Grünordnungsplan - Lindenfels

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Grünordnungsplan - Lindenfels

BAULEITPLANUNG

DER STADT LINDENFELS,

ORTSTEIL WINTERKASTEN

GEWERBEGEBIET „BIRKENFELD“

Grünordnungsplan

Stand: 6. September 2013


B’ Plan „Birkenfeld“ der Stadt Lindenfels, OT Winterkasten Grünordnungsplan 2

Inhaltsverzeichnis:

Seite:

1. Einleitung .................................................................................................3

1.1 Ziel der Planung ....................................................................................4

1.2 Geltungsbereich des Bebauungsplans ................................................14

2. Planungsrechtliche Situation ....................................................................5

2.1 Regionalplan .........................................................................................5

2.2 Flächennutzungsplan ............................................................................5

2.3 Landschaftsplan ....................................................................................5

2.4 Schutzausweisungen.............................................................................5

3. Bestandserfassung der Naturraumpotentiale…........................................6

3.1 Naturräumliche Einheit, Relief ...............................................................6

3.2 Geologie und Böden..............................................................................6

3.3 Wasser ..................................................................................................7

3.4 Klima/ Luft .............................................................................................7

3.5 Arten und Biotope..................................................................................7

3.6 Landschaftsbild/Erholung ....................................................................10

4. Ermittlung der Eingriffe und deren Auswirkungen ..................................13

4.1 Boden ..................................................................................................13

4.2 Wasserhaushalt...................................................................................14

4.3 Klima ...................................................................................................14

4.4 Arten und Biotope................................................................................14

4.5 Landschaftsbild/ Erholungswert...........................................................14

5. Landschaftsplanerische Zielvorstellungen..............................................15

5.1 Bodenpotential ....................................................................................15

5.2 Wasserpotential...................................................................................15

5.3 Klima/ Luft ...........................................................................................15

5.4 Arten- und Biotoppotential ...................................................................16

5.5 Landschaftsbild und Erholung .............................................................16

6. Maßnahmen zur Vermeidung, Minimierung und Ausgleich ....................17

6.1 Maßnahmen zur Vermeidung von Eingriffen .......................................17

6.2 Minimierungsmaßnahmen ...................................................................17

6.3 Ausgleich der unvermeidbaren Eingriffe..............................................18

7. Bilanzierung von Eingriff und Ausgleich .................................................21

8. Fazit .......................................................................................................21

Anlage 1:

Eingriffs- und Ausgleichsbilanz nach der Hessischen

Kompensationsverordnung

Anlage 2: Bestandsplan im Maßstab 1: 1.000


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1. Einleitung

Die Stadt Lindenfels plant im Ortsteil Winterkasten, im Anschluss an vorhandene

Bebauung eine Gewerbegebietserweiterung, um einer dort ansässigen Firma für

Schleiftechnik eine Betriebserweiterung und – umsiedlung zu ermöglichen.

Grundsätzlich ist es in Lindenfels und den Ortsteilen problematisch, geeignete

Siedlungs- und Gewerbeflächen zu finden, da entweder Wasserläufe und Talauenbereiche

oder Hangneigungen bzw. exponierte Lagen eine Bebauung erschweren.

Hinsichtlich der Standortfestlegung für die Firma Kopp Schleiftechnik GmbH wurde

im Vorfeld der Bauleitplanung eine Standortanalyse durch Sartorius Architekten

durchgeführt. Von den untersuchten 8 Standorten (Standort 2 und Standort 6 mit

jeweils einer Alternative in unmittelbarer Nachbarschaft) hat sich letztendlich ein

Standort herausgestellt, der aus der Sicht der Landschaftsplanung sowie aus

eigentumsrechtlichen Gründen als geeignet angesehen wird. Von den beteiligten

Fachbehörden wurde dieser Standort favorisiert.

Der Bereich des Bebauungsplans „Birkenfeld“ liegt am westlichen Ortseingang von

Winterkasten, an der Kreisstraße 78, auf der gegenüberliegenden Seite des

gegenwärtigen Gewerbebetriebs der Firma Kopp.

Für die planungsrechtliche Abwicklung ist der Flächennutzungsplan (FNP) zu

ändern und parallel zu diesem Verfahren ein Bebauungsplan aufzustellen.

Luftbild: der Geltungsbereich des Bebauungsplans „Birkenfeld“ und der Kompensationsfläche


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1.1 Ziel der Planung

Ziel des Bebauungsplans ist es, die Erweiterung und Umsiedlung der Firma Kopp

Schleiftechnik GmbH zu ermöglichen, um die Weiterentwicklung des Gewerbebetriebs

am Standort Winterkasten zu gewährleisten. Der Betrieb hat derzeit rund

40 Mitarbeiter, die größtenteils aus Lindenfels, Winterkasten oder der näheren

Umgebung kommen. Die Stadt Lindenfels hat daher das Ziel, diesen Betrieb durch

einen neuen Standort zu sichern. Der gegenwärtige Betrieb der Firma liegt südlich

der Kreisstraße 78, am westlichen Ortseingang von Winterkasten, innerhalb des

rechtskräftigen Bebauungsplans „Am Raupenstein“. Die geplante Erweiterungsfläche

befindet sich nördlich der K 78, in nur etwa 60 m Entfernung.

