Oktober 2007 - Landesschulrat Steiermark

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Oktober 2007 - Landesschulrat Steiermark

Nr.

191

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Oktober 2007

Gesundheit in der Schule

Lesen Sie zum Jahresschwerpunkt S. 22/23


INTEGRATIV

SCHULE

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„IKU“ – Afrika spielend erfahren

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Nr. 191

OKTOBER

2007

ISOP ist die Kurzbezeichnung

für die Gesellschaft für Innovative

Sozialprojekte in Graz. In

der zweiten Schulwoche im

September besuchten Vertreter

dieser Einrichtung auch in

Abstimmung mit dem Elternverein

die Gerlitz-Musikhauptschule

in Hartberg, um

den Kindern und auch ihren

Eltern in ihrem IKU-Projekt

(IKU heißt: „spielend erfahren“)

Afrika, den „Schwarzen

Kontinent“, näherzubringen

und mit Spiel und Tanz verständlicher

zu machen.

„Ausgangspunkt für dieses

Projekt ist, dass rassistische

Denkweisen und Vorurteile

sich schon in frühester Kindheit

entwickeln können. Daher

ist es wichtig, positive Erfahrungen

zu fördern und Begegnungen

mit Personen herzustellen,

die Identifikationsmöglichkeiten

zulassen“, betont

Projektkoordinator Fred

Ohenhen und weist darauf hin,

dass bereits 1988 erste Kontakte

zu Kindergärten hergestellt

und die Aktivitäten im Lauf

der Jahre auch auf Volks-,

Haupt-, Mittel- und Berufsschulen

ausgeweitet wurden.

Vorurteilsfreier Raum

Migranten und Migrantinnen

sind heute bereits fixer

Bestandteil der Gesellschaft.

Und dennoch spüren vor allem

dunkelhäutige Menschen eine

reservierte, zum Teil sogar

feindselige Haltung von Seiten

Einheimischer. „Wenn die

Menschen wenig über Afrika

und unsere Kultur wissen, können

Vorurteile entstehen, die

zu diesem feindseligen Verhalten

führen“, meint Fred Ohenhen

und umreißt das Ziel der

Gruppe: „Wir wollen mit unserem

interkulturellen Projekt

IKU vor allem Kindern die

Möglichkeit geben, sich auf

positive, spielerische und lustbetonte

Art dem Fremden zu

nähern, nicht ohne auch die

Eltern dazu miteinzuladen.“

Dabei sollen sie den interkulturellen

Lernprozess in einem

angst- und vorurteilsfreien

Raum und freundschaftlichen

Rahmen erfahren.

Präsentationsvielfalt

Ein wichtiger Aspekt bei der

Präsentation ist, dass in Österreich

lebende AsylwerberInnen

in das Projekt miteinbezogen

werden und als Begleitpersonen

an die Schulen mitgehen.

„Es besteht hier die Möglichkeit

auch für Menschen aus

Afrika, zu österreichischen

Kindern, aber auch Erwachsenen

Kontakte aufzubauen“, so

ein Projektbegleiter. Wichtig

dabei ist, dass auch die Eltern

der Kinder Informationen

erhalten und in das Projekt

miteingebunden werden. Im

Verlauf der Projektwoche lernten

die Kinder Afrika nicht nur

rein informativ kennen, sondern

konnten selbst aktiv werden.

Afrikanische Märchen

begeisterten vor allem die Neueinsteiger

an der Musikhauptschule.

Tanz- und rhythmische

Spiele sorgten für dementsprechende

Bewegung und an

einem Vormittag wurden

gemeinsam mit den Kindern

afrikanische Gerichte gekocht

und anschließend verzehrt. Die

Kinder wurden auch darüber

informiert, in welchen Teilen

Afrikas diese Gerichte gegessen

werden. Dass Zopfflechten

nicht nur bei Mädchen beliebt

ist, bewiesen auch etliche

Buben der Musikhauptschule

und ließen ihr Haar durch

einen solchen verzieren.

Schließlich konnte jeder ein

mitgebrachtes T-Shirt mit

Symbolen aus Afrika bedrucken

oder afrikanische Kleidung

anprobieren.

Nicht zuletzt waren das Trommeln

und der Rhythmus für die

Kinder eine Möglichkeit zu

sehen und zu erleben, wie Afrikaner

damit umgehen. Den

Höhepunkt bildete dann das

große Abschlussfest am Freitag,

zu dem auch die Eltern der

SchülerInnen eingeladen wurden.

Im Hartberger Stadtpark

wurden Lieder gesungen und

Tänze aufgeführt und natürlich

auch getrommelt. Fred

Ohenhen: „Auch die Eltern sollen

mit uns reden können und

Informationen erhalten.“

Im Rahmen einer großen Präsentation

zeigten die Kinder,

was sie in den vier vorangegangenen

Tagen Neues über Afrika

erfahren haben. Das IKU-

Projekt wird zum Großteil vom

Land Steiermark und dem

AMS finanziert. Der Beitrag

pro Kind betrug für diese fünf

Tage fünfzehn Euro.

Thomas Aititsch


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OKTOBER

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2007

SCHULE

Aus dem Inhalt

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EDITORIAL

L i e b e L e s e r i n ,

L i e b e r L e s e r !

S. 4–9

S. 12–17

S. 18–24

Neues gibt es aus der Schulpsychologie

zu vermelden. –

Körpernahe Gebärden sind eine

Kommunikationsmöglichkeit für

schwer Behinderte. – Europa

macht Schule – die SchülerInnen

machen Europa. – Mathematik

wird ob der PISA-Studie zu

einem „Schule“-Schwerpunkt.

A country without a language is

a country without soul: Damit

das nicht gesche, wird das Gälische

in Irland hoch gehalten. –

Mit dem Comenius-Projekt

COPASCH werden die Eltern ins

Geschehen einbezogen. – Die

Integrative Gewaltpräventions-

Werkstatt werkt in Mellach.

Die Jugend übersetzt nicht nur

alte Sprachen erfolgreich. – Warum

in die Ferne schweifen,

wenn das Gute liegt so nah: Verborgene

Schätze unserer Sprache

werden wieder entdeckt. –

Das LeseNetzWerk Steiermark

stellt sich vor. – Marketingstrategien

fürs Schulbuffet.

Der Fehlerteufel:Liebe Leserinnen und Leser, Sie müssen nicht

befürchten, dass Sie eine Abhandlung über das umtriebige

Leben des Fehlerteufels lesen müssen. Das nicht, aber es gilt,

zwei Dinge, die nicht vorkommen sollten, zu berichtigen.Und

das wären fehlende Autorenzeilen! So geschehen in der Ausgabe

August/September 2007, Seiten 18/19: Wegen eines Missverständnisses

fehlt beim Artikel „Gesundheits-Pool“ die Autorin

der Zusammenfassung: Mag. Friederike Rath. – Auf Seite 20

zum Ende des Zeitspiegel-Artikels „Lehrplan für Turnen“ hat

sich die Autorenzeile aus technischen Gründen „verabschiedet“:

Mag. Heidrun Gollesch. Wir bedauern.

Eine vergessene Ziffer und schon gibt sich der Schreiber der

Lächerlichkeit preis: Die Redaktionskonferenz findet nicht

am 1., sondern am 15. Jänner 2008 statt.

IMPRESSUM: Verleger und Herausgeber: Landesschulrat für Steiermark. – Redaktion: BSI Heinz

Zechner, Bezirksschulrat, 8430 Leibnitz, Kadagasse 12; Werner Egger (Redaktion): Am Langedelwehr

26, 8010 Graz, Tel. 0664 443 46 12; Mag. Eva Ponsold (Büro des Präsidenten), LSR für Steiermark,

Tel. 0316/345-121. – Satz beigestellt. – Herstellung: Medienfabrik Graz.

E-Mail: heinz.zechner@stmk.gv.at – werner.egger@kleinezeitung.at (egger.w@aon.at) –

eva.ponsold@lsr-stmk.gv.at

Internet: www.lsr-stmk.gv.at/cms/ziel/427083/DE/ – www.dieschule-stmk.com

Bei Unzustellbarkeit die Zeitung bitte an die Medienfabrik, 8020 Graz, Dreihackengasse 20,

zurücksenden.

Bezugsbedingungen: Die Zeitschrift „Schule“ und das Verordnungsblatt des Landesschulrates für

Steiermark werden allen Pflichtbeziehern (Bezirksschulräten, Schulleitungen und DirektorInnen

aller öffentlichen und mit dem Öffentlichkeitsrecht ausgestatteten Unterrichtsanstalten) von Amts

wegen zugestellt, die Bezugsgebühr ist aber zu entrichten. Die Zeitschrift „Schule“ und das Verordnungsblatt

werden auch im Jahresbezug an alle Lehrpersonen des Ruhestandes, den Dienststellen,

Vereine, Körperschaften, Firmen und sonstige Interessenten auf Bestellung abgegeben. Der

Bezugspreis beträgt derzeit € 55,–. Die Bestellung nimmt die Medienfabrik Graz, Dreihackengasse

20, 8020 Graz, Frau Zierler, Tel. 0316/8095-18, entgegen.

Adressenänderungen bitte an: Büro des Präsidenten, Tel. 0316/345-221 oder 110!

S chuleingang

Die Beobachtungen einer

Leserbriefschreiberin der

Kleinen Zeitung decken sich mit

den Beobachtungen einer erfahrenen

Grundschullehrerin, die

heuer wieder mit einer 1. Klasse

beginnt: Mädchen treten in die

Schule ein und „brennen“ vor

Motivation und Ehrgeiz. Viele von

ihnen können schon lesen, viele

Buchstaben schreiben und

zumindest im Zahlenraum Zehn

rechnen. Die allermeisten Buben

nehmen den Schuleintritt etwas

„gelassener“.

Sie sind allgemein schlechter

organisiert, können ihre Schuhbänder

nicht selbst binden, die

Turnkleidung nicht anziehen, kennen

verschiedene Wörter und

Begriffe nicht und ähnliches

mehr. Der Verdacht liegt nahe,

dass Mütter ihre Töchter anders

erziehen als ihre Söhne. Heterogenität

ist vorprogrammiert.

Wenn an dieser Stelle auch gleich

der Ehrgeiz der Lehrerinnen einsetzt,

möglichst vielen möglichst

bald das Lesen, Schreiben und

Rechnen beizubringen und möglichst

viele an die AHS-Reife

heranzuführen, dann ist hier das

Mädchen-Buben-Dilemma schon

grundgelegt.

Das Niveau der Buben, behutsam

an das der Mädchen heranzuführen,

ein individuelles Eingehen

auf jedes einzelne Kind verlangt

von einer Lehrerin viel pädagogische

Kompetenz, methodisches

Geschick und Geduld. Und viel,

viel Arbeit ...

Burn-out

Eine erschreckend große Anzahl

von LehrerInnen hat sich noch vor

Schulbeginn krank gemeldet.

Vorläufig bis Weihnachten oder

„bis auf weiteres“. Diagnose:

Burn-out. Besonders viele Volksschullehrerinnen

sind dabei (siehe

oben!). Wenn ich mich in Lehrerzimmern

umblicke, sehe ich

immer wieder KollegInnen, die

ebenfalls bereits einen erschöpften

und ausgelaugten Eindruck

machen.

Dem „permanent steigenden

Druck“ (Volksschule) und der „irrwitzigen

Hektik“ im „Tollhaus

Schule“ (Hauptschule) wird die

Hauptschuld gegeben. Es gibt

Ideen, den Druck aus dem Schulalltag

zu nehmen. Eine ordentli-

che Pause für jede(n) LehrerIn in

Form einer Freistunde wäre so

ein Lösungsansatz. In der Volksschule

verhindern das Strukturprobleme.

Weil eine Volksschullehrerin

die Lehrverpflichtung in

ihrer Klasse nicht erfüllen kann,

muss sie während ihrer „Freistunden“

Leiterreststunden, Förderunterricht

in anderen Klassen, Technisches

Werken u. ä. halten. Eine

Ausdehnung des Unterrichtes in

den Nachmittag ist tabu.

Die Führungskompetenz eines

Schulleiters wird nach wie vor oft

daran gemessen, ob er einen

Stundenplan erstellen kann, in

dem es möglichst wenig „Löcher“

gibt. In einigen wenigen, besonders

innovativen Hauptschulen

unseres Landes hat man auf 100-

Minuten-Einheiten (Doppelstunden)

umgestellt.

Einerseits wird damit der Struktur

neuer Lernformen Rechnung

getragen – offener Unterricht,

projektorientierter Unterricht,

fächerübergreifender Unterricht

usw. lassen sich so einfach besser

organisieren und verwirklichen

– andererseits kann damit

auch Druck aus dem „Tollhaus

Schule“ genommen werden.

Modellschulen

Die Modellbeschreibung der

Schulversuche für die neue Mittelschule

beinhalten fast alle der

in letzter Zeit von Experten geforderten

Eckpunkte einer reformierten

Sekundarstufe I: Teamteaching,

Wahlpflichtfächer, Projektunterricht,

offener Unterricht,

Integration, Arbeit in Stufenteams,

Koedukation im Sportunterricht,

Soziales Lernen, Ökologie

als fächerübergreifender

Unterricht, lernzielorientierte Leistungsbeurteilung,

Trainingsraummodelle,

verschränkter Ganztagsunterricht

oder Nachmittagsbetreuung.

Wenn diese Eckpunkte zu tragenden

Säulen der neuen Mittelschule

werden und nicht zu leeren

Worthülsen verkümmern – und

wenn die neue Mittelstufe für

(wirklich) alle Zehn- bis 14-Jährigen

gilt, dann könnte das tatsächlich

mehr als ein Auswechseln der

Türschilder werden!

Heinz Zechner

heinz.zechner@stmk.gv.at


GESPRÄCH

SCHULE

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Schulisches Ghetto namens

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OKTOBER

2007

OSR Hartwig Stark war

Hauptschuldirektor in St.

Ruprecht a. d. Raab und

Mitglied in mehreren

Arbeitsgruppen zur Schulund

Bildungsreform auf

Landesebene und im

Bildungsministerium.

In letzter Zeit hat er seine

originelle und pointierte

Kritik an der Mittelstufe im

österreichischen Schulsystem

u. a. in der „Presse“

veröffentlicht und

dokumentiert seine

Publikationen in der

Originalfassung unter

www.hs-struprecht.at

Die Ursprünge der Krise der

Mittelstufe orten Sie

schon im Jahr 1982.

Welche „Fehler“ hat der

Gesetzgeber damals gemacht?

Hartwig Stark: 1982 beschließt

der Gesetzgeber eine Reform

der Mittelstufe, die 1985 in

Kraft tritt. In der Hauptschule

gibt es seither den heterogenen

Klassenverband für ca. 60 Prozent

der Unterrichtszeit und

die Leistungsgruppen aus D, E

und M. AHS-Unterstufe und

HS werden mit dem gleichen

Lehrplan betrieben, jedoch

erhält die Hauptschule insgesamt

nur einen niedrigeren

(„grundlegenden“) Bildungsauftrag.

Da in der ersten Leistungsgruppe

der HS Ertragsgleichheit

mit der AHS

festgelegt ist, ergibt sich die

schulrechtliche Bildungsdistanz

zwischen den beiden

Schultypen aus dem heterogenen

Zusammenwirken in den

Stammklassen. Damit wird

Hauptschule

aber jedes integrative Arbeiten

undifferenziert als minderwertiges

Bildungsprodukt ge–

brandmarkt. Diese bildungsideologischen

Ansichten, die

den Kern des Rechtskleides der

HS bilden, sind heute eindeutig

widerlegt. Sie lösten damals der

jene massive Absetzbewegung

der Eltern von der HS aus,

deren negative Auswirkungen

heute in den Ballungsräumen

nicht in den Griff zu bekommen

sind.

Sie bezeichnen die

Hauptschule zumindest im

Bereich der größeren Städte

als „schulisches Ghetto“. Ist

die Situation wirklich so dramatisch?

Hartwig Stark: Auch am Beispiel

Wien, wo im Landesdurchschnitt

ca. 50 Prozent der

Schüler in die AHS eintreten,

muss man differenzieren. In

manchem Bezirk/Wohnviertel

genügt schon die Abwesenheit

von 30 bis 40 Prozent der Jahrgangspopulation,

um in der

Hauptschule ein hohes Maß an

Isoliertheit zu erreichen. Leistungsschwächen,

soziale Auffälligkeiten,

Behinderungen,

vielfältiger Migrationshintergrund,

Schulfrust und problematische

Familiensituationen

sind, wenn sie gehäuft auftreten,

schlechte Voraussetzungen

für schulische Bildungsprozesse.

Hier fehlen positive Orientierungsmöglichkeiten

für die

Schüler und fördernde Bildungsperspektiven

für die

Schulpartner, eben das bunte,

leistungsheterogene Zusammenwirken

als Voraussetzung

für bestmöglichen Ertrag auch

bei den Leistungsschwächeren.

In der Stadt bewirkt der Überandrang

zur AHS die Ghettosituation

an den Hauptschulen

und führt an beiden Schultypen

zur Minderung der Bildungserträge.

In welchem Zusammenhang

steht die Situation der Mittelstufe

mit den mäßigen Ergebnissen

Österreichs bei den

PISA-Studien?

Hartwig Stark: Diese Studien


belegen eindeutig, dass das

mäßige Abschneiden Österreichs

aus seiner großen Anzahl

leistungsschwacher Schüler

resultiert. Nationale Bildungserträge

hängen nur von der

Gesamtheit und der Qualität

Bildungsanstrengungen

eines Staates ab, die die Bemühungen

beim Fördern, Differenzieren

und der Qualitätssicherung

einschließen. Fast alle

Staaten, die im PISA-Ranking

vor uns liegen, weisen bei

gemeinsamer Mittelstufe mehr

leistungsfähige und weniger

leistungsschwache Schüler auf

als Österreich. Aus dieser Sicht

steht das Relikt der „alpenländisch“

getrennten Mittelstufe,

die sich besonders nur einem

Teil der Schüler zuwendet,

zusätzlich auf dem Prüfstand.

