaubensveränderung die drei Typen Vergewisserung, Entdeckung und Lebenswende

unterscheidet. Der Typ Lebenswende entspricht dabei am ehesten Menschen aus der

Gruppe der Konfessionslosen. So wird dort (S. 133) formuliert „dass Glaubenskurse

alle drei Typen der Konversionstypologie in gleicher Weise erreichen. Das heißt,

Glaubenskurse können innerhalb der Gemeinde zur Vergewisserung dienen; sie helfen,

den Glauben aus der Distanz (wieder) zu entdecken; und sie sind ebenso hilfreich für

Menschen, die von weit außen (‚Lebenswende-Typ’) kommen.“

46 Vgl. dazu John Finney, Wie Gemeinde über sich hinauswächst. Zukunftsfähig evangelisieren

im 21. Jahrhundert, Neukirchen-Vluyn 2007 (BEG Praxis), 96f.


4. Ergebnisse – 10 Thesen 46

47

8. Pfarrerinnen und Pfarrer sind Schlüsselpersonen

für die Initiierung, Kommunikation

und Durchführung von Kursen zum Glauben.

Man kann es an dieser Stelle auch sehr zugespitzt

formulieren: Ohne Pfarrer 47 läuft in Sachen Kurse

zum Glauben in der Gruppe der von uns befragten

Gemeinden momentan an vielen Stellen

nur wenig. Dies zeigen unsere Daten mit großer

Tendenz. Ein erstes Indiz dafür ist schon die Tatsache,

dass die B1-Fragebögen – auch wenn hier

Mehrfachnennungen möglich waren – zu 85,4%

und damit in der großen Mehrheit der Fälle von

Pfarrern ausgefüllt wurden, was für die Antworten

auf die nachfolgenden Fragen und dabei besonders

auf die Frage nach der Bedeutung von Kursen zum

Glauben für die Gemeindeentwicklung einen möglicherweise

eher „pfarramtlichen oder hauptamtlichen

Blick“ erwarten lässt. 48 Jedoch gibt es keine

erkennbare Korrelation zwischen der Anzahl der

Pfarrstellen und der Bedeutung von Kursen zum

Glauben in einer Gemeinde. Oder anders gesagt:

Gemeinden mit mehreren Pfarrstellen veranstalten

nicht schon allein darum häufiger Kurse zum Glauben

bzw. bewerten diese generell höher und haben

offenbar auch nicht automatisch größere personelle

Ressourcen, um Kurse anbieten zu können.

Umgekehrt aber, nämlich bei der Frage, warum

es in Gemeinden nicht zum Angebot von Kursen

gekommen ist, ist dieser Aspekt der personellen

Ressourcen von Bedeutung, insofern in 29,2% der

befragten Gemeinden, die keine Kurse anbieten,

der Aussage „Der/Die Pfarrer/in hat keine Zeit“

zugestimmt (14,6%) oder sogar sehr zugestimmt

(14,6%) wurde. Darüber hinaus wurde an dieser

Stelle in einigen Fällen auch die Situation einer

Vakanz und damit das Fehlen eines Pfarrers/einer

Pfarrerin als Grund für das Nichtangebot angegeben.

49

Fragt man nun nach der Initiierung von Kursen

zum Glauben in einer Gemeinde, ergibt sich ebenfalls

ein deutliches Bild, da in 77,8% der Fälle die

Idee vom Pfarrer oder von der Pfarrerin kam, ein

Kursangebot zu machen. Jedoch waren hier Mehrfachnennungen

möglich, so dass in mehr als einem

Drittel der Fälle (38,5%) die Idee zumindest

auch von einem ehrenamtlich Mitarbeitenden

kam. Setzt man nun die Frage, wer die Idee zur

Durchführung eines Kursangebotes hatte ins Ver-

Grafik 33 - B1, Frage II.6 Von wem kam die Idee/der Vorschlag Kurse zum Glauben durchzuführen?

47 Selbstverständlich sind im Folgenden immer Pfarrer und Pfarrerinnen gemeint. Um

der einfacheren Lesbarkeit willen steht nachfolgend jedoch nur Pfarrer.

48 Dieser hohe Prozentsatz spiegelt vermutlich aber auch schlicht die Tatsache wider,

dass der offizielle Schriftverkehr in einer Kirchengemeinde in den meisten der Fälle über

den Schreibtisch eines Hauptamtlichen, bzw. über das Pfarramt läuft.

49 In eine ähnliche Richtung geht die Aussage zu den Gründen für die Entscheidung für

das Nicht-Angebot von Kursen zum Glauben (Fragenbereich III) auf einem Fragebogen,

der von einem Pfarrer oder einer Pfarrerin ausgefüllt wurde: „Nach der Visitation 2010

gab es schon so viele neue Projekte, dass wir ‚Kurse des Glaubens’ im Moment auf einen

späteren Zeitpunkt verlegen.“ Auf einem anderen Fragebogen, ausgefüllt von einer

Ehrenamtlichen, ist als weiterer Grund neben den vorgegebenen angegeben: „Pfarrer/in

fühlen sich mit Bauten von Altenpflegeheim u. [...] Umbau u. Kasualien ausgelastet.“ Auf

der letzten Seite wird daran sogar noch einmal angeknüpft: „In meinem Bezirk ist eine

Pfarrerin mit ½ Stelle, die sich mit zusätzl. Arbeit überfordert fühlt.“


Grafik 34 - B1, Frage VIII.1_5-7 Anzahl Teammitarbeitende im konkreten Kurs (davon Hauptamtliche/davon Ehrenamtliche)


4. Ergebnisse – 10 Thesen 48 49

hältnis zur Frage, wie viele Kurse seit Beginn der

Arbeit mit ihnen durchgeführt wurden, zeigt sich

ein Zusammenhang zwischen der Bedeutung von

Pfarrern und Pfarrerinnen sowohl für Initiierung

als auch für die Kontinuität der Arbeit mit Kursen

zum Glauben. Denn 27% der Gemeinden, in denen

der Pfarrer die Idee für den Kurs hatte, haben

seit Beginn der Arbeit mit Kursen zehn oder mehr

Kursangebote gemacht. In der Vergleichsgruppe der

Gemeinden, in denen es nicht der Pfarrer war, der

die Idee für einen Kurs hatte, beträgt der Anteil der

Gemeinden mit zehn oder mehr Angeboten seit Beginn

der Arbeit mit Kursen nur 14,4%. Dem steht

jedoch ein wenig entgegen, dass sich hinsichtlich

der regelmäßigen Durchführung von Kursen zum

Glauben (halbjährlich – jährlich) die Gemeinden, in

denen der Pfarrer die Idee für Kurse hatte (68,2%),

nicht sehr unterscheiden von denen, in denen das

nicht der Fall war (73%).

Dies legt nahe, die Bedeutung der Pfarrer für die

Regelmäßigkeit von Kursen zum Glauben nicht

von vorn herein zu hoch einzuschätzen. Oder

anders gesagt: Allein die Tatsache, dass mehrheitlich

Pfarrer die Idee zur Durchführung von Kursen

zum Glauben haben, erhöht nicht zwangsläufig die

Wahrscheinlichkeit für ihre regelmäßige Durchführung.

Ein eindeutigeres Bild in Richtung der Pfarrer ergibt

sich dann jedoch wieder in der Frage der Einschätzung

von Kursen zum Glauben als Instrument zur

Gemeindeentwicklung: Denn lediglich 36% der

Gemeinden, in denen der Pfarrer nicht den Ausschlag

für Kurse zum Glauben gegeben hat, stimmen

der Aussage zu, dass diese ein starkes oder

sehr starkes Instrument zur Gemeindeentwicklung

sind. Der Anteil der Zustimmung in der Gruppe derer,

in denen der Pfarrer die Idee für Kurse hatte,

beträgt hingegen 61,6%.

In der Abfrage von Informationen zu jeweils einem

konkreten Kursangebot (Fragenbereich VIII) zeigt

sich, dass an diesen Angeboten zu einem sehr hohen

Prozentsatz (90%) Hauptamtliche beteiligt waren:

In nur 11 von 113 Gemeinden fanden Kurse

ohne Hauptamtliche statt, die zu einem großen Teil

Pfarrer sind. Dies lässt sich daraus schließen, dass

in der Abfrage der Verantwortlichkeit für gegebenenfalls

vorgenommene Änderungen des verwendeten

Kursmaterialsin 58,5% der hier genannten

Kursangebote gab es Änderungen – zu einem

erheblichen Prozentsatz (39,7%) Pfarrer genannt

werden. So lässt sich vermuten, dass Pfarrerinnen

und Pfarrer generell auch für die Durchführung

von Kursen zum Glauben und auch in der speziellen

Hinsicht der Veränderung vorhandenen Kursmaterials

eine hohe Bedeutung haben. Dies lässt

sich nun mit den Angaben zu positiven bzw. negativen

Faktoren für die Durchführung von Kursen

zum Glauben (Fragenbereich VI) vergleichen, wo

94,1% der Authentizität der Kursleitenden und

75,6% der Vorbereitung eines Kursangebotes einen

positiven, stark positiven oder sogar sehr stark

positiven Einfluss für die Durchführung von Kursen

beimessen und umgekehrt nach den negativen

Faktoren gefragt 85,8% in einer unzureichenden

Vorbereitung und 71,1% in der Überlastung der

Kursmitarbeitenden einen negativen, stark negativen

oder sogar sehr stark negativen Einfluss sehen.

Unter der berechtigten Annahme, dass Hauptamtliche

bzw. Pfarrer häufig Kursleitende, mindestens

aber Kursmitarbeitende sind, zeigt sich auch hier

ihre große Bedeutung für die Durchführung von

Kursen zum Glauben.