Das Gewerbegebiet „Ochsenweide“ befindet sich noch im Stadium der Planreife

und grenzt im Nordosten an. Beide Gebiete sollen durch eine gemeinsame

Stichstraße erschlossen werden. Geplant ist, beide Bebauungspläne parallel zur

Rechtskraft zu bringen.

Die Ver- und Entsorgungseinrichtungen sind bis zur Gebietszufahrt bereits

vorhanden, so dass die Erschließung gesichert ist.

Da der Flächennutzungsplan in diesem Bereich keine Gewerbeflächen, sondern

landwirtschaftliche Nutzflächen ausweist, ist der FNP parallel zum Bebauungsplan

zu ändern.

1.1 Geltungsbereich des Bebauungsplans

Der Geltungsbereich des Bebauungsplans umfasst Grundstücke am westlichen

Ortseingang von Winterkasten und betrifft die Flurstücke Nr. 579/1 und 580 in der

Flur 1 mit einer Gesamtgröße von 10.774 m².

Als Fläche zur Umsetzung von Ausgleichsmaßnahmen steht dem Gewerbebetrieb

ein weiteres Grundstück, Flurstück Nr. 576 in der Flur 1, von 6.284 m² Größe in

unmittelbarer Nähe zur Verfügung (s. Luftbild, S. 3).


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2. Planungsrechtliche Situation

2.1 Regionalplan

Im Regionalplan Südhessen 2010 ist der Geltungsbereich des Bebauungsplans als

„Vorranggebiet für die Landwirtschaft“ und als „Bereich für die Grundwassersicherung“

dargestellt.

2.2 Flächennutzungsplan

Der rechtskräftige Flächennutzungsplan (FNP) weist das Plangebiet als „Fläche für

die Landwirtschaft“ aus. Daher wird der FNP parallel zum Bebauungsplan geändert.

Der FNP enthält aufgrund der ausgeprägten Topographie der Stadt Lindenfels und

der Ortsteile auch das städtebauliche Ziel, Flächen zur Verlagerung oder Erweiterung

örtlicher Gewerbebetriebe am Rand der Ortslagen ausweisen zu können.

Dadurch werden langfristige Erweiterungsmöglichkeiten eröffnet und eine gute

Verkehrsanbindung genutzt.

2.3 Landschaftsplan

Der Landschaftsplan liegt als Entwurf von 1994 vor und wurde nicht genehmigt.

Der Landschaftsplan ist daher als Gutachten einzuschätzen, der jedoch grundsätzliche

Aussagen zu den natürlichen Gegebenheiten sowie Landschaftsbild und

Erholung enthält.

2.4 Schutzausweisungen

Im südlichen Teilbereich des Bebauungsplans ist ein Streuobstbestand vorhanden.

Die Bäume sollen erhalten und gepflegt werden.

Somit werden die Vorgaben des Regierungspräsidiums eingehalten, ein nach § 30

Abs. 1 BNatSchG i V m § 13 Abs. 1 HAGBNatSchG gesetzlich geschütztes Biotop

zu erhalten.

Der Geltungsbereich des Bebauungsplans liegt innerhalb der Schutzzone III eines

Trinkwasserschutzgebietes.


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3. Bestandserfassung der Naturraumpotentiale

3.1 Naturräumliche Einheiten, Relief

Lindenfels liegt im Vorderen Odenwald, in der Übergangszone zwischen der Neunkirchner

Höhe und dem Weschnitztal. Nord- und Ostgrenze des Stadtgebiets sind

gleichzeitig Kreisgrenzen: Im Norden grenzt der Kreis Darmstadt- Dieburg an, im

Osten der Odenwaldkreis.

Lindenfels gehört zum Vorderen Odenwald, der durch ein sehr verzweigtes

Gewässernetz und dadurch bedingt durch ein vielfältiges Kleinrelief geprägt ist.

Der Ortsteil Winterkasten kann der Untereinheit „Neunkirchner Höh- Odenwald“

zugeordnet werden, der nördlich des Ortsteils einen hohen Waldanteil aufweist.

Die weniger stark geneigten Hanglagen ermöglichen hier eine intensive

landwirtschaftliche Nutzung.

Darüber hinaus ist Winterkasten durch die Waldhufen gekennzeichnet, d. h. vom

Ort ausgehend bis an die Gemarkungsgrenze bzw. bewaldete Höhen reichende,

streifenweise und parallel zueinander verlaufende Parzellierung der Grundstücke

entsprechend der früheren Eigentumsverhältnisse.

3.2 Geologie und Böden

Lindenfels liegt im Bereich des kristallinen Odenwaldes mit einem Anteil von etwa

2/3 Granit und 1/3 Diorit. Diese Gesteine verwittern zu lehmig- grusigem Sand bis

zu sandig- grusigem Lehm. Der Steinanteil liegt bei 40- 50 % des durchwurzelbaren

Bodenvolumens. Häufig sind Geröll- oder Blockauflagen vorhanden.

Böden

Die Bodenbildung hängt von dem geologischen Ausgangsmaterial sowie den

hydrologischen und klimatischen Verhältnissen ab. Aufgrund der dynamischen

Entstehungsbedingungen wechseln das Substrat und die Schichtung oftmals

kleinräumig.