Sie kritisieren in Ihren Arbeiten

auch die Schulaufsicht.

Was sollte sie Ihrer Meinung

nach anders machen?

Hartwig Stark: Meine Kritik

richtet sich nicht persönlich

gegen Mitglieder der Schulaufsicht,

die in ihren vielfältigen

Aufgaben umfassend tätig sind.

Die Kritik zielt auf die fehlenden

Beiträge zur Qualitätssicherung

im Bildungsbereich.

Hiezu kann die Schulaufsicht

derzeit wenig beitragen, da laut

Feststellung des Rechnungshofes

(April 2007) eine systemische

Qualitätssicherung für die

österreichische Schule nicht

existiert und das Bildungsministerium

Vorschläge zur Überwindung

dieses Fehlzustandes

erst ausarbeitet. In diesen sehr

komplexen Aufgabenbereich,

dessen Umsetzung Österreich

im internationalen Vergleich

verschlafen hat, bringe ich beispielhaft

einige Konstruktionsmerkmale

ein: Erarbeitung und

Fixierung der Bildungsstandards,

Ausbau und Aufwertung

der Schulleitungen, regelmäßige

und standardisierte Erhebung

von Leistungsdaten, Datenaustausch

zwischen Schulen

und Schultypen, schultypen-

BSI Heinz Zechner sprach mit

OSR Hartwig Stark über dessen

Kritik an der Mittelstufe in

Österreich.

übergreifende Zuständigkeit

der Schulaufsicht, Aufbau von

dezentralen Qualitätssicherungszentren,

Verknüpfung der

Auswertungsdaten mit Maßnahmen

der Lehrerfortbildung

und der Aussagekraft der Leistungsbeurteilungen,

Ausweitung

der schulpsychologischen

und sonderpädagogischen

Dienstleistungen ... Ich verweise

in diesem Zusammenhang

auch auf meinen Beitrag „Verbesserung

schulischer Ergebnisleistungen

durch Qualitätsmanagement“,

der 2005 in der

Zeitschrift „aps“ publiziert

worden ist.

Die gesamte Aufgabe der Integration

benachteiligter Kinder

auf der Mittelstufe wird zurzeit

der Hauptschule aufgelastet.

Liegt hier nicht ein

Knackpunkt der Reform?

Hartwig Stark: Der Gesetzgeber

stellt heterogenes Zusammenwirken

als zweitklassiges

Bildungsprodukt dar. Er darf

sich nicht wundern, dass Eltern

und die Kollegenschaft an AHS

das Integrationsbemühen des

Staates genauso einstufen.

Auch nach meiner Meinung

liegt hier der Knackpunkt der

Reform. Jedoch muss die heimische

Bildungsdiskussion

zuerst Chancen, Möglichkeiten

und Grenzen leistungsheterogener

Bildungsarbeit einvernehmlich

abklären. Erst

danach kann man neue Organisationstrukturen

der Mittelstufe

konstruktiv diskutieren.

Auch wenn einige tausend leistungsfähige

Schüler aus Integrationsklassen

an den HS

bereits maturiert haben, ändert

das nichts daran, dass sich die

Eltern im Anlassfall sehr überwiegend

für die AHS-Unterstufe

als staatlich protegierte

Integrationsfluchtburg entscheiden.

Apropos Knackpunkt: Wie

könnte man die AHS-Lehrer-

(Gewerkschaft) ins Boot

holen?

Hartwig Stark: Die Lehrervertreter

der AHS wissen Bescheid

um die besondere Position ihres

Schultyps in der Langform, der

über das Betriebsmittel der

Segregation seine exklusive


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OKTOBER

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GUT ZU WISSEN

2007

SCHULE

Bildungshöhe und damit die

hohe gesellschaftliche Anerkennung

bezieht. In dieser privilegierten

Beschäftigungssituation

kann kein legitimierter

Standesvertreter einer Veränderung

zustimmen. In meinem

Bekanntenkreis gibt es viele

AHS-KollegenInnen, von

denen ich weiß, dass sie sehr

kompetent und engagiert

arbeiten, jedoch allgemein den

Niveauverlust an ihrem Schultyp

beklagen. Dazu legt Univ.-

Prof. Günter Haider im Juni

2007 ein PISA-Auswertungsdetail

offen und teilt mit, dass

der Leistungsstand von etwa 15

Prozent der AHS-Schüler auf

der 9. Schulstufe nur einem III.

Leistungsniveau entspricht. Es

muss daher davon ausgegangen

werden, dass je nach Schulstandort,

Schulbetreiber und

Schulprofil etwa 20 bis 50 Prozent

der Schüler an den AHS-

Unterstufen nicht auf dem

geforderten I. Leistungsniveau

stehen, welches ihnen aber

attestiert wird. Anscheinend

passt sich die AHS in den

jeweiligen Klassensituationen

den Schülervoraussetzungen

an, senkt beliebig das Anforderungsniveau

und mildert die

Beurteilungskriterien. So ist

ein Aufsteigen der Schüler, die

nicht auf I. Niveau stehen,

möglich. Für die Fächer

Deutsch, Englisch und Mathematik

liegen jedoch im Lehrplan

der HS verordnungsrechtliche

Abgrenzungen für das II.

und III. Leistungsniveau vor,

die auch für die AHS zur Definition

ihres I. Leistungsniveaus

uneingeschränkte Gültigkeit

haben. Es ist Aufgabe des

Gesetzesvollzuges, die Rechtmäßigkeit

der gesetzlichen

Beziehungsstruktur zwischen

HS und AHS-Unterstufe

sicherzustellen. Den Standesvertretern

an den AHS muss

mitgeteilt werden, dass der

Schulteil der Unterstufe durch

sein diesbezüglich nicht gesetzeskonformes

Wirken seine

besondere Existenzberechtigung

selbst in Frage stellt.

Sie nennen die Hauptschule

St. Ruprecht/Raab ein

gelingendes Modell. Was

macht man dort anders?

Hartwig Stark: Zur allfälligen

Basisinformation bei dieser

Beantwortung verweise ich auf

meine Veröffentlichungen in

„aps“ 6/06 und 2/07, die auch

auf der Homepage meiner ehemaligen

Schule abrufbar sind.

In enger Zusammenarbeit mit

www.dieschule-stmk.com

den Eltern und der Kollegenschaft

an den Volksschulen

haben wir mit den Möglichkeiten

aus Schulautonomie und

Schulversuch unsere gymnasiale

Schwerpunktsetzung entwickelt.

Wir haben in dieses

Projekt viel Arbeit investiert,

dabei große Lernprozesse im

Lehrerkollegium in Gang

gesetzt, konnten Selbstbewusstsein

tanken und erzielten

überraschend bald große Erfolge.

Natürlich hatten die Mitbewerber

in Weiz und Gleisdorf

mit uns keine Freude, da die

leistungsfähigen Schüler wieder

an der Schule im Ort blieben

und viele Gastschüler

unsere Angebote annahmen.

Alle gesetzlichen Differenzierungsformen

der Mittelstufe

standen damit bei uns unter

einem Schuldach zur Wahl.

Dieser Mix hat sich in den 14

Jahren seiner Durchführung

bewährt. Unter dem Arbeitstitel

„Hauptschule im ländlichen

Raum“ wurde nunmehr unser

Modell ins Bildungsprogramm

der Bundesregierung zur Evaluierung

aufgenommen. Es

wird so lange Bestand haben,

bis es zu den möglichen schulorganisatorischen

Veränderungen

auf der Mittelstufe kommt

und kann selbst dafür eine

Denkversion sein. An einem

gesetzeskonformen Vermerk in

den Jahreszeugnissen der „s-

Klassen“ in St. Ruprecht/

Raab, der die gymnasiale

Schwerpunktsetzung auch beurkundet,

wird noch gearbeitet.

Zum Schluss eine persönliche

Frage: Wie geht’s Ihnen in der

Pension?

Hartwig Stark: Ich glaube, dass

ich mich gut aufgestellt habe,

pflege manch alte, aber auch

neue soziale Kontakte und

Lebensinhalte, stelle mich meinen

Herausforderungen und

arbeite an der Umsetzung persönlicher

Zielsetzungen. Darüber

hinaus schenkt mir meine

Familie besondere Bilder

aus gemeinsamen Erlebnissen.

Mein bildungspolitisches

Nachsitzen hat mich gefordert

und sehr bereichert, aber auch

an meine Leistungsgrenzen

geführt. Es ist mir ein besonderes

Anliegen, mich auch in diesem

Rahmen bei Hofrat Hubert

Heuberger zu bedanken, der

mir beim Eintauchen in dieses

Projekt ein konstruktiv kritischer

Mitdenker war.

Danke für das Gespräch!

Lehrgang mit

Weitblick …

Kinder haben Probleme

– wir schauen hin! Ein

Lehrgang des Schulbezirks

Radkersburg

zur Erweiterung der

Kompetenz im Umgang

mit Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten

im Schulbezirk

Radkersburg.

Rückblick

Die vielen, offenen Bedürfnisse

der SchülerInnen, der

Mangel an verhaltenspädagogischen

Stützstunden, die

Überforderung der PädagogInnen

im Umgang mit Kindern

mit besonderen Bedürfnissen

... ließen die Verantwortlichen

im Schuldienst

initiativ werden. Ein

engagiertes Planungsteam

unter der Leitung von BSI

Manfred Gollmann erstellte

in Anlehnung an den Akademielehrgang

der Pädak des

Bundes in Graz einen bezirkseigenen

Lehrgang. Die

Modulinhalte entsprechen

den aktuellen Bedürfnissen

der SchülerInnen und LehrerInnen.

Durch die Unterstützung

des Pädagogischen

Instituts war es im Schulbezirk

Radkersburg erstmals

möglich, eine dislozierte

Ausbildung anzubieten.

Top-ReferentInnen sorgten

für kompetente Vermittlung.

Modul 1: Begriffsdefinitionen,

Erscheinungsformen

und rechtliche Grundlagen

LSI für Sonderpädagogik

Herbert Buchebner

Modul 2: Kommunikationstraining,

Kommunikationsmodelle,

Gesprächsführung,

Praktisch-kommunikative

Situationsbewältigung, Mag.

Renate Reisch

Modul 3: Didaktisch-methodische

Grundlagen

3.1 Umgang mit verhaltensauffälligen

Schülern – Krise

und Chance, Prof. Herbert

Stadler

3.2 Medizinisch-pädagogische

Abgrenzungen, Dr.

Christoph Göttl

3.3 Methodik bei ADHS,

Aggression, Verhaltensstörungen,

Prof. Peter M.

Schwarzmann

Modul 4: Kompetente Partner

4.1 Kinderschutzzentrum:

Umgang mit Krisensituationen

im Schulalltag, Mag.

Christian Wurzwallner

4.2 Referat für Jugendwohlfahrt,

Referat für Sozialarbeit,

Modelle der Kooperationsmöglichkeiten,

Ing. Ute

Jennings, LDSA Brigitte

Schögler

4.3 BSR – Referat für Sonderpädagogik

Schulpsychologie,

OSR Hiltraud Burger,

Marlies Bohatsch, Beratungslehrerin,

Dr. Doris

Schechtner, Mag. Sabine

Harzl

Modul 5: Exkursionen,

Anton-Afritsch-Kinderdorf

Steinberg

Weitblick

90 Lehrgangseinheiten wurden

von April 2006 bis März

2007 – ausschließlich in

unterrichtsfreier Zeit –

absolviert. Der Lehrgang

schloss mit einem Zeugnis

ab. Zusätzlich bestand die

Möglichkeit, eine vertiefende

schriftliche Arbeit zu verfassen.

Die vorwiegend praxisorientierten

Inhalte ermöglichen

eine unmittelbare

Umsetzung im Schulalltag.

Sie gewähren eine effiziente

Kompetenzerweiterung, die

wohl nie ein Ende finden

kann.

Ausblick

Lehrgänge dieser Art müssen

Standard in allen Schulbezirken

sein! Die Absolventen

des Lehrganges erhielten im

Schloss Halbenrain Zertifikate

und wurden für ihr

schulisches Engagement

geehrt.


GUT ZU WISSEN

SCHULE

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Nr. 191

OKTOBER

2007

Deutschlandsberg: Neues

aus der Schulpsychologie

MAG. DR. SIMONE

SMREKAR

Ich möchte die Gelegenheit

nutzen und Sie, liebe LeserInnen,

auf diesem Wege darüber

informieren, dass ab Oktober

2007 (in Absprache und auf

Wunsch von HR. Dr. Zollneritsch,

Landesreferent und Leiter

der Abteilung Schulpsychologie-Bildungsberatung)

eine

Aufteilung der Schulen im

Bezirk Deutschlandsberg auf

die beiden Schulpsychologinnen

– wie tiefer stehend angeführt

– erfolgt ist.

Zuständigkeiten:

● Dr. Grete Fischer (Leiterin

der Schulpsychologischen

Beratungsstelle Voitsberg; 80%

Voitsberg, 20% Deutschlandsberg):

Schulen aus dem

Gerichtsbezirk Stainz:

1. Volksschulen: Bad Gams,

Sommereben, Lannach, Marhof,

Rassach, St. Josef i. d.

Weststmk., Stainz, St. Stefan

ob Stainz, Stainztal; 2. Haupt-,

Real- u. Polytechnische Schulen:

Haupt- und Realschule

Stainz, HS St. Stefan, PTS

Stainz; 3. Fachschule (BMS):

FS Stainz – „Erzherzog Johann

Schule“.

Achtung! Die Anmeldung

jener Kinder, die eine der oben

angeführten Schulen besuchen,

erfolgt in Hinkunft über

die Schulpsychologische Beratungsstelle

Voitsberg, Sekretariat:

Fr. Schneeberger: Tel.:

0316 / 345 – 688, Fax: 0316 / 345

– 703

● Mag. Dr. Simone Smrekar

(Leiterin der Schulpsychologischen

Beratungsstelle Deutschlandsberg

mit Beginn des Sj.

2007/08; 50% Deutschlandsberg,

50% Bruck a. d.

Mur/Mürzzuschlag): Schulen

aus den Gerichtsbezirken

Deutschlandsberg und Eibiswald:

1. Volksschulen: Deutschlandsberg,

Wildbach, Frauental, St.

Jakob im Freiland, Gressenberg,

Gr. St. Florian, Hollenegg,

Kloster, Trahütten,

Mag. Dr. Simone Smrekar ist

Leiterin der Schulpsychologischen

Beratungsstelle

Deutschlandsberg und Mitarbeiterin

der Schulpsychologischen

Beratungsstelle Bruck

Osterwitz, Preding, St. Martin

i. S., St. Peter i. S., Schwanberg,

St. Anna ob Schwanberg,

Wettmannstätten, Eibiswald,

Pölfing-Brunn, St. Oswald ob

Eibiswald, Soboth, St. Ulrich i.

Greith, Wernersdorf, Steyeregg,

Wies; 2. Haupt- u. Polytechnische

Schulen: Deutschlandsberg

I, Deutschlandsberg

II, Gr. St. Florian, Preding,

Schwanberg, Eibiswald, Wies,

PTS Deutschlandsberg, PTS

Wies; 3. BMS, BHS, AHS: FS

Schloss Frauenthal-St. Martin,

FS Burgstall-St. Martin (Wies),

HLW DL, HaS/HAK DL, HTL

DL (dislozierte Klassen der

HTL Graz-Gösting bzw. BUL-

ME), BORG DL.

Anmeldung: Schulpsychologische

Beratungsstelle Deutschlandsberg,

Sekretariat: Fr.

Wippel: Tel.: 0316 / 345 – 671,

Fax: 0316 / 345 – 699

Diese „vorläufige“ und ab

Oktober 2007 geltende Aufteilung

soll dem Zweck dienen,

dass immer die gleiche Psychologin

als Ansprechpartnerin für

die entsprechenden Schulen

und Eltern/Erziehungsberechtigten,

Kinder/Jugendlichen

agiert und somit eine größere

Kontinuität gewährleistet ist.

Jede der beiden Psychologinnen

hat dabei die Verantwortung

für ihre Schulen und

KlientInnen (Terminvergabe,

SPF-Gutachten etc.) selbst zu

übernehmen!

Es handelt sich hierbei sicherlich

nicht um den „Stein des

Weisen“ bzw. das „Gelbe vom

Ei“, denn die deutliche Reduktion

der schulpsychologischen

Ressourcen für den Bezirk

Deutschlandsberg (von

ursprünglich 100%, Dr. Luikard,

auf „offizielle“ 70%) ist

nicht von der Hand zu weisen.

Hinzu kommt, dass im vorangegangenen

Schuljahr 2006/07

kein Rückgang, sondern vielmehr

ein Anstieg der Fallzahlen

zu verbuchen war.

Es ist festzustellen und von

meiner Seite darauf hinzuweisen,

dass im Bezirk

Deutschlandsberg das

Angebot einer schulpsychologischen

Untersuchung

sehr gut angenommen wird

und der eigentliche Bedarf

somit im Widerspruch zu

den vorhandenen Ressourcen

steht. Eine Aufstockung bzw.

Wiederherstellung des ursprünglichen

Zustands (100%)

wäre somit wünschenswert und

– aus meiner Sicht – durchaus

gerechtfertigt.

