Glarner Woche, Glarus Süd, 3.4.2013

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Glarner Woche, Glarus Süd, 3.4.2013

glarus süd

GZA/PPA • 8867 Niederurnen

glarner woche

Nr.

14, 3. April 2013

www.glarnerwoche.ch

INHALT

■ PERSÖNLICH

«Es ist ein Privileg, so frei zu

sein», sagt Markus Landolt,

ehemaliger Firmeninhaber von

horgenglarus ag. Seite 5

■ NEUER VEREIN

Der neue Verein «Glaris

lueget hanä» möchte die

Dynamik der Gewalt reduzieren.

Seite 7

■ UMFRAGE

Wie oft gehen Sie zum

Zahnarzt? Seite 9

■ 1. HILFE BEI HUNDEN

Was ist zu tun, wenn der Vierbeiner

etwas geschluckt hat,

das gefährlich werden könnte?

Seite 19

■ TRACHTEN

Die Werktagstracht. Seite 27

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«Das Pilgern ist des Glarners Lust» – der neue Felix-und-Regula-Pilgerweg soll Tore nach Zürich öffnen.

Ein Pilgerweg für das Glarnerland

Ein neuer Pilgerweg öffnet Tore nach Zürich: Pilgerbegeisterte

sollen bald auf den Spuren von Felix

und Regula nach Zürich wandern und dabei eine

Geschichte kennenlernen, die den Glarnern

abhanden gekommen ist.

■ Von Tina Wintle

«Wer pilgert, hat immer einen

Grund für seine Reise und ein Ziel

vor Augen.» Pilgern führt zur eigenen

Mitte, schafft Begegnungen

Bild pixelio

führt zur Selbsterkenntnis. «Eigentlich»,

ist Martina Landolt,

Glarner Ärztin und Pilgerin, überzeugt,

«weiss man anfangs oftmals

nicht genau, warum man eine

Pilgerreise antritt. Eine Lebenskrise,

ein Burn-out, unbeantwortete

Fragen, ein Ruf oder einfach

nur Neugierde sind Gründe,

weshalb sich Menschen weltweit

zu Fuss auf Pilgerreisen aufmachen.

mit anderen Menschen, Kulturen

und Mentalitäten. Pilgern lüftet

den Kopf, leistet einen Beitrag zur

ganzheitlichen Gesundheit und bMehr auf Seite 3

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Die Felix und Regula-Quellen im

Tierfehd sind Ausgangspunkt

des neuen Pilgerweges.

Bild Josef Kohler


Mittwoch, 3. April 2013 Pilgerweg

glarner woche 3

In unzähligen Stunden hat das Komitee Glarner Pilgerweg nach Möglichkeiten und Ideen für den neuen Glarner

Pilgerweg gesucht. (Von links) Martina Landolt, Josef Kohler, Reimund Born.

Bild Tina Wintle

bFortsetzung von Seite 1

Die Erkenntnis, warum man genau loslaufen

musste, kommt meist erst nach der Reise,

vor der Reise gilt meist zuerst einfach einmal:

‘Der Weg ist das Ziel’.»

Facetten des Pilgerns

Es sind Bücher wie «Ich bin dann mal weg»

von Hape Kerkeling, die ab 2000 den Pilgerboom

mitauslösten. Plötzlich machten sich

Scharen von Pilgern auf den Weg nach den

Heiligen Stätten, Christen, Atheisten, Muslime

und andere Glaubensanhänger. «Das

Schöne daran ist», so Martina Landolt, «dass

man unterwegs das Leben mit anderen Pilgern

teilt, egal woher man kommt und wer

man ist.

Geschätzte 200 Millionen Menschen machen

sich jährlich zu Fuss zu christlichen Wallfahrtsorten,

hinduistischen Tempeln oder einem

muslimischen Grab auf. Gegen 200 000

Menschen alleine wandern pro Jahr zur bekannten

Pilgerstätte, nach Santiago de Compostela.

Sie alle müssen sich mit den physischen

und psychischen Anforderungen einer

solchen Reise auseinandersetzen.

Viele kommen zurück und machen sich

gleich wieder auf den Weg. Auf die Frage, ob

Pilgern auch süchtig machen kann, erklärt

Martina Landolt: «Natürlich, wenn es zum

Zwang wird. Aber damit wird der Sinn des

Pilgerns verfehlt. Denn letzlich geht es dasrum,

innerlich freier und heiler zu werden.»