Bodenart: mittelgründige, sandige Lehm- bis tonige Lehmböden auf basenreichem

Gestein (Diorit)

Bodentyp: überwiegend Braunerden hoher bis mittlerer Sättigung

Merkmale: günstige mineralische Zusammensetzung, reich an Kali und Phosphorsäure,

wenig verfügbarer Kalk.

Aufgrund eines genügend hohen Lehmanteils ist eine ausreichende Wasserversorgung

vorhanden.


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3.3 Wasser

Durch die hydrogeologischen Merkmale kommen im kristallinen Odenwald

besonders viele Quellaustritte, feuchte Quellmulden und Nasswiesen vor, mit einer

hohen Wertigkeit für Flora und Fauna. Diese Vielzahl an Quellen bildet eine

wichtige Grundlage für die Wasserversorgung. Die Grundwasserreserven stellen

die Grundlage für die Eigenversorgung mit Trinkwasser sicher und sind daher

besonders zu schützen.

Das Gebiet liegt in der Wasserschutzzone III eines Trinkwasserschutzgebietes.

Quellaustritte und Fließgewässer sind im Planungsraum nicht vorhanden.

3.4 Klima

Die Stadt Lindenfels liegt im Klimagebiet der südhessischen Mittelgebirge, unter

dem Einfluss vorwiegend westlicher Luftströmungen. In Lindenfels herrscht das

Klima einer typischen Hanglage im Mittelgebirge vor. Im Tagesverlauf sind nur

geringe Schwankungen der Lufttemperatur und der Luftfeuchtigkeit zu verzeichnen.

Nebel tritt nur selten auf.

Durch diese Eigenschaften ist das Klima als Schonklima einzustufen, das

zumindest in den Sommermonaten nur geringe Klimareize aufweist.

Bioklima

Durch den tagsüber gut ausgeprägten Luftaustausch ist es in der warmen

Jahreszeit in Lindenfels etwas kühler als es aufgrund der Höhenlage erwarten ist.

Der Deutsche Wetterdienst hat zusammenfassend festgestellt, dass belastende

Klimafaktoren wie „sommerliche Wärmebelastung“ und „Luftverunreinigung“ in

Lindenfels und den Ortsteilen so niedrig sind, dass der Stadt eine klimatische

Begünstigung bescheinigt werden kann.

3.5 Arten und Biotope

Vegetation

Unter der heutigen potentiellen Vegetation (HPNV) sind die Pflanzengesellschaften

zu verstehen, die sich ohne menschliche Eingriffe und Einflüsse im Laufe

von Jahren entwickeln würden. Sie entstehen aus den natürlichen Umweltfaktoren

wie Untergrund, Bodenart, Relief, Höhenlage, Wasserhaushalt und Klima. Die

Kenntnis der HPNV ermöglicht bei Pflanzmaßnahmen die Auswahl

standortgerechter heimischer Arten. Im Geltungsbereich würde sich ohne menschliche

Einflüsse ein Perlgras- Buchenwald einstellen.


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Die reale Vegetation gibt die aktuelle Nutzung oder den Biotoptyp wieder.

Im Vorhabensgebiet finden sich folgende Biotoptypen:

• landwirtschaftliche Nutzflächen (Acker)

• Grünland

• Hecken (Kompensationsfläche)

• alter Streuobstbestand (ein nach § 30 Abs. 1 BNatSchG i V m § 13 Abs. 1

HAGBNatSchG gesetzlich geschütztes Biotop)

• geschotterter Feldweg

blühender Apfelbaum im Mai 2013

Streuobstbestand aus östlicher Richtung gesehen (August 2013)


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Auf dem Luftbild (S. 3) ist zu erkennen, dass der gesamte Bereich landwirtschaftlich

genutzt wird. Räumlich strukturierende und ökologisch wirksame

Gehölzbestände sind innerhalb des Geltungsbereichs des Bebauungsplans nur im

Bereich der Streuobstwiese vorhanden.

Die Ausgleichsfläche liegt als Grünland zwischen dem Waldrand im Westen und

Hecken im Norden und Osten des Grundstücks.

Die Bedeutung der im Bearbeitungsgebiet vorhandenen Ackerflächen für die Flora

wird aufgrund der intensiven Bewirtschaftung (häufige Bodenbearbeitung,

Düngung und Verwendung von Pflanzenschutzmitteln) als gering eingestuft.

Das Grünland wird als zweischürige Wiese genutzt und ist pflanzensoziologisch

den Glatthaferwíesen zuzuordnen.

Auf den hochstämmigen Obstbäumen wurden zahlreiche Flechten nachgewiesen.

Nach der Bundesartenschutzverordnung sind 8 Blatt- und Strauchflechtarten, die

dort festgestellt wurden, besonders geschützt. Nach der Roten Liste von

Deutschland (oder Hessen) sind 4 Arten als gefährdet eingestuft.

Im Planungsbereich wurden 85 Gefäßpflanzenarten nachgewiesen, jedoch außer

den Flechten keine besonders geschützten oder gefährdeten Arten (s. Artenschutzgutachten

D. Bernd, Lindenfels, vom 2. September 2013).

Grünland im Bereich der Streuobstwiese

Fauna

Als planungsrelevant wurden die nachgewiesenen Vogelarten eingestuft.