Solange dies jedoch nicht der

Fall bzw. Zukunftsmusik ist,

heißt es von Seiten der Schulpsychologie

Deutschlandsberg

bestmöglich zu „improvisieren“

und gemeinsam (Schule,

Schulpsychologie, BSR etc.)

immer wieder hartnäckig auf

die oben angeführte Ressourcenproblematik

hinzuweisen.

Denn, wie sagte schon Bert

Brecht: „Wer kämpft, kann

verlieren! Wer nicht kämpft,

hat bereits verloren!“

Meinst

Körpernahe Gebärden –

eine neue Kommunikationsmöglichkeit

für

Menschen, die nonverbal

oder/und geistig schwer

behindert sind.

Eine CD bietet einfache

Lernanleitung ...

Das, was im angelsächsischen

Raum schon lange praktiziert

wird, hat nun auch seinen Einzug

im deutschsprachigen

Raum gefunden. Menschen, die

aufgrund ihrer geistigen und

körperlichen Behinderung

weder sprechen können noch in

der Lage sind, die komplizierte

Gebärdensprache zu erlernen,

können nun mittels eigens entwickelter

Gebärden kommunizieren.

Im Gegensatz zur

Gebärdensprache wird nicht

ein einzelnes Wort, sondern

meist ein ganzer Satz oder eine

Aufforderung verwendet.

Bei der Entwicklung der

Gebärden, die in Zusammenarbeit

mit einer Gebärdenpädagogin

erfolgte, wurde darauf

geachtet, dass die Gebärden am

Körper gut spürbar sind. Damit

sind sie auch für Menschen mit

starker Sehbehinderung oder

Blindheit verwendbar. Kommunikation

ist ein zutiefst

menschliches Bedürfnis. Daher

sollten LehrerInnen, Bezugspersonen

und anderen BegleiterInnen

des Betroffenen alle

Möglichkeiten zum Erwerb

einer Basiskommunikation

anbieten. Faktum ist, dass man

etwas umso leichter lernt, je

mehr Sinnesmodalitäten involviert

sind.

Die Untersuchung von Acredolo

(1997) bestätigt, dass Kinder

eine Sprache schneller und besser

lernen, wenn sie mit Gebärden

begleitet wird. Die Vortei-


Nr. 191

OKTOBER

7

GUT ZU WISSEN

2007

SCHULE

Es kann auch ein Gebärdenheft

ausgedruckt werden. Die dargestellten

Gebärden sind auf

den Erfahrungsbereich dieser

Kinder abgestimmt. So wurde

z. B. bei der Gebärde

„Auto/Bus fahren“ bewusst

nicht das Lenken eines Fahrzeuges,

sondern das Schließen

eines Sicherheitsgurtes imitiert.

Die 154 Gebärden sind in zwölf

Bereiche geordnet und auch

mit Stichwörtern gut zu finden.

Es gibt die Vorteile der bewegdu,

dass ich …

le im Einsatz von körpernahen

Gebärden: Das Wahrnehmen

einer köpernahen Gebärde

zusammen mit dem gesprochenen

Wort bietet dem Betroffenen

neben der akustischen

auch noch die taktile und optische

Sinneswahrnehmung.

Wird das gesprochene Wort mit

Gebärden begleitet, so reduziert

sich das Tempo der Sprache

automatisch. Dies ist sehr

zum Vorteil für Menschen, die

eine Sprache erst lernen müssen

(wie wir es alle vom Erwerb

einer Fremdsprache kennen).

Körpernahe Gebärden erfolgen

in unmittelbarer Nähe und

zwingen den Betroffenen

damit, sich angesprochen zu

fühlen. Sobald das betroffene

nonverbale Kind die Gebärden

einsetzt, kann es seine Wünsche

und Bedürfnisse besser ausdrücken.

Viele Aggressionsausbrüche

oder Resignation durch

Fehlinterpretationen der

Bezugspersonen, die oft nur

unklare Laute, Weinen oder

Schreien deuten müssen, können

damit vermieden werden.

Wesentlich für die Verwendung

von Gebärden ist, dass sie von

allen, die den Betroffenen

begleiten, angewandt werden.

Daher ist es sehr wichtig, dass

LehrerInnen, Eltern und Pflegepersonen

die zu verwendenden

Gebärden gemeinsam auswählen

und sich immer

absprechen, wenn neue Gebärden

eingeführt werden.

Auf der vorliegenden CD sind

die Gebärden als Video dargestellt,

freundlich und pointiert

gezeichnet und beschrieben.

Damit ist es möglich, die

Gebärden einfach zu erlernen.

ten Animation am Bildschirm

und die Vorteile eines Buches,

das vor allem individuell auf

die Bedürfnisse des jeweiligen

Kindes zusammengestellt wird.

Herausgegeben wurde die CD

von Johanna Tanil, Gerti

Jaritz-Tschinkel und Norbert

Tschinkel, dem Verein der Sehbehinderten-

und Blindenpädagogen

und dem Odilien-

Institut.

Die CD „Körpernahe Gebärden“ ist

für 15 Euro (plus 2 Euro Versandspesen)

zu bestellen beim Odilien-

Institut, Johanna Tanil oder Gerti

Jaritz-Tschinkel, Leonhardstraße

130, 8010 Graz

E-Mail: j.tanil@inode.at

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Projekt Europa –

Preisverleihung

Über 200 Preisträger konnten

beim Schülerwettbewerb

„Europa macht Schule“ zum

Thema „Projekt Europa –

Equal Opprtunities für alle?

Ideal und Realität“ ausgezeichnet

werden. Die vom Europäischen

Erzieherbund (EEB)

durchgeführte Preisverleihung

fand im Bundesschulzentrum

Feldbach für die jungen Künstler

aus der gesamten Steiermark

und den ungarischen

Komitaten Baranya, Tolna und

Vas statt. Die Preise wurden

vom Landesschulinspektor und

Landesobmann des EEB, Hofrat

Mag. Rupert Dirnberger,

Mag. Jutta Petz in Vertretung

des Landes Steiermark und von

der Fachinspektorin für Bildnerische

Erziehung Mag. Heidrun

Faber verliehen. Musikalisch

umrahmt wurde die Feier

durch Tänzerinnen und Tänzer

aus Szombathely und des

BORG Feldbach.

Dieser Wettbewerb wird in fast

allen Staaten des Europarates

durchgeführt. Die Steiermark

beteiligt sich seit über vierzig

Jahren erfolgreich daran.

Bundespreise erhielten in der

Kategorie Einzelarbeiten:

Monja Zaunschirm, Musikschule

Fehring, Kindergarten;

Corinna Weinrauch, Musikschule

Fehring, 1. Kl. VS; Linda

Puntschart, HS/RS Fehring,

2A; Kathrin Seiler, HS Markt

Hartmannsdorf, 4B; Johannes

Monschein, BORG Feldbach,

6B; Hannah Pfingstl und Nadine

riegler, BG/BRG Fürstenfeld,

4E.

In der Kategorie Projektarbeiten:

MHS Kirchberg a. d. Raab, 2M-

Klasse, Projektleitung: Dipl.

Päd. Reingard Meier; BG/BRG

Judenburg, Simultania Liechtenstein,

Projektleitung: OStR.

Helmuth Ploschnitznigg;

Europa-HAK Bad Aussee, Projektleitung:

Mag. Karina Pressberger;

HLW Hartberg, Projektleitung:

Mag. Karin

Wanker.


REIN RECHNERISCH

SCHULE

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Sensibilisierung für Kapitäns

8

Nr. 191

OKTOBER

2007

Ist pädagogisches

Handeln von Lehrerinnen

und Lehrern zur

Veränderung der Aufgaben-

und Lernkultur im

Mathematikunterricht

wirklich unbestimmbar?

UNIV.-DOZ. MAG.

DR. HERBERT SCHWETZ

Im Schuljahr 2006/2007 wurde

im Aufsichtsbereich Weiz-

Nord, Bundesland Steiermark,

mit Unterstützung von IMST

und dem MNI-Fonds ein Interventions-

und Verbundprojekt

zur Veränderung des Mathematikunterrichts

auf der dritten

bis sechsten Schulstufe durchgeführt.

Es nahmen 38 Volksund

Hauptschullehrerinnen

und -lehrer teil. Folgende Ziele

wurden verfolgt:

1. Veränderung des Mathematikunterrichts

in Richtung Bildungsstandards;

2. Weiterentwicklung der Lernund

Aufgabenkultur in Richtung

mehr Individualisierung,

Autonomie und Viabilitätsorientierung

(Ermöglichung des

Beschreitens eigener Lösungswege

für Schülerinnen und

Schüler);

3. Erhöhung der Adaptivität

des Mathematikunterrichts;

4. Verbesserung der mathematikspezifischen

Lese- und

Lösekompetenz für Schülerinnen

und Schüler in Zusammenhang

mit Textrechnungen und

5. Sensibilisierung der Schülerinnen

und Schüler für unvollständige

und nicht lösbare Aufgaben

(Kapitänsaufgaben).

Die Ziele unter den Punkten 4

und 5 wurden unter dem didaktisch-methodischen

Dreischritt

„Lesen - Denken - Rechnen” -

also Lesen der Textaufgabe,

Nachdenken über die Sinnhaftigkeit

oder Unvollständigkeit

der Aufgabenstellung und

danach Setzen von Lösungsschritten

- an die Schülerinnen

und Schüler herangetragen.

Den Planenden, den Durchführenden

und den Begleitern des

Projektes stellte sich die Frage,

ob ein solches Projekt gelingen

könnte und ob Wirkungen feststellbar

sein würden. Kann

durch Fortbildung auf LehrerInnen-Ebene

etwas bewirkt

werden, das auch in irgendeiner

Form auf SchülerInnen-

Ebene sichtbar und auch messbar

gemacht werden kann?

Es wurde eine quasi-experimentelle

Längsschnittstudie an

neun Hauptschulen mit insgesamt

19 Klassen (n = 409)

durchgeführt. Zum ersten

Messzeitpunkt, Herbst 2006,

wurde eine Reihe von Tests zur

Bestimmung der Ausgangslage

(z. B. Lesetests, Tests zum

Textrechnen, Interesse an

Mathematik etc.) durchgeführt.

Am Ende des Interventionsjahres

wurden die Schülerinnen

und Schüler abermals getestet,

um eine Wirkung der Interventionsarbeit

feststellen zu können.

Weiters wurden die Lehrerinnen

und Lehrer zu Ende des

Projektes befragt, in welchem

Ausmaß sie die Projektidee im

Laufe des Schuljahres umgesetzt

hatten. Es wurden zwei

Typen von Umsetzung der Projektidee,

nämlich hohe und

mittlere Umsetzung, in der

Datenanalyse unterschieden.

Zusätzlich wurden Daten in

Kontrollklassen erhoben.

An zwei ausgewählten Variablen

soll gezeigt werden, dass

das Projekt gelungen ist:

1. Testleistung im Textrechnen

(curriculumorientierte Tests

„LesenDenkenRechnen 2006”

und „LesenDenkenRechnen

2007”)

2. Viabilitätsorientierung des

Mathematikunterrichts aus

Sicht der Schülerinnen und

Schüler

Die Daten wurden mit Hilfe

einer Varianzanalyse mit Messwiederholung

und mit der

Mehrebenenanalyse, einer weiterentwickelten

Regressionsanalyse

zur Einbeziehung von

Kontexteffekten (Lernumwelten

der Klassen), ausgewertet.

Dieses Verfahren gestattet es,

die in Betracht kommende

Schülerleistung am Ende des

Projektjahres aus der Perspektive

von Vorleistungen (z. B.

Testergebnisse zum Textrechnen

zu Beginn des Projektes)

und einer Vielzahl weiterer

relevanter Faktoren (z. B.

Geschlecht, Interesse an

Mathematik, allgemeine Lesekompetenz,

Intelligenz, Umsetzung

der Projektidee etc.) zu

betrachten. Die curriculumorientierten

Tests zum Textrechnen

enthielten Aufgaben auf

verschiedenen Anforderungsniveaus.

Der obige Sachverhalt

kann auch als Wortgleichung

dargestellt werden: Curriculumorientierter

Test zum Textrechnen

2007 (= unabhängige

Variable) = Curriculumorientierter

Test zum Textrechnen

2006 + Geschlecht + Interesse

an Mathematik + allg. Lesekompetenz

+ ... + ... (= unabhängige

Variablen).

Die varianzanalytisch (mit

Messwiederholung) ermittelten

Ergebnisse aus dem curriculumorientierten

Test zum

Textrechnen („LesenDenken-

Rechnen 2007”) zu Ende des

Projektjahres zeigen sehr klar

und deutlich, dass das Interventionsziel

erreicht werden

konnte. Die Klassen mit hoher

Umsetzung der Projektidee

schnitten signifikant besser ab

als die Klassen mit mittlerer

Umsetzung sowie die Kontrollklassen

und dies trotz vergleichbarer

Ausgangslage.

Weiters wurde im Mai 2007

überprüft, in welcher Weise die

Schülerinnen und Schüler ein

zentrales Interventionsziel,

nämlich die Viabilitätsorientierung

im Mathematikunterricht,

wahrgenommen haben. Auch

in diesem Fall konnte für die

Interventionsklassen ein signifikant

günstigeres Ergebnis

ermittelt werden. Die Öffnung

des Unterrichts und die Ermöglichung

des Beschreitens eigener

Lösungswege durch Schülerinnen

und Schüler wurden

in den Klassen des Projektes

signifikant höher realisiert.

Mit den mehrebenenanalytischen

Modellen wurde eine

Reihe von Faktoren (= Prädiktoren)

überprüft: (1) textrechennahe

Faktoren (z. B. Kompetenz

zum Modellieren und

zum Lösen von anspruchsvollen

Problemaufgaben, allgemeine

und mathematikspezifische

Lesekompetenz); (2)

demografische Prädiktoren (z.

B. Geschlecht, Muttersprachlichkeit

etc.); (3) Prädiktoren

aus dem Bereich der Persönlichkeit

der Schülerinnen und

Schüler (z. B. Interesse an

Mathematik, Fähigkeitsselbstbild

etc.); (4) Lernkulturfaktoren

(z. B. Viabilitätsorientierung

des Mathematikunterrichts,

Wahrnehmung der

Klassengemeinschaft etc.).

Es konnten klassenspezifische

Effekte „over and above” der


Nr. 191

OKTOBER

9

REIN RECHNERISCH

2007

SCHULE

aufgaben …

Alles verändert sich – so

soll auch der

Mathematikunterricht

einer Veränderung unterzogen

werden als Folge

der PISA-Studie.

Die „Schule“ bringt ab

dieser Ausgabe in loser

Folge Artikel zum Thema

Mathematik.

oben genannten Faktoren und

der dreistufigen Variablen

Interventionstyp nachgewiesen

werden. Die Effekte waren

allerdings nicht einheitlich.

Das Bündel von Geraden in der

nachfolgenden Darstellung

fasst die Längsschnittstudie

zusammen. Jede Klasse ist

durch eine Gerade, allerdings

mit unterschiedlicher Steigung,

vertreten.

Steile Steigungen bedeuten,

dass der Testwert am Ende des

Projektjahres sehr stark vom

Anfangswert im Herbst 2006

abhängig ist. Flache Steigungen

bedeuten, dass der Testwert

am Ende des Projektjahres

kaum vom Anfangswert im

Herbst 2006 abhängig ist. Im

zweiten Fall hat die Lehrerin

oder der Lehrer versucht, den

Leistungsoutput am Ende des

Jahres vom Anfangswert

unabhängig zu machen. Man

könnte sagen, dass diese Lehrerin

oder dieser Lehrer ausgleichend

gefördert und unterrichtet

hat. Es gibt also

Klassen, in denen das Vorwissen

sehr relevant ist. Es gibt

hingegen auch Klassen, in

denen die Klassenregressionslinie

beinahe parallel zur x-

Achse ist. Das Vorwissen hat

keine Relevanz. In Klassen, für

die eine negative Steigung für

die Klassenregressionslinie

festgestellt werden konnte, ist

ein hohes Vorwissen sogar

abträglich.

Daraus kann der Schluss gezogen

werden, dass die Lernumwelten

in der Klasse sehr

unterschiedlich gewirkt haben.

Für Schülerinnen und Schüler

mit mittlerem Vorwissen im

curriculumorientierten Vortest

„LesenDenkenRechnen 2006”

macht es keinen Unterschied,

www.dieschule-stmk.com

in welcher Klasse sie sich

befinden. Für Schülerinnen

und Schüler mit einem hohen

Vorwissen macht es einen sehr

großen Unterschied, in welcher

Klasse sie unterrichtet werden.

Dieser unterschiedliche Effekt

der Lernumwelten stellt für

die mathematikspezifische

Unterrichtsentwicklung ein

sehr bemerkenswertes Ergebnis

dar. Über die Wirkmechanismen

kann mit dieser Studie

nichts gesagt werden, zumal

keine Daten aus Unterrichtsbeobachtungen

vorliegen. Das

Ergebnis macht deutlich, dass

dem Lernkontext neben anderen

relevanten Faktoren eine

erhöhte Aufmerksamkeit zu

schenken ist. Aus systemischer

Sicht und aus der Tradition der

Schuleffektivitätsforschung

„School Matters!” ist das

Ergebnis aber plausibel.

Zusammenfassung

Die vorliegenden Ergebnisse

sind in mehrfacher Weise interessant.