An dieser Stelle seien noch zwei Aspekte benannt:

Zum einen haben wir danach gefragt, wie Kurse

zum Glauben in der Gemeindeentwicklung verankert

sind bzw. wodurch sie in der Gemeinde begleitet

werden. Dabei haben wir etwas spezieller

auch nach den entsprechenden Kommunikationswegen

für die Begleitung von Kursen zum Glauben

in der Gemeinde gefragt. Sehr häufig wurde

an dieser Stelle der Gemeindebrief genannt (87%),

der Gottesdienst (z.B. durch die Abkündigungen

oder Mitteilungen) (83,5%) und in etwas geringerem

Maß auch die gemeindeeigene Homepage

(75,7%). Einen Hinweis auf die hohe Bedeutung

von Pfarrern in der Arbeit mit Kursen zum Glauben

ergibt sich bei diesen drei Aspekten insofern als die

Pfarrer im Gottesdienst in der Regel stark beteiligt

sind und dieser Kommunikationsweg somit sehr

von ihnen mitbestimmt ist. In der Gestaltung der

beiden anderen Medien gemeindlicher Kommunikation

– Gemeindebrief und Homepage – sind sie

häufig direkt beteiligt. Sind sie es nicht, erscheinen

sie dort aber mindestens als die sichtbaren Repräsentanten

von Kirche vor Ort. Als weiterer wichtiger

Bereich der Begleitung von Kursen zum Glauben

werden „regelmäßige Berichte/Informationen

im Kirchengemeinderat/-vorstand/Ältestenkreis“

genannt (65,2%), in denen Pfarrer nicht nur vertreten,

sondern in der Regel für die Angebote von

Gemeinden auch verantwortlich sind.


Zum anderen haben wir in der Abfrage von Angaben

zu einem konkreten Kursangebot (Fragenblock

VIII in Bogen B1) auch gefragt, wie für diesen Kurs

eingeladen wurde. Hier wurde in 90,7% der Fälle

der Pfarrer genannt, was zumindest in den befragten

Gemeinden die hohe Bedeutung des Pfarrers

auch an dieser Stelle eindrucksvoll zeigt. Dies ist

insofern bemerkenswert, als gemeinhin den Ehrenamtlichen

gerade für die Einladung zu einem Kursangebot

eine große Bedeutung zugeschrieben wird.

Wenn sich dies hier nun anders darstellt, kann man

fragen, welche Konsequenzen es haben kann,

wenn der Faktor der persönlichen Einladung durch

Ehrenamtliche weniger stark zum Tragen kommt,

insbesondere in ihren je eigenen Lebensbereichen

mit den entsprechenden Kontaktmöglichkeiten, die

Pfarrer und Pfarrerin nicht ohne weiteres haben.

Jedoch waren an dieser Stelle Mehrfachnennungen

möglich, sodass in erheblichem Maß – neben

materiellen Werbe- und Einladungsmöglichkeiten –

auch andere Personengruppen neben den Pfarrern

genannt wurden, durch die die Einladungen erfolgten,

wenn auch in weitaus geringerem Ausmaß:

Andere Person(en) in der Kursleitung (61%) und

andere Gemeindeglieder (51,7%).

Besonders Letzteres ist noch einmal wichtig zu

erwähnen, da Initiierung, Kommunikation und

Durchführung von Kursen zum Glauben bei aller

Wichtigkeit der Pfarrer dann doch nicht allein und

auch nicht ausschließlich an ihnen hängt. Gerade

in der „Werbephase“ für ein Kursangebot spielen

andere Personengruppen in der Gemeinde eine

ebenfalls wichtige Rolle, auch wenn sie geringer als

vielleicht vermutet ausfällt. Hinzu kommt, dass es

in den befragten Gemeinden nur wenig Kursangebote

gab, die ausschließlich von Hauptamtlichen

durchgeführt wurden (19 von 113). Oder anders

gesagt: Ohne die ehrenamtlichen Mitarbeitenden

läuft es dann meistens eben auch nicht bzw. soll es

in den meisten Fällen auch nicht laufen. Und dann

gibt es eben auch die beiden Fälle, in denen ein

Kursangebot ohne Hauptamtliche und mit 15 Ehrenamtlichen

durchgeführt wurde, auch wenn daraus

nicht automatisch geschlossen werden kann,

dass in diesen beiden Fällen Hauptamtliche bzw.

Pfarrer und Pfarrerinnen dann auch nicht an der

Initiierung und/oder an der Kommunikation des

entsprechenden Kursangebotes beteiligt waren. 50

50 Das Thema Ehrenamtliche und Kurse zum Glauben wird in der nachfolgenden

Auswertung des Fragebogens B3 – Kursmitarbeitende einen größeren Raum einnehmen,

da wir diese Gruppe mit diesem Bogen explizit befragt haben.

Insgesamt zeigen die Daten, dass den Pfarrern bzw.

den Hauptamtlichen für die Arbeit mit Kursen zum

Glauben und besonders für deren Bedeutung für

die Gemeindeentwicklung eine herausgehobene

Bedeutung zukommt. Sie sind bislang offenbar ein

entscheidender Faktor für die Frage, ob es überhaupt

zu Kursangeboten kommt und wie diese

dann gegebenenfalls kommuniziert und durchgeführt

werden.

Dies hat zum einen mit der nach wie vor vorhandenen

herausragenden Stellung des Pfarrberufs für

die Gestaltung kirchlicher Arbeit und die dafür zu

treffenden Entscheidungen zu tun, die sich auch

darin abbildet, dass der Fragebogen zu 85,4% von

Pfarrerinnen und Pfarrern ausgefüllt worden ist.

Zum anderen lässt sich hier aber auch ein anderer

Begründungszusammenhang vermuten und das sowohl

aus Richtung der Gemeinde, die den Pfarrern

in Fragen der Glaubensvermittlung entscheidende

Kompetenz zuschreibt, als auch aus der Perspektive

der Pfarrer, die ebenfalls hier ihre Kompetenz

sehen und sie dann, wenn Kurse angeboten werden

(sollen) offenbar auch gerne einbringen. Daran

aber muss sich die Frage anschließen, welches Verhältnis

von Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen

in Gemeinden und in der Kirche sich hier generell

zeigt und welche, auch theologischen, Kompetenzen

Pfarrer ihnen zutrauen. 51

Aus den vorliegenden Daten darf jedenfalls nicht

der falsche Schluss gezogen werden, dass die große

Bedeutung Hauptamtlicher für Kurse zum Glauben

allein auf dem Mangel an anderen ausreichend

qualifizierten Mitarbeitenden beruht. Möglicherweise

hat sie vielmehr mit zwei beinahe gegenläufigen

pastoraltheologischen Wahrnehmungen zu

tun: Zum einen mit der Gefahr des fortgesetzten

„Allein-Unterhaltertums“ und damit zugleich mit

der Tatsache, dass, trotz nach wie vor vielfach beklagter

hoher Arbeitsbelastung Hauptamtlicher, das

gemeindliche Gabenpotenzial nicht ausgeschöpft

wird. Zum anderen lässt sich wahrnehmen, dass

Hauptamtliche und andere kirchliche Mitarbeitende

darüber hinaus gerade die Arbeit mit Kursen

zum Glauben positiv bewerten und bereichernd

erleben und sie zusammenfassend als eine Gele-

51 Vgl. dazu WfEzG, 102-110. Für Menschen auf persönlichen Wegen der Glaubensveränderung

spielen Pfarrer eine besondere Rolle, besonders in der Phase der Interaktion,

also der vertieften Beschäftigung mit Glaubensfragen, in der dann häufig auch Glaubenskurse

eine wichtige Rolle spielen. Bei aller Wichtigkeit der Pfarrer haben aber zugleich

auch andere Personengruppen, etwa die Ehrenamtlichen, eine große Bedeutung. Darum

wird das Verhältnis von Pfarrern und insbesondere Ehrenamtlichen in der Arbeit mit

Kursen zum Glauben in Zukunft intensiver bedacht werden müssen.


4. Ergebnisse – 10 Thesen 50 51

Grafik 35 - B1, Frage V.2 Wie viele Partner waren an der

Kooperation beteiligt?

Grafik 36 - B1, Frage V.4 Wie sehr wurde die Kooperation als hilfreich empfunden?

N=34 kooperierende Gemeinden, Angaben in Prozent

genheit beschreiben, endlich einmal das machen

zu können, wofür sie ausgebildet worden seien. 52

Daran müsste sich dann die pastoraltheologische

Gegenfrage anschließen, was es denn eigentlich

bedeutet und welche (langfristigen) Konsequenzen

es hat, wenn Hauptamtliche, insbesondere Pfarrerinnen

und Pfarrer nicht zu den von ihnen so empfundenen

eigentlichen Aufgaben ihres Dienstes

kommen.

Grafik 37 - B1, Frage V.5 Werden Sie wieder kooperieren?

Kurse zum Glauben – Kooperationen und

EKD-Initiative ERWACHSEN GLAUBEN

9. Wo mit Kursen zum Glauben gearbeitet

wird, fördert dies die Kooperation von

Gemeinden und anderen kirchlichen Ebenen

(Kirchenkreisen/Dekanaten) bzw. Arbeitsbereichen.

In zunehmender Weise kommt der regionalen Zusammenarbeit

von Kirchengemeinden und anderen

kirchlichen Trägern eine größere Bedeutung zu.

Kirchengemeinden kooperieren miteinander, sowie

mit anderen kirchlichen und außerkirchlichen Trägern.

In der Frage nach Kooperationen wird dann

auch die starre Trennung in Gemeinden mit Kursen

zum Glauben und solchen ohne Kursangebote

aufgeweicht. Denn es gibt auch jene Gemeinden,

die aus verschiedenen Gründen zwar keine Kurse

52 In diese Richtung deutet die Stellungnahme der Heidelberger Dekanin Marlene

Schwöbel-Hug zum Modellprojekt mit Kursen zum Glauben in den Dekanaten Heidelberg

und Ladenburg-Weinheim in: Aufbruch in neue Lebenswelten, 64: „Mit dem Projekt

ging ein großes Aufatmen durch all unsere Gremien. Endlich konnte man sich auf Inhalte

konzentrieren. [...] Frustration über Strukturdebatten konnte sich in Engagement für die

‚wirklichen’ Aufgaben von Kirche wandeln.“

anbieten, jedoch angaben, dass sie den Kurs in der

Nachbargemeinde bewerben.