Insbesondere die Brutvogelarten sind zu berücksichtigen, für die Vermeidungsund

Ersatzmaßnahmen festzulegen sind (Blaumeise, Grünfink, Amsel). Die im

Artenschutzgutachten aufgeführten Vogelarten sind hauptsächlich innerhalb der


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Streuobstbestände anzutreffen. In den Obstbäumen wurde drei Höhlen festgestellt;

in einem Baum hat im Untersuchungszeitraum eine Blaumeise gebrütet.

Außerhalb des Geltungsbereichs des Bebauungsplans konnte der Neuntöter

beobachtet werden.

Streng geschützte Vogelarten wurden nicht nachgewiesen.

Zu den untersuchten Arten gehörten auch die Heuschrecken. Als Rote- Liste- Art

(3) konnten die Sumpfschrecke und als Rote- Liste- Art (V) der Weißrandige Grashüpfer

nachgewiesen werden. Unter den untersuchten Käfern, Bienen und

Schmetterlingen wurden keine besonders oder streng geschützten Arten festgestellt.

Es wurden lediglich regelmäßig vorkommende Arten beobachtet, die auch

im Umfeld vorhanden waren (s. Artenschutzgutachten D. Bernd, Lindenfels vom 2.

September 2013).

3.6 Landschaftsbild und Erholung

Bei der Bewertung des Landschaftsbildes handelt es sich um die Betrachtung der

ästhetischen Qualität der Landschaft und ihrer Eignung für die landschaftsbezogene

Erholung. Die Menschen haben Anspruch auf reine Luft, biologische

Vielfalt und geeignete Erholungsgebiete.

Als Zielsetzung von Naturschutz und Landschaftspflege werden im § 1 (4)

BNatSchG die nachhaltige Sicherung und Entwicklung der Vielfalt, Eigenart und

Schönheit sowie des Erholungswertes von Natur und Landschaft benannt. Vielfalt

und Eigenart der Landschaft wird nicht über das Landschaftsbild allein, sondern

auch durch die vorhandenen Lebensräume, durch das Vorkommen von Arten und

Lebensgemeinschaften und in Kulturlandschaften auch durch die typische Nutzung

geprägt.

Unter Eigenart werden die Besonderheiten zusammengefasst, die einen Landschaftsraum

in seiner landschafts- und kulturhistorischen Entwicklung ausmachen

und ihm ein unverwechselbares Aussehen geben. Die für den Naturraum typischen

Elemente und Nutzungen bestimmen den Charakter, der die Eigenart ausmacht.

Unter Vielfalt versteht man die Dichte von verschiedenen Nutzungen und Strukturen

auf den jeweiligen Raum bezogen. Je mehr verschiedenen Nutzungen,

Randbereiche und gliedernde Elemente vorhanden sind, desto vielfältiger ist die

Landschaft.

Eine abwechslungsreiche und vielgestaltige Landschaft wird als anregend und

bereichernd empfunden.

Die Schönheit einer Landschaft ist ein abstrakter Begriff, denn Schönheit wird von

jedem Menschen anders empfunden. Dazu allgemein gültige Kriterien aufzustellen,

ist kaum möglich. Daher wird die Schönheit der Landschaft nicht als

Einzelkriterium gewertet, sondern als Zusammenfassung aller Funktionen.


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Die Landschaft von Lindenfels, im kristallinen Odenwald gelegen, ist durch die

Bachtäler stark gegliedert. Die schmalen Auebereiche und teilweise steilen Hänge

prägen die Landschaft. Der Burgberg in Lindenfels und der Krehberg bei Seidenbuch

sind weithin wahrnehmbar. Zwischen der Neunkirchner Höhe mit 605 m üNN

und dem Schlierbachtal mit 205 m üNN liegen fast 400 m Höhenunterschied.

Winterkasten hat gegenüber den anderen Ortsteilen eine weniger ausgeprägte

Topographie. Die flacher geneigten Hänge in Verbindung mit relativ guten Böden

ermöglichen eine Ackernutzung. Die Landschaft im Umfeld des Geltungsbereichs

des Bebauungsplans ist durch flache Hanglagen geprägt. Dadurch bedingt eignen

sich diese Flächen eher für eine landwirtschaftliche Nutzung, vor allem Ackerbau.

Blick von der Streuobstwiese in westliche Richtung

Im Planungsraum westlich von Winterkasten sind daher größere intensiv bewirtschaftete

Grundstücke vorzufinden. Streuobstwiese, gliedernde Hecken und

Feldgehölze mit hohem Wert für den Arten- und Biotopschutz sind eher nordöstlich

des Geltungsbereichs vorhanden. Naturnahe Gehölzstrukturen sind im westlichen

Anschluss an den Geltungsbereich des Bebauungsplans vorhanden, der Wald auf

der Kuppe des Raupensteins liegt rund 100 m entfernt.

Die Landschaft im Raum Lindenfels, auch Winterkasten ist nicht durch ausgebaute

Fernstraßen oder Freileitungstrassen beeinträchtigt.

Erholung

Lindenfels ist einer der wichtigsten Fremdenverkehrsorte im Kreis Bergstraße. Die

Stadt liegt im nahen Einzugsbereich der Verdichtungsräume Rhein/Main und hat

daher eine wesentliche Bedeutung nicht nur für die Naherholung, sondern auch für

längere Ferienaufenthalte.


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Die Erholungseignung der Landschaft ist daher für Lindenfels und die Ortsteile

besonders wichtig und langfristig zu sichern. Die kleinstrukturierte Topographie in

Verbindung mit kleinteiligen Grundstückszuschnitten und der Vielfalt an landschaftsgliedernden

und raumbildenden Strukturen bieten einen hohen Erlebniswert.