Eingangs wurde die

Frage gestellt, ob das pädagogische

Handeln von Lehrerinnen

und Lehrern zur Veränderung

der Aufgaben- und

Lernkultur im Mathematikunterricht

bestimmbar ist. Weiters

war in diesem Projekt von

Interesse, ob die durchgeführten

Fortbildungsmaßnahmen

auf Schülerinnen- und Schülerebene

sichtbar gemacht werden

können. Beide Fragen können

bejaht werden. Mit der

Variablen Viabilitätsorientierung

des Mathematikunterrichts

konnte nachgewiesen

werden, dass sich die Lernkultur

verändert hat. Es konnte

aber auch gezeigt werden, dass

in den Klassen, in denen die

Projektidee umgesetzt wurde,

die kognitiven Leistungen signifikant

höher als in den Kontrollklassen

waren.

Für die mathematikspezifische

Unterrichtsentwicklung sind

differenzierte Überlegungen in

Richtung der unterschiedlichen

Wirkungen der Lernumwelten

anzustellen. Lehrerinnen und

Lehrer besuchen erfolgreich

Fortbildungen und realisieren

die Projektidee in völlig unterschiedlicher

Weise. Einige

davon stark individualisierend

und ausgleichend, andere stark

abhängig vom Vorwissen.

Es stellt sich die Frage, wie

Fortbildung subjektive Theorien

von MathematiklehrerInnen

zu modifizieren vermag

und welche Bedingungen dazu

erforderlich sind. Weiters wäre

zu klären, ob ausgleichende,

individualisierende und viabilitätsbefördernde

Fortbildungsprogramme

instruktivistisch

orientierte

Unterrichtsmodelle ersetzen,

koexistenziell überformen oder

gegen ältere (klassische) Unterrichtsansätze

gar chancenlos

sind.

Mehrwert

Wald

Die Kinder sind begeistert.

Heuer organisiert die steirische

Landwirtschaftskammer gemeinsam

mit ProHolz und der

Pädagogischen Hochschule in

Graz die Waldspiele zum 12.

Mal. Anstatt die Schulbank zu

drücken wird an einem Erlebnisvormittag

das Klassenzimmer

in den Wald verlegt. Unter

Anleitung von pädagogischen

Betreuern und Forstexperten

gilt es, verschiedene Aufgaben

rund um das Thema Wald zu

erfüllen.

Im Vordergrund steht dabei,

beim Baum tasten, beim

Geräuschbild oder beim Duftmemory

den Wald mit allen

Sinnen zu erleben. Bei den

spielerischen Aktionen und den

Geschicklichkeitsbewerben

wird aber auch darauf Wert

gelegt, die Funktionen des Waldes

zu vermitteln. So ist es

wichtig, den Wald nicht nur als

„Grüne Oase” darzustellen.

Vielmehr ist er ein toller Spielplatz,

er schützt uns, er reinigt

unsere Luft und unser Wasser -

und wir leben von ihm.

Durch die Waldspiele soll dem

forstlichen Laien der Wald

näher gebracht werden, zu ihm

eine gelebte Beziehung entstehen

und die Genialität des

Werkstoffes Holz klar werden.

Neben den Waldspielen, die

sich auf Kinder der dritten

Schulstufe beziehen, ist es auch

möglich bei diversen waldpädagogischen

Führungen teilzunehmen.

Veranstaltungshinweise

dazu gibt es neben den

Bezirkskammern und der Landeskammer

für Land- und

Forstwirtschaft sowie beim

Verein „Waldpädagogik in

Österreich” unter www.waldpaedagogik.at.


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SCHULE

www.dieschule-stmk.com

10

Nr. 191

OKTOBER

2007


LANDESSCHULRAT

FÜR STEIERMARK

VERORDNUNGSBLATT

Stück nn

Jahrgang 2007

Oktober 2007

herausgegeben

in Graz,

Körblergasse 23

Aus ökonomischen Gründen entfällt das Verordnungsblatt des

Landesschulrates für Steierermark für den Monat Oktober. Im November

2007 erscheint das Verordnungsblatt des Landesschulrates für Steiermark

als Doppelnummer Stück 10/11.


HINTER DEM HORIZONT

SCHULE

www.dieschule-stmk.com

A Country Without Language Is A

12

Nr. 191

OKTOBER

2007

„Tir gan teanga, tir gan

anam“, schreibt’s der

gälischkundige Ire, „Teer

gon tyonga, teer gon

onumm“, spricht er es

aus und meint. Ein Land

ohne Sprache ist ein

Land ohne Seele. Damit

ist der Leitgedanke des

irischen Schulwesens

bereits skizziert: Jeder

Schüler und jede Schülerin

muss am Ende der

Schulzeit nicht nur Englisch

sprechen können,

sondern auch ausreichende

Kenntnisse der

gälischen Landessprache

nachweisen. Nicht alle

freut es.

THOMAS AITITSCH

Ursprüngliches“ Irland Ende

August 2007: Die faszinierende

Welt von Bergen,

kleinen Inseln und Meer, Ring

of Kerry genannt, nimmt uns

gefangen. Dann ein kurzer

Halt auf einem Parkplatz

neben der schmalen Straße. Ein

älterer Mann und zwei Kinder

mit einem Esel samt Lastkörben

und einem entzückenden

Hund stehen dort. An einem

improvisiertem Stand verkauft

eine Dame selbst gefertigte

Handarbeiten. Die elfjährige

Tessa und der vierzehnjährige

Seamus verraten mir, dass sie

eigentlich zusammengehören

und als Familie hier für Touristen

um ein kleines Taschengeld

versuchen, die Atmosphäre des

ursprünglichen Irland wiederaufleben

zu lassen Die Insassen

zweier Busse begutachten die

feilgebotenen Handarbeiten.

Ich frage Seamus , ob er gern

hier steht? „Oh ja“, antwortet

er ,„aber leider nur noch heute,

denn die Schule beginnt wieder.“

Und seine Schwester Tessa

macht eine Grimasse, die

nicht gerade Begeisterung signalisiert.

Auf meine Frage nach

dem Grund ihrer Unlust meint

sie nur: „ I don’t like that dumb

Gaelic ...“

Tradition und Zukunft im

Spannungsfeld

Die gälische Sprache gilt in

vielen Regionen Irlands noch

immer inoffiziell als erste

Amtssprache vor dem Englischen.

Und die Stadtführerin in

Dublin, von Beruf selbst Lehrerin,

betont: „Alle, die in Irland

ein öffentliches Amt bekleiden

wollen, müssen ausreichende

Kenntnisse der gälischen Sprache

nachweisen.“ Gälisch sei in

der Republik verwurzelt und

auch in der Schule werde alles

dafür getan, gelegentlich sehr

zum Leidwesen der Schüler,

dass die ursprüngliche Sprache

der Iren nicht aussterbe. So sei

Gälisch Pflichtfach in der Primary

und Secondary School

und auch Bestandteil der

Abschlussprüfungen.

Auf der anderen Seite wird in

Irland vor allem in der weiterführenden

Bildung, der boomenden

Entwicklung in der

Telekommunikations-Industrie

und des Tourismus Rechnung

getragen und auf dementsprechende

Qualifikationen abgezielt.

Auch in der Lehrlingsausbildung

habe man dem

derzeitigen Bauboom Rechnung

getragen und die Kurse in

ausgewählten Bereichen wie

Bau, Maschinenbau, Druckindustrie

und Möbelherstellung

ausgeweitet.

Das Dublin Institute of Technology

bietet neben dem Technikstudium

so nebenbei auch

Fachstudiengänge für das

Hotelwesen sowie Tourismusmarketing

an.

Dreiteiliges Bildungssystem

ohne Designer-Clothes

Schulpflicht besteht für irische

Kinder von sechs bis 15 Jahren.

Das Schuljahr hat drei Terms

(Trimester) und endet Anfang

Juni. Pro Term werden sechs

bis acht Fächer belegt. Der

Schultag beginnt, abgesehen

von regionalen Unterschieden,

grundsätzlich um 8.30 Uhr und

endet um 16 Uhr. Geführt wird

jeder Schultyp als Gesamtschule.

Die Unterrichtsstunden sind

mit 40 Minuten anberaumt. Die

Primary School befindet sich

mit wenigen Ausnahmen in

kommunaler oder kirchlicher

Hoheit, wird aber auch privat

geführt und vom Staat oder

lokalen Trägern finanziert.

Die Secundary School dauert

fünf bis sechs Jahre. Die ersten

drei Jahre werden Junior Cycle

genannt. Darauf folgt ein Transition

Year zum Senior Cycle,

aus dem man dann nach einem

Zusatzjahr in die tertiäre Ausbildung

an die Universität, eine

technische oder pädagogische

Hochschule wechseln kann.

Nach britischem Vorbild sind

an allen irischen Schulen

Schuluniformen Pflicht, was

der sportlichen Betätigung und

der Freude an Bewegung

jedoch keinen Abbruch tut, wie

das Foto der Pausenaktivitäten

einer Primary School in Clonmacnoise

beweist. „Streitereien

über Modefragen werden so

von vornherein vermieden“,

meint dort eine Lehrerin aus

Deutschland, die schon längere

Zeit in Irland lebt, „Modekonkurrenz“

bei Schülerklamotten

an deutschen Schulen kennt,

aber nicht unbedingt mehr

dorthin zurückkehren will.

Migrationsprobleme

Etwa zehn Prozent der irischen

Bevölkerung sind Einwanderer.

Vor rund zehn Jahren gab

es gerade ein Prozent Immigranten

in diesem Land. Der

Europarat in Straßburg hat

nun Irland aufgefordert, mehr

nichtkatholische Schulen zu

schaffen, denn immerhin seien

98 Prozent der irischen Grundschulen

in kirchlicher Hand.

„Schüler, die einer anderen

Glaubensgemeinschaft angehören,

fühlen sich hier häufig

als Außenseiter“, meinte ein

Sprecher der Europäischen

Kommission gegen Rassismus

und Intoleranz (ECRI). Die Kritik:

Das irische Bildungssystem

habe auf die neuen Verhältnisse

in der Zuwanderung noch

nicht entsprechend reagiert.

Geburtenrate

zufriedenstellend

Schülerzahl-Probleme gibt es

in Irland derzeit nicht. „Eine

irische Familie hat normalerweise

bis zu fünf Kinder, aber

auch acht bis zehn Kinder werden

hier als nichts Außergewöhnliches

angesehen“, betont

die Stadtführein in Dublin und

weist auf die vielen jungen

Menschen in den Straßen der

Hauptstadt hin. „Über 50 Prozent

der irischen Bevölkerung

ist unter 28 Jahren“, gibt sie

dann zu bedenken. Abtreibung

sei in Irland nach wie vor verboten.

Jene Frauen oder Mädchen,

die es sich aber leisten

können, fahren zu diesem

Zweck nach Großbritannien.

Was Förderungen betreffe,

werde in Irland aber sehr viel

für Familien getan.


Nr. 191

OKTOBER

13

HINTER DEM HORIZONT

2007

SCHULE

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Country Without Soul

Gälisch lernen im Sommerlager …

Die irische Bildungsministerin

Mary Hanafin erklärt, wie

wichtig es ist, die Kenntnisse

der irischen Sprache zu verfeinern.

Praktiziert wird dieser

Prozess schon in der Primary

School. Hier ein gekürzter

Auszug aus ihrer Pressemitteilung

vom Juli 2007.

“... 600 primary school children,

ranging in age from ten to

thirteen years, are attending

two weeklong Irish language

camps at ten schools at Athlone,

Cork, Dublin, Dundalk,

Galway, Wexford and Waterford.

In each of the camps there

are structured language lessons

as well as fun activities

through Irish, such as drama,

music, visual arts and sports.

The activities will be organized

in a way that will enable the

children to learn Irish, while

participating in enjoyable activities

related to their levels and

competence. I want to see children

being given every opportunity

to learn to love the Irish

language and know that it is a

living part of our culture and

heritage. ...“

With reference to state exams

Mary Hanafin announced:

“Students, starting in second

level school this September will

hear more emphasis given to

spoken Irish. By the time they

sit their Leaving Certificate 40

% of the marks available in

their Irish exam will be for the

spoken word. Speaking any

language will encourage a

greater interest and love for it.

With Ireland becoming more

and more multicultural, I believe

it is vitally important that

we encourage a love of our own

native language and culture. I

want to thank all the schools

and teachers who have embraced

this new initiative. ... It is

also an experience that children

will remember all their

lives ...“

Quelle: www.

maryhanafin.ie/july92007.htm

Back to the roots

Wir sind multikulturell,

multilingual und manche

auch Multitalente: Das Wort

„multi“ ist in den letzten

Jahren, ja im letzten Jahrzehnt

sozusagen ein fester

Bestandteil unserer Sprache,

aber auch unseres Fühlens

und Denkens geworden.

Es ist Synonym für

Weltoffenheit, Toleranz,

einen erweiterten Blick für

die Zusammenhänge, der

nicht am heimischen Kirchtum

bereits seinen Horizont

findet. In diesem Sinne war

ja auch schon der gute alte

Geheimrat Goethe ein Weltbürger

ganz in heutigem

Sinn.

In Irland, jener Insel, die vor

noch nicht allzu langer Zeit

in der politischen Landschaft

Europa nicht unbedingt

zu den „reichen“ Ländern

gezählt wurde, ist mit

dem EU-Beitritt und jenem

zur Währungsunion ein Aufschwung

eingetreten, der

nach und nach auch das

Denken der Inselbewohner

erfasst. Schon längst gibt es

auch dort Kräfte, die angesichts

der englischen Sprache

in der Europäischen

Union massiv die Beibehaltung

der gälischen Sprache

in Frage stellen, indem sie

zu bedenken geben, ob es

angesichts der Globalisierung

nicht doch sinnvoller

sei, die englische Sprache zu

fördern. Vielleicht ist es die

seit den Zeiten Cromwells

historisch begründete Unbeliebtheit

der Engländer auf

der Insel, die sozusagen

unterschwellig die so

genannten „fortschrittlichen

Kräfte“ in Schranken

hält, vielleicht Nationalstolz,

vielleicht aber auch

nur Logik, die in der Erfahrung

jener nach den USA

emigrierter Iren ihren

Ursprung hat. Der Vater

von Seamus und Tessa

jedenfalls legte Wert darauf,

dass seine Kinder auch die

Landessprache sprechen

und brachte es auf den

Punkt: „Es ist schon wichtig,

abzuschätzen, wohin du

gehst, und voranzuschreiten,

aber es ist auch wichtig

zu wissen, woher du

kommst.“ Zurück zu den

Wurzeln – back to the roots!

Thomas Aititsch


ELTERN

Nicht genügend, setzen!

Was wohl tun Mütter,

wenn sie sich treffen? Sie

reden über ihre Kinder.

Jede beschreibt in den

schönsten Worten die

Eigenschaften des/der

eigenen, hier natürlich

nur die guten. Sei’s drum,

ich denke, wir sind alle

gleich und deshalb soll

jede von uns mit ihren

Kindern Freude haben.

Ein Geschehnis in den letzten

Wochen hat mich allerdings

sehr nachdenklich gemacht.

Bei einer gemeinsamen Wanderung

mit Verwandten wurde

ich in solches Gespräch verwickelt.

Eine Dame – ihres Zeichens

Pädagogin – erzählte der

lauschenden Menge von den

überaus braven Söhnen, wobei

sie besonders deren schulische

Leistungen würdigte. Beide

konnten ihrer Aussage nach

jede Stufe des Gymnasiums

und sogar die Matura mit Auszeichnung

abschließen und studieren

äußerst erfolgreich an

verschiedenen Universitäten.

Nun ja, meine eigene Tochter

besucht ebenfalls das Gymnasium.

Natürlich ist sie eine brave

Schülerin, aber so ganz ohne

Nachhilfestunden geht’s halt

auch nicht. So wiegte ich während

ihrer Ausführungen den

Kopf und überlegte ernsthaft,

mein Kind von der Schule zu

nehmen.

Anschließend klärte sie uns

über ihre Einstellung zu den

Leistungsgruppen der Hauptschule

auf. Und das vernichtende

Urteil über die dritte LG:

Hier würden jene Schüler landen,

denen später halt nichts

anderes übrig bleibt, als in die

Poly zu wechseln und dann

„irgendwohin lernen zu

gehen“.

Nun blieb mir der Atem weg

und ich musste erst mal kräftig

schlucken. War doch mein

Sohn genau in dieser Kategorie

gelandet! Vielleicht ein bisserl

bequem, was das Lernen

betrifft, aber an praktischen

Dingen sehr interessiert und

auf unserem Betrieb durchaus

zu gebrauchen, sehr zuverlässig

und in der Ausführung seiner

Tätigkeiten genau.

Ein wirklich lieber Mensch mit

sozialer Kompetenz, Interesse

und sympathischem Charakter.

Ich war mir eigentlich sicher,

dass mein Sohn sein Leben

meistern würde, hatte er doch

wirklich Ziele, die es zu erreichen

galt.

Ich beschloss, dieses Thema

kommentarlos über mich ergehen

zu lassen – ganz entgegen

meiner sonstigen Art. Genau in

diesem Moment richtete besagte

Frau aber das Wort an mich:

„Na, was macht dein Sohn

jetzt?“

Ich versuchte, meine Ruhe wieder

zu finden und antwortete

wahrheitsgetreu. So erzählte

ich, dass mein Sohn derzeit die

Polytechnische Schule besuche

und bereits in der zweiten

Praktikumswoche einen Lehrvertrag

bekommen habe.

Er freut sich wirklich sehr

darauf, seinen Traumberuf

Kfz-Techniker lernen zu dürfen!

Da hob sie erfreut die

Augenbrauen, lächelte und

wies dezent auf die drei Autos

in ihrer Familie hin, deren

Werkstättenkosten ständig im

Steigen begriffen sind.

In einer für angehende Lehrlinge

sehr schwierigen Zeit ist es

nicht selbstverständlich, in seinem

Wunschberuf ins Leben zu

starten und so war die Entscheidung

für die Polytechnische

Schule rückblickend gesehen

sicher eine gute. Praktische

Fertigkeiten und Teamfähigkeit

werden vermittelt, es wird

auf ein gutes Klima Wert gelegt

und jede nur mögliche Hilfe

geboten, die Schüler zum

Erreichen ihrer Ziele benötigen.

