"Inklusive Bildung" 2010-2013/Referate zur Fachtagung

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"Inklusive Bildung" 2010-2013/Referate zur Fachtagung

DOKUMENTATION

Liga-Projekt „Inklusive Bildung“ 20102013

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Inhaltsverzeichnis

1. Ausgangslage und Auftrag…………………………………………………… Seite 03

2. Thesenpapier……………………………………………………………………….. Seite 04

3. Expertengespräche…………………………………………………..…………. Seite 04

4. Fachtagung…………………………………………………..…………………….. Seite 06

5. Schlussfolgerungen und Ausblick………………………………………….. Seite 09

6. Anhang……………………………………………………………………………….. Seite 10

6.1 Thesenpapier ………………………………………………………….. Seite 11

6.2 Eröffnungsvortrag Prof. Clemens Dannenbeck zum … Seite 15

Fachtag am 12.04.2013 sowie Workshop-Präsentation

6.3 Workshop-Inputs und -Ergebnisse des Fachtags ……... Seite 38

6.4 Pressebericht Pforzheimer Zeitung vom 13.04.2013 … Seite 67

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1. Ausgangslage und Auftrag

Die Projektgruppe „Inklusive Bildung“ wurde im Jahr 2010 von der

Mitgliederversammlung der Liga der freien Wohlfahrtspflege Baden-Württemberg e. V.

bereichsübergreifend eingerichtet, um Impulse auf dem Weg zu einem inklusiven

Bildungssystem zu setzen und die besondere Verantwortung und Aufgabe der freien

Wohlfahrtspflege in diesem Prozess zu unterstreichen.

Die Initiative ging aus einer ausführlichen Diskussion um die UN-Kinderrechtskonvention

und die UN-Behindertenrechtskonvention hervor und „Inklusive Bildung“ wurde in

diesem Zusammenhang nicht allein unter dem Blickwinkel von Kindern mit Behinderung,

sondern generell als eine Bildung ohne Ausgrenzung diskutiert und erörtert und um die

Themen Migration und Interkulturalität erweitert.

In unserem Verständnis von Inklusion spielt auch die Frage von Gender eine zentrale

Rolle. Als Heterogenitätsdimension prägt sie Bildungsprozesse und lässt sich gleichsam

gendersensibel durch Bildungsprozesse reflektieren, insbesondere auch im Kontext von

Behinderung und Interkulturalität. Im Folgenden sind immer Jungen und Mädchen,

Frauen und Männer gemeint, auch wenn dies sprachlich nicht immer sichtbar wird.


1.1 Zusammensetzung der Projektgruppe

Ausschuss Psychiatrie und Behindertenhilfe:

• Rudi Sack/Thomas Feistauer, Landesverband Lebenshilfe (Federführung)

• Dr. Stephanie Goeke, Diözesan-Caritas-Verband Rottenburg-Stuttgart

• Hubert Ochs, Diakonisches Werk Baden

Ausschuss Kinder, Jugend und Familie:

• Ulrich Fellmeth, Diakonisches Werk Württemberg

• Hans-Peter Häußermann, Diözesan-Caritas-Verband Rottenburg-Stuttgart

Ausschuss Migration:

• Birgit Dinzinger, Diakonisches Werk Württemberg

• Mervi Herrala, Diözesan-Caritas-Verband Rottenburg-Stuttgart

1.2. Zielsetzung

• Impulse setzen, damit der Prozess auf dem Weg hin zu einem inklusiven

Bildungssystem von der freien Wohlfahrtspflege aktiv gestaltet wird.

• Die besondere Verantwortung und Aufgabe der freien Wohlfahrtspflege in

diesem Prozess beschreiben:

- Beiträge zu einer Weiterentwicklung der eigenen Bildungsangebote auf

Trägerebene.

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- Politische Einforderung der notwendigen Ressourcen und

Rahmenbedingungen.

- Anwaltschaftliche Funktion der freien Wohlfahrtspflege zur Durchsetzung der

Rechte von Kindern und ihren Eltern.

1.3. Bausteine zur Umsetzung und Zeitplan

• Eckpunkte zur inklusiven Bildung aus Sicht der Liga der freien Wohlfahrtspflege in

einem Thesenpapier formulieren und der Mitgliederversammlung zur Diskussion

und Beschlussfassung vorlegen (bis Anfang 2012).

• Kommunikation und fachliche Abstimmung mit weiteren relevanten Partnern im

Bildungsbereich innerhalb der freien Wohlfahrtspflege; zum Beispiel mit den

Landesverbänden der Kindertagesstätten und den Schulwerken (bis Sommer

2012).

• Große Fachtagung für die freien Bildungsträger als Impulsveranstaltung (Frühjahr

2013).

• Auswertung der Projektarbeit und Zusammenfassung der Schlussfolgerungen für

die Liga der freien Wohlfahrtspflege (bis Ende 2013).

2. Thesenpapier

Der erste Arbeitsauftrag der Projektgruppe war die Erarbeitung eines Eckpunktepapiers

zum Thema „Inklusive Bildung“. Neben Vorbemerkungen zur UN-

Behindertenrechtskonvention befasst sich das Thesenpapier mit Grundannahmen und

notwendigen Bedingungen für eine inklusive Bildung. Des Weiteren wird der Weg zur

Inklusion für den Elementarbereich und die Schule entworfen. Zuletzt folgen

Ausführungen zu Perspektiven für die Träger von Bildungseinrichtungen aus dem Bereich

der freien Wohlfahrtspflege.

Das Thesenpapier wurde von der Liga-Mitgliederversammlung am 07.02.2012

verabschiedet und im Vorfeld und seither ausgiebig diskutiert und weiträumig verbreitet.

Das vollständige Thesenpapier finden Sie im Anhang.

3. Expertengespräche

Die Projektgruppe führte mit den Partnern im Bildungssystem (Elementar- und

Schulbereich) zwei Expertengespräche zum Thema „Inklusive Bildung“ durch. Dabei

erwies sich eine grundsätzliche Vernetzung der Akteure als sehr sinnvoll. In den

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Gesprächen konnten darüber hinaus zentrale Thesen des Eckpunktepapiers erörtert und

inhaltliche Impulse für die Fachtagung im April 2013 erarbeitet werden.

3.1. Expertengespräch am 16.09.2011

Das erste Expertengespräch fand am 16.09.2011 im Diakonischen Werk Baden statt.

Zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus den Landesverbänden für

Kindertageseinrichtungen und den Schulwerken nahmen an der Veranstaltung teil.

Zunächst wurde die Initiative der Liga der freien Wohlfahrtspflege vorgestellt und die

Zielsetzung der implementierten Projektgruppe erläutert. Die Beteiligung der

eigenständigen Landesverbände und der entsprechenden Abteilungen in den

Fachverbänden im Bereich Bildung am weiteren Diskussionsprozess war der Liga der

freien Wohlfahrtspflege und der Projektgruppe „Inklusive Bildung“ ein zentrales

Anliegen.

Im Gesprächsverlauf konnte herausgearbeitet werden, dass grundsätzliche

sozialpolitische Fragestellung im Zentrum der Betrachtungen stehen müssen, wie der Ruf

nach einer großen Lösung im Zusammenhang der Sozialgesetzbücher VII und XII sowie

die Verknüpfung der bislang streng voneinander getrennten Sozial- und

Bildungssysteme. Darüber hinaus spielten die aktuellen Forderungen nach einem

Neuaufbruch der Bildungslandschaft und das Paradigma der „Inklusion“ im Rahmen der

UN-Behindertenrechtskonvention eine zentrale Rolle.

Ein Entwurf des Thesenpapiers ging den Teilnehmerinnen und Teilnehmern am

Expertengespräch im Vorfeld zu und konnte am 16.09.2011 entsprechend diskutiert

werden. Die Ergebnisse und wichtige Ableitungen wurden im Nachklang in den Entwurf

des Thesenpapieres eingearbeitet.