Die zahlreichen Randstrukturen wie Waldränder, Hecken und Feldholzinseln

haben einen wesentlichen Anteil daran.

Bedingt durch den Waldanteil von 37 % hat die Landschaft einen offenen

Charakter bewahrt, was an vielen exponierten Stellen eine Fernsicht ermöglicht.

Die abwechslungsreiche Topographie und die Vielzahl der Ausblicke machen den

hohen Erlebniswert der Landschaft aus.

Blick von Südosten (Streuobstwiese) auf den Raupenstein

Blick von Westen auf den Planungsbereich


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4. Ermittlung der Eingriffe und deren Auswirkungen

Innerhalb des geplanten Gewerbegebiets wird ein Abstand der überbaubaren

Fläche von 20 m zur Kreisstraße eingehalten. Der überwiegende Teil der

Obstbäume liegt innerhalb dieses Streifens.

Nach Süd- und Nordwesten ist ein 5 m breiter Grünstreifen zur Einbindung in die

Landschaft vorgesehen. Nach Osten sollen zukünftige Entwicklungen ermöglicht

werden, daher ist hier keine Eingrünung geplant.

Das Maß der baulichen Nutzung wird mit der Grundflächenzahl (GRZ) von 0,8

festgelegt. Somit können maximal 80 % der Gesamtfläche versiegelt werden.

Die mit der Umsetzung des Bebauungsplans voraussichtlich verbundenen Eingriffe

in Natur und Landschaft liegen in der Flächenversiegelung durch die geplanten

Gebäude, Stellplätze, interne Fahrbahnen, etc. von insgesamt 8.620 m².

Konfliktanalyse: Der § 1 (3) BNatSchG benennt die Aspekte des Naturschutzes

und der Landschaftspflege, die als Schutzgüter zu berücksichtigen und zu

bewerten sind. Die Auswirkungen der vorgesehenen Eingriffe auf den Naturhaushalt

und das Landschaftsbild werden in den folgenden Abschnitten auf das

jeweilige Schutzgut bezogen abgehandelt.

4.1 Boden

Mit der Errichtung der geplanten Gebäude, den Nebenanlagen, den Stellplätzen

und der internen Verkehrsflächen wird Boden mit seinen vielfältigen Funktionen für

den Naturhaushalt vernichtet. Entscheidend bei der Versiegelung offener Böden ist

der Verlust der wichtigen Funktion der Böden als Filter von Schadstoffen, der

Verlust der Speicherfunktion der Böden für Niederschlagswasser sowie die

Funktion der Böden als Standort von Lebensräumen für Pflanzen und Tiere, die

ebenfalls nicht mehr erfüllt werden kann.

Allerdings sind auch die Vorbelastungen durch die Verwendung von Dünger und

Pestiziden zu berücksichtigen, die sich nach der Versiegelung nicht mehr negativ

auswirken.

Die Auswirkungen in Stichworten:

• Verlust von Lebensräumen für Pflanzen, Tiere und bodenbewohnende Mikroorganismen

• Verlust der belebten Oberbodenschicht, demzufolge Verhinderung der für die

natürlichen Stoffkreisläufe wichtigen Austauschprozesse

• Verlust der natürlichen Filterleistung zur Reinigung von Oberflächenwasser

• Verlust an wertvollem Boden für die landwirtschaftliche Produktion


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4.2 Wasserhaushalt

Die mit den Baumaßnahmen verbundenen Eingriffe in Bezug auf den Wasserhaushalt

sind in der Versiegelung der Böden begründet.

Die Grundwasserneubildung ist unter den versiegelten Flächen nicht mehr möglich

und Schadstoffe können nicht mehr gefiltert werden. Der Umfang des Eingriffs ist

auf die zu erwartende Versiegelungsrate zurückzuführen.

Die Auswirkungen im Einzelnen:

• Abnahme der versickerungsfähigen Fläche

4.3 Klima

Mit der vorgesehenen Bebauung werden die klimatischen Gegebenheiten innerhalb

des Planungsgebiets verändert. Bislang offene Flächen sollen überbaut

werden. Die neuen Baukörper und die Erschließungsflächen erwärmen sich

wesentlich stärker als die derzeit vorhandenen Acker- und Grünlandflächen, was

insgesamt zu einer Veränderung des Wärme- und Strahlungshaushalts des

Gebiets führt.

Die Auswirkungen in Stichworten:

• Verminderte Luftverbesserung und –filterung durch Verlust von Vegetationsflächen

• Erhöhung der Wärmespeicherung und – abstrahlung

• Abnahme der Luftfeuchtigkeit

4.4 Arten und Biotope

Durch die geplante Bebauung kommt es zu Nutzungsveränderungen der vorhandenen

landwirtschaftlichen Flächen, die bis zu 80 % bebaut werden können.

Mit folgenden Auswirkungen ist zu rechnen:

• Verlust von gering bedeutsamen Lebensräumen (Acker/Grünland) für Flora

und Fauna

4.5 Landschaftsbild/ Erholungswert

Die Eingriffe in das Landschaftsbild sind bedeutend, da mit der geplanten

Bebauung der Ortsrand weit nach Westen verlagert wird und das Gelände zudem

nach Westen ansteigt.

