Rebschutzdienst Heilbronn - Weinbauberatung Mitteilung Nr. 16 ...

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Rebschutzdienst Heilbronn - Weinbauberatung Mitteilung Nr. 16 ...

Rebschutzdienst Heilbronn - Weinbauberatung

Mitteilung Nr. 16 vom 30. Juli 2013

Dies ist voraussichtlich die letzte Rebschutzmitteilung für den Jahrgang 2013. Ende August folgen noch

Hinweise zur Vogelabwehr.

Ganz ohne Fußball geht’s dann doch nicht! Wer es nicht mitbekommen hat: Die Deutschen Fußballerinnen

wurden im hochsommerlichen Schweden Europameister! Auch bei uns war der Juli Hochsommer PUR!

Trotz Rekordtemperaturen um 38 °C am letzten Juliwochenende sind bisher keine nennenswerten

Sonnenbrandschäden aufgetreten – nicht einmal beim Trollinger. Wer sich noch erinnert: Am 15. Juli 2007 sind

bei Temperaturen um 35 ° C verbreitet Sonnenbrandschäden aufgetreten. Damals allerdings im Unterschied zu diesem

Jahr nach vorausgehender langer Schlechtwetterphase.

Niederschläge zwischen 20 und teilweise über 50 Liter je m² haben die angespannte Lage in Bezug auf

Trockenstress für die nächsten 2-3 Wochen erst einmal etwas entspannt. Die Reben haben die Trockenphase

eindeutig besser überstanden als z.B. der Mais. Dennoch konnten zumeist in jungen Anlagen erste deutliche

Trockenstresssymptome mit Wuchsstockung und gelben Blättern im Traubenzonenbereich beobachtet

werden. Überwiegend zeigt sich der Zustand der Weinberge aber eindeutig positiv. Im Verlauf der ersten

Augustwoche wird mit dem ersten Färben von Samtrot, Acolon, Dornfelder oder Regent gerechnet. Der vom

Mai mitgegebene Entwicklungsrückstand hat sich etwas ausgeglichen.

Geschädigte Trauben durch Hagel vom letzten Juliwochenende sind aus dem Raum Groß- und Kleinbottwar,

Markgröningen und Roßwag gemeldet. Totalausfall soll dabei glücklicherweise nicht aufgetreten sein.

Sondermaßnahmen nach Hagel werden nicht empfohlen.

Oidium-Befallsflächen sind weniger verbreitet als letztes Jahr. Wer in seinem Bestand Befall feststellt, sollte

dringend nach der Ursache forschen, damit dies im nächsten Jahr besser gemacht werden kann.

Peronopora wurde durch die trockene Juliwitterung deutlich gebremst. Die Gewitterniederschläge um das

letzte Juliwochenende haben bei ungeschütztem Laub zu neuen Infektionen geführt, die innerhalb der

nächsten 8-10 Tage sichtbar werden. Ein Großteil der Infektionen wird aber durch den nächsten Laubschnitt

wieder auf den Boden geschnitten. Wichtig wird sein, die Abschlussbehandlung wegen des vorhandenen

Infektionspotenzials konsequent durchzuführen. Sollte sich zur Abschlussspritzung hin Regen ankündigen,

macht es Sinn, die letzte Behandlung vor den Niederschlägen auszubringen, und nicht unbedingt am letzten

erlaubten Tag. Generell sind die Vorgaben der Absatzorganisationen hinsichtlich Terminen und Mitteln zu

beachten. Spätester Termin der Abschlussbehandlung für mittel- bis spätreifende Sorten sollte der 17.

August sein. Frühreifende Sorten ca. 10-12 Tage früher.

Die besten vorbeugendne Maßnahmen gegen Botrytis im Herbst sind Verzicht auf Stickstoffdüngung,

Verzicht auf Bodenbearbeitung und lockere Traubenzone. Selbstverständlich wird die Begrünung weiterhin

gemulcht, da zu hohe Begrünungsbestände das Kleinklima negativ beeinflussen.

Die Hoffnung auf einen qualitativ guten Jahrgang ist gegeben. insbesondere auch wegen des natürlich

vorhandenen gemäßigten Ertragsniveaus (Traubenansatz ist durchschnittlich, mittlere bis spätere Lagen

haben durch Verrieselung lockere Traubenstruktur, Trockenheit in der Zelldifferenzierungsphase der Beeren

führt nicht zu Riesenbeeren). Dennoch gibt es auch Anlagen, die zur Sicherung der Qualität noch dringend

reguliert werden müssen. Denken Sie unbedingt an das Entfernen des zweiten Trollingertraubens an den

Schnabeltrieben. Nur dadurch erfolgt eine ausreichende Ausreife des Restertrags. Gerade bei Trollinger ist

das Ertragsniveau oft von Stock zu Stock sehr unterschiedlich. Das Traubenteilen sollte spätestens zum

Reifebeginn, also Weichwerden bzw. beginnende Färbung, abgeschlossen werden.

Bei der Frühlese für „Neuen Wein“ muss gewährleistet sein, dass die Wartezeiten der Mittel eingehalten

werden. Es wird empfohlen, hierbei auf die letzte Behandlung komplett zu verzichten.