So wurde nach Kooperationen zu Kursen zum

Glauben gefragt, was knapp 30% der Gemeinden

positiv beantworteten. In über 75% aller Kooperationen

geschah dies mit einem weiteren Kooperationspartner,

aber auch zwei (12,5%) und mehr

(12,5%) Partner wurden genannt. Kam es zu Kooperationen

geschah dies in über die Hälfte aller

Fälle mit Gemeinden desselben Kirchenkreises.

Zu Kooperationen über die Grenzen des eigenen

Kirchenkreises hinaus kam es nicht. CVJM oder

landeskirchliche Gemeinschaften kooperierten in

14,3% der angegebenen Fälle. Ökumenische Partner

waren mit 17,1% die röm.-kath. Kirche und mit

8,6% evangelische Freikirchen vertreten. Mit Blick

auf andere kirchliche, aber auch nicht-kirchliche

Partner wie die Volkshochschule wurde nur in drei

Fällen auf Kindertagesstätten verwiesen.


Nach den Erfahrungen mit Kooperationen gefragt,

gaben 82,4% der Gemeinden an, dass sie diese als

hilfreich bzw. sehr hilfreich erlebten. Nur 2,9%

empfanden die Kooperation als gar nicht hilfreich.

Mit diesen positiven Erfahrungen korrespondieren

auch die Angaben zu weiteren Kooperationen. So

gibt es für über 31,4% der Gemeinden schon einen

neuen Termin, weitere 14,3% planen bereits und

für 20% ist eine erneute Kooperation sehr wahrscheinlich.

Und knapp 29% gehen von vielleicht

aus. Das heißt, dass in knapp 95% aller Kooperationen

diese dazu führten, dass Kooperationen auch

zukünftig wenigstens erwogen werden.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass

Kurse zum Glauben zu Kooperationen führten.

Wo dies der Fall war, wurde dies in der deutlichen

Mehrzahl der Fälle als hilfreich erlebt, sodass auch

zukünftig über Kooperationen zu Kursen zum Glauben

nachgedacht wird.

Dies bedeutet dann aber auch, dass offenbar die Region

aus mehreren Kirchengemeinden und kirchlichen

Orten ein guter Rahmen für das Angebot von

Kursen zum Glauben sein kann. Dies ist besonders

vor dem Hintergrund unterschiedlicher personeller

Ressourcen und auch Gemeindegrößen zu bedenken.

Für die Zukunft von Erwachsen glauben, für

die Weiterentwicklung der EKD-Initiative und für

das Erreichen ihrer langfristigen Ziele ist das Thema

Kooperation von großer Bedeutung.

10. Die Initiative ERWACHSEN GLAUBEN

zeigt erste Wirkungen und bietet zugleich in

einer längeren zeitlichen Perspektive weitere

Wachstumsmöglichkeiten.

Die Perspektive der befragten Gemeinden

Es gab bereits vor der EKD-Initiative in vielen Gemeinden

und an verschiedenen kirchlichen Orten

Kurse zum Glauben. So haben sie besonders in

den letzten 20 Jahren zunehmend an Bedeutung

und Verbreitung gewonnen. Dazu schreibt der

Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in

Deutschland Nikolaus Schneider in seinem Geleitwort

zum Handbuch ERWACHSEN GLAUBEN:

„Der Rat der EKD hat das Projekt ERWACH-

SEN GLAUBEN auf den Weg gebracht, um

Kurse zum Glauben zu einem selbstverständlichen

Regelangebot und öffentlich erkennbaren

Markenzeichen kirchlicher Arbeit auszubauen.

[...] Kurse zum Glauben sind wertvoll für eine

Kirche, die sich als lernende Gemeinschaft

versteht. Sie helfen, vitale und gastfreundliche

Gemeinden zu entwickeln. Machen Sie deshalb

in großer Zahl von diesem zeitgemäßen Instrument

Gebrauch.“ 53

An verschiedenen Stellen des Berichts konnte bereits

gezeigt werden, dass die thetischen Sätze zu

53 Handbuch, 3.

Grafik 38 - B1, Frage II.7 Inwieweit ist die Initiative ERWACHSEN GLAUBEN ein Impuls gewesen Kurse zum Glauben durchzuführen?

(Vergleich alle antwortenden Gemeinden und die die ihren ersten Kurs 2011 oder 2012 durchführten)


4. Ergebnisse – 10 Thesen 52 53

Kursen zum Glauben bereits zu Beginn des Handbuchs

ERWACHSEN GLAUBEN zu recht erfolgten.

Nun bleibt zu fragen, wie die EKD-Initiative dazu

beitragen konnte, den angestrebten Zielen eines

Regelangebotes und Markenzeichens kirchlicher

Arbeit näher zu kommen. Dabei erfolgt die Untersuchung

zu einem recht frühen Zeitpunkt noch

innerhalb des Projektzeitrahmens.

Auf die Frage „Inwieweit ist die Initiative ER-

WACHSEN GLAUBEN ein Impuls gewesen, Kurse

zum Glauben durchzuführen?“ gaben ca. 20%

der Gemeinden an, dass sie starke bzw. sehr starke

Impulse davon erhalten haben. Weitere 28,8% der

Gemeinden erhielten wenige bzw. sehr wenige Impulse

und 50% keine. Schaut man sich hier die Verteilungen

bei jenen Gemeinden genauer an, die erst

seit 2011 oder 2012 Kurse zum Glauben anbieten,

zeigt sich, dass diese deutlich stärker die Initiative

für die Durchführung von Kursen zum Glauben

aufnahmen. So war für 47% dieser Gemeinden

die Initiative ERWACHSEN GLAUBEN ein starker

bzw. sehr starker Impuls. Hier legt sich der Schluss

nahe, dass durch das EKD-Projekt ERWACHSEN

GLAUBEN Gemeinden wichtige Impulse erhalten

haben, neu Kurse zum Glauben anzubieten.

Berücksichtigt man regionale Bezüge und blickt auf

die Praxis im Kirchenkreis – fragt also wie im Kirchenkreis

mit dem Projekt ERWACHSEN GAUBEN

umgegangen wurde – zeigt sich, dass nur 10,5%

„gar nicht“ angekreuzt haben. Positiv heißt dies,

dass in der deutlichen Mehrzahl der Kirchenkreise

ERWACHSEN GLAUBEN Thema war. So wurde

auch in gut 2/3 aller Fragebögen angekreuzt,

dass das Handbuch verteilt wurde. Gespräche in

bezirklichen Treffen wurden in knapp 2/3 aller

Fragebögen genannt. Auf gemeinsame Aktionen

im Kirchenkreis wurde immerhin von einem Viertel

der Ausfüllenden verwiesen. Um welche Aktionen

es sich handelt gefragt, wurden diese wie folgt

konkretisiert (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

Abend der Begegnung, Zielvereinbarung im Rahmen

einer Bezirksvisitation, Flyer für den Kirchenkreis,

gemeinsame Plakatwerbung, Impulstag für

den Kirchenkreis, Pfarrkonferenz, Informationsveranstaltung

im Kirchenkreis, Kirchenvorstehertag,

Synodenthema. Die Auflistung der verschiedenen

bezirklichen Aktionen zeigt eine Vielfalt von freien

bezirklichen Angeboten bis hin zur Thematisierung

auf Synodensitzungen.

Es kann daher davon ausgegangen werden, dass

in der deutlichen Mehrzahl der Kirchenkreise das

EKD-Projekt ERWACHSEN GLAUBEN auf die eine

oder andere Weise bekannt gemacht wurde und

dies – wenn auch in geringerem Maße – zu gemeinsamen

Aktionen im Kirchenkreis führte. Es ist

daher nicht zu viel gesagt, wenn von einem hohen

Bekanntheitsgrad von ERWACHSEN GLAUBEN sowie

von einer großen Bereitschaft zur Multiplikation

die Rede ist.

Grafik 39 - B1, Fragen IX.1 und IX.2_3 Wie wurde das Handbuch/das Internetportal genutzt?


Ein wichtiger Bestandteil des EKD-Projekts war die

Erstellung des Handbuchs ERWACHSEN GLAU-

BEN sowie weiterer Materialien für die Durchführung

von Kursen zum Glauben und eines Internetportals.

So erfolgte der Versand des Handbuchs

relativ flächendeckend in den verschiedenen Gliedkirchen

der EKD. 54 Neben der logistischen Frage

des Versands ist nun nach dem Gebrauch des Handbuchs

zu fragen. „Wie wurde das Handbuch ER-

WACHSEN GLAUBEN genutzt?“, lautet daher die

Frage. Hier zeigt sich, dass in etwa 75% der Fragebögen

geantwortet wurde, dass das Handbuch in

der einen oder anderen Weise näher zur Kenntnis

genommen wurde. Differenzierter geschaut gaben

16,4% an, das Handbuch komplett durchgearbeitet

bzw. gelesen zu haben, 33,6% haben es mal angeschaut

und 24,5% einzelne Seiten. Nimmt man die

zwei höchsten Antwortmöglichkeiten zusammen,

zeigt sich, dass 50% aller Antwortenden das Handbuch

genauer wahrgenommen haben.

Knapp weniger als die Hälfte der Kursleitenden und

der Kurse zum Glauben sind auf dem Internetportal

registriert. Nach der allgemeinen Praxis mit dem

Internetportal gefragt, zeigt sich ein sehr hoher Bekanntheitsgrad

der Internetpräsenz. Nur 8,5% gaben

an, es nicht zu kennen. Weitere 35,8% kennen

das Angebot, haben aber keinen Gebrauch davon

gemacht. 22,6% haben sich einzelne Seiten angeschaut,

26,4% mal angeschaut und 6,6% komplett

durchgearbeitet/gelesen.

Zu den Dienstleistungen des EKD-Projekts zählt

eine Vielzahl verschiedener Werbematerialien, um

auf ein entsprechendes Kursangebot aufmerksam

zu machen. Davon wurde vor allem von Flyern

(23,3%) und Plakaten (22,9%) Gebrauch gemacht.