Mit folgenden Auswirkungen ist zu rechnen:

• Veränderung des überwiegend landwirtschaftlich geprägten Bereichs westlich

von Winterkasten durch Erweiterung bestehender baulicher Anlagen in den

Außenbereich


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5. Landschaftsplanerische Zielvorstellungen

Aus der Bestandsaufnahme und der Darstellung der vorgesehenen Eingriffe

werden landschaftsplanerische Zielvorstellungen entwickelt, die Mindestanforderungen

für die geplanten Maßnahmen aufzeigen. Im Folgenden werden die Ziele

auf die jeweiligen Naturraumpotentiale bezogen, aufgeführt:

5.1 Bodenpotential

Die Zielvorstellungen: Erhalt und Schutz des Bodens sowie flächensparende Inanspruchnahme

des Bodens (als Maßnahme zur Wasserfilterung, als Lebensraum

für Bodenlebewesen und als Standort für Vegetation) können erreicht werden

durch:

• Sicherung und Wiederverwendung des Oberbodens nach Abschluss der

Baumaßnahmen

• Schutz des Bodens durch ständige Vegetation innerhalb der Grünflächen

5.2 Wasserpotential

Die Zielvorstellungen: Rückhaltung des Niederschlagswassers und Berücksichtigung

der Schutzbedürftigkeit des Grundwassers (Qualität und Quantität) können

erreicht werden durch:

• Bau von flachen, naturnah gestalteten Mulden zur Versickerung des Dachflächenwassers

• Reinhaltung des Wassers durch Verzicht auf Pestizide und Kunstdünger

innerhalb der Grünflächen

5.3 Klima/ Luft

Die Zielvorstellungen: Vermeidung einer Verschlechterung des Kleinklimas und der

Luftqualität können erreicht werden durch:

• Verbesserung der klimatischen Belastung durch Grünflächen und Hecken

• Freihalten einer 20 m breiten Zone entlang der K 28 für den Kaltluftabfluss

• Dachflächenbegrünung

• Extensivierung einer Grünlandfläche (Kompensation)


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5.4 Arten- und Biotoppotential

Die Zielvorstellungen: Erhaltung und Entwicklung der natürlichen Standorte für

Flora und Fauna können erreicht werden durch:

• Erhaltung und Pflege der Streuobstwiese

• Schaffung von Lebensräumen auf den Grünflächen im Randbereich des

Gewerbebetriebs unter Verwendung standortgerechter heimischer Bäume,

und Sträucher

• Schaffung von ökologisch wertvollen Bereichen, wie Heckenstrukturen,

Versickerungsmulden und Dachbegrünungen

• Extensivierung einer Grünlandfläche (Kompensation)

• Entwicklung von Trittsteinen zur Vernetzung mit Biotopen der Umgebung

(Kompensationsfläche)

5.5 Landschaftsbild und Erholung

Die Zielsetzungen: Entwicklung eines abwechslungsreichen, vielfältigen und

harmonischen Orts- und Landschaftsbildes können erreicht werden durch:

• Herstellung eines abwechslungsreich gestalteten Randbereichs

• Einbinden der geplanten Gebäude durch umfangreiche Gehölzpflanzungen

• Erhaltung und Pflege der Streuobstwiese


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6. Maßnahmen zur Vermeidung, Minimierung und Ausgleich

Durch die nachfolgend aufgeführten Maßnahmen lassen sich die dargestellten

Eingriffe vermeiden, minimieren sowie durch die vorgesehenen Extensivierungsund

Pflanzmaßnahmen auf dem Kompensationsgrundstück ausgleichen.

6.1 Maßnahmen zur Vermeidung von Eingriffen

Grundsätzlich ist eine Vermeidung von Eingriffen in dem zukünftigen Gewerbegebiet

kaum umzusetzen, da die Flächenversiegelungen vorgegeben sind und

lediglich Minimierungs- und Ausgleichsmaßnahmen möglich sind.

Durch die nachfolgend aufgeführten Maßnahmen werden die Eingriffe so gering

wie möglich gehalten.

Bodenpotential:

• Der Oberboden wird während der Baumaßnahmen gesichert und nach

Abschluss der Maßnahmen auf den Grünflächen wieder verwendet.

• Die Vermeidung von Dünger und Pestiziden innerhalb der Pflanzflächen

verhindert Beeinträchtigungen der Böden für Flora und Fauna.

Arten- und Biotope:

• Die Streuobstwiese ist zu erhalten und zu pflegen. Auch ein einzeln

stehender Obstbaum (nördlich der Zufahrt) ist zu erhalten. Somit kann der

Eingriff in ein gesetzlich geschütztes Biotop vermieden werden. Der Bereich

ist während der Bauarbeiten vor Befahren und Materiallagerung durch einen

Zaun zu schützen.

• Um Störungen des Neuntöters im Umfeld des zukünftigen Gewerbegebiets

zu vermeiden, sind Lichtemissionen zu verhindern. Die Beleuchtungen sind

so zu gestalten, dass die Leuchtwirkung nach unten ausgerichtet ist und

nicht nach außen abstrahlt.

6.2 Minimierungsmaßnahmen

Wasserpotential:

• Die Vermeidung von Dünger und Pestiziden, die gegenwärtig auf der Ackerfläche

verwendet werden, minimiert Beeinträchtigungen des versickernden

Oberflächenwassers.