3.2. Expertengespräch am 10.07.2012

Ein zweites Expertengespräch fand am 10.07.2012 im Haus der Caritas in Stuttgart statt.

Erneut kamen Vertreterinnen und Vertreter aus den Landesverbänden für

Kindertageseinrichtungen und den Schulwerken zusammen. Im Fokus der Veranstaltung

stand, neben einem Austausch über aktuelle Entwicklungen, die inhaltliche Ausrichtung

des Fachtages am 12.04.2013 im Hohenwart-Forum in Pforzheim.

Ein weiterer Inhalt war die Erweiterung der inklusiven Perspektive um den Aspekt der

Interkulturalität. Es konnte dargelegt werden, dass in der Migrationsarbeit eine ähnliche

konzeptionelle Entwicklung stattgefunden hat, wie in der Arbeit mit Menschen mit

Behinderung.

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4. Fachtagung „Inklusion leicht gemacht“

Den dritten Meilenstein des Projekts bildete eine Fachtagung unter dem Titel „Inklusion

leicht gemacht – Inklusive Bildung in Kindertageseinrichtungen und Schulen“ am

12.04.2013 im Hohenwart-Forum in Pforzheim. Die Einladung erging an Träger- und

Leitungsverantwortliche aus dem Elementarbereich und den Schulen sowie Eltern und

am Thema interessierte. Eine Teilnahme von rund 160 Interessierten sprach und spricht

für die Bedeutung und die Aktualität der Thematik.

4.1. Zielsetzung

Inklusive Bildung“ im Sinne einer bestmöglichen Bildung, Erziehung und Betreuung aller

Kinder war das zentrale Anliegen der Tagung. Es ging darum, eine Perspektive für die

Träger von Bildungseinrichtungen auszuloten und zu diskutieren.

4.2. Grußwort des Kultusministers Andreas Stoch

Erfreulicher Weise gelang es, den Kultusminister des Landes Baden-Württemberg, Herrn

Andreas Stoch, für eine Pressekonferenz im Vorfeld und ein Grußwort zur Eröffnung der

Tagung zu gewinnen. Der Minister betonte die Verpflichtung und die Aufgabe, die aus

der UN-Behindertenrechtskonvention für die Landesregierung resultiert, stellte aber auch

den schleppenden Verlauf der Teilhabe behinderter Schüler an Regelschulen in Baden-

Württemberg fest.

4.3. Eröffnungs- und Hauptvortrag von Prof. Dr. Clemens Dannenbeck

Den Eröffnungsvortrag hielt Prof. Dr. Clemens Dannenbeck, Professor für

Sozialwissenschaftliche Methoden und Arbeitsweisen, Soziologie in der Sozialen Arbeit

an der Hochschule für angewandte Wissenschaften, Landshut: Inklusive Verhältnisse

bilden – kritische Überlegungen zum Umgang mit Vielfalt. Damit war die Grundlage für

ein moderiertes Podiumsgespräch bereitet. Den Vortrag finden Sie im Anhang.

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4.4 Moderiertes Fachgespräch

Im Anschluss an den Vortrag von Prof. Dr. Dannenbeck fand, unter der Moderation von

Angelika Hensolt vom SWR, ein moderiertes Fachgespräch statt. Die Teilnehmerinnen

und Teilnehmer der Veranstaltung hatten die Möglichkeit, sich mit Fragen und

Anregungen einzubringen und machten davon regen Gebrauch.

Auf dem Podium diskutierten:

• Hansjörg Böhringer, Liga der freien Wohlfahrtspflege

• Agnes Christner, Städtetag Baden-Württemberg

• Prof. Dr. Clemens-Dannenbeck, Hochschule Landshut

• Daniel Hager-Mann, Kultusministerium Baden-Württemberg

• Prof. Dr. Christoph Schneider-Harpprecht, Evangelische Landeskirche Baden

• Gerd Weimer, Landesbehindertenbeauftragter

Im Diskussionsverlauf wurden die Vielschichtigkeit des Themas und die gegenseitige

Verflechtung der Akteure umso deutlicher. Dennoch zeichnete sich ein klarer

Handlungsbedarf, der von einem Handlungsappell des Landesbehindertenbeauftragten

explizit unterstrichen wurde, klar ab.

Im Einzelnen zeichneten sich folgende inhaltliche Aspekte ab:

• Der pädagogische Umgang mit Vielfalt ist von entscheidender Bedeutung.

Hierbei bedarf es einer entsprechenden Haltung und Qualifizierung der

beteiligten Berufsgruppen. Inklusion ist eine gemeinsame Aufgabe der

Jugendhilfe und der Schule. Berufsbilder und Ausbildung müssen hinterfragt und

weiterentwickelt werden.

• Es herrscht weitgehen Einigkeit über das Ziel, aber der Weg (Ressourcen,

Personal) und die Rahmenbedingungen (Schulgesetz) sind nicht geklärt. Hierbei

geht es insbesondere um die Frage der notwenigen Assistenzleistungen. Eine

rasche Klärung ist wichtig und auch die Träger müssen am Klärungs- und

Weiterentwicklungsprozess beteiligt werden.

• Die Erfahrungen aus den fünf Modellregionen müssen ausgewertet werden und

in die Gesetzgebung einfließen. Es deuten sich bereits Punkte, wie die

Notwendigkeit eines zieldifferenten Unterrichts, ab.

• Übergänge, zum Beispiel von der Kindertageseinrichtung in die Schule, müssen

Beachtung finden.

• Das elterliche Wahlrecht muss differenziert betrachtet werden und darf nicht zu

einer Alibifunktion werden, um bestehende Systeme zu erhalten.

• Eine Herausforderung stellt die gebotene Eile im Hinblick auf dennoch

notwendige perspektivische Weichenstellungen dar.

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4.4. Workshops

Am Nachmittag fanden sechs parallele Workshops statt, in denen zentrale Aspekte

vertieft und gute Beispiele für eine gelingende Inklusion präsentiert wurden:

• Elemente eines inklusiven Bildungsbegriffs (Prof. Dr. Clemens Dannenbeck,

Hochschule Landshut)

• Vielfalt leben und gestalten im Sozialraum (Andrea Rohkuß, Montagsstiftung)

• Beteiligungskultur im Veränderungsprozess (Daniel Hager-Mann,

Kultusministerium; Achim Wegmer, Landesbehindertenbeirat; Katharina

Heilriegel-Georgie, Schule mit Zukunft)

• „So geht’s hier!“ (Martina Heß, Torwiesenschule Diakonie Stetten e. V.; Christina

Speck, Integrative Kindertagesstätte Lebenshilfe Karlsruhe e. V.)

• Alle dabei! Vielfalt im Quartier (Renata D‘Elia, Ehrenamtliche und Mutter; Nejla

Duman, Ehrenamtliche und Mutter; Gerhard Loewe, St. Josef gGmbH)

• Vielfalt und Professionalität (Peter Hudelmaier-Mätzke, Pädagogische Hochschule

Ludwigsburg)

Die Ergebnisse der Workshops (siehe Anhang) wurden von Studierenden der Dualen

Hochschule Baden-Württemberg, Fakultät Sozialwesen, Studienschwerpunkt Pflege und

Rehabilitation festgehalten. Der Dank an dieser Stelle gilt dem Engagement der

Studierenden, aber auch dem Studiengangsleiter, Herrn Prof. Dr. Klaus Grunwald.

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5. Schlussfolgerungen und Ausblick

Mit der Abschlussdokumentation, endet der Projektauftrag der Liga an die Projektgruppe

Inklusive Bildung. Hervorzuheben sind an dieser Stelle insbesondere das Liga-

Thesenpapier und der gut besuchte Liga-Fachtag im April 2013.