Es folgen Anzeigen für Gemeindebrief und Tageszeitung

mit 18,4% und Leporello/Postkarten mit

9,9%. Die weiteren angebotenen Werbematerialien

wurden nur in eher geringem Umfang genutzt.

Aber immerhin 5% der Gemeinden haben den Kinowerbespot

genutzt. Dies ist an dieser Stelle einer

Erwähnung wert, da es sich hierbei eher nicht um

einen klassischen Ort kirchlicher Werbung handelt.

54 Die Gliedkirchen haben hier den Versand sehr unterschiedlich organisiert. So haben

einige Landeskirchen das Handbuch an alle Pfarrämter verschickt, während es in anderen

auf Anfrage verschickt wurde. In wenigen Landes-kirchen wird es erst in Zukunft zu

einem Versand kommen.

Auch wenn angesichts des sehr frühen Zeitpunkts

der Untersuchung nur mit zurückhaltender Vorsicht

von Ergebnissen angesichts der ehernen Ziele

gesprochen werden darf, kann gezeigt werden,

dass das EKD-Projekt ERWACHSEN GLAUBEN bekannt

ist und wahrgenommen wird. Letzteres zeigt

sich nicht nur am Umgang mit dem Handbuch oder

in den Kirchenkreisen, sondern auch am Bekanntheitsgrad

des Internetportals und am Abrufen von

Werbematerialien. Ob es zu einem flächendeckenden

Angebot wurde, kann mit den Ergebnissen

dieser Studie nicht gesagt werden. Außerdem ist

es viel zu früh, um hier zu aussagekräftigen Ergebnissen

kommen zu wollen, sodass es weiterer

Untersuchungen zu einem späteren Zeitpunkt bedarf.

Man wird hier gewiss erst in 5 oder 10 Jahren

eine Nachhaltigkeit erkennen können, die auch

erst dann aufzeigbar sein wird. Doch zeichnet sich

schon jetzt ab, dass die EKD-Initiative die Umsetzung

von Kursen zum Glauben positiv beeinflusst

hat und von daher ein wichtiger Schritt auf dem

Weg „zu einem selbstverständlichen Regelangebot

und öffentlich erkennbaren Markenzeichen kirchlicher

Arbeit“ (Nikolaus Schneider) geworden ist.

Die besondere Perspektive der regionalen

landeskirchlichen Steuerungsgruppen

»»

Erwachsen glauben und Landeskirchen

Die Gesamtkoordination der EKD-Initiative ER-

WACHSEN GLAUBEN wurde seit Projektbeginn im

Jahr 2009 von der bundesweiten Steuerungsgruppe

Erwachsen Glauben verantwortet. Ergänzend

dazu wurden jedoch in den meisten Gliedkirchen

der EKD regionale landeskirchliche Steuerungsgruppen

gebildet, die in den einzelnen Kirchen die

Verantwortung tragen und so zum einen die regionale

Koordination übernommen haben und zum

anderen die entsprechenden landeskirchlichen

Ansprechpartner für Kursanbieter waren. Zudem

haben etliche Steuerungsgruppen auch initiativ

gewirkt und die EKD-Initiative und ihr Anliegen

in ihren Landeskirchen bekannt gemacht und haben

konkrete Maßnahmen initiiert, angeregt und

begleitet. Die Arbeit in den verschiedenen Steuerungsgruppen

war jedoch sehr unterschiedlich, sowohl

in zeitlicher Hinsicht (Beginn der Arbeit und

Sitzungsrhythmus), in ihrer Zusammensetzung


4. Ergebnisse – 10 Thesen 54

55

Anzahl der Personen

Aufgabenbereich

1 2 3 4 5

mehr

als 5

ohne

Anzahl-

Angabe

Insgesamt (in

wie viel St.gr.

Kommt diese

Gruppe vor)

Gemeindepfarrer/innen 8 1 0 0 0 1 1 11

Kirchenleitende Aufgaben 4 2 1 0 0 0 1 8

Frauenarbeit 2 0 0 0 0 0 1 3

Öffentlichkeitsarbeit 7 0 1 0 0 0 0 8

Landeskirchenamt 3 4 1 0 0 0 1 9

Missionarische/s Dienst/Amt 2 3 2 2 0 0 2 11

Mitarbeitende von Bildungsträgern 2 1 2 0 1 0 1 7

Mitarbeitende von der Diakonie 2 3 0 0 0 0 0 5

Ehrenamtliche/r Mitarbeiter/in 2 0 0 0 0 0 0 2

Tabelle 7 - B4, Frage I.3 Zusammensetzung der Steuerungsgruppe

(Größe und Vertreter verschiedener Arbeitsbereiche)

als auch im Verständnis des Umfangs ihres

Auftrages (Maßnahmen und Veranstaltungen). Dies

hatte auch Folgen für unsere Untersuchung insofern

einige Landeskirchen, die im Vorfeld angesprochen

worden waren, als Kooperationspartner nicht

zur Verfügung stehen konnten.

In 5 Landeskirchen begannen die Steuerungsgruppen

bereits 2009, also mit Beginn der Initiative, 4

begannen im Jahr darauf und 3 im Jahr 2011. Auch

die Zahl der jeweiligen Sitzungen bis zum Befragungszeitpunkt

im Herbst 2012 differierte erheblich

und schwankte zwischen 4 und 16 Sitzungen.

Die Steuerungsgruppen weisen ebenfalls eine sehr

unterschiedliche Zusammensetzung auf, wie die

folgende Tabelle zeigt: 55

Von besonderem Interesse ist die Frage, ob die

Arbeit der Steuerungsgruppen über das Ende des

Projektzeitraums der EKD-Initiative Ende 2012 hinaus

weitergehen wird. Hier geben 7 Gruppen an,

dass sie auch nach 2012 weiter zusammen arbeiten

werden. In 2 Fällen wird die Arbeit der Gruppe beendet

sein und in weiteren 3 Fällen ist noch keine

Entscheidung darüber getroffen worden.

55 Als weitere Arbeitsbereiche, die mit mindestens einer Person in einer der Steuerungsgruppen

vertreten sind, werden genannt: Jugendarbeit/Jugendwerk, Katechetik,

Bibelgesellschaft, KGR-Arbeit, Frauen- und Familienarbeit, Gemeindedienst/Mission und

Ökumene, Kloster, Jahr der Taufe, Migrationsbeauftragter, Pfarrerfortbildung, ESG, Ev.

Hochschule, Kirchenmusikdirektor, Vors. Ev. Gemeinschaftsverband. Die Aufzählung

zeigt ein sehr breites Spektrum der Zusammensetzung der Steuerungsgruppen in den

Landeskirchen.

Besonders an dieser Stelle stellt sich mit Nachdruck

die Frage, wie die Anliegen der EKD-Initiative

weitergeführt und vor allem auch weiterentwickelt

werden können. Gerade angesichts ihrer

mittel- und langfristigen Zielsetzungen braucht es

eine Struktur, die dafür die Verantwortung trägt.

Das müssen nicht allein Steuerungsgruppen sein.

Wenn sie es jedoch nicht sind, muss gefragt werden,

an welcher Stelle der jeweiligen landeskirchlichen

Struktur die Arbeit mit Kursen zum Glauben

verortet ist, und zwar über das Maß dessen, was es

vor Beginn der Initiative gab, hinaus.

Wir haben auch nach der Einbindung in die landeskirchlichen

Strukturen und dabei zunächst nach

eventuellen Vorgaben der jeweiligen Landeskirche

gefragt. In 9 Fällen gab es diese nicht, in 4 Fällen

jedoch sehr wohl. Diese konnten z.B. in der explizit

verabredeten Zusammenarbeit bestimmter

Arbeitsbereiche der Landeskirche bestehen oder in

der Einbettung in einen bereits laufenden landeskirchlichen

Reformprozess. Des Weiteren wurde

nach einer finanziellen Unterstützung durch die

Landeskirche gefragt, die es in 12 von 13 Fällen

gab, in einem Fall folglich aber auch nicht. Sie

reichte von kleineren finanziellen Unterstützungen,

über den flächendeckenden Versand des Handbuchs

ERWACHSEN GLAUBEN in alle Pfarrämter

der jeweiligen Landeskirche und die finanzielle

Förderung von Kursen und Werbemaßnahmen, bis

hin zur Einrichtung von Projektstellen und der Finanzierung

eines Milieu-Studienprojekts. Auf die


Frage, ob das Projekt und damit die Arbeit der Steuerungsgruppe

in weiterreichende landeskirchliche

Planungen und Gesamtkonzeptionen eingebunden

war/ist, antworteten 7 Gruppen mit Nein, 6 hingegen

mit Ja. Bei letzteren geht es vor allem um

die Einbindung in landeskirchliche Reformprozesse,

die z.T. schon einige Zeit vor Beginn der EKD-

Initiative begonnen haben. 56

Hervorzuheben ist hier die überwiegend vorhandene

finanzielle Unterstützung durch die Landeskirchen

und das auf verschiedene Arten und Weisen.

Zum anderen bekommt ERWACHSEN GLAUBEN

einen Ort in einer Landeskirche, wenn es in einen

übergeordneten Prozess eingebunden ist.

Es bleibt aber zu hoffen, dass daraus keine Einschränkungen

erwachsen und diese Einbindungen

nicht zu einer Aufweichung oder gar Veränderung

der Ziele der EKD-Initiative führen.

An dieser Stelle folgt ein Blick auf die Angaben

zur Intensität des Kontakts der Steuerungsgruppen

zu verschiedenen landeskirchlichen Ebenen

und Arbeitsbereichen sowie zur Steuerungsgruppe

ERWACHSEN GLAUBEN bzw. zum Projektverantwortlichen

der Initiative.

Die Tabelle zeigt deutlich die Unterschiede und

dementsprechend die Wachstumsbereiche, in denen

der Kontakt sicher ausbaufähig ist. Dies ist bemerkenswerter

Weise tendenziell der Fall für den

Kontakt der Steuerungsgruppen zur Diakonie und

auch zur Evangelischen Erwachsenenbildung, was

gerade in diesem Fall erstaunlich ist, da ja in mehr

als der Hälfte der Steuerungsgruppen Mitarbeitende

von Bildungsträgern vertreten waren.