Nicht jeder kann oder will ein

Studiosus werden – jemand

muss schließlich dem Herrn

Doktor oder Diplomingenieur

auch das Auto reparieren, das

Haus bauen, die Heizung

installieren usw. Unser aller

Lebensstandard ließe sich ohne

Facharbeiter gar nicht halten,

geschweige denn, leben! Handwerk

hatte schon immer goldenen

Boden!

Eines lass dir gesagt sein, gute

Frau: Fachlich schätze ich dich

sehr – menschlich jedoch bist

du bei mir durch die Prüfung

gefallen!

Katharina Winkelmayer

SCHULE

www.dieschule-stmk.com

Kooperationen

www.dieschule-stmk.com

Das Comenius-Projekt

COPASCH bedeutet

Kooperation Eltern –

Schule. Am BG/BORG

Graz-Liebenau wird

daran gearbeitet.

OTTO KALTNER*

„Was ist mit den Eltern?” - die

Ausgangsfrage einer Glosse des

Schulpsychologen Dr. Josef

Zollneritsch in der Kleinen Zeitung

vom 1. 3. 2006. Dabei

haben, wie Zollneritsch fortfährt,

die letzten PISA-Ergebnisse

„eindeutig gezeigt: Je

mehr sich die Eltern für die

Schule engagieren, desto besser

die Leistungen der Kinder. (...)

Die Erwartungen zwischen

Schule und Elternhaus bleiben

aber oft unausgesprochen und

werden meist als selbstverständlich

vorausgesetzt. Missverständlichkeiten

sind vorprogrammiert.“

Man könnte

noch eins draufsetzen und

behaupten, dass LehrerInnen

und Eltern einander nicht selten

mit einer gehörigen Portion

Misstrauen gegenüberstehen.

Woran liegt dies? Wohl auch

daran, dass die Kommunikationsmuster

zwischen den an

Schule beteiligten Akteuren

nicht mit den Standards, die

sich in anderen professionellen

Bereichen und im öffentlichen

Diskurs unserer demokratischen

Gesellschaft etabliert

haben, Schritt halten konnten.

Einfacher ausgedrückt: Begegnung

auf gleicher Augenhöhe

und wirkliche Kooperationsbereitschaft

tun Not. Denn es

geht um viel – die Eltern sind

eine Ressource, die in Zeiten

steigenden Qualifikationsbedarfs

in Gesellschaft und Schule

nicht brachliegen darf.

Dies sei am Beispiel der Lesekompetenzvermittlung

veranschaulicht:

Als Deutschlehrer

wage ich die Behauptung, dass

es unserem Schulsystem in

Hinblick auf die Lesekompetenz

unserer SchülerInnen

nicht gelingen wird, ins europäische

Spitzenfeld aufzuschließen,

wenn schulische

Maßnahmen nicht von breiterer

Unterstützung der Leseerziehung

durch die Eltern flankiert

werden. Dazu aber bedarf es

einer Bewusstmachung des

14

Nr. 191

OKTOBER

2007

Stellenwerts des Lesens als

erfolgskritisches Kriterium –

gerade auch wenn es um kombinatorisches

Denken und

mathematisch-naturwissenschaftliches

Verständnis geht.

Und einer Bewusstmachung

des unverzichtbaren Beitrags,

den die Eltern bei der Vermittlung

dieser Basisqualifikation

leisten können. Wenn man

davon ausgeht, dass LehrerInnen

und Eltern ein ganz zentrales

Anliegen teilen – nämlich

das Wohl des Kindes bestmöglich

zu befördern –, so müsste

doch eine tragfähige Basis für

einen fruchtbringenden Dialog

vorhanden sein und breitere

Kooperationsbereitschaft möglich

werden.

Eine Intensivierung der Kommunikationsschiene

Eltern –

Schule scheint also eine unverzichtbare

Voraussetzung, wenn

wir bereit sind, uns den

Herausforderungen der Zeit –

wachsenden Anforderungen an

Schule und Kinder, aber auch

Phänomenen wie Schulfrust

und Gewalt in der Schule – zu

stellen.

Momentan gibt es aber im

österreichischen Schulwesen –

wie auch in vielen anderen

europäischen Staaten - keine

strukturierten Vorgehensweisen,

die Eltern als Kooperationspartner

in Bildungsprozesse

einzubinden, Barrieren abzubauen

und eine positive Einstellung

aller Eltern zur Institution

Schule – unverzichtbare

Voraussetzung für die Identifikation

der Kinder mit dem

schulischen Geschehen – systematisch

zu fördern. Die Schule

sucht das Gespräch mit den

Eltern zumeist nur dann, wenn

Probleme in Hinblick auf Leistung

oder Verhalten zu konstatieren

sind, keine optimalen

Voraussetzungen für ein produktives

Gesprächsklima!

Das von der Europäischen Union

finanzierte Comenius-Projekt

COPASCH (Kooperation

Eltern - Schule), an dem das

BG/BORG (HIB) Graz-Liebenau

seit dem Schuljahr 2005/06

mitarbeitet, hat das Ziel, einerseits

die unterschiedlichen Vorgangsweisen

in verschiedenen

europäischen Staaten zu vergleichen

und Best-practice-

Modelle zu identifizieren,

andererseits neue Wege der


Nr. 191

OKTOBER

15

ELTERN

2007

SCHULE

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Elternarbeit zu erproben und

eine Liste an Empfehlungen an

die Europäische Kommission

auszuarbeiten. Diese Empfehlungen

sollen europaweite

Standards für Elternarbeit vorschlagen

und die Zusammenarbeit

Eltern – Schule als eines

der Qualitätskriterien für gute

Schule etablieren. Weiters sollen

Vorgangsweisen der

Zusammenarbeit Eltern –

Schule als Prozesse mit klaren

Verantwortlichkeiten auf den

verschieden Hierarchieebenen

des Schulsystems definiert

werden und deren Umsetzung

in den Mitgliedsstaaten angeregt

werden. Diese Prozesse

beziehen sich vor allem auf die

Bereiche Informations-, Mitwirkungs-

und Mitbestimmungsrechte,

Unterstützungsangebote,

Lehreraus- und

-fortbildung sowie Fortbildungsangebote

für Eltern.

Im Rahmen der Mitarbeit am

COPASCH-Projekt wurden an

der HIB Liebenau Eltern-

Workshops für alle Eltern der

neu eintretenden SchülerInnen

der 1. Klassen angeboten und

evaluiert. Zirka 60 Prozent der

eingeladenen Eltern nahmen an

einem oder mehreren dieser

Workshops teil.

Ziele, die mittels dieser Workshops

erreicht werden sollten,

waren:

● unmittelbar nach dem Schuleintritt

der Kinder Barrieren

abzubauen und ein Klima der

Kooperation zu etablieren

● die Einstellungen der Eltern

gegenüber der Institution

Schule zu verbessern

● das gemeinsame Anliegen

von Eltern und LehrerInnen

um das Wohl der Kinder und

ihr gutes schulisches Fortkommen

ins Bewusstsein rücken

● Abklärung der Erwartungshaltungen

der Eltern gegenüber

der Schule sowie auch der

Schule gegenüber den Eltern

● Hilfestellungen für die Eltern

in der oft schwierigen Adaptationsphase

beim Übergang

Volksschule-Gymnasium zu

bieten

● Beratung bezüglich der

Schaffung von optimalen Vorraussetzungen

in Hinblick auf

das Arbeitsklima, die Motivation

und Lernstrategien

Die Inhalte der einzelnen

Workshops (gemäß der Ausschreibung

für die Eltern):

1. Lernen lernen: Dieser Workshop

wird für all diejenigen

Eltern angeboten, deren Kinder

am Projekt Lernen lernen teilnehmen.

Es sollen dabei einerseits

die Grundintentionen dieses

Projekts dargestellt werden

sowie die unterschiedlichen

Lerntypen beschrieben werden.

In weiterer Folge wird die Frage

behandelt, wie die Eltern

ihrem Kind je nach seinem

Lerntypprofil die beste Unterstützung

bieten können.

2. Motivation und Einstellung

zur Schule – Weichenstellungen

zum Erfolg. Was motiviert

mein Kind, wodurch wird es

demotiviert? Dieser Workshop

behandelt die Frage, welche

Beiträge Eltern zur optimalen

Motivation und somit zum

schulischen Erfolg ihrer Kinder

leisten können.

3. PISA & Co.: Tipps und Tricks

für Deutsch, Englisch und

Mathematik. Diese Workshops

dienen dem konkreten Erfahrungsaustausch

zwischen

Eltern und LehrerInnen, die

eines dieser drei Schularbeitenfächer

unterrichten. Im Vordergrund

sollen konkrete Hilfestellungen

und Tipps stehen,

die Eltern bei der Bewältigung

der Mühen des Alltags hilfreich

sein könnten.

Am Ende jeden Workshops

wurden die teilnehmenden

Eltern um ein kurzes schriftliches

Feedback gebeten. Die

Feedbacks waren bis auf ganz

wenige Ausnahmen positiv

oder sehr positiv.

Die Erfahrungen der LehrerInnen,

die die Workshops leiteten/moderierten,

waren ebenfalls

positiv bis sehr positiv.

Folgende Aspekte und Verbesserungspotentiale

wurden

besonders hervorgehoben:

● Es war ein großes Kommunikationsbedürfnis

bei vielen der

teilnehmenden Eltern zu orten

– so dauerten alle Workshops

wesentlich länger als zeitlich

veranschlagt.

● Die Workshops waren sicher

dazu geeignet, die Einstellung

der Eltern der Schule gegenüber

zu verbessern und die Bindung

an die Schule zu intensivieren.

● Der Erfahrungsaustausch

wurde als für beide Seiten (L

und E) als sinnvoll und fruchtbringend

betrachtet

* Otto Kaltner ist Lehrer für Deutsch

und Englisch an der HIB Liebenau

Der Landesschulrat für Steiermark

hat sich dankenswerterweise bereit

erklärt, das Projekt COPASCH als

assoziierter Partner zu

unterstützen. Nähere Informationen

zum Projekt COPASCH über den

Link auf der HIB-Homepage

www.hib-liebenau.at oder von

otto.kaltner@hib-liebenau.at

Pilotprojekt IGW

Schulleiterin und Lehrerinnenteam

der VS Mellach haben

sich darauf geeinigt, das Projekt

IGW (Integrative GewaltpräventionsWerkstatt)

im

Schuljahr 2006/2007 an ihrer

Schule durchzuführen. Ziele:

Die IGW hat sich zum Ziel

gesetzt, sowohl Kindern,

Eltern und LehrerInnen die

Möglichkeit zu bieten, ihre

sozialen Kompetenzen für

einen respektvollen, gewaltfreien

Umgang miteinander zu

erweitern und das eigenverantwortliche

Handeln zu stärken.

Vereinfacht dargestellt bedeutet

das: Miteinander gewaltfrei

leben = Kinder + Eltern + LehrerInnen

begegnen einander

respektvoll und gewaltfrei.

IGW setzt sich zusammen aus

dem Projekt KLEVAR (Kinder

Lernen Einander Verstehen

Akzeptieren Respektieren) für

die Schulkinder, MIKIWA (Mit

Kindern Wachsen – Erziehung

als Persönlichkeitsbildung für

Eltern und Kinder), einem

Elternkommunikationstraining

und dem GTM (Grazer

Trainingsmodell) für LehrerInnen.

Die Evaluation des Projektes

KLEVAR hat ergeben, dass die

Kinder sehr zufrieden mit dem

Ablauf des Projektes waren,

dass sie in ihrer Klasse eine

positive Veränderung bemerken

können und in ihrem Verhalten

in Konfliktsituationen

ein Umdenken stattfand. Die

Auswertung des Lehrerinnenfragebogens

hat die Aussagen

der Kinder bestätigt und sie

sprachen sich einstimmig für

die externe Leitung aus.

Im MIKIWA-Training stand im

Vordergrund, den TeilnehmerInnen

auf Basis eines fundierten

theoretischen Hintergrundes

(personzentrierter Ansatz

von Carl Rogers, Modell der

gewaltfreien Kommunikation

nach Dr. Marshall Rosenberg)

Impulse zu geben, um das eigene

Gesprächsverhalten, die

persönliche Einstellung und

Wirkung des eigenen Verhaltens

auf die Kinder kritisch

unter die Lupe zu nehmen. Es

wurde mit zahlreichen praktischen

Beispielen aus dem

Erziehungsalltag der TeilnehmerInnen

gearbeitet.

Die Atmosphäre war sehr persönlich,

offen und vertrauensvoll.

Im Rahmen der vier Abende

gab es auch immer wieder

Übungen für die Eltern zur

Stärkung ihres eigenen Selbstwertes

und ihrer zentrierten

Haltung. Ab dem zweiten

Abend gab es jedes Mal zu

Beginn Gelegenheit zur Reflexion

der Erfahrungen der vergangenen

Woche bezüglich der

Umsetzung von Neuem in die

Praxis. Dieses Angebot zur

Förderung des Praxistranfers

wurde von den TeilnehmerInnen

intensiv genutzt. Die

Rückmeldungen der TeilnehmerInnen

(schriftlich und

mündlich) zu dieser Seminarreihe

waren sehr positiv. Sie

schätzten vor allem die kleine

Anzahl der TeilnehmerInnen,

dadurch war es möglich, so

persönlich und intensiv mit

den Beispielen aus der Praxis

zu arbeiten. Die TeilnehmerInnen

werden auch weiterhin zu

regelmäßig stattfindenden

Übungsabenden eingeladen,

um Gelegenheit zum Auffrischen,

Austauschen und Lernen

zu bieten.

An dem Projekt GTM gefiel

den Lehrerinnen, dass Zeit für

regelmäßige Treffen stattfand,

die einem bestimmten Thema

gewidmet waren und so die

Möglichkeit gegeben war, hier

einen gezielten kollegialen

Austausch, aber auch einen

Entwicklung bezüglich der

Professionalität als Lehrerin

erfahren zu können. Das bessere

Kennenlernen der Kolleginnen

und die vielen Anregungen

für das „persönliche Weiterdenken“,

Feedbacks zu erhalten

zu der pädagogischen

Arbeit, die man leistet, waren

weitere wichtige Punkte. Dies

wurde unterstützt durch verschiedene

Methoden in dem

Projekt wie Rollenspiele und

Collagentechnik. Das Feedback

der Kolleginnen und das

Gemeinschaftserlebnis ergaben

eine Stärkung der Lehrerinnen,

weil sie erkennen

konnten, dass sie nicht allein

mit ihrem Problem sind, eine

andere Sichtweise und einen

neuen Blickwinkel auf die eingebrachten

Themen bekamen.

Ein weiterer wichtiger

Erkenntnisgewinn war, wie die

Einzelne eine Situation einschätzte

und wie sie die Betroffene

aber aus ihrer Entwicklung

und ihrer Persönlichkeit

heraus wahrgenommen hat.


ALLERHAND

SCHULE

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Schule: EinTummelplatz des Geistes

16

Nr. 191

OKTOBER

2007

Telling Your Life – ein

Projekt zum interkulturellen

Lernen an der

HTBLA Weiz

Seit dem Schuljahr 2005/06

gibt es im Rahmen des Europäischen

Bildungsprogramms

Comenius eine multilaterale

Schulpartnerschaft zwischen

technischen Schulen ausNordirland

(Omagh), Polen (Grodzisk

Macowiecki), Ungarn

(Nagykanizsa) und eben Weiz.

Das Ziel der gemeinsamen

Aktivitäten ist die Förderung

von Verständnis, Toleranz und

Frieden in Europa.

Dem Motto „Telling your life“

liegt folgendes Konzept

zugrunde: Telling your life –

What’s mine, what’s yours,

what will be ours. Das Eigene

wahrzunehmen als erster

Schritt, das Fremde zu sehen

und sich und dem Anderen

wertschätzend zu begegnen.

Im Gespräch darauf zugehen,

was das Gemeinsame und

Zukünftige sein könnte.

Begegnungen für eine „Kultur

des Friedens“.

Comenius, ein tschechischer

Theologe und Pädagoge im

17.Jh., definierte Bildung als

kunstvolle Anweisung Geist,

Herz, Hirn und Sprache zu

entwickeln. In diesem Sinne

soll die am Projekt beteiligte 3.

Klasse Wirtschaftsingenieurswesen

gefördert und gefordert

werden. Zu den Aktivitäten

und Maßnahmen zählen u. a.

ein verstärkter Englisch-

Unterricht, Exkursionen,

Foto-Workshops, Schreibwerkstätten,

Bewirtung von

aus- ländischen Gästen und

die Gestaltung der Homepage

www.tellingyourlife.net, auf

der jede am Projekt beteiligte

Klasse ihre Aktivitäten dokumentieren

und präsentieren

kann. Beispielsweise wählte

jede Klasse die für sie 25 wichtigsten

Wörter aus und diese

wurden in alle Projektsprachen

einschließlich Gälisch

übersetzt.

Sehr viele Dinge haben mit der

Stärkung der Selbstwahrnehmung

und Selbstkompetenz zu

tun, denn dahinter steckt das

Konzept des israelischen Friedensforschers

Dan Baron: Telling

Your Life – das eigene

Leben erzählen und wahrneh-

men, um Verständnis für das

Fremde und Andere zu bekommen.

Gleichzeitig fließen viele

Ideen der Ermutigungspädagogik

(Schoenaker-Konzept in

die praktische Umsetzung und

in die Kultur des Umgangs miteinander

ein.