Es zeichnet sich ab, dass „Inklusive Bildung“ als Prozess zu verstehen ist, der bislang nur

angestoßen werden konnte. Gleichzeitig lässt sich jedoch ein fachübergreifendes

Interesse nachweisen.

Um eine nachhaltige gesellschaftspolitische Entwicklung zu gewährleisten, bedarf es

verschiedener Formate, die von einer Beteiligungskultur und Interdisziplinarität im

Hinblick auf Disziplinen und Handlungsfelder geprägt sein müssen.

Darüber hinaus sind politische Rahmenbedingungen notwendig, die eine verlässliche

rechtliche und strukturelle Sicherheit bieten. Inklusive Bildung darf nicht vom

individuellen Engagement der Eltern abhängig sein!

Die Mitglieder der Liga-Projektgruppe Inklusive Bildung sehen weiterhin einen

dringenden Handlungsbedarf seitens der Liga im Hinblick auf Inklusive Bildung und die

Reform des Schulgesetzes des Landes Baden-Württemberg. Da es sich hier um ein

Querschnittsthema haben wir der Liga-Mitgliederversammlung vorgeschlagen, die Liga-

Fachausschüsse Kindheit, Jugend und Familie, Migration sowie Psychiatrie und

Behindertenhilfe zu beauftragen, darüber zu beraten, in welcher Form die

Themenstellung angemessen und zeitnah sowie ausschussübergreifend weiter bearbeitet

werden kann. Die Projektgruppe wird einen Vorschlag erarbeiten, die Themenstellung

weiter zu verfolgen.

gez.

für die Projektgruppe

Thomas Feistauer

Stuttgart, im November 2013

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6. Anhang

6.1 Thesenpapier

6.2 Eröffnungsvortrag Prof. Clemens Dannenbeck zum Fachtag am 12.04.2013 sowie

Präsentation zum Workshop

6.3 Workshop-Inputs und -Ergebnisse des Fachtags am 12.04.2013

6.4 Pressebericht Pforzheimer Zeitung vom 13.04.2013

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6.1 Thesenpapier

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6.2 Eröffnungsvortrag Prof. Dannebeck

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6.2 Workshop-Präsentation Prof. Dannebeck

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PROTOKOLLBOGEN

WORKSHOP 1

Titel des Workshops Elemente eines inklusiven Bildungsbegriffs

Referent Herr Prof. Dr. Clemens Dannenbeck, Hochschule

Landshut

Protokoll

Studierende DHBW Stuttgart

1. Wesentlicher Inhalte des Inputs (Redebeitrag, Impulsreferat etc.) durch den/die

ReferentInnen:

• Offene Fragen/Themen der Anwesenden werden diskutiert (Vorstellung der

Personen und Fragenklärung):

o Inklusion betrifft alle, nicht nur Menschen mit Behinderungen

o Beginnt Bildung erst in der Schule?

o Welche Qualifizierung erhalten Fachkräfte aus dem Elementarbereich?

o Wo bleiben die klassischen Sondereinrichtungen bei der Diskussion von

Inklusion in der Jugendarbeit?

o Was bedeutet Inklusion? Welche Schritte erfordert es? Was ist die gelebte

Inklusion?

Anmerkung des Referenten: Es sollte keine Kategorien mehr geben,

dann findet inklusives Denken statt.

o Warum gibt es derartige Hürden/Barrieren (auch aus finanzieller Sicht) für

die betroffenen Familien?

o Was muss in der Gesellschaft passieren, dass diese offen ist für Inklusion?

o Wunsch- und Wahlrecht orientiert sich an der aktuellen Situation.

Menschen sollen in einem Rahmen leben und arbeiten können, in dem sie

sich wohl fühlen. Dieser Rahmen muss gewährleistet sein. Wunsch- und

Wahlrecht auch für Eltern von nicht behinderten Kindern? Wie weit kann

das gehen?

o Wie kann man als Träger Fachkräfte sensibilisieren oder Konzeptionen

anpassen, dass Vorurteile und Ängste gegen die Inklusion und für den

geschützten Rahmen verschwinden? Inklusion ist ein großer Berg, welcher

Schritt für Schritt beschritten werden muss. Dabei können Fehler

passieren, aber es muss daran gearbeitet werden.

o Wo haben Träger der Behindertenhilfe ihre Berechtigung und wo ist man

für Inklusion offen?

o In der Praxis ist das Arbeiten mit zu großen Gruppen schwer. Wie kann

dies verändert werden? Die Kinder müssen erst in die Rolle des Kindes mit

Behinderung rein gedrängt werden, um die Gruppenanzahl zu reduzieren.

(Ettikettierungs-Ressourcen-Dilemma)

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o

Wie kann das Schulsystem verändert werden, um den Zugang für jedes

Kind zu erleichtern?

Anmerkung des Referenten: Manche Kinder haben Förderbedarf,

andere sollen ihn nicht haben?! Kinder mit und ohne Behinderung

lernen aneinander und miteinander, sodass jeder einen Mehrwert aus

der Interaktion mitnimmt.

Wie kann Inklusion in allen Lebensbereich von Kindertagestätte bis

Arbeitsstelle umgesetzt werden? Kann dieser Wandel einher miteinander

geschehen?

Etikettierung schafft Distanz, dies darf in der Praxis nicht passieren. Jedes

Kind, egal ob Behinderung oder nicht, hat Bedarfe. Warum wird hier

unterschieden und Kinder mit Behinderung haben mehr Vorrechte? Dieser

Unterschied schafft bereits Distanz.

Es muss mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden, sodass Eltern von

Kindern ohne Behinderung Ängste verlieren („Mein Kind könnte

vernachlässigt werden“).

Integration wird als Begriff und als Paradigma abgelöst durch das

Paradigma der Inklusion. Das mag für die Sonderpädagogik im Gang sein,

innerhalb der Migrationspädagogik hat der Paradigmenwechsel noch

nicht seinen richtigen Raum gefunden.

Der Begriff Integration wird sowohl noch in der Behindertenhilfe als auch

in der Migrationspädagogik verwendet, aber beide Bereiche werden nur

getrennt behandelt.

Anmerkung des Referenten: Diese Bereiche sollten zusammen

betrachtet werden. Es gibt bereits in der Geschichte der Bereiche

Parallelen. Inklusion kann dazu beitragen, diese Bereiche zusammen zu

bringen.

2. Wesentliche Inhalte der Diskussion und des Austauschs im Workshop:

Inklusiver Bildungsbegriff

o Mehr als nur schulischer Bildungsbegriff sollte das ganze Leben

umfassen

o Nicht durch gesellschaftliche Erwartungen ableiten lassen, sondern von

dem Recht auf eine eigene Lebensführung

o Kompetenzbegriff als Chance (posibility approach)

Anmerkung des Referenten: Schwierigkeit bzw. Unterschied

beispielsweise an Hochschulen: Ich möchte jemanden Wissen bei

bringen Ich möchte jemanden Kompetenzen beibringen. Dies

erfordert ein Umdenken. ZIEL soll es sein, jemanden Kompetenzen bei

zu bringen und nicht den Lehrplan abzuarbeiten. Um Kompetenzen zu

vermitteln ‚muss jeder dort abgeholt werden wo er steht‘.

o Vorurteilbewusstes Erziehen als Gefahr für Kategorisierung

o Inklusiver Bildungsbegriff betrifft alle.

o Ressourcenorientierung muss stattfinden

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• Trägt der Orientierungsplan für Bildung und Erziehung bereits zur Durchsetzung

des inklusiven Bildungsbegriffes bei?

• Bildungsbegriff sollte allgemein überdacht werden (Bsp. Fernsehen ist schlecht).

Jeder hat seine eigene Norm. Sollte dies Verallgemeinert werden?

• Was kann gegen Ängste und Sorgen von Eltern mit nicht behinderten Kindern vor

Inklusion getan werden?