Möglicherweise zeigt sich hier aber auch, dass die

grundlegenden Diskussionen und unterschiedlichen

Standpunkte zwischen „Bildung und Mission“

noch nicht ausgeräumt sind und somit hier

für die Zukunft offenbar weiterer Diskussions- und

eventuell auch Klärungsbedarf besteht. 57

Sehr positiv sind die Angaben in zwei Richtungen:

Zum einen wird der Kontakt zur Steuerungsgruppe

ERWACHSEN GLAUBEN zu 84,6% und der zum

Projektverantwortlichen zu 69,2% mit stark bzw.

sehr stark angegeben. Zum anderen wird der Kontakt

zu Kirchengemeinden und Pfarrkonventen

überhaupt nicht als gering oder sehr gering angegeben,

wohl aber mehrheitlich als stark bzw. sehr

stark (53,9% zur Ebene der Kirchengemeinden,

69,3% zu den Pfarrkonventen). Somit erachten die

landeskirchlichen Steuerungsgruppen ihren Kontakt

zur Ebene der meisten Kursanbieter und, noch

Wie intensiv war der Kontakt...

zu den Verantwortlichen der mittleren

Leitungsebene (Dekane o.ä.)

Sehr wenig

(1)

2 3 4

Sehr stark

(5)

0,0% 15,4% 38,5% 30,8% 15,4%

zur Diakonie 30,8% 15,4% 30,8% 15,4% 7,7%

zur Öffentlichkeitsarbeit der Landeskirche

7,7% 23,1% 23,1% 38,5% 7,7%

zur Gesamt-EKD Steuerungsgruppe 0,0% 0,0% 15,4% 30,8% 53,8%

zum Projektleiter von „Erwachsen Glauben“

0,0% 0,0% 15,4% 15,4% 53,8%

zur Synode der Landeskirche 30,8% 15,4% 23,1% 30,8% 0,0%

zur Ebene der Kirchengemeinden 0,0% 0,0% 46,2% 30,8% 23,1%

zu Pfarrkonventen 0,0% 0,0% 30,8% 46,2% 23,1%

zur evangelischen Erwachsenenbildung 7,7% 30,8% 30,8% 7,7% 23,1%

Tabelle 8 - B4, Frage IV.4 Wie intensiv war der Kontakt...

56 Genannt werden z.B. die „Missionssynode“ einer Landeskirche vor einigen Jahren als

Grundlage für ERWACHSEN GLAUBEN, die in einer anderen Landeskirche entstehende

Bildungskonzeption, die Einbindung in das Jahr der Taufe in 2011, der Zusammenhang

mit einer landeskirchlichen Leitvorstellung von missionarischer Volkskirche oder allgemein

die Einbindung in den gesamten EKD-Reformprozess.

57 Vgl. dazu Johannes Zimmermann (Hg.), Darf Bildung missionarisch sein? Beiträge

zum Verhältnis von Bildung und Mission, BEG 16, Neukirchen-Vluyn 2010.


4. Ergebnisse – 10 Thesen 56 57

ausgeprägter, zur Gruppe der Schlüsselpersonen

(vgl. These 8) in Dekanaten und Kirchenkreisen als

überwiegend positiv.

»»

Maßnahmen und Zahlen

Die landeskirchlichen Steuerungsgruppen haben

zur Umsetzung der Initiative ERWACHSEN GLAU-

BEN verschiedene Maßnahmen durchgeführt und

maßgeblich dazu beigetragen, dass die Impulse von

ERWACHSEN GLAUBEN in den verschiedenen

Landeskirchen ankamen und umgesetzt wurden.

Hier sind vor allem Informationsveranstaltungen

in Pfarrkonventen sowie beratende Tätigkeiten

zu Kursen zum Glauben zu nennen. Alle Steuerungsgruppen

gaben an, dass sie diese durchgeführt

haben. Auch Studientage- und Infotage in

Kirchenkreisen und die Auseinandersetzung mit

theologischen Grundsatzfragen sowie selbst die

Durchführung von Kursen zum Glauben wurden

mehrheitlich umgesetzt. Zwar lässt sich über die

Frequenz dieser Tätigkeiten nichts aus den Zahlen

erheben, doch in Verbindung mit den Angaben aus

den Gemeinden zum Umgang mit ERWACHSEN

GLAUBEN in den Kirchenkreisen wird man die

Frequenz dieser Tätigkeiten nicht zu gering ansetzen

dürfen. Auch die Entwicklung von neuem

Kursmaterial (76,9%), sowie Multiplikatoren-Schulungen

(69,2%) gehörten wesentlich zu den Tätigkeitsfeldern

der Steuerungsgruppen. Berücksichtigt

man die Unterscheidung zwischen durchgeführt

und begleitet, kam es auch zu Maßnahmen über

die Verortung von Kursen zum Glauben in der Gemeindeentwicklung,

sowie zur Entwicklung von

Nachfolgeangeboten, diese wurden jedoch in fast

der Hälfte der Nennungen „nur“ begleitet. Bewerbungen

von finanziellen Unterstützungsmaßnahmen

und Feiern mit Kursmitarbeitenden wurden

eher selten genannt.

Nochmals genauer nach den angebotenen Studientagen

gefragt, gab die deutliche Mehrzahl der

Steuerungsgruppen an, solche durchgeführt zu

haben (92,3%). Dabei schwanken die Angaben

zwischen 1 und 13 Veranstaltungen, zu denen

insgesamt zwischen 35 und 950 Teilnehmende

kamen. Knapp 2/3 der Steuerungsgruppen haben

fünf und mehr Studientage angeboten. Zählt man

die Teilnehmerzahlen aller von Steuerungsgruppen

veranstalteter Studientage zusammen, ergibt sich

bei 70 Veranstaltungen dieser Art eine Summe von

2.176 Teilnehmenden, die seit Beginn der Arbeit

der Steuerungsgruppen über Kurse zum Glauben

informiert und geschult wurden. Dies entspricht

einem durchschnittlichen Besuch von 31 Teilnehmenden

pro Studientag.

Insgesamt fällt auf, dass die Steuerungsgruppen

mit ihren Tätigkeiten breit aufgestellt sind. So

reichen die Arbeitsbereiche von der Beratung zu

und Durchführung von Kursen zum Glauben auf

Gemeindeebene über Multiplikatoren-Schulungen

und Informationsveranstaltungen auf Kirchenkreisebene

bis hin zur Auseinandersetzung mit theologischen

Grundsatzfragen.

»»

Ausblick

Das EKD-Projekt ERWACHSEN GLAUBEN hat

zwar einen begrenzten Zeitrahmen, ist aber dennoch

auf Zukunft angelegt. So manches wurde im

Rahmen des vorgegebenen Zeitfensters umgesetzt

und die Praxis von Kursen zum Glauben gefördert.

So gilt es, einen Blick in die Zukunft zu wagen und

zu fragen, ob denn die angestrebten Ziele eines Regelangebotes

und Markenzeichens kirchlicher Arbeit

eine durchaus realistische Zukunftsperspektive

darstellen.

Nach der „Zukunft von ERWACHSEN GLAUBEN“

gefragt, zeigen die Rückmeldungen der Steuerungsgruppen,

dass sie großes Zutrauen in die Nachhaltigkeit

der Initiative haben. So stimmen über ¾ der

Steuerungsgruppen der Auffassung sehr stark zu,

dass die EKD-Initiative ein wichtiger Beitrag zur

Etablierung von Kursen zum Glauben ist. Nimmt

man die starken Auffassungen noch hinzu ergeben

sich 92,3%, sodass ein hoher Mittelwert von 4,62

entsteht. Dies korrespondiert mit der Feststellung,

dass der Aussage, die Initiative sei ein Strohfeuer

mit fehlender Nachhaltigkeit in 69,2% aller Rückmeldungen

sehr gering zugestimmt wird. Der

Mittelwert liegt hier bei 1,54, also exakt zwischen

gering und sehr gering.

Eine große Zuversicht zeigt sich auch mit Blick auf

ein flächendeckendes Angebot von Kursen zum

Glauben, sodass es für über ¾ aller Steuerungsgruppen

als durchaus realistisch anzusehen ist,

„dass in fünf bis zehn Jahren jeder Interessierte

im Umkreis von 25km zu seinem Wohnort einen

Kurs zum Glauben besuchen kann“. Mit 3,92 liegt

der Mittelwert hier bei einer starken Auffassung,

was auch über die Bedeutung bzw. Einbindung

von Kursen zum Glauben in die landeskirchlichen

Strukturen gesagt werden kann. 30,8% der Steu-


erungsgruppen sind sogar stark davon überzeugt,

dass Kurse zum Glauben in fünf bis zehn Jahren

zu einem Regelangebot dem Konfirmandenunterricht

vergleichbar werden können. Dem stehen

allerdings ebenso viele Steuerungsgruppen gegenüber,

die dies als gering oder sehr gering erachten.

Dass andere Projekte die Initiative ERWACHSEN

GLAUBEN zukünftig gefährden könnten, wird als

durchaus gegeben, aber nicht als ausgesprochen

hoch angesehen. Mit einem Mittelwert von 2,45

geht die Tendenz eher zu gering.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die

Nachhaltigkeit und damit die zukünftige Bedeutung

des EKD-Projekts ERWACHSEN GLAUBEN

und von Kursen zum Glauben als hoch eingeschätzt

werden. Nimmt man den Durchschnittswert

aller Mittelwerte der positiven Aussagen zu

ERWACHSEN GLAUBEN – das waren zu Ausblick

vier von sechs Aussagen –, ergibt dieser 3,79.

Selbst so eherne Ziele wie ein flächendeckendes

Regelangebot von Kursen zum Glauben werden

mittelfristig für durchaus umsetzbar gehalten.