Pilgern im Glarnerland

Es war um Pfingsten im letzten Frühsommer,

als Josef Kohler plötzlich und sprichwörtlich

auf verschiedene Quellen stiess. Einerseits

verschlug es ihn mit seinem Velo ins Tierfehd,

wo ihm zwei eingesessene Glarus Südler

die Augen für die Quellen öffneten, nach

denen er lange vergeblich gesucht hatte. Als

er die zwei Quellen vor sich sah, habe sich in

ihm etwas Enormes bewegt, beschreibt er

das Gefühl, das ihn damals überkam. So

stiess er letzlich zur Felix und Regula-Quelle

vor. «Warum», so fragte er sich, «werden die

beiden Geschwister, die ersten christlichen

Glaubensbotschafter, die über den Klausenpass

ins Glarnerland und weiter nach Zürich

flüchteten, wohl in Zürich als Märtyrer und

Schutzpatrone verehrt, im Glarnerland aber

weder kirchlich integriert noch touristisch

genutzt?» In ihm keimte die Idee eines Pilgerweges

vom Tierfehd bis nach Zürich, eine

Idee, die er erst einmal in einem Brief formulierte

und an interessierte Kreise schickte.

Die Vision eines Pilgerweges löste in diesen

Kreisen viel Akzeptanz, teils gar Begeisterungsstürme

aus, man entschied sich, die

Idee des Pilgerweges auf den Spuren von Felix

und Regula weiterzuverfolgen. «Als Zürcher

möchte ich vom Glarnerland aus ein Tor

nach Zürich öffnen, ich möchte umgekehrt

auch die Zürcher begeistern für ein Stück

Tradition im Glarnerland, für eine Geschichte,

die selbst den Glarnern abhanden gekommen

ist.»

Startschuss zur ersten Glarner Pilgerreise

Unterdessen wurde ein Komitee gegründet,

welches das Projekt Pilgerweg Glarnerland

trägt und begleitet. Die erste Pilgerreise auf

dem neuen Pilgerweg ist für den September

geplant, eine Gruppe wandert vom 19. bis

am 22. September vom Tierfehd aus nach

Zürich.

Dabei sind Pilgerinteressierte aller Glaubensrichtungen

herzlich willkommen. Die

Reise ist auch für Pilgeranfänger geeignet,

das Gepäck wird jeweils von einem Begleitfahrzeug

transportiert. Organisatorisch wird

diese Pilgerreise unter Mithilfe von Reimund

Born aufgezogen, der ebenfalls grosse Erfahrung

im Gruppenpilgerreisen mitbringt. «Jeder

soll gehen, wie er will, meistens sind die

Pilger für sich allein, sind in den eigenen Gedanken

versunken», sagt er. «Aber trotzdem

werden wir als Gruppe unterwegs sein, die

sich nach dem Schwächsten richtet.» Das

Schöne am Gruppenpilgern sieht Reimund

Born darin, dass man jeweils abends zusammen

glücklich sein kann, die Freude des Erreichten

teilen, das gemeinsame Ankommen

zelebrieren kann.

Die Tagesetappen der ersten Glarner Pilgerreise

sind: Tierfehd–Näfels, Näfels–Kloster

Uznach, Kloster Uznach–Busskirch, danach

steigt die Gruppe auf das Schiff um und

kommt am 22. September auf dem Bürkliplatz

in Zürich an, wo sie feierlich von Gästen

aus Kirche und Politik empfangen wird. Danach

steht ein kulturelles Programm in der

Stadt Zürich an, wo auch der Besuch der

Grabstätte von Felix und Regula geplant ist.

«Ich wünsche mir für den Pilgerweg, dass alle,

die diese Reise unter die Füsse nehmen,

schöne Begegnungen haben, Geschichten

und Lebenserfahrungen teilen, egal welcher

Glaubensrichtung», sagt Martina Landolt.

Eine Pilgerreise sei immer auch eine Lebenserfahrung,

von der man lange zehren könne.

«Pilgern stärkt die Einsicht, dass wir alle

Menschen einer einzigen Menschheit sind.»

FELIX UND REGULA

Die Geschwister Felix und Regula sollen

Mitglieder der Thebäischen Legion gewesen

sein. Mauritius, der Kommandant der

Legion, riet ihnen zu fliehen, was den beiden

auch gelang. Zusammen mit ihrem Diener

Exuperantius flohen sie über die Furka

und den Klausenpass ins Glarnerland, folgten

schliesslich der Linth und gelangten

nach Zürich. Sie wurden aber entdeckt,

und als sie sich trotz Folter weigerten, die

römischen Götter anzubeten, wurden sie

enthauptet. Die Legende erzählt, dass sie

ihre Köpfe in den Armen trugen und 40 Ellen

der Limmat entlang gingen. Begraben

wurden sie dort, wo heute das Grossmünster

steht. Durch alle Jahrhunderte hindurch

zierten sie das Staatssiegel des Kt. Zürich.

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