Da die Jugendlichen des 21.

Jahrhunderts stark visuell und

akustisch geprägt sind, wollte

das Lehrerteam an der HTBLA

Weiz (AV DI Friedrich Gamillscheg,

Mag. Herta Kirchmaier,

Mag. Leo Krobath, Mag.

Andrea Moser-Pacher, Mag.

Edith Rosenberger) einen innovativen

Weg der Narration einschlagen:

das Bild im Zentrum

und die akustische Dimension –

Wahrnehmen, Sehen, Hören

und Zuhören.

Dass Englisch die Lingua

franca ist, versteht sich von

selbst, aber dass andere Sprachen

uns ins Gehör kommen

sollten, ist eine andere Sache.

Daher sollte bei unseren Schülerinnen

und Schülern zuerst

einmal das Gespür für ihre

eigene Jugendsprache und die

Einstellungen und Haltungen,

die dahinter stecken, geweckt

werden und gleichzeitig in

einem Prozess der Language

Awareness die Ohren für die

Sprachen unserer Partnerschulen

geöffnet werden; so können

Sie auf unserer Homepage

www.tellingyourlife.net ein

kleines multilinguales Wörterbuch

finden: zum Lesen und

zum Hören! Auch andere

Tätigkeiten konzentrieren sich

auf das Hören und Nachsprechen

der uns ganz fremden

Sprachen wie Polnisch, Ungarisch

oder Gälisch und natürlich

auf die elektronische Verarbeitung

dieser akustischen

Impulse.

Eine Sprache und eine Kunst,

die ebenfalls vermittelt werden

sollte, denn auch Bilder soll

man lesen und ästhetisch beurteilen

können, ist die Fotografie.

Franz Sattler, Meisterfotograf

aus Weiz, leitete die

Schülerinnen und Schüler an,

mit der Kamera zu erzählen: Es

entstanden wunderbar stimmige

Fotos in Weiz und auch in

unseren Partnerschulen in

Polen, Ungarn und Irland, die

in eindrucksvoller Weise das

Gesicht der Jugend in Europa

2007 repräsentieren.

Im April 2007 fand an der

HTBLA Weiz ein großes Meeting

mit allen beteiligten Schulen

statt. Schülerinnen, Schüler

und die Lehrkräfte arbeiteten

gemeinsam an einer großen

Projektpräsentation und an der

Perfektion der gemeinsamen

Homepage. Der Regelunterricht

war aufgelöst, gearbeitet

wurde in kleinen multinationalen

Teams. Die Schule war in

dieser Woche dem nähergekommen,

was dem Geist Comenius

am besten entsprechen

würde:

Die Schule sei keine Tretmühle,

sondern ein heiterer Tummelplatz

des Geistes. (Johannes

Amos Comenius)

Mag. Andrea Moser-Pacher


Nr. 191

OKTOBER

17

MUSIKTHEATER

2007

SCHULE

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Un ballo in

maschera

Eine schrecklichschöne

Show

Das Musikgymnasium

Graz-Dreihackengasse

präsentierte im Grazer

Next Liberty das erfolgreiche

Off-Broadway-

Musical „Little Shop of

Horrors“ in einer

energiegeladenen

Inszenierung von Martin

Scharnhorst.

Montag, 19. März, 9 Uhr morgens.

Draußen schickt der Winter

seine letzten Grüße vorbei,

drinnen – im Karl-Böhm-Saal

des BG & MG Graz-Dreihackengasse

– sitzen trotz eigentlich

schulfreiem Josefitag 22

Schülerinnen und Schüler und

lauschen gespannt einer eindringlichen

Stimme. Unterricht?

Ja, aber nicht im herkömmlichen

Sinn: Der

Sprecher ist Regisseur und in

wenigen Minuten wird das

Casting für das Klassenmusical

der 8m beginnen.

Das war der Anfang eines ganz

besonderen Schulprojektes, das

für jeden Mitwirkenden eine

völlig neue Herausforderung

darstellte. „Little Shop of Horrors“

wird in englischer Sprache

aufgeführt und nicht nur

alle Haupt- und Nebenrollen,

sondern auch Band und Chor

sowie Choreographie, Ausstattung,

Chor- und Bandeinstudierung

wurden von den Schülerinnen

und Schülern der 8m-

Klasse übernommen. Sogar die

gesamte Organisationsarbeit

rund um das Musical – von der

Homepage-Erstellung bis zum

Kartenverkauf – wurde Schülerinnen

und Schülern des Projektdesign-Zweiges

am BG

Dreihackengasse anvertraut,

womit das Projekt auch für die

7p-Klasse und ihre Lehrerin

Ulrike Bock graue Theorie zu

lebensnaher Praxis werden

ließ.

Die musikalische Leitung übernahm

Günter Hohl, Musik- und

Englischlehrer der 8m, für die

Umsetzung auf der Bühne sorgte

ein Profi: Martin Scharnhorst,

der schon an mehreren

großen Bühnen in Österreich

und Deutschland tätig war und

derzeit in Athen lebt, fand

Gefallen an der Idee, an einer

Schule ein professionelles

Musical auf die Beine zu stellen,

und brachte den Mitwirkenden

das Einmaleins des

Musiktheaters bei.

Eine schulinterne Generalprobe

überzeugte Michael Schilhan,

Leiter der Grazer Jugendbühne

Next Liberty, und so

konnte „Little Shop of Horrors“

Anfang Oktober in professionellem

Rahmen aufgeführt

werden.

www.littleshopofhorrors.at

(Ein Maskenball)

Melodramma in drei

Akten von Giuseppe Verdi;

Opernhaus Graz. ***

ab 15

In einer ausgezeichneten Inszenierung

(Anselm Weber) bringt

das Grazer Opernhaus unter

der musikalischen Leitung von

Johannes Fritzsch „Un ballo in

maschera“ („Ein Maskenball“)

von Giuseppe Verdi (1813 –

1901) auf die Bühne. Vorlage

für dieses Melodramma in drei

Akten, dessen Libretto von

Antonio Somma (1809 – 1864) –

unter aktiver Mitarbeit Verdis

– stammt, war „Gustav III. oder

der Maskenball“, das Eugène

Scribe (1791 – 1861) verfasst

hat. Scribe behandelt in diesem

Drama den Königsmord in

Stockholm 1792 und verbindet

das historische Ereignis mit

einer frei erfundenen Liebesgeschichte.

Ursprünglich war die Aufführung

der Oper für Neapel vorgesehen.

Behördliche Zensur

und ökonomische Überlegungen

führten jedoch dazu, dass

die Uraufführung nach einigen

Änderungen (Namen, Zeit und

Ort) am 17. Februar 1859 in

Rom stattfand.

Überzeugend verkörpert Gustavo

Porta den Grafen Riccardo,

englischer Gouverneur in

Boston. Riccardo ist in Amelia

verliebt, die ihm ebenfalls

zugetan ist. Amelia ist jedoch

die Frau von Renato, dem besten

Freund Riccardos. Sie sucht

Hilfe bei der Wahrsagerin Ulrica.

Diese schickt sie auf den

Galgenberg, eine Hinrichtungsstätte,

wo ein Kraut

wächst, das gegen diese Liebe

wirken soll.

Hervorragend ist auch die Leistung

der anderen Sängerinnen

und Sänger, besonders die von

Olga Romanko (Amelia), Alexej

Markov (Renato), Tichina

Vaughn (Ulrica) und Hyon Lee

(Riccardos Page Oscar). Gelungen

ist Hermann Feuchters

Gestaltung der Bühne, deren

Wirkung durch die entsprechende

Beleuchtung (Reinhard

Traub) zur Geltung kommt.

Alexander Loretto

alexander.loretto@schule.at


BETRIFFT: SPRACHE

Jugend übersetzt Latein & Co.

SCHULE

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18

Nr. 191

OKTOBER

2007

Wer sind die besten

Übersetzer im Land? Wer

geht mit Fremdsprachen

am geschicktesten um?

Seit 35 Jahren gibt die

Antwort darauf der

Fremdsprachen-Wettbewerb

„Jugend übersetzt“.

Ihn hat auch heuer

wieder das

Landesjugendreferat mit

gewohnter Umsicht

durchgeführt, einen

Wettbewerb, zu dem

sowohl die allgemeinbildenden

als auch die

berufsbildenden höheren

Schulen der Steiermark

eingeladen sind.

W. J. PIETSCH

Insgesamt waren es im abgelaufenen

Schuljahr 1743 Schülerinnen

und Schüler, die sich

gemeldet hatten. 1220 von

ihnen konnten sich in 90 Kursen

in den Fremdsprachen Englisch,

Französisch, Latein, Italienisch,

Spanisch und

Russisch auf den Wettbewerb

vorbereiten, über 500 Jugendliche

übten individuell oder im

Rahmen des Unterrichts. Der

Wettbewerb fand dann am 15.

März wie schon seit Jahren in

den Räumen der Grazer Wirtschaftskammer

statt. An die

440 Kandidaten stellten sich

Melanie Rogetzer, Maturantin

des BG/BRG Mürzzuschlag,

(M.) wurde für ihre Fachbereichsarbeit

„Schloss und

Herrschaft Pichl – durch die

Vergangenheit zur Gegenwart“

die Ferdinand-Tremel-

Medaille des Historischen Vereins

für Steiermark verliehen.

der Schlussklausur, davon 152

in Englisch, 87 in Französisch,

70 in Latein, 68 in Italienisch,

31 in Spanisch, 23 in Griechisch

und sieben in Russisch.

Bei den lebenden Fremdsprachen

ging es nur im ersten Teil

(von drei Aufgabenstellungen

insgesamt) ums Übersetzen (im

zweiten Teil um Lese- und Hörverständnis,

im dritten Teil um

„Sprachwissen und Schlagfertigkeit“).

In den klassischen

Sprachen Griechisch und

Latein war verlangt, den vorgelegten

Text in möglichst

gutes Deutsch zu übertragen.

In Griechisch wurden zur

Klausur zwei Stellen vorgelegt,

nämlich eine aus der christlichen

Apologie des Aristides (ca.

125 nach Christus), der als

Übungslektüre das Neue Testament

vorausgegangen war, und

eine zweite aus Euripides’ Tragödie

Alkestis. Diese Stelle war

zugleich Teil des ODEG(=

„Organisation zur Pflege der

griechischen Sprache“)-Wettbewerbs,

der heuer das 6. Mal

europaweit vom griechischen

Kultusministerium ausgeschrieben

wurde („Exploring

ancient Greek language and

culture“). In Latein bestand die

Vorbereitungslektüre aus Poggio

Bracciolinis witzigen Kurzgeschichten

und Anekdoten

(„Facetien“). Dieser humorvolle

Renaissance-Autor lieferte

dann auch die zwei Stellen für

die Schlussklausur. Der eine

Text zeigte in Anekdotenform

die Bedeutung des psychischen

Zustandes eines Menschen für

die Geschmacksempfindung,

der andere machte die Sinnlosigkeit

teuren Juwelenkultes

anschaulich.

Die festliche Preisverleihung

fand dann am Abend des gleichen

Tages im Europasaal der

Wirtschaftskammer statt. Eingeladen

hatte dazu Hofrat Mag.

Eva Maria Fluch als Leiterin

der Fachabteilung 6 A der Steiermärkischen

Landesregierung.

Karoline Zobernig moderierte

sympathisch und

sprachgewandt die Veranstaltung,

für die flotte musikalische

Umrahmung sorgte die

Gruppe „Mousse au Chocolat“,

ein Grußwort der Landesrätin

Dr. Bettina Vollath bewies,

dass auch die Politik den Wert

dieses Fremdsprachen-Wettbewerbes

erkannt hatte. LSI Dr.

Hinteregger, LSR-Vizepräsidentin

E. Meixner, Mag. Jutta

Petz als Leiterin des Landesjugendreferates

und Mag. Hochegger

vom Wifi nahmen

anschließend die Preisverleihung

vor. Insgesamt wurden

diesmal 111 Preise vergeben,

wobei sich die Anzahl der Preise

nach der Zahl der Teilnehmer

in den einzelnen Sprachen

richtete. Die Auszeichnungen

bestehen üblicherweise aus

Medaillen („Gold“, „Silber“,

„Bronze“), ferner aus Gutscheinen

für Studienreisen, aus

Büchern und CDs. Dazu

kamen diesmal MP3-Player

und USB-Sticks. Eine Besonderheit

war heuer im Anschluss

an die Preisverleihung die

Ehrung von Elisabeth Golger.

Sie hatte als zuständige Mitarbeiterin

des Landesjugendreferates

seit über 30 Jahren den

Wettbewerb mit großer Sorgfalt

organisatorisch betreut.

Ein prachtvoller Blumenstrauß

sollte der bescheidene Dank

dafür sein.

Wie schon in den vergangenen

Jahren qualifizierten sich die

Besten dieses Landeswettbewerbs

für die entsprechenden

Bundeswettbewerbe (siehe diese

Zeitschrift Nr. 187, S. 12 f.),

für die lebenden Fremdsprachen

an AHS heuer in Wien,

für BHS in Salzburg. Bereits

das 19. Mal gab es eine Bundesolympiade

für Latein und Griechisch,

welche diesmal vom 23.

bis 27. April in Fürstenfeld

stattfand. Rund 40 Jugendliche

aus Gymnasien aller österreichischen

Bundesländer und aus

Südtirol waren mit ihren Lehrern

im Jugendgästehaus dieser

Stadt zu-sammengekommen

und widmeten sich intensiver

Lektüre: In Latein den „Briefen

aus der Türkei“ des Ogier

de Busbecq, der im 16. Jahrhundert

als Diplomat des Kaisers

die damalige Türkei

bereiste. In diesen Briefen gab

er ein anschauliches Bild des

Landes und warf dabei Probleme

auf, die heute noch oder

wieder aktuell sind. In Griechisch

lasen die Kandidaten

dramatische Texte, die unter

dem Motto: „Mann und Frau –

eine Tragödie?“ standen. Daneben

absolvierten die Teilnehmer

ein umfangreiches kulturelles

Rahmenprogramm, das

vor allem Besichtigungen (Rie-

gersburg, Römersteinmuseum

Bad Waltersdorf) und eine

Stadtrallye in Fürstenfeld mit

kulturhistorischem Schwerpunkt

umfasste.

Nach der Schlussklausur, die

neben der Übersetzung auch

die richtige Beantwortung von

Interpretationsfragen erforderte,

standen die Sieger in Latein

und Griechisch fest. Die feierliche

Preisverleihung nahm dann

LSI Hofrat Mag. Marlies Liebscher

vor, gemeinsam mit Mag.

Peter Strohmeier (Akademisches

Gymnasium Graz) und

Mag. Wolfram Liebenwein

(Abteigym-nasium Seckau),

welche Letztere auch für die

perfekte Organisation dieser

Bundesolympiade gesorgt hatten.

In Latein kamen die SiegerInnen

vom BG St. Johann im

Pongau, vom Humanistischen

Gymnasium in Bozen, vom BG

Wiener Neustadt, BG Wien

XXI, BG Horn und vom ORG

Vöcklabruck, in Griechisch

stammten die drei Besten vom

Paulinum in Schwaz (Tirol),

vom Akademischen Gymnasium

in Linz und vom BG Zwettl.

Den wohl schönsten „Sieg“

konnte ein steirischer Teilnehmer

der Bundesolympiade im

Ausland erringen: Martin Bauer

(Akademisches Gymnasium

Graz) erreichte beim internationalen

Ovid-Wettbewerb, der

kurz zuvor in Sulmona (Italien)

stattgefunden hatte, in der

Kategorie der Nicht-Italiener

den 2. Platz.

„So lieb und klein

waren unsere Erstklasser

noch nie!“


Nr. 191

OKTOBER

19

2007

SCHULE

Was bedeutet es eigentlich

wirklich, wenn eine

Lehrerin einem Schüler

den Dolch an die Brust

setzt, weil dieser wieder

einmal über das Ziel

hinausgeschossen ist?

Wissen Sie, woher die

Begriffe Rohrkrepierer,

Trockentraining und

Kainsmal kommen? Und

müssen Sie aufs Land

fahren, um die Flinte ins

Korn zu werfen?

RENÉ KALLINGER

All diese Fragen und noch

viele andere zum Thema

Wortschatz können jene

Studenten und Studentinnen

der Germanistik an der Karl-

Franzens-Universität Graz

beantworten, die als Mitarbeiter

des Projekts Deutsche

WortSchätze unter der Leitung

von ao. Univ.-Prof. Dr. Wernfried

Hofmeister und Mag.

Andrea Moser-Pacher das

gesamte letzte Schuljahr im

unermüdlichen Einsatz an steirischen

Schulen waren, um

Schüler und Schülerinnen auf

die Kostbarkeiten der deutschen

Sprache aufmerksam zu

machen und für die zahlreichen

und vielfältigen Redewendungen,

Sprachformeln und bildlichen

Ausdrücke, die unsere

Sprache beinhaltet, zu sensibilisieren.

Das Projekt Deutsche

WortSchätze, welches sich aus

einem Universitätsseminar, bei

dem es um formelhaftes Sprechen

ging, entwickelte, macht

es sich dabei zur Aufgabe,

Theorien zur Etymologie und

Bedeutung von WortSchätzen

in praktischen und interaktiven

Übungen für Schüler und

Schülerinnen aufzuarbeiten,

um sie diesen dann im Unterricht

näherzubringen. Dabei

liegt das Ziel vor allem darin,

dass die Schüler und Schülerinnen,

großteils durch Übungen

in Gruppenarbeit, bekannte,

aber auch weniger bekannte

WortSchätze kennen und

anwenden lernen. Abgerundet

werden diese Übungen durch

einen kurzen, aber sehr informativen

theoretischen Überblick

darüber, wie bildliche

Sprache grundsätzlich funktioniert.