Anmerkung des Referenten: Dies muss durch Menschen gelernt

werden, die selbst diese Erfahrungen gemacht haben. Dann kann ‚der

Funke überspringen‘. Fortschritte sind möglich, in denen man

Erfahrungen weitergibt und dies erlebbar macht, welche Vorteile

inklusives Handeln und Denken bringen kann.

• Wie kann Qualität bei dem inklusiven Bildungsbegriff gemessen werden ohne nur

an den Formalien festzuhalten?

• Wie können die Strukturen (Bsp. kleine Gruppen, präzise Bedarfsförderung,

geschulte Lehrer) an allen Schulen umgesetzt werden? Wie kann dies finanziell

verwirklicht werden?

• Bei inklusiven Bildungsprozessen müssen auch die Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter bedacht werden. Was müssen diese erhalten bzw. welche Fachlichkeit

erlernen, um inklusive Bildung umzusetzen.

• Schneller globaler Wandel. Wie kann man dabei mithalten?

• Wie kann Inklusion finanziell umgesetzt werden?

Anmerkung des Referenten: Es gibt zwei Möglichkeiten:

1. Inklusion als Sparversion.

oder

2. Wir können uns die Inklusion noch nicht leisten.

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6.3 Workshop-Inputs und -Ergebnisse

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PROTOKOLLBOGEN

WORKSHOP 2

Titel des Workshops

Referentin

Protokoll

Vielfalt leben und gestalten im Sozialraum

Andrea Rohkuß, Montagsstiftung

Studierende DHBW Stuttgart

1. Wesentliche Inhalte des Inputs (Redebeitrag, Impulsreferat etc.) durch den/die

ReferentInnen:

• Hintergrundinformation zur Referentin:

Andrea Rokuß, gelernte Sozialpädagogin, arbeitet bei der Montagsstiftung und

vertritt an diesem Tag den eigentlichen Referenten. Fr. Rokuß hat jahrelang bei

der Lebenshilfe gearbeitet. Sie hat sich auf die Spendengewinnung spezialisiert

und kombiniert das nun in ihrem Arbeitsalltag mit dem Inklusionsthema.

• Der Begriff „Inklusion“:

Angesprochen wurden verschiedenen Definitionen von Inklusion, zu denen die

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops sich mit ihrem Nebensitzer/

ihrer Nebensitzerin austauschen durften. Zusätzliche Leitfragen: Wer arbeitet bei

welchem Träger und in welcher Form gibt es dort bereits erste Schritte zur

Inklusion? Es fällt mehrmals das Stichwort der Vielfalt.

Im Anschluss wurde ein Film der Aktion Mensch mit dem Titel „Inklusion – Einfach

erklärt“ als Einstieg in das zu bearbeitende Thema gezeigt. Die zentralen

Aussagen dieses Films lassen sich wie folgt kurz zusammenfassen:

1. Inklusion beginnt im Kopf: Das bedeutet, dass Inklusion nur dort stattfinden

kann, wo es Menschen gibt, die sich in die Lage anderer Personen, z.B. mit

Behinderung, hineinversetzen können und wollen.

2. Barrieren entstehen im Kopf, z.B. weil wir uns zu wenig Gedanken darüber

machen (Barrieren durch Gedankenlosigkeit)

3. Inklusion vertritt die Idee, dass sich jeder frei entfalten kann. Dabei sollen

weder Barrieren in den Köpfen anderer Menschen, noch architektonischer Art

hinderlich sein.

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Zusammenfassend kann zum Thema der Definition von Inklusion festgehalten

werden, dass Inklusion den willkommenen Umgang mit Heterogenität

bezeichnet. Um den Inklusions-Gedanken in den Köpfen der Menschen

ankommen zu lassen, sollte der gesamte Inklusionsprozess entschleunigt werden.

Man muss sich Zeit nehmen, damit diese Werte auch ankommen, die man

vermitteln will.

Außerdem ist Inklusion als Prozess ganzheitlich zu betrachten, da sie sich auf alle

Lebensbereiche erstreckt. Nur durch die ganzheitliche Betrachtung können

gesamtgesellschaftliche Veränderungen erzielt werden.

Problematik: Wie erreicht man die Personen, die es betrifft?

• Der Index für Inklusion:

Inklusion kann in Anlehnung an Hinz (2009) als eine Vision beschrieben werden,

die in jeder Einrichtung sofort angegangen werden kann. Der Index für Inklusion

beschreibt Bedingungen der Erziehung und Bildung aller Kinder, ungeachtet ihrer

ethischen Gesinnung, ihres Geschlechts, einer Behinderung etc. Es geht nicht um

das OB, sondern um das WIE.

Angelehnt ist dieser Index an die UN-Behindertenrechtskonvention, die wiederum

an den Grundrechten orientiert ist.

Der Index für Inklusion entstand im Jahre 2000 in Großbritannien und wurde 2002

ins Deutsche übersetzt. 2011 wurde er für den kommunalen Bereich erstellt. Im

Laufe der Präsentation wurde deutlich, dass der Index sehr praxisnah orientiert ist.

• Der inklusive Prozess:

Der Prozess der Inklusion läuft in verschiedenen aufeinander folgenden Schritten

und auf unterschiedlichen Ebenen ab. Er beginnt zuerst bei der eigenen Person

und kann danach ausgeweitet werden. Die Ebenen lauten wie folgt:

- ich mit mir

- ich mit Dir

- wir

- wir und wir

- alle gemeinsam

Der Index hilft im Veränderungsprozess. Es wurden mehrere Phasen vorgestellt,

welche in der PPP nachgelesen werden können. Folgendes ist hinzuzufügen:

Wichtig ist, dass in den Veränderungsprozess ALLE INTERESSENGRUPPEN mit

einbezogen werden, beziehungsweise daran beteiligt werden. Die bestehende

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Situation sollte dabei gemeinsam analysiert werden. Die Einrichtungssituation

muss dabei ganzheitlich beleuchtet werden. Im Hinblick auf die Formulierung von

Zielen ist eine Offenheit aller Parteien für Probleme und Bedenken und eine

gemeinsame Reflektion unumgänglich. Die Ziele müssen kreativ und flexibel sein.

Erreichte Ziele sollten gefeiert und evaluiert werden. Die Referentin schlägt ein

gemeinsames Fest vor, bei welchem die Einrichtungssituation beleuchtet wird

und Dinge die gut liefen auch gefeiert werden.

2. Wesentliche Inhalte der Diskussion und des Austauschs im Workshop:

• Einbezug aller lokalen Gruppen in Aktivitäten der Einrichtung, ungeachtet von

Status, Beeinträchtigung, Geschlecht, Religion oder Herkunft

1. „Alle“ bezieht sich auf die an der jeweiligen Aktivität beteiligten Gruppen.

2. Es werden keine Unterschiede hinsichtlich des Einbezugs verschiedener

lokaler Gruppen gemacht.

3. Vorschlag der Referentin, wie man auch Kinder einbeziehen kann:

Logowettbewerb „Was bedeutet Inklusion für dich?“ und Kinder malen, was

sie sich darunter vorstellen.

• Einbezug aller Interessengruppen in wichtige Planungsschritte und

Entscheidungen

1. Einbezug aller Interessengruppen in Entscheidungen und Planungsprozesse

wird forciert.

2. Aktionen im Hinblick auf Kooperationen werden meist durch die

Behinderteneinrichtungen initiiert.

3. Erfahrung der Referentin: Auch Kritiker/Skeptiker sind wertvoll, da sie ggf. auf

mögliche Stolpersteine hinweisen.

• Schulungsangebote für alle MitarbeiterInnen zu Fragen der Gleichstellung

1. Es werden Inklusionsforen angeboten, in denen man sich mit Fragen der

Gleichstellung beschäftigt.

2. Netzwerkarbeit als zentraler Aspekt.

3. Die Teilnahme an Schulungsangeboten sollte für alle MitarbeiterInnen

verpflichtend sein.