Auch wenn eine Zurückhaltung beim Vergleich mit

dem Konfirmandenunterricht erkennbar ist, gibt es

nur wenige (wenn überhaupt) Zweifel daran, dass

ERWACHSEN GLAUBEN auch zukünftig ein Thema

und Kurse zum Glauben auch dauerhaft – und

das sehr wohl vermehrt – Bestandteil kirchlicher

Praxis bleiben.

Sehr

gering

(1)

In fünf bis zehn Jahren werden „Kurse zum Glauben“ ein

ähnliches Regelangebot sein wie der Konfirmandenunterricht

Die Initiative war ein Strohfeuer und wird keine nachhaltige

Bedeutung haben

Es ist realistisch, dass in fünf bis zehn Jahren jeder Interessierte

im Umkreis von 25km zu seinem Wohnort einen

„Kurs zum Glauben“ besuchen kann

Die EKD-Initiative ist ein wichtiger Beitrag, das Thema

„Kurse zum Glauben“ dauerhaft zu etablieren

Wegen anderer Projekte (u.a. Themenjahre zum Reformationsjubiläum)

stehen weniger Kraft und Energie für die

parallel, aber mittel- und langfristig angelegte Initiative ER-

WACHSEN GLAUBEN zur Verfügung

Das Thema „Kurse zum Glauben“ wird auch künftig eine

zentrale Bedeutung in der Landeskirche haben und in ihre

Strukturen eingebunden sein

2 3 4

Sehr

stark

(5)

Mittelwert

23,1% 7,7% 38,5% 30,8% 0,0% 277,0%

69,2% 15,4% 7,7% 7,7% 0,0% 154,0%

0,0% 7,7% 15,4% 53,8% 23,1% 392,0%

0,0% 7,7% 0,0% 15,4% 76,9% 462,0%

30,8% 7,7% 23,1% 23,1% 0,0% 245,0%

0,0% 15,4% 15,4% 38,5% 30,8% 385,0%

Tabelle 9 - B4, Frage VI.1 Zukunft von ERWACHSEN GLAUBEN - Wie sehr stimmen Sie den folgenden Aussagen zu?


5. Folgerungen für die Arbeit mit Kursen zum Glauben 58 59

5. Folgerungen für die Arbeit mit Kursen zum Glauben

in Gemeinden und an kirchlichen Orten in der Evangelischen

Kirche in Deutschland

Welche Folgerungen sind aus den beschriebenen

Ergebnissen dieser Untersuchung für die Arbeit

mit Kursen zum Glauben in Gemeinden und an

kirchlichen Orten in der Evangelischen Kirche in

Deutschland nun zu ziehen? Nachfolgend sollen

in vier Punkten mögliche Konsequenzen benannt

werden.

Folgerungen für die EKD-Initiative

ERWACHSEN GLAUBEN

Zuerst ist festzuhalten: Auch wenn der eigentliche

Projektzeitraum in Kürze beendet sein wird, muss

das Anliegen von ERWACHSEN GLAUBEN, Kurse

zum Glauben zum erkennbaren Markenzeichen

der evangelischen Kirche und zu einem Regelangebot

in Gemeinden und an anderen Lernorten zu

machen, weiter gefördert werden. Die Arbeit mit

Kursen zum Glauben braucht Zeit, um mehr und

mehr ein hilfreiches Instrument in Wachstums-,

Veränderungs- und Entwicklungsprozessen in Gemeinde

und Kirche und auch in den Glaubensbiographien

Einzelner werden zu können. Dazu

bedarf es entsprechender Strukturen, die primär

auf der Ebene der einzelnen Gliedkirchen der EKD

liegen werden. Demzufolge ist es wichtig, dass

die Arbeit der Steuerungsgruppen fortgesetzt bzw.

intensiviert wird oder dass das Anliegen von ER-

WACHSEN GLAUBEN einen anderen erkennbaren

Ort in den jeweiligen landeskirchlichen Strukturen

bekommt, an dem z.B. Fortbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen

ihren Platz haben.

Darüber hinaus sind aber auch weiterhin eine begleitende

Struktur und die Bereitstellung sowohl

finanzieller als auch personeller Ressourcen auf der

Ebene der EKD nötig, um nicht mitten auf dem

eingeschlagenen Weg stehen zu bleiben. Alternativ

dazu ist auch die Gründung eines eigenen Institutes

denkbar, analog dem Comenius-Institut, um insbesondere

das langfristige Ziel der EKD-Initiative verfolgen

zu können, dass Kurse zum Glauben in der

Kirche zu einem so selbstverständlichen Angebot

werden können wie der Konfirmandenunterricht.

Oder die entsprechenden Aufgaben werden in ein

bereits bestehendes Institut oder in eine andere

überregionale Einrichtung eingebunden, das bzw.

die dafür dann entsprechend ausgestattet wird.

Vier Bereiche zentral zu organisierender Aufgaben

zeigen sich:

1. Angesichts der Fülle neu entstandener Kursmodelle

braucht es auch in Zukunft eine Plattform,

auf der diese Entwicklung koordiniert wird. Darüber

hinaus können dort Formate gesichtet und die

Kompatibilität mit dem Anliegen von ERWACHSEN

GLAUBEN eingeschätzt werden. Ferner braucht es

diese Plattform, um neue Modelle allgemein zugänglich

machen zu können, damit nicht an vielen

verschiedenen Stellen das gleiche getan wird.

2. Eine zentrale Stelle ist ebenfalls hilfreich, um das

gute, aber zugleich noch nicht voll genutzte Werbekonzept

der Initiative ERWACHSEN GLAUBEN

weiter vorzustellen, zu bewerben und weiterzuentwickeln.

3. Es braucht eine Plattform, auf der auch in Zukunft

die Diskussion der grundlegenden theologischen,

pädagogischen und milieutheoretischen

Fragen koordiniert wird.

4. Auch weiterhin ist die Begleitung von Modellregionen

sinnvoll, um die Erarbeitung neuer Konzepte

von Kooperation, Werbung und Kursmodellen

für besondere Milieus zu fördern.

Folgerungen für die Arbeit mit Kursen

zum Glauben in Gemeinden und an anderen

kirchlichen Lernorten

Die Untersuchung hat deutlich gezeigt, dass es

Zusammenhänge zwischen der regelmäßigen und

langfristigen Arbeit mit Kursen zum Glauben und

der Gemeindeentwicklung gibt und dass Gemeindeleitungen

deren Wirkungen wahrnehmen und

benennen können. Darum gilt es Gemeinden und

andere kirchliche Orte gezielt darin zu fördern,

dass sie möglichst viel und lange mit Kursen zum

Glauben arbeiten.

Die EKD-Initiative hat dazu geführt, dass hier zwei

Bewegungen zusammen gekommen sind: Zum einen,

gewissermaßen von oben, in einer breit angelegten

Kampagne, die – trotz nach wie vor vorhandener

Wachstumsmöglichkeiten – insbesondere in

Kirchenkreisen und bei Hauptamtlichen eine weite


Verbreitung gefunden hat, mit all ihren Unterstützungsmaßnahmen

hinsichtlich Werbung, Schulung,

finanzieller Unterstützung und der Klärung

theologischer, soziologischer und pädagogischer

Fragen. Diese Bewegung der Initiative traf zum

anderen auf Interesse in Gemeinden und zwar sowohl

solcher, die bereits Erfahrungen mit Kursen

zum Glauben gemacht haben, als auch derer, die

sich neu dafür haben gewinnen lassen. Beide Bewegungen

haben sich offensichtlich gegenseitig

befördert.

Insgesamt haben sich nur wenige Vorbehalte gegen

das Anliegen der Initiative gezeigt. Denn wenn

Gemeinden sich gegen das Angebot von Kursen

zum Glauben entscheiden, stehen dahinter primär

pragmatische und/oder strukturelle Gründe und

weniger solche, die grundsätzlich und inhaltlich

bestimmt sind. Zudem steht das Glaubensthema

bei den Motiven für ein Kursangebot stark im Vordergrund.

Angesichts all dessen müssen diese insgesamt guten

Voraussetzungen dann aber auch weiter genutzt

werden, um eines der Ziele der Initiative

zu verfolgen, nämlich den Menschen verlässliche,

regelmäßige und möglichst auf unterschiedliche

Bedürfnisse abgestimmte Angebote zu machen, in

denen sie anfängliche oder vertiefende Schritte im

Glauben machen können.

Drei weitere Aspekte sind von Bedeutung:

1. Es braucht auch in Zukunft Erweiterungen des

Kursangebotes und die Entwicklung von Folgeangeboten.

Auch wenn es bereits eine Vielzahl

neuer Kursmodelle gibt und inzwischen auch an

Anschlussangeboten gearbeitet wird, ist dies eine

bleibend wichtige Aufgabe. Die Entwicklung von

neuen Kurskonzepten, von „Paket-Lösungen“, die

ein grundlegendes Angebot und Folgeformate enthalten

– wie z.B. bei Emmaus – ist ein möglicher

Weg. Insbesondere aber geht es um die Entwicklung

neuer Kursmodelle für die Personengruppen

und Milieus in unserer Gesellschaft, die mit den

bisher vorhandenen nur schwer erreicht werden

können. So ist mit Blick auf die Arbeit mit Kursen

zum Glauben die Milieuperspektive mit Sicherheit

noch lange nicht ausgeschöpft. Als eine Sehhilfe für

unterschiedliche Bevölkerungsgruppen und ihre

Lebenswelten am je eigenen Ort scheint sie bislang

nur wenig genutzt worden zu sein.

2. Daran schließt sich der Blick auf die Teilnehmenden-Gruppen

an. Zumindest zunächst kommen offenbar

primär Menschen, die eine gewisse Nähe

zur Kirche haben und deutlich weniger die Kirchendistanzierten

oder gar Konfessionslosen. Ungeachtet

der sicher nachvollziehbaren Unterschiede

zwischen Ost und West an diesem Punkt sollte

diesem Aspekt Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Auch wenn in diesem ersten Schritt der Auswertung

nur vorsichtige Aussagen zur Gruppe der Teilnehmenden

angezeigt sind, darf dieser Aspekt an

dieser Stelle keinesfalls unterschlagen werden.