Behandelt werden vor

allem vier große WortSchatz-

Bereiche, die im Rahmen von

vier Diplomarbeiten ausgearbeitet

wurden, nämlich wehr-

www.dieschule-stmk.com

Die verborgenen

Schätze

unserer Sprache

hafte, musikalische, religiöse

und sportive WortSchätze.

Zudem ist eine fünfte Diplomarbeit

zum Thema nahrhafte

WortSchätze gerade im Entste-

BETRIFFT: SPRACHE

hen, deren Ergebnisse im Laufe

des nächsten Schuljahres ins

Projekt aufgenommen werden.

Diese reichhaltige Palette an

Themen und WortSchätzen

garantiert für den praktischen

Unterricht an den Schulen zwei

Vorteile: Einerseits kann den

Schülern und Schülerinnen ein

guter Mix an WortSchätzen

nähergebracht werden, andererseits

ist es aber auch möglich

WortSchatz-Phänomene

anhand nur eines spezifischen

Themengebiets zu unterrichten,

das die Schüler und Schülerinnen

besonders interessiert

– ein großer Vorteil für Schulen

mit verschiedenen Schwerpunktsetzungen,

wie z. B.

Musikhauptschulen oder

Sportgymnasien.

Dass dies alles sehr erfolgreich

ist und gut funktioniert,

beweist nicht nur die Statistik,

wonach das Projekt Deutsche

WortSchätze im letzten Jahr

von mehr als fünfzig Schulen in

der gesamten Steiermark

gebucht und über 4000 Schülern

und Schülerinnen nähergebracht

wurde, sondern auch

die Tatsache, dass das Projekt

mit dem Beginn des Schuljahres

2007/08 in die nächste Runde

geht. Jede Lehrerin und

jeder Lehrer, die und der daran

Interesse hat, das Projekt Deutsche

WortSchätze zu buchen,

kann dies auf der Homepage

des Projektes http://www.unigraz.at/wortschaetze

tun. Auf

dieser Homepage finden sich

auch viele interaktive Spiele

sowie umfangreiche Begriffsund

Bilddatenbanken rund um

das Thema WortSchätze. Bitte

reinschauen! Da dieses Projekt

vom Steirischen Landesschulrat

gefördert wird, fallen für

Pflichtschulen keinerlei Kosten

an. In Schulen, die keine

Pflichtschulen sind, wird ein

Betrag von zwei Euro pro

Schüler und Schülerin erhoben.

In diesem Betrag sind alle

Leistungen (Anreise der StudentInnen,

Materialien etc.) für

einen zweistündigen Unterricht

inkludiert. Eine Investition,

die sich sicherlich auszahlt.

Kontakt für Rückfragen:

Anmeldemöglichkeit, Abwicklung

und Fachdidaktisches:

Mag. Andrea Moser-Pacher

andrea.moser-pacher@uni-graz.at;

Tel.: 0316/380-8175 bzw. 2442;

Fax: 0316/380-9761

Sprachkundliches: Ao. Univ. Prof.

Dr. Wernfried Hofmeister

wernfried.hofmeister@uni-graz.at;

Tel.: 0316/380-2451; Fax:

0316/380-9760


LESEN

SCHULE

www.dieschule-stmk.com

20

Nr. 191

OKTOBER

2007

Harald Heppner (Hg.), Reisen und

Geschichte verstehen. Leitfaden für

eine neue Weltsicht. Unter Mitarbeit

von Edith Riepl, Eva Posch und Anna-

Katerina Frizberg (Wien: Verlag Braunmüller

2007), 136 S. ISBN 978-3-

7003-1600-8

„Wenn einer eine Reise tut,

dann kann er was erzählen.“

Dieses alte Sprichwort hat heute

im Zeitalter der globalen

Vernetzung dieselbe Gültigkeit

wie in der Vergangenheit, als

Bilder von fremden Ländern,

Kulturen und Menschen noch

nicht mittels Fernsehen und

Internet jederzeit ins Wohnzimmer

geholt werden konnten.

Denn sich selbst in fremde Örtlichkeiten

zu begeben, heißt

selbst einzutauchen und Bestandteil

zu werden in einer

unbekannten Umgebung.

Neues wird ganzheitlich mit

allen Sinnen aufgenommen

und dabei vielleicht Interesse,

Erstaunen und Wohlempfinden

oder aber auch Ängste, Ablehnung

oder Misstrauen empfunden.

Diese historischen Informationen

können sich die

Reisenden über mündliche Reiseführungen

vor Ort oder über

Reiseliteratur aneignen, doch

viele der im Handel erhältlichen

Reiseführer bieten zwar

erhebliches Faktenwissen,

jedoch oft keinen befriedigenden

Einblick in die Geschichte.

Heppner kommt in seinem

Werk bewusst ohne Anmerkungsapparat

und Bibliographie

aus, da sich das Buch in

erster Linie an eine nicht wissenschaftlich

arbeitende Leserschaft

wendet, für die die praktische

Verwendung im Vordergrund

steht. Damit eignet

sich dieser Leitfaden besonders

für Geschichtelehrer- und -lehrerinnen,

die in diesem Buch

neue oder weitere Ideen finden

können, um ihren Schülerinnen

und Schülern im Unterricht

selbst oder im Rahmen von

Exkursionen einen persönlicheren

und intensiveren

Zugang zur Geschichte zu

ermöglichen.

Dr. Rosemarie Hochstrasser

Am 23. Mai 2007 war es so

weit! Das LeseNetzWerk.Steiermark

präsentierte sich mit

einem Symposium in der Wirtschaftskammer

der Öffentlichkeit.

Schon der Einladung

konnte man entnehmen, dass es

sich dabei um eine besondere

Veranstaltung handelt, denn

allein acht Institutionen traten

als Veranstalter auf und auch

die Zielgruppe zeigte eine große

Bandbreite. So waren KindergartenpädagogInnen,

LehrerInnen

aus allen Schultypen,

(Schul-)BibliothekarInnen,

BuchhändlerInnen und und

und vertreten.

Damit wurde bereits die Richtung

eingeschlagen, in die sich

das LeseNetzWerk aufgemacht

hat.

Gegründet wurde das Lese-

NetzWerk.Steiermark vom

Landesschulrat für Steiermark,

vom Buchklub Steiermark und

vom Pädagogischen Institut des

Bundes in Steiermark, Abt.

APS, um eine Koordination

aller steirischen Einrichtungen,

die sich mit Lese- und

Literaturerziehung befassen, in

die Wege zu leiten.

Das gemeinsame Ziel ist die

Steigerung der Lesekompetenz

von Kindern und Jugendlichen

in der Steiermark. Dazu ist es

nötig, Synergieeffekte zu nützen

und auf Kooperationen zu

setzen. Wie bunt und vielfältig

die Leselandschaft hierzulande

ist, bewies dann auch der

„Marktplatz“.

Aber zuerst zum Eröffnungsreferat

von Dr. Christina Gastager-Repolust,

die aus Salzburg

zu uns gekommen war. Ihr

Referat mit dem Titel „Wenn

ich lese, wird die Welt ganz

weit“ führte uns von den

Höhen einer Gipfelbibliothek

(www.gipfelbibliothek.com) in

die Niederungen des alltäglichen

Lernens, das nicht immer

Spaß macht, sondern eben

manchmal auch mühevoll ist.

Außerdem machte sie uns

bewusst, wie wunderbar die

Kinderklassiker sind und dass

es sich lohnt, sich um diese vermehrt

zu bemühen. Den Wert

des Vorlesens brachte sie mit

der Aussage „Vorlesen ist Liebe“

auf den Punkt.

Natürlich sind das nur einige

wenige Aussagen aus ihrem

dichten Referat. Wer will, kann

aber noch mehr erfahren, denn

LeseNetzWerk. Steiermark

es gibt auch ein Buch von ihr,

dessen Titel „Von Autos, Männern

und anderen Frauenthemen.

Heiteres und Satirisches

für zwischendurch“ (fram), ein

Lesevergnügen der besonderen

Art verspricht.

Nachdem BSI Edith John (Landesreferentin

des Buchklubs

Steiermark) über die Entstehungsgeschichte

und Ziele des

Lesenetzwerks informierte,

erfolgte die Präsentation der

Homepage des LeseNetz-

Werk.Steiermark durch LSI

Hermann Zoller. Hier finden

sich alle 30 Personen aus den

Institutionen und Gruppierungen,

die sich in der Steiermark

vor allem um das schulische

und vorschulische Lesen bemühen.

Im Zentrum dieser Gruppe

steht der Präsident des LSR

Steiermark, Mag. Wolfgang

Erlitz, der diese Tagung auch

eröffnete. Neben der Steuergruppe,

die sich aus VertreterInnen

des LSR, des Buchklubs

und des Pädagogischen Instituts

Stmk. zusammensetzt, sind

folgende Institutionen vertreten:

Schulpsychologie, Lesezentrum

Steiermark, Stmk.

Landesregierung – FA. 6B,

Österr. Jugendrotkreuz Stmk.,

Literaturhaus Graz/Bookolino,

Zeitung in der Schule (ZIS),

Fachgruppe der Buch- u.

Medienwirtschaft der WK

Stmk. u. a.

Neugierig geworden? Dann

informieren Sie sich unter

www.lsr-stmk.gv.at , LeseNetzWerk

Steiermark – ein Klick

genügt und schon können Sie

Genaueres über die verschiedenen

Organisationen und Gruppierungen,

aber auch die handelnden

Personen erfahren.

Darüber hinaus gibt es die

Möglichkeit, sich verschiedene

Texte zur Lesepädagogik und -

didaktik herunterzuladen. Praxisorientierte

Tipps findet man

unter „Schule des Lesens“.

Eine Liste weiterführender

Links befindet sich ebenfalls

auf der Homepage, die natürlich

ergänzt und erweitert

wird.

Bei der Tagung gab es nach der

virtuellen Begegnung die Möglichkeit,

mit den Menschen hinter

den Institutionen ins

Gespräch zu kommen. An insgesamt

zehn liebevoll gestalteten

Ständen luden die Lesepartner

zur Information und

zum Austausch ein. Das

Gedränge der ca. 200 Personen

zeigte, wie gut diese Form der

Präsentation angenommen

wurde.

Im Anschluss lud Susanne

Riha in ihre Werkstatt ein und

erzählte von der Entstehungsgeschichte

ihrer Bücher. Sie

gestaltet hauptsächlich Tierund

Naturgeschichten und

malt ihre Bücher mit dem Luftpinsel,

einer Airbrushtechnik,

die auf diesem Sektor einzigartig

ist. Christoph Mauz, der vor

allem mit den Tscho-Geschichten

bekannt wurde, verführte

mit großem Schauspieltalent in

die Welt der Detektive.

Zum Schluss gebührt nicht nur

den teilnehmenden Institutionen

und Gruppierungen ein

herzliches Dankeschön, sondern

auch jeder einzelnen Kollegin

und jedem Kollegen, der/

die große steirische Lesefamilie

verstärkt! Prof. Elfie Kainz-Kazda


Nr. 191

OKTOBER

21

BUCHKLUB AKTIV

SCHULE

2007

Buchklub aktuell

www.dieschule-stmk.com

Was machen die Augen …?

punkt

Einsatz von „celeco®

Richtig Lesen Lernen“

zur Förderung von

SchülerInnen

mitLesedefiziten.

„celeco® Richtig Lesen Lernen“

wird als computerunterstütztes

Diagnose- und Therapieprogramm

für Lese- und

Rechtschreibschwäche eingesetzt.

Der Entwickler des Programms,

der Münchener Neuropsychologe

Dr. Reinhard

Werth, kommt in seinen

Untersuchungen zum Schluss,

dass 10 bis 20 Prozent der

Grundschulkinder in der

Lese-Rechtschreib-Leistung

hinter dem Durchschnitt

zurückbleiben. Diese Ergebnisse

finden in den Untersuchungen

von österreichischen

VolksschülerInnen ihre Bestätigung,

wobei die Tatsache,

dass diese hohen Prozentsätze

bei uns bis zum Ende der

Pflichtschulzeit beinahe

unverändert bleiben, großen

Handlungsbedarf signalisieren

. Die Lesedefizite, durch

unterschiedliche Lesestörungen

verursacht, konnten

schon bisher durch standardisierte

und freie Analyseverfahren,

z. B. Salzburger Lesetest

(SLT), Salzburger Leseund

Rechtschreibtest (SLRT)

bzw. Methode nach Wedel-

Wolff diagnostiziert werden.

Bei allen Verfahren, auch bei

computerunterstützten „celeco(r)

Richtig Lesen Lernen“,

ist die wichtigste Vorgabe,

dass ein möglichst genaues

Eingrenzen der Ursache der

Lesestörung erzielt wird, die

in der Folge mit entsprechend

abgestimmten Übungsinhalten

behoben, abgeschwächt

oder zumindest umgangen

werden soll. Jedes Kind soll

dabei individuelle Fortschritte

machen können, nicht das

Erreichen einer Gesamt-

Durchschnittsleistung ist

anzustreben.

Grundsätzlich wird am

Beginn einer Suche nach den

Ursachen einer Lesestörung

eine augenärztliche Untersuchung

empfohlen. Brechungsfehler

usw. können abgeklärt

werden, erste Hinweise können

sich in der schulischen

Lesepraxis durch gezielte

Fragestellung der Lehrkräfte

ergeben: „Was machen deine

Augen beim Lesen?“, „Verschwimmt

nach einer gewissen

Zeit des Lesens der Text?“

usw. Wahrnehmungsstörungen,

durch „Sehfehler“ verursacht,

sind komplex und können

in unterschiedlichen

Formen auftreten, z. B. wenn

kleine „blinde“ Bereiche beim

Sehen Teile von Buchstaben

verdecken. Bei manchen

leseschwachen Kindern ist die

Fähigkeit, Buchstaben zu

unterscheiden, eingeschränkt.

Es empfiehlt sich ein Verfahren,

zwei Buchstaben hintereinander

zu zeigen und zu fragen,

ob die Buchstaben

identisch waren oder nicht.

Werden Buchstaben nicht

sicher erkannt, ist die Übung

des Erkennens von Buchstaben,

die kurzzeitig (bis 300

Millisekunden) dargeboten

werden, vorrangig. Die Phonemabrufzeit

(Beginn der

Darbietung bis zum Aussprechen

des dazugehörenden

Lautes) soll deutlich unter

einer Sekunde liegen.

Das weiterführende „buchstabierende

Lesen“ kann für

Kinder ein Problem sein,

wenn sie die Mitlaute b, c, d,

f, ... als [be], [ce], [de], [ef] ...

erlernt haben. In diesem Fall

wird angeregt, den Buchstaben

immer mit einem benachbarten

Buchstaben auszusprechen,

also [ba] bei Baum,

[be] bei Berg, [bl] bei blau

usw. Trotzdem kann auf das

Erlernen der Buchstaben als

Einzellaute, b als [b], c als [c],

d als [d], nicht verzichtet werden,

weil das „buchstabierende

Lesen“ für das Erlesen von

schwierigen (unbekannten

oder schwer auszusprechenden)

Wörtern notwendig ist.

Weil beim flüssigen Lesen

nicht Buchstaben für Buchstabe,

sondern silben- bzw.

wortweise gelesen wird, soll

beim darauf aufbauenden

„segmentierten Lesen“ die

Fähigkeit geübt werden, mehrere

Buchstaben oder längere

Silben gleichzeitig zu sehen

und zu erkennen. Hierbei

werden drei Buchstaben so

kurz dargeboten, dass sie

gerade noch erkannt werden.

In weiterer Folge vier Buchstaben

bei etwas längerer

Darbietungszeit, dass sie

gerade noch erkannt werden,

anschließend Darbietungszeit

verkürzen.

Eine Blickbewegung innerhalb

der Buchstaben ist zu

vermeiden. Deshalb die Buchstabengruppe

so groß und

kontrastreich präsentieren,

dass sie in ca. 200 ms erkannt

werden kann. Wesentlich ist,

eine Buchstabengruppe nicht

beim ersten Buchstaben oder

am Ende mit den Augen zu

fixieren. Eine farbige Fixationsmarke

hilft, die Augenbewegungen

diesbezüglich zu

steuern.

Bei seinen Untersuchungen

hat der Autor des Programms

festgestellt, dass in vielen Fällen

zu kurzes Erfassen einer

Buchstabengruppe und/oder

zu vieler Buchstaben auf einmal

für ein Lesedefizit verantwortlich

ist (ebenso dafür,

dass Kinder beim „Korrekturlesen“

ihre eigenen Fehler

beim Schreiben nicht sehen).

Die Sakkade, der Blicksprung

zum nächsten Fixationspunkt,

erfolgt zu rasch und ist

zu groß. Lautfolgen, die „erlesen“

wurden, brauchen eine

gewisse Zeit, um vom Gehirn

„abgerufen“ zu werden. Diese

Zeit kann von Kind zu

Kind stark variieren (500 ms

bis mehrere Sekunden), aber

diese Zeit muss man den Kindern

geben. Als Ausgangs-

für die Therapie muss

ebenso die Blicksprunggröße

an die individuelle Lesefähigkeit,

nicht an eine Normgröße

(5 – 6 Buchstaben in 250 ms),

angepasst sein.

Einen störenden Einfluss

beim flüssigen Lesen können

Wörter verursachen, die nach

dem „Erlesen“ und dem

anschließenden, zu frühen (!)

Blicksprung noch nicht im

Gehirn „gelöscht“ sind und

das Erlesen des nächsten Wortes

zeitlich verlängern. Die

Prozesse Lesen – Erkennen –

Abrufen – Speichern müssen

vor dem nächsten Blicksprung

erfolgen, sonst kommt es zu

einem Störeinfluss (Regression,

d. h. die Augen springen

zurück auf bereits Gelesenes).