4. Auch Menschen mit Behinderung sollten mit einbezogen werden in

Schulungsangebote.

5. Schulungsangebote sollten immer wieder entstehende neue Fragen

aufgreifen und dadurch einen Prozess der Inklusion anregen.

• Nutzung der vielfältigen Herkunft und Kultur der MitarbeiterInnen zur

Verbesserung der Leistungen und Angebote

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1. Wenig Nutzung im Alltag. Eher im Rahmen verschiedener Projekte.

2. Es besteht im Moment noch keine Notwendigkeit, sich im Alltag eingehend

mit dieser Thematik auseinander zu setzen, da bislang insgesamt wenige

MitarbeiterInnen anderer Herkunft in den Einrichtungen zu finden sind.

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PROTOKOLLBOGEN

WORKSHOP 3

Titel des Workshops

Referent

Protokoll

Beteiligungskultur im Veränderungsprozess

Katharina Hellriegel-Georgi, Schule Zukunft; Daniel Hager-

Mann, Kultusministerium Baden-Württemberg; Achim

Wegmer, Landesbehindertenbeirat

Studierende DHBW Stuttgart

1. Wesentlicher Inhalte des Inputs (Redebeitrag, Impulsreferat etc.) durch den/die

ReferentInnen:

Zwei Impulsreferate

1. Herr Hager-Mann Kulturministerium BW,

2. Frau Hellriegel-Georgi, Schule mit Zukunft

1. Input

Frage: Welcher Veränderungsprozess und wohin geht dieser?

• Impuls-Programm Bildungsregionen, im Mittelpunkt Inklusion und Übergänge (z.

B. Kita- Schule) Handelnde Personen müssen und sollen sich kennenlernen.

• Schwerpunktregion Mannheim, insgesamt 5 Schwerpunktregionen, ein

Anlaufpunkt für Eltern mit Kind mit Behinderung

• höhere Kenntnis von Schule und Schulleitung: Beispiel Grundschule Kinder aus

Einzugsgebiet gehören zur Schule

• Grundverständnis von Inklusion in Lehrerbildung

• eine verlässliche Stelle am Schulamt notwendig, an die sich Eltern immer wieder

wenden können, vom Zeitpunkt der Meldung bis zur Umsetzung. Beratend,

unterstützend als Ansprechperson im Prozess. Verlässliche Partnerschaft zwischen

Schule und Eltern

• „Blackbox“ Schule, Feststellung: Es gibt Barrieren im Informationsaustausch

• Frage: Wen braucht man alles, damit eine inklusive Schulung gelingt? U.a. Eltern

• alle Bereiche, die zur Schule gehören, müssen in den Blick genommen werden

• Veränderungsprozess als originäre Aufgabe der Schule, Netzwerke sollen auf

struktureller und systemischer Ebene angelegt sein > Ziel: Leistungen kommen

aus einer Hand.

• Eltern nicht als Bittsteller, sondern es sollte als selbstverständlich angesehen

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werden. Deswegen auch Umänderung in Mannheim: NICHT mehr Antrag auf

inklusive Schulung, sondern Meldung, da man einen Antrag „ablehnen“ kann.

• Vorteile der Inklusion werden bisher nicht erkannt. Alle gewinnen von Inklusion.

Inklusion in eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Denkweise/der Blick muss

sich weiten.

Rückmeldungen der Workshopteilnehmer zu Imput 1:

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o

o

o

Gesellschaft muss neue „inklusive“ Haltung einnehmen

Auch SonderschullehrerInnen müssen bereits sein kooperativ (im Tandem)

mit anderen Lehrkräften zu arbeiten

Es darf keine Schein-Außenklasse geben > Vorschlag Kontrollorgan einrichten

Keine Gelderverschwendung!

2. Input

• Deutschland ist Weltmeister im Separiere/Trennen. > Parallelgesellschaften. Diese

existieren bereits so lange, dass Eltern befürchten, dass ihre behinderten Kinder

auf einer allgemeinen Schule nicht ausreichend unterstützt und gefördert werden.

Aber Gesellschaft ist heterogen!

• Nicht nur Eltern von MmB, auch Eltern von MoB müssen für Inklusion gewonnen

werden.

• Notwendig: gelungene Beispiele zur Anschauung (als Vorbild)

• Rückmeldungen der Workshopteilnehmerinnen und Workshopteilnehmern zu

Imput 2:

o Frage: Wo können sich Einrichtungen Hilfe/Rat holen, wenn sie sich inklusiv

öffnen wollen? ( > Antwort Hr. Hager-Mann: Es gibt in BW einige

Beispielschulen, die bereits seit Jahren integrativ/inklusiv arbeiten)

2. Wesentliche Inhalte der Diskussion und des Austauschs im Workshop:

• Netzwerkarbeit

• Was vermitteln wir?

• Beratung im örtlichen Schulamt

• schulgesetzliche Veränderung

• Antrag auf inklusive Bildung, eventuell Umbenennung, Beispiel Mannheim:

Meldung

• sonderpädagogische Grundausstattung an den Schulen

• Gebäude den Bedürfnissen anpassen

• Engagement der Lehrer

• Ressourcenorientierung

• wissenschaftliche Begleitung nah an der Praxis: Was sind gute Systeme? Finesa

• Rat für Einrichtungen

• Ansprechpartner in Schulämter: Hospitationsmöglichkeiten

• Inklusion als Qualität (von Schule)

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• Inklusion sollte im Lehrplan enthalten sein

• Klassengröße

• das Überprüfungsverfahren vereinfachen

• Marketing zum Thema Inklusion

• es braucht eine klare Steuerung und klare Aussagen, zur Qualität, Assistenten

usw.

• Konzept, wie man Veränderung in Richtung allgemeiner Einrichtungen zu

organisieren

• Institutionalisierung von Beteiligung

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PROTOKOLLBOGEN

WORKSHOP 4

Titel des Workshops

Referentinnen

Protokoll

„So Geht`s“

Martina Heß, Torwiesenschule Diakonie Stetten;

Christina Speck, Integrative Kindertagesstätte

Lebenshilfe Karlsruhe, Ettlingen & Umgebung

Studierende DHBW-Stuttgart

1. Wesentliche Inhalte des Inputs (Redebeitrag, Impulsreferat etc.) durch den/die

ReferentInnen:

Der Workshop wurde durch zwei ReferentInnen eröffnet, die jeweils ihre Einrichtung und

deren Entstehung bzw. Entwicklung vorgestellt haben. In diesen wird bereits inklusiv

gearbeitet, wodurch gezeigt werden sollte "wie es geht". Die Ausführungen der

ReferentInnen wurden durch Fragen aus dem Plenum ergänzt.

Beide Einrichtungen werden im Folgenden getrennt dargestellt:

• Kita der Lebenshilfe Karlsruhe

Die Kindertagesstätte bietet eine Ganztagesbetreuung für Kinder im Alter von ein bis

sechs Jahren. Die Öffnungszeit beträgt zehn Stunden pro Tag.

Merkmale der inklusiven Kita:

Wohnortnähe, Lebensweltorientierung, bedarfsgerechte Öffnungszeiten,

Niederschwelligkeit des Angebots, 20 von 75 Plätzen für Kinder mit Behinderungen,

Ressourcenorientierung, Beziehungsarbeit, intensive Elternarbeit, individuelles

Lernen, Nutzen der Vielfalt, Zusammenarbeit mit anderen Institutionen,

Raumkonzept, Förderung musischer Fähigkeiten, BezugserzieherInnen,

gruppenübergreifende Angebote.

Die Kindertagesstätte umfasst fünf Gruppen mit jeweils 15 Kindern. Die Gruppen sind

altersmäßig gemischt und beinhalten auch jeweils vier Kinder mit Behinderungen.

Dabei beschränkt sich die Einrichtung nicht auf eine spezielle Form der Behinderung.