Der Unterschied zwischen dem Anspruch der Kursanbieter

hinsichtlich der Teilnehmenden und der

Wirklichkeit in tatsächlichen Kursangeboten ist

deutlich. Dann sind daraus aber die entsprechenden

Schlüsse zu ziehen: Gemeinden und andere

Kursanbieter müssen angeregt werden, den Zusammenhang

zwischen dem ausgewählten Kursangebot,

ihren Kommunikationswegen und Werbemaßnahmen

und der beabsichtigten Zielgruppe zu

bedenken. Dafür bedarf es Hilfen und Schulungsmaßnahmen.

In jeden Fall aber wäre es ein Fehlschluss, Kurse

zum Glauben dahingehend zu diskreditieren, sie

seien nicht geeignet Fernstehende zu erreichen

und darum weit weniger von Bedeutung als es eine

groß angelegte Initiative nahelegt. Die bisherigen,

vielleicht eher kirchennahen Teilnehmenden zeigen

jedenfalls, dass es auch in dieser Personengruppe

einen großen Bedarf nach einem Veranstaltungsformat

gibt, das dem (anfänglichen) Verstehen des

Glaubens, der Information darüber und der Einübung

in einige seiner Grundvollzüge Raum gibt,

obwohl sie dem kirchlichen/gemeindlichen Leben

gerade nicht fern stehen.

3. Besonderes Augenmerk ist auf die Bedeutung

der Pfarrer sowie auf ihr Verhältnis zu den Ehrenamtlichen

in der Arbeit mit Kursen zum Glauben

zu richten. Zwei Richtungen deuten sich an: Zum

einen sind Pfarrer zu stärken und ggf. auch fortzubilden

für einen Bereich ihrer Tätigkeit, in dem

sie mit ihrer geistlich-theologischen Kompetenz gefragt

und geschätzt sind. Dies müsste Konsequenzen

bis hinein in die Ausbildung des theologischen

Nachwuchses haben, indem das Thema Kurse zum

Glauben fester Bestandteil der Ausbildung wird.

Dies darf zum anderen aber nicht dazu führen,

dass die hervorgehobene Stellung der Pfarrer in der

Arbeit mit Kursen zum Glauben zementiert wird


5. Folgerungen für die Arbeit mit Kursen zum Glauben 60 61

und die Ehrenamtlichen mit ihren Gaben und Fähigkeiten

nicht zum Zuge kommen, nicht entsprechend

ausgebildet werden oder bestenfalls Helfer

des Pfarrers sind. Die bewusste Arbeit in Teams in

der Gesamtkonzeption der Arbeit mit Kursen zum

Glauben ist daher nötig und weiterzuentwickeln.

Ferner ist die Relevanz informeller Strukturen und

Kontakte, insbesondere Ehrenamtlicher für die

Durchführung von Kursen zu bedenken.

Folgerungen für die Gemeindeentwicklung

Die befragten Gemeindeleitungen haben Veränderungen

durch die Arbeit mit Kursen zum Glauben

wahrgenommen. Zugleich stehen Kursangebote

noch ein wenig isoliert da, wenn als Nachfolgeangebot

lediglich ein neues, evtl. gleiches Kursangebot

gemacht wird. Werden Kurse zum Glauben

aber als wesentliches Element eines missionarischen

Prozesses verstanden, dann wird es wechselseitige

Wirkungen zwischen Kursangeboten und

der sonstigen Arbeit einer Gemeinde geben, etwa

hinsichtlich einer veränderten Haltung in der Gemeinde

und einem wachsenden Bewusstsein für

die, die bislang noch nicht kommen und nicht dazu

gehören. Erfahrungen derer, die schon länger mit

Kursen zum Glauben arbeiten, legen zudem den

Schluss nahe, dass zunehmend fernstehende Menschen

erreicht werden, je regelmäßiger mit Kursen

gearbeitet wird. Diese Untersuchung konnte dies

nicht erheben. Darum zeigt sich hier auch ein besonderes

Desiderat der weiteren Forschung.

Eine wesentliche Folgerung für die Arbeit mit Kursen

zum Glauben und die Frage der Gemeindeentwicklung

besteht darin zu fragen, wie Kurse zum

Glauben in einer Region verortet werden können.

Die Initiative hat dies bereits nahegelegt und für

eine derartige Zusammenarbeit sogar entsprechende

Werbemittel zur Verfügung gestellt. Dennoch

gibt es hier eher noch Wachstumsbereiche, die

zu stärken sind. Denn wo Kooperationen stattgefunden

haben, da wurden sie überwiegend als gut

und hilfreich erlebt und führten zu Verabredungen

weiterer Zusammenarbeit. Dies ist um so mehr von

Bedeutung, da als einer der Gründe, keinen Kurs

anzubieten, mehrfach auch die fehlenden personellen

Ressourcen oder Überlastungen bei Pfarrern

genannt wurden. Dem kann auf einer wie auch

immer näher bestimmten regionalen Ebene gut

entgegengewirkt werden. Außerdem kann eine

gelungene Kooperation offenbar die Entwicklung

einer gemeinsamen Identität in der Region fördern.

Folgerungen für die weitere Forschung zu

Kursen zum Glauben

Wie mehrfach betont kann die vorliegende Untersuchung

zu Kursen zum Glauben nur ein erster

Schritt sein. Dies gilt auch dann, wenn die in ihrem

Rahmen erhobenen Daten zu Teilnehmenden

und Mitarbeitenden ausgewertet sein werden. Um

jedoch tiefere Einsichten in die Wirkungen der

Arbeit mit Kursen zum Glauben und Erkenntnisse

darüber gewinnen zu können, ob die Ziele der

EKD-Initiative erreicht worden sind, braucht es

unbedingt die längere zeitliche Perspektive für die

Forschung.

Folgende Fragen stellen sich:

»»

Wie wirkt sich eine kontinuierliche Arbeit

mit Kursen zum Glauben in der gesamten

Gemeindeentwicklung langfristig aus – insbesondere

in den Gemeinden, die seit Beginn

der EKD-Initiative damit begonnen haben?

»»

Wie verhalten sich Kurse zum Glauben und

die Entwicklung von Regionen?

»»

Verändern sich die Teilnehmenden-Gruppen

in Richtung der Kirchenfernen je länger man

mit Kursen zum Glauben arbeitet?

»»

Wie lassen sich Kursangebote für unterschiedliche,

insbesondere prekäre Milieus

entwickeln und entsprechend in die Gemeindeentwicklung

einzeichnen?

»»

Gibt es möglicherweise bei regelmäßiger

Arbeit mit Kursen aber auch eine Art der

„Markterschöpfung“?

»»

Lassen sich die Unterschiede zwischen ostund

westdeutschen Kursmodellen näher bestimmen

und wie wirken sie sich aus?

»»

Sind Kursanbieter in ostdeutschen Landeskirchen

tendenziell missionarischer?

Auch wenn die genannten Fragen die Notwendigkeit

weiterer Forschungen deutlich machen, zeigen

die vorliegende Untersuchung und der erste

Schritt ihrer Auswertung bereits Ergebnisse, die

ein tieferes Verständnis der Arbeit mit Kursen zum

Glauben und ihrer Bedeutung für die Gemeindeentwicklung

ermöglichen. Zugleich lassen die Ergebnisse

die weiteren Auswertungsschritte der Befragung

von Teilnehmenden und Mitarbeitenden


in Kursen zum Glauben gespannt erwarten. Nicht

zuletzt aber hat sich auch die Bedeutung der EKD-

Initiative ERWACHSEN GLAUBEN für die Arbeit

mit Kursen zum Glauben gezeigt. So ist zu hoffen,

dass ihr primäres Anliegen auch über den jetzt zu

Ende gehenden Projektzeitraum hinaus weiterverfolgt

wird: Kurse zum Glauben sollen zu einem

erkennbaren Markenzeichen in der Evangelischen

Kirche in Deutschland und zu einem Regelangebot

in Gemeinden und an anderen kirchlichen Lernorten

werden.


Vorstellung des IEEG 62

63

Institut zur Erforschung von Evangelisation und

Gemeindeentwicklung (IEEG)

der Ernst Moritz Arndt Universität Greifswald

Forschung und Lehre zu missionarischer Gemeindeentwicklung

und Evangelisation bilden die

Schwerpunkte der Institutsarbeit. Sie orientiert

sich an einem ganzheitlichen Ansatz von Mission,

der diakonische und evangelistische Schwerpunkte

integriert. Dabei wird in ökumenischem Horizont

und internationaler Vernetzung geforscht und gelehrt.

Direktor des IEEG,

Prof. Dr. Michael Herbst

Direktor des IEEG ist Prof.

Dr. Michael Herbst, Lehrstuhlinhaber

für Praktische

Theologie an der Theologischen

Fakultät der Universität

Greifswald.

Am IEEG arbeiten zur Zeit

elf Personen, die fast ausschließlich

durch Drittmittel

finanziert werden.

Aus den verschiedenen

Forschungsschwerpunkten

sind hier u.a. zu nennen: Kirche in ländlichen Räumen,

Evangelistische Homiletik, Kurse zum Glauben

und Konversion (Wie finden Erwachsene zum

Glauben?). Darüber hinaus geschieht Forschung am

IEEG durch die Begleitung von Qualifikationsarbeiten

sowie durch Publikationen und Symposien.

Das Lehrangebot zielt auf die (Weiter-)Bildung sowohl

von Studierenden der Theologie als auch von

Pfarrerinnen und Pfarrern. Beiden wird ein festes

Curriculum bzw. eine Reihe unterschiedlicher Veranstaltungsformate

rund um Fragen der Evangelisation

und Gemeindeentwicklung geboten. Zudem

ist das IEEG mit den Aufgaben der Agentur für

missionarische Dienste im Pommerschen Evangelischen

Kirchenkreis (Evangelisch-Lutherische

Kirche in Norddeutschland) betraut und berät beispielsweise

Synoden, Kirchenleitungen und kirchliche

Führungskräfte.