Klimapotential:

• Anlage von extensiv und intensiv gestalteten Dachflächen


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6.3 Ausgleich der unvermeidbaren Eingriffe

Als Ausgleich für die Flächenversiegelung werden an der süd- und nordwestlichen

Grenze des Grundstücks dreireihige Hecken aus einheimischen, standortgerechten

Gehölzen angelegt. Auf 60 % der Gebäude wird eine extensive Dachbegrünung

erfolgen, auf 40 % der Dachflächen eine intensive Dachbegrünung.

Für die Biotopwertdefizite, die nicht innerhalb des Geltungsbereichs des Bebauungsplans

ausgeglichen werden können, soll in einem zweiten Geltungsbereich

eine nahe gelegene Fläche für Kompensationsmaßnahmen zur Verfügung gestellt

werden. Für die erforderlichen Maßnahmen wird in der Flur 1 (Flurstück Nr. 576)

ein Grundstück von 6.284 m² Größe zur Verfügung gestellt, das nördlich in einer

Entfernung von rund 70 m gelegen ist.

Blick von Westen auf die Ausgleichsfläche mit den begrenzenden Heckenstrukturen

Die derzeit landwirtschaftlich genutzte Fläche wird zu extensiv bewirtschafteten

Biotopkomplexen wie folgt umgestaltet:

Als Biotopvernetzungsmaßnahmen sind Kombinationen aus extensiv bewirtschaftetem

Grünland und Wiesenbrachen, verbunden mit Anpflanzungen von

Obst- Hochstämmen vorgesehen, die primär den Biotop- und Artenschutz unterstützen,

aber auch der Naherholung dienen können. In der weniger strukturierten

Gemarkung von Winterkasten ist eine stärkere Gliederung der Landschaft durch

Gehölzpflanzungen das Ziel.

Neben dem hohen Wert naturnaher Grünlandflächen mit Krautsäumen, Wiesenbrachen

und Obstgehölzen übernehmen die umgestalteten Flächen auch Trittsteinfunktionen

und ermöglichen Wanderungen verschiedener Tierarten. In Brachen


B’ Plan „Birkenfeld“ der Stadt Lindenfels, OT Winterkasten Grünordnungsplan 19

kann die Artenvielfalt besonders hoch sein. In Untersuchungen über die Fauna in

Brachflächen wurde eine Vielzahl von Heuschrecken, Schmetterlingen, Spinnen

und Schnecken festgestellt. Die Brachen zwischen landwirtschaftlichen

Nutzflächen dienen als wichtige Rückzugsgebiete. Die vielfältige Vegetation hat

einen wesentlich höheren Wert als die der Grünlandflächen. Die erforderlichen

Pflegemaßnahmen – um Verbuschung zu verhindern - sind nicht sehr aufwendig.

Auch bezüglich der Biotopvernetzung sind die vorgesehenen Pflanzmaßnahmen

optimal, da neben extensiv genutztem Grünland und Bereichen für die Entwicklung

von Wiesenbrachen am westlichen und südlichen Rand Obsthochstämme vorgesehen

sind, die den nach Süden offenen Charakter der Fläche erhalten.

Folgende Ausgleichsmaßnahmen sind vorgesehen:

Bodenpotential:

Obwohl Vermeidungs- und Minimierungsmaßnahmen vorgesehen sind, bleibt eine

erhebliche und nachhaltige Beeinträchtigung durch nicht vermeidbare

Versiegelungen.

Der Verlust von wertvollen Böden für die Landwirtschaft ist nicht ausgleichbar.

Die nachfolgend beschriebenen Maßnahmen bewirken eine teilweise Kompensation

der vorgesehenen Eingriffe:

• Im Bereich der geplanten Grünflächen wird z. T. gegenwärtig intensiv

genutzter Ackerland einer extensiven Nutzung zugeführt.

• Die als Versickerungsmulden angelegten Flächen für die Aufnahme des

Dachflächenwassers sollen extensiv genutzt und gepflegt werden.

• Im 2. Teilbereich des Bebauungsplans wird das derzeit als Grünland genutzte

Grundstück zukünftig einer extensiven Nutzung zugeführt, indem auf einem

Teil der Fläche eine Wiesenbrache zugelassen wird.

Wasserpotential:

Da nahezu das gesamte Niederschlagswasser zur Versickerung kommt, kann der

Eingriff bezüglich des Grundwassers verringert und nachteilige Auswirkungen auf

dieses Schutzgut bis zu einem gewissen Grad vermieden werden.

Durch die umfangreichen Versickerungsmaßnahmen sowie den Wegfall der

Belastungen des Grundwassers durch intensive landwirtschaftliche Nutzung kann

der Eingriff in den Wasserhaushalt weitgehend ausgeglichen werden.

Folgende Maßnahmen sind vorgesehen:

• Im südlichen Geltungsbereich des Bebauungsplans ist die Versickerung von

Dachflächenwasser vorgesehen. Das bewirkt eine Verringerung des Oberflächenabflusses.


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Klimapotential:

Folgende Maßnahmen tragen zur teilweisen Kompensation der Eingriffe bei:

• Im nördlichen und westlichen Randbereich der Gewerbegrundstücke sind

Heckenpflanzungen vorgesehen, die zur Sauerstoffanreicherung der Luft

beitragen.