Die Kita will sich dabei "bunt und lebendig" präsentieren.

Die Anmeldung eines Kindes durch die Eltern erfolgt im Kindergarten bei einer

Ansprechperson, welche dann für die weiteren Schritte zuständig ist. Dadurch soll die

Niederschwelligkeit garantiert und es vermieden werden, dass sich Eltern von Kindern

mit Behinderung als "Bittsteller" bei verschiedenen Institutionen fühlen.

Die Beiträge sind für Kinder mit und ohne Behinderung gleich, was ebenfalls zur

Niederschwelligkeit des Angebotes beiträgt.

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Das Team der Kita besteht aus unterschiedlichen Fachkräften. So arbeiten

ErzieherInnen, HeilerziehungspflegerInen, Krankenschwestern, ErgotherapeutInnen,

u.a. interdisziplinär zusammen. Auch die Berufserfahrung der MitarbeiterInnen ist

unterschiedlich, was einen möglichst weiten Blickwinkel auf die betreuten Kinder

eröffnet. Die Fachlichkeit aus den einzelnen Bereichen wird dann in den

Gruppenalltag der Kita integriert, sodass nicht nur einzelne Kinder separiert gefördert

werden.

In der Kita gibt es darüber hinaus BezugsbetreuerInnen, welche den einzelnen

Kindern zugeordnet werden. Diese erstellen eine Förderplan, schreiben die

Entwicklungsberichte, etc. Eine Gruppenleitung existiert nicht, was charakteristisch für

die Gleichstellung aller MitarbeiterInnen ist.

Die Einrichtung arbeitet des Weiteren eng mit anderen Institutionen wie Kinderärzten

oder Therapeuten zusammen, was ebenfalls den Einfluss spezieller Fachbereiche

sicherstellen soll.

Dadurch, dass in der Kita Kinder mit und ohne Behinderung zusammen aufwachsen

und lernen, soll der Grundstein für eine inklusive Gesellschaft gelegt werden. Den

Kindern werden der respektvolle Umgang, die gegenseitige Unterstützung, sowie die

Akzeptanz von Menschen mit Behinderung vorgelebt.

Die Finanzierung des Personals wird zum größten Teil durch die Stadt getragen.

Dabei wurde von der Leitung der Kita eine Pauschale pro Kind mit Behinderung

ausgehandelt. Externe Therapeuten kommen auf Rezeptbasis in die Einrichtung.

Herausforderungen der Kita:

Eine große Herausforderung sei nach den Ausführungen der ReferentIn gewesen,

dass wenig gleichaltrige Kinder in einer Gruppe seien. Gleichzeitig führe dies jedoch

dazu, dass die jüngeren Kinder von den älteren Kindern lernen könnten.

Aufgrund des erhöhten Personalschlüssels bieten sich den Kindern außerdem

weniger Rückzugsmöglichkeiten als in anderen Kitas. Jedoch hat auch dies positive

Aspekte mit denen reflektiert umgegangen werden muss.

Die "Verschiedenheit" der Kinder sei in der Einrichtung weniger für die Kinder, als für

deren Eltern, eine Schwierigkeit. Hier müsse teilweise auch Aufklärungsarbeit

geleistet werden.

Erfahrungen der Kita:

Die ReferentIn betonte immer wieder, dass die individuelle Begleitung und Förderung

in den gemischten Gruppen besonders wichtig sei. Jedes Kind müsse die Möglichkeit

haben im eigenen Tempo zu lernen.

Die Kinder hätten dabei untereinander keine Vorurteile. Vielmehr seien diese

wissbegierig und würden sich um die Kinder mit Behinderungen fürsorglich

kümmern. Sie seien hilfsbereit und verständnisvoll.

Die lange Öffnungszeit von zehn Stunden und die wenigen Schließtage würden von

den Eltern begrüßt werden, weshalb das Angebot sehr gefragt sei.

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Wichtig für das Team der Kita sei es, eine offene Einstellung gegenüber Kindern mit

Behinderung, aber auch gegenüber MitarbeiterInnen aus anderen Fachbereichen

mitzubringen. Wertschätzung und der gegenseitiger Austausch müsse einen hohen

Stellenwert haben. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Diensten, Institutionen

und Kooperationspartnern sei für eine inklusive Kita wichtig.

• Die Torwiesenschule

Die ReferentIn verwies zu Beginn ihres Inputs auf die weit verbreitete Meinung, dass

in einer Schule nicht individuell unterrichtet werden könne.

Eine inklusive Schule erfordere jedoch gerade diese Zieldifferenzierung innerhalb

einer Klasse bzw. Lerneinheit. Hierfür müsse die Individualität eines jeden Menschen

betont und das Lehrpersonal pro Klasse erhöht werden.

Erschwert würde die Realisierung inklusiver Schulen vor allem durch die gegebenen

(politischen) Rahmenbedingungen.

Wie eine solche Schulform dennoch umgesetzt werden könne, beschrieb die

Referentin am Beispiel der Torwiesenschule der Diakonie Stetten e.V..

Diese ist eine Privatschule, die rein formal aus vier Schularten zusammengesetzt ist.

Sie besteht aus einer Grundschule, einer Sonderschule, einem Hort, sowie einer

Haupt- und Realschule. Alle Bildungsgänge befinden sich jedoch unter einem Dach.

SchülerInnen mit und ohne Behinderungen lernen hier gemeinsam und werden

individuell gefördert.

Innerhalb einer Klasse der Torwiesenschule werden SchülerInnen verschiedener

Bildungsgänge unterrichtet. Die Klasse besteht aus 28 SchülerInnen (22 Menschen

ohne und sechs Menschen mit Behinderung (MmB)). Das Lehrpersonal setzt sich aus

unterschiedlichen Fachbereichen zusammen, wobei in einer Klasse mehrere

LehrerInnen anwesend sind.

Einer Klasse stehen zwei bis drei Räume zur Verfügung, sodass MmB punktuell auch

speziell gefördert werden können. Gleichzeitig wird kein Frontalunterricht praktiziert.

Eine inklusive Schule müsse laut der Referentin andere Formen der Lernförderung

finden. Deshalb könne auch die Dauer der Teilnahme am Unterricht individuell

gestaltet werden.

Die Schule findet folglich nicht immer im Setting der gesamten Klasse statt. Teilweise

werden auch mehrere Stationen aufgebaut, an denen die Kinder je nach Interesse

und Fähigkeiten lernen können. Der Klassenverband bleibe dabei bestehen, sodass

Menschen mit und ohne Behinderung grundsätzlich zusammen lernen.

Bei Schwerstmehrfachbehinderung ist eine stundenweise Einzelbetreuung möglich.

Des Weiteren finden Aspekte der unterstützten Kommunikation Einfluss in den

Unterricht. Dies ermöglicht die Teilhabe von MmB im normalen Klassenverband.

Das Konzept der Torwiesenschule ermöglicht es individuell mit Stärken und

Schwächen der SchülerInnen umzugehen und die individuellen Ziele zu respektieren.

Die Angebote, welche teilweise in Kleingruppen stattfinden, orientieren sich an den

Bedürfnissen der Kinder. Da jeder Klasse mehrere Lehrer zugewiesen sind, können

diese sich dann aufteilen, sodass jeweils ca. 8 Schüler von einer Fachkraft

unterrichtet werden können.

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An freien Nachmittagen besteht für MmB auch die Möglichkeit einer

"lebenspraktischen Schulung". In diesen Zeiten werden dann beispielsweise Einkäufe

o.ä. trainiert.

Charakteristisch für das Konzept der individuellen Schule seien laut der Referentin

vor allen Dingen die praktizierte Methodenvielfalt und die Elementarisierung.

Sie betonte diesbezüglich auch, dass in der Torwiesenschule eine Sonderpädagogik

für alle stattfinde.