Weitere Informationen finden sich auf der Institutshomepage:

www.ieeg-greifswald.de

Forschungs- und Lehrbereiche

In vier Themenbereichen forschen und lehren die

Mitarbeiter des IEEG:

Themenbereich 1: Geschichts- und sozialwissenschaftliche

Grundlagen

»»

Analyse der religiösen Situation in Deutschland

unter besonderer Beachtung der Konfessionslosigkeit

im postsozialistischen Osten

»»

Geschichte der Volksmission

»»

Rezeption und Transformation von Frömmigkeit

»»

Erhebung empirischer Daten zu kirchlichen

Arbeitsfeldern

Themenbereich 2: Evangelisation

»»

Sprachbildung: Wie ist im gegenwärtigen

Kontext das Evangelium zu bezeugen? Dabei

geht es nicht nur um die Formen, sondern

auch um die Inhalte der Verkündigung in

postmodernen Kontexten.

»»

Theologie der Mission: Wie kann Mission in

einer religiös pluralisierten Welt theologisch

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am IEEG

Theologische Fakultät Greifswald


verantwortet werden? Die Christen in den

Gemeinden (und nicht nur Pfarrerinnen und

Pfarrer) sollen befähigt werden, ihren Glauben

in diesem Umfeld zu kommunizieren.

»»

Hermeneutik und Homiletik der Evangelisation:

Worin liegen die materialen und formalen

Besonderheiten einer glaubenweckenden

Verkündigung? Neue Kommunikationsformen

neben der klassischen evangelistischen

Predigt sind notwendig und müssen entwickelt

werden.

Themenbereich 3: Gemeindeentwicklung

»»

Konzeptionen und Arbeitsformen der Gemeindeentwicklung

für eine spät- bzw.

nachvolkskirchliche Gesellschaft: Welche

Konzepte können Gemeinden angesichts der

Situation vor Ort fördern? Dabei sind unterschiedliche

Räume (Stadt / Land, Milieus,

Ost / West / Nord / Süd) gesondert im Fokus.

»»

Ökumenische Modelle der Gemeindeentwicklung:

Wo können wir von kybernetischen

und missionarischen Modellen anderer

Kirchen lernen, wo gibt es Möglichkeiten

eines Transfers?

»»

Gemeindeaufbau und kirchliches Marketing:

Welche Chancen und Grenzen des Lernens

von betriebswirtschaftlichen Modellen und

Erfahrungen sind zu erkennen?

Themenbereich 4: Bildung, Diakonie und

Mission

»»

Aus-, Fort- und Weiterbildung von Pfarrerinnen

und Pfarrern angesichts der Krise der

Volkskirche

»»

Missionarisch-diakonischer Gemeindeaufbau

»»

Kurse zum Glauben

Entstehung

Das IEEG wurde am 1.4.2004 als Hochschulinstitut

der Theologischen Fakultät der Ernst-Moritz-

Arndt-Universität Greifswald gegründet. Es ist das

bundesweit erste Institut, das sich in universitärer

Forschung und Lehre mit den Themenfeldern

Evangelisation und Gemeindeentwicklung beschäftigt

und hat darin nach wie vor ein Alleinstellungsmerkmal.

Die Gründung geht auf Impulse der EKD-Synode

in Leipzig im Jahr 1999 zurück. Diese wurden von

einer Gruppe Greifswalder Theologen (Prof. Dr.

Michael Herbst, Prof. em. Dr. Jörg Ohlemacher),

kirchenleitenden Persönlichkeiten der damaligen

Pommerschen Evangelischen Kirche und der Arbeitsgemeinschaft

Missionarische Dienste (AMD)

in Deutschland aufgenommen.

Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindebau (IEEG)


Vorstellung des IEEG

64

65

Finanzierung

Das IEEG wird fast ausschließlich aus Drittmitteln

finanziert. Das heißt: Als Hochschulinstitut kann es

auf die Infrastruktur der Ernst-Moritz-Arndt Universität

zurückgreifen, alle Personal- und Sachkosten

(außer der Stelle des Direktors) werden jedoch

aus Drittmitteln bestritten.

Mehrere Kirchen sind an der Finanzierung des

IEEG beteiligt: die Evangelisch-Lutherische Kirche

in Norddeutschland (Pommerscher Evangelischer

Kirchenkreis), die Evangelische Landeskirche in Baden,

die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland,

die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Hannovers

sowie die Evangelische Kirche in Deutschland.

Wichtige Förderer sind die Deichmann-Stiftung

(Essen), die Firma Fünfschilling (Fischingen/Baden-Württemberg),

die Stiftung Christliche Medien

(SCM) und die Arbeitsgemeinschaft Missionarische

Dienste (AMD). Zudem wird das IEEG durch die

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und das

Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald bei

der Durchführung von Symposien unterstützt. Weitere

Finanzmittel erhält das IEEG durch Spenden

an den Verein zur Förderung der Erforschung von

Evangelisation und Gemeindeentwicklung e.V.

Kooperationen und Mitgliedschaften

Das IEEG kooperiert mit folgenden Partnern:

»»

Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste

(AMD) im Diakonischen Werk der EKD

»»

EKD-Zentrum für Mission in der Region

(ZMiR)

»»

Arbeitsstelle Kirche im Dialog (Ev.-Luth. Kirche

in Norddeutschland)

»»

Alfried-Krupp-Wissenschaftskolleg Greifswald

»»

International Research Consortium for Congregational

Studies and Social Sciences

»»

Hochschule für Mission und Theologie Stavanger

»»

Willow Creek Deutschland/Schweiz

Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald


Thesen

66

66 67

Die 10 Thesen auf einen Blick

Kurse zum Glauben –

Verbreitung und Motive

1. Es gibt inzwischen eine große Vielzahl unterschiedlicher

Kursformate, von denen vier

besonders häufi g genutzt werden: Alpha,

EMMAUS, SPUR 8, Stufen des Lebens.

2. Motive, die sich auf Glaubensweckung und

-vertiefung beziehen, haben für das Angebot von

Kursen zum Glauben eine größere Bedeutung

als Mitgliedschaftsthemen. Dabei geht es im

Osten stärker um das „Christ werden“ und im

Westen stärker um das „Christ bleiben“.

3. Wenn sich Gemeinden dagegen entscheiden,

Kurse zum Glauben durchzuführen, überwiegen

eher pragmatische und strukturelle als inhaltliche

Gründe.

Kurse zum Glauben –

Beitrag zur Gemeindeentwicklung

4. Es passiert etwas! – Kurse zum Glauben zeigen

erkennbare Wirkungen für die Gemeindeentwicklung.

Zudem gibt es einen Zusammenhang

zwischen ihrer regelmäßigen Durchführung und

der Bewertung ihrer Bedeutung für die Gemeindeentwicklung,

aber zugleich auch eine Diskrepanz

zwischen dieser Bewertung und den Angaben

zu Folgeangeboten.

5. Vor allem personenbezogene Aspekte werden

für das Gelingen von Kursen zum Glauben als

ausschlaggebend erachtet.

6. Gemeinden, die Kurse zum Glauben durchführen,

haben durchschnittlich mehr Gottesdienstbesucher,

mehr ehrenamtliche Mitarbeitende,

mehr Erwachsenentaufen und ein breiteres

Veranstaltungsangebot als Gemeinden, die keine

Kurse durchführen, ohne dass daraus ein Ursache-Wirkungs-Verhältnis

in die eine oder andere

Richtung abgeleitet werden kann.

Kurse zum Glauben – ihre Akteure

7. Teilnehmende an Kursen zum Glauben kommen

eher aus dem Bereich der ehrenamtlich

Mitarbeitenden und der Kirchennahen, auch

wenn Kursanbieter stärker die Kirchendistanzierten

und Konfessionslosen im Blick haben.

8. Pfarrerinnen und Pfarrer sind Schlüsselpersonen

für die Initiierung, Kommunikation und

Durchführung von Kursen zum Glauben.

Kurse zum Glauben – Kooperationen und

EKD-Initiative ERWACHSEN GLAUBEN

9. Wo mit Kursen zum Glauben gearbeitet wird,

fördert dies die Kooperation von Gemeinden

und anderen kirchlichen Ebenen (Kirchenkreisen

/ Dekanaten) bzw. Arbeitsbereichen.

10. Die Initiative ERWACHSEN GLAUBEN zeigt

erste Wirkungen und bietet zugleich in einer

längeren zeitlichen Perspektive weitere Wachstumsmöglichkeiten.


Das Projekt ERWACHSEN GLAUBEN der Evangelischen Kirche in Deutschland

(EKD), mit dem die Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste

(AMD) vom Rat der EKD betraut wurde, hat zum Ziel, Kurse zum Glauben

zu einem öffentlich erkennbaren Markenzeichen kirchlicher Arbeit zu

machen. Sie sollen mehr und mehr zu einem dem Konfi rmandenunterricht

vergleichbaren Regelangebot in Gemeinden und an anderen kirchlichen

Lernorten werden. Damit werden Kurse zum Glauben als eine zentrale

Zukunftsaufgabe im Reformprozess der Evangelischen Kirche in Deutschland

verstanden.

Kurse zum Glauben stellen in der missionarischen Gemeindearbeit bereits

seit vielen Jahren ein vielfach genutztes Format dar. Sie werden am Institut

zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung (IEEG) der

Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald darum auch seit langem inhaltlich

erforscht und bearbeitet.

Dieses Forschungsinteresse richtet sich mit der nun vorliegenden empirischen

Untersuchung zur Bedeutung von Kursen zum Glauben für die

Entwicklung von Gemeinde und Kirche auf das EKD-Projekt ERWACHSEN

GLAUBEN und fragt nach der Verortung und Bedeutung von Kursen zum

Glauben in der Gemeindeentwicklung sowie nach ersten Wirkungen des

Projekts. Ferner werden Konsequenzen beschrieben, die für ein Weitergehen

auf dem eingeschlagenen Weg von Bedeutung sind.

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