Das Gehirn kann überfordert

sein bei der Lösung beider

Aufgaben. Umgekehrt führt

zu lange Fixation zu einem

langsamen Lesen, das aber

nicht therapiebedürftig ist.

Deshalb sollen diese Kinder

nicht zu schnellerem Lesen

aufgefordert werden! Überhaupt,

das ist das Resümee des

Autors von „celeco(r) Richtig

Lesen Lernen“, ist die richtige

Augenbewegungsstrategie

entscheidend für die Verbesserung

der Leseleistung.

Bei diversen Fortbildungsveranstaltungen

und in der schulischen

Anwendung konnte

ich in den letzten Jahren

Erfahrungswerte zu „celeco(r)

Richtig Lesen Lernen“ sammeln,

wobei mich von Anfang

an die vielschichtige Einsetzbarkeit

dieses Programms,

seine individuell anzupassenden

Diagnose- und Übungsmöglichkeiten

und die automatische

Protokollierung von

Diagnose- und Übungsdaten

beeindruckten.

HOL Karl Tösch,

Buchklub-Bezirksreferent

für Grazer Hauptschulen

Weitere Informationen rund um

das Programm, das in einer

Übungs- und Profiversion

angeboten wird, gibt es im Internet

unter www.celeco.de


FRISCH & G’SUND

Selbsterfahrungstraining

Dass Outdoortraining nicht

immer mit Kommerz verbunden

sein muss, konnten Schülerinnen

der HBLA Schrödingerstraße

gemeinsam mit Schülern

der Forstschule Bruck erleben.

Nicht konsumieren stand im

Mittelpunkt dieser Veranstaltung,

sondern es ging um das

Trainieren von Selbsterfahrung

und Teamerfahrung mit einfachen

Methoden in naturnaher

Umgebung.

Im Rötzgraben bei Trofaiach

hat die Forstschule Bruck ein

Jagdhaus, in dessen Umgebung

gute Bedingungen für naturnahes

Lernen gegeben sind. Hier

konnten die SchülerInnen

ihren Selbsterfahrungsbereich

nach bewährten Outdoorprinzipien

mit Übungen wie Run &

Dip, Barfuß und Blind und

einem Nachtbiwak erweitern.

Ebenso wurde auf eine Erweiterung

des Teamerfahrungsbereiches

Wert gelegt.

Mit Übungen wie Acid River

und einer Bachüberquerung

sowie dem schon erwähnten

Nachtbiwak konnten die

Teams ihre Kommunikationsfähigkeit,

ihre Planungs- und

Kooperationstalente und das

Führungsverhalten erleben und

dabei ihre eigene Position im

Team erfahren.

Wenn auch der für ein positives

Outdoortraining wichtige

Reflexionsteil mit Schülern nur

bedingt durchführbar ist, kann

man doch behaupten, dass diese

Form des Outdoortrainings

nicht nur für den persönlichen

Bereich jedes Schülers positiv

zu bewerten ist, sondern dass

auch die Klassengemeinschaft

und die Stellung des Einzelnen

im Klassenverband eine neue

Qualität erfahren hat.

SCHULE

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22

Nr. 191

OKTOBER

2007

Gut besucht oder voll

daneben? Marketingstrategien

fürs Schulbuffet

Stellen Sie sich Folgendes vor:

Mit viel gutem Willen und Entscheidungskraft

wird das Jausenangebot

am Schulbuffet

gesünder und ökologischer

gestaltet. Doch was machen die

SchülerInnen? Sie boykottieren

das gesunde Angebot! Die Buffetbetreiber

bleiben auf ihrer

Ware sitzen, die SchülerInnen

laufen scharenweise zur Konkurrenz

vor den Schultoren

über! Also doch besser alles

beim Alten lassen?

Es gibt gerade am Schulbuffet

eine Vielzahl engagierter und

wohlmeinender Maßnahmen,

Projekte und Aktionen, die versuchen

jungen Menschen eine

gesunde Ernährung näher zu

bringen. Diese scheitern jedoch

häufig an der Realität: Die

Zielgruppe wird einfach nicht

erreicht.

Ein gutes Schulbuffet ist

natürlich nur dann gelungen,

wenn es auch gut geht. Doch

was wünschen sich Kinder und

Jugendliche? Wie ist diese Zielgruppe

am Lernort Schule für

ein besseres Ernährungsverhalten

zu motivieren? Patentrezepte

gibt es keine. Jede Altersgruppe,

jedes Schulsetting bietet

unterschiedliche Möglichkeiten

und Erfordernisse. Der

erste und wichtigste Schritt ist

aber immer die SchülerInnen

als KonsumentInnen besser

kennen zu lernen und sie als

KundInnen ernst zu nehmen.

Diese Fragen werden unter

anderem am Kongress „Das

gute Schulbuffet – Neu.Steirisch.Bio“

am 8. November

2007 in Graz mit dem bekannten

Kinder- und Jugendforscher

Ingo Balovic vom Münchner

Meinungsforschungsinstitut

iconkids & youth aufgearbeitet.

Er wird am Kongress zum Thema

„Gesund ist uncool oder:

Wie ticken SchülerInnen?

Denkweise und Motive der

Zielgruppe“ referieren. Für

besonders Interessierte gibt es

am Nachmittag die Möglichkeit

sich im Workshop „Was spricht

SchülerInnen an? Marketingstrategien

für zufriedene KundInnen“

noch ausführlicher mit

den Marketingmaßnahmen fürs

Schulbuffet zu beschäftigen.

Kongress „Das gute Schulbuffet.

Neu. Steirisch. Bio“

am 8. November 2007 in der Wirtschaftskammer,

Graz

Veranstalter: ARGE Gänseblümchen auf

Vogerlsalat

mit Unterstützung durch die steirische

Landesregierung, dem Fonds Gesundes

Österreich, der GKK Steiermark, gutessen

consulting u. a.

Das detaillierte Programm finden Sie auf

www.gutessen.at.


Nr. 191

OKTOBER

23

FRISCH & G’SUND

2007

SCHULE

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10

AH

Gesundheit

S

in

der Schule

Auf dem Weg zu Gesundheit

Im Schuljahr 2006/07

wurde am BORG

Kindberg eine Reihe von

Aktivitäten und

Veranstaltungen zum

Thema Gesundheit und

Sicherheit organisiert –

Theorie und Praxis …

Am

Beginn des Unterrichtsjahres

stand

ein Besuch der Steirischen

Landesausstellung

„Wege zur Gesundheit“ in

Bruck/Mur für die 6. und

7.Klassen auf dem Plan. Die

Bewusstseinsbildung, dass

Gesundheit definitiv der

bedeutendste Faktor einer

guten Lebensqualität ist, stand

hierbei im Vordergrund. Die

SchülerInnen gewannen Einblicke

sowohl in die Schul- als

auch in viele Bereiche der

Komplementärmedizin und

nachhaltige Eindrücke über

Faktoren, die die Gesundheit

beeinflussen, wie zum Beispiel

Ernährung, Bewegung, Hygiene,

soziale und wirtschaftliche

Voraussetzungen.

Um zusätzliches Informationsmaterial

weitergeben zu können,

besuchten Lehrkräfte des

BORG Kindberg Seminare, wie

„Grundlagen zum Thema

Sucht und Suchtprävention“,

„Sport und Ernährung“ sowie

„Bewegung – ein Schlüssel zum

Wohlbefinden“. Ein sowohl

von SchülerInnen, LehrerInnen

als auch von Eltern besuchter

Vortrag des Schularztes Dr.

Gerhard Antensteiner zum

Thema „Gesunde Ernährung“

bildete einen weiteren Pro-

grammpunkt des Gesundheitsprojektes.

Dr. Antensteiner

stellte anschließend der Schule

auch das von ihm verfasste

Buch „Kochen fürs Herz“ zur

Verfügung. Im Rahmen des

Unterrichts wurden die

Erkenntnisse aus dem Referat

in den folgenden Unterrichtseinheiten

zusammengefasst

und gefestigt.

Im Dezember 2006 beschäftigten

sich die SchülerInnen der 7.

Klassen im Wahlpflichtgegenstand

Biologie zu diesem

Schwerpunktthema mit Pharmazie,

nämlich mit dem Themenbereich

„Mobilisierung des

geistigen Potenzials durch die

Stimulierung psychotroper,

endogener Substanzen“. Es

wurden sowohl die Substanzen

der „Drogenapotheke“ im

Menschen aufgezeigt als auch

die Methoden zur Mobilisierung

endogener Substanzen,

also Stimulierung der Selbstheilungs-

und Selbstregulierungskräfte

im Menschen,

besprochen: unter anderem

aktives Imaginieren, autogenes

Training, Meditation, katahymes

Bilderleben ((Tagtraum-

Technik), Extremsport, Reizüberflutung

und Reizentzug

und besonders welche Substanzen

durch Bewegung im Körper

entstehen.

Einen weiteren Baustein des

Projektes zum Aufbau einer

gesundheitsfördernden Schule

bildete die Einladung des

Ernährungs- und Mikronaturstoffberaters

Wolfgang Jast. Er

hielt für die SchülerInnen der

6. und 7. Klassen im Februar

2007 einen Vortrag mit dem

Titel „Lebensgewohnheiten im

21. Jahrhundert“ mit anschließender

Diskussion.

Nachdem die SchülerInnen

durch die verschiedenen Aktivitäten

im Bereich Gesundheit

schon stark für dieses Thema

sensibilisiert waren, besuchten

die 5. Klassen im Mai 2007 das

Institut für Geschichte der

Medizinischen Universität

Wien.

Im Rahmen des Projektes

„Focus on Animals“, zu dem

österreichweit neun interessierte

Schulen ausgesucht wurden,

ging es in den 6.Klassen

um „KosmETHIK“. Dabei

wurde fächerübergreifend versucht,

die Verbindung zwischen

Kosmetik und Ethik zu

beleuchten.

Fragen wie „Was ist für den

Menschen, das Tier und die

Natur gut?“ und „Wie sieht

eine menschengerechte bzw.

humane Ordnung der Gesellschaft

aus?“, „Sind Tierversuche

für die Kosmetikindustrie

notwendig?“ oder „Welche

Kosmetika soll man für die

Körperpflege verwenden?“

wurden vorgestellt und diskutiert.

Heutzutage spielt Geld

eine große Rolle. Es gibt große

Preisunterschiede bei Kosmetikprodukten.

Naturkosmetische

Produkte, die meist ohne

Tierversuche hergestellt werden,

haben einen höheren Preis

und werden deshalb oft von

den Kunden nicht gekauft. Sie

bevorzugen dann billige Produkte

ohne darauf zu achten,

welche Inhaltsstoffe darin enthalten

sind und ob Tierversuche

dafür nötig waren. Auf

einer eigens dafür kreierten

Homepage wurden die Ergebnisse

zusammengefasst und der

Schulgemeinschaft vorgestellt.

Schon Tradition an unserer

Schule hat die unverbindliche

Übung Wirbelsäulengymnastik.

In enger Zusammenarbeit

mit dem Schularzt wird den

SchülerInnen ein individuell

abgestimmtes Training für diesen

Bereich angeboten.

Natürlich kann und soll ein

Projekt „Gesundheit“ nicht

nach einem Jahr abgehakt,

erledigt sein und „ad acta“

gelegt werden – das BORG

Kindberg sieht es als Grundstein

für eine auch in Zukunft

gesundheitsorientierte,

gesundheitsfördernde Schule.

Mag. Anna Breyner

OStR. Mag. Rainer Dornhofer,

Koordination

Dir. Mag. Peter Schütky


LAST, BUT NOT LEAST

Prüfungsaufgaben

Vorbereitung für die Aufnahmsprüfung

in die

Mittelschule:

Der Weg in die Mittelschule

führte

etwa in der Zwischenkriegszeit

des

20. Jahrhunderts über

die „Aufnahmsprüfung“.

Um den zehnjährigen Schülern

nach der Volksschule das Nehmen

dieser Hürde zu erleichtern,

wurden von kompetenten

Personen z. B. Oberlehrern i.

R. (!?!) Broschüren mit

Übungsbeispielen herausgegeben.

Hier zwei Beispiele:

Im

Prüfungsaufgabe aus Sprachlehre

Analysiere folgenden Satz:

„Festgebannt sitze ich in einem

bescheidenen weißen Korbstuhl

aus Weidengeflecht in

der Veranda.“

Prüfungsaufgabe aus

Rechnen

„Ein Straßenbahnfahrschein

kostet im

Vorverkauf 33 g, ein

Frühfahrschein 21 g, ein

Rückfahrschein 44 g. Der

Frühfahrschein ist nur bis 8

Uhr früh gültig. Bei Benützung

des Rückfahrscheines muß die

Fahrt vor 8 Uhr früh angetreten

werden und darf die Rückfahrt

erst nach 13 Uhr erfolgen.

Wieviel muß ein Kind, das keine

Schülerkarte hat, in 4

Wochen zahlen, wenn es täglich

um 8 Uhr Unterrichtsbeginn

und zweimal wöchentlich

um 13 Uhr und viermal um 12

Uhr Unterrichtsschluß hat?“

Heidrun Gollesch, Graz/ Stainz

Zeitspiegel

SCHULE

www.dieschule-stmk.com

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herbstZeit im LM Joanneum

Zu den Ausstellungen Volksgarten. Die Politik der Zugehörigkeit,

Modell Martin Kippenberger. Utopien für alle und

UN/FAIR TRADE. Die Kunst der Gerechtigkeit bieten wir

einen dialogisch aufbereiteten, aktiven Umgang mit den

Ausstellungsthemen und einen direkten Zugang zu den

Kunstwerken. Altersspezifisch gestaltet, für

Kinder/Jugendliche von 6 bis 18 Jahren.

Modell Martin Kippenberger. Utopien für alle

bis 06.01.2008, Kunsthaus Graz

Die Ausstellung rückt den „Weltverbesserer“ Kippenberger

ins Blickfeld und zeigt damit ein zukunftsweisendes Modell

künstlerisch-gesellschaftlichen Engagements.

Vermittlungsangebote: Extraklasse (Oberstufe), Vom

Nudelfreund und Lebensstaubsauger (1. – 6. Schulstufe).

Volksgarten. Die Politik der Zugehörigkeit

bis 13.01.2008, Kunsthaus Graz und öffentlicher Raum

Die Ausstellung

zeichnet ein Porträt

der Bezirke Lend

und Gries, an deren

Schnittstelle sich

das Kunsthaus

Graz befindet.

24

Nr. 191 171

NOVEMBBER OKTOBER

2007 2005

Koproduktion mit

steirischer herbst.

Spezielle Vermittlungsangebote:

Extraklasse (Oberstufe),

Fremdsein,

Heimischsein,

Miteinandersein im

Bezirk „Heimat“

(1. – 6. Schulstufe).

Volksgarten © Pierre Huyghe, Streamside Day,

2003

Tolles Trio zu fünft

Die MHS Oberwölz besteht seit

dem Schuljahr 1980/81 und

wird mit vier Musikklassen und

den dazu parallelen Nichtmusikklassen

sehr erfolgreich

geführt. Viele Schüler unserer

Musikklassen haben sich im

Vereinsleben ( Blasmusik, Chor

etc.) integriert und einige

Absolventen haben die Musik

zu Ihrem Beruf gemacht. Die

SchülerInnen erhalten an der

Schule neben der Musiktheorie

eine solide Ausbildung im

Chorgesang, Ensemble- und

Instrumentalunterricht.

Neben vielen Aufführungen,

Musicals, Konzerte, Messgestaltungen,

Advent- und Weihnachtsfeiern,

Jugendsingen,

Vorspiel- und Schlussabende,

sind wir auch stolz, eine Big-

Band führen zu können.

So „nebenbei“ hat sich aber

auch ein Gesangstrio gebildet –

die drei Mädchen, Anna

Gitschtaler (1. Stimme, Querflöte),

Lydia Schurl (2. Stimme,

Gitarre), Victoria Reicher (3.

Stimme, Gitarre), besuchen die

4m-Klasse –, das von den beiden

Schülerinnen Lisa Auer

(Klavier, Tenor- und Altflöte)

und Verena Reif (Steirische

Harmonika und Schlagzeug)

unserer Musikhauptschule

begleitet wird.

Höhepunkt der „Karriere“ dieses

Quintetts war sicherlich die

kürzlich erfolgte Produktion

einer CD mit drei Liedern verschiedener

Genres.

UN/FAIR TRADE. Die Kunst der Gerechtigkeit

bis 25.11.2007, Neue Galerie Graz

Die Ausstellung UN/FAIR TRADE. Die Kunst der Gerechtigkeit

in der Neuen Galerie Graz präsentiert „Fair Trade“

als elementares Gegenwartsthema. Rund dreißig KünstlerInnen

behandeln das Thema in Fotografien, Filmen,

Videos, Installationen, Malerei und Plastik.

Koproduktion mit steirischer herbst.

Vermittlungsangebote für alle Schulstufen.

Anmeldung für alle Programme bitte 1 Woche vor dem gewünschten

Termin.

Kunsthaus Graz, Lendkai 1, 8020 Graz, T: 0316/8017-9200

kunstvermittlung@museum-joanneum.at, www.kunsthausgraz.at

Ö-Zeiten: Di – So 10:00 – 18:00 Uhr

Neue Galerie Graz, Sackstraße 16, 8010 Graz, T: 0316/829155-9341

peter.peer@museum-joanneum.at, www.neuegalerie.at

Ö-Zeiten: Di – So 10:00 – 18:00 Uhr

P. R.

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