Positiv betont wurde auch die große Zufriedenheit aller MitarbeiterInnen der Schule.

Die interdisziplinäre Arbeit, der Austausch zwischen den verschiedenen

Fachbereichen und das "Team-Teaching" wurden als besonders wichtig dargestellt.

Schwierig hingegen sei die Arbeit mit den Ämtern. Es bestehe keine klare

Zuständigkeit, weshalb es immer wieder zu Schwierigkeiten mit der Finanzierung

und Verantwortung komme.

Die Referentin resümierte daher, dass die Rahmenbedingungen einer inklusiven

Schule zwar sehr schwierig seien, die guten Ergebnisse des Konzeptes aber für sich

sprächen.

2. Wesentliche Inhalte der Diskussion und des Austauschs im Workshop:

Im Anschluss an den Input der ReferentInnen fand ein verkürzter Austausch mit den

Teilnehmern des Workshops statt, da die Vorstellung der Einrichtungen viel Zeit in

Anspruch genommen hatte. Dabei wurden vor allem die Erfahrungen und Probleme aus

den jeweiligen Einrichtungen thematisiert. Als besonders problematisch stellte sich in

vielen Einrichtungen die Finanzierung weiterer Fachkräfte dar, die erst eine inklusive Kita

bzw. Schule ermöglichen.

Widersprüchlich seien dabei vor allem die Gesetzeslage und die Umsetzung dieser in der

Praxis. Häufig könnten keine Zuständigkeiten zwischen Träger, Land und Kommune

eindeutig geklärt werden. Diesbezüglich verwiesen die ReferentInnen und andere

TeilnehmerInnen darauf, dass man sich als Betroffene direkt an die zuständigen Stellen

wenden und dort seine Lage schildern solle. Auch eine Mitteilung an die übergeordneten

Träger erleichtere es diesen, Forderungen an die Politik umzusetzen. Wichtig sei es in

jedem Fall die Anfrage schriftlich zu formulieren.

Des Weiteren wurde die Kooperation mit Tagesmüttern für Kinder zwischen null und

sechs Jahren thematisiert. Diese könnten ein paralleles Angebot zu Kitas darstellen,

müssten aber fachspezifisch fortgebildet werden. Jedoch wurden mit dieser

Zusammenarbeit, besonders im Raum Stuttgart, bisher positive Erfahrungen gemacht.

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PROTOKOLLBOGEN

WORKSHOP 5

Titel des Workshops

ReferentInnen

Protokoll

Alle dabei! Vielfalt im Quartier

Renata D’Elia, Ehrenamtliche und Mutter; Nejla Duman,

Ehrenamtliche und Mutter; Gerhard Loewe,

Familienzentrum St. Josef gGmbH

Studierende DHBW Stuttgart

1. Wesentlicher Inhalte des Inputs (Redebeitrag, Impulsreferat etc.) durch den/die

ReferentInnen:

• Vorstellung und Begrüßung durch Gerhard Loewe (Familienzentrum St. Josef

Stuttgart)

• Frau D’Elia und Frau Duman (beide ehrenamtlich tätig) stellen sich jeweils in ihrer

Muttersprache vor Die Teilnehmer sollen sich kurz darüber austauschen,

welche Gefühle sie in dieser Situation hatten Erkenntnis: Nur Bruchteile konnte

verstanden werden, Überraschungseffekt für die Teilnehmer

• Das Familienzentrum existiert seit etwa fünf Jahren im Stuttgarter Osten (seit

2012 gefördert von der Stadt Stuttgart, davor von der Heinz und Heide Dürr

Stiftung), die Einrichtung St. Josef selbst gibt es schon seit 1925, sie hat als Kita

begonnen und sich dann weiter entwickelt zu Tagesgruppen, Angebote der

Erziehungshilfe etc.

• Arbeit im Familienzentrum: Sprache soll verstehbar sein (ethischer Code des

Early-Excellence-Center) Wir drücken uns so aus, dass die anderen uns

verstehen (keine unbekannten Abkürzungen etc.), bewusster Umgang mit

Sprache

• Schwerpunktangebote: Begegnung, Beratung und Bildung sind die Angebote,

die sich im Familienzentrum wiederfinden.

• Beratung: Im Rahmen des Elternfrühstücks sollte eine Beratung im Alltag

angeboten werden In der zweiten Stunde des Elternfrühstücks kommt ein

Sozialarbeiter, der dann beratend tätig wird, z. B. Anträge ausfüllen,

Schuldnerberatung, Bewerbungen schreiben etc.

• Die Beratung im Alltag hat eine sehr lange Anlaufzeit gebraucht, bis es genutzt

wurde Man muss immer die Initiative ergreifen, damit Dinge am Laufen

bleiben Den Eltern liegt das Familienzentrum am Herzen

• Bildung: Die beiden Mütter haben mittlerweile keine Scheu mehr davor, vor vielen

Leuten zu sprechen, Vorträge zu halten bestimmte Fähigkeiten werden

gefördert (Empowerment)

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• Bildungsmöglichkeiten aus dem kreativen und musischen Bereich werden

angeboten (Filzen, Musik, Tanz, Yoga etc.), ansonsten wird viel Bildungsarbeit in

der Kita geleistet

• Eltern sollen bestenfalls selbst als Anbieter auftreten, z. B. gibt eine

Englischlehrerin den Vorschulkindern Englisch-Unterricht.

• Es gibt Angebote für Eltern und/oder Kinder Kinder können in der Kita auch

länger betreut oder andere Betreuungsmöglichkeiten organisiert werden, damit

die Eltern Zeit haben, Angebote zu nutzen.

• Eltern helfen dementsprechend in der Kita aus, wenn Bedarf besteht bei

bestimmten Angeboten, wie z. B. Plätzchen backen, Ausflüge etc.

• Dem Familienzentrum ist es wichtig, dass die Eltern einbezogen und informiert

werden über die Arbeit der Kita (Early-Excellence), mittels Fotos o. ä.

• Individuelle Förderung der Kinder (die Pädagogen beobachten, arbeiten sehr

intensiv mit den Kindern und werten dies dann anschließend aus) Eltern

können daran partizipieren, z. B. bei Auswertungsgesprächen Eltern können ihr

Kind in einem anderen Licht betrachten und Eltern sehen, was die Pädagogen

professionell machen

• Early-Excellence drei Grundgedanken: Jedes Kind ist exzellent (in jedem Kind

gibt es angelegte Fähigkeiten), Eltern sind die Experten im familiären Alltag ihrer

Kinder (Erzieher und Eltern akzeptieren sich gegenseitig als Experten, arbeiten

zusammen), die Kita öffnet sich für den Stadtteil (Angebot ist nicht gebunden an

die Nutzung eines Kita-Platzes)

• Das Early-Excellence hat einen ressourcenorientierten Blick

Ressourcenorientierung beim Kind, bei den Eltern, bei den Mitarbeitern

• Arbeit muss auf Augenhöhe geschehen – ein ressourcenorientierter Blick kann

dies erleichtern

• Viele der Eltern treffen sich mittlerweile auch außerhalb des Familienzentrums

(„Wie eine kleine Familie“)

• Das Familienzentrum hilft, Familien zu vernetzen, Raum zu schaffen für

Begegnung: es gibt eine Vielfalt an Kulturen schafft neue Horizonte und

Erfahrungen

• Es werden nicht nur Kinder gefördert, es sollen auch Teilhabemöglichkeiten für

die Eltern geschaffen werden.

• Es kann eine große Verantwortung und Fürsorglichkeit gegenüber den

Räumlichkeiten des Zentrums können beobachtet werden.

• Authentizität/ Einsatz der Engagierten mit Herzblut bietet die Möglichkeit,

Politiker zu beeinflussen.