Tafeltrauben zur Vermarktung dürfen nur aus Ertragsanlagen geschnitten werden, wenn in diesen alle

verwendeten Pflanzenschutzmittel ausdrücklich für den Tafeltraubenanbau zugelassen sind. Mit

umfangreichen Kontrollen ist zu rechnen.

Rebstöcke, die Eutypiose-, Esca- oder Schwarzholzbefall zeigen, sollten gleich oder aber erst ausgangs

Winter ca. 10 cm über dem Boden abgeschnitten werden. Bei Neuaustrieb besteht die Hoffnung, dass der neue

Stamm gesund ist. Wenn nicht, hilft nur noch nachpflanzen.

Denken Sie an die vorgeschriebene Dokumentation der Pflanzenschutzmaßnahmen.

Junganlagen sind noch bis in den September hinein weiter zu behandeln.

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Peronospora

Die reichlichen Niederschläge um das letzte Juliwochenende mit sehr langer Blattnässe haben auf nicht

vollständig geschützten Beständen zu Neuinfektionen an den Blättern geführt. Die Infektionen werden im

August als neue Ölflecken zu sehen sein. Bei der Abschlussbehandlung im August wird aus Gründen der

Rückstandsminimierung im Wein vorzugsweise eines der zugelassenen Kupfermittel empfohlen. Eine

einmalige Kupferbehandlung sollte auch wegen der Minimierung des Kupfereintrags genügen. Wo erlaubt,

können auch organische Präparate verwendet werden, vorzugsweise mit möglichst geringer Wartezeit. Ab

August keine Präparate mehr verwenden mit 56 Tagen Wartezeit.

Oidium

Für die letzten beiden Behandlungen genügen azolhaltige Mittel wie Topas oder Systhane. Bei vollständig

gesunden Anlagen kann bei der Abschlussbehandlung auf ein Oidiummittel verzichtet werden. Lediglich bei den

spät reifenden Sorten Trollinger und Lemberger kann insbesondere zum Schutz der Blätter ein Zusatz eines

Azol-Präparates noch einmal Sinn machen. Bei den beiden letzten Behandlungen können in gesunden

Beständen auch noch Restbestände der Strobilurine aufgebraucht werden, sofern dies seitens der

Absatzorganisationen erlaubt ist.

Stiellähme

Wo erlaubt, wird auch zum Abschluss der Einsatz von Blattdüngern gegen Stiellähme bei empfindlichen

Sorten empfohlen. Empfindliche Sorten sind z.B. Lemberger, Cabernet Dorsa, Dornfelder, Acolon oder

auch Trollinger (rosa saure Beerchen) und Muskattrollinger. Wirksam sind z.B. Präparate auf Basis von

Magnesiumoxid, wie z.B. Falnet oder Lebosol Magnesium 500

Sauerwurm

Wie wichtig die Verwirrmethode ist, zeigt wieder einmal das Flugverhalten des Traubenwicklers. Nachdem der

Einbindige Wickler den Flug beendet hat, hat der Bekreuzte mit seinen Flugaktivitäten begonnen. Wo beide

Generationen vorkommen – und das ist mittlerweile weit verbreitet – ist somit eine zweite Insektizidmaßnahme

einzuplanen. Dort wo Ampullen hängen, kann man hingegen diesen weit verzettelten Flug entspannt

betrachten.

Herbizide:

Bei Einsatz von Glyphosat müssen alle Wasserschosse entfernt sein, da jetzt eine Einlagerung in das

Wurzelsystem der Reben erfolgt, wenn grüne Rebteile getroffen werden. Generell ist der Einsatz von

Herbiziden so weit möglich zu minimieren, indem der behandelte Unterstockstreifen so schmal wie möglich

gehalten wird. Eine Anwendung auf befestigten Flächen sowie auf unbefestigten Graswegen oder an

Weinbergsrändern ist verboten! Auch für Herbizide gibt es Wartezeiten, die einzuhalten sind.

Bei der Gerätereinigung ist penibel darauf zu achten, dass keine Spritzbrühe oder Reinigungsflüssigkeit in die

Kanalisation und damit in Oberflächengewässer gelangt. Reinigen Sie Ihre Geräte auf unbefestigten und

möglichst bewachsenen Flächen ohne Zugang zur Kanalisation. Am besten innerhalb der Weinberge (z. B.

Vorgewende).

Gerätekontrolle

Am 5. Juli 2013 sind die schon lange angekündigten, neuen Regelungen zur Gerätekontrolle in Kraft getreten.

Für die nach den bisherigen Rechtsvorschriften kontrollierten Pflanzenschutzgeräte wird die Gültigkeit der

Plakette um ein Jahr verlängert, d.h. die Plakette gilt ein Jahr länger als das aufgedruckte Jahr ausweist.

Mittelmenge

Der Mittelaufwand beträgt das 4 fache der Basisaufwandmenge. Dies entspricht nach herkömmlicher

Berechnung der Berechnungsgrundlage von 1600 Liter je ha.

Hinweise und Auflagen in den Gebrauchsanleitungen der Pflanzenschutzmittel, insbesondere zum

Bienenschutz, sind zu beachten. Diese Rebschutzmitteilung kann auch im Internet abgerufen werden.

Allgemeine Hinweise und Empfehlungen zur Vogelabwehr erfolgen in der zweiten Augusthälfte.

Ende der Mitteilung

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