• Durch die vorgesehenen Dachbegrünungen wird die Aufheizung der

Gebäude reduziert.

Arten- und Biotope:

Mit den nachfolgend aufgeführten Maßnahmen soll der Verlust des Lebensraums

der landwirtschaftlichen Nutzflächen kompensiert und eine maßgebliche Aufwertung

der Ausgleichsflächen erreicht werden:

• Herstellung von höherwertigen Biotopstrukturen auf den nicht überbaubaren

Flächen, d. h. im Westen und Norden der Grundstücke

• Schaffung von Kleinlebensräumen durch Dachbegrünung

• Anlage von extensiven, naturnah gestalteten Versickerungsmulden, um z. B.

die Sumpfschrecke am Standort zu halten

• Pflanzung von heimischen Obsthochstämmen auf der Ausgleichsfläche

• Schaffung naturnaher Grünlandflächen mit Krautsäumen und Wiesenbrachen

auf der Ausgleichsfläche

Orts- und Landschaftsbild/ Erholung:

Die Umsetzung der nachfolgend aufgeführten Maßnahmen bindet die Gebäude in

die Landschaft ein und führt zu einer Aufwertung der Erholungseignung der

Landschaft:

• Pflanzung von heimischen, standortgerechten Bäumen und Sträuchern im

Westen und Norden des Gebiets als Einbindung in die Landschaft

• Neuanlage einer Streuobstwiese auf der Ausgleichsfläche

• Begrünung der Dachflächen


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7. Bilanzierung von Eingriff und Ausgleich

Ergänzend zu einer verbal- argumentativen Gegenüberstellung von Eingriffen und

landschaftsplanerischen Maßnahmen wurde zusätzlich eine rechnerische

Bewertung durchgeführt.

Die Berechnung von Eingriff und Ausgleich ist entsprechen der „Verordnung über

die Durchführung von Kompensationsmaßnahmen, Ökokonten, deren Handelbarkeit

und die Festsetzung von Ausgleichsabgaben“ vom 01.09.2005, Hessischer

Minister für Umwelt, ländlichen Raum und Umweltschutz durchgeführt (s. Anl. 1)

worden. Dabei werden die Nutzungs- und Biotoptypen im Geltungsbereich

standardisierten Kategorien zugeordnet und mit vorgeschriebenen Wertpunkten

versehen. Diese werden mit der jeweiligen Flächengröße multipliziert, um die

Wertpunktsumme für den Bestand und die Planung zu ermitteln.

Nach der Flächenversiegelung innerhalb des Bebauungsplanbereichs und der

Umsetzung der Kompensationsmaßnahmen auf dem Ausgleichsgrundstück ergibt

sich gegenüber dem derzeitigen Bestand ein Biotopwert- Überschuss von 679

Biotopwertpunkten.

8. Fazit

Aus den übergeordneten Vorgaben sowie aus der vorgenommenen Bewertung der

mit den beabsichtigten Baumaßnahmen verbundenen Eingriffe lassen sich keine

grundsätzlichen Bedenken gegen eine Bebauung in dem untersuchten Gebiet und

in dem vorgesehenen Umfang ableiten.

Die geplante Nutzung wird das Gebiet im vorgesehenen Baufenster bis zu 80 %

versiegeln, es können jedoch ausreichende Freiflächenanteile zur Entwicklung

hochwertiger Vegetationsstrukturen zur Verfügung gestellt werden.

Der Versiegelungsgrad der geplanten Gebäude führt zu einer negativen Beurteilung

für das Schutzgut Boden. Die Bodenversiegelung ist nicht umkehrbar; der

Verlust von Ackerboden kann nicht kompensiert werden. Möglichkeiten zur

Vermeidung der Eingriffe sind nur sehr eingeschränkt möglich, die Kompensationsmöglichkeiten

werden ausgeschöpft.

Die Beurteilung beim Schutzgut Wasser zeigt aufgrund der festgesetzten Maßnahmen

zur Versickerung des Dachflächenwassers, dass eine weitgehende

Eingriffsminimierung zu erwarten ist. Das gleiche gilt für die Schutzgüter Klima und

Landschaftsbild. Bezüglich des Schutzgutes Arten und Biotope können die

vorhandenen Vogelarten durch den Schutz der Streuobstwiese voraussichtlich

erhalten werden. Die vorgesehenen Versickerungsflächen des Dachflächenwassers

dienen zusätzlich dem Bestand der Sumpfschrecke. Für keine der

nachgewiesenen Arten wird eine Zerstörung der Fortpflanzungsstätten erwartet.


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Zudem sind Ausgleichsmaßnahmen außerhalb des Bebauungsplanbereichs, in

einem zweiten Geltungsbereich vorgesehen.

Die nördlich des geplanten Gewerbegebiets auf der Kompensationsfläche vorgesehene

extensive Grünlandnutzung bewirkt in Verbindung mit der vorgesehenen

Entwicklung von Wiesenbrachen und der Pflanzung von Obsthochstämmen sowie

den vorhandenen ausgeprägten Hecken einen Ausgleich für die Schutzgüter Arten

und Biotope sowie das Landschaftsbild.

Somit können die Eingriffe durch die beschriebenen Maßnahmen innerhalb der

beiden Geltungsbereiche vollständig ausgeglichen werden.

Heppenheim, den 6. September 2013

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