Berlin! - der Fahrgast

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Bahnnetz von Berlin zurück, wie es bis

1945 bestanden hatte. Nach der Wiedervereinigung

der Stadt 1990 kamen alle Beteiligten

aber schnell überein, dass ein

Aufbau der alten Kopfbahnhof-Standorte

nicht in Betracht kommt. Vielmehr wurden

Planungen aufgegriffen, die es zum

Teil seit Beginn des 20. Jahrhunderts

gab und die eine Zentralisierung der einzelnen

Bahnhöfe – immerhin sechs, ursprünglich

gar acht Kopfbahnhöfe, dazu

die Bahnhöfe auf der Stadtbahn – vorsahen.

Eine Verbindung von den früheren

Bahnhöfen an der südlichen Innenstadt,

dem Potsdamer und dem Anhalter, zum

Lehrter Bahnhof an der Stadtbahn bot

sich geradezu an und wurde schließlich bis

2006 auch realisiert. Diese Nord-Süd-Fernbahntrasse

wurde schon 1990 als „Achsenkreuz-Modell“

von der Deutschen Reichsbahn

(DR) ins Gespräch gebracht. Im

Unterschied zu den letztlich ausgeführten

Anlagen war der Kreuzungsbahnhof jedoch

nicht als Hauptbahnhof vorgesehen,

sondern sollte sich seine Aufgaben mit bestehenden

und teilweise neu zu errichtenden

Bahnhöfen teilen.

Gemeinsam mit der Deutschen Bundesbahn

und dem Bundesverkehrsministerium

wurde schließlich 1992 das als

„Pilz-Konzept“ bekannt gewordene

Bahnsystem vorgestellt und im Wesentlichen

auch realisiert: Der Nordring bildet

den „Hut“, die Stadtbahn die „Krempe“

und der neue Nord-Süd-Tunnel den

„Stiel“ des Pilzes. Der Entwurf hob den

Kreuzungsbahnhof deutlicher heraus,

„Hauptbahnhof“ war aber noch nicht im

Gespräch.

Schwierigkeiten bei den Bauarbeiten –

ein Wassereinbruch 1997 allein verzögerte

die Errichtung des Tieftunnels um zwei

Jahre – wie auch davonlaufende Kosten

veranlassten die Bahn im Frühjahr 2000 zu

einer Korrektur der Planungen. Immer

wieder wurde der Termin der Inbetriebnahme

verschoben; erst auf 2000, dann

2002, schließlich 2006. Dann allerdings

mussten die Bahnhöfe wenigstens so weit

fertig sein, dass sie den Ansturm der aus

aller Welt angereisten Fußballfans aufnehmen

konnten: 2006 richtete Deutschland

die Fußball-WM aus, Berlin war

Spielort.

Die Einschnitte waren im Vergleich

selbst zum ursprünglichen Pilz-Konzept

erheblich und sind zum Teil bis heute nicht

nachgeholt. So wurde die S-Bahn-Nordsüd-Anbindung

(S21, siehe Kasten auf

Seite 13) in den Hauptbahnhof auf unbestimmte

Zeit verschoben, der Südring

vorerst nicht für den Fernverkehr wieder

aufgebaut, und es entfielen drei geplante

Zulaufstrecken, die Potsdamer Stamm-

bahn, die Dresdner Bahn und die Nordbahn.

Am Hauptbahnhof, der zu jener

Zeit immer noch als „Lehrter Bahnhof“ in

der Diskussion und in der Presse auftauchte,

setzte Bahnchef Hartmut Mehdorn

persönlich Änderungen durch. Die Kürzung

des Hallendaches und der Ersatz einer

Kathedralen-Architektur durch eine

Flachdecke im Tiefbahnhof führten zu Gerichtsprozessen

mit dem Architektenbüro

– Kosten gedämpft und den Bau beschleunigt

haben sie nicht wirklich. Am Bahnhof

Gesundbrunnen entfiel vorerst das Empfangsgebäude.

Als erster neuer Fernbahnhof ging

übrigens Berlin-Spandau schon 1997 in

Betrieb. Er entstand an neuer Stelle direkt

am Rathaus, womit ein kurzer Übergang

zur U-Bahn gewährleistet ist. Der alte

Bahnhof Berlin-Spandau heißt seitdem

Stresow und ist nur mehr S-Bahn-Haltepunkt.

Die ICE-Schnellfahrstrecke nach

Braunschweig und Hannover folgte erst

mit einem Jahr Verzug. Ebenfalls 1998 eröffnete

der Ostbahnhof nach einjährigem

Umbau neu.

Am 26. Mai 2006 gingen schließlich

in Betrieb: Der neue Hauptbahnhof mit

dem offiziellen Namensmonstrum „Berlin

Hauptbahnhof Lehrter Bahnhof“, die

Fernbahnhöfe Gesundbrunnen und Südkreuz

(ehemaliger S-Bahnhof Papestraße),

die Regionalbahnhöfe (im engeren

Sinne Haltepunkte) Jungfernheide und

Lichterfelde Ost sowie 70 Kilometer neu

verlegter Gleisanlagen.

Bis dahin bestandene Fernzughalte in

den Bahnhöfen Zoologischer Garten und

Friedrichstraße werden durch die zahlrei-

Berlin-Karlshorst übernimmt wichtige

Auf gaben im Vorortverkehr nach Osten.

chen RE-Linien auf der Stadtbahn wie auf

der Nord-Süd-Achse aufgefangen. Die

Zugfolge allein auf der Stadtbahn wie die

Abfolge der Haltebahnhöfe – Zoologischer

Garten, Hauptbahnhof, Friedrichstraße,

Alexanderplatz, Ostbahnhof –

Typisch für den Berliner Bahnverkehr sind durch Bauarbeiten bedingte Umleitungen mit zum

Teil kräftigen Fahrzeitverschiebungen, EC nach Warschau am Biesdorfer Kreuz, Mai 2010.

derFahrgast 2/2011 11

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