• Wie die beiden Mütter zum Engagement im Familienzentrum kamen:

Bei einer Infoveranstaltung zur Entstehung Familienzentrums interessierte sich

Frau Duman sehr für die Arbeit dort und hat sich anschließend der Projektgruppe

angeschlossen, welche aus Eltern und Mitarbeitern bestand. Sie wollte

mitarbeiten und sich engagieren, hat selber zwei Kinder. Seit 5,5 Jahren engagiert

sie sich mittlerweile dort.

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Frau D‘Elia ist seit gut vier Jahren dabei. Ihre Tochter besuchte die Kita St. Josef.

Frau D’Elia wurde von anderen Eltern angesprochen, das Elterncafé zu besuchen,

welches ihr gut gefallen und nach einiger Zeit war sie “einfach“ dabei. Später

besuchte sie auch das Elternfrühstück. Mittlerweile engagiert sich Frau D’Elia beim

Café sowie Frühstück

• Eltern waren häufig Türöffner (also eher ein „unspektakulärer und

unpädagogischer“ Rahmen)

• Beide Mütter waren anfangs zu Hause und fanden es deswegen gut, dass sie sich

mit anderen Eltern im Familienzentrum austauschen und mehr am

gesellschaftlichen Leben teilhaben konnten.

• Einspielen zweier Kurzfilme (Interviews) über engagierte Personen im

Familienzentrum:

Film 1: Mutter (ehemalige Lehrerin aus dem Kosovo) war aufgrund sprachlicher

Probleme zunächst sehr zurückhaltend, wurde aber gut aufgenommen im

Familienzentrum, konnte Kontakte knüpfen und auch ihr Deutsch verbessern

sowie die deutsche Kultur besser kennenlernen. Sie bekam ein Angebot für das

Programm „Kinder- und Familien“ und ist nun qualifizierte Mentorin. Sie hat ein

Jahr lang daran teilgenommen, sie hat eine Gruppe geleitet. Das Kifa-Programm

soll Familien mit Migrationshintergrund unterstützen, miteinander vernetzen,

deutsche Sprache verbessern etc. Sie selber hat sich dadurch sehr

weiterentwickelt, kann jetzt selbstbewusster auftreten etc. Sie wollte auch eine

verantwortungsvolle Aufgabe außerhalb der Familie haben Ziel: Wohlgefühl

der Mutter

• Film 2: Die Menschen kommen in der Regel wieder, wenn sie einmal da waren.

Freundschaften entstehen. Die Eltern motivieren einander zur Teilnahme/

Teilhabe.

2. Wesentliche Inhalte der Diskussion und des Austauschs im Workshop:

• Wie wurden die Eltern erreicht? Im Luftballon (Zeitschrift für Familienangebote)

wurde ein Dauerinserat geschaltet, es gibt an der Straße einen Schaukasten (es

muss keine Schwelle durch den Interessierten überschritten werden), Eltern

werben Eltern (z. B. über Stadtteilfeste) besonders wichtig, die Pädagogen in den

Kitas sprechen die Eltern an, schwarze Bretter im Haus, Beamer mit welchen in

vier Sprachen aktuelle Angebote vorgestellt werden, nur wenige Väter beteiligen

sich

• Findet da auch ein Generationenwechsel statt? Kommen neue engagierte Eltern

nach? Manche Eltern kommen auch noch, obwohl die Kinder nicht mehr in der

Kita sind. Bestimmte neue Angebote ziehen auch neue engagierte Eltern heran

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z.B. Baby-Massage, wird von vielen (neuen) Eltern genutzt, die dann evtl. in

Familienzentrum bleiben

• Gelingt es, Eltern zu erreichen, die im Rahmen der Kita eher nicht erreicht werden

können? Das beste Mittel ist, wenn Eltern andere Eltern werben.

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Workshop-Input Peter Hudelmaier-Mätzke

Kompetenzdimensionen professionell Handelnder in inklusiven Angeboten

(orientiert an Wocken 2011: Das Haus der inklusiven Schule; S.199-242)

Was professionell Handelnde verlernen müssen:

• Status- und Eigenschaftsorientierung … weil „Behinderung“ so nur als

situationsübergreifendes, unveränderliches (biologisches)

Persönlichkeitsmerkmal verstanden wird

• Defizit – und Defektorientierung … als negative Abweichung der Norm mit allen

identitätsverletzenden und diskriminierenden Folgen.

• Förder- und Fürsorgeorientierung…., weil sie tendenziell Abhängigkeit, Over-

Protektion, und Förderaktionismus befördert. Dazu steht oftmals Rehabilitation,

„Heilung“ und „Kompensation“ unter „Fremdregie“ als Zielsetzung fest.

Kompetenzen, die MitarbeiterInnen schon können oder lernen sollten. (dabei

können Teams sinnvollerweise aus Handelnden mit unterschiedlich vertieften

Kompetenzschwerpunkten bestehen…)

1. Personale Kompetenz / Selbstkomptenz:

Hier geht es um die persönliche Beziehung der Handelnden zu Inklusion und

Heterogenität: Vorkenntnisse, Meinungen und Überzeugungen, Vorurteile,

Positionen, Selbstkonzepte u.ä.

2. Aufgabenkompetenz:

Im Bildungsbereich lassen sich 4 Unterkategorien bilden

• Erziehung

• Unterricht

• Diagnose

• Förderung

3. Kooperative Kompetenzen

Dazu zählen Teamarbeit und – entwicklung, Aufgabenverteilung,

interdisziplinäre Zusammenarbeit, kollegiale Beratung

4. Systemische Kompetenzen

Wichtige Aspekte sind Sozialraumorientierung, Organisationsentwicklung,

Elternarbeit, Sozialpartnerschaften,

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PROTOKOLLBOGEN

WORKSHOP 6

Titel des Workshops

Referent

Protokoll

Vielfalt und Professionalität

Peter Hudelmaier-Mätzke, PH Ludwigsburg

Studierende DHBW Stuttgart

1. Wesentlicher Inhalte des Inputs (Redebeitrag, Impulsreferat etc.) durch den/die

ReferentInnen:

• Kurze Vorstellung der Thematik und des Redners

2. Wesentliche Inhalte der Diskussion und des Austauschs im Workshop:

• Die Teilnehmer skizzierten ihre eigenen Aufgabenfelder und ihre

Zusammenarbeit mit anderen Professionen. Anschließend fand eine kurze

Auswertung statt. Dabei wurde unter anderem genannt, dass

Nebenqualifikationen zu wenig bedacht werden, Berufskompetenzen nicht mehr

klar getrennt werden können und inklusive Entwicklungen alle Mitarbeiter (auch

Hausmeister, Sekretärin etc.) einschließen müssen.

• Die Teilnehmer wurden gebeten sich einer von acht verschiedenen Aussagen, die

auf den Boden verteilt wurden, zuzuordnen. Daraus bildeten sich 4

Diskussionsgruppen. Anschließend wurde den anderen Teilnehmern eine

Zusammenfassung der jeweiligen Diskussion vorgestellt. Die wichtigsten Punkte

sind: Berührungs- und Dialogfähigkeit, ein Bewusstsein für die Trägheit des

Systems zu schaffen und Selbstreflektion. Eine Professionalität sollte entwickelt

werden, die Denkmechanismen entlarvt. Fort- und Weiterbildungen und der

Austausch zwischen den Professionen wurden außerdem als weitere wichtige

Punkte benannt.

• Die Teilnehmer des Workshops gaben eine Einschätzung von (sonder-)

pädagogischen Kompetenzen hinsichtlich der Passung für inklusive Arbeit auf

einem Arbeitsblatt ab. Auch hier wurde die Zusammenarbeit zwischen den

Professionen als wichtiger Faktor genannt. Die Berufsidentitäten sollen

aufgebrochen und die jeweils anderen Berufsgruppen anerkannt werden.

Multiprofessionalität in Schulen bringt eine Vielfalt von Kompetenzen die sich

positiv auf die Bedürfnisbefriedigung der Kinder auswirken kann.

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